Comics, Cartoons & EAV-Kult: Thomas Spitzer im Karikaturmuseum Krems!

"Die Kurzform von vielen war: Als Kinder mochten wir euch, zehn Jahre später haben wir euch verstanden." EAV-Mastermind Thomas Spitzer im Originalton anlässlich der Veröffentlichung des neuesten Albums "Alles ist erlaubt".

 

In dieselbe Kerbe stößt auch Austropop-Kollege und Freund Joesi Prokopetz bei seiner Laudatio im Rahmen der Vernissage von Thomas Spitzers Ausstellung "Rockomix ein Leben lang" im Karikaturmuseum Krems. Texte wie "Da im Disco Stadl regiert der Furchenadel, und der Landmann schwingt sein strammes Wadl" oder "Mit einem Wort, die Lage ist fatal. Da hilft nur eins: ein Banküberfall!" seien in ihrer sarkastischen Treffsicherheit einfach genial. Dass ein Künstler wie Spitzer aber manchmal stolzer ist auf die weniger kommerziellen Reime in seinem Oeuvre, liege in der Natur der Sache.

 

Nicht erschienen bei der Ausstellungseröffnung ist der in Kenia weilende EAV-Sänger Klaus Eberhartinger. Stattdessen präsentierten die Gründungsmitglieder Eik Breit und Nino Holm gemeinsam mit Heinz Jiras als "Wiener Blues" die 80er-Säuferhymne "Morgen fang ich ein neues Leben an". Und auch ein junger Wilder der österreichischen Szene durfte ran: Lemo schlüpfte, begleitet von Spitzer an der Gitarre, bei der an Don Quichote angelehnten Single "Gegen den Wind" und dem Album-Track "Am rechten Ort" in die Rolle des EAV-Frontmans. Gesichtet unter den Gästen ein anderer ehemaliger Sänger der Ersten Allgemeinen Verunsicherung - sic est - Gert Steinbäcker von STS. Und die junge Freundin Spitzers, Nora Tietz, die als Kuratorin die vielzähligen Grafiken und Karikaturen selektierte.

 

Die EAV feiert dieses Jahr das 40. Bandjubiläum. Noch länger als Texter, Komponist und Gitarrist der Musikcombo ist Spitzer als Karikaturist tätig. Der 1953 in Graz geborene Steirer lernte auf der HTL Ortweinplatz den Beruf eines Grafikers und schloss später als Mag. Art. erfolgreich sein Studium an der Hochschule für angewandte Kunst ab. Bereits zuvor betätigte er sich beim Grundwehrdienst als Hobby-Cartoonist, indem er die Rechte der Soldaten grafisch in Szene setzte. Frühe Comics Spitzers finden sich auch in der Kremser Ausstellung, Themen oft das Landleben, die Saufkultur oder auch die Heldenverehrung in Österreich am Beispiel Franz Klammers.

 

Natürlich sind auch die zahlreichen Auszeichnungen und Merchandising-Artikel der Band Bestandteil der Ausstellung: Die vielen Goldenen Schallplatten - die EAV hat im deutschsprachigen Raum mehr als 10 Millionen Tonträger verkauft - die LP- und Maxi-Single-Cover, Autogrammkarten, Plakate, eine Video-Bandhistory, kantige Text-Zitate, die Lieblingsgitarre Spitzers und natürlich die aus seiner kreativen Feder stammenden Comic-Helden Neppomuk oder Punkuin. "Küss die Hand, schöne Frau", you remember. 1992 verliebte sich Spitzer in seine nunmehrige Wahlheimat Kenia, in der die Band auch ein Studio errichtete. Aus dieser Inspiration heraus entstammen zahlreiche Grafiken Spitzers, die in provokativer Art und Weise den Sextourismus in Afrika kritisieren. Zu sehen in einem Spezialraum des Karikaturmuseums Krems.

 

Populär war die Erste Allgemeine Verunsicherung bereits vor ihrem kommerziellen Durchbruch in linksliberalen Kreisen. In Berliner Clubs wie dem "Quartier Latin" in der Potsdamer Straße waren ihre Auftritte schon Anfang der 80er ausverkauft. Politik war und ist - trotz (vermeintlicher) Blödel-Songs immer Thema der Band. Obwohl dies laut Spitzer sowohl textlich als auch grafisch immer schwieriger wird. Denn: "In dieser Welt gibt es nichts mehr zu überzeichnen. Jeder Politiker ist eine Karikatur, die ich nicht mehr erhöhen kann. Und mittlerweile kann jeder Politiker lügen, alles ist erlaubt." Klarerweise finden sich trotzdem scharfe Cartoons gegen Rechtspopulisten und autoritäre Machthaber a la Trump, Putin und Salvini im Ausstellungsraum, plus die wieder von ihm grafisch umgesetzten Songs aus dem neuen EAV-Album. Bestes Beispiel: "Rechts 2/3, das Volk sind wir, groß ist der Flüchtlingsschock, Rechts 2, das Land braucht einen Sündenbock!"

 

Thomas Spitzers Ausstellung "Rockomix ein Leben lang" ist noch bis 10. Februar im Karikaturmuseum Krems zu sehen. Bereits am 3. Februar startet die große Abschiedstournee der EAV, viele Termine sind bereits jetzt ausverkauft.  

 

http://www.eav.at/konzerte/2019

 

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Moco Museum Amsterdam: Banksy Street Art in der Jugendstil-Villa Alsberg!

"Laugh Now, but one day we´ll be in charge" - Dieser selbstbewusste Slogan ziert die Trikots einiger der zehn nebeneinander positionierten Affen. Der Künstler kritisiert in diesem Werk nicht nur die Arroganz der Menschheit gegenüber den Tieren, sondern auch die damalige Geringschätzung seiner Kunst in der sogenannten Hochkultur. Seine Kunst ist die Street Art, der Künstler selbst nennt sich Banksy. Niemand weiß genau, wie der vermutlich aus Bristol stammende Avantgardist und Aktivist aussieht und wie sein tatsächlicher Name lautet. Seine Werke kann man aktuell im Moco Museum in Amsterdam besichtigen.

 

Moco Museum ist eine Abkürzung für "Modern Contemporary Museum Amsterdam". Wie der Name sagt, ein Museum für zeitgenössische Kunst, das im April 2016 eröffnet wurde. Standort ist nicht wie meist üblich ein von Stararchitekten konzipiertes hypermodernes Konstrukt, sondern die aus dem Jahre 1904 stammende Jugendstil-Villa Alsberg. Dieses Schmuckstück residiert direkt auf dem weltberühmtem Museumsplein gegenüber dem Rijksmuseum (dort wo kürzlich die "I Amsterdam"-Buchstaben aufgrund der Touristenmassen abmontiert wurden) und neben dem Van Gogh Museum. Gegründet wurde das Moco Museum von den Galeriebesitzern Lionel und Kim Logchies, die schon früher mit modernen Künstlern wie Koons, Hirst und Haring zusammengearbeitet haben und aufgrund ihres persönlichen Netzwerks besten Zugang zur modernen Kunst aufweisen.

 

Tatsächlich ist die Banksy-Ausstellung "Laugh Now" keine vom Street Artist authorisierte Exhibition, obwohl sich darin auch aus Mauerstücken abgelöste Kunstwerke finden. Der Großteil der auf Canvas, Holz und Papier abgebildeten Werke, die sogenannte "Indoor Art", stammt aus privaten Leihgaben. Diese sind in der mehrstöckigen alten Villa verwinkelt positioniert, Stiegensteigen inklusive. Darunter befinden sich natürlich auch einige (ungeschredderte) Versionen des "Girl with Balloon", Banksy vergleicht dabei den Ballon mit der Liebe, die man nicht auslassen soll und der man nachjagen muss. Weitere Highlights: Die bereits erwähnten "Laugh Now"-Apes, die Kate Moss-Drucke, Barcode, die Kids on Guns, die "Mickey Snake" (als Protest gegen den kommerziellen Ausverkauf der Disney-Figuren), Plattencover von Blur, Sid Vicious & Massive Attack, gesellschaftskritische Bilder gegen Polizeigewalt, Waffenhandel und den Überwachungsstaat und das seit 2009 nicht mehr öffentlich ausgestellte 2,5 mal 3,5 Meter große Gemälde "Beanfield". Dieses erinnert an einen Vorfall aus dem Jahre 1985, als mehr als 1300 Polizisten gewaltsam eine friedliche Party von 600 Hippies in der Nähe von Stonehenge verhinderten.

 

Neben der noch bis 15. Jänner 2019 dauernden Banksy-Ausstellung präsentiert das Moco Museum derzeit Werke der iranischen Aktivisten Icy & Sot, die - einst selbst Flüchtlinge - sich vorwiegend mit Migration, Frieden, Umweltschutz, Toleranz und Menschlichkeit beschäftigen. Im Obergeschoß der Villa zollen die Kuratoren Tribut an progressive Geister der Kunstszene: Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat, Jeff Koons, Damien Hirst und natürlich Keith Haring. Im Erdgeschoß präsentiert das Moco Museum eine 3 D-Rauminstallation des Roy Lichtenstein-Gemäldes "Bedroom at Arles", das von der Pop Art-Ikone 1992 nach der Vorlage des Van Gogh-Meisterwerks "The Artist´s Room at Arles" erstellt wurde.

 

Und auch der romantische Garten außerhalb der Villa wird für künstlerisch (interaktive) Zwecke genützt. Die dort positionierten Skulpturen, egal ob der Meinungsfreiheit postulierende "Ohm Boy" (mit seinem Megaphon-Kopf), die "Refugees Welcome"-Figuren von Icy&Sot oder das Marcel Wanders "Egg", sind beliebte Motive für Instagram & Co.. Fotografieren ist erlaubt (und auch erwünscht).

 

Fazit: Selbst wenn man nur kurz in Amsterdam verweilt, unbedingt ins hippe, avantgardistische Moco-Museum schauen. Es liegt direkt im Museumsviertel südwestlich der Grachtenzone Amsterdams.

 

Moco Museum

Honthorststraat 20

1071 DE Amsterdam

 

Sunday-Thursday 9-19, Friday-Saturday 9-20

Aids-Benefiz-Event im Dom: "Jedermann Reloaded" mit Mastermind Philipp Hochmair!

"Um den Tod dreht sich auch alles im berühmten Jedermann. Denn der kennt kein Reich, kein Arm, kein Homo- oder Heterosexuell, kein Alt oder Jung. Er ist unumgänglich - und wir haben nur eine Chance: Alles, was davor kommt in Liebe, Toleranz und gegenseitigem Respekt zu gestalten." So die gewohnt pathetischen Einführungsworte von Life Ball-Organisator Gary Keszler beim Benefiz-Event "Jedermann Reloaded im Dom".

 

Und tatsächlich passen bei dieser von Keszler und Kardinal Christoph Schönborn initiierten Veranstaltung alle Komponenten zusammen. Im theatralischen Mittelpunkt steht das "Spiel vom Sterben des reichen Mannes" von Hugo von Hofmannsthal, 1911 im Berliner Zirkus unter der Regie von Max Reinhardt uraufgeführt und seit August 1920 jährlich wiederkehrender Höhepunkt der Salzburger Festspiele.

 

Adaptiert wurde das Stück von Philipp Hochmair, einem der genialsten Schauspieler Österreichs. 1973 in Wien geboren, absolvierte er das Max Reinhardt Seminar und ein Konservatorium in Paris, war Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters und des Hamburger Thalia Theaters und glänzte u.a. als Mephisto, junger Werther und Dorfrichter Adam. Im Mainstream-TV kennt man ihn vor allem in seiner Rolle als aalglatter Politiker Schnitzler in den "Vorstadtweibern". Im August 2018 sprang er in Salzburg als Jedermann für den erkrankten Tobias Moretti ein. Dies war intellektuell deswegen möglich, da Hochmair seit 2013 an verschiedenen Standorten eine moderne Rock-Elektro-Version des Jedermann präsentiert. Begleitet von der Band Elektrohand Gottes verwendet er dabei die Original-Verse Hofmannsthals, spielt dabei aber (fast) alle Rollen selbst.

 

Auch im Wiener Stephansdom ist Hochmair das kraftvolle Epizentrum von "Jedermann Reloaded": Einmal stark geschminkt mit Camouflage Look, dann exzessiv mit nacktem Oberkörper und Bierflaschen in der Hand, dann wieder im goldenen Anzug oder umgeben vom goldenen Mammon. Für diese Spezialversion hat Hochmair zusätzlich hochkarätige Schauspielerinnen engagiert: Ulrike Beimpold als Buhlschaft, Erni Mangold als "gute Werke", Konstanze Breitebner als Mutter und Glaube und die Ex-Buhlschaft Sunnyi Melles als Teufelin. Als Tod ist das 8jährige derzeit im Musical "Bodyguard" agierende Jungtalent Siya Urbanitsch zu sehen, in Südafrika geboren und seit 2014 mit seiner Adoptivfamilie in Österreich. 

 

Siya ist nicht der einzige Konnex zu Südafrika. Die Benefiz-Veranstaltung am Vorabend des Welt-Aids-Tages hat nämlich das Ziel, Geld für das "Blessed Gerard´s Care Zentrum" des Malteser Ordens im südafrikanischen Mandeni zu lukrieren. Dort werden unter der Leitung des Paters Gerhard Lagleder 600 HIV-Patienten behandelt. Der durch die Jedermann-Sondervorstellung finanzierte Reinerlös von über 68.000 Euro (exkl. Spenden der 1600 Gäste) soll dabei die Versorgung der Patienten für einen Monat sichern.

 

Eine großartige Jedermann-Avantgarde-Show im Dom, Spenden für karitative Zwecke, zufriedene Gesichter im vorweihnachtlichen Reigen. Ein Win-Win-Event für alle...

 

 

Wiedereinstellungszusagen: AMS-"Zwischenparken" kostet Staat 500 Millionen Euro!

Egal, ob Bauwirtschaft, Tourismus oder Arbeitskräfteüberlassung, es ist seit vielen Jahren gängige Praxis der Unternehmen, Arbeitnehmer in Zeiten geringerer Auslastung auszusetzen und nach einer bestimmten Zeit je nach Auftragslage wiedereinzustellen. Eine Methode, bei der es nur einen Gewinner gibt: Den Unternehmer.

 

Rechtlich funktioniert dies meistens per Wiedereinstellungszusage bzw. -vereinbarung. Der Arbeitgeber beendet das Beschäftigungsverhältnis einvernehmlich und verpflichtet sich, denselben Arbeitnehmer nach einer festgelegten Zeit wieder zu beschäftigen. Was bedeutet das für den Arbeitnehmer? Er ist ab der Aussetzung beim AMS vorgemerkt und kassiert in Form des Arbeitslosengeldes nur mehr 55 % seines bisherigen Nettoeinkommens. Das Arbeitsmarktservice "toleriert" bei Wiedereinstellungszusagen zumeist eine Frist von 2 Monate, bis eine Vermittlung an Dritte begonnen wird.

 

Der Unternehmer dagegen erspart sich durch das "Zwischenparken" der Arbeitnehmer Personalkosten und - durch die spätere Wiedereinstellung - natürlich auch Kosten für Neuaufnahmen (wie Personalsuch- und Einarbeitungskosten). Abgewälzt werden diese Kosten auf den Staat bzw. die Arbeitslosenversicherung.

 

Das Wifo hat in einer Studie errechnet, dass - ohne Berücksichtigung der vom AMS zu zahlenden Sozialversicherungsbeiträge - für den Staat unmittelbare Mehrkosten in einer Größenordnung von rund 500 Millionen pro Euro Jahr entstehen. Prozentuell entsprach die "Layoff"-Arbeitslosigkeit 2017 einem Prozentpunkt der Arbeitslosenquote (von 8,5 %) bzw. 11,6 % der registrierten Gesamtarbeitslosigkeit. Betrachtet man nur die Wiedereinstellungen innerhalb von zwei Monaten, liegen die Mehrkosten für Arbeitslosengeld und Notstandshilfe noch immer bei beträchtlichen 110 Millionen Euro.

 

Während die neoliberale, rechtskonservative Regierung alle Hebel in Bewegung setzt, um Leistungen für Arbeitslose, Notstandshilfebezieher und Mindestsicherungsbezieher zu kürzen, bleiben Unternehmer in jeglicher Hinsicht finanziell verschont. Im Gegenteil: Auf der ÖVP-FPÖ-Agenda stehen die Ermäßigung von Umsatzsteuersätzen, die Abschaffung der Grunderwerbsteuer bei speziellen Firmenkonstruktionen, eine geplante Reduktion der Körperschaftssteuer (die de facto nur Großkonzerne entlastet) oder hier die sanktionslose Duldung von teils missbräuchlichen Aussetzungen. 

 

Eine Möglichkeit, die auf den Staat überwälzten Kosten stärker den Verursachern anzulasten, wäre beispielsweise di Einführung eines "Experience Rating" in der Arbeitslosenversicherung. Auch höhere Auflösungsabgaben sind denkbar. Nach der aktuellen Rechtslage ist neben dem Staat nur einer der Dumme: Der einfache Arbeitnehmer, der abgesehen von hohen Einkommensverlusten auch stets darauf achten muss, seine Arbeitslosengeldansprüche nicht zu verlieren...

U2 in Berlin: Tourabschluss im Geburtsort von "Achtung Baby"!

"People just came back, crazy U2-Fans!" - Das teilte Bono Vox live seiner Frau Ali Hewson in einer Videobotschaft mit. Und tatsächlich: Nach dem am 1. September wegen Stimmausfalls abgebrochenen Konzerts in der Berliner Mercedes Benz Arena waren die ca. 14500 Plätze beim Wiederholungsgig am 13. November wieder prall gefüllt.

 

Kein Wunder: Nicht nur, dass die Tickets (logischerweise) ihre Gültigkeit behielten, handelte es sich beim 2. Berlin-Auftritt nun um das Finale der aus 59 Konzerten bestehenden "Experience & Innocence"-Tour. Auch eine DVD-Veröffentlichung des legendären Konzerts hinter der East Side Gallery ist geplant.

 

Die diesjährige U2-Tournee begann am 2. Mai 2018 in Tusla (Oklahoma). Der erste Auftrittsort dürfte nicht ohne Absicht gewählt worden sein. In Oklahoma erreichte Donald Trump 65,3 % der Stimmen, und die erklärten Trump-Gegner U2 waren neugierig auf die Reaktionen bezüglich ihrer in der Show verankerten progressiven politischen Parolen. 27 Shows fanden in Nordamerika statt, 33 in Europa, die letzten vier vor Berlin alle in der irischen Hauptstadt Dublin, in der das Rock-Pop-Phänomen U2 seinen Ursprung gefunden hat.

 

Die Stimmung in Berlin war bereits Stunden vor dem Gig euphorisch, gespannt, nervös. Als die ersten Töne von Noel Gallaghers wunderschöner Hymne "It´s a beautiful World" (die hinsichtlich Aufbau, Klang und Botschaft auch von U2 stammen könnte) erklangen, wussten alle, dass das Erscheinen von Bono, The Edge, Adam Clayton und Larry Mullen auf dem Bühnen-Areal immer näher rückt. Vorher zeigte der über der Bühne hängende 29 Meter lange und 7 Meter hohe doppelseitige LED-Screen, liebevoll "barricage" genannt", noch Bilder von im Weltkrieg zerbombten Städten bzw. autoritär bzw. rassistisch agierende Politiker a la Putin und Trump. Dazu eingefügt: Clips von Charlie Chaplin aus dem Film "Great Dictator", der Frieden und Toleranz propagiert.

 

Unter tosendem Applaus erklingen dann die ersten Töne von "The Blackout". Im "Barricage" erkennt man die Silhouetten der irischen Musiker, die im Laufe ihrer fast 40jährigen Karriere über 170 Millionen Tonträger verkauft haben. Und tatsächlich performen U2 diesen Song auch innerhalb des riesigen Video-Screens, der durch einen inneren Gang begehbar ist. Es folgt der erste gefühlvolle Auftritt von Bono, "Lights of Home" aus dem aktuellen Album, langsam sich bewegend auf dem geneigten Walkway. Bis die vier Ex-New Waver sich fast 40 Jahre zurückbeamen: "I will follow", ein rockiger Live-Favourite aus dem 80er-Album "Boy", und "Gloria" werden auf der Main Stage inmitten kreischender Fans performt. Dann "Beautiful Day", der groovige Pop-Smash und Nr. 1-Hit (der auch von Kult-DJ Oakenfold geremixt wurde) aus dem Jahre 2000. Am 1. September war danach (unverschuldet) Schluss. Dieses Mal hielt die Stimme von Bono Vox, und zwar besser denn je...

"Are we ready for the ride of our Life, asked Bono, as Zoo Station opened up in Berlin tonight. We were ready." U2 kehrten am Ende ihrer "Experience & Innocence" dort zurück, wo die Zukunft der Band einst auf dem Spiel stand. Es war Anfang der 90er, und die vier Bandmitglieder hatten unterschiedliche Ansichten bezüglich der zukünftigen musikalischen Ausrichtung. Bono & The Edge waren inspiriert von der Rave-Szene Manchesters, den Einstürzenden Neubauten und den Nine Inch Nails, Clayton und Mullen wollten den erfolgreichen Stil der letzten Alben fortsetzen.

 

"1990 was quite a moment to be in Berlin. The Wall had come down ..... everywhere but in Hansa Studios, recording Achtung Baby, and it wasn´t going very well. In fact the Walls were going up in the U2 Band." In den legendären Hansa-Studios wenige hundert Meter südlich der (heute fiktiven) Berliner Mauer, in denen David Bowie "Heroes" oder Depeche Mode "People are People" produzierten, setzten sich die progressiven Geister durch. Unter der Regie von Brian Eno, der auch beim Konzert in Berlin von den 4 Dublinern begrüßt wurde. Als erste Single von "Achtung Baby" erschien "The Fly", "the Sound of four men chopping down The Joshua Tree". U2-Puristen schüttelten anfangs den Kopf, dann faszinierte der von Dance, Indie, Industrial und Trip Hop geprägte Sound die gesamte Fan-Community. 

 

Das Berliner Abschluss-Konzert war in diesem Sinne auch ein Tribute an die verrückt-kreative Berlin-Zeit von U2 ("We came here not to find ourselves but to get lost...sometimes young men just need to get lost").  Der "Achtung Baby-Zooropa"-Mittelteil (der bei der Nordamerika-Tournee nicht auf der Setlist stand), beginnt bereits mit dem selten gespielten "Dirty Day", dann dröhnt "Zoo Station" aus den Boxen, während Bono Vox unter einem riesigen Schild "U Bahnhof Zoologischer Garten" den Barricage-Walkway betritt. Dann einer der großen Highlights des Konzerts: "The Fly" mit Bono und The Edge auf dem Walkway, auf dem Video Screen darüber Zahlen, Buchstaben, Codes, Worte im Überschalltempo. Es folgt die Ballade "Stay" - im dazugehörigen Video hüpfte Bono Vox einst von der gigantischen Siegessäule im Berliner Tiergarten - und "Who´s gonna ride your Wild Horses". Nach den temporeichen 2000er-Hits "Elevation" und "Vertigo" steht dann "Even better than the Real Thing"(durch den Oakenfold-Remix damals auch in den Rave-Clubs en vogue)  auf der kleinen mit LED-Displays aufgerüsteten B-Stage inmitten der jubelnden Fans auf dem Programm. 

 

Auch ein alter Bekannter aus der Zoo-TV-Tour der 90er (die als Open-Air-Version gemeinsam mit Guns N Roses sogar auf der Wiener Donauinsel am 24. Mai 1992 Station machte) feierte ein Comeback in Berlin: MacPhisto. Durch einen Augmented Reality-Kamera-Filter wurde eine Teufelsfratze in das Gesicht von Bono projiziert. Die verzerrten Wortkreationen differierten je nach Auftrittslocation. In Berlin erklärte sich MacPhisto zum einzigen Gesicht hinter diversen Rechtspopulisten und Despoten wie Trump, Le Pen, Assad oder Putin: "There´s only one face attached to them. It´s mine." Wäre schön, wenn man alle mit denselben Waffen schlagen kann...

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"Die neue ArbeiterInnenklasse" - Veronika Bohrn Mena über prekäre Beschäftigung!

Ein junger Paketzusteller für die Post, nicht angestellt, sondern tätig als Einpersonen-Unternehmen für eine Subfirma. Pro Zustellung 45 Cent, abzüglich diverser Pönalen, Arbeitszeit meistens über 12 Stunden täglich. Soziales Leben fast Null, keine Frau, kaum Freunde. Eine Akademikerin, tätig als Lektorin an 4 verschiedenen Unis und Fachhochschulen, keine fixe Anstellung und auch kaum Hoffnung auf eine. Mit ca. 1000 Euro pro Monat lebt sie an der Armutsschwelle, an ein Kind ist derzeit nicht zu denken.

 

Zwei Lebensläufe, die die ehemalige Gründerin der Plattform "Generation Praktikum" und Gewerkschafterin Veronika Bohrn Mena in ihrem Buch "Die neue ArbeiterInnenklasse" beschreibt. Armut, Ausbeutung und geringe Bezahlung habe es in der Geschichte der Arbeit immer gegeben. Vor der Digitalisierung waren allerdings vorwiegend die unqualifizierten, schlecht ausgebildeten Arbeiter und manuellen Hilfsarbeiter betroffen. Jetzt habe sich "die Optik verändert", so die Autorin. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse findet man in allen Branchen, unabhängig vom Ausbildungsniveau und der Berufserfahrung der Arbeitnehmer. Was alle gemeinsam haben: Eine mangelnde soziale Absicherung, schlechte Bezahlung und vor allem unsichere Zukunftsperspektiven.

 

Auf einer Österreich-Karte zeigt Bohrn Mena bei der Buchpräsentation in der Wiener Arbeiterkammer, dass aktuell 34,6 % instabil beschäftigt sind, laut Statistik Austria 1,2 Millionen Menschen. Als "atypisch beschäftigt" bezeichnet man alle Formen, die vom klassischen "typischen" Normalarbeitsverhältnis mit unbefristeter Vollzeit abweichen. Fast 800.000 Menschen arbeiten in Österreich Teilzeit, vorwiegend Frauen, die zusätzlich noch mit zahlreichen Mängeln der öffentlichen Kinderbetreuung konfrontiert sind. 236.500 haben befristete Verträge, 201.000 sind geringfügig beschäftigt (und müssen sich selbst versichern). 84.900 sind Leiharbeiter, die bei Ausbleiben der Aufträge meistens Richtung AMS geschickt werden und dort auf das geringere Arbeitslosengeld angewiesen sind. 32.500 sind freie Dienstnehmer. Diese sind seit 2008 zumindest sozialversichert, einen arbeitsrechtlichen Schutz (Urlaub, kollektivvertraglicher Mindestlohn, Arbeitszeit,...) genießen diese nur bei Vereinbarung. In Österreich derzeit nur rudimentär erfasst sind sogenannte "crowd worker", die ohne irgendwelche Absicherung auf digitalen Plattformen vermittelte Kleinstaufträge on demand erledigen.

 

Veronika Bohrn-Mena hat in ihrem Buch zahlreiche Betroffene interviewt und dabei festgestellt, dass die prekär Beschäftigten großteils nicht unglücklich sind über ihre Situation. Und das, obwohl kaum Aufstiegschancen bestehen, eine unsichere (berufliche und private) Zukunft droht und auch Altersarmut nicht ausgeschlossen ist. Viele haben sich damit abgefunden, dass sie trotz Arbeit kein ausreichend erfülltes Leben führen, andere wiederum verstecken ihre Armut geschickt durch billige Supermarkt-Einkäufe und spartanische Einrichtungen. 

 

Die progressive Autorin und Gewerkschafterin dagegen fordert zum Widerstand und zur Solidarität aller Generationen auf. Jedermann hat Anspruch auf eine faire Entlohnung, Selbstverwirklichung im Beruf und auf ein menschenwürdiges Dasein, noch dazu in einer Zeit, in der immer mehr Tätigkeiten durch Computer und Roboter erledigt werden können.

 

Schwarz-Blau versetzt die neue Arbeiterklasse in zusätzliche Turbulenzen: 12 Stunden-Tag "auf Freiwilligkeit", die Beendigung der Aktion 20.000 (für ältere Arbeitnehmer), Studiengebühren für Berufstätige, Einschränkungen bei der Mindestsicherung und die geplante Abschaffung der Notstandshilfe (die Betroffene Richtung Mindestsicherung drängt und damit zur Vermögensverwertung verpflichtet) lassen erkennen, auf welchem Pfad die unsoziale, neoliberale, rechte Regierung unterwegs ist. Nach unten treten gegen Arbeitslose, Mindestsicherungsempfänger und Flüchtlinge und nach oben Geschenke verteilen an Großkonzerne in Form von Steuersenkungen, Steuerbeseitigungen und Pauschalstrafen.

 

Widerstand ist angesagt, da hat die engagierte Gewerkschafterin Veronika Bohrn Mena recht. Je schneller Schwarz-Blau Vergangenheit ist, desto besser für den sozialen Zusammenhalt in unserem Land.

Together in Retro Electric Dreams - The Human League in Berlin!

"Get around town, where the people look good, where the music is loud" - Irgendwann Anfang der 80er tobte in den englischen Clubs dieses narzisstische Lebensgefühl. Der Sound: New Wave, Electronic und die ersten Anleihen von Techno. Der Look: Sexy, ausgeflippt, extravagent. Natürlich fanden auch die Medien einen Namen für diese Szene: New Romantics. Zu den Paradiesvögeln der Nightlife Culture zählte auch der Sheffielder Sänger Philipp Oakey, der mit zwei in der Diskothek Crazy Daisy engagierten 18jährigen Collegegirls - Joanne Catherall und Susan Ann Sulley - die Clubs anheizte. Der Name der Formation: The Human League, benannt nach einem Science Fiction-Spiel.

 

Es war der Beginn einer Weltkarriere: 20 Millionen verkaufte Tonträger, zwei Nr. 1-Singles in den USA und zahlreiche Top Ten-Hits vor allem in England. David Bowie bezeichnete vor allem ihre Frühwerke als "The Sound of Future". Fast 40 Jahre später sind The Human League wieder on tour - mit dem noch immer topfitten Phil Oakey (jetzt mit Glatze statt mit Avantgarde-Tolle), den beiden Sängerinnen Joanne und Susan plus Band. Einer der Auftrittsorte der "Red"-Tour: Huxleys neue Welt im Hipster-Bezirk Neukölln, seit 1880 als Veranstaltungslocation genützt und zuletzt 1985 renoviert.

 

Bei fast ausverkaufter Halle starten Human League mit ihrem progressiven 81er-Hit "The Sound of the Crowd" die Zeitreise zurück in die 80er und 90er. Das schicke Trio weiß noch immer, was die Fans wollen. Keine Raritäten, keine strangen Remixes, sondern die Originalversionen ihrer großen Hit-Ära, die 1981 mit dem coolen Album "Dare" startete. Dieses wurde nicht nur über 5 Millionen Mal verkauft, sondern enthielt auch ihren Mega-Hit "Don´t you want me", der seltsamerweise als Auskopplung nie geplant war, schlussendlich aber zur meistverkauften Single des Jahres 1981 wurde. 

 

Der brillante Electro-Pop-Hit lief natürlich erst - in einer extralangen Version - vor den Zugaben. Vorher präsentierten Human League ein buntes Repertoire ihrer 40jährigen wechselnd erfolgreichen Karriere. "Love Action" (2004 als Sample für George Michaels "Shoot the Dog" verwendet), "Open your heart", der britische Hit-Favourite "Mirror Man", "Keep feeling Fascination", das gitarrenlastige "Lebanon" oder "Human". Letzterer überraschend R&B-lastiger Track wurde von Jimmy Jam & Terry Lewis arrangiert, die bis dahin nur "Black Acts" produzierten. Der Hit-Reigen für The Human League war damit auch (fast) zu Ende: "Romantic" mit der Single "Heart like a Wheel" erreichte kaum die Charts, das 95er-Comeback-Album "Octopus" stürmte zumindest die englischen Hitparaden. "Tell me when" gehörte allerdings zu den meistbejubelten Tracks der "Red"-Show.

 

Ebenso wie "Being Boiled", das Oakey ohne seine Girls präsentierte. Tatsächlich ist dieser Kraftwerk-ähnliche Track bereits 1978 mit differenter Bandbesetzung entstanden und später nach dem kommerziellen Durchbruch neu veröffentlicht worden. Beim Final Song waren die einstmaligen Backgroundsängerinnen dann in voller Euphorie wieder auf der Bühne: "Together in Electric Dreams". Zusammen mit der begeisterten Crowd träumen von einer Zeit, in der (scheinbar) alles besser war. Von der eigenen Jugend...

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Kylie Minogue in Vienna: Ein bunter Style-Clash aus Pop, Disco und Country!

70 Millionen Tonträger hat die gebürtige Melbournerin Kylie Minogue, im Mai 50 geworden, in den letzten 30 Jahren verkauft. In England kann sie 34 Top 10 Singles für sich verbuchen, nur Madonna ist dort erfolgreicher. Hierzulande besuchten gerademal 2500 Fans ihren Auftritt im Wiener Gasometer. Die wurden aber - trotz manch negativer Medienkritiken - nicht enttäuscht. 

 

Bereits der heiße Support der Liverpooler Gay Szene-DJ´s Sonic Yootha begeisterte die auch pinke Community in der Planet Music Hall. Disco- und House Classics zum Abshaken von KLF, C&C Music Factory, S-Express bis hin zu Schmachtfetzen wie "I promised myself" oder - sic est - "Yes Sir, I can boogie". 

 

Kylies 15. Live-Tour steht unter dem Motto ihres neuen Albums "Golden", das neben eingängigen Pop-Hits auch einige Country-Tracks enthält (die in einem Studio in Nashville aufgenommen wurden). Tatsächlich ist die flotte Show mit insgesamt 7 Kostümwechseln, einer bunten Tanzcombo (aus kessen Cow-Girls, Village People-Epigonen, Hipsters und Szene-Heroes) und zahlreichen Effects (wie einer Lasershow und einem Konfettiregen) ein rasanter Querschnitt durch die erfolgreiche Karriere der lange (und vielleicht noch immer) unterschätzten Künstlerin. Ihr Breakthrough Hit "The Locomotion" aus der Zeit mit Stock/Aitken-Waterman durfte da genauso wenig fehlen wie das Gay House-Anthem "Better the Devil you know", das Robbie Williams-Duett "Kids" oder ihr größter Hit, das von Cathy Dennis produzierte "Can´t get you out of my Head" aus dem September 2001. Leider ohne die ultracoole Clip-Choreographie und Fashion. Nur kurz angespielt wurde das Indie-Duett "Where the Wild Roses grow", Nick Cave war ohnehin nicht anwesend.

 

Zwischen countryangehauchten Liedern wie "A lifetime to repair" und "Shelby 68" ertönt der auf dem hippen Dance-Label Deconstruction erschienene Quality Track "Confide in me". Einer der Höhepunkte der Show ebenso wie das mit dem Human League-Klassiker "Being Boiled" gemashte "Slow", 2003 produziert von der Isländerin Emiliana Torrini. Optisch transformierten die Tänzer da zu einer ledernen Biker-Gang. Bis dann das legendäre Studio 54 endlich Eintritt gewährte und Kylie im schicken Glitterkleid aus dem Bühnentunnel stolzierte. "New York City", "On a Night like this" und "Spinning around" on the Dancefloor. Warum gerade das in Europa immens populäre "Your Disco needs you" nicht auf der Setlist stand, bleibt allerdings ein Rätsel.

 

Als Zugabe des Nostalgie-Trips winkten noch "Love at First Sight", zwei Spontan-Unplugged-Versions von "In my Arms" und "2 Hearts" und als Final Track die Hit-Single des neuen Albums "Dancing". Fazit: Eine lässig-poppige Hit-Revue im Stil eines modernen Musicals. Die sich mehr Resonanz und mehr freakige Besucher verdient hätte. 

 

 

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Indie-Rock from Canada - "Blondie" Emily Haines & Metric live im WUK!

WUK Wien im fast ausverkauften Hauptsaal. Man fühlt sich irgendwie in die 70er zurückversetzt oder zumindest fiktiv (da man zu dieser Zeit noch zu jung für Rockkonzerte war). Auf der Bühne eine charismatische blonde Sängerin mit Lederjacke, dazu ein paar Jungs, die mit temporeichem Gitarren-Sound die Massen zum Mitshaken und Mitrocken anheizen. "Denis", "One Way or Another", "Union City Blue" - "Blondie". Fehlanzeige.

 

Es ist 2018, und auf der WUK-Bühne in der Währinger Straße spielen sich Metric aus Kanada die Seele aus dem Leib. Metric - Das sind Emily Haines Vocals & Synthesizer (die auch schon Solo-Alben veröffentlichte, Trance-Giganten wie Tiesto ihre Stimme lieh und den Robert Pattinson-Film "Cosmopolis" soundtechnisch veredelte ), Gitarrist James Shaw, Bassist Joshua Winstead und Drummer Joules-Scott Key. Im Big Music Business ist die in Toronto gegründete Band bereits seit 1998, zwar ohne Mega-Hits, aber mit großartigen Alben und einer mitreißenden Rock-Show. Zuletzt waren sie im Sommer 2018 gemeinsam mit den Smashing Pumpkins on Tour.

 

Und natürlich ist der "Blondie"-Sound nur eine Facette ihrer musikalischen Finesse. Vor allem Frühwerke aus den Nullerjahren wie "Dead Disco", "Gimme Sympathy" oder "Monster Hospital" lassen eine Affinität zur 70er-80er-Punk-Disco-Ikone Deborah Harry erkennen. Und wie das (von Haines nie kommunizierte) Idol zeigt sich im Laufe der Jahre auch ein Wandel im Stil, mehr hin zu düster-elektronisch mit einem Schuss-Indie. Der neue Produzent Justin Meldal-Johnson war nicht umsonst Soundzauberer von Beck, Nine Inch Nails und M83. 

 

Und so finden sich im neuen bereits 7. Album "Art of Doubt", das Metric im Rahmen einer Tour weltweit vorstellen, großartige Tracks wie der prognostizierte Chartstürmer "Dark Saturday", die Rock-Hymne "Dressed to Suppress" oder das leicht melancholische "Now or Never now". Jetzt fehlt nur mehr der längst fällige internationale Durchbruch, die Herzen der Konzert-Fans haben Metric sowieso schon gebrochen...

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Jahresbericht: Gleichbehandlungsanwaltschaft fordert "Levelling-Up"!

Diskriminierungsfälle, Rechtsauskünfte, Informationsarbeit, Medienanfragen - Insgesamt 6130 Aktivitäten erledigte die Gleichbehandlungsanwaltschaft in den letzten beiden Jahren. Der Gleichbehandlungsbericht 2016/17, der jetzt dem Nationalrat vorgelegt wurde, führt die gehäufte Zunahme von Fällen auch auf die #metoo-Debatte und auf gesellschaftspolitische Probleme im Zusammenhang mit Flucht und Migration zurück. Zahlreiche Diskriminierungsfälle landeten auch vor der Gleichbehandlungskommission. Der Senat I beispielsweise behandelte 70 Fälle im Bereich der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts hinsichtlich der Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Die Anzahl der Fälle mit sexueller Belästigung betrug 32, diejenigen mit mangelnder Abhilfe bei sexueller Belästigung 19. Auch die Anzahl der Männer, die sich dem langwierigen Verfahren vor der Gleichbehandlungskommission stellen, wird stetig größer.

 

Abgesehen von budgetären Einschränkungen und einem Bedarf nach höheren personellen Ressourcen (inkl. Social Media) existieren im aktuell geltenden Gleichbehandlungsrecht allerdings zahlreiche inhaltliche und verfahrenstechnische Lücken, deren Beseitigung von (rechts)konservativen Parteien seit Jahren verhindert wird.

 

Wichtigste Forderung der Gleichbehandlungsanwaltschaft ist die Angleichung des Schutzniveaus aller Diskriminierungsmerkmale, das sogenannte "Levelling-Up". So ist beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen nur eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der ethnischen Zugehörigkeit (also aufgrund der Herkunft und der Rasse) verboten, NICHT allerdings aufgrund der Religion, der Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung. Letztere Merkmale sind nur in der Arbeitswelt geschützt. 

 

Dadurch können sich widersprüchliche, systemwidrige Fallkonstellationen ergeben. Ein homosexueller Kellner kann sich bei einer Kündigung aufgrund seiner sexuellen Orientierung auf das Gleichbehandlungsgesetz berufen, ein lesbisches Pärchen dagegen kann (wie einst im Wiener Cafe Prückel) ohne Sanktionen aus dem Lokal verwiesen werden. Keine Diskriminierung im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes liegt auch dann vor, wenn eine Wohnung an ein homosexuelles Pärchen nicht vermietet wird oder ältere Personen in eine Diskothek nicht eingelassen werden.

 

Im allgemeinen muss die sich diskriminiert fühlende Person keinen Vollbeweis führen, sondern den Diskriminierungstatbestand glaubhaft machen. Der Beklagte wiederum muss beweisen, dass es wahrscheinlicher ist, dass ein anderes Motiv für die unterschiedliche Behandlung ausschlaggebend war. Experten fordern hier gemäß den EU-Richtlinien eine Herabsetzung der Beweislast in dem Sinne, dass der Kläger nur Tatsachen (und keine weitergehende Diskriminierungsabsicht) glaubhaft machen muss, die eine Diskriminierung vermuten lassen. 

 

Andere Vorschläge der Gleichbehandlungsanwaltschaft umfassen die Einführung eines Diskriminierungsgrundes "Soziale Herkunft", eine Weiterentwicklung der Einkommensberichte, eine Angleichung der Fristen für die gerichtliche Geltendmachung von Ansprüchen (auf mindestens 3 Jahre), eine Verbesserung der Wirksamkeit der Bestimmungen zu Stellenausschreibungen und Wohnungsinseraten und eine gerichtliche Beteiligung der Gleichbehandlungsanwaltschaft in Form von erweiterten Feststellungsklagen, Prozessstandschaften oder Verbandsklagen. Derzeit kann die Gleichbehandlungsanwaltschaft von Diskriminierung Betroffene nur im Verfahren vor der Gleichbehandlungskommission begleiten. Eine gerichtliche Feststellungsklage ist allerdings dann zulässig, wenn die Entscheidung der Gleichbehandlungskommission sich mit der Rechtsauffassung der Gleichbehandlungsanwaltschaft nicht deckt.

 

Zahlreiche weitere Reformvorschläge sind in den zwei Bänden des aktuellen Gleichbehandlungsberichts nachzulesen, die auf der Parlamentswebsite abgerufen werden können. Vorrangig sollte ein Levelling-Up für alle Diskriminierungsmerkmale normiert werden. Dies fordert auch der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen und ist auch state of art in den meisten EU-Mitgliedstaaten. Dieser Wunsch nach einer progressiven Novelle des Gleichbehandlungsgesetzes wird allerdings bei einer "rechtskonservativen" Regierung aus ÖVP und FPÖ ungehört bleiben...

"Eat, Sleep, Rave, Repeat!" - UK-Superstar Fatboy Slim in der Grellen Forelle!

Im Juli 2002 spielte Quentin Leo Cook aka Fatboy Slim vor 250.000 Menschen auf dem Brighton Beach. Halloween 2018 hatte der britische DJ und Produzent Zeit für ein Gastspiel in Wien, im coolen Undergroundclub Grelle Forelle an der Spittelauer Lände. Für ihn kein Widerspruch.

 

"Ich habe nie aufgehört, in Clubs aufzulegen. Der Club ist eher der Ort, in dem du experimentierfreudiger bist, auch mal einen neuen Track live ausprobierst.", so der Miterfinder des Big Beat, einer rund um Samples und Breakbeats konzipierten Stilrichtung elektronischer Musik. Und so enthielt die Setlist seines fast 2 1/2-stündigen Auftritts in der Grellen Forelle keine Greatest Hits-Mix-Show (die es mit "Rockafeller Skank", "Praise You" oder "Right here, right now" zur Genüge gäbe), sondern eine bunte Mixtur aus House, Techno, Acid und Ibiza Beats. 

 

Gestartet wurde - nach einem temporeichen UK-House-Set von DJ (und FM4-Moderator) Kristian Davidek - pünktlich um 2 Uhr früh. Mit "Renegade Master" und seinem letzten großen Chart Hit "Eat sleep rave repeat", sozusagen als Erkennungsmerkmal, dass der Meister hinter den Turntables steht. Die DJ-"Kanzel" ist zwar gegenüber der Tanzfläche leicht erhöht, aber seitlich abgeschlossen, sodass man aufgrund der dunklen, undergroundigen Club-Atmosphäre den DJ aus weiterer Entfernung kaum erblickt. Trotz der genialen Licht-Installationen des Wiener Visuals-Kollektivs Neon Golden.

 

Party-Fotos und Videos wird man von der Grellen Forelle übrigens nur spärlich finden. Denn die Club-Chefs betreiben - ähnlich dem "Berghain" und dem "Watergate" in Berlin - ein striktes Foto- und Filmverbot im gesamten Areal, das - trotz seiner exponierten Lage am Donaukanal - ca. 700 Techno- und Housefreaks beherbergen kann. Die Grelle Forelle zählt auch zu den wenigen Wiener Clubs mit einer klaren politischen Haltung: Gegen Diskriminierung, für Toleranz. Unterstrichen wurde dies 2013 durch ein Facebook-Posting, dass FPÖ-Wähler im Club nicht erwünscht seien.

 

Dem nunmehr 55jährigen Fatboy Slim, der dieses Jahr auch als Resident-DJ im Pacha Ibiza fungierte, dürfte die kühl-minimalistische Stimmung und die volle Tanzfläche bis fast 5 Uhr früh gefallen haben. Nach einem härteren Acid House-Mix kletterte der britische Superstar auf das DJ-Pult und animierte die Techno-Schar zum Mitklatschen, Niederhocken und Aufspringen. Als letzte Zugabe um halb fünf: "Strings of Life", der geniale 80er-Ibiza-Klassiker in einem Remix seines DJ-Kollegen Mark Knight. Der Sommer ist nur vorbei, wenn man es zulässt :-)

Fotos Fatboy Slim by Ulrike W. (Facebook)

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UVP-G-Novelle: Schwarz-Blau beschränkt Parteien-Rechte der Umwelt-Vereine!

"Hände weg von Umwelt- und Bürgerrechten" - Mit diesem Slogan demonstrierten ca. 20 Greenpeace-Aktivisten früj Morgens auf dem vor dem Parlament platzierten Kran. Grund dieser Aktion war eine Novelle des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes (UVP-G), die trotz der Proteste einige Stunden danach - als letzter (!) Punkt der Tagesordnung - mit schwarz-blauer Mehrheit beschlossen wurde.

 

Das auf einer EU-Richtlinie basierende UVP-Gesetz hat das Ziel, Umweltschäden zu vermeiden und vorwiegend Großprojekte (wie Kraftwerke, Straßen, Flugplätze, Industrieanlagen oder Freizeitparks) einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen. Auch Umweltorganisationen haben bei derartigen Verfahren seit Juni 2005 Parteistellung und somit - genauso wie Nachbarn, Standortgemeinden, Umweltanwälte oder die neu installierten Standortanwälte - das Recht, im Genehmigungsverfahren Rechtsmittel an das Bundesverwaltungsgericht bzw. Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof zu erheben.

 

Diese Parteienrechte wurden durch die ÖVP-FPÖ-Regierung nun radikal eingeschränkt. Und zwar insofern, als nur mehr jene Umweltvereine Parteienstellung haben, die mindestens 100 Mitglieder aufweisen. Ein Verband muss weiters mindestens fünf Mitgliedsvereine umfassen. Die ursprüngliche Regelung verlangte zusätzlich eine Liste der Vereinsmitglieder mit Name und Anschrift, die dem Antrag beigefügt werden sollte. Diese datenschutzrechtlich bedenkliche Regelung (mit dem augenscheinlichen Ziel, Aktivisten einzuschüchtern) wurde durch einen Abänderungsantrag entschärft: Die Zahl der Mitglieder müsse jetzt "nur" der Behörde glaubhaft gemacht werden, beispielsweise durch die Bescheinigung eines Notars oder eines Wirtschaftsprüfers.

 

Weiter im Gesetz normiert ist allerdings das Mindesterfordernis von 100 Mitgliedern, was bedeutet, dass ca. zwei Drittel der Umweltvereine am UVP-Verfahren nicht mehr teilnehmen können. Verfassungsexperten sehen darin auch eine europarechtswidrige Auslegung der Richtlinie. Bereits 2009 habe der EuGH in einem Urteil gegen Schweden eindeutig klargestellt, dass eine alleinige Mitglieder-Grenze für die Anerkennung zur Parteienstellung von Umweltschutzorganisationen nicht mit den Zielen der UVP-Richtlinie vereinbar ist, so Global 2000. Zusätzliche Kriterien wie regelmäßige Ausstellungen zum Thema oder starke Teilnahme an Begutachtungsverfahren sollten wie beim "schwedischen Modell" zum Beleg des öffentlichen Interesses herangezogen werden. 

 

Die rüde Vorgangsweise von Schwarz-Blau gegenüber Umwelt-NGO´s zeigt ganz deutlich, dass der rechtskonservativen Regierung die Großkonzerne wichtiger sind als die Umwelt. In diese Richtung zielt auch das geplante "Standortentwicklungsgesetz", das eine automatische Genehmigung eines Großprojektes normiert, wenn die Umweltverträglichkeitsprüfung länger als ein Jahr dauert. Der Gesetzesentwurf verstößt laut renommierter Wiener Verwaltungsjuristen allerdings gegen derartig viele Grundsätze des Europa- und Verfassungsrechts, dass vermutlich sogar Schwarz-Blau Angst hat, sich im Nationalrats-Plenum lächerlich zu machen...

"Family Business" - Kim Wilde mit "Aliens"-Tour in der Ottakringer Brauerei!

"Here come the Aliens" - So nennt sich nicht nur das brandneue Album, sondern auch die aktuelle Tour von Kim Wilde. Man hätte sie auch "Family Business" nennen können, stehen doch neben der 1960 als Kimberley Smith geborenen Londonerin noch Bruder Ricky Wilde (auch für die Produktion zuständig) und Nichte Scarlett Wilde (die obendrein das kreative Artwork des neuen Albums gestaltete) auf der Bühne. Was dem Konzert-Vergnügen aber nur gut tut. Man merkt während der gesamten Show die positive Chemie und die Leichtigkeit zwischen den Familienmitgliedern.

 

Auch die Setlist und die Songversionen beim Auftritt in der extravaganten Location der Wiener Ottakringer Brauerei sind schlau gewählt. Einerseits Retro back zu den großen Hits der Vergangenheit (in rockigeren Mixes) andererseits ein Querschnitt aus dem neuen "Aliens"-Album. Das wie einst in den 80ern von Bruder Ricky Wilde produziert wurde und neben elektronischen Tracks wie "Kandy Krush" oder "Cyber Nation War" auch Songs (wie "Stereo Shot", die Ballade "Solstice" oder "Birthday") enthält, die durchaus aus der Dekade der 80er stammen hätten können.

 

Zum Mitklatschen, Mitsingen oder Schwärmen über eine längst vergangene Zeit dienten dem altersmäßig weit gestreuten Publikum allerdings vorwiegend die Greatest Hits von Kim Wilde aus den Eighties. Egal, ob die US-Nr. 1 "You keep me hangin´ on" (ein Supremes-Cover), die New Wave-Klassiker "View from a Bridge" oder "Cambodia" (der über einen verschollenen Militärpiloten handelt) oder die aus dem 88er-Album "Close"  stammenden Hits "Never trust a Stranger", "You came", "Hey Mr. Heartache" und "Four Letter word". Die damals weltweit so erfolgreich waren, dass Kim Wilde sowohl als Support bei der Michael Jackson-"Bad"-Tour als auch bei der David Bowie-"Sound & Vision"-Tour verpflichtet wurde.

 

Der Erfolg der "Bardot der Popmusik" (so die deutsche Teenie-Gazette "Bravo einst in den 80ern") ebbte in den 90ern mit dem kommerziellen Durchbruch der Grunge-, Techno- und House-Szene ständig ab. Wilde verlegte sich aufs Musical ("Tommy"), gründete eine Familie mit zwei Kindern und war im britischen TV als Landschaftsgärtnerin zu sehen. Mit Nena stürmte sie 2003 mit einer englischen Version von "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" die Pop-Charts. Diesen Song gab es in der Ottakringer Brauerei - trotz einer Nr. 1-Platzierung in Österreich - leider nicht zu hören. Stattdessen allerdings als letzte Zugabe ihren ersten Superhit "Kids in America". Für ganze 5 Minuten fühlten sich alle Besucher wieder jung, frech und unwiderstehlich. Die großartige Kim Wilde sowieso...

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"Der Wein des Vergessens" -Buchpräsentation von Streibel & Hermann im Wiener Thalia

Mai 1937 - Fronleichnam in Krems. Drohendes Unheil kündigte sich bereits in der (anvisierten) Gauhauptstadt an. Beim Festumzug liefen zahlreiche Besucher bereits mit Hakenkreuz-Ansteckern herum, und sogar in der Alten Post beim Steinertor wurden Homosexuelle und Juden mit Sprüchen wie "Die Warmen sind wieder da" oder "Irgendwann werden die Juden nichts mehr zu bestellen haben" diskriminiert und beschimpft. 

 

In dieser Zeit beginnt der dokumentarische Roman "Der Wein des Vergessens" der Kremser Robert Streibel und Bernhard Hermann, den die beiden Historiker nicht nur am Tatort Krems, sondern auch im Thalia Wien präsentierten. Grundlage der schockiereden Tatsachenfeststellungen ist eine Metallkassette mit Briefen und Dokumenten, die Hermann 2008 in der Salzburger Wohnung seiner verstorbenen Cousine fand. Darin enthalten auch Informationen über die Arisierung eines Kremser Weinbaubetriebes im Jahre 1938, der Sandgrube 13. Diese war bis zum Anschluss im Besitz des jüdischen Geschäftsmannes Paul Robitschek, der eine homosexuelle Beziehung mit dem umtriebigen Gesellschaftslöwen August Rieger führte. 

 

Beide kamen in Konflikt mit dem Kremser Gemeinderat (!) und NSDAP-Mitglied Franz Aigner, der mit Unterstützung von mehr als 100 Weinbauern das Weingut Robitscheks enteignete und arisierte. Und das, obwohl Robitschek seinem Freund Rieger das Weingut vor Inkrafttreten der deutschen Eigentumsgesetze rechtmäßig verkaufte. Robitschek flüchtete aus Angst vor einer KZ-Deportation nach Triest, dann nach Frankreich (wo er als deutscher Spion - sic est - verhaftet wurde), Lissabon und Caracas, wo er nach Ende des Kriegs im Exil starb. Gefundene Tagebuchaufzeichnungen machen die unglaubliche Geschichte zusätzlich faktengetreu nachvollziehbar. 

 

Nicht unbedingt zum Wohlgefallen der heutigen Sandgrube-Geschäftsführer, die monatelang den Kontakt mit Streibel und Hermann ablehnten und erst zwei Wochen nach Erscheinen des Buchs persönliche Gespräche anbahnten. Es gebe allerdings nach der Einschätzung Streibels keine Hinweise darauf, dass jemand im gegenwärtigen Umfeld der 1938 (!) gegründeten Winzergenossenschaft von der Arisierung der Sandgrube Bescheid gewusst hätte. 

 

Auch keine Ahnung von dieser Familiengeschichte hatte die 71jährige Nichte Anita Robitschek, die von der Sandgrube-Geschäftsführung nach Krems eingeladen wurde. Konsultiert wird auch eine Historikerkommission unter der Leitung von Brigitte Bailer-Galanda vom Dokumentationsarchiv.

 

Krems-NS-Experte Streibel machte während der Buchpräsentation auch darauf aufmerksam, dass Krems die erste Stadt mit einem Nazi-Bürgermeister war. Die Christlichsozialen hatten damals zwei Optionen, sie wählten nicht den Roten, sondern den NSDAP-Kandidaten zum Stadtoberhaupt. Auch eine klare Warnung an die aktuellen Stadtpolitiker (und die Wähler), dass rechte Kräfte nie wieder im wunderschönen Krems an die Macht gelangen dürfen...

 

Der historische Roman "Der Wein des Vergessens" kann hier bestellt werden:

 

https://www.residenzverlag.com/buch/der-wein-des-vergessens

U2 mit "Experience & Innocence"-Tour der Superlative in Amsterdam!

'Four Irish boys come to the great port of Amsterdam to play a club called the Milky Way, it’s still here, de Melk Weg,  and the whole universe changes in them…" - So die Worte des charismatischen U2-Frontmans Bono Vox bei den ausverkauften Konzerten im gigantischen Ziggo Dome im Süden der niederländischen Hauptstadt.

 

170 Millionen Alben hat die in Dublin 1976 gegründete Band, bestehend aus Paul David Hewson aka Bono Vox, Gitarrist "The Edge" David Howell Evans, Bassist Adam Clayton und Drummer Larry Mullen, seither verkauft, das aktuelle 13., "Songs of Experience", stellt inhaltlich und auch showtechnisch mit Nr. 12, "Songs of Innocence", eine Einheit dar. Aufgrund der Änderung der politischen Lage in Richtung Nationalismus, Rechtspopulismus und Fake News - Stichworte Brexit und Trump - wurde das neueste Album terminlich auf Dezember 2017 verschoben. U2 widmeten dazwischen ihrem legendären Meisterwerk "Joshua Tree" eine 30th-Anniversary Tour. Wermutstropfen: Bei der Experience & Innocence-Tour stehen "With or Without you" , "I still haven´t found what I´m looking for" oder "Where the Streets have no Name" nicht auf der Setlist. Es sollte aber der einzige bleiben.

 

Abseits der großartigen Songs: Das futuristische Bühnenkonzept der Dubliner mit einer A-Front-Stage, einer kreisförmigen B-Stage direkt inmitten des Publikums, zusätzlich versehen mit Floor-Videokameras, und dem sogenannten "barricage", einem 29 Meter langen LED-Screen mit einem inneren Gang, der unmittelbar über dem Verbindungssteg zwischen den Bühnen hängt, ist einzigartig und wird in den nächsten Jahren von vergleichbaren Bands schwer zu toppen sein. Was U2 zusätzlich von zahllosen anderen Künstlern unterscheidet: Seit Bestehen der Band setzt sich die Band für Freiheits- und Menschenrechte, Frieden, Umverteilung und Gerechtigkeit ein. Derzeit wichtiger denn je.

 

Vor dem Opener "Blackout" hält Charlie Chaplin als "Great Dictator" eine euphorische Rede über Frieden und Toleranz. Bei "Summer of Love" thematisieren U2 per Video Screen die Flüchtlingskrise und stellen diese konträr zum aufkeimenden Rechtsradikalismus und Nationalismus in Europa. Bilder von Demonstrationen mit Slogans wie "Refugees Welcome" und "Stop Neofascism" unterstreichen die politische Linie der Dubliner, im Hintergrund hämmert bereits der 85er-Mega-Hit "Pride - In the Name of Love", damals Friedensnobelpreisträger Martin Luther King gewidmet.

 

Wiederauferstehen ließen U2 bei der neuen Tour das diabolische Alter Ego von Bono Vox, "MacPhisto", bekannt aus der progressiven, medienkritischen 93er-Zoo-TV-Tour. Für das liberale, weltoffene Amsterdam spielte die per Videofilter konstruierte Figur mit xenophoben Gelüsten: "'So many bridges around here. You need to build some walls… to keep out all the different people that you don't want in Europe. Because you don't want to be a part of Europe because its full of foreigners… and we don't like f-f-f-f-f-f foreigners!"

 

Beim 83er-Hit "New Years Day" erstrahlt im Hintergrund eine riesige Fahne der Europäischen Union. Kein Wunder, U2 gelten seit jeher als Verfechter eines gemeinsamen, solidarischen Europas. "Europe is an amazing romantic idea that we speak in so many different languages but with one voice", so Bono Vox bei einer Pressekonferenz. Präsentiert wird in der Show - direkt vor den Zugaben - auch die Kampagne "Poverty is sexist" von Bonos Charity Organisation "One". Zu sehen ist darin auch die Tochter von "The Edge", Sian Evans.

 

Die U2-Tour läuft in den europäischen Arenen noch weiter bis 13. November. Das Abschlusskonzert findet aufgrund des Abbruchs am 1. September jetzt in Berlin (und nicht in Dublin) statt und wird auch auf DVD veröffentlicht-. Wie es mit U2 konzertmäßig weitergeht, steht in den Sternen. Eine längere Live-Pause dürfte leider als sicher gelten, wenn man die Worte von Bono Vox in Amsterdam heranzieht: ""This is it. It's the end of the night. We don't know when we'll see you again. This has been a great country for us for so many years. This city has spoiled us. We won't forget it. Thank you for two really special nights."

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ÖVP-FPÖ-Familienbonus: Bonbons für die Reichen, Almosen für die Armen!

324.000 Kinder und Jugendliche in Österreich sind armutsgefährdet. 54.000 Kinder in unserem Land müssen auf ein nahrhaftes Essen verzichten, 180.000 leben in Haushalten, die unerwartete Ausgaben wie beispielsweise den Ersatz einer kaputten Waschmaschine nicht bewältigen können, so die neuesten Zahlen der Volkshilfe. Der ab 1. Jänner in Kraft tretende "Familienbonus" wird daran nichts ändern. Im Gegenteil, er wird für eine weitere Umverteilung von unten nach oben führen.

 

Ein plakatives Beispiel: Ein freiheitlicher Nationalratsabgeordneter mit einem Monatsgehalt von 9000 Euro (14x) und 6 Kindern wird pro Jahr um 9000 Euro steuerlich entlastet (6 mal 1500), eine in einem Supermarkt oder einem Friseurshop teilzeitbeschäftige, alleinerziehende Mutter erhält ein Almosen von 250 Euro pro Kind. Und den Hohn des Bundeskanzlers Kurz, der tatsächlich behauptet, kleine Einkommen werden durch diese Maßnahme profitieren.

 

Im Bundesgesetzblatt taucht der "Familienbonus Plus" im sogenannten "Jahressteuergesetz" als Novelle des Einkommensteuergesetzes auf. Konzipiert ist er als Absetzbetrag, der - mit einer kleinen Ausnahme - nur jene Arbeitnehmer begünstigt, die Steuern zahlen. Laut einer Statistik zahlt 1/3 der Arbeitnehmer aufgrund ihrer geringen Einkommen keine Steuern, und das sind gerade jene, die auf finanzielle Hilfe angewiesen sind.

 

Der Familienbonus beträgt 1500 Euro pro Jahr, seltsamerweise für (studierende) Kinder ab 18 nur mehr 500 Euro. Für Kinder, die sich ständig in einem anderen EU-Mitgliedstaat aufhalten, wird der Familienbonus an das dortige Preisniveau angepasst. Eine Maßnahme, die mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen europarechtliche Vorschriften verstößt und zu einem Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich führen könnte.

 

Nach heftigen Protesten wurde auch für nicht steuerzahlende Familien ein sogenannter "Kindermehrbetrag" eingeführt. Dieser beträgt lächerliche 250 Euro pro Kind. Er steht allerdings nicht zu, wenn jemand mindestens 330 Tage Arbeitslosengeld, Notstandshilfe, Mindestsicherung oder eine Leistung aus der Grundversorgung bezieht. Ein weiterer Tritt von Schwarz-Blau gegen die Ärmsten der Armen unserer Gesellschaft.

 

Der bei der Lohnverrechnung oder der Arbeitnehmerveranlagung zu berücksichtigende Familienbonus kommt erst ab einem monatlichen Bruttoeinkommen von ca. 1700 Euro voll zur Geltung, bei einem Kind. Hat man zwei Kinder, muss das Bruttoeinkommen bei mindestens 2300 Euro liegen. Hier muss auch darauf hingewiesen werden, dass vielen Arbeitnehmern auch andere Abzugsposten (wie Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen) zustehen und daher das individuelle Bruttoeinkommen zur Geltendmachung des Familienbonus viel höher liegen muss. Eine Deckelung für kinderreiche Superreiche ist nicht vorgesehen. Sozusagen eine babytechnische Spielwiese für die vermögensreiche Kurz-Klientel, die sich finanziell auszahlt.

 

Oft nicht erwähnt wird in einigen inseratengesteuerten Medien, dass zwei Begünstigungen für Familien gestrichen werden. Sowohl der Kinderfreibetrag (440 Euro bzw. 2 mal 300 Euro bei Inanspruchnahme durch beide Elternteile) als auch die Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten (mit bis zu 2300 Euro pro Kind und Jahr bis zum 10. Lebensjahr) fallen ersatzlos weg.

 

Budgetär werden für den Familienbonus 1,5 Milliarden Euro jährlich veranschlagt. Für die einkommensschwächsten 30 Prozent der Familien stehen dabei nur 17 Prozent zur Verfügung, Frauen bekommen aufgrund ihrer geringeren Einkommen und Teilzeitbeschäftigungen weniger als ein Viertel des Gesamtvolumens. 

 

Die rechtskonservative Regierung hätte das aufgrund der guten Wirtschaftszahlen vorhandene Geld auch anders verwenden können. Vor allem geringverdienende Familien, die - in überproportionalem Ausmaß - ebenso Steuern, nämlich Sozialversicherungsbeiträge und Konsumsteuern zahlen, brauchen Unterstützung jeglicher Art. Die Alternativen reichen hier von einem kostenlosen zweiten Kindergartenjahr für alle, Gratis-Nachmittagsbetreuung, eine Verlängerung der Öffnungszeiten der Kindergärten (vor allem auf dem Land) bis hin zu mehr qualifiziertem Personal für die einzelnen Kindergartengruppen.

 

Mit dem Familienbonus-Geld hätte man übrigens die Familienbeihilfe für alle um 72 Euro pro Monat anheben können, 860 Euro also zusätzlich auch für die ärmsten Einkommensschichten. Die unsozialste Regierung der 2. Republik denkt allerdings anders. Sie verteilt gnadenlos um: Von Unten nach Oben. Bis sie abgewählt wird. Hoffentlich ist das bald der Fall.

Amsterdam 2018 - Liberal, leidenschaftlich, progressiv und kulturaffin!

18 Millionen Touristen pro Jahr können nicht irren. Amsterdam, die wunderschöne niederländische Hauptstadt, lockt mit seinen bezaubernden Grachten, dem liberalen Lebensstil und seinen kulturellen Genüssen immer mehr Besucher weltweit an. Experten schätzen, dass der Massentourismus noch weiter steigen wird, und fordern vor allem in der überfüllten Innenstadt eine (leichte) Gegensteuerung: Weniger Fastfoodlokale und Souvenirshops, ein Verbot der Airbnb-Privatzimmervermietung und höhere Hotelpreise aufgrund einer Erhöhung der Touristensteuer. Die Attraktivität Amsterdam wird dadurch aber garantiert nicht leiden.

 

Vor allem der im 17. Jahrhundert entstandene Grachtengürtel (mit Heren-, Keizers- und Prinsengracht) mit seinen schmalen Häusern, alten Brücken und lässigen Hausbooten fasziniert in allen Jahreszeiten die Urlauber. Bei Schlechtwetter bietet Amsterdam ein kulturelles Angebot der Superlative. Epizentrum der klassischen und zeitgenössischen Kunst ist der Museumsplein mit dem Van Gogh Museum, dem Rijksmuseum und dem architektonisch progressiven Stedelijkmuseum. Banksy-Fans haben derzeit die Möglichkeit, eine Ausstellung des Street Art-Avantgardisten im Mocomuseum zu visitieren. Direkt an der Prinsengracht liegt das legendäre Anne Frank Huis mit einem integrierten Museumsgebäude, in dem sich die 1,3 Millionen Besucher (2017) mit der schrecklichen Vergangenheit des Nationalsozialismus auseinandersetzen können.

 

Beliebtestes Fortbewegungsmittel ist das Fahrrad - auf 850.000 Einwohner kommen 881.000 Bikes, die für Amsterdam-Newcomer anfangs noch für verkehrstechnische Irritierungen sorgen. Mit der Fähre gratis kann man hinter dem Hauptbahnhof Amsterdam Centraal direkt Richtung Noord-Distrikt shippern. Dort wartet mit "Adam´s Lookout" der höchste Aussichtspunkt der Stadt. Mit Techno-Sound im Aufzug gelangt man - zum Preis von 13,50 Euro - innerhalb weniger Sekunden auf die Plattform eines 100m hohen Wolkenkratzers, Rooftop-Bar, Restaurant und Schaukel-Nervenkitzel (zum Extra-Preis) inklusive. 

 

Auch ohne Special Festivals (wie dem jährlich stattfindenden Amsterdam Dance Event) zählt das Nightlife in Amsterdam zu den besten Europas: Cool-trashige Kneipen an jedem Ende mit Schwerpunkt Leidseplein und Rembrandtplein, Diskotheken, Konzert-Arenen, kleine Clubs füllen täglich die Veranstaltungskalender. In speziellen Coffeeshops haben Cannabis-Fans die Möglichkeit, legal ihren Joint zu genießen. Auch die Gay Szene fühlt sich im liberalen Amsterdam wohl, und das nicht nur während der besonders glamourösen Pride direkt am Grachtengürtel. Einzigartig ist auch der Red Light District direkt im konservativen Kirchen-Areal, in dem Prostituierte ungeniert in Schaufenstern ihre Dienste anbieten. Fotografieren allerdings strikt verboten. Zumindest hier hat die Tradition im Sinne des ältesten Gewerbes der Welt Vorrang :-)

Schwarz-Blau kürzt Familienbeihilfe für ausländische Pflegerinnen - NICHT für Diplomaten.

Ca. 65.000 osteuropäische Pflegerinnen arbeiten in Österreich und versorgen unsere Eltern und Großeltern rund um die Uhr. Als Gage erhalten sie für eine 70 Stunden-Woche durchschnittlich magere 1000 Euro. Ca. 1/3 dieser Pflegerinnen erhält aufgrund einer EU-Richtlinie Familienbeihilfe für ihre im Ausland lebenden Kinder, die mangels anderer Alternativen (höheres Pflegegeld, höherer Grundlohn) auch als "Zusatzentgelt" betrachtet werden kann. Gerade für diese Ärmsten der Armen kürzt die ÖVP-FPÖ-Regierung die Familienbeihilfe und den Kinderabsetzbetrag. Im Gegensatz zu den reichen Diplomatenclans.

 

Der Familienausschuss des Nationalrats hat mit schwarz-blauer Mehrheit beschlossen, dass ab 1. Jänner 2019 die Familienbeihilfe für im Ausland lebende Kinder an das Preisniveau der einzelnen EU-Mitgliedstaaten angepasst werden soll. Das bedeutet, dass beispielsweise in der Schweiz, Dänemark oder Schweden lebende Kinder mehr Familienbeihilfe (derzeit zwischen 114 und 165,10 Euro monatlich) und einen höheren Kinderabsetzbetrag (derzeit 58,40 Euro monatlich) erhalten, osteuropäische Kinder aufgrund geringerer Lebenshaltungskosten dementsprechend weniger. 

 

Eine weitere Umverteilung von unten nach oben und auch ein Verstoß gegen das Europarecht, belegt durch EuGH-Urteile und Gutachten renommierter Juristen. Österreich droht damit nicht nur ein Vertragsverletzungsverfahren, sondern auch ein Pflegenotstand. Pflegerinnen aus Osteuropa müssen entweder mehr Geld verlangen oder werden Österreich als Dienstleistungsort verlassen. Laut einer umfragebasierten Schätzung werden ab 2019 aufgrund der schwarz-blauen Kürzungen ca. 10.000 Pflegerinnen weniger in Österreich tätig sein, ein Rückgang von 20 %.

 

Einen anderen Umgang pflegt die unsozialste Regierung der 2. Republik mit ihrer reichen Klientel der Diplomaten. Für diese privilegierte Berufsgruppe wurde ein eigener Abänderungsantrag beschlossen. Dieser stellt sicher, dass im Ausland tätige Beamte keine Einbußen bei den Ansprüchen auf Familienbeihilfe erleiden und weiterhin auch alle Zusatzleistungen wie Schulgelder und Wohnbeihilfen erhalten. Um es im arrogant-präpotenten Kurz-Jargon zu nennen: Geld für jene, die es "brauchen"...

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Waves Vienna im WUK: New Festival Sound mit Headlinerin Neneh Cherry!

Die Zeiten haben sich durch die Digitalisierung und die Sozial Media verändert. Musiker jeglichen Genres können auch ohne nächtelange Probesessions, Plattenfirma und Management berühmt und erfolgreich werden. Manchmal sogar ohne Talent und Charisma.

 

Es geht aber auch noch anders, wie die 8. Ausgabe des Waves-Festival in Wien zeigt. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes "Showcase"-Festival, bei dem junge Künstler und Bands (die sich vielleicht durch vereinzelte Clips auf YouTube schon einen virtuellen Namen gemacht haben) sich live dem Publikum vorstellen und dabei auch mit Plattenfirmen, Radiostationen, Talente-Scouts, Werbe-Strategen und anderen einschlägigen "Szene"-Leuten Kontakte knüpfen können.

 

Auf 10 verschiedenen Stages im Areal des WUK konnten sich die "Waves"-Gäste davon überzeugen, dass es in der oft totgeredeten Musikbranche viel Neues und Innovatives zu entdecken gibt, egal ob international oder national. Beispielsweise die Wiener Newcomer Culk rund um Sängerin Sophie, die auf der Deezer Next Stage inmitten pinker und blauer Visuals melancholischen Synthi-Pop präsentierten. Oder das nach einem französischen Maler benannte Wiener Trio Vivin, das bereits mit "Cryptic" eine hitverdächtigte Single veröffentlichte. Für eine volle Tanzfläche sorgte die bereits in Insiderkreisen arrivierte norwegische Disco Punk-Formation Pom Poko. Back to 80´s Dark Wave & Electro Pop transferiert wurden die musikinteressierten Besucher durch die aus Pakistan stammende Londonerin Nabihah Iqbal, die - neben ihrem Engagement für Menschenrechte - 2017 bereits ihr erstes Album "Weighing of the Heart" auf den Markt brachte.

 

Den Musikexport-Preis VA gewannen die drei Indie-Girls "Dives", die bereits im Februar den Support von Franz Ferdinand im Gasometer übernahmen. Danach um Punkt Mitternacht betrat noch ein echter Weltstar die Bühne der WUK-Halle: Neneh Cherry. Die Schwedin schaffte Ende der 80er in der "Acid"-Ära mit eingängigen Rap-Tracks a la "Buffalo Stance" den Durchbruch und widmete sich in den letzten Jahren dem verträumten Trip Hop. Im Oktober erscheint ihr neues Album, "Broken Politics", produziert vom progressiven Soundmixer Four Tet und Massive Attack´s 3 D, das sie im Rahmen ihrer einstündigen Performance exklusiv präsentierte. Als Zugabe standen dann noch der Anti-Aids-Song "I´ve got you under my Skin" und das bezaubernde "Manchild" auf dem Programm.

 

Man darf gespannt sein, ob einer der rund 100 Künstler eine ähnliche Karriere wie Frau Cherry hinlegen wird. Das "Waves"-Festival 2019 auf jeden Fall ist gesichert...

 

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Wien-Museum: Besucherrekord für Otto Wagner-Ausstellung!

"Überall triumphierte die Mittelmäßigkeit über den Künstler. Ein Leben der Enttäuschungen." So der Architektenkollege und Kulturpublizist Adolf Loos 1911 über Otto Wagner. Er bezog sich dabei auf die zahlreichen Entwürfe, Pläne und Visionen des 1841 in Wien-Penzing geborenen Architekten, die aufgrund traditioneller Vorstellungen, aber auch höchster politischer Machtspiele und Intrigen niemals verwirklicht wurden.

 

Bestes Beispiel: Die immer wieder überarbeiteten Pläne Wagners für ein pompöses Stadtmuseum mit einer Neustrukturierung des Karlsplatzes und einem Monumentalbrunnen. Erbaut wurde dieses als "Wien Museum" erst in restriktiver Form im Jahre 1959. Zum 100. Todestag am 11. April 1918 gedenkt man dort dem schöpferischen Werk des renommierten Architekten, Professors der Akademie der bildenden Künste und Stadtmetropolenvordenkers. Es handelt sich dabei um die erste Ausstellung über Otto Wagner seit 1963 (!), die - übersichtlich gegliedert in Stationen seines Lebens - im 1. Stock des Museums noch bis 7. Oktober 2018 zu sehen ist.

 

Dass sich die Wiener für ihre eigene Geschichte - und die hat Otto Wagner mit seinen Bauten und Visionen maßgeblich mitgeprägt - interessieren, zeigen die sensationellen Besucherzahlen. Mehr als 80.000 Menschen visitierten bereits die Wagner-Ausstellung, die damit - vor der "Sex in Wien"-Ausstellung - die erfolgreichste des Hauses ist.

 

Viele der über 500 Exponate stammen direkt aus dem Wien-Museum. Dazu zählen exklusive graphische Entwürfe des Künstlers, Fotos aus der "Secessions"-Ära, eine Dia-Präsentation seiner bekanntesten Bauten (wie den "Wienzeilenhäusern" oder dem Ankerhaus am Graben) und lebensgroße Modelle der Kirche am Steinhof mit ihrer goldenen Kuppel oder der Stadtbahnbögen. Das Stadtbahn-Konzept hat Otto Wagner um die Jahrhundertwende erstellt, architektonisch wurden diese erst ab den 60ern geschätzt und stehen heute unter Denkmalschutz. Kein Förderer Wagners war auch der Thronfolger Franz Ferdinand, der zahlreiche Projekte des progressiven Architekten vereitelt hat. So auch den Bau seines "Kriegsministeriums"-Entwurfs an der Ringstraße. Als "Revance" residiert zumindest heute direkt gegenüber eines seiner phänomenalen Hauptwerke: Die Postsparkasse.

 

Als letzte Station vor dem Ausgang zeigen die Kuratoren ein großes Modell des Stadtmuseums, wie es Otto Wagner einst geplant hat. Tatsächlich wird das Wien Museum ab Anfang Februar 2019 wieder umgebaut. Kosten: 108 Millionen Euro, voraussichtliche Fertigstellung 2022. Im Mittelpunkt steht dabei ein schwebender Neubau, der das denkmalgeschützte Alt-Gebäude umschließt. Dazu ein Dachgeschoß für Sonderausstellungen und eine öffentliche Terrasse mit Blick auf den Karlsplatz. Hätte Wagner vermutlich gefallen...

 

 

70er-Retro-Classic-Rock: Jeff Lynne´s Electric Light Orchestra zum erstenmal in Wien!

Paukenschlag im September 2014. Nach 28 Jahren Pause tritt Jeff Lynne mit seinem (personell veränderten) Electric Light Orchestra wieder live auf. Die 50.000 Karten im Londoner Hyde Park waren innerhalb von 15 Minuten ausverkauft. So extrem gestalteten sich die Dimensionen in der Wiener Stadthalle zwar nicht. Aber auch in Wien spielte das "kleine elektrische Orchester" im Rahmen der Europa-USA Tour vor 10.000 Fans und somit ausverkauften Rängen.

 

Frontman Jeff Lynne, der im Dezember 70 wird, sieht noch aus wie einst Anfang der 80er: Wuschelkopf, die traditionellen Sunglasses und der leicht stoische Auftritt mit Gitarre und Mikro. Begleitet wird er im Jahr 2018 von 11 Musikern, davon 3 Gitarristen, 2 Cellistinnen und eine Geigerin. Und verrückt genug: Jeff Lynne´s ELO feiert bei seiner großen Reunion-Tour Österreich-Premiere. Das Publikum ist dementsprechend bunt gemischt von 20 bis 70 Plus und kann sich vor allem im Parterreareal kaum auf den Sitzplätzen halten. Warum keine Stehplätze angeboten wurden, bleibt fraglich, tanzten doch beim grandiosen Comeback-Konzert 2014 die ELO-Fans sogar im Regen. 

 

Gegründet wurde das Electric Light Orchestra von Jeff Lynne im Jahre 1970, der erste Top Ten-Hit in England stellte sich bereits 1972 mit dem hierzulande eher unbekannten "10538 Ouverture" ein. Die spezielle ELO-Trademark in dieser soundprogressiven Ära: Die Verquickung von Rock- und Klassikelementen, vornehmlich mit Streichern. "Roll over Beethoven", ein Chuck Berry-Cover, wurde zum ersten weltweiten Superhit. Ein Indiz, welche Songs Jeff Lynne, der 90 % aller Tracks selbst produzierte, besonders am Herzen liegen, bietet das Plakat der aktuellen Tour. Dort sieht man das weltberühmte ELO-Raumschiff, das erstmals bei den 70er-Alben "A New World Record" und "Out of the Blue" auftauchte und bei damaligen Tourneen sogar auf der Bühne nachgebaut wurde. Aus dieser Zeit stammen die Klassiker "Livin´ Thing" (auch im kultigen "Boogie Nights"-Film zu hören), "Sweet Talkin´ Woman", "Turn to Stone" und "Mr. Blue Sky". Kommerziell am erfolgreichsten war die 79er-Single "Don´t bring me down" aus dem dance-lastigeren Album "Discovery", die im letzten Teil des Konzerts für Begeisterungsgesänge sorgte. 

 

Nach der Auflösung des Electric Light Orchestra 1986 war Lynne als Produzent für zahlreiche Qualitätsmusiker tätig und auch Teil der "Promi-Group" Traveling Willburys. Als Tribute für die bereits verstorbenen Künstler Roy Orbison, George Harrison und (zuletzt überraschend) Tom Petty gab es "Handle with Care" zu hören. Der neueste Track des Abends, das melancholische "When I was a Boy", stammte aus dem 2015er-Comeback-Album "Alone in the Universe".

 

Insgesamt 19 Songs inmitten einer bunten Visual-Show präsentierten Jeff Lynne in der Wiener Stadthalle, als Zugabe "Roll over Beethoven". Einige Besucher verließen nach diesem schnittigen Rock´n Roll-Track bereits das Areal, viele andere wunderten sich. Da fehlen ja noch die vielen 80er-Classics "Xanadu", "Hold on Tight", "Twilight", "Last Train to London", "Rock´n Roll is King" oder "Calling America". Enttäuschung, als das Licht in der Stadthalle angeht. Die Tracks kann sich das ansonsten euphorisierte Publikum nur mehr daheim auf der Wembley-DVD-CD oder auf Vinyl anhören. Bei einem Kartenpreis von fast 100 Euro wären nach 90 Minuten Standard-Programm schon noch einige Zugaben fällig gewesen. Schade...

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"House is a Feeling": Ibiza DJ Award-Winner Camelphat im Wiener Horst!

"Die Tage des Horstes sind zwar bereits gezählt, die Nächte bis zum bitteren Ende, die nimmt uns allerdings keiner." - Die kryptischen Sprüche, die verfolgen uns auch in der zweiten Saison des Wiener Horst. Ebenso das großartige Line-Up des Friday & Saturday Night-Clubs in der legendären Rotgasse 9.

 

Einst tanzten dort im P1 und im Empire die Clubbing Party People, künftig sollen dort angeblich ein Hotel und eine Parkgarage gebaut werden. Wir hoffen eher nicht: Denn die temporäre Nutzung des ohne viel Etepetete geführten Kellerclubs erfreut wöchentlich die tanzbesessenen Wiener Nightclubber. Monika Kruse war bereits im September da, die Berliner Watergate-Heroes von Tiefschwarz und natürlich Camelphat.

 

Die Liverpooler House-DJ´s Dave Whelan und Mike Di Scala reisten direkt von den Ibiza DJ Awards 2018 nach Wien. Bereits 2017 ausgezeichnet für ihren "Track of the Season", Cola", heimsten sie 2018 den Award in der Kategorie "Best House Artists" ein. Trotz der unmittelbaren Konkurrenz von Oliver Koletzki (in der Grellen Forelle) war nach dem charismatischen Support des aus Barcelona stammenden DJ´s Lexlay die Tanzfläche bereits zum Bersten voll. Kein Problem für die sympathischen britischen Jungs, die letzten Sommer fast wöchentlich im "Hi Ibiza" (dem Ex-Space) vor Eric Prydz für heiße Tech- und Deep House-Beats sorgten. Auf der Set List natürlich ihre Superhits "Cola", "Panic Room" und "Dopamine machine", eigene Pre-Releases und Underground-Hymnen wie "Chains" oder "Deceiver".

 

Wie lange das Horst seine Pforten offen hält, wird sich weisen. Die Nächte bis dahin werden jedenfalls heiß und exzessiv werden. Mit 100%-House-Guarantee...

 

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Airbnb-OGH-Urteil: Mieter wegen unverhältnismäßig hoher Untervermietung gekündigt!

Die 2008 im kalifornischen Silicon Valley gegründete Buchungsplattform Airbnb (mit laut eigenen Angaben 4 Millionen Inseraten aus 190 Ländern) erfreut sich weltweit zunehmender Beliebtheit und damit auch zunehmender Kritik. Diese äußert sich nicht nur in der Forderung bzw. dem Beschluss gesetzlicher  Restriktionen, sondern auch in individuellen (höchst)gerichtlichen Urteilen, die aufgrund ihrer Bindungswirkung die Nutzer, insbesondere die Vermieter, rechtlich immer mehr einschränken.

 

So auch in Österreich. Laut dem OGH-Urteil 7 Ob 189/17w vom 29. 8. 2018 wurde die Kündigung eines Mieters aufgrund einer Untervermietung gegen unverhältnismäßig hohes Entgelt für rechtens erklärt.

 

Der Sachverhalt: Die Mieter einer mehr als 200m2 großen Wohnung in der Wiener Innenstadt vermieteten ein Zimmer um 1000 Euro pro Monat ständig unter, der Rest wurde per Airbnb zur tage-, wochen- oder monatsweisen Vermietung für maximal 11 Personen angeboten. Das Entgelt: Je nach Jahreszeit 229 bis 249 Euro pro Tag, 1540 Euro pro Woche oder 6600 Euro pro Monat, zusätzlich 15 Euro pro Person und Nacht für mehr als eine Person. Die Mieter selbst mussten einen Hauptmietzins von 2391 Euro zahlen, plus Aufwendungen und Leistungen an die Untermieter ergab dies pro Tag maximal 122 Euro.

 

Der Oberste Gerichtshof stellte fest, dass die Kündigung des Vermieters aus wichtigen Gründen rechtmäßig ist. Relevant ist § 30 / 2 Z. 4 des Mietrechtsgesetzes (MRG), aufgrund dessen der Mieter den Mietgegenstand nicht gegen eine unverhältnismäßige Gegenleistung weiterverwerten, dh. untervermieten darf. Der OGH zieht die Grenze, wenn der Untermieterlös den Hauptmietzins (inkl. Aufwendungen) um mehr als 100 Prozent übersteigt. Für die Beurteilung der Unverhältnismäßigkeit der Gegenleistung kommt es auf den Vergleich zwischen den Aufwendungen und dem Erlös pro Tag (!) an. Im vorliegenden Fall lag der Untermieterlös mit 350 bis 425 Euro pro Tag um 190 bis 250 % über dem täglichen Aufwand.

 

Rechtlich aus dem Schneider wäre der Airbnb-Untervermieter nur bei einer Zustimmung des Vermieters. Auch Wohnungseigentümer können nicht uneingeschränkt ihre Wohnung auf internationalen Buchungsplattformen anbieten, vor allem dann, wenn die Wohnung im Wohnungseigentumsvertrag ausdrücklich Wohnzwecken gewidmet ist. Bei einer Umwidmung zu touristischen Zwecken müssen einstimmig alle Wohnungseigentümer zustimmen. Ein Antrag an das Außerstreitgericht bezüglich ersatzweiser Zustimmung ist allerdings möglich.

 

Rechtliche Spielräume für den Wohnungseigentümer ergeben sich insofern, als einmalige kurzfristige Vermietungen oder längerfristige Vermietungen (zum Beispiel während eines Ortswechsels) zulässig sind.

 

Fotografien als Schlaglichter der Zeit: Photo/Politics/Austria im Mumok Wien!

Spannende Fotoausstellung derzeit im Wiener Museumsquartier: Das Mumok zeigt im 1. Untergeschoß unter dem Titel "Photo/Politics/Austria 100 Fotos aus 100 Jahren, bezogen auf den Zeitraum 1918-2018.

 

Die Fotos stammen aus dem Mumok-Fotoarchiv und von Leihgebern wie der Austria Presse Agentur, dem Filmarchiv und der Nationalbibliothek. Gestaltet wurde der historische Parcours, der nicht nur 100 Fotos, sondern zusätzlich auch erklärende Zeitungsartikel, Texte und Plakate enthält, vom Künstler Markus Schinwald. Die Auswahl der einzelnen Fotos richtet sich einerseits nach der historischen Bedeutung des Ereignisses, andererseits nach der Wirkung der jeweiligen Bilder, "die durch ihre vollkommene Unmittelbarkeit Episoden aus der Vergangenheit wie mit Schlaglichtern erhellen".

 

Die Bandbreite der Fotos umfasst das gesamte politische, gesellschaftliche und boulevardeske Spektrum der 1. und 2. Republik: Nazi-Fotos mit Propagandaästhetik, badende Schönheiten vor durch den Weltkrieg zertrümmerten Gebäuden, das bis 1955 größte internationalste Medienereignis der Staatsvertragsunterzeichnung, die "Help"-Beatles-Dreharbeiten in Obertauern, die Wiener Aktionisten rund um Günter Brus, Elfie Semotans umstrittene "Palmers"-Plakate, Society-Löwe (und späterer sechsfacher Mörder) Udo Proksch, das Lichtermeer 1993 (die mit ca. 300.000 Teilnehmern bisher größte Demonstration Österreichs) Poplegende Falco (seltsamerweise mit "Madame Tussaud"-Bild), der Haider-Unfallswagen, Conchita Wursts sensationeller Songcontest-Sieg (inklusive der opportunistischen "Krone"-Lobeshymnen) oder on Video Screen die "Grasser"-Telefonprotokolle.

 

Die fotografische Zeitreise durch 100 Jahre Geschichte ist noch bis 3. Februar 2019 im Mumok zu sehen. Wer sich näher mit den einzelnen Materien beschäftigen will, kann im Shop dazu einen Ausstellungskatalog erwerben.

Buskers Festival Vienna: Straßenkünstler begeistern auf dem Wiener Karlsplatz!

"Straßenkünstler ist der ehrlichste Beruf der Welt. Man präsentiert ein Produkt, und danach entscheiden die Zuschauer, ob sie bereit dafür sind, etwas zu bezahlen", so der österreichische Akrobat Abraham Thill alias El Diabolero, der - neben der Schauspielerei - seit 1999 die Jonglage betreibt und seit Beginn des Wiener Buskers Festivals 2011 zu den beliebtesten Street Artists zählt.

 

"Busker" ist die englische Bezeichnung für Straßenkünstler bzw. Straßenmusikant. Das Konzept des Wiener Festivals: Die Veranstalter stellen den Künstlern Anfahrtskosten, Kost und Logis zur Verfügung, eine Gage wird nicht bezahlt. Diese erhalten die Akrobaten, Clowns, Musiker, Feuerschlucker,... als "Hutgeld" von den Besuchern. Und die werden pro Jahr mehr. Ca. 80.000 Besucher versammelten sich an drei aufeinanderfolgenden Tagen zwischen 14 und 22 Uhr, um die trickreichen, unterhaltsamen und prickelnden Shows der sympathischen Künstler zu betrachten.

 

Die Bandbreite ist weit gestreut: Von AgrotheClown, Jongleuren wie El Diabolero, Graffiti-Artists, der "spiegelnden" Broken Mirrow Crew, der Schlangenfrau Sara Twister (die mit ihren Füßen die Bogenschießkunst ausübt) bis hin zu heißen Feuershows von Nomad Cirquel ist alles dabei. Direkt über dem "See" vor der Karlskirche faszinieren die Athleten von Aerial Silk mit einer weltweit renommierten Form der Bewegungskunst, der Vertikaltuchakrobatik. Und machen dabei auch Werbung in eigener Sache: Aerial Silk Vienna bietet auch Kurse und Workshops für Sportinteressierte an...

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East Side Gallery: Graffiti-Mauer-Kunst zwischen West- und Ostberlin!

Die backsteinrotfarbene Oberbaumbrücke zwischen Kreuzberg und Friedrichshain, einer der geschichtsträchtigsten Areale während der Teilung zwischen Ost- und Westberlin. Ein Verlassen der durchgeschleusten Zügen war hier zwischen 1961 und 1989 verboten, der Grenzübergang verlief am südlichen Spree-Ufer in Kreuzberg, die Spree selbst und das nördliche Ufer, der sogenannte "Todesstreifen", gehörten bereits zu Ostberlin. Dahinter befand sich noch eine Hinterlandmauer, die seit dem Fall der Berliner Mauer als "East Side Gallery" zu den Tourismusattraktionen der deutschen Bundeshauptstadt zählt.

 

Im Frühjahr 1990 begannen 118 Künstler auf dem Mauerstück in der Mühlenstraße zwischen dem Berliner Ostbahnhof und der Oberbaumbrücke künstlerische Werke über die politischen Veränderungen zu fabrizieren. Die Motive so vielseitig, farbenbunt und intellektuell wie deren Schöpfer. Von puren Liebesbotschaften, politischen Anklagen, einer Glorifizierung des Lebens bis hin zu klugen Sinnsprüchen reicht die Palette. Als besonders populär gilt die Nr. 26 mit dem Titel "Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben", eine Graffiti-Version des Bruderkusses zwischen Breschnew und Honecker 1979 zur 30-Jahre-Feier der DDR.

 

Eröffnet wurde die auf der ostwärtsgewandten Mauer platzierte Galerie am 28. September 1990. Damals bestand der Plan, die Mauerstücke weltweit auszustellen und sie dann zu versteigern. Im November 1991 fand man eine bessere Lösung: Die East Side Gallery wurde unter Denkmalschutz gestellt.

 

Im Laufe der Jahre hatte der gegründete Verein Künstlerinitiative East Side Gallery vor allem mit Verwitterungen der Bilder zu kämpfen. Die erste Sanierung erfolgte im Jahr 2000, eine weitere im Oktober 2008. Bei letzterer wurde das Mauerwerk nachhaltig restauriert, ein Großteil der Bilder musste abgestrahlt werden, sodass die einstigen Künstler nach Berlin eingeladen wurden, um ihr Bild ein zweites Mal an die Mauer zu malen. 87 kamen dieser Aufforderung nach, andere wiederum kritisierten die - im Vergleich zum vorhandenen Sanierungsbudget von 1 Million Euro - zu geringe Aufwandsentschädigung (von 3000 Euro) bzw. die Verletzung des Urheberrechts durch die Beseitigung ihres Erstwerks.

 

Bezüglich dieser Causa haben sich die Wogen in den letzten Jahren geglättet. Proteste löst aktuell die fortschreitende Gentrifizierung im Bereich der Mühlenstraße aus. Direkt an der Uferpromenade soll bis 2021 ein neungeschossiges Hochhaus mit Hotelzimmern und Mietwohnungen ("Pier 61-63") entstehen, daneben Geschäfte und Bistros. Einige Mauersegmente mussten trotz zahlreicher Demonstrationen (und prominenter Teilnahme von "Mr. Looking for Freedom" David Hasselhoff) bereits versetzt werden.

 

Da bereits ein rechtskräftiger Bebauungsplan vorliegt, wird es schwierig werden, dieses Projekt noch zu verhindern. Als positives Zeichen werten die Aktivisten allerdings, dass die East Side Gallery ab 2018 von der "Stiftung Berliner Mauer" verwaltet wird und damit - von Bund und Land abgesichert - als Gedenk- und Erinnerungsort erhalten bleibt. Denkmalschützer fordern zusätzlich eine Bewerbung als (immaterielles) UNESCO-Weltkulturerbe.

 

Sei´s wie´s sei: Den verheerenden "Reichen-Ghetto-"Block direkt an der Spree müssen Touristen, Historiker und Berliner Einheimische künftig widerwillig ertragen.

 

 

ÖVP-FPÖ-Arbeitszeitnovelle: In die Hände spucken - Zum Wohl der Arbeitgeber!

Die tatsächlich geleistete Arbeit beträgt in Österreich aktuell 42,7 Stunden pro Woche, das bedeutet EU-weit Platz 2 hinter Griechenland. Noch zu wenig, meint die ÖVP-FPÖ-Regierung und beschließt ohne Diskussion und ohne Begutachtung eine Gesetzesnovelle zur "Arbeitszeitflexibilisierung", das mit 1. September 2018 in Kraft getreten ist. De facto handelt es sich dabei um ein Wunschpaket der Großkonzerne, das für die Arbeitgeber nur Vorteile, für die Arbeitnehmer nur Nachteile bringt.

 

Während die Normalarbeitszeit weiterhin 8 Stunden bzw. 40 (oder 38,5) Wochenstunden beträgt, wird die Höchstarbeitszeit von 10 auf 12 Stunden täglich bzw. von 50 auf 60 Stunden wöchentlich hinaufgesetzt. In speziellen Fällen (wie zur Verhinderung eines unverhältnismäßig wirtschaftlichen Nachteils) war dies bisher schon möglich. Dazu mussten aber die Zustimmung des Betriebsrats bzw. eine schriftliche Vereinbarung und ein arbeitsmedizinisches Gutachten eingeholt werden. Diese "bürokratischen Erfordernisse" (wie sie gerne von der Industriellenvereinigung bezeichnet werden) sind jetzt nicht mehr notwendig. Es reicht ein "erhöhter Arbeitsbedarf". Betriebsrat und Arbeitnehmer haben KEIN Mitspracherecht mehr.

 

Laut § 7/6 AZG haben die Arbeitnehmer aber das Recht, Überstunden ohne Angabe von Gründen abzulehnen, wenn die Tagesarbeitszeit von 10 Stunden oder die Wochenarbeitszeit von 50 Stunden überschritten wird. Auch darf eine Benachteiligung hinsichtlich des Entgelts, der Aufstiegsmöglichkeiten und der Versetzung nicht stattfinden. Bei einer Kündigung wegen der Überstunden-Ablehnung können die Arbeitnehmer innerhalb von 2 Wochen diese anfechten. Klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Kein Mitarbeiter wird aus Angst vor einem Jobverlust (bei aktuell ca. 350.000 registrierten Arbeitslosen in Österreich) Überstunden ablehnen, sondern stattdessen lieber in Kauf nehmen, dass sein Familienleben oder seine körperliche Gesundheit den Bach runtergehen. Dazu muss man wissen, dass es in Österreich keinen generellen Kündigungsschutz gibt. Der Arbeitgeber kann jederzeit einen Arbeitnehmer kündigen - OHNE Angabe von Gründen.

 

Arbeitnehmer in Gleitzeit werden großteils um die Überstundenzuschläge umfallen. Werden die Gleitzeitvereinbarungen nämlich auf einen Zeitraum von 12 Stunden ausgedehnt, dann werden Überstunden nur dann fällig, wenn sie der Arbeitgeber anordnet. Laut Arbeiterkammer liegt eine derartige Deklaration so gut wie nie vor. Negative Auswirkungen hat die neue Arbeitszeitregelung auch für All-In-Verträge.

 

Viele Arbeitnehmer hoffen durch die Einführung des 12-Stunden-Tags auf eine 4-Tage-Woche. Abgesehen davon, dass diese bereits jetzt durch eine Betriebsvereinbarung festgelegt werden kann, besteht darauf kein gesetzlicher Anspruch. Ebenso, wann der Arbeitnehmer diese in Anspruch nehmen kann. 

 

Im Tourismus wird bei sogenannten "geteilten Diensten" die Ruhezeit von 11 auf 8 Stunden verkürzt. Man soll sich hier einmal die Situation vorstellen, wenn jemand einen Anfahrtweg von 1-2 Stunden hat. Und das ohne Berücksichtigung etwaiger Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder einfach nur verdienter Freizeit. Durch die Hintertür wurde durch die "rechtskonservative" Regierung noch zusätzlich im Arbeitsruhegesetz die Wochenend- und Feiertagsarbeit eingeführt, auch hier besteht bei Betrieben ohne Betriebsrat wieder ein freies Ablehnungsrecht. Es darf gelacht werden, wenn es nicht so traurig wäre.

 

Einige Personengruppen sind komplett vom Arbeitszeitgesetz ausgenommen. Das sind wie bisher leitende Angestellte und die Familienangehörigen von Unternehmern. Neu dazu kommen aber nun Arbeitnehmer, denen maßgebliche selbständige Entscheidungsbefugnisse übertragen wurde. Diese Personen können zeitlich ohne Einschränkung beschäftigt werden. Wer genau darunter fällt (bspw. Filial- oder Projektleiter), das können nicht einmal namhafte Arbeitsrechtsexperten beantworten.

 

"Wo kein Kläger, da kein Richter" lautet ein eherner Rechtsgrundsatz. Arbeitnehmer werden sich hüten, in unsicheren Arbeitsmarkt-Zeiten den Arbeitgeber wegen Rechtsverstößen anzuzeigen. Daher: "Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt!" Im Gegensatz zur Arbeitszeitnovelle war der Geier Sturzflug-Hit satirisch gemeint...

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BGBLA_2018_I_53 - Arbeitszeitgesetz.pdf
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U2 live in Berlin: Voice-"Blackout" nach dem fünften Track "Beautiful Day"!

U2 waren 2017 mit ca. 46 Millionen Euro der bestverdienende Music-Act, 95 % der Einnahmen resultierten dabei aus Live-Auftritten. Im Rahmen ihrer "Experience & Innocence"-Tour gastierten die Iren auch 2018 weltweit in den größten Arenen. Wien war auch dieses Jahr nicht dabei, angeblich ist die Stadthalle nicht für die 360 Grad-Konzeption der Show geeignet. In Berlin waren beide Konzerte innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, das zweite Konzert in der Mercedes Benz-Arena endete allerdings nach nur 5 Tracks.

 

"Freedom, Justice, Equality", "Never again" oder "Refugees Welcome" - Mit zahlreichen Messages startet die aktuelle Europa-Tour der sozial und menschenrechtlich engagierten Iren. Der grassierende Rechtspopulismus und -extremismus bietet auch in Europa dafür genügend Nährstoff. Noch vor dem ersten Track "The Blackout", der zuerst als persönliche Apokalypse, durch die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung allerdings auch als political dystopia zu verstehen ist, spricht Charlie Chaplin als "Great Dictator" zu den Hintergrundklängen von Zooropa und inmitten von verstörenden Bildern aus dem Zweiten Weltkrieg und schnell geschnitten Collagen von Trump, Putin, Snowden & Co.. "When the Lights go out", der treibende Refrain von "Blackout", dröhnt hinter einer riesigen Visual Wall. Bono Vox, The Edge, Clayton & Mullen sieht man nur schemenhaft hinter den projizierten Figuren der Bandmitglieder. 

 

Beim zweiten Song "Lights of Home" wagt sich Bono Vox erstmals direkt per Steg zu den Fans in den Stehbereich der Arena, der Rest der Band spielt routinemäßig im Vordergrund. Dann "I will follow", der Opening-Track aus dem 80er-Debüt-Album "Boy". Gewidmet ist der Song der früh verstorbenen Mutter Bonos, auf der Setlist jeder U2-Tour vertreten. Bereits beim vierten Song "Red Flag Day" aus dem neuen Album "Songs of Experience" treten die ersten stimmlichen Schwierigkeiten bei Bono auf, das Publikum unterstützt den irischen Kult-Sänger und bekommt dafür am Montag danach eine spezielle Gratifikation per Facebook. Nach ihrem 4. Nr.1-Hit "Beautiful Day" allerdings ist Schluss, Bono Vox kann aufgrund verlorener Stimme das Konzert nicht fortsetzen, der Veranstalter verkündet das Ende des Events. Statt Beautiful Night Entsetzen und Trauer beim internationalen und teilweise weit angereistem Publikum in der Berliner Arena.

 

Erst ein einziges Mal hatten U2 bis dato ein Konzert vorzeitig abgebrochen. Das war 1989 in Amsterdam, dort standen aber wenigstens 16 Songs auf der rudimentären Setlist. Veranstalter und Band haben allerdings schnell reagiert, das Ersatzkonzert wurde datiert mit 13. November. Auch eine Ticketrückgabe ist bis 6. November möglich. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass nur wenige diese Alternative in Anspruch nehmen. Und zwar vermutlich die, die ein Ticket für eine andere europäische U2-Location ergattert haben. Eines macht das Ersatzkonzert in Berlin (in deren Hansa-Studios einst "Achtung Baby" entstanden ist) aber auf jeden Fall einzigartig: Nicht Dublin, sondern die einst geteilte historische Stadt Berlin ist die Location des Abschluss-Konzerts der U2-Europatournee 2018...

 

Statement der Band auf www.u2.com:

 

We're so sorry for tonight's cancellation. Bono was in great form and great voice prior to the show and we were all looking forward to the second night in Berlin, but after a few songs, he suffered a complete loss of voice.

We don't know what has happened and we're taking medical advice.

Adam, Larry and Edge

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"We are all the same People!" - Afrika-Tage 2018 mit Basar, Beats and Good Feelings!

"Wir wollen unseren Beitrag zum friedlichen Miteinander der Kulturen leisten, die Scheu vor dem Fremden nehmen und zeigen, dass wir eine Welt sind." So Medhat Abdelati, seit 2005 Veranstalter der Afrika Tage auf der Wiener Donauinsel. Und es zeigt Wirkung. Die Zuschauerströme des ohne öffentliche Gelder und Sponsoren stattfindenden Festivals werden von Jahr zu Jahr stärker.

 

Auf einer Fläche von 40.000 m2 gibt es für die Besucher zwei Wochen lang die Möglichkeit, afrikanische Kulturen kennenzulernen und mit Angehörigen fremder Völker in Kontakt zu kommen. Herzstück ist ein großer Basar, in dem Kunst- und Gebrauchshandwerk, Musikinstrumente, Kochutensilien, Textilien, Möbel, Masken und Schmuck angeboten werden. Auch die afrikanische Haarflechtkunst kann ausprobiert werden. Kinder (und natürlich auch Erwachsene) stehen vor dem spannenden Nervenkitzel, auf einem Kamel zu reiten. Tägliche Trommel-Sessions und Tanz-Shows vor dem Sahara-Zelt erzeugen ein schnelles Gemeinschaftsgefühl zwischen Einheimischen und Afrikanern. An zahlreichen gastronomischen Ständen können die Besucher afrikanische Spezialitäten (wie Couscous, Akara, Bissap oder Igishue) gustieren. NGO´S wie Ärzte ohne Grenzen, World Vision oder Amnesty International liefern nachhaltige Information und laden auch zur Unterstützung ihrer Projekte ein.

 

Täglich sorgten ab 18 Uhr zwei Live-Acts aus den Genres World Music und Reggae für euphorisch-chillige Atmosphäre bei zumeist heißen afrikanischen Temperaturen. Dazu zählten auch Hitparadenstars wie Inner Circle, die ihr 50 Jahr-Band-Jubiläum feierten, Ky-Mani Marley (ein Sohn des legendären Reggae-Großmeisters) oder die bereits 85jährige Latin-Legende Manu Dibango, einst mit "Soul Makossa" der erste afrikanische Musiker mit einer Nr. 1-Platzierung in den USA.

 

Erst seit 2009 im Business ist der aus Teneriffa stammende Reggae-Musiker Dactah Chando, der sein neues 6. Album "Global Cityzen" im Rahmen einer Europa-Tour vorstellt. Produziert wurde die neuen Tracks gemeinsam mit Gentleman´s Evolution Band. Sein Lebensmotto heißt genauso wie einer seiner eingängigsten Tracks: "Positivo".

 

Diese Philosophie pflegt auch der Italo-Jamaicaner Alberto d´Ascola. Der bereits in seiner Heimat Sizilien mit der Band "Reggae National Tickets" erfolgreiche Musiker wanderte 2001 nach Jamaica aus, um die authentische Rastafari- und Reggae-Kultur kennenzulernen. Mit seinem ersten Album als "Alborosie", Soul Pirate, gelang ihm 2007 auf beiden Seiten des Atlantik der kommerzielle Durchbruch. Gemeinsam mit dem multikulturellen Shengen Clan und zahlreichen Gastsängern präsentierte Alborosie bei den Afrika-Tagen - neben Classics wie "Kingston Town" oder "Herbalist" - sein brandneues Album "Unbreakable", das auch ein Cover des Metallica-Hits "Unforgiven" enthält. 

 

"One Love and Unity" und "We are all the same People" - Das sind Botschaften, die der sympathische Reggae-Musiker und (weißer) Vater zweier (schwarzer) Kinder immer wieder an die Fans weitergibt. Dort vor der Bühne sind sie längst angekommen, leider bei vielen Menschen weltweit (noch) nicht. Sonst wären gewisse Politiker, egal ob sie jetzt Trump, Le Pen, Orban, Kurz, Strache oder Salvini heißen, längst von der Bildfläche verschwunden.

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Abschaffung der Notstandshilfe: Sozialabbau betrifft zu 76 Prozent Österreicher!

Sozialabbau und Ausländerfeindlichkeit, das zeichnet die schwarz-blaue Bundesregierung aus. Gleichzeitig versucht man der naiven Bevölkerung durch leere Phrasen und PR-Tricks weiszumachen, dass die sozialen Kürzungen nur die Ausländer und Flüchtlinge treffen. In nahezu allen Fallkonstellationen sprechen die Fakten eine andere Sprache. Ein Beispiel: Die Notstandshilfe.

 

Die Notstandshilfe ist eine Leistung, die aus den Mitteln der Arbeitslosenversicherung bezahlt wird. Sie wird dann gewährt, wenn der Arbeitslosengeldbezug erschöpft ist und der Arbeitslose sich in einer Notlage befindet. Eine Notlage liegt dann vor, wenn dem Arbeitslosen die Befriedigung der notwendigen Lebensbedürfnisse unmöglich ist.

 

Blättert man im Regierungsprogramm der asozialen Kurz-Strache-Koalition, dann soll in den nächsten Monaten die Notstandshilfe abgeschafft werden. Stattdessen sollen die Langzeitarbeitslosen einen Anspruch auf Mindestsicherung haben. Dieser setzt allerdings u.a. voraus, dass sie ihre gesamten Ersparnisse bis auf 4.188,79 Euro (2016) aufbrauchen müssen. Haben die Langzeitarbeitslosen eine Eigentumswohnung, dann hat das Sozialamt nach 6 Monaten Bezug das Recht, sich im Grundbuch eintragen zu lassen. Bei einer Erbschaft müssen die Erben, also im Regel die Kinder, die "Mindestsicherungsschulden" zurückzahlen, ansonsten muss die Wohnung verkauft werden. 

 

Eine drastische Verschlechterung der rechtlichen und finanziellen Situation für arme Bürger in Österreich, die großteils schuldlose in derartige Schwierigkeiten geraten sind. Die Regierung versucht stetig mit xenophoben Phrasen wie "Wir sind nicht das Sozialamt Europas" darauf hinzuweisen, dass ohnehin nur mehr bei Ausländern rigide Maßnahmen getroffen werden.

 

Blickt man auf die aktuellen Statistika der Notstandshilfe, dann sieht man das genaue Gegenteil. 2017 gab es im Jahresdurchschnitt 157.483 Bezieher. Der Ausländeranteil betrug mit 37.415 knapp 24 Prozent. Drei Viertel der Notstandshilfe-Bezieher sind also Österreicher, die von der schwarz-blauen Bundesregierung brutal in die Mindestsicherungsfalle torpediert werden.

 

Hoffentlich merken es die Menschen nicht erst, wenn es zu spät ist. Diese Regierung muss gestoppt werden, solange Österreich nicht nur wie bereits jetzt imagemäßig, sondern auch sozial- und gesellschaftspolitisch von "rechtskonservativen" Kräften zerstört wird.

Afrika-Tage 2018: Inner Circle mit Reggae-Hitfeuerwerk auf der Wiener Donaunsel!

Girl, I want to make you sweat, sweat till you can't sweat no more. And if you cry out, I'm gonna push it some more. A la la la la long, a la la la la long long." - Einer jener Superhits aus dem Jahre 1992, die man auch heute noch bei Retro-Parties oder im Radio-Mainstream-Format hört und an die man sich gerne erinnert (auch wenn man es öffentlich nicht zugibt).

 

Die dazugehörige Band, Inner Circle, die existiert noch immer und gastierte im Rahmen ihrer Europa-Tour bei den Afrika-Tagen auf der Wiener Donauinsel. Der damalige schwergewichtige Sänger Carlton Coffie ist allerdings nicht mehr mit dabei. Er trennte sich nach den großen 90er-Hits von Inner Circle und betreibt eine Solokarriere. Mit von der Partie sind allerdings noch die Gründungsmitglieder Ian und Roger Lewis. Tatsächlich wurde ja die aus dem Reggae-Ursprungsland stammende Band im Jahre 1968 (!) erstmals formiert. Deren erster Sänger, Jacob Miller, starb 1980 bei einem Autounfall und ist damit traurigerweise Mitglied des legendären "Club 27".

 

Die weltweit erfolgreichen Chart-Hits von Inner Circle entstanden unter den Vocals von Carlton Coffie: "Sweat", "Rock with you", "Games People Play" oder das auch als Hip Hop-Version für einen gleichnamigen Will Smith-Film remixte "Bad Boys". Alle diese Reggae-Ohrwürmer standen auch auf der Setlist des Inner Circle-Auftritts auf der Donauinsel, performt vom neuen Inner Circle-Sänger Kris Bentley, dem ehemaligen Lead-Vocalisten von "Skool".

 

Das Bühnen-Areal direkt neben den zahlreichen Afrika-Zelten war voll wie nie zuvor, und eine multikulturelle Fan-Schar feierte euphorisch die Reggae-Kulthits der Vergangenheit. Da durften natürlich auch einige Coverversionen des Groß-Meisters Bob Marley nicht fehlen. Bei "One Love" und "Three Little Birds" (Every little Thing is gonna be alright") begleitete ein spontaner Besucherchor die Vocals von Bentley. Inner Circle 2018 - Weiterhin ein Tip für stimmungsvolle Reggae-Sommernächte.

 

 

 

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Calle Libre - Street Art in Vienna!

In den USA grassierte das Graffiti-Fever Ende der 70er, gemeinsam mit dem Aufkeimen der Hip Hop-Kultur. In Österreich war diese - trotz vereinzelter talentierter Interpreten - weniger ausgeprägt. Die Graffiti-Szene wurde lange - österreichtypisch - mit schiefen Augen anvisiert. Die Kritzeleien auf den Wänden seien bloße Sachbeschädigungen, die von der Polizei verfolgt werden müssen. So die Volksmeinung. Nichtsdestotrotz existierten bereits in den 90ern "legale Wände", auf denen die Sprayer ihre mehr oder weniger gesellschaftskritischen Graffitis kreieren konnten. Die Anzahl dieser Flächen stieg in den letzten Jahren zusehends an, und auch die Einstellung der Bevölkerung gegenüber Street Art hat sich klar verbessert.

 

Seit 2014 organisiert der Wiener Jakob Kattner das "Calle Libre"-Festival (zu deutsch "freie Straße"). Im Rahmen dessen lädt er Künstler nach Wien, die live riesige Hausflächen in Wien bepinseln und besprayen. Das Veranstaltungsprogramm beinhaltet zusätzlich Workshops, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und Urban Art Tours, bei der die Teilnehmer die besten Street Art-Kunstwerke kennenlernen. Obwohl von manchen kritisiert, bestehen auch Kooperationen mit dem "scheinbaren Establishment", mit dem Mumok oder der Albertina.

 

Street Art ist auch im Austrian Way of Life angekommen und macht unsere Welt bunter, lebensfroher und schriller. Und dagegen kann keiner negative Argumente vorweisen.

Jahressteuergesetz: Regierung beschließt Steuerzuckerl für Immobilienkonzerne!

Grunderwerbsteuer zahlt in der Regel jeder, der ein Grundstück erwirbt, egal ob es sich um einen Kauf, eine Schenkung oder um eine Erbschaft handelt. In Österreich sind allerdings manche gleicher als andere, dank der neuen "rechtskonservativen" Regierung von ÖVP und FPÖ.

 

Erwirbt jemand ein Grundstück, dann beträgt die Grunderwerbsteuer je nach Grundstückswert zwischen 0,5 und 3,5 Prozent des Kaufpreises. Dies gilt auch beim Kauf einer Firma mit Immobilienbesitz. Wird der Immobilienbesitz allerdings in eine oder mehrere Tochterfirmen ausgelagert, dann fällt gemäß einer Klarstellung im neu beschlossenen "Jahressteuergesetz 2018" keine Grunderwerbsteuer mehr an.

 

Laut dem Finanzrechtsexperten Christoph Urtz ermöglicht die Klarstellung legale Umgehungsmöglichkeiten, die Immobiliengesellschaften oder russische Oligarchen für Zinshauskäufe nützen werden. "Wenn jemand fünf Millionen für ein Zinshaus in Wien ausgeben will, würde ich ihm sagen, gründen sie zwei Firmen, dann können sie das Zinshaus später grunderwerbssteuerfrei weiterverkaufen."

 

Theoretisch kann auch jeder Private diese Firmenkonstruktion nützen. Sie zahlt sich allerdings auch nur bei höheren Millionenbeträgen aus. Eben für jene Großkonzerne und Immobilien-Tycoone, die zur Wählerklientel der ÖVP gehören und an die die FPÖ ihre eigenen Wähler verkauft hat.

 

 Anm.:  Für die Grunderwerbsteuer wurden 2018 1,15 Milliarden Euro veranschlagt.

"Hack the System": "Ants"-Club Colony kapert das Ushuaia Ibiza!

"Giving an event an identity, choosing the right lineup and promoting it well to the right people in the right places is the formula for a good party", das Erfolgsrezept des Ameisenhäuptlings :-) Andrea Oliva. Mit seiner sensationellen Club-Reihe "Ants" ist dem Schweizer Tech-House-DJ dies gelungen. Die Party People stürmen buchstäblich wie die Ameisen in die Club-Locations und feiern dort bis zum ekstatischen Ende.

 

Im schicken Ushuaia Ibiza Beach Hotel ist dies bereits die Mitternachtsstunde. Seit 2011 bietet die vom spanischen Unternehmer und Politiker Abel Matutes ins Leben gerufene Open-Air-Location an 7 Tagen die besten DJ´s der Welt. 4000 Besucher zelebrieren kurz nach dem Strandbesuch eine Dance-Party zwischen Bühne, Swimmingpool und Hotelbalkonen. Mit gigantischen Pyro-Effekten, lauten Beats und landenden Flugzeugen über den stets lächelnden, euphorisierten Gesichtern der Clubbing People. 

 

Die "Ants"-Colony von Andrea Oliva gehört seit 2013 zum fixen Programm des Ushuaia. Die "Workers-friendly-Party" (so die Strategie Olivas) beginnt im Gegensatz zu den anderen Events bereits um 15 Uhr, die DJ´s mixen dabei direkt am Pool ihre technoiden Beats und wechseln dann gegen Dämmerungsbeginn auf die Main Stage.

 

"Ants"-Resident-DJ´s sind neben Andrea Oliva 2018 u.a. Joris Voorn, DJ Sneak, Groove Armada, Maya Jane Coles, Kölsch und Nic Fanciulli. Die "Ants" sind auf Ibiza everywhere, auf den Discobussen, der Ushuaia-Fassade, auf riesigen "Keep on dANTSing"-Plakaten, in Form von riesigen Konstruktionen über der Stage und elektrisierend marschierend in den Lichtsäulen der Ushuaia-Aussichtsplattformen. Und natürlich kann man sie auch als Souvenir nach Hause nehmen, der Ushuaia-Fashion Store ist voll von "Ants"-Merchandising-Artikeln: T-Shirts, CD´s, Bags, Kaffeetassen, Motorrad-Helme, USB-Sticks, Bikinis, Boxer-Shorts und schweißkühlende Fächer. Da fehlt eigentlich nur mehr eine Ecstasy-Tablette mit "Ants"-Konterfei :-)

 

Ekstatisch ist jedenfalls der "Ants"-Sound: Straighter Tech und Deep House, garniert mit brillanten Remixes a la "Cafe del Mar", "Age of Love" oder "Welcome to the Jungle", der aktuellen Trademark des Schweizer Protagonisten Andrea Oliva. Im Rahmen des diesjährigen BBC-Radio One-Visits auf Ibiza durfte sich auch Olivas langjähriger Freund Pete Tong, DJ-Legende und zuletzt Classic House-Arrangeur gemeinsam mit dem Heritage Orchestra, ins Ameisenkostüm werfen. Auf den ersten Blick "Hack the System" (so das 2018er-Motto), auf den zweiten nur bedingt. Im Gegensatz zu vielen anderen Radiostationen der Welt fördert BBC Radio One die progressiv-extravagante Club-Kultur. Inklusive "Essential-Mixer"-Andrea Oliva selbst :-)

 

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Mace Ibiza - Ein Streifzug durch das Museum für moderne Kunst Eivissas!

Die coolsten Clubs der Welt, lange Strände und tägliche Sonnengarantie. Ibiza ist DIE spanische Urlaubs- und Nightlifeinsel schlechthin. Und hat auch in punkto Kultur vieles zu bieten.

 

Wer nach einer langen Disco-Tour und ausgiebigem Frühstück die Lust hat, kulturelle Schätze von Ibiza zu inspizieren, braucht sich nur - bis 14 Uhr (oder am Abend) - in Ibizas unter Weltkulturerbe stehende Altstadt Dalt Vila begeben. Direkt nördlich der "Croissant Show" über die Zugbrücke durch das Portal de ses Taules und dann links einige (steile) Meter aufwärts. Dann befindet man sich vor den Toren des Museo d´Art Contemporani d´Eivissa, kurz und prägnant MACE genannt.

 

Das ibizenkische Museum für zeitgenössische Kunst wurde 1969 eingeweiht und befindet sich im ehemaligen Waffensaal der Königlichen Armee aus dem 18. Jahrhundert. 2012 erfolgten eine Restaurierung und eine Erweiterung mit der Konstruktion eines neuen Glasgebäudes. Im Rahmen der Bauarbeiten wurden punische Wohnstätten aus dem 4. Jhdt. v. Chr. entdeckt, die durch einen transparenten Boden integriert wurden.

 

Bei - vor allem während der Hitzewelle - angenehm kühlen Temperaturen hat der Besucher die Möglichkeit, die Kunstwerke Ibizas ab den 60er Jahren kennenzulernen. Darunter befinden sich stets aktuell auf der Biennale Ibiza preisgekrönten Artefakte als auch Malereien und Installationen von Künstlern, die das kulturelle Image der Baleareninsel geprägt haben. Dazu zählen Werke der renommierten Grupo 59, die sich vor allem durch "künstlerische Unruhe" und ein "immer wieder neues Anfangen" definiert hat. Mitglied dieser Gruppe war auch der vom Nationalsozialismus geflüchtete Deutsche Erwin Broner, der mit seiner Mischung aus "Bauhausstil" und "ibizenkischer Tradition" die Architektur der La Isla Blanca weiterentwickelt hat. Sein legendäres "Casa Broner" steht direkt an der Ostküste Eivissas im originären Bezirk Sa Penya.

 

Der weltbekannte spanische Maler Antoni Mari Ribas ist mit zahlreichen Werken zu betrachten, Will Faber, Eduard Micus, Marcel Floris, Frank El Punto, Pete Tauste, aber auch junge innovative Künstler wie Irene de Andres, die die populäre Discokultur der Gegenwart widerspiegelt.

 

Beim Streifzug durch das Mace entdeckt man auch einen Wiener Fotografen und Maler: Felix Waske, 1967 mit seiner Frau nach Ibiza (temporär) gezogen. Nicht nur der "Meister der Vielfigurierung" weiß die wunderschöne Balaereninsel zu schätzen.

 

Mace Ibiza, Ronda Narcis Putget, 07800 Ciudad de Ibiza.

Die Austro-Szene boomt! 60.000 Besucher beim 9. Wiener Popfest auf dem Karlsplatz!

Bereits zum neunten Mal fand dieses Jahr das Wiener Popfest statt, das bei freiem Eintritt vier Tage lang Einblick in die musikalische Szene von Österreich bietet. Das Programm wurde 2018 zusammengestellt von der Musikjournalistin Katharina Seidler und dem Musiker Nino Mandl (aka "Der Nino aus Wien").

 

Hauptlocation vor Mitternacht war die Seebühne vor der Karlskirche, das Wetter war - außer bei der Eröffnungsshow der punkigen "Dives"-Girls - regenfrei. Insgesamt lauschten um die 60.000 Besucher an den 4 Tagen den neuesten Klängen österreichischer Popkultur. Darunter "ältere" Bands wie Naked Lunch (die gemeinsam mit Gustav ihre neue Single "Here come the Bells" präsentierten) oder Kreisky, aber vor allem viele neue Acts, die vor ihren ersten großen Auftritten schwitzten. Diese aber mit Bravour ablegten. So beispielsweise Pressyes, das neue Projekt von Ex-Velojet-Member Rene Mühlberger, oder die oberösterreichische Elektronik-Indie-Band Naked Cameo, die auf der kleineren Red Bull Music Stage die Besucher begeisterten.

 

2016 hatte dort auch Mavi Phoenix ihren ersten Auftritt, dieses Jahr war Österreichs größte Pop-Hoffnung - der Falter bezeichnet sie sogar schon als "Superstar" - mit ihren R&B- und Hip Hop-Tracks zu Gast auf der Main Stage. Kein Wunder, wird die talentierte Mavi auch von renommierten internationalen Festivals (wie Primavera Barcelona) gebucht. Ihr latino-angehauchter Track "Aventura" war sogar Teil der "Desigual"-Kampagne.

 

Freitag und Samstag gehörte die Main Stage zur Prime Time den Grunge-Rockerinnen von Aivery und den Hip Hoppern von Kreiml & Samurai. Viele weitere Konzerte - insgesamt um die 60 - fanden auch im Wien Museum, im TU-Prechtlsaal und im TU-Kuppelsaal statt. Dazu der Drahdiwaberl-Film "Weltrevolution" zum Gedenken an Stefan Weber, ein Hansi Lang-Tribute, Lyrik im Karlsgarten und zahlreiche Diskussionsforen.

 

"Eine Veranstaltung wie das Popfest hätte es bereits in den 90ern geben sollen." - So die "alten Hasen" von Naked Lunch. Da haben sie hundertprozentig recht.

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Das Abba-Museum in Stockholm - Ein Tribut an vier schwedische Weltstars!

Agnetha Fältskog, Benny Andersson, Björn Ulvaeus und Anni-Frid Lyngstad alias ABBA gehören zu den erfolgreichsten Bands aller Zeiten. Sie verkauften in ihrer aktiven Zeit zwischen 1972 und 1982 mehr als 400 Millionen Tonträger und prägten mit ihren poppigen Songs und glamourösen Outfit das Lebensgefühl der 70er und frühen 80er. Im Gegensatz zu anderen Interpreten blieb ihre Musik stets unvergessen und wurde von jeder Generation - durch Best of Sampler, Musicals, Filme oder Retro-Clubbings - neu für sich entdeckt. Die Idee eines eigenen Abba-Museums - ähnlich der Beatles in Liverpool - schwirrte daher schon länger in den Köpfen diverser Geschäftsleute. Realisiert wurde sie nach dem Abschluss der Abba World-Wanderausstellung, im Rahmen derer Exponate u.a. in London, Sydney und Budapest gezeigt wurden. Und zwar dort, wo die Karriere der vier Jugendfreunde begann: In Stockholm.

 

Eröffnet wurde das Abba-Museum am 7. Mai 2013, auf der zentral gelegenen Stockholmer Insel Djurgarden, direkt gegenüber dem bekannten Vergnügungspark Gröna Lund. Der Eintritt beträgt aktuell 250 Schwedische Kronen (um die 26 Euro), mit Ermäßigungen für Familien, Studenten und Kinder. Die Ausstellung beleuchtet dabei nicht nur die Anfänge der Band, den weltweiten Durchbruch mit dem Songcontest-Sieg in Brighton und die beispiellose Hit-Karriere, sondern bietet auch zahlreiche interaktive Betätigungsmöglichkeiten, so zum Beispiel beim Karaoke-Singen mit Abba-Hologrammen, Plattenaufnahmen im nachbauten Polar Studio, bei "persönlichen" Gesprächen mit den Idolen am "Ring Ring"-Phone und natürlich Selfies mit den lebensgroßen Silikonfiguren von Göran Lundström. Außerdem kann Platz genommen werden im kultigen Hubschrauber vom 76er-"Arrival"-Cover oder ganz romantisch auf der Holz-Bank neben den Abba-Stars.

 

Filmregisseur Jonas Akerlund, bekannt durch die skandalträchtigen Prodigy-Tracks, hat für das Abba Museum einen gewohnt schnell geschnittenen Intro-Film produziert, zu sehen gibt es natürlich auch die Original-Abba-Videos und Ausschnitte aus dem 77er Abba-Movie von Lasse Hallström, der maßgeblich am marketingtechnischen Erfolg der Band beteiligt war. Viele Privatfotos stammen direkt aus den Händen der schwedischen Popstars selbst, die sich in der Musikerszene kennenlernten und sich noch vor dem Karriere-Durchbruch ineinander verliebten.

 

"Breaking up is never easy..." - Die Songzeile aus dem 76er-Hit "Knowing me, Knowing you" - wurde allerdings privat und beruflich zu ihrem Schicksal. Sowohl die Ehe von Agnetha & Björn (1979) als auch jene von Benny und Frida (1981) ging in die Brüche. Kurz danach wurde die letzte Abba-LP "The Visitors" (mit dem romantischen Single-Hit "One of Us") veröffentlicht. Wie erfolgreich die vier Schweden in den zehn aktiven Bandjahren zwischen 1972 und 1982 waren, zeigen nicht nur die vielen Goldenen Schallplatten, sondern auch die zahlreichen Merchandising-Artikel in der Ausstellung und im Shop (zu denen sich auch ein Conchita Wurst gesellte :-)).

 

In einem Interview behauptete Benny, dass eine gänzliche Trennung ursprünglich gar nicht geplant war. Man wollte eigenständige musikalische Wege gehen (was tatsächlich ja auch geschah). Benny und Björn komponierten das Musical "Chess" mit dem Mega-Hit "One Night in Bangkok", die ehemaligen Leadsängerinnen Agnetha und Frida produzierten Solo-Alben mit Single-Ohrwürmern wie "The Heat is on" und "Something´s going on". Das Abba-Museum zeigt seit Mai 2018 im Rahmen einer Sonderschau auch die Karriere der vier Schweden nach der Auflösung. So zählt das Best of-Album "Gold" aus dem Jahre 1992 mit 31 Millionen verkauften Exemplaren zu den weltweit erfolgreichsten Alben. Das 1999 in London uraufgeführte Abba-Musical "Mamma Mia" wurde bis heute von mehr als 60 Millionen Zuschauern besucht. Zu einem Riesen-Publikumshit kristallisierte sich auch die Musical-Verfilmung "Mamma Mia" aus dem Jahre 2008, eine Fortsetzung unter dem Titel "Here we go again" läuft aktuell in den Kinos.

 

Die Abba-Welle ist nicht am Abebben. Im Gegenteil. Die vier Band-Mitglieder waren kürzlich nach 35 Jahren wieder gemeinsam in den Studios, um für eine Erinnerungsshow mit Abba-Avataren zwei neue (!) Songs einzuspielen. Für das Museum im Herzen Stockholms brechen goldene Zeiten an. So frei nach dem Abba-Motto: "The Winner takes it all!"

Neues Arbeitszeitrecht: Kein Rechtsschutz mehr für "untergeordnete" Führungskräfte!

Am 1. September 2018 tritt eine Novelle des Arbeitszeitgesetzes in Kraft, beschlossen von ÖVP, FPÖ und Neos. Die öffentlichen Diskussionen drehen sich vorwiegend um den 12-Stunden-Tag. Tatsächlich enthalten die neuen Paragraphen noch zahlreiche weitere Verschlechterungen für die Arbeitnehmer, darunter auch für die "dritte Führungsebene".

 

Das Arbeitszeitgesetz normiert im § 1/2 Ausnahmen vom Geltungsbereich, beispielsweise für "leitende Angestellte". Darunter versteht man Arbeitnehmer der 2. Führungsebene (direkt unter der Unternehmensführung), die wesentliche Teilbereiche eines Betriebes eigenverantwortlich leiten und auf den Bestand und die Entwicklung des Unternehmens Einfluss nehmen. Diese verfügen zumeist über ein eigenes Budget, organisieren die Diensteinteilung der Mitarbeiter, erhalten ein überdurchschnittlich hohes Gehalt und bestimmen ihre Arbeitszeit weitgehend selbst.

 

Für diese leitenden Angestellten gelten aufgrund des geringeren Schutzbedürfnisses weder das Arbeitszeitgesetz noch das Arbeitsruhegesetz. Das heißt, dass für diese Arbeitnehmer keine Höchstarbeitsgrenzen und keine gesetzlichen Mindestruhezeiten existieren. Es bestehen auch keine gesetzlichen Vorschriften zur Überstundenzahlung. Die Arbeitszeit muss für diese Arbeitnehmer überhaupt nicht erfasst werden. 

 

Diese Ausnahmeregelung wird durch die neue Bundesregierung jetzt erweitert auf "Arbeitnehmer, denen maßgebliche selbständige Entscheidungsbefugnis übertragen ist und deren gesamte Arbeitszeit aufgrund der besonderen Merkmale der Tätigkeit a) nicht gemessen oder im voraus festgelegt wird, oder b) von diesen Arbeitnehmern hinsichtlich Lage und Dauer selbst festgelegt werden kann."

 

Kurz gesagt: Eine Ansammlung unbestimmter Gesetzesbegriffe, die auf jeden Fall eine Folge nach sich zieht: Eine drastische Verschlechterung der Arbeitnehmerrechte für die sogenannte "3. Führungsebene", für die ab 1. September die Schutzvorschriften des Arbeitszeitrechts nicht mehr gelten.

 

Darunter könnten laut Arbeitsrechtsexperten u.a. Filialleiter von Supermärkten, Teamleiter in Betrieben, Außendienstmitarbeiter, PR-Leute, Rechtsexperten in Unternehmen oder technisches Fachpersonal fallen. Werden diese unter die neue Ausnahmebestimmung subsumiert, dann haben sie nicht einmal mehr das – ohnehin fragwürdige – freiwillige Recht, Überstunden ab der 11. Stunde abzulehnen. 

 

Anwälte warnen - auch in Hinsicht auf eine restriktive EU-Richtlinie - vor zahlreichen Prozessen, bei denen aber in jedem Fall der Arbeitnehmer der Benachteiligte ist. Selbst wenn er den Rechtsstreit gewinnt, ist zumeist der Arbeitsplatz ade.

 

Der Großteil der Arbeitnehmer sollte also noch die letzten Sonnenstrahlen genießen. Ab September herrscht dank der schwarz-blauen Regierung ein härterer Ton in der Privatwirtschaft.

Kunst und Ironie im Waldviertel - Der Karikaturgarten in Brunn am Walde!

Karikatur-Fans haben in Niederösterreich mehrere Optionen. Einerseits auf einen Trip in die Wachaumetropole Krems zum Karikaturmuseum, andererseits auf einen Ausflug in das Waldviertel nach Brunn am Walde in den Karikaturgarten.

 

In beiden Lokalitäten steht der im Juni verstorbene Künstler Manfred Deix Pate, in Krems mit einer Dauerausstellung, im Karikaturgarten mit einer genialen Holzskulptur von Franz Traunfellner, Tschik und Katzen inklusive. Diese ist aber beileibe nicht das einzige Meisterwerk in der historischen Gartenanlage Lichtenaus.

 

Der 2010 eröffnete Karikaturgarten, der von der Gartenbauschule Langenlois gepflegt wird, enthält neben stets aktualisierten Zeichnungen des renommierten Karikaturisten Bruno Haberzettl zahlreiche Skulpturen aus Stein, Holz und Keramik. Die Motive reichen von Sagenfiguren (wie Teufel, Wassermänner, Hellseher oder Steinversetzer), Prominenten (wie Kaiser Franz Josef und Lauda als Schachfiguren) bis hin zu Politikern (Pröll als Schutzpatron "Erwinia", Mikl-Leitner) und Zeichentrick-Figuren. So personifizieren Asterix und Obelix das "Gallische Dorf Lichtenau". Der Zaubertrank: Ein Zwettler.

 

Auf dem "Schlafbaum" dagegen gehen 18 Krähen ihrer verdienten Ruhe nach. Jede von ihnen repräsentiert einen Arbeiter einer der 18 Gemeinden Lichtenaus, die nach getaner Arbeit wieder in ihre Heimat zurückkehren.

 

 

Bei einigen Installationen blitzt deutlich eine Sehnsucht nach vergangenen Zeiten auf. Als der Bauer noch Selbstversorger war, das Pferd noch die Aufgaben der Traktoren übernahm oder noch keine künstlichen Hotels in den Naturlandschaften errichtet wurden. Der Karikaturgarten präferiert ein sogenanntes "5 Sterne-Nützlingshotel" - deren Bewohner: Schmetterlinge, Larven und Ohrwürmer.

 

Der "Märchenerzähler" thematisiert die Informationsflut durch Fernsehen und Internet in Form eines Trichters. Was der individuelle Medienkonsument tatsächlich in sich aufsaugt, bleibt ihm überlassen und liegt im Spannungsfeld zwischen einer unzensurierten Aufnahme und einer fundierten Wahrheitsprüfung der Nachrichten.

 

Erotik pur gleich links im vorderen Bereich des Karikaturgartens. Dort räkelt sich die aus der Goethe-Ballade "Der Fischer" bekannte Figur der Müllerstochter Leni. Kurz, bevor sie vom "Donaufürst von Strudengau" ins Wasser gezogen wird. 

 

Der künstlerisch anspruchsvolle, informative und unterhaltsame Karikaturgarten in Brunn am Walde ist geöffnet von 1. April bis 15. November, täglich von 9 bis 20 Uhr. Und auf jeden Fall einen Ausflug ins grüne Waldviertel wert!

 

www.karikaturgarten.at

www.tourismuslichtenau.at

"Summer of Love!" in Wien: Open Air-Techno mit Nina Kraviz, Maceo Plex & Co.

Junge Leute mit Sonnenblumen in den Haaren, Sunglasses im Gesicht, einem beschwingten Lächeln und tanzend am hellichten Tag unter freiem Himmel! Ibiza? Goa? Tomorrowland? Nein, Epizentrum Wien, Traktorfabrik mitten in Floridsdorf.

 

"Summer of Love" nennt sich das Open Air-Festival, das nach seiner Premiere im Vorjahr zum zweitenmal auf dem ca. 4000m2 großen Gelände der Traktorfabrik organisiert wurde. Die für Wiener Verhältnisse ungewöhnliche Veranstaltungszeit: 12 Uhr mittags bis 22 Uhr.

 

Auf dem Line Up standen nicht nur regionale Tech House- und Minimal-Techno-DJ´s, sondern auch internationale Top-Acts und Newcomers. Zu letzteren zählt beispielsweise der britische Industrial Techno-Produzent Blawan, der bereits für Radiohead-Remixes verpflichtet wurde und um 16 Uhr nachmittags die Party People zum Tanzen brachte.

 

Viele warteten zu dieser Zeit natürlich bereits auf die russische Techno-Queen Nina Kraviz. Die in Irkutsk geborene Doktorin der Zahnmedizin (sic est!) ist seit 2008 groß im Geschäft - mit Gigs im renommierten Moskauer Club Propaganda, Minimal Techno-Tracks a la "Pain in the Ass" oder "Ghetto Kraviz" und seit 2014 auch mit ihrem eigenen Label "Trip". "Techno is a Phenomenon like Jazz", so ihre Diktion. Auch die einschlägigen Medien wie MixMag sind von der temperamentvollen Djane begeistert ( https://mixmag.net/feature/nina-kraviz-is-our-dj-of-the-year), die keines ihrer Auftritte speziell vorbereitet, sondern sich vom Moment kreativ inspirieren lässt. Die "Summer of Love"-Besucher waren auf jeden Fall begeistert von ihrem frühabendlichen Set zwischen 17.30 Uhr und 19 Uhr.

 

Unmittelbar darauf betrat die Techno-Legende Rush die DJ-"Bühne" in der Silhouette der Traktorfabrik. Isaiah Major, so sein eigentlicher Name, stammt aus Chicago und war dort einer der stilprägenden Techno-Protagonisten in Clubs wie dem Powerhouse und dem legendären Warehouse. Obwohl bereits etwas älter als der Großteil der Techno Freaks trifft Rush weiterhin den Geschmack der Party People.

 

In Ibiza derzeit groß angesagt ist der in Valencia lebende US-Techno-Produzent Maceo Plex. So stehen u.a. Auftritte im Privilege, Amnesia ("Pyramid"), DC 10 oder Hi Ibiza in seinem Tour-Programm. Von den "Summer of Love"-Veranstaltern wurde er als innovativer "Surprise"-Act für die "Sperrstunde" bis 22 Uhr verpflichtet. Der Sound: Eine progressive Mixtur aus Future Techno, Trance und Minimal Beats, passend zum Sonnenuntergang und zu den Visuals. Mit auf der Setlist sein brandneuer "Blade Runner"-Remix. The Replicants are still alive. Dies gilt auch für die aufgeheizten Party People. Weiter getanzt wurde dann u.a. in der Grellen Forelle bei der offiziellen After Hour.

 

Man darf gespannt sein, ob auch nächstes Jahr wieder eine "Summer of Love" oder ein ähnliches Open Air-Event in Wien stattfindet. Die Veranstalter beklagten auf Facebook Probleme mit dem Magistrat und den Anrainern. Das Echo der Techno-Fans war auf jeden Fall mehr als positiv.

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"Liberte, Egalite, Mbappe" - Frankreich zum zweitenmal Fußball-Weltmeister. Ein Rückblick!

"Liberte, Egalite, Mbappe!" - Das sind die neuen Parolen der Franzosen nach dem triumphalen Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Moskau. Und tatsächlich steht der 19jährige Shooting Star, Sohn eines Kameruners und einer Algerierin, aufgewachsen in den Banlieus, als Symbol für eine multikulturelle Gesellschaft jenseits von nationalen Grenzen, die vorurteilsfrei nach gemeinsamen Zielen strebt. Der zweite Titel nach 1998 ist natürlich auch ein Triumph für den liberalen Präsidenten Macron, den es kaum auf den Sitzen der Ehrentribüne hielt, und Balsam für das französische Volk nach den tödlichen Terroranschlägen im Herzen von Paris.

 

In die Fußballgeschichte Frankreichs geht auch Didier Deschamps ein. 1998 beim ersten WM-Sieg Mannschaftskapitän, 20 Jahre später Erfolgstrainer, der es schaffte, aus einer schwer zähmbaren Truppe von Individualisten rund um Griezmann, Pogba & Co. ein kompaktes Team mit einer effektiven Defensivstrategie zu formen. Die Franzosen eliminierten im Achtelfinale Argentinien, im Viertelfinale Uruguay und dann im Semifinale durch ein Tor des Barcelona-Verteidigers Umtiti die "goldene Generation" der Belgier. Im Finale gegen Kroatien war ihnen in der ersten Hälfte auch das Glück hold. Dem Freistoß zum 1:0 (durch ein Eigentor von Mandzukic) ging eine Schwalbe von Griezmann voran. Nach dem Ausgleich von Perisic erzielte Antoine Griezmann durch einen nach einem Videobeweis verhängten Elfmeter den Führungstreffer. In den ersten Minuten der zweiten Hälfte machten aber die Offensivstars der Franzosen alles klar: 3:1 Pogba, 4:1 Mbappe, nach dem Finalspiel mit dem Young Player Award ausgezeichnet. Das 2:4 nach einem Fehler des ansonst souveränen Schlussmannes Lloris war nur noch Formsache. 

 

Die Kroaten brauchen aber über die Niederlage nicht unglücklich sein. Das 4-Millionen-Land erreichte 2018 erstmals ein Finale und - nach dem 3. Platz bei der WM 1998 - die beste Platzierung bei einem internationalen Fußball-Bewerb. Das Team des erst im Oktober 2017 aus der Arabischen Emirate verpflichteten Trainers Zlatko Dalic hatte es - trotz leichterer Auslosung - viel schwerer, ins Finale zu kommen. Elfmeterschießen gegen Dänemark und Russland, im Semifinale 2:1-Verlängerung gegen die Engländer. Scheinbar unermüdlich im Zenit des kroatischen Angriffsfußballs: Luka Modric. Der Real-Star wurde für seine Leistungen bei der WM zum besten Spieler des Turniers ("Golden Ball Winner") ausgezeichnet. Vor Eden Hazard (Belgien) und Antoine Griezmann. Die Kroaten dürfen stolz sein auf ihr Nationalteam, und das sind sie auch, wie dies erste Fan-Reaktionen aus "Little Zagreb" in Ottakring gezeigt haben.

 

 

"Football´s coming home", die Fußballerhymne der Briten, schaffte in der Finalwoche den Sprung auf Platz 1 der UK-Single-Charts. Das blieb den Kickern zwar verwehrt, die Erfolgskurve zeigt aber steil nach oben: Erstmals seit 1990 wieder in einem Semifinale, den "Elferfluch" gegen Kolumbien besiegt und die stetig positive Entwicklung eines neuen Teams rund um WM-Torschützenkönig Kane, Goalie Pickford und den stets im eleganten Gilet auftretenden Coach Southgate. Nach einer 2:0-Niederlage im Spiel um Platz 3 gegen Belgien belegten die Engländer Platz 4.

 

Frühes Aus für die Superstars des runden Leders. Cristiano Ronaldo, beim spannenden 3:3-Thriller gegen Spanien noch mit einem Triple Pack erfolgreich, musste bereits nach der 1:2-Achtelfinalniederlage gegen Uruguay seine Koffer packen. Auch ein Klubwechsel steht bevor: Nächste Saison kickt Ronaldo für eine Gage von 30 Millionen Euro netto bei Juventus Turin.

 

Lionel Messi bleibt zwar weiterhin bei Barcelona, den Traum vom Weltmeistertitel dürfte der nunmehr 31jährige  - im Gegensatz zu dem in den VIP-Logen exzessiv feiernden Diego Maradona - wohl begraben. Nach einer bereits mühsamen Vorrunde (mit einer Niederlage gegen Mexiko) verloren die Argentinier gegen die Franzosen im Achtelfinale mit 3:4.

 

Auch nur bis ins Viertelfinale schaffte es der teuerste Transfer der Fußballgeschichte, Neymar. Die Selecao musste sich dort gegen die Belgier mit 1:2 geschlagen geben. Neymar selbst wurde wegen seiner theatralischen Einlagen mit Spott aus dem Internet konfrontiert. Zu seiner Ehrenrettung: Er war mit 26 Fouls auch der meistgefoulte Kicker der Fußballweltmeisterschaft.

 

Insgesamt 3087 Pässe absolvierten die Spanier, somit klare Nr. 1 in dieser WM-Statistik. Genützt hat die Ballüberlegenheit der Furia Roja allerdings nichts. Die russischen Gastgeber besiegten bereits im Achtelfinale die Spanier im Elfmeterschießen, als neuer Trainer wurde während der WM der ehemalige Nationalspieler Luis Enrique bestellt. Vermutlich mit dem Ziel einer Neupositionierung des spanischen Stils.

 

Bereits nach der Gruppenphase war Endstation für den Titelverteidiger Deutschland. Gerade noch dem vorzeitigen Aus gegen Schweden entronnen. schmissen die Südkoreaner die Löw-Truppe aus dem Bewerb. Laut Statistik ist die WM 2018 die erste Weltmeisterschaft seit 1930, an dem weder Brasilien noch Deutschland im Semifinale stehen.

 

Riesenpech für das Team aus Senegal. Zwei gelbe Karten zuviel waren der Grund, warum die Afrikaner nach der Gruppenphase die Heimreise antreten mussten. Die ersten Opfer der neuen "Fair Play"-Regel.

 

Ebenfalls zum ersten Mal eingesetzt wurden sogenannte Videoassistenten, die bei 4 Spielsituationen (Tore, Strafstöße, Rote Karten und Verwechslungen) herangezogen werden können bzw. selbst per Funk die Möglichkeit zur Intervention haben. Die Evaluierung dieser "Video Assistent Referees" wird nicht einfach werden. Vor allem die Auswahl der überprüften Spielzüge wird von Experten kritisiert. Auswirkungen hatte die zu begrüßende Maßnahme jedenfalls auf die hohe Anzahl von Elfmetern, so auch im WM-Finale.

 

Und der Gastgeber? Der stieß unter der Fittiche des ehemaligen FC-Tirol-Tormannes Tschertschessow mit disziplinierter Verteidigungstaktik überraschend bis ins Viertelfinale vor. Im Elfmeterschießen mussten sich die Russen allerdings dem späteren Vizeweltmeister Kroatien geschlagen geben. 

 

Gesellschaftlich war rund um die Spielstätten eine Aufbruchsstimmung zu spüren. Friedliche Parties der Fußball-Fans auf den Straßen, Toleranz seitens der sonst rigiden Sicherheitsbehörden. Ob dieses freie Lebensgefühl allerdings anhalten wird, ist leider eher zu bezweifeln.

 

Das nächste Fußball-Großereignis findet in 2 Jahren statt, und zwar erstmals nicht in einem oder zwei Ländern,  sondern an 12 verschiedenen Spielorten in Europa. Teilnahmeberechtigt sind wie 2016 wieder 24 Nationalmannschaften, Halbfinale und Finale werden im Londoner Wembley-Stadion ausgetragen. Then Football´s truly coming home :-)

Überwachung on Air: Nationalrat beschließt Vorratsdatenspeicherung der Fluggastdaten!

Die Regierungen können es einfach nicht lassen. Bereits dreimal wurde seitens des EuGH entschieden, dass eine Vorratsdatenspeicherung nicht mit unseren Grundrechten vereinbar ist. Zuletzt 2017, als der Europäische Gerichtshof festgestellt hat, dass ein Abkommen zum Austausch von Fluggastdaten zwischen der EU und Kanada dem Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens und dem Schutz personenbezogener Daten widerspricht. Höchstwahrscheinlich ist auch die PNR-Richtlinie der EU als grundrechtswidrig zu betrachten.

 

Der Terminus PNR leitet sich von "Passenger Name Records" ab, zu deutsch Fluggastdatensatz. In diesem werden alle Daten und Vorgänge rund um eine Flugbuchung elektronisch aufgezeichnet und auch nach Ende der Flugreise noch in den Computersystemen gespeichert. Die schwarz-blaue Bundesregierung hat kürzlich im Nationalrat die PNR-Richtlinie in nationales Recht ("PNR"-Gesetz) umgesetzt und die ohnehin schon umstrittene Vorratsdatenspeicherung überschießend konstruiert.

 

Ziel des PNR-Gesetzes ist die Verarbeitung von Fluggastdaten zur Vorbeugung, Verhinderung und Aufklärung von terroristischen und bestimmten anderen Straftaten. Zuständig ist die Fluggastdatenzentralstelle (Passenger Information Unit), die beim Innenministerium eingerichtet ist. Die Verpflichtung zur Übermittlung von Fluggastdaten gilt laut EU-Richtlinie an sich nur für Passagiere, die aus Nicht-EU-Ländern nach Österreich einreisen bzw. von Österreich in einen Drittstaat fliegen. Im § 2/5 des PNR-Gesetzes wurde allerdings eine Verordnungsermächtigung für den Innenminister festgelegt. Dieser kann den Anwendungsbereich des Überwachungsgesetzes jederzeit auf Flüge innerhalb der EU erweitern. Kritisiert wird diese Übererfüllung der Richtlinie nicht nur von der Opposition, sondern auch von Grundrechtsorganisationen wie epicenter.works.

 

Es handelt sich dabei nicht um den einzigen Kritikpunkt in dieser heiklen Materie. Mangelnder Rechtsschutz, zu geringer Datenschutz oder eine Diskriminierungsgefahr bei sogenannten "Treffern" werden von Grundrechtsexperten als weitere Argumente gegen die Richtlinienumsetzung herangezogen.

 

Wie läuft das Procedere? Die PNI ist ermächtigt, die einlangenden Fluggastdaten vor der Ankunft oder dem Abflug mit Daten aus Fahndungsevidenzen bzw. anhand festgelegter Kriterien abzugleichen und das Ergebnis in einer PNR-Datenbank zu verarbeiten. Begründete Ersuchen können von Sicherheitsbehörden, Staatsanwaltschaften, Gerichten, aber auch von der EU-Polizeibehörde Europol gestellt werden. Daten in der PNR-Datenbank und in der Trefferverwaltung sind fünf Jahre nach Übermittlung durch die Luftfahrtsunternehmen zu löschen, eine Depersonalisierung des Fluggastes erfolgt nach sechs Monaten, die allerdings wieder aufgehoben werden kann.

 

Die Kontrolle der Rechtmäßigkeit obliegt einem weisungsfreien Datenschutzbeauftragten. Dieser ist von der Aufhebung einer Depersonalisierung und von jeder Übermittlung an Drittstaaten zu informieren. Eine nationale Kontrollstelle, wie sie die PNR-Richtlinie fordert, wurde in Österreich nicht eingerichtet.

 

Was man in Österreich unter "Fluggastdaten" versteht, schlüsselt der § 3 des PNR-Gesetzes ausführlich auf. Dazu gehören nicht nur Buchungsdatum, Abflugdatum, Vor- und Familiennamen, Anschrift, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, sondern auch alle Arten von Zahlungsinformationen, Reiseverlauf, Reisestatus, Sitzplatzinformationen, vollständige Gepäckangaben und die Namensangaben von Mitreisenden.

 

Private Daten und Informationen, die gebündelt beim Innenministerium zusammenlaufen und deren Verarbeitung einer mangelhaften Kontrolle unterliegt. Österreich bewegt sich zusehends in Richtung exzessiver Überwachungsstaat. Mit einer zusätzlichen Ermächtigung an den Innenminister, diesen durch eine einfache Verordnung zu erweitern. Es kommt einem im Hochsommer das Frösteln. 

"Vorsicht Ausländer!" - Plakate gegen Rassismus von Patricio Handl!

Schlendert man auf der Linken Wienzeile direkt am Naschmarkt Richtung Karlsplatz, dann entdeckt man an der Scheibe eines Lokals ein großes Plakat mit einer Aufschrift, die einem sofort im Gedächtnis bleibt und Labsal ist in einer Welt, die immer mehr gekennzeichnet ist durch Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und mangelnde Nächstenliebe: "Ach Wien, ohne uns fremde Migranten, Zugewanderte, hättest du weder Vergangenheit noch Zukunft."

 

Dieses Plakat stammt vom Wiener Grafikdesigner Patricio Handl, selbst Kosmopolit und engagierter Aktivist gegen Xenophobie. Handls Vater floh 1938 von den Nazis nach Montevideo, dort wurde Patricio als Sohn einer Uruguayanerin geboren. Sein Lebensweg führte ihn weiter nach Chile, Buenos Aires, Hamburg (wo er studierte) bis vor 30 Jahren nach Wien. 

 

Äußerungen wie "Ein Land ist kein Einwanderungsland" stören ihn und widersprechen komplett der Realität. "Politiker, die so etwas verbreiten, hätten eine Macke" und haben nur ein Ziel: Die Bevölkerung gegen Ausländer und Migranten aufzuhetzen. 

 

Selbst in seinem Geburtsort Montevideo, seit jeher gekennzeichnet durch ein einwanderungsfreundliches Klima, seien Migranten mit Diskriminierungen bei der Arbeits- und Wohnungssuche konfrontiert.

 

Handls Plakate gegen Rassismus, die er gerne auch als "Patografie" bezeichnet, sind  - wie kürzlich in der ORF-Sendung "Heimat fremde Heimat" ausgestrahlt - jetzt auch in der Hauptstadt Uruguays zu betrachten. Und zwar im "Museum der Migrationen" unter dem ambivalenten Titel "Wir gegen die anderen". Teils in Übersetzung, teils original mit spanischer Erklärung. Aufdrucke wie "Vorsicht Ausländer" oder "Armländer sind Ausländer" zeigen auch in Montevideo ihre Wirkung und sorgen für Nachdenklichkeit und Betroffenheit, aber auch für Motivation, diese negativen gesellschaftlichen Strömungen zu bekämpfen.

 

Denn eine alternde Gesellschaft brauche Einwanderung. Und Migranten dürfen sich nicht fremd im fremden Land fühlen.

ORF-Beitrag aus der TV-Sendung "Heimat Fremde Heimat" (Juni 2018)

Nova Jazz & Blues Night in Eisenstadt mit Parov Stelar & Jestofunk!

"Das einzige Österreich-Konzert von Parov Stelar im Jahr 2018" - Mit diesem Teaser konnten die Veranstalter des diesjährigen Nova Jazz & Blues Night-Festivals ziemlich sicher mit einem Massenansturm rechnen. Und tatsächlich war trotz unsicherer Wettervorhersagen der Schlosspark Esterhazy in Eisenstadt bereits am Nachmittag prall gefüllt, egal ob auf den Tribünen, vor den gastronomisch-kulinarischen Ständen oder ganz chillig auf ausgebreiteten Picknickdecken. 

 

Das Festival, das stets mit den samstäglichen "Lovely Days" terminlich zusammengelegt wird, findet seit 2016 in der burgenländischen Landeshauptstadt statt und bot 2018 ein anspruchsvolles, unterhaltsames Line-Up: Hot Pants Road Club, Freak Power (einst in den 90ern mit Fatboy Slim und einem Levis-Werbespot sogar Platz 1 in den Pop-Charts) und die australischen Funk-Rocker Cat Empire heizten bereits am sonnigen Nachmittag kräftig ein.

 

Erster Höhepunkt für die tanzfreudigen Gäste waren die italienischen Jungs von Jestofunk, die in den 90ern mit housigen Acid Jazz-Beats weltweit für volle Tanzflächen sorgten. "Can we Live", I´m gonna love you" oder "Say it again" hießen die Anthems des Trios aus Ravenna, stets interpretiert vom amerikanischen Soul-Sänger Ce Ce Rogers. Der war auch in Eisenstadt mit live auf der Bühne und präsentierte dort auch ein cooles Cover des Ibiza-Hits "Promised Land". Eine Female Voice mit Rap-Ambitionen durfte nicht fehlen. Das Dance Inferno im Schlosspark bei idealem Dämmerungsanfall war perfekt.

 

Vor dem Auftritt der Electro Swinger betrat Gregory Porter, stets bedeckt mit einer Ballonmütze, die Bühne. Der US-Sänger war einst ein erfolgreicher American Footballer, der allerdings nach einer Schulterverletzung verzweifelt seine Karriere beenden musste. Heute ist er einer der erfolgreichsten Jazzsänger und erhielt 2013 für sein Album "Liquid Spirit" den Grammy. Sein letztes Album widmete er seinem Vorbild Nat King Cole. Die Arrangements ideal für Verliebte und Verträumte, aber auch für jene, die noch Kräfte sparen wollten fürs nächtliche Abshaken zu Parov Stelars Swing Beats.

 

Weltberühmt nicht nur in Österreich, sondern weltweit. Diese Trademark passt kongenial zu Marcus Füreder (alias Parov Stelar) aus Linz und seiner Band, die bereits auf allen Breiten- und Längengraden der Welt spielten. Los Angeles, Mexico, Seoul, Broadway New York, Paris, Glastonbury, Sziget,... Das Konzept: Großartige Live-Musiker mit der Besetzung Posaune, Trompete, Saxophon, Gitarre und Drums, eine elegante, chice Vocalistin (Cleo Panther), und das unter der Regie von Parov Stelar als Laptop-DJ im Background. Der Sound: Swing aus den 20ern und 30ern, kreative Samples aus der Pophistory, unterlegt mit modernen Electro-Beats zum Tanzen.

 

Die Parov Stelar ist aufgrund ihrer zahlreichen Auftritte perfekt eingespielt, die Lightshow kontrastreich und grell, die Setlist abwechslungsreich. Neue Tracks aus dem Album "The Burning Spider" (das erstmals auch Blues-Elemente enthält) variieren mit unveröffentlichem Material und Klassikern wie dem im Italien mit Doppelplatin ausgezeichneten "All Night", "Catgroove" oder "Clap your Hands". Die Wirkung lässt nicht zu wünschen übrig: Das Publikum in Eisenstadt tanzt, singt und klatscht von der ersten bis zur letzten Minute. 

 

Für den siebenfachen Amadeus Award-Gewinner Füreder keine Selbstverständlichkeit. Dieser bedankt sich vor dem letzten Track persönlich bei seinen Fans und lässt auch seinen anwesenden Vater herzlich grüßen. Das Finale übernimmt stimmlich dann wieder Cleo Panther. "Step Two" heißt der neue Song aus dem letzten Album, dort singt ihn Lilja Bloom. Die Ehefrau von Parov Stelar :-)

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Donauinselfest Tag 3: Ina Regen; Ofenbach; Portugal the Man.

Die im oberösterreichischen Grieskirchen geborene Regina Mallinger war bis vor kurzem neben ihrer Tätigkeit als Gesangspädagogin eine talentierte Background-Sängerin. Das bezaubernde Lied "Wie a Kind" unter ihrem Pseudonym Ina Regen machte sie in ganz Österreich bekannt. Der Donauinselfest-Auftritt vor zehntausenden Besuchern zählt zu ihrem bisherigen Karriere-Highlight, was sie auch immer wieder freudenstrahlend betont.

 

Die für den Amadeus Award nominierte Künstlerin präsentierte - am Klavier sitzend - neben ihrer ersten Single auch das durch das Conchita-Duett bekannt gewordene Goisern-Cover "Heast as nit", die neue Single "Paris" und einige Uptempo-Tracks aus ihrem im Herbst erscheinenden Album "Klee". Überzeugen konnte die sympathische Sängerin auch mit einem Cover des Grönemeyer-Hits "Mensch".

 

Ein gutes Händchen beweisen die Donauinselfest-Veranstalter stets mit den sonntäglichen Dance-Acts. Nach Robin Schulz und Lost Frequencies wurden dieses Jahr die französischen Deep House-DJ´s von Ofenbach gebucht. Neben ihren Superhits "Be Mine", "Katchi" und "Party" mixten die Newcomer Laurent de Rummel und Dorian Lauduique auch bekannte "Rock-Samples" der Chillipeppers, White Stripes und Joan Jett in ihre unterhaltsame Set-List.

 

Das Finale bestritten auf der FM4-Bühne die Indie Rocker von Portugal the Man, die kürzlich für ihren Superhit "Feel it still" einen Grammy Award erhielten. Produziert von Gorillaz-Mixer Danger Mouse und unter der Regie von Sänger John Gourley spielte die aus Alaska stammende Band vor einer prall gefüllten Hügel-Kulisse im westlichen Bereich der Donauinsel. Mit dabei: Tracks aus ihrer seit 2004 bestehenden Band-History von "Modern Jesus", "Hip Hop Kids" bis "Live for the Moment", Covers von Pink Floyd ("Another Brick in the Wall") und den Beatles ("Hey Jude" als Finale), stets begleitet von witzigen Sprüchen auf den Videowalls (wie "The Hit is coming soon"). 

 

Insgesamt besuchten 2,4 Millionen Menschen das diesjährige 35. Donauinselfest mit insgesamt 18 Themeninseln und 600 Stunden Programm.  Trotz vergleichsweise kühler Temperaturen.

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Donauinselfest Tag 2: Konstantin Wecker - Poesie & Widerstand gegen Rechts!

Es war zweifelsohne der wichtigste Auftritt beim Donauinselfest 2018. Und man sollte eigentlich jedem einzelnen österreichischen Wahlberechtigten eine Kopie dieser Performance schicken. Oder zumindest einen Textabzug. Konstantin Wecker, kürzlich 71 geworden, betrat Samstag Abend kurz vor 8 mit seiner Band die Bühne und sprach dort Klartext getreu seines letzten Albums "Poesie und Widerstand" und seiner persönlichen Wertvorstellungen.

 

Für eine offene Gesellschaft, Toleranz und Nächstenliebe und gegen Rassismus, Faschismus und jene widerwärtigen Rechtspopulisten, die in ganz Europa versuchen, die Gesellschaft zu spalten. Die österreichische Kurz-Strache-Regierung blieb nicht ungeschoren. Im Gegenteil: Sie wurde von Wecker genau in jenes Salvini-Orban-Le-Pen-Seehofer-Eck gestellt, in dem sie sich - eitel wie ein Pfau - medial präsentiert. Lieder wie "Empört euch", "Sage Nein" oder eine neue Version des legendären "Willi" (siehe Text unten) zeigen die Stoßrichtung, mit der die Mehrheit (die es noch immer gibt) auf Rechtsextremis und Ausländerhass reagieren soll und muss. 

 

"Deutschland weint, wenn Mexiko im Fußball gewinnt und schaut weg, wenn 600 Flüchtende im Meer ausharren und Italien die Häfen dicht macht." - Eine erschütternde Anekdote von Wecker in der Dämmerung der Nacht. Das zweite Spiel gewannen übrigens Deutschen gegen die Schweden durch ein Kroos-Tor in der letzten Minute. Die germanische Fußball-Welt ist wieder in Ordnung, die echte bricht in sich zusammen.

 

Der holländische Star-DJ Fedde le Grand, einst Nr. 1 in den UK-Charts mit "Put your Hands up for Detroit", liefert auf der Krone Hit-Bühne den Soundtrack für die house- und technoverliebte Young Generation der Donauinsel. Und erreicht zumindest auf dem Dancefloor jenen melting Pot unabhängig von Staatsangehörigkeit, Herkunft oder Religion, den wir uns gesellschaftlich so gerne wünschen.

 

Während Lisa Stansfield auf der Main Stage versucht, einen Spagat zwischen Klassikern wie "All around the World" und neuen Tracks wie "Deeper" zu finden, weiht der in Tulln geborene Liedermacher Voodoo Jürgens seine Gästeschar ins düstere Wiener Lied des 21. Jahrhunderts ein. Inklusive "Haberer" wie Kathi Trenk, Ernst Molden und natürlich den Nino aus Wien. Auch eine gelungene Ludwig Hirsch-Coverversion ("Omama") darf auf der kultigen FM4-Bühne nicht fehlen. Mehr davon gibt es im Herbst im Rahmen einer Voodoo Jürgens-Special Tour zu hören.

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Donauinselfest Tag 1: Wanda; Rea Garvey; Mavi Phoenix; Mainframe Recordings.

2015 spielten die Jungs von Wanda noch auf der (kleineren) Indie-Bühne von FM4, 3 Jahre später brillieren sie als Headliner auf der Ö3-Main Stage vor zehntausenden Zuschauern. 3 Alben - "Amore", "Bussi" und "Niente" - haben sie seitdem produziert, zahlreiche Nr. 1-Platzierungen (zuletzt mit der Single "Columbo") und monatelange Tourneen auch durch Deutschland und die Schweiz.

 

Nach der zuletzt wieder ausverkauften Wiener Stadthalle zählt der Donauinsel-Auftritt zweifellos zu den bisherigen Highlights ihrer noch kurzen Karriere, Falco musste darauf länger warten und stand zuletzt (1993) auch im Regen. Wanda, die nicht nur ihre Gassenhauer "Bologna", "Bussi Baby" oder "Columbo" auf der Setlist hatten, sondern auch Avantgarde-Stücke wie "Schottenring", "Ich sterbe" oder "Ein letztes Wienerlied", wurden stattdessen mit kühleren Temperaturen konfrontiert. Die schien Sänger Marco, teils nur mit kurzem weißem T-Shirt bekleidet, allerdings kaum zu spüren.

 

Ein gerngesehener Gast auf der Donauinsel ist auch Rea Garvey. Einst Sänger der irischen Formation Reamonn (mit Superhit "Supergirl") wandelt Garvey seit 2010 auf Solopfaden. "Is it Love", die erste Single aus seinem neuem Album "Neon", stürmte prompt in die Charts und auch in die Herzen der Donauinselbesucher. Der auch politische engagierte Sänger appellierte an die Zuhörer, Politikern Widerstand zu leisten, die versuchen, mit Differenzierungen nach Hautfarbe, Herkunft oder Religion die Gesellschaft zu spalten.

 

Der Großvater von Marlene Nader kam einst als syrischer Flüchtling in den 70ern nach Österreich. Als musikalisches Alter Ego nennt sie sich Mavi Phoenix, angelehnt an den verstorbenen Hollywood-Schauspieler River Phoenix. Ebenso international ist ihr Sound, eine hippe Mixtur aus Hip Hop, Lo-Fi und R&B. Auf der FM4-Bühne präsentierte sie nicht nur ihre Indie Radio-Hits "Quiet" und "Yellow", sondern auch neue hitverdächtige Tracks wie "Bite". 

 

Direkt daneben auf der Eutopia-Bühne organisierten die Drum & Bass-Gurus von Mainframe Recordings eine heiße Party unter freiem Himmel. Wer davon noch nicht genug hatte, konnte weiterfeiern bei der After Party im Flex. Man ist ja nur einmal jung.

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Italienische Lebensfreude gegen Hass: Jovanotti rockt die Wiener Stadthalle!

Sonne, Strand, der schiefe Turm von Pisa, Quizshows und (trotz der verpassten WM) der Fußball auf einem Video-Screen. Alles Dinge, die man mit Bella Italia verbindet. Davor steht ein sympathischer knapp über 50jähriger Römer, mit Jeans, sportlichem Hemd und jugendlicher Kappe. Und trällert mit Gitarrenbegleitung "In Italia". Jovanotti ist mit seiner neunköpfigen Band in Wien gelandet.

 

Jovanotti heißt eigentlich bürgerlich Lorenzo Cherubini. Sein Pseudonym leitet sich von "giovanotto" ab, was soviel wie "junger Mann" heißt. Echte Fans nennen ihr Idol "Jova" und "outen" sich gerne auch mit einschlägigen Caps. So auch in der Wiener Stadthalle, wo viele italienische Erasmus-Studenten begeistert zum 2,5 stündigen Sound-Inferno aus Pop, Rock, Funk, Latin, Hip Hop und World Music tanzten.

 

Die größten Hits hatte Jovanotti in Österreich Mitte der 90er, mit "Serenata Rap" (bekannt auch durch den auf Viva Heavy Rotation gelaufenen Clip mit Jovanotti & Friends rappend in schwindelerregender Höhe auf einem von einem Baukran transportierten Holzbalken) und "L´ombellico del Mondo", beide auch Teil der aktuellen Tour-Setlist. Die nationale Berühmtheit Jovanottis übersteigt sogar die Falcos in der Alpenrepublik. Seit 1994 wurden alle neun Alben von Jovanotti Nr. 1 in den italienischen Charts, sämtliche Auftritte in den riesigen italienischen Arenen sind ausverkauft. Zumindest 2500 kamen auch in die Wiener Stadthalle und wurden nicht enttäuscht.

 

Jovanotti präsentierte unter der Trademark "Oh, vita!" (selektiert nach dem vom US-Produzenten Rick Rubin produzierten Album) eine Show, die so bunt und schrill wie das Leben ist. Ohne auf subtiles Understatement zu vergessen. Seine Karriere begann der nunmehr 51jährige als Discjockey und Radio-Deejay. Dass er diese Talente auch heute noch beherrscht, zeigt sein 20minütiger Ausflug aufs erhöhte DJ-Pult, mit schnittigen Italo-Dance-Mixes und grellen Laserlights. Kongenial das "Smells like Teen Spirit"-Sample Kurt Cobains am Ende des DJ-Sets.

 

Auf dieser unterhaltungstechnischen Ebene ist Jovanotti allerdings nie verharrt. Gleich zu Beginn der Show verweist der mit Bono Vox befreundete und politisch engagierte Künstler (Amnesty International; "Make Poverty History") auf seine Wertvorstellungen: Freiheit, Liebe, offene Grenzen, an seine Träume glauben.  "Ich will in einer Welt leben, in der Unterschiede eine Bereicherung und kein Problem sind. ", so Lorenzo in einem aktuellen Interview.

 

Rassismus, Fremdenhass und Rechtspopulismus sind dem Kosmopoliten verhasst. In seinen Konzerten will Jovanotti den Fans als Rezept dagegen Spaß und Lebensfreude bieten. Dann sei in ihren Herzen kein Platz mehr für Hass. Auch kaum vorstellbar bei solch enthusiastischen Hymnen wie "L´estate addosso", "Ragazza Magica", "Sabato", "Ciao Mamma" oder "Penso Positivo".

 

Während der gesamten Show sieht man Jovanotti immer wieder als Don Quijote auf der Videowall. Nicht zufällig. So wie die Sagenfigur von Cervantes kämpft Jovanotti trotz aller Widrigkeiten für Freiheit und Gleichheit. "Viva la Liberta", ein Track aus seinem neuen Album "Oh Vita". heißt dementsprechend auch die letzte Zugabe. Man hat selten so viele glückliche und freudenstrahlende Besucher am Ende eines Konzerts gesehen. Italians do it better :-)

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Pride Village 2018: Abschlussveranstaltung mit Conchita und den Weather Girls!

Finaler Höhepunkt der Pride Week 2018 war die auf dem prall gefüllten Wiener Rathausplatz stattfindende Abschlusskundgebung mit zahlreichen Reden, Appellen und musikalischen Acts.

 

Der ehemalige Bundeskanzler Christian Kern, seit jeher Unterstützer der "Pride"-Forderungen, ließ es sich nicht nehmen, die schwarz-blaue Retro-Regierung zu kritisieren, von denen kein einziger offizieller Vertreter zugegen war. Man könne aber in Feierstimmung sein, denn im Jänner 2019 werde aufgrund einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes die Ehe für alle in Österreich gelten. Die rechtskonservative Regierung, die anscheinend ohne juristische Reaktion die Frist bis dahin verstreichen lässt, könne dies nicht mehr verhindern.

 

Auf die Bühne geholt wurde von der Moderatorin Miss Candy auch jener Asylwerber aus dem Iran, der wegen Homosexualität aus seinem Heimatland geflüchtet ist und nunmehr mit einem einheimischen Lebensgefährten zusammenlebt. Die erstinstanzliche Behörde wies seinen Asylantrag ab mit der unfassbaren Begründung, dass er nicht schwul sei, weil er die Bedeutung der Farben der Regenbogenfahne nicht kenne. Navid hofft nun auf eine positive Entscheidung durch das zuständige Landesverwaltungsgericht.

 

Weitere Wortspenden gab es von den Leitern der Hosi Wien, Moritz Yvon und Lui Fidelsberger, der Pride-Organisatorin Katharina Kacerovsky, dem SPÖ-Stadtrat Czernohorszky, der schwarzhäutigen (und zuletzt auch rassistisch angegriffenen) stv. SPÖ-Bezirksvorsteherin Mireille Ngosso, dem einzigen offen schwulen Wiener Gemeinderat Peter Kraus von den Grünen, Wiens Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger, der grünen Bundesrätin Ewa Dziedzic und dem roten Nationalratsabgeordneten Mario Lindner.

 

Die Show durfte logischerweise auch nicht zu kurz kommen. Euro Pride 2019-Botschafterin Conchita Wurst präsentierte vor einer begeisterten Menge 3 Hits aus ihrem Repertoire, darunter auch den Songcontest-Siegerhit "Rise like a Phoenix". Eine tolle Setlist lieferten die (personell zur Ur-Besetzung veränderten) Weather Girls mit den größten Disco-Hits der 70er: Born to be alive, I´m so excited, Don´t leave me this way und natürlich das grandiose It´s raining Man. Schrill-coole House Vibes u. a. von Nica & Katie sorgten als letztes Open-Air-Aphrodisiakum für die danach stattfindenden Club Nights in der Bundeshauptstadt.

 

Wien auf jeden Fall ist für das nächste Jahr bestens gerüstet. Die Euro Pride 2019 soll unter dem Motto "Visions of Pride" vom 19. Mai bis 19. Juni stattfinden. Mit über 500 Einzelveranstaltungen, zwei Pride Villages am Rathausplatz und im Votivpark, einer Auftakt- und Abschlussveranstaltung, einer großen Menschenrechtskonferenz und natürlich wieder der Regenbogenparade. Zu feiern gibt es zusätzlich mit 50 Jahre Stonewall (1969) die Geburtsstunde der LGBT-Bewegung und 40 Jahre Hosi Wien. Der Regenbogen wird niemals heller erstrahlen.

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Neuer Teilnehmerrekord: 200.000 bei der Wiener Regenbogenparade!

Ein Jahr vor dem großen "Euro Pride"-Event in Wien feierte die diesjährige 23. Regenbogenparade einen neuen Teilnehmerrekord. Insgesamt 200.000 Fans frequentierten die Strecke rund um die Wiener Ringstraße und zeigten ihre Sympathie für Toleranz und Gleichstellung aller Lebensformen.

 

Die Route wurde wie üblich "andersrum" in Angriff angenommen, angeführt von den mit regenbogenfarbenen Garnituren ausgestatteten Wiener Linien und den Guys on Bikes. Insgesamt 64 Starter nahmen an der "Party-Demonstration" teil, schrill dekoriert, mit lauter Techno-, Pop- und Schlagermusik aus den Boxen und mit schlagkräftigen Messages, die noch mehr Menschen für den eigentlichen Sinn der Veranstaltung begeistern sollen.

 

"Together and Proud" propagiert der bunt geschmückte PR-Truck der Euro Pride 2019, "Damit aus Spaß nicht Ernst wird" mahnt die Aids Hilfe Wien, afrikanische Teilnehmer kritisieren mit dem Slogan "No Pride in Deportation" die skandalöse Fremdenrechtspraxis bei homosexuellen Asylwerbern. Traditionell nicht fehlen dürfen auf der Regenbogenparade die Hosi Wien, der Club Kreativ, LMC Vienna, Libertine und natürlich Hermes Phettberg, dieses Jahr mit Regenbogenflagge in einem Oldtimer platziert.

 

Nichts geändert hat sich bei der politischen Unterstützung der Pride Week. Während die rechtskonservativen Parteien ÖVP und FPÖ mit kompletter Abwesenheit "glänzen" und im Simmeringer Amtshaus sogar die Hissung der Regenbogenfahne verhindert haben, zählen die SPÖ, die Grünen (mit langer Tanzschlange hinter dem Truck) und die Neos unter der Führung von Beate Meinl-Reisinger zu den Anhängern der Pink Community.

 

Dazu gehört auch das Getränkeunternehmen Almdudler, dessen Slogan "Dudel with Love, Respect & Condoms", gemeinsam mit den Pärchen, zu den Trademarks der diesjährigen Regenbogenparade gehörte. Deutlich ersichtlich war auch eine Verbreiterung der Botschaft in neue Gesellschaftsschichten: Diplomats for Equality, Pride Business, queer & hochschulen, Fußballfans gegen Homophobie oder auch die Callboys.  Die Solidarisierung gegen Intoleranz und sexuelle Diskriminierung ist allgemein im Steigen begriffen.

 

Wien gilt dabei als besonders liberales Pflaster. Die LGBT-Reiseplattform GayTravel.com zeichnete die Bundeshauptstadt 2017 als beste internationale Destination aus. Die Resonanz könnte 2019 durch die einmonatige Euro Pride noch weiter steigen. Kein Wunder, dass auch "Gay auf Reisen by Ruefa" diese Marketing-Chance bei der diesjährigen Parade nützte :-)

Pop Art mit Gesellschaftskritik: Keith Haring in der Wiener Albertina!

 

 

 

Egal, wo man derzeit im schönen Wien spazierengeht. Man sieht überall - auf rotem Hintergrund und umgeben von leuchtenden Strichen – ein geschlechtsloses Comic-Pärchen, das sich innig umarmt und echte Lebensfreude ausstrahlt. Frühling und Sommer 2018 können nicht sinnlicher zum Leben erweckt werden als mit dem Plakat der Keith Haring-Ausstellung in der Wiener Albertina.

 

Schöpfer Haring, in der Ausstellung selbst abgelichtet durch ein Foto Gottfried Helnweins, interpretiert die Umarmung des Pärchens so extensiv wie sie nur sein kann, als "human connection, togetherness, love and sexual intercourse, regardless of skin color and sexual orientation". Und ist damit auch ein idealer Protagonist für die im Juni stattfindende Pride Week in Wien, die für Toleranz, Gleichberechtigung und Gleichstellung aller Lebensformen eintritt.

 

Der Pop Art-Künstler wurde 1958 in Pennsylvania geboren und interessierte sich dank gemeinsamer Comic-Zeichnungen mit seinem Vater schon früh für Kunst. Nach einem zweijährigen Studium der Werbegrafik in Pittsburg zog Haring nach New York, wo er nicht nur die School of Visual Arts besuchte, sondern auch schnell Bekanntschaft mit der dortigen Art-Szene schloss. Neben erster Ausstellungen, Collagen und Aktionen gegen Gentrifizierung erregte er erste Aufmerksamkeit durch die sogenannten "Subway Drawings". Haring bemalte freie, dunkle Werbeflächen in der New Yorker U-Bahn mit Tafelkreide, Originale seiner fast 10.000 Zeichnungen sind auch in der Albertina zu sehen.

 

Haring war nicht nur Künstler und Zeichner, sondern auch Gesellschaftskritiker und Aktivist, egal ob gegen Rassismus, Diskriminierung, Homophobie, Polizeigewalt, Kapitalismus, Atomkraftwerke oder die Macht der Medien. Mit einfachen Strichen, bunter Bildsprache und wiederholenden Motiven (wie Hunde, Babies, Fernsehern, Löchern im Körper oder Kreuzen) erweckte Haring, oft nicht auf den ersten Blick, Assoziationen zum Nachdenken über die gesellschaftlichen Zustände. Mit Ausnahme seines 15 m langen Monumentalwerkes „Die Matrix“ verleiht Haring seinen Kreationen keine Titel, um von vornherein die Fantasie der Betrachter anzuregen. Einer seiner Bewunderer war auch die Pop-Art-Legende Andy Warhol, für den er 1983 die auch in der Albertina zu sehende „Andy Mouse“ malte, eine Mischung aus Warhol und der Mickie Mouse.

 

Bedrohlicher und furchteinflößender wurde das „Alphabet“ Harings ab Mitte der 80er, und das hat einen Grund. Immer mehr Menschen in Harings Umfeld erkrankten zu dieser Zeit an AIDS. Der offen schwul lebende Haring stattet dabei seine menschlichen Figuren mit Punkten aus und demonstriert auf diese Weise die Stigmatisierung von Homosexuellen. Der Begriff „Gay Plague“ erodiert damals in den Boulevard-Zeitungen. In seinen düstersten Werken visualiert Haring den HI-Virus als ein todbringendes Monster, markiert mit einem roten Kreuz, bzw. als ein aus einem Ei schlüpfendes Riesenspermium. Haring selbst ereilt auch das tödliche Schicksal. Seine HIV-Infektion wurde 1988 diagnostiziert, am 16. Februar 1990 starb er in New York.

 

Fast 30 Jahre später ist eine vollständige Heilung der Krankheit noch immer nicht möglich. Durch seinen jahrelangen Kampf gegen Aids und seine 1989 gegründete Foundation setzt Haring auch weit nach seinem Tode noch wichtige Akzente zur Bekämpfung von Aids. Seine in Kooperation mit der Aids Hilfe Wien stattfindende Ausstellung ist noch bis 24. Juni in der Albertina zu sehen. 

"Raise Vibration": Funk-Rock-Inferno von Lenny Kravitz in der Wiener Stadthalle!

"Raise Vibration" - So heißt das in den Sonnen-Studios von Bahamas aufgenommene 11. Album von Lenny Kravitz, das am 7. September erscheinen wird. Erste Vorbote präsentierte der 1964 in Brooklyn geborene Künstler bereits beim Live-Gig in der Wiener Stadthalle. Und konnte dabei mit Überraschungen aufwarten.

 

So enthält die erste Single, "Low", Original-Tribal-Shouts von Michael Jackson, die kurz vor seinem Tod 2009 aufgenommen wurden. Der zweite neue Track, It´s enough", dagegen ist ein klares politisches Statement des einstigen Obama-Supporters Kravitz. "Ich habe genug von Rassismus. Ich habe genug vom Krieg. Ich habe genug von Umweltzerstörung und der Gier und Verlogenheit unserer Staatsoberhäupter. Wir müssen dringend die Kurve kriegen und ein höheres Verständnis für die Menschheit und diesen Planeten entwickeln." Das dazugehörige T-Shirt konnte man bereits im Vorfeld am Fanstand der Stadthalle erwerben.

 

Abgesehen von den zwei neuen Tracks enthielt die Setlist des Multi-Instrumentalisten die größten Hits aus seiner 30jährigen Karriere. Kravitz, dem man aufgrund seines Aussehens, seines Charismas und seiner musikalischern Virtuosität das Alter allerdings kaum ansieht, und seine brillante Band sprühten nur so vor Spiellust, und das ohne unnötiges Show-Schnick Schnack vergleichbarer US-Künstler. "Fly Away", "American Woman", "It ain´t over till it´s now" oder das mit Dance-Beats upgeliftete "The Chamber" aus dem 2014er-Album "Strut" ließen die fast 7000 Fans in der Stadthalle nicht zur Ruhe kommen. "Let Love Rule", der erste Hit des New Yorkers Musikers und Schauspielers ("Die Tribute von Panem") aus dem Debüt-Album "Mama Said" (1989), wurde unter tosendem Applaus auf eine 20minütige-Version ausgedehnt.  Finaler Schlusspunkt: Das einst auch bei den MTV-Video Awards ausgezeichnete "Are you gonna go my Way".

 

"Rockmusik ist aus dem Mainstream verschwunden", das behauptete Kravitz kürzlich in einem Interview. An ihrer Lebendigkeit hat sie allerdings nichts eingebüßt :-)

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"Kremser Hasenjagd": Ramesch Daha kreiert Mahnmal gegen Nazi-Terror!

Am 6. April 1945, kurz vor Ende des 2. Weltkriegs, geschah in Krems und Umgebung eines der schockierendsten Ereignisse der Stadtgeschichte, das unter dem Schlagwort "Kremser Hasenjagd" allgemein bekannt ist.

 

Als die Rote Armee sich zusehends vom Osten näherte, wurden großteils politische Häftlinge der Justizanstalt Stein durch den Leiter Franz Kodre freigelassen. NS-treue Aufseher informierten daraufhin den Kreisleiter von Krems über einen angeblichen Aufstand, die Waffen-SS wurde daraufhin nach Stein beordert. Diese verhaftete den Anstaltsleiter und eröffnete das Feuer auf die wehrlosen Häftlinge im Anstaltsareal. Zeitgleich zum Massaker im Zuchthaus suchten SS-Truppen in der Kremser Umgebung mit der Unterstützung von lokalen Gendarmen und der Zivilbevölkerung (!) nach den bereits entlassenen Häftlingen. Die ertappten Ex-Gefangenen wurden zumeist an Ort und Stelle erschossen, in Hadersdorf mussten die politischen Häftlinge vor der Exekution sogar ihr eigenes Massengrab schaufeln.

 

Insgesamt kamen an diesem Tag 386 Häftlinge ums Leben. Seit ein paar Tagen erinnert auch ein Kunstwerk direkt an der Mauer der Justizanstalt Stein an diese schrecklichen Vorkommnisse. Die aus Teheran stammende Wiener Künstlerin Ramesch Daha, Absolventin der Akademie der bildenden Künste, bemalte gemeinsam mit einem vierköpfigen Team einen ca. 100 m langen Mauerabschnitt mit den Namenslisten der ermordeten Häftlinge. Das Mahnmal wurde in nur 17 Tagen umgesetzt, und das unter strengsten Auflagen. So musste täglich nach getaner Arbeit das Gerüst wieder abgebaut werden, um die Sicherheit der Kremser Bevölkerung nicht zu gefährden.

 

Die offizielle Eröffnung des Kunstwerks findet am 23. Juni statt, inklusive der Enthüllung einer Erinnerungstafel mit dem Text des Historikers Robert Streibel ("April in Stein"). Eine vollständige Betrachtung des Mahnmals ist bereits jetzt möglich, wenn man die Wege südlich des Uni-Campus beschreitet.

 

Noch wichtiger als der traurige Blick auf die Vergangenheit sollte allerdings die innere Motivation sein, künftig gegen jegliche faschistische Strömungen zu kämpfen, die nur den geringsten Anschein erheben, dass sich derartige Vorgänge wiederholen könnten. 

Katy Perry in Wien: Show-Wonderland statt politischer Message!

Die im kalifornischen Santa Barbara aufgewachsene Pastorentochter Katy Perry zählt seit dem PR-inszenierten "I kissed a Girl"-"Skandal" zu den größten Pop-Stars unseres Planeten. 126 Millionen Tonträger und 72 Millionen Download-Singles hat sie seitdem verkauft, das Merchandising läuft wie am Schnürchen: Parfüms, Schmuckkollektionen, künstliche Katy-Wimpern, Fashion-Verträge mit H&M und Moschino, , PC-Song-Adaptionen, Big Brother-eske Shows im TV, "Simpsons"-Gastauftritte, "Schlumpfinchen"-Synchronisation im Kino und künftig sogar Jurorin für "American Idol", sozusagen Förderin der eigenen Konkurrenz.

 

Katy Perry ist allerdings auch eine politisch engagierte Frau, die Obama und Clinton unterstützt und sich offen gegen die ausländerfeindlichen, primitiven Agitationen eines Donald Trump wehrt. In ihrem aktuellen Song "Chained to the Rhythm" (mit dazugehörigem Video im Vergnügungspark der Gleichmacherei und der Hamsterräder) fordert sie mehr Aktivismus und Mut, gegen Missstände und Ungerechtigkeiten aufzutreten. Beides unter einen Hut zu bringen ist schwierig. Das zeigte auch ihr Konzert in der Wiener Stadthalle. 

 

12500 Fans ließen sich den Auftritt des Weltstars im Rahmen ihrer "Witness"-Tour nicht entgehen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche. Die waren mit ihren Familienangehörigen bereits vollzählig vertreten, als die sympathische schwedische Supporterin Tove Styrke mit Electro-Pop-Beats die Massen anheizte. Danach starrt ein überdimensionales Perry-Auge, begleitet von 80er-Beats a la "Tainted Love", auf die verblüffte Menge. Überwachungsstaat? Zumindest, bis Perry, sexy gestylt mit modernem Kurzhaarschnitt, zu den Klängen von "Witness" per Plattform auf die Stage "gebeamt" wird. Begleitet von 15 durchtrainierten Tänzern und zahlreichen Fabelfiguren a la "Katy in Wonderland".

 

Überlebensgroße Flamingos bei "Hot N Cold", fleischfressende Pflanzen und Insekten bei "Bon Appetit", Basketball-Duelle zum Hip Hop-angehauchten "Swish Swish", ein (Super Bowl)-Hai übt Handstand - sic est - mit der athletisch top fitten US-Künstlerin. Dazwischen einige anbiedernde Worte auf Deutsch ("Scheiße" - muss das sein?). Danach fliegt Perry hoch über dem Publikum in die künstliche Stadthallen-Galaxis und singt über Feminismus ("Power") und Liebe.

 

Beim, wie oben erwähnt, politisch engagierten Hit "Chained to the Rhythm" wanken Puppen mit TV-Screen-Köpfen auf die Bühne, die scheinbare Personifikation der Massenmedien, die Menschen nicht nur in Amerika korrumpieren, sodass Personen wie Trump (oder auch Orban, Putin, Kurz,...) überhaupt an die Macht kommen können. Das ist zumindest eine klare politische Message, die auch die Jüngsten im Publikum verstehen. Dann aber sich mit der österreichischen Flagge (nationalistisch) zu umhüllen und "Are you revolutionary?" ins Publikum zu kreischen, das ist zuviel des Guten. Anscheinend haben nicht nur Politiker schlechte Berater.

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Stockholms Electro-Pop-Mozart: In Memoriam Avicii (1989-2018)!

"Some of us dance and sing to Abba or Avicii." Ein legendärer Satz des US-Präsidenten Barack Obama, den er 2016 bei einer Tischrede im Rahmen des US Nordic Leaders Summit in Washington ausgesprochen hat. Der Schwede Tim Bergling, der sich seit Beginn seiner Karriere das Pseudonym Avicii (abgeleitet von Avici, der tiefsten Ebene der buddhischen Unterwelt) zugelegt hat, war damals einer der erfolgreichsten DJ´s und Produzenten weltweit. Am 20. April 2018 wurde er - mit 28 - in einem Hotel in Oman tot aufgefunden. Ein Statement seiner Familie deutet auf Selbstmord hin.

 

Geboren wurde Avicii am 8. September 1989 in Stockholm. Er war der Sohn von Klas Bergling und der Schauspielerin Anki Liden. Avicii besuchte dasselbe Gymnasium wie seine DJ-Kollegen Alesso und Otto Knows. Sein größtes Ziel war bereits damals, ein erfolgreicher House-DJ zu werden. Fehlstunden in der Schule waren "begründet" durch Auflegen in einschlägigen Clubs. 2008 kurz nach seinem Schulabschluss gewann Avicii den Pete Tong-Fast Trax Wettbewerb, als Gewinn winkte eine gemeinsame Produktion ("Manman") mit der britischen DJ-Legende. Bereits ein Monat später unterschrieb Avicii - mit 18 - einen Plattenvertrag bei "At Night Management".

Nicht die renommierte schwedische Hit-Factory ebnete den Weg Aviciis in die Clubs und Charts, sondern die französische Dance-Szene. Gemeinsam mit dem French House-DJ Sebastien Drums coverte Avicii den 1999er-Klassiker "My Feelings for you" der französischen House-Avantgardisten Cassius.

 

Unter seinem (fast) echten Namen "Tim Berg" veröffentlichte Avicii "Seek Bromance", eine Mischung seines Electro House-Tracks  "Bromance" mit den Vocals des Samuele Sartini-Titels "Love U Seek". Das Video mit Drogenmissbrauch und einem sexuellen Threesome wurde in den USA verboten. Was dem Erfolg nicht entgegensteht, im Gegenteil.

 

Im Jahr 2011 folgte dann "Levels". Manager und Produzent Arash Pournouri ahnte im Vorfeld der Veröffentlichung bereits, dass dieser Track wie eine Bombe einschlagen werde. "Schuld" daran sind nicht nur die Happy Electro House Vibes von Avicii, sondern auch das geniale Sample von Etta James "Something´s got a Hold on me". Fasziniert davon war auch Rapper Flo Rida, der kurz danach mit "Good Feeling" die schwedische Hit-Mixtur in die amerikanischen Charts transferierte.

 

In den weltweiten DJ-Mag-Charts belegte Avicii Ende 2011 bereits Platz 6, ein Jahr später stieg er auf Platz 3. Dazwischen lagen zahlreiche Auszeichnungen für "Levels" (Best Electro/Tech House Track bei den International Dance Music Awards), die Krönung zum "Best European DJ" und eine Nr. 1 in den englischen Charts gemeinsam mit dem DJ-Kollegen Nicky Romero ("I could be the One"), genial promotet durch ein "Aussteiger"-Video einer gelangweilten Büroangestellten.

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"Bürger müssen medienmündig werden!" - Bernhard Pörksen bei den Falter-Stadtgesprächen!

"Wir müssen medienmündig werden, weil wir längst medienmächtig geworden sind!" Einer der Leitsätze vom deutschen Medienwissenschafter Bernhard Pörksen, der im Mai bei den Falter-Stadtgesprächen im AK-Bildungszentrum zu Gast war.

 

Pörksen wurde 2008 zum "Professor des Jahres" gewählt, unterrichtet aktuell an der Uni Tübingen und gilt als einer der intellektuellsten Kommunikations-Zeitgeistprotagonisten Deutschlands, der den Umbruch der journalistischen Szene in klare Worte packt. Sein neuestes Buch heißt "Die große Gereiztheit - Wege aus der kollektiven Erregung".

 

Pörksen setzt in seinen Ausführungen auf eine "redaktionelle Gesellschaft". Die Menschen sollten das Handwerk redlicher Journalisten beherrschen und deren Prinzipien im Umgang mit Medien anwenden: Skepsis, Distanz, Faktenprüfung, Wahrheitswillen. Derzeit eine Utopie (auch aus Sicht des Optimisten Pörksen), wenn man objektiv betrachtet, wie sich die Bevölkerung aktuell in den sozialen Medien durch Fake News, selektive Informationen oder auch nur durch statistische Tricks manipulieren und täuschen lässt.

 

Ein eigenes Schulfach zur Erziehung der Medienmündigkeit steht insofern im Forderungskatalog Pörksens. Eine Verwirklichung erscheint auch in Österreich nicht unmöglich, fordern dies doch auch Parteien und Politiker, die selbst Fake News ohne Genierer verbreiten. 

 

Die Finanzierung des Qualitätsjournalismus sei derzeit das heikelste Problem in der Medienszene. Infolge der Digitalisierung und der sozialen Medien trage jeder "kleine Sendestationen in Gestalt von Smartphones herum" und verbreite seine persönlichen News auf Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram. Facebook hatte im Jahr 2017 40 Milliarden Dollar Werbeeinnahmen. Alle deutschen Medien zusammen kommen nicht auf die Hälfte.", so der renommierte Medienwissenschaftler.

 

Trotzdem sieht Pörksen die Zukunft der systemrelevanten Qualitätsmedien nicht gefährdet. Medien seien allerdings nicht mehr Gatekeeper, sondern Gatereporter. Nicht nur Investigativreports und Hintergrundrecherchen sollten auf der Tagesordnung stehen, sondern auch die detaillierte Aufdeckung über Fake News und sich widersprechende Informationsströme. Die gesamte Arbeit der Medien müsse transparent offengelegt werden. Keine leichte Aufgabe, da die Medien hier mit der "Bestätigungssehnsucht" der Empfänger konfrontiert werden. In Zeiten von Überinformationen wählen die Menschen gerade jene Medien, mit deren Meinungen sie - vorurteilsbehaftet - übereinstimmen.

 

Eine Absage erteilt Pörksen dem "Filterblasen- und Echokammernmodell". Aufgrund des Verlinkungssystems des Internets sei es eine Leichtigkeit, in "andere Universen" einzudringen. Ein Wolf ist von einem Strache oder Kurz nur einen Link entfernt. Nicht die scheinbar "dämonischen Algorithmen", sondern die Netzkonsumenten selbst sind verantwortlich dafür, dass sie in ihrem "belagerten Tal" verharren. Der Hass im Netz sei auch nicht durch die sozialen Medien verursacht worden, er werde nur durch die grenzenlosen, scheinbar anonymen Möglichkeiten der Verbreitung stärker sichtbar.

 

In seinem 256 Seiten dicken Buch "Die große Gereiztheit" publiziert Pörksen noch zahlreiche weitere Theorien zur aktuellen Mediensituation. Auf die persönliche Frage, ob das Netz für ihn eher "Euphorie oder Apokalypse" darstellt, bleibt der Optimist auf der hellen, positiven Seite des Fortschritts.. Selbst der Buchdruck sei anfangs mit negativen Kritiken überschwemmt worden.

"So it goes" - New Order vs. Liam Gillick im Wiener Museumsquartier!

Am 18. Mai 1980 beging der an Epilepsie leidende Joy Division-Sänger Ian Curtis Selbstmord und hinterließ nicht nur seine Familie und Freunde, sondern auch seine Band. Das erst zweite, post punk-angehauchte Album "Closer" und die Single "Love will tear us apart" stürmten nach seinem Tod die Charts. Die Band ging neue Wege und transformierte zu "New Order". "Blue Monday" wurde zur meistverkauften Vinyl-Maxi-Single aller Zeiten, aufgrund seiner aufwändigen Floppy Disc-Verpackung allerdings zu einem Verlustgeschäft.

 

So ist es eigentlich nicht weiter verwunderlich, dass 35 Jahre später die (Fast)-Original-Band - nur Bassist Peter Hook ist nach einem Trennungszwist 2007 nicht mehr dabei - wieder auf extravaganten, innovativen Spuren wandelt. (No, 12k, Lg, 18 WfW) - "So it goes" nennt sich das Projekt, das New Order gemeinsam mit dem New Yorker Künstler Liam Gillick im Rahmen der Wiener Festwochen präsentieren. Das Wiener Museumsquartier ist nach Manchester und Turin erst die dritte Location, in der dieses Event veranstaltet wird.

 

Die seltsamen Hieroglyphen sind leicht erklärt. "We decided to use two titles: ‘So It Goes’ and an equation. A spoken title and a visual title. ‘So It Goes’ refers to the TV show Joy Division first appeared on and the equation is a representation of the self-imposed complexity of our working relationship. The sum of “us” is this equation." so Visualist Gillick.

 

No steht dabei für New Order, bestehend aus Sänger Bernard Sumner, Keyboarder Gillian Gilbert, Schlagzeuger Stephen Morris, Gitarrist Phil Cunningham und dem neuen Bassisten Tom Chapman, der "Hooky" brillant ersetzt. Lg steht klarerweise für Liam Gillick, der eine Rauminstallation, bestehend aus 12 Kabinen in 2 übereinandergelagerten Reihen, konzipiert hat. In diesen befinden sich 12 Keyboarder (12k) aus dem renommierten Manchester Royal Northern College of Music, die New Order auf der „Main Stage“ mit ihren Synthi-Beats begleiten. Das Visual-Programm von Gillick umfasst nicht nur zahlreiche Lichteffekte in allen Farben, sondern auch das soundkompatible Schließen und Öffnen der Kabinenjalousien.

 

Apropos Sound. Eine Greatest Hits-Setlist bieten New Order bei diesem Projekt nicht an, eher eine persönlich-subtile Mixtur aus Raritäten, neuen Tracks und 80er-Underground-Hits. „There will be no Blue Monday, no Love Will Tear Us Apart. It’s good to do something different at all because that is what we were like when we started, just hopefully not so much chaos.”, so Sumner.

 

So hört man im fast ausverkauften Wiener Museumsquartier u.a. the 2005er-Single „Guilt is a Useless Emotion“, „Ultraviolence“ aus New Orders Erstwerk „Power, Corruption & Lies“ oder den treibenden Disco-Stomper „Plastic“ aus ihrer letzten CD „Music Complete“. Schweißüberströmtes Tanzen ist vor allem im mittleren Drittel mit Tracks wie „Bizarre Love Triangle“, „Subculture“ (mit den eingängigen Lyrics „One of these days you´ll go back to your home, you won´t even notice that you are alone“) oder „Shellshock“ angesagt.

 

Tribute leisten New Order auch ihrer durch traurige Umstände zerrütteten Original Band Joy Division mit neuen Versionen von „Disorder“„Heart and Soul“ und „Decades“. Letzterer ist nicht nur Abschluss-Track ihres zweiten Albums „Closer“, sondern auch Finale einer beeindruckenden Show abseits von Mainstream, Retro-Kitsch und Kommerz. 

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OGH-Urteil: Je 20.000 Euro Schadenersatz für Kindesvertauschung im Krankenhaus.

Ein Ereignis, das eher an eine Hollywood-Verfilmung oder an einen Familien-Roman erinnert. Nach 20 Jahren stellte sich heraus, dass das als leibliche Tochter aufgewachsene Kind nicht mit dessen vermeintlichen Eltern blutsverwandt ist. Das Kind wurde im Krankenhaus per Kaiserschnitt entbunden, noch vor dem ersten Kontakt zu dem Ehepaar kam es zu einer Vertauschung. Bis heute konnten weder die näheren Umstände noch die biologischen Familienangehörigen des mittlerweile adoptierten Kindes ausgeforscht werden.

 

Die Familienmitglieder leiteten ein gerichtliches Verfahren auf Ersatz der Adoptionskosten und Schmerzensgeld von je 30.000 Euro ein. Grund: Die bei ihnen durch die Kindesvertauschung und die Nachricht hierüber verursachte erhebliche psychische, wenn auch nicht krankheitswertige Belastung.

 

Das Erstgericht gab dem Klagebegehren zur Gänze statt, das Berufungsgericht wies es ab. Der OGH gab der Revision teilweise Folge und sprach den Klägern in Entsprechung der zum Trauerschmerzengeld ergangenen Judikatur Schadenersatz von je 20.000 Euro zu.

 

Die Vertauschung ist als Verletzung der Krankenhausaufnahmeverträge zu beurteilen. Aufgrund der Persönlichkeitsrechte und der Schutzbedürftigkeit der Beteiligten sind bei der Organisation äußerst strenge Anforderungen zu erfüllen.

 

Die Kindesvertauschung ist - entgegen des zweitinstanzlichen Urteils - der Tötung oder schwersten Verletzung eines nahen Angehörigen vergleichbar und führt nachvollziehbar zu einer Trauerreaktion bei den Eltern bzw. zu einer Identitätskrise bei dem betroffenen Kind.

 

Quelle: OGH - 4 Ob 208/17f

"Me Too"-Message überschallt Klang-Dissonanzen: Israel gewinnt 63. Songcontest in Lissabon!

 

Wer sind Doron Medalie und Stav Beger? Die Sieger des 63. Eurovision Songcontests in Lissabon. Denn prämiert werden beim jährlich stattfindenden Wettbewerb nicht die Interpreten, sondern die Komponisten und Texter. Dass natürlich die an Beth Ditto erinnernde Interpretin Netta und deren gesellschaftliche Message vorrangig für den Sieg verantwortlich waren, steht außer Frage.

 

"I´m not your Toy, you stupid Boy" sei eine Antwort auf die MeToo-Debatte um sexuelle Belästigung (nicht nur) in der Unterhaltungsbranche, so die Siegerin. Dagegen ist nichts einzuwenden, man hätte diese Botschaft aber auch in eine musikalisch erträglichere Form verpacken können.

 

So wie der französische Beitrag von Madame Monsieur. "Mercy" thematisiert das Schicksal eines Flüchtlingsmädchens, das auf dem Mittelmeer zur Welt gekommen ist. Melancholischer Elektro-Sound ohne die erdrückende Kitsch-Ästhetik des Sieger-Beitrages. Oder die San Remo-Sieger Ermal Meta und Fabrizio Moro, die mit ihrem Song "Non mi avete fatto niente" vor einer Spaltung der Gesellschaft durch Terrorismus und Rechtsextremismus warnen und die Menschen auffordern, sich von dieser Hassspiralen nicht anstecken zu lassen. Für Frankreich und Italien reichte es trotz erstklassiger Produktion aber nur für die Plätze 13 und 5. So ungerecht kann die ESC-Welt sein.

 

Jubeln können dagegen die Österreicher. Unser Vertreter Cesar Sampson, der mit der Soul-R&B-Ballade "Nobody but you" startete, erinnerte sowohl optisch als auch musikalisch an Craig David und belegte nach der Jury-Wertung Platz 1 vor Schweden und Israel. Sampson bekam siebenmal die Höchstpunkteanzahl von 12, darunter auch aus dem Mutterland des Pop, England.

 

Schlussendlich wurde er hinter Israel und Zypern (Latin-Pop von Eleni Foureira) sensationeller Dritter, nach den Siegen von Udo Jürgens (1966) und Conchita Wurst (2014) die drittbeste Platzierung eines Österreichers. Über seine Zukunft braucht sich Sampson auch keine Sorgen machen: In Kürze erscheint ein hochdotiertes (Universal)-Album des 34jährigen, auch eine Tournee ist geplant. Sampson auf der Spur seiner Tante ("Pepsi"), die Gründungsmitglied bei Wham war.

 

Apropos England: Der Auftritt der britischen Sängerin Surie wurde von einem politischen Aktivisten und Rapper gestört, der gegen die Kommerzialisierung der Medien protestierte. Auf eine Wiederholung des Auftritts verzichtete die Sängerin, sie landete auf Platz 24. 

 

Deutschland war nach mehreren ESC-Flauten mit dem 4. Platz mehr als zufrieden, die an Ed Sheeran angelehnte Ballade "You Let me Walk Alone", die Wuschelkopf Michael Schulte seinem verstorbenen Vater widmete, fand nicht unverdient viele Fans. Schwedens Disco-Popper Benjamin Ingrosso, Cousin von Swedish House Mitglied Sebastian, belegte zwar nur Platz 7, dürfte aber mit seinen lässigen Dance-Beats die weltweiten Charts erobern. Ähnliches gilt trotz eines nur 20. Platzes für die Australierin Jessica Mauboy.

 

Zu den Verlierern zählen dieses Jahr zwei Interpreten, die bereits ganz oben auf den Siegertreppen standen. Norwegens Winner von 2009, Alexander Rybak wurde trotz erneuter Geigenvirtuosen nur 15., Waylon, ein Teil der Common Linnets (die 2014 knapp gegen Conchita Wurst das Nachsehen hatten) landete mit einem Bon Jovi-esken Song nur auf Platz 18. Veranstalterland Portugal wurde wie einst Österreich nur Letzter, erhielt aber wenigstens (39) Punkte.

 

Für nächstes Jahr werden die schrill-schrägen Karten des Songcontests wieder neu gemischt. Siegerin Netta ist verantwortlich dafür, dass Israel, vermutlich Jerusalem, 2019 den Wettbewerb veranstaltet. Es war immerhin bereits der 4. Sieg Israels nach 1978, 1979 und 1998. Nach dem 98er-Triumph einer transsexuellen Sängerin (Dana International) bereits der zweite mit einer klaren, gesellschaftlichen Botschaft.

"The Hoff" im Gasometer: Party bis weit nach dem Mauerfall!

Es war Mitte der 80er, 18.30. Uhr, als die Straßen und Plätze in Österreich meist leergefegt waren. Denn auf ORF 1 ermittelte wieder Michael Knight im Auftrag der Foundation für Recht und Verfassung. Sein loyalster Helfer: Das sprechende Auto K.I.T.T.. "Knight Rider" war die meistgesehene Serie der 80er. Auch musikalisch verdiente sich deren Hauptdarsteller David Hasselhoff, seine ersten Sporen. "Night Rocker" verkaufte sich allerdings nur in Österreich, verschämte Käufer im Teenager-Alter schickten meist ihre Eltern in die Schallplattenläden.

 

Mehr als 30 Jahre später ist David Hasselhoff auch als Sänger Kult. Vor dem Gasometer erblickt man nicht nur eine schnittige KITT-Kopie für coole Selfies, sondern auch Publikum allen Genres: Heavy Metaller, Hip Hopper, Techno-Freaks, Schlager-Fans, Alt, Mittel, Jung. Natürlich auch jene, die an diesem besonderen Abend in die "zweite Haut" Davids schlüpfen wollen, die "Baywatcher" mit den Badeanzügen, Hauben und Bojen. Die Party kann beginnen.

 

In der Planet Music Hall drängen sich die Besuchermassen, 3500 Fans, das Konzert ist ausverkauft. Nach dem Knight Rider Intro betritt "The Hoff" die Bühne, intoniert "We wanna rock the World". Ballermann-Fans kennen die Melodie: "Hey, wir wollen die Eisbären seh´n". Dass Hasselhoff musikalisch nirgends so erfolgreich ist wie in Österreich, das darf nicht unerwähnt bleiben. Der "Night Rocker" erdröhnt, auf den Video Screens und in real. Hasselhoff erzählt auch eine Anekdote vom nach Ansicht seiner Töchter peinlichen "Hooked on a Feeling"-Video, die vom Cheeseburger-Imbiss in alkoholisiertem Zustand, dessen Handy-Video die YouTube-Kanäle frequentierte, lässt er aus.

 

Inmitten von 90er-Hits wie "Gypsy Girl", "Is Everybody Happy" oder "Everybody Sunshine" erklingen zahllose Coverversionen, vor denen sogar gewiefte Retro-DJ´s meistens zurückschrecken. "It´s a Real good Feeling" von Peter Kent beispielsweise oder die Righteous Brothers-Schnulze "You´ve lost that Lovin´ Feeling". Die ekstatischen und alk-getränkten Fans sind trotzdem aus dem Häuschen und flippen bei den mit Disco-Beats aufgepimpten 70er-Gassenhauern "Take me Home, Country Roads" und "Sweet Caroline" vollkommen aus. Bei Hands Up in the Air und Schlachtgesängen haben dann auch die Rettungsschwimmer ihren Einsatz: Mitch Buchannon alias The Hoff rockt "I´m always Here" ins Mikro. 

 

Dann folgen Hit auf Hit: "Crazy for you", das in Österreich einst Doppelplatin erreichte, und der chillig-cheesige "Limbo Dance", bei dem Zeremonienmeister "The Hoff" auch einige Fans unter der Stange tanzen und taumeln lässt. David Bowies "Heroes" als Cover (mit deutscher Strophe) und "Looking for Freedom" ertönen als Doppelpack zum krönenden Finale. Ein Wink auf die Berlin-Connections von David Hasselhoff.

 

Im Jahr des Mauerfalls war "Looking for Freedom" (eine Coverversion des Marc Seaberg-Hits aus den 70ern) 8 Wochen Nr. 1 in Deutschland. David Hasselhoff war - trotz manch böser Gerüchte - nicht verantwortlich für den Sturz der Berliner Mauer, trat allerdings vor 500.000 Zuschauern bei der großen 89er-Silvesterparty vor dem Brandenburger Tor auf.  Damals wie heute Begeisterung über den singenden Schauspieler, der zu keiner Zeit seiner Karriere die Scheu hatte, Geschmacksgrenzen zu überwinden.

 

But: "Don´t hassel the Hoff". Obwohl sich beim "Heroes"-Cover eigentlich der Spaß aufhört, oder doch nicht?

 

Anm.:  Das Wien-Konzert von David Hasselhoff wird im Herbst als DVD veröffentlicht. 

 

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Kremser Donaufestival Week 2: Sound-Zauber zwischen Tradition und Innovation!

Was versteht man unter "E2-E4"? Keine uncharmante Frage für die Millionenshow. Im Schachsport handelt es sich um einen bekannten Eröffnungsschachzug, in der Musikszene um ein trendweisendes elektronisches Meisterwerk des ehemaligen Krautrockers Manfred Göttsching, der sich beim Titel vom Star Wars-Droiden-Ikone R2-D2 inspirieren ließ. Beim Kremser Donaufestival präsentierte der Berliner Musiker das 60minütige Werk exklusiv als Österreich-Premiere.

 

Göttsching stand dabei allein auf der Bühne der Minoritenkirche, mit Synthesizer und Gitarre. Dahinter Visuals jeglicher Art, Strandszenen, Menschen auf der Straße, bunte Kaleidoskope. "E2-E4" besteht nur aus 2 Akkorden, die stetig variiert werden. Produziert wurde es an einem einzigen Tag im Dezember 1981.

 

"Manuel, I know, you can make a fortune with that", so lautete der legendäre Spruch des Virgin Chefs Richard Branson, dessen Baby während der Vorstellung eingeschlafen war. Er hatte Recht. Das minimalistische Meisterwerk mit Trance- und Latineinflüssen wurde zwar erst 1984 auf dem Label von Tangerine Dream Mastermind Klaus Schulze veröffentlicht, erlangte aber in den nächsten Jahren Kult-Status. Im Studio 54 diente es als Opener, in der Paradise Garage spielte die DJ-Legende Larry Levan das gesamte 60 Minuten-Werk als chillig-melancholisches Finale. Ende der 80er verwendeten die italienischen Dance-Produzenten von Sueno Latino die Rhythmen für ihren gleichnamigen House-Hit. Ex-Hippie Göttsching eroberte die Ibiza-Dancefloors, zahlreiche weitere Remixes folgten. Seit 2006 tourt der 65jährige Göttsching mit seinem Werk vereinzelt durch die Welt, nach Tokio, London und in den Techno-Club Berghain, jetzt hatte auch Krems die Ehre.

 

Viele andere Acts des Donaufestivals stehen im Gegensatz zum Berliner erst am Beginn der Karriere. So zum Beispiel Jakuzi aus Istanbul, die ihrer türkischen Muttersprache die Treue gehalten haben und im Stadtsaal die Gäste mit treibend-melancholischen Synthi-Beats begeisterten. Mehr als empfehlenswert ihr Debüt-Album "Fantezi Müzik".

 

Aus Kairo stammt das Multi-Talent Nadah El Shazly, die mit ihren experimentellen Symbiosen von Elektronik-Noise und traditionellen Klängen das Publikum auf besondere Art verzaubert. "Klassische arabische Musik aus den 1920ern, 1930ern und davor ist frei von einem bestimmten Rhythmus oder einem bestimmten Tempo – und das ist etwas aus der Zukunft und nicht aus der Vergangenheit.", so Shazly. Und passt in diesem Sinne haargenau zum zeitentransformierenden Motto des Donaufestivals, "Endlose Gegenwart".

 

In den 90ern noch Minimal-Techno-Protagonisten, zeigen sich Mouse on Mars (alias Jan Stephan Werner und Andi Toma aus Düsseldorf) 2018, verstärkt durch Gastmusiker, als innovatives Ensemble, das Dancefloor-, Ambient-, Folk- und Jazzklänge in kunstvolle neue Strukturen verwandelt. Das dazugehörige neue Album nennt sich "Dimensional People".

 

Apropos Dimensionen. Die überschritt gegen Ende des Samstag-Programms der geniale britische DJ Ali Wells aka Perc: Harte Industrial Techno-Beats, die ansonsten in der Londoner Fabric und im Berliner Berghain in den Morgenstunden erschallen. Samstag Mitternacht kamen die alten Österreichhallen in den Genuss technoider Bässe. Wenigstens einmal im Jahr werden im Volksmusik-Mekka von Krems die Grenzen überschritten. Wir freuen uns auf das nächste Donaufestival 2019!

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Soul-Pop-Diva Lisa Stansfield live im Wiener Museumsquartier!

Vor fast 30 Jahren eroberte eine junge Sängerin aus Manchester mit süß gegelten, kleinen Löckchen die Herzen der Pop-, Soul- und Club-Fans: Lisa Stansfield. Ihr Superhit: "All Around the World". "Meine Titelmelodie, sie hat mir ein schönes Leben ermöglicht". Mit diesem positiven Lebensgefühl war die heute 51jährige auch zu Gast im glamourös dekorierten "Ballroom" des Wiener Museumsquartiers.

 

"Deeper" heißt das brandneue 8. Album von Lisa Stansfield. Es zählt nach dem Millionenseller "Affection" zu ihren erfolgreichsten und enterte die Top Ten der europäischen Charts. Und so braucht sich Stansfield, die neben ihrer Musik-Karriere auch in zahlreichen Filmen (wie der Komödie "Swing", "Edge of Love" oder "Northern Soul") zu sehen war, nicht hinter Retro-Material zu verstecken. Die neuen Songs "Everything" und "Deeper" sorgen gleich zu Beginn in der prall gefüllten Halle E für losgelöste Frühlingsnachts-Stimmung, das Barry White-Cover "Never, Never gonna give you up" lässt erstmals die Herzen schmelzen. 

 

Dass Lisa Stansfield, die eigentlich von House-Pionieren der 80er (Cold Cut) entdeckt wurde, auch im reiferen Alter noch coole Dance-Vibes konzipieren kann, zeigt ihr neuer Track "Hercules". Muskeln zeigen, selbstbewusst sein, das richtet sie auch an das begeisterte Publikum. "People Hold On", jener trendweisende Track der schwülstig-exzessiven Londoner House-Community, steht natürlich auch auf der Setlist. Inmitten von einigen Balladen wie "So Natural" oder "Billionaire", bei der die "British Queen of White Soul" alle stimmlichen Register zieht.

 

Das "Unternehmen "Lisa Stansfield" ist übrigens ein sympathischer Familienbetrieb, Produzent ist ihr Ehemann Ian Devaney, der bereits mit Lisa die Eighties-Formation "Blue Zone" gründete. Und irgendwie hat man nach einem Stansfield-Konzert auch das Gefühl, es sei die Zeit stehengeblieben. Das liegt nicht nur am noch immer bestechenden Aussehen der Sängerin, sondern auch an den schwerelosen, uplifting Tracks, die Lisa mit ihrer brillanten Band präsentiert. 

 

Kein finaler Song passt da besser als "Young Hearts run free". Jener Studio 54-Floorfiller von Candi Staton, der nicht nur die Teenagerherzen in Caprios "Romeo & Julia" verzauberte, sondern auch als heimliche Hymne der toleranten, lebenslustigen Pink Generation gilt. Let´s "live together", es ist niemals zu spät :-)

 

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"Endlose Gegenwart" - Das Donaufestival schlägt wieder seine Zelte in Krems auf!

Seit 2005 findet in Krems das avantgardistische Donaufestival statt, das an zwei Wochenenden schräge und extravagante Acts aus den Bereichen Sound, Installation und Performance anbietet. Bis 2016 stand das Festival unter der Leitung von Tomas Zierhofer-Kin, der aktuell Chef der Wiener Festwochen ist. Die Nachfolge übernahm Thomas Edlinger, sein Motto für dieses Jahr "Endlose Gegenwart".

 

"Nichts endet wirklich, aber auch nichts beginnt neu", so die Diktion im diesjährigen Programmheft. Die Gesellschaft steckt fest im sogenannten "Klick-Zeitalter", bei dem alles in Echtzeit abläuft. Die Vergangenheit vergeht nicht, im Gegenteil: "Kultur und Politik werden von Zombies aus der Vergangenheit heimgesucht". Die Zukunft scheint abgesagt. Edlinger stellt die Frage nach künstlerischen Alternativen zu einer aufgeblähten Gegenwart und sucht nach Entschleunigung, Momenten der Nähe und nach offline-Ritualen. Mehr als 80 Programmpunkte setzen sich individuell mit dieser Thematik auseinander.

 

Eines der Highlights am ersten Wochenende war zweifellos der exzellente Auftritt der Wiener Performance-Truppe Liquid Loft unter der Regie von Chris Haring. In der Dominikanerkirche versammelten sich in der "Church of Ignorance" acht schwarz gekleidete Tänzer, zuerst nur amorph verhüllt zu sehen, dann in voller Gestalt. Die Kommunikation der Tänzer untereinander wird per Smartphone von außen gesteuert, die Quellen stammen aus vorproduzierten MP3-Aufnahmen, die Lippen werden dazu synchron bewegt. Der sich mitten im Geschehen befindliche Zuschauer hört nur "babylonisches Sprachengewirr", basierend auf alten Dialekten Europas. Gesten, Bewegungen und Betonungen der Akteure deuten bei einiger Fantasie allerdings daraufhin, was der Inhalt der Kommunikation ist. Der minutenlange Applaus nach der 60minütigen Performance ließ dagegen keine Interpretationsspielräume offen. 

 

Live bei der Eröffnung zu Gast war der Installationskünstler John Gerrard. Dessen "Western Flag" ziert die Halle 1, eine Simulation, die eine Flagge aus niemals versiegendem schwarzen Rauch zeigt. Der Standort: Eine Ölquelle in Texas, deren Vorräte bereits erschöpft ist. Für viele Festivalbesucher ist dieser Bereich auch ein Platz zum Chillen und Entspannen.

 

Musikalisch zieht Edlingers Programm wieder alle Register. Die Berliner Szene-Ikone Lotic, optisch Conchita Wurst nicht unahnlich, liefert im ehrenwürdigen Stadtsaal einen queeren Mix aus Trap, R&B und Footwork. Die Radikalfeministin Moor Mother kollaboriert mit den Industrial Pionieren Zonal, wegen einer Flugzeugverspätung weit nach Mitternacht terminlich angesetzt und ohrenbetäubend intensiv.

 

In der Festivalzentrale konzentriert sich DJ Nene Hatun auf schnörkellosen Minimal Techno. Die coolen Beats sind um einiges gefälliger als der Preis der angeblich kultigen Schnitzelsemmel (4,80 Euro), die man sich aber sparen kann.

 

Nicht so das samstägliche Programm in der Halle 2: Die aus Philadelphia stammende Mhysa (was im "Game of Thrones"-Sprachgebrauch so viel heißt wie (Drachen)-"Mutter" präsentiert sich dort als selbstbewusste Queer Black Diva inmitten von A Capella-Akrobatik und sexy Club Sounds. Und "Ersatzmann" DJ Taye  (der für die Brooklyner Djane Umfang eingesprungen ist) zeigt mit Live-Raps, Scratches und Mixes, dass er einer der ungekrönten Stars der Chicagoer Footwork-Szene ist. Die Festival-Party People dankten mit einer vollen Tanzfläche bis zum Ende des Sets.

 

Viele Donaufestival-Besucher kamen auch dieses Jahr wieder aus Wien. Ein Teil düste per Shuttle Bus noch um 2 Uhr nachts zurück in die Bundeshauptstadt. Kremser findet man traditionell nur selten am Donaufestival. Vermutlich weil sie sich in einer Traditionsblase (Heurigen, Kellergassenfeste,...) befinden und kulturellen Innovationen abgeneigt sind. Schade eigentlich.

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"Wut": Terrorismusforscherin Julia Ebner präsentiert Buch über Extremismus!

"Passen Sie gut auf sich auf, wir nähern uns dem Endkampf!" - Diesen Zettel fand die Wiener Terrorismusforscherin Julia Ebner in ihrer Tasche, kurz nachdem sie Undercover zwei Versammlungen von Rechtsextremen und Islamisten besuchte. Von welcher Gruppierung diese Nachricht stammte, weiß sie bis heute nicht.

 

Es war allerdings einer der Anlässe, ein Buch über die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Rechtsextremismus und IS-Terror zu verfassen. "Rage" nennt sich das Originalwerk, die deutsche Fassung "Wut" präsentierte die derzeit in London beim Institute für Strategic Dialogue tätige Forscherin kürzlich in der Thalia-Buchhandlung in der Wiener Mariahilfer Straße.

 

Grundlage des Buches sind ihre Untersuchungen bei der Anti Extremismus-Organisation Quilliam Foundation, die sowohl online durch Einschleusung in einschlägige Social Media-Gruppen als auch offline durch direkte Gespräche mit Mitgliedern und Aussteigern extremistischer Organisationen vonstatten gingen. Ebner beschreibt in ihrem ausführlichen Werk einen Kulturkampf zwischen radikalen westlichen "Kreuzfahrern" und islamistischen Muslimen, die beide ähnliche Ziele verfolgen: Eine religiös einheitliche Gesellschaft, eine Rückgängigmachung des Fortschritts, verbunden mit Antisemitismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit.

 

Hauptzielgruppe ist die sogenannte "Generation Z", jene ab 1990 geborenen Personen, die vor allem durch Social Media, Computerspiele, Hochglanzbilder und Promotion-Filme zum "richtigen" Glauben verlockt werden sollen. Ziel ist die Spaltung der Gesellschaft, verstärkt durch Überreaktionen auf der politischen Ebene. Der wechselseitige Konnex zeigt sich dabei auch dadurch, dass ein islamistischer Anschlag die Solidarität und den Zusammenhalt der Rechtsextremisten stärkt und umgekehrt. Ebner weist in ihrem Buch sogar örtliche Zusammenhänge nach: Rechtsextreme Horte sind oft auch Brutstätten islamistischen Terrors (wie in speziellen Londoner Distrikten oder im Wupperthal).

 

"Fast jeder Terrorist ist ein Muslim", das behauptete FPÖ-Bundesparteiobmann Strache in einem Interview. Diese Aussage sei falsch, so Expertin Ebner. Islamistische Anschläge erhalten allerdings in den Boulevardmedien mehr Aufmerksamkeit und Resonanz als rechtsextremer Terror. Die Fakten zeigen anderes: In den USA wurden im Vorjahr 18 der 34 tödlichen Terroranschläge weißen Nationalisten zugeordnet.

 

Gemeinsam ist beiden Ideologien das "Opfernarrativ". Dieses wird befeuert durch Slogans wie "Fremd im eigenen Land" oder "Der Islam gehört nicht zu Europa". Werden derartige Aussagen durch Spitzenpolitiker getätigt, so wird dies für die eigene Propaganda und für die weitere Aufhetzung der Gesinnungsgemeinschaft verwendet. 

 

Ebner hat im Zuge der Recherchen auch einige Aussteiger kennengelernt und dabei festgestellt, dass die direkte Konfrontation mit dem "Feind" Vorurteile abbauen kann. Interpretationen von Wahlergebnissen zeigen Ähnliches: Dort wo Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zusammenleben, schneiden rechte Parteien schlechter ab als in Distrikten, wo kein Ausländer ansässig ist.

 

Schuld an den extremistischen Auswüchsen sind auch die traditionellen politischen Parteien, die zu spät das "Zeitalter der Wut" registriert haben. Jeder einzelne müsse diesen negativen Entwicklungen gegensteuern, durch differenzierte Sprache, Aufdeckung von Manipulationen oder durch Unterstützung einschlägiger Kampagnen.

 

Bildung sei überhaupt das beste Mittel gegen Terrorismus, so Julia Ebner. Expertenwissen zu den Themen Rechtsextremismus und Islamismus bietet dazu ihr Erstlingsbuch.

 

 

 

Vienna City Marathon 2018: Kein Streckenrekord, aber Top-Werbung für die Stadt!

"Ab Kilometer 38 war es einfach zu heiß!", so die Siegerin Nancy Kiprop aus Kenia nach Absolvierung des Vienna-City Marathons. Für viele andere der mehr als 41.000 Teilnehmern aus 130 Ländern vermutlich bereits ab Kilometer Nummer 1.

 

Bei Mittagstemperaturen von 27 Grad war es für jeden einzelnen Läufer eine große Herausforderung, die gewählte Laufstrecke erfolgreich zurückzulegen. Die lange Hauptallee sorgte sogar bei den Spitzenläufern für konditionelle Schwierigkeiten. So auch beim sensationell laufenden Salzburger Peter Herzog, der als 10. unter tosendem Applaus ins Ziel kam und mit 2:16:57 Stunden 3 Sekunden (!) unter dem EM-Limit blieb.

 

Sieger bei den Herren wurde überraschend der Marokanner Salaheddine Bounasser mit einer Zeit von 2:09:29. Zwar kein Streckenrekord, aber klar vor einer Phalanx aus kenianischen Läufern. Weltrekordler Dennis Kimetto schied mit muskulären Problemen in der linken Wade nach der Halbzeit des Rennens aus.

 

Die weibliche Siegerin Kiprop verpasste zwar den Streckenrekord knapp, verbesserte aber ihre persönliche Bestleistung auf 2:24:18. Sie spendet wie letztes Jahr ihr Preisgeld an eine Schule in ihrem Heimatort.

 

Aufgrund der hohen Temperaturen musste das Rote Kreuz insgesamt 540mal Einsatz leisten, 50 Läufer mussten ins Spital eingeliefert werden. Sicherheitsprobleme seitens der Polizei wurden keine gemeldet.

 

Der Vienna City Marathon fand 2018 bereits zum 35stenmal statt. Er bringt laut Veranstalter einen Umsatz von 55 Millionen Euro und ca. 80000 Übernachtungen in und um Wien. Sieger ist somit nicht nur jeder einzelne Teilnehmer, sondern vor allem auch die Bundeshauptstadt selbst. Umso wichtiger, als schwarz-blaue Regierungspolitiker immer wieder versuchen, den Ruf Wiens zu ramponieren.

Jared, entertain us! Rock-Spektakel von 30 Seconds to Mars in der Wiener Stadthalle!

Ist Jared Leto mehr Rock-Musiker als Schauspieler oder umgekehrt? Eine Frage, die schwer zu beantworten ist. Fakt ist, dass der Oscar-Gewinner von 2014 (Aids-Drama "Dallas Buyers Club") schon Konzerte seiner Band 30 Seconds to Mars platzen ließ, weil das Musik-Event mit seiner Hollywood-Trademark beworben wurde.

 

Auch ohne Promotion seiner Film-Karriere, die qualitätsmäßig um die Jahrtausendwende mit dem Heroin-Schocker "A Requiem for a Dream", "Girl Interrupted" und "American Psycho" begonnen hat, lockte Jared gemeinsam mit seinem Bruder, Drummer Shannon Leto, mehr als 12.000 Fans in die Wiener Stadthalle. Gitarrist Tomislav Milicevic fiel aus persönlichen Gründen aus, der Rest der Band wurde hinter die Bühne verlagert. Dies mutet zwar etwas seltsam für eine Live-Band, stellte aber kein Problem dar für die ca. 100 Minuten dauernde Show, bei der Jared Leto, extravagant, charismatisch, kommunikativ zugleich, wie üblich im Zenit der Fans stand.

 

Die Bühne wurde ähnlich dem Metallica-Konzert mitten in den Stehplatzraum montiert, die vielen weiblichen Fans somit hautnah beim Rock-Idol platziert. Kongenial zum Start-Song „Up in the Air“ wurde der Verhüllungsblock freigegeben, und das Leto-Spektakel konnte beginnen. 

 

30 Seconds to Mars haben bis dato 5 Alben veröffentlicht und mehr als 10 Millionen Alben verkauft. Trotzdem hat man manchmal den Eindruck, dass nicht so sehr der Sound, sondern die Show, das stakkatomäßige Aufpeitschen der Fans und der für Rockbands exzessiv ausgelebte Kontakt zum Publikum im Mittelpunkt steht. Inmitten von Konfettireigen und Riesenluftballons kokettiert Leto mit Konzertbesuchern auf den Sitzplätzen und holt sich mutige Fans auf die Bühne zwecks gemeinsamer Dance-Party. Alles gefilmt vom persönlichen Kameramann und abgezielt auf das millionenfache Teilen auf Facebook, Instagram & Co.. Da bleiben schon mal die manchmal uncharmant als „Stadiun Rock“ bezeichneten Songs von 30 Seconds to Mars auf der Strecke, egal ob sie jetzt „Kings and Queens“, „This is War“ oder „Hurricane“ heißen. Überrascht wird die Audienz von einer bezaubernden Coverversion des Rihanna-Hits "Stay", bei der Leto seine romantischen Seiten zeigt.

 

Charttechnisch erreichten die Leto Brothers gerade in der Woche des Wien-Konzerts ihren Höhepunkt. „America“, ihr 5. Album, ist weltweit in zahlreichen Ländern auf Platz 1, darunter auch in Österreich. Leto nützt diese Gelegenheit, sich euphorisch beim Wiener Publikum zu bedanken und wirft dann einige Gratis-CD´s in die frenetische Crowd. „Dangerous Night“, „Rescue me“, „Rider“ und der Single-Hit „Walk on Water“ aus dem neuen Album dürfen natürlich auf der Setlist des Konzerts nicht fehlen, das mit „Close to the Edge“ (etwas früh) endet. 

 

Inmitten der Fans auf den Brettern, die für Leto die (musikalische) Welt bedeuten. Steht seine Band doch sogar im Guinness Buch der Weltrekorde, Für die – mit 300 Auftritten – längste („This is War“)-Tour aller Zeiten. 

 

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"Jump Around": 20. Argus Bike Festival auf dem Wiener Rathausplatz!

Das Argus Bike Festival fand zum ersten Mal im Jahr 1999 statt. 2018 feierten die Veranstalter das 20. Jubiläum, und zwar mit einer besonderen Attraktion. Wie vor 3 Jahren beim Vienna Air King lieferten sich internationale und nationale Biker tollkühne Duelle auf dem Parcours vor dem Wiener Rathaus. 

 

Der Dirt-Battle Vienna gliederte sich in zwei Teile. Bei der "Best Trick"-Competition vergab eine Jury Noten je nach Schwierigkeitsgrad und Ausführung, beim "Highest Air"-Bewerb zählte die übersprungene Höhe. Erreicht wurden phänomenale 8,5 Meter. Moderiert wurde die Show von Event-Profi Andi Brewi, der famose Hip Hop-Sound stammte von Mixmaster DJ Mosaken.

 

Ebenfalls seit 1999 dabei ist die Wiener BMX-Legende Senad Grosic, der im Rahmen seiner "School 2 Rock"-Show junge Nachwuchstalente fördert und schult. Aber auch für den "normalen" Radfan wurde auf dem jährlichen Bike Festival viel geboten: Eine Fahrradmesse mit über 100 Ausstellern, der Falter-Fahrrad-Flohmarkt, neue E-Bikes und Lastenfahrräder, die Fahrrad-Kinderwelt und natürlich die Radparade, bei der Sonntag mittags mehr als 12.000 Personen teilnahmen.

 

Der Radverkehr blieb 2017 - trotz eines Allzeithochs im Juni - konstant. Laut Modal Split lag der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wege in Wien bei 7 Prozent. Die Ziele der rot-grünen Landesregierung liegen um einiges höher. Im Jahr 2025 sollen mindestens 80 Prozent der Wege im Öffentlichen Verkehr, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Die Radfahrquote soll dabei auf 13 Prozent gesteigert werden. 

 

Veranstaltungen wie das Bike Festival oder auch die ab 28. April in der Nordbahnhalle stattfindende Ausstellung "Bicycle - A Love Story" sind in diesem Sinne geeignete Motivatoren, in der Stadt auf das Auto zu verzichten und auf das sportliche, klimafreundliche Rad umzusteigen.

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Electric Spring 2018: Open Air-Party mit Ankathie Koi im Museumsquartier!

"Tanzen, Fotos schießen oder Schmusen" - Das stellt Ankathie Koi bei ihrem Konzert im Hof des Wiener Museumsquartiers in den Raum und gibt dazu gleich die Antwort: "Natürlich Schmusen mit dem Partner (oder Unbekannten?) daneben". Auch dem Tanzen sollte man aber nicht abgeneigt sein, denn die Tracks der in Oberbayern aufgewachsenen und in Wien lebenden Ex-Jazzgesangstudentin gehen kräftig in die Beine: Schriller Eighties Pop mit eingängigen Refrains und exaltierter Performance.

 

Ankathie Koi war einst Teil des Glampopduos Fijukas, kuratierte das Wiener Popfest auf dem Karlsplatz und schlug dann eine Solokarriere ein. Ihr Debüt-Album "I hate the Way you chew" wurde produziert von der Techno-Ikone Patrick Pulsinger. "Black Mamba", "Little Hell" oder das witzig-tiefgründige "I´m jealous of my Boyfriend´s Past" begeistern die international angehauchte Hipster-Crowd vor dem Mumok. Da darf eine Stage Diving-Einlage im hautengen, roten Latex-Outfit nicht ausbleiben. Wie vielseitig die für den FM4-Amadeus Award nominierte Künstlerin ist, zeigt sie bei ihrem Abschiedslied "Gypsy", einem bezaubernden Fleetwood Mac-Cover.

 

Danach wurde weitergefeiert in den Hallen des Museumsquartiers mit Acts wie Anna Leiser, The Devil & The Universe oder Gudrun von Laxenburg. Kuratiert wurde die 4. Ausgabe von "Electric Spring" von Therese Kaiser, 2017 noch als DJ "Therese Terror" in den frühen Morgenstunden im Einsatz.