10. Buskers Festival: Straßenkünstler-Happening am Wiener Karlsplatz!

Zwei Jahre lang mussten die Buskers wegen der Corona-Maßnahmen pausieren, 2022 war die Zwangspause vorbei, und so tummelten sich bei der 10. Jubiläumsausgabe des Straßenkunst-Festivals am Wiener Karlsplatz zahlreiche Besucher aller Generationen. Das Programm erstreckte sich vom 9.-11. September jeweils von 14 bis 22 Uhr, teils unterbrochen durch temporäre Regenschauer.

 

„Busker“ ist ursprünglich die englische Bezeichnung für Straßenmusikanten, umfasst aber mittlerweile alle Bereiche der Straßenkunst und des Straßentheaters (wie Jonglage, Akrobatik, Clownerie,…). In über 200 Städten finden jährlich Buskers Festivals statt, bei der Wiener Edition bewerben sich jährlich über 600 Gruppen und Einzelakteure aus aller Welt.

 

„Straßenkünstler ist der ehrlichste Job der Welt“, das ist die Diktion des vielleicht bekanntesten Wiener Performancers Abraham Thill aka El Diabolero. Man werde erst – nach Erbringung der Leistung – bezahlt. Und das nur dann, wenn man die Zuschauer begeistert hat. Für den Jonglage-Künstler (und Autodidakten), der nebenbei noch ein Diplom an der Schauspielschule erworben hat und auch in Theateraufführungen zu sehen ist, stellt dies meistens kein Problem dar. 

 

Diabolo-Würfe in 35 Meter Höhe, eine lässige Slapstick-Show als Rahmen und direkte Interaktion mit dem Publikum sorgen für einen vollen Kreis im Resselpark und zahlreiche Videos in den sozialen Medien. Und natürlich für einen Massenauflauf nach der Show, wenn Scheine und Münzen den Hut El Diaboleros prall füllen. Das ist insofern auch das Markenzeichen der Busker Festivals: Die Künstler erhalten von den Veranstaltern Reisekosten, Kost und Logis, Gagen allerdings nur durch das Publikum in Form des „Hutgeldes“.

 

Die auf insgesamt 6 Spots auftretenden Künstler begeisterten im weiten Karlsplatz-Areal mit unterschiedlichen Spielarten der Straßenkunst: Das argentinische „Duo un Pie“ mit akrobatischer Sailor-Clown-Show, Aerial Silk Vienna mitten über dem Wasser des Karlsplatz-„Sees“ mit Vertikaltuchakrobatik, die multikulturellen „Floor LegendZ“ mit einer temporeichen Breakdance-Party, der polnische Straßen-Gitarrist Mariusz Goli u.a. mit einer akustischen Version von Nirvanas „Smell like Teen Spirit“ oder der ungarische Comedian Imre aka „Social Salto“ mit einer interaktiven Show, die bereits vor dem Londoner Covent Garden das Publikum verzückte.

 

Zusätzlich setzt das Wiener Buskers Festival auch zahlreiche gesellschaftspolitische Akzente. Die Proponenten fordern neben der Ausweitung der Rechte der Straßenkünstler mehr Kultur im öffentlichen Raum und – mit Unterstützung von „Asyl in Not“, „SOS Balkanroute“ und dem „Verein Ute Bock“ - die Verbesserung der Menschenrechte. Vegane und vegetarische Speisen werden – ohne lange Lieferwege - direkt aus der unmittelbaren Region angeboten, der Energieaufwand ist (naturgemäß) gering, der Müll wird – in Form eigener Müll-Inseln - in sieben Fraktionen getrennt. 2018 wurde das Buskers Festival wegen seiner Umweltfreundlichkeit sogar in die Hall of Fame der Green Events Österreichs aufgenommen. 

100 Jahre Oskar Werner im Wiener Metro Kinokulturhaus!

„In jeder Rolle findet man etwas von sich selbst, weil wir alle Brüder sind. Aber in Hamlet habe ich einen Zwillingsbruder gefunden.“  Ein Zitat des genialen österreichischen Schauspielers Oskar Werner, der am 13. November seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Grund genug, für das Metro Kinokulturhaus in der Wiener Johannesgasse, dem charismatischen, aber auch egozentrischen Theater- und Filmstar eine Ausstellung über sein Lebenswerk zu widmen. Die Location ist insofern mehr als passend, hatte doch der aus Wien-Gumpendorf stammende Werner in dem ehemaligen Theater seine ersten kleinen Auftritte im Grillparzer-Drama „Das goldene Vließ“.

 

Die Kuratoren Raimund Fritz und Martina Zerovnik konzipierten die Retrospektive im wesentlichen auf zwei Ebenen. Im 1. Stockwerk erhalten die Oskar Werner-Fans einen Einblick in das Privatleben des Schauspielers, mit zahlreichen Fotografien, Zeitungsausschnitten, Zitaten und sogar einem alten Schülerausweis. Die zweite Ebene zeigt das künstlerische Schaffen Oskar Werners, der bereits mit 19 vom Burgtheater engagiert wurde und in insgesamt 71 Theaterstücken mitwirkte. Seine Höhepunkte: „Don Carlos“ (mit seinem Vorbild Werner Krauss als König Philipp) und natürlich „Hamlet“. Seinen ersten Film drehte Oskar Werner 1949 in London: „Der Engel mit der Posaune“, die erste und nicht die letzte Rolle des überzeugten Antifaschisten, die sich mit dem Greuel des Nationalsozialismus befasste. Werner lehnte in seiner Karriere viele Rollen ab, die nicht seinem Weltbild entsprachen („Anpassungsfähigkeit ist eine Eigenschaft, die ich nicht anstrebe“). Die größten Kino-Erfolge feierte er in den 60er-Jahren, mit dem französischen Liebesfilm „Jules & Jim“ (1962) und der Ray Bradbury-Roman-Verfilmung „Fahrenheit 451“ (1966) jeweils unter der Regie Francois Truffauts bzw. mit den Hollywood-Streifen „Das Narrenschiff“ (Oscarnominierung 1965) und „Der Spion, der mich liebte“ (Golden Globe 1966). 

 

Danach ging es mit seiner Karriere bergab. „Das Tragische, das ich sehe, dass er sich irgendwann nicht mehr weiterentwickelte. Er, der Frühvollendete, beharrte auf einem Status, den er dann irgendwann verloren hat“, so die Kuratorin Martina Zerovnik in einer Kurier-Sonderbeilage zur Ausstellung. In den 70ern war der mit Depressionen und Alkoholproblemen kämpfende Werner nur in zwei Rollen zu sehen, in einer TV-Folge des „Columbo“ und in der „Reise der Verdammten“ (1976). Er verdiente – dank seiner unverkennbaren Stimme – großteils sein Geld mit Hörspielen und Lesungen. Im Sommer 1983 scheiterte er kläglich mit seinem Wachaufestival: Von insgesamt 26 geplanten Auftritten fanden nur eine Dichterlesung und die Aufführung des „Prinz Friedrich von Homburg“ im (später abgerissenen) Kremser Brauhofsaal statt. Am 23. Oktober 1984 starb Oskar Werner während einer Rezitationstournee in einem Marburger Hotel an einem Herzinfarkt.

 

Neben seinen zahllosen Filmen erinnert heute noch der Oskar Werner-Platz im 6. Wiener Gemeindebezirk an den großartigen Schauspieler, dessen glanzvolle Karriere leider zu früh endete. 

 

Die Ausstellung „100 Jahre Oskar Werner“ ist von 24. 3. 2022 bis 29.1. 2023 im Metro Kinokulturhaus zu sehen. Und zwar täglich von 14 bis 21 Uhr.

The Return: Heißer Konzert-Frühling mit Franz Ferdinand, Dua Lipa und Green Day!

„Das kommende Jahr wird ein ganz starkes Konzertjahr. Es ist wie früher, und das ist einfach schön.“ – Das waren die positiven Prognosen des Veranstalters Ewald Tatar (Barracuda) vor einigen Monaten, und tatsächlich haben seine Prophezeiungen ins Schwarze getroffen. Seit April findet fast täglich ein Konzert-Highlight in Österreich statt. Das reicht von Konzerten, die nach 2 Jahren Corona-Pandemie endlich nachgeholt werden konnten (wie die zwei fast ausverkauften Wanda-Acts in der Wiener Stadthalle oder den Pet Shop Boys im Gasometer), neu arrangierten Gigs (wie den Imagine Dragons im Ernst Happel-Stadion oder Parov Stelar im klassischen Wiener Konzerthaus) bis hin zum Comeback groß angelegter Festivals (wie dem Nova Rock in Nickelsdorf oder dem Donaufestival in Krems). Die Konzertdichte ist aktuell teilweise so hoch, dass Musik-Freaks auf ein Konzert verzichten müssen (und einen Gutschein in Anspruch nehmen), um zeitgleich ein anderes besuchen zu können. Terminstress nicht nur bei den Künstlern, sondern auch beim Publikum, das nach einer langen Durststrecke endlich wieder – ohne Masken und Corona-Beschränkungen – mit tausenden anderen feiern, trinken und tanzen dürfen.

 

Franz Ferdinand

 

Die Wiener Arena startete die Open Air-Saison mit der Glasgower Band Franz Ferdinand, die vor fast 20 Jahren mit dem Indie-Track „Take me out“ den Durchbruch schaffte. Dieser zählt auch heute noch zu den absoluten Highlights jedes Konzert-Gigs der Band, die sich allerdings in der Zusammensetzung geändert hat. Von den Gründungsmitgliedern sind noch der charismatische Sänger (und Gitarrist) Alex Kapranos und Bassist Robert Hardy mit an Bord, neu im FF-Team sind Gitarrist Dino Bardot, Keyboarder Julian Corrie (beide seit 2017) und die Drummerin Audrey Tait. Die bis dato bei mehreren schottischen Bands und Projekten aktive Schlagzeugerin feierte bei der „Hits to the Head“-Tour ein mehr als gelungenes Debüt.

 

In einem fast zweistündigen Greatest Hits-Furioso präsentierten sich Franz Ferdinand auf dem Arena-Gelände in absoluter Bestform: Smart, sexy, to the Beat und mit Dauer-Euphorie Richtung Fans. „All Killer – No Filler“: Kein Hit wurde ausgelassen: Vom Opener „The Dark of the Matinee“, „Do you want to“, den neuen Tracks „Billy Goodbye“ und „Curious“ bis hin zum Avantgarde-Indie-Track „Ulysses“ und zum Superhit „Take me out“. Eine endlos lange Version von „This Fire is out of Control“ beendete das Hit-Feuerwerk der schottischen Brit-Popper. Out of Control war auch die generationenübergreifende Fan Crowd in der Wiener Arena, endlich wieder Live-Feeling in Vienna.

Dua Lipa

 

Dua Lipa trat im Sommer 2016 noch beim Wiener Donauinselfest auf, als Pre-Act auf der Main Stage unter brütender Sonnenhitze. Heute zählt die in London geborene Kosovarin zu den größten Stars der Pop- und Dance-Szene. „Dua“ ist kein Künstler-Name, sondern der von der Großmutter vorgeschlagene tatsächliche Vorname der Künstlerin, auf deutsch „ich liebe“. Love, Euphorie und Enthusiasmus stehen auch im Mittelpunkt der „Future Nostalgia“-Tour, mit der Dua Lipa auch die österreichischen Fans in der ausverkauften Wiener Stadthalle beehrte. Eine (fast zu) perfekt inszenierte 90 minütige-Show mit Band und 10 Tänzern und Tänzerinnen, deren Namen gleich zu Beginn – im Rahmen des 80er-Openers „Physical“ – auf einer Ebene mit Dua Lipa bekanntgegeben wurden. 

 

Viele der jungen (weiblichen) Fans sangen von Beginn an alle Titel mit, während Dua Lipa mit einem riesigen Lobster (!) flirtete, mit dem auf den Video-Screens eingeblendeten Duett-Partner Elton John den Mega-Hit „Cold Heart“ schmetterte oder – inmitten einer künstlichen Galaxis – im sexy Galliano-Outfit bei „Levitating“ auf einer Plattform durch die Stadthalle schwebte. „Welcome to the Club Future Nostalgia“, das Motto des 3. Akts der schweißtreibenden vierteiligen Dua Lipa-Show. Die Tracks „One Kiss“, „Electricity“ und „Hallucinate“, für viele der rund 13.000 Fans der erste faszinierende Eintritt in die glamouröse Disco-Welt Ibizas, Londons oder New Yorks. Mit der Zugabe „Don´t start now“ endete der Rausch noch lange nicht, die begeisterten Fans tanzten weiter, zum Saalräumer „I wanna dance with somebody“ Whitney Houstons. Music takes u high. Kann es Schöneres geben?

Green Day

 

„It took us 2 years to get here, but we made it!“ schmetterte Green Day-Sänger Billie Joe Armstrong in das prallgefüllte Ernst Happel-Stadion. Die US-Punk-Band, die 1994 mit ihrem Album „Dookie“ kurz nach dem Selbstmord Kurt Cobains den Zeitgeist der adoleszenten Rock Generation traf, ist gemeinsam mit ihren musikalischen Kollegen von Fall Out Boy und Weezer auf einer monatelangen „Hella Mega Tour“ durch Stadien und Konzerthallen. 

 

Armstrong, selbst gerade erst 50 geworden, merkt man sein Alter kaum an. Nach einem „Bohemian Rhapsody“-Intro und einem witzigen „Drunken Bunny“-Auftritt (zum „Blitzbop Krieg“-Sound der Ramones) stürmt Armstrong die Bühne des Happel-Stadions und erobert mit dem Opener „American Idiot“ sofort die Herzen der Besucher. 2 weibliche Fans werden im Rahmen der Show auf die Bühne geholt und dürfen dort vor rund 40.000 Fans mit Armstrong singen und Gitarre spielen, dazu Pyrotechnik, Klamaukeinlagen und zahlreiche aufpeitschende Vocals und Gesten seitens der Band. Die man durchaus auch weglassen hätte können. Denn die mitreißende Setlist von Green Day strotzte nur von Superhits aus der über 30jährigen Karriere der Band: Das bereits erwähnte Bush-kritische „American Idiot“, „Know your Enemy“, „Boulevard of Broken Dreams“ (bei dem das ganze Stadion mit Handy-Lights erleuchtet wurde), „Holiday“, „21 Guns“ und natürlich „Wake me up before September Ends“, ein Tribut an Armstrongs früh verstorbenen Vater, das sich durch den Video-Clip zu einer Anti-Kriegshymne entwickelte. „Rock´n Roll never dies!“

„In Search of Humanity“: Ai Wei Wei-Retrospektive in der Albertina Modern

„1000 Jahre Freud und Leid“ heißt die kürzlich erschienene erste Autobiographie des aus Peking stammenden chinesischen Konzeptkünstlers und Menschenrechtsaktivisten Ai Wei Wei. Mit den Stationen seines Lebens (und damit verbunden dem künstlerischen Werdegang) beschäftigt sich auch die Retrospektive „In Search of Humanity“ in der Albertina Modern. Insgesamt 144 Kunstwerke – von Skulpturen, Installationen, Fotos, Performances, Videos,… - wurden im Erdgeschoß unter der Kuratel von Dieter Buchhart und Elsy Lahner auf einem äußerst spannenden und politisch hochbrisanten Parcours platziert.

 

Safe Sex

 

Diskriminierungen musste Ai Wei Wei bereits in seiner Kindheit erleiden. Gemeinsam mit seinem Vater, einem regimekritischen Dichter, lebte er in einem Erdloch und durfte erst nach dem Tod von Mao nach Peking zurückkehren. Nach einem Studium an der Pekinger Filmakademie wagte er als einer der ersten chinesischen Künstler den Sprung in die USA und lernte dort in den 80ern die Konzeptkunst, die Pop Art und den Minimalismus kennen. Aus dieser Zeit stammt u.a. sein auf die Aids-Epidemie bezogenes Werk „Safe Sex“, bei dem aus einem Regenmantel in Schritthöhe ein Kondom hängt. 

 

China

 

„Dropping a Han Dynasty Urn“ zeigt in drei nacheinander aufgenommenen Schwarz-Weiß-Fotos die Zerstörung einer Urne aus der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.), die heute als wertvoll gilt, obwohl sie damals nur ein Massenartikel war. Auf dem streng bewachten Platz des Himmlischen Friedens fotografierte Ai Wie Wei – als Protest gegen das Regime – die Künstlerin und damalige Freundin Lu Quin mit nach oben gehobenem Rock. 

 

Readymades

 

Bei einigen Werken in der Ausstellung nimmt Ai Wie Wei Anleihen vom französischen Konzeptkünstler Marcel Duchamp. Er montiert Fahrräder zu einem aus funktionsuntüchtigen Einzelteilen bestehenden Konstrukt (und zieht damit einen Konnex zur chinesischen Bevölkerung), verweist mit einem von Julian Assange 2016 geschenkten Laufband auf die Aussichtslosigkeit einer (illegalen) Haft oder platziert eine Kristallkugel im Mittelpunkt einer Sammlung von Schwimmwesten gestrandeter Flüchtlinge.

Sunflower Seeds

 

„Sunflower Seeds“ nannte sich eine Aktion Ai Wei Weis 2010 in der Londoner Tate Modern. Der Künstler ließ dort in der riesigen ehemaligen Turbinenhalle ca. 100 Millionen aus Porzellan gefertigte Sonnenblumenkerne ausschütten. Der historische Hintergrund: Während der Kulturrevolution wurde Mao Zedong mit der Sonne verglichen, das Volk mit Sonnenblumen. Die Sonnenblumenkerne widerspiegeln die Kritik Ai Wei Weis am Konformismus in China, in dem die Bevölkerung als uniforme Masse betrachtet wird. Ein (kleiner) Sonnenblumenkern-Haufen wurde auch in der Albertina Modern platziert, höchstwahrscheinlich um vieles kleiner als der ebenfalls stark ausgeprägte Konformitätsgrad in Österreich.

 

Erdbeben in Sichuan

 

Nach einer Erdbeben-Katastrophe in der chinesischen Provinz Sichuan recherchierte Ai Wei Wei gemeinsam mit anderen Aktivisten die Hintergründe für den Einsturz von Schulgebäuden und stieß auf Korruption und schwere Baumängel. Insgesamt 5197 Kinder kamen dabei ums Leben. Die Folgen: Die chinesischen Behörden zensurierten und sperrten dann seinen Blog. Es folgte die erste Verhaftung, während dieser Ai Wei Wei ein Selfie anfertigte und dieses später in einer Lego-Adaption publizierte. In der Ausstellung sind unter dem Titel „Forge“ (Schmiede) verbogene Eisenstäbe aus dem Campus der Schulen zu sehen. Ein Mahnmal für das schreckliche Unglück.

 

81 Tage eingesperrt

 

Eine weitere Verhaftung erfolgte am 3. April 2011 wegen angeblicher „Wirtschaftsverbrechen“. Ai Wei Wei wird dabei für 81 Tage bis 22. Mai weggesperrt. Die gesamte Vorgehensweise illustriert der Künstler mit der Installation „S.A.C.R.E.D.“, wo er in 6 Schaukästen mit Puppenfiguren die Rituale seiner Gefangenschaft zeigt. In der Albertina Modern wurde außerdem eine begehbare Zelle in Originalgröße aufgebaut, deren Geschehen im Inneren durch Kameras nach außen projiziert wird.

 

Flüchtlingskrise

 

Erst im Jahre 2015 bekam Ai Wei Wei seinen Reisepass zurück. Er zog nach Berlin, wo er sich vorwiegend mit der Flüchtlingskrise beschäftigte. Auf immense Kritik stieß dabei seine persönliche Nachstellung der am Strand von Bodrum angespülten Leiche des dreijährigen Kindes Aylan Kurdi. Ai Wei Wei verteidigte die Aktion mit einem Appell gegen das „Vergessen durch Gewöhnung“. Zu sehen in diesem separaten Raum weiters Schwimmwesten (die auch Teil seiner Installation F Lotus im Wiener Belvedere 2016 waren), Rettungsringe aus Marmor, die Ladestation eines Flüchtlingslagers und die mit Lego-Steinen dargestellte Navigationsroute des von der Kapitänin Carola Rackete gesteuerten Flüchtlingsboots Sea Watch 3.

 

Mao-Porträts im Warhol-Style, „Fuck“-Mittelfinger gegen Zentren politischer oder kultureller Macht (wie dem Weißen Haus in Washington, der Skyline von Hongkong oder dem Reichstag in Berlin), Panda-Stofftiere als Verstecke geheimer Dokumente, ein in China zensiertes Musik-Video über Ai Wie Weis Inhaftierung („Dumbass“) oder ein riesiger Kreis mit 12 chinesischen Tierkreiszeichen (die die Frage der kulturellen Herkunft aufwerfen) sind weitere Höhepunkte der umfassenden Retrospektive in der Albertina Modern.

 

Coronation

 

Ai Wei Wei selbst wohnt nach einem kurzen Aufenthalt in Cambridge („Campusse sind Orte, gegen die ich allergisch bin“) in der portugiesischen Kleinstadt Montemor-o-Novo. Mit weiteren Skulpturen, Installationen und Aktionen ist zu rechnen. Dies zeigt schon sein entlarvender Film über das chinesische Corona-Management („Coronation“), in dem er die Überwachungsgesellschaft und die soziale Kontrollmaschinerie kritisiert.

 

Ai Wei Wei – In Search of Humanity – 16. März bis 4. September 2022 Albertina Modern Wien...

„Being boring is a Sin!“ – Pet Shop Boys auf „Greatest Hits“-Tour im Wiener Gasometer…

Mehr als 100 Millionen Tonträger haben Neil Tennant und Chris Lowe aka The Pet Shop Boys seit 1985 verkauft: 14 Studio-Alben, 40 Top 20-Singles in Großbritannien (inkl. 4 Nr. 1-Hits) plus Brit Award 2009 für „Outstanding Contribution to British Music“. Für das erfolgreichste Duo der britischen Musikgeschichte war insofern die Selektion das größte programmtechnische „Problem“ ihrer ersten Greatest Hits-Show, mit denen die beiden im Frühjahr und Sommer 2022 die europäischen Konzerthallen und Clubs beehren. Insgesamt 26 Tracks schafften den Sprung in die von Mastermind Tom Scutt konzipierte Show, der zuletzt mit Preisen für das Musical „Cabaret“ im Kit Kat Club überhäuft wurde.

 

Sänger (und Ex-„Smash Hits“-Journalist) Tennant und Keyboarder Lowe, die sich 1981 zufällig in einem Elektronikladen der Londoner King´s Road kennengelernt haben, starten im Wiener Gasometer strikt minimalistisch, mit seltsamen Kopfbedeckungen und schwarz-weißen Lightpanels im Background. Ohne Band und ohne Tänzer. Der Opener das Vorstadt-Epos „Suburbia“ aus den 80ern. Erst nach einigen Tracks (wie dem U2-adaptierten „Where the Streets have no Name“ und dem mit Videosequenzen angereicherten „Rent“) öffnete sich mit „Left to my own devices“ die gesamte Stage-Struktur. Vor dem Hintergrund greller Projektionen sorgten Percussionisten für den treibenden Sound der Londoner Hit Factory.

 

Auf dem Programm standen natürlich die 4 UK-Nr. 1-Hits der Pet Shop Boys, „West End Girls“ (als Zugabe mit Video-Reminiszenz an die schrille Londoner Szene der 80er), „It´s a Sin“, „Heart“ und das Elvis-Cover „Always on my Mind“. Beim melancholischen „You only tell me you love me when you´re drunk“ griff Tennant überraschend zur Akustik-Gitarre, bei den 70er-angehauchten Party-Hymnen „Go West“ (ein Village People-Cover) und „New York City Boy“ tanzten im Gasometer vereint die Pop-Wave-Generationen der letzten 40 Jahre. Band-Mitglied Clare Uchima versetzte sich kurz in die Rolle der 60er-Ikone Dusty Springfield und trällerte gemeinsam mit Neil Tennant das lässige Duett „What have I done to deserve this“. 

 

Dass die Pet Shop Boys auch noch im neuen Millennium modernen Dance-Pop produzieren, zeigen nicht nur die brandneuen in Berlin aufgenommenen Songs „Monkey Business“ und „Dreamland“ (dessen queerer Duett-Partner Olly Alexander gerade als „Years & Years“ durch Europa tourt), sondern auch der aus dem 2013er-Album „Electric“ stammende Track „Vocal“, der mit technoiden Beats und charismatischen Textzeilen („It's in the music. And everything about tonight feels right and so young“) an den Summer of Rave 1989 erinnert.

 

Melancholie und Sehnsucht nach der verlorenen, unbeschwerten, exzessiven Jugend kommen beim Final Track auf, „Being Boring“, der auf Zitaten der US-Autorin Zelda Fitzgerald aus den wilden 20ern beruht. „We were never being bored. Cause we were never being boring.“ Ein kongenialer Abschluss einer Show, die niemand anderer als Neil Tennant besser kommentieren könnte: „In Dreamworld being boring is a Sin“…

 

Masquerade-Beats: Claptone live im Wiener O-Club...

Egal, ob Ibiza, Miami, London oder Vienna. Dort, wo ein DJ mit seiner venezianischen Schnabelmaske und seinen weißen Handschuhen hinter den Turntables residiert, strömen die house-begeisterten Massen und tanzen ekstatisch bis in den Morgengrauen. Am 1. April beehrte der angeblich aus Berlin stammende „Claptone“ wieder einmal den Wiener O-Club in der Albertina-Passage.

 

Die Stimmung war nicht nur aufgrund der liberalisierten Corona-Maßnahmen ausgezeichnet, Maske trug nur der Soundzauberer hinter dem DJ-Pult, und die ohne FFP2-Trademark. Drei Alben hat Claptone bis dato veröffentlicht, sein letztes, „Closer“, enthält zahlreiche Kollaborationen mit Künstlern wie Seal („Just a Ghost“), Dizzy („Queen of Ice“) oder Mayer Hawthorne („Feel this Way“), die Claptone kongenial in seine Sets einbaut. Dazu kommen zahlreiche Remixes für prominente Artists wie Dua Lipa („Physical“), Elton John („Cold Heart“), Gorillaz oder Oden & Fatzo, die zu den absoluten Dancefloor-Hits der Szene zählen. Auf seiner Setlist in Wien stand natürlich auch der „Liquid Spirit“-Remix, der laut dem Magazin „Jazz Line“ den Verkauf der Original-Platten Gregory Porters immens ankurbelte.

 

 

Was Claptone (außer vermutlich der Anonymität) an der Maske so schätzt, sind die verschiedenen Bezugspunkte seiner Maskerade, der schrille Karneval von Venedig, das „golden bling bling hip hop thing“, das Erscheinungsbild eines Vogels oder auch der mysteriöse letzte Kubrick-Film „Eyes wide Shut“. „The Masquerade“ nennt sich übrigens auch die hedonistische Party-Reihe Claptones im legendären Ibiza-Club Pacha, die der DJ – gemeinsam mit Fatboy Slim, LP Giobbi, James Hype & Co. – jeden Samstag von 14. Mai bis 15. Oktober 2022 zelebriert. Flieger und Hotel rechtzeitig buchen!

"Die Wüste lebt" by Oliver Ressler: MQ-Fotoaktivismus gegen die Wiener Stadtstraße!

Junge Klimaaktivisten gegen die „Betonierer“ der Stadt Wien: Dieser Konflikt spitzt sich seit ein paar Monaten im Norden Wiens zu. Im September 2021 blockierten Gegner des Lobautunnels Eingänge zur Baustelle für die 460 Millionen Euro teure vierspurige Stadtstraße (die künftig Aspern mit Hirschstetten und der Südosttangente verbinden soll) und errichteten Protestcamps u.a. in der Hausfeldstraße. Im Epizentrum: Eine dreistöckige Holzpyramide.

 

Obwohl die Umweltministerin Leonore Gewessler dem Lobau-Tunnel aufgrund der Klimakrise eine Absage erteilte, bleibt die Stadt Wien beim Bau der Stadtstraße (die – was von den Demonstranten und anerkannten Verkehrsexperten bezweifelt wird - der Verkehrsentlastung der Seestadt dienen soll). Am 1. Februar 2022 erfolgte die polizeiliche Räumung, 48 Aktivisten wurden verhaftet, die Holzpyramide wurde durch Bagger zertrümmert. Parallel dazu wurden rund 380 Bäume gefällt. Die traurigen Bilder davon erschienen nahezu live auf allen sozialen Medien.

 

Der Künstler und Filmemacher Oliver Ressler, der bereits an über 400 Gruppenausstellungen (u.a. in Madrid, Paris oder Venedig) teilgenommen hat, hat zu diesem Thema in der MQ Art-Box eine Foto-Installation unter dem Titel „Die Wüste lebt“ konzipiert. Kernfrage: „Was wäre, wenn es gelingen würde, das als „Wüste“ bezeichnete Gelände nach den Vorstellungen der Klimaaktivisten umzugestalten?

 

In direktem Kontrast zu den kahlen, deprimierenden Betonflächen hat Ressler rund um die Holzpyramide eine Wald-Wiesen-Seen-Landschaft erstellt, in der sich jeder Mensch wohlfühlen würde: Mit Bio-Gemüsebau, Aufforstungen, selbstorganisierten sozio-ökologischen Initiativen und einem kreativen Kulturzentrum am Rande des Geländes mit Workshops zu ökologischen und sozialen Themen und Kulturprogrammen.

 

In der Foto-Montage ist die Stadtautobahn durch ihre Absenz präsent. „Denn die Siege der Klimagerechtigkeitsbewegung sind schwer zu sehen. Es sind die Autobahnen, die nie gebaut wurden; die Erdölförderanlagen, Kohlekraftwerke, Pipelines und Flughäfen, die diesem Planeten erspart bleiben. Es sind die Wälder, die nicht abgeholzt wurden, die Flüsse und Seen, die nicht vergiftet wurden“, so Oliver Ressler in einem eindrucksvollen Text auf der Fläche des Kunstprojekts.

 

 

Der politische Irrweg geht leider weiter. Am 5. April wurde – im Auftrag des staatlichen Autobahnunternehmens Asfinag – ein weiteres Protestcamp in der Hirschstettnerstraße geräumt. Dort, wo künftig die 3,2 km lange Stadtstraße in die Südosttangente münden soll. „Ein Relikt aus verkehrspolitischer Steinzeit“, so Global 2000 zu den Plänen der Stadt Wien.

Jedermann Remixed: Hochmair & Razelli clubben im Wiener Stadtsaal!

„Was ist das für ein Glockenläuten, mich dünkt, es kann nichts Gut‘s bedeuten!“. Seit dem Jahr 1920 tönen diese knittelformähnlichen Verse am Salzburger Domplatz, wenn der reiche Jedermann wieder einmal seinen letzten Weg antritt. Im März 2022 erobern sie den Club, und zwar den Wiener Stadtsaal, wenn der charismatische Hauptdarsteller Philipp Hochmair mit lauter Stimme nach dem Autor schreit: „Hugo von Hofmansthal, wo bist du?“

 

„Jedermann Remixed“ nennt sich dieses modern-düstere Avantgarde-Stück, das Hochmair gemeinsam mit dem Wiener Mash-Up-Künstler Kurt Razelli entwickelt hat. Eine fast logische Fortsetzung von Hochmairs Abhandlungen mit dem historischen Stoff: „Jedermann Reloaded“ gemeinsam mit der „Elektro Hand Gottes“ in einer Rock-Version, zu sehen u.a. im Burgtheater und im Stephansdom, in der Hochmair ebenfalls alle Rollen spielte, dann der fast kultige Ersatz des wegen Krankheit ausgefallenen Hauptdarstellers Tobias Moretti bei den (bürgerlichen) Salzburger Festspielen 2018. Und jetzt eine auf die wesentlichen Passagen komprimierte Club-Version mit tanzbaren Beats, Loops, Effekten und Soundgeräuschen, live remixed by Razelli, der auf der Bühne stets seine Arnold Schwarzenegger-Maske trägt.

 

Tatsächlich ist eigentlich auch Hofmannsthals „Jedermann“ ein Remix. Die Ursprünge des Spiels vom Sterben des reichen Mannes stammen aus dem Mittelalter und zwar von den englischen Mysterienspielen („Everyman – A Morality Play“) im London des 16. Jahrhunderts, bei denen wie in der späteren Bearbeitung die Figuren Gott, Teufel, Tod, Mammon, Glaube und Werke als Personifikationen auftreten. Hochmair spielt alle diese Rollen mit Intensität und Leidenschaft, den Jedermann selbst als rauchenden, trinkenden Rocker mit Lederjacke und Totenkopf-T-Shirt. Requisiten wie ein Trichterlautsprecher verschaffen den alten Versen noch eine züsätzliche Massivität. Die über 100 Jahre alten Zitate Hofmannsthals haben heute noch mehr Wahrheitsgehalt als damals: „Des Satans Fangnetz in der Welt hat keinen anderen Nam als Geld“, auf dem Video-Screen des Stadtsaals werden dazu parallel die Luxusschiffe und Sportwägen der Superreichen abgebildet.

 

„Ich verlass dich hier. Spiel wird mit nit mehr gefallen“. Nicht nur die Buhlschaft, sondern auch alle anderen Gesellen, Verwandten und Freunde lassen von Jedermann ab und verweigern die Begleitung ins Totenreich. So auch der Mammon ebenfalls in Gestalt von Hochmair mit horriblen Worten „Fährst in die Gruben nackt und bloß. So wie du kamst aus Mutters Schoß“.

 

 

„Eine letzte Stunde Aufschub bekommt Jedermann vom Tod, ein schwingendes Pendel symbolisiert im Hintergrund die unentrinnbare Frist. Die guten Werke und der Glaube retten den Jedermann in letzter Sekunde. Hochmair stirbt mit Totenkopf in der Hand einen triumphalen Tod im Stadtsaal, die Engel singen. Nicht nur in Form der Standing Ovations der begeisterten Zuschauer…

„It´s good to be back!“: Lässiger Indie-Pop von Metronomy im Gasometer!

„It´s good to be back“ – So heißt die neue Single der britischen Band Metronomy. Und passender kann dieser Titel nicht gewählt sein. Nach zwei Jahren öffnet das Wiener Gasometer wieder seine Pforten für heiße Pop- und Rockkonzerte. Und die südenglische Band Metronomy zählt – mit ihrem aus dem März 2020 (!) verschobenen Gig - zu den ersten, die dort wieder für ausgelassene Party-Stimmung und Clapping Hands sorgen. Die österreichischen Musik-Fans haben viel zu lange auf Live-Atmosphäre und Lebensfreude verzichten müssen.

 

Nach einer extravaganten Support-Show des britischen Queer-Künstlers Lynks starten Metronomy mit der lässigen „Love Factory“ aus ihrem brandneuen Album „Small World“. Die Band besteht aktuell aus fünf Mitgliedern. Als Sänger und Songschreiber fungiert Joseph Mount, der die Band bereits 1999 gegründet und unter diesem Namen auch zahlreiche Remixes (u.a. für Gorillaz, Ladytron oder Goldfrapp) veröffentlicht hat. Bassist Gbenga Adelekan ist in bester Spiellaune und peitscht das Publikum zum Tanzen und Klatschen auf. Dazu Keyboarder Oscar Cash, Gitarrist Michael Lovett und die lässige Drummerin Anna Prior, die vor einer bunten Visual-Wand den Metronomy-Sound noch tanzbarer macht.

 

Auf der Tour-Setlist stehen neben Tracks aus dem neuen 7. Album (wie „Right on Time“ und „Things will be fine“, ein weiterer positiver Slogan) Songs aus den letzten 15 Jahren ihrer Karriere: „The Bay“ und „Everything goes my Way“ (aus dem bisher erfolgreichsten Album „The English Riviera“ aus dem Jahr 2011), „Love Letters“ (aus dem gleichnamigen 2014er-Album) oder das an frühe Duran Duran-New-Wave-Hymnen angelehnte „Holiday“ (aus dem zweiten Album „Nights Out“). Nicht fehlen darf natürlich das aus einem Zalando-Werbespot bekannte „Salted Caramel Ice Cream“ aus dem Jahr 2019. Als das Intro zum Superhit „The Look“erklingt, sind die Indie-Pop-Fans im Wiener Gasometer nicht mehr zu halten.

 

 

Letzte Zugabe ein treibender, roher Underground-Track aus den Frühzeiten der Band: „You could easily have me“. Dann gehen die Lichter an. Die Party ist zu Ende, und gleichzeitig hat sie wieder begonnen. 

„We stand with Ukraine“: Benefiz-Konzert für den Frieden im Happel-Stadion!

„Es ist kein Konzert gegen etwas, sondern für den Frieden und die Freiheit und für die Menschen, die unter dem Krieg in der Ukraine leiden.“ Die Jungs von Wanda einige Tage vor dem Benefiz-Konzert „We stand with Ukraine“ im Wiener Ernst Happel-Stadion. Die Initialzündung kam vom Top-Veranstalter Ewald Tatar (Barracuda Music), während er gerade die Nova Rock Hallen in Nickelsdorf als Flüchtlingsquartier vorbereiten ließ. Innerhalb von 14 Tagen wurde ein hochkarätiges Programm mit den größten Stars der österreichischen Musikszene zusammengestellt, der (eigentlich geringe) Ticketpreis betrug 19,91, angelehnt an das Unabhängigkeitsjahr der Ukraine, 1991. Die rund 40.000 Tickets waren binnen weniger Tage restlos ausverkauft, den unmittelbaren Erlös von rund 800.000 Euro überreichte Tatar dem Volkshilfe-Chef Erich Fenninger live auf der Bühne.

 

Bei sonnigem Wetter versammelten sich bereits am frühen Nachmittag zahlreiche Musikfans, die nicht nur Geld für den guten Zweck sammelten, sondern auch sich selbst wieder ein Stück Lebensfreude zurückgaben. Endlich wieder ein Konzert ohne Einschränkungen und ohne Masken (die bei Freilaufveranstaltungen nur empfohlen werden). Und das bei einem sensationellen, bunt gemischten Line Up zwischen internationalem Pop, Hip Hop, Rock und Austro-Hadern.

 

„Darf i singen, dürfen wir feiern? Solange die Welt nicht dieselbe ist? Aber wenn wir schweigen, haben wir unsere Freiheit dann nicht freiwillig verloren an einen alten kleinen Mann?“ so die Sängerin Ina Regen in einer neuen Strophe ihres Lieds „Rot“. Ein Auftritt in einem ausverkauften Stadion sei für sie immer eine Utopie gewesen, zustandegekommen sei dieser Traum durch einen Krieg. Marco Pogo, politisches Aushängeschild der „Bierpartei“ und Sänger der Punk-Formation Turbobier, brachte die nötige Stimmung ins Stadion, um den Bierkonsum (und damit auch die Spendenerlöse) zu erhöhen. Im sexy Outfit präsentierte sich Pop-Sängerin Mathea („2x“), die nach einem Wechsel ins Management-Team von Raf Camora gerade einen Imagewechsel praktiziert. Der neueste Hit „Funke, Flächenbrand“ durfte nicht fehlen.

 

„Ein Leben ohne Grenzen, eine Freedom zu verschenken, eine Freiheit, nicht zu denken“, das wünschten sich Bilderbuch – bei gleichzeitiger Ausstellung eines „EU-Passes“ im Jahre 2019. „Europa 22“ stand – neben ihren Hits „Maschin“ und „Bungalow“ – auch auf der Setlist ihres großartigen Benefiz-Auftritts. Zumindest grenzüberschreitend wird in Europa jetzt geholfen. Das betonte auch Bundespräsident Van der Bellen, der zwischen den Auftritten der Austro-Barden Seiler & Speer und Pizzera & Jaus die Bühne betrat und mit eindringlichen Worten die sofortige Beendigung der Kämpfe forderte: „Präsident Putin: Stoppen Sie diesen Krieg!"

 

Für kräftige Buh-Rufe im ausverkauften Stadion sorgte Marco Michael Wanda, indem er die Besucher zum Ausbuhen des Kriegs animierte. Dann durfte wieder getanzt, gefeiert und gelacht werden, zu den fröhlich-melancholischen Pop-Rock-Hits „Bologna“, „Auseinandergehen ist schwer“, „Columbo“ und dem neuen Gassenhauer „Rocking in Vienna“. Bevor in einem Grande Finale die All Stars dieses Konzertabends unter der Chorleitung von Ina Regen den John Lennon-Klassiker „Imagine“ ins Mikro schmetterten.

 

 

„Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts“: Das berühmte Zitat des ehemaligen sozialdemokratischen Kanzlers Willy Brandt aus dem Jahr 1981 hat auch in Zeiten von Globalisierung, Internet und sozialen Medien nichts an Bedeutung verloren…

Artists for Ukraine: Videos und Bild-Projektionen auf den Fassaden des MQ Wien

Das Museumsquartier Wien setzt politische Akzente und präsentiert unter dem Titel „Artists for Ukraine“ eine künstlerische Solidaritätsaktion für die Ukraine. Verschiedene Künstler aus der Ukraine (Koordination Nikita Kadan), Belarus (Koordination Marina Naprushkina) und Russland zeigen auf der Hauptfassade des MQ Wien und der Fassade des Leopold Museums politische und gesellschaftliche Statements. Mit Hito Steyerl und Clemens von Wedemeyer sind auch zwei renommierte deutsche Videokünstler mit Anti-Kriegs-Botschaften vertreten. Die Beiträge sind bis zu 2 Minuten lang und werden per Loop zwischen 18 und 23 Uhr auf die Mauern des Museumsquartiers projiziert.

 

Unter der stetig steigenden Anzahl von teilnehmenden Künstlern befinden sich auch Kreative, die bereits in den Hallen des Museumsquartiers mit Ausstellungen und Installationen für Furore gesorgt haben. Der in Kiew geborene Nikita Kadan präsentierte beispielsweise im Jahre 2019 seine „Project of Ruins“, jetzt zeigt er im Rahmen seiner Collage „Protection of Plants“ Fotos von zerschossenen Gebäuden, über die Illustrationen von Pflanzen und Gemüsesorten eingefügt werden. Die noch zu Zeiten der Sowjetunion geflüchtete Widerstandskämpferin Anna Jermolaewa publizierte ihre politischen Videos und Installationen bereits im Mumok und in der Kunsthalle Krems, im Rahmen der Aktion „Artists for Ukraine“ zeigt sie einen emotionalen Zusammenschnitt auf die Flüchtlingssituation in der polnischen Grenzstadt Przemysl.

 

„Stop the Violence“ ist die eindeutige Botschaft der weißrussischen Künstlerin Antanina Slabodchykava. Das Wort „Gewalt“ wird dabei in verschiedene Sprachen übersetzt und rigoros durchgestrichen. Weite Verbreitung im Internet fand das Video der weissrussischen Aktivistin Ulyana Nevzorova, die in einer U-Bahn das Plakat mit der Aufschrift „This Poster can be the Reason for my Detention“ trägt. Derartige, nicht genehmigte Einzelkundgebungen werden in Belarus mit einer Geldstrafe von bis zu 50 Tagessätzen oder einer Freiheitsstrafe von bis zu 15 Tagen bestraft. Psychologisch spannend ist Oleksiy Radinskys 2013 in den Straßen von Moskau gedrehtes Video, das Doppelgänger von Stalin, Lenin und einem am Rand stehenden Putin visualisiert.

 

Die Videos werden ständig erweitert und sind täglich zwischen 18 und 23 Uhr im MQ-Hof zu sehen…

 

 

https://www.mqw.at/artists-for-ukraine

Der Rathausmann trägt eine rote FFP2-Maske – Keine "Freedom Days" in Wien!

„Due to this weekend’s announcement of continued Covid restrictions in Vienna, the Amy Mac Donald show at Gasometer on 11th March cannot happen as planned“. Eine weitere Konzert-Verschiebung in der endlosen Menge an Verlegungen, Verschiebungen und Absagen in der Bundeshauptstadt Wien, die alle etwas gemeinsam haben: Die Corona-Maßnahmen des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig, der seit nunmehr 2 Jahren die Gastro-, Tourismus-, Freizeit- und Eventwirtschaft mit einem sogenannten „Sonderweg“ quält.

 

Gemäß der bundesweiten Covid-19-Basismaßnahmenverordnung (§ 7) hat bei „Zusammenkünften von mehr als 50 Personen“ der Veranstalter einen Covid-19-Beauftragten zu bestellen und ein Covid-19-Präventionskonzept umzusetzen. Ansonsten gelten seit 5. März 2022 keine Einschränkungen mehr.

 

Anders in Wien: Dort gilt zusätzlich der zweizeilige § 8, der gewaltige Auswirkungen auf die Eventbranche hat: „Teilnehmer von Zusammenkünften haben in geschlossenen Räumen eine FFP2-Maske zu tragen!“ Diese Vorschrift gilt für ALLE Veranstaltungen und für ALLE Freizeit- und Kultureinrichtungen, also für Theater, Kinos, Kabaretts, Konzertsäle, Museen, Ausstellungen, Bibliotheken und Büchereien. Allerdings nur in Wien, nicht im gesamten Restösterreich. Hier werden nicht nur die 2 Millionen Wiener mit einer überschießenden Maskenpflicht schikaniert, sondern auch die zahlreichen Unternehmer, Veranstalter und Kulturbetriebe, deren Besucher in spe in die Bundesländer ausweichen und die dortigen Kulturangebote nützen. Eine Wettbewerbsverzerrung in Reinkultur. „Ich würde mir ein Konzert, wo ich die ganze Zeit eine Maske tragen muss, zehnmal überlegen“, so Nova Rock-Veranstalter Ewald Tatar. Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Unterschiedliche Vorschriften gelten auch in der Gastro- und Nachtgastronomie. Während im Rest-Österreich durch den „Freedom Day“ die Vorschriften – ähnlich wie in Schweden, Dänemark oder England – gefallen sind, gilt in Wien die 2 G-Regel. Und auch wenn das erste Wochenende in der Bundeshauptstadt gästemäßig ein großer Erfolg war, wichen viele jugendliche Wiener Nachtschwärmer ins Bar- und Club Life Niederösterreichs aus. Dort, wo tatsächlich wieder „wie damals“ gefeiert, getanzt und geflirtet werden kann. Ohne QR-Code, Grüner Pass und Ausweispflicht.

 

Nicht anders in der Tagesgastronomie. Auch hier gilt in Wien die 2 G-Regel. Mit einem „Luxus-Nachweis-Dessert für die Jüngsten. Während im Rest-Österreich die Altersgrenze für den „Nachweis einer epidemiologischen Gefahr“ bei 12 Jahren beginnt (bundesweit noch vorgeschrieben bei Kranken- und Altersheimen), liegt diese in Wien - ohne wissenschaftliche Evidenz – bei 6 Jahren. Wer als 7jähriger keinen gültigen Test in einem Wiener Restaurant oder Heurigen vorweisen kann, muss das Lokal verlassen. Die Gastro-Umsatzrückgänge der letzten beiden Jahre betrugen ja ohnehin „nur“ zwischen 40 und 60 Prozent (im Vergleich zum Jahr 2019).

 

Einen besonderen Appetizer liefert die rote Stadtregierung – von den „liberalen“ Neos hört man nicht einmal ein (politisches) Sterbenswörtchen – für Hotelgäste. Diese benötigen zwar keinen G-Nachweis, essen dürfen sie im Hotel allerdings nur dann, wenn sie einen 2G-Nachweis haben. Das hat schon kafkaeske Züge.

 

Nicht ungeschoren lässt der Wiener SPÖ-Bürgermeister den Handel. Dort gilt im Gegensatz zum Rest-Österreich weiterhin eine FFP2-Maskenpflicht. Während man im Media Markt Vösendorf oder im H&M der SCS ohne „Fetzen“ shoppen kann, muss man in den Wiener Partnerbetrieben die ganze Zeit die Atemschutzmaske tragen. Die Lust am Shopping wird den Wienern im März vergehen. Zumindest in Wien selbst. Laut diverser Statistiken der Handelskammern drohen bei Maskenpflicht Umsatzrückgänge bis zu 50 Prozent, vor allem im stationären Modehandel. Die Internet-Giganten Amazon, Zalando & Co. wird´s freuen. In der eigenen Wohnung (oder im benachbarten Niederösterreich) muss man beim genussvollen Gustieren der Fashion-Wear keine FFP2-Maske tragen. Und schwitzt auch nicht…

 

Diese nur für Wien geltenden härteren Maßnahmen sind normiert in der nicht nur sperrig klingenden „Wiener Covid-19-Basismaßnahmenbegleitverordnung“, die juristisch auf der bundesweit geltenden Covid-19-BasismaßnahmenVO basiert. Formell beschlossen wird diese von einer einzigen Person, dem Landeshauptmann und Wiener Bürgermeister Michael Ludwig. Eine demokratiepolitisch fragwürdige Lösung, greift diese doch – ohne parlamentarische und damit verbundene öffentliche Diskussion – in die wichtigsten Grund- und Persönlichkeitsrechte der Bürger ein. Eine rechtliche Alternative wäre eine Beschlussfassung in einer Sondersitzung des Landtages, bei der alle Parteien zu Wort kommen und in einer öffentlichen Debatte die verschiedensten Interessen ausgelotet werden. In diesem Zusammenhang wäre auch die Reaktion des SPÖ-Regierungspartners Neos spannend, dessen „liberale Trademark“ während der letzten Monate kaum mehr ersichtlich war.

 

Die SPÖ-Corona-Hardliner Ludwig und Hacker sollten sich mehr darauf besinnen, die Impfraten in der Bundeshauptstadt zu erhöhen anstatt die Bürger mit Tests, Maskenpflicht und Sonderregeln zu traktieren und ein immerwährendes gesellschaftliches Klima der Angst und Panik in der Millionenmetropole aufrechtzuerhalten. Wien ist Schlusslicht bei der Einhaltung der Impfpflicht, 16 Prozent verstoßen mit Stand 7. März gegen das Impfpflichtgesetz. Was aber noch wesentlicher und brisanter ist: Wien ist bei den vulnerablen, älteren Personen klarer Letzter im Bundesländervergleich. Nur 80 Prozent der 65-74jährigen, 87,3 der 75-84jährigen und 81,5 Prozent der über 84jährigen haben ein aktives Impf-Zertifikat. Und gerade diese Altersgruppen setzen sich bei fehlender Immunisierung einem erhöhten Gesundheitsrisiko aus.

 

 

Wien wurde 10mal zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt und ist eine von allen Altersgruppen weltweit geschätzte Tourismus- und Kulturmetropole. Die Trademark der „Stadt der Masken“ ist bereits – in positivem Sinne - an eine andere (Lagunen)-Stadt vergeben. Die SPÖ Wien sollte daher ihren wenig subtilen Widerstand gegen den Kurs der türkis-grünen Bundesregierung aufgeben und die Sonder-Maßnahmen so schnell wie möglich beenden. Tips dazu können Ludwig & Hacker ja von den sozialdemokratischen Regierungschefinnen in Schweden und Dänemark einholen. Stockholm und Kopenhagen sind immer eine Reise wert. Ebenso wie ein Wien ohne FFP2-Maskenpflicht, Teststationen und Zutrittskontrollen.

"Van Gogh Alive": Multimedia-Ausstellung in der Wiener MetaStadt...

„The only Time I feel alive is when I´m painting“ – Ein Zitat des berühmten niederländischen Malers Vincent van Gogh (1853-1890), das alle paar Minuten auf einer der Wände der Ausstellung „Van Gogh Alive“ in der Metastadt aufscheint. Diese tourt bereits seit mehr als 10 Jahren durch die Welt und war in bereits in mehr als 70 Städten zu sehen.

 

Es handelt sich dabei um keine konventionelle Retrospektive eines Künstlers, bei der Originalbilder präsentiert werden, sondern um eine immersive Multimedia-Ausstellung, im Rahmen der rund 3000 Bilder, Animationen und Zitate in einem 1200 Quadratmeter großen Saal auf die Wände projiziert werden. Das Programm dauert ca. 45 Minuten, die Besucher können sich – nach einer kurzen Einführungs-Galerie über die Werke und das Leben van Goghs – frei in den Räumlichkeiten bewegen oder sich auf den seitlich platzierten Sandsäcken und Sesseln niederlassen. Für Selfies eignen sich besonders das eigens produziertes physisches Modell des Schlafzimmers von Arles und ein verspiegeltes Sonnenblumenfeld abseits der Projektionen.

 

Geboten wird – per raumumgreifender Projektionsshow – ein chronologischer Überblick über das – kurze – künstlerische Schaffen des niederländischen Expressionisten zwischen 1880 und 1890. In dieser Zeit schuf Van Gogh ca. 800 Gemälde, zahlreiche Briefe vor allem an seinen Bruder Theo van Gogh deklarieren sein damaliges Kunstverständnis. Der am 30. März 1853 in Groot-Zundert geborene Vincent van Gogh begann seine Karriere als Künstler erst mit 27. Seine ersten Werke zeigten das einfache Leben von Bauern und Arbeitern. In Den Haag wurde er vom bekannten Maler Anton Mauve in die Aquarell- und Ölmalerei eingeführt. Neben Zeichnungen von Minenarbeitern und urbanen Häusern fertigte er erstmals Landschaften in Öl an. Zurück im Elternhaus in Nuenen (1884) malte er innerhalb weniger Monate über 180 Gemälde, darunter „Die Kartoffelesser“ und den „Webstuhl mit Weber“.

 

Leben konnte Van Gogh von seiner Kunst nicht. Nachweislich verkauft hat Van Gogh – zu Lebzeiten – ein einziges Werk, und zwar den „Roten Weinberg von Arles“ um 400 Francs an die impressionistische Malerin Anna Boch. Die berühmtesten Werke des niederländischen Ausnahmekünstlers entstanden in den letzten 3 Jahren vor seinem Tod. Van Gogh lebte zu dieser Zeit in Paris (1886-1888) und in der südlichen Provence, im wunderschönen Arles (1888-1889). In dieser kreativen Ära van Goghs entstanden u.a. die Sonnenblumen-Motive, die „Cafeterrasse am Abend“ und die „Sternennacht über der Rhone“, die mit ihren kräftigen Farben und ihrer Intensität auch das persönliche Glücksgefühl des Künstlers ausdrückten.

 

Dies änderte sich im Dezember 1888, als sich van Gogh nach einem Streit mit seinem Maler-Freund Paul Gauguin im Absinth-Rausch selbst ein Ohr abtrennte. Selbstporträts mit verbundenem Kopf durften nicht fehlen. Nach weiteren psychischen Anfällen folgte eine Einweisung in die Nervenheilanstalt in St. Remy, wo van Gogh u.a. die weltberühmte „Sternennacht“ (18. Juni 1889) erstellte, deren visuelle Kombination mit anderen nächtlichen Landschaftsbildern zu den Highlights der Ausstellung zählt.

 

In den letzten zwei Monaten seines Lebens wohnte van Gogh in Auvers-sur-Oise (30 km von Paris entfernt). Er malte dort – bei gleichzeitiger persönlicher Betreuung durch den Arzt Paul Gachet - innerhalb von 70 Tagen 60 Zeichnungen und 75 Bilder. Leider auch sein letztes: „Weizenfeld mit Raben“ (Juli 1890). Am 27. Juli 1890 schoss sich Van Gogh in einem Feld eine Kugel in die Brust, zwei Tage später starb er.

 

 

Wie zeigt dies die Ausstellung? Mit einem Schuss-Geräusch und panisch wegfliegenden Raben. Das Original-Gemälde hängt im Van Gogh-Museum in Amsterdam. 

"Live" or "Evil"?: Lars Eidinger-Fotoausstellung in der Wiener Alba Gallery!

Kulturelles Universalgenie Lars Eidinger: Der 1976 in West-Berlin geborene Schauspieler ist nicht nur auf zahlreichen Theater-Bühnen (wie kürzlich als „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen oder als „Hamlet“, „Richard III“ und „Tartuffe“ auf der Berliner Schaubühne), in populären TV-Serien (wie in „Babylon Berlin“), in progressiven Videoclips (u.a. von Deichkind) und Kino-Streifen („Alle anderen“, „Mackie Messer“, „Werk ohne Autor“, „Nahschuss“) zu sehen, sondern mixt auch als DJ im Rahmen seines „Autistic Disco“-Konzepts auf, betreibt einen Instagram-Account mit mehr als 87.000 Followern und publiziert – als fließenden Übergang dazu – seine spannendsten Fotos in diversen Ausstellungsräumen. So in der Hamburger Kunsthalle, wo Eidinger gemeinsam mit Stefan Marx unter dem Titel „Klasse Gesellschaft“ niederländische Gemälde des 17. Jahrhunderts in Konnex mit der Gegenwart zieht, oder in der neu eröffneten Alba-Gallery in der Wiener Schleifmühlgasse 3.

 

Die Wiener Exhibition trägt von außen kommend den Titel „EVIL“. Drinnen verweilend liest man auf der Glasscheibe „LIVE“. Ein kongeniales Palindrom, das den kreativen Pfad der Exhibition darstellt. Eidinger will mit seinen durch genaue Beobachtung entstandenen Fotos „die Gesellschaft spiegeln“. Und konterkariert damit auch das Vorurteil, dass Menschen, die dauernd aufs Smartphone starren, die Welt in ihrer Pracht, aber auch ihrer Diversität und Skurrilität nicht mehr erkennen.

 

Da drängt sich eine Touristin neben einem unter einem Zelt lebenden Obdachlosen, damit sie die Kathedrale von Notre Dame fotografieren kann. Zwei Personen betrachten teure Gegenstände einer Luxus-Boutique, während direkt vor ihren Füßen ein armer Mensch sich auf der Straße ausschläft. Eine komplett schwarz vermummte Person, sitzt, vermutlich mittellos, auf einem umgekippten Supermarkt-Wagen, während Eidinger gleichzeitig den Bankomaten im Hintergrund anvisiert. Ein Baum bahnt  sich seinen Weg durch einen Pflasterstein-Boden. Im Louvre steht eine riesige Menschenmenge vor der weltberühmten „Mona Lisa“ und wird – frontal fotografiert – dadurch fast Bestandteil des gegenüberliegenden Veronese-Monumentalgemäldes der „Hochzeit von Kana“. Bei der Jesus einst Wasser in Wein verwandelt hat.

 

Direkt beim Schaufenster platziert ist ein Disco-Würfel mit einer bunten Light-Show. Zumindest hier darf ohne Regeln und ohne Scheu gefeiert werden. Eine Wand-Uhr in Form einer gekreuzigten Jesus-Figur (bei der das Kreuz als Stunden- und Christus als Minutenzeiger agiert) durchläuft zweimal pro Tag den in der Satanisten- und Okkultismusszene verwendeten Status des „umgekehrten Kreuzes“.

 

Bei zahlreichen, auch skurrillen Moment-Aufnahmen macht sich Eidinger scheinbar unsichtbar. „Der Trick ist, dass man mit seiner Umgebung schwingt“, so der Künstler in einem Interview. Der gleichzeitig betont, dass er bereits vor seiner Schauspielerei fotografiert habe. Quod erat demonstrandum: Eines seiner ersten Fotos, ein verschwommener Hamster in einer Klopapierrolle aus dem Jahre 1982.

 

ALBA Gallery

 

(4., Schleifmühlgasse 3)

 

Lars Eidinger, bis 26. März

 

Di. – Fr.: 11 – 18 Uhr

 

 

Sa.: 12 – 16 Uhr

„Zeitgenosse aus Leidenschaft“: Thomas Maurer im Wiener Stadtsaal!

„An der Zeitgenossenschaft fährt kein Weg vorbei. Und Sachen, an denen man eh nicht vorbeikommt, sollte man mit Leidenschaft erledigen. Dann ist es weniger fad.“  Gesagt, getan. Nach mehr als 20 Programmen und zahlreichen Auszeichnungen (wie dem österreichischen Kabarettistenpreis und dem Deutschen Kleinkunstpreis 2016 für „Der Tolerator“) im Laufe seiner über 30jährigen Karriere präsentierte der Wiener Kabarettist Thomas Maurer im Wiener Stadtsaal sein neuestes Werk unter dem Titel „Zeitgenosse aus Leidenschaft“.

 

Einziges Requisit auf der Bühne: Ein Sessel, auf dem sich der Kabarettist manchmal niederlässst und – eingebettet in eine Alltagshandlung (dem Kauf eines Poolsaugers) – über das Leben und die Gesellschaft philosophiert. Im Mittelpunkt stehen dabei weniger die Corona-Krise („einfach scheiße, blockiert das normale Leben“) oder die politischen Missstände (die werden ohnehin gemeinsam mit den „Staatskünstlern“ Florian Scheuba und Robert Palfrader scharf debattiert), sondern die Auswüchse des modernen Zeitgeistes, garniert mit spannenden Details und hintergründigem Schmäh.

 

Maurer zieht einen fast brutalen historischen Konnex zwischen dem Kannibalismus der Azteken und den 15.000 Toten im Rahmen der Errichtung der Infrastruktur für die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar und ruft zum Boykott der WM auf. Im Kreuzfeuer der Kritik steht auch der US-Amazon-Multimilliardär Jeff Bezos, der mit einer „Penis-Rakete“ Richtung All startet. Oder die reichsten Familien von Florenz, die sich zwischen 1423 und der Gegenwart nicht verändert haben.

 

Zu Beginn des Programms thematisiert Maurer die im urbanen Milieu grassierende „Alles Woke“-Bewegung. Und überlegt sich gleichzeitig, diesen Part am Land wegzulassen. „Die glauben sonst, ich war vorher asiatisch essen“. Die gesamte Show wird fleißig gegendert, „außer bei Arschloch und Nazi“. Denn: „Gegenderte Sätze sind wie Windkraftparks: Nicht schön anzusehen, aber ganz ohne wird es auf Dauer auch nicht gehen.“

 

Ein besonderes Anliegen sind Maurer auch die negativen landschaftlichen und kulturellen Veränderungen in Österreich. „Am Land sind die Menschen konservativ, so ein Art Naturgesetz. Aber was ist am Land konserviert worden? Das Ortsbild oder die dörfliche Kultur?“ Die Landbewohner behaupten zwar, es sei ihnen in der Stadt zu anonym. Tatsächlich aber seien die Dörfer ausgestorben, „kein Greissler, kein Wirtshaus, keine Post“.  Unterwegs seien keine lebenden Menschen, sondern nur die SUV´s, die er als „Werkfahrzeuge vom Todesstern“ metaphorisiert.

 

Bei seiner Autofahrt im Speckgürtel darf natürlich auch die Bodenversiegelung nicht fehlen. Mit Wehmut denkt er an den Süden Wiens von früher, durch den sich Beethoven einst zur „Pastorale“ inspirieren ließ. „So sieht das Anthropozän aus, wenn der Baumeister der Schwager vom Bürgermeister ist“, so seine zynische Bemerkung über ein Shopping Resort außerhalb Wiens, bei dem einstöckige Betonhallen mit Riesenparkplätzen nebeneinander platziert worden sind.

 

Dazu historische Reminiszenzen an Andreas Hofers Kampf gegen die Bayern, unterhaltsame Suchtanalysen („Als freier Künstler brauch ich ka Abhängigkeitsverhältnis“), Gedanken an die eigene Jugend als Ministrant, „böse“ Seitenhiebe auf die „Salonbobos“ und ein humorvoller Blick auf japanische Reisegruppen, die Kunstwerke im Smartphone-Display statt in Echtzeit betrachten. Wie die verspätete Klospülung im Flugzeug.

 

 

Maurers neues Programm: Eine politisch korrekte Magical Mystery Tour durch das 21. Jahrhundert mit vielen intelligenten Denkansätzen, lässigen Aphorismen und subtilen Zeitgeist-Kommentaren. Oder wie es Maurer selbst formuliert: „Sarkasmus ist die Würze der Debatte“… 

„Einsame Menschen“: Neuinszenierung des Hauptmann-Dramas im Wiener Volkstheater!

„All the lonely people. Where do they all come from. All the lonely people. Where do they all belong?“ tönt es fragmentarisch von der Bühne des Wiener Volkstheaters. „Eleanor Rigby“, der Kult-Hit der Beatles, darf in der von Jan Friedrich und Volkstheater-Chef Kay Voges inszenierten modernen Version der „Einsamen Menschen“ nicht fehlen.

 

Der Naturalist und spätere Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann hat dieses Werk 1890 – mit 27 Jahren – geschrieben. „Einsame Menschen“ ist nach „Vor Sonnenaufgang“ und „Das Friedensfest“ sein 3. Drama und wurde damals nicht nur in Berlin, sondern auch am Wiener Burgtheater aufgeführt. Die Thematiken – Freiheit, Traditionen, Familienglück, Beziehungsformen – sind trotz anderer gesellschaftlicher Strukturen auch heute noch, mehr als 130 Jahre später, brandaktuell.

 

Im Mittelpunkt steht das junge Ehepaar Johannes und Käthe Vockerat, die – gemeinsam der Mutter von Johannes und dem Künstler und langjährigen Freund Braun – separiert auf einem Landgut außerhalb der Stadt wohnen. Der Akademiker Johannes vertieft sich in philosophische Ergüsse anstatt aufs Geldverdienen, seine Ehefrau Käthe kümmert sich um das gemeinsame Baby. Intellektuell haben sich die beiden nichts zu sagen, was Johannes seiner Ehefrau auch verbal spüren lässt. Käthe, gespielt von Anna Rieser (die wie auch die anderen Darsteller zum neuen ständigen Ensemble des Volkstheaters zählt), wird zu Beginn des Stücks (und auch am Ende) ganz in Dunkel positioniert, umhüllt von Bühnennebel mit Baby in beiden Armen.

 

Ganz im Gegensatz dazu die Studentin Anna Mahr (gespielt von Gitte Reppin), die ihren Jugendfreund Braun auf dem Landgut besucht. In grellgelbem Kleid, sonnenbebrillt und mit geballter Lebenslust bringt sie das bis dahin trostlose Leben der vier Landgutbewohner durcheinander. Johannes verliebt sich in die weltgewandte, junge Frau und wird zum „Sinnerman“. Nina Simones lasziver Track versetzt neben zahllosen Lichteffekten die Handlung auch soundtechnisch in die Gegenwart. Die Stimme der Verantwortung und des Traditionalismus wird verkörpert durch die strengen Worte des Vaters (Stefan Suske), der am Ende des Stückes auftritt. Der egoistisch-verzogene Sohn lässt sich von dessen konservativen Wertvorstellungen nicht mehr beeindrucken, seine vermeintlich neue Liebe allerdings steht immer wieder kurz vor der Abreise, während die biedere Ehefrau versucht, ihre inneren Zwänge abzulegen und sich ebenfalls in eine Femme Fatale zu verwandeln. Ob es gelingt, bleibt abzuwarten.

 

 

Der Vorhang schließt sich auf jeden Fall mit einem Hit des Schockrockers Marilyn Manson: „We are sick, fucked and complicated“. Das hätte auch Hauptmann gefallen…

Last Club Night before Lockdown: Purple Disco Machine im O-Club Vienna!

Es war die letzte Friday Club Night in der Millionen-Metropole Wien, 3 Tage vor dem 4. Lockdown am 22. November 2021. Hunderte junge Party People warteten in einer langen Reihe neben der Staatsoper auf Einlass und auf verpflichtende Impfpass- und PCR-Test-Sicherheitskontrollen. Erst zwei Tage zuvor verhängte der SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig per Verordnung eine 2 G-Plus-Regelung für die Wiener Clubbing-Szene. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Drinks auf offener Straße, fröhliches Gelächter, Wiener, Deutsche, Italienerinnen, Spanierinnen, eine lässige, multikulturelle Crowd, die noch einmal die Nacht zum Tag machen will. Zu einer Zeit, als die Büchse der Pandora bereits geöffnet wurde.

 

Epizentrum des Tanz auf dem Vulkans ist der O-Klub in der Albertina-Passage. Ein neuer Club im Herzen der Stadt Wien, der von den ehemaligen Horst-Betreibern im Dezember 2019 eröffnet wurde und – ähnlich dem Vorgängerclub in der Rotgasse - jeden Freitag mit hochkarätigen House- und Techno-Acts für Riesenandrang sorgt. Main Act am 19. November ist der aus Dresden stammende DJ und Produzent Tino Piontek aka Purple Disco Machine. Das Pseudonym resultiert aus einer spontanen Verquickung des Prince-Hits „Purple Rain“ und Gloria Estefans Miami Sound Machine mit dem Genre Disco.

 

PDM, zweitpopulärster Beatport Artists of All Time mit neun Millionen monatlichen Spotify-Hörern, hat parallel neben zahlreichen Remixes (u.a. für Dua Lipa, Calvin Harris oder Elton John) gerade sein zweites Album „Exotica“ veröffentlicht, darin enthalten die Superhits „Hypnotized“ (mit der britischen Indie-Band „Sophie and the Giants“), „Fireworks“ und „Dopamine“, allesamt Teil eines mehr als zweistündigen, schweißtreibenden High Energy-Mixes im prallgefüllten O-Club. Dazu PDM-Remixes des Human League-Klassikers „Don´t you want me“ oder Sophie Ellis Bextors „If this ain´t love“, „Groove is in the Heart“, „Blue Monday“ oder der dirty angehauchte 80´s-Gay-Klassiker „Male Stripper“. Disco-, Funk- und House-Tracks, mit denen PDM nicht nur die O-Crowd, sondern die Dancefloors weltweit zum Kochen bringt. From New York, Rio to Ibiza…

 

Enttäuscht ist der bereits seinen Jugendjahren als DJ tätige Piontek vom Umgang der Politik mit der Entertainment-Branche: „Kultur und gerade die Kleinkunst wird völlig ignoriert. Meine größte Angst ist, dass es gerade die kleinen Clubs und Bars nach der Pandemie nicht mehr geben wird.“

 

 

„Lockdown is temporary, Moments together are forever. We can´t wait to soon dance with you all again. Until then stay healthy!“ postete der O-Club Ende November auf Facebook. Das Wort „temporär“ trägt in Österreich leider eine Endlosschleife. Während in anderen europäischen Staaten (wie England, Serbien oder Spanien) nicht nur zu Silvester exzessiv gefeiert wurde, sind in Österreich Clubs und Nachtgastronomie seit 22. November geschlossen. Von einer Reopening-Strategie seitens der Politik ist nichts bekannt. Wien ist auf dem gefährlichen Weg, wieder eine „tote Stadt“ zu werden. 

„Schall ist flüssig“: Kult-Fotograf Wolfgang Tillmans im Wiener Mumok!

Er gilt als Chronist der britischen Rave Culture und der Berliner Love Parade, als EU-, Anti-Brexit und LGBT-Aktivist, bekam als erster Fotograf und nicht britischer Künstler den Turner Prize (2000) und war mit seinen Motiven, Installationen und Abstraktionen bereits in den renommiertesten Museen der Welt (wie dem Tate Modern London, dem Metropolitan Museum in New York oder dem Moderna Museet in Stockholm) vertreten: Wolfgang Tillmans.

 

„Obwohl ich weiß, dass die Kamera lügt, halte ich doch fest an der Idee von einer fotografischen Wahrheit“, so der Star-Fotograf in einem „Zeit“-Interview. In Österreich konnte man Tillmans Foto-Art vereinzelt in diversen Sammel-Ausstellungen betrachten. Das Mumok im Wiener Museumsquartier widmete dem in Berlin und London lebenden deutschen Künstler im 2. Stock und im Untergeschoß erstmals eine große Solo-Exhibition mit über 250 (!) Werken, kreativ und prägnant zusammengestellt wie eine musikalische Komposition.

 

Großformatige Werke astronomischer Erscheinungen hängen direkt neben kleinen Porträtfotos (unter denen sich auch Pop-Superstars wie Lady Gaga und Nenah Cherry oder persönliche Freunde wie die späteren Szene-Ikonen Lutz und Alex mischen), Foto-Serien (wie der „After Party“ aus der Club Culture der 90er), polit-aktivistische Shots (von Lampedusa, Black Lives Matter-Demos bis hin zu diversen Gay Prides) und fotografischen Meisterleistungen.

 

„Schall ist flüssig“, das den Titel der Ausstellung prägende Foto aus dem Jahre 2021, ist eine davon. Es zeigt einen Tropensturm als Stilleben, die Wassertropfen erscheinen aufgrund der kurzen Belichtungszeit tatsächlich als Punkte und nicht als Striche. Oder „Lüneburg“ (self), das als Tillmans´ kommunikative Analyse der Corona-Pandemie zu interpretieren ist. Man sieht ein I-Phone, das an eine Wasserflasche angelehnt ist. Auf dem Handy-Screen erkennt man rechts oben Tillmans, der von einem Krankenhausbett aus diesen fotografiert, der Empfänger ist nicht erkennbar, nur eine rosa Decke erscheint im Hintergrund. In Zeiten von Ausgangssperren, Lockdowns und sozialer Isolation der einzige Weg, um mit Freunden in Kontakt zu treten.

 

Zu den avantgardistischen Highlights moderner Fotografie zählen die im Berliner Berghain ausgestellten „Freischwimmer“-Motive, die Tillmans mittels künstlicher Lichtquellen auf lichtempfindlichem Fotopapier erzeugt hat, die „paper drops“ (Fotopapier-Bögen in der Gestalt von Tropfen) und die ebenso kameralos produzierte „Silver“-Serie, deren finale Ausgestaltung von der Mechanik der Entwicklermaschine abhängt.

 

In einem verdunkelten Raum präsentiert Tillmans seine erstmals auf der Architekturbiennale Venedig 2014 publizierte Installation „Book for Architects“, die auf 2 Kanälen 450 Fotografien von Häusern, Innenräumen und Außenfassaden zeigt. Tillmans ist einerseits beeindruckt von der modernen Architektur, andererseits kritisiert er die Eitelkeit der Urheber, die sich mit ihren Projekten unwiderruflich in die Lebensrealität der Menschen drängen.

 

Im Untergeschoß des Mumok ist Tillmans nicht nur mit einer undergroundigen Tate Modern-Fotogalerie vertreten, sondern auch mit einer Videoclip-Compilation seines kürzlich erschienenen Debüt-Albums „Moon in Earthlight“, die man lässig chillend im Kinosessel betrachten kann.

 

 

Das Museum of Modern Art New York plant derzeit eine Retrospektive Tillmans. Das Mumok Wien kann stolz darauf sein, diesem Universalgenie bereits vorher attraktive Räume für sein kreatives Schaffen geboten zu haben. Oder wie Tillmans stets in Interviews betont: „Pictures create space“…

The 80´s: Die Kunst der 80er in der Albertina Modern

Die 80er:  Grassierender Neoliberalismus unter Thatcher und Reagan, der Ost-West-Konflikt, Tschernobyl, Yuppies, Waver & Punks, MTV, Digitalisierung, die tödliche Seuche Aids. Themen, die sich auch in der Kunst der 80er widerspiegeln.

 

Stilpluralismus ist insofern das Kennzeichen der Kunstszene der turbulenten 80er. Die Albertina Modern zeigt nach der – „nur“ auf österreichische Künstler bezogenen Ausstellung „The Beginning – 1945 bis 1980 – einen Streifzug durch nationale und internationale Kunstströmungen der Eighties. Die Werke stammen einerseits aus der eigenen Sammlung, andererseits von privaten Leihgebern.

 

Aus Österreich vertreten sind die „Neuen Wilden“ rund um Herbert Brandl, Franz West oder Maria Lassnig, die 1980 die USA verließ und in Wien an der Hochschule für Angewandte Kunst unterrichtete. Brigitte Kowanz präsentiert in einem eigenen Raum ihre damals hypermodernen Artefakte aus Flaschen und Neonröhren.

 

In Amerika entstanden in den 80ern – parallel zur Hip Hop-Bewegung – die Graffiti-Kultur und die Street Art.  Protagonisten von damals, der später an AIDS verstorbene Keith Haring („Subway Drawings“), Jean Michel Basquiat und Kenny Scharf, sind mit ihren kreativen Schöpfungen in der Albertina Modern vertreten. Ebenso die Installationskünstlerin Jenny Holzer, die ihre Messages im öffentlichen Raum verbreitete. Eine Sitzbank beispielsweise zitiert den Spruch „You should limit the number of times you act against your nature. Like sleeping with people you hate“.

 

Viele Künstler lehnten explizit die Moderne ab, sie bezogen sich stattdessen bewusst auf die Werke anderer Künstler und verstanden den Akt des Kopierens und das Resultat selbst als Kunst. Der Sammelbegriff: „Appropriation Art“, zu der u.a. Cindy Sherman mit ihren „History Portraits“, Sherrie Levine oder Robert Longo zählen.

 

Angesagt in den 80ern waren auch grelle, großformatige Malereien im Stile des Neoexpressionismus und der Transavantgarde. Prominente Vertreter: Der Italiener Francesco Clemente (der mit Warhol und Basquiat 15 „Collaborations“ anfertigte), Sandro Chia oder Helmut Middendorf, dessen 1979 entstandenes Bild „Electric Night“ die Nightlife-Subkultur der damaligen Zeit veranschaulicht.

 

Extravagant die Holz-Skulptur „The Bear and the Policeman“ von Jeff Koons, die nur äußerlich niedlich anzusehen ist. Der amerikanische Künstler sieht in dem Plüschtier nur ein Kostüm, hinter dem sich auch eine gefährliche Person mit dunklen Absichten verstecken kann. Ein direkter Konnex zu den fragwürdigen Methoden demokratischer Gesellschaften von heute.

 

 

Grell, divers, bizarr, ambivalent: Die spannende Tour durch die Kunst der 80er ist von 10. Oktober 2021 bis 13. Februar 2022 in der Albertina Modern zu sehen…

"Eine heile Welt!" - Familie Lässig live im Wiener Stadtsaal!

Eine heile Welt, die eine Weile hält“ – Eine knallige Zeile, die in der krisengeschüttelten Gegenwart nicht besser passen könnte. Tatsächlich stammt dieser dichterische Erguss aus einem Schüttelreim Gunkls bei einem Live-Auftritt der Familie Lässig vor einigen Jahren. Jetzt ist er gleichzeitig PR-Album-Teaser, Titel und Refrain des gerade erschienenen zweiten Albums „Eine heile Welt“ und des gleichnamigen Opening Tracks. Jeweils mit Rufzeichen, denn dahinter stehe eine Hoffnung, eine Forderung, so Sänger und Gitarrist Gerald Votava.

 

Die Famile Lässig kann man getrost als Supergroup bezeichnen. Ihre Ursprünge hat sie im Jahr 2014, als sie bei einer Benefizveranstaltung für den Verein „Purple Sheep“ im Wiener Stadtsaal Spenden sammelte. Damals mit kessen Coversongs, die auch heute noch teils zum Repertoire gehören (wie „Blumen im Sand“ von Steffi Werger, „Guten Tag“ von Wir sind Helden“ oder „Alles nur geklaut“ der Prinzen). Chefin der Band ist die Drummerin Catharina Priemer-Humpel, ihre Ehefrau, Clara Lucia, die „Königin“. Dazu 4 Typen – Sänger, Schauspieler und Kabarettist Manuel Rubey, Gerald Votava (aka „Der Mond“), „Jazzpolizei“ Boris Fiala und Satire-Original Gunkl. Besonderes Kennzeichen: Ein Matriarchat in der Familie.

 

Im Wiener Stadtsaal stellte die Familie Lässig jetzt erstmals ihr neues Album „Heile Welt“ vor. Ein Album, das in Kleingruppen produziert wurde und bei alle Familienmitglieder musikalisch zum Zug kommen. Die Themenauswahl weit gestreut: Von boboesken „Besserwissern“ bis hin zu Korruption („Mein Herz ist korrupt“) und Liebessehnsucht („Hund vor deine Dia“), garniert mit poppigem Indie-Rock-Sound. Aus der Kreativfabrik der Sterne bzw. der Berliner Band Britta stammen die Coverversionen „Risikobiographie“ und „Büro Büro“.

 

Bei „Nur nachts sind alle Schaukeln frei“ erinnert sich Rubey live an seine Zeit auf dem Kinderspielplatz mit seinen Töchtern, bei der genialen Mitsinghymne „Irgendwann wird´s wieder Sommer“ freut man sich schon auf die schönste Zeit des Jahres. Ohne Masken und Corona-Schikanen am wunderschönen Meeresstrand.

 

 

Part jeder Show ist das sogenannte „Gunkeln“, bei der der Kabarettist spontane Wortakrobatik auf Anfragen und Inspirationen des Publikums liefert. „Wird alles gut?“ fragte ein Premierengast. Gunkls Antwort: „Das ALLES gut wird, spüt´s ned!“ Ein toller Abend im ausverkauften Stadtsaal war es allerdings trotzdem. Auch ohne - reale - heile Welt!

Neue Juden-Gedenkstätte in Wien: Shoah-Namensmauern im Ostarrichi-Park!

 Bereits im Jahr 2000 hatte der aus Österreich stammende und seit 1948 in Kanada lebende Künstler Kurt Yakov Tutter die Idee, eine Gedenkstätte für die in der Shoah ermordeten jüdischen Österreicher zu errichten. 21 (!) Jahre später ging sein Traum in Erfüllung.

 

Am 9. Oktober 2021, dem Jahrestag der Novemberpogrome 1938, wurden die Shoah Namensmauern im Ostarrichi-Park direkt vor der Nationalbank (9. Bezirk, Alsergrund) eröffnet. In einem Kreis wurden 180 in Italien geschliffene Granitplatten der Sorte Kashmir Gold aufgestellt, die jeweils eine Höhe von zwei Metern und eine Breite von einem Meter aufweisen. Auf diesen wurden die Namen aller 65.000 in der Shoah ermordeten jüdischen Männer, Frauen und Kinder eingraviert. Die Namensliste der Opfer wurde vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands recherchiert.

 

Initiator Tutter selbst flüchtete als Neunjähriger 1939 mit seiner Familie aus Wien nach Belgien. Seine Eltern wurden 1942 aus Brüssel nach Auschwitz deportiert. Jahrelang wurde über Standort und Finanzierung debattiert. Die Kosten von ca. 5,29 Millionen Euro trägt nun großteils der Bund (4,46 Millionen Euro), der Rest stammt von den Bundesländern (600.000 Euro) und einem Fundraising-Dinner der Industriellenvereinigung.

 

Im Jahr 1938 lebten in Österreich 210.000 Juden, von denen 65.000 bei ihrer Flucht scheiterten. 49.000 wurden gewaltsam nach Ost-Europa verschleppt, 14.000 aus Ländern wie Holland, Belgien oder Frankreich deportiert (die nachträglich von den Nazis erobert wurden), 2.000 wurden direkt in Österreich ermordet oder in die KZ´s Dachau und Buchenwald gebracht. Heute leben noch ca. 10.000 Juden in der Bundeshauptstadt Wien.

 

 

Das „Memorial to the Jewish Children, Women and Men of Austria who were murdered in the Shoah“ (so der englische Name) ist nicht die einzige Wiener Gedenkstätte an die im Nationalsozialismus ermordeten Juden. Seit dem Jahr 2000 steht auf dem Judenplatz der Stahlbetonkubus der britischen Künstlerin Rachel Whiteread, konzipiert als nach innen gerichtete Bibliothek („nameless library“), die die Lebensgeschichten der Juden versinnbildlicht.

Buch Wien 2021: Corona, Kurz und andere verschissene Zeiten!

„Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste“, sprach einst Heinrich Heine. Insofern fielen für Bücher-Freaks mit der – nach einem Jahr Pause – wieder stattfindenden Buch Wien einige Feiertage zusammen. Von 10. bis 14. November 2021 präsentierten 323 Aussteller aus 31 Ländern ihre Produkte, insgesamt 513 Autoren stellten in den Messehallen ihre neuesten kreativen Werke vor. Von Sachbüchern, Polit-Analysen, Biographien bis hin zu Romanen, philosophischen Ergüssen und Kinderbüchern. Ein besonderer Schwerpunkt wurde der von der schwedischen Autorin Astrid Lindgren erschaffenen Kult-Figur Pippi Langstrumpf gewidmet, deren erstes Buch vor 75 Jahren publiziert wurde. Als Gastland bei der Buch Wien vertreten war Russland, dessen großer Literat Fjodor Dostojewski dieses Jahr seinen 200. Geburtstag feierte.

 

Liebe in Zeiten des Hasses

 

„Weltgeschichte ist zur Hälfte Liebesgeschichte“ – So promotete der deutsche Autor Florian Illies sein neues Buch „Liebe in Zeiten des Hasses“, das sofort nach Erscheinen auf Platz 1 der Bestsellerlisten schoss. Im Mittelpunkt stehen dabei Liebes-, Sex- und Eifersuchtsgeschichten prominenter Zeitgenossen wie Sartre, Picasso, Brecht, Zweig & Co. während der (noch zügellosen) 30er. Akribisch recherchiert und spannend geschrieben.

 

Corona

 

Die Corona-Pandemie bzw. deren Begleiterscheinungen und das Phänomen Sebastian Kurz waren die Haupt-Themen bei den politischen Sachbüchern. ORF-Wissenschaftsjournalist Günther Mayr präsentierte sein mit Hans Bürger gestaltetes Buch „Entscheidung – Ein Virus diktiert“, Ingrid Brodnig („Einspruch“) gab einen Einblick in die täglich skurriler werdenden Verschwörungstheorien, und Robert Misik skizzierte die „neue Abnormalität“. Ex-Rockstar und Filmregisseur Reinhold Bilgeri verwendete die New Yorker-Lockdown-Atmosphäre als Hintergrund für seinen Roman „Die Liebe im leisen Land“, in dem ein verheiratetes Pärchen (Reporter Thomas Maas und Anwältin Amy Alister) ins emotionale Straucheln gerät.

 

Phänomen Kurz

 

Am 9. Oktober 2021 trat Sebastian Kurz als österreichischer Bundeskanzler zurück. Seine Taktiken und Tricks wurden bei der Buch Wien von Natascha Strobl und Peter Pilz schonungslos analysiert. „Radikaler Konservatismus“, so bezeichnet die Politikwissenschaftlerin Strobl die zuletzt im Zuge von Politikern (wie Trump, Johnson oder eben Kurz) konzipierten, von rechten bis rechtsextremen Parteien kopierten Strategien. Dazu zählen u.a. die Übernahme von Feindbildern (wie „fremdländische Kultur“ oder Feminismus), der Angriff auf Medien, NGO´s oder die Justiz und die tägliche Schlagzeilen-Politik („riding the news cycle“), die nur der eigenen Marke und nicht gesamtstaatlichen Zielen dient. Hinter die Kulissen des System Kurz blickt Peter Pilz mit seinem Buch „Kurz – Ein Regime“. Der türkise Ex-Kanzler sei ein reines Propagandaprodukt, der sich nicht für Politik, sondern nur für seine eigene Macht interessiert, so Pilz vor einer prall gefüllten Audienz in den Wiener Messehallen.

 

Einen anderen Ansatz wählte der 27jährige Wiener Schriftsteller Elias Hirschl, um die oberflächliche Yuppisierung der Politik anzuprangern. „Salonfähig“ heißt sein – unter dem zündenden Slogan „Austrian Psycho“ beworbene – Roman, dessen namenloser Ich-Erzähler Mitglied einer rechtskonservativen Partei („Junge Mitte“) ist. Sein großes Vorbild ist der junge Vorsitzende und künftige österreichische Bundeskanzler Julius Varga, Ähnlichkeiten mit realen Figuren sind natürlich nur rein zufällig.

 

 

Ein anderes politisches Kaliber war einst der sozialdemokratische Bundeskanzler Vranitzky, der auf der ORF-Bühne sein gemeinsam mit der Autorin Margarethe Kopeinig erstelltes Buch „Politik mit Haltung“ präsentierte. Vranitzky verwies dabei auf die Bedeutung des Kompromisses und des sozialen Ausgleiches in der Alltagspolitik und erinnerte an die Abkehr Österreichs von der „Opfertheorie“ in bezug auf die Ereignisse des 2. Weltkriegs durch seine parlamentarische Rede im Juli 1991.

Jugoslawien

 

Barbi Markovic, geboren 1980 in Belgrad, hat in den 90ern den Krieg in Jugoslawien hautnah miterlebt. Ihre Erfahrungen verarbeitet sie in dem flott und modern geschriebenen Roman „Verschissene Zeit“. Im Phil und auf der Standard-Bühne der Buch Wien servierte sie teils deftige Leseproben aus dem Coming of Age-Buch, in dem drei jugendliche Außenseiter per Zeitmaschine nicht durch die Kriegswirren, sondern auch durch ihre Pubertätskrisen driften.

 

Diskutiert wurde in einer Gesprächsrunde unter dem Titel „Mein Vaterland hat keinen Namen mehr“ über das Nachkriegs-Jugoslawien. Die einhellige Meinung: Die Jugend glaubt nicht an die neuen „Splitterstaaten“, man brauche neue Visionen, um die nationalistischen Strömungen zu überwinden.

 

Populismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit sind auch Thema in Nick Thorpes Buch „Die weinende Straße vor mir – Entlang der Balkanroute“. Der in Budapest lebende BBC-Korrespondent beschreibt ein realistisches Stimmungsbild über die Flüchtlingskrise in Südosteuropa. Den Erfolg Orbans erklärt er damit, dass die Ungarn aufgrund geringer Erfahrung mit ausländischen Kulturen für patriotische Botschaften („Haus Ungarn“) anfällig sind.

 

„China ist eine klassische Erziehungsdiktatur“, so Ex-Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust auf der ORF-Bühne. Social Credit-Systeme und eine digitale Dauer-Überwachung kennzeichnen das Ursprungsland der Pandemie, in dem alle Bürger eines Stadtbezirks mitten in der Nacht wegen eines Covid-19-Verdachtsfalls zu Tests verpflichtet werden. Aust hat gemeinsam mit dem Journalisten Adrian Geiges eine spannende Biographie über den Staatspräsidenten Chinas geschrieben: „Xi Jinping – Der mächtigste Mann der Welt“.

 

Ausgezeichnet wurden bei der Buch Wien auch die Gewinner des Österreichischen Buchpreises: Raphaela Edelbauer für ihr Science Fiction-Epos „Dave“ und Anna Albinus für ihren Debütroman „Revolver Christi“.

 

Obwohl durch die Corona-Krise die Menschen mehr Zeit haben, um Bücher zu lesen, stehen die Verlage unter finanziellen Schwierigkeiten. Ein Grund sind auch die gestiegenen Rohstoffpreise. Vor allem kleine Verlage haben Probleme, rechtzeitig Nachdrucke ihrer erfolgreichen Publikationen herzustellen.

 

 

Die nächste Buch Wien wurde jedenfalls bereits fixiert, sie findet zwischen 23. und 27. November 2022 statt…

„Göttin schuf Eva“: Margot Pilz-Licht-Installation im Wiener Stadtpark!

„Selbstauslöserin“ heißt die aktuelle Ausstellung der 1936 in Haarlem (Niederlande) geborenen und seit 1954 in Österreich lebenden Künstlerin Margot Pilz in der Kunsthalle Krems.

 

Pilz ist seit den 70ern als Fotografin tätig, gilt als engagierte Feministin und als progressive Pionierin der Medienkunst, die sich genreübergreifend mit Fotografie, Video, digitaler Skulptur, Performance und Installation beschäftigt. Zu den Highlights der noch bis 3. April dauernden Ausstellung zählt eine moderne, durch die Umweltzerstörung beeinträchtigte Version der Installation „Kaorle am Karlsplatz“ (1982, Wiener Festwochen) und das extra für die Ausstellung konzipierte Werk „Die Göttin schuf Eva“ (2021).

 

Die Neonskulptur zeigt eine feministische Neudeutung der Schöpfung, angelehnt an Michelangelos Fresko in der Sixtinischen Kapelle. Diese kann – trotz der corona-bedingten temporären Schließung der Museen – aktuell besichtigt werden, und zwar im Wiener Stadtpark.

 

 

Im Rahmen der Wiener Lichtblicke ist das Werk von Margot Pilz im Form einer Lichtprojektion auf den Wien Fluss zu sehen. Ein heißer Tip für den nächsten nächtlichen Spaziergang durch das schöne Wien!

Street Girls-Shots und Revolutions-Kult: Susan Meiselas-Ausstellung im Kunst Haus Wien!

3 junge Mädchen im New Yorker Little Italy vor einer Häuserfassade, die Spaß daran haben, Kaugummiblasen zu fabrizieren und wieder platzen zu lassen. Ein Bild unbeschwerter Jugend mitten im Großstadtdickicht. Die junge, ursprünglich aus Baltimore stammende Fotografin Susan Meiselas hat Carol, JoJo und Lisa in den 70ern zufällig kennengelernt und hat diese beim Erwachsenwerden visuell begleitet. Die erste Zigarette, die ersten Küsse, der erste Liebeskummer, das unbeschwerte Tanzen am Strand ohne Eltern bis zur Hochzeit und Familiengründung. „Prince Street Girls“ nennt sich diese wunderbare, lebensjahende und melancholische Foto-Serie, die derzeit im Wiener Kunsthaus im Rahmen der Meiselas-Retrospektive „Mediations“ zu sehen ist.

 

Die Teenager-Erinnerungsfotos der drei Mädchen, mit denen Meiselas jetzt noch in Kontakt ist, zählen neben den Studenten-Porträts der „44 Irving Street“ und den „Carnival Strippers“, bei denen die Fotografin Jahrmarkt-Stripperinen und ihr Umfeld (teils begleitet von Audio-Tönen) abgelichtet hat, zu den Frühwerken der späteren New Yorker Magnum-Fotografin. Ende der 70er reiste Meiselas zufällig nach Nicaragua und wurde dort Zeugin einer Revolution. Die sozialistischen Sandinisten putschten gegen den damaligen Präsidenten Anastasio Somoza Debayle, der danach aus dem Land flüchtete. Eines der Fotos von Meiselas ging in die Geschichte ein. Auf dem Bild ein Mann, der Che-Guevara-ähnlich einen Molotov-Cocktail gegen die Soldaten-Armee des Diktators wirft, der „Molotov Man“.

 

„Wenn Bilder einmal in die Welt gesetzt wurden, dann gehören sie nicht mehr nur dir allein“, so Meiselas. Das war – trotz aller rechtlichen Barrieren – vor den sozialen Medien nicht anders. Die Fotografin zeigt in ihrer dreiteiligen Installation „Mediations“ eine Reihe von Originalbildern, den Hintergrund und wie diese Fotos in den verschiedensten Medien verwertet (und teils auch missinterpretiert) wurden. Der „Molotov Man“ selbst wurde zu einem Symbol der Revolution und ist auf Wänden, Streichholzschachteln, Broschüren und T-Shirts abgebildet. Die politische Situation dagegen hat sich nicht verändert. Der einstige Rebellenführer Daniel Ortega wurde selbst zum einem autoritären Herrscher, gegen den die Menschen seit Jahrzehnten auf die Straße gehen. Ein brillantes Facebook-Posting (das als Postkarte in der Ausstellung gratis erhältlich ist), zeigt unter dem Text „40 Years later“ ein frappant ähnliches Doppel-Bild mit dem Molotov Man aus dem Jahr 1978 und einem Widerstandskämpfer des Jahres 2018.

 

Weitere Schwerpunkte der Ausstellung sind häusliche Gewalt und das Leben in Frauenhäusern („A Room of their Own“) bzw. das langfristige Multi-Media-Projekt „Kurdistan“, das mittels Fotografien, Videos, Websites und schriftlichen Unterlagen Genozid und Diaspora der Kurden seit 1991 dokumentiert.

 

 

„Mediations“ ist von 16. September 2021 bis 13. Februar 2022 im Kunst Haus Wien zu sehen.

Hamburger Indie-Pop am Donaukanal: Die Sterne live in der Grellen Forelle!

„Wohin zur Hölle mit den Depressionen? Ich geh in die Disko, ich will da wohnen“ – Ein Song der Sterne aus dem bpm-angehauchten Album „24/7“ im Jahre 2010. 11 Jahre später wurde er Realität. Im Rahmen ihrer Herbst-Tour 2021 statteten Mastermind Frank Spilker und seine Band dem cool-verruchten Techno-Club „Grelle Forelle“ am Donaukanal einen Besuch ab. Und zwar vor Mitternacht, wo der Club auch als Live-Location genutzt wird. Und ohne Depressionen, denn die Band freute sich, geimpft und in bester Spiellaune, auf die Nachholung der durch die Corona-Pandemie verschobenen Termine im Frühjahr 2020.

 

Von den Sternen der sogenannten „Hamburger Schule“ in den 90ern ist „nur“ mehr Sänger und Texter Frank Spilker vertreten, der Rest setzt sich aus bunt zusammengewürfelten Live- und Studiomusikern zusammen: Keyboarderin Dyan Valdes aus Kalifornien, die gerade eine Solo-Single („Fade away“) veröffentlicht hat, die beiden Gitarristen und Bassisten Philipp Tielsch und Max Knoth und der Schlagzeuger Philipp Janzen (gleichzeitig auch Lektor am Institut für Pop Musik der Folkwang Universität der Künste in Essen), der als Produzent den Stil des neuen 12. Albums maßgeblich geprägt hat.

 

Gleich zehn Songs der neuen, ganz lapidar „Die Sterne“ benannten, Platte standen auf dem Programm des zweistündigen Sets in Wien: Vom Opener „Der Palast ist leer“, der ersten Single „Hey Dealer“, dem fröhlichen Indie Pop-Track „Der Sommer in die Stadt wird fahren“ bis zum mehr als 7 Minuten langen, krautrock-ähnlichen Epos „Das Elend kommt (nicht)“, das die gefährlichen Strategien der Rechtspopulisten mit ihren schicken Frisuren, neuen Liedern, bunten Fähnchen und leicht verständlichen Sprachen thematisiert. Amüsant-lässig der mit scheinbar endlosen Textpassagen gestreute Angriff auf die Leistungsgesellschaft, „Du musst gar nix“. Beispiele gefällig: „Du musst nicht raus gehen, nur weil die Sonne scheint. Du musst auch nicht zu Hause bleiben, nur weil es regnet“, „Du musst dich nicht an dem nächstbesten Idioten orientieren, du kannst dich auch einfach so verlaufen“ oder „Du musst nicht verknallt sein, und du musst nicht hassen.“

 

Für einen tanzenden Hexenkessel mit Schlachtgesängen im Techno-Club sorgten die All-Time-Favourites der Hamburger Band: „Die Interessanten“, „Universal Tellerwäscher“, „Wahr ist, was wahr ist“ (dass das, was war, nicht mehr da ist) und „Was hat dich bloss so ruiniert“, in Wiener Hipster-Kreisen arriviert als Soundtrack-Hymne zum gleichnamigen Bobo-Film von Marie Kreutzer. 

 

Zugaben durften natürlich nicht fehlen. Und während die letzten Töne der „besten Demokratien“ erklangen, saß Mastermind Spilker bereits am Merchandising-Stand und signierte die schmucken Vinyl-Exemplare seines neuen Albums. Ein echter Vollprofi, auf dessen nächsten Live-Auftritt wir bereits jetzt sehnsüchtig warten…

Fridays for Future-Demos: Recht auf Klimaschutz in den Verfassungsrang!

Fridays for Future are back on the Streets. Im Rahmen eines weltweiten Klimastreiks protestierten alleine in Wien mehr als 20.000 Demonstranten für Klimaschutz, eine Reduktion der Treibstoffgase, eine CO2-Steuer und im besonderen gegen den Bau der fast eine halbe Milliarden Euro teuren Stadtstraße Aspern und eines Lobautunnels.

 

Trotz der weltweiten Klimakrise sind die rechtlichen Möglichkeiten Einzelner, sich gegen die Klimazerstörung zur Wehr zu setzen, derzeit eher gering. Das Pariser Übereinkommen, das die einzelnen Staaten zur Einhaltung der internationalen Verträge verpflichtet, sieht keine gerichtliche Kontrollinstanz zur Überwachung der Klimaschutzziele vor. In einzelnen Ländern waren Klimaschutzklagen allerdings bereits erfolgreich. Die Umweltorganisation Urgenda beispielsweise klagte 2013 die niederländische Regierung auf eine Anhebung der nationalen Emissionsreduktionsziele (von 17 auf 25 %) und bekam in allen Instanzen Recht.

 

In Österreich klagt aktuell der an Multipler Sklerose erkrankte Mex die Republik auf eine Sicherstellung des Rechts auf Klimaschutz. Der 25jährige, der seinen Fall auch bei der Kundgebung der FFF-Demo am Praterstern schilderte, ist ab einer Temperatur von 25 Grad auf einen Rollstuhl angewiesen. Die per Crowdfunding eingebrachte Klage wird derzeit beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte behandelt.

 

Obwohl die Klimakrise sowohl das Recht auf Leben als auch das Recht auf Gesundheit unmittelbar tangiert, ist nach der derzeitigen Rechtslage eine grundrechtliche Geltendmachung beim Verfassungsgerichtshof nicht möglich. Ein Gutachten des Umweltrechtsexperten Daniel Ennöckl, das kürzlich im Parlament präsentiert wurde, legt allerdings Optionen nahe, die seitens der österreichischen Politik in Angriff genommen werden sollten. Eine individuelle Betroffenheit der Bürger sei insofern auch dadurch gegeben, als laut dem Studienautor bei einem Anstieg der Durchschnittstemperaturen zwischen 1,6 und 4,7 Grad bis ins Jahr 2100 „in Wien ähnliche klimatische Bedingungen herrschen könnten wie heute im senegalesischen Dakar“.

 

Ein Grundrecht auf Klimaschutz ist in drei Varianten denkbar. Der Staat könnte einerseits zu einer konkreten Reduktion der nationalen Treibhausgasemissionen, andererseits zur Klimaneutralität verpflichtet werden. Allgemeiner formuliert könnten auch angemessene Klimaschutzmaßnahmen normiert werden, die bei Nichteinhaltung durch die Bürger geltend gemacht werden können. Verankert werden könnte das Grundrecht auf Klimaschutz im BVG Nachhaltigkeit oder im Klimaschutzgesetz.

 

Es ist (mindestens) 5 Minuten vor 12. Die Bürger haben ein Recht auf einen adäquaten Lebensraum, auf den Schutz der Umwelt und eine gesunde Atmosphäre. Die Politik sollte daher rasch handeln und den Klimaschutz in den Verfassungsrang heben.

"Rock me Amadeus": Falceas-Gewinnerinnen live am Wiener Zentralfriedhof!

„Österreichs Popstar Nr. 1 ist tot“ – Diese Schlagzeile erschütterte am 6. Februar 1998 die gesamte Nation. Hans Hölzel aka Falco verunglückte tödlich bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Der in Wien-Margareten geborene Sänger übersah bei der Ausfahrt vom Parkplätz der „Turist Disco“ einen Bus, laut Autopsiebericht unter Einfluss von Alkohol (1,5 Promille), Kokain und THC.

 

Beim öffentlichen Begräbnis auf dem Wiener Zentralfriedhof begleiteten mehr als 4000 Fans den von den Motorradrockern „Outsider Austria“ getragenen Sarg und verabschiedeten sich vom Wiener Exzentriker, dessen Karriere im Wiener Underground bei Drahdiwaberl begann („Ganz Wien ist heut auf Heroin“) und bis in die Chartspitzen von England und Amerika mit seiner Mozart-Adaption „Rock me Amadeus“ führte. Das Grabmal, das aus 3 Bestandteilen (dem drei Meter hohen Obelisken aus rotem, afrikanischem Granit, der Glasplatte mit dem „Nachtflug“-Konterfei und der Stele mit der Inschrift „Hans Hölzel 1957-1998“) besteht, ist seitdem Pilgerstätte für Fans, Freaks und Touristen. Zu finden unter den Ehrengräbern der Gruppe 40, Nr. 64. (Direkt dahinter wurde übrigens das Grab des World-Musikers Kurt Hauenstein aka Supermax platziert.)

 

Im Rahmen der Donauinselfest-Tour 2021 wurden dem Falken und allen anderen „Anrainern“ am Zentralfriedhof (so Moderator Peter Rapp im Original-Ton) eine besondere Ehre zuteil. Die Gewinnerinnen des „Falceas“-Talentewettbewerbs der Falco-Privatstiftung präsentierten auf dem bunten Donauinselfest-Bus direkt vor der Friedhofskirche Falco-Klassiker, Cover-Songs und Eigenkompositionen.

 

 

Die „Falceas“-Siegerin 2021 Laura Tross beeindruckte die zahlreich erschienenen Besucher kongenial mit Songs aus dem Lady Gaga-Film „A Star is born“ („Shallow“, „Always Remember us the Way“), die diesjährige „Starmania“-Finalistin Laura Kozul punktete mit eigenen Songs. Viola Siller und die Geigerin Nina-Sofie Berghammer imponierten mit ihrer kreativen neuen Version des Falco-Superhits „Rock me Amadeus“. Dem Falken hätte dies gefallen, mit einem Whisky-Glaserl in der Hand…

Ewig junge Kabarett-Popstars: 40 Jahre Hektiker-Show auf der Praterbühne!

Es gibt geflügelte Zitate, die sich bei den Menschen im Gedächtnis eingebrannt haben. „Zack Zack Zack“ (We´re going to Ibiza), aber auch „Zack, Bum, In die Gosch´n“. Rene Dattel war jene Person, die diese Worte geprägt hat. „Der Ringer“ die Programm-Nummer einer Kabarettgruppe, die seit 40 Jahren die Comedy- und Satirefans begeistert: Die Hektiker.

 

Es begann alles im Jahre 1981, im Bundesgymnasium Keimgasse in Mödling, als vier Schüler mit 16 ihren ersten Auftritt hatten: Florian Scheuba, Wolfgang Fifi Pissecker, Werner Sobotka und Mini Bydlinski. Ihr nur wenig prickelnder Name: „Theaterkabarett Mödling“. Nach ihrem ersten Programm, „Hektische Zeiten“ (1982), nannten sie sich dann ganz simpel „Die Hektiker“, ihr Name wurde zur Trademark, und das auch noch 40 Jahre später.

 

Tatsächlicher „Geburtstag“ ist der 21. Oktober, die dazugehörige Tour, die großteils Open Air-Bühnen umfasst, findet allerdings bereits im Sommer statt. Dass beim ersten Auftritt auf der Wiener Praterbühne ein derartiger Starkregen einsetzte, dass die Hektiker das mit Ponchos umhüllte Publikum auf die Bühne baten, hätte auch bestens in die Pop-Star-Ära der Kabarettisten Anfang der 90er gepasst. Als das von Alexander Goebel regiegeführte Programm „Nackt“ mehr als 100.000 Besucher (Goldenes Ticket) in die Theater lockte, ihre LP „Endlich“ im Juni 1991 Platz 1 der Alben-Charts belegte und die vier Gagzauberer in zahlreichen Shows (inklusive der Gottschalk-Late Night) zu den Dauergästen zählten.

 

Mini Bydlinski, bekannt geworden durch seine Polster-Parodien („Ich bin ein Fußballer“), wurde 1994 durch den Musicaldarsteller Viktor Gernot ersetzt, der mehr musikalisches Esprit in die Formation brachte. Seit 1. Juli 2021 betreibt Gernot gemeinsam mit Paul Kolarik und dem Casanova Vienna die Praterbühne im Herzen des Vergnügungsparks. Eine ideale Gelegenheit, die Show „40 Jahre Hektik, Gibt´s Fragen“, in das Sommerprogramm zu platzieren. Beim zweitenmal ohne Regen.

 

Im Rahmen einer fast 3stündigen Jam Session (mit einer Pause) erzählten die vier Hektiker Anekdoten aus ihrer langen Karriere, erinnerten mit Videoeinspielungen an die wilden und kitschigen Bad-Taste-80er und 90er und spielten bekannte Sketches aus der Vergangenheit. Absoluter Kult: Fifi Pissecker als „Der Ringer“ im roten Originalkostüm mit Stretch, „Weil ich ein Orschloch bin“ (mit einem „I am from Austria“-Cover Viktor Gernots) oder das Take That-Cover „Ich scheiß dir ins Hirn“, mit den vier Ü50ern lässig am Stehsessel.

 

 

Alle vier Mitglied der Kabarettgruppe haben in den letzten 15 Jahren erfolgreiche Solokarrieren gestartet. Florian Scheuba, der Texter der Formation, als Staatskünstler (mit Maurer und Palfrader), zwei Soloprogrammen („Bilanz mit Frisur“, „Folgen Sie mir auffällig“) oder gemeinsam mit Florian Klenk als analytischer Polit-Satiriker, Werner Sobotka als Regisseur u.a. am Rabenhof oder bei den Seefestspielen in Mörbich, Viktor Gernot mit zahlreichen Kabarettshows und Pissecker mit Solorevues und TV-Auftritten (u.a. in den „Vorstadtweibern“). Der gemeinsame Spirit hat darunter nicht gelitten. Könnte auch an einem Prinzip der Jungs liegen: „Streit ist Energieverschwendung“. Einer weiteren Jubiläumsshow in 10 (?) Jahren steht also nichts im Wege…

„We´re good“: Donauinselfest-Bus-Sommertour startet mit Paenda!

Der Donauinselfest-Bus startet in seine zweite Saison, und das gleich mit einer der coolsten Pop-Sängerinnen Österreichs: Gabriela Horn aka Paenda. Die gebürtige Steirerin hat sich vom Songcontest-Ausscheiden beim Semifinale 2019 in Tel Aviv nicht entmutigen lassen und hat seitdem wieder zahlreiche neue Songs in ihrem Heimstudio und mit eigenem Label (Sick Kick Records) kreiert.

 

Die Fashion-Trademark - die blauen Haaren - unverändert, die Tracks poppiger im Stile von Katy Perry, Ariana Grande oder Jessie J. (die sie 2018 in der Arena supportete). Das geplante Album wurde aufgrund der Corona-Krise und mangelnder Tour-Auftritte verschoben, stattdessen erschienen zwei EP´s u.a. mit der Single „Friend Zone“, die sie neben anderen Tracks (wie „Want me not to want you“) auf dem Donauinselfest-Bus am Siebenbrunnenplatz und am Naschmarkt präsentierte.

 

 

Premiere feierte ihre brandneue Single „We´re good“, die über ein friedliches Auseinandergehen nach einer gescheiterten Beziehung handelt. Der Track wurde von Paenda produziert, die Texte stammen von Lukas Plöchl, der nach der Auflösung seines auch beim Songcontest vertretenen Hip Hop-Projekts Trackshittaz neue Wege geht und Paenda auch als Fotograf bei ihrer Karriere unterstützt. Die neuen Songs von Plöchl unter seinem Pseudonym „Wendja“ (sein chinesischer Name) gibt es am 9. September auf dem DIF-Bus zu hören…

„Mit ana Toschn voi Krems“ in Wien: Alex Miksch & Band live beim Kultursommer!

„Der erste erwirtschaftet´s, der zweite da´holts, beim dritten, da fallts“ – Eine der lyrischen Meisterleistungen des aus Krems stammenden Musikers Alex Miksch, die ein Fragment seiner Familiengeschichte auf den Punkt bringt. Im Mittelpunkt ein Zinshaus in der Kremser Göglstraße 2, das sein Großvater erworben, sein Vater verwaltet hat (und damit auch seine Träume aufgegeben hat) und Miksch als Dritter verkaufen musste, weil durch die denkmalschutzrechtlichen Auflagen die Schulden immer größer wurden.

 

Der in Wien-Meidling lebende Musiker, der bereits 6 CD´s in den letzten 15 Jahren veröffentlicht hat, hat per Crowd-Funding mit einer neuen Band die „Kremser Songs“ in einem Tonstudio im Burgenland aufgenommen und sie das erste Mal beim Kremser Festival „Glatt und Verkehrt“ im Juli 2020 präsentiert. „Mit ana Toschn voi Krems“ der kongeniale Titel der Show, ein Teil der brillanten Texte über persönliche Schicksale, Sehnsüchte und die komplizierten Einfachheiten des Lebens wurden zusätzlich vor der Live-Show von der Schauspielerin Esther Hollosi rezitiert.

 

Im Rahmen des Wiener Kultursommers präsentierte der Musiker seine Kremser Anekdoten bei einem Special-Open Air in Oberlaa. Gemeinsam mit seiner ausgezeichneten Band: Anna Anderluh (Gesang, Autoharp), Jelena Poprzan (Gesang, Bratsche, Maulgeige), Philipp Moosbrugger (Bass) und Andreas Hellweger (Schlagzeug).

 

Im Repertoire die bereits erwähnte „Geschichte vom easchtn“, das bereits aus dem letzten Miksch-Album bekannte „Haus“ (das „erste Kremser Lied“) und zwei Duette („Nosse Schuach“, „Nur a Opfe“) mit der aus Klagenfurt stammenden Klassik- und Jazz-Sängerin Anna Anderluh, die gerade selbst ein Album veröffentlicht hat („Leave me something stupid“) und einen idealen Gegenpart zum autodidaktischen Blues-Rock´n Roller Miksch bietet. Die Geigerin Jelena Poprzan, beim diesjährigen Glatt & Verkehrt mit einem eigenen Quartett vertreten, liefert den balkanesken Folk-Sound, der nach mehr Lebenslust und Euphorie schreit.

 

Bei „Spanplattn zan“ erzählt Miksch von den 90ern, als er Spanplatten in die neu erbaute Kunsthalle Krems schleppte, die traurig-melancholische Ballade „Hinter robenschwoaze hoar“ widmete er dem verstorbenen Musikförderers und Eventveranstalters Hans Kulisch, der einst die Zusammenarbeit von Miksch und Anderluh eingefädelt hat.

 

 

„Der Letzte, der geht, der Letzte an der Bar“ swingt Miksch lässig vor der langsam sinkenden Sonne im Süden Wiens. Ehrlich und authentisch. Nach dem Finale „Die Welt is nur a Opfe“ ein langer Schlussapplaus für Miksch und seine großartige Band. Mehr als verdient.  

"True Lies" - Mysteriöse Frauen-Power von Xenia Hausner in der Wiener Albertina!

„Meine Welt ist weiblich. Frauen sind komplexer, widersprüchlicher und sind für die Kunst die interessanteren Figuren.“ Die österreichische Künstlerin Xenia Hausner, die kürzlich ihren 70. Geburtstag feierte und deren Werke im Rahmen einer Retrospektive in der Wiener Albertina zu sehen sind.

 

Großformatige, grellfarbige Frauenporträts stehen insofern auch im Mittelpunkt ihrer Werkschau, allerdings nicht auf die Art und Weise, wie man es erwartet. Bereits der Titel ihrer Ausstellung, „True Lies“, weist daraufhin. „Wir leben alle mit unseren jeweiligen Annahmen der Wirklichkeit. Über die Fiktion der Kunst lernen wir die Welt besser verstehen. Ich male erfundene Geschichten, die der Betrachter mit seinem eigenen Leben zur Deckung bringen kann“, so die Künstlerin.

 

Die Themen: Flucht (im brillanten, mehrteiligen Zyklus „Exiles“), Verteilungskampf (dargestellt durch drei bös schauende Mädchen mit Baseballschläger und Hammer in einem Zugabteil), die Spannungen zwischen West und Ost (im Bild „Look Left – Look Right“, bei dem der Diktator Kim Jong-Un drei westlich gekleideten Frauen gegenübergestellt wird) oder der „Clash of Cultures“.

 

Viele Bilder Hausners zeigen fragmentierte Ausschnitte mysteriöser und geheimnisvoller Sachverhalte, die vom Betrachter selbst gedeutet und interpretiert werden sollen. Ein Kunstwerk mit zwei sexy, spärlich gekleideten Frauen trägt den Titel „Twin Peaks“, man hätte die gesamte Ausstellung so nennen können. 

 

Spannend sind auch die Entstehungsgeschichten der Bilder. Für das Gemälde „Das blinde Geschehen“ kaufte Hausner ein Autowrack, platzierte darin die beteiligten Personen und verwendete die Fotografien als Vorlage für ihre malerischen Variationen. Ein ÖBB-Zugabteil vom Schrottplatz diente als visuelle Inspiration für die „Exiles“. Für das gesellschaftskritische Meisterwerk „Cage People“ ließ die Künstlerin, die vor ihrer Tätigkeit als Malerin jahrelang erfolgreich als internationale Bühnenausstatterin tätig war, in ihrem Studio den beengten Wohnraum einer Asiatin und einer Europäerin nachbauen, Hausner selbst ließ sich bei der Konzeption der Vorlagefotos von einem Gerüst aus abseilen. 

 

Xenia Hausner, „True Lies“, 30. April bis 8. August 2021 in der Wiener Albertina.

Wiener Regenbogenparade 2021 - Ein Restart der Lebenslust!

„Homophobie, Ungleichbehandlung, Korruption und Fucking Corona wegputzen“ – Das waren die starken Worte der als Putzfrau verkleideten Drag Queen und Moderatorin Tommy Mascara bei der Abschlusskundgebung der 25. Regenbogenparade in Wien. Und tatsächlich war die seit 1996 stattfindende politische Demonstration nicht nur ein Statement für eine freie Gesellschaft, Gleichheit und Toleranz, sondern hatte auch einen Symbolcharakter für einen Restart der Lebenslust.

 

Zehntausende Menschen bewegten sich mit Start vom regenbogenbeflaggten Burgtheater den Ring andersrum über Staatsoper, Stubenring, Schwedenplatz, Universität Wien zurück zum Rathausplatz. Bunt und schrill gekleidet, fröhlich feiernd, tanzend zur Musik aus kleinen, mitgeschleppten Boxes – Soundtrucks wurden dieses Jahr nicht zugelassen – mit Dosenbier in der Hand, viel nacktem Fleisch und politischen Messages wie „Teach LGBT“ (mit Reaktion auf das ungarische Verbot von Aufklärungskampagnen in den Schulen) oder „The First Pride was a Riot“ (als Reminiszenz an die Stonewall Riots 1969). 

 

Vor der Universität Wien tanzten die Jugendlichen zu Nenas Klassiker „99 Luftballons“, im Rathauspark wurde geschmust, geflirtet und gechillt, einige wagten sogar ein Bad im Springbrunnen, der Rathausplatz voll von exzessiv feiernden Party People zu heißen Beats von Britney Spears, Lady Gaga und den Black Eyed Beas. Ibiza Tempo Fiesta in einer Stadt, in der 15 Monate lang durch die Corona-Pandemie die Party-Szene lahmgelegt wurde und die Jugendlichen in engen Wohnungen, in dunklen Kellern oder in öffentlichen Freiräumen (wie dem Karlsplatz oder dem Donaukanal) ihre analogen sozialen Kontakten pflegten.

 

Die diesjährige Regenbogenparade, die wie üblich das Finale der Vienna Pride (mit zahllosen Events, Lesungen, Führungen, der Virtual Pride Stage,...) darstellte, stand unter dem Motto „Stay Safe, Stay Proud“. Während allerdings die Corona-Pandemie durch die steigende Durchimpfungsrate (vermutlich) dem Ende entgegengeht, kann von einer Gleichstellung und Gleichbehandlung der LGBTIQ-Community bei weitem nicht gesprochen werden. 

 

Bis 1971 war Homosexualität in Österreich sogar ein gerichtlicher Straftatbestand, der erst durch die Kreisky-Regierung gestrichen wurde. Die meisten Diskriminierungen (wie beispielsweise das unterschiedliche Schutzalter für Homosexuelle, das Adoptionsverbot oder das Verbot der Ehe für homosexuelle Paare) wurden erst durch Urteile des VfGH und des EGMR beseitigt. Der Grund liegt darin, dass sich seit über 30 Jahren in der österreichischen Bundesregierung eine erzkonservative Partei, die ÖVP, befindet, die alle gesellschaftlichen, progressiven Änderungen ablehnt. 

 

Das Zitat „Mitgefangen, mitgehangen“ müssen sich leider die Grünen gefallen lassen, die bei dieser Regenbogenparade u.a. mit Vizekanzler Kogler, Gesundheitsminister Mückstein, Justizministerin Zadic und der Nationalratsabgeordneten Dziedzic (als Rednerin bei der Abschlusskundgebung) zwar prominent vertreten waren, bei entscheidenden Abstimmungen im Parlament aber ihre eigenen Prinzipien verraten haben.

 

Zu den wichtigsten Forderungen der Pride Community zählen aktuell eine Erweiterung des Diskriminierungsschutzes (der wie in den meisten europäischen Staaten nicht nur das Arbeitsleben, sondern auch die sonstigen Dienstleistungen wie die Miete einer Wohnung oder den Besuch eines Lokals umfasst), das Verbot von Konversionstherapien, das Verbot medizinisch unnötiger Operationen an intergeschlechtlichen Kindern und Jugendlichen, die freie Personenstandswahl ohne bürokratische Hürden und die diskriminierungsfreie Blutspende für Homo- und Bisexuelle. 

 

Die pinken Mühlen mahlen in der Politik leider langsam. Mit der Planung der 26. Regenbogenparade 2022 kann daher daher bereits wieder begonnen werden. Wer vorher ein Zeichen für die Rechte der LGBTIQ-Community setzen will, kann ja ein Flug- oder Bahn-Ticket nach Kopenhagen buchen. In der dänischen Hauptstadt findet zwischen 12. und 22. August die Europride 2021 statt… 

A Trip to „Wonderland“: Dritte Ausstellung der Albertina Modern!

„We are all mad here. You must be mad, (too), or you wouldn´t have come here“ – So umschmeichelt die Grinsekatze die kleine Alice, die sich ins verzaubernde Wunderland verirrt hat. In ein buntes, schrilles, aber auch bedrohliches und düsteres Wunderland der Künste lädt derzeit die Albertina Modern mit ihrer extravaganten Ausstellung „Wonderland“. Als titelprägend fungiert dabei nicht nur der Roman des britischen Schriftstellers Lewis Carroll, sondern auch das farbenprächtige Bild der zu den Young British Artists zählenden Künstlerin Fiona Rae, das unmittelbar beim Eingang zu bewundern ist.

 

„Die Utopie eines gelungenen Lebens voller Glück trifft auf dystopische kahle Landschaften, in denen Isolation und Einsamkeit, Melancholie, Grausamkeit und Tod herrschen“, so Direktor Klaus Albrecht Schröder über die aus rund 110 Werken bestehenden dritte Ausstellung der im Mai 2020 eröffneten Albertina Modern.

 

De facto handelt es sich bei „Wonderland“ um „eine Ausstellung von mehreren Ausstellungen, die sich aufeinander beziehen, aber dennoch unabhängig voneinander existieren können. Die aus der Sammlung der Albertina stammenden Kunstwerke wurden dabei in sieben Kapitel gegliedert. 

 

Links neben dem Eingang fasziniert die „Boy-Band“ Gelitin unter dem Motto „Anarchy of Art“ mit ihren Plastillin-Collagen „Guernica“ und „Mona Lisa“. Der Pop Art-Floor zeigt nicht nur bekannte Werke von Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder Tom Wesselmann, sondern auch extravagante Kreationen jüngerer Künstler. Alex Katz lässt mit seinen „Cutouts“ im Badekostüm Sommernostalgie aufkommen, Aufbruchsstimmung vermittelt das riesige Streichholz-Gemälde Harold Ancarts mit dem typischen Hard Edge Painting-Style. Dass der Mensch von der Geburt bis zum Tod fremdgesteuert von seiner Sexualität und seinen Genen ist, zeigt der Londoner Künstler Marc Quinn mit seinen kopulierenden Skeletten direkt in der Mitte des Raumes. 

 

Ein großer Teil der Ausstellung widmet sich den deutschen Individualisten rund um Jörg Immendorff, Markus Lüpertz, Penck und Anselm Kiefer, die den Besucher auch mit düsteren Themen wie dem Nationalsozialismus oder dem Kalten Krieg konfrontieren. Die Werke von Gottfried Baselitz, der gerne seine Motive (wie einen afrikanischen Nomaden) auf den Kopf stellt, um den Blickwinkel auf andere Faktoren zu richten, wurden neben Werken der österreichischen Malerin Maria Lassnig platziert. In der Abteilung „Abstrakte Expression“ brilliert vor allem das sexuell aufgeladene Kunstwerk „Cherries and Pearls“ der britischen Malerin Cecily Brown, die mit ihrer zwischen Figuration und Abstraktion befindlichen Technik den Betrachter auf eine visuelle Entdeckungsreise schickt.

 

 „The Face and the Mask“ zeigt großformatige Black & White-Fotografien von Gottfried Helnwein. Die Motive: Schillernde Stars der Pop- und Kunstszene von Andy Warhol, Keith Haring, Mick Jagger, Keith Richards bis Michael Jackson. Melancholie, Isolation und Einsamkeit, versteckt hinter ästhetisch glänzenden Gesichtern wie aus Lifestyle-Magazinen, vermitteln die Bilder des Künstlerduos Markus Muntean und Adi Rosenblum. Die während des Millenniums-Wechsels entstandenen Gemälde, ergänzt mit passenden Aphorismen, sind der Corona-Realität so nahe, dass einem ein wehmütiger Schauer über den Rücken läuft. „There are Times when Life seems not so great but better than anything else and when you´re happy to be alive, though not exactly ecstatic“. Jugendkultur Sommer 2021…

 

Albertina Modern – „Wonderland“ – 7. Mai bis 19. September 2021

„Haltung und Pose“: Elfie Semotan-Werkschau im Kunst Haus Wien…

„Strike a Pose – Vogue“ überschallte Anfang der 90er die Dance- und Fashionfloors der Welt. Die in Wels geborene Elfie Semotan war ein Teil davon. Nach Absolvierung der Modeschule Hetzendorf übersiedelte die 20jährige nach Paris, arbeitete einige Jahre als Mannequin und wurde - mit Unterstützung ihres damaligen Partners John Cook – selbst Fotografin.

 

In Österreich wurde sie bekannt durch die Werbekampagnen für Palmers und Römerquelle, ab Mitte der 80er arbeitete sie auch für internationale Modemagazine wie Vogue, Harper´s Bazaar oder Elle, für die sie Supermodels wie Naomi Campbell, Claudia Schiffer oder Cordula Reyer ablichtete. Reyer, die Falco-Fans aus dem Clip „Brillantin Brutal“ kennen, ist natürlich auch in ihrer neuen Ausstellung im Kunst Haus Wien zu sehen, und zwar im Rahmen ihrer Foto-Serie „Puszta“, die 1990 kurz nach dem Mauerfall und dem Niedergang des Kommunismus entstanden ist. 

 

„Haltung und Pose“ ist die erste große Wiener Ausstellung Elfie Semotans, zu Ehren ihres 80. Geburtstages im Juli. Zuletzt waren ihre Werke in der Kunsthalle Krems (2013) und im C/O Berlin (Contradiction, 2019) zu bewundern.

 

„Es kann nur etwas entstehen, wenn man die Person von sich selbst, von ihrem Bedürfnis nach Selbstdarstellung ablenkt“, das ist die berufliche Philosophie von Semotan, von der beispielsweise auch Helmut Lang angetan war, mit dem Semotan jahrelang in New York zusammengearbeitet hat. 

 

Inspiration holt Semotan sich gerne aus der Kunstgeschichte, der Malerei und aus der historischen Fotografie. Die „Madonna mit Hunden“ gleich beim Eingang der Ausstellung hat ihren Ursprung in der Renaissance, die weltberühmte Fotoserie „Präraffealiten“ basiert auf einer britischen Künstlervereinigung des 19. Jahrhunderts, die vor allem die italienische, extrem realitätsbezogene Malerei des Mittelalters verherrlicht hat. Ikonische Fotografien von Diana Arbus, Robert Frank oder Irving Penn standen Pate für die in Wien fotografierte Serie „Americana“ (2018). Dass die grelle Blondine mit dem Rossschwanz an Roy Lichtensteins Pop-Art-Culture angelehnt ist, ist auch schwer von der Hand zu weisen.

 

Modeshootings macht Semotan heute kaum mehr. „Werbung soll verkaufen und nicht der Kunst Konkurrenz machen. Das verhindert Experimente“, so die Fotografin in einem Interview der „Zeit“.  Vor vielen Jahren hat eine Modelagentur sogar die Veröffentlichung eines Fotos des russischen Models Natalia Wodianova verhindert. Die extravagante Ablichtung des schreienden Models passe nicht dessen Vermarktungsimage, eine Aufnahme dieser Serie „Bad Seed“ ist im Kunst Haus zu sehen. 

 

Zum Repertoire Semotans zählten zuletzt vor allem Landschaftsbilder, Stillleben und Porträtfotos. Letzere umfassen das Who is Who der nationalen und internationalen Promi-Szene. Von Hollywood-Stars wie William Dafoe oder Benicio del Toro, Hip Hop Stars wie Missy Elliott bis Autorin Elfriede Jelinek oder der ehemaligen Frauenministerin Dohnal. Ein Corner ist auch dem Maler und Performance-Künstler Martin Kippenberger gewidmet, der kurze Zeit - bis zu seinem frühen Tod 1997- mit Elfie Semotan verheiratet war.

 

Wie die Fotografin ihre Shootings plant, organisiert und durchführt, kann man auch auf einer Videoleinwand im 4. Stock des Museums beobachten. Dort läuft die erst 2019 publizierte Doku „Elfie Semotan, Photographer“ des Regisseurs Joerg Burger. Noch bis Ende August im Hundertwasserhaus…

Zum 100. Geburtstag des Aktionskünstlers: Beuys-Retrospektive im Belvedere 21!

„Jeder Mensch ist ein Künstler“ – Das ist einer der Standardaussagen von Joseph Beuys, der selbst zu einem der größten Künstler des 20. Jahrhunderts wurde. In den Jahren 1979 und 1980 belegte der deutsche Aktionskünstler, Bildhauer und Zeichner Platz 1 im „Kunstkompass“, einer Weltrangliste der 100 bedeutendsten Gegenwartskünstler, und zwar vor Robert Rauschenberg und Andy Warhol (!).

 

Beuys wurde am 12. Mai 1921 in Krefeld geboren. Zu seinem 100. Geburtstag widmet ihm das Belvedere 21 eine Sonderausstellung unter dem Titel „Joseph Beuys – Denken, Handeln, Vermitteln!“, die einen spannenden Überblick über seine künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Aktivitäten bietet. 

 

Tartarenlegende

 

Der Aktionskünstler war stets einheitlich gekleidet mit Jeans, weißem Hemd, Anglerweste und Filzhut. Der in der Ausstellung aufgehängte Filzanzug dagegen gilt nicht als Kleidungsstück, sondern als Symbol für Wärme und Energie. „Sie rieben meinen Körper mit Fett ein, damit die Wärme zurückkehrte, und wickelten mich in Filz ein, weil Filz die Wärme hält.“ Die sogenannte „Tartarenlegende“ über seine Rettung nach einem Flugzeugabsturz auf der Krim während des 2. Weltkrieges war tatsächlich eine. Aber eine perfekt inszenierte Bio-Fabel über seine Lieblingsmaterialien Fett und Filz.

 

Professor Beuys

 

Beuys studierte nach dem Krieg an der Düsseldorfer Kunstakademie und wurde 1961 dort selbst auch Professor für monumentale Bildhauerei. Er setzte sich stets für einen freien Studienzugang ein und nahm Anfang der 70er alle abgewiesenen Studenten in seine Klasse auf, die dann aus insgesamt 400 Studenten bestand. Nach einer wiederholten Besetzung des Sekretariats wurde Beuys fristlos entlassen, sein Atelier und den Professorentitel durfte er behalten.

 

Soziale Plastik

 

„Eine Gesellschaftsordnung wie eine (soziale) Plastik formen, das ist meine und Aufgabe der Kunst“, so Beuys. Jeder Mensch solle dabei seine kreativen Potentiale entwickeln und diese im Sinne des Gemeinwohls einsetzen. Auch politisch forderte der Künstler die Mitbestimmung des Volkes in Form von direkter Demokratie.

 

Eine seiner bekanntesten Installationen war die „Honigpumpe zum Arbeitsplatz“ (1977). Dabei wurden 150 kg Honig durch eine elektrische Lebensmittelpumpe 18 Meter in die Höhe und wieder zurück in einen Edelstahlkessel befördert. Die transparenten Kunststoffschläuche führten dabei auch durch das temporäre Büro des Künstlers, in dem Beuys mit den Besuchern diskutierte. Laut Diktion von Beuys „im Blutkreislauf der Gesellschaft“. Die Ausstellung im Belvedere 21 zeigt die einzelnen Bestandteile, Videoausschnitte und Fotos der damals aufsehenerregenden Aktion. Wer Beuys´ Redeschwall beim ORF-Club 2 im Jahre 1983 miterleben will, kann es sich vor einem TV-Schirm bequem machen.

 

Vienna Calling

 

Einen Schwerpunkt legt die im Untergeschoß platzierte Ausstellung auf dessen Aktivitäten in Wien. 1966 präsentierte Beuys erstmals seine Zeichnungen in der Galerie nächst St. Stephan, ein Jahr später sorgte er ebenfalls dort für Nervenkitzel mit seiner Aktion „Eurasienstab 82“, deren Ablauf – in Verbindung mit der Orgelmusik des Komponisten Henning Christiansen – keineswegs spontan, sondern minutiös durchgeplant war.

 

Teil der Ausstellung ist auch die Installation „Basisraum Nasse Wäsche“ (1979), die - als Kritik auf die Übersiedlung des Museums moderner Kunst in das noble Palais Liechtenstein – in der Galerie nächst St. Stephan entstanden ist. Beuys, 1980 Gastdozent an der Hochschule für angewandte Kunst (mit deren Rektor Oswald Oberhuber er zahlreiche Veranstaltungen, Aktionen und Vorträge organisierte), war damals auch im Gespräch als Professor für Gestaltungslehre Ein Angebot, das er allerdings letztendlich ausschlug.

 

Grün-Protagonist

 

Beuys war Unterstützer der Grünen und trat 1979 auch als Kandidat fürs Europaparlament an. Seine politischen Aktivitäten waren allerdings aufgrund mangelnder interner Unterstützung erfolgloser als seine öffentlichkeitswirksamen Aktionen. „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ lautete das Motto für seine Aktion „7000 Eichen“, die er im Rahmen der documenta 7 für Kassel konzipierte. Beuys ließ 7000 Basaltstelen auf dem Friedrichsplatz aufhäufen. Eine einzelne Spende von 500 DM (ca. 260 Euro) hatte zur Folge, dass eine Stele entfernt wird und gleichzeitig das Recht erworben wird, eine Eiche zu pflanzen. Die Aktion fand erst nach dem Tode Beuys im Jahre 1987 ihr Ende. 

 

Als Tribut an den großen Künstler wurde am 3. März im Skulpturengarten des Wiener Belvedere 21 eine Stieleiche eingepflanzt. Ein wichtiges Zeichen für eine Millionenstadt wie Wien, sich grüner Werte zu besinnen und eine „Zurück zur Natur“-Revolution einzuläuten. Beuys hätte es gefallen, Greta Thunberg natürlich auch…

„Little Japan“: Frühlingserwachen im Wiener Setagaya-Park!

„Almost Kyoto“ – So bezeichnete der Publizist und Autor Wojciech Czaja den Setagaya Park in seiner Open Air-Ausstellung (vor dem Wien Museum) und seinem Buch „Almost Wiener Weltreisen“. Tatsächlich ist der Konnex dieses wunderschönen über 4000 Quadratmeter großen Döblinger Gartens zu Japan sogar höher als nur der äußere Anschein. 

 

Entstanden ist der Japanische Garten Anfang der 90er im Rahmen eines Freundschafts- und Kulturabkommens zwischen Döbling und Setagaya, dem 19. Bezirk von Tokio, das unter Bürgermeister Helmut Zilk abgeschlossen wurde. Errichtet wurde er nach Plänen des japanischen Gartengestalters Ken Nakajima (1914-2000). Der Park beinhaltet traditionelle japanische Garten-Elemente wie Quelle, Wasserfall, Teich, Pagode, Steinlaterne, Teehaus, Pflanzen und Steine. Der ansteigende Pfad symbolisiert dabei den Lebensweg, der bis zum Paradies (der Himmelslaube) reicht.

 

In den ersten April-Wochen erblühen außerdem die Kirschblüten („Sakura“), die in Japan für Schönheit und Aufbruch stehen. Zahlreiche Wiener ließen trotz der Corona-Maßnahmen am Osterwochenende die Gelegenheit nicht aus, den Setagaya-Park zu besuchen. 

 

Zahlreiche Selfies und Familienfotos wurden inmitten der Kirschblüten und der Magnolien geschossen, einige Sonnenanbeter setzten sich auf mitgebrachte Decken und betrachteten die im Teich vor dem Teehaus schwimmenden Schildkröten und Fische, andere wiederum ließen sich spirituell inspirieren vom japanischen Flair des verschlungenen Garten-Pfads, der über Holzbrücken, kleine Wasserläufe mit Kaskaden bzw. entlang japanischer Bauwerke (wie der Pagode und der Steinlaterne) und exotischer Pflanzen führt. Der Psyche und der Motivation können solche Ausflüge nur gut tun.

"Ablaufdatum": NHM-Ausstellung über Lebensmittelverschwendung!

4 Prozent der Treibhausgas-Emissionen der EU-28 entstehen durch Lebensmittelabfälle. 1/3 der Lebensmittel, die zur menschlichen Ernährung produziert werden, gehen im Laufe der Wertschöpfungskette verloren. In Europa landen 20 Prozent aller Lebensmittel, die für den menschlichen Verkehr erzeugt werden, im Müll. Diese rund 88 Millionen Tonnen entsprechen einem Wert von rund 143 Milliarden Euro. Jeder österreichische Haushalt wirft jährlich durchschnittlich 43 Kilogramm genießbare Lebensmittel in den Müll, auf das ganze Land bezogen 206.000 Tonnen. Am häufigsten werden dabei Brot, Backwaren, Obst und Gemüse entsorgt. Mit der Menge an Brot, die in Wien jeden Tag vernichtet wird, könnte ganz Graz versorgt werden.

 

Das sind nur einige der horriblen Daten, mit denen die Besucher der Ausstellung „Ablaufdatum“ gleich beim Eingang konfrontiert werden. „Die Verschwendung der Zahlen“ nennt sich die kreative Installation im Naturhistorischen Museum, bei der Papierrollen mit Fakten, Statistiken und Grafiken in sechs offenen Müllcontainern platziert wurden und in Dauerrotation eine erschütternde Einführung über die globale und nationale Lebensmittelverschwendung vermitteln.

 

Der Titel der Ausstellung, „Ablaufdatum“, eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine Überschreitung der Haltbarkeitsfrist auf der Verpackung, bezeichnet einen der Hauptgründe für die enormen Lebensmittelverluste. So wird der Terminus „Mindesthaltbarkeitsdatum“ von vielen Konsumenten falsch ausgelegt. Darunter versteht man die Garantie des Herstellers, dass bis zu einem definierten Zeitpunkt Produkteigenschaften wie Geruch, Geschmack oder Konsistenz erhalten bleiben. Die  Lebensmittel können aber auch nach Ablauf dieser Frist noch gegessen werden. De facto landen aber viele dieser Waren im Haushalts-Müll. Verwechselt wird das MHD zumeist mit dem Verbrauchsdatum, das für leicht verderbliche Lebensmittel (wie Fleisch, Fisch oder Rohmilch) vorgeschrieben ist. Ein Verzehr von Waren nach dessen Überschreitung kann eine Gesundheitsgefährdung nach sich ziehen.

 

„Die Täuschung im Supermarkt hat System – Das Treiben der Nahrungsmittelkonzerne grenzt an Körperverletzung durch Irreführung“ – Dieses Zitat von Thilo Bode, Gründer und Leiter der Verbraucherrechtsorganisation Foodwatch International, prangt unter einer Stellage von Limonaden, Joghurts und Müsli-Riegel-Packungen. Dort wird auch gleich aufgeräumt mit einigen Ernährungs-Legenden: Lightprodukte (die kalorienreich und zu viel Zucker und Salz enthalten); Kinderlimonaden, die kaum echte Früchte, aber mit künstlichen Aromen und mit der für Kinderzähne schädliche Zitronensäure E330 versetzt sind, Energy Drinks mit bis zu 7 Stück Würfelzücker pro Glas, die als Hauptursache für Fettleibigkeit gelten.

 

Im Raum nebenan steht doppelstöckig eine Reihe von Supermarktwägen, in denen Videoscreens platziert wurden. Diese weisen mit ihren Kurz-Filmen auf gesellschafts- und umweltpolitische Probleme unserer Zeit hin, auf die Zerstörung des Regenwalds, die Überfischung durch industrielle Fischfangflotter, die Ausbeutung von Arbeitnehmern in den Entwicklungsländern, die grausame Massentierhaltung der Hühner oder die Schweinezucht auf Vollspaltenböden. 

 

Auf der anderen Seite der Konstruktion blickt der Besucher auf ein riesiges Supermarktregal mit den unterschiedlichsten Produkten von Brot, Fisch, Obst, Tomaten bis hin zu Bananen und Tiefkühlware. Basierend auf Produktionsbedingungen, Transport oder Zusammensetzung des Produkts werden Tips und Empfehlungen gegeben, wie sich der Konsument bei der Auswahl der Waren entscheiden soll. 

 

Links platziert ist eine durchsichtige Box, vollgefüllt mit 2 m3 Kunststoff-Müll. Das ist genau jener Wert, den eine sechsköpfige Familie pro Jahr produziert. 2015 lag der Kunststoff-Bedarf in Ö über einer Million Tonnen, ein Drittel davon für Verpackungen und Plastiksackerl. Derzeit werden nur 28 Prozent des Plastikmülls wiederverwertet.  

 

Im Zentrum der Kritik steht auch die industrielle Landwirtschaft, die ein Drittel der Treibhausgase produziert. „Wir essen Erdöl“, ein Zitat des britischen Ökonomen Schumacher, weist darauf hin, dass der Energieverbrauch für die Produktion der Nahrung immer mehr ansteigt. Für eine Tonne Stickstoffdünger sind zwei Tonnen Erdöl erforderlich. Problematisch ist auch der dramatische Bodenverlust in Österreich. 2019 wurden 45 m2 fruchtbarer Boden verbaut und mit Beton und Asphalt versiegelt. Dies entspricht der Fläche von Eisenstadt.

 

Präsentiert werden in der Ausstellung auch Initiativen, die sich gegen die Lebensmittelverschwendung einsetzen: Die in Berlin entstandene Community „Foodsharing“, die Wiener Tafel und die per App agierende Organisation „TooGood to Go“. Die Kehrseite des Konsums symbolisieren die sogenannten „Dumpsterer“, die – in einer rechtlichen Grauzone – in Mülltonnen der Supermärkte nach genießbaren Lebensmitteln tauchen. Schätzungen zufolge handelt es sich dabei um 500-600 Tonnen pro Jahr und pro Markt.

 

Laut dem Regierungsprogramm 2020-2024 ist das „Verbot des Entsorgens von genusstauglichen Lebensmitteln aus dem Lebensmitteleinzelhandel“ geplant. Dass die aktuelle türkis-grüne Koalition dies umsetzen wird, scheint aufgrund der zahlreichen internen Konflikte fast ausgeschlossen.

Moria-Kritik: "Kanzler ohne Herz"-Karikatur Haderers am Naschmarkt!

"Achtung Kältewelle! Das fehlende Herz des Sebastian Kurz. Auf der Linken Wienzeile hängt ab sofort dieses 230 m2 Plakat, gezeichnet von Gerhard Haderer. Es ist unser stiller Protest gegen die kaltherzige Politik der türkisen Regierung und ihre unterlassene Hilfeleistung in Moria".

 

Dieses Posting setzte die Initiative "Courage-Mut zur Menschlichkeit" (der u.a. die Schauspieler Katharina Stemberger und Cornelius Obonya angehören) in den sozialen Medien, während das riesige Plakat auf der "Art Communication"-Feuermauer direkt neben dem Naschmarkt platziert wurde. Erstellt wurde die Zeichnung vom bekannten österreichischen Cartoonisten Gerhard Haderer, der kürzlich seine neue Ausstellung "Volltreffer" im Karikaturmuseum Krems eröffnet hat. Das Bild zeigt den Kanzler mit schwarzem Sakko, dessen linker Ärmel angehoben wird. Das Herz darunter: Nicht rot, sondern eiskalt gefärbt.

 

"Es gibt unzählige Menschen in Österreich, die hier helfen wollen und können, aber Bundeskanzler Kurz verhindert jede Form der Rettung. Man kann dies eigentlich nur mehr als vorsätzlich unterlassene Hilfeleistung bezeichnen", so Haderer, der das Bild der Initiative Courage unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. 

 

Die Aktion zielt zeitgenau auf ein trauriges Ereignis der Vergangenheit ab, denn genau vor 6 Monaten, in der Nacht vom 8. auf den 9. September 2020, brannte das Flüchtlingslager in Moria nieder. "Statt Familien aus den Elendslagern zu retten, hat die Regierung Hilfe vor Ort versprochen, die aber immer noch nicht angekommen ist", so Katharina Stemberger.

 

Sollte sich die türkise Politik nicht ändern, dürften weitere Aktionen auf dem Programm stehen. Für Kurz derzeit eine Lose-Lose-Situation: Einerseits wird ihm soziale Kälte vorgeworfen, andererseits verliert er durch die Corona-Maßnahmen auch noch die Wähler vom rechten Spektrum, die er durch seine rigide Fremden- und Asylpolitik ködern will. Es ist Zeit für eine politische Veränderung!

"My Generation": Schillernde 80er-Kunstwerke der Sammlung Jablonka in der Albertina!

Eine Zeit ohne Hunger, ohne Gefahren, ohne Pandemie, eine freie Welt bis zum Ausbruch von Aids, das waren die 80er. So der Galerist Rafael Jablonka, dessen gesammelte Werke von 14 verschiedenen Künstlern jetzt unter dem Titel „My Generation“ in der Albertina zu sehen sind.

 

Der 1952 in Polen geborene Jablonka war ursprünglich Ingenieur, studierte dann später Kunstgeschichte und organisierte Ausstellungen (u.a. auch gegen das Kriegsrecht in Polen und als Assistent von Kasper König). Im Jahr 1988 gründete er selbst eine Galerie in Köln, die er fast 30 Jahre lang führte und in der er innovative Künstler wie Damien Hirst, Mike Kelley, Andreas Slominski oder Sherrie Levine in Kontinentaleuropa präsentierte. Im Juli 2019 übergab er über 400 Werke der 80er als Stiftung an die Albertina Wien. Und kuratierte selbst – von Direktor Klaus Albrecht Schröder mit einer „Carte Blanche“ ausgestattet – die erste Ausstellung aus seiner Sammlung.

 

In insgesamt 12 Räumen, verteilt auf 2 Geschossen, eröffnet sich dem Besucher eine bunte, kreative Mixtur aus großformatigen Malereien, Siebdrucken, Installationen und Skulpturen, die gleichzeitig auch verschiedene Komponenten der selektierten Künstler zeigen sollen. So wird man gleich nach der Rolltreppen-Abfahrt empfangen von den imposanten Keramik-Konstrukten des spanischen Künstlers Miquel Barcelo, die eine Variation der Jesus-Parabel von der „wundersamen Vermehrung von Brot und Fischen“ darstellen soll. Der deutsche Künstler Andreas Slominski arbeitet mit subtilen Vogelfallen in Kinderwägen, ambivalenten Fahrrad-Collagen und mit scheinbar harmlosen Windmühl-Modellen, die allerdings einen schaurigen Hintergrund veranschaulichen. Sie symbolisieren den Wind, der zur Zeit des Nationalsozialismus von den Verbrennungsöfen im KZ Buchenwald in das nahe gelegene Weimar geweht hat.

 

Der aus New York stammende Philip Taafe ist mit großformatigen abstrakten Bildern vertreten, sein Landsmann Eric Fischl mit knalligen Bildern über die scheinbar perfekte Welt der Middle Class, die gleichzeitig aber Leere, Langeweile und Einsamkeit ausdrücken. Dazu zählt auch ein Bild des „Krefeld Projekts“, im Rahmen dessen sich Fischl durch „Szenen einer Beziehung“ eines Schauspielerpaares inspirieren ließ. 

 

In einem separaten Raum platzierte Jablonka „spontan“ eine Parade extravaganter Skulpturen und Installationen. Damien Hirst, der britische Konzeptkünstler, lässt hier Tischtennisbälle durch Wasserfontänen aus Schläuchen schweben und thematisiert im „letzten Abendmahl“ die Abhängigkeit der Menschheit von schädlichen Medikamenten und Fast Food. Daneben thront Sherrie Levines´s Körpermaske aus hochpolierter Bronze, die die Silhouette einer schwangeren Frau repräsentiert. Da werden zwei Hühnereier vom Sammler selbst als Slominski-Remake an die Wand geworfen, während auf dem Boden eine aus Stoffpuppen zusammengenähte, fragmentierte „Frankenstein“-Figur liegt. Der Schöpfer: Mike Kelley, dessen Werke 1989 zum ersten Mal von Jablonka in Deutschland publiziert wurden und der in einem speziell abgedunkelten Raum der Albertina mit seiner „Kandor“-Rauminstallation und den „strukturalistischen Pantomimen“ die Besucher erstaunen lässt.

 

Die imposanteste, fast schiffsgroße Skulptur ist im letzten Raum der faszinierenden Ausstellung zu sehen. Die bizarre Konstruktion des Londoner Künstlers Richard Deacon aus Edelstahl und gebogenem Eichenholz lässt viele Interpretationen und Phantasien offen. Ganz im Sinne Jablonkas: „Ich ermutige dazu, zu schauen, die Nase in die Bilder zu stecken. Ein Künstler stirbt, aber ein Kunstwerk lebt, solange es betrachtet wird.“

 

Vertretene KünstlerInnen:

 

Miquel Barceló | Ross Bleckner | Francesco Clemente | Richard Deacon | Eric Fischl | Damien Hirst | Roni Horn | Mike Kelley | Sherrie Levine | Cady Noland | Thomas Schütte | Andreas Slominski | Philip Taaffe | Terry Winters

 

Die Ausstellung ist von 2. Oktober 2020 bis 5. April 2021 in der Albertina zu sehen.

Kampf gegen Reptilienleder-Produkte: Tigerpython in neuer Vitrine des NHM Wien!

Schlangen wirken auf viele Menschen bedrohlich, leben aber selbst gefährlich. Obwohl die meisten Schlangenarten streng geschützt sind, werden viele meist wildgefangene Schlangen zur Gewinnung von Leder verwendet. Die Tiere werden dabei auf grausamste Art und Weise bei lebendigem Leib mit Wasser gefüllt, um die Haut besser abziehen zu können, und danach lebend gehäutet.

 

Eine neu dekorierte Vitrine im 1. Stock des Wiener Naturhistorischen Museums (Saal 27) will auf den Artenschutz von Schlangen hinweisen. Zu sehen ist darin ein 5 Meter langer, dunkler Tigerpython (Python bivattatus) aus Java, der sich schon seit 1900 in der Sammlung befindet. Umringt ist das Reptil von Produkten aus Schlangenleder wie Stiefeln, Hosen, Gürteln, Taschen und Geldbörsen. Auf dem Vitrinenglas wurden künstliche Blutspritzer platziert.

 

"Alle in der Vitrine ausgestellten Produkte wurden vom österreichischen Zoll beschlagnahmt oder stammen aus Nachlässen", so die Kuratorin Dr. Silke Schweiger, Leiterin der Herpetologischen Sammlung. 

 

Der vor allem in Südostasien lebende Tigerpython unterliegt Exportbeschränkungen und gilt als gefährdet und schutzbedürftig. Insofern also keine Reptilienleder-Produkte kaufen, um nicht die Nachfrage anzuheizen und den Artenbestand der Tiere zu schützen...

Almost - Wiener Weltreisen 1873/2020: Czaja-Fotoserie vor dem Wien Museum!

„Was macht ein Reisender, wenn er nicht reisen kann? Er reist trotzdem.“  Frustriert über die Corona-Ausgangsbeschränkungen und Reiseverbote setzte sich der aus Polen stammende und in Wien lebende Buchautor Wojciech Czaja im Frühjahr 2020 auf seine Vespa und fotografierte großteils unbekannte Gebäude, Straßen und Gassen in Wien. Während dieser urbanen Fotosafaris erkannte der weitgereiste Architekturjournalist, dass ihn viele Wiener Orte an andere Länder und Metropolen erinnerten. Die Idee für „Almost“ war geboren.

 

„All Perception of truth ist the detection of an analogy“ („Jede Wahrnehmung der Wahrheit ist die Entdeckung einer Analogie“) fabulierte einst der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau. Czajas Fotoserie umfasst aktuell bereits mehr als 150 assoziative Bilder: Berliner Street Art in der Mauthausgasse, Frankfurts Business Tower in der Marxergasse, die Japanischen Gärten in der Hohen Warte, der Orientexpress im Böhmischen Prater, die verlassenen Fabriksgebäude in der Moselgasse als „Detroit“-Verschnitt, der Goldengel am Universitätsring als Techno-Love Parade-Siegessäule Berlins oder die „Costa Brava“-Bauten in der Mozartgasse. Die (fiktiv überflutete) Zelinkagasse mit Blick vom Palais Schottenring vergleicht Czaja mit den Kanälen von Sankt Petersburg, den Badesee in Aspern mit dem kroatischen Urlaubsort Mali Losinj.

 

„Manchmal ist es ein bestimmter, mitunter manipulativer Blickwinkel, der auf einmal Fremdes zu offenbaren vermag, manchmal sind es ganz banale, emotionale Komponenten wie etwa Licht, Farbe, Form, Proportion oder eine feinstoffliche Stimmung“, so der Autor, der seine Fotos zuerst auf Facebook und dann aufgrund der zahlreichen „Likes“ in einem Buch („Almost. 100 Städte in Wien“) publiziert hat.  

 

Als „Kunst im öffentlichen Raum“ wurden die Fotos jetzt auf dem Bauzaun vor dem Wien Museum platziert. Und zwar gemeinsam mit alten-Souvenir-Fotos von der Wiener Weltausstellung des Jahres 1873. Damals wurden im Prater verschiedenste Gebäude aus aller Welt (wie Rotunden, Pavillons, Chinesische Zimmer, Kunsthallen, Triumphbögen,…) temporär aufgestellt, die zwar jeder Wiener kannte, die man aufgrund fehlender Mobilität bzw. hoher Kosten nicht besuchen konnte. 2020 war die Corona-Pandemie schuld an den Reisebeschränkungen. „Imaginäres Reisen“ sozusagen im Doppelpack.

 

Die spannende Ausstellung unter dem Titel „Almost – Wiener Weltreisen 1873/2020“ kann man bis 28. März täglich besuchen, 7 Tage, 24 Stunden lang und bei jeder Witterung. Reisefieber und Hoffnung nach einem schnellen Tourismus-Restart steigen dadurch umso mehr… 

Klimanotstand weltweit: "Nach uns die Sintflut" im Kunsthaus Wien!

Knapp zwei Drittel der Menschen fürchten sich vor einem weltweiten Klimanotstand. Diese Feststellungen basieren auf einer Umfrage des UN-Entwicklungsprogramms UNEP und der britischen Oxford University, an der 1,2 Millionen Bürger aus 50 Ländern teilgenommen haben. Besorgt sind nicht nur die durch Bewegungen wie Fridays for Future inspirierten Jugendlichen, sondern auch ältere Menschen.

 

Das Kunsthaus Wien (mit seinem USP als „erstes grünes Museum“) präsentiert dazu kongenial seine Ausstellung „Nach uns die Sintflut“, die sich mit den Auswirkungen der Klimakrise auf die unterschiedlichsten Kontinente, Landschaften und Populationen unserer bunten Welt beschäftigt. Der Ausstellungstitel stammt aus dem ersten Band von „Das Kapital“. Der Philosoph und Gesellschaftstheoretiker Karl Marx hat bereits vor 150 Jahren die menschliche Intervention als faktische Umweltzerstörung erkannt und ein Verhalten kritisiert, das nur auf den eigenen Profit bedacht ist und die Folgen auf das gesamte Ökosystem ignoriert.

 

Insgesamt 21 nationale und internationale Künstler zeigen im 3. und 4. Stock des Kunsthauses eindrucksvolle Fotografien, Collagen, Filme und Videoinstallationen, die die dramatischen Folgen der klimatischen Veränderungen auf unsere Lebenswelten, die Wirtschaft und die sozialen Verhältnisse veranschaulichen. Zentraler Anknüpfungspunkt ist laut der Direktorin Bettina Leidl „die An- und Abwesenheit des Wassers, das sich in schmelzenden Polkappen, einem Anstieg des Meeresspiegels, Dürren und dem Abschmelzen der alpinen Gletscher“ widerspiegelt.

 

Gleich beim Eintritt zur Ausstellung provoziert der aus New York stammende Künstler Justin Brice Guariglia mit dem riesigen Aufdruck „The End“. Daneben zieht die Schweizerin Ursula Biemann in ihrem Video-Film „Deep Weather“ einen Konnex zwischen der Ausbeutung natürlicher Ressourcen im Globalen Norden (wie bei der Teersandförderung in Kanada) und den negativen Folgen im Globalen Süden. Beispiel: Die Überschwemmungen in Bangladesh aufgrund der Erderwärmung und des Anstiegs des Meeresspiegels.

 

Der steirische Künstler Michael Goldgruber erstellte aus 420 Einzelaufnahmen die zehn Meter lange Wandinstallation „Talschluss“, die unterschiedlichste Ausprägungen des Gepatschferner, eines der am schnellsten schmelzenden Gletscher, zeigt. Die Wienerin Verena Dengler konzipierte nach einer Reise ins norwegische Spitzbergen (wo die Durchschnittstemperatur seit 1971 um 4 Grad gestiegen ist) eine Wandcollage mit dem ominösen Titel „Dr. Envy Nordpol (ihr Pseudonym) besucht das nördlichste Sushi-Restaurant der Welt. Der Berliner Benedikt Partenheimer macht mit seinen „Methane Experiments“ das Entweichen von Treibhausgasen in Folge des Auftauens der Permafrostböden sichtbar. Seine in Alaska abgelichteten „drunken trees“ bezeichnet der Berliner „as a perfect symbol for a world that has lost ist balance“.

 

Ein Sinnbild für eine aus den Fugen geratene turbokapitalistische Welt stellt auch das künstlich geschaffene Insel-Archipel „The World“ vor der Küste Dubais statt. Die österreichische Fotografin Genoveva Kriechbaum projiziert kongenial ihre futuristischen Landschaftsaufnahmen auf Stahlplatten, untermalt durch Musik des Komponisten Hassam Mahmoud. 

 

28 Minuten lang schlägt eine dunkel gekleidete Person mit der Hacke auf eine gefrorene Eisschicht ein, bis das Videobild erlischt und man nur mehr ein Krachen und einen Schrei hört. Eine metaphorische Untergangs-Installation der beiden Wiener Nicole Six und Paul Petritsch mit dem Titel „Räumliche Maßnahme“.

 

Die niederländische Künstlerin Anouk Kruithof ist im Kunsthaus Wien vertreten mit ihrer Video-Collage „Ice Cry Baby“, die aus zusammengeschnittenen You Tube-Videos von schmelzenden Gletschern besteht, und mit ihrer auf Beinprothesen stehenden Installation „Folly“, deren Körper sich aus einer Gesteinsattrappe mit Luftaufnahmen der Erdoberfläche zusammensetzt. Dahinter hängt die ästhetisch hochwertige Bilder-Serie „Flood Zone“ der in Miami lebenden Fotografin Anastasia Samoylova, die subtil die durch den Klimawandel verursachten Probleme der Urlaubsmetropole (wie Sturmfluten, überlastete Kanalisation und Klima-Gentrifizierung) thematisiert.

 

Der Videofilm „Tuvalu“ beschäftigt sich mit dem Leben der Bewohner des gleichnamigen Inselstaates im Südpazifik, die aufgrund des geringen Unterschieds zum Meeresniveau mit dem Verschwinden ihrer Heimat konfrontiert sind. Solmaz Daryani zeigt in „The Eyes of Earth“ Aufnahmen des ausgetrockneten Urmiasees, der einst der sechstgrößte Salzsee im Iran war. Einen besonders traurigen Beigeschmack erhalten diese Bilder dann, wenn man im beigelegten Album die privaten Fotografien aus der Vergangenheit dieser einstigen Urlaubsregion betrachtet. 

 

Die US-Amerikanerin Christina Seely finalisiert den Reigen der Umweltimpressionen mit einem faszinierenden, audiovisuellen Ausgleich zwischen dem arktischen und dem tropischen Ökosystem („Terra Systema. Tempo“). Ein emotionell-optimistischer Abschluss im Vergleich zur apokalyptischen „The End“-Eingangspforte.

 

Ob Kunst die Klimakrise verbessern kann, das ist natürlich fraglich. Sarker Protick, in „Nach mir die Sintflut“ mit Fotos seines Heimatlandes Bangladesh und dem Videofilm „Monsoon“ vertreten, sieht Kunst zumindest als Initialzündung: „Art can question the things and address the things that needs to be changed.“ Zumindest beim Klimanotstand braucht es dazu keines Beweisverfahrens…

 

Nach uns die Sintflut – 16. September 2020 bis 5. April 2021

"Lumen" by Johannes Rass: Eine Stehlampen-Installation in der MQ Art Box!

Düster und dunkel ist es (nicht nur in Wien) geworden. Gastronomie, Kultur und Tourismus aufgrund (unverhältnismäßiger) Maßnahmen von Türkis-Grün-Rot geschlossen, nach Sonnenuntergang nur wenige Menschen auf den Straßen, Gassen und Plätzen der lebenswertesten Stadt der Welt, zumeist mit traurigem Blick und verhüllt in Einheits-Masken, die ein Symbol des Ausnahmezustandes darstellen. Auch im Haupthof des Museumsquartiers (dessen Gallionsschiffe, die Museen, frühestens am 8. Februar wieder öffnen) nur wenige Menschen, die sich mit lässigem 16er-Blech und inspirierender Kommunikation bei Laune halten. Doch hier ist tatsächlich Licht am Ende des Tunnels.

 

"Lumen" (lat. Licht, Fenster) heißt die faszinierende Kunst-Installation des Wiener Fotografen und Performance-Künstlers Johannes Rass, die vom 13. Jänner bis 10. März in der MQ Art Box (neben dem Leopold Museum) für eine Aufhellung der trüb-melancholischen Stimmung sorgen soll. Rass hat dort 112 Stehlampen mit modernen LED´s platziert, 15 davon stammen aus einer Erbschaft, der Rest wurde projektorientiert von der MA 48 gesammelt.

 

Mit Einbruch der Dunkelheit, ab ca. 16.30 Uhr bis 20.30 Uhr, verwandelt sich das bunt zusammengewürfelte Konglomerat aus Lampen in ein Schauspiel aus Licht und Ton. Insgesamt 18 Sequenzen zu je 10 Minuten hat Rass gemeinsam mit Sound- und Light-Technikern konzipiert, die Zuschauer geraten durch diese wechselseitige Abfolge von Licht, Dunkelheit und mystischen Ambient-Geräuschen "in einen Sog von Assoziationen, in denen sich kollektives Wissen mit individuellen Erfahrungen vermischt". Beim nächsten Spaziergang durch das schöne Wien unbedingt einplanen!

 

"Andy Warhol Exhibits - A Glittering Alternative" im Mumok !

„In the Future, everyone will be famous for 15 minutes“ – Ein berühmtes, visionäres Zitat von Andy Warhol, das der Begründer der „Pop Art“ 1968 lakonisch in die Menge geworfen hat und das später – durchaus kontroversiell – tatsächlich Realität geworden ist. Warhol selbst wurde seine künstlerische Karriere nicht in die Wiege gelegt, der jüngste von drei Söhnen einer armen, slowakischen Migrantenfamilie (Warhola), machte zwar einen Abschluss in Malerei und Design auf der Universität in Pittsburgh, arbeitete aber zuerst in einer New Yorker Schuhfabrik und dann in den 50ern als Werbegrafiker und Schaufensterdekorateur in diversen Gelegenheitsjobs. Das Wiener Mumok zeigt jetzt unter der Trademark „Andy Warhol Exhibits – A Glittering Alternative“ sein bis dato unter Verschluss gehaltenes Frühwerk und sein Renommee als Inszenierer von Ausstellungen.

 

„Wer alles von Andy Warhol wissen will, braucht nur die Oberfläche anzusehen, die meiner Bilder und Filme und von mir, und das bin ich, Da ist nichts dahinter.“ Homoerotische Zeichnungen und Illustrationen dürften in das Konzept des „Pop Art“-Genies nicht gepasst haben. Die Kuratorin der Ausstellung, Marianne Dobner, platzierte die ansehnlich-lasziven Porträts seiner Lover („Studies for a Boys Book“) in schlichte Vitrinen des Erdgeschosses. Dazu singuläre Geschlechtsteil-Motive, kesse Zeichnungen von Drag Queens und Friseuren oder extravagante Schuhdesigns, mit denen Warhol in den 50ern kommerziell sehr erfolgreich war.

 

In der 1. Etage treffen die Besucher im Eingangsbereich auf einen weißen Raum mit der Siebdruck-Serie „Cow Wallpaper“ und auf die „Silver Clouds“, einer Rauminstallation Warhols mit Helium gefüllten Luftballons in Kissenform, die aufgrund physikalischer Wirkung in Interaktion stehen. Eine Rekonstruktion einer 66er-Warhol-Ausstellung in der New Yorker Galerie von Leo Castelli.

 

„Andy Warhol exhibits“ widmet sich im speziellen auch den Filmen und Videoinstallationen Warhols, deren Screens wie einst in den 60ern unmittelbar neben den Bildern angeordnet wurden. Im Mittelpunkt standen zumeist die kreativen Szene- und Party People der New Yorker „Factory“, deren Protagonisten von Warhol frontal mit einer Bolex-16mm-Kamera gefilmt wurden. Daraus entstanden Undergroundfilme wie „Blow Job“, „Eat“, das 8 Stunden lange „Empire“ oder der berühmte Split Screen-Film „Chelsea Girls“, auf Polstern leger im Mumok visierbar. Die in einem quadratischen Raum positionierte Multimedia-Installation „Exploding Plastic Inevitable“ torpediert die Besucher direkt mitten in die exzessiven, sexuell freizügigen Sixties. Die Hauptdarsteller in dem von Licht- und Stroboskopeffekten aufgeheizten Raum: Die Kult-Band „The Velvet Underground“ rund um Lou Reed und Nico, die anfänglich auch von Warhol produziert wurde, und die ausgeflippten, drogenberauschten „Factory“-Paradiesvögel.

 

Andy Warhol konzipierte allerdings auch Ausstellungen für Kinder, beispielsweise 1983 in Zürich, wo er Bilder von Tieren und Spielzeugen in Augenhöhe der jungen Besucher hängte. In den Eighties hatte Warhol bei seinen Streifzügen durch die Szene immer eine Kamera bei sich. Die danach zusammengenähten „Sewn Portraits“ (u.a. mit Mick Jagger, Romy Schneider oder dem Studio 54-Gründer Steve Rubell) sind im Mumok in einer langen Schwarz-Weiß-Foto-Galerie zu bewundern.

 

Pop Art – nicht nur von Andy Warhol – gibt es auch in der Ausstellung „Misfitting Together“ im Untergeschoß zu sehen. Und natürlich im Außenbereich des Museumsquartiers, auf der Hauptstiege zum Mumok, die mit den farbenprächtigen „Flowers“-Motiven des 1987 gestorbenen Künstlers geschmückt ist. Go for it!

 

Noch bis 7. März 2021…

"The Essl Collection": Ein Streifzug durch die neue Ausstellung der Albertina Modern!

Performance und Fotomontagen bei gleichzeitig offenem Umgang mit Nacktheit, Sexualität und Körpersubstanzen, das sind die Markenzeichen des im Londoner Eastend ansässigen Künstlerpaares Gilbert & George. Das zeigen sie progressiv und schamlos mit ihrem aus 90 Tafeln bestehenden Werk „Bloody People“ im ersten Hauptraum der Albertina Modern. Die Künstler dreimal nackt mit Posen im Stile der japanischen Affen („Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“) vor dem Hintergrund mikroskopisch vergrößerter Bluttropfen, die auf die dramatische AIDS-Krise der 80er und 90er hinweisen. 

 

Nur eines von 130 Werken der zweiten Ausstellung in der Albertina Modern, die am 7. Dezember unter dem Titel „The Essl Collection“ eröffnet wurde. Die Albertina Modern befindet sich im Künstlerhaus am Karlsplatz, das in den letzten Jahren vom Unternehmer Hans Peter Haselsteiner restauriert und erweitert wurde. Die aktuelle Ausstellung besteht einerseits aus Kunstwerken der im Jahr 2019 erfolgten Schenkung der Familie Essl an die Albertina, andererseits aus der Dauerleihgabe der Familiensammlung Haselsteiner. 

 

Während sich die erste Ausstellung „The Beginning“ auf österreichische Kunst zwischen 1945 und 1980 konzentrierte, werden bei dieser Exhibition – mit einigen Ausnahmen – die Akzente auf die letzten 40 Jahre gesetzt. Rund ein Drittel der Sammlung Essl umfasst internationale Kunst, zwei Drittel der Werke kommen aus Österreich. 

 

Das Ehepaar Karlheinz und Agnes Essl ist seit dem Beginn ihrer Sammlertätigkeit dafür bekannt, dass sie enge Freundschaften mit den Künstlern pflegen und diese auf ihren Karrierewegen begleiten. In der Ausstellung selbst erfolgen keine Einteilungen, weder nach Nationalität, noch nach Entstehungsjahr oder Kunstrichtung. Und so befindet man sich in den geräumigen Hallen der Albertina auf einer Magical Mystery Art Tour zwischen Pop Art eines Alex Katz, Klorollen-Skulpturen des Kärntners Heimo Zobernig, expressiven Gemälden eines Georg Baselitz oder Plastillin-Collagen des österreichischen Künstlerkollektivs „Gelitin“, die an der nicht mehr so blauen Donau einst die „Wachauer Nase“ kreiert haben.

 

Daniel Richter erinnert mit seinem großformatigen Ölbild „Flash“ an die Flüchtlingskrise, Jonathan Meese mit seiner Bronzeskulptur „Dr. Pounddaddy“ an die römische Wolfssaga rund um Romulus und Remus. Annette Messager installiert 28 am Boden liegende Formen aus Fallschirmseide, die sich nach dem Aufblasen in Organe und Extremitäten verwandeln. 

 

Neo Rauch fabriziert auf einem fünf Meter breiten Bild eine rätselhafte Revolution, die vielleicht bereits wieder vorbei ist. Farbprächtige Gemälde des chinesischen Realisten Fang Lijun demonstrieren subtile Bedrohlichkeit unter dem Deckmantel eines Liebespaares. Daneben die überlebensgroßen Skulpturen der ehemaligen Päpste Benedikt und Johannes Paul II., die – aufeinander gebückt - vom rumänischen Künstler Virgilius Moldovan alt, rauh und zerschunden konzipiert wurden. 

 

Ein bunter Stil-Mix erwartet auch die Besucher des Untergeschosses, in dem Fotografien der Essl Collection gezeigt werden. Vertreten sind dort u.a. Cindy Sherman mit ihren legendären „Clowns“, Gregory Crewdson, die auch als Regisseurin („Nowhere Boy“, „Fifty Shades of Grey“) arrivierte Fotografin Sam Taylor Johnson mit ihrem kunstvoll arrangierten „Bram Stoker´s Chair“ oder den Amerikaner Philip-Lorcia diCorcia, der mit Hilfe einer an einem Baugerüst montierten Blitzlichtanlage Passanten am New Yorker Times Square anonym fotografierte. 

 

Ein besonderes Augenmerk richtet die Ausstellung auf die Absolventen der Becher-Schule, die an der Düsseldorfer Kunstakademie von Bernd Becher ausgebildet wurden und zu den Koryphäen zeitgenössischer Fotografie zählen: Thomas Ruff, Thomas Struth, der auf Landschaften spezialisierte Axel Hütte, Candida Höfer oder der „Toten Hosen“-Cover-Fotograf Andreas Gursky. Letzterer ist in der Albertina Modern mit einer Luftaufnahme auf die mit Party People überquillenden Berliner Love Parade vertreten. In (temporären) Zeiten von Social Distancing, Tanz- und Clubverboten ein Kulturschock, der - verhüllt unter der dunklen Face Mask - am schmerzhaftesten in die offenen Wunden brennt…

Terroranschlag im Wiener Bermuda-Dreieck: IS-Anhänger erschießt 4 Menschen!

Tatort Wiener Bermudadreieck in der Nähe des Schwedenplatzes. Trinken, Tanzen, Flirten bis zum Umfallen. Und das seit Anfang der 80er, als umtriebige Gastronomen das ehemalige jüdische Textilviertel zur Party-Meile der Stadt machten. Die ersten Lokale, Krah Krah am Rabensteig, das Kaktus in der Seitenstettengasse (gegenüber dem Stadttempel, der seit einem Anschlag eines palästinenischen Terrorkommandos im Jahr 1981 stets von einem patroullierenden Sicherheitsmann bewacht wird), der für seine heißen Live-Konzerte berühmt-berüchtigte Rote Engel oder das vom Architekten Hermann Czech konzipierte Salzamt gegenüber der Ruprechtskirche, die älteste noch erhaltene Kirche Wiens, die die meist harmlosen "Sünden" der Teens und Twens mit einem "Glockenzwinkern" lässig toleriert.

 

Genau hier befand sich einst das römische Legionslager Vindobona, seit den 80ern tanzen hier die "Jungen Römer" - Die Nacht ist jung wie ihr. Die erste große Liebe, der erste feucht-fröhliche Absturz ins Koma, gefährliche Liebschaften, Eifersuchtskämpfe um die heißesten Prinzen und Prinzessinnen der Nacht, einsame Gespräche mit dem Barkeeper bis in den Morgengrauen oder toxisches Vorglühen für Disco- und Clubnights, die scheinbar niemals enden.

 

Das Bermuda-Dreieck ist seit 40 Jahren - trotz mancher Anrainerbeschwerden und nächtlicher Polizeieinsätze wegen Lärmerregung oder Trinkexzessen - Anziehungspunkt für Junge und Junggebliebene, die dem öden Berufs- und Schulalltag entfliehen wollen und die unerträgliche Leichtigkeit des Seins zelebrieren wollen. Und das gilt nicht nur für die Wiener, sondern auch für Touristen oder für Jugendliche aus der Provinz, die das wilde, rauhe, zügellose Wien zum ersten Mal hier im Ruprechtsviertel erleben wollen. Falls sie sich am nächsten Tag noch daran erinnern können.

 

Ausnahmesituation herrschte auch am 2. November. Um ca. 20 Uhr, 4 Stunden vor dem "zweiten Lockdown" (der die Gastronomie - trotz kaum vorhandener Infektionszahlen - zu einer erneuten Schließung zwingt), flanierten an diesem milden Herbsttag zahlreiche Menschen über Schwedenplatz, Rotenturmstraße und Franz Josefs-Kai. Viele nützten die "letzten Stunden Freiheit" für Essen, Drinks und Shots in den Schanigärten des Bermuda-Dreiecks, die Stimmung war trotz der drohenden Corona-Maßnahmen heiter, positiv und beschwingt wie immer. Bis ein 20jähriger IS-Fanatiker, ein Österreicher mit nordmazedonischen Wurzeln (der seit seiner Geburt in Wien lebt), die friedliche Stimmung der anbrechenden Nacht wie mit einem Donnerschlag zerstört. 

 

Bewaffnet mit einer vollautomatischen Kalaschnikow und einer Machete zieht der Terrorist eine Blutspur durch das Party-Epizentrum Wiens. Vor der Jerusalemstiege auf dem Fleischmarkt ermordet der Terrorist den 21jährigen begeisterten Fußball-Sportler Nexhip V. aus Korneuburg, der wie der Täter nordmazedonische Wurzeln hat. Danach schießt er auf dem Ruprechtsplatz wahllos in Richtung Schanigärten und trifft dabei eine 24jährige "Salzamt"-Kellnerin aus Deutschland tödlich, die sich neben ihrem Studium an der Universität für Angewandte Kunst ihr Geld verdiente. Danach rennt der Täter die Seitenstettengasse auf und ab, um vermutlich von der dort platzierten Überwachungskamera gefilmt zu werden, und erschießt dabei eine 44jährige City-Angestellte, die im Bermuda Dreieck After Work genießen wollte. Vor einem chinesischen Lokal am Rabensteig, an der Eingangsschneise zur Beislszene, ermordet der Täter einen 39jährigen Österreicher mit chinesischer Abstammung, der sich schwer verletzt noch zum Franz Josefs Kai schleppt und dort stirbt.

 

Bei dem Terroranschlag im Herzen Wiens, wurden mindestens weitere 22 Menschen (teils) schwer verletzt, bis zwei WEGA-Polizisten den Täter unterhalb der Ruprechtskirche durch einen tödlichen Schuss stoppten.

 

Tränen, Schock, Entsetzen, Angst prägten das Bild (nicht nur) der Wiener in den Tagen und Nächten nach dem Anschlag. Vor zahlreichen errichteten Gedenkstätten, übersät mit Kränzen, Kerzen und Sprüchen (wie "Religion is our Love" und dem durch einen Augenzeugen typisch wienerisch kreierten "Schleich di, du Oaschloch"), trauern die Menschen mit verweinten Augen um die Opfer des schrecklichen Attentats. In einem Areal, in dem ansonsten das pulsierende Leben tobt und auf das es der Täter - ähnlich wie im Pariser Bataclan, in den Ramblas von Barcelona oder am Berliner Breitscheidplatz - auch abgesehen hatte.

 

Wir dürfen uns von derartig schrecklichen Ereignissen nicht einschüchtern und spalten lassen. Dann hätten nämlich die Attentäter gewonnen, und unsere offene, tolerante und multikulturelle Gesellschaft wäre am Ende. Parties, Happenings und lange Barnächte sollen und werden - trotz anfänglicher Wehmut - im Bermudadreieck wieder steigen. Das kostbarste Gut des Menschen, die Freiheit, darf sich niemals der totalen Sicherheit unterordnen...

 

 

"Zerstreuen über euch": Culk präsentieren im WUK ihr zweites Album!

"Zerstreuen über euch" - So heißt das zweite Album der Wiener Indie-Band Culk, das noch rechtzeitig - vor dem zweiten "Lockdown" - im Wiener WUK präsentiert wurde.

 

Der düstere Sound-Teppich in der Bandbreite zwischen The Cure, Joy Division und britischen Art-Pop, die kunstvoll-minimalistischen deutschen Texte und der kühl-hypnotisierende Auftritt der Sängerin und Multiinstrumentalistin Sophie Löw (die manchmal auch an die Humpe-Sisters der deutschen New Wave-Ära erinnert), das passt irgendwie zur Grundstimmung der aura-limitierten Corona-Zeit, der man im WUK unter dem Titel "The Bad Seated" Tribut zollt: Masken- und Sitzpflicht, Drinks nur an der Outside Bar. Der Stimmung tat dies keinen Abbruch.

 

"Begierde/Scham", das war 2018 jener phänomenale Song, mit dem Sophie Löw, Johannes Blindhofer (Gitarre), Benjamin Steiger (Bass) und Christoph Kuhn (Schlagzeug) mit FM4-Support erstmals Szene-Luft schnupperten und beim Waves Vienna im WUK einen ihren ersten großen Auftritte hatten. Das erste Album "Culk" folgte, das ebenso wie das neue auch bei den Kritikern höchste Lorbeeren genießt.

 

"Zerstreuen über euch" wurde Anfang Oktober zum "Spiegel"-Album der Woche gekürt, die teils schon aus den sozialen Medien bekannten, visualisierten Tracks wurden jetzt erstmals vor Publikum vorgestellt, darunter der Opener "Nacht" (der über die Angst der Frauen, in der Nacht alleine heimzugehen, handelt), "Ruinen" oder "Bronzeguss". Im Mittelpunkt der Texte steht auch der mangelnde Respekt vor Frauen: "Ich bin kein Dichter, doch ich schreibe Gedichte" singt Löw, und moniert, dass "auf Menschen vergessen wird, wenn sie in der Sprache nicht repräsentiert werden".

 

Als finale Zugabe zelebrieren Culk vor ausverkaufter WUK-Halle die beiden - von Goethe inhaltlich unabhängigen - "Faust"-Songs aus dem Debüt-Album, die mit einem langen Instrumental-Part enden. Der mystische Übergang in eine Lockdown-Phase ohne Konzerte, Kultur und Kunst. Die Karriere von Culk wird der lästige Virus aber garantiert nicht stoppen...

The Art of Banksy: UK-Graffiti-Kult in den Wiener Sofiensälen

„Show me the Monet“ brachte den britischen Street-Art-Künstler Banksy kürzlich in die Schlagzeilen. Die an das Monet-Gemälde angelehnte Neuinterpretation der „Japanischen Brücke“, deren Seerosenteich mit Müll und einem Verkehrskegel beschmutzt ist, erzielte mit 8,4 Millionen Euro den – nach den britischen Unterhaus-Affen („Devolved Parliament“) – zweithöchsten Versteigerungserlöses eines Banksy-Werkes.

 

Banksy soll aus Bristol stammen und im Jahre 1974 geboren sein. Außer wenigen Eingeweihten kennt keiner seine Identität, manche vermuten hinter dem Schablonen-Graffiti-Artist und politischen Aktivisten auch ein Künstlerkollektiv. Diverse Ausstellungen über sein umfangreiches Ouevre haben immer einen Schönheitsfehler, sie sind vom Schöpfer persönlich nicht autorisiert. Was allerdings nicht unbedingt den Wertvorstellungen Banksys widerspricht. Stichwort „Copyright is for losers“.

 

„The Art of Banksy“, eine Wanderausstellung, die u.a. bereits in Berlin, Budapest, Amsterdam, Paris und Melbourne leicht variiert zu sehen war, zeigt nun erstmals Banksy-Werke in Wien, und zwar im ehemaligen Clubbing-Tempel der nach einem Brand neu restaurierten Sofiensäle. Die Kritiken sind angesichts der billigen Reproduktionen, kaum vorhandener Originale und ambivalenter Installationen zwar eher negativ ausgefallen. Dies sollte aber niemanden davon abhalten, sich die gegen Rassismus, Polizeigewalt und staatliche Autoritäten gerichteten Motive der Street Art-Ikone anzusehen und sich politisch inspirieren und beeinflussen zu lassen. So frei nach dem Motto: „If Graffiti changed anything, it would be illegal“.

 

Im Mittelpunkt der Banksy-Galerien stehen Frühwerke des Künstlers, deren Hintergründe kurzweilig erläutert werden. Darunter „Girl with a Balloon“, „Pulp Fiction“ (mit dem Bananen- statt Colt-ziehenden John Travolta), „Laugh Now“, „Bomb Hugger“ (das großformatig auf den Wänden platziert wurde) oder die „Monkey Queen“. In einem Nebenraum wird Banksy als Warhol des 21. Jahrhunderts positioniert, mit Kate Moss-Motiven im Marilyn Monroe-Style.

 

Eine Video-Dokumentation zeigt einen kurzen Film über das Wirken Banksys, im Vordergrund der Lounge sieht man einen vermummten Sprayer in einem Studio, der bei einer ähnlichen Ausstellung in Lissabon („Banksy - Genius or Vandal“) durch eine Verdunkelung des Show Rooms mysterischer in Szene gesetzt wurde.

 

Im Foyer zeigt die Ausstellung eine Installation eines Straßenstandes mit mehreren Gemälden, die Banksy 2018 auf dem Markusplatz von Venedig aufgebaut hat. Die Bilder ergeben zusammengefügt einen Luxusfrachter vor der Kulisse Venedigs, der Titel „Venice in Oil“ verweist auf die Umweltverschmutzung durch die Kreuzschiffahrtsindustrie.

 

Nicht fehlen darf die Bathroom-Installation, die Banksy während des Corona-Lockdowns in seiner Home-Office konzipiert hat. Mit Ratten, die im Badezimmer tanzen, offene Zahnpastatuben bespringen und ins WC urinieren. Eine auf einen Spiegel projizierte Ratte macht – wie ein Häftling eines Gefängnisses – Stricherl, die Tage der Quarantäne. Auf eine Fortsetzung dieses Banksy-Artefakts können wir alle getrost verzichten…

 

 

The Art of Banksy – 23. Juli bis 8. November 2020 in den Sofiensälen.