"Gibt´s ein Leben vor dem Tod?" - Boris Bukowski mit neuem Album in der Szene Wien!

„Gibt´s ein Leben vor dem Tod?“ – Keine philosophische Vorlesung auf der Universität Wien, sondern das neue 7. Album der Austropop-Legende Boris Bukowski. Beantworten muss der ewig junge 51jährige (plus ein paar Jährchen dazugerechnet) diese Frage nicht. Das zeigt schon sein mitreißender Auftritt in der Szene Wien gemeinsam mit seiner Live Band „Die bunten Hunde“. 

 

Bukowski war in den 70ern zuerst Schlagzeuger, dann Sänger der Band Magic, die zwar nicht den großen kommerziellen Durchbruch schaffte, aber für enorme Aufbruchsstimmung in der steirischen Musikszene sorgte. Daneben widmete sich der Sohn eines Rechtsanwalts auch dem Jus-Studium, das er erfolgreich mit dem Doctor iuris abschloss. Sein erstes Solo-Album veröffentlichte er 1985, das u.a. seinen Kult-Hit „Der Fritze mit der Spritze“ enthielt und ihm gleich eine Pop-Amadeus-Nominierung einbrachte.

 

Bei seinen Live-Gigs haben je zur Hälfte sowohl neue als auch „Songs des alten Jahrtausends“ Platz auf der Set-List. In der Szene Wien startete er mit seiner neuen Single „Money“ und dem Uptempo-Track „Achterbahn. Die Produktion modern und schnittig, man merkt die Einflüsse des Depeche Mode-Drummers Christoph Eigner. Vom ultimativen Klassiker „Kokain“ liefert Bukowski im 1. Teil der Show einen düster-angehauchten Remix. Sozusagen hart und weich zugleich, ein weiterer Hit aus den 80ern. Ein besonderes Highlight jeder Boris-Show ist auch der Danzer-Song „Weiße Pferde“, der in den 90ern auch auf einem Tribute-Album veröffentlicht wurde.

 

„Kunst ist Leben, und Leben ist Kunst. Wir alle sind Künstler, und die Welt gehört uns“ – Ein neuer Song von Bukowski, der an ein Zitat des Künstlers Joseph Beuys angelehnt ist, begeistert das Publikum im 2. Teil der Show. Ebenso wie das urban-kritische „Die Stadt“ und der melancholisch-nachdenkliche Track „Komm und tanz mit mir, bis die Musik aufhört zu spielen“. Es folgt „Trag meine Liebe wie einen Mantel“, der größte Single-Hit von Bukowski Anfang 1990, als Ö3 noch die österreichische Musikszene unterstützte und das seelenlose Formatradio der Jetztzeit – das Bukowski heftig kritisiert – noch einige Jahre entfernt war. 

 

Bukowski stand zu dieser Zeit knapp vor dem Durchbruch in Deutschland, die Promotion-Kampagne inklusive Remix-Best of-Album war fertig, als plötzlich der zuständige Manager der Plattenfirma in eine andere Abteilung versetzt wurde und die Anstrengungen umsonst waren. Dem Vollblutmusiker und positiven Lebensmenschen Boris Bukowski hat dies persönlich zumindest nach außen nicht geschadet. 

 

In der Szene Wien versetzte er die Fans mit dem Titel-Track seines neuen Albums und mit der „Kokain“-Originalversion noch in einen finalen Schlusstaumel, dann signierte er noch stundenlang CD´s und Bücher außerhalb des Bühnenareals. Vielleicht sieht man ihn ja wieder nächstes Jahr beim Wiener Donauinselfest, wie einst in den 80ern!

Buch Wien 2017: Auf den Spuren von Klimt und dem Kaffeehaus!

Die diesjährige Buch Wien kann sich über einen Rekordandrang freuen. Insgesamt 48.500 Besucher frequentierten die Wiener Buchmesse und ihre 451 Einzel-Veranstaltungen, ein Zuwachs von 5.500 zum Vorjahr.

 

Auch der Waldviertler Schriftsteller Thomas Sautner nutzte die Gelegenheit, sein neues Buch „Das Mädchen an der Grenze“ vorzustellen. Selbst in Gmünd geboren spielt auch die mysteriöse Handlung seines Romans in dieser Gegend, im Umfeld eines Zollhauses an der tschechischen Grenze. Wir schreiben 1988, 1 Jahr vor dem Grenzfall. Das Mädchen Malina – der Konnex zu Ingeborg Bachmann scheint nicht unbegründet – nimmt Dinge wahr, die sonst niemand erkennt, und wird deshalb für verrückt gehalten. Ein kluger Schachzug des Autors, persönliche und metaphysische Grenzen mit dem Wegfall der staatlichen und politischen Barrieren zu verbinden. Eine kurze Lesung durch den seit 2006 schreibenden Autor („Fuchserde“) löste bereits Begeistern beim Publikum aus.

 

Am 6. Februar 1918 wird der 100. Todestag von Jugendstil-Ikone Gustav Klimt zelebriert. Grund genug, für den Autor Gregor Auenhammer, sich investigativ durch Wien zu bewegen und das private und berufliche Leben Klimts nachzuzeichnen. In Schulen, geheimen Wohnungen, ehemaligen Bädern (wie dem Kaiserbründl) oder in Ateliers. Entdeckungen gibt es zur Genüge: Klimt war nicht nur ein künstlerischer Avantgardist und Provokateur, sondern auch ein Liebling der Frauen mit insgesamt 6 Kindern. „Auf den Spuren von Gustav Klimt: Spaziergänge durch Wien“, die man auch in der Realität per pedes nachverfolgen kann.

 

Ähnlich wie Sepp Dreissingers Verneigung vor DER Wiener Institution. In seinem umfangreichen Foto-Schmöker „Im Kaffeehaus“ erfährt man, wo Fräulein Sargnagel gerne ein paar Bier kippt (im Cafe Weidinger) oder Andre Heller sich weiterbildete, in seiner Universität, dem legendären Hawelka. Kritik an der Smartphonisierung mancher New Cafes darf vom renommierten Fotografen und Filmemacher Dreissinger nicht ausbleiben. Das Fazit allerdings ist eindeutig: „Bevor das Kaffeehaus ausstirbt, sterben wir aus!“

 

Lebensweisheiten hatte bei der Buch Wien auch ORF-Journalistin Barbara Stöckl anzubieten. „Was wirklich zählt“ heißt ihr neues Buch, das sich mit den positiven Seiten und den kleinen Momenten des Lebens beschäftigt. Ein Schritt zurück in einer ansonsten immer komplexeren Welt. Stöckl bei der Präsentation: „Man soll jeden Tag Resümee ziehen und am Abend kurz darüber nachdenken, „was heute gut war“. Das kann durchaus auch ein Buchkauf sein, an guter Auswahl mangelt es nicht. 

Buch Wien 2017: Sachbücher über Krieg, Flucht und EU als Publikumshits!

„Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene“. Die Basis dafür bieten zahlreiche Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt, die auf der diesjährigen Buch Wien im Messegelände 5 Tage lang präsentiert wurden. 

 

Zum bereits 10. Mal findet 2017 die Wiener Buchmesse statt. 381 Autoren und Autorinnen nützten die Gelegenheit, auf 8 Messebühnen und in 32 verschiedenen Locations ihre Werke vorzustellen. Neben der Unterhaltungsliteratur standen vor dem 100. Jubiläumsjahr der Ausrufung der 1. Republik politische Sachbücher zur Zeitspanne von 1918 bis 1945 im Mittelpunkt.

 

Politikwissenschaftler Anton Pelinka bezeichnet diese Ära in seinem Buchtitel nicht untreffend als „gescheiterte Republik“. ORF-Journalist Gerhard Jelinek bezieht sich in seinem Buch „Es gab nie einen schöneren März“ auf die letzten 30 Tage vor dem Einmarsch Adolf Hitlers und verquickt historische Fakten mit spannenden persönlichen Gesprächen. Fast vergriffen ist bereits die erste Auflage des Kurt Bauer-Buchs „Die dunklen Jahre – Alltag im nationalsozialistischen Österreich 1938-1945“. Auch hier dienen Tagebücher, Briefe und Autobiografien als Grundlage für einen ambivalenten Blick auf das Gefühlsleben der Österreicher nach dem Anschluss, zwischen Hoffnung auf einen Wirtschaftsaufschwung und bitterem Entsetzen über den aufkeimenden Antisemitismus.

 

„Rosen für den Mörder, Hohn für die Opfer“ stand einst auf Plakaten von Wiener Demonstranten, die gegen den skandalösen Freispruch des SS-Schlächters Franz Murer 1963 protestierten. Der erste Satzteil ist gleichzeitig der Titel der Täter-Biografie von Johannes Sachslehner, der zugrundeliegende Real-Plot löste bereits bei der Präsentation auf der ORF-Bühne Beklemmen bei den Zuhörern aus.

 

Erschreckend auch, dass es im 21. Jahrhundert noch immer Menschen gibt, die in der Nazi-Ideologie verhangen sind. Heidi Benneckenstein erzählt in ihrem Buch „Ein deutsches Mädchen“ von solchen Menschen, von ihrer eigenen Familie, die sie in Hitler-Jugend ähnlichen Lagern aufgezogen hat. Mitten in Deutschland. Im Interview erzählt die heutige Erzieherin auf der Buchmesse, mit welchen Tricks sie und ihr Freund den Ausstieg aus der rechten Szene geschafft haben.

 

Das schafft Hoffnung für die Zukunft. Ebenso wie Bücher, die sich mit dem Thema Flucht beschäftigen. „Jeder kann zum Flüchtling werden. Heute sind es die Syrer und Afghanen, früher waren es die jüdischen Schriftsteller, Journalisten und Wissenschaftler“, so der Profil-Journalist Herbert Lackner. In seinem Buch „Die Flucht der Dichter und Denker“ beschreibt er die abenteuerlichen Fluchtwege bekannter Österreicher wie Karl Farkas, Stefan Zweig oder Hannah Arendt, die teils auf geheimen Pfaden über die Pyrenäen flüchteten und mit amerikanischer Hilfe das letzte Schiff Richtung Freiheit erreichten.

 

Noch weiter zurück geht der bekannte deutsche Historiker Philipp Ther in seinem Buch „Die Außenseiter“, das die Flüchtlingsszenarien der letzten Jahrhunderte in Europa penibel aufarbeitet. Im Interview mit Günther Kaindlsdorfer liefert er auch einen Lösungsvorschlag für die heutige Politik: Die Botschaft „Integriert euch“ an die Migranten ist zu wenig, man müsse als moderne Gesellschaft auch authentische Ansprechpartner für die Flüchtlinge bereitstellen, die sich um deren Angelegenheiten an oberster Stelle kümmern. Ausgestattet mit entsprechenden Kompetenzen und nicht nur als „Alibi-Funktionär“ ohne Durchsetzungskraft.

 

Klare Worte spricht auch die ehemalige Außenministerin und EU-Kommissarin Benito Ferrero-Waldner in einer spannenden Podiumsdiskussion anhand ihres neuen Buches  „Zukunft Europas – Wen begeistert Europa heute noch?“ Sie fordert nicht nur eine Aufteilung der Asylwerber nach objektiven Kriterien auf alle EU-Mitgliedstaaten, sondern auch eine Solidarunion und eine verstärkte Zusammenarbeit in Sicherheits- und Verteidigungsfragen. Also eine EU, die sich weiter in Richtung Solidargemeinschaft gegen nationalistische Strömungen wendet. Ob sich die nächste Bundesregierung dies zu Herzen nimmt?

Winter im MQ: Hip Hop-Beats von SK Invitational bei der Opening-Party.

"Kunstgenuss und Lebensfreude", das sind Attribute, für die das Museumsquartier in Wien steht. So der MQ-Direktor Christian Strasser bei der Eröffnung der neuen "Winterlandschaft" im Hof-Areal. 

 

Die Eispavillons wurden nach 7 Jahren durch sogenannte "MQbis" ersetzt, die vom innovativen Architektenteam Verdandi konzipiert wurden. Erleuchtet werden die sieben Häuschen durch LED-Würfel an der Decke. Barkeeper servieren dort nicht nur Glühwein, Punsch oder Bio-Bier, sondern auch zahlreiche Food-Spezialitäten.

 

Beim MQ-Opening begrüßte der FM4-Moderator Stuart Freeman den Komponisten Stephan Kondert auf der Showbühne.  Der gebürtige Salzburger lebt seit einigen Jahren in New York und sorgte danach mit seiner 16köpfigen Band SK Invitational und diversen Gastrappern für groovige Hip-Hop-R&B-Beats.

 

Neben DJ Sounds sind auch weitere Live-Acts im Museums-Winterquartier geplant. So zum Beispiel am 6. Dezember, wenn in Kooperation mit der Universität für Musik und darstellende Kunst zum ersten Mal klassische Musik auf dem Programm steht.

Virtual Reality: 12.000 Fans beim ersten Auftritt der Gorillaz in Österreich!

Es war eine revolutionäre Idee, die in London noch im alten Jahrtausend entstand: Die Gründung einer virtuellen Band, bestehend aus 4 extravaganten Cartoon-Figuren. Die Protagonisten: Ex-Blur-Sänger Damon Albarn und der Comic-Zeichner Jamie Hewlett, bekannt durch seine "Tank Girl"-Karikaturen. Es entstanden die Gorillaz: 2-D mit blauem Haarschopf, Bassist Murdoc, Hip Hopper und Percussionist Russell und die 10jährige japanische Gitarristin Osaka. Das erste Album wurde ein Riesen-Hit mit über 7 Millionen Verkäufen, die chillige Cross-Over-Single „Clint Eastwood“ zum Klassiker.

 

16 Jahre später beehrten die Gorillaz zum ersten Mal Österreich, im Rahmen ihrer weltweiten „Humanz“-Tour. 12.000 Fans warteteten sehnsüchtig auf den lang erwarteten Auftritt und wurden nicht enttäuscht. Was verblüfft: Spielte die analoge Band bei ihren ersten Konzerten noch verdeckt hinter einer Leinwand und standen dementsprechend die skurrilen Figuren im Mittelpunkt, so ist dies bei der aktuellen Tour umgekehrt. Im Background erscheinen zwar auf den Screens zahllose Visuals und die kultigen Clips der Cartoon-Stars (inkl. Bruce Willis in „Stylo“), das Konzert pulsiert aber durch die ausgezeichnete Band, Frontman Damon Albarn und die wechselnden Gast-Sänger. 

 

So erleben die kultigen Alt-Stars von De La Soul („Me Myself I“) bei den Gorillaz einen zweiten Frühling – mit Hip Hop Rhymes zum Mega-Party-Hit „Feel Good Inc“ und „Superfast Jellyfish“. Vor dem großen Karriere-Durchbruch dürfte die vielseitige Londoner Rapperin Little Simz stehen, die bereits das Vorprogramm bestritt. „Garage Palace“, ihr brandneues „Duett“ mit den Gorillaz, läutete endgültig den globalen Dance-Groove in der Stadthalle ein. „We got the Power“ vor dem Zugabenteil detto. 

 

Und Simbiatu Ajikawo, so ihr ursprünglicher Name, ist vielleicht das wichtigste politische Zeichen der World Tour. Die Tochter nigeranischer Einwanderer wuchs arm in einem Flüchtlingsheim in Nord-London auf und zeigt heute authentisch, was Migranten trotz widrigster Umstände mit Fleiß, Kreativität und Durchsetzungswillen erreichen können. 

 

Die Gorillaz-Show selbst verzichtet großteils auf Polit-Agitation und ist wie das aktuelle Album auf Party ausgerichtet, für Albarn kein Widerspruch. In einer Welt, in der ein Trump Präsident werden kann, „ist das Wort Party eine Metapher für Energie – und die brauchen wir!“

"Herminengasse" - Ein Holocaust-Mahnmal in der U-Bahnstation Schottenring!

Auf den ersten Blick denkt man an eine innovative Bleistiftzeichnung eines Jung-Künstlers oder an extravagante Brainstorming-Ideen eines Architekten. Tatsächlich steckt hinter dem Projekt im untersten Stockwerk der U-Bahn-Station Schottenring, am linken Donaukanal, eines der düstersten und grauenvollsten Vorfälle der nationalsozialistischen Kriegsherrschaft.

 

In den Jahren 1938 bis 1945 wurden nachweislich 800 Juden und Jüdinnen, die in der Herminengasse lebten, von den Nazis deportiert. Jener Durchgang, in dem die künstlerische Installation eingerichtet wurde, führt genau in diese Gasse des 2. Wiener Gemeindebezirks Leopoldstadt, in dem fast 60.000 uden lebten. Die Idee stammt von der deutschen Künstlerin und Sängerin Michaela Melian, die sich bereits bei ihren Werken "Memory Loops" und "Föhrenwald" mit dem Nationalsozialismus beschäftigte. Die traurigen Fakten wurden von der Historikerin Tina Walzer recherchiert.

 

Die 21 Häuser der Herminengasse, die teils in jüdischem Besitz waren und enteignet wurden, teils auch als Sammelquartiere verwendet wurden, werden von Melian als diagrammatische Informationsbalken dargestellt. 1322 jüdische Menschen lebten damals in diesen Häusern, 800 davon wurden in Konzentrationslagern ermordet. Das grausame Schicksal dieser Menschen wird veranschaulicht durch Linien zwischen den Balken und den am Rand namentlich angeführten Vernichtungslagern. 

 

"Immer wieder packt mich dasselbe Grauen, wenn ich durch eine Unterführung gehe", so der Stadtentwicklungskritiker Siegfried Kracauer im Berlin der 60er. Grauen zu erwecken ist allerdings zuwenig. Die Intention liegt darin, dass solche Vorfälle nie mehr passieren dürfen. Und das soll jeder, der diese Passage durchschreitet, beherzigen und sich vehement aktiv gegen minderheitenfeindliche Initiativen einsetzen. Auch wenn er gerade das Bierchen für das Donaukanaltreiben öffnet, die Studienunterlagen durchblättert oder seinen neuen Lieblingssong auf dem Handy hört.

Weltmuseum-Neueröffnung: Andre Heller konzipiert World Music Show auf dem Heldenplatz!

"Fremd ist der Fremde nur in der Fremde" - Ein Spruch von Karl Valentin, der auch heute noch seine Gültigkeit hat. Abgebaut werden kann das Gefühl der Fremde dadurch, dass man sich auf neue Situationen, Eindrücke und Kulturen einlässt und diese in sein persönliches Leitbild integriert. Ähnliche Gedanken dürften auch Andre Heller zur Eröffnung für das Weltmuseum am Heldenplatz inspiriert haben.

 

In einer zweistündigen Show gaben sich die verschiedensten Kulturen und Völker ein Stelldichein: Australischer Didgeridoo-Sound von Koomurri, indische Hip Hopper, mexikanische Feuertänze, afrikanische Drums, das Puppet Theatre Academy of Bratislava mit überlebensgrößen Vögel-Apparaturen oder das mongolische Trio Violons Barbares mit seltenen Instrumenten wie der 14saitigen Gadulka. Zwischen den Auftritten wurde es poetisch, emotional vorgetragen von Adele Neuhauser. Die Moderation übernahm Christoph Wagner-Trenkwitz, der nicht nur den Kurator Andre Heller, sondern auch Bundespräsident Alexander van der Bellen auf die Bühne holte. Das Finale läutete das geniale österreichische Bläserensemble Federspiel ein, bei dem noch einmal alle Künstler für ein Abschluss-Furioso sorgten.

 

Danach wurde das 3900 m2 große Weltmuseum, das innerhalb der letzten 3 Jahre aus dem Völkerkundemuseum konvertierte, zum ersten Mal für die Öffentlichkeit freigegeben. Ca. 3000 internationale Objekte in 14 Sälen warten dort auf die Besucher, darunter eine einzigartige James Cook-Sammlung oder viele Mitbringsel von den Reisen Franz Ferdinands. Als Kult-Objekt gilt die 500 Jahre alte Federkopfkrone, bei der sich die eingeladenen mexikanischen Apachen zu einem wahren Freudentanz hinreißen ließen :-)

Auf dem Sprungbrett nach Europa: Leyya im ausverkauften Wiener WUK!

Draußen werden die Temperaturen kälter, aber "hier ist der Sommer eingekehrt". So die grandiose Leadsängerin von Leyya, Sophie Lindinger, die sich über ein ausverkauftes Wiener WUK freute. Vorwiegend frequentiert von urbanen Musikfans zwischen 20 und 30.

 

Die Karriere von Leyya, ursprünglich bestehend aus Lindinger und dem in mehreren Formationen agierenden Marco Kleebauer, begann 2013 im oberösterreichischen Eferding. Der Bandname stammt aus dem Inuktitut und bedeutet dort "Vermarktungsstrategie". Und die ist - abgesehen von den internationalen Vibes - wirklich nicht schlecht. Popfest-Auftritte vorerst auf dem Second Floor, dann als Headliner, dazu Amadeus-Award Nominierungen. Bis es 2017 mit dem FM4-Award klappte.

 

Tatsächlich ist die Karriere von Leyya allerdings auf das Ausland ausgerichtet. Der Sound: Elektronisch-düster-sexy im Stil von Florence&The Machine und Portishead. Die Auftritte mit verstärkter Band rockiger und grooviger als die Studio-Tapes. Nach der EP "Drowning in Youth" und dem ersten Album "Spanish Disco" erscheint in den nächsten Monaten ihr zweites Album, einige Stücke (wie die neue Single "Oh Wow") wurden auch im WUK bei großem Applaus präsentiert. Neben Leyyas Synthi-Pop-Klassiker "Superego", dem fragilen "Zoo" oder Sophies Favourite "Worthy". Als Zugabe die auch cliptechnisch bekannten Tracks "Wolves" und "Butter".

 

Und während sich die begeisterten Fans noch im WUK-Außenbereich einen Drink in der lauen Herbstnacht gönnten, rüstete sich die festivalerprobte Band für ihre Club-Tournee in Deutschland, darunter auch ein Gig in der Berliner Berghain-Kantine. Die Zeichen stehen gut für Leyya.

Wien-Simmering: Schlagerstar Vanessa Mai eröffnet neues EKZ Huma 11!

Einige Schlagerstars (wie Bernhard Brink oder Marc Pircher) spielen derzeit auf der Wiener Wiesn, einer der Prominentesten dagegen bei der Eröffnung eines riesigen Einkaufszentrums am Stadtrand von Wien: Vanessa Mai.

 

Kürzlich Nr. 1 in den deutschen Charts mit ihrem Album "Regenbogen" präsentierte sie im Simmeringer Huma Eleven ihre drei Top Hits "Wolke 7", "Ich sterb für dich" und "Nie wieder". Im sexy Outfit mit schwarzer Lederhose. Insofern dürften nicht - wie sie meinte - die Kids die Väter mitgeschleppt haben, sondern eher umgekehrt. Danach gab es noch Selfies und Autogramme für die zahlreich erschienenen Besucher.

 

Das im Jahr 2014 errichtete EKZ Huma 11 wurde von 30.000 auf 50.000 Quadratmeter erweitert und beherbergt neben Gastronomie und Interspar zahlreiche Markenbetriebe wie Media Markt, H&M oder Humanic. Unter den Neumietern ist der 6000 Quadratmeter große Modepark Röther. Zur leichteren Erreichbarkeit wurde auch ein Gratis-Shuttle-Bus zwischen Schwechat und Simmering installiert. Man darf gespannt sein, ob sich die Investitionen rentieren werden.

Zwischen Tag und Nacht: Heißer Club-Gig von 2Raumwohnung im ausverkauften WUK!

"Es war Sommer, doch im Winter. Gar nichts lief nach Plan. Dann war's auch noch Frühling. Es kam auf alles an." So klingt, garniert mit Elektro-Tech-Pop, die Aufbruchsstimmung im Berlin des Jahres 1993. Und zwar jene des deutschen Duos 2Raumwohnung, die mit diesem brandneuen Track ihre heiße Show im ausverkauften Wiener WUK starteten.

 

"Nacht und Tag" heißt das neue Album von Ex-Punkerin und NDW-DÖF-Girl Inga Humpe  - ihre Schwester Annette kennt man von Ideal und Ich&Ich - und dem Electro-DJ Tommi Eckart, die auch privat seit 1993 ein Paar sind. Ihr neues Werk kann man durchaus als Konzept-Album bezeichnen. Die Inspiration kam den beiden durch einen nie veröffentlichten Track für einen Kinofilm. "In der entsprechenden Szene kamen die Leute früh morgens aus einem Club ans Tageslicht. Und dieser Song verwandelte sich von einem Clubtrack in ein sonniges Gitarrenstück." Und so produzierten die beiden 10 Songs, jeweils in einer Nacht- und einer Tag-Version. Frei nach dem Daniel Richter-Motto "Anderer Pinsel, anderes Ergebnis auf der Leinwand."

 

Die Club-Tour legt natürlich ihre Schwerpunkte auf die dunkle Nacht, die monotonen Beats und die Tanzexzesse. Freund Paul Kalkbrenner darf da mit einem Remix ("Wir werden sehen") nicht fehlen, aber auch die älteren Songs wie "Wir sind die anderen" oder das queere "Ich und Elaine" passen kongenial in das Konzept. In der Mitte der Show darf die Bassdrum ruhen, es wird chillig mit Akustik-Versionen von "Lucky Lobster" und "Hey Schmetterling", die quirlige Inga verhüllt mit Hippie-Sunglasses. Wie auf Ibizas Stränden (die laut Inga als Vorbild für die "Tag"-Atmosphäre gelten) werden die Party People allerdings wieder von der Nacht eingeholt. 

 

Inga philosophiert vom Hotel Sunshine, man könnte es ja auch Ushuaia nennen, es groovt on the Dancefloor zu "Wir waren fürchterlich" und "Sie geht los", die Beats werden dunkler und härter. "Wir trafen uns in einem Garten" zielt anno 2017 auf die technoide Sub- und nicht auf die lässig-subtile Bobo-Kultur ab. Schranken unerwünscht. Die Super-Hits "Sexy Girl", "Spiel mit" und "Sasha Secret" mit einer lasziven Inga Humpe hinter dem Mikro dürfen nicht fehlen. Warum auch? Die altersmäßig buntgemischte Crowd zwischen 20 und 60 tanzt, lacht und ist enthusiastisch. Was wenn nicht das soll ein Konzert bewirken?

 

Die politische Message kommt am Schluss: Optimistisch sein und in der (scheinbaren) Tristesse der Gegenwart das Leben lieben. "Wunderbare Tage" heißt der bezaubernde Track aus dem 2013er-Album "Achtung Fertig" mit Zeilen wie dieser "Die Zukunft kommt immer, auch wenn ich sie nicht seh. Vor mir liegen wunderbare Tage, alles wird gut."  "Danke Wien. Wir kommen wieder!" - So 2Raumwohnung nach dem fast zweistündigen Gig. Wir können´s kaum erwarten.

 

 

"Menschenbilder" - Eine hochklassige Fotoparade im herbstlichen Prater!

Wer dieser Tage einen Herbstspaziergang durch den Wiener Prater macht, der hat auch die Chance, die schönsten Fotos der Wiener Berufsfotografen zu begutachten. "Menschenbilder" nennt sich die Open-Air-Ausstellung auf der Straße des 1. Mai, die insgesamt 58 beeindruckende Werke mit 1,4 x 1,4m Größe beinhält. Ausgewählt wurden diese von einer fachkundigen Jury aus insgesamt 1600 Einreichungen.

 

Promis aus der Polit-, Kultur- und Musikszene wechseln einander dabei ab mit "gewöhnlichen" Menschen, die teils extravagant, teils subtil abgelichtet wurden. Die "echten Wiener" Falco, Karl Merkatz und Hermes Phettberg dürfen da nicht fehlen, mit Priscilla Presley und John Malkovich zieren auch Hollywood-Stars die Fotoparade.

 

Das Ausstellungskonzept, das 2012 am Mariahilferplatz in Graz gestartet wurde, lebt aber nicht vom VIP-Faktor, sondern von der Kunstfertigkeit der Fotografen. Spielende Kinder, Rockabillies, Hip Hopper auf der Copa Cagrana, Zimmermädchen bei der Arbeit oder das berührende "Fünf Generationen"-Porträt von Suzy Stöckl. Idee, Motiv und der Auslöser zum richtigen Zeitpunkt machen den Reiz der Fotos aus. Noch bis 26. September im Prater.

 

Robbie Williams in Wien: "Heavy Entertainment"-Show vor 52.000 Fans!

Robbie Williams steht seit 2006 im Guinness Buch der Weltrekorde. Innerhalb eines Tages wurden 1,6 Millionen Tickets für seine Tour verkauft. Auch in Österreich gingen die Tickets weg wie die warmen Semmeln, Klagenfurt ausverkauft, in Wien über 52.000 Fans. Und das, obwohl das letzte Album (und Tour-Motto) "The Heavy Entertainment Show" nicht nur verkaufstechnisch unter den Erwartungen blieb.

 

Der Stimmung tat dies im Ernst Happel-Stadion keinen Abbruch. Das altersmäßig weit gestreute Publikum bekam das, was es erwartete: Sympathische Gags, sexuelle Anspielungen, eine bombastische Light-Show, massenkompatible Superhits und das perfekt inszenierte Drücken der Retro-Tränendrüse-Taste.

 

Bereits im Vorprogramm versetzten der durch eine Fußverletzung gehandicapte Andy Bell und Depeche Mode-Gründer Vince Clarke aka Erasure das Publikum in eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit. "World be gone" heißt das neue Album, auf der Set-List stand gerade mal die neue Single "Love you to the Sky", ansonsten die legendären Synthi-Pop-Ohrwürmer von "I love to hate you" bis "A Little Respect". Auf das kultige Abba-Cover "Take a Chance on me" hat man verzichtet, viele Besucher hätten sicher gerne mitgesummt.

 

An den aktuell 43jährigen Robbie Williams, der bis dato über 77 Millionen Tonträger verkauft hat, kommt allerdings keiner ran. Bei seinen Up-Tempo-Tracks "Rock DJ" und "Let me entertain you" tanzen die sexy Ladies auf, es wird geswingt zu "Minnie the Moocher", und im Hit-Medley wird sogar Falcos Amadeus glorifiziert. Zwischendurch zieht Williams seine Karriere als "Take That"-Mitglied durch den Kakao und erinnert mit seinem "Freedom"-Cover an den kürzlich verstorbenen George Michael, der ihn nach seinem Boygroup-Ausstieg 1995 wieder ins Musikbusiness gebracht hat. 

 

Die großen Gefühle bringt Williams auch durch seine Familie ins Spiel. "I love my Life" widmet er seinen Kindern, sein Vater, einst musikalischer Hotel-Unterhalter, singt mit ihm den Neil Diamond-Klassiker "Sweet Caroline". Und auch seine Gattin, die Schauspielerin Ayda Field, darf bei "Something Stupid" in die Gesangsvibrationen Nicole Kidmans treten.

 

Nicht fehlen dürfen die Kuschelrock-Heuler "She´s the One", ""Feel" und Angels". Im Gegenteil, sie sind natürlich die Highlights jeder Williams-Show. Romantische Lieder zum Mitsingen bei Gänsehautstimmung inmitten eines Smartphone-Lichtermeeres. Die Besucher sind verliebt, verträumt, euphorisch, melancholisch. Es bleibt kurz die Zeit stehen, bis Robbie mit "The End is near" den letzten Song des Abends einstimmt. "I did it my way", eine Verneigung des größten Entertainers der Jetzt-Zeit vor einem des letzten Jahrhunderts.

 

Musikalisch sollte Williams aber bald wieder mit innovativen neuen Songs punkten (und diese auch selbstbewusst präsentieren), die Zeitmaschine fliegt nicht ewig.

Pop Graffiti-Art in Wien: Lushsux besprüht MQ-Wände und die Falco-Stiege.

Provokant, politisch engagiert und kreativ, das ist der Melbourner Graffiti-Artist Lushsux. Kürzlich erst vergrämte er Hillary Clinton, die er nach einer fast barbusigen Darstellung in eine Muslima mit Niqab verwandelte. Darunter der Schriftzug: "If this Muslim Woman offends u, u r a bigot, racist, sexist Islamophobe."

 

Vergleichsweise harmlos sind dagegen seine Street Graffitis in Wien. Bei der U-Bahnstation Kettenbrückengasse, direkt an der Falco-Stiege, werden die Besucher subtil vor die Wahl gestellt, wer jetzt wirklich der größte Rapper der Musikgeschichte war: Falco, dargestellt mit Mozart-Perücke, oder Mum´s Spaghetti-liebender US-Hip Hopper Eminem. 

 

Vor dem Museumsquartier setzte Lushsux ein Tribut für den kürzlich verstorbenen Linkin Park-Sänger Chester Bennington, daneben residieren Conchita Wurst (die sich vom Künstler ein "Selfie"-Graffiti wünscht) und die durch Snapchat-Filter transformierte It-Girl-Sister Kendell Kardashian. Links neben dem Eingang ins MQ geht es härter und gleichzeitig zärtlicher zur Sache. Dort schmusen die MMA-Kämpfer Conor McGregor und Floyd Mayweather miteinander, die sich am 26. August duellieren werden.

 

Lushsux sieht sich selbst nicht als Street Art-Künstler, sondern als "the world´s first meme artist". Und dort in den sozialen Medien, auf Facebook oder Instagram, schwirrt nicht nur er, sondern auch seine Fans (und Gegner) herum. "That´s where people are these days, staring into their phones. You have to try and be there annoying them daily." Hauptsache, der Klick-Faktor stimmt :-)

Zwischen Ibiza und Tomorrowland: Star-DJ David Guetta vor 20.000 Fans in der Wiener Krieau

Mehr als 70 Millionen Tonträger hat er verkauft, seit mehr als 15 Jahren zählt er zu den erfolgreichsten Produzenten und DJ´s der House- und Electronicszene: David Guetta. Zwischen seinen sommerlichen Residencies auf Ibiza ("Fuck me I´m famous im Pacha; Ushuaia) und populären Massen-Events wie Tomorrowland hat der Franzose immer auch Zeit für einen Trip nach Österreich. Bei sonnig-heißem Wetter war die Wiener Krieau bereits Stunden vor seinem Auftritt mit ca. 20.000 Fans prall gefüllt.

 

Das Vorprogramm bestritten auch keine Unbekannten. Der Londoner Jonas Blue belegt gerade mit seinem Mix-Album Platz 1 der britischen Compilations-Charts, der Niederländer Oliver Heldens, gerade einmal 22, gehört nach einigen Tech House-Releases bereits zu den Big Playern in der EDM-Branche und spielt jeden Sonntag im "neuen Space", Hi Ibiza, bis in die frühen Morgenstunden.

 

Guettas Tour steht unter dem Zeichen "Unity", und das ist gleichzeitig auch Ziel seiner mit viel Light-Effekten und Pyro-Elementen unterstreuten 90 Minuten-Show. Das Publikum, bunt gemischt zwischen 10 und 50, soll inmitten von (spärlichen) Getränkeständen, Fast Food und Festival-Drängeleien einfach Spaß haben und gemeinsam feiern. Der Sound-Mix ist ebenso altbekannt wie erfolgreich. Die Superhits von Guetta, vermischt mit vorfabrizierten Mash-Ups und (gewöhnungsbedürftigen) EDM-Drops, die man getrost auch reduzierter einsetzen könnte. Der Effekt bleibt trotzdem nicht aus: Floorfillers wie "Sweat", "When Love takes over", "Love is gone", "Titanium" oder die Black Eyed Peas-Co-Production "I gotta Feeling" lassen die Party People tanzen, mitsingen und zu einer Einheit verschmelzen. Neue Tracks wie die grandiose Bieber-Kollaboration "2 U" oder die Wien-Premiere "Complicated" (mit dem US-Shooting Star Kiaara) gehören spätestens beim nächsten Auftritt zum Standard-Repertoire der Guetta-Freaks.

 

Erfolg hat natürlich seine Neider, seltsamerweise auch in den Medien. Dort wirft man dem Franzosen mangelnde DJ-Fertigkeiten und fertig vorbereitete Mixes vor. Und erwähnt dabei nicht, dass bei einem Konzert dieser Größenordnung die Visuals und Pyro-Effekte auf die Musik abgestimmt werden müssen. Und dass Guetta bereits in den 90er-Jahren erfolgreicher Pariser Underground-DJ und Klubbesitzer war. Lange bevor er mit "Love´t don´t let me go" und "Just a little more Love" den Dance-Olymp bestiegen hat.

"Diversität ist Trumpf!" - 60.000 Besucher beim 8. Wiener Popfest auf dem Karlsplatz.

Die Kuratoren des diesjährigen Popfests kommen aus zwei verschiedenen Ecken. Auf der einen Seite Ö3-Moderator, Songcontest-Berater und "Austrozone"-Scout Eberhard Forcher, auf der anderen Seite die Underground-Künstlerin und Medienwissenschaftlerin Ana Threat. So ambivalent und vielfältig gestaltete sich auch das bunte Programm des viertägigen Festivals am Karlsplatz.

 

Bluatschink aus dem Lechtal eröffneten am Freitag mit ihrer Art von "Heimat- und Volksmusik" den Reigen der Live-Auftritte auf der Seebühne, bevor die in Wien ansässige Tini Trampler mit ihrem dreckigen Orchester stimmungsmäßig in den Chanson-Folklore-Bereich abdriftete. Einer der Protagonisten des ersten Popfests 2010, der Nino aus Wien, sorgte mit seiner Band für einen Massenansturm im Festivalareal und präsentierte eine unterhaltsame, mit vielen witzigen Bonmots („Wann wird endlich der Tony Wegas eingeladen? Man sollte ihm das mit der Handtasche endlich verzeihen!“) unterlegte, 90 Minuten-Show mit all seinen genialen Kompositionen vom "Oasch" bis hin zum "Praterlied" und seinen neuen pop-angehauchten Tracks wie "Coco Bello" oder "Tränen machen wach". Ursprünglich aus dem Indie-Bereich stammend, könnte dem Elektronik-Duo "Lea Santee" das glückselige Schicksal von Leyya "drohen". Lea Stöger und Produzent Manuel Hosp haben das Potential für eine internationale Karriere, das bezaubernde "Rollin" gehört wohl zu den innovativsten Austro-Songs der letzten Jahre.

 

Keine Angst vor bösen Worten haben die Linzer NDW-Epigonen Flut. Das Falco-Tribute auf der Donauinsel sei "Kacke" gewesen, ihre Version von Falcos Berlin-Klassiker "Auf der Flucht" klingt tatsächlich gefälliger als so manches Insel-Cover. Eberhard Forcher sei schon immer sein Förderer gewesen, so Ex-Songcontest-Letzter Lukas Plöchl, jetzt mache er laut seiner Diktion authentische Musik und hat im Repertoire auch noch einige Apres-Ski-Mitgröhler wie "Abriss Austria". Songs wie "Stadt, Land, Fluss" zeigen aber die Wandlung von Plöchl zu Wendja, seinem ursprünglichen chinesischen Namen, was so viel heißt wie "Beste Sprache". Forcher und den vielen jungen Besuchern im TU-Prechtlsaal hat die schweißtreibende, mitreißende Show mit subtilem Understatement ("Mut zur Hässlichkeit") gefallen.

 

 

Rund 60.000 Fans visitierten 4 Tage lang die 60 Musik-Acts des Wiener Popfests. Bier, Spaß, Flirten und Chillen inklusive. Die seltsame Kritik gewisser Qualitätsmedien gegenüber der "niederschwelligen Gratiskultur" wurde bereits von vielen Seiten abgeschmettert. Wir lassen hier noch den Ernst Molden sprechen: "Wenn unlängst in der Presse gestanden ist, dass die Gratisfeste den Musikern schaden, ist das nicht nur garstig, sondern auch noch ein totaler Blödsinn. Allen meinen Freunden, die am Popfest gespielt haben, hat es etwas gebracht. Am Popfest verliebst du dich in eine Band, den Hof machst du ihr dann am nächsten „normalen“ Konzert!" In diesem Sinne - Wir freuen uns bereits auf die Rückkehr der FM4-Ente im Sommer 2018.

Popfest 2017: "Niederschwellige Gratiskultur" mit Qualitätsanspruch auf dem Karlsplatz.

"Die Welt von oben sieht gut aus" - So das deutsch-österreichische Reggae Duo Mono & Nikitaman bei der Zugabe ihres vielumjubelten Konzerts auf der Seebühne des Wiener Popfestes. Tja, nicht nur von oben, sondern von allen Seiten.

 

Im Vorfeld wurde wieder einmal von gewissen Tageszeitungen das nunmehr 8. Popfest als "niederschwellige Gratiskultur" herabgewürdigt. Die Konter blieben aber nicht lange aus, FM4-Musikexperte Martin Blumenau glorifizierte die Niederschwelligkeit als einen Wesenszug von Pop. Noch plakativer Kurator Eberhard Forcher bei seiner Eröffnungsrede. "Um der Niederschwelligkeit die Zähne zu ziehen, werde ich mir eine Krawatte umhängen".

 

Fakt ist: In 4 Tagen werden ca. 60 Bands, Künstler und DJ´s beim Wiener Popfest auf dem Karlsplatz-Areal auftreten und so die Möglichkeit haben, sich vor einem großen Publikum zu präsentieren. Das - ohne Konsumzwang und Kleidungs-Etikette - bei Gratiseintritt österreichische Popkultur genießen, bewerten und vor allem kennenlernen kann. Für viele Künstler war das Popfest bereits ein Sprungbrett für internationale Auftritte. Beispiel: Die Elektronik-Künstler von Leyya, die dieses Jahr in Barcelona engagiert wurden.

 

Zusammengestellt wurde das bunte Programm dieses Jahr von der Medienwissenschaftlerin und Underground-DIY-Künstlerin Ana Threat und der Radio-Legende Eberhard Forcher, einst selbst Musiker mit seinen Tom Pettings Hertzattacken und heute "Austrozone"-Scout für junge Talente. Das Line-Up deckt alle Nuancen der heimischen Szene ab - von Underground bis Mainstream, von der "Hochkultur bis zum Kellerloch".

 

So grungten am ersten Tag des Popfests die Kurt&Courtney-Epigonen "I´m a Sloth" vor dem traditionell vor der Karlskirche positionierten Red Bull Brandwagen. Das österreichisches Elektronik-Genie Felix Nyajo aka Salute lebt bereits im Geburtsland des Pop, im britischen Manchester, und steht vor einer großen internationalen Karriere. Auf der Seebühne begeisterte er mit Band und stilistischer Vielfältigkeit.

 

Zum ersten Mal beim Popfest dabei, aber seit fast 15 Jahren Stammgast bei internationalen Reggaefestivals: "Mono" Monika Jaksch & "Nikitaman" Nick Tilstra. Das temperamentvolle, top-eingespielte Duo sorgt aber nicht nur für Stimmung bis in die letzten Winkel der Konzert-Areale, sondern auch für politische Botschaften. "Kein Weed ist auch keine Lösung" thematisiert ihre (eher harmlose) Forderung nach Legalisierung von "Gras". Engagiert sind die beiden aber vor allem im fast aussichtslosen Kampf gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. "Ein Haus ist kein Zuhause, Zuhause ist kein Land, Man muss keine Mauern haben, um ein Zuhause zu haben." Die Töne sind verklungen, die Gesinnungen nicht. Denn die Zielgruppe, die es betrifft, war sicher nicht im Publikum.

 

 

Donauinselfest 2017 - Ganz Wien war wieder drin!

Endlose Getränke- und Imbissstuben, feiernde Party-Crowds mit leichtem Hang zur Überdosis, eine nicht gerade subtile Werbekanonade der roten Bürgermeisterpartei, verstärkte Sicherheitsteams und mehr als 600 Stunden Musik auf zahlreichen Bühnen zwischen Floridsdorfer Brücke und Reichsbrücke: Das 34. Donauinselfest bei großteils heiß-schwülem Wetter lockte 2,8 Millionen Menschen in die Freizeitoase der Wiener. Auch mit einigen musikalischen Höhepunkten mit Underground-Touch.

 

FM4 transferierte die britische Rapperin Little Simz nach Österreich. Diese zählt im UK zu den heißesten Grime- und Hip Hop Acts und kann bei ihrem Austro-Debüt sofort die Hipster abseits der Mainstreammeilen begeistern. Ebenso wie der Nino aus Wien, der mit neuen Uptempo-Tracks wie "Coco Bello" und Gastauftritten von Voodoo Jürgens und Natalie Ofenböck immer eine Bank für gute Stimmung ist. Den heftigen Schlusspunkt auf der FM4-Bühne setzte der australische Beatboxer Dub FX, nach dessen Aushallen leider für die meisten Fans der arbeitsame Montag drohte.

 

Bass, Beats & Melody auch auf der Viva-Bühne. Zu Gast dort nicht nur die regionalen DJ-Stars Rene Rodrigezz oder die Global Deejays, sondern auch Cedric Gervais. Der French House-Star loungiert dieser Tage auch neben David Guetta im schicken Ushuaia Club von Ibiza und beschallte mit "Summertime Sadness"-Remixes zum ersten Mal die Bundeshauptstadt.

 

Die Top-Auftritte auf der Ö3-Bühne glänzten alle in Rot-Weiß-Rot. Im U4 bereits ein Kult, spielten die Goldfisch, Falcos legendäre Originalband unter der Leitung von Thomas Rabitsch, zum ersten Mal vor hunderttausenden Menschen auf der Donauinsel, 24 Jahre nach dem legendären, abgebrochenen Blitz&Donner-Konzert Falcos 1993. Gianna Nannini düste extra aus Italien nach Wien und performte ohne Probe "Junge Römer" und "It´s all over now, Baby Blue", Burgtheaterstar Johannes Krisch ging mit der "Titanic" unter und becircte "Jeanny", Nachrichtensprecher Tarek Leitner inbegriffen. Faszinierend melancholisch wie auch im U4 die Auftritte von Edita Malovcic mit "Nachtflug" und "Les Nouveaux Riches". Am coolsten allerdings war das Original selbst, Falco mit Live-Einspielungen auf den Video Screens.

 

Ein anderes Original, Rainhard Fendrich, setzte mit einer viel umjubelten Greatest Hits-Show und einem Georg Danzer-Song ("Ruaf mi net an") den finalen Höhepunkt des Donauinselfests. "Denn innen drin bleib i immer a Wiener", so der Schluss-Song vor der Räumung des Donauinselfests. "Es war uns eine große Freude", so die letzten Worte des Austro-Barden. Richtig. Bis zum nächsten Jahr!

"Many Colours - One Community" - 185.000 Menschen bei der 22. Wiener Regenbogenparade!

"Many Colours - One Community" - So lautete das Motto der 22. Wiener Regenbogenparade, die auch dieses Jahr wieder "andersrum" gegen die Fahrtrichtung des Rings führte. Insgesamt beteiligten sich 2017 - bei einer Besucheranzahl von 185.000 - um die 70 Trucks, die nicht nur für Party-Stimmung am nicht ganz sonnigen Samstag-Nachmittag sorgten, sondern auch Botschaften wie Gleichheit der Geschlechter, Ehe für alle und vor allem gegenseitige Toleranz und Respekt verbreiteten. 

 

Erstmals dabei waren die "Diplomats for Equality", die gemeinsam mit den LGBTI-Lehrern und der Aidshilfe Wien mit einem Preis gekürt wurden. Die "Evergreens" durften natürlich nicht fehlen: An der Spitze die zwei Regenbogenpärchen und die Dykes on bikes, die HOSI Wien, gleichzeitig Veranstalter der Parade, die Libertine Wien, der Club Kreativ und natürlich Hermes Phettberg. Fette House- und Discobeats mit tanzenden Party People hinter den Trucks lieferten die Gay Kult-Disco Why Not, H.A.P.P.Y. und Chaya Fuera. Unternehmen wie die ÖBB, Almdudler oder Microsoft zeigten offen, dass sie hinter der Philosophie der Pride Week stehen. 

 

Rechtlich ist die Situation in Österreich derzeit ähnlich wie in Deutschland. Homosexuelle haben die Möglichkeit, eine eingetragene Partnerschaft einzugehen, die sich in 29 Punkten von der traditionellen Ehe unterscheidet. In den Niederlanden, Belgien, Spanien, Frankreich oder Irland existiert bereits die Ehe für alle, während in den meisten osteuropäischen Staaten, Griechenland und Italien nicht einmal derartige Rechtsinstitute bestehen.

 

Wien als Veranstaltungsort für LGBTI-Events hat sich in den letzten Jahren allerdings bewährt, nicht nur durch die Regenbogenparade selbst, sondern auch durch die zahlreichen Aktivitäten im Rahmen der Pride Week. In der Pride Village direkt vor dem Rathausplatz wurden nicht nur zahlreiche Beratungsmöglichkeiten angeboten, sondern auch gastronomische Köstlichkeiten und Drinks serviert. Auf der Event-Bühne sorgten Künstler, Tänzer, Bands und DJ´s für Unterhaltung bis Mitternacht.

 

So ist es kein Wunder, dass Wien den Zuschlag für die Euro Pride 2019 erhielt. Ein gutes Omen auch für die Tourismus-Industrie: Die bisher bestbesuchte Regenbogenparade war die Euro Pride 2001.

"Liebe Hoch 16": Multikulturelles Musik-Theater begeistert Wiener Bezirke!

Wenn die Menschen nicht ins Theater kommen, dann muss das Theater zu den Menschen kommen. Und am besten dort, wo sich die Leute in ihrem Alltagsleben auch gerne treffen, auf Plätzen und Märkten. Und um zusätzlich Migranten zu begeistern, die teils (noch) Berührungsängste vor dieser Kunstform haben, wählt man als Veranstaltungsort multikulturelle Hot-Spots in Wien (wie den Volkertmarkt, das Museumsquartier, den Yppenplatz oder den Floridsdorfer Markt) und arrangiert ein spannendes Script über zwei rivalisierende Familien aus Österreich und der Türkei. Geniale Idee.

 

"Liebe Hoch 16", so der Titel des Theaterstücks, spielt original am Brunnenmarkt in Ottakring. Story und Dialoge wurden arrangiert vom syrischen Arzt und Schriftsteller Ibrahim Amir, der selbst vor 12 Jahren als Kurde nach Österreich geflüchtet ist. Die Lyrics stammen vom bekannten Austropopper Wilfried und von der türkischen Rapperin Esra Ömen, die mit ihren klischeezerstörenden Texten und Aussagen nicht nur in der Migrantenszene Vorbildwirkung hat. Die Musik, komponiert vom 5/8erl in Ehr´n-Mastermind Clemens Wenger, reicht von Musical, Operette, Rap bis hin zu Wienerlied und zeitgenössischer türkischer Musik.

 

Drei Bühnen werden auf den Veranstaltungsorten aufgebaut, in der Mitte die Musiker, links und rechts die Fleischereien der feindlich gesinnten Familien. "Romeo & Julia"-like steht im Mittelpunkt eine Love-Story. Die Dinge sind allerdings nicht immer so, wie sie anfangs scheinen. "Somewhere over the Rainbow" lässt grüßen.

 

"Liebe Hoch 16" läuft derzeit im Rahmen des "Wir sind Wien"-Festivals, dürfte aber aufgrund des großen Erfolges auch bald auf diversen Bühnen zu sehen sein. Das Motto sollte aber unverändert bleiben: "Möge wirklich GANZ Wien im Publikum vertreten sein, egal, ob mit, ohne Migrations- oder sonst irgendeinem Hintergrund."

"Expressions" - Eine Freiluft-Fotoausstellung auf dem Wiener Judenplatz!

Wien ist immer für kulturelle Überraschungen gut. Auf dem Judenplatz, direkt vor dem Holocaust-Denkmal, werden derzeit 59 Bilder bekannter österreichischer Fotografen ausgestellt.

 

"Expressions" nennt sich die Freiraum-Exhibition und hat ihren Ursprung aus dem Umweltfotofestival "horizonte zingst" an der Ostsee. Beteiligt sind u.a. Bilder von Erich Lessing, Elfie Semotan, Andreas Bitesnich oder Lois Lammerhuber. Die Fotos sind auf Bänken platziert, die auch zum lässigen Loungieren und Diskutieren über die Motive einladen. Die von Hermann Nitsch, sexy Bademeistern, nackten Schönheiten, extravaganten Installationen bis hin zu dunklen Landschaften reichen. 

 

Wien ist übrigens die erste Destination, in der die Werke ausgestellt werden. Danach geht es weiter in andere europäische Städte wie London, Istanbul, Madrid oder Mailand. Die Fotoliebhaber werden dort nicht weniger beeindruckt sein.

Rock in Vienna: Hit-Feuerwerk der Toten Hosen auf der Donauinsel.

Vor ein paar Wochen spielte Campino mit seinen Toten Hosen noch bei einem Wohnzimmerkonzert im Wiener 9., am Finaltag des Rock in Vienna jubelten über 25.000 Fans auf der Wiener Donauinsel zu den Hits und Raritäten der Kult-Band aus Düsseldorf.

 

Im "Vorprogramm" zeigte Deutschlands Rapper Nr. 1, Marteria, dass man auch bei heißem, sonnigem Wetter die Massen mit Charisma und Leidenschaft anheizen kann.  Der Rostocker, der in den aktuellen Alben-Charts nur von Helene Fischer geschlagen wurde, startete mit seinem neuen Hit "Aliens" und lieferte mit Hits wie "Lila Wolken" und "Kids" bzw. neuen auch politisch-versierten Tracks wie "Il Presidente" ein kurzweiliges Programm zum Tanzen und Mitwippen. Härteren Stoff boten dann die Beatsteaks aus Berlin, die neben Classics auch Titel ihres im September erscheinenden Albums präsentierten.

 

Bereits bei seinem Co-Texter Marteria auf der Bühne, sorgte dann Campino für den "Urknall", gleichzeitig der Opener eines mehr als zweistündigen Hit-Feuerwerks der Toten Hosen. Immerhin sechs neue Tracks aus dem brandneuen Album "Die Laune der Natur" wurden in die Set-List eingebaut. Zwischen Hits wie "Bonnie & Clyde" und dem melancholisch angehauchten "Altes Fieber" durften natürlich auch politische Statements von Campino nicht fehlen. "Wir zeigen dem Terror den Mittelfinger! Das Leben muss weitergehen trotz all der Scheiße, all der Angst und all den komischen Politikern, die in der Pole-Position sitzen!“ Kritik äußerte Campino auch an der Instrumentalisierung des IS-Anschläge gegen unschuldige Asylsuchende. 

 

Im Mittelpunkt des Konzerts stand allerdings der Spaß, und das vor allem bei den Mitsing-Klassikern aus ihrer fast 36jährigen Karriere: "Hier kommt Alex", "Zehn kleine Jägermeister" (die erste Single-Nr. 1) oder ihren einstigen Alk-Skandalsong "Eisgekühlter Bommerlunder" kann einfach jeder Hosen-Fan mitgröhlen. Dass die geniale Schauspielerin Birgit Minichmayr, einst Freundin von Campino, für ihren größten Hit verantwortlich ist, dürften allerdings nur die wenigsten wissen. Sie ist Co-Autorin der Hosen-Hymne "Tage wie diese", die für einen Hexenkessel in den vordersten Reihen sorgte. Den punkigen Schlusspunkt setzte Campino traditionell mit dem Liverpooler Fußball-Klassiker "You´ll never walk alone".

 

Beim friedlichen Heimmarsch hörten die Besucher dann noch per Band den letzten, berührenden Track des neuen Hosen-Albums, "Kein Grund zur Traurigkeit".  Ein Lied des einstigen Drummers Wölli Rohde, der letztes Jahr verstorben ist.

Donaukanaltreiben 2017: 4 Tage-Open-Air mit Indie-, Techno- und Balkan-Vibes!

Sommer, Sonne, Party! Das 11. Wiener Donaukanaltreiben, das seit 2007 in der urbanen Freizeitoase im Zentrum Wiens stattfindet, trotzte den Wetterkapriolen der letzten Wochen und sorgte 4 Tage lang für Rekordbesuch. Unter dem Motto "It´s for Free, Baby" boten 16 Locations mit über 70 Acts ein buntes, abwechslungsreiches Programm, das generationenübergreifend vom Baby, Teenager, Raver, Indie-Hipster bis hin zu seriösen 9-5-Workers oder rüstigen Pensionisten alle Altersschichten anlockte.

 

Die echte Attraktion ist sowieso der Donaukanal selbst: Lässiges Sonnenbaden in den Liegestühlen oder direkt am Kanal, spontanes Bierchen in der Wiese, Joggen im Morgengrauen, zaghaft-kecke Flirtsprüche bei Sonnenuntergang oder ganz einfach ohne Hintergedanken das Dolce Vita des Sommers genießen.

 

Das ambitionierte Line-Up des diesjährigen Donaukanaltreibens ist da nur das Dessert auf dem Sahnehäubchen: Food & Festival-Market und Kunsthandwerksmarkt bei der Salztorbrücke, Bootstaxi-Ausflüge über den Kanal oder die zahlreichen Live-Bands, die die Botschaft von Willi Resetarits, "Überall muss Musik sein", kongenial in die Tat umsetzten.

 

Die Glamour-Popperin Ankathie Koi präsentierte sexy-schrill ihr neues Electro-Album, die punkig-düsteren Crispies scheuten sich nicht vor der starken Sonneneinstrahlung, Isolation Berlin, Der Ringer und Die Höchste Eisenbahn personifizierten neuen deutschen Indie-Rock als spannende Gratwanderung zwischen Rebellion und Depression. Exzessiv getanzt wurde zu den Balkan-Electro-Swing Vibes von Dunkelbunt und seiner mitreißenden Band. Und vor dem seit 1995 existierenden Kult-Lokal Flex wurde open-air geravt zu den neuesten Techno-, Minimal- und Drum&Bass-Beats.

 

Die Wiener lieben ihren Donaukanal. Nicht auszudenken, wenn hier - wie einst in den 60ern geplant - eine Stadtautobahn stehen würde. Ein Wink auch für andere - scheinbar progressive - Projekte der Stadt. 

"Seite an Seite" - Christina Stürmer rockt zum ersten Mal die Arena!

14 Jahre ist es her, dass Christina Stürmer bei "Starmania" den 2. Platz belegt und trotzdem den "Jackpot" gewonnen hat. Mit "Ich lebe" gelang ihr der Durchbruch in Österreich, einige Jahre später auch in Deutschland und der Schweiz. Im Laufe ihrer Karriere hatte die gelernte Buchhändler aus Linz zahlreiche Nr. 1-Singles und Alben, stand mit Bon Jovi gemeinsam auf einer Bühne und gewann neben 2 deutschen Echos gleich 11 Amadeus Awards, den letzten 2017 als beste Künstlerin.

 

Seit einigen Monaten ist Christina Stürmer stolze Mutter einer Tochter (Marina), gemeinsam mit ihrer Band hatte sie jetzt die Ehre, zum ersten Mal in der legendären Wiener Arena zu spielen. Der "Stürmer-Hype" ist trotz stagnierenden Chart-Erfolgs noch lange nicht zu Ende, bereits bei der Vorband war die Arena Wiese überfüllt von Konzertbesuchern zwischen 5 und 70.

 

Sympathisch, lässig und volksnah - das ist Christina Stürmer auch mit 34. Neue Tracks aus dem Album "Seite an Seite" wie der Opener "Neue Farben", das Nena-angehauchte "Tragflächen" oder das ihrer verstorbenen Oma gewidmete "Du fehlst mir" werden gemischt mit Mitsing-Klassikern wie "Ich lebe", "Nie Genug" oder "Scherbenmeer". Die beste Stimmung erzeugt ihr bisher größter Hit "Millionen Lichter", traditionell endet das Konzert mit der wunderschönen Ballade "Engel fliegen einsam".

 

Über Einsamkeit muss sich die Christl allerdings nicht beklagen, weder privat noch bei ihren Konzerten. Und das freut nicht nur die Austro-Pop-Fans.

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Ernst Molden mit Frauenorchester - Wiener Lieder vor der Karlskirche

Letzten Donnerstag wurde der Wiener Liedermacher und Schriftsteller Ernst Molden noch mit dem Amadeus Award für World Music ausgezeichnet und hielt außerdem eine Laudatio auf "Ostbahn Kurti" Willi Resetarits. Zwei Tage später betrat er gemeinsam mit dem Frauenorchester die Bühne des Karlsfestes direkt vor der faszinierenden Kulisse der Karlskirche.

 

Es war erst der zweite (und vermutlich nicht der letzte) Auftritt Moldens mit Sängerin und Gitarristin Sibylle Kefer, Bassistin Marlene Lacherstorfer und Schlagzeugerin Maria Petrova. Unterlegt von Anekdoten des genialen Geschichtenerzählers lauschten die Zuhörer skurrilen Wiener Liedern über misslungene Hochzeiten ("Deine Schwester waant"), Drogensüchtige im Resselpark ("Katherine") oder zu Ende gehende Liebschaften ("Das alte Laub"). Letzterer - "Autumn leaves" - wie einige andere Songs auch angelehnt an unbekanntere US-Country-Lieder. Kefer, ehemals Mitglied der Ausseer Hardbradler, durfte natürlich auch solo ran, hat sie doch kürzlich erst ihr erstes Album "Hob i di" veröffentlicht.

 

Der "Leonard Cohen Wiens", wie er gerne bezeichnet wird, ist immer dann am besten, wenn er über seine Lebensstadt selbst singt. So zum Beispiel bei seinem Klassiker "Wieso kommt keiner morgens früh nach Wien, sieht die Huren vor den Straßenkehrern flieh´n". Schön, dass das schnörkellose Wiener Lied gerade in digitalsiert-oberflächlichen Zeiten wieder boomt.

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Frauen-Power beim Electric Spring 2017 im MQ Wien!

Das weibliche DJ- und VJ-Trio Etepetete zeichnete dieses Jahr verantwortlich für das Electric Spring im Wiener Museumsquartier. Der Spring fiel aufgrund des schlechten Wetters (und der Verlegung der Open-Air-Bühne ins Innere) zwar aus, der elektronische Sound war aber auch bei der dritten Ausgabe des von der Stadt Wien finanzierten Festivals von höchster Quality, vor allem seitens der Female Artists.

 

Die ursprünglich aus Horn stammende Lulu Schmidt vereint mit ihrer "One Woman Orchestra"-Show viele Stilarten zu einem neuen einzigartigen Gesamtkonzept. Egal, ob sie jetzt a la Lindsey Stirling mit ihrer Violine fasziniert, in künstlerische Installationswelten eintaucht, a la Florence Welch in den Indie-Bereich gleitet oder mit Berliner Newcomern wie Schlindwein, mit dem sie einen Track zum "Fucking Berlin" beigesteuert hat, für laszive Melancholie sorgt. Von ihr ist in jeder Hinsicht noch viel zu erwarten.

 

Ebenso von Mavi Phoenix, die bereits beim Popfest auf dem Karlsplatz performte. Die Linzerin mit syrischen Wurzeln bewegt sich im urbanen Grenzbereich zwischen Pop und Hip Hop und begeistert auch trendreservierte FM4-Hipster. Beim Electric Spring präsentierte die knapp über 20jährige Mavi neben Radio-Hits wie "Quiet" und "Love longtime" auch viele neue Tracks. Der Mainstream-Erfolg scheint auch international nur mehr eine Frage der Zeit.

 

Die Female Party am zweiten Tag des Festivals war danach noch lang nicht zu Ende. Dafür sorgten die aus der Wiener Subkultur bekannten Djanes Therese Terror & Martina, die mit Minimal Techno-Beats die Party-Crowd bei ekstatischer Tanz-Laune hielten. Cool.

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"MQ Amore" - Minigolf-Lifestyle der 50er vor dem Wiener Museumsquartier.

Spiele gibt´s zu spielen viele, und man braucht sie auch nicht stetig neu erfinden. So auch beim Minigolf, einem Sport, der in den 50ern am italienisch-schweizerischen Lago Maggiore entstanden ist. Die Idee wurde konzipiert vom Schweizer Gartenarchitekten Paul Bongni, der 1954 in Ascona die erste genormte Minigolf-Anlage mit 18 Bahnen eröffnet hat.

 

Vor allem in Bella Italia erlebte Minigolf in dieser Zeit einen wahren Boom. Grund genug für das Wiener Museumsquartier, ausnahmsweise auf die Retro-Schiene zu setzen und auf dem Vorplatz einen Minigolf-Platz zu installieren. Der besondere USP: Die 12 Bahnen bestehen allesamt aus innovativen Skulpturen, kreiert von Künstlern wie "feld72", Anastasiya Yarovenko oder PLOP. Der Gesamtentwurf stammt vom Architekten Daniel Sanwald.

 

"MQ Amore", die so verführerisch klingende Trademark der Minigolf-Anlage, hat geöffnet von April bis Oktober, und zwar von 10 bis 20 Uhr, im Sommer sogar bis 22 Uhr. Eine lässige Minigolf-Partie kostet 4 Euro, für Kinder bis 12 2,5 Euro. Echte Fans können gleich eine Zehnerkarte um 30 Euro buchen. Jetzt muss nur mehr das Wetter mitspielen :-)

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Twinni-Grüne Enzis und Hofmusik: Frühlingserwachen im MQ.

Kommt der Frühling ins Land, dann drängen die Wiener ins Freie, egal ob in die Schanigärten, die Flaniermeilen oder eben in den urbanen Innenhof des Museumsquartiers. Dort warten schon meist die kultigen Sitzmöbel, kurz "Enzis", auf die jungen Hipster, zum Studieren, Flirten oder einfach nur zum Chillen. Seit 2003 stehen im MQ die nach der damaligen Prokuristin benannten Sitzgarnituren, die auch im Ausland bereits für Wien-Promotion sorgten, so im Madrider Museumsdreieck, vor dem Museu d´Art Contemporani de Barcelona, im Gorki-Park in Moskau oder am Düsseldorfer Schadowplatz. Die Farbe wurde auch dieses Jahr wieder per Internet-Voting gewählt. Gewonnen hat Twinni-Grün, vermutlich der politischen Gesinnung der Besucher nicht ganz fremd, mit über 52 % vor Twinniorange und Sportgummirot.

 

Mit den warmen Temperaturen locken unter der Trademark "Hofmusik" auch wieder Bands und Artists in das MQ. Letztes Jahr waren das u.a. Nazar, Leyya oder der Nino aus Wien, 2017 begann der musikalische Reigen mit der Tiroler Indie-Elektronikband "The Nihils", die in Berlin ihr erstes im April erscheinendes Album produzierten. Teile davon, wie die auf FM4 erfolgreiche Single "Breathing", präsentierten sie exklusiv im MQ. Und es dauert nicht mehr lange, bis das "Electro Spring"-Festival (u.a. mit Mavi Phoenix, Motsa und Gerard) vor der Tür steht.  20. und 21. April also terminlich freihalten !

 

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Zu Gast bei den „Falter“-Stadtgesprächen: Datenschützer und Facebook-Kläger Max Schrems.

Der österreichische Jurist und Datenschützer Max Schrems schaffte es im Jahr 2016 in der Rubrik „Gesetz und Politik“ unter die „Top 30 unter 30“-Liste des Wirtschaftsmagazins „Forbes. Kein Wunder, sein rechtlicher Kampf als „David“ gegen den Social Media-„Goliath“ Facebook kam weltweit in die Schlagzeilen.  Dementsprechend oft wird er auch für internationale Vorträge gebucht. Im Rahmen der „Falter“-Stadtgespräche nahm sich Schrems auch Zeit, vor mehr als 450 Besuchern im AK-Bildungsinstitut zu referieren und gemeinsam mit Journalist Peter Huemer über Datenschutz, Fake News und Social Media-Gefahren zu diskutieren. 

 

Jeder Bürger habe ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung, so Schrems. Naive Behauptungen wie „Ich habe nichts zu verbergen“ beantworte er gerne mit dem Satz „Dann hast du ein langweiliges Leben“. Der juristische Streit mit Facebook began 2011, als Schrems von seinem Auskunftsrecht Gebrauch machte und dann ein 1222 Seiten-PDF-Dokument erhielt, bei dem auch Daten aufschienen, die er eigentlich schon gelöscht hatte bzw. die er selbst nie angegeben hatte. Aktuell läuft eine Sammelklage gegen Facebook, bei der sich 25.000 Personen angeschlossen haben. Diese fordern je 500 Euro Schadenersatz wegen Verletzung von Datenschutzbestimmungen. 

 

Einen wichtigen Sieg gegen Datenmissbrauch hat Schrems schon errungen. So wurde im Jahr 2015 das sogenannte „Safe Harbor“-Abkommen vom EuGH für ungültig erklärt und somit der bisherige Datentransfer von der EU Richtung USA für rechtswidrig befunden. Das neue „Privacy Shield“-Abkommen dürfte aber ähnliche Mängel enthalten. 

 

Schrems thematisierte auch die „Filterblasen“-Problematik bei den Sozialen Medien und befürchtet, dass sich diese mit fortschreitender Technisierung noch verstärken werde. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es noch zu einer intensiveren Personalisierung kommen werde und Bürger nicht nur im Wirtschaftsverkehr, sondern auch in der Politik perfekt zugeschnittene Botschaften erhalten, die deren Denkweisen noch mehr verstärken. 

 

Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung werde im Mai 2018 in Kraft treten, der Kampf gegen die Internet-Oligopole sei aber noch lange nicht gewonnen. Persönlich wünscht sich Schrems ein europäisches Datenschutzzentrum, das als NGO konzipiert ist. Wäre vermutlich auch ein ideales Betätigungsfeld für den charismatischen Juristen.

 

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Alleinerziehende in finanziellen Nöten: Frauen-Demo für ein neues Unterhaltsrecht !

Steigende Lebenshaltungskosten, Rekordarbeitslosigkeit, hohes Stress- und Burn-Out-Risiko und eine immens schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Alleinerziehende, zu 93 % Frauen, haben es nicht leicht in Österreich. 42 % sind armutsgefährdet, 15 % sogar Mindestsicherungsbezieher. Dies hat auch Auswirkungen auf die Kinder, die mehr als doppelt so oft von Armut betroffen sind als Kinder aus Zweielternfamilien und naturgemäß vor allem bei Bildung und Gesundheit Defizite aufweisen können.

 

Maria Stern, die Obfrau des Forums Kindesunterhalt, organisierte aus Anlass des Internationalen Frauentages eine Demonstration vor dem Wiener Parlament, bei der sich zahlreiche Unterstützer, teilweise auch mit ihren Kleinkindern und Babies versammelten, um vor allem auf Mängel im geltenden Unterhaltsrecht aufmerksam zu machen.

 

Eine zentrale Forderung ist die Abschaffung der §§ 16 und 19 Unterhaltsvorschussgesetz, aufgrund der Alleinerziehende durch Unterhaltsherabsetzungs-Anträge (die zu einer langwierigen Innehaltung des finanziellen Anspruchs führen) oft vor dem finanziellen Ruin stehen. Kritisiert wird auch die Beschränkung des Unterhaltsvorschusses auf Minderjährige. Über 18jährige Schüler und Studenten haben keinen Anspruch auf einen Unterhaltsvorschuss, Unterhaltsvorschuss wird auch dann nicht gewährt, wenn kein vollstreckbarer Unterhaltstitel gegen den Unterhaltsverpflichteten vorliegt. Trotzdem steigen die Unterhaltsvorschüsse jährlich. Im Jahr 2015 bezogen 46019 Kinder einen Gesamtbetrag von über 113 Millionen Euro. Die Rückzahlung betrug rund 68 Millionen Euro.

 

Dessen ungeachtet erhalten 54 % der Kinder zu wenig und 18 % der Kinder gar keine Alimente oder Unterhaltsvorschüsse. Maria Stern fordert daher eine Reform des Unterhaltsrechts. Jedes Kind soll eine Unterhaltssicherung in Höhe der altersgemäßen Regelbedarfssätze erhalten, die jährlich an die Inflationsrate angepasst werden sollten. Die Auszahlung soll nicht mit der Volljährigkeit enden, sondern sich nach der Familienbeihilfe-Dauer richten. Was von den Unterhaltspflichtigen nicht geleistet werden kann, soll vom Staat als Investition in die Zukunft aufgestockt werden. 

 

Ein unkompliziertes, faires Modell, das armutsgefährdeten Familien hilft und schnell im Parlament umgesetzt werden könnte. Im neuen Regierungsprogramm steht davon leider nichts. Der Slogan der Demonstranten „Die Geduld der Alleinerziehenden ist die Macht der Gesetzgeber“ ist nicht unbegründet. Und trifft auch auf viele andere Gesetzesmaterien zu.

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"We were so turned on" - David Bowie-Benefizkonzert in der Wiener Arena.

Schrill, extravagant, androgyn, schick, poppig, avantgardistisch. Die Attribute, die man dem Musik-Chamäleon David Bowie zuschreiben kann, sind vielfältig. Umso trauriger war der frühe Tod des Londoner Ausnahmekünstlers im Januar 2016. 

 

Unter dem Motto "We were so turned on" organisierte die Balkan-Jazz-Sängerin Vesna Petkovic in der Wiener Arena eine David Bowie-Tribute Show, die unter einem guten Zweck stand. Der gesamte Reinerlös fließt in den Dachverband Hospiz Österreich.

 

Petkovic selbst performte mit der Grazer Sängerin Marina Zettl den ansonsten von Frauen selten gesungenen Bowie-Debüt-Hit "Space Oddity". Michael Vatter becircte das "China Girl" und den "Starman", "Base"-Leadsänger Norbert Wally wagte sich gemeinsam mit Petkovic an das Mercury-Bowie-Duett "Under Pressure". Begeistert von der vollen Arena-Audienz zeigte sich 80er-Popstar Günter Mokesch (aka Mo), der inmitten von Original Videoclip-Visuals "Let´s dance" und "Absolute Beginners" zelebrierte. Rock-Legende Andy Baum kritisierte vor seinem Auftritt die rassistisch-menschenverachtende Politik Trumps, kongenial zu Bowies-Soundtrack-Hit "This is not America", und setzte mit dem berlinangehauchten Kult-Track "Heroes" auch den finalen Schlusspunkt dieser fast 3stündigen Tribute-Show.

 

Fazit: 24 coole Bowie-Tracks, Arena fast ausverkauft, hoher Reinerlös für kranke Patienten. Experiment somit gelungen.

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Fotogallery: Faschingsumzug im Wiener Prater.

Zum zweitenmal fand im Wiener Prater ein Faschingsumzug statt, der von der Zufahrtsstraße bis zum Riesenradplatz führte. Mit dabei 15 Fahrzeuge, 400 Narren und lautstarke Beats von Andi Gabalier bis hin zur Rocky Horror Picture Show. Und das bei schönstem Frühlingswetter.

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Kühle Sound-Ästhetik aus London: The XX live in der ausverkauften Marxhalle.

Massenandrang in der ausverkauften Marx-Halle, und das obwohl man beim Sound nicht von "Music for the Masses" sprechen kann. Einem Album-Titel einer Formation (Depeche Mode), die bei ihren ruhigen, melancholischen Stücken durchaus "The XX" ähnelt.

 

Die 2005 gegründete Band aus Südlondon performte ihre ersten Konzerte im Dunkeln, aus Schüchternheit und Angst vor dem Publikum. Die hat sich seit dem neuen Album "I see you" etwas gelegt. Schneller die Beats, fröhlicher die Grundstimmung. Verantwortlich dafür ist der Soundtüftler der Band, Jamie Smith alias Jamie XX, der vor 2 Jahren ein vielumjubeltes Solo-Album "In Colour" produzierte und bei den Konzerten im Background Keyboard und Drum-Computer bedient. Für eindringliche Vocals sorgen vor den Mikros Gitarristin Romy Madley Croft und Bassist Oliver Sim. 

 

Die Aura cool, verrucht, atmosphärisch, verstärkt durch Spiegel-Reflektionen und durch die kühle Ästhetik der Marx-Halle. The XX sind eine von drei UK-Bands, die in Amerika Goldstatus erlangt haben, und sie begeistern auch die hippen Wiener Alternative-Freaks. Egal, ob mit neuen Perlen wie dem Opener "Say Something Loving", dem lasziven "Lips" und der Dance-Single "Hold on" (mit dem Hall&Oates-Sample) oder mit älteren Werken wie "Crystalised", "Angels" oder dem Instrumental-Track "Intro". Jamie XX-Solo-Hit "Loud Places" durfte neben einem Drake-Cover auf der Set-List natürlich nicht fehlen. Man kann auch mit (unkünstlicher) Zurückgezogenheit und Understatement viel erreichen und bewirken. In oberflächlichen und lauten Zeiten wie diesen wichtiger denn je.

 

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Tribute Night im ausverkauften U 4: „Die Goldfisch“ zelebrieren Falcos 60. Geburtstag !

„Einmal wird der Tag kommen, die Donau außer Rand und Band. Im U4 geigen die Goldfisch´, der Bruno längst im sich´ren Land, der Hannes a.“ - Zeilen aus „Ganz Wien“, jener Hymne der 80er, die den Zeitgeist der Wiener Szene geprägt und einem gewissen Johann Hölzel alias Falco ein Katapult zum Weltstar geliefert hat. Am 19. Februar 2017 hätte Falco seinen 60. Geburtstag gefeiert. Leider ein fiktives Datum, denn der aus dem 5. Wiener Gemeindebezirk stammende Sänger, der einst mit „Rock me Amadeus“ Platz 1 und mit seinem Album „Falco 3“ Platz 3 der damals rock-soul- und danceorientierten US-Charts erreichte, starb am 6. Februar 1998 bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Seitdem ist viel Zeit vergangen, unzählige Dokumentationen, Greatest Hits-Alben, DVD´s und Bücher zeugen davon. Seine Popularität ist allerdings ungebrochen und erreicht immer neue Generationen.

 

Wie jedes Jahr zelebrierten „die Goldfisch“, ehemalige Mitglieder der Falco-Band unter der Leitung von Thomas Rabitsch, im Wiener Kult-Club U 4 eine Party zu Ehren des verstorbenen Freundes und Superstars. Unterstützt werden sie dabei am Mikro von bekannten Sängern und Schauspielern, die ohne Playback und live sich an den schwierig zu singenden Tracks Falcos versuchen. Anlässlich des 60ers gleich dreimal hintereinander im ausverkauften Ex-Underground-Club. 

 

Als Leading Voice fungiert der live-erprobte Alkbottle-Sänger Roman Gregory, der mit den Kult-Hits „Helden von Heute“ und „Ganz Wien“ das altersmäßig bunt gemischte Publikum mitriss. Hip Hopper Skero wählte „Auf der Flucht“ und „Der Kommissar“, Birgit Denk das dekadente „Titanic“ und Russkaya-Sänger Gerogij die dämonisch angehauchten Tracks „Dance Mephisto“ und „No Time for Revolution“. Faszinierend die Darbietung der Schauspielerin und Sängerin Edita Malovcic alias Madita, die „Nachtflug“ kühl-elitären Flair verschaffte. Im kongenialen Duett mit Falco selbst, der immer wieder live auf den Videoscreens eingeblendet wurde. Eine tolle Figur bot auch der Schauspieler Johannes Krisch mit „It´s all over now Baby Blue“, einst letzter Track beim legendären Donauinselkonzert im Jahr 1993.

 

Natürlich wurden im Rahmen der Tribute-Night auch neue Falco-Artikel präsentiert. Porträts von Martin Sonnleitner, eine Graphic Novel von Reinhard Trinkler, das neue „Falco 60“-Greatest Hits Album oder eine Falco-Briefmarke. Hat alles seine Berechtigung. Im Gegensatz zu diversen halbwahren oder erfundenen Geschichten über seinen Tod, die immer wieder in die Medien gestreut werden. Türsteher-Legende und Fotograf Conny de Beauclair, ein enger Freund Falcos, der aus Anlass seines 65. Geburtstages auf der Bühne mit einer Torte überrascht wurde, bringt es auf den Punkt: „Man soll die schönen Seiten Falcos genießen und die tolle Musik, die er gemacht hat.“ Word !

 

Videos auf meinem YouTube-Kanal:

 

https://www.youtube.com/user/OliverPlischek/videos

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„In mir drin bleib i immer a Wiener“- Umjubeltes Heimkonzert von Rainhard Fendrich in der Wiener Stadthalle.

Für einen Künstler ist es immer etwas Besonderes wenn er in seine Heimatstadt zurückkehrt und dort seinen Fans eine Audienz gewährt. So einer wie Rainhard Fendrich, 1955 in Wien geboren, kann sich selektiv glücklich schätzen. Tosender Applaus von ca. 8000 Fans in der Wiener Stadthalle, noch bevor der erste Ton erklungen ist. Passend zum Hirscher-WM-Sieg startet Fendrich gleich seine Show mit dem 80er-leistungskritischen Song „Es lebe der Sport“, um dann mit „Haben Sie Wien bei Nacht“ zum ersten Mal seinen Geburtsort zu glorifizieren. Das geniale Peter Patzak-Video mit den „Dritte Mann“-Sequenzen bewundert er heute noch.

 

Die neue Tour steht – wie das neue Album – unter der Trademark „Schwarzweiß“ und ist auch eine Abrechnung mit der gegenwärtigen Politik. Zitate und klare Botschaften werden als Moderation zwischen den Songs eingeplant. Beispiel: „Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht überwindet, erst dann wird es Frieden geben.“ – Copyright Jimmy Hendrix. Oder „Asyl ist ein europäsches Menschenrecht“ bzw. „Rassismus ist Verbrechen“. Sic est.

 

Fendrichs 84er-Song „Frühling in Berlin“, geschrieben zu einer Zeit, als die beiden Stadtteile noch durch eine Mauer getrennt waren, bringt das Publikum zum Nachdenken, dass Mauern einfach keine Lösung im 21. Jahrhundert sind. Wie aktuell sein „Tango Korrupti“ aus den späten 80ern noch immer ist, zeigen die aktuellen Eurofighter-Anzeigen. Aufs Korn genommen wird auch die Digital Generation. Im Eröffnungssong des neuen Albums „Wenn du was willst“ kritisiert Fendrich, dass es keine echten Freundschaften mehr gibt und die Leute nur mehr smsen und chatten. Zitat: „Smartphones haben einen Vor- und einen Nachteil: Man ist immer errreichbar.“

 

Bereits im ersten Teil der Show laufen die eigentlich österreichkritische heimliche Bundeshymne „I am Austria“, die Fendrich von rechtspopulistischen Kräften missbraucht sieht, „Malibu“ und sein größter internationaler Hit „Macho Macho“, der es in Deutschland bis auf Platz 2 geschafft hat. Nach 20 Minuten Pause folgt die „Unplugged Session“, verpackt darin die 80er-Frühzeit-Hits „Zweierbeziehung“, „Oben Ohne“ und „Strada del Sole“, bei der das altersmäßig bunt gemischte Publikum fröhlich mitsingt. Humor haben auch neue Songs von Fendrich („Ich will Leute zum Lachen bringen. So wie einst Nestroy“) wie das reggaelastige „Lieselotte“ oder „Sugardaddies“. Kuschelrock-Feeling und Feuerzeug-Atmosphäre kommen dagegen vor allem bei „Manchmal denk i noch an di“, „Tränen trocken schnell“, „Vü schener ist des G´fühl“ und „Bergwerk“ auf, nach dem Fendrich wieder hinter die Showbühne tritt.

 

Mehr als 30 Songs stehen auf der Setlist des über 2,5 Stunden langen Konzerts in der Wiener Stadthalle. Bei den Zugaben strömte das Publikum von den Sitzplätzen Richtung Bühne. Es schallt „Blond“, „Schickeria“ und „Löwin und Lamm“. Und ein neues Lied des Wiener Unterhaltungskünstlers (Eigenbezeichnung), das vermutlich sein inneres Seelenleben kennzeichnet: „Doch in mir drin bleib i immer a Wiener, Ihr kennts mi gern haben, aber sicher net verbiagn.“ Wien hat ihn gern, mehr denn je.

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Jennifer Rostock im ausverkauften Wiener Gasometer: Power-Rock mit eindeutigen Polit-Messages.

„2800 Besucher – Wir sind ausverkauft !“ – Jennifer Weist freute sich euphorisch, als sie diese Botschaft in der dichtgedrängten Planet Music Hall im Wiener Gasometer verkündete. Und das, obwohl das Konzert der Wahlberliner Rockband Jennifer Rostock zuvor noch in der kleineren Arena platziert wurde. Und nicht nur die Band, die sich vor einigen Songs ein schnelles Schnapserl genehmigte, kam voll auf ihre Kosten, sondern auch das mehrheitlich weibliche junge Publikum. 90 Minuten lang deutscher Power-Electro-Punk-Rock, garniert mit zahlreichen Showeinlagen und politischen Messages.

 

„Ich bin nicht von hier, du bist nicht von hier, wir sind nicht von hier, wir sind alle nicht von hier, es geht doch um den Menschen, was sind Pässe aus Papier, wir teilen uns diese Erde, komm wir teilen uns noch ein Bier“ – So zum Beispiel im Refrain ihrer brandneuen europakritischen Hymne „Wir sind alle nicht von hier“. Jennifer Rostock sind – vielleicht etwas naive – Anhänger einer uneingeschränkten Willkommenskultur, stehen aber dazu. Ebenso wie gegen die AfD, die sie in einem 2 Minuten langen YouTube-Video offen kritisiert haben und dann mit Mordaufrufen konfrontiert wurden. 

 

Frontfrau Waist, sexy gekleidet mit Bikini und Baströckchen, appelliert an das Publikum, das zu tragen, was man will. Auch ein Kopftuch. Während der Show enthüllt sie die Regenbogenflagge, bezeichnet Trumps Politik als Bullshit und fordert die Fans per Stinkefinger auf, „Nazis Raus“ zu skandieren. Recht so. 

 

Derartig klare Positionierungen sind selten im deutschen Sprachraum, machen aber den Sound der 2008 gegründeten Band trotzdem nicht zur Nebensache. Auf der Set-Liste standen neben den älteren Hits „Mein Mikrofon“, „Feuer“ oder dem eindrucksvollen „Ein Schmerz und eine Kehle“ vorwiegend Titel aus der kürzlich erschienen neuen CD „Genau in diesem Ton“. 

 

Inmitten von Konfetti-Kanonen, Mitgröhl-Tracks und Pogo Dancing wurde es auch etwas romantischer, als die Sängerin die Stages wechselte und unplugged „Irgendwo anders“ und „Jenga“ präsentierte. Schlusspunkt – nach 3 Zugaben – war die electro-angehauchte Feminismus-Hymne „Hengstin“. Dort heißt es wortwörtlich: „Ich bin kein Herdentier, nur weil ich kein Hengst bin.“ Das kann man getrost blind unterschreiben. 

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Superstar Falco: Seine Wurzeln liegen in Margareten.

Hans Hölzel, geboren am 19. Februar 1957, erreichte im Jahre 1986 den Pop-Olymp: Seine Mozart-Hymne "Rock me Amadeus" stieg, unterstützt durch ein geniales DoRo-Video, auf Platz 1 der US-Charts und blieb 3 Wochen lang an der Spitze. Falco wusste schon zu diesem Zeitpunkt, dass er dieses Kunststück – auch in England und in ganz Kontinentaleuropa belegte er Platz 1 – nie wieder erreichen könne und dass ihm Medien, Neider und Konkurrenten diese riesige Messlatte Zeit seines Lebens vorhalten würden.

 

Die bowie-eske Kunstfigur Falco stand arrogant darüber, der Mensch Hans Hölzel vermutlich nicht. Schwere Alkohol- und Drogenabstürze, familiäre Tragödien (wie das nicht von ihm gezeugte Kind), abgesagte Konzerttourneen und teils schwache Plattenverkäufe kennzeichnen die Zeit nach dem großen Falco-Hype. Wobei gerade die Masse ja oft irrt, ohne jetzt aktuelle Beispiele zu nennen. "Data de Groove" war künstlerisch ein Meisterwerk und sogar Thema in der "Schule der Dichtung" und in literarischen Zirkeln, mit der "Titanic" kehrte die Dekadenz zurück in die Szene, beim Wiener Donauinselfest lagen Falco 150.000 Zuschauer zu Füßen (bis ein Gewitter dem Konzert ein Ende setzte), und mit seinen letzten beiden zu Lebzeiten veröffentlichten Songs "Mutter, der Mann mit dem Koks ist da" und "Naked" eroberte Falco sogar die grassierende Love Parade-Generation.

 

Die Wurzeln des Falken liegen mitten in Wien, im 5. Bezirk Margareten. Dort wohnte Falco mit seinen Eltern in der Ziegelofengasse 26, heute schon durch einen Neubau ersetzt. Gegenüber, in der Ziegelofengasse 37, hatte seine Großmutter eine Wohnung, die er später zwischen 1974 und 1982 bezog und wo er u.a. seinen ersten Mega-Hit "Der Kommissar" schrieb. Im selben Haus befindet sich auch das urige Wiener Wirtshaus "Zum alten Fassl", wo Falco seine theoretischen Untergangsvisionen manchmal im Rausche der Nacht mit harten Drinks in die Praxis umsetzte.

 

Die wurden ihm schlussendlich auch zum Verhängnis: Am 6. Februar 1998 verunglückte Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik tödlich – mit 1,5 Promille und einigen Drogen im Blut. Beim Begräbnis auf dem Wiener Zentralfriedhof gaben ihm mehr als 4000 Fans und Freunde die letzte Ehre, den Sarg trugen die "Outside Austria"-Rocker vom "Amadeus"-Clip. Posthum wurde der eher durchschnittliche Song "Out of the Dark" zu einem der größten Falco-Hits. Oft feiert man in Wien die "schene Leich" lieber als das süße Leben. Tja, Ganz Wien ist so herrlich hin, hin, hin. Das wusste Hans bereits Ende der 70er...

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50 Jahre "Light my Fire": Doors Experience live in der Szene Wien.

Vor rund 50 Jahren, am 4. Jänner 1967, wurde das erste Doors-Album veröffentlicht. Unter dem simplen Titel "The Doors" enthielt dieses bereits legendäre Kult-Tracks wie den Nr. 1 Hit "Light my Fire", die Brecht-Weill-Adaption "Alabama Song", die subtile Ballade "Crystal Ship" oder das epochale, über 10 MInuten lange Meisterwerk "The End". Der "Rolling Stone" platziert das Album auf Platz 42 der "ewigen" Bestenliste. Grund genug, für die österreichische Tribute-Band "Doors Experience" das erste Werk in den Mittelpunkt ihrer diesjährigen Konzerte zu stellen.

 

Im Februar verschlug es die seit 2001 bestehende Combo wieder einmal die in fast ausverkaufte Szene Wien. Die Besetzung ist seit Jahren dieselbe, die Band daher auch perfekt aufeinander abgestimmt. Wie bei den Original Doors steht naturgemäß der Sänger - Jason Boiler - im Zenit der Show, der nicht nur stimmlich, sondern auch posenhaft den Lizard King ideal verkörpert. Abgesehen von Drogenabstürzen und polizeilichen Verhaftungen auf der Bühne :-)  Das Kremser Multi-Talent Klaus Bergmaier spielt die Piano- und Keyboard-Bass-Rolle des Ray-Manzarek, der einst mit Jim Morrison am Venice Beach die Band gegründet hat. Rene Galik (als Robby Krieger) an der Gitarre und Gerhard Tscherwizek (als John Densmore) an den Drums machen das Hippie-Quartett perfekt.

 

In über 2 Stunden Spielzeit, traditionell geteilt in 2 Sets, versetzen die Doors Experience das altersmäßig bunt gemischte Publikum in eine wilde Zeit der Sixties abseits von Regeln und Konventionen. Einerseits stürmisch und hedonistisch, andererseits aber auch melancholisch und verletzlich. Jim Morrison war in diesem Sinne auch eine Ikone der Zeit, sein früher, ungeklärter Tod am 3. Juli 1971 ist nicht nur eine persönliche, sondern auch eine musikalische Tragödie. Gut, dass es Bands wie The Doors Experience gibt, die seine genialen Songs in Top-Qualität auch live unvergessen machen. Nächster Wien-Auftritt am 18. Mai im Reigen.

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"Eine Nacht für Falco": Retro-Party im U 4 mit Minisex, Flut und 80er-Classics.

Am 6. Februar 1998 ist Österreichs einziger Popstar von Weltruf, Falco, bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik tödlich verunglückt. 19 Jahre später, kurz vor seinem 60. Geburtstag am 19. Februar, ist er omnipräsenter denn je: Falco „60“-Greatest Hits Compilation mit neuen Remixes u.a. von Parov Stelar, ein Comic-Buch, "Coverboy" im Falter mit dem Teaser "Gestorben um zu leben", Sondersendungen auf dem Alternativsender FM4 und sogar eine Special Week, konzipiert von der Red Bull Music Academy. 

 

Der Startschuss wurde in Falcos "Wohnzimmer", der legendären Szene-Diskothek U 4 in der Schönbrunnerstraße, zelebriert. Dort feierten einst die New Waver, Grufties und Popper der 80er dekadente Parties jenseits von Limits und Legalität. Falco selbst konzipierte den Soundtrack mit dem genialen, radioboykottierten Underground Hit "Ganz Wien ist so herrlich hin, hin, hin.“ Diese wilden Zeiten dürften, aber wer weiß das schon genau, der Vergangenheit angehören. 

 

Hochkarätig war aber das Line-Up für die "Junge Römer"-Night im U 4. Techno-Legende Patrick Pulsinger mixte zur Einstimmung für das bunt gemischte Publikum U 4-Eighties Classics von Dreiklangsdimensionen, Our Darkness bis hin zu Masimbabele, die oberösterreichische Newcomer-Band Flut, die sich musikalisch dem NDW-Sound verschrieben hat, präsentierte neben neuen Songs wie "Linz bei Nacht" (sic est) auch eine Coverversion von Falcos Kult-Hit "Auf der Flucht". 

 

Nach einer kurzen Pause bestiegen Minisex die U4-Bühne und begeisterten mit einem Mix aus alten und neuen Hits von Rudi gib acht, Du kleiner Spion, Ich fahre mit dem Auto bis hin zur von Pulsinger & Just produzierten 2014er Club-Hymne "Du kommst nicht rein". In konditioneller Bestform Sänger Rudi Nemeczek, der selbst bereits den 60er (!) überschritten hat und als besonderen Leckerbissen den Grauzone-Klassiker "Eisbär" performte. 

 

Nicht auf der Set-List ein Song des Falken selbst. Den hörte man später noch bei DJ-, Radio- und Musikerlegende Eberhard Forcher. Hansi Hölzels "Auf der Flucht" dieses Mal im Original. Der Schönheitsfehler des Abends: Die Nacht für Falco war leider eine Nacht fast ohne Falco-Tracks. Trotzdem - Falcos Kult-Zitat "Ich werde euch nicht erspart bleiben" dürfte in den nächsten Monaten erfüllt werden. Darauf können wir einen heben, am besten so wie Falco einst einen Jack Daniels.

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„Heroes“: Ausverkaufte Bowie & Prince-Tribute Night in der Szene Wien

2016 war ein trauriges Musikjahr. Nicht aufgrund der mangelnden Qualität oder Quantität kreativer Neupressungen, sondern aufgrund der vielen verstorbenen Musiklegenden. Zu denen leider auch die geniale Kunstfigur David Bowie (69) und der funkige Prince (57) aus Minneapolis zählten.

 

Das Wiener Indie-Label EMG widmete den beiden Ausnahmekünstlern eine Special Tribute Night in der Szene Wien unter der kongenialen Trademark „Heroes“. „Experimentierfreudigkeit und Neugierde, das verbinde beide Künstler“, so die Mitveranstalterin, Sängerin und Moderatorin des Abends, Eloui. 

 

Die Idee des Abends: Junge Künstler vorwiegend aus der Wiener Indie- und Avantgardeszene performen live auf der Bühne je einen Song von Bowie und Prince. So variabel, bunt und schrill wie die Künstler, so auch die Mixtur der bis weit nach Mitternacht dauernden Show.

 

Die FM4-Award-Gewinner M185 aus Wien klangen bei „Fashion“ frappant nach Bowie selbst und versetzten „When Doves cry“ einen kräftigen Punk-Style. Im Gegensatz dazu die faszinierende iranische Sängerin Tania Saedi, die mit ihrer balladesken Version des 80er-Klassikers und dem – vor allem vom Nirvana Unplugged populär gewordenen „The Man who sold the World“ – für Melancholie in der prallgefüllten Szene Wien sorgte. 

 

Wiens Kult-Rocker Bulbul zelebrierten die „Bahnhof Zoo“-Hymne „Heroes“ aus Bowies Wahlheimat Berlin, die „Buben im Pelz“ präsentierten eigens konzipierte Dialekt-Versionen von „Where are we now“ („Wo san ma jetzt“) und „Nothing compares to u“ („Niemand kummt ran an di“). Keine Bowie-Prince-Tribute-Night ohne schrillen Queer Pop, der beide Künstler in bestimmten Schaffensperioden kennzeichnete. Als Finale performten Pop:sch den 80er-Klassiker „Ashes to Ashes“, bei dem Bowie erstmals in die New Romantics-Szene eintauchte, und Prince´s Mega-Hit „1999“.

 

Fazit: Großer Erfolg für die Veranstalter, die Tribute Night war ausverkauft, und die Einnahmen des Abends kommen dem Flüchtlingsprojekt Ute Bock zugute. Es wird nicht die letzte Gedenknacht dieses Jahres gewesen sein – am 19. Februar feiert Falco seinen 60. Geburtstag. Nicht nur im U 4, aber leider nicht mehr unter uns.

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Winterlicher Streifzug durch die Wiener City !

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Happy New Year 2017 - Silvester in Vienna.

"Guat is gangen, nix is gescheh´n". Zumindest in Wien. Ca. 650.000 Menschen feierten das neue Jahr 2017 auf dem traditionellen Silvesterpfad zwischen Staatsoper und Rathausplatz. Und das ohne nennenswerte Zwischenfälle. Für die Pre-Party sorgten nicht nur die zahlreichen Gastro- und Glühweinstände, sondern auch bereits am Nachmittag der von den Kremser "Spotlight"-Clubbings bekannte DJ Johannes Willrader von Radio Wien.

 

Während man sich auf dem Stephansplatz mit klassischer Musik bereits auf den Donauwalzer vorbereitete, shakten Dance-Fans aller Nationen auf der Kärntner Straße und auf dem Neuen Markt zu heißen Disco-, House- und Hip Hop Vibes. Höhepunkt des 27. Silvesterpfades war das Feuerwerk direkt vor dem prall gefüllten Rathausplatz.

 

Die Polizei, die mit 400 Beamten im Einsatz war, meldete bis dato 30 Festnahmen und drei Anzeigen wegen sexueller Belästigung. Ein Ausmaß, das - bei rigoroser Auslegung - dem eines Dorffestes entspricht. Wien hat wieder einmal gezeigt, dass es trotz aller Panikmache und aller Kritik eine Weltstadt ist, in der sich (meistens) alle wohlfühlen: Einheimische, Touristen und Migranten. 

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„Viva Diaspora“: Multikultureller Bucovina-Sound von Shantel im Wiener WUK.

Tanzen, Lebensfreude, Völkerverbundenheit und ein fröhliches Lächeln auf den Lippen: Das sind ideale Attribute für Konzert-Besucher. Und es gibt wohl kaum jemanden, der diese Gefühle besser auslösen kann als der Großmeister des Balkan-Pop, Shantel, gemeinsam mit seinem perfekt eingespielten Bucovina Club Orkestar.

 

Pünktlich zur Weihnachtszeit lud Shantel, bürgerlich Stefan Hantel, wieder zum Konzert ins WUK. Wien ist für Shantel ein besonderer Auftrittsort. "Wien ist einerseits stockstarr, konservativ, historisch in Marmor gemeißelt, andererseits frech, revolutionär und sehr hedonistisch veranlagt. Dieser Hedonismus, diese Internationalität, dieser kosmopolitische Spirit, den findet man kaum in einer anderen kontinentaleuropäischen Stadt“, so Shantel in einem aktuellen Interview. Inspiriert zum multikulturellen Balkan-Pop wurde er übrigens 2001 durch eine Reise in die Heimatstadt seiner Großeltern, Czernowitz, gelegen in der rumänischen Bukowina.

 

„Disko Partizani“, sein größter Hit aus dem Jahre 2007, war gleichsam Opener als auch finaler Track beim diesjährigen Wiener Konzert. Dazwischen lagen zwei Stunden schweißtreibende Beats, für Band und Fans. Eine bunte, innovative Mixtur aus Balkan Sounds, Electro, Greek Folk, Ska und Rock-Elementen. Weiblicher Blickfang des Bucovina Orkestars ist die dunkelhaarige Sängerin Tea Mikic, die – neben den Keyboards – sexy orientalische Songs performt. Für den typischen Bukowina-Sound sorgen die männlichen Musiker der Band, die mit Trompeten und Posaunen die Stimmung anheizen. Publikumsliebling ist neben Shantel selbst der Schlagzeuger Marcus Darius, der auch einige witzige Einlagen abliefert. 

 

Zu den Zugaben darf auch das bunt gemischte Publikum allen Alters auf die Bühne. Vor allem die jungen Mädels shaken gemeinsam mit der Band ab, kongenial inszeniert zum „Viva Diaspora“-Hit „The Streets where the Kids have Fun“. Musik schweißt zusammen. In diesem Sinne auch Shantel: „Die ganze Debatte um Identität und Heimat ist völlig uninteressant.“ Vielleicht sollten die Politiker mehr tanzen gehen.

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Karlsplatz-Art: "4 Grazien" markieren den Red Carpet Showroom !

Die 4 Grazien sind ein bekanntes Künstler-Kollektiv aus Wien-Neubau, das seit Jahren mit ambivalent-kritischen Performances, Fotografien, Videos und Malereien von sich hören lässt. So auch aktuell im Red Carpet Showroom in der U-Bahnstation Karlsplatz.

 

Während dort gestresste Arbeitnehmer, Studenten und Touristen Richtung Subway hetzen, sitzen 4 Abbilder der Protagonistinnen entspannt in den Büschen und verrichten dort so ihre Dinge. Oder kunstsprachlich ausgedrückt "Markieren". So hieß auch der Titel ihrer letzten Ausstellung im Künstlerhaus Wien, in der Mela Kaltenegger, Petra Gell, Susanna Schwarz und Maria Wetter mit traditionellen geschlechtlichen Rollenbildern spielten und wie in der gegenwärtigen Installation männlich stigmatisierte Verhaltensmuster simulierten.

 

Die vier Frauen kennen sich seit ihrem Studium an der Akademie der bildenden Künste und wurden bereits dort "4 Grazien" genannt. 2014 führte sie eine Ausstellung über "prähistorische und zeitgenössische Frauenbilder" auch nach München. Internationale Girl-Power, Männer warm anziehen !

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Austropop-Kult: "Wir 4" rocken auf dem Adventmarkt Karlsplatz.

Sie zählen zu den wahren Austropop-Legenden: Rocker Ulli Bär, Songcontest-Hero Gary Lux, Bassist Harald Fendrich und Drummer Harry Stampfer von der Ambros-Band. Gemeinsam stehen sie seit 2011 als "Wir 4" auf der Bühne und sorgen auf Festivals, Lokalen und Clubs für stimmungsvolle Retro-Atmosphäre. So auch beim vielleicht schönsten Wiener Adventmarkt vor der Karlskirche. 

 

Auf dem Programm stehen nicht nur neu arrangierte Coverversionen von Austro-Pop und Rock-Evergreens, sondern auch Eigenproduktionen wie "Durch die rosa Brün" oder "Heit is Heit" von ihrem 2014er-Album "Nach vuan". Georg Danzer ist ihnen nicht nur aufgrund ihrer Vergangenheit als Band-Mitglieder von Austria 3 ein besonderes Anliegen, "Ruf mi ned an" oder "Weiße Pferde" lösen nicht nur bei den Zuschauern eine leichte Melancholie und feuchte Augen aus. Beliebt auf der Set-List sind auch die deutschen Versionen alter Hits wie von den Beatles, Status Quo oder Foreigner. Statt "I wanna know what love is" heißt es dann wienerisch "I was genau wos los is", dargeboten von Gary Lux mit noch immer herausragender Stimme. 

 

Fans der 4 Austro-Pop-Haudegen, die wie viele andere Musiker, Journalisten und Medienexperten die mangelnde Unterstützung der Szene durch den ORF und Ö3 beklagen, gibt es bereits viele. Und so ist Ulli Bärs Gassenhauer "Langsam und unaufhaltsam gehen alle Lichter aus" garantiert kein Wink auf die Zukunft der Band. Wir freuen uns bereits auf den nächsten Auftritt in der Bundeshauptstadt.

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Unkonventionelle Kunst: Das 21er Haus feiert sein 5-Jahres-Jubiläum

Das 21er Haus feierte am Wochenende im Rahmen eines Open Days sein 5-Jahres-Jubiläum. In Wirklichkeit hat es schon eine bewegende lange Geschichte hinter sich.

 

Das Gebäude wurde nämlich ursprünglich vom österreichischen Architekten Karl Schwanzer für die Weltausstellung 1958 in Brüssel geplant. 1962 wurde es im Schweizer Garten in der Arsenalstraße wieder aufgebaut und als Museum des 20. Jahrhunderts (20er Haus) eröffnet. Bis zum Jahr 2001 diente es dem Museum Moderner Kunst als Ausstellungshalle, das dann ins Museumsquartier verlegt wurde. Ein Jahr später wurde es dem Belvedere übergeben. Nach einem jahrelangen Leerstand wurde das denkmalgeschützte Gebäude vom Architekten Adolf Krischanitz (der auch die Kremser Kunsthalle konzipierte) rekonstruiert und – nach einer längeren Umbauphase bei Gesamtkosten von 31 Millionen Euro – am  15. November 2011 wiedereröffnet.

 

Unkonventionell und interdisziplinär, so lautet die Programmatik des 21er Hauses. Dies wird auch durch die aktuellen Ausstellungen auf einer Fläche von insgesamt 2275 m2 widergespiegelt. Im Obergeschoß setzen sich zahlreiche Künstler in unterschiedlichster Art und Weise mit der „Sprache der Dinge“ auseinander. Im Untergeschoß bietet ein Cafe-Restaurant nicht nur eine loungige Art des Zusammenseins, sondern zeigen auch Fotografien das 20er Haus im gesellschaftlichen und künstlerischen Aufbruch der 60er Jahre. 

 

Highlight des 21er Hauses ist derzeit die noch bis zum 20. November zu sehende Installation des chinesischen Konzeptkünstlers und Aktivisten Ai Weiwei, der nach monatelangem Arrest seine Heimat China Richtung Berlin verlassen hat und in der Haupthalle des 21er Hauses unter dem Titel „translocation-transformation“ eine Ahnenhalle originalgetreu wiederaufbauen ließ. Ursprünglich gehörte diese 14 m hohe Konstruktion aus der späten Ming-Dynastie einer Teehändlerfamilie, die während der Landreform Chinas vertrieben wurde.

 

Parallel dazu konnten Belvedere-Besucher der letzten Monate im Schlossteich 1005 als Lotusblüten formierte Flüchtlings-Schwimmwesten betrachten, angeordnet als kalligrafisches F und umgeben von 12 Bronzeköpfen aus dem chinesischen Tierhoroskop. Witterungsbedingt wurde diese Installation bereits beendet, die Migrationskrise dagegen wird leider noch länger andauern.

 

 

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"Perpetual Motions": US-Indie Rocker Ezra Furman gastiert im Wiener WUK.

Die Halloween Night rockte er noch in London, 3 Tage später beehrte der aus Chicago stammende Indie-Musiker Ezra Furman das Wiener WUK. Mit neuen Songs, charmant-extravaganter Show und seiner ausgezeichneten Band "The Boyfriends".

 

Furman entspricht auf keinem Fall dem typischen amerikanischen Mainstream-Rocker, eher dem Gegenteil, und das ist gut so. Queer angehaucht, gläubiger Jude, unnahbar und gleichzeitig wie ein Bar´s Best Friend, auf jeden Fall authentisch. "Ich sehne mich nach Gemeinschaft, aber ich habe sie noch nicht gefunden. Und ich lebe nirgends lange genug, um sie dort aufzubauen." - So Furman über sein 2015er-Album "Perpetual Motion People", das er der immer häufiger anzutreffenden Spezies "Restless People" widmete, der er selbst auch angehört. Und dabei immer wieder den fließenden Übergang von Hedonismus und Weltschmerz betont.

 

Themen, die vor allem die Generation 20-30 ansprechen, die vorwiegend in das Wiener WUK strömte. Und auch nicht enttäuscht wurde. Furmans abwechslungsreiche Live-Show kann sich sehen und hören lassen: Indie Rock-Hymnen a la "Lousy Connection", "My Zero" oder "Restless Year", schnelle, kurze Rock´n Roll-Stücke wie in den Good Old Sixties, dazu ein Acoustic-Middle Part und viele Kurzansprachen, bei denen Furman auch über sein Leben philosophiert. 

 

Die Seele eines Musikers wird naturgemäß aber durch seine Songs charakterisiert. Bei Furman am treffendsten bei "Can I Sleep in your Brain", einem genialen Track, der lange wie eine romantische Ballade klingt, dann allerdings in einen mitreißenden Rock-Klassiker hochdriftet. That´s Entertainment !

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Nationalfeiertag 2016: "Last Open Days" im Parlament vor der Sanierung.

Nur zwei Artikel weist das Bundesverfassungsgesetz über die Neutralität Österreichs auf, seit 1965 ist der Beschlussfassungstag, der 26. Oktober 1955, aber Grundlage des österreichischen Nationalfeiertages. In Wien ist dies gleichzeitig auch Anlass für zahlreiche Leistungsschauen und Tag der offenen Türen.

 

Am Heldenplatz wurden in Anwesenheit von Bundeskanzler Kern, Alt-Präsident Fischer und Verteidigungsminister Doskozil 1198 Rekruten angelobt. Gedacht wurde dabei auch an den Ungarn-Aufstand 1956, bei dem bereits Grundwehrdiener eingesetzt wurden. Das Bundesheer selbst erfährt durch das neue Budget eine finanzielle Aufwertung, geplant sind mehr Spezialisierung und eine Neuorganisation in den Militärkommanden.

 

Das Parlament wird in den nächsten 3 Jahren saniert, somit war dieses Jahr die letzte Gelegenheit, die originalen alten Räumlichkeiten am Karl Renner-Ring zu besuchen. Zur Audienz luden nicht nur die Nationalratspräsidenten, sondern auch diverse Abgeordnete der einzelnen Klubs. Im Nationalratsplenum wurde für die Gäste wieder ein Fotopoint eingerichtet, die Säulenhalle stand im Zeichen der Aktion "Mach dein Kreuz !".

 

Als besonderes Highlight präsentierten Kulturschaffende das Projekt "Im Herzen der Demokratie". Neben Lesungen, Theater und Tänzen in den verschiedensten Räumlichkeiten des Parlaments performte das renommierte Blechbläser-Ensemble Federspiel im historischen Sitzungssaal eine Neu-Version der Bundeshymne. Man darf gespannt sein, welcher der beiden Präsidentschaftskandidaten am 26. Jänner des nächsten Jahres dort sitzen wird. Bei der Angelobung vor der Bundesversammlung.

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40 Jahre Arena-Besetzung – Der erste Widerstand der Wiener Zivilgesellschaft

Kunst gegen Kommerz. Ein Kampf, der in einer Stadt wie Wien zwar heute täglich stattfindet, aber sicher nicht so revolutionär und exzessiv wie damals im Sommer 1976. Die Arena auf dem ehemaligen Auslandsschlachthof-Gelände, damals Zentrum der Wiener Festwochen in einer sonst eher subkulturlosen Zeit, sollte abgerissen werden und einer Filiale der Textilkette Schöps weichen. 

 

Am 27. Juni 1976, dem letzten Tag der Veranstaltung, waren die Besucher allerdings gekommen, um zu bleiben. Sie gründeten den Verein Arena Forum und stellten 4 Forderungen an die Gemeinde Wien: Kein Abriss der Arena, die kulturelle Nutzung des Areals, Selbstverwaltung und die Zahlung der Betriebskosten durch die Stadt. Mittels Unterschriftenaktionen und Flugblätter wurden tausende Wiener Künstler, Aktivisten und Idealisten motiviert, sich an der Besetzung zu beteiligen. Auf dem Gelände wurde getanzt, gefeiert, geliebt, diskutiert, philosophiert. Die Kreativgeister widmeten sich der Musik, dem Theater, der Wortakrobatik und innovativen Multi Media-Projekten. Schlafräume, sanitäre Anlagen und sogar Kinderbetreuungsstätten sorgten für das private Wohlbefinden.

 

Trotz Kampfkraft, Ausdauer und Enthusiasmus der Besetzer wurde die Arena aber am 9. Oktober friedlich geräumt, 3 Tage später fuhren die Bagger auf. Ein Demo-Zug mit Sarg und Leichenträgern Richtung Rathausplatz wurde organisiert. Es war gleichzeitig auch das erste Aufflackern einer Zivilgesellschaft in Österreich, die in den 60ern noch eher schmähstad war. Und sie konnte zumindest einen teilweisen Sieg feiern: Die alte Arena wurde zwar abgerissen, aber dem engagierten Verein wurde das äußerste Eck des Areals, der Inlandsschlachthof, zur Verfügung gestellt.

 

DI Oliver Schreiber vom BDA, der am „Tag des Denkmals“ im Rahmen von Führungen Geschichte und Hintergründe erläuterte, bezeichnet die heutige Arena als das „lebendigste Denkmal“ Wiens. Und tatsächlich finden auf dem Areal, aktuell bestehend aus der vom Architekturbüro Rataplan zwischen 1996 und 2006 umgebauten Großen Halle, der Kleinen Halle, dem für Low Budget-Events spezialisierten Dreiraum und dem für 3000 Personen konzipierten Open-Air-Bereich jährlich über 450 Veranstaltungen statt. Aus allen Stilbereichen, egal ob Rock, Punk, Rave, Techno, Reggae oder zuletzt auch Liedermacherkunst von Konstantin Wecker. 

 

Gleichzeitig ist die Arena auch Plattform für soziale und künstlerische Aktivitäten und Solidaritätskundgebungen. Als besondere Aushängeschilder der Arena gelten auch die schrill-bunten Graffiti- und Street Art-Meisterwerke, deren Schöpfer – wie beispielsweise Nychos oder das Künstlerkollektiv Rabbit Eye Movement- auch international sehr gefragt sind.

 

Parallel zur Führung wurde auch die Ausstellung „40 Jahre gelebte Utopie“ gezeigt, bei der in 3 Teilen – „Das Areal“, „Der Widerstand“ und „Der Verein“ – anhand von Zeitungsmaterial, Flugblättern, Bildern und TV-Reportagen die Geschichte der Arena aufbereitet wurde. In der Großen Halle lief parallel der Film „Arenafreiheit“ in Dauerschleife. 

 

Man darf gespannt sein, welche Geschichten in 40 Jahren von der Arena erzählt werden. Der riesige Schornstein, das Markenzeichen des Veranstaltungszentrums, wird sie garantiert nicht vergessen.

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Indie Explosion: Londons Newcomer Wolf Alice rocken das Wiener Flex.

Aus dem kultigen Szene-Schmelztiegel Camden Town aus London stammen Wolf Alice. Und begonnen hat alles 2010, als die blonde Sängerin Ellie Rowsell und der Gitarrist Joff Oddie Acoustic Pop auf kleinen Bühnen präsentierten. Der Name hatte schon damals etwas Geheimnisvoll-Mystisches an sich. „Wolf Alice“ ist ein Mädchen aus einer Kurzgeschichte Angela Carters, das unter Wölfen aufwächst und bei Rückkehr in die Zivilisation fremd bleibt unter den Menschen. Diese Angst braucht die Band, seit 2012 erweitert durch Bassist Theo Ellis und Schlagzeuger Joel Amey, nicht zu haben. Einzig allein der Sound wurde wilder, temporeicher und elektrisierender.

 

Im Rahmen ihrer Europa-Tournee gastierten Wolf Alice auch im Wiener Underground-Club Flex. Mit im Gepäck das ausgezeichnete Album „My Love is Cool“, das bis auf Platz 2 der englischen Charts preschte und mit zahlreichen Kritikerpreisen überhäuft wurde. Im Vorprogramm glänzten die jungen Londoner Indie-Popper Gengahr, von denen man nach ihrem Debüt-Album „A dream outside“ künftig noch einiges hören wird. Danach wurde es vor der Bühne immer enger, schweißtreibender und hitziger. Das zweite Wien-Konzert von Wolf Alice war gleichzeitig ihr letzter Tour-Gig, und das merkt man. Wolf Alice sind – nach langer Festival-Tour (u.a. auch in Glastonbury) - euphorisch, routiniert und mitreißend und bringen auch die Wiener Fans zum Toben. Und das, obwohl sie eigentlich erst ein Album und drei EP´s im Repertoire haben.

 

Das Indie-Ravige „Freazy“, die poppige Hit-Single „Bros“ (einer der ersten Songs, die die coole Sängerin Ellie Rowsell schrieb) oder die Rock-Hymne „Moaning Lisa Smile“ sind echte Live-Burner, und da mag man der Band auch einige Trash Rock-Eskapaden verzeihen. Melancholisch dann die Zugaben „Turn to Dust“ und „Blush“, bevor mit „Giant Peach“ noch einmal bis zum Anschlag gefeiert wurde. Das nächste Album von Wolf Alice erscheint 2017, garantiert auch mit Tour und dann vermutlich in einer größeren Arena. Wir freuen uns.

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Street Parade: Wiener Clubszene fordert Reform der Gewerbeordnung

Die Dinge sind nicht immer so wie sie scheinen. Und so stecken hinter den riesigen Trucks mit dröhnenden Techno- und House-Beats, feiernden Party People und halbnackten Go-Go´s, die sich Samstag nachmittags um den Ring und das Wiener Rathaus bewegen, ernste Botschaften, die die Zukunft des Wiener (und österreichischen) Nachtlebens betreffen.

 

Unter den Mottos „Rette deinen Club“ fordern die Wiener Club-Betreiber und Veranstalter gesetzliche Änderungen im Gewerbe- und Steuerrecht und die gesellschaftliche Akzeptanz der Club-Kultur durch Politik, Wirtschaft und Tourismus. Die Vergnügungssteuer, die kürzlich auch dem weltweit renommierten Linzer Electro Swinger Parov Stelar eine Nachzahlung bescherte, müsse reformiert werden. Diese beträgt bei Tanzveranstaltungen in Wien 15 % des Entgelts bzw. mindestens 0,10 Euro je Eintrittskarte und benachteilige Club-Betreiber gegenüber Konzertveranstaltern.

 

Noch gefährlicher für das Nightlife ist allerdings der § 113/5 Gewerbeordnung, aufgrund dessen der Gastgewerbetreibende für das Verhalten der Gäste VOR dem Lokal haftet. Wenn die Nachbarschaft wiederholt durch Gäste vor der Betriebsanlage unzumutbar belästigt wird, dann hat die Gemeinde eine frühere Sperrstunde vorzuschreiben. Aktuell ist davon die auch bei der Street Parade teilnehmende Bettelalm im Lugeck betroffen, die aufgrund einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes ihre Sperrstunde von 6 Uhr früh auf Mitternacht rückverlegen musste. Diese Vorschreibung wird erst dann widerrufen, wenn sich die Sachlage verändert hat.

 

Dass ein Lokal, dessen Gäste großteils nach Mitternacht kommen, de facto betriebswirtschaftlich nicht mehr sinnvoll betrieben werden kann, liegt auf der Hand. Zu befürchten ist, dass dieser Paragraph vermehrt zur Anwendung kommt, wenn das Rauchverbot 2018 in Kraft tritt und dementsprechend Gäste vor den Lokalen vermehrt zum Glimmstengel greifen werden.

 

Volksgarten, Hypnotic, Chaya Fuera, Bettelalm, Vienna City Beach Club, Praterdome, Bollwerk oder Event Arena Vösendorf: Sie alle waren – gemeinsam mit über 25.000 Teilnehmern - bei der Street Parade-Demo vertreten, um gegen diese gesetzlichen Bestimmungen zu protestieren und ein Zeichen für die Wiener Clubkultur zu setzen. 

 

Diese soll nicht nur eine zufällige, kommerzielle Randerscheinung in der Stadt sein, sondern soll – ähnlich wie in London und Berlin – aktiv in Social Media, Online-Plattformen und im Rahmen einer auf die Jugend und Clubbing-Generation zugeschnittenen Zielgruppen-Kampagne beworben werden. Die Stadt Wien müsse die Clubszene fördern und als gleichwertigen Kulturfaktor anerkennen. Dass die Wiener feiern können, haben sie auch am Wochenende bewiesen, egal ob bei der Parade, beim Rathausplatz-Open-Air, bei der Praterdome-Afterparty, in der Pratersauna oder beim Techno Brunch. Die Club-Jetsetter dürfen kommen :-)

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100 Jahre Naschmarkt: Boris Bukowski rockt die Schleifmühlbrücke.

Bereits um 1780 handelten Bauern mit Milchprodukten am noch unregulierten Wienfluss, der Naschmarkt in seiner heutigen Form allerdings entstand erst ab 1910 mit der Planung und Errichtung von einheitlichen Marktständen im Stil von Wiens Star-Architekten Otto Wagner. 1916 wurde das Marktamtsgebäude direkt an der Kettenbrückengasse fertiggestellt, sozusagen der Anknüpfungspunkt für die historische Jubiläumsfeier in diesem Jahr. 

 

Der Naschmarkt hatte vor einigen Jahrzehnten nicht den besten Ruf. Dies änderte sich aber zusehends, als nicht nur der Markt modernisiert wurde, sondern auch das direkt anliegende Freihausviertel sich zu einem Szenegrätzel mit Clubs, Bars, innovativen Shops, Kreativ-Büros und Galerien entwickelte. 

 

Mehr als 65.000 Personen besuchen pro Woche den kürzlich wieder um 15 Millionen Euro sanierten Markt, der aktuell aus 123 fixen Ständen und 60 Plätzen für landwirtschaftliche Erzeuger und Marktfahrer besteht. Kritik bleibt trotzdem nicht aus. Vor allem der ständige steigende Unterhaltungscharakter des Naschmarktes und die Ausweitung der gastronomischen Angebote sind manchen ein Dorn im Auge. Die allerdings ohnehin begrenzt ist. So darf laut Marktordnung die Gastronomie nicht mehr als maximal ein Drittel der zur Verfügung stehenden Marktfläche ausmachen. Und naturgemäß bringt diese zusätzlich kaufkräftiges und neues Publikum in das 2,3 Hektar große Areal.

 

Auch an den beiden Festtagen kamen bei schönstem Wetter und buntem Programm auf den seit 2009 allein zum Bezirk Mariahilf gehörigen Naschmarkt. Neben zahlreichen Sonderaktionen, Lesungen, Gewinnspielen und musikalischen Auftritten (von Latin, Stojka-Jazz bis zu groovigen DJ-Sets) engagierte das Veranstalter-Team auch einen Austro-Pop-Star der 80er und 90er, der noch lang nicht zum alten Eisen gehört: Boris Bukowski. 

 

Direkt in der (neuen) Begegnungszone der Schleifmühlbrücke präsentierte der promovierte Jurist und Buch-Autor („Unter den bunten Hunden“) auf der Musik-Bühne nicht nur seine großen Hits „Trag meine Liebe wie einen Mantel“, „Fandango“ oder „Der Fritze mit der Spritze“, sondern auch eine Georg Danzer-Coverversion („Weiße Pferde“) und einige neue Titel aus seinem Repertoire. Tracks wie „Diese Stadt“ oder „Gibt´s ein Leben vor dem Tod“ – laut seiner Diktion Songs aus diesem Jahrtausend – stehen aktuellen Werken von Wanda, Bilderbuch oder Ja Panik um nichts nach. Über deren Erfolg sich der junggebliebene 70jährige freut, gilt er doch als heftiger Kritiker des neuen Ö3-Formatradios, das jungen österreichische Künstlern keine adäquate Plattform bietet. 

 

Als letzte Zugabe brilliert Bukowski mit seinem größten Hit „Du bist wie Kokain“, dann muss der gebürtige Fürstenfelder und seit vielen Jahren in Wien lebende Musiker leider die Bühne verlassen. Am Naschmarkt allerdings wird noch bis Mitternacht weitergefeiert. Und das ist gut so.

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MQ-Hofmusik: Open-Air mit Szene-Original Nino aus Wien

„Hereinspaziert, Hereinspaziert“ –  Der Nino aus Wien, seines Zeichens Szene-Original und Austro Pop-Literat der Bundeshauptstadt, lädt ein zur Hofmusik in das Wiener Museumsquartier. Und die Wiener Hipster, Bobos, Studenten, Alternativ-Freaks oder einfach Liebhaber sympathischer, authentischer und gewitzt-melancholischer Reime lassen sich nicht lange bitten. 

 

Bei idealem Open-Air-Wetter, Gratis-Eintritt und urbanem Freiraum-Feeling startet Nino Mandl mit seiner Band gleich mit dem groovigen „Abtauen Girl“, 2014 gemeinsam mit Skero produziert. Auf der Set-List stehen auch seine Früh-Werke „Holidays“ und „Du Oasch“, die durch FM4 einer breiten Öffentlichkeit bekanntgemacht wurden. Traurigerweise der einzige österreichische Sender, der die einheimische Pop-Szene ernsthaft-idealistisch fördert.

 

Gleich 5 Alben hat der fleißige Nino in den letzten 2 Jahren veröffentlicht, seine letzte EP „Adria“ wurde produziert vom Wanda-Erfolgsproduzenten Paul Gallister. Das „Praterlied“, das melancholische „Winter im April“ und das emotionale „Der Mai ist vorüber“ zählen auch zu den Höhepunkten seines Sommernachtskonzerts, letzteres übrigens eine geniale Wien-Adaption des Bob Dylan-Klassikers „Simple Twist of Fate“. Versunken irgendwo zwischen Donaupark, Flex und Orient Hotel. 

 

Wolfgang Ambros, neben den Beatles, Andre Heller und Helmut Qualtinger ein wichtiger Einflussfaktor des Musikers, würdigt Nino mit dem legendären „Schwarzen Afghanen“. Die Wiener haben sich längst für einen Nachfolger entschieden. Nicht erst seit dem lässigen Open-Air-Gig im überfüllten MQ-Areal.

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Pop-Rock, Electro & Blaskapellen: 60.000 Besucher beim Wiener Popfest auf dem Karlsplatz.

„Ein Lied über das (so wichtige) Brechen von Konventionen“ – So präsentiert David Öllerer seinen lässigen Gassenhauer „Heit grob ma Tote aus“ auf der Seebühne vor der Karlskirche. Das jung-urbane musikinteressierte Wiener Publikum singt bereits jetzt begeistert mit. Und bald vielleicht ganz Österreich (und Deutschland). Denn Voodoo Jürgens, so sein geniales Pseudonym, steht kurz vor seinem Karrieredurchbruch. Am 30. September erscheint das erste Album „Ansa Woar“ des in Tulln geborenen Liedermachers, der aber bereits viele Musik-Jahre lang mit der Indie Band Eternias in den Szene-Bars und Clubs tourte und im Vorprogramm von Pete Doherty rockte. Die subtilen Underground-Zeiten könnten bald vorbei sein. Insofern kann es keinen idealeren Opening-Act bei einem Festival geben, das neuen Künstlern, Bands und DJ´s eine massenkompatible und gleichzeitig alternative Plattform bieten soll.

 

Das Wiener Popfest findet 2016 bereits zum 7. Mal im Karlsplatz-Areal statt. Als Spielstätten fungieren nicht nur die Karlsplatz-Seebühne (mit der teichplantschenden Riesen-FM4-Ente dahinter) und der Red Bull Brandwagen vor der Karlskirche, sondern auch das Brut, der TU Prechtlsaal, das Heuer, das WienMuseum und das Roxy. Auf dem Line-Up 51 Acts, darunter 41 Premiere-Gäste. Selektiert vom „Falter“-Journalisten Gerhard Stöger (der auch für den „Wien Pop“-Szeneschmöker verantwortlich zeichnet) und die „Fijuka“-Protagonistin Ankathie Koi. 

 

Letztere zählte im Vorjahr noch zu den vielumjubelten Live-Acts auf der Seebühne und ließ sich auch dieses Jahr nicht lange für einen Mikro-Auftritt bitten. Gemeinsam mit „Minisex“-Legende Rudi Nemeczek und der Musikarbeiterinnen-Kapelle coverte sie Bilderbuchs Kult-Hit „Maschin“, gab dem Opus-Klassiker „Live is Life“ einen modernen swingigen Touch und „bolognisierte“ gemeinsam mit Clara Luzia und Rapperin Yasmo. So fanden indirekt mit Wanda und Bilderbuch auch zwei Bands Eingang in das Popfest, die aufgrund ihrer Popularität schon allein aufgrund der prognostizierten Besucheranzahl nicht mehr für ein Gratis Open-Air-Fest mehr gebucht werden können. Und deren Teilnahme ja eigentlich auch dem Zweck des Events, Newcomer zu pushen, widerspricht.

 

„Viele der Besucher sind sogenannte Laufkundschaft. Ein an sich schwieriges Publikum, das aber neuen Künstlern zu einem Karriere-Boost verhelfen kann“, so Festivalleiter Christoph Möderndorfer. Vielleicht lokal auch Bands, die sich international bereits einen Namen gemacht haben. So wie dem am Donnerstag lautstark aufspielenden Stone Rock-Duo White Miles aus Tirol, das bis dato vorwiegend nur im Ausland tourte und in Österreich erst durch den „Bataclan“-Terroranschlag in Paris bekannt wurde. Medina Rekic und Hansjörg Loferer verließen dort als Vorgruppe der „Eagles of Death Metal“ gerade den Hintereingang, als Terroristen den Veranstaltungssaal stürmten. Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen beim Popfest wurden übrigens seitens der Veranstalter abgelehnt. Es handle sich hier um öffentlichen Raum, und „Angst sei der größte Feind der Demokratie“.

 

Und die Angst war schlussendlich auch unbegründet: 60.000 (friedliche) Besucher, italienische Dolce Vita-Atmosphäre rund um den Karlsplatz-Teich, heiße Konzerte vor der Seebühne mit White Miles, Leyya oder Ogris Debris, hippe Live-Sets beim Red Bull Brandwagen mit der Linzer Hip Hop-Neuentdeckung Mavi Phoenix, dem Techno-Vintage Duo Austria Apparel oder den Neo-Punkern Crystal Soda Cream und brütend heiße Auftritte von Schmieds Puls, Mynth und „Das Trojanische Pferd“ im Brut. Die österreichische Szene lebt, innovativer, spannender und vielfältiger denn je. Wir freuen uns bereits auf das nächste Popfest 2017.

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Hoch wie nie: Vienna Viewing von der Jubiläumswarte.

Badespass auf der Donauinsel, Lounging am Donaukanal, Popfestivals am Karlsplatz, Delikatessengenüsse am Rathausplatz: Die lebenswerteste Stadt der Welt, Wien, hat auch im Sommer für die Einheimischen viel zu bieten. Und gerade in der schönsten Zeit des Jahres sollte man sich auch ins Grüne wagen und die Millionenmetropole einmal von einer anderen Seite inspizieren. Gelegenheit dazu bietet beispielsweise der Stadtwanderweg 4. Einfach mit der Straßenbahn-Linie 49 Richtung Ottakring bis zur Haltestelle Bahnhofstraße fahren und dann den meist schnell eruierbaren Wegweisern folgen. 

 

Es geht dann schnell aufwärts durch den Dehnepark, inmitten von Wald, Gestrüpp, Bächen und Brücken vorbei beim Silbersee (sic est !) rauf auf den Satzberg. Die (wenigen) Autostraßen dazwischen sind längst vergessen, wenn man das monumentale Ziel erreicht: Die Jubiläumswarte, von der aus man einen großartigen Ausblick auf die Stadt Wien, den Wienerwald, den Exelberg, das Wiener Becken und bei klarem Wetter auch auf den Schneeberg und den Ötscher hat.

 

Der Name der Warte datiert übrigens aus dem Jahre 1898. Damals feierte man das 50. Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph, und aus diesem Anlass wurde auf der dortigen Stelle, der Vogeltennwiese, ein hölzerner Turm errichtet, der noch im selben Jahr von einem Sturm niedergefegt wurde. Die heutige Warte, die auf einer Seehöhe von 494 Meter Höhe steht, dagegen ist widerstandsfähiger: 31 Meter hoch, aus Stahlbeton. Um das 1,7 Meter breite Rohr ist eine 90 cm breite Stiege mit 183 Stufen angeordnet. Die Aussichtsterrasse selbst hat einen Durchmesser von 6 Metern, wodurch sich Schwindelprobleme zumeist auch in Grenzen halten.

 

Der Weg zurück ins Tal führt dann über die Kreuzeichenwiese, die gerne von Migranten als Grill-Partyzone genützt wird, zur Berghütte Rosental, wo man in gemütlicher Atmosphäre speisen und anstoßen kann. Die rustikale Idylle könnte allerdings getrübt werden. Nämlich dann, wenn Rapid im naheliegenden Allianz-Stadion vor über 20.000 Zuschauern ein Tor schießt. Das dürfte aber auch die meisten Nicht-Wiener kaum stören. 

 

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Auf der Flucht: Ai Weiwei provoziert mit Schwimmwesten-Installation im Belvedere-Garten.

„Die Aufgabe eines Künstlers ist, Bewusstsein zu schaffen. Wie das dann angenommen wird, liegt außerhalb seiner Kontrolle.“ Mit provokanten Aktionen hat der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei stets für Aufregung gesorgt. 

 

Der Kritiker des kommunistischen Systems von China, der 2011 wegen angeblicher Steuervergehen inhaftiert wurde und nach einer dreimonatigen Haft bis 2015 unter Hausarrest stand, publizierte beispielsweise die Namen von 5000 Schulkindern, die 2008 bei einem Erdbeben in Sichuan in durch Korruption entstandenen Pfuschbauten ums Leben kamen. Er platzierte einen Felsen der chinesischen Bergwelt mitten auf dem Dachstein oder brachte 1001 Chinesen aus allen Schichten und allen Teilen des Landes zur Documenta 2007 nach Kassel. Umsiedlung a la Ai Weiwei.

 

Auch die neueste Aktion „F Lotus“ im Wiener Belvedere-Garten, die in Zusammenhang mit seiner Ausstellung „transfocation-transformation“ im 21er Haus steht, zieht gesellschaftskritische Deutungen nach sich. Auf dem ersten Blick schwimmen bunte Seerosen im Wasserbecken des Schlossgartens, tatsächlich handelt es sich dabei um 1005 zurückgelassene Rettungswesten, die im 5er-Block zu blütenähnlichen Strukturen geformt sind. 

 

Gesammelt hat er diese auf der griechischen Insel Lesbos. Sie stammen von Flüchtlingen, die den lebensgefährlichen Trip über das Mittelmeer überlebt haben und jetzt auf Asyl in Europa hoffen. Im Gegensatz zu jenen, die ihre Flucht mit dem Leben bezahlt haben. Nach Angaben des UNHCR sind seit 2014 mehr als 10.000 Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrunken, die Dunkelziffer ist um vieles höher.

 

Die Schwimmwesten-Installation hat die Form eines kalligrafischen F´s. Welche Bedeutung das F hat, das lässt der Künstler offen. Umgeben wird das Kunstprojekt von 12 überlebensgroßen Bronzeköpfen der Tiere aus dem chinesischen Horoskop. Dieses steht 2016 im Zeichen des Affen, eine günstige Zeit für „Courage, Aktion, Chaos und wahre Hingabe“. 

 

Menschlichkeit, Zusammenhalt, gegenseitige Akzeptanz und der altruistische Drang, Lösungen nicht nur beim Flüchtlingschaos zu kreieren, sollten im Mittelpunkt unseres Denkens stehen. Trotzdem auf Foto-Motive und Facebook-Postings aus dem barocken Schlossgarten nicht vergessen, denn ohne Kommunikation keine Reaktion !

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Urban Culture, Sound und Delikatessen – 19. Freihausviertelfest auf der Wieden.

Im 18. Jhdt. garantierte das Freihaus dem Besitzer des Gebäudes Steuerfreiheit und eine eigene Gerichtsbarkeit, im 21. Jahrhundert ist das Szene-Viertel zwischen Wiedner Hauptstraße und dem Naschmarkt ein Markenzeichen für Urbanität, Kreativität und Kultur. In einer Zeit, in der immer mehr Bürger abgleiten in Facebook-Blasen, Internet-Isolation und Online-Käufe, ist es wichtig, dass derartige Vorzüge bzw. USP´s (in der Marketing-Sprache) auch präsentiert und kommuniziert werden. Seit bereits 19 Jahren findet das Freihausviertelfest, eines der größten Street-Festivals Wiens, statt, auch dieses Jahr wieder organisiert vom engagierten Vereinsobmann Karl Raab.

 

Das Festival-Areal umfasste auch dieses Jahr die Schleifmühlgasse (die nach der Schleifmühlbrücke auch als Begegnungszone im Gespräch ist), den Kühnplatz, die Mühlgasse und die Heumühlgasse mit dem Thai-Festival. Erstmals dabei ist auch die Pressgasse, wo die trendige Restaurant-Bar Zweitbester neben einem Designer Market und Street Food auch mit Open-Air-DJ´s aufwarten konnte.

 

Neu dabei auch die kürzlich eröffnete Craft-Mühle in der Mühlgasse, die zusätzlich vor der Haupt-Bühne beim legendären Cafe Anzengruber ihre Bier-Kreationen unter die Besucher brachte und gegen Abend mit zahlreichen TV-Screens die EM-Freaks ins Pub lockte. Als Live-Act neben vielen anderen World Music-, Latin-, Country- und Rockkünstlern mit dabei auch Thomas Andreas Beck, der bereits beim Donaukanaltreiben mit seinen intelligenten Texten nachdenklich-melancholische Stimmung verbreitete. Bei einer seiner Moderationen lobte er auch die „Vollpension“, ein soziales Lokal-Projekt in der Schleifmühlgasse 16. Armutsgefährdete Senioren werden dort geringfügig beschäftigt, bereiten Mehlspeisen und Hausmannskost in wohnzimmerähnlichem Ambiente zu und bekommen dadurch wieder Anschluss an die Gesellschaft.

 

Lässiger Rhythm & Blues von Hary Wetterstein und Jonny Who & The Sunshine Killers abends aus dem Cafe Xeno, cooler Vintage Sound vor dem kultigen Johnny´s Pub am anderen Ende der Schleifmühlgasse. Dazwischen kommunizierende, trinkende und feiernde Menschen allen Alters, aller Schichten und aller Nationen, die die ersten wunderschönen Sommernächte im Freihausviertel einfach genießen wollten. So und nicht anders soll und muss Wien sein.

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Ragga-Dancehall, Elektro-Pop & Drum´N-Bass: Sonntag beim Donauinselfest kein Schontag.

Ein seltsames Phänomen. Der Sonntag gilt gemeinhin und sogar in der Party-Szene als Chill-Out-Tag. Nicht so bei den alljährlichen Donauinselfesten. Dort ist gewöhnlich am Sonntag das Programm am coolsten, lautesten und partyträchtigsten. 

 

DJ Observer beschallte bereits am frühen Abend mit Ibiza-House & Trance die Viva-Stage, während die junge Indie-Band „The Boys you know“ aus Oberösterreich auf der FM4-Bühne ihre neuen Songs präsentierte. Beim Armin van Buuren-Label „Armada“ ist Felix de Laet aka „Lost Frequencies“ unter Vertrag, seine Nr. 1 Hits „Are you with me“ und „Reality“ hatte er – neben mainstreamtauglichen Mash-Up-Mixes von „What is Love“ und „Bongo Bong“ – im USB-Gepäck für seinen Auftritt auf der Ö3-Bühne. Bizarr dagegen „Gudrun von Laxenburg“, eine Wiener Live-Techno-Kapelle, die während ihres Gigs ein tanzendes Einhorn ins Publikum schickten, aber auch vor Remixes von „Rhythm is a Dancer“ oder „King for a Castle“ nicht zurückschreckten.

 

Begeistert von der riesigen Audienz bei ihrem Auftritt zeigten sich Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg aka „Glasperlenspiel“. Als besondere Belohnung für die Wiener Fans standen als Zugaben Special Elektro-Versions ihrer Superhits „Geiles Leben“ und „Ich bin ich“ auf der Set-List. Große Publikumsmassen ist Sean Paul gewohnt: Der jamaikanische Reggae-Dancehall-Sänger ist bereits seit dem Jahr 2000 weltweit erfolgreich und zeigte mit Hilfe einiger Tänzerinnen, wie man Sonntag Abends exzessive Parties feiert. Mit genialen Tracks wie „Get busy“, „Bailando“, „Got 2 luv“ und seinem neuesten Hit „Cheap thrills“ kein Problem.

 

Westlich der Floridsdorfer Brücke wurden die Verstärker-Regler ganz nach oben gepitcht. DJ-Ausnahmetalent Salute rockte den Eutopia-Floor, während nebenan das auch in Großbritannien höchsterfolgreiche österreichische Drum and Bass-Duo „Camo & Krooked“ die FM4-Naturtribüne bis zum letzten Platz füllte. Schade, dass diese Parties gegen Mitternacht endeten und nicht bis in den Morgen andauerten.

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Donauinselfest 2016 - UK Pop, German Hip Hop & Dance Vibes unter freiem Himmel !

„The Best Things in Life are free“ – so lautet das Motto des 33. Wiener Donauinselfests. Stimmt so natürlich nicht ganz, da ein Teil der ca. 6 Millionen Euro Kosten auch aus dem Gemeindebudget der Stadt Wien bestritten wird. Fakt aber ist: Das Programm ist vielfältig und bietet neben zahllosen Gastro-Ständen, Sportmöglichkeiten und Karussellen auch 13 Bühnen mit ca. 2000 Künstlern und insgesamt über 600 Stunden Veranstaltungsprogramm. 

 

Und da finden sich durchaus einige innovative Acts abseits der Kommerzschiene. So zum Beispiel Dua Lipa, die 20jährige britisch-albanische Sängerin, die auf der BBC-„Sound of 2016“-Liste hoch platziert war und mit „Be the One“ auch schon einen Riesen-Hit in UK und Kontinentaleuropa abgeliefert hat. Das Debüt-Album erscheint Ende des Sommers, die Tracks daraus präsentierte sie im sexy Outfit und mit trendiger Band auf der Ö3-Bühne. Zum Abschluss auch die housige neue Single „Hotter than Hell“, die aus den schlaflosen Dancefloor-Nächten des Multi-Talents entstand. 

 

Felix Jaehn, Nr. 1 in den USA mit dem „Cheerleader“-Remix, lieferte den Chill-Out-Soundtrack zur untergehenden Sonne, während die einstige St. Pöltner Pop-Hoffnung Simone mit Charly Brunner abendliche Schlagerfantastien erfüllte. Die westliche Seite der 4,5 km langen Party-Meile wurde besetzt von den Hip Hoppern: Samy Deluxe, der auch in Integrations- und Aidsfragen engagierte deutsch-sudanische Rapper, sorgte auf der FM-Bühne vor einem prallvollen Natur-Hügel für exzessive Party-Vibes mit Understatement. Auch für Mimimis (Mitbürger mit Migrationshintergrund). Und das ist gut so.

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Regenbogenparade 2016: 130.000 Teilnehmer setzen ein Zeichen für Toleranz und Liebe.

1996 fand in Wien die erste Regenbogenparade, die österreichische Version des Christopher Street Day, statt. Namensgeber war übrigens Mario Soldo, ein Pionier der Wiener Drag-Szene. Der Ansturm auf die Parade ist 20 Jahre später weiterhin ungebrochen. 130.000 Teilnehmer feierten letzten Samstag unter dem Motto „Grenzen überwinden“ bei der insgesamt 21. Parade am Ring. Inmitten lauter Musik-Trucks, schriller Party People und ernster Botschaften. 

 

Eine Gruppe präsentierte beispielsweise in einem Flaggenmeer über 70 Staaten, in denen Homosexualität illegal ist und man bei Überführung sogar mit Todesstrafen rechnen müsse Erschreckend ist auch die Statistik, dass im Jahr 2015 28 % der Wiener LGBT´s mit Gewalt und Diskriminierung im öffentlichen Raum konfrontiert wurden. Im Mittelpunkt vieler Trucks stand auch das vor einer Woche verübte Massaker in Orlando, bei dem in der renommierten Gay Bar „Pulse“ 49 Menschen durch einen 29jährigen Attentäter ermordet wurden und dessen Motive noch immer nicht restlos aufgeklärt sind.

 

Die Parade führte wegen einer parallelen „Jesus“-Demo dieses Jahr in Fahrtrichtung rund um den Ring, dann vorbei beim Museumsquartier und hinter dem Rathaus zum Siegmund Freud-Park vor der Votivkirche, wo die Abschlusskundgebung und die Celebration stattfanden. Mit dabei u.a. die Organisatoren von der HOSI Wien, der Club Kreativ, die Libertine-„Pferdchen“, das Szene-Lokal „Why Not“, H.A.P.P.Y. mit eindringlichen „Homophobie tötet“-Schildern, ein housiger Chaya Fuera-Wagen, der trendige Almdudler-Truck mit den Gay-Lesbian-Pärchen und wie jedes Jahr die Szene-Ikone Hermes Phettberg. 

 

„Die Grünen andersrum“ bildeten den Abschluss, Neos Wien-Chefin Beate Meinl-Reisinger begleitete zu Fuß das pinke Einhorn. Indirekt dreifach vertreten: Die SPÖ – mit einem eigenen Truck, ÖBB-Sattelschlepper und Bundeskanzler Kern, der als erster amtierender Regierungschef bei der Regenbogenparade eine Rede hielt und dabei für Toleranz, Offenheit und Gewaltfreiheit eintrat. Chapeau, ändert aber nichts daran, dass die Gleichstellung der Homosexuellen in Österreich aufgrund der politischen Verhältnisse derzeit nicht umsetzbar ist. 

 

Dies ist insofern traurig, als man in anderen europäischen Staaten wie England, Irland, Spanien oder Belgien viel liberaler denkt und agiert. Dort wurde die Zivilehe bereits für Schwule und Lesben rechtlich zugelassen. In Österreich existiert derzeit das in vielen Fällen diskriminierende Rechtsinstitut der „eingetragenen Partnerschaft“. 417 eingetragene Partnerschaften wurden im Jahre 2015 begründet, davon 166 in Wien. Und wem würde wirklich eine Perle aus der Krone fallen, wenn man auch in Österreich die Ehe für alle öffnen würde ?

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Streetfestival in Mariahilf: Pink Community fordert Gleichstellung und Öffnung der Ehe !

30 Prozent der LGBT´S in Wien wurden im Vorjahr laut einer Umfrage wegen ihrer Sexualität diskriminiert. Ein eindeutiges Zeichen, dass trotz vieler Initiativen Toleranz und liberales Denken noch lange nicht bei allen angekommen sind. Sogar in der urbanen Großstadt. 

 

Insofern ist jede Aktion begrüßenswert, die Grenzen und Vorurteile abbauen kann. Bereits zum 6. Mal findet das Street Festival „Andersrum ist nicht verkehrt“ in Mariahilf statt. Dieses ist gleichzeitig auch der Auftakt für die Pride Week, deren Höhepunkt die alljährliche Regenbogenparade darstellt. Die Abschlusskundgebung findet 2016 wegen des Euro-Public Viewings am Rathausplatz ausnahmsweise im Votivpark statt.

 

Beim Straßenfest in der Otto Bauer-Gasse boten nicht nur die einschlägigen Vereine rund um Hosi, Aids Hilfe Wien oder Club Kreativ Rat und Information, sondern es durfte auch gefeiert werden. Mit DJ-Lines, Schlager-Trash von Chris Bertl, Alternative Pop der Matt Leon Band oder als besonderes Highlight 2 Darsteller aus dem Musical „Ich war noch niemals in New York“, die zwei Udo Jürgens-Klassiker („Ein ehrenwertes Haus“, „Griechischer Wein“) auf der Show-Bühne präsentierten.

 

Im Mittelpunkt derartiger Festivitäten stehen natürlich auch die politischen Forderungen der „Pink Community“. Die Öffnung der Ehe für Homosexuelle in Österreich sei längst fällig, so Bezirksvorsteher Markus Rumelhart. Verhindert werde dies vor allem durch die konservative Familienpolitik der ÖVP. 

 

Und Fakt ist: In zahlreichen europäischen Ländern wie Spanien, Belgien, Frankreich, Großbritannien oder zuletzt dem erzkatholischen Irland wurde bereits die „Ehe für alle“ legalisiert. In Österreich haben Homosexuelle die Möglichkeit, eine eingetragene Partnerschaft einzugehen. Hier bestehen allerdings noch zahlreiche Unterschiede und Diskriminierungen zur traditionellen Ehe zwischen Mann und Frau. Ein erster Ansatzpunkt, den gordischen Knoten zu lösen. Als ultima ratio stellt sich allerdings ohnehin die Frage: Wem schadet die Gleichstellung aller Lebensgemeinschaften eigentlich ?

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Queer as War: Regenbogen-Installation von Michal Rutz in der U-Bahn-Station Karlsplatz.

Der junge polnische Künstler Michal Rutz kann bereits mit seinen jungen Jahren einen spannenden Lebenslauf vorweisen. Bachelor of Arts in Warschau, Studium in Tel Aviv, zahlreiche Ausstellungen u.a. in Berlin, Leipzig, Warschau oder Wien. Dort studiert Rutz derzeit an der Akademie für bildende Künste „Kontextuelle Malerei“. Seine Werke sind laut Eigenaussage „a mix of realism and abstraction“. 

 

Im Mittelpunkt stehen dabei „human forms“, die Charaktere sind bevorzugt „queer figures“, die auch einen Konnex mit seiner Lebenseinstellung und seinen Visionen haben. Der Künstler setzt sich schon seit seiner Zeit in Israel mit Homosexualität im öffentlichen Raum auseinander und kämpft gegen die Diskriminerung von LGBT´s.

 

In diesem Sinne ist auch jene geniale Regenbogen-Installation zu verstehen, die derzeit unter dem Titel „Queer as War“ im Red Carpet Showroom in der U-Bahn-Station Karlsplatz (und danach im Showroom Volkstheater) ausgestellt ist. Ein Soldat, ausgestattet mit Gewehr und Schutzmaske, getarnt in Regenbogenfarben. Ein Vorbote für die Pride Week und die Regenbogenparade am 18. Juni, der es in sich hat.

 

Und egal, wie man diese Installation auch persönlich deuten mag. Homosexualität oder auch nur Anders-Sein darf im 21. Jahrhundert kein Grund sein, Menschen zu ächten, zu diskriminieren, zu verfolgen oder zu töten. Letzteres ist in manchen islamischen Ländern heute noch an der Tagesordnung, Homosexualität gilt laut Rutz beispielsweise in Palästina als „großes Tabu“, LGBT´s leben dort unauffällig, am besten unsichtbar. In scheinbar offenen (west- und osteuropäischen) Gesellschaften ist die Diskriminierung vielleicht subtiler, aber für die Betroffenen nicht minder grausam. Wird sich das jemals ändern ?

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10 Jahre Donaukanaltreiben: Wiens Community feiert den coolsten Freiraum der Stadt.

In der prallen Sonne liegen und chillige Musik hören, ein kühles Bierchen in der Hand, mit der Freundin in spe Gedanken austauschen, die vielleicht mit einem Küsschen in der Wiese enden, am Ufer sitzen, ein Buch lesen oder sich auf eine Uni-Prüfung vorbereiten, Radfahren, Segwaying oder Spaziergehen mit einem verträumten Blick auf das urban-innerstädtische Wien oder ein paar kühle Drinks und Cocktails in einer der zahlreichen kleinen Bars und Kneipen genießen. 

 

Der Wiener Donaukanal bietet für alle Zeitgenossen etwas, und das ohne Kommerz und Konsumationszwang. Es hätte auch ganz anders enden können. Denn in den 60ern wollte man auf diesem Areal allen Ernstes eine Stadtautobahn errichten. 1972 wurde diese horrible Vision durch eine Grundsatzerklärung des damaligen roten Bürgermeisters Felix Slavik beendet. Eine der positivsten Entscheidungen, die in Wien durch einen Politiker getroffen wurde.

 

In den letzten Jahren entwickelte sich das Gebiet zwischen Spittelau und Franzensbrücke zu einer Erlebnis- und Freizeitpromenade, die immer wieder durch neue Lokale und Ideen erweitert wurde. Insofern ist das 10 Jahres-Jubiläum des gewöhnlich gegen Ende Mai stattfindenden Donaukanaltreibens nicht nur ein unterhaltsames Summer-Opening, sondern auch eine Art „Leistungsschau“ der Freiraum-Meile.

 

Neben Gastronomie, Food & Fashion Markets, Design-Kunst, Lesungen und Boots-Taxi-Fahrten stehen vor allem neue Bands und Künstler im Mittelpunkt, die die Chance nützen, sich in einem kultigen Ambiente neuem Publikum vorzustellen. Bei der Salztorbühne beispielsweise präsentierte das aus Salzburg stammende Geschwisterduo Mynth anspruchsvollen Synthi-Pop mit Anleihen an Portishead oder Kate Boy. Die Hamburger Indie-Band Trümmer, vielen noch als Vorband Wandas in der Stadthalle bekannt, freute sich über einen weiteren Auftritt in der Bundeshauptstadt. Für Massenandrang sorgte dann Amadeus Award-Gewinner Nino Mandl alias Nino aus Wien, sozusagen der Lokalmatator der Szene, der seine neue EP „Adria“ mit im Gepäck hatte. Und zumindest temperaturmäßig mehr „Sommer im Mai“ statt „Winter im April“.

 

Kommando Elefant und Parasol Caravan rockten die City Beach-Bühne vor der Schwedenbrücke, Skero und Clara Luzia die Strandbar Hermann, 2005 direkt an der Wienfluss-Mündung errichtet und in den nächsten Wochen eine der Top-Public-Viewing-Locations der Fußball-Europameisterschaft.

 

Weiter donaukanalaufwärts vor dem seit 1995 dort residierenden (Underground)-Club  Flex zeigten Minimal- und Tech House-DJ´s, dass sie sich vor etwaigen – überbezahlten Vorbildern – nicht verstecken brauchen: Open-Air-Party-Feeling wie in Ibiza, Rimini oder Berlin. Und wer die Nacht zum Tag machen wollte oder auf diese Unterscheidung bewusst gar keinen Wert mehr legte, der schwirrte noch ab in die Grelle Forelle Richtung Spittelauer Lände.

 

Wien ist eine wunderschöne Stadt. Vor allem dann, wenn Kultur, Freiheit, Musik und Lebensfreude ineinander verschmelzen. Ohne Unterschiede, aus welchem Land jemand kommt, welcher Religion er angehört, wieviel Geld er hat oder wo er wohnt. Eine subtile Botschaft von Freiraum-Events, die für alle Menschen gleich zugänglich sind. Wir freuen uns auf nächstes Jahr, hoffentlich wieder bei Sunshine & Happiness.

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A Tribute to Jim Morrison: Doors Experience rocken im Wiener Reigen !

Retro-Bands gibt es wie Sand am Meer, aber nicht viele sind so authentisch wie die Doors Experience aus Niederösterreich. Seit ihrem Gründungsjahr 2001 tourt die Band quer durch Europa und verbreitet in Clubs und auf Festivalbühnen Hippie-Feeling der 60er. Im Mai spielten sie jetzt auch wieder im Wiener Reigen.

 

Im Mittelpunkt der Show steht der charismatische Frontman Jason Boiler, der nicht nur stimmlich, sondern auch optisch mit Frisur und schwarzer Lederhose eine frappante Ähnlichkeit mit dem exzessiven Doors-Sänger Jim Morrison hat. Ebenfalls von Anfang mit dabei: Klaus Bergmaier, der wie Doors-Organist Ray Manzarek mit einem Basskeyboard den typischen Doors Sound erzeugt. Die Rolle von Robby Krieger übernimmt der Wiener Gitarrist Rene Galik, die von John Densmore der Drummer Gerhard Tscherwizek.

 

Kein Doors Experience-Konzert ist wie das andere, die Band hat derzeit über 45 Songs in ihrem Repertoire. Die legendären Hits der Doors dürfen aber bei keinem Gig fehlen, egal ob die Brecht-Adaption „Alabama Song“, „Break on through“ (to the other side), „Touch me“, „Hello I love you“, das skandalumwitterte 12 Minuten-Epos „The End“ oder die Spät-Werke „Riders on the Storm“ und „L.A. Woman“.  Auch unbekanntere Tracks wie das bezaubernde „You´re lost little girl“ oder „Five to one“ standen auf der Set-List im ehemaligen „Schönbrunnkeller“. Der größte Hit „Light my Fire“ und die melancholische Outsider-Hymne „People are strange“ beschlossen den mitreißenden Auftritt. 

 

Jim Morrison starb am 3. Juli 1971 unter mysteriösen Umständen in Paris, Ray Manzarek im Mai 2013. Bands wie die Doors Experience helfen mit, dass Songs, Lebenskultur und Aura der Doors unvergesslich bleiben.

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Blaue Schafe vor dem Museumsquartier – Zeichen für Frieden und Gleichheit

Blaue Schafe vor dem Museumsquartier Wien letztes Wochenende: Kein genialer Marketing-Gag im Wahlkampffinale, sondern ein Friedenszeichen des deutschen Aktionskünstlers Rainer Bonk. Die Schafe waren natürlich nicht echt, sondern aus Polyester, 60 cm hoch, 80 cm lang, 30 cm dick und 8 kg schwer. 

 

Entwickelt hat Bonk die blauen Schafe bereits im Jahr 2001. Warum gerade blau ? Die Signalfarbe steht für das Verbindende und ist auch die Farbe der EU, der UNO, der UNESCO oder eben der Europäischen Friedensbewegung. Alle Schafe sind identisch und nur echt mit der Marke des Künstlers auf der Unterseite. Es gilt der Grundsatz „Alle sind gleich – Jeder ist wichtig !“ Die Botschaft dahinter: Abseits aller kultureller, ethnischer, religiöser, geschlechtlicher oder sozialer Unterschiede sind alle Menschen gleichwertig und über ihre gemeinsame Gefühlswelt miteinander verbunden.

 

Das Projekt der „Blauen Friedensherde“ begann 2009 in Venedig bei der internationalen Kunstausstellung „Open 12“. Seitdem kamen die kleinen Kunsttierchen bereits weit herum und weideten in mehr als 120 Städten, darunter auch vor dem EU-Parlament in Straßburg, vor dem Reichstag in Berlin oder vor dem Brüsseler Atomium. 

 

Freitag und Samstag durften sie das sonnige Wien vor dem MQ bzw. gegenüber den historischen Museen genießen. Wien ist damit auch Bestandteil des weltweiten Friedens-Kunstprojektes. Ob alle ihre Bürger diese Botschaft auch verstanden haben UND diese auch leben, bleibt allerdings dahingestellt.

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Indie Pop mit Melancholie: Isolation Berlin on Tour im Wiener Rhiz.

Ein in Berlin lebender Schauspielschüler trennt sich von seiner Freundin und verfällt in tiefe Depressionen. Während dieser Zeit erwacht in ihm die kreative Phase, und er schreibt kongeniale Texte zwischen Wahn, Melancholie und Verzweiflung. Vielleicht ein guter Marketing-Gag, wenn, dann aber ein guter. Mastermind dieser Story ist der jetzt 27jährige Tobias Bamborschke, gemeinsam mit dem Gitarristen Max Bauer Bandgründer von Isolation Berlin.

 

In Deutschland gilt die Band als derzeit größte Indie Rock-Hoffnung. Nach dem Motto „Doppelt hält besser“ veröffentlichte die deutsche Combo kürzlich parallel sowohl ihr erstes offizielles Album „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ als auch ein Best of ihrer „Jugendwerke“ unter dem Titel „Berliner Schule Prototop“. Ihre Tour führte sie auch nach Wien – in das Gürtellokal Rhiz, das – nach ausgiebiger „Falter“-Werbung – bereits Tage zuvor ausverkauft war. 

 

Die musikalischen Spektren der Band sind auf jeden Fall weit ausgelegt. Vom harmlosen Schüler-Band-Pop, harten Punk, düstere New Wave bis hin zu depressiv-schwermütiger Lyrik a la Rio Reiser oder Element of Crime ist alles vertreten. Bei letzterem ist der charismatische Frontmann, immer mit Nouvelle Vague-Käppchen und „Isolation“-Lederjacke gestylt, am besten. 

 

Texte wie „Fahr weg, auf geradem Weg ins Meer, den Möwen hinterher, so weit weg wie es geht“ oder „Ich hab endlich keine Träume mehr, ich hab endlich keine Hoffnung mehr“ (aus „Alles Grau“) erzeugen auch bei biertrinkenden Party-Besuchern ihre Wirkung. Auch wenn Bamborschke selbst vermutlich alles etwas entspannter sieht und nach der ersten Zugabe ins Mikro gröhlt „Jetzt geh´n wir saufen“. Man wird von ihm in der Zukunft noch einiges hören und sehen. In welcher Richtung, das wird nicht unspannend.

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„Fancy Tuesday“: „Mr. Hitparade“ Udo Huber eröffnet neuen Retro-Club in der Bettel-Alm.

Er gehört zu den größten Ö3-Stars aller Zeiten. Aus einer Zeit, in der Ö3 noch am Puls der Zeit war und kein seelenloses Formatradio produzierte: Udo Huber. 1955 in Wien geboren, studierte Huber zuerst Theaterwissenschaft, bis er zuerst in der Ö1-Kulturredaktion und später bei Ö3 landete. Am 1. November 1981 moderierte Huber zum ersten Mal die Ö3-Hitparade „Hit wähl mit“. Erst 1997 übergab er das Hitparadenzepter an die junge Martina Kaiser.

 

Während in den USA MTV seinen weltweiten Siegeszug startete, wurde auch im Fernsehen eine Hitparadenshow konzipiert: „Die Großen 10“, die monatlich aus diversen Großraumdiskotheken Österreichs gesendet wurde. Der Moderator wieder Udo Huber, der sich während seiner Tätigkeit zwischen 1982 und 1993 über mehr als 1 Million Zuschauer freuen durfte.

 

Nach seiner ORF-Karriere gründete Huber eine eigene Firma, war auf zahlreichen Privatradiostationen zu hören und wird immer wieder auch zu Retro-Clubbings geladen. So auch bei der Premiere des neuen Bettel-Alm-Events „Fancy Tuesday“, das ab sofort jeden Dienstag in der Johannesgasse stattfindet. 

 

Bei freiem Eintritt, Happy Hour-Preisen und Go-Go-Support lieferte Huber einen bunten Streifzug durch die schrill-poppige Musik-Welt der 80er und frühen 90er, beginnend mit „Take on me“ der kürzlich in Wien gastierenden a-ha. Im üblichen 3-4-Minutentakt der „Singles-Klassiker“ rotierten „Pop-Amadeus“ Falco, Nenas Luftballons, Madonna, traurige Prince-Kisses, Dr. Alban, Inner Circle, Ace of Base oder Roxette und sorgten für Top-Stimmung am Dienstag Abend.

 

Kultige Zitate wie „Michael Jackson ist tot, aber wir lieben ihn immer noch“ gaben Udos Chart-Show eine zusätzliche Würze, ebenso wie „Bad Taste“-Songs a la „Cotton Eye Joe“ oder Knight Riders „Looking for Freedom“. Auf seine erste Radio-Nr. 1 „Tainted Love“ hat der „Mr. Hitparade“ aber vergessen. Das sollte er so schnell wie möglich nachholen.

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Elektro-Pop-Power: Kate Boy live im Wiener Chelsea.

Man weiß nicht so genau, warum diese Formation aus Stockholm gerade diesen Sound produziert, aber man weiß sofort: Der Sound ist gut, und die Frontfrau ist brilliant. Sie heißt Kate Akhurst, ist die Namensgeberin der coolen Elektro-Pop-Band Kate Boy und war in Wien zu Gast im Gürtel-Club Chelsea. 

 

Kate verließ 2006 als 21jährige das heimatliche Australien Richtung L. A., war dort 5 Jahre als Songwriterin tätig, bis sie in der schwedischen Hauptstadt 4 Jungs mit ähnlichen musikalischen Interessen kennenlernte. Einer blieb übrig, Markus Dextegen, der mit ihr auch in Wien live in die Synthis trommelte. Eine cool-schweißtreibende Mixtur aus Yazoo der 80er und elektronisch aufgepeppten Ting Tings der 2000er. 

 

Der erste Hit „Northern Lights“ aus dem Jahr 2012 ist noch immer der beliebteste Song der Konzertbesucher, das erste Album „One“ wurde erst im November 2015 nachgereicht und enthält u.a. die Tracks „The Way we are“, „Self Control“, „Midnight Sun“ und „Open Fire“. Als Zugabe gab es von Akhurst „Northern Lights“ Acappella, mehr Tracks habe man nicht im Tour-Synthesizer. Vielleicht beim nächsten Mal. 

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„Hass im Netz“: „Profil“-Journalistin Ingrid Brodnig präsentiert ihr neues Buch in Wiener Morawa-Shop.

Sie sind die dunkle, negative Seite des Internets und der Social Media: Hass-Postings gegen Ausländer, Frauen, Migranten, Schwule oder „schlicht“ gegen Andersdenkende. Die junge digitalversierte Ex-„Falter“ und nun „Profil“-Journalistin Ingrid Brodnig hat sich dieses hochspannenden Themas angenommen und darüber ein Buch geschrieben. Lapidarer Titel „Hass im Netz“. 

 

Unter der Moderation  von Barbara Blaha, einst ÖH-Chefin, jetzt Programmleiterin im Brandstätterverlag, wurde Brodnigs neues Werk in der Buchhandlung Morawa in der Wollzeile präsentiert. Zu den prominenten Besuchern zählte auch die Grünen-Chefin Eva Glawischnig, die mittels eines ihr untergeschobenen Zitats selbst Opfer einer Facebook-Attacke wurde. Und beileibe nicht die einzige. Brodnig erzählt beispielsweise von der Caritas-Fundraising-Leiterin Bettina Riha-Fink, die aufgrund ihres Engagements für Flüchtlinge mit Vergewaltigung bedroht wurde. Auch ein Angriff auf ihre Kinder wurde dezidiert in Postings genannt. Vor allem in derartigen gravierenden Fällen sollte man laut der Autorin auch zu juristischen Schritten greifen. Delikte wie gefährliche Drohung, Verhetzung oder Beleidigung seien ja sowohl offline als auch online strafbar.

 

Warum gerade im Internet die Aggression überhandnimmt, führt Brodnig auf die besonderen Rahmenbedingungen zurück. Der Psychologie John Suler aus New Jersey habe dies bereits im Jahre 2004 als „toxische unsichtbare Enthemmung“ klassifiziert. Im digitalen Netz würden sich Personen nicht Aug-in-Aug gegenüberstehen, es gebe keine Empathie, keine Gestik und Mimik und keine unmittelbare Reaktion auf die schriftliche Äußerung.

 

Brodnig unterscheidet im allgemeinen zwischen zwei Typen von Hasspostern, einerseits die harmloseren „Trolle“, die bewusst provozieren wollen, ohne ideologischen Hintergrund agieren und in ihrem Charakterverhalten Sadisten ähneln. Auf der anderen Seite die viel gefährlicheren „Glaubenskrieger“, die von der Wahrheit ihrer Äußerungen überzeugt sind, sich durch objektive Gegenkritik nur bestärkt fühlen und auch in den abstrusen Verschwörungskanälen zu finden sind.

 

Wie soll man sich als normaler Bürger – abgesehen von gerichtlichen Verfahren – gegen derartige Hassposter wehren ? Auf keinen Fall die Meinung des Posters radikal negieren. Es sei sinnvoller, an allgemeine Werte zu appellieren (wie beispielsweise Gesundheit beim Klimawandel), die auch dem virtuellen Diskussionsgegner wichtig sind, und darauf aufbauend Gegenargumente zu konstruieren. Auch Humor und verstärkte Empathie wirken in vielen Fällen entwaffnend.

 

Einen Teil ihres spannenden Vortrags widmete die Jung-Autorin auch den „Echo Chambers“ in den Social Media. Aufgrund der Verwendung von Algorithmen werden User digital abgeschottet und lesen in ihren Feeds nur Berichte und Postings, die ihre eigene Ansichten bestärken und verstärken. „Unterschiedlich denkende Gruppen seien oft nur einen Mausklick entfernt, nur passiere der nicht“, so Brodnig. Diese sogenannte „Filterblase“ wird von Facebook beispielsweise gar nicht abgestritten, wie stark sie ausgeprägt ist, wird allerdings nicht bekanntgegeben. Transparenz sieht anders aus. Dies gilt auch für die Größe der Moderatoren-Teams, die den Kommunikations-Kanal überwachen sollen.

 

Das Netz auf jeden Fall sei, so die Autorin, erst am Beginn seiner Entwicklung. Bezüglich Sicherheit, Datenschutz, Umgangsformen, in jeder Hinsicht. Die Hassposter befänden sich aber trotz ihres aggressiv-martialischen Tons schon jetzt in der eindeutigen Minderheit. Wir sollten alle zusammenhelfen, dass sie zusehends in den Untiefen des Internets versinken. Ohne weiteren Schaden anzurichten.

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Öffentliche Kunst am Wiener Karlsplatz: Starfotografin Christina Noelle @ Red Carpet Showroom.

1978 wurde das erste Teilstück der U 1 zwischen Reumannplatz und Karlsplatz eröffnet, später galt die Szene vom Karlsplatz auch als Synonym für Drogensucht, Zwangsprostitution und Beschaffungskriminalität. Diese Zeiten sind längst vorbei. Wenn auch die Zukunft des riesigen Areals infrastrukturell und bautechnisch (noch) offen ist, die Kultur hat den Karlsplatz bereits erobert. Im sogenannten „Red Carpet Showroom“, gelegen im Übergangsbereich U1-U2-U4, haben junge Künstler, die Möglichkeit, ihre Kreationen zu präsentieren. Egal, ob es sich Fotografie, Malereien, New Media-Konzepte oder Installationen handelt.

 

Die Ausstellungen wechseln alle 14 Tage und können dort theoretisch von ca. 350.000 Personen wöchentlich betrachtet werden, die frei- oder unfreiwillig diese Passage besuchen. Zuletzt waren sie Zeuge von Christina Noelles Installation zum Thema „Konsum“. Die bekannte 29jährige Wiener Starfotografin, die bereits im Alter von 16 Jahren den „Selfie“-Trend zum Markenzeichen erkoren hat, war auch schon bei internationalen Ausstellungen in Frankreich, Deutschland und den USA vertreten, darunter beim Erotic Art Festival in Seattle.

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Retro-Popkult: a-ha begeistern mit Greatest Hits-Show in der Wiener Stadthalle.

Es war im Jahre 1985, als drei norwegische Jungs mit „Take on me“ einen Welthit landeten. Im dritten Anlauf und mit Hilfe eines progressiven, auf MTV gehypten Comic-Clips. 31 Jahre später  kommen Morten, Pal und Magne aka „a-Ha“ wieder in die Wiener Stadthalle, um nach 80 Millionen verkauften Alben und mehreren Trennungen – zuletzt 2010 – ihr neue