Tour Croatia: Is Porec the New Ibiza ?

Sommer, Sonne, Spaß, 24-Hour-Party People, das ist Ibiza. "Porec is the New Ibiza" – so dröhnt es selbstbewusst aus den Boxen kroatischer Dancefloor-Freaks. Doch entspricht das der Wahrheit oder wird hier wieder mal maßlos übertrieben ? Grund genug, ein Wochenende nach Porec zu düsen und das kleine Küstenstädtchen im Norden Kroatiens unter die Lupe zu nehmen.

 

Porec liegt an der Westküste Istriens, die man auch gerne nobel als "kroatische Riviera" bezeichnet, und beheimatet gerade einmal 17.000 Einwohner. Zur Urlaubs-Hauptsaison allerdings steigt die Bewohnerzahl in der Region auf 70.000 (!). Und diese liegen nicht falsch, wenn nicht goldrichtig. 

 

Porec war einst eine kleine Siedlung der Illyrer und Histrier, die ca. 100 v. Chr. von den Römern erobert wurde. Und diese prägten auch das "oppidum" mit seinen historischen Bauten. Deren Hauptgasse "Decumanus Corso" ist heute die nicht ganz so sündige "Ibiza-Meile" der Stadt, mit alten römischen Häusern und Foren, Tempelfragmenten, natürlich auch mit zahlreichen eingegliederten Bars, Restaurants, Jeans- und Souvenirshops. Hauptattraktion ist die wunderschöne Euphrasius-Basilika, ca. um 600 v. Chr. erbaut, die seit 1997 zu den UNESCO-Weltkulturerben gehört. Sehenswert auch die Liebfrauenkirche direkt am Eingang des Decumanus und die 3 noch übrigen der ehemals 11 Türme umfassenden Befestigungsanlage. Im Torre Rotonda einige Meter vom Meer entfernt kann man genüsslich auf der Terrasse einen Bar-Drink zu sich nehmen.

 

Porec gehörte übrigens einst auch zur Habsburgermonarchie. Vorher noch im Besitz der Dogen von Venedig war Porec von 1797-1918 Teil Österreichs. Der italienische Einfluss war allerdings durch die italienische Oberschicht im istrischen Landtag ungebrochen. Italienisch und nicht Kroatisch war die Schulsprache. 1918 fiel Porec an Italien, 1946 nach der Pariser Friedenskonferenz – genauso wie ganz Istrien - an Jugoslawien. 

 

Als Teil Kroatiens ist Porec seit Juli 2013 auch Mitglied der EU und top-besuchter Ferienort vieler Mittel- und Südeuropäer. 21 Strände der Region sind mit der "blue flag" ausgezeichnet, dem höchsten Qualitätsmerkmal für nachhaltigen (Umwelt)-Tourismus. Die Strände nördlich und südlich der Altstadt sind bequem per Touristenzug erreichbar und ohne Spezialeintritt benützbar. Vor allem die Pinienwälder entlang der Strände und der romantische Ausblick auf das weite, weite Meer verleihen Porec eine besondere Atmosphäre. 

 

Und auch das Nachtleben kann sich sehen lassen. Wie in Ibiza-Stadt sind entlang der Ufer- und Yachtenpromenade zahllose Bars, Clubs und Lounges wie das Cocktail-Paradies Epoca oder der Nachtclub "Saint & Sinner" untergebracht. Bei einigen Bars wie dem "Divino" oder dem "Caffe del Mar" wurde zumindest beim Namen ungeniert bei der La Isla Blanca geklaut. 

 

Internationale House- und R&B-Beats aus der kroatischen Dance-Floor-Szene gibt es im Byblos an der Zelena Laguna, ca. 5 km von der Altstadt Porec entfernt, zu hören. Open-Air-Feeling im Stile des Privilege direkt in einem Park mit Swimming Pool und Light Effects, naturgemäß etwas kleiner, allerdings auch nur mit 10 (und nicht 80 Euro) Eintritt. David Guetta, Benny Benassi oder David Morales sorgten dort schon für durchtanzte Nächte bis in den Morgengrauen. Und damit schließt sich der Kreis: Porec ist natürlich nicht Ibiza, aber: Auch andere Mütter haben schöne Töchter. Aber nur wenige sind so bezaubernd wie die kroatische Küstenstadt...

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Twin City Lining – One Day in Bratislava.

Nur ca. 55 km trennen die europäischen Donaustädte Wien und Bratislava. Naheliegend, dass zwischen diesen beiden Metropolen eine schnelle Wasserverbindung eingerichtet wurde, und zwar in Form des seit Juni 2006 in Betrieb stehenden Twin City Liners. Der Katamaran bringt täglich mit einer Geschwindigkeit bis zu 70 km/h zahlreiche österreichische Tages- und Wochenendtouristen nach Bratislava, der Hauptstadt der seit 1993 unabhängigen Slowakei. Um die 413.000 Einwohner sind derzeit in Pressburg (so die deutsche Bezeichnung) angesiedelt. Wirtschaftlich erzielt Bratislava 25 % des slowakischen BIP und beschäftigt vorwiegend Personen im Dienstleistungssektor. Das Durchschnittsgehalt der Arbeitnehmer beträgt trotzdem nur monatlich 969 Euro Brutto, und es ist trotz aller Wachstumsprognosen nicht alles Gold, was glänzt.

 

Überstrahlt werden verfallene, kommunistische Wohnblöcke und depressiv anmutende Plattenbauten durch die historische Altstadt, die direkt an der Donau liegt und die man nach Verlassen des Twin City Liners leicht zu Fuß erkunden kann. Am prunkvollsten erscheint dabei die Burg Bratislava, die man erst nach dem zweiten Weltkrieg restauriert hat und von der man einen Blick über die gesamte slowakische Hauptstadt hat. Gleich in der Nähe befinden sich die gotische Kathedrale des Hl. Martin, einst Krönungskirche von Maria Theresia, und das letzte erhaltene Stadttor, das Michaelertor.

 

Auf den 2 großen Hauptplätzen der Altstadt befinden sich nicht nur weitere historische Sehenswürdigkeiten (wie das Alte Rathaus oder der Primatial-Palast), sondern auch zahlreiche Cafes, Kneipen und Clubs, in denen man nicht nur ein paar Bier heben, sondern auch die Nacht zum Tag machen kann. Berühmt-berüchtigt ist hier vor allem die Silvester-Nacht ("Partyslava"), kulturell anspruchsvoll das Sommerfestival "Kulturne Leto". Zuletzt visitierte im Altstadtklub KC Dunaj Skandal-Rocker Pete Doherty.

 

Als besondere Eyecatcher begeistern in der Altstadt zwei Bronzefiguren. "Cumil", der Gaffer, der aus einem Kanaldeckel herausblickt, und der "Schöne Naci". Letztere Skulptur basiert auf dem verarmten, tschechischen Stadtoriginal Ignac Lamar, der – durch die Straßen ziehend mit Zylinder, Frack und Lackschuhen – jede Frau mit "Küss die Hand" begrüßt hat.

 

Bereits 1919 wurde die älteste rein slowakischsprachige Universität Bratislavas, die Comenius-Universität, gegründet. Von dort ist es nicht weit bis zum vielleicht schönsten Gebäude Bratislavas, der Sankt Elisabeth-Kirche. Bekannt ist der Jugendstilbau aufgrund des blauen Majolikamosaiks unter dem Namen "Blaue Kirche". Über dem Eingang befindet sich ein Mosaik, das das berühmte "Rosenwunder" darstellt. Im Mittelpunkt dieser Legende steht die ungarische Landgräfin Elisabeth von Thüringen, die sich im 13. Jahrhundert – unstandesgemäß – für Bettler und Arme einsetzte und der die Kirche geweiht ist.

 

Außerhalb der üblichen Touristenpfade hat auch in Bratislava der Konsumwahn in Form riesiger Kauftempel mit internationalen Markenläden Einzug gefunden, geöffnet ist hier in der Regel täglich. Dem historischen Charme der Stadt hat dies bis jetzt allerdings (noch) nicht geschadet.

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„Goldene Stadt“ Prag - Mystische Aura unter gleißendem Sonnenschein

Es weht ein schauriger Hauch von Geschichte, wenn man durch die verwinkelten, mittelalterlichen Gässchen der Altstadt von Prag wandelt. Der Name Prag soll von „prahy“ (den Stromschnellen der Moldau) oder von „prazeny“ (niedergebranntes Land) stammen. Gebräuchlich ist allerdings vor allem die symbolhafte Bezeichnung „Goldene Stadt“. Ein Name, der sich nicht von den im Sonnenlicht golden schimmernden Fassaden und Turmspitzen herleitet, sondern vom ehemaligen deutschen Kaiser Karl IV.. Dieser wollte aus Prag eine fürstliche Metropole voller wirtschaftlicher und kultureller Blüte machen, und das ist ihm – trotz aller kriegerischer Greuel und systemischer Umstürze danach – auch gelungen.

 

Karl IV. war verantwortlich für den Bau der ersten Universität Mitteleuropas, der Karlsbrücke, des gigantischen St. Veits-Doms und einer weiteren Vielzahl von Kirchen und Prunkbauten der tschechischen Metropole. Sehenswürdigkeiten, die heute noch Millionen von Touristen nach Prag locken. Die 520 m lange Karlsbrücke ist seit 1357 die Verbindungsstrecke zwischen den Moldauufern, auf der 30 prunkvolle Heiligenfiguren mit religiös-historischem Hintergrund thronen (wie jene des durch einen Brückensturz ermordeteten Märtyrers Johannes von Nepomuk). Der Legende nach wurde beim Bau Eiweiß in den Mörtel gemischt. Sei´s wie´s sei – die Karlsbrücke hat nicht nur Weltkriege und seltsame Anglizismen („Charles Bridge“) überlebt, sondern auch die vielen (seit kurzem lizenzierungspflichtigen) Straßenkünstler und Gaukler, die die Touristenströme mit Souvenirs überschwemmen wollen. Echte Melancholie oder Romantik stellt sich aber sowieso erst ein, wenn man in der Abenddämmerung auf der Brücke Richtung Moldau blickt und man in übersinnlicher Eingebung Smetanas Musik-Epos geistig infiltriert. Dann wirken die in der Dunkelheit unheimlichen Heiligenfiguren auch etwas sanftmütiger als sonst.

 

Die Karlsbrücke, DAS Wahrzeichen Prags, war natürlich in Vorzeiten auch ein Teil des Krönungsweges der böhmisch-tschechischen Kaiser zwischen Altstädter Ring und dem Hradschin. Jenem Areal, das jeden historisch, bautechnisch und kulturell begeisterten Besucher Prags die Herzen höher schlagen lässt. Hervorstechend sind neben den vielen gotisch-barocken Häusern vor allem das alte Rathaus mit seiner astronomischen Uhr und der 60m hohen Aussichtsplattform, die Teynkirche, die St. Nikolaus-Kirche oder das Ehrendenkmal des Jan Hus, der sich gegen die Verweltlichung der Kirche wandte und schlussendlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

 

Nur eine von (scheinbar unendlich) vielen Tragödien, die sich in der tschechischen Metropole im Laufe der letzten Jahrhunderte abgespielt haben. Vor allem der Wenzelsplatz mit seinem Reiterdenkmal, heute eine bunte Mixtur aus historischen Bauten, Hotels, Shopping Malls, Souvenirshops und Würstchenbuden, war im 20. Jahrhundert lokaler Mittelpunkt von historischen Revolutionen und Umstürzen. 1918 wurde hier die tschechische Unabhängigkeit ausgerufen, 1948 den Kommunisten zugejubelt. Am 21. August 1968 rollten die Panzer des Warschauer Paktes ein und beendeten den von Presse- und Meinungsfreiheit geprägten Prager Frühling. Am 16. Jänner 1969 übergoss sich der 20jährige Student Jan Palach als Protest gegen die Besetzung Prags mit Benzin – ein sorgsam gepflegtes Ehrendenkmal erinnert heute noch an ihn. Und auch das Ende des Kommunismus widerspiegelte sich auf dem Wenzelsplatz: Nur einige Tage nach einer brutalen Niederschlagung einer Studentendemo präsentierte sich dort im November 1989 der spätere Staatspräsident Vaclav Havel gemeinsam mit der Legende des Prager Frühlings, Alexander Dubcek, vor 750.000 Menschen, das KP-Regime trat wenig später zurück.

 

Seit 1993 sind Tschechien und die Slowakei separiert, unter dem neuen Präsidenten Vaclav Klaus fand Tschechien mit 77 %-Zustimmung der Bürger den Anschluss an die EU. 2007 trat das Land dem Schengen-Raum bei, wodurch man jetzt ohne Grenzkontrollen nach Prag reisen kann. Und dort anstatt mit Euro noch in Kronen zahlen muss. Vielleicht auch ein Mitgrund, warum man vor allem in den touristenferneren Bezirken Prags noch günstig einkaufen, speisen und trinken kann.

 

Apropos Trinken. Die Tschechen sind die Europameister im Bierkonsum und trinken durchschnittlich pro Jahr 162 Liter Staropramen, Gambrinus, Budweiser oder Pilsner Urquell. Bei Preisen von 1 Euro pro Krügerl kein Wunder. Die traditionellen Bierkneipen, („Pivnice“) sind aber vor allem auch ein gemütlicher Ort des Zusammentreffens verschiedenster Menschentypen und Berufsgruppen, bei der gerne auch über den Durst getrunken, gesungen und musiziert wird.

 

Wer Prag aus der Luft sehen will, der kann dies nicht nur von den Aussichtsplattformen des alten Rathauses und der Brückentürme der Karlsbrücke, sondern auch vom hypermodernen Fernsehturm von Zizkov und vom Eiffelturm. Wie bitte ? Zuviel ins Glas geguckt ? Nein, seit 1891 steht auf dem per pedes oder per Standseilbahn erreichbaren Hausberg der Prager, dem 318 m hohen Petrin, eine 60 m hohe Miniaturform des Eiffelturms, gebaut anlässlich der Prager Industrieausstellung.

 

Ein heißer Tip übrigens für einen Wanderausflug. Vom Petrin-„Gipfel“ gelangt man innerhalb einer halben Stunde durch einen Wald hindurch zum Kloster Strahov und zum Hradschin, dem Herrschersitz Tschechiens. London Calling dort vor den Toren in Form der Ablösen der attraktiven Burgwachen. 82 m ragt dort der St. Veits-Dom in die Höhe, die ehemalige Krönungskirche der Kaiser. Umso possierlicher wirkt da das „Goldene Gässchen“ mit seinen winzigen bunten Häusern. Legenden sprechen auch von alchemistischen Blei-Gold-Zaubereien dort, tatsächlich waren aber dort die Burgwacheleute untergebracht und viele Goldschmiede, die aufgrund strenger Zunftregelungen in der Altstadt dort ihr Brot verdienten.

 

Im Haus Nr. 22 residierte während des 1. Weltkrieges einst Franz Kafka, einer der großen Schriftsteller der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie, der einen Großteil seines Lebens in Prag verbrachte. Dass seine Werke und Roman(fragmente) wie „Der Prozess“ oder „Das Schloss“ überhaupt der Nachwelt erhalten blieben, verdankt man seinem Freund Max Brod, der sie gegen den testamentarischen Willen Kafkas veröffentlicht hat. Begraben wurde Kafka übrigens auf dem Jüdischen Friedhof im Stadtteil Josefov. Denkmal, Museum, Buchhandlung, Cafe und natürlich auch die Souvenir-Shirts deuten auf seine nachhaltige Wirkung in Prag.

 

Auch der pazifistische Ex-Beatle John Lennon wurde in der „Goldenen Stadt“ verewigt. Eine mit Graffitis besprühte Hippie-Mauer – genannt die „John Lennon“-Mauer – nahe der Karlsbrücke im Kampa-Künstlerviertel wurde zum Symbol des Kampfes gegen die Obrigkeit und gegen die Unterdrückung in den 80ern. Nach einer Überschwemmung der Moldau 2002 teilweise zerstört, wurde sie allerdings einem Remake unterzogen. Prag, Prager und Prager Denkmäler bringt eben so leicht keiner um.

 

Auch die Avantgarde-Kultur bekommt in Prag ihre Chance, so zum Beispiel im durchgestylten Museum für zeitgenössische Kunst. Provokateure wie David Cerny dürfen sogar das kultisch verehrte Wenzel-Reiterdenkmal ambivalent mutieren – zu sehen in der Lucerna-Passage nahe dem Original, wo der Reiter auf dem verkehrt hängenden Pferd sitzt. Das extravaganteste Gebäude Prags steht direkt am Moldauufer und wird liebevoll „Ginger & Fred“ genannt. Und tatsächlich: Frank Gehrys „Tanzendes Haus“ sieht wirklich so aus, als ob das geschwungene Gebäude mit dem senkrechten Nachbarbauwerk ein Tänzchen aufs Parkett legt.

 

Wenn es Nacht wird im schaurig-mystischen Prag, dann treibt es die Party People nicht nur in die Kneipen und Jazzbars, sondern auch in die Diskotheken. House, Disco, Drum & Bass, Hip Hop, 80´s und 90´s-Parties werden angeboten, in einem Club sogar alles unter einem Dach. Ehemals ein öffentliches Bad, bietet das Karlovy Lazne seit 1999 nahe der Karlsbrücke einen auf 5 Etagen platzierten „Five Story Club“ mit 5 unterschiedlichen Musikrichtungen, DJ´s und Bars. Etwas sehr kommerziell und bei den Treppenabgängen sehr heruntergekommen, der Mainstream-Touristenclub funktioniert allerdings – ohne Dresscode und vergleichsweise geringem Eintritt (150 Kronen = 6 Euro) - prächtig. Neuer Hype ist das im Erdgeschoß angesiedelte Ice Pub, bei der alle 30 Minuten neue Gäste mit Jacken und Handschuhen eingelassen werden und in einem mit minus 7 Grad abgekühlten Raum bei Cocktails und Heineken abfeiern können.

 

Ob Sightseeing-Tour, History-Deja-Vu, Kultur-Trip, Bierverkostung oder Disco-Party-Urlaub, Prag ist immer eine Reise wert. Und nicht nur ehemalige tschechische Einwohner kehren immer wieder gerne in die Goldene Stadt zurück. Auch ohne eine Münze in einen Brunnen zu werfen. Man ist ja schließlich nicht in Rom...

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Insomnia @ Ibiza 2011 – La Isla Blanca never sleeps…..

In den jetsettigen 60ern und 70ern war Ibiza, die drittgrößte Baleareninsel, die Insel der Reichen und Schönen, bis der Massentourismus (der heute 95 % des Bruttoinlandsprodukts ausmacht) die La Isla Blanca erobert hat. In den 80ern war die internationale Revolution der House- und Rave-Szene ein Auslösepunkt für einen neuen Typus von Urlauber, den Club- und Partyhopper. Die ersten sophisticated Dance-Parties fanden 1987 in der ehemaligen „Amnesia“-Finca statt, mit dabei der britische Kult-DJ Paul Oakenfold und die Ibiza-Legende DJ Alfredo. 24 Jahre später hat sich zwar einiges verändert, der schrill-schräge Ibiza-Hype ist aber weiterhin ungebrochen.

 

Die ehemals größte Disco der Welt, das „Privilege“ (ehemals „Ku“), heute mit ca. 10.000 Party People Fassungsvermögen hinter einer Dubaier Diskothek „nur“ mehr die Nr. 2, lockt zwar nicht mehr mit den tabulosen, fleischesnackten „Manumission“-Parties der 90er, stattdessen aber mit der holländischen Trance-Legende Tiesto, spanischen Top-DJ´s oder coolen Live-Acts wie Taio Cruz oder Jamiroquai. Das Umfeld allerdings hat sich verändert, das Privilege steht nicht mehr in der Einöde von San Rafael als radikaler Antagonismus zu kleinen Töpfer-Häuschen der Einheimischen, sondern liegt inmitten einer modernen Infrastruktur von Shops, Villen und einer neuerrichteten, teilweise noch immer heftig umstrittenen 15km-Autobahn (C731) zwischen Eivissa und San Antonio.

 

Dies gilt auch für das gegenüberliegende „Amnesia“, das man 1995 nach Verlassen des nächtlich verkehrenden Discobusses nur mittels Durchwanderung einer kargen Rasenfläche erreichen konnte. Die ehemalige Finca ist aufgesplittet in einen überdachten Terrace Floor und einen Main Floor und Sommer-Residenz für den Liverpooler Club Cream, der seit 17 Jahren 5.000 Party People all over the World mit trancig-housigen Vibes von Paul van Dyk, Ferry Corsten, Laidback Luke oder Calvin Harris begeistert. Weitere Highlights: der technoide Cocoon-Wahnsinn von Sven Väth, der neue dubstep& drum and bass-angehauchte „Tonight“-Club und natürlich die kultige Espuma-Party, die bereits in den 90ern die schwitzenden Bodies der Clubber beschäumte.

 

Viel hat sich an der Playa den Bossa, dem mit 2,7 km längsten Strand Ibizas verändert, und zwar zum Positiven. Gab es dort in den 90ern noch ballermannartige deutsche Kneipen und Bars mit Bullenreiten und trivialer Schlagermusik, so bestimmt nun auch dort der internationale Clubbing Spirit die Straßen und Gassen. Der populäre Manchester-Club „Sankeys“ hat die von Teutonen beherrschte Großraumaufrissdisco „Kiss“ verdrängt, alte Hotels wurden renoviert und in opulente Schmuckkästchen transformiert. Best Examples: das „Ushuaia“ oder das Delano Beach Hotel. Absoluter Kult weiterhin der „Bora Bora“-Beach, wo man sich gegen eine Gebühr von 10 Euro pro Tag auf bequemen Strandliegen ausschlafen und den minimal-technoiden Elektro-Beats lauschen kann bzw. am frühen Abend bereits bei den Pre-Parties für die großen Clubs Gas geben kann. Für Top-Sound direct on the Beach garantiert auch der deutsche DJ Mettylectro, zuletzt auch Gast auch bei Martin Negers Ibiza Opening Party in Gneixendorf, der an der Tiare Bar täglich von 14 bis 22 Uhr die internationalen Party People zum Tanzen bringt, egal ob im Pool, am Strand oder in den chilligen Strandbettengarnituren. Mehr häuslich als housig dagegen die Dreharbeiten zur germanischen Doku Soap „X-Diaries – Love, Sun and Fun“, dem letzten ibizenkischen Vorhang deutscher Simplizität.

 

Englische Verhältnisse herrschen zumeist im 15 km entfernten San Antonio, dem Haupttourismusort britischer Teens und Twens, die inmitten von „Westend“-Bars, Burger-Buden und eines prachtvollen Yachthafens dort trinken und feiern bis zum Umfallen. Das ehemalige Fischerdorf beherbergt allerdings auch die edlen Diskotheken Eden (mit Sunday-Resident Judge Jules) und Es Paradis (mit ihren im Morgengrauen beginnenden „Singin´in the Rain-Water Parties) ..... und natürlich das legendäre Cafe del Mar. Dort wo gegen Ende des Tages die balearischen Urlauber an den Klippen sitzen, der verträumten Chill-Out-Musik lauschen und verliebt Richtung untergehende Sonne blicken.

 

In Eivissa, der 47.000-Einwohner-Hauptstadt der Baleareninsel, beginnt während dieser Zeit das hurtige Treiben in den engen Straßen von Dalt Vila, gleichzeitig UNESCO-Weltkulturerbe. Schicki-Micki-Protzer, aufdringliche Disco-Schlepper, eitle Selbstdarsteller, sexy Clubbing-Ladies, ausgeflippte Gays, nach Umsatz geifende Barbesitzer – der tägliche, nächtliche Carneval in der Altstadt Ibizas. Der solange dauert, bis die nach Fun, Love and Sex verrückte Party Community ab in die „Sodom&Gomorrha“-Diskotheken ihrer Wahl düst.

 

In dem seit 1973 bestehenden Nobel-Club Pacha, berühmt durch seine „Two Cherrys“-Trademarks, trennt man die 3.000 Gäste – mittels VIP-Bereichen und Etagen – in Promis (wie Kate Moss, Paris Hilton, dem nach einem Yachtsturz an einem Schädeltrauma leidenden Seal oder Fußballstar David Villa), Rich Kids und in „normale“ Clubber, die Preise sind astronomisch (1 kleines Bier 12 Euro), der Großteil der frenetisch tanzenden Party People hat ohnehin erweiterte Pupillen. Die Zeremonienmeister der Nacht heißen Mr. „Fuck me I´m famous“ David Guetta, Axwell-Ingrosso-Angello (aka Swedish House Mafia) oder der Schweizer Underground-DJ Luciano, Schirmherr der Cadenza Vagabundos am Sonntag.

 

In der ehemaligen „After Hour“-Hochburg „Space“ zelebrieren die Dance-Protagonisten Maxi Jazz und Sister Bliss von Faithless live im Rahmen einer Abschluss-Club-Tour (?) das Motto der Insel: „Insomnia“ – zu deutsch „Schlaflosigkeit“. Die 24 Hour-Party People-Szene ist trotz der eingeschränkten Öffnungszeiten der Clubs – um 7 Uhr früh müssen die Clubber die Discos verlassen – noch lange nicht am Ende. Ob da die afrikanischen CD-Verkäufer etwas damit zu tun haben ? Nicht ausgeschlossen, dass „zufälligerweise“ im Cover einer verkauften Carl Coxx-CD mal ein kleines Glückspillchen oder Glückskekschen drinnen schlummert. 5 Drogeneinsätze hat das Hospital Can Misses in Ibiza täglich zu verzeichnen, die Clubber schwärmen trotzdem für das kongeniale T-Shirt „Drugs saved my Life“.

 

„3 Tage wach“ – ist doch ein wunderschönes Lebensgefühl ?! Und wenn die Wirkung nachlässt und Depressionen die Beautiful People der Insel einholen ? „The Trumpeter“ (den Ibiza-Hit 2011) aufdrehen, vielleicht kommt das Feeling zurück. Österreichische Fly-Niki-Nachtflieger werden anders abgelenkt: FPÖ-Polit-Rebell Heinz Christian Strache mit an Bord, auch ihn hat die (zuvor verscheuchte) Realität schnell wieder eingeholt......

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Addicted to Ibiza 2010 - "The Beat goes on !"

Es Vedra, die sagenumwobene Felseninsel an der Südwestspitze Ibizas. Sirenen, halb Mensch, halb Vogel, haben laut einer Legende einst diese Insel bewohnt und Schiffe mit ihrem betörenden Gesang angelockt. So auch Odysseus nach dem Trojanischen Krieg. Um nicht unweigerlich an den Klippen zu zerschellen, befahl der König der Ithaker daher seiner Mannschaft, sich die Ohren mit Wachs zu verstopfen. Um selbst den bezaubernden Gesang zu hören, ließ er sich selbst an den Mast binden. Auch gegenwärtig werden Party People aller Welt vom hedonistisch-verführerischen Sound der „La Isla Blanca“ angelockt, dem sie hemmungslos verfallen: Sex, Drugs & House-Exzess pur – das ist Ibiza im 21. Jahrhundert.

 

Die drittgrößte Baleareninsel gehört geographisch zu Spanien, hat aber den Status einer autonomen Region und wird von einer eigenen Regierung verwaltet. 125.000 Einwohner wohnen dauerhaft auf der „Perle des Mittelmeeres“, davon 47.000 in der Hauptstadt Eivissa (Ibiza-Stadt) und 18.000 in der Briten-Ferienmetropole Sant Antoni. 1958 wurde der Flughafen eröffnet, seitdem grassiert der Tourismus als Haupteinnahmequelle. 95 % des Bruttoinlandsproduktes sind dem Tourismus zugeordnet, wobei Ibiza das höchste BIP aller spanischen Territorien aufweist. Trotz des Massentourismus blieb der Originalzustand der Insel weitestgehend erhalten, vor allem im Landesinneren, wo die Finca-Besitzer ein ruhiges, beschauliches Leben führen können. 1999 verlieh die UNESCO Ibiza den Status eines Weltkulturerbes, zu verdanken vor allem der wunderschönen Altstadt Dalt Vila, die derzeit behutsam renoviert wird. Ein geplanter Bau einer sechsspurigen Autobahn und eines opulenten Golfplatzes wurde nicht nur von einem Großteil der Einheimischen, sondern auch auch von Frankreichs Fußballstar Zinedine Zidane bekämpft und besiegelte den Sturz der konservativen Regierung. Eine links-grüne Koalition verwaltet derzeit die Baleareninsel.

 

Ibiza hat aufgrund seines gigantischen Hypes auf junge Leute (vorwiegend aus Spanien, Italien, Deutschland, Holland und England) das Image einer „Partyinsel“. Dass diese mediale Qualifikation nicht immer richtig (aber eigentlich auch nichts Negatives ist), zeigt nicht nur ein Trip in den tourismusarmen Norden mit seinen verlassenen, romantischen Stränden und Buchten, sondern auch ein historischer Streifzug in die Altstadt Ibizas. Als Held der Insel gilt der ibizenkische Korsar Antonio Riquer Arabi (1773-1846), der hunderte englische Schiffe – zehnmal so groß wie sein eigenes – in unmittelbarer Nähe zum Hafen untergehen ließ. Ihm wurde direkt vor dem Fährhafen in La Marina mit dem „Obelisc als corsaris“ ein Denkmal gesetzt (Anm.: Er scheint auch 2010 noch eine Funktion innezuhaben, nämlich den deutschen Ballermann-Halli-Galli-Schlagermist von der Insel fernzuhalten, was ihm eindrucksvoll gelingt).

 

Als Wach- und Wehrturm Eivissas diente die Kathedrale Santa Maria de les Neus auf der Placa de la Catedral. Die die Stadt umschließenden mächtigen Festungsmauern des italienischen Architekten Calvi, seit 1959 unter Denkmalschutz, hielten den Kanonen der angreifenden Piraten stand und waren selbst auch Stützpunkte für Kanonen. Die Stadtmauern bieten heute einen eindrucksvollen Blick auf das gesamte Umfeld der Dalt Vila, auf den neuen Hafen Marina Botofoch mit seinen luxuriösen Riesenyachten (wo vermutlich auch Paris Hilton öfter ihr Höschen blitzen lässt), Casino und Nobel-Hotels, auf den originären Hafen La Marina, das alte Viertel Sa Penya (das gleichzeitig Treffpunkt der Gay-Szene mit Kult-Disco Anfora ist) und auf die südlich Ibizas liegende Nachbarinsel Formentera mit ihren weiten Salzfeldern.

 

Ibiza am Tag dient nicht nur der lässigen Stranderholung und der eitlen Sonnenbräunung der vergnügungssüchtigen Party People, sondern bietet auch genügend Sportmöglichkeiten wie Kitesurfen, Wasserskifahren oder Beach-Tennis. Wer Lust dazu hat, kann sich massieren oder sich coole Tattoos und Piercings direkt am Strand anfertigen lassen. Getreu dem kongenialen Motto der Insel, „The Beat goes on“, erschallt bereits am frühen Nachmittag der coole, straighte House-Beat aus den Beach-Bars der Playa d´en Bossa. Rund um die populären Jet Bossa-Apartments animiert DJ Mettylectro aus Germany die bunt gemischte Celebration Generation mit Axwell-Anthems zum Cocktail-Trinken, (Betten)-Tanzen und Flirten unter der prallen, aber nie zu heißen Ibiza-Sonne. Auch die ersten Joints kreisen herum zwischen den Palmen. Welche Drogen sonst noch das sonnige Lächeln im Gesicht euphorisieren, wer weiß das schon oder will das schon wissen ? (Bescheid wissen da höchstens die schwarzafrikanischen Pacha-CD-Verkäufer in den unverdächtigen Einkaufsstraßen oder die Schmuckverkäufer der exzessiven Nightlife-Meilen.) Die ausgeflippt und sexy gekleideten Promoter der Clubs machen direkt Werbung am Strand und verteilen Flyer und (billigere) Tickets, während am Bora Bora Beach erst ab 16.30 Uhr (aufgrund der neuen gesetzlichen Restriktionen) die Party People zu House- und Minimal Techno tanzen. Direkt unter den abhebenden Flugzeugen, die vom naheliegenden Flughafen die Holiday-Trippers wieder in die Heimat bringen.

 

Wenn sich die Sonne langsam dem Horizont nähert, dann lohnt sich ein Trip ins 17 km entfernte Sant Antoni. Trommelwirbel, Feuerschlucker und der chillige Ambient-Sound des 1980 von Lluis Güell erbauten Cafe del Mar und des Cafe Mambo glorifizieren den Sonnenuntergang zum glamourösen Natur-Ereignis, dem an den schlichten Felsenbuchten tausende Urlauber und Einheimische beiwohnen. Ex-Kellner und DJ Jose Padilla kreierte einst 1991 das nicht geplante Marketing-Produkt „Cafe del Mar“, das trotz hemmungslosem Merchandising auch heute noch Bestand hat. Padilla selbst wollte davon nichts mehr wissen, verließ 1999 die Bar und betreibt derzeit einen eigenen Radiosender. Weniger verträumt geht es ansonsten in Sant Antonio rings um das überdimensionale Ei des Kolumbus (einem geborenen Ibizenco) zu: Horden von Teenager berauschen sich in den berüchtigten „Westend“-Meilen und in den Hafenbars mit billigem, hochprozentigem Alkohol und sonstigen, leicht erhältlichen Suchtmitteln, tanzen die Nächte durch in seichten Hard Dance-Diskotheken und schlafen nicht selten, completely wasted, auf den Straßen. Einzig allein das „Eden“ (mit Sunday-Resident-DJ Judge Jules) und das tempelartige „Es Paradis“, bekannt durch die exzessiven „Fiesta de la Aqua“-Nights mit Guru Josh und das „I turn to you“-Video von Melanie C, heben das Anspruchsniveau des britischen Ballermann-Pendants.

 

Ibiza-Kenner sehen das Ganze allerdings auch positiv als „Evolutionskette“ – die Jungen feierten ihre ersten trashigen Single-Holidays in Sant Antonio. Verdienen sie dann einige Jahre später Geld oder haben eine fixe Freundin, dann ordern sie ihre Drinks in Ibiza-Stadt, in der „sündigen“ Meile. Dort, wo ein 1 Pint nicht mehr 1,5 Euro, sondern über 10 Euro kostet. Dafür sitzt man dann gegen Mitternacht im trendigen „Zoo“, lässt sich von Disco-Schleppern (angeblich eine Londoner Idee) mit Ticket-/Drinkangeboten fast schon physisch belästigen und hat einen Look auf die schrill-schräge Gay- und Transvestitenszene, die danach in Sa Penya ihre Dark-Room-Ambitionen auslebt.

 

Ibiza war bis zum Ausbruch des Massentourismus eine Insel der Hippies, die in den 60ern noch an der Playa d´en Bossa bis zu den Festungsmauern ritten. Dann galt sie als „Insel der Reichen und Schönen“, die ihre ersten mondänen Feste in den 70ern in diversen umgebauten Finca-Clubs (wie dem Amnesia) feierten. Der Clubbing-Hype hatte seinen Ursprung im Jahre 1987: Die britischen DJ´s Danny Rampling, Nicky Holloway, Johnny Walker und – mostly famous – Paul Oakenfold bereisten die Baleareninsel und hörten im Amnesia die faszinierenden Balearic-House-Beats des dortigen Resident-DJ´s Alfredo. Der Sound wanderte dann nach England, wo gerade die Rave-, Acid- und Housekultur explodierte und sich die synthetische Ecstasy-Pille zur Modedroge der 24-Hour-Party-People kristallisierte Bald wurde Ibiza – mit Hilfe der britischen „Manumission“-Parties im Ku - zum Sommer-Epizentrum einer Generation, die sich ganz der „Have Fun tonight“-Philosophie verschrieben hat und deren Maxime das „Tanzen bis zum Umfallen“ darstellt. Die gigantischen In-Clubs von damals sind auch heute noch Anziehungspunkt für Dance-Maniacs aus aller Welt. Was sich seit einigen Jahren aber geändert hat, sind die gesetzlichen Vorschriften.

 

Ausgehend vom spanischen Festland wollte man auf Ibiza die „Get Wasted“-Drogenauswüchse der „Mehr als 3 Tage wach“-Clubber eindämmen und verbot ab sofort die legendären After-Hours. Clubs dürfen ab sofort in Ibiza (mit einer bestimmten Toleranzgrenze) nur mehr bis 6 Uhr früh geöffnet bleiben und erst ab 16.30 wieder aufsperren. Einer der Leidtragenden: das „Space“, das einst – als Open-Air-Club - bis weit nach Mittag die nimmermüden, ecstasyaufgeputschten Clubber mit harten, technoiden Sounds versorgte. Die seit 1989 bestehende Ibiza-Institution feierte dieser Tage ihren 21. Geburtstag, überdacht mit Sonnensegeln und einem Glasdach. Und getreu dem Motto „The Party must go on“ mit mehr als 3.000 schwitzend-tanzenden Leibern.

 

Per Disco-Bus (zum Preis von 3 Euro) geht es ab Richtung Sant Rafael, einer 7 km entfernten ehemaligen Töpfermetropole, in der in den letzten Jahren eine Art Gentrifizierung rund um die Mega-Clubs Amnesia und Privilege stattfand. In der Vergangenheit noch karges Innenland ohne Infrastruktur, entwickelte sich dort urbanes Leben rund um die Tanzepizentren. Das Amnesia stand in den 70ern im Besitz einer adeligen Künstlerwitwe und war Treffpunkt der Hippies mit wilden LSD-Parties. Nach dem Tod des Diktators Franco fielen die strengen Veranstaltungsgesetze, der neue Besitzer wandelte die ehemalige Finca in eine Disco um. Heute beinhält das Amnesia-Eventprogramm die populärsten und arriviertesten Parties der La Isla Blanca – die „Espuma“-Schaumparty mit meterhohen Schaumextraktionen aus riesigen Kanonen, die „La Troya“-Schwulenfete oder die Liverpooler Cream-Club Nights mit Star-DJ´s wie Paul van Dyk, Ferry Corsten oder Eric Prydz. Der Tuesday steht im Zeichen von (Progressive) Trance und House: Im Main Room Armin van Buuren, Sander van Doorn oder Newcomer wie Martin Schulz plus Abkühlung der überhitzten Party People durch die Trockeneismaschine, im glasüberdachten Terrace-Room House-Genie Roger Sanchez. Die größte Disco der Welt, das „Privilege“ (Ex-„Ku“, 1978), hat – bei einer Kapazität von 10.000 Besuchern – teils Schwierigkeiten, ihre Dancehalls zu füllen. Ausgenommen Montag – die Tiesto-Night ist immer ausverkauft.

 

Die Kult-Disco der Ibizencos allerdings ist das Pacha, direkt gelegen in Eivissa im modernen Hafenbereich Marina Botofoch, dessen Crew 2011 auch das derzeit stillgelegte, nahegelegene El Divino übernehmen wird. 1972 wurden dort die ersten „Flower Power“-Parties gefeiert, dann zelebrierten „the Beautiful & The Rich“ dort ihre exzessiven Feste, als ob es kein Morgen gäbe. 3.000 Besucher umfasst das aus 4 Tanzebenen bestehende Pacha, das allerdings auch einen extensiven VIP-Bereich für Stars wie das spanische Fußballnationalteam, Paris Hilton, Kylie Minogue, Naomi Campbell & Co. oder diverse Abkömmlinge der Haute Volee umfasst (was von Ibiza-Protagonisten schwer kritisiert wird). Denn an sich ist bei einem Eintrittspreis von 80 Euro und Bier-Getränkepreisen von 12 Euro eine Trennung zwischen VIP´s und normalem Clubbing-Volk kaum mehr vertretbar. Dem Pariser Star-DJ David Guetta (der angeblich 140.000 Euro pro Auftritt kassiert) kann´s egal sein – seine „Fuck me I´m Famous“-Parties im „Two Red Cherries“-Nightclub sind – ebenso wie die House-Nights der Swedish House Mafia („Masquerade Motel“) oder von „Witch Doctor“ Erick Morillo – zum Bersten voll. Für vulkanöse Club-Atmosphäre sorgen nicht nur die Electro-House-Mixes von Guetta, Chuckie, Afrojack & Co., sondern auch die kaum verhüllten lasziv im Riesen-Cocktail-Glas und an der Stange tanzenden Pacha-Go Go´s und „Mr. Roboto“ Kryoman, der mit futuristischen Laser- und Pyroeffekten die Massen zum Beben bringt.

 

Sunbathing, Pre-Parties, Drinks en masse und ekstatisches Tanzen in den überhitzten und überfüllten Mega-Clubs bis zur Morgendämmerung mit breitem „Smiley“-Grinser und Hands up in the Air – wie halten das die 24-Hour-Party People Ibizas überhaupt aus ? Gibt das T-Shirt mit der Aufschrift „Drugs saved my Life“ die Antwort ? Laut einer Studie des spanischen Gesundheitsministeriums kommen 68 % der Touristen nur wegen des ausschweifenden Nachtlebens auf die Insel. Jeder 5. Urlauber greift zu Ecstasy oder Kokain, um den Party-Marathon zumindest physisch zu überstehen. Rechtlich ist zwar das öffentliche Rauchen von Joints verboten, der Besitz von Drogen allerdings stellt keinen Straftatbestand dar. Die Grenzziehung zwischen Eigengebrauch und Dealen allerdings ist eine sehr enge, gefährliche – im Zweifelsfall also das Pillchen schnell einschmeißen (smile). Fakt ist: In den letzten 4 Jahren hat die Polizei über 100 Tonnen Rauschgift beschlagnahmt, die Dunkelziffer dürfte – genauso wie der Prozentsatz der Drogenkonsumenten - viel höher sein. Bei einem Preis von 5 Euro/Ecstasy (im Vergleich zu den 12 Euro-Bier- und 20 Euro-Cocktailpreisen in den Discos) kein Wunder.

 

Ibiza ist eben Ibiza – 24 Hours ready for alcohol, clubs and drugs. Ein gefährlicher Tanz auf dem Vulkan ? Keineswegs, die „La Isla Blanca“ steht unter dem Schutz des französischen Propheten Nostradamus. Dieser behauptete bereits im 16. Jahrhundert, „Ibiza will be Earth's final refuge after Armageddon“ – aufgrund der besonderen Windverhältnisse werde Ibiza nach dem Weltuntergang der einzige Ort sein, an dem weiterhin Leben existieren kann. Keep on smiling, Party People of Ibiza !!!! The Beat goes on !

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Rimini Calling 2009 - Dolce Vita pur !

Azurblaues Meer, goldener Strand, lächelnde und lebenslustige Menschen, Trinken, Tanzen, Flirten mit süßem Augenzwinkern bis in den Morgengrauen - Italien ist Dolce Vita pur. Rimini, die 136.000-Einwohner-Party-Metropole an der nördlichen Adria ist da nicht anders. 1843 wurde dort unter der Patronanz des Arztes Claudio Tintori (dem auch die am Meer gelegene "Lungomare Tintori" gewidmet ist) die erste Badeeinrichtung eröffnet.

 

Zuerst mondäne Ferien-Lounge für die High Society wurde Rimini im 20. Jahrhundert zu einem der Pauschaltouristen-Epizentren Europas und wurde wenig schmeichelhaft auch als "Teutonengrill" bezeichnet. Diese Zeiten haben sich - im Gegensatz zum mallorquinischen "Ballermann"- - aber grundlegend verändert. Keine peinlichen deutschen Touristen mit unaufhörlichem Drang nach Schlager, Sex & Sangria, sondern classy young crowds vornehmlich aus Bella Italia bevölkern das 15 km lange Strandgebiet der seit 268 v. Chr. bestehenden römischen Antik-Stadt. Einer der Söhne der Stadt, der bekannte italienische Filmregisseur Federico Fellini (1920-1993), der in den 60ern vehement die progressiven Tourismusstrategien seiner Geburtsstadt kritisiert hat, hätte seine Freude an der aktuellen Entwicklung der Stadt. Wo anders als in Rimini bietet sich - zentriert auf einer kleinen Landfläche - eine derartig perfekte Symbiose aus Kultur, Strand, Sport, Nightlife und Lebenslust pur.

 

Eines der schönsten Gebäude der Stadt ist das 1908 an der Strandpromenade erbaute Grand Hotel, in dessen Jugendstilcharakter sich Federico Fellini bereits als kleiner Bub verliebte und dessen Suite 315 später immer für ihn reserviert war. Im Federico-Fellini-Park daneben (mit dem wunderschönen "Brunnen der 4 Pferde") kann man inmitten der grünen Oase der Marino Centro die Füße baumeln lassen und dem italienischen "Dolce far niente"-Prinzip frönen. Der große Fotoapparat davor war einst ein Ladengeschäft eines verkaufstalentierten Fotografen, der nach seiner Restauration als Denkmal der "Moderne" gilt.

 

In der Altstadt Riminis nördlich der Eisenbahngleise präsentieren sich dem kulturinteressierten Touristen antike Sehenswürdigkeiten der römischen Geschichte, der Arco d´Augusto (der älteste Triumphbogens Italiens aus dem Jahre 27 v. Chr.), die Piazza Cavour mit dem von Leonardo Vinci verehrten Pigna-Brunnen, der Maletesta-Tempel und die Tiberius-Brücke, die - erbaut auf einem einzigen Fundament - jeglichen Kriegen und Regierungswechseln getrotzt hat und den Beginn der historischen Via Emilia darstellt.

 

In Miniaturversion kann man das Zentrum Riminis betrachten im einige Kilometer außerhalb gelegenen Themenpark "Italia in Miniatura", und dazu noch rund 300 weitere architektonische Attraktionen Italiens und Europas vom Kolosseum, dem Petersdom, dem Turm von Pisa bis hin zum Pariser Eiffelturm, dem Brüsseler Atomium und der Athener Akropolis. Österreich ist in diesem breit angelegten Park, in dem man auch mit einer venezianischen Gondel durch einen künstlichen Kanal fahren kann, mit dem Schloss Belvedere und einem Johann Strauß-Denkmal vertreten. 

In der antiken Altstadt, in der Via Anghera, befindet sich die Universität von Rimini, eine Zweigstelle der renommierten Uni von Bologna, in der mehr als 5.000 Studenten sich u.a. den Studien der Ökonomie, der Literatur, der Medizin und des Tourismus widmen. Im Sommer dagegen zieht es die jungen, sportlichen Italiener viel lieber in die Straßenpromenaden und in die freie Natur. Auf dem Strand gibt es Sportgelegenheiten en masse: Volleyball, Basketball, Beach Tennis (Racchettoni) oder die neue Trendsportart "Foot Valley" aus Brasilien, eine Mischung aus Fußball und Volleyball.

 

Etwas antiquiert erscheint dagegen die legebatterieartige Teilung des Strandes in einzelne "Badeanstalten" (Bagni), bei der man kostenpflichtig Liege und Schirm zu 15 Euro (!!!) pro Tag mieten kann. Alternative: die "Free Beaches" (nicht zu verwechseln mit FKK-Beaches) zwischen der Hafenmole und dem Delphinarium, wo die sonnengebräunten riminesischen Papagalli sich zuerst um touristischen Aufrissnachwuchs aus dem Rest Europas umschauen, bevor sie sich per Vespa in die Lungomare oder in die Viale Vespucci begeben.

 

Die beliebte Flaniermeile Riminis ist nicht nur schicker Laufsteg für Touristen und Einheimische, sondern bietet auch eine Vielzahl hipper Fashion-Shops, Eiscafes und Open-Air-Restaurants, in der sich man sich an der reichhaltigen italienischen Küche rund um Pizza, Pasta & Fisch delektieren kann. In Italien gilt übrigens das Abendessen als Hauptmahlzeit, das aus einer Vorspeise, 2 Hauptgängen und der Nachspeise besteht. Dazu eine Flasche Vino (wie einen Chianti oder einen Barolo) und als musikalischen Hintergrund traditionelle Folklore-Rhythmen oder heiße Italo-/Latin-Beats. Dazu noch patriotischer Enthusiasmus über den 102. Sieg des italienischen Motorradstars Valentino Rossi. Und man ist voll erfasst vom heißblütigen Lebensgefühl der feurigen Südländer.

 

Vor allem rund um Ferragosto (von lat. Feriae Augusti = Festtag des Augustus) zieht es auch viele Italiener ans Meer nach Rimini. Der 15. August gilt in Italien als heißester Tag des Sommers: Bereits Kaiser Augustus bestimmte einst, dass dieser Tag nicht nur für die freien Römer, sondern auch für die Sklaven ein arbeitsfreier Tag sein soll. Ausgebuchte Hotels, kilometerlange Staus, prächtige Feuerwerke und Top-Nightlife-Events kennzeichen das Bild der Adria. In den Street- und Beach Bars wie dem Coconuts rund um die Marino Centro Riminis tanzen Party People aller Nationalitäten zu Ragga House, Hip Hop, David Guetta und Italo Dance Classics. Am Ende der Hafenmole im Rock Island, einer auf Holzpfählen direkt über dem Wasser errichteten Bar, steht man plötzlich dem Aerosmith-Sänger Steven Tyler gegenüber. Scheinbar zumindest. Doch die Aerosmith-Tribute-Band "The Big Ones" hat fast mehr Drive als die Original-Rock-Heroes der Vergangenheit.

 

Britische, deutsche und holländische Touristen schlagen sich auf den 3 Floors des Carnaby in der Viale Brindisi die Nächte um die Ohren, auf der Suche nach heißem Sound, starken Drinks und einem schnellen Abenteuer. Das reifere Publikum shakt im Gotha in der Viale Regina Margherita - dort trifft man zu späterer Stunde auch auf "Markus Rogan"-Imitatoren, die leicht betrunken mit einer Bierflasche tanzend auf dem Dancefloor von der gestrengen Security des Lokales verwiesen werden. Allerdings ohne Schrammen.

 

Gewalt, Schlägereien oder Polizeieinsätze sind trotz Massenandrangs überhaupt eine Seltenheit in der Party-Metropole der Adria. Dagegen verirren sich immer mehr hochbezahlte Star-DJ´s in die Glamour-Clubs von Rimini, Riccione und Gabicce Mare, elegant promotet auf der Skyline Riminis durch Flugzeuge mit Werbebanner: Ex-Pornostar Nikki Belucci residiert im Baia Imperiale, Ex-Millennium-Stammgast Gigi d´Agostino in den Altromondo-Studios nahe dem Flughafen.

 

Per Disco-Bus "Blue Line" (und gottseidank nicht per eigenem Fahrzeug - Anm.: Bei Alkoholisierung drohen in Italien nicht nur hohe Geldstrafen, sondern ab 1,5 Promille auch die Beschlagnahme und Versteigerung des Autos) düsen die Party People - bei mehr als 40 Haltestellen (!!!) - ins benachbarte Riccione, wo auf den Hügeln- inmitten sündteuer Villen und Fincas - die wohl glamourösesten Discotheken Europas erbaut wurden. Im pyramidenartigen "Cocorico" tranct DJ Tiesto, im treppenartig angelegten Garten des Peter Pan sorgt Swedish House Mafia-Mastermind Axwell in bester Party-Laune neben dem Swimmingpool für aufgeheizte "Leave the World behind you"-House Atmosphere. Musikalische Sperrstunde ist (bereits) um halb 6, dann geht es - exhausted, aber "insomnia"-berauscht, in die Bars und Pubs am Strand, die den Nachtschwärmern bereits Frühstück und After Hour Drinks servieren.

 

Doch jeder Sommer geht einmal zu Ende. Dann setzen sich die "Ber", jene jungen riminesischen Männer, die im Sommer gerne mit den weiblichen Touristen flirten, an die "Paleda", den allerletzten Abschnitt der Mole, und trauern voller Sehnsucht dem vergangenen Sommer nach. Allerdings nur kurze Zeit. Denn der nächste Sommer kommt bestimmt. Und natürlich auch das hedonistisch-lebenslustige Dolce Vita. Im schönen Italien auf jeden Fall.

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