Fotografien als Schlaglichter der Zeit: Photo/Politics/Austria im Mumok Wien!

Spannende Fotoausstellung derzeit im Wiener Museumsquartier: Das Mumok zeigt im 1. Untergeschoß unter dem Titel "Photo/Politics/Austria 100 Fotos aus 100 Jahren, bezogen auf den Zeitraum 1918-2018.

 

Die Fotos stammen aus dem Mumok-Fotoarchiv und von Leihgebern wie der Austria Presse Agentur, dem Filmarchiv und der Nationalbibliothek. Gestaltet wurde der historische Parcours, der nicht nur 100 Fotos, sondern zusätzlich auch erklärende Zeitungsartikel, Texte und Plakate enthält, vom Künstler Markus Schinwald. Die Auswahl der einzelnen Fotos richtet sich einerseits nach der historischen Bedeutung des Ereignisses, andererseits nach der Wirkung der jeweiligen Bilder, "die durch ihre vollkommene Unmittelbarkeit Episoden aus der Vergangenheit wie mit Schlaglichtern erhellen".

 

Die Bandbreite der Fotos umfasst das gesamte politische, gesellschaftliche und boulevardeske Spektrum der 1. und 2. Republik: Nazi-Fotos mit Propagandaästhetik, badende Schönheiten vor durch den Weltkrieg zertrümmerten Gebäuden, das bis 1955 größte internationalste Medienereignis der Staatsvertragsunterzeichnung, die "Help"-Beatles-Dreharbeiten in Obertauern, die Wiener Aktionisten rund um Günter Brus, Elfie Semotans umstrittene "Palmers"-Plakate, Society-Löwe (und späterer sechsfacher Mörder) Udo Proksch, das Lichtermeer 1993 (die mit ca. 300.000 Teilnehmern bisher größte Demonstration Österreichs) Poplegende Falco (seltsamerweise mit "Madame Tussaud"-Bild), der Haider-Unfallswagen, Conchita Wursts sensationeller Songcontest-Sieg (inklusive der opportunistischen "Krone"-Lobeshymnen) oder on Video Screen die "Grasser"-Telefonprotokolle.

 

Die fotografische Zeitreise durch 100 Jahre Geschichte ist noch bis 3. Februar 2019 im Mumok zu sehen. Wer sich näher mit den einzelnen Materien beschäftigen will, kann im Shop dazu einen Ausstellungskatalog erwerben.

Buskers Festival Vienna: Straßenkünstler begeistern auf dem Wiener Karlsplatz!

"Straßenkünstler ist der ehrlichste Beruf der Welt. Man präsentiert ein Produkt, und danach entscheiden die Zuschauer, ob sie bereit dafür sind, etwas zu bezahlen", so der österreichische Akrobat Abraham Thill alias El Diabolero, der - neben der Schauspielerei - seit 1999 die Jonglage betreibt und seit Beginn des Wiener Buskers Festivals 2011 zu den beliebtesten Street Artists zählt.

 

"Busker" ist die englische Bezeichnung für Straßenkünstler bzw. Straßenmusikant. Das Konzept des Wiener Festivals: Die Veranstalter stellen den Künstlern Anfahrtskosten, Kost und Logis zur Verfügung, eine Gage wird nicht bezahlt. Diese erhalten die Akrobaten, Clowns, Musiker, Feuerschlucker,... als "Hutgeld" von den Besuchern. Und die werden pro Jahr mehr. Ca. 80.000 Besucher versammelten sich an drei aufeinanderfolgenden Tagen zwischen 14 und 22 Uhr, um die trickreichen, unterhaltsamen und prickelnden Shows der sympathischen Künstler zu betrachten.

 

Die Bandbreite ist weit gestreut: Von AgrotheClown, Jongleuren wie El Diabolero, Graffiti-Artists, der "spiegelnden" Broken Mirrow Crew, der Schlangenfrau Sara Twister (die mit ihren Füßen die Bogenschießkunst ausübt) bis hin zu heißen Feuershows von Nomad Cirquel ist alles dabei. Direkt über dem "See" vor der Karlskirche faszinieren die Athleten von Aerial Silk mit einer weltweit renommierten Form der Bewegungskunst, der Vertikaltuchakrobatik. Und machen dabei auch Werbung in eigener Sache: Aerial Silk Vienna bietet auch Kurse und Workshops für Sportinteressierte an...

mehr lesen

East Side Gallery: Graffiti-Mauer-Kunst zwischen West- und Ostberlin!

Die backsteinrotfarbene Oberbaumbrücke zwischen Kreuzberg und Friedrichshain, einer der geschichtsträchtigsten Areale während der Teilung zwischen Ost- und Westberlin. Ein Verlassen der durchgeschleusten Zügen war hier zwischen 1961 und 1989 verboten, der Grenzübergang verlief am südlichen Spree-Ufer in Kreuzberg, die Spree selbst und das nördliche Ufer, der sogenannte "Todesstreifen", gehörten bereits zu Ostberlin. Dahinter befand sich noch eine Hinterlandmauer, die seit dem Fall der Berliner Mauer als "East Side Gallery" zu den Tourismusattraktionen der deutschen Bundeshauptstadt zählt.

 

Im Frühjahr 1990 begannen 118 Künstler auf dem Mauerstück in der Mühlenstraße zwischen dem Berliner Ostbahnhof und der Oberbaumbrücke künstlerische Werke über die politischen Veränderungen zu fabrizieren. Die Motive so vielseitig, farbenbunt und intellektuell wie deren Schöpfer. Von puren Liebesbotschaften, politischen Anklagen, einer Glorifizierung des Lebens bis hin zu klugen Sinnsprüchen reicht die Palette. Als besonders populär gilt die Nr. 26 mit dem Titel "Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben", eine Graffiti-Version des Bruderkusses zwischen Breschnew und Honecker 1979 zur 30-Jahre-Feier der DDR.

 

Eröffnet wurde die auf der ostwärtsgewandten Mauer platzierte Galerie am 28. September 1990. Damals bestand der Plan, die Mauerstücke weltweit auszustellen und sie dann zu versteigern. Im November 1991 fand man eine bessere Lösung: Die East Side Gallery wurde unter Denkmalschutz gestellt.

 

Im Laufe der Jahre hatte der gegründete Verein Künstlerinitiative East Side Gallery vor allem mit Verwitterungen der Bilder zu kämpfen. Die erste Sanierung erfolgte im Jahr 2000, eine weitere im Oktober 2008. Bei letzterer wurde das Mauerwerk nachhaltig restauriert, ein Großteil der Bilder musste abgestrahlt werden, sodass die einstigen Künstler nach Berlin eingeladen wurden, um ihr Bild ein zweites Mal an die Mauer zu malen. 87 kamen dieser Aufforderung nach, andere wiederum kritisierten die - im Vergleich zum vorhandenen Sanierungsbudget von 1 Million Euro - zu geringe Aufwandsentschädigung (von 3000 Euro) bzw. die Verletzung des Urheberrechts durch die Beseitigung ihres Erstwerks.

 

Bezüglich dieser Causa haben sich die Wogen in den letzten Jahren geglättet. Proteste löst aktuell die fortschreitende Gentrifizierung im Bereich der Mühlenstraße aus. Direkt an der Uferpromenade soll bis 2021 ein neungeschossiges Hochhaus mit Hotelzimmern und Mietwohnungen ("Pier 61-63") entstehen, daneben Geschäfte und Bistros. Einige Mauersegmente mussten trotz zahlreicher Demonstrationen (und prominenter Teilnahme von "Mr. Looking for Freedom" David Hasselhoff) bereits versetzt werden.

 

Da bereits ein rechtskräftiger Bebauungsplan vorliegt, wird es schwierig werden, dieses Projekt noch zu verhindern. Als positives Zeichen werten die Aktivisten allerdings, dass die East Side Gallery ab 2018 von der "Stiftung Berliner Mauer" verwaltet wird und damit - von Bund und Land abgesichert - als Gedenk- und Erinnerungsort erhalten bleibt. Denkmalschützer fordern zusätzlich eine Bewerbung als (immaterielles) UNESCO-Weltkulturerbe.

 

Sei´s wie´s sei: Den verheerenden "Reichen-Ghetto-"Block direkt an der Spree müssen Touristen, Historiker und Berliner Einheimische künftig widerwillig ertragen.

 

 

ÖVP-FPÖ-Arbeitszeitnovelle: In die Hände spucken - Zum Wohl der Arbeitgeber!

Die tatsächlich geleistete Arbeit beträgt in Österreich aktuell 42,7 Stunden pro Woche, das bedeutet EU-weit Platz 2 hinter Griechenland. Noch zu wenig, meint die ÖVP-FPÖ-Regierung und beschließt ohne Diskussion und ohne Begutachtung eine Gesetzesnovelle zur "Arbeitszeitflexibilisierung", das mit 1. September 2018 in Kraft getreten ist. De facto handelt es sich dabei um ein Wunschpaket der Großkonzerne, das für die Arbeitgeber nur Vorteile, für die Arbeitnehmer nur Nachteile bringt.

 

Während die Normalarbeitszeit weiterhin 8 Stunden bzw. 40 (oder 38,5) Wochenstunden beträgt, wird die Höchstarbeitszeit von 10 auf 12 Stunden täglich bzw. von 50 auf 60 Stunden wöchentlich hinaufgesetzt. In speziellen Fällen (wie zur Verhinderung eines unverhältnismäßig wirtschaftlichen Nachteils) war dies bisher schon möglich. Dazu mussten aber die Zustimmung des Betriebsrats bzw. eine schriftliche Vereinbarung und ein arbeitsmedizinisches Gutachten eingeholt werden. Diese "bürokratischen Erfordernisse" (wie sie gerne von der Industriellenvereinigung bezeichnet werden) sind jetzt nicht mehr notwendig. Es reicht ein "erhöhter Arbeitsbedarf". Betriebsrat und Arbeitnehmer haben KEIN Mitspracherecht mehr.

 

Laut § 7/6 AZG haben die Arbeitnehmer aber das Recht, Überstunden ohne Angabe von Gründen abzulehnen, wenn die Tagesarbeitszeit von 10 Stunden oder die Wochenarbeitszeit von 50 Stunden überschritten wird. Auch darf eine Benachteiligung hinsichtlich des Entgelts, der Aufstiegsmöglichkeiten und der Versetzung nicht stattfinden. Bei einer Kündigung wegen der Überstunden-Ablehnung können die Arbeitnehmer innerhalb von 2 Wochen diese anfechten. Klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Kein Mitarbeiter wird aus Angst vor einem Jobverlust (bei aktuell ca. 350.000 registrierten Arbeitslosen in Österreich) Überstunden ablehnen, sondern stattdessen lieber in Kauf nehmen, dass sein Familienleben oder seine körperliche Gesundheit den Bach runtergehen. Dazu muss man wissen, dass es in Österreich keinen generellen Kündigungsschutz gibt. Der Arbeitgeber kann jederzeit einen Arbeitnehmer kündigen - OHNE Angabe von Gründen.

 

Arbeitnehmer in Gleitzeit werden großteils um die Überstundenzuschläge umfallen. Werden die Gleitzeitvereinbarungen nämlich auf einen Zeitraum von 12 Stunden ausgedehnt, dann werden Überstunden nur dann fällig, wenn sie der Arbeitgeber anordnet. Laut Arbeiterkammer liegt eine derartige Deklaration so gut wie nie vor. Negative Auswirkungen hat die neue Arbeitszeitregelung auch für All-In-Verträge.

 

Viele Arbeitnehmer hoffen durch die Einführung des 12-Stunden-Tags auf eine 4-Tage-Woche. Abgesehen davon, dass diese bereits jetzt durch eine Betriebsvereinbarung festgelegt werden kann, besteht darauf kein gesetzlicher Anspruch. Ebenso, wann der Arbeitnehmer diese in Anspruch nehmen kann. 

 

Im Tourismus wird bei sogenannten "geteilten Diensten" die Ruhezeit von 11 auf 8 Stunden verkürzt. Man soll sich hier einmal die Situation vorstellen, wenn jemand einen Anfahrtweg von 1-2 Stunden hat. Und das ohne Berücksichtigung etwaiger Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder einfach nur verdienter Freizeit. Durch die Hintertür wurde durch die "rechtskonservative" Regierung noch zusätzlich im Arbeitsruhegesetz die Wochenend- und Feiertagsarbeit eingeführt, auch hier besteht bei Betrieben ohne Betriebsrat wieder ein freies Ablehnungsrecht. Es darf gelacht werden, wenn es nicht so traurig wäre.

 

Einige Personengruppen sind komplett vom Arbeitszeitgesetz ausgenommen. Das sind wie bisher leitende Angestellte und die Familienangehörigen von Unternehmern. Neu dazu kommen aber nun Arbeitnehmer, denen maßgebliche selbständige Entscheidungsbefugnisse übertragen wurde. Diese Personen können zeitlich ohne Einschränkung beschäftigt werden. Wer genau darunter fällt (bspw. Filial- oder Projektleiter), das können nicht einmal namhafte Arbeitsrechtsexperten beantworten.

 

"Wo kein Kläger, da kein Richter" lautet ein eherner Rechtsgrundsatz. Arbeitnehmer werden sich hüten, in unsicheren Arbeitsmarkt-Zeiten den Arbeitgeber wegen Rechtsverstößen anzuzeigen. Daher: "Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt!" Im Gegensatz zur Arbeitszeitnovelle war der Geier Sturzflug-Hit satirisch gemeint...

Download
BGBLA_2018_I_53 - Arbeitszeitgesetz.pdf
Adobe Acrobat Dokument 471.8 KB

U2 live in Berlin: Voice-"Blackout" nach dem fünften Track "Beautiful Day"!

U2 waren 2017 mit ca. 46 Millionen Euro der bestverdienende Music-Act, 95 % der Einnahmen resultierten dabei aus Live-Auftritten. Im Rahmen ihrer "Experience & Innocence"-Tour gastierten die Iren auch 2018 weltweit in den größten Arenen. Wien war auch dieses Jahr nicht dabei, angeblich ist die Stadthalle nicht für die 360 Grad-Konzeption der Show geeignet. In Berlin waren beide Konzerte innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, das zweite Konzert in der Mercedes Benz-Arena endete allerdings nach nur 5 Tracks.

 

"Freedom, Justice, Equality", "Never again" oder "Refugees Welcome" - Mit zahlreichen Messages startet die aktuelle Europa-Tour der sozial und menschenrechtlich engagierten Iren. Der grassierende Rechtspopulismus und -extremismus bietet auch in Europa dafür genügend Nährstoff. Noch vor dem ersten Track "The Blackout", der zuerst als persönliche Apokalypse, durch die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung allerdings auch als political dystopia zu verstehen ist, spricht Charlie Chaplin als "Great Dictator" zu den Hintergrundklängen von Zooropa und inmitten von verstörenden Bildern aus dem Zweiten Weltkrieg und schnell geschnitten Collagen von Trump, Putin, Snowden & Co.. "When the Lights go out", der treibende Refrain von "Blackout", dröhnt hinter einer riesigen Visual Wall. Bono Vox, The Edge, Clayton & Mullen sieht man nur schemenhaft hinter den projizierten Figuren der Bandmitglieder. 

 

Beim zweiten Song "Lights of Home" wagt sich Bono Vox erstmals direkt per Steg zu den Fans in den Stehbereich der Arena, der Rest der Band spielt routinemäßig im Vordergrund. Dann "I will follow", der Opening-Track aus dem 80er-Debüt-Album "Boy". Gewidmet ist der Song der früh verstorbenen Mutter Bonos, auf der Setlist jeder U2-Tour vertreten. Bereits beim vierten Song "Red Flag Day" aus dem neuen Album "Songs of Experience" treten die ersten stimmlichen Schwierigkeiten bei Bono auf, das Publikum unterstützt den irischen Kult-Sänger und bekommt dafür am Montag danach eine spezielle Gratifikation per Facebook. Nach ihrem 4. Nr.1-Hit "Beautiful Day" allerdings ist Schluss, Bono Vox kann aufgrund verlorener Stimme das Konzert nicht fortsetzen, der Veranstalter verkündet das Ende des Events. Statt Beautiful Night Entsetzen und Trauer beim internationalen und teilweise weit angereistem Publikum in der Berliner Arena.

 

Erst ein einziges Mal hatten U2 bis dato ein Konzert vorzeitig abgebrochen. Das war 1989 in Amsterdam, dort standen aber wenigstens 16 Songs auf der rudimentären Setlist. Veranstalter und Band haben allerdings schnell reagiert, das Ersatzkonzert wurde datiert mit 13. November. Auch eine Ticketrückgabe ist bis 6. November möglich. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass nur wenige diese Alternative in Anspruch nehmen. Und zwar vermutlich die, die ein Ticket für eine andere europäische U2-Location ergattert haben. Eines macht das Ersatzkonzert in Berlin (in deren Hansa-Studios einst "Achtung Baby" entstanden ist) aber auf jeden Fall einzigartig: Nicht Dublin, sondern die einst geteilte historische Stadt Berlin ist die Location des Abschluss-Konzerts der U2-Europatournee 2018...

 

Statement der Band auf www.u2.com:

 

We're so sorry for tonight's cancellation. Bono was in great form and great voice prior to the show and we were all looking forward to the second night in Berlin, but after a few songs, he suffered a complete loss of voice.

We don't know what has happened and we're taking medical advice.

Adam, Larry and Edge

mehr lesen

"We are all the same People!" - Afrika-Tage 2018 mit Basar, Beats and Good Feelings!

"Wir wollen unseren Beitrag zum friedlichen Miteinander der Kulturen leisten, die Scheu vor dem Fremden nehmen und zeigen, dass wir eine Welt sind." So Medhat Abdelati, seit 2005 Veranstalter der Afrika Tage auf der Wiener Donauinsel. Und es zeigt Wirkung. Die Zuschauerströme des ohne öffentliche Gelder und Sponsoren stattfindenden Festivals werden von Jahr zu Jahr stärker.

 

Auf einer Fläche von 40.000 m2 gibt es für die Besucher zwei Wochen lang die Möglichkeit, afrikanische Kulturen kennenzulernen und mit Angehörigen fremder Völker in Kontakt zu kommen. Herzstück ist ein großer Basar, in dem Kunst- und Gebrauchshandwerk, Musikinstrumente, Kochutensilien, Textilien, Möbel, Masken und Schmuck angeboten werden. Auch die afrikanische Haarflechtkunst kann ausprobiert werden. Kinder (und natürlich auch Erwachsene) stehen vor dem spannenden Nervenkitzel, auf einem Kamel zu reiten. Tägliche Trommel-Sessions und Tanz-Shows vor dem Sahara-Zelt erzeugen ein schnelles Gemeinschaftsgefühl zwischen Einheimischen und Afrikanern. An zahlreichen gastronomischen Ständen können die Besucher afrikanische Spezialitäten (wie Couscous, Akara, Bissap oder Igishue) gustieren. NGO´S wie Ärzte ohne Grenzen, World Vision oder Amnesty International liefern nachhaltige Information und laden auch zur Unterstützung ihrer Projekte ein.

 

Täglich sorgten ab 18 Uhr zwei Live-Acts aus den Genres World Music und Reggae für euphorisch-chillige Atmosphäre bei zumeist heißen afrikanischen Temperaturen. Dazu zählten auch Hitparadenstars wie Inner Circle, die ihr 50 Jahr-Band-Jubiläum feierten, Ky-Mani Marley (ein Sohn des legendären Reggae-Großmeisters) oder die bereits 85jährige Latin-Legende Manu Dibango, einst mit "Soul Makossa" der erste afrikanische Musiker mit einer Nr. 1-Platzierung in den USA.

 

Erst seit 2009 im Business ist der aus Teneriffa stammende Reggae-Musiker Dactah Chando, der sein neues 6. Album "Global Cityzen" im Rahmen einer Europa-Tour vorstellt. Produziert wurde die neuen Tracks gemeinsam mit Gentleman´s Evolution Band. Sein Lebensmotto heißt genauso wie einer seiner eingängigsten Tracks: "Positivo".

 

Diese Philosophie pflegt auch der Italo-Jamaicaner Alberto d´Ascola. Der bereits in seiner Heimat Sizilien mit der Band "Reggae National Tickets" erfolgreiche Musiker wanderte 2001 nach Jamaica aus, um die authentische Rastafari- und Reggae-Kultur kennenzulernen. Mit seinem ersten Album als "Alborosie", Soul Pirate, gelang ihm 2007 auf beiden Seiten des Atlantik der kommerzielle Durchbruch. Gemeinsam mit dem multikulturellen Shengen Clan und zahlreichen Gastsängern präsentierte Alborosie bei den Afrika-Tagen - neben Classics wie "Kingston Town" oder "Herbalist" - sein brandneues Album "Unbreakable", das auch ein Cover des Metallica-Hits "Unforgiven" enthält. 

 

"One Love and Unity" und "We are all the same People" - Das sind Botschaften, die der sympathische Reggae-Musiker und (weißer) Vater zweier (schwarzer) Kinder immer wieder an die Fans weitergibt. Dort vor der Bühne sind sie längst angekommen, leider bei vielen Menschen weltweit (noch) nicht. Sonst wären gewisse Politiker, egal ob sie jetzt Trump, Le Pen, Orban, Kurz, Strache oder Salvini heißen, längst von der Bildfläche verschwunden.

mehr lesen

Abschaffung der Notstandshilfe: Sozialabbau betrifft zu 76 Prozent Österreicher!

Sozialabbau und Ausländerfeindlichkeit, das zeichnet die schwarz-blaue Bundesregierung aus. Gleichzeitig versucht man der naiven Bevölkerung durch leere Phrasen und PR-Tricks weiszumachen, dass die sozialen Kürzungen nur die Ausländer und Flüchtlinge treffen. In nahezu allen Fallkonstellationen sprechen die Fakten eine andere Sprache. Ein Beispiel: Die Notstandshilfe.

 

Die Notstandshilfe ist eine Leistung, die aus den Mitteln der Arbeitslosenversicherung bezahlt wird. Sie wird dann gewährt, wenn der Arbeitslosengeldbezug erschöpft ist und der Arbeitslose sich in einer Notlage befindet. Eine Notlage liegt dann vor, wenn dem Arbeitslosen die Befriedigung der notwendigen Lebensbedürfnisse unmöglich ist.

 

Blättert man im Regierungsprogramm der asozialen Kurz-Strache-Koalition, dann soll in den nächsten Monaten die Notstandshilfe abgeschafft werden. Stattdessen sollen die Langzeitarbeitslosen einen Anspruch auf Mindestsicherung haben. Dieser setzt allerdings u.a. voraus, dass sie ihre gesamten Ersparnisse bis auf 4.188,79 Euro (2016) aufbrauchen müssen. Haben die Langzeitarbeitslosen eine Eigentumswohnung, dann hat das Sozialamt nach 6 Monaten Bezug das Recht, sich im Grundbuch eintragen zu lassen. Bei einer Erbschaft müssen die Erben, also im Regel die Kinder, die "Mindestsicherungsschulden" zurückzahlen, ansonsten muss die Wohnung verkauft werden. 

 

Eine drastische Verschlechterung der rechtlichen und finanziellen Situation für arme Bürger in Österreich, die großteils schuldlose in derartige Schwierigkeiten geraten sind. Die Regierung versucht stetig mit xenophoben Phrasen wie "Wir sind nicht das Sozialamt Europas" darauf hinzuweisen, dass ohnehin nur mehr bei Ausländern rigide Maßnahmen getroffen werden.

 

Blickt man auf die aktuellen Statistika der Notstandshilfe, dann sieht man das genaue Gegenteil. 2017 gab es im Jahresdurchschnitt 157.483 Bezieher. Der Ausländeranteil betrug mit 37.415 knapp 24 Prozent. Drei Viertel der Notstandshilfe-Bezieher sind also Österreicher, die von der schwarz-blauen Bundesregierung brutal in die Mindestsicherungsfalle torpediert werden.

 

Hoffentlich merken es die Menschen nicht erst, wenn es zu spät ist. Diese Regierung muss gestoppt werden, solange Österreich nicht nur wie bereits jetzt imagemäßig, sondern auch sozial- und gesellschaftspolitisch von "rechtskonservativen" Kräften zerstört wird.

Afrika-Tage 2018: Inner Circle mit Reggae-Hitfeuerwerk auf der Wiener Donaunsel!

Girl, I want to make you sweat, sweat till you can't sweat no more. And if you cry out, I'm gonna push it some more. A la la la la long, a la la la la long long." - Einer jener Superhits aus dem Jahre 1992, die man auch heute noch bei Retro-Parties oder im Radio-Mainstream-Format hört und an die man sich gerne erinnert (auch wenn man es öffentlich nicht zugibt).

 

Die dazugehörige Band, Inner Circle, die existiert noch immer und gastierte im Rahmen ihrer Europa-Tour bei den Afrika-Tagen auf der Wiener Donauinsel. Der damalige schwergewichtige Sänger Carlton Coffie ist allerdings nicht mehr mit dabei. Er trennte sich nach den großen 90er-Hits von Inner Circle und betreibt eine Solokarriere. Mit von der Partie sind allerdings noch die Gründungsmitglieder Ian und Roger Lewis. Tatsächlich wurde ja die aus dem Reggae-Ursprungsland stammende Band im Jahre 1968 (!) erstmals formiert. Deren erster Sänger, Jacob Miller, starb 1980 bei einem Autounfall und ist damit traurigerweise Mitglied des legendären "Club 27".

 

Die weltweit erfolgreichen Chart-Hits von Inner Circle entstanden unter den Vocals von Carlton Coffie: "Sweat", "Rock with you", "Games People Play" oder das auch als Hip Hop-Version für einen gleichnamigen Will Smith-Film remixte "Bad Boys". Alle diese Reggae-Ohrwürmer standen auch auf der Setlist des Inner Circle-Auftritts auf der Donauinsel, performt vom neuen Inner Circle-Sänger Kris Bentley, dem ehemaligen Lead-Vocalisten von "Skool".

 

Das Bühnen-Areal direkt neben den zahlreichen Afrika-Zelten war voll wie nie zuvor, und eine multikulturelle Fan-Schar feierte euphorisch die Reggae-Kulthits der Vergangenheit. Da durften natürlich auch einige Coverversionen des Groß-Meisters Bob Marley nicht fehlen. Bei "One Love" und "Three Little Birds" (Every little Thing is gonna be alright") begleitete ein spontaner Besucherchor die Vocals von Bentley. Inner Circle 2018 - Weiterhin ein Tip für stimmungsvolle Reggae-Sommernächte.

 

 

 

mehr lesen

Calle Libre - Street Art in Vienna!

In den USA grassierte das Graffiti-Fever Ende der 70er, gemeinsam mit dem Aufkeimen der Hip Hop-Kultur. In Österreich war diese - trotz vereinzelter talentierter Interpreten - weniger ausgeprägt. Die Graffiti-Szene wurde lange - österreichtypisch - mit schiefen Augen anvisiert. Die Kritzeleien auf den Wänden seien bloße Sachbeschädigungen, die von der Polizei verfolgt werden müssen. So die Volksmeinung. Nichtsdestotrotz existierten bereits in den 90ern "legale Wände", auf denen die Sprayer ihre mehr oder weniger gesellschaftskritischen Graffitis kreieren konnten. Die Anzahl dieser Flächen stieg in den letzten Jahren zusehends an, und auch die Einstellung der Bevölkerung gegenüber Street Art hat sich klar verbessert.

 

Seit 2014 organisiert der Wiener Jakob Kattner das "Calle Libre"-Festival (zu deutsch "freie Straße"). Im Rahmen dessen lädt er Künstler nach Wien, die live riesige Hausflächen in Wien bepinseln und besprayen. Das Veranstaltungsprogramm beinhaltet zusätzlich Workshops, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und Urban Art Tours, bei der die Teilnehmer die besten Street Art-Kunstwerke kennenlernen. Obwohl von manchen kritisiert, bestehen auch Kooperationen mit dem "scheinbaren Establishment", mit dem Mumok oder der Albertina.

 

Street Art ist auch im Austrian Way of Life angekommen und macht unsere Welt bunter, lebensfroher und schriller. Und dagegen kann keiner negative Argumente vorweisen.

Jahressteuergesetz: Regierung beschließt Steuerzuckerl für Immobilienkonzerne!

Grunderwerbsteuer zahlt in der Regel jeder, der ein Grundstück erwirbt, egal ob es sich um einen Kauf, eine Schenkung oder um eine Erbschaft handelt. In Österreich sind allerdings manche gleicher als andere, dank der neuen "rechtskonservativen" Regierung von ÖVP und FPÖ.

 

Erwirbt jemand ein Grundstück, dann beträgt die Grunderwerbsteuer je nach Grundstückswert zwischen 0,5 und 3,5 Prozent des Kaufpreises. Dies gilt auch beim Kauf einer Firma mit Immobilienbesitz. Wird der Immobilienbesitz allerdings in eine oder mehrere Tochterfirmen ausgelagert, dann fällt gemäß einer Klarstellung im neu beschlossenen "Jahressteuergesetz 2018" keine Grunderwerbsteuer mehr an.

 

Laut dem Finanzrechtsexperten Christoph Urtz ermöglicht die Klarstellung legale Umgehungsmöglichkeiten, die Immobiliengesellschaften oder russische Oligarchen für Zinshauskäufe nützen werden. "Wenn jemand fünf Millionen für ein Zinshaus in Wien ausgeben will, würde ich ihm sagen, gründen sie zwei Firmen, dann können sie das Zinshaus später grunderwerbssteuerfrei weiterverkaufen."

 

Theoretisch kann auch jeder Private diese Firmenkonstruktion nützen. Sie zahlt sich allerdings auch nur bei höheren Millionenbeträgen aus. Eben für jene Großkonzerne und Immobilien-Tycoone, die zur Wählerklientel der ÖVP gehören und an die die FPÖ ihre eigenen Wähler verkauft hat.

 

 Anm.:  Für die Grunderwerbsteuer wurden 2018 1,15 Milliarden Euro veranschlagt.

"Hack the System": "Ants"-Club Colony kapert das Ushuaia Ibiza!

"Giving an event an identity, choosing the right lineup and promoting it well to the right people in the right places is the formula for a good party", das Erfolgsrezept des Ameisenhäuptlings :-) Andrea Oliva. Mit seiner sensationellen Club-Reihe "Ants" ist dem Schweizer Tech-House-DJ dies gelungen. Die Party People stürmen buchstäblich wie die Ameisen in die Club-Locations und feiern dort bis zum ekstatischen Ende.

 

Im schicken Ushuaia Ibiza Beach Hotel ist dies bereits die Mitternachtsstunde. Seit 2011 bietet die vom spanischen Unternehmer und Politiker Abel Matutes ins Leben gerufene Open-Air-Location an 7 Tagen die besten DJ´s der Welt. 4000 Besucher zelebrieren kurz nach dem Strandbesuch eine Dance-Party zwischen Bühne, Swimmingpool und Hotelbalkonen. Mit gigantischen Pyro-Effekten, lauten Beats und landenden Flugzeugen über den stets lächelnden, euphorisierten Gesichtern der Clubbing People. 

 

Die "Ants"-Colony von Andrea Oliva gehört seit 2013 zum fixen Programm des Ushuaia. Die "Workers-friendly-Party" (so die Strategie Olivas) beginnt im Gegensatz zu den anderen Events bereits um 15 Uhr, die DJ´s mixen dabei direkt am Pool ihre technoiden Beats und wechseln dann gegen Dämmerungsbeginn auf die Main Stage.

 

"Ants"-Resident-DJ´s sind neben Andrea Oliva 2018 u.a. Joris Voorn, DJ Sneak, Groove Armada, Maya Jane Coles, Kölsch und Nic Fanciulli. Die "Ants" sind auf Ibiza everywhere, auf den Discobussen, der Ushuaia-Fassade, auf riesigen "Keep on dANTSing"-Plakaten, in Form von riesigen Konstruktionen über der Stage und elektrisierend marschierend in den Lichtsäulen der Ushuaia-Aussichtsplattformen. Und natürlich kann man sie auch als Souvenir nach Hause nehmen, der Ushuaia-Fashion Store ist voll von "Ants"-Merchandising-Artikeln: T-Shirts, CD´s, Bags, Kaffeetassen, Motorrad-Helme, USB-Sticks, Bikinis, Boxer-Shorts und schweißkühlende Fächer. Da fehlt eigentlich nur mehr eine Ecstasy-Tablette mit "Ants"-Konterfei :-)

 

Ekstatisch ist jedenfalls der "Ants"-Sound: Straighter Tech und Deep House, garniert mit brillanten Remixes a la "Cafe del Mar", "Age of Love" oder "Welcome to the Jungle", der aktuellen Trademark des Schweizer Protagonisten Andrea Oliva. Im Rahmen des diesjährigen BBC-Radio One-Visits auf Ibiza durfte sich auch Olivas langjähriger Freund Pete Tong, DJ-Legende und zuletzt Classic House-Arrangeur gemeinsam mit dem Heritage Orchestra, ins Ameisenkostüm werfen. Auf den ersten Blick "Hack the System" (so das 2018er-Motto), auf den zweiten nur bedingt. Im Gegensatz zu vielen anderen Radiostationen der Welt fördert BBC Radio One die progressiv-extravagante Club-Kultur. Inklusive "Essential-Mixer"-Andrea Oliva selbst :-)

 

mehr lesen

Mace Ibiza - Ein Streifzug durch das Museum für moderne Kunst Eivissas!

Die coolsten Clubs der Welt, lange Strände und tägliche Sonnengarantie. Ibiza ist DIE spanische Urlaubs- und Nightlifeinsel schlechthin. Und hat auch in punkto Kultur vieles zu bieten.

 

Wer nach einer langen Disco-Tour und ausgiebigem Frühstück die Lust hat, kulturelle Schätze von Ibiza zu inspizieren, braucht sich nur - bis 14 Uhr (oder am Abend) - in Ibizas unter Weltkulturerbe stehende Altstadt Dalt Vila begeben. Direkt nördlich der "Croissant Show" über die Zugbrücke durch das Portal de ses Taules und dann links einige (steile) Meter aufwärts. Dann befindet man sich vor den Toren des Museo d´Art Contemporani d´Eivissa, kurz und prägnant MACE genannt.

 

Das ibizenkische Museum für zeitgenössische Kunst wurde 1969 eingeweiht und befindet sich im ehemaligen Waffensaal der Königlichen Armee aus dem 18. Jahrhundert. 2012 erfolgten eine Restaurierung und eine Erweiterung mit der Konstruktion eines neuen Glasgebäudes. Im Rahmen der Bauarbeiten wurden punische Wohnstätten aus dem 4. Jhdt. v. Chr. entdeckt, die durch einen transparenten Boden integriert wurden.

 

Bei - vor allem während der Hitzewelle - angenehm kühlen Temperaturen hat der Besucher die Möglichkeit, die Kunstwerke Ibizas ab den 60er Jahren kennenzulernen. Darunter befinden sich stets aktuell auf der Biennale Ibiza preisgekrönten Artefakte als auch Malereien und Installationen von Künstlern, die das kulturelle Image der Baleareninsel geprägt haben. Dazu zählen Werke der renommierten Grupo 59, die sich vor allem durch "künstlerische Unruhe" und ein "immer wieder neues Anfangen" definiert hat. Mitglied dieser Gruppe war auch der vom Nationalsozialismus geflüchtete Deutsche Erwin Broner, der mit seiner Mischung aus "Bauhausstil" und "ibizenkischer Tradition" die Architektur der La Isla Blanca weiterentwickelt hat. Sein legendäres "Casa Broner" steht direkt an der Ostküste Eivissas im originären Bezirk Sa Penya.

 

Der weltbekannte spanische Maler Antoni Mari Ribas ist mit zahlreichen Werken zu betrachten, Will Faber, Eduard Micus, Marcel Floris, Frank El Punto, Pete Tauste, aber auch junge innovative Künstler wie Irene de Andres, die die populäre Discokultur der Gegenwart widerspiegelt.

 

Beim Streifzug durch das Mace entdeckt man auch einen Wiener Fotografen und Maler: Felix Waske, 1967 mit seiner Frau nach Ibiza (temporär) gezogen. Nicht nur der "Meister der Vielfigurierung" weiß die wunderschöne Balaereninsel zu schätzen.

 

Mace Ibiza, Ronda Narcis Putget, 07800 Ciudad de Ibiza.

Die Austro-Szene boomt! 60.000 Besucher beim 9. Wiener Popfest auf dem Karlsplatz!

Bereits zum neunten Mal fand dieses Jahr das Wiener Popfest statt, das bei freiem Eintritt vier Tage lang Einblick in die musikalische Szene von Österreich bietet. Das Programm wurde 2018 zusammengestellt von der Musikjournalistin Katharina Seidler und dem Musiker Nino Mandl (aka "Der Nino aus Wien").

 

Hauptlocation vor Mitternacht war die Seebühne vor der Karlskirche, das Wetter war - außer bei der Eröffnungsshow der punkigen "Dives"-Girls - regenfrei. Insgesamt lauschten um die 60.000 Besucher an den 4 Tagen den neuesten Klängen österreichischer Popkultur. Darunter "ältere" Bands wie Naked Lunch (die gemeinsam mit Gustav ihre neue Single "Here come the Bells" präsentierten) oder Kreisky, aber vor allem viele neue Acts, die vor ihren ersten großen Auftritten schwitzten. Diese aber mit Bravour ablegten. So beispielsweise Pressyes, das neue Projekt von Ex-Velojet-Member Rene Mühlberger, oder die oberösterreichische Elektronik-Indie-Band Naked Cameo, die auf der kleineren Red Bull Music Stage die Besucher begeisterten.

 

2016 hatte dort auch Mavi Phoenix ihren ersten Auftritt, dieses Jahr war Österreichs größte Pop-Hoffnung - der Falter bezeichnet sie sogar schon als "Superstar" - mit ihren R&B- und Hip Hop-Tracks zu Gast auf der Main Stage. Kein Wunder, wird die talentierte Mavi auch von renommierten internationalen Festivals (wie Primavera Barcelona) gebucht. Ihr latino-angehauchter Track "Aventura" war sogar Teil der "Desigual"-Kampagne.

 

Freitag und Samstag gehörte die Main Stage zur Prime Time den Grunge-Rockerinnen von Aivery und den Hip Hoppern von Kreiml & Samurai. Viele weitere Konzerte - insgesamt um die 60 - fanden auch im Wien Museum, im TU-Prechtlsaal und im TU-Kuppelsaal statt. Dazu der Drahdiwaberl-Film "Weltrevolution" zum Gedenken an Stefan Weber, ein Hansi Lang-Tribute, Lyrik im Karlsgarten und zahlreiche Diskussionsforen.

 

"Eine Veranstaltung wie das Popfest hätte es bereits in den 90ern geben sollen." - So die "alten Hasen" von Naked Lunch. Da haben sie hundertprozentig recht.

mehr lesen

Das Abba-Museum in Stockholm - Ein Tribut an vier schwedische Weltstars!

Agnetha Fältskog, Benny Andersson, Björn Ulvaeus und Anni-Frid Lyngstad alias ABBA gehören zu den erfolgreichsten Bands aller Zeiten. Sie verkauften in ihrer aktiven Zeit zwischen 1972 und 1982 mehr als 400 Millionen Tonträger und prägten mit ihren poppigen Songs und glamourösen Outfit das Lebensgefühl der 70er und frühen 80er. Im Gegensatz zu anderen Interpreten blieb ihre Musik stets unvergessen und wurde von jeder Generation - durch Best of Sampler, Musicals, Filme oder Retro-Clubbings - neu für sich entdeckt. Die Idee eines eigenen Abba-Museums - ähnlich der Beatles in Liverpool - schwirrte daher schon länger in den Köpfen diverser Geschäftsleute. Realisiert wurde sie nach dem Abschluss der Abba World-Wanderausstellung, im Rahmen derer Exponate u.a. in London, Sydney und Budapest gezeigt wurden. Und zwar dort, wo die Karriere der vier Jugendfreunde begann: In Stockholm.

 

Eröffnet wurde das Abba-Museum am 7. Mai 2013, auf der zentral gelegenen Stockholmer Insel Djurgarden, direkt gegenüber dem bekannten Vergnügungspark Gröna Lund. Der Eintritt beträgt aktuell 250 Schwedische Kronen (um die 26 Euro), mit Ermäßigungen für Familien, Studenten und Kinder. Die Ausstellung beleuchtet dabei nicht nur die Anfänge der Band, den weltweiten Durchbruch mit dem Songcontest-Sieg in Brighton und die beispiellose Hit-Karriere, sondern bietet auch zahlreiche interaktive Betätigungsmöglichkeiten, so zum Beispiel beim Karaoke-Singen mit Abba-Hologrammen, Plattenaufnahmen im nachbauten Polar Studio, bei "persönlichen" Gesprächen mit den Idolen am "Ring Ring"-Phone und natürlich Selfies mit den lebensgroßen Silikonfiguren von Göran Lundström. Außerdem kann Platz genommen werden im kultigen Hubschrauber vom 76er-"Arrival"-Cover oder ganz romantisch auf der Holz-Bank neben den Abba-Stars.

 

Filmregisseur Jonas Akerlund, bekannt durch die skandalträchtigen Prodigy-Tracks, hat für das Abba Museum einen gewohnt schnell geschnittenen Intro-Film produziert, zu sehen gibt es natürlich auch die Original-Abba-Videos und Ausschnitte aus dem 77er Abba-Movie von Lasse Hallström, der maßgeblich am marketingtechnischen Erfolg der Band beteiligt war. Viele Privatfotos stammen direkt aus den Händen der schwedischen Popstars selbst, die sich in der Musikerszene kennenlernten und sich noch vor dem Karriere-Durchbruch ineinander verliebten.

 

"Breaking up is never easy..." - Die Songzeile aus dem 76er-Hit "Knowing me, Knowing you" - wurde allerdings privat und beruflich zu ihrem Schicksal. Sowohl die Ehe von Agnetha & Björn (1979) als auch jene von Benny und Frida (1981) ging in die Brüche. Kurz danach wurde die letzte Abba-LP "The Visitors" (mit dem romantischen Single-Hit "One of Us") veröffentlicht. Wie erfolgreich die vier Schweden in den zehn aktiven Bandjahren zwischen 1972 und 1982 waren, zeigen nicht nur die vielen Goldenen Schallplatten, sondern auch die zahlreichen Merchandising-Artikel in der Ausstellung und im Shop (zu denen sich auch ein Conchita Wurst gesellte :-)).

 

In einem Interview behauptete Benny, dass eine gänzliche Trennung ursprünglich gar nicht geplant war. Man wollte eigenständige musikalische Wege gehen (was tatsächlich ja auch geschah). Benny und Björn komponierten das Musical "Chess" mit dem Mega-Hit "One Night in Bangkok", die ehemaligen Leadsängerinnen Agnetha und Frida produzierten Solo-Alben mit Single-Ohrwürmern wie "The Heat is on" und "Something´s going on". Das Abba-Museum zeigt seit Mai 2018 im Rahmen einer Sonderschau auch die Karriere der vier Schweden nach der Auflösung. So zählt das Best of-Album "Gold" aus dem Jahre 1992 mit 31 Millionen verkauften Exemplaren zu den weltweit erfolgreichsten Alben. Das 1999 in London uraufgeführte Abba-Musical "Mamma Mia" wurde bis heute von mehr als 60 Millionen Zuschauern besucht. Zu einem Riesen-Publikumshit kristallisierte sich auch die Musical-Verfilmung "Mamma Mia" aus dem Jahre 2008, eine Fortsetzung unter dem Titel "Here we go again" läuft aktuell in den Kinos.

 

Die Abba-Welle ist nicht am Abebben. Im Gegenteil. Die vier Band-Mitglieder waren kürzlich nach 35 Jahren wieder gemeinsam in den Studios, um für eine Erinnerungsshow mit Abba-Avataren zwei neue (!) Songs einzuspielen. Für das Museum im Herzen Stockholms brechen goldene Zeiten an. So frei nach dem Abba-Motto: "The Winner takes it all!"

Neues Arbeitszeitrecht: Kein Rechtsschutz mehr für "untergeordnete" Führungskräfte!

Am 1. September 2018 tritt eine Novelle des Arbeitszeitgesetzes in Kraft, beschlossen von ÖVP, FPÖ und Neos. Die öffentlichen Diskussionen drehen sich vorwiegend um den 12-Stunden-Tag. Tatsächlich enthalten die neuen Paragraphen noch zahlreiche weitere Verschlechterungen für die Arbeitnehmer, darunter auch für die "dritte Führungsebene".

 

Das Arbeitszeitgesetz normiert im § 1/2 Ausnahmen vom Geltungsbereich, beispielsweise für "leitende Angestellte". Darunter versteht man Arbeitnehmer der 2. Führungsebene (direkt unter der Unternehmensführung), die wesentliche Teilbereiche eines Betriebes eigenverantwortlich leiten und auf den Bestand und die Entwicklung des Unternehmens Einfluss nehmen. Diese verfügen zumeist über ein eigenes Budget, organisieren die Diensteinteilung der Mitarbeiter, erhalten ein überdurchschnittlich hohes Gehalt und bestimmen ihre Arbeitszeit weitgehend selbst.

 

Für diese leitenden Angestellten gelten aufgrund des geringeren Schutzbedürfnisses weder das Arbeitszeitgesetz noch das Arbeitsruhegesetz. Das heißt, dass für diese Arbeitnehmer keine Höchstarbeitsgrenzen und keine gesetzlichen Mindestruhezeiten existieren. Es bestehen auch keine gesetzlichen Vorschriften zur Überstundenzahlung. Die Arbeitszeit muss für diese Arbeitnehmer überhaupt nicht erfasst werden. 

 

Diese Ausnahmeregelung wird durch die neue Bundesregierung jetzt erweitert auf "Arbeitnehmer, denen maßgebliche selbständige Entscheidungsbefugnis übertragen ist und deren gesamte Arbeitszeit aufgrund der besonderen Merkmale der Tätigkeit a) nicht gemessen oder im voraus festgelegt wird, oder b) von diesen Arbeitnehmern hinsichtlich Lage und Dauer selbst festgelegt werden kann."

 

Kurz gesagt: Eine Ansammlung unbestimmter Gesetzesbegriffe, die auf jeden Fall eine Folge nach sich zieht: Eine drastische Verschlechterung der Arbeitnehmerrechte für die sogenannte "3. Führungsebene", für die ab 1. September die Schutzvorschriften des Arbeitszeitrechts nicht mehr gelten.

 

Darunter könnten laut Arbeitsrechtsexperten u.a. Filialleiter von Supermärkten, Teamleiter in Betrieben, Außendienstmitarbeiter, PR-Leute, Rechtsexperten in Unternehmen oder technisches Fachpersonal fallen. Werden diese unter die neue Ausnahmebestimmung subsumiert, dann haben sie nicht einmal mehr das – ohnehin fragwürdige – freiwillige Recht, Überstunden ab der 11. Stunde abzulehnen. 

 

Anwälte warnen - auch in Hinsicht auf eine restriktive EU-Richtlinie - vor zahlreichen Prozessen, bei denen aber in jedem Fall der Arbeitnehmer der Benachteiligte ist. Selbst wenn er den Rechtsstreit gewinnt, ist zumeist der Arbeitsplatz ade.

 

Der Großteil der Arbeitnehmer sollte also noch die letzten Sonnenstrahlen genießen. Ab September herrscht dank der schwarz-blauen Regierung ein härterer Ton in der Privatwirtschaft.

Kunst und Ironie im Waldviertel - Der Karikaturgarten in Brunn am Walde!

Karikatur-Fans haben in Niederösterreich mehrere Optionen. Einerseits auf einen Trip in die Wachaumetropole Krems zum Karikaturmuseum, andererseits auf einen Ausflug in das Waldviertel nach Brunn am Walde in den Karikaturgarten.

 

In beiden Lokalitäten steht der im Juni verstorbene Künstler Manfred Deix Pate, in Krems mit einer Dauerausstellung, im Karikaturgarten mit einer genialen Holzskulptur von Franz Traunfellner, Tschik und Katzen inklusive. Diese ist aber beileibe nicht das einzige Meisterwerk in der historischen Gartenanlage Lichtenaus.

 

Der 2010 eröffnete Karikaturgarten, der von der Gartenbauschule Langenlois gepflegt wird, enthält neben stets aktualisierten Zeichnungen des renommierten Karikaturisten Bruno Haberzettl zahlreiche Skulpturen aus Stein, Holz und Keramik. Die Motive reichen von Sagenfiguren (wie Teufel, Wassermänner, Hellseher oder Steinversetzer), Prominenten (wie Kaiser Franz Josef und Lauda als Schachfiguren) bis hin zu Politikern (Pröll als Schutzpatron "Erwinia", Mikl-Leitner) und Zeichentrick-Figuren. So personifizieren Asterix und Obelix das "Gallische Dorf Lichtenau". Der Zaubertrank: Ein Zwettler.

 

Auf dem "Schlafbaum" dagegen gehen 18 Krähen ihrer verdienten Ruhe nach. Jede von ihnen repräsentiert einen Arbeiter einer der 18 Gemeinden Lichtenaus, die nach getaner Arbeit wieder in ihre Heimat zurückkehren.

 

 

Bei einigen Installationen blitzt deutlich eine Sehnsucht nach vergangenen Zeiten auf. Als der Bauer noch Selbstversorger war, das Pferd noch die Aufgaben der Traktoren übernahm oder noch keine künstlichen Hotels in den Naturlandschaften errichtet wurden. Der Karikaturgarten präferiert ein sogenanntes "5 Sterne-Nützlingshotel" - deren Bewohner: Schmetterlinge, Larven und Ohrwürmer.

 

Der "Märchenerzähler" thematisiert die Informationsflut durch Fernsehen und Internet in Form eines Trichters. Was der individuelle Medienkonsument tatsächlich in sich aufsaugt, bleibt ihm überlassen und liegt im Spannungsfeld zwischen einer unzensurierten Aufnahme und einer fundierten Wahrheitsprüfung der Nachrichten.

 

Erotik pur gleich links im vorderen Bereich des Karikaturgartens. Dort räkelt sich die aus der Goethe-Ballade "Der Fischer" bekannte Figur der Müllerstochter Leni. Kurz, bevor sie vom "Donaufürst von Strudengau" ins Wasser gezogen wird. 

 

Der künstlerisch anspruchsvolle, informative und unterhaltsame Karikaturgarten in Brunn am Walde ist geöffnet von 1. April bis 15. November, täglich von 9 bis 20 Uhr. Und auf jeden Fall einen Ausflug ins grüne Waldviertel wert!

 

www.karikaturgarten.at

www.tourismuslichtenau.at

"Summer of Love!" in Wien: Open Air-Techno mit Nina Kraviz, Maceo Plex & Co.

Junge Leute mit Sonnenblumen in den Haaren, Sunglasses im Gesicht, einem beschwingten Lächeln und tanzend am hellichten Tag unter freiem Himmel! Ibiza? Goa? Tomorrowland? Nein, Epizentrum Wien, Traktorfabrik mitten in Floridsdorf.

 

"Summer of Love" nennt sich das Open Air-Festival, das nach seiner Premiere im Vorjahr zum zweitenmal auf dem ca. 4000m2 großen Gelände der Traktorfabrik organisiert wurde. Die für Wiener Verhältnisse ungewöhnliche Veranstaltungszeit: 12 Uhr mittags bis 22 Uhr.

 

Auf dem Line Up standen nicht nur regionale Tech House- und Minimal-Techno-DJ´s, sondern auch internationale Top-Acts und Newcomers. Zu letzteren zählt beispielsweise der britische Industrial Techno-Produzent Blawan, der bereits für Radiohead-Remixes verpflichtet wurde und um 16 Uhr nachmittags die Party People zum Tanzen brachte.

 

Viele warteten zu dieser Zeit natürlich bereits auf die russische Techno-Queen Nina Kraviz. Die in Irkutsk geborene Doktorin der Zahnmedizin (sic est!) ist seit 2008 groß im Geschäft - mit Gigs im renommierten Moskauer Club Propaganda, Minimal Techno-Tracks a la "Pain in the Ass" oder "Ghetto Kraviz" und seit 2014 auch mit ihrem eigenen Label "Trip". "Techno is a Phenomenon like Jazz", so ihre Diktion. Auch die einschlägigen Medien wie MixMag sind von der temperamentvollen Djane begeistert ( https://mixmag.net/feature/nina-kraviz-is-our-dj-of-the-year), die keines ihrer Auftritte speziell vorbereitet, sondern sich vom Moment kreativ inspirieren lässt. Die "Summer of Love"-Besucher waren auf jeden Fall begeistert von ihrem frühabendlichen Set zwischen 17.30 Uhr und 19 Uhr.

 

Unmittelbar darauf betrat die Techno-Legende Rush die DJ-"Bühne" in der Silhouette der Traktorfabrik. Isaiah Major, so sein eigentlicher Name, stammt aus Chicago und war dort einer der stilprägenden Techno-Protagonisten in Clubs wie dem Powerhouse und dem legendären Warehouse. Obwohl bereits etwas älter als der Großteil der Techno Freaks trifft Rush weiterhin den Geschmack der Party People.

 

In Ibiza derzeit groß angesagt ist der in Valencia lebende US-Techno-Produzent Maceo Plex. So stehen u.a. Auftritte im Privilege, Amnesia ("Pyramid"), DC 10 oder Hi Ibiza in seinem Tour-Programm. Von den "Summer of Love"-Veranstaltern wurde er als innovativer "Surprise"-Act für die "Sperrstunde" bis 22 Uhr verpflichtet. Der Sound: Eine progressive Mixtur aus Future Techno, Trance und Minimal Beats, passend zum Sonnenuntergang und zu den Visuals. Mit auf der Setlist sein brandneuer "Blade Runner"-Remix. The Replicants are still alive. Dies gilt auch für die aufgeheizten Party People. Weiter getanzt wurde dann u.a. in der Grellen Forelle bei der offiziellen After Hour.

 

Man darf gespannt sein, ob auch nächstes Jahr wieder eine "Summer of Love" oder ein ähnliches Open Air-Event in Wien stattfindet. Die Veranstalter beklagten auf Facebook Probleme mit dem Magistrat und den Anrainern. Das Echo der Techno-Fans war auf jeden Fall mehr als positiv.

mehr lesen

"Liberte, Egalite, Mbappe" - Frankreich zum zweitenmal Fußball-Weltmeister. Ein Rückblick!

"Liberte, Egalite, Mbappe!" - Das sind die neuen Parolen der Franzosen nach dem triumphalen Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Moskau. Und tatsächlich steht der 19jährige Shooting Star, Sohn eines Kameruners und einer Algerierin, aufgewachsen in den Banlieus, als Symbol für eine multikulturelle Gesellschaft jenseits von nationalen Grenzen, die vorurteilsfrei nach gemeinsamen Zielen strebt. Der zweite Titel nach 1998 ist natürlich auch ein Triumph für den liberalen Präsidenten Macron, den es kaum auf den Sitzen der Ehrentribüne hielt, und Balsam für das französische Volk nach den tödlichen Terroranschlägen im Herzen von Paris.

 

In die Fußballgeschichte Frankreichs geht auch Didier Deschamps ein. 1998 beim ersten WM-Sieg Mannschaftskapitän, 20 Jahre später Erfolgstrainer, der es schaffte, aus einer schwer zähmbaren Truppe von Individualisten rund um Griezmann, Pogba & Co. ein kompaktes Team mit einer effektiven Defensivstrategie zu formen. Die Franzosen eliminierten im Achtelfinale Argentinien, im Viertelfinale Uruguay und dann im Semifinale durch ein Tor des Barcelona-Verteidigers Umtiti die "goldene Generation" der Belgier. Im Finale gegen Kroatien war ihnen in der ersten Hälfte auch das Glück hold. Dem Freistoß zum 1:0 (durch ein Eigentor von Mandzukic) ging eine Schwalbe von Griezmann voran. Nach dem Ausgleich von Perisic erzielte Antoine Griezmann durch einen nach einem Videobeweis verhängten Elfmeter den Führungstreffer. In den ersten Minuten der zweiten Hälfte machten aber die Offensivstars der Franzosen alles klar: 3:1 Pogba, 4:1 Mbappe, nach dem Finalspiel mit dem Young Player Award ausgezeichnet. Das 2:4 nach einem Fehler des ansonst souveränen Schlussmannes Lloris war nur noch Formsache. 

 

Die Kroaten brauchen aber über die Niederlage nicht unglücklich sein. Das 4-Millionen-Land erreichte 2018 erstmals ein Finale und - nach dem 3. Platz bei der WM 1998 - die beste Platzierung bei einem internationalen Fußball-Bewerb. Das Team des erst im Oktober 2017 aus der Arabischen Emirate verpflichteten Trainers Zlatko Dalic hatte es - trotz leichterer Auslosung - viel schwerer, ins Finale zu kommen. Elfmeterschießen gegen Dänemark und Russland, im Semifinale 2:1-Verlängerung gegen die Engländer. Scheinbar unermüdlich im Zenit des kroatischen Angriffsfußballs: Luka Modric. Der Real-Star wurde für seine Leistungen bei der WM zum besten Spieler des Turniers ("Golden Ball Winner") ausgezeichnet. Vor Eden Hazard (Belgien) und Antoine Griezmann. Die Kroaten dürfen stolz sein auf ihr Nationalteam, und das sind sie auch, wie dies erste Fan-Reaktionen aus "Little Zagreb" in Ottakring gezeigt haben.

 

 

"Football´s coming home", die Fußballerhymne der Briten, schaffte in der Finalwoche den Sprung auf Platz 1 der UK-Single-Charts. Das blieb den Kickern zwar verwehrt, die Erfolgskurve zeigt aber steil nach oben: Erstmals seit 1990 wieder in einem Semifinale, den "Elferfluch" gegen Kolumbien besiegt und die stetig positive Entwicklung eines neuen Teams rund um WM-Torschützenkönig Kane, Goalie Pickford und den stets im eleganten Gilet auftretenden Coach Southgate. Nach einer 2:0-Niederlage im Spiel um Platz 3 gegen Belgien belegten die Engländer Platz 4.

 

Frühes Aus für die Superstars des runden Leders. Cristiano Ronaldo, beim spannenden 3:3-Thriller gegen Spanien noch mit einem Triple Pack erfolgreich, musste bereits nach der 1:2-Achtelfinalniederlage gegen Uruguay seine Koffer packen. Auch ein Klubwechsel steht bevor: Nächste Saison kickt Ronaldo für eine Gage von 30 Millionen Euro netto bei Juventus Turin.

 

Lionel Messi bleibt zwar weiterhin bei Barcelona, den Traum vom Weltmeistertitel dürfte der nunmehr 31jährige  - im Gegensatz zu dem in den VIP-Logen exzessiv feiernden Diego Maradona - wohl begraben. Nach einer bereits mühsamen Vorrunde (mit einer Niederlage gegen Mexiko) verloren die Argentinier gegen die Franzosen im Achtelfinale mit 3:4.

 

Auch nur bis ins Viertelfinale schaffte es der teuerste Transfer der Fußballgeschichte, Neymar. Die Selecao musste sich dort gegen die Belgier mit 1:2 geschlagen geben. Neymar selbst wurde wegen seiner theatralischen Einlagen mit Spott aus dem Internet konfrontiert. Zu seiner Ehrenrettung: Er war mit 26 Fouls auch der meistgefoulte Kicker der Fußballweltmeisterschaft.

 

Insgesamt 3087 Pässe absolvierten die Spanier, somit klare Nr. 1 in dieser WM-Statistik. Genützt hat die Ballüberlegenheit der Furia Roja allerdings nichts. Die russischen Gastgeber besiegten bereits im Achtelfinale die Spanier im Elfmeterschießen, als neuer Trainer wurde während der WM der ehemalige Nationalspieler Luis Enrique bestellt. Vermutlich mit dem Ziel einer Neupositionierung des spanischen Stils.

 

Bereits nach der Gruppenphase war Endstation für den Titelverteidiger Deutschland. Gerade noch dem vorzeitigen Aus gegen Schweden entronnen. schmissen die Südkoreaner die Löw-Truppe aus dem Bewerb. Laut Statistik ist die WM 2018 die erste Weltmeisterschaft seit 1930, an dem weder Brasilien noch Deutschland im Semifinale stehen.

 

Riesenpech für das Team aus Senegal. Zwei gelbe Karten zuviel waren der Grund, warum die Afrikaner nach der Gruppenphase die Heimreise antreten mussten. Die ersten Opfer der neuen "Fair Play"-Regel.

 

Ebenfalls zum ersten Mal eingesetzt wurden sogenannte Videoassistenten, die bei 4 Spielsituationen (Tore, Strafstöße, Rote Karten und Verwechslungen) herangezogen werden können bzw. selbst per Funk die Möglichkeit zur Intervention haben. Die Evaluierung dieser "Video Assistent Referees" wird nicht einfach werden. Vor allem die Auswahl der überprüften Spielzüge wird von Experten kritisiert. Auswirkungen hatte die zu begrüßende Maßnahme jedenfalls auf die hohe Anzahl von Elfmetern, so auch im WM-Finale.

 

Und der Gastgeber? Der stieß unter der Fittiche des ehemaligen FC-Tirol-Tormannes Tschertschessow mit disziplinierter Verteidigungstaktik überraschend bis ins Viertelfinale vor. Im Elfmeterschießen mussten sich die Russen allerdings dem späteren Vizeweltmeister Kroatien geschlagen geben. 

 

Gesellschaftlich war rund um die Spielstätten eine Aufbruchsstimmung zu spüren. Friedliche Parties der Fußball-Fans auf den Straßen, Toleranz seitens der sonst rigiden Sicherheitsbehörden. Ob dieses freie Lebensgefühl allerdings anhalten wird, ist leider eher zu bezweifeln.

 

Das nächste Fußball-Großereignis findet in 2 Jahren statt, und zwar erstmals nicht in einem oder zwei Ländern,  sondern an 12 verschiedenen Spielorten in Europa. Teilnahmeberechtigt sind wie 2016 wieder 24 Nationalmannschaften, Halbfinale und Finale werden im Londoner Wembley-Stadion ausgetragen. Then Football´s truly coming home :-)

Überwachung on Air: Nationalrat beschließt Vorratsdatenspeicherung der Fluggastdaten!

Die Regierungen können es einfach nicht lassen. Bereits dreimal wurde seitens des EuGH entschieden, dass eine Vorratsdatenspeicherung nicht mit unseren Grundrechten vereinbar ist. Zuletzt 2017, als der Europäische Gerichtshof festgestellt hat, dass ein Abkommen zum Austausch von Fluggastdaten zwischen der EU und Kanada dem Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens und dem Schutz personenbezogener Daten widerspricht. Höchstwahrscheinlich ist auch die PNR-Richtlinie der EU als grundrechtswidrig zu betrachten.

 

Der Terminus PNR leitet sich von "Passenger Name Records" ab, zu deutsch Fluggastdatensatz. In diesem werden alle Daten und Vorgänge rund um eine Flugbuchung elektronisch aufgezeichnet und auch nach Ende der Flugreise noch in den Computersystemen gespeichert. Die schwarz-blaue Bundesregierung hat kürzlich im Nationalrat die PNR-Richtlinie in nationales Recht ("PNR"-Gesetz) umgesetzt und die ohnehin schon umstrittene Vorratsdatenspeicherung überschießend konstruiert.

 

Ziel des PNR-Gesetzes ist die Verarbeitung von Fluggastdaten zur Vorbeugung, Verhinderung und Aufklärung von terroristischen und bestimmten anderen Straftaten. Zuständig ist die Fluggastdatenzentralstelle (Passenger Information Unit), die beim Innenministerium eingerichtet ist. Die Verpflichtung zur Übermittlung von Fluggastdaten gilt laut EU-Richtlinie an sich nur für Passagiere, die aus Nicht-EU-Ländern nach Österreich einreisen bzw. von Österreich in einen Drittstaat fliegen. Im § 2/5 des PNR-Gesetzes wurde allerdings eine Verordnungsermächtigung für den Innenminister festgelegt. Dieser kann den Anwendungsbereich des Überwachungsgesetzes jederzeit auf Flüge innerhalb der EU erweitern. Kritisiert wird diese Übererfüllung der Richtlinie nicht nur von der Opposition, sondern auch von Grundrechtsorganisationen wie epicenter.works.

 

Es handelt sich dabei nicht um den einzigen Kritikpunkt in dieser heiklen Materie. Mangelnder Rechtsschutz, zu geringer Datenschutz oder eine Diskriminierungsgefahr bei sogenannten "Treffern" werden von Grundrechtsexperten als weitere Argumente gegen die Richtlinienumsetzung herangezogen.

 

Wie läuft das Procedere? Die PNI ist ermächtigt, die einlangenden Fluggastdaten vor der Ankunft oder dem Abflug mit Daten aus Fahndungsevidenzen bzw. anhand festgelegter Kriterien abzugleichen und das Ergebnis in einer PNR-Datenbank zu verarbeiten. Begründete Ersuchen können von Sicherheitsbehörden, Staatsanwaltschaften, Gerichten, aber auch von der EU-Polizeibehörde Europol gestellt werden. Daten in der PNR-Datenbank und in der Trefferverwaltung sind fünf Jahre nach Übermittlung durch die Luftfahrtsunternehmen zu löschen, eine Depersonalisierung des Fluggastes erfolgt nach sechs Monaten, die allerdings wieder aufgehoben werden kann.

 

Die Kontrolle der Rechtmäßigkeit obliegt einem weisungsfreien Datenschutzbeauftragten. Dieser ist von der Aufhebung einer Depersonalisierung und von jeder Übermittlung an Drittstaaten zu informieren. Eine nationale Kontrollstelle, wie sie die PNR-Richtlinie fordert, wurde in Österreich nicht eingerichtet.

 

Was man in Österreich unter "Fluggastdaten" versteht, schlüsselt der § 3 des PNR-Gesetzes ausführlich auf. Dazu gehören nicht nur Buchungsdatum, Abflugdatum, Vor- und Familiennamen, Anschrift, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, sondern auch alle Arten von Zahlungsinformationen, Reiseverlauf, Reisestatus, Sitzplatzinformationen, vollständige Gepäckangaben und die Namensangaben von Mitreisenden.

 

Private Daten und Informationen, die gebündelt beim Innenministerium zusammenlaufen und deren Verarbeitung einer mangelhaften Kontrolle unterliegt. Österreich bewegt sich zusehends in Richtung exzessiver Überwachungsstaat. Mit einer zusätzlichen Ermächtigung an den Innenminister, diesen durch eine einfache Verordnung zu erweitern. Es kommt einem im Hochsommer das Frösteln. 

"Vorsicht Ausländer!" - Plakate gegen Rassismus von Patricio Handl!

Schlendert man auf der Linken Wienzeile direkt am Naschmarkt Richtung Karlsplatz, dann entdeckt man an der Scheibe eines Lokals ein großes Plakat mit einer Aufschrift, die einem sofort im Gedächtnis bleibt und Labsal ist in einer Welt, die immer mehr gekennzeichnet ist durch Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und mangelnde Nächstenliebe: "Ach Wien, ohne uns fremde Migranten, Zugewanderte, hättest du weder Vergangenheit noch Zukunft."

 

Dieses Plakat stammt vom Wiener Grafikdesigner Patricio Handl, selbst Kosmopolit und engagierter Aktivist gegen Xenophobie. Handls Vater floh 1938 von den Nazis nach Montevideo, dort wurde Patricio als Sohn einer Uruguayanerin geboren. Sein Lebensweg führte ihn weiter nach Chile, Buenos Aires, Hamburg (wo er studierte) bis vor 30 Jahren nach Wien. 

 

Äußerungen wie "Ein Land ist kein Einwanderungsland" stören ihn und widersprechen komplett der Realität. "Politiker, die so etwas verbreiten, hätten eine Macke" und haben nur ein Ziel: Die Bevölkerung gegen Ausländer und Migranten aufzuhetzen. 

 

Selbst in seinem Geburtsort Montevideo, seit jeher gekennzeichnet durch ein einwanderungsfreundliches Klima, seien Migranten mit Diskriminierungen bei der Arbeits- und Wohnungssuche konfrontiert.

 

Handls Plakate gegen Rassismus, die er gerne auch als "Patografie" bezeichnet, sind  - wie kürzlich in der ORF-Sendung "Heimat fremde Heimat" ausgestrahlt - jetzt auch in der Hauptstadt Uruguays zu betrachten. Und zwar im "Museum der Migrationen" unter dem ambivalenten Titel "Wir gegen die anderen". Teils in Übersetzung, teils original mit spanischer Erklärung. Aufdrucke wie "Vorsicht Ausländer" oder "Armländer sind Ausländer" zeigen auch in Montevideo ihre Wirkung und sorgen für Nachdenklichkeit und Betroffenheit, aber auch für Motivation, diese negativen gesellschaftlichen Strömungen zu bekämpfen.

 

Denn eine alternde Gesellschaft brauche Einwanderung. Und Migranten dürfen sich nicht fremd im fremden Land fühlen.

ORF-Beitrag aus der TV-Sendung "Heimat Fremde Heimat" (Juni 2018)

Nova Jazz & Blues Night in Eisenstadt mit Parov Stelar & Jestofunk!

"Das einzige Österreich-Konzert von Parov Stelar im Jahr 2018" - Mit diesem Teaser konnten die Veranstalter des diesjährigen Nova Jazz & Blues Night-Festivals ziemlich sicher mit einem Massenansturm rechnen. Und tatsächlich war trotz unsicherer Wettervorhersagen der Schlosspark Esterhazy in Eisenstadt bereits am Nachmittag prall gefüllt, egal ob auf den Tribünen, vor den gastronomisch-kulinarischen Ständen oder ganz chillig auf ausgebreiteten Picknickdecken. 

 

Das Festival, das stets mit den samstäglichen "Lovely Days" terminlich zusammengelegt wird, findet seit 2016 in der burgenländischen Landeshauptstadt statt und bot 2018 ein anspruchsvolles, unterhaltsames Line-Up: Hot Pants Road Club, Freak Power (einst in den 90ern mit Fatboy Slim und einem Levis-Werbespot sogar Platz 1 in den Pop-Charts) und die australischen Funk-Rocker Cat Empire heizten bereits am sonnigen Nachmittag kräftig ein.

 

Erster Höhepunkt für die tanzfreudigen Gäste waren die italienischen Jungs von Jestofunk, die in den 90ern mit housigen Acid Jazz-Beats weltweit für volle Tanzflächen sorgten. "Can we Live", I´m gonna love you" oder "Say it again" hießen die Anthems des Trios aus Ravenna, stets interpretiert vom amerikanischen Soul-Sänger Ce Ce Rogers. Der war auch in Eisenstadt mit live auf der Bühne und präsentierte dort auch ein cooles Cover des Ibiza-Hits "Promised Land". Eine Female Voice mit Rap-Ambitionen durfte nicht fehlen. Das Dance Inferno im Schlosspark bei idealem Dämmerungsanfall war perfekt.

 

Vor dem Auftritt der Electro Swinger betrat Gregory Porter, stets bedeckt mit einer Ballonmütze, die Bühne. Der US-Sänger war einst ein erfolgreicher American Footballer, der allerdings nach einer Schulterverletzung verzweifelt seine Karriere beenden musste. Heute ist er einer der erfolgreichsten Jazzsänger und erhielt 2013 für sein Album "Liquid Spirit" den Grammy. Sein letztes Album widmete er seinem Vorbild Nat King Cole. Die Arrangements ideal für Verliebte und Verträumte, aber auch für jene, die noch Kräfte sparen wollten fürs nächtliche Abshaken zu Parov Stelars Swing Beats.

 

Weltberühmt nicht nur in Österreich, sondern weltweit. Diese Trademark passt kongenial zu Marcus Füreder (alias Parov Stelar) aus Linz und seiner Band, die bereits auf allen Breiten- und Längengraden der Welt spielten. Los Angeles, Mexico, Seoul, Broadway New York, Paris, Glastonbury, Sziget,... Das Konzept: Großartige Live-Musiker mit der Besetzung Posaune, Trompete, Saxophon, Gitarre und Drums, eine elegante, chice Vocalistin (Cleo Panther), und das unter der Regie von Parov Stelar als Laptop-DJ im Background. Der Sound: Swing aus den 20ern und 30ern, kreative Samples aus der Pophistory, unterlegt mit modernen Electro-Beats zum Tanzen.

 

Die Parov Stelar ist aufgrund ihrer zahlreichen Auftritte perfekt eingespielt, die Lightshow kontrastreich und grell, die Setlist abwechslungsreich. Neue Tracks aus dem Album "The Burning Spider" (das erstmals auch Blues-Elemente enthält) variieren mit unveröffentlichem Material und Klassikern wie dem im Italien mit Doppelplatin ausgezeichneten "All Night", "Catgroove" oder "Clap your Hands". Die Wirkung lässt nicht zu wünschen übrig: Das Publikum in Eisenstadt tanzt, singt und klatscht von der ersten bis zur letzten Minute. 

 

Für den siebenfachen Amadeus Award-Gewinner Füreder keine Selbstverständlichkeit. Dieser bedankt sich vor dem letzten Track persönlich bei seinen Fans und lässt auch seinen anwesenden Vater herzlich grüßen. Das Finale übernimmt stimmlich dann wieder Cleo Panther. "Step Two" heißt der neue Song aus dem letzten Album, dort singt ihn Lilja Bloom. Die Ehefrau von Parov Stelar :-)

mehr lesen

Donauinselfest Tag 3: Ina Regen; Ofenbach; Portugal the Man.

Die im oberösterreichischen Grieskirchen geborene Regina Mallinger war bis vor kurzem neben ihrer Tätigkeit als Gesangspädagogin eine talentierte Background-Sängerin. Das bezaubernde Lied "Wie a Kind" unter ihrem Pseudonym Ina Regen machte sie in ganz Österreich bekannt. Der Donauinselfest-Auftritt vor zehntausenden Besuchern zählt zu ihrem bisherigen Karriere-Highlight, was sie auch immer wieder freudenstrahlend betont.

 

Die für den Amadeus Award nominierte Künstlerin präsentierte - am Klavier sitzend - neben ihrer ersten Single auch das durch das Conchita-Duett bekannt gewordene Goisern-Cover "Heast as nit", die neue Single "Paris" und einige Uptempo-Tracks aus ihrem im Herbst erscheinenden Album "Klee". Überzeugen konnte die sympathische Sängerin auch mit einem Cover des Grönemeyer-Hits "Mensch".

 

Ein gutes Händchen beweisen die Donauinselfest-Veranstalter stets mit den sonntäglichen Dance-Acts. Nach Robin Schulz und Lost Frequencies wurden dieses Jahr die französischen Deep House-DJ´s von Ofenbach gebucht. Neben ihren Superhits "Be Mine", "Katchi" und "Party" mixten die Newcomer Laurent de Rummel und Dorian Lauduique auch bekannte "Rock-Samples" der Chillipeppers, White Stripes und Joan Jett in ihre unterhaltsame Set-List.

 

Das Finale bestritten auf der FM4-Bühne die Indie Rocker von Portugal the Man, die kürzlich für ihren Superhit "Feel it still" einen Grammy Award erhielten. Produziert von Gorillaz-Mixer Danger Mouse und unter der Regie von Sänger John Gourley spielte die aus Alaska stammende Band vor einer prall gefüllten Hügel-Kulisse im westlichen Bereich der Donauinsel. Mit dabei: Tracks aus ihrer seit 2004 bestehenden Band-History von "Modern Jesus", "Hip Hop Kids" bis "Live for the Moment", Covers von Pink Floyd ("Another Brick in the Wall") und den Beatles ("Hey Jude" als Finale), stets begleitet von witzigen Sprüchen auf den Videowalls (wie "The Hit is coming soon"). 

 

Insgesamt besuchten 2,4 Millionen Menschen das diesjährige 35. Donauinselfest mit insgesamt 18 Themeninseln und 600 Stunden Programm.  Trotz vergleichsweise kühler Temperaturen.

mehr lesen

Donauinselfest Tag 2: Konstantin Wecker - Poesie & Widerstand gegen Rechts!

Es war zweifelsohne der wichtigste Auftritt beim Donauinselfest 2018. Und man sollte eigentlich jedem einzelnen österreichischen Wahlberechtigten eine Kopie dieser Performance schicken. Oder zumindest einen Textabzug. Konstantin Wecker, kürzlich 71 geworden, betrat Samstag Abend kurz vor 8 mit seiner Band die Bühne und sprach dort Klartext getreu seines letzten Albums "Poesie und Widerstand" und seiner persönlichen Wertvorstellungen.

 

Für eine offene Gesellschaft, Toleranz und Nächstenliebe und gegen Rassismus, Faschismus und jene widerwärtigen Rechtspopulisten, die in ganz Europa versuchen, die Gesellschaft zu spalten. Die österreichische Kurz-Strache-Regierung blieb nicht ungeschoren. Im Gegenteil: Sie wurde von Wecker genau in jenes Salvini-Orban-Le-Pen-Seehofer-Eck gestellt, in dem sie sich - eitel wie ein Pfau - medial präsentiert. Lieder wie "Empört euch", "Sage Nein" oder eine neue Version des legendären "Willi" (siehe Text unten) zeigen die Stoßrichtung, mit der die Mehrheit (die es noch immer gibt) auf Rechtsextremis und Ausländerhass reagieren soll und muss. 

 

"Deutschland weint, wenn Mexiko im Fußball gewinnt und schaut weg, wenn 600 Flüchtende im Meer ausharren und Italien die Häfen dicht macht." - Eine erschütternde Anekdote von Wecker in der Dämmerung der Nacht. Das zweite Spiel gewannen übrigens Deutschen gegen die Schweden durch ein Kroos-Tor in der letzten Minute. Die germanische Fußball-Welt ist wieder in Ordnung, die echte bricht in sich zusammen.

 

Der holländische Star-DJ Fedde le Grand, einst Nr. 1 in den UK-Charts mit "Put your Hands up for Detroit", liefert auf der Krone Hit-Bühne den Soundtrack für die house- und technoverliebte Young Generation der Donauinsel. Und erreicht zumindest auf dem Dancefloor jenen melting Pot unabhängig von Staatsangehörigkeit, Herkunft oder Religion, den wir uns gesellschaftlich so gerne wünschen.

 

Während Lisa Stansfield auf der Main Stage versucht, einen Spagat zwischen Klassikern wie "All around the World" und neuen Tracks wie "Deeper" zu finden, weiht der in Tulln geborene Liedermacher Voodoo Jürgens seine Gästeschar ins düstere Wiener Lied des 21. Jahrhunderts ein. Inklusive "Haberer" wie Kathi Trenk, Ernst Molden und natürlich den Nino aus Wien. Auch eine gelungene Ludwig Hirsch-Coverversion ("Omama") darf auf der kultigen FM4-Bühne nicht fehlen. Mehr davon gibt es im Herbst im Rahmen einer Voodoo Jürgens-Special Tour zu hören.

mehr lesen

Donauinselfest Tag 1: Wanda; Rea Garvey; Mavi Phoenix; Mainframe Recordings.

2015 spielten die Jungs von Wanda noch auf der (kleineren) Indie-Bühne von FM4, 3 Jahre später brillieren sie als Headliner auf der Ö3-Main Stage vor zehntausenden Zuschauern. 3 Alben - "Amore", "Bussi" und "Niente" - haben sie seitdem produziert, zahlreiche Nr. 1-Platzierungen (zuletzt mit der Single "Columbo") und monatelange Tourneen auch durch Deutschland und die Schweiz.

 

Nach der zuletzt wieder ausverkauften Wiener Stadthalle zählt der Donauinsel-Auftritt zweifellos zu den bisherigen Highlights ihrer noch kurzen Karriere, Falco musste darauf länger warten und stand zuletzt (1993) auch im Regen. Wanda, die nicht nur ihre Gassenhauer "Bologna", "Bussi Baby" oder "Columbo" auf der Setlist hatten, sondern auch Avantgarde-Stücke wie "Schottenring", "Ich sterbe" oder "Ein letztes Wienerlied", wurden stattdessen mit kühleren Temperaturen konfrontiert. Die schien Sänger Marco, teils nur mit kurzem weißem T-Shirt bekleidet, allerdings kaum zu spüren.

 

Ein gerngesehener Gast auf der Donauinsel ist auch Rea Garvey. Einst Sänger der irischen Formation Reamonn (mit Superhit "Supergirl") wandelt Garvey seit 2010 auf Solopfaden. "Is it Love", die erste Single aus seinem neuem Album "Neon", stürmte prompt in die Charts und auch in die Herzen der Donauinselbesucher. Der auch politische engagierte Sänger appellierte an die Zuhörer, Politikern Widerstand zu leisten, die versuchen, mit Differenzierungen nach Hautfarbe, Herkunft oder Religion die Gesellschaft zu spalten.

 

Der Großvater von Marlene Nader kam einst als syrischer Flüchtling in den 70ern nach Österreich. Als musikalisches Alter Ego nennt sie sich Mavi Phoenix, angelehnt an den verstorbenen Hollywood-Schauspieler River Phoenix. Ebenso international ist ihr Sound, eine hippe Mixtur aus Hip Hop, Lo-Fi und R&B. Auf der FM4-Bühne präsentierte sie nicht nur ihre Indie Radio-Hits "Quiet" und "Yellow", sondern auch neue hitverdächtige Tracks wie "Bite". 

 

Direkt daneben auf der Eutopia-Bühne organisierten die Drum & Bass-Gurus von Mainframe Recordings eine heiße Party unter freiem Himmel. Wer davon noch nicht genug hatte, konnte weiterfeiern bei der After Party im Flex. Man ist ja nur einmal jung.

mehr lesen

Italienische Lebensfreude gegen Hass: Jovanotti rockt die Wiener Stadthalle!

Sonne, Strand, der schiefe Turm von Pisa, Quizshows und (trotz der verpassten WM) der Fußball auf einem Video-Screen. Alles Dinge, die man mit Bella Italia verbindet. Davor steht ein sympathischer knapp über 50jähriger Römer, mit Jeans, sportlichem Hemd und jugendlicher Kappe. Und trällert mit Gitarrenbegleitung "In Italia". Jovanotti ist mit seiner neunköpfigen Band in Wien gelandet.

 

Jovanotti heißt eigentlich bürgerlich Lorenzo Cherubini. Sein Pseudonym leitet sich von "giovanotto" ab, was soviel wie "junger Mann" heißt. Echte Fans nennen ihr Idol "Jova" und "outen" sich gerne auch mit einschlägigen Caps. So auch in der Wiener Stadthalle, wo viele italienische Erasmus-Studenten begeistert zum 2,5 stündigen Sound-Inferno aus Pop, Rock, Funk, Latin, Hip Hop und World Music tanzten.

 

Die größten Hits hatte Jovanotti in Österreich Mitte der 90er, mit "Serenata Rap" (bekannt auch durch den auf Viva Heavy Rotation gelaufenen Clip mit Jovanotti & Friends rappend in schwindelerregender Höhe auf einem von einem Baukran transportierten Holzbalken) und "L´ombellico del Mondo", beide auch Teil der aktuellen Tour-Setlist. Die nationale Berühmtheit Jovanottis übersteigt sogar die Falcos in der Alpenrepublik. Seit 1994 wurden alle neun Alben von Jovanotti Nr. 1 in den italienischen Charts, sämtliche Auftritte in den riesigen italienischen Arenen sind ausverkauft. Zumindest 2500 kamen auch in die Wiener Stadthalle und wurden nicht enttäuscht.

 

Jovanotti präsentierte unter der Trademark "Oh, vita!" (selektiert nach dem vom US-Produzenten Rick Rubin produzierten Album) eine Show, die so bunt und schrill wie das Leben ist. Ohne auf subtiles Understatement zu vergessen. Seine Karriere begann der nunmehr 51jährige als Discjockey und Radio-Deejay. Dass er diese Talente auch heute noch beherrscht, zeigt sein 20minütiger Ausflug aufs erhöhte DJ-Pult, mit schnittigen Italo-Dance-Mixes und grellen Laserlights. Kongenial das "Smells like Teen Spirit"-Sample Kurt Cobains am Ende des DJ-Sets.

 

Auf dieser unterhaltungstechnischen Ebene ist Jovanotti allerdings nie verharrt. Gleich zu Beginn der Show verweist der mit Bono Vox befreundete und politisch engagierte Künstler (Amnesty International; "Make Poverty History") auf seine Wertvorstellungen: Freiheit, Liebe, offene Grenzen, an seine Träume glauben.  "Ich will in einer Welt leben, in der Unterschiede eine Bereicherung und kein Problem sind. ", so Lorenzo in einem aktuellen Interview.

 

Rassismus, Fremdenhass und Rechtspopulismus sind dem Kosmopoliten verhasst. In seinen Konzerten will Jovanotti den Fans als Rezept dagegen Spaß und Lebensfreude bieten. Dann sei in ihren Herzen kein Platz mehr für Hass. Auch kaum vorstellbar bei solch enthusiastischen Hymnen wie "L´estate addosso", "Ragazza Magica", "Sabato", "Ciao Mamma" oder "Penso Positivo".

 

Während der gesamten Show sieht man Jovanotti immer wieder als Don Quijote auf der Videowall. Nicht zufällig. So wie die Sagenfigur von Cervantes kämpft Jovanotti trotz aller Widrigkeiten für Freiheit und Gleichheit. "Viva la Liberta", ein Track aus seinem neuen Album "Oh Vita". heißt dementsprechend auch die letzte Zugabe. Man hat selten so viele glückliche und freudenstrahlende Besucher am Ende eines Konzerts gesehen. Italians do it better :-)

mehr lesen

Pride Village 2018: Abschlussveranstaltung mit Conchita und den Weather Girls!

Finaler Höhepunkt der Pride Week 2018 war die auf dem prall gefüllten Wiener Rathausplatz stattfindende Abschlusskundgebung mit zahlreichen Reden, Appellen und musikalischen Acts.

 

Der ehemalige Bundeskanzler Christian Kern, seit jeher Unterstützer der "Pride"-Forderungen, ließ es sich nicht nehmen, die schwarz-blaue Retro-Regierung zu kritisieren, von denen kein einziger offizieller Vertreter zugegen war. Man könne aber in Feierstimmung sein, denn im Jänner 2019 werde aufgrund einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes die Ehe für alle in Österreich gelten. Die rechtskonservative Regierung, die anscheinend ohne juristische Reaktion die Frist bis dahin verstreichen lässt, könne dies nicht mehr verhindern.

 

Auf die Bühne geholt wurde von der Moderatorin Miss Candy auch jener Asylwerber aus dem Iran, der wegen Homosexualität aus seinem Heimatland geflüchtet ist und nunmehr mit einem einheimischen Lebensgefährten zusammenlebt. Die erstinstanzliche Behörde wies seinen Asylantrag ab mit der unfassbaren Begründung, dass er nicht schwul sei, weil er die Bedeutung der Farben der Regenbogenfahne nicht kenne. Navid hofft nun auf eine positive Entscheidung durch das zuständige Landesverwaltungsgericht.

 

Weitere Wortspenden gab es von den Leitern der Hosi Wien, Moritz Yvon und Lui Fidelsberger, der Pride-Organisatorin Katharina Kacerovsky, dem SPÖ-Stadtrat Czernohorszky, der schwarzhäutigen (und zuletzt auch rassistisch angegriffenen) stv. SPÖ-Bezirksvorsteherin Mireille Ngosso, dem einzigen offen schwulen Wiener Gemeinderat Peter Kraus von den Grünen, Wiens Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger, der grünen Bundesrätin Ewa Dziedzic und dem roten Nationalratsabgeordneten Mario Lindner.

 

Die Show durfte logischerweise auch nicht zu kurz kommen. Euro Pride 2019-Botschafterin Conchita Wurst präsentierte vor einer begeisterten Menge 3 Hits aus ihrem Repertoire, darunter auch den Songcontest-Siegerhit "Rise like a Phoenix". Eine tolle Setlist lieferten die (personell zur Ur-Besetzung veränderten) Weather Girls mit den größten Disco-Hits der 70er: Born to be alive, I´m so excited, Don´t leave me this way und natürlich das grandiose It´s raining Man. Schrill-coole House Vibes u. a. von Nica & Katie sorgten als letztes Open-Air-Aphrodisiakum für die danach stattfindenden Club Nights in der Bundeshauptstadt.

 

Wien auf jeden Fall ist für das nächste Jahr bestens gerüstet. Die Euro Pride 2019 soll unter dem Motto "Visions of Pride" vom 19. Mai bis 19. Juni stattfinden. Mit über 500 Einzelveranstaltungen, zwei Pride Villages am Rathausplatz und im Votivpark, einer Auftakt- und Abschlussveranstaltung, einer großen Menschenrechtskonferenz und natürlich wieder der Regenbogenparade. Zu feiern gibt es zusätzlich mit 50 Jahre Stonewall (1969) die Geburtsstunde der LGBT-Bewegung und 40 Jahre Hosi Wien. Der Regenbogen wird niemals heller erstrahlen.

mehr lesen

Neuer Teilnehmerrekord: 200.000 bei der Wiener Regenbogenparade!

Ein Jahr vor dem großen "Euro Pride"-Event in Wien feierte die diesjährige 23. Regenbogenparade einen neuen Teilnehmerrekord. Insgesamt 200.000 Fans frequentierten die Strecke rund um die Wiener Ringstraße und zeigten ihre Sympathie für Toleranz und Gleichstellung aller Lebensformen.

 

Die Route wurde wie üblich "andersrum" in Angriff angenommen, angeführt von den mit regenbogenfarbenen Garnituren ausgestatteten Wiener Linien und den Guys on Bikes. Insgesamt 64 Starter nahmen an der "Party-Demonstration" teil, schrill dekoriert, mit lauter Techno-, Pop- und Schlagermusik aus den Boxen und mit schlagkräftigen Messages, die noch mehr Menschen für den eigentlichen Sinn der Veranstaltung begeistern sollen.

 

"Together and Proud" propagiert der bunt geschmückte PR-Truck der Euro Pride 2019, "Damit aus Spaß nicht Ernst wird" mahnt die Aids Hilfe Wien, afrikanische Teilnehmer kritisieren mit dem Slogan "No Pride in Deportation" die skandalöse Fremdenrechtspraxis bei homosexuellen Asylwerbern. Traditionell nicht fehlen dürfen auf der Regenbogenparade die Hosi Wien, der Club Kreativ, LMC Vienna, Libertine und natürlich Hermes Phettberg, dieses Jahr mit Regenbogenflagge in einem Oldtimer platziert.

 

Nichts geändert hat sich bei der politischen Unterstützung der Pride Week. Während die rechtskonservativen Parteien ÖVP und FPÖ mit kompletter Abwesenheit "glänzen" und im Simmeringer Amtshaus sogar die Hissung der Regenbogenfahne verhindert haben, zählen die SPÖ, die Grünen (mit langer Tanzschlange hinter dem Truck) und die Neos unter der Führung von Beate Meinl-Reisinger zu den Anhängern der Pink Community.

 

Dazu gehört auch das Getränkeunternehmen Almdudler, dessen Slogan "Dudel with Love, Respect & Condoms", gemeinsam mit den Pärchen, zu den Trademarks der diesjährigen Regenbogenparade gehörte. Deutlich ersichtlich war auch eine Verbreiterung der Botschaft in neue Gesellschaftsschichten: Diplomats for Equality, Pride Business, queer & hochschulen, Fußballfans gegen Homophobie oder auch die Callboys.  Die Solidarisierung gegen Intoleranz und sexuelle Diskriminierung ist allgemein im Steigen begriffen.

 

Wien gilt dabei als besonders liberales Pflaster. Die LGBT-Reiseplattform GayTravel.com zeichnete die Bundeshauptstadt 2017 als beste internationale Destination aus. Die Resonanz könnte 2019 durch die einmonatige Euro Pride noch weiter steigen. Kein Wunder, dass auch "Gay auf Reisen by Ruefa" diese Marketing-Chance bei der diesjährigen Parade nützte :-)

Pop Art mit Gesellschaftskritik: Keith Haring in der Wiener Albertina!

 

 

 

Egal, wo man derzeit im schönen Wien spazierengeht. Man sieht überall - auf rotem Hintergrund und umgeben von leuchtenden Strichen – ein geschlechtsloses Comic-Pärchen, das sich innig umarmt und echte Lebensfreude ausstrahlt. Frühling und Sommer 2018 können nicht sinnlicher zum Leben erweckt werden als mit dem Plakat der Keith Haring-Ausstellung in der Wiener Albertina.

 

Schöpfer Haring, in der Ausstellung selbst abgelichtet durch ein Foto Gottfried Helnweins, interpretiert die Umarmung des Pärchens so extensiv wie sie nur sein kann, als "human connection, togetherness, love and sexual intercourse, regardless of skin color and sexual orientation". Und ist damit auch ein idealer Protagonist für die im Juni stattfindende Pride Week in Wien, die für Toleranz, Gleichberechtigung und Gleichstellung aller Lebensformen eintritt.

 

Der Pop Art-Künstler wurde 1958 in Pennsylvania geboren und interessierte sich dank gemeinsamer Comic-Zeichnungen mit seinem Vater schon früh für Kunst. Nach einem zweijährigen Studium der Werbegrafik in Pittsburg zog Haring nach New York, wo er nicht nur die School of Visual Arts besuchte, sondern auch schnell Bekanntschaft mit der dortigen Art-Szene schloss. Neben erster Ausstellungen, Collagen und Aktionen gegen Gentrifizierung erregte er erste Aufmerksamkeit durch die sogenannten "Subway Drawings". Haring bemalte freie, dunkle Werbeflächen in der New Yorker U-Bahn mit Tafelkreide, Originale seiner fast 10.000 Zeichnungen sind auch in der Albertina zu sehen.

 

Haring war nicht nur Künstler und Zeichner, sondern auch Gesellschaftskritiker und Aktivist, egal ob gegen Rassismus, Diskriminierung, Homophobie, Polizeigewalt, Kapitalismus, Atomkraftwerke oder die Macht der Medien. Mit einfachen Strichen, bunter Bildsprache und wiederholenden Motiven (wie Hunde, Babies, Fernsehern, Löchern im Körper oder Kreuzen) erweckte Haring, oft nicht auf den ersten Blick, Assoziationen zum Nachdenken über die gesellschaftlichen Zustände. Mit Ausnahme seines 15 m langen Monumentalwerkes „Die Matrix“ verleiht Haring seinen Kreationen keine Titel, um von vornherein die Fantasie der Betrachter anzuregen. Einer seiner Bewunderer war auch die Pop-Art-Legende Andy Warhol, für den er 1983 die auch in der Albertina zu sehende „Andy Mouse“ malte, eine Mischung aus Warhol und der Mickie Mouse.

 

Bedrohlicher und furchteinflößender wurde das „Alphabet“ Harings ab Mitte der 80er, und das hat einen Grund. Immer mehr Menschen in Harings Umfeld erkrankten zu dieser Zeit an AIDS. Der offen schwul lebende Haring stattet dabei seine menschlichen Figuren mit Punkten aus und demonstriert auf diese Weise die Stigmatisierung von Homosexuellen. Der Begriff „Gay Plague“ erodiert damals in den Boulevard-Zeitungen. In seinen düstersten Werken visualiert Haring den HI-Virus als ein todbringendes Monster, markiert mit einem roten Kreuz, bzw. als ein aus einem Ei schlüpfendes Riesenspermium. Haring selbst ereilt auch das tödliche Schicksal. Seine HIV-Infektion wurde 1988 diagnostiziert, am 16. Februar 1990 starb er in New York.

 

Fast 30 Jahre später ist eine vollständige Heilung der Krankheit noch immer nicht möglich. Durch seinen jahrelangen Kampf gegen Aids und seine 1989 gegründete Foundation setzt Haring auch weit nach seinem Tode noch wichtige Akzente zur Bekämpfung von Aids. Seine in Kooperation mit der Aids Hilfe Wien stattfindende Ausstellung ist noch bis 24. Juni in der Albertina zu sehen. 

"Raise Vibration": Funk-Rock-Inferno von Lenny Kravitz in der Wiener Stadthalle!

"Raise Vibration" - So heißt das in den Sonnen-Studios von Bahamas aufgenommene 11. Album von Lenny Kravitz, das am 7. September erscheinen wird. Erste Vorbote präsentierte der 1964 in Brooklyn geborene Künstler bereits beim Live-Gig in der Wiener Stadthalle. Und konnte dabei mit Überraschungen aufwarten.

 

So enthält die erste Single, "Low", Original-Tribal-Shouts von Michael Jackson, die kurz vor seinem Tod 2009 aufgenommen wurden. Der zweite neue Track, It´s enough", dagegen ist ein klares politisches Statement des einstigen Obama-Supporters Kravitz. "Ich habe genug von Rassismus. Ich habe genug vom Krieg. Ich habe genug von Umweltzerstörung und der Gier und Verlogenheit unserer Staatsoberhäupter. Wir müssen dringend die Kurve kriegen und ein höheres Verständnis für die Menschheit und diesen Planeten entwickeln." Das dazugehörige T-Shirt konnte man bereits im Vorfeld am Fanstand der Stadthalle erwerben.

 

Abgesehen von den zwei neuen Tracks enthielt die Setlist des Multi-Instrumentalisten die größten Hits aus seiner 30jährigen Karriere. Kravitz, dem man aufgrund seines Aussehens, seines Charismas und seiner musikalischern Virtuosität das Alter allerdings kaum ansieht, und seine brillante Band sprühten nur so vor Spiellust, und das ohne unnötiges Show-Schnick Schnack vergleichbarer US-Künstler. "Fly Away", "American Woman", "It ain´t over till it´s now" oder das mit Dance-Beats upgeliftete "The Chamber" aus dem 2014er-Album "Strut" ließen die fast 7000 Fans in der Stadthalle nicht zur Ruhe kommen. "Let Love Rule", der erste Hit des New Yorkers Musikers und Schauspielers ("Die Tribute von Panem") aus dem Debüt-Album "Mama Said" (1989), wurde unter tosendem Applaus auf eine 20minütige-Version ausgedehnt.  Finaler Schlusspunkt: Das einst auch bei den MTV-Video Awards ausgezeichnete "Are you gonna go my Way".

 

"Rockmusik ist aus dem Mainstream verschwunden", das behauptete Kravitz kürzlich in einem Interview. An ihrer Lebendigkeit hat sie allerdings nichts eingebüßt :-)

mehr lesen

"Kremser Hasenjagd": Ramesch Daha kreiert Mahnmal gegen Nazi-Terror!

Am 6. April 1945, kurz vor Ende des 2. Weltkriegs, geschah in Krems und Umgebung eines der schockierendsten Ereignisse der Stadtgeschichte, das unter dem Schlagwort "Kremser Hasenjagd" allgemein bekannt ist.

 

Als die Rote Armee sich zusehends vom Osten näherte, wurden großteils politische Häftlinge der Justizanstalt Stein durch den Leiter Franz Kodre freigelassen. NS-treue Aufseher informierten daraufhin den Kreisleiter von Krems über einen angeblichen Aufstand, die Waffen-SS wurde daraufhin nach Stein beordert. Diese verhaftete den Anstaltsleiter und eröffnete das Feuer auf die wehrlosen Häftlinge im Anstaltsareal. Zeitgleich zum Massaker im Zuchthaus suchten SS-Truppen in der Kremser Umgebung mit der Unterstützung von lokalen Gendarmen und der Zivilbevölkerung (!) nach den bereits entlassenen Häftlingen. Die ertappten Ex-Gefangenen wurden zumeist an Ort und Stelle erschossen, in Hadersdorf mussten die politischen Häftlinge vor der Exekution sogar ihr eigenes Massengrab schaufeln.

 

Insgesamt kamen an diesem Tag 386 Häftlinge ums Leben. Seit ein paar Tagen erinnert auch ein Kunstwerk direkt an der Mauer der Justizanstalt Stein an diese schrecklichen Vorkommnisse. Die aus Teheran stammende Wiener Künstlerin Ramesch Daha, Absolventin der Akademie der bildenden Künste, bemalte gemeinsam mit einem vierköpfigen Team einen ca. 100 m langen Mauerabschnitt mit den Namenslisten der ermordeten Häftlinge. Das Mahnmal wurde in nur 17 Tagen umgesetzt, und das unter strengsten Auflagen. So musste täglich nach getaner Arbeit das Gerüst wieder abgebaut werden, um die Sicherheit der Kremser Bevölkerung nicht zu gefährden.

 

Die offizielle Eröffnung des Kunstwerks findet am 23. Juni statt, inklusive der Enthüllung einer Erinnerungstafel mit dem Text des Historikers Robert Streibel ("April in Stein"). Eine vollständige Betrachtung des Mahnmals ist bereits jetzt möglich, wenn man die Wege südlich des Uni-Campus beschreitet.

 

Noch wichtiger als der traurige Blick auf die Vergangenheit sollte allerdings die innere Motivation sein, künftig gegen jegliche faschistische Strömungen zu kämpfen, die nur den geringsten Anschein erheben, dass sich derartige Vorgänge wiederholen könnten. 

Katy Perry in Wien: Show-Wonderland statt politischer Message!

Die im kalifornischen Santa Barbara aufgewachsene Pastorentochter Katy Perry zählt seit dem PR-inszenierten "I kissed a Girl"-"Skandal" zu den größten Pop-Stars unseres Planeten. 126 Millionen Tonträger und 72 Millionen Download-Singles hat sie seitdem verkauft, das Merchandising läuft wie am Schnürchen: Parfüms, Schmuckkollektionen, künstliche Katy-Wimpern, Fashion-Verträge mit H&M und Moschino, , PC-Song-Adaptionen, Big Brother-eske Shows im TV, "Simpsons"-Gastauftritte, "Schlumpfinchen"-Synchronisation im Kino und künftig sogar Jurorin für "American Idol", sozusagen Förderin der eigenen Konkurrenz.

 

Katy Perry ist allerdings auch eine politisch engagierte Frau, die Obama und Clinton unterstützt und sich offen gegen die ausländerfeindlichen, primitiven Agitationen eines Donald Trump wehrt. In ihrem aktuellen Song "Chained to the Rhythm" (mit dazugehörigem Video im Vergnügungspark der Gleichmacherei und der Hamsterräder) fordert sie mehr Aktivismus und Mut, gegen Missstände und Ungerechtigkeiten aufzutreten. Beides unter einen Hut zu bringen ist schwierig. Das zeigte auch ihr Konzert in der Wiener Stadthalle. 

 

12500 Fans ließen sich den Auftritt des Weltstars im Rahmen ihrer "Witness"-Tour nicht entgehen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche. Die waren mit ihren Familienangehörigen bereits vollzählig vertreten, als die sympathische schwedische Supporterin Tove Styrke mit Electro-Pop-Beats die Massen anheizte. Danach starrt ein überdimensionales Perry-Auge, begleitet von 80er-Beats a la "Tainted Love", auf die verblüffte Menge. Überwachungsstaat? Zumindest, bis Perry, sexy gestylt mit modernem Kurzhaarschnitt, zu den Klängen von "Witness" per Plattform auf die Stage "gebeamt" wird. Begleitet von 15 durchtrainierten Tänzern und zahlreichen Fabelfiguren a la "Katy in Wonderland".

 

Überlebensgroße Flamingos bei "Hot N Cold", fleischfressende Pflanzen und Insekten bei "Bon Appetit", Basketball-Duelle zum Hip Hop-angehauchten "Swish Swish", ein (Super Bowl)-Hai übt Handstand - sic est - mit der athletisch top fitten US-Künstlerin. Dazwischen einige anbiedernde Worte auf Deutsch ("Scheiße" - muss das sein?). Danach fliegt Perry hoch über dem Publikum in die künstliche Stadthallen-Galaxis und singt über Feminismus ("Power") und Liebe.

 

Beim, wie oben erwähnt, politisch engagierten Hit "Chained to the Rhythm" wanken Puppen mit TV-Screen-Köpfen auf die Bühne, die scheinbare Personifikation der Massenmedien, die Menschen nicht nur in Amerika korrumpieren, sodass Personen wie Trump (oder auch Orban, Putin, Kurz,...) überhaupt an die Macht kommen können. Das ist zumindest eine klare politische Message, die auch die Jüngsten im Publikum verstehen. Dann aber sich mit der österreichischen Flagge (nationalistisch) zu umhüllen und "Are you revolutionary?" ins Publikum zu kreischen, das ist zuviel des Guten. Anscheinend haben nicht nur Politiker schlechte Berater.

mehr lesen

Stockholms Electro-Pop-Mozart: In Memoriam Avicii (1989-2018)!

"Some of us dance and sing to Abba or Avicii." Ein legendärer Satz des US-Präsidenten Barack Obama, den er 2016 bei einer Tischrede im Rahmen des US Nordic Leaders Summit in Washington ausgesprochen hat. Der Schwede Tim Bergling, der sich seit Beginn seiner Karriere das Pseudonym Avicii (abgeleitet von Avici, der tiefsten Ebene der buddhischen Unterwelt) zugelegt hat, war damals einer der erfolgreichsten DJ´s und Produzenten weltweit. Am 20. April 2018 wurde er - mit 28 - in einem Hotel in Oman tot aufgefunden. Ein Statement seiner Familie deutet auf Selbstmord hin.

 

Geboren wurde Avicii am 8. September 1989 in Stockholm. Er war der Sohn von Klas Bergling und der Schauspielerin Anki Liden. Avicii besuchte dasselbe Gymnasium wie seine DJ-Kollegen Alesso und Otto Knows. Sein größtes Ziel war bereits damals, ein erfolgreicher House-DJ zu werden. Fehlstunden in der Schule waren "begründet" durch Auflegen in einschlägigen Clubs. 2008 kurz nach seinem Schulabschluss gewann Avicii den Pete Tong-Fast Trax Wettbewerb, als Gewinn winkte eine gemeinsame Produktion ("Manman") mit der britischen DJ-Legende. Bereits ein Monat später unterschrieb Avicii - mit 18 - einen Plattenvertrag bei "At Night Management".

Nicht die renommierte schwedische Hit-Factory ebnete den Weg Aviciis in die Clubs und Charts, sondern die französische Dance-Szene. Gemeinsam mit dem French House-DJ Sebastien Drums coverte Avicii den 1999er-Klassiker "My Feelings for you" der französischen House-Avantgardisten Cassius.

 

Unter seinem (fast) echten Namen "Tim Berg" veröffentlichte Avicii "Seek Bromance", eine Mischung seines Electro House-Tracks  "Bromance" mit den Vocals des Samuele Sartini-Titels "Love U Seek". Das Video mit Drogenmissbrauch und einem sexuellen Threesome wurde in den USA verboten. Was dem Erfolg nicht entgegensteht, im Gegenteil.

 

Im Jahr 2011 folgte dann "Levels". Manager und Produzent Arash Pournouri ahnte im Vorfeld der Veröffentlichung bereits, dass dieser Track wie eine Bombe einschlagen werde. "Schuld" daran sind nicht nur die Happy Electro House Vibes von Avicii, sondern auch das geniale Sample von Etta James "Something´s got a Hold on me". Fasziniert davon war auch Rapper Flo Rida, der kurz danach mit "Good Feeling" die schwedische Hit-Mixtur in die amerikanischen Charts transferierte.

 

In den weltweiten DJ-Mag-Charts belegte Avicii Ende 2011 bereits Platz 6, ein Jahr später stieg er auf Platz 3. Dazwischen lagen zahlreiche Auszeichnungen für "Levels" (Best Electro/Tech House Track bei den International Dance Music Awards), die Krönung zum "Best European DJ" und eine Nr. 1 in den englischen Charts gemeinsam mit dem DJ-Kollegen Nicky Romero ("I could be the One"), genial promotet durch ein "Aussteiger"-Video einer gelangweilten Büroangestellten.

mehr lesen

"Bürger müssen medienmündig werden!" - Bernhard Pörksen bei den Falter-Stadtgesprächen!

"Wir müssen medienmündig werden, weil wir längst medienmächtig geworden sind!" Einer der Leitsätze vom deutschen Medienwissenschafter Bernhard Pörksen, der im Mai bei den Falter-Stadtgesprächen im AK-Bildungszentrum zu Gast war.

 

Pörksen wurde 2008 zum "Professor des Jahres" gewählt, unterrichtet aktuell an der Uni Tübingen und gilt als einer der intellektuellsten Kommunikations-Zeitgeistprotagonisten Deutschlands, der den Umbruch der journalistischen Szene in klare Worte packt. Sein neuestes Buch heißt "Die große Gereiztheit - Wege aus der kollektiven Erregung".

 

Pörksen setzt in seinen Ausführungen auf eine "redaktionelle Gesellschaft". Die Menschen sollten das Handwerk redlicher Journalisten beherrschen und deren Prinzipien im Umgang mit Medien anwenden: Skepsis, Distanz, Faktenprüfung, Wahrheitswillen. Derzeit eine Utopie (auch aus Sicht des Optimisten Pörksen), wenn man objektiv betrachtet, wie sich die Bevölkerung aktuell in den sozialen Medien durch Fake News, selektive Informationen oder auch nur durch statistische Tricks manipulieren und täuschen lässt.

 

Ein eigenes Schulfach zur Erziehung der Medienmündigkeit steht insofern im Forderungskatalog Pörksens. Eine Verwirklichung erscheint auch in Österreich nicht unmöglich, fordern dies doch auch Parteien und Politiker, die selbst Fake News ohne Genierer verbreiten. 

 

Die Finanzierung des Qualitätsjournalismus sei derzeit das heikelste Problem in der Medienszene. Infolge der Digitalisierung und der sozialen Medien trage jeder "kleine Sendestationen in Gestalt von Smartphones herum" und verbreite seine persönlichen News auf Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram. Facebook hatte im Jahr 2017 40 Milliarden Dollar Werbeeinnahmen. Alle deutschen Medien zusammen kommen nicht auf die Hälfte.", so der renommierte Medienwissenschaftler.

 

Trotzdem sieht Pörksen die Zukunft der systemrelevanten Qualitätsmedien nicht gefährdet. Medien seien allerdings nicht mehr Gatekeeper, sondern Gatereporter. Nicht nur Investigativreports und Hintergrundrecherchen sollten auf der Tagesordnung stehen, sondern auch die detaillierte Aufdeckung über Fake News und sich widersprechende Informationsströme. Die gesamte Arbeit der Medien müsse transparent offengelegt werden. Keine leichte Aufgabe, da die Medien hier mit der "Bestätigungssehnsucht" der Empfänger konfrontiert werden. In Zeiten von Überinformationen wählen die Menschen gerade jene Medien, mit deren Meinungen sie - vorurteilsbehaftet - übereinstimmen.

 

Eine Absage erteilt Pörksen dem "Filterblasen- und Echokammernmodell". Aufgrund des Verlinkungssystems des Internets sei es eine Leichtigkeit, in "andere Universen" einzudringen. Ein Wolf ist von einem Strache oder Kurz nur einen Link entfernt. Nicht die scheinbar "dämonischen Algorithmen", sondern die Netzkonsumenten selbst sind verantwortlich dafür, dass sie in ihrem "belagerten Tal" verharren. Der Hass im Netz sei auch nicht durch die sozialen Medien verursacht worden, er werde nur durch die grenzenlosen, scheinbar anonymen Möglichkeiten der Verbreitung stärker sichtbar.

 

In seinem 256 Seiten dicken Buch "Die große Gereiztheit" publiziert Pörksen noch zahlreiche weitere Theorien zur aktuellen Mediensituation. Auf die persönliche Frage, ob das Netz für ihn eher "Euphorie oder Apokalypse" darstellt, bleibt der Optimist auf der hellen, positiven Seite des Fortschritts.. Selbst der Buchdruck sei anfangs mit negativen Kritiken überschwemmt worden.

"So it goes" - New Order vs. Liam Gillick im Wiener Museumsquartier!

Am 18. Mai 1980 beging der an Epilepsie leidende Joy Division-Sänger Ian Curtis Selbstmord und hinterließ nicht nur seine Familie und Freunde, sondern auch seine Band. Das erst zweite, post punk-angehauchte Album "Closer" und die Single "Love will tear us apart" stürmten nach seinem Tod die Charts. Die Band ging neue Wege und transformierte zu "New Order". "Blue Monday" wurde zur meistverkauften Vinyl-Maxi-Single aller Zeiten, aufgrund seiner aufwändigen Floppy Disc-Verpackung allerdings zu einem Verlustgeschäft.

 

So ist es eigentlich nicht weiter verwunderlich, dass 35 Jahre später die (Fast)-Original-Band - nur Bassist Peter Hook ist nach einem Trennungszwist 2007 nicht mehr dabei - wieder auf extravaganten, innovativen Spuren wandelt. (No, 12k, Lg, 18 WfW) - "So it goes" nennt sich das Projekt, das New Order gemeinsam mit dem New Yorker Künstler Liam Gillick im Rahmen der Wiener Festwochen präsentieren. Das Wiener Museumsquartier ist nach Manchester und Turin erst die dritte Location, in der dieses Event veranstaltet wird.

 

Die seltsamen Hieroglyphen sind leicht erklärt. "We decided to use two titles: ‘So It Goes’ and an equation. A spoken title and a visual title. ‘So It Goes’ refers to the TV show Joy Division first appeared on and the equation is a representation of the self-imposed complexity of our working relationship. The sum of “us” is this equation." so Visualist Gillick.

 

No steht dabei für New Order, bestehend aus Sänger Bernard Sumner, Keyboarder Gillian Gilbert, Schlagzeuger Stephen Morris, Gitarrist Phil Cunningham und dem neuen Bassisten Tom Chapman, der "Hooky" brillant ersetzt. Lg steht klarerweise für Liam Gillick, der eine Rauminstallation, bestehend aus 12 Kabinen in 2 übereinandergelagerten Reihen, konzipiert hat. In diesen befinden sich 12 Keyboarder (12k) aus dem renommierten Manchester Royal Northern College of Music, die New Order auf der „Main Stage“ mit ihren Synthi-Beats begleiten. Das Visual-Programm von Gillick umfasst nicht nur zahlreiche Lichteffekte in allen Farben, sondern auch das soundkompatible Schließen und Öffnen der Kabinenjalousien.

 

Apropos Sound. Eine Greatest Hits-Setlist bieten New Order bei diesem Projekt nicht an, eher eine persönlich-subtile Mixtur aus Raritäten, neuen Tracks und 80er-Underground-Hits. „There will be no Blue Monday, no Love Will Tear Us Apart. It’s good to do something different at all because that is what we were like when we started, just hopefully not so much chaos.”, so Sumner.

 

So hört man im fast ausverkauften Wiener Museumsquartier u.a. the 2005er-Single „Guilt is a Useless Emotion“, „Ultraviolence“ aus New Orders Erstwerk „Power, Corruption & Lies“ oder den treibenden Disco-Stomper „Plastic“ aus ihrer letzten CD „Music Complete“. Schweißüberströmtes Tanzen ist vor allem im mittleren Drittel mit Tracks wie „Bizarre Love Triangle“, „Subculture“ (mit den eingängigen Lyrics „One of these days you´ll go back to your home, you won´t even notice that you are alone“) oder „Shellshock“ angesagt.

 

Tribute leisten New Order auch ihrer durch traurige Umstände zerrütteten Original Band Joy Division mit neuen Versionen von „Disorder“„Heart and Soul“ und „Decades“. Letzterer ist nicht nur Abschluss-Track ihres zweiten Albums „Closer“, sondern auch Finale einer beeindruckenden Show abseits von Mainstream, Retro-Kitsch und Kommerz. 

mehr lesen

OGH-Urteil: Je 20.000 Euro Schadenersatz für Kindesvertauschung im Krankenhaus.

Ein Ereignis, das eher an eine Hollywood-Verfilmung oder an einen Familien-Roman erinnert. Nach 20 Jahren stellte sich heraus, dass das als leibliche Tochter aufgewachsene Kind nicht mit dessen vermeintlichen Eltern blutsverwandt ist. Das Kind wurde im Krankenhaus per Kaiserschnitt entbunden, noch vor dem ersten Kontakt zu dem Ehepaar kam es zu einer Vertauschung. Bis heute konnten weder die näheren Umstände noch die biologischen Familienangehörigen des mittlerweile adoptierten Kindes ausgeforscht werden.

 

Die Familienmitglieder leiteten ein gerichtliches Verfahren auf Ersatz der Adoptionskosten und Schmerzensgeld von je 30.000 Euro ein. Grund: Die bei ihnen durch die Kindesvertauschung und die Nachricht hierüber verursachte erhebliche psychische, wenn auch nicht krankheitswertige Belastung.

 

Das Erstgericht gab dem Klagebegehren zur Gänze statt, das Berufungsgericht wies es ab. Der OGH gab der Revision teilweise Folge und sprach den Klägern in Entsprechung der zum Trauerschmerzengeld ergangenen Judikatur Schadenersatz von je 20.000 Euro zu.

 

Die Vertauschung ist als Verletzung der Krankenhausaufnahmeverträge zu beurteilen. Aufgrund der Persönlichkeitsrechte und der Schutzbedürftigkeit der Beteiligten sind bei der Organisation äußerst strenge Anforderungen zu erfüllen.

 

Die Kindesvertauschung ist - entgegen des zweitinstanzlichen Urteils - der Tötung oder schwersten Verletzung eines nahen Angehörigen vergleichbar und führt nachvollziehbar zu einer Trauerreaktion bei den Eltern bzw. zu einer Identitätskrise bei dem betroffenen Kind.

 

Quelle: OGH - 4 Ob 208/17f

"Me Too"-Message überschallt Klang-Dissonanzen: Israel gewinnt 63. Songcontest in Lissabon!

 

Wer sind Doron Medalie und Stav Beger? Die Sieger des 63. Eurovision Songcontests in Lissabon. Denn prämiert werden beim jährlich stattfindenden Wettbewerb nicht die Interpreten, sondern die Komponisten und Texter. Dass natürlich die an Beth Ditto erinnernde Interpretin Netta und deren gesellschaftliche Message vorrangig für den Sieg verantwortlich waren, steht außer Frage.

 

"I´m not your Toy, you stupid Boy" sei eine Antwort auf die MeToo-Debatte um sexuelle Belästigung (nicht nur) in der Unterhaltungsbranche, so die Siegerin. Dagegen ist nichts einzuwenden, man hätte diese Botschaft aber auch in eine musikalisch erträglichere Form verpacken können.

 

So wie der französische Beitrag von Madame Monsieur. "Mercy" thematisiert das Schicksal eines Flüchtlingsmädchens, das auf dem Mittelmeer zur Welt gekommen ist. Melancholischer Elektro-Sound ohne die erdrückende Kitsch-Ästhetik des Sieger-Beitrages. Oder die San Remo-Sieger Ermal Meta und Fabrizio Moro, die mit ihrem Song "Non mi avete fatto niente" vor einer Spaltung der Gesellschaft durch Terrorismus und Rechtsextremismus warnen und die Menschen auffordern, sich von dieser Hassspiralen nicht anstecken zu lassen. Für Frankreich und Italien reichte es trotz erstklassiger Produktion aber nur für die Plätze 13 und 5. So ungerecht kann die ESC-Welt sein.

 

Jubeln können dagegen die Österreicher. Unser Vertreter Cesar Sampson, der mit der Soul-R&B-Ballade "Nobody but you" startete, erinnerte sowohl optisch als auch musikalisch an Craig David und belegte nach der Jury-Wertung Platz 1 vor Schweden und Israel. Sampson bekam siebenmal die Höchstpunkteanzahl von 12, darunter auch aus dem Mutterland des Pop, England.

 

Schlussendlich wurde er hinter Israel und Zypern (Latin-Pop von Eleni Foureira) sensationeller Dritter, nach den Siegen von Udo Jürgens (1966) und Conchita Wurst (2014) die drittbeste Platzierung eines Österreichers. Über seine Zukunft braucht sich Sampson auch keine Sorgen machen: In Kürze erscheint ein hochdotiertes (Universal)-Album des 34jährigen, auch eine Tournee ist geplant. Sampson auf der Spur seiner Tante ("Pepsi"), die Gründungsmitglied bei Wham war.

 

Apropos England: Der Auftritt der britischen Sängerin Surie wurde von einem politischen Aktivisten und Rapper gestört, der gegen die Kommerzialisierung der Medien protestierte. Auf eine Wiederholung des Auftritts verzichtete die Sängerin, sie landete auf Platz 24. 

 

Deutschland war nach mehreren ESC-Flauten mit dem 4. Platz mehr als zufrieden, die an Ed Sheeran angelehnte Ballade "You Let me Walk Alone", die Wuschelkopf Michael Schulte seinem verstorbenen Vater widmete, fand nicht unverdient viele Fans. Schwedens Disco-Popper Benjamin Ingrosso, Cousin von Swedish House Mitglied Sebastian, belegte zwar nur Platz 7, dürfte aber mit seinen lässigen Dance-Beats die weltweiten Charts erobern. Ähnliches gilt trotz eines nur 20. Platzes für die Australierin Jessica Mauboy.

 

Zu den Verlierern zählen dieses Jahr zwei Interpreten, die bereits ganz oben auf den Siegertreppen standen. Norwegens Winner von 2009, Alexander Rybak wurde trotz erneuter Geigenvirtuosen nur 15., Waylon, ein Teil der Common Linnets (die 2014 knapp gegen Conchita Wurst das Nachsehen hatten) landete mit einem Bon Jovi-esken Song nur auf Platz 18. Veranstalterland Portugal wurde wie einst Österreich nur Letzter, erhielt aber wenigstens (39) Punkte.

 

Für nächstes Jahr werden die schrill-schrägen Karten des Songcontests wieder neu gemischt. Siegerin Netta ist verantwortlich dafür, dass Israel, vermutlich Jerusalem, 2019 den Wettbewerb veranstaltet. Es war immerhin bereits der 4. Sieg Israels nach 1978, 1979 und 1998. Nach dem 98er-Triumph einer transsexuellen Sängerin (Dana International) bereits der zweite mit einer klaren, gesellschaftlichen Botschaft.

"The Hoff" im Gasometer: Party bis weit nach dem Mauerfall!

Es war Mitte der 80er, 18.30. Uhr, als die Straßen und Plätze in Österreich meist leergefegt waren. Denn auf ORF 1 ermittelte wieder Michael Knight im Auftrag der Foundation für Recht und Verfassung. Sein loyalster Helfer: Das sprechende Auto K.I.T.T.. "Knight Rider" war die meistgesehene Serie der 80er. Auch musikalisch verdiente sich deren Hauptdarsteller David Hasselhoff, seine ersten Sporen. "Night Rocker" verkaufte sich allerdings nur in Österreich, verschämte Käufer im Teenager-Alter schickten meist ihre Eltern in die Schallplattenläden.

 

Mehr als 30 Jahre später ist David Hasselhoff auch als Sänger Kult. Vor dem Gasometer erblickt man nicht nur eine schnittige KITT-Kopie für coole Selfies, sondern auch Publikum allen Genres: Heavy Metaller, Hip Hopper, Techno-Freaks, Schlager-Fans, Alt, Mittel, Jung. Natürlich auch jene, die an diesem besonderen Abend in die "zweite Haut" Davids schlüpfen wollen, die "Baywatcher" mit den Badeanzügen, Hauben und Bojen. Die Party kann beginnen.

 

In der Planet Music Hall drängen sich die Besuchermassen, 3500 Fans, das Konzert ist ausverkauft. Nach dem Knight Rider Intro betritt "The Hoff" die Bühne, intoniert "We wanna rock the World". Ballermann-Fans kennen die Melodie: "Hey, wir wollen die Eisbären seh´n". Dass Hasselhoff musikalisch nirgends so erfolgreich ist wie in Österreich, das darf nicht unerwähnt bleiben. Der "Night Rocker" erdröhnt, auf den Video Screens und in real. Hasselhoff erzählt auch eine Anekdote vom nach Ansicht seiner Töchter peinlichen "Hooked on a Feeling"-Video, die vom Cheeseburger-Imbiss in alkoholisiertem Zustand, dessen Handy-Video die YouTube-Kanäle frequentierte, lässt er aus.

 

Inmitten von 90er-Hits wie "Gypsy Girl", "Is Everybody Happy" oder "Everybody Sunshine" erklingen zahllose Coverversionen, vor denen sogar gewiefte Retro-DJ´s meistens zurückschrecken. "It´s a Real good Feeling" von Peter Kent beispielsweise oder die Righteous Brothers-Schnulze "You´ve lost that Lovin´ Feeling". Die ekstatischen und alk-getränkten Fans sind trotzdem aus dem Häuschen und flippen bei den mit Disco-Beats aufgepimpten 70er-Gassenhauern "Take me Home, Country Roads" und "Sweet Caroline" vollkommen aus. Bei Hands Up in the Air und Schlachtgesängen haben dann auch die Rettungsschwimmer ihren Einsatz: Mitch Buchannon alias The Hoff rockt "I´m always Here" ins Mikro. 

 

Dann folgen Hit auf Hit: "Crazy for you", das in Österreich einst Doppelplatin erreichte, und der chillig-cheesige "Limbo Dance", bei dem Zeremonienmeister "The Hoff" auch einige Fans unter der Stange tanzen und taumeln lässt. David Bowies "Heroes" als Cover (mit deutscher Strophe) und "Looking for Freedom" ertönen als Doppelpack zum krönenden Finale. Ein Wink auf die Berlin-Connections von David Hasselhoff.

 

Im Jahr des Mauerfalls war "Looking for Freedom" (eine Coverversion des Marc Seaberg-Hits aus den 70ern) 8 Wochen Nr. 1 in Deutschland. David Hasselhoff war - trotz manch böser Gerüchte - nicht verantwortlich für den Sturz der Berliner Mauer, trat allerdings vor 500.000 Zuschauern bei der großen 89er-Silvesterparty vor dem Brandenburger Tor auf.  Damals wie heute Begeisterung über den singenden Schauspieler, der zu keiner Zeit seiner Karriere die Scheu hatte, Geschmacksgrenzen zu überwinden.

 

But: "Don´t hassel the Hoff". Obwohl sich beim "Heroes"-Cover eigentlich der Spaß aufhört, oder doch nicht?

 

Anm.:  Das Wien-Konzert von David Hasselhoff wird im Herbst als DVD veröffentlicht. 

 

mehr lesen

Kremser Donaufestival Week 2: Sound-Zauber zwischen Tradition und Innovation!

Was versteht man unter "E2-E4"? Keine uncharmante Frage für die Millionenshow. Im Schachsport handelt es sich um einen bekannten Eröffnungsschachzug, in der Musikszene um ein trendweisendes elektronisches Meisterwerk des ehemaligen Krautrockers Manfred Göttsching, der sich beim Titel vom Star Wars-Droiden-Ikone R2-D2 inspirieren ließ. Beim Kremser Donaufestival präsentierte der Berliner Musiker das 60minütige Werk exklusiv als Österreich-Premiere.

 

Göttsching stand dabei allein auf der Bühne der Minoritenkirche, mit Synthesizer und Gitarre. Dahinter Visuals jeglicher Art, Strandszenen, Menschen auf der Straße, bunte Kaleidoskope. "E2-E4" besteht nur aus 2 Akkorden, die stetig variiert werden. Produziert wurde es an einem einzigen Tag im Dezember 1981.

 

"Manuel, I know, you can make a fortune with that", so lautete der legendäre Spruch des Virgin Chefs Richard Branson, dessen Baby während der Vorstellung eingeschlafen war. Er hatte Recht. Das minimalistische Meisterwerk mit Trance- und Latineinflüssen wurde zwar erst 1984 auf dem Label von Tangerine Dream Mastermind Klaus Schulze veröffentlicht, erlangte aber in den nächsten Jahren Kult-Status. Im Studio 54 diente es als Opener, in der Paradise Garage spielte die DJ-Legende Larry Levan das gesamte 60 Minuten-Werk als chillig-melancholisches Finale. Ende der 80er verwendeten die italienischen Dance-Produzenten von Sueno Latino die Rhythmen für ihren gleichnamigen House-Hit. Ex-Hippie Göttsching eroberte die Ibiza-Dancefloors, zahlreiche weitere Remixes folgten. Seit 2006 tourt der 65jährige Göttsching mit seinem Werk vereinzelt durch die Welt, nach Tokio, London und in den Techno-Club Berghain, jetzt hatte auch Krems die Ehre.

 

Viele andere Acts des Donaufestivals stehen im Gegensatz zum Berliner erst am Beginn der Karriere. So zum Beispiel Jakuzi aus Istanbul, die ihrer türkischen Muttersprache die Treue gehalten haben und im Stadtsaal die Gäste mit treibend-melancholischen Synthi-Beats begeisterten. Mehr als empfehlenswert ihr Debüt-Album "Fantezi Müzik".

 

Aus Kairo stammt das Multi-Talent Nadah El Shazly, die mit ihren experimentellen Symbiosen von Elektronik-Noise und traditionellen Klängen das Publikum auf besondere Art verzaubert. "Klassische arabische Musik aus den 1920ern, 1930ern und davor ist frei von einem bestimmten Rhythmus oder einem bestimmten Tempo – und das ist etwas aus der Zukunft und nicht aus der Vergangenheit.", so Shazly. Und passt in diesem Sinne haargenau zum zeitentransformierenden Motto des Donaufestivals, "Endlose Gegenwart".

 

In den 90ern noch Minimal-Techno-Protagonisten, zeigen sich Mouse on Mars (alias Jan Stephan Werner und Andi Toma aus Düsseldorf) 2018, verstärkt durch Gastmusiker, als innovatives Ensemble, das Dancefloor-, Ambient-, Folk- und Jazzklänge in kunstvolle neue Strukturen verwandelt. Das dazugehörige neue Album nennt sich "Dimensional People".

 

Apropos Dimensionen. Die überschritt gegen Ende des Samstag-Programms der geniale britische DJ Ali Wells aka Perc: Harte Industrial Techno-Beats, die ansonsten in der Londoner Fabric und im Berliner Berghain in den Morgenstunden erschallen. Samstag Mitternacht kamen die alten Österreichhallen in den Genuss technoider Bässe. Wenigstens einmal im Jahr werden im Volksmusik-Mekka von Krems die Grenzen überschritten. Wir freuen uns auf das nächste Donaufestival 2019!

mehr lesen

Soul-Pop-Diva Lisa Stansfield live im Wiener Museumsquartier!

Vor fast 30 Jahren eroberte eine junge Sängerin aus Manchester mit süß gegelten, kleinen Löckchen die Herzen der Pop-, Soul- und Club-Fans: Lisa Stansfield. Ihr Superhit: "All Around the World". "Meine Titelmelodie, sie hat mir ein schönes Leben ermöglicht". Mit diesem positiven Lebensgefühl war die heute 51jährige auch zu Gast im glamourös dekorierten "Ballroom" des Wiener Museumsquartiers.

 

"Deeper" heißt das brandneue 8. Album von Lisa Stansfield. Es zählt nach dem Millionenseller "Affection" zu ihren erfolgreichsten und enterte die Top Ten der europäischen Charts. Und so braucht sich Stansfield, die neben ihrer Musik-Karriere auch in zahlreichen Filmen (wie der Komödie "Swing", "Edge of Love" oder "Northern Soul") zu sehen war, nicht hinter Retro-Material zu verstecken. Die neuen Songs "Everything" und "Deeper" sorgen gleich zu Beginn in der prall gefüllten Halle E für losgelöste Frühlingsnachts-Stimmung, das Barry White-Cover "Never, Never gonna give you up" lässt erstmals die Herzen schmelzen. 

 

Dass Lisa Stansfield, die eigentlich von House-Pionieren der 80er (Cold Cut) entdeckt wurde, auch im reiferen Alter noch coole Dance-Vibes konzipieren kann, zeigt ihr neuer Track "Hercules". Muskeln zeigen, selbstbewusst sein, das richtet sie auch an das begeisterte Publikum. "People Hold On", jener trendweisende Track der schwülstig-exzessiven Londoner House-Community, steht natürlich auch auf der Setlist. Inmitten von einigen Balladen wie "So Natural" oder "Billionaire", bei der die "British Queen of White Soul" alle stimmlichen Register zieht.

 

Das "Unternehmen "Lisa Stansfield" ist übrigens ein sympathischer Familienbetrieb, Produzent ist ihr Ehemann Ian Devaney, der bereits mit Lisa die Eighties-Formation "Blue Zone" gründete. Und irgendwie hat man nach einem Stansfield-Konzert auch das Gefühl, es sei die Zeit stehengeblieben. Das liegt nicht nur am noch immer bestechenden Aussehen der Sängerin, sondern auch an den schwerelosen, uplifting Tracks, die Lisa mit ihrer brillanten Band präsentiert. 

 

Kein finaler Song passt da besser als "Young Hearts run free". Jener Studio 54-Floorfiller von Candi Staton, der nicht nur die Teenagerherzen in Caprios "Romeo & Julia" verzauberte, sondern auch als heimliche Hymne der toleranten, lebenslustigen Pink Generation gilt. Let´s "live together", es ist niemals zu spät :-)

 

mehr lesen

"Endlose Gegenwart" - Das Donaufestival schlägt wieder seine Zelte in Krems auf!

Seit 2005 findet in Krems das avantgardistische Donaufestival statt, das an zwei Wochenenden schräge und extravagante Acts aus den Bereichen Sound, Installation und Performance anbietet. Bis 2016 stand das Festival unter der Leitung von Tomas Zierhofer-Kin, der aktuell Chef der Wiener Festwochen ist. Die Nachfolge übernahm Thomas Edlinger, sein Motto für dieses Jahr "Endlose Gegenwart".

 

"Nichts endet wirklich, aber auch nichts beginnt neu", so die Diktion im diesjährigen Programmheft. Die Gesellschaft steckt fest im sogenannten "Klick-Zeitalter", bei dem alles in Echtzeit abläuft. Die Vergangenheit vergeht nicht, im Gegenteil: "Kultur und Politik werden von Zombies aus der Vergangenheit heimgesucht". Die Zukunft scheint abgesagt. Edlinger stellt die Frage nach künstlerischen Alternativen zu einer aufgeblähten Gegenwart und sucht nach Entschleunigung, Momenten der Nähe und nach offline-Ritualen. Mehr als 80 Programmpunkte setzen sich individuell mit dieser Thematik auseinander.

 

Eines der Highlights am ersten Wochenende war zweifellos der exzellente Auftritt der Wiener Performance-Truppe Liquid Loft unter der Regie von Chris Haring. In der Dominikanerkirche versammelten sich in der "Church of Ignorance" acht schwarz gekleidete Tänzer, zuerst nur amorph verhüllt zu sehen, dann in voller Gestalt. Die Kommunikation der Tänzer untereinander wird per Smartphone von außen gesteuert, die Quellen stammen aus vorproduzierten MP3-Aufnahmen, die Lippen werden dazu synchron bewegt. Der sich mitten im Geschehen befindliche Zuschauer hört nur "babylonisches Sprachengewirr", basierend auf alten Dialekten Europas. Gesten, Bewegungen und Betonungen der Akteure deuten bei einiger Fantasie allerdings daraufhin, was der Inhalt der Kommunikation ist. Der minutenlange Applaus nach der 60minütigen Performance ließ dagegen keine Interpretationsspielräume offen. 

 

Live bei der Eröffnung zu Gast war der Installationskünstler John Gerrard. Dessen "Western Flag" ziert die Halle 1, eine Simulation, die eine Flagge aus niemals versiegendem schwarzen Rauch zeigt. Der Standort: Eine Ölquelle in Texas, deren Vorräte bereits erschöpft ist. Für viele Festivalbesucher ist dieser Bereich auch ein Platz zum Chillen und Entspannen.

 

Musikalisch zieht Edlingers Programm wieder alle Register. Die Berliner Szene-Ikone Lotic, optisch Conchita Wurst nicht unahnlich, liefert im ehrenwürdigen Stadtsaal einen queeren Mix aus Trap, R&B und Footwork. Die Radikalfeministin Moor Mother kollaboriert mit den Industrial Pionieren Zonal, wegen einer Flugzeugverspätung weit nach Mitternacht terminlich angesetzt und ohrenbetäubend intensiv.

 

In der Festivalzentrale konzentriert sich DJ Nene Hatun auf schnörkellosen Minimal Techno. Die coolen Beats sind um einiges gefälliger als der Preis der angeblich kultigen Schnitzelsemmel (4,80 Euro), die man sich aber sparen kann.

 

Nicht so das samstägliche Programm in der Halle 2: Die aus Philadelphia stammende Mhysa (was im "Game of Thrones"-Sprachgebrauch so viel heißt wie (Drachen)-"Mutter" präsentiert sich dort als selbstbewusste Queer Black Diva inmitten von A Capella-Akrobatik und sexy Club Sounds. Und "Ersatzmann" DJ Taye  (der für die Brooklyner Djane Umfang eingesprungen ist) zeigt mit Live-Raps, Scratches und Mixes, dass er einer der ungekrönten Stars der Chicagoer Footwork-Szene ist. Die Festival-Party People dankten mit einer vollen Tanzfläche bis zum Ende des Sets.

 

Viele Donaufestival-Besucher kamen auch dieses Jahr wieder aus Wien. Ein Teil düste per Shuttle Bus noch um 2 Uhr nachts zurück in die Bundeshauptstadt. Kremser findet man traditionell nur selten am Donaufestival. Vermutlich weil sie sich in einer Traditionsblase (Heurigen, Kellergassenfeste,...) befinden und kulturellen Innovationen abgeneigt sind. Schade eigentlich.

mehr lesen

"Wut": Terrorismusforscherin Julia Ebner präsentiert Buch über Extremismus!

"Passen Sie gut auf sich auf, wir nähern uns dem Endkampf!" - Diesen Zettel fand die Wiener Terrorismusforscherin Julia Ebner in ihrer Tasche, kurz nachdem sie Undercover zwei Versammlungen von Rechtsextremen und Islamisten besuchte. Von welcher Gruppierung diese Nachricht stammte, weiß sie bis heute nicht.

 

Es war allerdings einer der Anlässe, ein Buch über die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Rechtsextremismus und IS-Terror zu verfassen. "Rage" nennt sich das Originalwerk, die deutsche Fassung "Wut" präsentierte die derzeit in London beim Institute für Strategic Dialogue tätige Forscherin kürzlich in der Thalia-Buchhandlung in der Wiener Mariahilfer Straße.

 

Grundlage des Buches sind ihre Untersuchungen bei der Anti Extremismus-Organisation Quilliam Foundation, die sowohl online durch Einschleusung in einschlägige Social Media-Gruppen als auch offline durch direkte Gespräche mit Mitgliedern und Aussteigern extremistischer Organisationen vonstatten gingen. Ebner beschreibt in ihrem ausführlichen Werk einen Kulturkampf zwischen radikalen westlichen "Kreuzfahrern" und islamistischen Muslimen, die beide ähnliche Ziele verfolgen: Eine religiös einheitliche Gesellschaft, eine Rückgängigmachung des Fortschritts, verbunden mit Antisemitismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit.

 

Hauptzielgruppe ist die sogenannte "Generation Z", jene ab 1990 geborenen Personen, die vor allem durch Social Media, Computerspiele, Hochglanzbilder und Promotion-Filme zum "richtigen" Glauben verlockt werden sollen. Ziel ist die Spaltung der Gesellschaft, verstärkt durch Überreaktionen auf der politischen Ebene. Der wechselseitige Konnex zeigt sich dabei auch dadurch, dass ein islamistischer Anschlag die Solidarität und den Zusammenhalt der Rechtsextremisten stärkt und umgekehrt. Ebner weist in ihrem Buch sogar örtliche Zusammenhänge nach: Rechtsextreme Horte sind oft auch Brutstätten islamistischen Terrors (wie in speziellen Londoner Distrikten oder im Wupperthal).

 

"Fast jeder Terrorist ist ein Muslim", das behauptete FPÖ-Bundesparteiobmann Strache in einem Interview. Diese Aussage sei falsch, so Expertin Ebner. Islamistische Anschläge erhalten allerdings in den Boulevardmedien mehr Aufmerksamkeit und Resonanz als rechtsextremer Terror. Die Fakten zeigen anderes: In den USA wurden im Vorjahr 18 der 34 tödlichen Terroranschläge weißen Nationalisten zugeordnet.

 

Gemeinsam ist beiden Ideologien das "Opfernarrativ". Dieses wird befeuert durch Slogans wie "Fremd im eigenen Land" oder "Der Islam gehört nicht zu Europa". Werden derartige Aussagen durch Spitzenpolitiker getätigt, so wird dies für die eigene Propaganda und für die weitere Aufhetzung der Gesinnungsgemeinschaft verwendet. 

 

Ebner hat im Zuge der Recherchen auch einige Aussteiger kennengelernt und dabei festgestellt, dass die direkte Konfrontation mit dem "Feind" Vorurteile abbauen kann. Interpretationen von Wahlergebnissen zeigen Ähnliches: Dort wo Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zusammenleben, schneiden rechte Parteien schlechter ab als in Distrikten, wo kein Ausländer ansässig ist.

 

Schuld an den extremistischen Auswüchsen sind auch die traditionellen politischen Parteien, die zu spät das "Zeitalter der Wut" registriert haben. Jeder einzelne müsse diesen negativen Entwicklungen gegensteuern, durch differenzierte Sprache, Aufdeckung von Manipulationen oder durch Unterstützung einschlägiger Kampagnen.

 

Bildung sei überhaupt das beste Mittel gegen Terrorismus, so Julia Ebner. Expertenwissen zu den Themen Rechtsextremismus und Islamismus bietet dazu ihr Erstlingsbuch.

 

 

 

Vienna City Marathon 2018: Kein Streckenrekord, aber Top-Werbung für die Stadt!

"Ab Kilometer 38 war es einfach zu heiß!", so die Siegerin Nancy Kiprop aus Kenia nach Absolvierung des Vienna-City Marathons. Für viele andere der mehr als 41.000 Teilnehmern aus 130 Ländern vermutlich bereits ab Kilometer Nummer 1.

 

Bei Mittagstemperaturen von 27 Grad war es für jeden einzelnen Läufer eine große Herausforderung, die gewählte Laufstrecke erfolgreich zurückzulegen. Die lange Hauptallee sorgte sogar bei den Spitzenläufern für konditionelle Schwierigkeiten. So auch beim sensationell laufenden Salzburger Peter Herzog, der als 10. unter tosendem Applaus ins Ziel kam und mit 2:16:57 Stunden 3 Sekunden (!) unter dem EM-Limit blieb.

 

Sieger bei den Herren wurde überraschend der Marokanner Salaheddine Bounasser mit einer Zeit von 2:09:29. Zwar kein Streckenrekord, aber klar vor einer Phalanx aus kenianischen Läufern. Weltrekordler Dennis Kimetto schied mit muskulären Problemen in der linken Wade nach der Halbzeit des Rennens aus.

 

Die weibliche Siegerin Kiprop verpasste zwar den Streckenrekord knapp, verbesserte aber ihre persönliche Bestleistung auf 2:24:18. Sie spendet wie letztes Jahr ihr Preisgeld an eine Schule in ihrem Heimatort.

 

Aufgrund der hohen Temperaturen musste das Rote Kreuz insgesamt 540mal Einsatz leisten, 50 Läufer mussten ins Spital eingeliefert werden. Sicherheitsprobleme seitens der Polizei wurden keine gemeldet.

 

Der Vienna City Marathon fand 2018 bereits zum 35stenmal statt. Er bringt laut Veranstalter einen Umsatz von 55 Millionen Euro und ca. 80000 Übernachtungen in und um Wien. Sieger ist somit nicht nur jeder einzelne Teilnehmer, sondern vor allem auch die Bundeshauptstadt selbst. Umso wichtiger, als schwarz-blaue Regierungspolitiker immer wieder versuchen, den Ruf Wiens zu ramponieren.

Jared, entertain us! Rock-Spektakel von 30 Seconds to Mars in der Wiener Stadthalle!

Ist Jared Leto mehr Rock-Musiker als Schauspieler oder umgekehrt? Eine Frage, die schwer zu beantworten ist. Fakt ist, dass der Oscar-Gewinner von 2014 (Aids-Drama "Dallas Buyers Club") schon Konzerte seiner Band 30 Seconds to Mars platzen ließ, weil das Musik-Event mit seiner Hollywood-Trademark beworben wurde.

 

Auch ohne Promotion seiner Film-Karriere, die qualitätsmäßig um die Jahrtausendwende mit dem Heroin-Schocker "A Requiem for a Dream", "Girl Interrupted" und "American Psycho" begonnen hat, lockte Jared gemeinsam mit seinem Bruder, Drummer Shannon Leto, mehr als 12.000 Fans in die Wiener Stadthalle. Gitarrist Tomislav Milicevic fiel aus persönlichen Gründen aus, der Rest der Band wurde hinter die Bühne verlagert. Dies mutet zwar etwas seltsam für eine Live-Band, stellte aber kein Problem dar für die ca. 100 Minuten dauernde Show, bei der Jared Leto, extravagant, charismatisch, kommunikativ zugleich, wie üblich im Zenit der Fans stand.

 

Die Bühne wurde ähnlich dem Metallica-Konzert mitten in den Stehplatzraum montiert, die vielen weiblichen Fans somit hautnah beim Rock-Idol platziert. Kongenial zum Start-Song „Up in the Air“ wurde der Verhüllungsblock freigegeben, und das Leto-Spektakel konnte beginnen. 

 

30 Seconds to Mars haben bis dato 5 Alben veröffentlicht und mehr als 10 Millionen Alben verkauft. Trotzdem hat man manchmal den Eindruck, dass nicht so sehr der Sound, sondern die Show, das stakkatomäßige Aufpeitschen der Fans und der für Rockbands exzessiv ausgelebte Kontakt zum Publikum im Mittelpunkt steht. Inmitten von Konfettireigen und Riesenluftballons kokettiert Leto mit Konzertbesuchern auf den Sitzplätzen und holt sich mutige Fans auf die Bühne zwecks gemeinsamer Dance-Party. Alles gefilmt vom persönlichen Kameramann und abgezielt auf das millionenfache Teilen auf Facebook, Instagram & Co.. Da bleiben schon mal die manchmal uncharmant als „Stadiun Rock“ bezeichneten Songs von 30 Seconds to Mars auf der Strecke, egal ob sie jetzt „Kings and Queens“, „This is War“ oder „Hurricane“ heißen. Überrascht wird die Audienz von einer bezaubernden Coverversion des Rihanna-Hits "Stay", bei der Leto seine romantischen Seiten zeigt.

 

Charttechnisch erreichten die Leto Brothers gerade in der Woche des Wien-Konzerts ihren Höhepunkt. „America“, ihr 5. Album, ist weltweit in zahlreichen Ländern auf Platz 1, darunter auch in Österreich. Leto nützt diese Gelegenheit, sich euphorisch beim Wiener Publikum zu bedanken und wirft dann einige Gratis-CD´s in die frenetische Crowd. „Dangerous Night“, „Rescue me“, „Rider“ und der Single-Hit „Walk on Water“ aus dem neuen Album dürfen natürlich auf der Setlist des Konzerts nicht fehlen, das mit „Close to the Edge“ (etwas früh) endet. 

 

Inmitten der Fans auf den Brettern, die für Leto die (musikalische) Welt bedeuten. Steht seine Band doch sogar im Guinness Buch der Weltrekorde, Für die – mit 300 Auftritten – längste („This is War“)-Tour aller Zeiten. 

 

mehr lesen

"Jump Around": 20. Argus Bike Festival auf dem Wiener Rathausplatz!

Das Argus Bike Festival fand zum ersten Mal im Jahr 1999 statt. 2018 feierten die Veranstalter das 20. Jubiläum, und zwar mit einer besonderen Attraktion. Wie vor 3 Jahren beim Vienna Air King lieferten sich internationale und nationale Biker tollkühne Duelle auf dem Parcours vor dem Wiener Rathaus. 

 

Der Dirt-Battle Vienna gliederte sich in zwei Teile. Bei der "Best Trick"-Competition vergab eine Jury Noten je nach Schwierigkeitsgrad und Ausführung, beim "Highest Air"-Bewerb zählte die übersprungene Höhe. Erreicht wurden phänomenale 8,5 Meter. Moderiert wurde die Show von Event-Profi Andi Brewi, der famose Hip Hop-Sound stammte von Mixmaster DJ Mosaken.

 

Ebenfalls seit 1999 dabei ist die Wiener BMX-Legende Senad Grosic, der im Rahmen seiner "School 2 Rock"-Show junge Nachwuchstalente fördert und schult. Aber auch für den "normalen" Radfan wurde auf dem jährlichen Bike Festival viel geboten: Eine Fahrradmesse mit über 100 Ausstellern, der Falter-Fahrrad-Flohmarkt, neue E-Bikes und Lastenfahrräder, die Fahrrad-Kinderwelt und natürlich die Radparade, bei der Sonntag mittags mehr als 12.000 Personen teilnahmen.

 

Der Radverkehr blieb 2017 - trotz eines Allzeithochs im Juni - konstant. Laut Modal Split lag der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wege in Wien bei 7 Prozent. Die Ziele der rot-grünen Landesregierung liegen um einiges höher. Im Jahr 2025 sollen mindestens 80 Prozent der Wege im Öffentlichen Verkehr, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Die Radfahrquote soll dabei auf 13 Prozent gesteigert werden. 

 

Veranstaltungen wie das Bike Festival oder auch die ab 28. April in der Nordbahnhalle stattfindende Ausstellung "Bicycle - A Love Story" sind in diesem Sinne geeignete Motivatoren, in der Stadt auf das Auto zu verzichten und auf das sportliche, klimafreundliche Rad umzusteigen.

mehr lesen

Electric Spring 2018: Open Air-Party mit Ankathie Koi im Museumsquartier!

"Tanzen, Fotos schießen oder Schmusen" - Das stellt Ankathie Koi bei ihrem Konzert im Hof des Wiener Museumsquartiers in den Raum und gibt dazu gleich die Antwort: "Natürlich Schmusen mit dem Partner (oder Unbekannten?) daneben". Auch dem Tanzen sollte man aber nicht abgeneigt sein, denn die Tracks der in Oberbayern aufgewachsenen und in Wien lebenden Ex-Jazzgesangstudentin gehen kräftig in die Beine: Schriller Eighties Pop mit eingängigen Refrains und exaltierter Performance.

 

Ankathie Koi war einst Teil des Glampopduos Fijukas, kuratierte das Wiener Popfest auf dem Karlsplatz und schlug dann eine Solokarriere ein. Ihr Debüt-Album "I hate the Way you chew" wurde produziert von der Techno-Ikone Patrick Pulsinger. "Black Mamba", "Little Hell" oder das witzig-tiefgründige "I´m jealous of my Boyfriend´s Past" begeistern die international angehauchte Hipster-Crowd vor dem Mumok. Da darf eine Stage Diving-Einlage im hautengen, roten Latex-Outfit nicht ausbleiben. Wie vielseitig die für den FM4-Amadeus Award nominierte Künstlerin ist, zeigt sie bei ihrem Abschiedslied "Gypsy", einem bezaubernden Fleetwood Mac-Cover.

 

Danach wurde weitergefeiert in den Hallen des Museumsquartiers mit Acts wie Anna Leiser, The Devil & The Universe oder Gudrun von Laxenburg. Kuratiert wurde die 4. Ausgabe von "Electric Spring" von Therese Kaiser, 2017 noch als DJ "Therese Terror" in den frühen Morgenstunden im Einsatz.

And the "Wanda"-Hype goes on: 12.000 begeisterte Fans in der ausverkauften Wiener Stadthalle!

Der Musikexpress bezeichnete Wanda 2015 als die "vielleicht letzte wichtige Rock´n Roll Band unserer Generation." Übertreibt dabei ein bisschen, liegt aber auf jeden Fall nicht falsch.

 

Schon Stunden vor dem ausverkauften Konzert in der Wiener Stadthalle warten tausende Menschen im Areal des Roland Rainer-Platzes auf den Eintritt, die Fans trinken Bier, lachen und sind gut drauf. In der Location selbst gehen die Wanda-Shirts weg wie die warmen Semmeln oder besser gesagt wie die kalten Bier, die natürlich aus "Wanda"-Bechern getrunken werden. Bereits beim Support-Auftritt des legeren Szene-Originals Nino aus Wien mit seiner top-eingespielten Band und Voodoo Jürgens als Gast sind die Plätze vor der Bühne und auf den Rängen prall gefüllt. Noch hängt der "Amore"-Vorhang über der Stage.

 

Dann geht´s los, nicht mit irgendeinem Fülltitel, sondern mit der Tante Ceccarelli. Die in Bologna Amore gemacht. Mit "Luzia", "Auseinandergehn´s is schwer" und "Schickt mir die Post". Allesamt die Gassenhauer einer Band, die sich nach einer lesbischen Wiener Zuhälterin namens Wanda Kuchwalek benannt hat. Das Publikum ist bei den ersten Tönen in Stimmung, und was kann sich eine Rock-Band mehr wünschen? Obendrein eine, die gar nicht komplett fit auftritt. Sänger und Enfant Terrible Marco Michael Fitzthum trägt eine Gipsmanschette, Gitarrist Manuel Christoph Poppe hat sich überknöchelt, und der Keyboarder Christian Hummer wurde wegen eines Hörsturzes ersetzt.

 

Alles was uns nicht umbringt, macht uns nur härter. Es folgen neue Tracks aus dem dritten Album "Niente", der neue lässige Single-Hit "Weiter Weiter" und die subtile Ode an das Cafe Kreisky. Dann ein weiterer Wanda-Evergreen: "Meine beiden Schwestern" aus dem zweiten Album "Bussi". Mit Bier in der Hand feiern die enthusiastischen Fans die "stehengelassenen Weinflaschen", bis die fünfköpfige Band mit einer improvisierten Extended Version von "Ich will Schnaps" den Hexenkessel in der Stadthalle runterdosiert. Beim neuen Track "Ich sterbe" wird Sänger Marco Michael Wanda von Geigenspielerinnen in Totenmasken begleitet, der Karneval in Venedig lässt grüßen. 

 

Die nächste Party feiern Wanda im Pyjama zu Haus. Columbo schauen, nicht zu zweit, sondern mit 12.000 entfesselten Fans. Dann "Bussi Baby" und der Ballermann-verdächtige Stimmungsknaller "1,2,3,4". Spätestens dann weiß man nicht mehr so genau: Sind Wanda jetzt noch ein intellektueller FM4-Alternative-Act oder bereits ein übersättigter Mainstream-Hype?

 

Die erste Zugabe sorgt für Widersprüche. "Traurig schöne Kindheit in 0043", die schwermütig-melancholische erste Single aus dem neuen Album. Hätte Marco den Text vergessen, kein Problem. Die Fans singen fehlerfrei mit. Als Finale noch einmal Bologna und Luzia. Und ein überglücklicher, schweißüberströmter Sänger mit den Schluss-Worten "Wir sehen uns wieder. Habt´s es schen, Danke schön!"

 

Man darf gespannt sein, wie es mit Wanda musikalisch weitergeht. Wieder mehr Richtung Indie oder gar ein Ausflug in die Electronic-Szene? Und natürlich auch thematisch. Weiterhin Liebe, Weltschmerz, Kitsch, Tod oder vielleicht gerade in diesen Zeiten auch politisch. Wandas Grundhaltung ist bekannt: "Gegen Fremdenhass, Frauenhass und Sexismus." Insofern kann nichts schiefgehn.

mehr lesen

Isolation Berlin - Mit neuem Album "Vergifte dich" live im Wiener Fluc!

Von Köln nach Berlin gezogen lernte der Schauspielschüler Tobias Bamborschke in einer Kneipe, vom Liebeskummer gezeichnet,  den Gitarristen Max Bauer kennen. Der Startschuss für die Gründung einer Band war geboren. Heute stehen die zwei - gemeinsam mit Bassist David Specht und Schlagzeuger Simeon Cöster - auf der Bühne. Als "Isolation Berlin", deren Schriftzug auch auf der schwarzen Lederjacke von Sänger Bamborschke eingraviert ist.

 

2016 erschien das erste Album "Und aus den Wolken tropft die Zeit", die Musikmedien waren begeistert und verglichen die intellektuell-schwermütigen Texten der Berliner Band mit dem Frühwerk Rio Reisers der 70er und den lyrischen Ergüssen Sven Regeners. Inspiriert wurde Mastermind Bambuschke bereits in der Schulzeit, durch Hermann Hesse.

 

"Ich glaube ich nehm' die nächste U-Bahn und fahr' zum Bahnhof Zoo. Dann nehm' ich mir 'nen Strick und häng' mich auf im Damenklo" klingt auch eher nach düsterem Weltschmerz als nach dem klischeehaften Party-Hedonismus der Berliner Szene. Jener Song "Isolation Berlin", sozusagen das Trademark der Band, stand auch auf der Setlist beim Konzert im Wiener Underground-Club Fluc, wo die Berliner Combo ihr neues Album "Vergifte dich" präsentierte. 

 

Das 3. Album - nach dem Debüt und der EP-Compilation "Berliner Schule/Protopop" - enthält neben typischen gesellschaftskritischen Stücken wie "Antimaterie" auch neue Facetten der Band. "Marie", das neue "Annabelle" (Anm.: Ihre erste Single), könnte durchaus von Wanda stammen, die minimalistisch New Wave-lastigen Tracks "Kicks" oder "Die Leute" (reden zuviel und sagen zuwenig) erinnern an die 80er-Electronic-Ikonen DAF. 

 

Die Mischung kommt beim Wiener Publikum gut an. Dem mit dem neuen Song "Serotonin" auch eine Liebeserklärung an deren Heimatstadt gewidmet wird. " Heißt es doch dort: "Dann bau ich mir ein Kartenhaus aus Serotonin. Mitten in Berlin, ich hab dir längst verzieh'n. Mitten in Berlin träume ich von Wien. Komm, fahr mit mir dahin. Gib meinen leeren Tagen einen Sinn." 

 

Steht in glatter Antithese zum depressiven Abschluss-Song "Alles Grau", in dem der charismatische Frontman Bamborschke ins Mikro fleht: "Ich hab keine Angst vorm Sterben mehr!" Die Zukunft von Isolation Berlin sieht trotzdem rosig aus. In welche Richtung, wird sich weisen.

Otto Wagners "Stadttor" für Wien: Die Schemerlbrücke in Nussdorf!

Das Wien Museum bietet aktuell bis 7. Oktober eine Ausstellung über den renommierten Wiener Architekten und Stadtplaner Otto Wagner. Das Werbe-Plakat ziert die Schemerlbrücke in Nussdorf, dort wo der Wiener Donaukanal von der Donau abzweigt.

 

Benannt ist die Schemerlbrücke nach dem Wasserbauingenieur Joseph Maria Schemerl von Leythenbach, entworfen wurde sie von Otto Wagner im Zuge der Errichtung der Nussdorfer Wehr- und Schleusenanlage zwischen 1894 und 1899.

 

Wagner betrachtete die Wehr nicht nur funktional zur Verhinderung von Hochwasser und Eisstößen, sondern auch als "Stadttor". So wurde diese mit Pylonen ausgestattet, auf denen Löwenfiguren des barocken Wiener Bildhauers Rudolf Weyr thronen. Ebenfalls von Wagner stammt das ehemalige Verwaltungsgebäude der Donauwasserschutzkonferenz direkt neben der Schleusenanlage, das heute als Sitz der Magistratsabteilung 45 (Wiener Gewässer) fungiert.

 

Bereits im 1. Jahr der Fertigstellung lohnte sich die Mühe für den Einsatz. Die Nussdorfer Wehr (die aufgrund der Grenzziehung beim rechten Ufer des Donaukanals eigentlich großteils in Brigittenau liegt), verhinderte 1899 eine Hochwasserkatastrophe im Donaukanalbereich. Im April 1945 wurde die Schemerlbrücke wie viele andere Donaukanalbrücken durch die zurückweichenden SS-Truppen zerstört, in den 50ern wieder aufgebaut. Die letzte Sanierung wurde 2009 vorgenommen, um ca. 1 Million Euro wurden erhebliche Schäden am Stahltragwerk restauriert.

 

Seit dem Jahr 2005 befindet sich unter der Brücke das Wasserkraftwerk Nussdorf, das mit 12 Matrixturbinen 10.000 Haushalte mit Strom versorgt. Das historische Erscheinungsbild der "Löwenbrücke" wurde dadurch nicht beeinträchtigt.

Wie die Regierung AlV-Beiträge minimal senkt und gleichzeitig den Sozialabbau forciert!

Die schwarz-blaue Bundesregierung behauptet vollmundig, sie senke die Arbeitslosenversicherungsbeiträge für geringe Einkommensbezieher. Erstens stimmt dies nur teilweise, zweitens hat diese Reduzierung weitreichende negative Auswirkungen.

 

Ab dem 1. Juli 2018 zahlen Arbeitnehmer laut dem Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz bis zu einem Einkommen von 1648 Euro keine Beiträge mehr. Der "Marketing-Clou": Bereits jetzt sind Einkommensbezieher bis 1381 Euro von diesen Beiträgen befreit. Zwischen 1648 und 1798 Euro beträgt der Arbeitnehmeranteil künftig 1 %, bei einem monatlichen Einkommen zwischen 1798 und 1948 Euro 2 %. Darüber hinaus beträgt der Beitragssatz 3 %, ebenso wie generell bei den Arbeitgebern. Zu beachten ist allerdings die Höchstbeitragsgrundlage von 5130 Euro, ab der überhaupt keine Beiträge mehr entrichtet werden müssen. Ein Grenzwert, den man durchaus um einiges anheben sollte.

 

Unbeachtet blieb bei der Gesetzesnovelle die Streichung des § 2a Absatz 5. Dieser besagt, dass "der durch die Beitragssenkung bedingte Einnahmenentfall in der Gebarung Arbeitsmarktpolitik vom Bund zu tragen ist". Aufgrund des Entfalls dieses Paragraphen entgehen dem AMS ab Juli um die 500 Millionen Euro jährlich.

 

 

Geld, das mit höchster Wahrscheinlichkeit bei den Leistungen für die Bürger eingespart wird. Beim Arbeitslosengeld, bei der Notstandshilfe, bei der Integration von Asylberechtigten, bei Arbeitsmarktförderungen, Deutschkursen, Qualifizierungsseminaren usw....  Ob die Bürger dann erkennen, welche Absichten diese Bundesregierung hat?

 

Satire gegen Fake News und Neoliberalismus: Florian Scheuba im Wiener Stadtsaal!

Die derzeit herrschenden politischen Verhältnisse sind eine Goldgrube für Kabarettisten und Satiriker. Florian Scheuba zieht hier gerne den Vergleich mit einem Arzt und dem gehäuften Anfall von Grippekrankheiten heran. Trotz lukrativen Geschäfts könne sich der Mediziner nicht darüber freuen. Scheubas zweites Solo-Programm - für sein Debüt "Bilanz mit Frisur" bekam er den österreichischen Kabarettistenpreis - nannte er "Folgen Sie mir auffällig", und tatsächlich war der Wiener Stadtsaal in der Mariahilferstraße schnell ausverkauft.

 

Scheuba, bereits seit dem Alter von 16 als Hektiker, Donnerstalker oder Staatskünstler in der Kultur-Szene verankert, betreibt seine Profession wie ein akribischer Investigativjournalist. Politische und gesellschaftliche Missstände werden genau recherchiert und sollen mittels Satire die Zuschauer nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Denken anregen.  Basis - und das ist in vielen Fällen erschreckend - ist allerdings der reale Wahrheitsgehalt der zugrundeliegenden Geschichten. Im Gegensatz zu erfundenen Fake News von Politikern, die versuchen, eine Lüge als Satire zu verkaufen, um sich vor juristischen Konsequenzen zu drücken.

 

In diesem Konnex darf auch der US-Präsident Donald Trump nicht fehlen, der mittels "alternativer Fakten" behauptete, bei seiner Angelobung hätten mehr Personen teilgenommen als bei Obama. Die Wahl von Trump vergleicht Scheuba mit einem Vorfall in der Türkei, wo die Bürger absichtlich vier Dorftrottel in den Gemeinderat gewählt haben, um ihren eigenen Bürgermeister zu demütigen.

 

Scheuba thematisiert in seinem 2 Stunden-Programm auch kuriose Wiener Fälle. So gebe es eine Rechtsanwaltskanzlei in der Bundeshauptstadt, die ihre Mitarbeiter in Kabarettprogramme setzt, um klagsreife Formulierungen für etwaige Klienten zu notieren. Oder die Wiener Agentur Modern Mind Marketing, die bezahlte Postings für Bank Austria, ÖBB oder das "Nischenprodukt ÖVP Wien" produziert. "Wobei ein gefälschtes Posting unter einem Artikel von oe24.at allein schon ein Witz ist."

 

Scheuba weist allerdings auch daraufhin, dass man die Social Media und die Internerforen nicht als "Stimme des Volkes" klassifizieren solle. Beim Nationalratswahlkampf in Österreich wurden mehr als die Hälfte der rund 3 Millionen Kommentare von nur 8900 Facebook-Usern gepostet.

 

Kritik bekommen nicht nur die Boulevardmedien und die sozialen Netzwerke ab, sondern auch der grassierende Neoliberalismus. Scheuba zitiert hier den "effektiven Altruismus", eine philosophische Richtung, bei der Kosten und Nutzen einer Person alleine durch sein Einkommen bewertet werden. In einer derartigen Berufe-Tabelle seien Hedge Fonds-Spekulanten und Waffenexporteure höher einzuschätzen als Lehrer oder Entwicklungshelfer. Erinnert frappant an den politischen Kurs der aktuellen Bundesregierung, die die Entlastung der Familien nach dem Einkommen der Eltern staffelt.

 

Dauerbrenner im Programm ist natürlich auch wieder der Föderalismus der Alpenrepublik. So erscheinen laut Scheuba "9 Landesregierungen in einem so kleinen Land wie Österreich ein bisschen so, als würde man das Blumenkisterl am Fensterbrett in Klimazonen unterteilen". Thematisiert wird auch die Landesabgabe, die als Teil der Rundfunkgebühren nicht an den ORF, sondern an 7 von 9 Landesregierungen fließt. Verwendet werden die 135 Millionen Euro (2016) zur Brauchtumspflege der Landeshauptleute. An eine Abschaffung denkt niemand.

 

Dass die Regierung Kurz immer wieder von Scheuba aufs Korn genommen wird, liegt auf der Hand. Den Kanzler vergleicht er mit dem kroatischen "Wunderheiler" Braco, der auf Großveranstaltungen wie in der Eventpyramide Vösendorf für einen 7minütigen Starr-Blick-Auftritt 15 Euro pro Person kassiert. Die Einrichtung einer FPÖ-Historikerkommission zur Aufdeckung brauner Flecken in den deutschnationalen Burschenschaften bezeichnet Scheuba als "Suche nach Heu in einem Heuhaufen." Moralisch kenne aber auch Kurz keine Skrupel: "Wenn ich es nicht tu, macht es die FPÖ selber. Und die tun es auch noch gern!"

 

Belohnt werden derartige "Real-Gags" mit Szenenapplaus im Publikum. Die politische Einstellung Scheubas dürfte - nicht überraschend - mit den Besuchern übereinstimmen. Wirft immer wieder die Frage auf, ob im Saal nicht eigentlich jene Zielgruppe sitzen sollte, die sich von Medien, Machtapparaten und Echokammern täuschen und manipulieren lässt und dadurch irrationale (Wahl)-Entscheidungen trifft.

 

Dass der ORF mit Ausnahme von "Willkommen Österreich" keine Satiresendungen im Programm hat, ist auch kein gutes Zeichen für die Zukunft. Die "Staatskünstler" mit Scheuba, Maurer und Palfrader wurden - mit vorauseilendem Zugeständnis an die rechtskonservative Regierung (?) - im Vorjahr eingestellt. In Zeiten von aalglattem Polit-Marketing, Fake News und Medien-Propaganda sind allerdings kritische Geister wie Scheuba wichtiger denn je.

 

Nicht nur für die Frau Scheubas, die der dreifache Vater vor 30 Jahren bei einer Hektiker-Show kennengelernt hat und der er zum Finale eine sentimentale Liebeserklärung widmete.

Liebe in Zeiten des Kapitalismus: Buchpräsentation von Robert Misik im Thalia!

Robert Misik, Wiener Journalist und freier Autor, gilt als progressiver Vordenker des linken Lagers und ist vielen nicht nur als Publizist der Kern-Biographie,. sondern auch durch seinen wöchentlichen Video-Blog auf der Website des Standards bekannt.

 

"Liebe in Zeiten des Kapitalismus" heißt sein neues Werk, eine Sammlung von spannenden, diskussionswürdigen Zeitgeist-Essays, die er kürzlich auch in der Buchhandlung Thalia auf der Mariahilferstraße präsentierte. Entstanden ist diese Kompilation aus seinen zahllosen Kolumnen, Vorträgen und Kommentaren der letzten Jahre, die in einen speziellen Kontext zusammengefügt wurden.

 

Misik thematisiert dabei nicht nur die aktuelle politische Situation, sondern widmet sich auch sogenannten "sanfteren" Begriffen wie Emotionen, Gefühlen, Freiheit, Ironie oder Liebe. So sieht er die Menschen in einer stetigen Angst-Situation, egal ob es sich um den beruflichen Erfolg, die Finanzen oder die private Gefühlswelt handelt. Alles stehe immer auf Messers Schneide.

 

Der Autor kritisiert den Konsumwahn und den kapitalistischen Lifestyle, der auch in die intimen Lebensbereiche eintritt. Motto: "Wir sind, was wir kaufen." Und selbst diese Entscheidungen werden von Role Models in den Medien vorgegeben. Das war allerdings auch in den 50ern bei Sartres schwarz gekleideten Existentialisten nicht anders.

 

Die Integrationspolitik vergleicht Misik mit dem Verhalten von Kindern in der Schule. Die dauernde Androhung von Sanktionen demotiviere und frustriere Migranten, ebenso die von vielen so empfundene gesellschaftliche Grundstimmung "Wir brauchen euch nicht". In Frage stellt der Autor auch die Werte-Kataloge, hinsichtlich dieser vor allem hasserfüllte Politiker und Wutbürger ein schlechtes Vorbild darstellen.

 

Bei den im Buch ausführlich behandelten Themen Liebe und Kapitalismus bedient sich der Falter-, Profil- und Taz-Journalist den Thesen der israelischen Soziologin Eva Illouz, die einen desillusionierenden Blick auf das Liebesleben des 21. Jahrhunderts wirft. Die romantische Liebe aus der Jugendzeit, bei der man einigen wenigen Schwärmereien nachgetrauert hat, sei einer grenzenlosen Auswahl im Internet gewichen, die geprägt ist von Massenmedien, Filmen und Magazinen. Stichwort "Willhaben mit Menschen".

 

Trifft man eine Auswahl, dann wird diese durch das Erscheinen neuer "Gelegenheiten" sofort wieder in Zweifel gezogen. Rationale Entscheidungen sind in einer derartigen Gesellschaft nicht möglich. Zumindest der Kauf der Misik´schen Zeitgeist-Biographie ist eine, die man nicht bereuen wird :-)

 

 

Leseprobe

 

https://derstandard.at/2000074404194/Vorabdruck-von-Robert-MisiksLiebe-in-den-Zeiten-des-Kapitalismus

 

Soziale Rechte in Gefahr: VfGH als Schutzorgan für Mindestsicherungsempfänger!

Die politische Bedeutung des Verfassungsgerichtshofs war nie höher. Das Höchstgericht, das regelmäßig im Gebäude an der Freyung tagt, hat nicht nur die Funktion, die Einhaltung der Verfassung und der Grundrechte zu kontrollieren, sondern dient aktuell auch als Schutzorgan sozialer Rechte für Bedürftige. Traurig und ärgerlich genug, dass diese Aufgabe nicht der aktuelle, mehrheitliche Gesetzgeber übernimmt.

 

In seiner Entscheidung vom 7. März 2018 hat der VfGH die Novelle des von ÖVP und FPÖ beschlossenen NÖ Mindestsicherungsgesetzes aufgehoben, die von mehr als 160 Betroffenen wegen Verfassungswidrigkeit erfolgreich angefochten wurde. 

 

So wurde vom niederösterreichischen Landtag eine 1500 Euro-Mindestsicherungsdeckelung pro Haushalt eingeführt. Betroffen von dieser Einschränkung waren 5186 Personen, davon nur 14,7 Prozent Asylberechtigte (auf die diese Regelung eigentlich abgezielt hatte, um die leider vorhandene Xenophobie im Land zu befriedigen). Leidtragende war u.a. auch eine obdachlose Österreicherin, die in eine Kremser Krisenwohnung gezogen ist und deren Mindestsicherung von 844,46 auf 226,81 Euro gekürzt wurde. Der VfGH machte der asozialen Deckelung einen Strich durch die Rechnung. "Wenn gleich 1500 Euro für bestimmte Haushaltskonstellationen ausreichend sein können, verhindert das NÖ MSG eine einzelfallbezogene und damit sachliche Bedarfsprüfung", so der Wortlaut der Entscheidung.

 

Aufgehoben wurde auch die Wartefrist gemäß § 11a, aufgrund dessen Personen, die sich nicht mindestens 5 der vergangenen 6 Jahre in Österreich aufgehalten haben, die Mindestsicherung auf 522,50 Euro gekürzt wurde. Betroffen davon waren 4323 Personen. Diese Regelung ist laut VfGH sowohl im Hinblick auf Österreicher untereinander als auch auf Asylberechtigte unsachlich und daher verfassungswidrig. Asylberechtigte im speziellen können nicht mit anderen Fremden gleichgestellt werden, denen es frei steht, in ihren Herkunftsstaat zurückzukehren.

 

Die Rechtsfolgen: Sowohl Deckelung als auch Wartefrist wurden ohne Reparaturfrist aufgehoben und sind nicht mehr anzuwenden. Die "alten" Fälle werden einzeln rückabgewickelt. Eine "Meisterleistung" des niederösterreichischen Landtages.

 

Man kann davon ausgehen, dass der VfGH künftig noch weitere Gesetze auf Bundes- und Landesebene prüfen und bei Verfassungswidrigkeit aufheben muss. Denn die aktuelle Bundesregierung dürfte in ihrer regional-nationalen Beschränktheit auf Verfassungstreue keinen Wert legen. Egal, ob dies die eigene österreichische Verfassung, allgemein gültige Grund- und Freiheitsrechte oder europarechtliche Vorschriften betrifft.

 

Die Anpassung der Familienbeihilfe für im EU-"Ausland" lebende Kinder ist der nächste umstrittene Themenbereich, ebenso das grundrechtlich unverhältnismäßige "Überwachungspaket" oder die Missachtung des europa- und völkerrechtlich normierten Prinzips, dass Asylberechtigte bei öffentlichen Hilfeleistungen gleich zu behandeln sind  wie die eigenen Staatsbürger.

 

Und da sprechen wir "nur" von der Rechtsordnung und nicht von der (un)-menschlichen Komponente, die die Ärmsten der Armen in die Obdachlosigkeit, die Verwahrlosung und die Verzweiflung treibt.

"Always Ascending": Brit Popper Franz Ferdinand live im Wiener Gasometer!

Es war Anfang der 2000er Jahre, als sich die beiden Kunststudenten Alex Kapranos und Nicholas Mc Carthy in einer Lagerhalle von Glasgow kennenlernten. Diese war nicht nur Treffpunkt für Musiker, Kreative und Hipster, sondern auch die Basis für deren spätere Bandkarriere. Mit zwei weiteren Mitstreitern (Paul Thomson und Robert Hardy) gründeten die beiden Franz Ferdinand, benannt nach dem österreichisch-ungarischen Thronfolger. Der Sound: Eine treibende Mischung aus Brit Pop, New Wave und Punk. Bereits mit der zweiten Single "Take me out" erreichten die vier 2004 Platz 3 der britischen Single-Charts.

 

14 Jahre später haben sich die Dinge verändert. Nicholas Mc Carthy ist (vorerst?) ausgestiegen, ohne Streit seiner jungen Familie wegen. Und mit Dino Bardot und Julian Corrie präsentieren sich Franz Ferdinand jetzt als Quintett. Im Rahmen ihrer European Tour stattete die schottische Band auch dem Wiener Gasometer einen Besuch ab. Spielten Franz Ferdinand einst zu ihren Hochzeiten vor einer ausverkauften Stadthalle, so kamen 2018 rund 2000 Fans in die Planet Music Hall. Und wurden nicht enttäuscht.

 

Nach einem bemerkenswerten Support-Auftritt des weiblichen Wiener Surfrock-Trios Dives, die für den diesjährigen Amadeus Award nominiert sind, stürmten Franz Ferdinand mit ihrem neuen Elektro-Hit "Always Ascending" die Stage. "Nostalgie ist der Feind der Kreativität", so lautet das Credo der Band. Und so begnügt sich das Quintett rund um den charismatischen, frisch erblondeten Sänger Kapranos nicht um eine für arriviertere Bands vorprogrammierte Greatest Hits-Show.

 

Auf der Setlist stehen gleich 8 Songs ihres brandneuen Albums, das mehr auf Synthesizerklänge als auf Gitarregekreische setzt und vom französischen Cassius-Mastermind Philippe Zdar produziert wurde. Puristische Fans der ehemaligen Brit Award Gewinner mögen dies zwar nicht goutieren, der freshe, hippe Sound gibt dem Quintett aber Recht. "Feel the Love go", die verspielte Hommage an die Superman-Geliebte "Lois Lane", "Lazy Boy" oder das melancholisch-verträumte "And the Academy Award for good times goes to you" sind erstklassige Pop-Tracks, die ihren früheren Single-Hits kaum nachstehen.

 

Dass diese beim Österreich-Konzert nicht fehlen durften, steht natürlich auch außer Frage: "Do you want to", "Walk away", "Ulysses", "No You Girls" und ihr erster Hit "Take me Out" lassen die Twenty-Thirtysomething-Generation sehnsüchtig von längst vergangenen Brit Pop-Feten träumen. Und beim letzten Track dürfen alle noch einmal über die Strenge schlagen: "The Fire is out of Control. We are going to burn this City!" Mögen die inneren Feuer und Leidenschaften nie verglühen. Man lebt ja schließlich nur einmal!

mehr lesen

Familien-Armutsbekämpfung: Unterhaltsgarantie für Alleinerziehende statt Reichen-Bonus!

Österreich ist das viertreichste Land der EU, und trotzdem sind ca. 1,5 Millionen Menschen armutsgefährdet. Zu dieser Gruppe zählen vor allem die 300.000 Alleinerziehenden, zu 90 Prozent Frauen, von denen mehr als die Hälfte nur schwer ihren Lebensunterhalt bestreiten kann. Die neue Bundesregierung wird nach aktuellem Stand deren Lage nicht verbessern.

 

Der geplante Familienbonus entlastet zwar Teile des Mittelstandes und die reiche "Oberschicht". Ein Drittel der Familien allerdings, die aufgrund ihres geringen Einkommens keine Lohnsteuern zahlen, profitiert davon nur in geringem Ausmaß. Wenig verdienende Alleinerziehende erhalten ein lächerliches Almosen von 250 Euro jährlich, Top-Manager dagegen werden pro Kind um 1500 Euro jährlich entlastet. Die, die das Geld brauchen würden für Wohnen, Heizen und Bildung ihrer Kinder, haben keinen sinnvollen, finanziellen Nutzen, während die so called-"Leistungsträger" mit der steuerlichen Entlastung Luxusurlaube buchen können.

 

Keine Fortschritte gibt es auch beim Unterhaltsvorschuss. Obwohl im Jahr 2016 134 Millionen Euro an insgesamt 49.889 Kinder überwiesen wurde, weist das UVG zahlreiche Lücken auf, die betroffene Mütter und Väter an den Rand ihrer Existenz bringen. So wird nach geltendem Recht Unterhaltsvorschuss nur dann gewährt, wenn ein vollstreckbarer Exekutionstitel gegen den Unterhaltsschuldner besteht und dementsprechend Rückzahlungen zu erwarten sind (deren Quote derzeit um die 60 % ausmacht). Prozessrechtliche Änderungsanträge des Unterhaltsschuldners auf Herabsetzung führen zu einer sofortigen Minderung der Auszahlung. Ein Mindestbetrag ist nicht gesetzlich normiert. Der Unterhaltsvorschuss ist außerdem mit dem 18. Lebensjahr begrenzt, sodass Schüler mit längerer Ausbildungsphase und Studenten davon ausgeschlossen sind.

 

Vorschläge zur Novellierung dieser vor allem für alleinerziehende Mütter finanziell so heiklen Materie liegen vor und sind auch Bestandteil des aktuellen Frauenvolksbegehrens. Die Proponenten fordern einen existenzsichernden staatlichen Unterhaltsvorschuss, dessen Höhe sich nach angemessenen Regelbedarfssätzen richtet und der bis zum Erlöschen der Familienbeihilfe ausbezahlt wird. Der Anspruch soll unabhängig von der Leistungsfähigkeit des Unterhaltsschuldners bestehen.

 

Für die Legisten ist die Ausarbeitung eines derartigen Gesetzesvorschlages ein Kinderspiel. Es darf aber bezweifelt werden, ob die schwarz-blaue Bundesregierung den Willen dazu aufweist. Es zählt ja schließlich der vermeintliche Leistungsgedanke und nicht die soziale Not der bedürftigen Familien.

Brutalismus am Stadtrand: Die Wotrubakirche und ihre mysteriöse Entstehungsgeschichte!

Eine historisch gewachsene Stadt wie Wien lebt von ihren Sagen, Legenden, Mythen, Gerüchten und Geschichten. Jene der Wotruba-Kirche im 23. Bezirk klingt wie ein ausgeklügelter, raffinierter Geheimdienst-Roman a la 007 Ian Fleming oder John Le Carre. Im Gegensatz zu diesen ist sie aber wahr.

 

Im Mittelpunkt steht die 29jährige Beamtin Margarethe Ottillinger, die 1948 gemeinsam mit dem Minister für Wirtschaftsplanung, Herbert Krauland, über die Ennsbrücke St. Valentin von der amerikanischen in die sowjetische Zone einfährt und dort festgenommen wird. Während Krauland aufgrund seiner Immunität und mit brisanten Unterlagen (wie dem Marshallplan) die Fahrt fortsetzen darf, wird Ottillinger in Isolationshaft gesperrt, laufend verhört und als US-Spionin angeklagt. 1949 wird sie zu 25 Jahren Gulag-Lager verurteilt und in ein Sumpflager von Potma südostlich von Moskau gebracht. Für viele ein Todesurteil aufgrund der Seuchen, der Infektionen und des Sumpffiebers. Die Kämpferin Ottillinger schwört, sollte sie je wieder nach Österreich zurückkehren, dort eine Kirche zu bauen.

 

Wer mit dem Bus 60A Richtung Liesing fährt, der weiß, dass Ottillinger es geschafft hat. Am Georgenberg steht auf dem Areal der ehemaligen Luftnachrichtentruppen-Kaserne die aus riesigen Betonblöcken bestehende Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit, die nach ihrem Schöpfer, dem Bildhauer Fritz Wotruba, benannt wurde. 

 

Freigelassen wurde Ottillinger im Laufe der Staatsvertragsverhandlungen, im Juni 1955 kam sie schwer krank in Wiener Neustadt an und wurde 1956 seitens der sowjetischen Behörden freigesprochen. Nach einer kurzen Erholungsphase stieg sie wieder in die Wirtschaft ein und wurde OMV-Vorstandsdirektorin. In dieser Funktion verhandelte sie auch die österreichischen Gas- und Erdöllieferverträge mit der Sowjetunion..

 

Der Traum von der Kirche war allerdings nicht ausgeträumt. Die Gestaltung des von Ottillinger initiierten Gottestempels passt sich dabei in ihrer Dimension durchaus der Lebensgeschichte Ottillingers an. Der Bildhauer Wotruba wollte nach eigenen Worten: „Etwas gestalten, das zeigt, dass Armut nicht hässlich sein muss, dass Entsagen in einer Umgebung sein kann, die trotz größter Einfachheit schön ist und auch glücklich macht.

 

Der während des 2. Weltkriegs emigrierte Künstler konzipierte gemeinsam mit dem Architekten Fritz Gerhard Mayr eine Kirche, die aus insgesamt 152 rohen Beton-Blöcken zwischen 0,84 m3 und 64m3 und verschieden hohen Fensteröffnungen besteht. Der höchste Block misst 13,10 Meter.

 

Brutalismus nennt sich der um 1950 entstandene Architekturstil, dessen bevorzugter Werkstoff roher Beton ("beton brut") ist und der durch ein kompromissloses Erscheinungsbild mit klaren geometrischen Körpern geprägt ist. Gegner bezeichnen diesen Baustil auch als "ästhetischen Vandalismus". Kein Wunder vor allem in Österreich, dass es fast 10 Jahre dauerte, bis 1974 mit dem Bau der Kirche begonnen wurde.

 

Wotruba selbst erlebte die Fertigstellung seiner Kirche im Oktober 1976 nicht mehr, er starb ein Jahr zuvor. Der Platz vor der Kirche wurde zu Ehren der 1992 verstorbenen Managerin und Initiatorin 2013 in Ottillinger-Platz benannt.

 

Die römisch-katholische Wotruba-Kirche ist heute nicht nur ein Wallfahrtsort für Architekturstudenten und Avantgarde-Touristen, sondern wird gemäß ihres originären Zwecks natürlich auch für Gottesdienste genützt. Geöffnet ist derzeit am Samstag von 14 bis 20 Uhr und am Sonntag von 9 bis 16.30 Uhr.

 

Bis Mitte 2019 wird vor der Kirche auch ein Lift errichtet, sodass Behinderte und Mütter mit Kindern das Gotteshaus barrierefrei betreten können. Denkmalamt und Architekt Mayr sprachen sich im Vorfeld gegen diese "Basisveränderung" aus, das Bundesverwaltungsgericht genehmigte den Zubau. Die Wege zu Gott dürfen nicht beschränkt werden.

Überwachung zerstört Freiheit - Demo gegen das Überwachungspaket in Wien!

Den Besuch von Science Fiction-Filmen und das Lesen von dystopischen Romanen kann man sich in Zukunft sparen, sollte das geplante Überwachungspaket der schwarz-blauen Bundesregierung in Kraft treten.

 

"Überwachung zerstört Freiheit - Stoppt das Überwachungspaket!" hieß dementsprechend das Motto einer Demonstration der Grundrechts-NGO epicenter.works auf dem Wiener Ballhausplatz. Dort vertreten waren nicht nur Vertreter der Zivilgesellschaft (wie Amnesty International oder der VGT), Netzaktivisten und ca. 1000 besorgte Bürger, sondern auch die Nationalratsabgeordneten Hannes Jarolim (SPÖ), Alma Zadic (Liste Pilz), Niki Scherak (Neos) und die grüne Bundesrätin Eva Dziedzic. Abgelehnt wird das Überwachungspaket auch von Richtern, Rechtsanwälten und zahlreichen Universitäten.

 

Ein Bundestrojaner soll zur Überwachung verschlüsselter Nachrichten (wie bei WhatsApp oder anderen Messenger-Diensten) eingesetzt werden. Dies ist nur dann möglich, wenn man die Sicherheitslücken von IT-Systemen ausnutzt. Anstatt diese zu schließen, damit nicht Verbrecher darauf Zugriff haben, wendet der Staat dieselbe Methode an. In Großbritannien wurden erst 2017 Computer in Krankenhäusern durch schadhafte Software infiziert, die NSA hielt das Sicherheitsmanko absichtlich geheim.

 

Besitzer von Wertkartenhandys müssen sich künftig registrieren lassen und werden damit unter Generalverdacht gestellt. Die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme wird weltweit bestritten.

 

Die Vorratsdatenspeicherung wurde 2014 wegen Verfassungswidrigkeit aufgehoben, jetzt plant die Regierungf eine Light-Version in Form des "Quick Freeze". Bei einem Anfangsverdacht sollen Telekommunikationsdaten für ein Jahr gespeichert werden dürfen. Nicht nur die Länge der Frist, sondern auch die fehlenden Einschränkungen dürften einer Prüfung durch den EuGH kaum standhalten.

 

Verstärkte Überwachung droht im öffentlichen Raum. Gemäß einer Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes soll die Polizei Zugriff auf alle Video- und Tonaufnahmen von Flughäfen, Bahnhöfen und U-Bahnen haben. Auch der Straßenverkehr soll durch Autobahnkameras flächenmäßig überwacht werden.  Epicenter.works warnt in diesem Zusammenhang auch vor der Erstellung von Software zur automatischen Gesichtserkennung, die den "gläsernen Bürger" sofort identifizieren kann.

 

Die einzelnen Maßnahmen stehen zwar großteils unter dem Vorbehalt einer gerichtlichen Bewilligung, Missbrauch bzw. überschießende Datensammlung können aber nicht ausgeschlossen werden. In einer auch technologisch schnelllebigen Zeit werden die echten Verbrecher Methoden finden, unentdeckt zu bleiben.  Zum Handkuss kommen dann wieder Tierschützer, wie VGT-Obmann Martin Balluch bei der Demonstration andeutet.

 

Falls jemand künftig einen vermeintlichen Wohnungseinbrecher ertappt. Es könnte auch ein Polizist sein, der einen Trojaner in das Computersystem des Nachbarn einpflanzen will.  Das neue Strafprozessrecht enthält eine derartige Regelung. Hoffen wir, dass es nicht in Kraft tritt.

Retro-Pop mit Charme: Ex-Spandau Ballet-Sänger Tony Hadley in der Szene Wien!

Es war Ende der 70er, als sich eine hedonistische, extrovertierte Party-Crowd in Londoner Clubs wie dem "Blitz" traf und dort nicht nur modisch, sondern auch musikalisch für neue Maßstäbe sorgte. Die Geburtsstunde der "New Romantics" und von Synthi-Pop-Helden wie Steve Strange (Visage), Ultravox, Duran Duran, Depeche Mode oder Spandau Ballet. "To Cut a long story short" hieß der schnittige New Wave-Knaller der fünf Londoner Feschaks, der im November 1980 in die englischen Top Ten stürmte. Unglaubliche 38 Jahre später präsentierte der noch immer smarte Ex-Frontman Tony Hadley diesen Track in der Szene Wien.

 

"Tonight belongs to us" - Unter dieser Trademark tourt der ehemalige Sänger von Spandau Ballet gemeinsam mit seiner ausgezeichneten Band durch ganz Europa. Die Setlist ist schlau gemischt: Neue Songs aus dem im April erscheinenden Album (wie das flotte "Delirious"), selektierte Cover-Versionen (wie Bowie´s "Life on Mars", Queen´s "Somebody to love" oder  "Dakota" der Indie-Alternative-Helden Stereophonics), einige Solo-Singles von Hadley und natürlich die größten Hits aus seiner 80er-Glamour-Vergangenheit mit Spandau Ballet, die weltweit mehr als 25 Millionen Tonträger verkauften.

 

Man braucht nicht lange zu raten, aufgrund welcher Songs die meisten Fans zu den Auftritten von Hadley kommen. Beim Konzert selbst merkt man den Unterschied allerdings nicht mehr. Hadley ist ein Voll-Profi und begeistert seit seiner (ersten) Trennung von Spandau Ballet 1990 trotz fehlenden Chart-Hits die internationalen Bühnen. Souveräne Stimme (wie einst), schickes Anzug-Outfit, stetiger Kontakt zum Publikum und beste Spiellaune. Auch die Chemie der Band untereinander passt perfekt, bei der romantischen Ballade "Through the Barricades" darf auch die sympathisch-lässige Percussionistin Lily Gonzales, die gerade selbst ein Solo-Album ("Opening Old Wounds") veröffentlicht hat, hinters Mikro.

 

Als Zugabe schmettert Hadley noch die größten Spandau Ballet-Hits "True" und "Gold" in die Menge. Von seiner Ex-Band hat sich der 57jährige nach einer kurzen Reunion im Juli 2017 wieder getrennt. Eine neue kreative Schaffensperiode kann beginnen, mit guten Karten.

mehr lesen

"Wild & Wicked" - Scooter im ausverkauften Gasometer!

Mehr als 30 Millionen Tonträger hat die deutsche Techno-Formation Scooter seit 1993 weltweit verkauft. Das ist laut dem bereits 53jährigen wasserstoffblonden Frontman H.P. Baxxter zwar noch lange nicht Anlass, Schlussbilanz zu ziehen. Allerdings, um eine Europa-Tour unter dem kongenialen Motto "100 % Scooter 25 Years Wild & Wicked" zu starten.

 

Und dies trifft genau die Erwartungen seiner treuen Fans. Bereits eine Stunde vor dem Beginn der Scooter-Show erschallen im ausverkauften Wiener Gasometer während des DJ-Sets von Dave202 die ersten Schlachtrufe nach "Always Hardcore" und "Oi". Die werden dann pünktlich um 21.15 Uhr erhört, als H.P. Baxxter und seine aktuellen Techno-Mitstreiter Michael Simon und Phil Speiser, unterstützt von flaggentragenden sexy Ladies und einer übergroßen Faust-Attrappe mit "revolutionärem" Mittelfinger, die Bühne betreten. Mit dem ersten Burner des Abends "Always Hardcore". Was sonst?

 

The Voice H.P. Baxxter, während der gesamten Show wild gestikulierend und tanzend, wollte in den 80ern mit der Synthi-Pop-Band Celebrate the Nun in die Fußstapfen von Depeche Mode treten. Es sollte der letzte echte Misserfolg sein. Baxxter (oder bürgerlich Hans Peter Geerdes) produzierte stattdessen Remixes, das schottische Ultra Sonic-"Hyper Hyper"-Sample kombiniert mit der Aufzählung damaliger Underground-DJ´s (a la Westbam, Marusha oder Sven Väth), brachten ihn auf die technoide Siegerstraße. Die originäre Szene war mit dem Ausverkauf weniger begeistert, die Mainstream-Fans umso mehr.

 

Und so sind die ca. zweistündigen Scooter-Auftritte heute eine Party von der ersten bis zur letzten Minute. Inklusive einer skurrilen Zeitreise durch versampelte Sequenzen alter Klassiker ohne Rücksicht auf Verluste. Da transformiert ein griechischer Sirtaki in eine "Can´t stop the Hardcore"-Tanz-Orgie oder ein politisch angehauchtes 70er-Folk-Lied wie "Was wollen wir trinken 7 Tage lang" in "How much is the Fish"-Reimattacken. Die alten Rock-Haudegen von Status Quo werden kurzum zu Jump-Stylern erklärt. Whatever the Fan-Crowd wants.

 

Auf letzteres ist Baxxter, heute auch bei "Deutschland sucht den Superstar" engagiert, besonders stolz. Mit dem 2008er-Album "Jumping all over the World" erreichten Scooter Platz 1 der britischen Charts und eine Platinauszeichnung für 300.000 verkaufte Alben.

 

Was man dem sympathischen Frontman hoch anrechnen muss: Der Thomas Bernhard-Hörbuch-Leser (sic est!) ist auf dem Boden geblieben und begründet seine dadaistischen Wortschöpfungen a la "Oi" oder "Jigga Jigga" nicht mit hochkulturellem Anspruch, sondern einfach mit entlarvenden Zitaten wie "Don´t take life too seriously. Nobody gets out alive anyway!"

 

Das sehen auch die Fans so, die sich während der von Techno-Beats, Pyro-Effekten und Light-Bombast dominierten Show aus der manchmal faden Tristesse des Alltagslebens ausklinken und einfach nur mit "Hands Up in the Air" tanzen, trinken und feiern. Nach den Zugaben "Maria" (I like it loud"), "Hyper Hyper" und "Move your Ass" ist der wilde Zauber dann sowieso vorbei.

 

 

mehr lesen

60 Jahre Austrian Airlines: Conchita Wurst als Gratulantin beim Eistraum!

Die Austrian Airlines feiert dieser Tage ihren 60. Geburtstag und veranstaltete zu diesem Jubiläum ein Special Event beim Eistraum auf dem Wiener Rathausplatz. 

 

Songcontest-Siegerin Conchita Wurst, wie die Flugbegleiterinnen in rot gekleidet, stieg vor dem Burgtheater aus einem edlen weißen Fiaker und moderierte, live geschaltet auf der AUA-Facebook-Seite, eine Happy Birthday Show der österreichischen Fluglinie.

 

Gesungen wurde live ein Geburtstagsständchen, und zwar aus sieben verschiedenen Destinationen, aus London (wohin der erste kommerzielle Linienflug der AUA führte), Berlin, New York, Miami, Bangkok, Hongkong und natürlich Wien. Für den finalen Sanges-Part unserer schönen Bundeshauptstadt war natürlich Conchita selbst verantwortlich, die inmitten zweier hübscher AUA-Stewardessen und sportlicher Eisläufer nicht nur der AUA zum Geburtstag gratulierte, sondern auch noch ihre Hits "Rise like a Phoenix" und "Firestorm" anstimmte.

 

Die AUA konnte sich im Vorjahr über mehr als 12 Millionen Passagiere freuen und plant Investitionen in neue Langstreckenflugzeuge. Auch Conchita ist derzeit gefragter denn je: Internationale Auftritte in London und Budapest (bei der Pride Rainbow Party), Moderation der Amadeus Awards und natürlich wieder live dabei beim Life Ball in Wien.

 

Direkte Demokratie in Österreich - Restriktiver als das Volk erlaubt!

Die Server des Innenministeriums sind dieser Tage - aus welchen Gründen auch immer - überlastet, da zehntausende Bürger zwei aktuelle Volksbegehren, neuerdings auch elektronisch per Handy-Signatur, unterstützen wollen: Das bereits 2. Frauenvolksbegehren, vom ersten aus dem Jahre 1997 wurden nur zwei Forderungen durchgesetzt, und das "Don´t Smoke"-Volksbegehren der Wiener Ärztekammer und der Österreichischen Krebshilfe, das die Aufhebung des bereits beschlossenen Rauchverbots in der Gastronomie durch die schwarz-blaue Regierung verhindern will. Rein rechtlich ist dies nach der heutigen Gesetzeslage nicht möglich, auch die Zukunft der direkten Demokratie in Österreich steht auf wackeligen Beinen.

 

Die FPÖ trommelte in ihren Wahlbroschüren für eine verpflichtende Volksabstimmung nach einer 4 %-igen Unterstützung des Volkes, die ÖVP zeigte sich mit einer Quote von 10 % bereits hier zurückhaltender. Im Regierungsprogramm, das im Dezember vorgelegt wurde, ist von einer direkten Demokratie nach dem Muster der Schweiz kaum mehr etwas enthalten, allerdings nicht aus den Gründen, die man als aufrechter Demokrat und Befürworter von Grund- und Freiheitsrechten noch vertreten könnte. Blickt man nämlich auf die Brexit-Volksabstimmung der Briten, die Fake News-Skandale rund um die französischen und amerikanischen Wahlen oder auf durch soziale Medien verbreiteten Lügen und Verschwörungstheorien parteiengesteuerter Plattformen, dann muss man sich nämlich schon die Frage stellen, ob man wichtige Themen in die Verantwortung des Volkes legen kann, das wesentliche Zusammenhänge nicht erkennt und sich von billigen Medienkampagnen, primitiver Hetze und politischen Blendern täuschen lässt.

 

Die gerademal auf einer Seite präsentierten Pläne der Regierung zur direkten Demokratie sind aber derart restrikriv, dass diese Gefahr (vorerst) nicht besteht. Werden Volksbegehren von mindestens 100.000 Wahlberechtigten unterstützt, dann können diese  in Zukunft als Gesetzesinitiativen parlamentarisch eingebracht werden. Eine Behandlung im Nationalrat ist derzeit schon verpflichtend, hinzu kommen weiters ein Rederecht des Einbringers, eine Stellungnahmepflicht des zuständigen Ministers und eine verpflichtende Begutachtung des konkreten Vorschlags. Wenn die Mehrheit des Nationalrats den Antrag im Plenum ablehnt, dann versandet das Volksbegehren so wie jetzt die meisten.

 

Erst gegen Ende der Gesetzgebungsperiode im Jahr 2022 (falls bis dorthin nicht Neuwahlen ausgerufen werden) soll ein neues Bürgerbeteiligungsmodell beschlossen werden. Ein Volksbegehren, das von mehr als 900.000 (!!!) Wahlberechtigten unterstützt und vom Parlament nicht binnen einem Jahr umgesetzt wird, soll in eine verpflichtende Volksabstimmung münden. Der Verfassungsgerichtshof hat vorab zu kontrollieren, ob die Volksabstimmung nicht im Widerspruch zu grund-, völker- und europarechtlichen Verpflichtungen steht. Die Gültigkeit der Volksabstimmung ist davon abhängig, dass mindestens 1/3 der Bevölkerung zu den Wahlurnen schreitet. 

 

Abgesehen vom Präsenzquorum: Betrachtet man die Historie der bisherigen Volksbegehren, dann wären nur über zwei Themen verpflichtende Volksabstimmungen abgehalten worden. 1982 gegen die Errichtung der (trotzdem erbauten) UNO-City mit 1.361562 Unterschriften (25,7 %) und 1997 gegen die Gentechnik mit 1.225.790 Unterschriften (21,2 %). Man darf davon ausgehen, dass die aktuellen Regierungsparteien wenig Interesse an der Partizipation des Volkes haben. Das Gegenteil können sie beweisen, wenn das Anti-Raucher-Volksbegehren die zu erwartende Rekordunterstützung erhält und die derzeit noch nicht verpflichtende Umsetzung auf der Tagesordnung steht.

Beethoven als Modern Art - Bizarre Skulptur zum 250er des Komponisten!

Eine Aufregung kommt selten allein. Wobei die künstlerische Skulptur gegenüber dem Wiener Konzerthaus im Vergleich zum Heumarkt-Tower mehr als harmlose Freiheit der Kunst als irreparabler Eingriff in das historische Stadtbild Wiens zu verstehen ist.

 

Der Komponist Ludwig van Beethoven feiert im Jahr 2020 seinen 250. Geburtstag. Dies war Anlass genug, auf dem Beethovenplatz nahe des 1880 errichteten Denkmals von Caspar Zumbusch eine ambivalentes Kunstwerk des deutschen Malers und Bildhauers Markus Lüpertz zu platzieren.

 

Die 2,7 Meter hohe, teils buntgemalte Bronze-Skulptur besteht aus einem Kopf mit traditioneller Beethoven-Frisur und einer zweiten verschreckt-verstörenden Figur, der beide Arme und ein Fuß fehlen. Schöpfer Lüpertz, lange auch Rektor der Kunstakademie in Düsseldorf, erklärt diese Divergenzen mit der allmählichen Taubheit und Todesnähe. Beethovens. "Anders als Mozart, dem alles zufiel, musste Beethoven über die volle Distanz gehen. Das ist in meinen Augen eine andere Leistung."

 

Wie die Leistung von Lüpertz zu betrachten ist, mag jeder für sich beurteilen. Polarisierung ist in der modernen Kunst ja nichts Schlechtes, Zensur und Verbote umso mehr.

 

Die Skulptur, die in einer leicht variierten Form auch schon in Bonn und Leipzig für Aufregung gesorgt hat, ist eine Dauerleihgabe an die Stadt Wien und wird zumindest bis Ende 2020 vor ihrem historischen Konterfei verharren. Dann wandert die schräge Installation vermutlich ins Beethoven-Museum von Döbling.

 

 

Forever Young - Zum 20. Todestag von Falco!

Once upon a time in the Eighties: In der Udo Huber-Chartshow“Hit wähl mit” wird ein neuer österreichischer Interpret namens Falco mit seiner Debüt-Single vorgestellt: „That´s Scene“, die englische Version des U4-Underground-Hits „Ganz Wien“, der wegen seines drogenverherrlichenden Textes im Radio nicht gespielt werden durfte. Die Avantgarde war gewonnen, der Mainstream durch den Nachfolgehit „Der Kommissar“, der in der Zeit der Neuen Deutschen Welle sich mit Nena um die Nr. 1 duellierte und in einer Cover-Version von After the Fire auch die US-Top Ten stürmte. Das an Idol Bowie angelehnte „Helden von Heute“, „Zuviel Hitze“ oder „Auf der Flucht“ aus dem ersten von Robert Ponger produzierten Vinylalbum „Einzelhaft“ zählen noch heute zu Falcos Meisterwerken. 

 

Falcos zweites Album „Junge Römer“ wurde verspätet und mit viel Marketingaufwand releast, erfasste perfekt den 80er-Zeitgeist (siehe „Brillantin Brutal“). Kommerziell konnte es die Erwartungen aber nicht erfüllen.

 

Am 29. März 1986 erreichte Falco am 29. März 1986 den Pop-Olymp: Seine von den holländischen Bolland-Brüdern produzierte Mozart-Hymne "Rock me Amadeus" stieg, unterstützt durch ein geniales DoRo-Video und einen schnittigen Remix, auf Platz 1 der US-Charts und blieb 3 Wochen lang an der Spitze. Falco wusste schon zu diesem Zeitpunkt, dass er dieses Kunststück – auch in England und in ganz Kontinentaleuropa belegte er Platz 1 – nie wieder erreichen könne und dass ihm Medien, Neider und Konkurrenten diese riesige Messlatte Zeit seines Lebens vorhalten würden.

 

Noch aber folgten Hit auf Hit: „Vienna Calling“ aus seinem 3. Album „Falco 3“ stürmte ebenfalls die US-Top 20, „Jeanny“ skandalisierte das medienkonservative Deutschland mit einem ambivalenten „Dritte Mann“-Clip. Zu „The Sound of Musik“ tanzte nicht nur der Wiener Bürgermeister Zilk, sondern ganz Europa. Die Erfolgskurve neigte sich aber bereits nach unten.

 

Schwere Alkohol- und Drogenabstürze, familiäre Tragödien (Scheidung und ein nicht von ihm gezeugtes Kind), abgesagte Konzerttourneen und teils schwache Plattenverkäufe („Wiener Blut“) kennzeichnen die Zeit nach dem großen Falco-Hype. Wobei ja gerade die Masse zumeist irrt. "Data de Groove" war künstlerisch ein Meisterwerk und sogar Thema in der "Schule der Dichtung" und in literarischen Zirkeln, mit der "Titanic" (aus dem ausgezeichneten 92er-Album „Nachtflug“) kehrte die Dekadenz zurück in die Szene. Beim Wiener Donauinselfest lagen Falco 150.000 Zuschauer zu Füßen (bis ein Gewitter dem Konzert ein Ende setzte), und mit seinen letzten beiden zu Lebzeiten veröffentlichten Songs "Mutter, der Mann mit dem Koks ist da" und "Naked" eroberte Falco sogar die grassierende Love Parade-Techno-Generation.

 

Am 6. Februar 1998 verunglückte Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik tödlich – mit 1,5 Promille und einigen Drogen im Blut. Beim Begräbnis auf dem Wiener Zentralfriedhof gaben ihm mehr als 4000 Fans und Freunde die letzte Ehre, den Sarg trugen die "Outside Austria"-Rocker vom "Amadeus"-Clip. Posthum wurde der eher durchschnittliche Song "Out of the Dark" zu einem der größten Falco-Hits. Oft feiert man in Wien die "schene Leich" lieber als das süße Leben. 

 

Endlos-Dokus, Remixes, Tribute-Konzerte, Retro-Clubbings, Musicals, Lesungen, Diskussionen, eine „Ganz Wien“-Ausstellung im Wien Museum, ein Requiem im Stephansdom: Wenn Falco wüsste, wie seine Person und sein Gesamtkunstwerk 20 Jahre nach seinem Todestag gefeiert werden...

 

Geahnt hat er es sicher bereits zu Lebzeiten. Zeilen wie „Muss ich denn sterben, um zu leben“ erscheinen nicht ohne Substrat im kreativen Hirn eines Künstlers. Mit Todessehnsucht hat dies allerdings nichts zu tun, vielmehr mit dem seltsamen Fakt, dass Musikgrößen teils nach ihrem Tod mehr gewürdigt werden als zu Lebzeiten. Mit Jim Morrison, Bob Marley oder Michael Hutchence seien hier nur einige genannt.

Sound- und Video-Revolution: Depeche Mode live in der ausverkauften Wiener Stadthalle!

Im Jahr 1980 wurden Depeche Mode im Vorprogramm des Synthi-Pioniers Fad Gadget vom Mute Records-Boss Daniel Miller entdeckt, 38 Jahre später, nach mehr als 100 Millionen verkauften Tonträgern, spielen sie mit fast unveränderter Besetzung (ohne Kurzzeit-Mitglied Vince Clarke, heute bei Erasure, und Ex-Soundmastermind Alan Wilder, der 1995 ausstieg) noch immer in prall gefüllten Stadien und Hallen. So auch - nach vierjähriger Abstinenz - in der Wiener Stadthalle, die seit Monaten ausverkauft war.

 

"Where´s the Revolution" fragen sich Trump- und Brexit-Gegner Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher im geistig stilprägenden Track des neuen Albums "Spirit" und bieten dazu als Support eine kongeniale Künstlerin aus South Dakota: Erika M. Anderson aka EMA. "Exile in the Outer Ring" heißt ihr neues Album, musikalisch eine Mixtur aus Electro, Industrial und Grunge. Die Themen: Rassismus, Polizeigewalt, Gentrifizierung und die Radikalisierung der Gesellschaft, Stichwort "Aryan Nation". 

 

Ein progressiver Geheimtip für die Zukunft, bei einem Depeche Mode-Konzert zählt für die Fans allerdings meist nur der Main-Act. Angekündigte Revolutionen finden selten statt, bei einem Konzert der drei Londoner, verstärkt wieder durch den österreichischen Drummer Christian Eigner, kann man allerdings fast sicher sein, dass alle Erwartungen erfüllt werden.

 

20 Tracks stehen auf der Setlist des Wien-Konzerts, davon nur drei aus dem neuen 14. Album "Spirit". Der Opener "Going Backwards", "Where´s the Revolution" und die socialmedia-kritische Ballade "Cover me", die, mit Schwarz-Weiß-Video unterlegt, für sehnsüchtiges Prickeln im Publikum sorgte. Überproportional viele Songs dagegen zu Beginn der Show aus dem von Tim Simenon (Bomb the Bass) produzierten 97er-Album "Ultra": "Barrel of a Gun", "Useless", "It´s no good" und zwei Tracks für Martin Gores traditionelle Solo-Vocal-Auftritte. Insider sprechen von einem Wunder, dass dieses Album überhaupt jemals erschienen ist. Die Band war damals heillos zerstritten, und Sänger Dave Gahan war nach einem Drogencocktail zwei Minuten klinisch tot. Mit aktuell 55 wirkt er allerdings fitter denn je, die legendären Pirouetten mit dem Mikroständer haben nichts an Impulsivität eingebüßt.

 

Die großen Superhits, von denen aufgrund der Anzahl leider immer einige fehlen ("I feel you", "People are People", "Wrong"), die sparen sich Depeche Mode für den zweiten Teil der Show auf: Die 83er-Anti-Kapitalismus-Hymne "Everything Counts", "Never let me down again", Mitte der 80er aufgenommen in den durch David Bowie berühmt-berüchtigten gewordenen Hansa Studios nahe der Berliner Mauer, "Stripped" aus dem düsteren "Black Celebration"-Album oder "Enjoy the Silence" aus dem 90er-Meisterwerk "Violator". Dave Gahan kann hier minutenlang seine Stimme schonen, die Fans singen frenetisch den Refrain, während auf den Video-Screen riesige bunte Schafe, Wildschweine und Kühe projiziert werden.

 

Als Zugaben noch "Walking in my Shoes", "A Question of Time" und als furioses Finale "Personal Jesus" so frei nach dem Motto "Reach out, touch Dave!" Die Halle tobt, die Fans sind aufgeheizt, verschwitzt, einfach glücklich. Die Band nicht minder. Und sie werden alle wiederkommen. Je früher, desto besser.

mehr lesen

Uni-Politik goes Retro: Soziale Schranken statt freier Bildungszugang!

Eine Zeitreise in die Vergangenheit kann Spaß machen, wenn sie kurz ist und man sich danach wieder in der Gegenwart befindet. Die neue Bundesregierung plant mit ihrer Uni-Reform das Gegenteil und beamt das fehlgeleitete Bildungsschiff zurück in eine Zeit vor den Studentenrevolutionen der 68er, als aufgrund von Studiengebühren und sozialer Barrieren nur begüterte Maturanten ein Hochschulstudium beginnen konnten.

 

1972 wurde unter der Regierung Kreisky durch die Abschaffung der Studiengebühren der freie Hochschulzugang besiegelt. Das 1975 beschlossene Universitätsorganisationsgesetz sorgte für demokratischere Strukturen in den Gremien (Senat, Fakultäten, Institute). Die Höreranzahl an den Universitäten stieg rasant an. An der Universität Wien beispielsweise studierten 1970 19.000, 1980 40.000 und 1990 bereits 85.000 Personen. Der Frauenanteil erhöhte sich in dieser Zeit von 37 auf 56 %. Einen ersten Einbruch erlitten die Studentenzahlen der Uni Wien im Jahr 2001, als die schwarz-blaue Regierung unter Bundeskanzler Schüssel wieder Studiengebühren einführte und die Anzahl der Hörer um fast 16 % sank.

 

Aktuell studieren an den österreichischen Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen insgesamt ca. 380.000 Personen. Sie haben trotz einer Erhöhung des Uni-Budgets um 1,35 Milliarden Euro in den nächsten 3 Jahren keine rosigen Zeiten zu erwarten. Es sagt wohl alles, dass die Kurz-ÖVP selbst dieser Erhöhung nicht zugestimmt hat, das diesbezügliche Gesetz wurde am 28. Juni 2017 auf Antrag der Grünen von SPÖ, FPÖ, Grüne und Neos beschlossen.

 

In der schwarz-blauen Regierungserklärung liest man bereits von "moderaten Finanzierungsbeiträgen für Studierende, um die Verbindlichkeit des Studierens zu erhöhen". Wann sie genau eingeführt werden, steht noch nicht fest. Die Dummen sind aber bereits berufstätige Studenten, die eine bestimmte Mindeststudiendauer überschritten haben. Durch ein VfGH-Erkenntnis wurde eine gesetzliche Norm aufgehoben, die unselbständig und selbständig Erwerbstätige gleichheitswidrig behandelte. Die Regierung verweigert die Erlassung einer neuen Regelung. Folge: Studenten, die sich ohne Arbeit ihr Studium nicht leisten können bzw. bei paralleler Ausübung nicht rechtzeitig das aufwändige Prüfungsprogramm absolvieren können, müssen ab dem nächsten Studienjahr wieder Studiengebühren zahlen.

 

Es kommt aber noch schlimmer. Anstatt die räumlichen Kapazitäten zu erhöhen, um den Studenten attraktive Studienbedingungen zu bieten, werden jetzt neben den bereits bestehenden zusätzliche Aufnahmetests für Jus, Fremdsprachen und Erziehungswissenschaften eingeführt. Universitäten dürfen weiters autonom lokale Zugangsregelungen kreieren. Was noch im Regierungsprogramm gefährlich schlummert: Ein noch nicht definiertes ECTS-Modell (vermutlich zur Dezimierung von Studenten), Verhaltensanreize für zügiges Studieren (gerichtet an mündige Bürger !), maximal zulässige Studiendauern, eine Diskussion über Anzahl der Prüfungstermine und der Prüfungswiederholungsmöglichkeiten (es werden wohl weniger werden) oder eine Abmeldepflicht bei Inaktivität.

 

Auch die traditionell links ausgerichtete Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) bleibt nicht ungeschoren.  Finanzielle Mittel dürften künftig nur mehr für Aufgaben der Beratung und Interessenvertretung von Studierenden verwendet werden, ansonsten drohen Sanktionen. Gesellschaftspolitik nur dann, wenn sie mit der rechtskonservativen Regierung d´accord geht.

 

Bildung ist das höchste Gut der Menschheit, sie muss (!) jedem offenstehen und darf nicht sozial Schwächeren durch Barrieren verwehrt bleiben. Politiker, die Schranken vor den Bildungseinrichtungen installieren, die Jugend nur mehr in verschulte Punkteabsolvierungs-Seminare stecken und die selbständige Wissensaneignung untergraben wollen, haben zumeist nicht die edelsten Motive. Bürger mit geringerer Bildung sind leichter zu steuern, zu manipulieren und zu täuschen. In Zeiten von "Fake News" auf höchster politischer Ebene mehr denn je.

 

Vienna Nightlife: Garden Club-Revival im Temporär-Club Horst!

"We don´t make parties, we still live them!" war einst das Motto des legendären Garden Clubs, der unter der Fittiche von Kaveh Ahi mit heißer House Music  Szene-Freaks, VIP´s und Fans der elektronischen Musik in den Wiener Volksgarten lockte. Für vollen Dancefloor sorgten dabei nicht nur die Resident-DJ´s, sondern auch internationale, damals noch "leistbare" DJ-Größen wie Roger Sanchez, die Swedish House Mafia oder David Guetta.

 

Die standen Samstag beim Garden Club-Revival im Wiener Temporär-Club Horst auch am Programm, wenn schon nicht physisch, dann zumindest musikalisch. Behind the Turntables gab es ein Wiedersehen mit den damaligen Club Heroes Tom Snow, Henry, Ronaldo und Claudio Ricci, die mit einstigen Club-Floorfillers (wie "Just a little more love", "You don´t know me" oder "Raining again") und aktuellen Ibiza Underground-Tracks bis in den Morgengrauen die Party People begeisterten. Zu früher Stunde wagte auch Mastermind Kaveh ein Tänzchen mit den sexy Go Go´s.

 

Nightlife-Freaks sollten die nächsten Monate dies auch beherzigen und den coolen Club in der Rotgasse 9 visitieren, der einst das damals leicht verruchte P1 und die Großraumdisco Empire beherbergte. Denn der Club Horst läuft unter einem Ablaufdatum, den man auch  auf der Website http://www.horst.wtf/ jederzeit abrufen kann (Aktueller Stand: 90 Days).

 

Dort, wo jetzt die Wiener Nightflies freitags zu Techno & Electro und samstags zu House- und Discobeats abfeiern, sollen noch in diesem Jahr die Bagger fahren. Ein Investor hat das Gebäude gekauft und plant die Errichtung eines Hotels. Der düstere Club-Room, einst Bühne zahlloser Exzesse, Abstürze und Liebeleien,  wird zur seelenlosen Tiefgarage. Besser nicht nachdenken, den nächsten Tequila-Shot einschmeißen und noch ein paar Nächte durchmachen, an die sich man später nicht mehr erinnern kann.

FM4-Geburtstagsparty in der Ottakringer Brauerei!

"Wenn du das Radio ausmachst, wird die Scheißmusik auch nicht besser", so Kettcar, einer der Headliner der FM4-Geburtstagsparty 2018 in der Ottakringer Brauerei. Mit diesem Problem hat der österreichische Sender allerdings nicht zu kämpfen, gilt er doch seit seiner Gründung am 16. Jänner 1995 zu den Koryphäen internationalem und nationalem Indie- und Alternativesound.

 

Seither ist es auch Tradition, mit einer heißen Party mitten im klirrenden Winter auf den Birthday anzustoßen. Einst fanden diese Events sogar Open Air in der Arena statt. Aus dem Teenageralter entwachsen gibt man sich zumindest in punkto Outdoor-Location "zahmer" und feiert seit einigen Jahren in der Ottakringer Brauerei, die trotz eingeschränkter Kapazität (bei ca. 3000 Besuchern) eine ideale Spielwiese für Trinken, Flirten und Tanzen zu heißen Bands und Artists bietet.

 

Das Programm zum 23. Geburtstag des Senders stellte viele vor die Entscheidung, auf welchen der drei Floors man abfeiern wolle. Auf dem ehemaligen Hopfen- und Gersteboden, dem FM4-Indiekiste Floor, sorgten Yukno, die Austro-Grunge-Punks Crispies und der britische Songwriter Dan Croll für Entertainment. Dort, wo einst riesige Bottiche und Gefäße standen, in der "Alten Technik", präsentierten die Electro-Avantgardisten und FM4-Amadeus Award-Winner Leyya Tracks aus ihrem brandneuen Album "Sauna", bevor die Berliner Beatsteaks nach ihrem großen Auftritt beim Donauinsel-"Rock in Vienna" zeigten, dass sie auch in kleineren Locations reüssieren können. 

 

Wer auf progressiven, lässigen Indie-Rock abfährt, der musste sich entlang der Menschenmassen die engen Stiegen hinaufschlängeln, ganz nach oben auf den ehemaligen Hefeboden, dem FM4-"Wohnzimmer". Die multikulturelle 8-köpfige Combo Superorganism, wohnhaft in London, zelebrierte dort mit Augenzwinkern ihre Hymne "Everybody wants to be famous", Pop-Kritiker schätzen die Wahrscheinlichkeit für die Band selbst sehr hoch ein.

 

Bereits seit 2004 im Geschäft sind die norwegischen Jungs von Kakkmaddafakka. Man mag über den Namen mitleidig grinsen (er meint fantastiesprachlich einfach nur "party animal"), der Unterhaltungsfaktor der Indie-Rocker, die gerade ihr 5. Album "Hus" veröffentlichten, ist hoch und schreckt auch vor lässig-schrillen Cher-Covers ("Believe") nicht zurück.

 

"Wir wollen Musik jenseits von Apathie und Zynismus machen", so Sänger Markus Wiebusch, und lieferte gemeinsam mit seinen Jungs von Kettcar DAS Polit-Rock-Album ("Ich vs. Wir") des Jahres. "Es war im Sommer 89", das mit pathetischem Sprechgesang die Flucht von DDR-Bürgern über die ungarische Grenze Richtung Österreich kurz vor dem Fall der Berliner Mauer schilderte, wird zu einer Hymne der Zivilgesellschaft, die - so Wiebusch im O-Ton - "das Helfen durch Zäune noch als menschlichen Akt sieht". 

 

Die Hamburger Rocker als Main-Act zu buchen ist in diesem Sinne auch ein klares politisches Zeichen des Radio-Senders FM4. Die einstündige Setlist enthielt neben den neuen Tracks auch die Klassiker "Deiche", "Balu", "Graceland" und "Landungsbrücken raus". "Sommer 89" widmete die Band der einen Tag vor der FM 4-Party verstorbenen Flüchtlingshelferin Ute Bock. Die sich über diese Wortspende sicher sehr gefreut hätte.

mehr lesen

Anti-Kriegs-Mahnmal "Zombie" - Ein Nachruf auf Dolores O´Riordan (Cranberries)

 

Es war im Jahr 1993. Die Cranberries waren gerade auf England-Tour, als ein grauenvoller Terroranschlag der IRA in Warrington zwei Kinder tötete. Die zart besaitete, streng gläubige Sängerin Dolores O´Riordan schrieb über diesen Vorfall einen Song mit Zeilen wie "When the Violence causes silence, we must be mistaken" oder dem hypnotischen Refrain "In your head, in your head, Zombie!" 

 

Ein radikaler Aufschrei gegen den Nordirlandkrieg, der seit dem (gescheiterten) Osteraufstand 1916 kein Ende findet und das Leben vieler Familien und Zivilisten zerstört hat, die mit dieser sinnlosen Fehde gar nichts zu tun haben. "Zombie" stürmt Ende 1994 - inmitten von Eurodance-/Technokapriolen und alternativer Grunge-Melancholie - weltweit die Charts und wird zu einem der größten und anspruchsvollsten Hits der 90er.  

 

Für die Cranberries bedeutete dies einerseits den Durchbruch, andererseits – ähnlich wie bei vielen anderen Bands und Künstlern –auch die bitteren Erkenntnis, dass man diesen Gipfel nur einmal erklimmen könne. Begonnen hat die Karriere der irischen Band Anfang der 90er, als O´Riordan bei der Limericker Männer-Formation einstieg und nach einigen Demo-Präsentationen mit dem romantisch-verträumten Track „Linger“ die Charts stürmte. 

 

Auch das erste Album mit dem kongenialen Titel „Everybody else is doing it, so why can´t we“, musikalisch eine Mixtur aus Indie-Pop und Irish-Folk, begeisterte sowohl westlich als auch östlich des Atlantiks und enthielt mit „Dreams“ einen weiteren Single-Hit. Der Erfolg des zweiten Albums „No need to argue“ mit dem progressiv arrangierten Superhit „Zombie“ war vorprogrammiert,die Live-Konzerte danach meist ausverkauft, auch wenn die weiteren Alben nicht mehr dieselbe Resonanz erzielten.

 

2003 löste sich die Band – nach 38 Millionen verkauften Platten – auf. Dolores O´Riordan wurde Mutter dreier Kinder, mit dem Vater Don Burton, dem ehemaligen Tour-Manager von Duran Duran, war sie bereits seit 1994 verheiratet. Die Solo-Produktionen waren eher mäßig erfolgreich, O´Riordan hatte allerdings die Ehre, mit Luciano Pavarotti „Ave Maria“ für den Film „Passion Christi“ zu produzieren. Die Reunion der Cranberries zeichnete sich bereits durch Live-Konzerte und Video-Teaser ab, das Comeback-Album „Roses“ mit der Single „Tomorrow“ erschien aber erst 2012. 2017 veröffentlichte die Band in Zusammenarbeit mit dem Irish Chamber Orchestra das Album „Something Else“, darin enthalten neu arrangierte alte und drei neue Songs. Innovative Wege beschritt Riordan 2016 gemeinsam mit dem Smiths-Bassisten Andy Rourke, „Science Agrees“ unter dem Pseudonym D.A.R.K. verharrte aber im Underground-Status, vielleicht auch gewollt. 

 

Vor einigen Tagen flog Dolores O´Riordan nach London, um neue Tracks aufzunehmen. Am 15. Jänner wurden die Medien informiert, dass sie mit 46 gestorben sei. Ohne nähere Details. Die Ehe mit Burton war geschieden, manche Zeitungen sprechen von manischer Depression, die Riordan schon längere Zeit belastet. 

 

Was genau vorgefallen ist, ist schwer zu ergründen und auch für Außenstehende nicht relevant. Ihr wichtigstes Vermächtnis „Zombie“ dagegen sollte weit in die Zukunft hinaus als  Mahnmal positioniert werden: gegen Krieg, gegen Gewalt, gegen Hetze, gegen Hass und auch gegen die eigenen Dämonen. Da verzeiht man dann auch den musikalischen Einsatz bei diversen Retro-Clubbings.

Ius 2018 (4): Neue Vorschriften im Banken-, Steuer- und Datenschutzrecht!

Obwohl Österreich schon seit 1.1. 1995 Mitglied der Europäischen Union ist, wissen viele Bürger die Vorteile dieser Staatengemeinschaft noch immer nicht zu schätzen. So basieren viele konsumentenschutzfreundliche Gesetze auf Verordnungen bzw. Richtlinien der EU. So auch das neue Zahlungsdienstegesetz, das die Rechtsstellung des Zahlers bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen verbessert.

 

Die Haftung bei leichter Fahrlässigkeit in Zusammenhang mit einem Missbrauch der Bankomatkarte oder des Online-Bankings wird von 150 Euro auf 50 Euro herabgesetzt. In bestimmten Fällen muss der Zahlungsdienstleister eine "starke Kundenauthentifizierung" verlangen, die aus mindestens zwei Kategorienelementen besteht.

 

Gemäß dem Verbraucherzahlungskontogesetz dürfen Bankomatgebühren nur in Ausnahmefällen verlangt werden. Voraussetzungen dafür sind eine Einzelvereinbarung mit dem Kunden und das Vorhandensein eines Tarifs ohne gesonderte Bargeldbehebungsentgelte.

 

Gegen Ende des Jahres werden seitens der Europäischen Zentralbank keine weiteren 500 Euro-Scheine mehr ausgegeben. Ziel ist die bessere Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Die im Umlauf befindlichen Scheine bleiben natürlich weiterhin gültig und sollen unbegrenzt umtauschbar sein.

 

Im Mai 2018 tritt die neue Datenschutzgrundverordnung in Kraft, deren nationale Umsetzung von Experten als mangelhaft kritisiert wird. Unternehmen müssen einen Datenschutzbeauftragten installieren und bei Verstößen gegen die neuen Vorschriften mit hohen Bußgeldern rechnen. 

 

Noch in der alten Legislaturperiode hat der Nationalrat eine (teilweise) Angleichung der Rechtsvorschriften von Arbeitern und Angestellten beschlossen. Vereinheitlicht wurde u.a. die Entgeltfortzahlung im Krankenstand und bei sonstigen Dienstverhinderungen. Die Kündigungsfrist für teilzeitbeschäftigte Angestellte mit geringer Arbeitszeit beträgt ab 1. Jänner - statt 14 Tagen - nun 6 Wochen. Die generelle Angleichung der Kündigungsfristen erfolgt erst 2021.

 

Bestimmte Sonderausgaben wie Kirchenbeiträge und Spenden fließen ab 2018 automatisiert in die Arbeitnehmerveranlagung an. Grund: Religionsgemeinschaften und Spendenorganisationen sind verpflichtet, die bezahlten Beträge an die Finanzverwaltung zu übermitteln.

 

Am 1. Mai sollte eigentlich das absolute Rauchverbot in der Gastronomie in Kraft treten. Die neue Bundesregierung will dieses Gesetz - trotz 14.000 nikotinbedingter Todesfälle pro Jahr - kippen. Fast eine halbe Million Bürger unterstützt als Reaktion darauf bereits die "Don´t Smoke"-Kampagne für eine Beibehaltung des Gesetzes. Europa schüttelt nur mehr den Kopf über die Raucher-Oase Österreich. Man muss sich wirklich wundern, was in der Alpenrepublik alles möglich ist.

Ius 2018 (3): Bildungsreform in Kraft, aber ohne Entpolitisierung der Schulverwaltung!

Rauchverbot, Aktion 20.000 oder der Jobbonus. Alles Initiativen, die von der schwarz-blauen Bundesregierung rückgängig gemacht werden. Da wäre es besser gewesen, Teile der Bildungsreform zu revidieren, und zwar vor allem die Organisation der Schulverwaltung.

 

So werden ab 1. Jänner 2019 die Landesschulräte durch Bildungsdirektionen ersetzt.  Die Amtsführenden Präsidenten nennt man dann Bildungsdirektoren, die Bestellung ist aufgrund der "Schwärzisierung" der Nationalratswahl noch parteipolitischer als zuvor. Der Bildungsdirektor wird auf Vorschlag des Landeshauptmannes im Einvernehmen mit dem Bildungsminister bestimmt. In 6 von 9 Bundesländern stammen beide von derselben konservativen Partei. Auch die vorgelagerte aus 5 Mitgliedern bestehende Begutachtungskommission wird gänzlich von den Parteien besetzt. 

 

Die Landesschulratskollegien werden durch Beiräte mit beratender Funktion ersetzt. An den komplizierten Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern ändert sich gar nichts. Der Bildungsdirektor ist je nach Zuständigkeit gegenüber dem Bundesminister oder der Landesregierung weisungsgebunden, als Bonmot kann das Landesgesetz auch noch den Landeshauptmann zum Präsidenten der Bildungsdirektion küren. Da jubeln die Polit-Granden.

 

Progressiver ist da schon das Schulautonomiepaket gestaltet. So können bis zu 8 Schulen zu Cluster unter einer gemeinsamen Leitung zusammengeschlossen werden. Die einzelnen Direktoren werden dabei durch Bereichsleiter ersetzt. Bei Bedarf können Lehrer auch an anderen Clusterschulen unterrichten. Die Cluster-Bildung ist freiwillig, ausgenommen bei Kleinstschulen, die ansonsten vom Zusperren bedroht sind. 

 

Die Auswahl von neuen Lehrern obliegt dem Cluster-Leiter bzw. dem Direktor. Diese können auch flexible Gruppengrößen festlegen und frei werdende Ressourcen für Förderangebote und Teamteaching nützen. Eine bundeslandweite Durchschnittszahl darf pro Klasse allerdings nicht überschritten werden.

 

Die Hauptschule ist übrigens mit Juni 2018 Geschichte, ab dem Wintersemester existieren in Österreich nur mehr die Neuen Mittelschulen.

 

Keine guten Nachrichten gibt es - nach der Regierungserklärung - für die Studenten. Es steht zu befürchten, dass die neue Bundesregierung trotz heftiger Proteste die Absicht hat, wieder Studiengebühren mit zumindest 500 Euro pro Semester einzuführen. Als erste könnte es die berufstätigen Langzeitstudenten treffen. Die bis dato festgelegte Studiengebührenbefreiung wurden wegen Verletzung des Gleichheitssatzes vom VfGH aufgehoben. Dass ein durch die SPÖ eingebrachter Vorschlag der ÖH von der neuen Koalition beschlossen wird, gilt als fast ausgeschlossen.

 

Ius 2018 (2): Neues Pauschalreise-Gesetz ab 1. Juli 2018!

Rechtzeitig mit Beginn der Sommer-Hauptsaison, wenn die Touristen wieder an die sonnigen Beach-Hot Spots strömen, gilt in Österreich ein neues Reiserecht. Das sogenannte Pauschalreisegesetz (PRG) tritt am 1. Juli 2018 in Kraft und ist eine Umsetzung der Pauschalreise-Richtlinie (EU) 2015/2302.

 

Die speziellen Schutzvorschriften gelten künftig auch für Online-Buchungen von Reisepaketen und nicht nur für Buchungen über Reisebüros. Direkter Ansprechpartner ist dann auch der Reiseveranstalter. Zu den Pauschalreiseleistungen zählt - neben Personenbeförderung, Unterbringung und anderen touristischen Dienstleistungen - auch die Vermietung eines Fahrzeuges.

 

Erweitert werden die Informationspflichten des Reiseveranstalters. Reisende müssen, bevor sie an ihre Vertragserklärungen gebunden sind, Informationen zu den wesentlichen Eigenschaften der Reiseleistungen erteilt werden. Unmittelbar nach Vertragsabschluss muss den Reisenden eine Vertragsausfertigung zur Verfügung gestellt werden.

 

Allerdings hat der Veranstalter künftig mehr Spielraum bei Leistungsänderungen vor Reiseantritt (wie der Reiseroute oder den Flugzeiten). Widerspricht der Kunde den Änderungen nicht ausdrücklich, so gilt dies als stillschweigende Zustimmung. Laut PRG muss der Reiseveranstalter für die Kosten einer längeren Unterbringung (bis zu 3 Tage) aufkommen, sollte die Rückreise wegen außergewöhnlicher Umstände nicht möglich sein.

 

Höhere Abgaben erwarten die Sonnenanbeter in Griechenland und auf den Balearen. Die Griechen verlangen eine Aufenthaltssteuer, je nach Hotelkategorie bis zu 4 Euro pro Zimmer und Nacht. Auf Ibiza, Mallorca und Menorca wird die Touristenabgabe während der Hauptsaison zwischen Mai und Oktober verdoppelt, auf bis zu 4 Euro pro Kopf und Nacht.

 

Die Flugabgabe dagegen wird halbiert. Sie beträgt künftig pro Fluggast auf Kurzstrecken 3,5 Euro, auf Mittelstrecken 7,5 Euro und auf Langstrecken 17,5 Euro. Man wird sehen, ob diese Kürzung an die Flugkunden weitergegeben wird.

Ius 2018 (1): Neuigkeiten im Familien-, SV-, Pflege- und Sachwalterschaftsrecht!

Das neue Jahr bringt zahlreiche Gesetzesänderungen mit sich, die noch von der "alten" rot-schwarzen Bundesregierung beschlossen wurden.

 

Die Familienbeihilfe wird um 1,9 Prozent erhöht. Sie beträgt ab 1.1. 2018 114 Euro, bei Kindern ab 3 Jahren 121,9 Euro, ab 10 Jahren 141,50 Euro und ab 19 Jahren 165,1 Euro. Erhöht werden auch der Geschwisterzuschlag und der Zuschlag für erheblich behinderte Kinder.

 

Die Zusammenlegung der Sozialversicherungsträger ist eines der Projekte der neuen Bundesregierung, deren finanzielle Auswirkungen aber überschätzt werden. Wichtiger ist die Harmonisierung der Leistungen, die teilwiese bereits in der alten Legislaturperiode konkretisiert wurde. In 18 von 23 Leistungsbereichen der neun Gebietskrankenkassen werden ab 1. Jänner einheitliche Zuschüsse und Selbstbehalte verrechnet, so beispielsweise bei Zahnspangen, Zahnersatz oder bei Krankentransporten. Teurer wird die Rezeptgebühr, sie steigt von 5,85 auf 6 Euro. Unter bestimmten Voraussetzungen (wie beim Bezug einer Ausgleichszulage) ist eine Befreiung weiterhin möglich.

 

Auch wenn die Finanzierung noch strittig und der Höhe nach schwer kalkulierbar ist, gehört der Pflegeregress mit 2018 der Geschichte an. Die Bundesländer dürfen nicht mehr auf das Vermögen und die Sparbücher von Pflegebedürftigen zurückgreifen, die in stationären Heimen aufgenommen wurden. Weiterhin zulässig ist der Zugriff auf 80 % der Pension und 90 % des Pflegegeldes. Bei behinderten Personen ist der Pflegeregress sowohl im stationären als auch ambulanten Bereich ausgeschlossen.

 

Am 1. Juli tritt das neue Sachwalterrecht in Form des "Erwachsenenschutzgesetzes" in Kraft. Man unterscheidet dann zwischen vier Säulen für unterstützungsbedürftige volljährige Personen: Gerichtliche Erwachsenenvertretung (mit Beschränkung auf bestimmte Vertretungshandlungen, befristet zunächst auf 3 Jahre), gesetzliche Erwachsenenvertretung (durch nächste Angehörige), gewählte Erwachsenenvertretung und die Vorsorgevollmacht mit uneingeschränktem Wirkungsbereich. Derzeit stehen ca. 60000 Personen unter der alten Sachwalterschaft.

 

Ein langer Weg zur Gleichstellung: Von der eingetragenen Partnerschaft zur Ehe für alle!

In Deutschland wurde die „Ehe für alle“ mit 1. Oktober 2017 durch den Bundesrat gesetzlich legitimiert, in Österreich traf diese Entscheidung der Verfassungsgerichtshof aufgrund einer Beschwerde fünf gleichgeschlechtlicher Paare mit Kindern, die von Rechtsanwalt Dr. Helmut Graupner vertreten wurden. 

 

Dieser erkannte, dass jene Bestimmungen des § 44 ABGB und des EPG, die auf „verschiedene Geschlechter“ abzielen, gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen und daher verfassungswidrig sind. Diese Entscheidung beruht auf der jüngsten Rechtsentwicklung, aufgrund der Homosexuelle auch Kinder adoptieren und die zulässigen Formen medizinisch unterstützter Fortpflanzung nützen können und somit eine weitgehende rechtliche Gleichstellung besteht. 

 

„Die diskriminierende Wirkung zeigt sich darin, dass durch die unterschiedliche Bezeichnung des Familienstandes („verheiratet“ versus „in eingetragener Partnerschaft lebend“) Personen in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft auch in Zusammenhängen, in denen die sexuelle Orientierung keinerlei Rolle spielt und spielen darf, diese offenlegen müssen und insbesondere auch vor dem historischen Hintergrund, Gefahr laufen, diskriminiert zu werden“, so einer der schlüssigen Sätze im VfGH-Erkenntnis.

 

Österreich, das bis 1971 Homosexualität unter gerichtliche Strafe stellte, zählt sicher nicht zu den liberalen Vorreitern Europas. In den Niederlanden gibt es seit 2001 bereits die Ehe für alle, in Deutschland zumindest die eingetragene Lebenspartnerschaft. In Österreich wurde das „Gesetz über die eingetragene Partnerschaft“ im Dezember 2009 vom Nationalrat beschlossen. Seit 1. Jänner 2010 können sich Homosexuelle somit verpartnern. 

 

Im September 2011 wird die unterschiedliche Ausgestaltung von Doppelnamen bei Ehe und Eingetragener Partnerschaft (mit bzw. ohne Bindestrich) als verfassungswidrig erklärt. Gleichgeschlechtliche Paare genießen ab sofort den verfassungsgesetzlichen Schutz der Familie. Eine gleiche Zeremonie bei der Eheschließung garantiert ein VfGH-Urteil im Dezember 2011. 

 

Im Dezember 2013 hat der VfGH die gesetzliche Beschränkung der medizinisch unterstützten Fortpflanzung auf verschiedengeschlechtliche Ehen und Lebensgemeinschaften aufgehoben. Im Jänner 2015 wurde das FortpflanzungsmedizinrechtsänderungsG beschlossen, das lesbischen Paaren die Elternschaft mittels Samenspende ermöglicht. Ausgeschlossen bleiben schwule Paare und alleinstehende Personen, Leihmutterschaft ist daher in Österreich rechtlich nicht zulässig.

 

Im Februar 2013 urteilt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass das Verbot der Stiefkindadoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren gegen die EMRK verstößt. Bereits im August wird dieses Urteil durch das Adoptionsrechts-Änderungsgesetz umgesetzt. Begleitgesetze vermindern die Unterschiede zwischen Ehe und Eingetragener Partnerschaft auf 40.

 

Ebenfalls initiiert durch Rechtsanwalt Dr. Helmut Graupner, hebt im Dezember 2014 der VfGH das Verbot der gemeinsamen Adoption durch gleichgeschlechtliche, eingetragene Paare auf. Seit 2016 können sich somit auch homosexuelle Paare um ein Kind bewerben. Das Wohl des Adoptivkindes steht dabei im Mittelpunkt. Die Bewerber werden unabhängig vom Geschlecht genau überprüft und müssen auch einen Vorbereitungskurs absolvieren.

 

Seit dem 1. April 2017 werden eingetragene Partnerschaften wie Ehen am Standesamt geschlossen. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen einen Familiennamen tragen.

 

Die völlige Gleichstellung zwischen Hetero- und Homosexuellen tritt mit 1. Jänner 2019 in Kraft. Ab diesem Datum steht die eingetragene Partnerschaft (mit Vertrauensbeziehung statt Treuepflicht, kürzeren Scheidungsfristen und geringeren Unterhaltspflichten nach der Auflösung) auch verschiedengeschlechtlichen Paaren offen, falls der Nationalrat das Gesetz mit einfacher Mehrheit nicht aufhebt. 

 

Eine Rückabwicklung der „Ehe für alle“ dagegen erscheint nahezu ausgeschlossen. Die notwendige 2/3-Verfassungsmehrheit wird derzeit im NR-Plenum nicht erreicht, und zusätzlich ist die gleichgeschlechtliche Ehe durch das VfGH-Erkenntnis höherwertig abgesichert. Ein anderslautendes Verfassungsgesetz würde mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte aufgehoben werden. Die Pink Community kann sich über ein unerhofftes Weihnachtsgeschenk freuen!

Letzte TV-Aufzeichnung: Die Staatskünstler & Florian Klenk im Rabenhof-Theater.

Copyright: Florian Klenk (Facebook)
Copyright: Florian Klenk (Facebook)

Es ist eine einigermaßen seltsame Entscheidung, die vom ORF bereits im September – noch vor der Ernennung einer neuen Bundesregierung – verkündet wurde. Die Staatskünstler alias Florian Scheuba, Thomas Maurer und Robert Palfrader werden mit Ende 2017 vor die Tür gesetzt. Die TV-Aufzeichnung für die letzte Sendung, den Jahresrückblick 2017, fand am Dienstag im Wiener Rabenhof-Theater statt.

 

Im Mittelpunkt der Staatskünstler-Show stehen seit Dezember 2011 die aktuelle Tagespolitik, Korruptionsfälle und bizarre Auswüchse des von Föderalismus, Parteibuch- und Freunderlwirtschaft und Traditionalismus geprägten österreichischen Staats. Das Comedy-Trio wird dabei mit der stetig steigenden Herausforderung konfrontiert, dass die Grenzen zwischen Realität und Satire immer mehr verschwimmen. 

 

So auch in der neuesten Ausgabe, bei der „plagiierte“ Wahlkampf-Videos der Spitzenkandidaten mit den „Originalen“ der Staatskünstler verglichen werden. Eine ausländerfeindliche Wutbürgerin im „Kern“-Clip oder ein zu Tränen rührendes Bauernhof-Video von Basti Kurz, das kann ja nur geklaut sein. Die Staatskünstler besuchen das „menschliche Antlitz“ des Messias, sammeln Spenden am Punsch-Stand für die ÖVP-Ratenzahlungsverpflichtungen an die Telekom und gehen auf Jobsuche bei Griss, Schieder, ATV & Co. Und landen zuletzt in der gefährlichen Mittelroute.

 

Einen besonderen Dank sendet die Kabarettisten an den deutschen Medienanwalt Ralf Höcker, der sie in einem 200.000 Euro teuren Gutachten über die angebliche Vorverurteilung Karl Heinz Grassers prominent erwähnte. Dessen Verfahren wurde gerade an diesem Tag im Wiener Landesgericht eröffnet. 14 Jahre, nachdem Florian Klenk die erste Story über die Buwog-Affäre publizierte. 

 

Insofern ein idealer Anlass für die Staatskünstler, den Falter-Chefredakteur für den zweiten Teil der Show ins Rabenhof-Theater zu laden. Klenk kam direkt aus dem Gerichtssaal und berichtete über den bisherigen Verfahrensablauf, modische Prozess-Bonmots und die Strategien der insgesamt 16 Beschuldigten, die für manche – bei 500 Euro Anwaltshonorar pro Stunde – auch in einem finanziellen Inferno enden können. Dass die drei Staatskünstler den KHG schon immer für unschuldig hielten, bewies zwischendurch ein amüsanter Clip aus ihrer Comedy-History. 

 

Für den musikalischen Abschluss-Schmäh war aber Grasser-Anwalt Ainedter selbst verantwortlich. Christoph & Lollos Kult-Lied „Wann geht der Karl Heinz endlich in den Häfn“ wollte der Promi-Verteidiger im Gerichtssaal präsentieren. Er scheiterte an der fehlenden Tonanlage. Im Gegensatz zu den Staatskünstlern. Der Streisand-Effekt im Theater.

Yello in der Wiener Stadthalle: Schweizer Kult-Band zum ersten Mal on Tour!

Was „Blue Monday“ für New Order oder „Fade to Grey“ für Visage, das war „Bostich“ für „Yello“. Ein Underground-Electronic-Track, der 1981 durch den US-DJ Frankie Crocker gepusht wurde und in die amerikanischen Black- und Dance-Charts schoss. Yello, abgeleitet von „a yelled hello“, waren damals noch zu dritt, und alle waren überrascht, dass hinter diesem Projekt keine schwarzen Avantgarde-DJ´s aus der Bronx steckten, sondern drei smarte Schweizer mit Faible für extravagante Töne, Video-Ästhetik und Aktivismus.

 

25 Jahre später präsentierten Dieter Meier und Boris Blank ihre Electro-Klassiker zum ersten Mal live, im Berliner Kraftwerk. Aufgrund der großen Resonanz wird auch eine Tour geplant, die die Zuricher auch in die Wiener Stadthalle führt. Allerdings nicht zu zweit mit einem Computer als Sound-Base, sondern mit einer kompletten Band. 

 

„Boris ist der Konzertmeister einer Live-Show mit 12 Musikern“, so Meier. Bläser, Gitarristen, Schlagzeuger, Percussionisten versetzen die Yello-Hits aus unglaublichen 40 Jahren in neue musikalische Sphären. Auch das 2016er-Album „Toy“, das in der Schweiz auf Platz 1 und in Deutschland auf Platz 2 kletterte, kommt nicht zu kurz. Im Mittelpunkt der Show steht der elegant gekleidete 72jährige (!) Frontman Dieter Meier, der mit seinen stakkato-artigen Verbal-Phrasen dem genialen elektronischen Sound von Boris Blank die letzte Würze verleiht. „It´s just a rush, push, cash“, Bostich, you know. 

 

Ausgezeichnet auch die Auswahl der weiblichen Stimmen der Yello-Tracks. Die aus Malawi stammende Jazzsängerin Malia tritt bei „The Rhythm Divine“ in die Rolle von Bond-Legende Shirley Bassey, interpretiert mit Meier „Starlight Scene“ und sorgt im Zugabenteil mit „Vicious Games“ für hippe New Wave-Stimmung. Die chinesische Sängerin und Performance-Künstlerin Fifi Rong, bereits Guest-Star auf „Toy“, lenkt mit „Kiss the Cloud“ und dem hypnotischen „Lost in Motion“ die Yello-Show in futuristische Bahnen. 

 

Die Video-Collagen im Hintergrund stammen übrigens alle von Meier & Blank, die stets auch ihre Videos selbst produzierten und sogar ihre Familienmitglieder miteinbezogen. So auch beim größten Hit der Elektronik-Zauberer, „The Race“, der in einer mehr als zehnminütigen Version den Abschluss der grandiosen Show bildete. Yello sind nach 40 Jahren Band-Karriere noch immer am Puls der Zeit, einmal nachmachen bitte!

mehr lesen

„Nacht gegen Armut“: Gogol Bordello grooven in der Arena für arme Familien und Kinder!

Laut einer aktuellen Statistik gilt Österreich als viertreichstes EU-Land. Nur Luxemburg, Irland und die Niederlande liegen beim BIP pro Kopf vor der Alpenrepublik. Insofern schockieren die Zahlen über die armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Menschen in Österreich.

 

18 Prozent der österreichischen Wohnbevölkerung oder 1.542.000 Menschen waren 2016 von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Unmittelbar armutsgefährdet sind 14 Prozent der Einwohner, die über weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens verfügen. Diese von der EU-definierte Schwelle unterschreitet in Österreich, wer in einem Einzelhaushalt einen Monat mit weniger als 1.185 Euro netto bestreiten muss. 592 Euro werden für jeden weiteren Erwachsenen im Haushalt addiert und 355 Euro für jedes Kind unter 14 Jahren.

 

Man braucht also keine Sekunde zu diskutieren, ob Veranstaltungen wie die „Nacht gegen Armut“ der Volkshilfe ihre Berechtigung haben. Das Benefiz-Event, dessen gesamter Reinerlös für die Spendenkampagne gegen Armut in Österreich überwiesen wird, fand dieses Jahr in der Wiener Arena statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von der FM4-Moderatorin (und „Maikäfer flieg“-Regisseurin) Mirjam Unger, die vor den Live-Acts auch den Direktor der Volkshilfe Österreich, Erich Fenninger, auf die Bühne bat. Dieser sprach sich entschieden gegen Kürzungen der Mindestsicherung für Flüchtlinge aus, die gegen jegliche Menschenwürde verstoßen und verstärkte Obdachlosigkeit und Kriminalität nach sich ziehen könnten.

 

„Borders are the Scars on the Face of the Planet“, ein Zitat aus einem Song der Headliner Gogol Bordello, passt da haargenau in dieses Narrativ. Vor der multikulturellen Combo von Eugene Hütz heizten bereits die Lucky Chops die ausverkaufte Arena ein. Dabei handelt es sich um eine im Jahr 2006 gegründete Brass-Formation aus New York, die zuerst in U-Bahnstationen spielte und durch dort gedrehte YouTube-Videos der Öffentlichkeit bekannt wurde. Vor allem die Coverversionen von Hits wie „Funky Town“ oder „I got you“ sind Garant für jede heiße Party. 

 

Dies gilt auch für Gogol Bordello, die 1999 ebenfalls in New York vom ukrainischen Immigranten Eugene Hütz gegründet wurden. Die Band ist klassisch „punk-besetzt“, mit Gesang, Schlagzeug, E-Gitarre und Bass, dazu Akkordeon, Geige und Percussion. Der Sound: Gypsy Punk, vermischt mit Latin- und Balkanrhythmen. Besondere Berühmtheit erhielten sie durch ihren „La isla bonita“-Auftritt mit Madonna beim „Live Earth“-Konzert. 

 

Das neueste Album von Gogol Bordello trägt ebenso wie die aktuelle Tour den Titel „Seekers and Finders“. Die 22 Tracks starke Set-List umfasst allerdings das gesamte zeitliche Repertoire der Band, von „Start Wearing Purple“ (1999), „Wonderlust King“ (2007) bis hin zu „Malandrino“ (2013) und dem neuen Hit „Walking on the Burning Coal“. 

 

„Am Ende unserer Konzerte kommen die Leute oft zu uns und sagen, sie waren frei von all dem Mist, den man sonst die ganze Zeit im Kopf hat.“ – so Eugene Hütz im Interview, der den Menschen die positiven Seiten unseres Universums näherbringen will. Mit dem Latin Stomper „Pala Tute“ verklangen zwar die letzten Töne des Künstlers, die Volkshilfe kann sich aber über viel Geld für arme Familien, Kinder und Behinderte freuen. Und hoffentlich auch über Respekt vor Menschen aus aller Welt, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind.

mehr lesen

Verfassungsexperten: Ohne Pro-Volksabstimmung kein Ausbau direkter Demokratie!

Die Schweiz gilt als Musterland direkter Demokratie. Dort werden auf allen gebietskörperschaftlichen Ebenen 4mal jährlich die Bürger zu den verschiedensten Themen befragt. Mittels sogenannter „Volksinitiativen“ können 100.000 Bürger Volksabstimmungen erzwingen, bereits 50.000 können ein Vetoreferendum über ein bereits vom Parlament beschlossenes Gesetz fordern. Auch in Italien fanden bereits 73 Volksabstimmungen statt. Rechtlich bindend sind diese aber nur, wenn ein Beteiligungsquorum von mehr als 50 Prozent vorliegt.

 

In Österreich sind die Formen direkter Demokratie bis dato eher spärlich entwickelt. Im B-VG unterscheidet man zwischen Volksbegehren, Volksabstimmungen und Volksbefragungen. 

 

Ein Volksbegehren muss von 100.000 Stimmberechtigten (bzw. je 1/6 der Stimmberechtigten dreier Länder) unterstützt werden, damit es im Parlament behandelt wird. Der Nationalrat hat also nur die Verpflichtung, über einen solchen Gesetzesantrag zu beraten und einen Bericht zu verfassen. Bisher wurden 39 Volksbegehren eingeleitet, 34 erreichten die nötige Unterstützungszahl.

 

Volksabstimmungen sind in Österreich rechtlich nur zulässig, wenn sie auf einem Gesetzesbeschluss des Nationalrates basieren. Liegt eine Gesamtänderung der Bundesverfassung vor, dann muss obligatorisch eine Volksabstimmung durchgeführt werden. So wie 1994, als die Österreicher sich mit einer 2/3-Mehrheit für den EU-Beitritt entschieden. Fakultativ kann eine Volksabstimmung angeordnet werden, wenn der Nationalrat dies beschließt. Die einzige Volksabstimmung, die auf diese Weise durchgeführt wurde, war jene über das Atomkraftwerk Zwentendorf im Jahr 1978.

 

Als dritte Form direkter Demokratie existiert in Österreich die Volksbefragung, die auf Antrag von 5 Mitgliedern des Nationalrates oder der Bundesregierung durch den Nationalrat beschlossen wird. Eine Volksbefragung ist rechtlich nicht bindend. Dies galt auch bei der bisher einzigen Befragung über die allgemeine Wehrpflicht. SPÖ und ÖVP erklärten aber, sich an das Ergebnis zu halten. 

 

Elemente der direkten Demokratie sind auch in den einzelnen Landesverfassungen vorgesehen, darunter auch einige Verfahren, die – verfassungsrechtlich problematisch - über jene des Bundes hinausreichen (wie Vetoreferenden in Niederösterreich oder Steiermark bzw. zwingende Volksabstimmungen nach erfolgreichen Volksbegehren). 

 

Man darf gespannt, ob und in welchem Ausmaß die direkte Demokratie in der laufenden Legislaturperiode erweitert wird. Kernpunkt ist die Abhaltung von verpflichtenden Volksabstimmungen über Themen, die durch ein Volksbegehren ausreichend unterstützt wurden. Hier reicht – je nach Ansicht der Parteien - die Bandbreite von 3 bis 10 % der Wahlberechtigten. Diskutiert wird auch über ein Mindest-Beteiligungsquorum bei den Volksabstimmungen. Wird dieses unterschritten, ist die Abstimmung – so wie in anderen EU-Staaten - nicht verbindlich. 

 

Im neuen Gesetzesentwurf sollte unabdingbar verankert werden, dass die Inhalte der Volksabstimmung nicht gegen Völker- und Europarecht bzw. gegen Grund- und Freiheitsrechte verstoßen und eine Diskriminierung von Minderheiten ausgeschlossen ist. Eine objektive Informationsbroschüre sollte wie in der Schweiz als Abstimmungsgrundlage dienen. 

 

Bevor die österreichischen Bürger aber unmittelbar in die Gesetzgebung eingreifen können, müssen sie erst darüber entscheiden, ob sie dieses Procedere überhaupt befürworten. Denn der Ausbau der direkten Demokratie ist nach der Judikatur des VfGH eine Gesamtänderung der Bundesverfassung und muss daher obligatorisch einer Volksabstimmung unterzogen werden.

"We are the Beautiful Ones" - Hurts im Wiener Gasometer!

„Don´t let go, never give up, it´s such a Wonderful Life“ - So lautete die leicht melancholisch angehauchte Hymne der Szene-Hipster im Jahr 2010. Wer vom Philosophieren genug hatte und lieber tanzen ging, switchte auf den groovigen Freemasons-Remix. Die Copyrights von „Wonderful Life“, die stammen von Hurts aus dem Fußball- und Sound-Mekka Manchester. 

 

Theo Hutchcraft und Adam Anderson waren lange arbeitslos und hielten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, vor dem Arbeitsamt allerdings tauchten sie immer im Anzug auf. Eine Styling-Trademark, die sie auf der Bühne beibehielten. Im Rahmen ihrer „Desire“-Europa-Tour statteten Hurts auch Wien wieder einen Besuch ab. 

 

Und obwohl die aktuellen Songs nicht auf den vordersten Hit-Listen der Charts rangieren, konnten Hurts und ihre Begleitband die einheimischen Fans von der ersten Sekunde an begeistern. Sozusagen „Ready 2 Go“, Opener und einer der Favourites des neuen Albums „Desire“. Dies gilt auch für „Some Kind of Heaven“, dem Single-Hit ihres dritten Albums „Surrender“. Zu hören gibt es beim Wien-Konzert Tracks aus allen vier bisher erschienenen Alben. Das musikalische Repertoire von Hurts ist lokalisiert irgendwo zwischen Depeche Mode, Erasure und New Order, aufgepeppt mit flotten Disco-Beats, teils auch mit kitschigem Pathos. Live klingen die Hurts-Tracks allerdings weniger konservenhaft, auch ruhigere Tracks wie „Sandman“ oder „Lights“ reißen das Publikum mit, Sänger Hutchcraft mit seinen zahlreichen „Hello Vienna“-Ansagen sowieso.

 

Im letzten Viertel des Konzerts präsentieren Hurts ihre großen Hits: „Wonderful Life“, „Nothing will be bigger than us“, die Queer-Hymne des St. Christopher Street Days, „The Beautiful Ones“ (bei der die Fans frenetisch mitsingen) und als Final Track das besinnliche „Stay“. Auf „Under Control“ (ihrem Nr. 1-Hit mit den House-Produzenten Alesso und Calvin Harris) musste man leider vergeblich warten. Das läuft aber ohnehin im Ushuaia Ibiza.

mehr lesen

Wie einst in den grungigen 90ern: Selig mit neuem Album „Kashmir Karma“ im Flex!

Es war einmal eine Zeit, hin- und hergerissen zwischen Hedonismus und Depression, als fünf Jungs aus Hamburg die Band Selig gründeten. Das erste Album erschien kurz vor dem Selbstmord des Alternative-Helden Kurt Cobain, trotzdem oder gerade vielleicht deswegen trafen der charismatische Sänger Jan Plewka und seine Band den Puls der Zeit. Mit lasziv-hypnotischen Hymnen wie „Ohne dich“ und „Sie hat geschrien heut Nacht“ und einem Sound irgendwo zwischen Grunge, Doors und US-Garage Rock, Selig nannten ihn selbst „Hippie Metal“. Auch die VIVA-MTV-Generation war von ihren an den Grenze der Zensur watenden Videos begeistert, „Wenn ich wollte“ gewann sogar den Echo 1995. Nach der dritten, eher pop-lastigen CD „Blender“ (1997) war plötzlich Schluss: Tour-Stress, Streitigkeiten, die Chemie passte zwischen den eng aneinander geschweissten Bandmitgliedern nicht mehr. Keiner hätte damals eine deutsche Mark auf eine Reunion von Selig gewettet.

 

2008 geschah allerdings das Wunder, Selig waren wieder da, und das sogar in Originalbesetzung. 9 Jahre später stellten sie im Wiener Kult-Club Flex ihr neues Album „Kashmir Karma“ vor, aufgenommen in einer weit abgelegenen schwedischen Hütte. Sänger Jan Plewka ist auch 24 Jahre nach der Erstgründung noch immer der mitreißende Bühnenstar, egal ob bei Klassikern wie „Ist es wichtig“ oder neuen Stimmungshits wie „Alles ist nix, wenn du nicht da bist!“ Von der Band gar nicht zu sprechen: Bassist Leo Schmidthals, Gitarrist Christian Neander und Drummer Stephan Eggert liefern astreinen Rock-Sound mit zahlreichen Soli, erprobt durch jahrelange Bühnenerfahrung bei Festivals, Stadthallen oder Regionalschuppen. Nicht mehr dabei ist Keyboarder Malte Neumann, der Sound hat sich dadurch vom Electronic-Pop des „Magma“-Albums wieder mehr entwickelt zum originären Selig-Style der 90er. 

 

Psychedelisch angehaucht sind vor allem der Titeltrack des neuen Albums und der Konzert-Opener „Unsterblich“, mit Zeilen wie „Ich fühle mich unsterblich. Zeit ist ein Raum. Die Welt ist ein Traum.“ Die Ballade „Wintertag“ wurde an einem Tag produziert und zählt zu den gefühlvollen Highlights jedes Gigs. Politische Messages stehen nicht im unmittelbaren Mittelpunkt der Selig-Songs. Die liefert Sänger Plewka mit seinen Kurz-Ansagen an das Publikum. Mit heftiger Kritik an die „wenigen da oben“, die mit ihren Entscheidungen nur Ungerechtigkeit und Hass entfachen und einem Appell an die „Mehrheit da unten“, sich dagegen zu stemmen. Trifft zumindest auf das Konzert-Publikum zu, ob auch auf die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung, ist nach den letzten Wahlen eher anzuzweifeln.

 

Ansonsten ist heiße Party-Stimmung angesagt, zu Tracks wie „Nimm mich so wie du bist“, „Lebenselixir“ und „Schau, schau“, und da steht Plewka schon mal ohne T-Shirt da. Mit einem witzigen Seitenhieb auf „unseren“ Marco Michael Wanda: „Hier ist es so heiß. Jetzt ist mir klar, warum der von Wanda immer nackt auf der Bühne herumhüpft.“

 

Nach „Wir werden uns wiedersehn“ verabschieden sich Selig von ihren Wiener Fans. Und kommen kongenial wieder mit drei Zugaben, einem Block ihrer Breakthrough-Hits aus dem ersten Album („Sie hat geschrien“, „Wenn ich wollte“, „Ohne dich“), „Kashmir Karma“ und einem Akustik-Abschied mit „Regenbogenleicht“. Und dem subtilen Wink, positiv in die Zukunft zu schauen. Trotz aller Widrigkeiten.

mehr lesen

Gesetzliche Inflationsanpassung: Gerichtsgebühren in Österreich schon wieder gestiegen!

Wie soll jemand sein Recht durchsetzen, wenn er bereits zuvor durch die hohen Gebühren davon abgeschreckt wird? Österreich ist das einzige Land Europas, in dem die Einnahmen den Aufwand der Gerichte übersteigen. 

 

Laut einer Europaratsstudie von 2014 decken die Gerichtsgebühren das Justizbudget zu 111 (!) Prozent, der EU-Schnitt beträgt nur 23 Prozent. Ein Teil der Gerichtseinnahmen fließt also in die allgemeine Verwaltung.

 

Kritik kommt auch von der Rechtsanwaltskammer im aktuellen Tätigkeitsbericht. Und das sogar aus aktuellem Anlass. Denn erst am 1. August 2017 wurden die Gerichtsgebühren wieder erhöht. Grund ist der § 31a GGG, der vorsieht, dass die Gebühren an den Verbraucherpreisindex angepasst werden müssen, wenn sich dieser um fünf Prozent geändert hat. 

 

Die RAK fordert – neben einer Deckelung der Gerichtsgebühren bei hohen Streitwerten – eine Abschaffung dieses Automatismus. Weitere Gebührenerhöhungen wie bisher sind für den Bürger nicht mehr zumutbar. So kostete 2002 ein Antrag auf einvernehmliche Scheidung nach § 55a Ehegesetz noch 159 Euro, heute bereits 293 Euro. Mehr als verdreifacht haben sich die Gebühren für Privatanklagen. Sie stiegen in den letzten 5 Jahren von 82 auf 269 Euro.

 

Diverse Gebührensenkungen im Rechtsmittel- bzw. in familien- und arbeitsrechtlichen Verfahren sind da nur ein Tröpfchen auf dem heißen Stein. Der neue Justizminister hat die wichtige Aufgabe, die Inflationsanpassung der Gebühren zu beseitigen und eine allgemeine Gebührenreduzierung vorzunehmen. Ansonsten haben finanziell weniger begüterte Bürger von vornherein einen Startnachteil vor dem Gesetz.

"Gibt´s ein Leben vor dem Tod?" - Boris Bukowski mit neuem Album in der Szene Wien!

„Gibt´s ein Leben vor dem Tod?“ – Keine philosophische Vorlesung auf der Universität Wien, sondern das neue 7. Album der Austropop-Legende Boris Bukowski. Beantworten muss der ewig junge 51jährige (plus ein paar Jährchen dazugerechnet) diese Frage nicht. Das zeigt schon sein mitreißender Auftritt in der Szene Wien gemeinsam mit seiner Live Band „Die bunten Hunde“. 

 

Bukowski war in den 70ern zuerst Schlagzeuger, dann Sänger der Band Magic, die zwar nicht den großen kommerziellen Durchbruch schaffte, aber für enorme Aufbruchsstimmung in der steirischen Musikszene sorgte. Daneben widmete sich der Sohn eines Rechtsanwalts auch dem Jus-Studium, das er erfolgreich mit dem Doctor iuris abschloss. Sein erstes Solo-Album veröffentlichte er 1985, das u.a. seinen Kult-Hit „Der Fritze mit der Spritze“ enthielt und ihm gleich eine Pop-Amadeus-Nominierung einbrachte.

 

Bei seinen Live-Gigs haben je zur Hälfte sowohl neue als auch „Songs des alten Jahrtausends“ Platz auf der Set-List. In der Szene Wien startete er mit seiner neuen Single „Money“ und dem Uptempo-Track „Achterbahn. Die Produktion modern und schnittig, man merkt die Einflüsse des Depeche Mode-Drummers Christoph Eigner. Vom ultimativen Klassiker „Kokain“ liefert Bukowski im 1. Teil der Show einen düster-angehauchten Remix. Sozusagen hart und weich zugleich, ein weiterer Hit aus den 80ern. Ein besonderes Highlight jeder Boris-Show ist auch der Danzer-Song „Weiße Pferde“, der in den 90ern auch auf einem Tribute-Album veröffentlicht wurde.

 

„Kunst ist Leben, und Leben ist Kunst. Wir alle sind Künstler, und die Welt gehört uns“ – Ein neuer Song von Bukowski, der an ein Zitat des Künstlers Joseph Beuys angelehnt ist, begeistert das Publikum im 2. Teil der Show. Ebenso wie das urban-kritische „Die Stadt“ und der melancholisch-nachdenkliche Track „Komm und tanz mit mir, bis die Musik aufhört zu spielen“. Es folgt „Trag meine Liebe wie einen Mantel“, der größte Single-Hit von Bukowski Anfang 1990, als Ö3 noch die österreichische Musikszene unterstützte und das seelenlose Formatradio der Jetztzeit – das Bukowski heftig kritisiert – noch einige Jahre entfernt war. 

 

Bukowski stand zu dieser Zeit knapp vor dem Durchbruch in Deutschland, die Promotion-Kampagne inklusive Remix-Best of-Album war fertig, als plötzlich der zuständige Manager der Plattenfirma in eine andere Abteilung versetzt wurde und die Anstrengungen umsonst waren. Dem Vollblutmusiker und positiven Lebensmenschen Boris Bukowski hat dies persönlich zumindest nach außen nicht geschadet. 

 

In der Szene Wien versetzte er die Fans mit dem Titel-Track seines neuen Albums und mit der „Kokain“-Originalversion noch in einen finalen Schlusstaumel, dann signierte er noch stundenlang CD´s und Bücher außerhalb des Bühnenareals. Vielleicht sieht man ihn ja wieder nächstes Jahr beim Wiener Donauinselfest, wie einst in den 80ern!

Buch Wien 2017: Auf den Spuren von Klimt und dem Kaffeehaus!

Die diesjährige Buch Wien kann sich über einen Rekordandrang freuen. Insgesamt 48.500 Besucher frequentierten die Wiener Buchmesse und ihre 451 Einzel-Veranstaltungen, ein Zuwachs von 5.500 zum Vorjahr.

 

Auch der Waldviertler Schriftsteller Thomas Sautner nutzte die Gelegenheit, sein neues Buch „Das Mädchen an der Grenze“ vorzustellen. Selbst in Gmünd geboren spielt auch die mysteriöse Handlung seines Romans in dieser Gegend, im Umfeld eines Zollhauses an der tschechischen Grenze. Wir schreiben 1988, 1 Jahr vor dem Grenzfall. Das Mädchen Malina – der Konnex zu Ingeborg Bachmann scheint nicht unbegründet – nimmt Dinge wahr, die sonst niemand erkennt, und wird deshalb für verrückt gehalten. Ein kluger Schachzug des Autors, persönliche und metaphysische Grenzen mit dem Wegfall der staatlichen und politischen Barrieren zu verbinden. Eine kurze Lesung durch den seit 2006 schreibenden Autor („Fuchserde“) löste bereits Begeistern beim Publikum aus.

 

Am 6. Februar 1918 wird der 100. Todestag von Jugendstil-Ikone Gustav Klimt zelebriert. Grund genug, für den Autor Gregor Auenhammer, sich investigativ durch Wien zu bewegen und das private und berufliche Leben Klimts nachzuzeichnen. In Schulen, geheimen Wohnungen, ehemaligen Bädern (wie dem Kaiserbründl) oder in Ateliers. Entdeckungen gibt es zur Genüge: Klimt war nicht nur ein künstlerischer Avantgardist und Provokateur, sondern auch ein Liebling der Frauen mit insgesamt 6 Kindern. „Auf den Spuren von Gustav Klim