Vienna City Marathon 2018: Kein Streckenrekord, aber Top-Werbung für die Stadt!

"Ab Kilometer 38 war es einfach zu heiß!", so die Siegerin Nancy Kiprop aus Kenia nach Absolvierung des Vienna-City Marathons. Für viele andere der mehr als 41.000 Teilnehmern aus 130 Ländern vermutlich bereits ab Kilometer Nummer 1.

 

Bei Mittagstemperaturen von 27 Grad war es für jeden einzelnen Läufer eine große Herausforderung, die gewählte Laufstrecke erfolgreich zurückzulegen. Die lange Hauptallee sorgte sogar bei den Spitzenläufern für konditionelle Schwierigkeiten. So auch beim sensationell laufenden Salzburger Peter Herzog, der als 10. unter tosendem Applaus ins Ziel kam und mit 2:16:57 Stunden 3 Sekunden (!) unter dem EM-Limit blieb.

 

Sieger bei den Herren wurde überraschend der Marokanner Salaheddine Bounasser mit einer Zeit von 2:09:29. Zwar kein Streckenrekord, aber klar vor einer Phalanx aus kenianischen Läufern. Weltrekordler Dennis Kimetto schied mit muskulären Problemen in der linken Wade nach der Halbzeit des Rennens aus.

 

Die weibliche Siegerin Kiprop verpasste zwar den Streckenrekord knapp, verbesserte aber ihre persönliche Bestleistung auf 2:24:18. Sie spendet wie letztes Jahr ihr Preisgeld an eine Schule in ihrem Heimatort.

 

Aufgrund der hohen Temperaturen musste das Rote Kreuz insgesamt 540mal Einsatz leisten, 50 Läufer mussten ins Spital eingeliefert werden. Sicherheitsprobleme seitens der Polizei wurden keine gemeldet.

 

Der Vienna City Marathon fand 2018 bereits zum 35stenmal statt. Er bringt laut Veranstalter einen Umsatz von 55 Millionen Euro und ca. 80000 Übernachtungen in und um Wien. Sieger ist somit nicht nur jeder einzelne Teilnehmer, sondern vor allem auch die Bundeshauptstadt selbst. Umso wichtiger, als schwarz-blaue Regierungspolitiker immer wieder versuchen, den Ruf Wiens zu ramponieren.

Jared, entertain us! Rock-Spektakel von 30 Seconds to Mars in der Wiener Stadthalle!

Ist Jared Leto mehr Rock-Musiker als Schauspieler oder umgekehrt? Eine Frage, die schwer zu beantworten ist. Fakt ist, dass der Oscar-Gewinner von 2014 (Aids-Drama "Dallas Buyers Club") schon Konzerte seiner Band 30 Seconds to Mars platzen ließ, weil das Musik-Event mit seiner Hollywood-Trademark beworben wurde.

 

Auch ohne Promotion seiner Film-Karriere, die qualitätsmäßig um die Jahrtausendwende mit dem Heroin-Schocker "A Requiem for a Dream", "Girl Interrupted" und "American Psycho" begonnen hat, lockte Jared gemeinsam mit seinem Bruder, Drummer Shannon Leto, mehr als 12.000 Fans in die Wiener Stadthalle. Gitarrist Tomislav Milicevic fiel aus persönlichen Gründen aus, der Rest der Band wurde hinter die Bühne verlagert. Dies mutet zwar etwas seltsam für eine Live-Band, stellte aber kein Problem dar für die ca. 100 Minuten dauernde Show, bei der Jared Leto, extravagant, charismatisch, kommunikativ zugleich, wie üblich im Zenit der Fans stand.

 

Die Bühne wurde ähnlich dem Metallica-Konzert mitten in den Stehplatzraum montiert, die vielen weiblichen Fans somit hautnah beim Rock-Idol platziert. Kongenial zum Start-Song „Up in the Air“ wurde der Verhüllungsblock freigegeben, und das Leto-Spektakel konnte beginnen. 

 

30 Seconds to Mars haben bis dato 5 Alben veröffentlicht und mehr als 10 Millionen Alben verkauft. Trotzdem hat man manchmal den Eindruck, dass nicht so sehr der Sound, sondern die Show, das stakkatomäßige Aufpeitschen der Fans und der für Rockbands exzessiv ausgelebte Kontakt zum Publikum im Mittelpunkt steht. Inmitten von Konfettireigen und Riesenluftballons kokettiert Leto mit Konzertbesuchern auf den Sitzplätzen und holt sich mutige Fans auf die Bühne zwecks gemeinsamer Dance-Party. Alles gefilmt vom persönlichen Kameramann und abgezielt auf das millionenfache Teilen auf Facebook, Instagram & Co.. Da bleiben schon mal die manchmal uncharmant als „Stadiun Rock“ bezeichneten Songs von 30 Seconds to Mars auf der Strecke, egal ob sie jetzt „Kings and Queens“, „This is War“ oder „Hurricane“ heißen. Überrascht wird die Audienz von einer bezaubernden Coverversion des Rihanna-Hits "Stay", bei der Leto seine romantischen Seiten zeigt.

 

Charttechnisch erreichten die Leto Brothers gerade in der Woche des Wien-Konzerts ihren Höhepunkt. „America“, ihr 5. Album, ist weltweit in zahlreichen Ländern auf Platz 1, darunter auch in Österreich. Leto nützt diese Gelegenheit, sich euphorisch beim Wiener Publikum zu bedanken und wirft dann einige Gratis-CD´s in die frenetische Crowd. „Dangerous Night“, „Rescue me“, „Rider“ und der Single-Hit „Walk on Water“ aus dem neuen Album dürfen natürlich auf der Setlist des Konzerts nicht fehlen, das mit „Close to the Edge“ (etwas früh) endet. 

 

Inmitten der Fans auf den Brettern, die für Leto die (musikalische) Welt bedeuten. Steht seine Band doch sogar im Guinness Buch der Weltrekorde, Für die – mit 300 Auftritten – längste („This is War“)-Tour aller Zeiten. 

 

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"Jump Around": 20. Argus Bike Festival auf dem Wiener Rathausplatz!

Das Argus Bike Festival fand zum ersten Mal im Jahr 1999 statt. 2018 feierten die Veranstalter das 20. Jubiläum, und zwar mit einer besonderen Attraktion. Wie vor 3 Jahren beim Vienna Air King lieferten sich internationale und nationale Biker tollkühne Duelle auf dem Parcours vor dem Wiener Rathaus. 

 

Der Dirt-Battle Vienna gliederte sich in zwei Teile. Bei der "Best Trick"-Competition vergab eine Jury Noten je nach Schwierigkeitsgrad und Ausführung, beim "Highest Air"-Bewerb zählte die übersprungene Höhe. Erreicht wurden phänomenale 8,5 Meter. Moderiert wurde die Show von Event-Profi Andi Brewi, der famose Hip Hop-Sound stammte von Mixmaster DJ Mosaken.

 

Ebenfalls seit 1999 dabei ist die Wiener BMX-Legende Senad Grosic, der im Rahmen seiner "School 2 Rock"-Show junge Nachwuchstalente fördert und schult. Aber auch für den "normalen" Radfan wurde auf dem jährlichen Bike Festival viel geboten: Eine Fahrradmesse mit über 100 Ausstellern, der Falter-Fahrrad-Flohmarkt, neue E-Bikes und Lastenfahrräder, die Fahrrad-Kinderwelt und natürlich die Radparade, bei der Sonntag mittags mehr als 12.000 Personen teilnahmen.

 

Der Radverkehr blieb 2017 - trotz eines Allzeithochs im Juni - konstant. Laut Modal Split lag der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wege in Wien bei 7 Prozent. Die Ziele der rot-grünen Landesregierung liegen um einiges höher. Im Jahr 2025 sollen mindestens 80 Prozent der Wege im Öffentlichen Verkehr, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Die Radfahrquote soll dabei auf 13 Prozent gesteigert werden. 

 

Veranstaltungen wie das Bike Festival oder auch die ab 28. April in der Nordbahnhalle stattfindende Ausstellung "Bicycle - A Love Story" sind in diesem Sinne geeignete Motivatoren, in der Stadt auf das Auto zu verzichten und auf das sportliche, klimafreundliche Rad umzusteigen.

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Electric Spring 2018: Open Air-Party mit Ankathie Koi im Museumsquartier!

"Tanzen, Fotos schießen oder Schmusen" - Das stellt Ankathie Koi bei ihrem Konzert im Hof des Wiener Museumsquartiers in den Raum und gibt dazu gleich die Antwort: "Natürlich Schmusen mit dem Partner (oder Unbekannten?) daneben". Auch dem Tanzen sollte man aber nicht abgeneigt sein, denn die Tracks der in Oberbayern aufgewachsenen und in Wien lebenden Ex-Jazzgesangstudentin gehen kräftig in die Beine: Schriller Eighties Pop mit eingängigen Refrains und exaltierter Performance.

 

Ankathie Koi war einst Teil des Glampopduos Fijukas, kuratierte das Wiener Popfest auf dem Karlsplatz und schlug dann eine Solokarriere ein. Ihr Debüt-Album "I hate the Way you chew" wurde produziert von der Techno-Ikone Patrick Pulsinger. "Black Mamba", "Little Hell" oder das witzig-tiefgründige "I´m jealous of my Boyfriend´s Past" begeistern die international angehauchte Hipster-Crowd vor dem Mumok. Da darf eine Stage Diving-Einlage im hautengen, roten Latex-Outfit nicht ausbleiben. Wie vielseitig die für den FM4-Amadeus Award nominierte Künstlerin ist, zeigt sie bei ihrem Abschiedslied "Gypsy", einem bezaubernden Fleetwood Mac-Cover.

 

Danach wurde weitergefeiert in den Hallen des Museumsquartiers mit Acts wie Anna Leiser, The Devil & The Universe oder Gudrun von Laxenburg. Kuratiert wurde die 4. Ausgabe von "Electric Spring" von Therese Kaiser, 2017 noch als DJ "Therese Terror" in den frühen Morgenstunden im Einsatz.

And the "Wanda"-Hype goes on: 12.000 begeisterte Fans in der ausverkauften Wiener Stadthalle!

Der Musikexpress bezeichnete Wanda 2015 als die "vielleicht letzte wichtige Rock´n Roll Band unserer Generation." Übertreibt dabei ein bisschen, liegt aber auf jeden Fall nicht falsch.

 

Schon Stunden vor dem ausverkauften Konzert in der Wiener Stadthalle warten tausende Menschen im Areal des Roland Rainer-Platzes auf den Eintritt, die Fans trinken Bier, lachen und sind gut drauf. In der Location selbst gehen die Wanda-Shirts weg wie die warmen Semmeln oder besser gesagt wie die kalten Bier, die natürlich aus "Wanda"-Bechern getrunken werden. Bereits beim Support-Auftritt des legeren Szene-Originals Nino aus Wien mit seiner top-eingespielten Band und Voodoo Jürgens als Gast sind die Plätze vor der Bühne und auf den Rängen prall gefüllt. Noch hängt der "Amore"-Vorhang über der Stage.

 

Dann geht´s los, nicht mit irgendeinem Fülltitel, sondern mit der Tante Ceccarelli. Die in Bologna Amore gemacht. Mit "Luzia", "Auseinandergehn´s is schwer" und "Schickt mir die Post". Allesamt die Gassenhauer einer Band, die sich nach einer lesbischen Wiener Zuhälterin namens Wanda Kuchwalek benannt hat. Das Publikum ist bei den ersten Tönen in Stimmung, und was kann sich eine Rock-Band mehr wünschen? Obendrein eine, die gar nicht komplett fit auftritt. Sänger und Enfant Terrible Marco Michael Fitzthum trägt eine Gipsmanschette, Gitarrist Manuel Christoph Poppe hat sich überknöchelt, und der Keyboarder Christian Hummer wurde wegen eines Hörsturzes ersetzt.

 

Alles was uns nicht umbringt, macht uns nur härter. Es folgen neue Tracks aus dem dritten Album "Niente", der neue lässige Single-Hit "Weiter Weiter" und die subtile Ode an das Cafe Kreisky. Dann ein weiterer Wanda-Evergreen: "Meine beiden Schwestern" aus dem zweiten Album "Bussi". Mit Bier in der Hand feiern die enthusiastischen Fans die "stehengelassenen Weinflaschen", bis die fünfköpfige Band mit einer improvisierten Extended Version von "Ich will Schnaps" den Hexenkessel in der Stadthalle runterdosiert. Beim neuen Track "Ich sterbe" wird Sänger Marco Michael Wanda von Geigenspielerinnen in Totenmasken begleitet, der Karneval in Venedig lässt grüßen. 

 

Die nächste Party feiern Wanda im Pyjama zu Haus. Columbo schauen, nicht zu zweit, sondern mit 12.000 entfesselten Fans. Dann "Bussi Baby" und der Ballermann-verdächtige Stimmungsknaller "1,2,3,4". Spätestens dann weiß man nicht mehr so genau: Sind Wanda jetzt noch ein intellektueller FM4-Alternative-Act oder bereits ein übersättigter Mainstream-Hype?

 

Die erste Zugabe sorgt für Widersprüche. "Traurig schöne Kindheit in 0043", die schwermütig-melancholische erste Single aus dem neuen Album. Hätte Marco den Text vergessen, kein Problem. Die Fans singen fehlerfrei mit. Als Finale noch einmal Bologna und Luzia. Und ein überglücklicher, schweißüberströmter Sänger mit den Schluss-Worten "Wir sehen uns wieder. Habt´s es schen, Danke schön!"

 

Man darf gespannt sein, wie es mit Wanda musikalisch weitergeht. Wieder mehr Richtung Indie oder gar ein Ausflug in die Electronic-Szene? Und natürlich auch thematisch. Weiterhin Liebe, Weltschmerz, Kitsch, Tod oder vielleicht gerade in diesen Zeiten auch politisch. Wandas Grundhaltung ist bekannt: "Gegen Fremdenhass, Frauenhass und Sexismus." Insofern kann nichts schiefgehn.

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Isolation Berlin - Mit neuem Album "Vergifte dich" live im Wiener Fluc!

Von Köln nach Berlin gezogen lernte der Schauspielschüler Tobias Bamborschke in einer Kneipe, vom Liebeskummer gezeichnet,  den Gitarristen Max Bauer kennen. Der Startschuss für die Gründung einer Band war geboren. Heute stehen die zwei - gemeinsam mit Bassist David Specht und Schlagzeuger Simeon Cöster - auf der Bühne. Als "Isolation Berlin", deren Schriftzug auch auf der schwarzen Lederjacke von Sänger Bamborschke eingraviert ist.

 

2016 erschien das erste Album "Und aus den Wolken tropft die Zeit", die Musikmedien waren begeistert und verglichen die intellektuell-schwermütigen Texten der Berliner Band mit dem Frühwerk Rio Reisers der 70er und den lyrischen Ergüssen Sven Regeners. Inspiriert wurde Mastermind Bambuschke bereits in der Schulzeit, durch Hermann Hesse.

 

"Ich glaube ich nehm' die nächste U-Bahn und fahr' zum Bahnhof Zoo. Dann nehm' ich mir 'nen Strick und häng' mich auf im Damenklo" klingt auch eher nach düsterem Weltschmerz als nach dem klischeehaften Party-Hedonismus der Berliner Szene. Jener Song "Isolation Berlin", sozusagen das Trademark der Band, stand auch auf der Setlist beim Konzert im Wiener Underground-Club Fluc, wo die Berliner Combo ihr neues Album "Vergifte dich" präsentierte. 

 

Das 3. Album - nach dem Debüt und der EP-Compilation "Berliner Schule/Protopop" - enthält neben typischen gesellschaftskritischen Stücken wie "Antimaterie" auch neue Facetten der Band. "Marie", das neue "Annabelle" (Anm.: Ihre erste Single), könnte durchaus von Wanda stammen, die minimalistisch New Wave-lastigen Tracks "Kicks" oder "Die Leute" (reden zuviel und sagen zuwenig) erinnern an die 80er-Electronic-Ikonen DAF. 

 

Die Mischung kommt beim Wiener Publikum gut an. Dem mit dem neuen Song "Serotonin" auch eine Liebeserklärung an deren Heimatstadt gewidmet wird. " Heißt es doch dort: "Dann bau ich mir ein Kartenhaus aus Serotonin. Mitten in Berlin, ich hab dir längst verzieh'n. Mitten in Berlin träume ich von Wien. Komm, fahr mit mir dahin. Gib meinen leeren Tagen einen Sinn." 

 

Steht in glatter Antithese zum depressiven Abschluss-Song "Alles Grau", in dem der charismatische Frontman Bamborschke ins Mikro fleht: "Ich hab keine Angst vorm Sterben mehr!" Die Zukunft von Isolation Berlin sieht trotzdem rosig aus. In welche Richtung, wird sich weisen.

Otto Wagners "Stadttor" für Wien: Die Schemerlbrücke in Nussdorf!

Das Wien Museum bietet aktuell bis 7. Oktober eine Ausstellung über den renommierten Wiener Architekten und Stadtplaner Otto Wagner. Das Werbe-Plakat ziert die Schemerlbrücke in Nussdorf, dort wo der Wiener Donaukanal von der Donau abzweigt.

 

Benannt ist die Schemerlbrücke nach dem Wasserbauingenieur Joseph Maria Schemerl von Leythenbach, entworfen wurde sie von Otto Wagner im Zuge der Errichtung der Nussdorfer Wehr- und Schleusenanlage zwischen 1894 und 1899.

 

Wagner betrachtete die Wehr nicht nur funktional zur Verhinderung von Hochwasser und Eisstößen, sondern auch als "Stadttor". So wurde diese mit Pylonen ausgestattet, auf denen Löwenfiguren des barocken Wiener Bildhauers Rudolf Weyr thronen. Ebenfalls von Wagner stammt das ehemalige Verwaltungsgebäude der Donauwasserschutzkonferenz direkt neben der Schleusenanlage, das heute als Sitz der Magistratsabteilung 45 (Wiener Gewässer) fungiert.

 

Bereits im 1. Jahr der Fertigstellung lohnte sich die Mühe für den Einsatz. Die Nussdorfer Wehr (die aufgrund der Grenzziehung beim rechten Ufer des Donaukanals eigentlich großteils in Brigittenau liegt), verhinderte 1899 eine Hochwasserkatastrophe im Donaukanalbereich. Im April 1945 wurde die Schemerlbrücke wie viele andere Donaukanalbrücken durch die zurückweichenden SS-Truppen zerstört, in den 50ern wieder aufgebaut. Die letzte Sanierung wurde 2009 vorgenommen, um ca. 1 Million Euro wurden erhebliche Schäden am Stahltragwerk restauriert.

 

Seit dem Jahr 2005 befindet sich unter der Brücke das Wasserkraftwerk Nussdorf, das mit 12 Matrixturbinen 10.000 Haushalte mit Strom versorgt. Das historische Erscheinungsbild der "Löwenbrücke" wurde dadurch nicht beeinträchtigt.

Wie die Regierung AlV-Beiträge minimal senkt und gleichzeitig den Sozialabbau forciert!

Die schwarz-blaue Bundesregierung behauptet vollmundig, sie senke die Arbeitslosenversicherungsbeiträge für geringe Einkommensbezieher. Erstens stimmt dies nur teilweise, zweitens hat diese Reduzierung weitreichende negative Auswirkungen.

 

Ab dem 1. Juli 2018 zahlen Arbeitnehmer laut dem Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz bis zu einem Einkommen von 1648 Euro keine Beiträge mehr. Der "Marketing-Clou": Bereits jetzt sind Einkommensbezieher bis 1381 Euro von diesen Beiträgen befreit. Zwischen 1648 und 1798 Euro beträgt der Arbeitnehmeranteil künftig 1 %, bei einem monatlichen Einkommen zwischen 1798 und 1948 Euro 2 %. Darüber hinaus beträgt der Beitragssatz 3 %, ebenso wie generell bei den Arbeitgebern. Zu beachten ist allerdings die Höchstbeitragsgrundlage von 5130 Euro, ab der überhaupt keine Beiträge mehr entrichtet werden müssen. Ein Grenzwert, den man durchaus um einiges anheben sollte.

 

Unbeachtet blieb bei der Gesetzesnovelle die Streichung des § 2a Absatz 5. Dieser besagt, dass "der durch die Beitragssenkung bedingte Einnahmenentfall in der Gebarung Arbeitsmarktpolitik vom Bund zu tragen ist". Aufgrund des Entfalls dieses Paragraphen entgehen dem AMS ab Juli um die 500 Millionen Euro jährlich.

 

 

Geld, das mit höchster Wahrscheinlichkeit bei den Leistungen für die Bürger eingespart wird. Beim Arbeitslosengeld, bei der Notstandshilfe, bei der Integration von Asylberechtigten, bei Arbeitsmarktförderungen, Deutschkursen, Qualifizierungsseminaren usw....  Ob die Bürger dann erkennen, welche Absichten diese Bundesregierung hat?

 

Satire gegen Fake News und Neoliberalismus: Florian Scheuba im Wiener Stadtsaal!

Die derzeit herrschenden politischen Verhältnisse sind eine Goldgrube für Kabarettisten und Satiriker. Florian Scheuba zieht hier gerne den Vergleich mit einem Arzt und dem gehäuften Anfall von Grippekrankheiten heran. Trotz lukrativen Geschäfts könne sich der Mediziner nicht darüber freuen. Scheubas zweites Solo-Programm - für sein Debüt "Bilanz mit Frisur" bekam er den österreichischen Kabarettistenpreis - nannte er "Folgen Sie mir auffällig", und tatsächlich war der Wiener Stadtsaal in der Mariahilferstraße schnell ausverkauft.

 

Scheuba, bereits seit dem Alter von 16 als Hektiker, Donnerstalker oder Staatskünstler in der Kultur-Szene verankert, betreibt seine Profession wie ein akribischer Investigativjournalist. Politische und gesellschaftliche Missstände werden genau recherchiert und sollen mittels Satire die Zuschauer nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Denken anregen.  Basis - und das ist in vielen Fällen erschreckend - ist allerdings der reale Wahrheitsgehalt der zugrundeliegenden Geschichten. Im Gegensatz zu erfundenen Fake News von Politikern, die versuchen, eine Lüge als Satire zu verkaufen, um sich vor juristischen Konsequenzen zu drücken.

 

In diesem Konnex darf auch der US-Präsident Donald Trump nicht fehlen, der mittels "alternativer Fakten" behauptete, bei seiner Angelobung hätten mehr Personen teilgenommen als bei Obama. Die Wahl von Trump vergleicht Scheuba mit einem Vorfall in der Türkei, wo die Bürger absichtlich vier Dorftrottel in den Gemeinderat gewählt haben, um ihren eigenen Bürgermeister zu demütigen.

 

Scheuba thematisiert in seinem 2 Stunden-Programm auch kuriose Wiener Fälle. So gebe es eine Rechtsanwaltskanzlei in der Bundeshauptstadt, die ihre Mitarbeiter in Kabarettprogramme setzt, um klagsreife Formulierungen für etwaige Klienten zu notieren. Oder die Wiener Agentur Modern Mind Marketing, die bezahlte Postings für Bank Austria, ÖBB oder das "Nischenprodukt ÖVP Wien" produziert. "Wobei ein gefälschtes Posting unter einem Artikel von oe24.at allein schon ein Witz ist."

 

Scheuba weist allerdings auch daraufhin, dass man die Social Media und die Internerforen nicht als "Stimme des Volkes" klassifizieren solle. Beim Nationalratswahlkampf in Österreich wurden mehr als die Hälfte der rund 3 Millionen Kommentare von nur 8900 Facebook-Usern gepostet.

 

Kritik bekommen nicht nur die Boulevardmedien und die sozialen Netzwerke ab, sondern auch der grassierende Neoliberalismus. Scheuba zitiert hier den "effektiven Altruismus", eine philosophische Richtung, bei der Kosten und Nutzen einer Person alleine durch sein Einkommen bewertet werden. In einer derartigen Berufe-Tabelle seien Hedge Fonds-Spekulanten und Waffenexporteure höher einzuschätzen als Lehrer oder Entwicklungshelfer. Erinnert frappant an den politischen Kurs der aktuellen Bundesregierung, die die Entlastung der Familien nach dem Einkommen der Eltern staffelt.

 

Dauerbrenner im Programm ist natürlich auch wieder der Föderalismus der Alpenrepublik. So erscheinen laut Scheuba "9 Landesregierungen in einem so kleinen Land wie Österreich ein bisschen so, als würde man das Blumenkisterl am Fensterbrett in Klimazonen unterteilen". Thematisiert wird auch die Landesabgabe, die als Teil der Rundfunkgebühren nicht an den ORF, sondern an 7 von 9 Landesregierungen fließt. Verwendet werden die 135 Millionen Euro (2016) zur Brauchtumspflege der Landeshauptleute. An eine Abschaffung denkt niemand.

 

Dass die Regierung Kurz immer wieder von Scheuba aufs Korn genommen wird, liegt auf der Hand. Den Kanzler vergleicht er mit dem kroatischen "Wunderheiler" Braco, der auf Großveranstaltungen wie in der Eventpyramide Vösendorf für einen 7minütigen Starr-Blick-Auftritt 15 Euro pro Person kassiert. Die Einrichtung einer FPÖ-Historikerkommission zur Aufdeckung brauner Flecken in den deutschnationalen Burschenschaften bezeichnet Scheuba als "Suche nach Heu in einem Heuhaufen." Moralisch kenne aber auch Kurz keine Skrupel: "Wenn ich es nicht tu, macht es die FPÖ selber. Und die tun es auch noch gern!"

 

Belohnt werden derartige "Real-Gags" mit Szenenapplaus im Publikum. Die politische Einstellung Scheubas dürfte - nicht überraschend - mit den Besuchern übereinstimmen. Wirft immer wieder die Frage auf, ob im Saal nicht eigentlich jene Zielgruppe sitzen sollte, die sich von Medien, Machtapparaten und Echokammern täuschen und manipulieren lässt und dadurch irrationale (Wahl)-Entscheidungen trifft.

 

Dass der ORF mit Ausnahme von "Willkommen Österreich" keine Satiresendungen im Programm hat, ist auch kein gutes Zeichen für die Zukunft. Die "Staatskünstler" mit Scheuba, Maurer und Palfrader wurden - mit vorauseilendem Zugeständnis an die rechtskonservative Regierung (?) - im Vorjahr eingestellt. In Zeiten von aalglattem Polit-Marketing, Fake News und Medien-Propaganda sind allerdings kritische Geister wie Scheuba wichtiger denn je.

 

Nicht nur für die Frau Scheubas, die der dreifache Vater vor 30 Jahren bei einer Hektiker-Show kennengelernt hat und der er zum Finale eine sentimentale Liebeserklärung widmete.

Liebe in Zeiten des Kapitalismus: Buchpräsentation von Robert Misik im Thalia!

Robert Misik, Wiener Journalist und freier Autor, gilt als progressiver Vordenker des linken Lagers und ist vielen nicht nur als Publizist der Kern-Biographie,. sondern auch durch seinen wöchentlichen Video-Blog auf der Website des Standards bekannt.

 

"Liebe in Zeiten des Kapitalismus" heißt sein neues Werk, eine Sammlung von spannenden, diskussionswürdigen Zeitgeist-Essays, die er kürzlich auch in der Buchhandlung Thalia auf der Mariahilferstraße präsentierte. Entstanden ist diese Kompilation aus seinen zahllosen Kolumnen, Vorträgen und Kommentaren der letzten Jahre, die in einen speziellen Kontext zusammengefügt wurden.

 

Misik thematisiert dabei nicht nur die aktuelle politische Situation, sondern widmet sich auch sogenannten "sanfteren" Begriffen wie Emotionen, Gefühlen, Freiheit, Ironie oder Liebe. So sieht er die Menschen in einer stetigen Angst-Situation, egal ob es sich um den beruflichen Erfolg, die Finanzen oder die private Gefühlswelt handelt. Alles stehe immer auf Messers Schneide.

 

Der Autor kritisiert den Konsumwahn und den kapitalistischen Lifestyle, der auch in die intimen Lebensbereiche eintritt. Motto: "Wir sind, was wir kaufen." Und selbst diese Entscheidungen werden von Role Models in den Medien vorgegeben. Das war allerdings auch in den 50ern bei Sartres schwarz gekleideten Existentialisten nicht anders.

 

Die Integrationspolitik vergleicht Misik mit dem Verhalten von Kindern in der Schule. Die dauernde Androhung von Sanktionen demotiviere und frustriere Migranten, ebenso die von vielen so empfundene gesellschaftliche Grundstimmung "Wir brauchen euch nicht". In Frage stellt der Autor auch die Werte-Kataloge, hinsichtlich dieser vor allem hasserfüllte Politiker und Wutbürger ein schlechtes Vorbild darstellen.

 

Bei den im Buch ausführlich behandelten Themen Liebe und Kapitalismus bedient sich der Falter-, Profil- und Taz-Journalist den Thesen der israelischen Soziologin Eva Illouz, die einen desillusionierenden Blick auf das Liebesleben des 21. Jahrhunderts wirft. Die romantische Liebe aus der Jugendzeit, bei der man einigen wenigen Schwärmereien nachgetrauert hat, sei einer grenzenlosen Auswahl im Internet gewichen, die geprägt ist von Massenmedien, Filmen und Magazinen. Stichwort "Willhaben mit Menschen".

 

Trifft man eine Auswahl, dann wird diese durch das Erscheinen neuer "Gelegenheiten" sofort wieder in Zweifel gezogen. Rationale Entscheidungen sind in einer derartigen Gesellschaft nicht möglich. Zumindest der Kauf der Misik´schen Zeitgeist-Biographie ist eine, die man nicht bereuen wird :-)

 

 

Leseprobe

 

https://derstandard.at/2000074404194/Vorabdruck-von-Robert-MisiksLiebe-in-den-Zeiten-des-Kapitalismus

 

Soziale Rechte in Gefahr: VfGH als Schutzorgan für Mindestsicherungsempfänger!

Die politische Bedeutung des Verfassungsgerichtshofs war nie höher. Das Höchstgericht, das regelmäßig im Gebäude an der Freyung tagt, hat nicht nur die Funktion, die Einhaltung der Verfassung und der Grundrechte zu kontrollieren, sondern dient aktuell auch als Schutzorgan sozialer Rechte für Bedürftige. Traurig und ärgerlich genug, dass diese Aufgabe nicht der aktuelle, mehrheitliche Gesetzgeber übernimmt.

 

In seiner Entscheidung vom 7. März 2018 hat der VfGH die Novelle des von ÖVP und FPÖ beschlossenen NÖ Mindestsicherungsgesetzes aufgehoben, die von mehr als 160 Betroffenen wegen Verfassungswidrigkeit erfolgreich angefochten wurde. 

 

So wurde vom niederösterreichischen Landtag eine 1500 Euro-Mindestsicherungsdeckelung pro Haushalt eingeführt. Betroffen von dieser Einschränkung waren 5186 Personen, davon nur 14,7 Prozent Asylberechtigte (auf die diese Regelung eigentlich abgezielt hatte, um die leider vorhandene Xenophobie im Land zu befriedigen). Leidtragende war u.a. auch eine obdachlose Österreicherin, die in eine Kremser Krisenwohnung gezogen ist und deren Mindestsicherung von 844,46 auf 226,81 Euro gekürzt wurde. Der VfGH machte der asozialen Deckelung einen Strich durch die Rechnung. "Wenn gleich 1500 Euro für bestimmte Haushaltskonstellationen ausreichend sein können, verhindert das NÖ MSG eine einzelfallbezogene und damit sachliche Bedarfsprüfung", so der Wortlaut der Entscheidung.

 

Aufgehoben wurde auch die Wartefrist gemäß § 11a, aufgrund dessen Personen, die sich nicht mindestens 5 der vergangenen 6 Jahre in Österreich aufgehalten haben, die Mindestsicherung auf 522,50 Euro gekürzt wurde. Betroffen davon waren 4323 Personen. Diese Regelung ist laut VfGH sowohl im Hinblick auf Österreicher untereinander als auch auf Asylberechtigte unsachlich und daher verfassungswidrig. Asylberechtigte im speziellen können nicht mit anderen Fremden gleichgestellt werden, denen es frei steht, in ihren Herkunftsstaat zurückzukehren.

 

Die Rechtsfolgen: Sowohl Deckelung als auch Wartefrist wurden ohne Reparaturfrist aufgehoben und sind nicht mehr anzuwenden. Die "alten" Fälle werden einzeln rückabgewickelt. Eine "Meisterleistung" des niederösterreichischen Landtages.

 

Man kann davon ausgehen, dass der VfGH künftig noch weitere Gesetze auf Bundes- und Landesebene prüfen und bei Verfassungswidrigkeit aufheben muss. Denn die aktuelle Bundesregierung dürfte in ihrer regional-nationalen Beschränktheit auf Verfassungstreue keinen Wert legen. Egal, ob dies die eigene österreichische Verfassung, allgemein gültige Grund- und Freiheitsrechte oder europarechtliche Vorschriften betrifft.

 

Die Anpassung der Familienbeihilfe für im EU-"Ausland" lebende Kinder ist der nächste umstrittene Themenbereich, ebenso das grundrechtlich unverhältnismäßige "Überwachungspaket" oder die Missachtung des europa- und völkerrechtlich normierten Prinzips, dass Asylberechtigte bei öffentlichen Hilfeleistungen gleich zu behandeln sind  wie die eigenen Staatsbürger.

 

Und da sprechen wir "nur" von der Rechtsordnung und nicht von der (un)-menschlichen Komponente, die die Ärmsten der Armen in die Obdachlosigkeit, die Verwahrlosung und die Verzweiflung treibt.

"Always Ascending": Brit Popper Franz Ferdinand live im Wiener Gasometer!

Es war Anfang der 2000er Jahre, als sich die beiden Kunststudenten Alex Kapranos und Nicholas Mc Carthy in einer Lagerhalle von Glasgow kennenlernten. Diese war nicht nur Treffpunkt für Musiker, Kreative und Hipster, sondern auch die Basis für deren spätere Bandkarriere. Mit zwei weiteren Mitstreitern (Paul Thomson und Robert Hardy) gründeten die beiden Franz Ferdinand, benannt nach dem österreichisch-ungarischen Thronfolger. Der Sound: Eine treibende Mischung aus Brit Pop, New Wave und Punk. Bereits mit der zweiten Single "Take me out" erreichten die vier 2004 Platz 3 der britischen Single-Charts.

 

14 Jahre später haben sich die Dinge verändert. Nicholas Mc Carthy ist (vorerst?) ausgestiegen, ohne Streit seiner jungen Familie wegen. Und mit Dino Bardot und Julian Corrie präsentieren sich Franz Ferdinand jetzt als Quintett. Im Rahmen ihrer European Tour stattete die schottische Band auch dem Wiener Gasometer einen Besuch ab. Spielten Franz Ferdinand einst zu ihren Hochzeiten vor einer ausverkauften Stadthalle, so kamen 2018 rund 2000 Fans in die Planet Music Hall. Und wurden nicht enttäuscht.

 

Nach einem bemerkenswerten Support-Auftritt des weiblichen Wiener Surfrock-Trios Dives, die für den diesjährigen Amadeus Award nominiert sind, stürmten Franz Ferdinand mit ihrem neuen Elektro-Hit "Always Ascending" die Stage. "Nostalgie ist der Feind der Kreativität", so lautet das Credo der Band. Und so begnügt sich das Quintett rund um den charismatischen, frisch erblondeten Sänger Kapranos nicht um eine für arriviertere Bands vorprogrammierte Greatest Hits-Show.

 

Auf der Setlist stehen gleich 8 Songs ihres brandneuen Albums, das mehr auf Synthesizerklänge als auf Gitarregekreische setzt und vom französischen Cassius-Mastermind Philippe Zdar produziert wurde. Puristische Fans der ehemaligen Brit Award Gewinner mögen dies zwar nicht goutieren, der freshe, hippe Sound gibt dem Quintett aber Recht. "Feel the Love go", die verspielte Hommage an die Superman-Geliebte "Lois Lane", "Lazy Boy" oder das melancholisch-verträumte "And the Academy Award for good times goes to you" sind erstklassige Pop-Tracks, die ihren früheren Single-Hits kaum nachstehen.

 

Dass diese beim Österreich-Konzert nicht fehlen durften, steht natürlich auch außer Frage: "Do you want to", "Walk away", "Ulysses", "No You Girls" und ihr erster Hit "Take me Out" lassen die Twenty-Thirtysomething-Generation sehnsüchtig von längst vergangenen Brit Pop-Feten träumen. Und beim letzten Track dürfen alle noch einmal über die Strenge schlagen: "The Fire is out of Control. We are going to burn this City!" Mögen die inneren Feuer und Leidenschaften nie verglühen. Man lebt ja schließlich nur einmal!

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Familien-Armutsbekämpfung: Unterhaltsgarantie für Alleinerziehende statt Reichen-Bonus!

Österreich ist das viertreichste Land der EU, und trotzdem sind ca. 1,5 Millionen Menschen armutsgefährdet. Zu dieser Gruppe zählen vor allem die 300.000 Alleinerziehenden, zu 90 Prozent Frauen, von denen mehr als die Hälfte nur schwer ihren Lebensunterhalt bestreiten kann. Die neue Bundesregierung wird nach aktuellem Stand deren Lage nicht verbessern.

 

Der geplante Familienbonus entlastet zwar Teile des Mittelstandes und die reiche "Oberschicht". Ein Drittel der Familien allerdings, die aufgrund ihres geringen Einkommens keine Lohnsteuern zahlen, profitiert davon nur in geringem Ausmaß. Wenig verdienende Alleinerziehende erhalten ein lächerliches Almosen von 250 Euro jährlich, Top-Manager dagegen werden pro Kind um 1500 Euro jährlich entlastet. Die, die das Geld brauchen würden für Wohnen, Heizen und Bildung ihrer Kinder, haben keinen sinnvollen, finanziellen Nutzen, während die so called-"Leistungsträger" mit der steuerlichen Entlastung Luxusurlaube buchen können.

 

Keine Fortschritte gibt es auch beim Unterhaltsvorschuss. Obwohl im Jahr 2016 134 Millionen Euro an insgesamt 49.889 Kinder überwiesen wurde, weist das UVG zahlreiche Lücken auf, die betroffene Mütter und Väter an den Rand ihrer Existenz bringen. So wird nach geltendem Recht Unterhaltsvorschuss nur dann gewährt, wenn ein vollstreckbarer Exekutionstitel gegen den Unterhaltsschuldner besteht und dementsprechend Rückzahlungen zu erwarten sind (deren Quote derzeit um die 60 % ausmacht). Prozessrechtliche Änderungsanträge des Unterhaltsschuldners auf Herabsetzung führen zu einer sofortigen Minderung der Auszahlung. Ein Mindestbetrag ist nicht gesetzlich normiert. Der Unterhaltsvorschuss ist außerdem mit dem 18. Lebensjahr begrenzt, sodass Schüler mit längerer Ausbildungsphase und Studenten davon ausgeschlossen sind.

 

Vorschläge zur Novellierung dieser vor allem für alleinerziehende Mütter finanziell so heiklen Materie liegen vor und sind auch Bestandteil des aktuellen Frauenvolksbegehrens. Die Proponenten fordern einen existenzsichernden staatlichen Unterhaltsvorschuss, dessen Höhe sich nach angemessenen Regelbedarfssätzen richtet und der bis zum Erlöschen der Familienbeihilfe ausbezahlt wird. Der Anspruch soll unabhängig von der Leistungsfähigkeit des Unterhaltsschuldners bestehen.

 

Für die Legisten ist die Ausarbeitung eines derartigen Gesetzesvorschlages ein Kinderspiel. Es darf aber bezweifelt werden, ob die schwarz-blaue Bundesregierung den Willen dazu aufweist. Es zählt ja schließlich der vermeintliche Leistungsgedanke und nicht die soziale Not der bedürftigen Familien.

Brutalismus am Stadtrand: Die Wotrubakirche und ihre mysteriöse Entstehungsgeschichte!

Eine historisch gewachsene Stadt wie Wien lebt von ihren Sagen, Legenden, Mythen, Gerüchten und Geschichten. Jene der Wotruba-Kirche im 23. Bezirk klingt wie ein ausgeklügelter, raffinierter Geheimdienst-Roman a la 007 Ian Fleming oder John Le Carre. Im Gegensatz zu diesen ist sie aber wahr.

 

Im Mittelpunkt steht die 29jährige Beamtin Margarethe Ottillinger, die 1948 gemeinsam mit dem Minister für Wirtschaftsplanung, Herbert Krauland, über die Ennsbrücke St. Valentin von der amerikanischen in die sowjetische Zone einfährt und dort festgenommen wird. Während Krauland aufgrund seiner Immunität und mit brisanten Unterlagen (wie dem Marshallplan) die Fahrt fortsetzen darf, wird Ottillinger in Isolationshaft gesperrt, laufend verhört und als US-Spionin angeklagt. 1949 wird sie zu 25 Jahren Gulag-Lager verurteilt und in ein Sumpflager von Potma südostlich von Moskau gebracht. Für viele ein Todesurteil aufgrund der Seuchen, der Infektionen und des Sumpffiebers. Die Kämpferin Ottillinger schwört, sollte sie je wieder nach Österreich zurückkehren, dort eine Kirche zu bauen.

 

Wer mit dem Bus 60A Richtung Liesing fährt, der weiß, dass Ottillinger es geschafft hat. Am Georgenberg steht auf dem Areal der ehemaligen Luftnachrichtentruppen-Kaserne die aus riesigen Betonblöcken bestehende Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit, die nach ihrem Schöpfer, dem Bildhauer Fritz Wotruba, benannt wurde. 

 

Freigelassen wurde Ottillinger im Laufe der Staatsvertragsverhandlungen, im Juni 1955 kam sie schwer krank in Wiener Neustadt an und wurde 1956 seitens der sowjetischen Behörden freigesprochen. Nach einer kurzen Erholungsphase stieg sie wieder in die Wirtschaft ein und wurde OMV-Vorstandsdirektorin. In dieser Funktion verhandelte sie auch die österreichischen Gas- und Erdöllieferverträge mit der Sowjetunion..

 

Der Traum von der Kirche war allerdings nicht ausgeträumt. Die Gestaltung des von Ottillinger initiierten Gottestempels passt sich dabei in ihrer Dimension durchaus der Lebensgeschichte Ottillingers an. Der Bildhauer Wotruba wollte nach eigenen Worten: „Etwas gestalten, das zeigt, dass Armut nicht hässlich sein muss, dass Entsagen in einer Umgebung sein kann, die trotz größter Einfachheit schön ist und auch glücklich macht.

 

Der während des 2. Weltkriegs emigrierte Künstler konzipierte gemeinsam mit dem Architekten Fritz Gerhard Mayr eine Kirche, die aus insgesamt 152 rohen Beton-Blöcken zwischen 0,84 m3 und 64m3 und verschieden hohen Fensteröffnungen besteht. Der höchste Block misst 13,10 Meter.

 

Brutalismus nennt sich der um 1950 entstandene Architekturstil, dessen bevorzugter Werkstoff roher Beton ("beton brut") ist und der durch ein kompromissloses Erscheinungsbild mit klaren geometrischen Körpern geprägt ist. Gegner bezeichnen diesen Baustil auch als "ästhetischen Vandalismus". Kein Wunder vor allem in Österreich, dass es fast 10 Jahre dauerte, bis 1974 mit dem Bau der Kirche begonnen wurde.

 

Wotruba selbst erlebte die Fertigstellung seiner Kirche im Oktober 1976 nicht mehr, er starb ein Jahr zuvor. Der Platz vor der Kirche wurde zu Ehren der 1992 verstorbenen Managerin und Initiatorin 2013 in Ottillinger-Platz benannt.

 

Die römisch-katholische Wotruba-Kirche ist heute nicht nur ein Wallfahrtsort für Architekturstudenten und Avantgarde-Touristen, sondern wird gemäß ihres originären Zwecks natürlich auch für Gottesdienste genützt. Geöffnet ist derzeit am Samstag von 14 bis 20 Uhr und am Sonntag von 9 bis 16.30 Uhr.

 

Bis Mitte 2019 wird vor der Kirche auch ein Lift errichtet, sodass Behinderte und Mütter mit Kindern das Gotteshaus barrierefrei betreten können. Denkmalamt und Architekt Mayr sprachen sich im Vorfeld gegen diese "Basisveränderung" aus, das Bundesverwaltungsgericht genehmigte den Zubau. Die Wege zu Gott dürfen nicht beschränkt werden.

Überwachung zerstört Freiheit - Demo gegen das Überwachungspaket in Wien!

Den Besuch von Science Fiction-Filmen und das Lesen von dystopischen Romanen kann man sich in Zukunft sparen, sollte das geplante Überwachungspaket der schwarz-blauen Bundesregierung in Kraft treten.

 

"Überwachung zerstört Freiheit - Stoppt das Überwachungspaket!" hieß dementsprechend das Motto einer Demonstration der Grundrechts-NGO epicenter.works auf dem Wiener Ballhausplatz. Dort vertreten waren nicht nur Vertreter der Zivilgesellschaft (wie Amnesty International oder der VGT), Netzaktivisten und ca. 1000 besorgte Bürger, sondern auch die Nationalratsabgeordneten Hannes Jarolim (SPÖ), Alma Zadic (Liste Pilz), Niki Scherak (Neos) und die grüne Bundesrätin Eva Dziedzic. Abgelehnt wird das Überwachungspaket auch von Richtern, Rechtsanwälten und zahlreichen Universitäten.

 

Ein Bundestrojaner soll zur Überwachung verschlüsselter Nachrichten (wie bei WhatsApp oder anderen Messenger-Diensten) eingesetzt werden. Dies ist nur dann möglich, wenn man die Sicherheitslücken von IT-Systemen ausnutzt. Anstatt diese zu schließen, damit nicht Verbrecher darauf Zugriff haben, wendet der Staat dieselbe Methode an. In Großbritannien wurden erst 2017 Computer in Krankenhäusern durch schadhafte Software infiziert, die NSA hielt das Sicherheitsmanko absichtlich geheim.

 

Besitzer von Wertkartenhandys müssen sich künftig registrieren lassen und werden damit unter Generalverdacht gestellt. Die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme wird weltweit bestritten.

 

Die Vorratsdatenspeicherung wurde 2014 wegen Verfassungswidrigkeit aufgehoben, jetzt plant die Regierungf eine Light-Version in Form des "Quick Freeze". Bei einem Anfangsverdacht sollen Telekommunikationsdaten für ein Jahr gespeichert werden dürfen. Nicht nur die Länge der Frist, sondern auch die fehlenden Einschränkungen dürften einer Prüfung durch den EuGH kaum standhalten.

 

Verstärkte Überwachung droht im öffentlichen Raum. Gemäß einer Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes soll die Polizei Zugriff auf alle Video- und Tonaufnahmen von Flughäfen, Bahnhöfen und U-Bahnen haben. Auch der Straßenverkehr soll durch Autobahnkameras flächenmäßig überwacht werden.  Epicenter.works warnt in diesem Zusammenhang auch vor der Erstellung von Software zur automatischen Gesichtserkennung, die den "gläsernen Bürger" sofort identifizieren kann.

 

Die einzelnen Maßnahmen stehen zwar großteils unter dem Vorbehalt einer gerichtlichen Bewilligung, Missbrauch bzw. überschießende Datensammlung können aber nicht ausgeschlossen werden. In einer auch technologisch schnelllebigen Zeit werden die echten Verbrecher Methoden finden, unentdeckt zu bleiben.  Zum Handkuss kommen dann wieder Tierschützer, wie VGT-Obmann Martin Balluch bei der Demonstration andeutet.

 

Falls jemand künftig einen vermeintlichen Wohnungseinbrecher ertappt. Es könnte auch ein Polizist sein, der einen Trojaner in das Computersystem des Nachbarn einpflanzen will.  Das neue Strafprozessrecht enthält eine derartige Regelung. Hoffen wir, dass es nicht in Kraft tritt.

Retro-Pop mit Charme: Ex-Spandau Ballet-Sänger Tony Hadley in der Szene Wien!

Es war Ende der 70er, als sich eine hedonistische, extrovertierte Party-Crowd in Londoner Clubs wie dem "Blitz" traf und dort nicht nur modisch, sondern auch musikalisch für neue Maßstäbe sorgte. Die Geburtsstunde der "New Romantics" und von Synthi-Pop-Helden wie Steve Strange (Visage), Ultravox, Duran Duran, Depeche Mode oder Spandau Ballet. "To Cut a long story short" hieß der schnittige New Wave-Knaller der fünf Londoner Feschaks, der im November 1980 in die englischen Top Ten stürmte. Unglaubliche 38 Jahre später präsentierte der noch immer smarte Ex-Frontman Tony Hadley diesen Track in der Szene Wien.

 

"Tonight belongs to us" - Unter dieser Trademark tourt der ehemalige Sänger von Spandau Ballet gemeinsam mit seiner ausgezeichneten Band durch ganz Europa. Die Setlist ist schlau gemischt: Neue Songs aus dem im April erscheinenden Album (wie das flotte "Delirious"), selektierte Cover-Versionen (wie Bowie´s "Life on Mars", Queen´s "Somebody to love" oder  "Dakota" der Indie-Alternative-Helden Stereophonics), einige Solo-Singles von Hadley und natürlich die größten Hits aus seiner 80er-Glamour-Vergangenheit mit Spandau Ballet, die weltweit mehr als 25 Millionen Tonträger verkauften.

 

Man braucht nicht lange zu raten, aufgrund welcher Songs die meisten Fans zu den Auftritten von Hadley kommen. Beim Konzert selbst merkt man den Unterschied allerdings nicht mehr. Hadley ist ein Voll-Profi und begeistert seit seiner (ersten) Trennung von Spandau Ballet 1990 trotz fehlenden Chart-Hits die internationalen Bühnen. Souveräne Stimme (wie einst), schickes Anzug-Outfit, stetiger Kontakt zum Publikum und beste Spiellaune. Auch die Chemie der Band untereinander passt perfekt, bei der romantischen Ballade "Through the Barricades" darf auch die sympathisch-lässige Percussionistin Lily Gonzales, die gerade selbst ein Solo-Album ("Opening Old Wounds") veröffentlicht hat, hinters Mikro.

 

Als Zugabe schmettert Hadley noch die größten Spandau Ballet-Hits "True" und "Gold" in die Menge. Von seiner Ex-Band hat sich der 57jährige nach einer kurzen Reunion im Juli 2017 wieder getrennt. Eine neue kreative Schaffensperiode kann beginnen, mit guten Karten.

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"Wild & Wicked" - Scooter im ausverkauften Gasometer!

Mehr als 30 Millionen Tonträger hat die deutsche Techno-Formation Scooter seit 1993 weltweit verkauft. Das ist laut dem bereits 53jährigen wasserstoffblonden Frontman H.P. Baxxter zwar noch lange nicht Anlass, Schlussbilanz zu ziehen. Allerdings, um eine Europa-Tour unter dem kongenialen Motto "100 % Scooter 25 Years Wild & Wicked" zu starten.

 

Und dies trifft genau die Erwartungen seiner treuen Fans. Bereits eine Stunde vor dem Beginn der Scooter-Show erschallen im ausverkauften Wiener Gasometer während des DJ-Sets von Dave202 die ersten Schlachtrufe nach "Always Hardcore" und "Oi". Die werden dann pünktlich um 21.15 Uhr erhört, als H.P. Baxxter und seine aktuellen Techno-Mitstreiter Michael Simon und Phil Speiser, unterstützt von flaggentragenden sexy Ladies und einer übergroßen Faust-Attrappe mit "revolutionärem" Mittelfinger, die Bühne betreten. Mit dem ersten Burner des Abends "Always Hardcore". Was sonst?

 

The Voice H.P. Baxxter, während der gesamten Show wild gestikulierend und tanzend, wollte in den 80ern mit der Synthi-Pop-Band Celebrate the Nun in die Fußstapfen von Depeche Mode treten. Es sollte der letzte echte Misserfolg sein. Baxxter (oder bürgerlich Hans Peter Geerdes) produzierte stattdessen Remixes, das schottische Ultra Sonic-"Hyper Hyper"-Sample kombiniert mit der Aufzählung damaliger Underground-DJ´s (a la Westbam, Marusha oder Sven Väth), brachten ihn auf die technoide Siegerstraße. Die originäre Szene war mit dem Ausverkauf weniger begeistert, die Mainstream-Fans umso mehr.

 

Und so sind die ca. zweistündigen Scooter-Auftritte heute eine Party von der ersten bis zur letzten Minute. Inklusive einer skurrilen Zeitreise durch versampelte Sequenzen alter Klassiker ohne Rücksicht auf Verluste. Da transformiert ein griechischer Sirtaki in eine "Can´t stop the Hardcore"-Tanz-Orgie oder ein politisch angehauchtes 70er-Folk-Lied wie "Was wollen wir trinken 7 Tage lang" in "How much is the Fish"-Reimattacken. Die alten Rock-Haudegen von Status Quo werden kurzum zu Jump-Stylern erklärt. Whatever the Fan-Crowd wants.

 

Auf letzteres ist Baxxter, heute auch bei "Deutschland sucht den Superstar" engagiert, besonders stolz. Mit dem 2008er-Album "Jumping all over the World" erreichten Scooter Platz 1 der britischen Charts und eine Platinauszeichnung für 300.000 verkaufte Alben.

 

Was man dem sympathischen Frontman hoch anrechnen muss: Der Thomas Bernhard-Hörbuch-Leser (sic est!) ist auf dem Boden geblieben und begründet seine dadaistischen Wortschöpfungen a la "Oi" oder "Jigga Jigga" nicht mit hochkulturellem Anspruch, sondern einfach mit entlarvenden Zitaten wie "Don´t take life too seriously. Nobody gets out alive anyway!"

 

Das sehen auch die Fans so, die sich während der von Techno-Beats, Pyro-Effekten und Light-Bombast dominierten Show aus der manchmal faden Tristesse des Alltagslebens ausklinken und einfach nur mit "Hands Up in the Air" tanzen, trinken und feiern. Nach den Zugaben "Maria" (I like it loud"), "Hyper Hyper" und "Move your Ass" ist der wilde Zauber dann sowieso vorbei.

 

 

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60 Jahre Austrian Airlines: Conchita Wurst als Gratulantin beim Eistraum!

Die Austrian Airlines feiert dieser Tage ihren 60. Geburtstag und veranstaltete zu diesem Jubiläum ein Special Event beim Eistraum auf dem Wiener Rathausplatz. 

 

Songcontest-Siegerin Conchita Wurst, wie die Flugbegleiterinnen in rot gekleidet, stieg vor dem Burgtheater aus einem edlen weißen Fiaker und moderierte, live geschaltet auf der AUA-Facebook-Seite, eine Happy Birthday Show der österreichischen Fluglinie.

 

Gesungen wurde live ein Geburtstagsständchen, und zwar aus sieben verschiedenen Destinationen, aus London (wohin der erste kommerzielle Linienflug der AUA führte), Berlin, New York, Miami, Bangkok, Hongkong und natürlich Wien. Für den finalen Sanges-Part unserer schönen Bundeshauptstadt war natürlich Conchita selbst verantwortlich, die inmitten zweier hübscher AUA-Stewardessen und sportlicher Eisläufer nicht nur der AUA zum Geburtstag gratulierte, sondern auch noch ihre Hits "Rise like a Phoenix" und "Firestorm" anstimmte.

 

Die AUA konnte sich im Vorjahr über mehr als 12 Millionen Passagiere freuen und plant Investitionen in neue Langstreckenflugzeuge. Auch Conchita ist derzeit gefragter denn je: Internationale Auftritte in London und Budapest (bei der Pride Rainbow Party), Moderation der Amadeus Awards und natürlich wieder live dabei beim Life Ball in Wien.

 

Direkte Demokratie in Österreich - Restriktiver als das Volk erlaubt!

Die Server des Innenministeriums sind dieser Tage - aus welchen Gründen auch immer - überlastet, da zehntausende Bürger zwei aktuelle Volksbegehren, neuerdings auch elektronisch per Handy-Signatur, unterstützen wollen: Das bereits 2. Frauenvolksbegehren, vom ersten aus dem Jahre 1997 wurden nur zwei Forderungen durchgesetzt, und das "Don´t Smoke"-Volksbegehren der Wiener Ärztekammer und der Österreichischen Krebshilfe, das die Aufhebung des bereits beschlossenen Rauchverbots in der Gastronomie durch die schwarz-blaue Regierung verhindern will. Rein rechtlich ist dies nach der heutigen Gesetzeslage nicht möglich, auch die Zukunft der direkten Demokratie in Österreich steht auf wackeligen Beinen.

 

Die FPÖ trommelte in ihren Wahlbroschüren für eine verpflichtende Volksabstimmung nach einer 4 %-igen Unterstützung des Volkes, die ÖVP zeigte sich mit einer Quote von 10 % bereits hier zurückhaltender. Im Regierungsprogramm, das im Dezember vorgelegt wurde, ist von einer direkten Demokratie nach dem Muster der Schweiz kaum mehr etwas enthalten, allerdings nicht aus den Gründen, die man als aufrechter Demokrat und Befürworter von Grund- und Freiheitsrechten noch vertreten könnte. Blickt man nämlich auf die Brexit-Volksabstimmung der Briten, die Fake News-Skandale rund um die französischen und amerikanischen Wahlen oder auf durch soziale Medien verbreiteten Lügen und Verschwörungstheorien parteiengesteuerter Plattformen, dann muss man sich nämlich schon die Frage stellen, ob man wichtige Themen in die Verantwortung des Volkes legen kann, das wesentliche Zusammenhänge nicht erkennt und sich von billigen Medienkampagnen, primitiver Hetze und politischen Blendern täuschen lässt.

 

Die gerademal auf einer Seite präsentierten Pläne der Regierung zur direkten Demokratie sind aber derart restrikriv, dass diese Gefahr (vorerst) nicht besteht. Werden Volksbegehren von mindestens 100.000 Wahlberechtigten unterstützt, dann können diese  in Zukunft als Gesetzesinitiativen parlamentarisch eingebracht werden. Eine Behandlung im Nationalrat ist derzeit schon verpflichtend, hinzu kommen weiters ein Rederecht des Einbringers, eine Stellungnahmepflicht des zuständigen Ministers und eine verpflichtende Begutachtung des konkreten Vorschlags. Wenn die Mehrheit des Nationalrats den Antrag im Plenum ablehnt, dann versandet das Volksbegehren so wie jetzt die meisten.

 

Erst gegen Ende der Gesetzgebungsperiode im Jahr 2022 (falls bis dorthin nicht Neuwahlen ausgerufen werden) soll ein neues Bürgerbeteiligungsmodell beschlossen werden. Ein Volksbegehren, das von mehr als 900.000 (!!!) Wahlberechtigten unterstützt und vom Parlament nicht binnen einem Jahr umgesetzt wird, soll in eine verpflichtende Volksabstimmung münden. Der Verfassungsgerichtshof hat vorab zu kontrollieren, ob die Volksabstimmung nicht im Widerspruch zu grund-, völker- und europarechtlichen Verpflichtungen steht. Die Gültigkeit der Volksabstimmung ist davon abhängig, dass mindestens 1/3 der Bevölkerung zu den Wahlurnen schreitet. 

 

Abgesehen vom Präsenzquorum: Betrachtet man die Historie der bisherigen Volksbegehren, dann wären nur über zwei Themen verpflichtende Volksabstimmungen abgehalten worden. 1982 gegen die Errichtung der (trotzdem erbauten) UNO-City mit 1.361562 Unterschriften (25,7 %) und 1997 gegen die Gentechnik mit 1.225.790 Unterschriften (21,2 %). Man darf davon ausgehen, dass die aktuellen Regierungsparteien wenig Interesse an der Partizipation des Volkes haben. Das Gegenteil können sie beweisen, wenn das Anti-Raucher-Volksbegehren die zu erwartende Rekordunterstützung erhält und die derzeit noch nicht verpflichtende Umsetzung auf der Tagesordnung steht.

Beethoven als Modern Art - Bizarre Skulptur zum 250er des Komponisten!

Eine Aufregung kommt selten allein. Wobei die künstlerische Skulptur gegenüber dem Wiener Konzerthaus im Vergleich zum Heumarkt-Tower mehr als harmlose Freiheit der Kunst als irreparabler Eingriff in das historische Stadtbild Wiens zu verstehen ist.

 

Der Komponist Ludwig van Beethoven feiert im Jahr 2020 seinen 250. Geburtstag. Dies war Anlass genug, auf dem Beethovenplatz nahe des 1880 errichteten Denkmals von Caspar Zumbusch eine ambivalentes Kunstwerk des deutschen Malers und Bildhauers Markus Lüpertz zu platzieren.

 

Die 2,7 Meter hohe, teils buntgemalte Bronze-Skulptur besteht aus einem Kopf mit traditioneller Beethoven-Frisur und einer zweiten verschreckt-verstörenden Figur, der beide Arme und ein Fuß fehlen. Schöpfer Lüpertz, lange auch Rektor der Kunstakademie in Düsseldorf, erklärt diese Divergenzen mit der allmählichen Taubheit und Todesnähe. Beethovens. "Anders als Mozart, dem alles zufiel, musste Beethoven über die volle Distanz gehen. Das ist in meinen Augen eine andere Leistung."

 

Wie die Leistung von Lüpertz zu betrachten ist, mag jeder für sich beurteilen. Polarisierung ist in der modernen Kunst ja nichts Schlechtes, Zensur und Verbote umso mehr.

 

Die Skulptur, die in einer leicht variierten Form auch schon in Bonn und Leipzig für Aufregung gesorgt hat, ist eine Dauerleihgabe an die Stadt Wien und wird zumindest bis Ende 2020 vor ihrem historischen Konterfei verharren. Dann wandert die schräge Installation vermutlich ins Beethoven-Museum von Döbling.

 

 

Forever Young - Zum 20. Todestag von Falco!

Once upon a time in the Eighties: In der Udo Huber-Chartshow“Hit wähl mit” wird ein neuer österreichischer Interpret namens Falco mit seiner Debüt-Single vorgestellt: „That´s Scene“, die englische Version des U4-Underground-Hits „Ganz Wien“, der wegen seines drogenverherrlichenden Textes im Radio nicht gespielt werden durfte. Die Avantgarde war gewonnen, der Mainstream durch den Nachfolgehit „Der Kommissar“, der in der Zeit der Neuen Deutschen Welle sich mit Nena um die Nr. 1 duellierte und in einer Cover-Version von After the Fire auch die US-Top Ten stürmte. Das an Idol Bowie angelehnte „Helden von Heute“, „Zuviel Hitze“ oder „Auf der Flucht“ aus dem ersten von Robert Ponger produzierten Vinylalbum „Einzelhaft“ zählen noch heute zu Falcos Meisterwerken. 

 

Falcos zweites Album „Junge Römer“ wurde verspätet und mit viel Marketingaufwand releast, erfasste perfekt den 80er-Zeitgeist (siehe „Brillantin Brutal“). Kommerziell konnte es die Erwartungen aber nicht erfüllen.

 

Am 29. März 1986 erreichte Falco am 29. März 1986 den Pop-Olymp: Seine von den holländischen Bolland-Brüdern produzierte Mozart-Hymne "Rock me Amadeus" stieg, unterstützt durch ein geniales DoRo-Video und einen schnittigen Remix, auf Platz 1 der US-Charts und blieb 3 Wochen lang an der Spitze. Falco wusste schon zu diesem Zeitpunkt, dass er dieses Kunststück – auch in England und in ganz Kontinentaleuropa belegte er Platz 1 – nie wieder erreichen könne und dass ihm Medien, Neider und Konkurrenten diese riesige Messlatte Zeit seines Lebens vorhalten würden.

 

Noch aber folgten Hit auf Hit: „Vienna Calling“ aus seinem 3. Album „Falco 3“ stürmte ebenfalls die US-Top 20, „Jeanny“ skandalisierte das medienkonservative Deutschland mit einem ambivalenten „Dritte Mann“-Clip. Zu „The Sound of Musik“ tanzte nicht nur der Wiener Bürgermeister Zilk, sondern ganz Europa. Die Erfolgskurve neigte sich aber bereits nach unten.

 

Schwere Alkohol- und Drogenabstürze, familiäre Tragödien (Scheidung und ein nicht von ihm gezeugtes Kind), abgesagte Konzerttourneen und teils schwache Plattenverkäufe („Wiener Blut“) kennzeichnen die Zeit nach dem großen Falco-Hype. Wobei ja gerade die Masse zumeist irrt. "Data de Groove" war künstlerisch ein Meisterwerk und sogar Thema in der "Schule der Dichtung" und in literarischen Zirkeln, mit der "Titanic" (aus dem ausgezeichneten 92er-Album „Nachtflug“) kehrte die Dekadenz zurück in die Szene. Beim Wiener Donauinselfest lagen Falco 150.000 Zuschauer zu Füßen (bis ein Gewitter dem Konzert ein Ende setzte), und mit seinen letzten beiden zu Lebzeiten veröffentlichten Songs "Mutter, der Mann mit dem Koks ist da" und "Naked" eroberte Falco sogar die grassierende Love Parade-Techno-Generation.

 

Am 6. Februar 1998 verunglückte Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik tödlich – mit 1,5 Promille und einigen Drogen im Blut. Beim Begräbnis auf dem Wiener Zentralfriedhof gaben ihm mehr als 4000 Fans und Freunde die letzte Ehre, den Sarg trugen die "Outside Austria"-Rocker vom "Amadeus"-Clip. Posthum wurde der eher durchschnittliche Song "Out of the Dark" zu einem der größten Falco-Hits. Oft feiert man in Wien die "schene Leich" lieber als das süße Leben. 

 

Endlos-Dokus, Remixes, Tribute-Konzerte, Retro-Clubbings, Musicals, Lesungen, Diskussionen, eine „Ganz Wien“-Ausstellung im Wien Museum, ein Requiem im Stephansdom: Wenn Falco wüsste, wie seine Person und sein Gesamtkunstwerk 20 Jahre nach seinem Todestag gefeiert werden...

 

Geahnt hat er es sicher bereits zu Lebzeiten. Zeilen wie „Muss ich denn sterben, um zu leben“ erscheinen nicht ohne Substrat im kreativen Hirn eines Künstlers. Mit Todessehnsucht hat dies allerdings nichts zu tun, vielmehr mit dem seltsamen Fakt, dass Musikgrößen teils nach ihrem Tod mehr gewürdigt werden als zu Lebzeiten. Mit Jim Morrison, Bob Marley oder Michael Hutchence seien hier nur einige genannt.

Sound- und Video-Revolution: Depeche Mode live in der ausverkauften Wiener Stadthalle!

Im Jahr 1980 wurden Depeche Mode im Vorprogramm des Synthi-Pioniers Fad Gadget vom Mute Records-Boss Daniel Miller entdeckt, 38 Jahre später, nach mehr als 100 Millionen verkauften Tonträgern, spielen sie mit fast unveränderter Besetzung (ohne Kurzzeit-Mitglied Vince Clarke, heute bei Erasure, und Ex-Soundmastermind Alan Wilder, der 1995 ausstieg) noch immer in prall gefüllten Stadien und Hallen. So auch - nach vierjähriger Abstinenz - in der Wiener Stadthalle, die seit Monaten ausverkauft war.

 

"Where´s the Revolution" fragen sich Trump- und Brexit-Gegner Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher im geistig stilprägenden Track des neuen Albums "Spirit" und bieten dazu als Support eine kongeniale Künstlerin aus South Dakota: Erika M. Anderson aka EMA. "Exile in the Outer Ring" heißt ihr neues Album, musikalisch eine Mixtur aus Electro, Industrial und Grunge. Die Themen: Rassismus, Polizeigewalt, Gentrifizierung und die Radikalisierung der Gesellschaft, Stichwort "Aryan Nation". 

 

Ein progressiver Geheimtip für die Zukunft, bei einem Depeche Mode-Konzert zählt für die Fans allerdings meist nur der Main-Act. Angekündigte Revolutionen finden selten statt, bei einem Konzert der drei Londoner, verstärkt wieder durch den österreichischen Drummer Christian Eigner, kann man allerdings fast sicher sein, dass alle Erwartungen erfüllt werden.

 

20 Tracks stehen auf der Setlist des Wien-Konzerts, davon nur drei aus dem neuen 14. Album "Spirit". Der Opener "Going Backwards", "Where´s the Revolution" und die socialmedia-kritische Ballade "Cover me", die, mit Schwarz-Weiß-Video unterlegt, für sehnsüchtiges Prickeln im Publikum sorgte. Überproportional viele Songs dagegen zu Beginn der Show aus dem von Tim Simenon (Bomb the Bass) produzierten 97er-Album "Ultra": "Barrel of a Gun", "Useless", "It´s no good" und zwei Tracks für Martin Gores traditionelle Solo-Vocal-Auftritte. Insider sprechen von einem Wunder, dass dieses Album überhaupt jemals erschienen ist. Die Band war damals heillos zerstritten, und Sänger Dave Gahan war nach einem Drogencocktail zwei Minuten klinisch tot. Mit aktuell 55 wirkt er allerdings fitter denn je, die legendären Pirouetten mit dem Mikroständer haben nichts an Impulsivität eingebüßt.

 

Die großen Superhits, von denen aufgrund der Anzahl leider immer einige fehlen ("I feel you", "People are People", "Wrong"), die sparen sich Depeche Mode für den zweiten Teil der Show auf: Die 83er-Anti-Kapitalismus-Hymne "Everything Counts", "Never let me down again", Mitte der 80er aufgenommen in den durch David Bowie berühmt-berüchtigten gewordenen Hansa Studios nahe der Berliner Mauer, "Stripped" aus dem düsteren "Black Celebration"-Album oder "Enjoy the Silence" aus dem 90er-Meisterwerk "Violator". Dave Gahan kann hier minutenlang seine Stimme schonen, die Fans singen frenetisch den Refrain, während auf den Video-Screen riesige bunte Schafe, Wildschweine und Kühe projiziert werden.

 

Als Zugaben noch "Walking in my Shoes", "A Question of Time" und als furioses Finale "Personal Jesus" so frei nach dem Motto "Reach out, touch Dave!" Die Halle tobt, die Fans sind aufgeheizt, verschwitzt, einfach glücklich. Die Band nicht minder. Und sie werden alle wiederkommen. Je früher, desto besser.

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Uni-Politik goes Retro: Soziale Schranken statt freier Bildungszugang!

Eine Zeitreise in die Vergangenheit kann Spaß machen, wenn sie kurz ist und man sich danach wieder in der Gegenwart befindet. Die neue Bundesregierung plant mit ihrer Uni-Reform das Gegenteil und beamt das fehlgeleitete Bildungsschiff zurück in eine Zeit vor den Studentenrevolutionen der 68er, als aufgrund von Studiengebühren und sozialer Barrieren nur begüterte Maturanten ein Hochschulstudium beginnen konnten.

 

1972 wurde unter der Regierung Kreisky durch die Abschaffung der Studiengebühren der freie Hochschulzugang besiegelt. Das 1975 beschlossene Universitätsorganisationsgesetz sorgte für demokratischere Strukturen in den Gremien (Senat, Fakultäten, Institute). Die Höreranzahl an den Universitäten stieg rasant an. An der Universität Wien beispielsweise studierten 1970 19.000, 1980 40.000 und 1990 bereits 85.000 Personen. Der Frauenanteil erhöhte sich in dieser Zeit von 37 auf 56 %. Einen ersten Einbruch erlitten die Studentenzahlen der Uni Wien im Jahr 2001, als die schwarz-blaue Regierung unter Bundeskanzler Schüssel wieder Studiengebühren einführte und die Anzahl der Hörer um fast 16 % sank.

 

Aktuell studieren an den österreichischen Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen insgesamt ca. 380.000 Personen. Sie haben trotz einer Erhöhung des Uni-Budgets um 1,35 Milliarden Euro in den nächsten 3 Jahren keine rosigen Zeiten zu erwarten. Es sagt wohl alles, dass die Kurz-ÖVP selbst dieser Erhöhung nicht zugestimmt hat, das diesbezügliche Gesetz wurde am 28. Juni 2017 auf Antrag der Grünen von SPÖ, FPÖ, Grüne und Neos beschlossen.

 

In der schwarz-blauen Regierungserklärung liest man bereits von "moderaten Finanzierungsbeiträgen für Studierende, um die Verbindlichkeit des Studierens zu erhöhen". Wann sie genau eingeführt werden, steht noch nicht fest. Die Dummen sind aber bereits berufstätige Studenten, die eine bestimmte Mindeststudiendauer überschritten haben. Durch ein VfGH-Erkenntnis wurde eine gesetzliche Norm aufgehoben, die unselbständig und selbständig Erwerbstätige gleichheitswidrig behandelte. Die Regierung verweigert die Erlassung einer neuen Regelung. Folge: Studenten, die sich ohne Arbeit ihr Studium nicht leisten können bzw. bei paralleler Ausübung nicht rechtzeitig das aufwändige Prüfungsprogramm absolvieren können, müssen ab dem nächsten Studienjahr wieder Studiengebühren zahlen.

 

Es kommt aber noch schlimmer. Anstatt die räumlichen Kapazitäten zu erhöhen, um den Studenten attraktive Studienbedingungen zu bieten, werden jetzt neben den bereits bestehenden zusätzliche Aufnahmetests für Jus, Fremdsprachen und Erziehungswissenschaften eingeführt. Universitäten dürfen weiters autonom lokale Zugangsregelungen kreieren. Was noch im Regierungsprogramm gefährlich schlummert: Ein noch nicht definiertes ECTS-Modell (vermutlich zur Dezimierung von Studenten), Verhaltensanreize für zügiges Studieren (gerichtet an mündige Bürger !), maximal zulässige Studiendauern, eine Diskussion über Anzahl der Prüfungstermine und der Prüfungswiederholungsmöglichkeiten (es werden wohl weniger werden) oder eine Abmeldepflicht bei Inaktivität.

 

Auch die traditionell links ausgerichtete Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) bleibt nicht ungeschoren.  Finanzielle Mittel dürften künftig nur mehr für Aufgaben der Beratung und Interessenvertretung von Studierenden verwendet werden, ansonsten drohen Sanktionen. Gesellschaftspolitik nur dann, wenn sie mit der rechtskonservativen Regierung d´accord geht.

 

Bildung ist das höchste Gut der Menschheit, sie muss (!) jedem offenstehen und darf nicht sozial Schwächeren durch Barrieren verwehrt bleiben. Politiker, die Schranken vor den Bildungseinrichtungen installieren, die Jugend nur mehr in verschulte Punkteabsolvierungs-Seminare stecken und die selbständige Wissensaneignung untergraben wollen, haben zumeist nicht die edelsten Motive. Bürger mit geringerer Bildung sind leichter zu steuern, zu manipulieren und zu täuschen. In Zeiten von "Fake News" auf höchster politischer Ebene mehr denn je.

 

Vienna Nightlife: Garden Club-Revival im Temporär-Club Horst!

"We don´t make parties, we still live them!" war einst das Motto des legendären Garden Clubs, der unter der Fittiche von Kaveh Ahi mit heißer House Music  Szene-Freaks, VIP´s und Fans der elektronischen Musik in den Wiener Volksgarten lockte. Für vollen Dancefloor sorgten dabei nicht nur die Resident-DJ´s, sondern auch internationale, damals noch "leistbare" DJ-Größen wie Roger Sanchez, die Swedish House Mafia oder David Guetta.

 

Die standen Samstag beim Garden Club-Revival im Wiener Temporär-Club Horst auch am Programm, wenn schon nicht physisch, dann zumindest musikalisch. Behind the Turntables gab es ein Wiedersehen mit den damaligen Club Heroes Tom Snow, Henry, Ronaldo und Claudio Ricci, die mit einstigen Club-Floorfillers (wie "Just a little more love", "You don´t know me" oder "Raining again") und aktuellen Ibiza Underground-Tracks bis in den Morgengrauen die Party People begeisterten. Zu früher Stunde wagte auch Mastermind Kaveh ein Tänzchen mit den sexy Go Go´s.

 

Nightlife-Freaks sollten die nächsten Monate dies auch beherzigen und den coolen Club in der Rotgasse 9 visitieren, der einst das damals leicht verruchte P1 und die Großraumdisco Empire beherbergte. Denn der Club Horst läuft unter einem Ablaufdatum, den man auch  auf der Website http://www.horst.wtf/ jederzeit abrufen kann (Aktueller Stand: 90 Days).

 

Dort, wo jetzt die Wiener Nightflies freitags zu Techno & Electro und samstags zu House- und Discobeats abfeiern, sollen noch in diesem Jahr die Bagger fahren. Ein Investor hat das Gebäude gekauft und plant die Errichtung eines Hotels. Der düstere Club-Room, einst Bühne zahlloser Exzesse, Abstürze und Liebeleien,  wird zur seelenlosen Tiefgarage. Besser nicht nachdenken, den nächsten Tequila-Shot einschmeißen und noch ein paar Nächte durchmachen, an die sich man später nicht mehr erinnern kann.

FM4-Geburtstagsparty in der Ottakringer Brauerei!

"Wenn du das Radio ausmachst, wird die Scheißmusik auch nicht besser", so Kettcar, einer der Headliner der FM4-Geburtstagsparty 2018 in der Ottakringer Brauerei. Mit diesem Problem hat der österreichische Sender allerdings nicht zu kämpfen, gilt er doch seit seiner Gründung am 16. Jänner 1995 zu den Koryphäen internationalem und nationalem Indie- und Alternativesound.

 

Seither ist es auch Tradition, mit einer heißen Party mitten im klirrenden Winter auf den Birthday anzustoßen. Einst fanden diese Events sogar Open Air in der Arena statt. Aus dem Teenageralter entwachsen gibt man sich zumindest in punkto Outdoor-Location "zahmer" und feiert seit einigen Jahren in der Ottakringer Brauerei, die trotz eingeschränkter Kapazität (bei ca. 3000 Besuchern) eine ideale Spielwiese für Trinken, Flirten und Tanzen zu heißen Bands und Artists bietet.

 

Das Programm zum 23. Geburtstag des Senders stellte viele vor die Entscheidung, auf welchen der drei Floors man abfeiern wolle. Auf dem ehemaligen Hopfen- und Gersteboden, dem FM4-Indiekiste Floor, sorgten Yukno, die Austro-Grunge-Punks Crispies und der britische Songwriter Dan Croll für Entertainment. Dort, wo einst riesige Bottiche und Gefäße standen, in der "Alten Technik", präsentierten die Electro-Avantgardisten und FM4-Amadeus Award-Winner Leyya Tracks aus ihrem brandneuen Album "Sauna", bevor die Berliner Beatsteaks nach ihrem großen Auftritt beim Donauinsel-"Rock in Vienna" zeigten, dass sie auch in kleineren Locations reüssieren können. 

 

Wer auf progressiven, lässigen Indie-Rock abfährt, der musste sich entlang der Menschenmassen die engen Stiegen hinaufschlängeln, ganz nach oben auf den ehemaligen Hefeboden, dem FM4-"Wohnzimmer". Die multikulturelle 8-köpfige Combo Superorganism, wohnhaft in London, zelebrierte dort mit Augenzwinkern ihre Hymne "Everybody wants to be famous", Pop-Kritiker schätzen die Wahrscheinlichkeit für die Band selbst sehr hoch ein.

 

Bereits seit 2004 im Geschäft sind die norwegischen Jungs von Kakkmaddafakka. Man mag über den Namen mitleidig grinsen (er meint fantastiesprachlich einfach nur "party animal"), der Unterhaltungsfaktor der Indie-Rocker, die gerade ihr 5. Album "Hus" veröffentlichten, ist hoch und schreckt auch vor lässig-schrillen Cher-Covers ("Believe") nicht zurück.

 

"Wir wollen Musik jenseits von Apathie und Zynismus machen", so Sänger Markus Wiebusch, und lieferte gemeinsam mit seinen Jungs von Kettcar DAS Polit-Rock-Album ("Ich vs. Wir") des Jahres. "Es war im Sommer 89", das mit pathetischem Sprechgesang die Flucht von DDR-Bürgern über die ungarische Grenze Richtung Österreich kurz vor dem Fall der Berliner Mauer schilderte, wird zu einer Hymne der Zivilgesellschaft, die - so Wiebusch im O-Ton - "das Helfen durch Zäune noch als menschlichen Akt sieht". 

 

Die Hamburger Rocker als Main-Act zu buchen ist in diesem Sinne auch ein klares politisches Zeichen des Radio-Senders FM4. Die einstündige Setlist enthielt neben den neuen Tracks auch die Klassiker "Deiche", "Balu", "Graceland" und "Landungsbrücken raus". "Sommer 89" widmete die Band der einen Tag vor der FM 4-Party verstorbenen Flüchtlingshelferin Ute Bock. Die sich über diese Wortspende sicher sehr gefreut hätte.

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Anti-Kriegs-Mahnmal "Zombie" - Ein Nachruf auf Dolores O´Riordan (Cranberries)

 

Es war im Jahr 1993. Die Cranberries waren gerade auf England-Tour, als ein grauenvoller Terroranschlag der IRA in Warrington zwei Kinder tötete. Die zart besaitete, streng gläubige Sängerin Dolores O´Riordan schrieb über diesen Vorfall einen Song mit Zeilen wie "When the Violence causes silence, we must be mistaken" oder dem hypnotischen Refrain "In your head, in your head, Zombie!" 

 

Ein radikaler Aufschrei gegen den Nordirlandkrieg, der seit dem (gescheiterten) Osteraufstand 1916 kein Ende findet und das Leben vieler Familien und Zivilisten zerstört hat, die mit dieser sinnlosen Fehde gar nichts zu tun haben. "Zombie" stürmt Ende 1994 - inmitten von Eurodance-/Technokapriolen und alternativer Grunge-Melancholie - weltweit die Charts und wird zu einem der größten und anspruchsvollsten Hits der 90er.  

 

Für die Cranberries bedeutete dies einerseits den Durchbruch, andererseits – ähnlich wie bei vielen anderen Bands und Künstlern –auch die bitteren Erkenntnis, dass man diesen Gipfel nur einmal erklimmen könne. Begonnen hat die Karriere der irischen Band Anfang der 90er, als O´Riordan bei der Limericker Männer-Formation einstieg und nach einigen Demo-Präsentationen mit dem romantisch-verträumten Track „Linger“ die Charts stürmte. 

 

Auch das erste Album mit dem kongenialen Titel „Everybody else is doing it, so why can´t we“, musikalisch eine Mixtur aus Indie-Pop und Irish-Folk, begeisterte sowohl westlich als auch östlich des Atlantiks und enthielt mit „Dreams“ einen weiteren Single-Hit. Der Erfolg des zweiten Albums „No need to argue“ mit dem progressiv arrangierten Superhit „Zombie“ war vorprogrammiert,die Live-Konzerte danach meist ausverkauft, auch wenn die weiteren Alben nicht mehr dieselbe Resonanz erzielten.

 

2003 löste sich die Band – nach 38 Millionen verkauften Platten – auf. Dolores O´Riordan wurde Mutter dreier Kinder, mit dem Vater Don Burton, dem ehemaligen Tour-Manager von Duran Duran, war sie bereits seit 1994 verheiratet. Die Solo-Produktionen waren eher mäßig erfolgreich, O´Riordan hatte allerdings die Ehre, mit Luciano Pavarotti „Ave Maria“ für den Film „Passion Christi“ zu produzieren. Die Reunion der Cranberries zeichnete sich bereits durch Live-Konzerte und Video-Teaser ab, das Comeback-Album „Roses“ mit der Single „Tomorrow“ erschien aber erst 2012. 2017 veröffentlichte die Band in Zusammenarbeit mit dem Irish Chamber Orchestra das Album „Something Else“, darin enthalten neu arrangierte alte und drei neue Songs. Innovative Wege beschritt Riordan 2016 gemeinsam mit dem Smiths-Bassisten Andy Rourke, „Science Agrees“ unter dem Pseudonym D.A.R.K. verharrte aber im Underground-Status, vielleicht auch gewollt. 

 

Vor einigen Tagen flog Dolores O´Riordan nach London, um neue Tracks aufzunehmen. Am 15. Jänner wurden die Medien informiert, dass sie mit 46 gestorben sei. Ohne nähere Details. Die Ehe mit Burton war geschieden, manche Zeitungen sprechen von manischer Depression, die Riordan schon längere Zeit belastet. 

 

Was genau vorgefallen ist, ist schwer zu ergründen und auch für Außenstehende nicht relevant. Ihr wichtigstes Vermächtnis „Zombie“ dagegen sollte weit in die Zukunft hinaus als  Mahnmal positioniert werden: gegen Krieg, gegen Gewalt, gegen Hetze, gegen Hass und auch gegen die eigenen Dämonen. Da verzeiht man dann auch den musikalischen Einsatz bei diversen Retro-Clubbings.

Ius 2018 (4): Neue Vorschriften im Banken-, Steuer- und Datenschutzrecht!

Obwohl Österreich schon seit 1.1. 1995 Mitglied der Europäischen Union ist, wissen viele Bürger die Vorteile dieser Staatengemeinschaft noch immer nicht zu schätzen. So basieren viele konsumentenschutzfreundliche Gesetze auf Verordnungen bzw. Richtlinien der EU. So auch das neue Zahlungsdienstegesetz, das die Rechtsstellung des Zahlers bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen verbessert.

 

Die Haftung bei leichter Fahrlässigkeit in Zusammenhang mit einem Missbrauch der Bankomatkarte oder des Online-Bankings wird von 150 Euro auf 50 Euro herabgesetzt. In bestimmten Fällen muss der Zahlungsdienstleister eine "starke Kundenauthentifizierung" verlangen, die aus mindestens zwei Kategorienelementen besteht.

 

Gemäß dem Verbraucherzahlungskontogesetz dürfen Bankomatgebühren nur in Ausnahmefällen verlangt werden. Voraussetzungen dafür sind eine Einzelvereinbarung mit dem Kunden und das Vorhandensein eines Tarifs ohne gesonderte Bargeldbehebungsentgelte.

 

Gegen Ende des Jahres werden seitens der Europäischen Zentralbank keine weiteren 500 Euro-Scheine mehr ausgegeben. Ziel ist die bessere Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Die im Umlauf befindlichen Scheine bleiben natürlich weiterhin gültig und sollen unbegrenzt umtauschbar sein.

 

Im Mai 2018 tritt die neue Datenschutzgrundverordnung in Kraft, deren nationale Umsetzung von Experten als mangelhaft kritisiert wird. Unternehmen müssen einen Datenschutzbeauftragten installieren und bei Verstößen gegen die neuen Vorschriften mit hohen Bußgeldern rechnen. 

 

Noch in der alten Legislaturperiode hat der Nationalrat eine (teilweise) Angleichung der Rechtsvorschriften von Arbeitern und Angestellten beschlossen. Vereinheitlicht wurde u.a. die Entgeltfortzahlung im Krankenstand und bei sonstigen Dienstverhinderungen. Die Kündigungsfrist für teilzeitbeschäftigte Angestellte mit geringer Arbeitszeit beträgt ab 1. Jänner - statt 14 Tagen - nun 6 Wochen. Die generelle Angleichung der Kündigungsfristen erfolgt erst 2021.

 

Bestimmte Sonderausgaben wie Kirchenbeiträge und Spenden fließen ab 2018 automatisiert in die Arbeitnehmerveranlagung an. Grund: Religionsgemeinschaften und Spendenorganisationen sind verpflichtet, die bezahlten Beträge an die Finanzverwaltung zu übermitteln.

 

Am 1. Mai sollte eigentlich das absolute Rauchverbot in der Gastronomie in Kraft treten. Die neue Bundesregierung will dieses Gesetz - trotz 14.000 nikotinbedingter Todesfälle pro Jahr - kippen. Fast eine halbe Million Bürger unterstützt als Reaktion darauf bereits die "Don´t Smoke"-Kampagne für eine Beibehaltung des Gesetzes. Europa schüttelt nur mehr den Kopf über die Raucher-Oase Österreich. Man muss sich wirklich wundern, was in der Alpenrepublik alles möglich ist.

Ius 2018 (3): Bildungsreform in Kraft, aber ohne Entpolitisierung der Schulverwaltung!

Rauchverbot, Aktion 20.000 oder der Jobbonus. Alles Initiativen, die von der schwarz-blauen Bundesregierung rückgängig gemacht werden. Da wäre es besser gewesen, Teile der Bildungsreform zu revidieren, und zwar vor allem die Organisation der Schulverwaltung.

 

So werden ab 1. Jänner 2019 die Landesschulräte durch Bildungsdirektionen ersetzt.  Die Amtsführenden Präsidenten nennt man dann Bildungsdirektoren, die Bestellung ist aufgrund der "Schwärzisierung" der Nationalratswahl noch parteipolitischer als zuvor. Der Bildungsdirektor wird auf Vorschlag des Landeshauptmannes im Einvernehmen mit dem Bildungsminister bestimmt. In 6 von 9 Bundesländern stammen beide von derselben konservativen Partei. Auch die vorgelagerte aus 5 Mitgliedern bestehende Begutachtungskommission wird gänzlich von den Parteien besetzt. 

 

Die Landesschulratskollegien werden durch Beiräte mit beratender Funktion ersetzt. An den komplizierten Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern ändert sich gar nichts. Der Bildungsdirektor ist je nach Zuständigkeit gegenüber dem Bundesminister oder der Landesregierung weisungsgebunden, als Bonmot kann das Landesgesetz auch noch den Landeshauptmann zum Präsidenten der Bildungsdirektion küren. Da jubeln die Polit-Granden.

 

Progressiver ist da schon das Schulautonomiepaket gestaltet. So können bis zu 8 Schulen zu Cluster unter einer gemeinsamen Leitung zusammengeschlossen werden. Die einzelnen Direktoren werden dabei durch Bereichsleiter ersetzt. Bei Bedarf können Lehrer auch an anderen Clusterschulen unterrichten. Die Cluster-Bildung ist freiwillig, ausgenommen bei Kleinstschulen, die ansonsten vom Zusperren bedroht sind. 

 

Die Auswahl von neuen Lehrern obliegt dem Cluster-Leiter bzw. dem Direktor. Diese können auch flexible Gruppengrößen festlegen und frei werdende Ressourcen für Förderangebote und Teamteaching nützen. Eine bundeslandweite Durchschnittszahl darf pro Klasse allerdings nicht überschritten werden.

 

Die Hauptschule ist übrigens mit Juni 2018 Geschichte, ab dem Wintersemester existieren in Österreich nur mehr die Neuen Mittelschulen.

 

Keine guten Nachrichten gibt es - nach der Regierungserklärung - für die Studenten. Es steht zu befürchten, dass die neue Bundesregierung trotz heftiger Proteste die Absicht hat, wieder Studiengebühren mit zumindest 500 Euro pro Semester einzuführen. Als erste könnte es die berufstätigen Langzeitstudenten treffen. Die bis dato festgelegte Studiengebührenbefreiung wurden wegen Verletzung des Gleichheitssatzes vom VfGH aufgehoben. Dass ein durch die SPÖ eingebrachter Vorschlag der ÖH von der neuen Koalition beschlossen wird, gilt als fast ausgeschlossen.

 

Ius 2018 (2): Neues Pauschalreise-Gesetz ab 1. Juli 2018!

Rechtzeitig mit Beginn der Sommer-Hauptsaison, wenn die Touristen wieder an die sonnigen Beach-Hot Spots strömen, gilt in Österreich ein neues Reiserecht. Das sogenannte Pauschalreisegesetz (PRG) tritt am 1. Juli 2018 in Kraft und ist eine Umsetzung der Pauschalreise-Richtlinie (EU) 2015/2302.

 

Die speziellen Schutzvorschriften gelten künftig auch für Online-Buchungen von Reisepaketen und nicht nur für Buchungen über Reisebüros. Direkter Ansprechpartner ist dann auch der Reiseveranstalter. Zu den Pauschalreiseleistungen zählt - neben Personenbeförderung, Unterbringung und anderen touristischen Dienstleistungen - auch die Vermietung eines Fahrzeuges.

 

Erweitert werden die Informationspflichten des Reiseveranstalters. Reisende müssen, bevor sie an ihre Vertragserklärungen gebunden sind, Informationen zu den wesentlichen Eigenschaften der Reiseleistungen erteilt werden. Unmittelbar nach Vertragsabschluss muss den Reisenden eine Vertragsausfertigung zur Verfügung gestellt werden.

 

Allerdings hat der Veranstalter künftig mehr Spielraum bei Leistungsänderungen vor Reiseantritt (wie der Reiseroute oder den Flugzeiten). Widerspricht der Kunde den Änderungen nicht ausdrücklich, so gilt dies als stillschweigende Zustimmung. Laut PRG muss der Reiseveranstalter für die Kosten einer längeren Unterbringung (bis zu 3 Tage) aufkommen, sollte die Rückreise wegen außergewöhnlicher Umstände nicht möglich sein.

 

Höhere Abgaben erwarten die Sonnenanbeter in Griechenland und auf den Balearen. Die Griechen verlangen eine Aufenthaltssteuer, je nach Hotelkategorie bis zu 4 Euro pro Zimmer und Nacht. Auf Ibiza, Mallorca und Menorca wird die Touristenabgabe während der Hauptsaison zwischen Mai und Oktober verdoppelt, auf bis zu 4 Euro pro Kopf und Nacht.

 

Die Flugabgabe dagegen wird halbiert. Sie beträgt künftig pro Fluggast auf Kurzstrecken 3,5 Euro, auf Mittelstrecken 7,5 Euro und auf Langstrecken 17,5 Euro. Man wird sehen, ob diese Kürzung an die Flugkunden weitergegeben wird.

Ius 2018 (1): Neuigkeiten im Familien-, SV-, Pflege- und Sachwalterschaftsrecht!

Das neue Jahr bringt zahlreiche Gesetzesänderungen mit sich, die noch von der "alten" rot-schwarzen Bundesregierung beschlossen wurden.

 

Die Familienbeihilfe wird um 1,9 Prozent erhöht. Sie beträgt ab 1.1. 2018 114 Euro, bei Kindern ab 3 Jahren 121,9 Euro, ab 10 Jahren 141,50 Euro und ab 19 Jahren 165,1 Euro. Erhöht werden auch der Geschwisterzuschlag und der Zuschlag für erheblich behinderte Kinder.

 

Die Zusammenlegung der Sozialversicherungsträger ist eines der Projekte der neuen Bundesregierung, deren finanzielle Auswirkungen aber überschätzt werden. Wichtiger ist die Harmonisierung der Leistungen, die teilwiese bereits in der alten Legislaturperiode konkretisiert wurde. In 18 von 23 Leistungsbereichen der neun Gebietskrankenkassen werden ab 1. Jänner einheitliche Zuschüsse und Selbstbehalte verrechnet, so beispielsweise bei Zahnspangen, Zahnersatz oder bei Krankentransporten. Teurer wird die Rezeptgebühr, sie steigt von 5,85 auf 6 Euro. Unter bestimmten Voraussetzungen (wie beim Bezug einer Ausgleichszulage) ist eine Befreiung weiterhin möglich.

 

Auch wenn die Finanzierung noch strittig und der Höhe nach schwer kalkulierbar ist, gehört der Pflegeregress mit 2018 der Geschichte an. Die Bundesländer dürfen nicht mehr auf das Vermögen und die Sparbücher von Pflegebedürftigen zurückgreifen, die in stationären Heimen aufgenommen wurden. Weiterhin zulässig ist der Zugriff auf 80 % der Pension und 90 % des Pflegegeldes. Bei behinderten Personen ist der Pflegeregress sowohl im stationären als auch ambulanten Bereich ausgeschlossen.

 

Am 1. Juli tritt das neue Sachwalterrecht in Form des "Erwachsenenschutzgesetzes" in Kraft. Man unterscheidet dann zwischen vier Säulen für unterstützungsbedürftige volljährige Personen: Gerichtliche Erwachsenenvertretung (mit Beschränkung auf bestimmte Vertretungshandlungen, befristet zunächst auf 3 Jahre), gesetzliche Erwachsenenvertretung (durch nächste Angehörige), gewählte Erwachsenenvertretung und die Vorsorgevollmacht mit uneingeschränktem Wirkungsbereich. Derzeit stehen ca. 60000 Personen unter der alten Sachwalterschaft.

 

Ein langer Weg zur Gleichstellung: Von der eingetragenen Partnerschaft zur Ehe für alle!

In Deutschland wurde die „Ehe für alle“ mit 1. Oktober 2017 durch den Bundesrat gesetzlich legitimiert, in Österreich traf diese Entscheidung der Verfassungsgerichtshof aufgrund einer Beschwerde fünf gleichgeschlechtlicher Paare mit Kindern, die von Rechtsanwalt Dr. Helmut Graupner vertreten wurden. 

 

Dieser erkannte, dass jene Bestimmungen des § 44 ABGB und des EPG, die auf „verschiedene Geschlechter“ abzielen, gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen und daher verfassungswidrig sind. Diese Entscheidung beruht auf der jüngsten Rechtsentwicklung, aufgrund der Homosexuelle auch Kinder adoptieren und die zulässigen Formen medizinisch unterstützter Fortpflanzung nützen können und somit eine weitgehende rechtliche Gleichstellung besteht. 

 

„Die diskriminierende Wirkung zeigt sich darin, dass durch die unterschiedliche Bezeichnung des Familienstandes („verheiratet“ versus „in eingetragener Partnerschaft lebend“) Personen in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft auch in Zusammenhängen, in denen die sexuelle Orientierung keinerlei Rolle spielt und spielen darf, diese offenlegen müssen und insbesondere auch vor dem historischen Hintergrund, Gefahr laufen, diskriminiert zu werden“, so einer der schlüssigen Sätze im VfGH-Erkenntnis.

 

Österreich, das bis 1971 Homosexualität unter gerichtliche Strafe stellte, zählt sicher nicht zu den liberalen Vorreitern Europas. In den Niederlanden gibt es seit 2001 bereits die Ehe für alle, in Deutschland zumindest die eingetragene Lebenspartnerschaft. In Österreich wurde das „Gesetz über die eingetragene Partnerschaft“ im Dezember 2009 vom Nationalrat beschlossen. Seit 1. Jänner 2010 können sich Homosexuelle somit verpartnern. 

 

Im September 2011 wird die unterschiedliche Ausgestaltung von Doppelnamen bei Ehe und Eingetragener Partnerschaft (mit bzw. ohne Bindestrich) als verfassungswidrig erklärt. Gleichgeschlechtliche Paare genießen ab sofort den verfassungsgesetzlichen Schutz der Familie. Eine gleiche Zeremonie bei der Eheschließung garantiert ein VfGH-Urteil im Dezember 2011. 

 

Im Dezember 2013 hat der VfGH die gesetzliche Beschränkung der medizinisch unterstützten Fortpflanzung auf verschiedengeschlechtliche Ehen und Lebensgemeinschaften aufgehoben. Im Jänner 2015 wurde das FortpflanzungsmedizinrechtsänderungsG beschlossen, das lesbischen Paaren die Elternschaft mittels Samenspende ermöglicht. Ausgeschlossen bleiben schwule Paare und alleinstehende Personen, Leihmutterschaft ist daher in Österreich rechtlich nicht zulässig.

 

Im Februar 2013 urteilt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass das Verbot der Stiefkindadoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren gegen die EMRK verstößt. Bereits im August wird dieses Urteil durch das Adoptionsrechts-Änderungsgesetz umgesetzt. Begleitgesetze vermindern die Unterschiede zwischen Ehe und Eingetragener Partnerschaft auf 40.

 

Ebenfalls initiiert durch Rechtsanwalt Dr. Helmut Graupner, hebt im Dezember 2014 der VfGH das Verbot der gemeinsamen Adoption durch gleichgeschlechtliche, eingetragene Paare auf. Seit 2016 können sich somit auch homosexuelle Paare um ein Kind bewerben. Das Wohl des Adoptivkindes steht dabei im Mittelpunkt. Die Bewerber werden unabhängig vom Geschlecht genau überprüft und müssen auch einen Vorbereitungskurs absolvieren.

 

Seit dem 1. April 2017 werden eingetragene Partnerschaften wie Ehen am Standesamt geschlossen. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen einen Familiennamen tragen.

 

Die völlige Gleichstellung zwischen Hetero- und Homosexuellen tritt mit 1. Jänner 2019 in Kraft. Ab diesem Datum steht die eingetragene Partnerschaft (mit Vertrauensbeziehung statt Treuepflicht, kürzeren Scheidungsfristen und geringeren Unterhaltspflichten nach der Auflösung) auch verschiedengeschlechtlichen Paaren offen, falls der Nationalrat das Gesetz mit einfacher Mehrheit nicht aufhebt. 

 

Eine Rückabwicklung der „Ehe für alle“ dagegen erscheint nahezu ausgeschlossen. Die notwendige 2/3-Verfassungsmehrheit wird derzeit im NR-Plenum nicht erreicht, und zusätzlich ist die gleichgeschlechtliche Ehe durch das VfGH-Erkenntnis höherwertig abgesichert. Ein anderslautendes Verfassungsgesetz würde mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte aufgehoben werden. Die Pink Community kann sich über ein unerhofftes Weihnachtsgeschenk freuen!

Letzte TV-Aufzeichnung: Die Staatskünstler & Florian Klenk im Rabenhof-Theater.

Copyright: Florian Klenk (Facebook)
Copyright: Florian Klenk (Facebook)

Es ist eine einigermaßen seltsame Entscheidung, die vom ORF bereits im September – noch vor der Ernennung einer neuen Bundesregierung – verkündet wurde. Die Staatskünstler alias Florian Scheuba, Thomas Maurer und Robert Palfrader werden mit Ende 2017 vor die Tür gesetzt. Die TV-Aufzeichnung für die letzte Sendung, den Jahresrückblick 2017, fand am Dienstag im Wiener Rabenhof-Theater statt.

 

Im Mittelpunkt der Staatskünstler-Show stehen seit Dezember 2011 die aktuelle Tagespolitik, Korruptionsfälle und bizarre Auswüchse des von Föderalismus, Parteibuch- und Freunderlwirtschaft und Traditionalismus geprägten österreichischen Staats. Das Comedy-Trio wird dabei mit der stetig steigenden Herausforderung konfrontiert, dass die Grenzen zwischen Realität und Satire immer mehr verschwimmen. 

 

So auch in der neuesten Ausgabe, bei der „plagiierte“ Wahlkampf-Videos der Spitzenkandidaten mit den „Originalen“ der Staatskünstler verglichen werden. Eine ausländerfeindliche Wutbürgerin im „Kern“-Clip oder ein zu Tränen rührendes Bauernhof-Video von Basti Kurz, das kann ja nur geklaut sein. Die Staatskünstler besuchen das „menschliche Antlitz“ des Messias, sammeln Spenden am Punsch-Stand für die ÖVP-Ratenzahlungsverpflichtungen an die Telekom und gehen auf Jobsuche bei Griss, Schieder, ATV & Co. Und landen zuletzt in der gefährlichen Mittelroute.

 

Einen besonderen Dank sendet die Kabarettisten an den deutschen Medienanwalt Ralf Höcker, der sie in einem 200.000 Euro teuren Gutachten über die angebliche Vorverurteilung Karl Heinz Grassers prominent erwähnte. Dessen Verfahren wurde gerade an diesem Tag im Wiener Landesgericht eröffnet. 14 Jahre, nachdem Florian Klenk die erste Story über die Buwog-Affäre publizierte. 

 

Insofern ein idealer Anlass für die Staatskünstler, den Falter-Chefredakteur für den zweiten Teil der Show ins Rabenhof-Theater zu laden. Klenk kam direkt aus dem Gerichtssaal und berichtete über den bisherigen Verfahrensablauf, modische Prozess-Bonmots und die Strategien der insgesamt 16 Beschuldigten, die für manche – bei 500 Euro Anwaltshonorar pro Stunde – auch in einem finanziellen Inferno enden können. Dass die drei Staatskünstler den KHG schon immer für unschuldig hielten, bewies zwischendurch ein amüsanter Clip aus ihrer Comedy-History. 

 

Für den musikalischen Abschluss-Schmäh war aber Grasser-Anwalt Ainedter selbst verantwortlich. Christoph & Lollos Kult-Lied „Wann geht der Karl Heinz endlich in den Häfn“ wollte der Promi-Verteidiger im Gerichtssaal präsentieren. Er scheiterte an der fehlenden Tonanlage. Im Gegensatz zu den Staatskünstlern. Der Streisand-Effekt im Theater.

Yello in der Wiener Stadthalle: Schweizer Kult-Band zum ersten Mal on Tour!

Was „Blue Monday“ für New Order oder „Fade to Grey“ für Visage, das war „Bostich“ für „Yello“. Ein Underground-Electronic-Track, der 1981 durch den US-DJ Frankie Crocker gepusht wurde und in die amerikanischen Black- und Dance-Charts schoss. Yello, abgeleitet von „a yelled hello“, waren damals noch zu dritt, und alle waren überrascht, dass hinter diesem Projekt keine schwarzen Avantgarde-DJ´s aus der Bronx steckten, sondern drei smarte Schweizer mit Faible für extravagante Töne, Video-Ästhetik und Aktivismus.

 

25 Jahre später präsentierten Dieter Meier und Boris Blank ihre Electro-Klassiker zum ersten Mal live, im Berliner Kraftwerk. Aufgrund der großen Resonanz wird auch eine Tour geplant, die die Zuricher auch in die Wiener Stadthalle führt. Allerdings nicht zu zweit mit einem Computer als Sound-Base, sondern mit einer kompletten Band. 

 

„Boris ist der Konzertmeister einer Live-Show mit 12 Musikern“, so Meier. Bläser, Gitarristen, Schlagzeuger, Percussionisten versetzen die Yello-Hits aus unglaublichen 40 Jahren in neue musikalische Sphären. Auch das 2016er-Album „Toy“, das in der Schweiz auf Platz 1 und in Deutschland auf Platz 2 kletterte, kommt nicht zu kurz. Im Mittelpunkt der Show steht der elegant gekleidete 72jährige (!) Frontman Dieter Meier, der mit seinen stakkato-artigen Verbal-Phrasen dem genialen elektronischen Sound von Boris Blank die letzte Würze verleiht. „It´s just a rush, push, cash“, Bostich, you know. 

 

Ausgezeichnet auch die Auswahl der weiblichen Stimmen der Yello-Tracks. Die aus Malawi stammende Jazzsängerin Malia tritt bei „The Rhythm Divine“ in die Rolle von Bond-Legende Shirley Bassey, interpretiert mit Meier „Starlight Scene“ und sorgt im Zugabenteil mit „Vicious Games“ für hippe New Wave-Stimmung. Die chinesische Sängerin und Performance-Künstlerin Fifi Rong, bereits Guest-Star auf „Toy“, lenkt mit „Kiss the Cloud“ und dem hypnotischen „Lost in Motion“ die Yello-Show in futuristische Bahnen. 

 

Die Video-Collagen im Hintergrund stammen übrigens alle von Meier & Blank, die stets auch ihre Videos selbst produzierten und sogar ihre Familienmitglieder miteinbezogen. So auch beim größten Hit der Elektronik-Zauberer, „The Race“, der in einer mehr als zehnminütigen Version den Abschluss der grandiosen Show bildete. Yello sind nach 40 Jahren Band-Karriere noch immer am Puls der Zeit, einmal nachmachen bitte!

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„Nacht gegen Armut“: Gogol Bordello grooven in der Arena für arme Familien und Kinder!

Laut einer aktuellen Statistik gilt Österreich als viertreichstes EU-Land. Nur Luxemburg, Irland und die Niederlande liegen beim BIP pro Kopf vor der Alpenrepublik. Insofern schockieren die Zahlen über die armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Menschen in Österreich.

 

18 Prozent der österreichischen Wohnbevölkerung oder 1.542.000 Menschen waren 2016 von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Unmittelbar armutsgefährdet sind 14 Prozent der Einwohner, die über weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens verfügen. Diese von der EU-definierte Schwelle unterschreitet in Österreich, wer in einem Einzelhaushalt einen Monat mit weniger als 1.185 Euro netto bestreiten muss. 592 Euro werden für jeden weiteren Erwachsenen im Haushalt addiert und 355 Euro für jedes Kind unter 14 Jahren.

 

Man braucht also keine Sekunde zu diskutieren, ob Veranstaltungen wie die „Nacht gegen Armut“ der Volkshilfe ihre Berechtigung haben. Das Benefiz-Event, dessen gesamter Reinerlös für die Spendenkampagne gegen Armut in Österreich überwiesen wird, fand dieses Jahr in der Wiener Arena statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von der FM4-Moderatorin (und „Maikäfer flieg“-Regisseurin) Mirjam Unger, die vor den Live-Acts auch den Direktor der Volkshilfe Österreich, Erich Fenninger, auf die Bühne bat. Dieser sprach sich entschieden gegen Kürzungen der Mindestsicherung für Flüchtlinge aus, die gegen jegliche Menschenwürde verstoßen und verstärkte Obdachlosigkeit und Kriminalität nach sich ziehen könnten.

 

„Borders are the Scars on the Face of the Planet“, ein Zitat aus einem Song der Headliner Gogol Bordello, passt da haargenau in dieses Narrativ. Vor der multikulturellen Combo von Eugene Hütz heizten bereits die Lucky Chops die ausverkaufte Arena ein. Dabei handelt es sich um eine im Jahr 2006 gegründete Brass-Formation aus New York, die zuerst in U-Bahnstationen spielte und durch dort gedrehte YouTube-Videos der Öffentlichkeit bekannt wurde. Vor allem die Coverversionen von Hits wie „Funky Town“ oder „I got you“ sind Garant für jede heiße Party. 

 

Dies gilt auch für Gogol Bordello, die 1999 ebenfalls in New York vom ukrainischen Immigranten Eugene Hütz gegründet wurden. Die Band ist klassisch „punk-besetzt“, mit Gesang, Schlagzeug, E-Gitarre und Bass, dazu Akkordeon, Geige und Percussion. Der Sound: Gypsy Punk, vermischt mit Latin- und Balkanrhythmen. Besondere Berühmtheit erhielten sie durch ihren „La isla bonita“-Auftritt mit Madonna beim „Live Earth“-Konzert. 

 

Das neueste Album von Gogol Bordello trägt ebenso wie die aktuelle Tour den Titel „Seekers and Finders“. Die 22 Tracks starke Set-List umfasst allerdings das gesamte zeitliche Repertoire der Band, von „Start Wearing Purple“ (1999), „Wonderlust King“ (2007) bis hin zu „Malandrino“ (2013) und dem neuen Hit „Walking on the Burning Coal“. 

 

„Am Ende unserer Konzerte kommen die Leute oft zu uns und sagen, sie waren frei von all dem Mist, den man sonst die ganze Zeit im Kopf hat.“ – so Eugene Hütz im Interview, der den Menschen die positiven Seiten unseres Universums näherbringen will. Mit dem Latin Stomper „Pala Tute“ verklangen zwar die letzten Töne des Künstlers, die Volkshilfe kann sich aber über viel Geld für arme Familien, Kinder und Behinderte freuen. Und hoffentlich auch über Respekt vor Menschen aus aller Welt, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind.

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Verfassungsexperten: Ohne Pro-Volksabstimmung kein Ausbau direkter Demokratie!

Die Schweiz gilt als Musterland direkter Demokratie. Dort werden auf allen gebietskörperschaftlichen Ebenen 4mal jährlich die Bürger zu den verschiedensten Themen befragt. Mittels sogenannter „Volksinitiativen“ können 100.000 Bürger Volksabstimmungen erzwingen, bereits 50.000 können ein Vetoreferendum über ein bereits vom Parlament beschlossenes Gesetz fordern. Auch in Italien fanden bereits 73 Volksabstimmungen statt. Rechtlich bindend sind diese aber nur, wenn ein Beteiligungsquorum von mehr als 50 Prozent vorliegt.

 

In Österreich sind die Formen direkter Demokratie bis dato eher spärlich entwickelt. Im B-VG unterscheidet man zwischen Volksbegehren, Volksabstimmungen und Volksbefragungen. 

 

Ein Volksbegehren muss von 100.000 Stimmberechtigten (bzw. je 1/6 der Stimmberechtigten dreier Länder) unterstützt werden, damit es im Parlament behandelt wird. Der Nationalrat hat also nur die Verpflichtung, über einen solchen Gesetzesantrag zu beraten und einen Bericht zu verfassen. Bisher wurden 39 Volksbegehren eingeleitet, 34 erreichten die nötige Unterstützungszahl.

 

Volksabstimmungen sind in Österreich rechtlich nur zulässig, wenn sie auf einem Gesetzesbeschluss des Nationalrates basieren. Liegt eine Gesamtänderung der Bundesverfassung vor, dann muss obligatorisch eine Volksabstimmung durchgeführt werden. So wie 1994, als die Österreicher sich mit einer 2/3-Mehrheit für den EU-Beitritt entschieden. Fakultativ kann eine Volksabstimmung angeordnet werden, wenn der Nationalrat dies beschließt. Die einzige Volksabstimmung, die auf diese Weise durchgeführt wurde, war jene über das Atomkraftwerk Zwentendorf im Jahr 1978.

 

Als dritte Form direkter Demokratie existiert in Österreich die Volksbefragung, die auf Antrag von 5 Mitgliedern des Nationalrates oder der Bundesregierung durch den Nationalrat beschlossen wird. Eine Volksbefragung ist rechtlich nicht bindend. Dies galt auch bei der bisher einzigen Befragung über die allgemeine Wehrpflicht. SPÖ und ÖVP erklärten aber, sich an das Ergebnis zu halten. 

 

Elemente der direkten Demokratie sind auch in den einzelnen Landesverfassungen vorgesehen, darunter auch einige Verfahren, die – verfassungsrechtlich problematisch - über jene des Bundes hinausreichen (wie Vetoreferenden in Niederösterreich oder Steiermark bzw. zwingende Volksabstimmungen nach erfolgreichen Volksbegehren). 

 

Man darf gespannt, ob und in welchem Ausmaß die direkte Demokratie in der laufenden Legislaturperiode erweitert wird. Kernpunkt ist die Abhaltung von verpflichtenden Volksabstimmungen über Themen, die durch ein Volksbegehren ausreichend unterstützt wurden. Hier reicht – je nach Ansicht der Parteien - die Bandbreite von 3 bis 10 % der Wahlberechtigten. Diskutiert wird auch über ein Mindest-Beteiligungsquorum bei den Volksabstimmungen. Wird dieses unterschritten, ist die Abstimmung – so wie in anderen EU-Staaten - nicht verbindlich. 

 

Im neuen Gesetzesentwurf sollte unabdingbar verankert werden, dass die Inhalte der Volksabstimmung nicht gegen Völker- und Europarecht bzw. gegen Grund- und Freiheitsrechte verstoßen und eine Diskriminierung von Minderheiten ausgeschlossen ist. Eine objektive Informationsbroschüre sollte wie in der Schweiz als Abstimmungsgrundlage dienen. 

 

Bevor die österreichischen Bürger aber unmittelbar in die Gesetzgebung eingreifen können, müssen sie erst darüber entscheiden, ob sie dieses Procedere überhaupt befürworten. Denn der Ausbau der direkten Demokratie ist nach der Judikatur des VfGH eine Gesamtänderung der Bundesverfassung und muss daher obligatorisch einer Volksabstimmung unterzogen werden.

"We are the Beautiful Ones" - Hurts im Wiener Gasometer!

„Don´t let go, never give up, it´s such a Wonderful Life“ - So lautete die leicht melancholisch angehauchte Hymne der Szene-Hipster im Jahr 2010. Wer vom Philosophieren genug hatte und lieber tanzen ging, switchte auf den groovigen Freemasons-Remix. Die Copyrights von „Wonderful Life“, die stammen von Hurts aus dem Fußball- und Sound-Mekka Manchester. 

 

Theo Hutchcraft und Adam Anderson waren lange arbeitslos und hielten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, vor dem Arbeitsamt allerdings tauchten sie immer im Anzug auf. Eine Styling-Trademark, die sie auf der Bühne beibehielten. Im Rahmen ihrer „Desire“-Europa-Tour statteten Hurts auch Wien wieder einen Besuch ab. 

 

Und obwohl die aktuellen Songs nicht auf den vordersten Hit-Listen der Charts rangieren, konnten Hurts und ihre Begleitband die einheimischen Fans von der ersten Sekunde an begeistern. Sozusagen „Ready 2 Go“, Opener und einer der Favourites des neuen Albums „Desire“. Dies gilt auch für „Some Kind of Heaven“, dem Single-Hit ihres dritten Albums „Surrender“. Zu hören gibt es beim Wien-Konzert Tracks aus allen vier bisher erschienenen Alben. Das musikalische Repertoire von Hurts ist lokalisiert irgendwo zwischen Depeche Mode, Erasure und New Order, aufgepeppt mit flotten Disco-Beats, teils auch mit kitschigem Pathos. Live klingen die Hurts-Tracks allerdings weniger konservenhaft, auch ruhigere Tracks wie „Sandman“ oder „Lights“ reißen das Publikum mit, Sänger Hutchcraft mit seinen zahlreichen „Hello Vienna“-Ansagen sowieso.

 

Im letzten Viertel des Konzerts präsentieren Hurts ihre großen Hits: „Wonderful Life“, „Nothing will be bigger than us“, die Queer-Hymne des St. Christopher Street Days, „The Beautiful Ones“ (bei der die Fans frenetisch mitsingen) und als Final Track das besinnliche „Stay“. Auf „Under Control“ (ihrem Nr. 1-Hit mit den House-Produzenten Alesso und Calvin Harris) musste man leider vergeblich warten. Das läuft aber ohnehin im Ushuaia Ibiza.

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Wie einst in den grungigen 90ern: Selig mit neuem Album „Kashmir Karma“ im Flex!

Es war einmal eine Zeit, hin- und hergerissen zwischen Hedonismus und Depression, als fünf Jungs aus Hamburg die Band Selig gründeten. Das erste Album erschien kurz vor dem Selbstmord des Alternative-Helden Kurt Cobain, trotzdem oder gerade vielleicht deswegen trafen der charismatische Sänger Jan Plewka und seine Band den Puls der Zeit. Mit lasziv-hypnotischen Hymnen wie „Ohne dich“ und „Sie hat geschrien heut Nacht“ und einem Sound irgendwo zwischen Grunge, Doors und US-Garage Rock, Selig nannten ihn selbst „Hippie Metal“. Auch die VIVA-MTV-Generation war von ihren an den Grenze der Zensur watenden Videos begeistert, „Wenn ich wollte“ gewann sogar den Echo 1995. Nach der dritten, eher pop-lastigen CD „Blender“ (1997) war plötzlich Schluss: Tour-Stress, Streitigkeiten, die Chemie passte zwischen den eng aneinander geschweissten Bandmitgliedern nicht mehr. Keiner hätte damals eine deutsche Mark auf eine Reunion von Selig gewettet.

 

2008 geschah allerdings das Wunder, Selig waren wieder da, und das sogar in Originalbesetzung. 9 Jahre später stellten sie im Wiener Kult-Club Flex ihr neues Album „Kashmir Karma“ vor, aufgenommen in einer weit abgelegenen schwedischen Hütte. Sänger Jan Plewka ist auch 24 Jahre nach der Erstgründung noch immer der mitreißende Bühnenstar, egal ob bei Klassikern wie „Ist es wichtig“ oder neuen Stimmungshits wie „Alles ist nix, wenn du nicht da bist!“ Von der Band gar nicht zu sprechen: Bassist Leo Schmidthals, Gitarrist Christian Neander und Drummer Stephan Eggert liefern astreinen Rock-Sound mit zahlreichen Soli, erprobt durch jahrelange Bühnenerfahrung bei Festivals, Stadthallen oder Regionalschuppen. Nicht mehr dabei ist Keyboarder Malte Neumann, der Sound hat sich dadurch vom Electronic-Pop des „Magma“-Albums wieder mehr entwickelt zum originären Selig-Style der 90er. 

 

Psychedelisch angehaucht sind vor allem der Titeltrack des neuen Albums und der Konzert-Opener „Unsterblich“, mit Zeilen wie „Ich fühle mich unsterblich. Zeit ist ein Raum. Die Welt ist ein Traum.“ Die Ballade „Wintertag“ wurde an einem Tag produziert und zählt zu den gefühlvollen Highlights jedes Gigs. Politische Messages stehen nicht im unmittelbaren Mittelpunkt der Selig-Songs. Die liefert Sänger Plewka mit seinen Kurz-Ansagen an das Publikum. Mit heftiger Kritik an die „wenigen da oben“, die mit ihren Entscheidungen nur Ungerechtigkeit und Hass entfachen und einem Appell an die „Mehrheit da unten“, sich dagegen zu stemmen. Trifft zumindest auf das Konzert-Publikum zu, ob auch auf die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung, ist nach den letzten Wahlen eher anzuzweifeln.

 

Ansonsten ist heiße Party-Stimmung angesagt, zu Tracks wie „Nimm mich so wie du bist“, „Lebenselixir“ und „Schau, schau“, und da steht Plewka schon mal ohne T-Shirt da. Mit einem witzigen Seitenhieb auf „unseren“ Marco Michael Wanda: „Hier ist es so heiß. Jetzt ist mir klar, warum der von Wanda immer nackt auf der Bühne herumhüpft.“

 

Nach „Wir werden uns wiedersehn“ verabschieden sich Selig von ihren Wiener Fans. Und kommen kongenial wieder mit drei Zugaben, einem Block ihrer Breakthrough-Hits aus dem ersten Album („Sie hat geschrien“, „Wenn ich wollte“, „Ohne dich“), „Kashmir Karma“ und einem Akustik-Abschied mit „Regenbogenleicht“. Und dem subtilen Wink, positiv in die Zukunft zu schauen. Trotz aller Widrigkeiten.

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Gesetzliche Inflationsanpassung: Gerichtsgebühren in Österreich schon wieder gestiegen!

Wie soll jemand sein Recht durchsetzen, wenn er bereits zuvor durch die hohen Gebühren davon abgeschreckt wird? Österreich ist das einzige Land Europas, in dem die Einnahmen den Aufwand der Gerichte übersteigen. 

 

Laut einer Europaratsstudie von 2014 decken die Gerichtsgebühren das Justizbudget zu 111 (!) Prozent, der EU-Schnitt beträgt nur 23 Prozent. Ein Teil der Gerichtseinnahmen fließt also in die allgemeine Verwaltung.

 

Kritik kommt auch von der Rechtsanwaltskammer im aktuellen Tätigkeitsbericht. Und das sogar aus aktuellem Anlass. Denn erst am 1. August 2017 wurden die Gerichtsgebühren wieder erhöht. Grund ist der § 31a GGG, der vorsieht, dass die Gebühren an den Verbraucherpreisindex angepasst werden müssen, wenn sich dieser um fünf Prozent geändert hat. 

 

Die RAK fordert – neben einer Deckelung der Gerichtsgebühren bei hohen Streitwerten – eine Abschaffung dieses Automatismus. Weitere Gebührenerhöhungen wie bisher sind für den Bürger nicht mehr zumutbar. So kostete 2002 ein Antrag auf einvernehmliche Scheidung nach § 55a Ehegesetz noch 159 Euro, heute bereits 293 Euro. Mehr als verdreifacht haben sich die Gebühren für Privatanklagen. Sie stiegen in den letzten 5 Jahren von 82 auf 269 Euro.

 

Diverse Gebührensenkungen im Rechtsmittel- bzw. in familien- und arbeitsrechtlichen Verfahren sind da nur ein Tröpfchen auf dem heißen Stein. Der neue Justizminister hat die wichtige Aufgabe, die Inflationsanpassung der Gebühren zu beseitigen und eine allgemeine Gebührenreduzierung vorzunehmen. Ansonsten haben finanziell weniger begüterte Bürger von vornherein einen Startnachteil vor dem Gesetz.

"Gibt´s ein Leben vor dem Tod?" - Boris Bukowski mit neuem Album in der Szene Wien!

„Gibt´s ein Leben vor dem Tod?“ – Keine philosophische Vorlesung auf der Universität Wien, sondern das neue 7. Album der Austropop-Legende Boris Bukowski. Beantworten muss der ewig junge 51jährige (plus ein paar Jährchen dazugerechnet) diese Frage nicht. Das zeigt schon sein mitreißender Auftritt in der Szene Wien gemeinsam mit seiner Live Band „Die bunten Hunde“. 

 

Bukowski war in den 70ern zuerst Schlagzeuger, dann Sänger der Band Magic, die zwar nicht den großen kommerziellen Durchbruch schaffte, aber für enorme Aufbruchsstimmung in der steirischen Musikszene sorgte. Daneben widmete sich der Sohn eines Rechtsanwalts auch dem Jus-Studium, das er erfolgreich mit dem Doctor iuris abschloss. Sein erstes Solo-Album veröffentlichte er 1985, das u.a. seinen Kult-Hit „Der Fritze mit der Spritze“ enthielt und ihm gleich eine Pop-Amadeus-Nominierung einbrachte.

 

Bei seinen Live-Gigs haben je zur Hälfte sowohl neue als auch „Songs des alten Jahrtausends“ Platz auf der Set-List. In der Szene Wien startete er mit seiner neuen Single „Money“ und dem Uptempo-Track „Achterbahn. Die Produktion modern und schnittig, man merkt die Einflüsse des Depeche Mode-Drummers Christoph Eigner. Vom ultimativen Klassiker „Kokain“ liefert Bukowski im 1. Teil der Show einen düster-angehauchten Remix. Sozusagen hart und weich zugleich, ein weiterer Hit aus den 80ern. Ein besonderes Highlight jeder Boris-Show ist auch der Danzer-Song „Weiße Pferde“, der in den 90ern auch auf einem Tribute-Album veröffentlicht wurde.

 

„Kunst ist Leben, und Leben ist Kunst. Wir alle sind Künstler, und die Welt gehört uns“ – Ein neuer Song von Bukowski, der an ein Zitat des Künstlers Joseph Beuys angelehnt ist, begeistert das Publikum im 2. Teil der Show. Ebenso wie das urban-kritische „Die Stadt“ und der melancholisch-nachdenkliche Track „Komm und tanz mit mir, bis die Musik aufhört zu spielen“. Es folgt „Trag meine Liebe wie einen Mantel“, der größte Single-Hit von Bukowski Anfang 1990, als Ö3 noch die österreichische Musikszene unterstützte und das seelenlose Formatradio der Jetztzeit – das Bukowski heftig kritisiert – noch einige Jahre entfernt war. 

 

Bukowski stand zu dieser Zeit knapp vor dem Durchbruch in Deutschland, die Promotion-Kampagne inklusive Remix-Best of-Album war fertig, als plötzlich der zuständige Manager der Plattenfirma in eine andere Abteilung versetzt wurde und die Anstrengungen umsonst waren. Dem Vollblutmusiker und positiven Lebensmenschen Boris Bukowski hat dies persönlich zumindest nach außen nicht geschadet. 

 

In der Szene Wien versetzte er die Fans mit dem Titel-Track seines neuen Albums und mit der „Kokain“-Originalversion noch in einen finalen Schlusstaumel, dann signierte er noch stundenlang CD´s und Bücher außerhalb des Bühnenareals. Vielleicht sieht man ihn ja wieder nächstes Jahr beim Wiener Donauinselfest, wie einst in den 80ern!

Buch Wien 2017: Auf den Spuren von Klimt und dem Kaffeehaus!

Die diesjährige Buch Wien kann sich über einen Rekordandrang freuen. Insgesamt 48.500 Besucher frequentierten die Wiener Buchmesse und ihre 451 Einzel-Veranstaltungen, ein Zuwachs von 5.500 zum Vorjahr.

 

Auch der Waldviertler Schriftsteller Thomas Sautner nutzte die Gelegenheit, sein neues Buch „Das Mädchen an der Grenze“ vorzustellen. Selbst in Gmünd geboren spielt auch die mysteriöse Handlung seines Romans in dieser Gegend, im Umfeld eines Zollhauses an der tschechischen Grenze. Wir schreiben 1988, 1 Jahr vor dem Grenzfall. Das Mädchen Malina – der Konnex zu Ingeborg Bachmann scheint nicht unbegründet – nimmt Dinge wahr, die sonst niemand erkennt, und wird deshalb für verrückt gehalten. Ein kluger Schachzug des Autors, persönliche und metaphysische Grenzen mit dem Wegfall der staatlichen und politischen Barrieren zu verbinden. Eine kurze Lesung durch den seit 2006 schreibenden Autor („Fuchserde“) löste bereits Begeistern beim Publikum aus.

 

Am 6. Februar 1918 wird der 100. Todestag von Jugendstil-Ikone Gustav Klimt zelebriert. Grund genug, für den Autor Gregor Auenhammer, sich investigativ durch Wien zu bewegen und das private und berufliche Leben Klimts nachzuzeichnen. In Schulen, geheimen Wohnungen, ehemaligen Bädern (wie dem Kaiserbründl) oder in Ateliers. Entdeckungen gibt es zur Genüge: Klimt war nicht nur ein künstlerischer Avantgardist und Provokateur, sondern auch ein Liebling der Frauen mit insgesamt 6 Kindern. „Auf den Spuren von Gustav Klimt: Spaziergänge durch Wien“, die man auch in der Realität per pedes nachverfolgen kann.

 

Ähnlich wie Sepp Dreissingers Verneigung vor DER Wiener Institution. In seinem umfangreichen Foto-Schmöker „Im Kaffeehaus“ erfährt man, wo Fräulein Sargnagel gerne ein paar Bier kippt (im Cafe Weidinger) oder Andre Heller sich weiterbildete, in seiner Universität, dem legendären Hawelka. Kritik an der Smartphonisierung mancher New Cafes darf vom renommierten Fotografen und Filmemacher Dreissinger nicht ausbleiben. Das Fazit allerdings ist eindeutig: „Bevor das Kaffeehaus ausstirbt, sterben wir aus!“

 

Lebensweisheiten hatte bei der Buch Wien auch ORF-Journalistin Barbara Stöckl anzubieten. „Was wirklich zählt“ heißt ihr neues Buch, das sich mit den positiven Seiten und den kleinen Momenten des Lebens beschäftigt. Ein Schritt zurück in einer ansonsten immer komplexeren Welt. Stöckl bei der Präsentation: „Man soll jeden Tag Resümee ziehen und am Abend kurz darüber nachdenken, „was heute gut war“. Das kann durchaus auch ein Buchkauf sein, an guter Auswahl mangelt es nicht. 

Buch Wien 2017: Sachbücher über Krieg, Flucht und EU als Publikumshits!

„Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene“. Die Basis dafür bieten zahlreiche Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt, die auf der diesjährigen Buch Wien im Messegelände 5 Tage lang präsentiert wurden. 

 

Zum bereits 10. Mal findet 2017 die Wiener Buchmesse statt. 381 Autoren und Autorinnen nützten die Gelegenheit, auf 8 Messebühnen und in 32 verschiedenen Locations ihre Werke vorzustellen. Neben der Unterhaltungsliteratur standen vor dem 100. Jubiläumsjahr der Ausrufung der 1. Republik politische Sachbücher zur Zeitspanne von 1918 bis 1945 im Mittelpunkt.

 

Politikwissenschaftler Anton Pelinka bezeichnet diese Ära in seinem Buchtitel nicht untreffend als „gescheiterte Republik“. ORF-Journalist Gerhard Jelinek bezieht sich in seinem Buch „Es gab nie einen schöneren März“ auf die letzten 30 Tage vor dem Einmarsch Adolf Hitlers und verquickt historische Fakten mit spannenden persönlichen Gesprächen. Fast vergriffen ist bereits die erste Auflage des Kurt Bauer-Buchs „Die dunklen Jahre – Alltag im nationalsozialistischen Österreich 1938-1945“. Auch hier dienen Tagebücher, Briefe und Autobiografien als Grundlage für einen ambivalenten Blick auf das Gefühlsleben der Österreicher nach dem Anschluss, zwischen Hoffnung auf einen Wirtschaftsaufschwung und bitterem Entsetzen über den aufkeimenden Antisemitismus.

 

„Rosen für den Mörder, Hohn für die Opfer“ stand einst auf Plakaten von Wiener Demonstranten, die gegen den skandalösen Freispruch des SS-Schlächters Franz Murer 1963 protestierten. Der erste Satzteil ist gleichzeitig der Titel der Täter-Biografie von Johannes Sachslehner, der zugrundeliegende Real-Plot löste bereits bei der Präsentation auf der ORF-Bühne Beklemmen bei den Zuhörern aus.

 

Erschreckend auch, dass es im 21. Jahrhundert noch immer Menschen gibt, die in der Nazi-Ideologie verhangen sind. Heidi Benneckenstein erzählt in ihrem Buch „Ein deutsches Mädchen“ von solchen Menschen, von ihrer eigenen Familie, die sie in Hitler-Jugend ähnlichen Lagern aufgezogen hat. Mitten in Deutschland. Im Interview erzählt die heutige Erzieherin auf der Buchmesse, mit welchen Tricks sie und ihr Freund den Ausstieg aus der rechten Szene geschafft haben.

 

Das schafft Hoffnung für die Zukunft. Ebenso wie Bücher, die sich mit dem Thema Flucht beschäftigen. „Jeder kann zum Flüchtling werden. Heute sind es die Syrer und Afghanen, früher waren es die jüdischen Schriftsteller, Journalisten und Wissenschaftler“, so der Profil-Journalist Herbert Lackner. In seinem Buch „Die Flucht der Dichter und Denker“ beschreibt er die abenteuerlichen Fluchtwege bekannter Österreicher wie Karl Farkas, Stefan Zweig oder Hannah Arendt, die teils auf geheimen Pfaden über die Pyrenäen flüchteten und mit amerikanischer Hilfe das letzte Schiff Richtung Freiheit erreichten.

 

Noch weiter zurück geht der bekannte deutsche Historiker Philipp Ther in seinem Buch „Die Außenseiter“, das die Flüchtlingsszenarien der letzten Jahrhunderte in Europa penibel aufarbeitet. Im Interview mit Günther Kaindlsdorfer liefert er auch einen Lösungsvorschlag für die heutige Politik: Die Botschaft „Integriert euch“ an die Migranten ist zu wenig, man müsse als moderne Gesellschaft auch authentische Ansprechpartner für die Flüchtlinge bereitstellen, die sich um deren Angelegenheiten an oberster Stelle kümmern. Ausgestattet mit entsprechenden Kompetenzen und nicht nur als „Alibi-Funktionär“ ohne Durchsetzungskraft.

 

Klare Worte spricht auch die ehemalige Außenministerin und EU-Kommissarin Benito Ferrero-Waldner in einer spannenden Podiumsdiskussion anhand ihres neuen Buches  „Zukunft Europas – Wen begeistert Europa heute noch?“ Sie fordert nicht nur eine Aufteilung der Asylwerber nach objektiven Kriterien auf alle EU-Mitgliedstaaten, sondern auch eine Solidarunion und eine verstärkte Zusammenarbeit in Sicherheits- und Verteidigungsfragen. Also eine EU, die sich weiter in Richtung Solidargemeinschaft gegen nationalistische Strömungen wendet. Ob sich die nächste Bundesregierung dies zu Herzen nimmt?

Winter im MQ: Hip Hop-Beats von SK Invitational bei der Opening-Party.

"Kunstgenuss und Lebensfreude", das sind Attribute, für die das Museumsquartier in Wien steht. So der MQ-Direktor Christian Strasser bei der Eröffnung der neuen "Winterlandschaft" im Hof-Areal. 

 

Die Eispavillons wurden nach 7 Jahren durch sogenannte "MQbis" ersetzt, die vom innovativen Architektenteam Verdandi konzipiert wurden. Erleuchtet werden die sieben Häuschen durch LED-Würfel an der Decke. Barkeeper servieren dort nicht nur Glühwein, Punsch oder Bio-Bier, sondern auch zahlreiche Food-Spezialitäten.

 

Beim MQ-Opening begrüßte der FM4-Moderator Stuart Freeman den Komponisten Stephan Kondert auf der Showbühne.  Der gebürtige Salzburger lebt seit einigen Jahren in New York und sorgte danach mit seiner 16köpfigen Band SK Invitational und diversen Gastrappern für groovige Hip-Hop-R&B-Beats.

 

Neben DJ Sounds sind auch weitere Live-Acts im Museums-Winterquartier geplant. So zum Beispiel am 6. Dezember, wenn in Kooperation mit der Universität für Musik und darstellende Kunst zum ersten Mal klassische Musik auf dem Programm steht.

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Fremdenrechtsänderungsgesetz: Novellen-Chaos statt Neukodifikation!

Und täglich grüßt das Murmeltier. Sollte es sich um einen Fremden handeln, dann vermutlich noch öfter. Am 1. November ist eine weitere Fremdenrechts-Novelle in Kraft getreten: Das sogenannte Fremdenrechtsänderungsgesetz, bestehend aus 25 (!) Bundesgesetzblatt-Seiten, das nach einer parlamentsinternen Panne zweimal im Nationalrat beschlossen werden musste. Der Kern des Pakets: Rigide Ortsbeschränkungen für Asylwerber und neue Verwaltungsstrafbestimmungen mit enorm hohen Strafen, die vermutlich die österreichische Seele vor der Nationalatswahl beruhigen sollten.

 

Asylwerber dürfen ab sofort ihren Wohnsitz nicht mehr außerhalb des Bundeslandes begründen, das ihnen Grundversorgung gewährt. Außerdem kann einem Asylwerber nach Zulassung zum Verfahren aus öffentlichen Interessen aufgetragen werden, in einem bestimmten Quartier durchgängig Unterkunft zu nehmen. Als Kriterium gilt u.a. die Mitwirkungsverpflichtung des Asylwerbers am Verfahren. Nicht die einzige „Kann“-Bestimmung, die den Ermessensspielraum der zuständigen Behörden vor neue Herausforderungen stellen wird.

 

Ein Verfahren zur Aberkennung von Asyl soll künftig nicht erst bei einer rechtskräftigen Verurteilung, sondern bereits bei Anklageerhebung eingeleitet werden. Für den Abschluss des Aberkennungsverfahrens muss aber weiterhin die Rechtskraft im Strafverfahren abgewartet werden. Der Unschuldsvermutung sei Dank.

 

Ein zur Ausreise verpflichteter Fremder, der über kein Reisedokument verfügt, soll jetzt selbst (!) die notwendigen Pässe und Zertifikate bei den ausländischen Behörden einholen und seine Anstrengungen dem Bundesamt für Fremdenwesen gegenüber nachweisen. Das wird spannend, scheitert doch der Staat zumeist selbst an der Beschaffung der notwendigen Dokumente. 

 

Fremde, gegen die eine Rückkehrentscheidung rechtskräftig erlassen wurde, können auch in eigenen Betreuungseinrichtungen des Bundes untergebracht werden. Derzeit sind mindestens drei österreichweit geplant, in Fieberbrunn (Bezirk Kitzbühel), Krumfelden (Kärnten) und Steinhaus am Semmering (Steiermark).

 

Den intellektuellen Höhepunkt der Novelle bieten aber die neuen Verwaltungsstrafbestimmungen für Fremde, die nicht rechtzeitig ausgereist bzw. trotz Verbot unrechtmäßig eingereist sind. Hier drohen Geldstrafen in der Höhe von 5000 bis 15000 Euro. Wer diese im Gepäck hat, reist vermutlich auf eine spanische oder griechische Urlaubsinsel. In der Praxis heißt dies allerdings, dass Ersatzfreiheitsstrafen verhängt werden müssen.

 

Für die neue Bundesregierung zählt das Fremdenrecht – nicht nur aufgrund der übersteigerten Erwartungen der Bevölkerung – zu den wichtigsten und auch brisantesten Materien ihrer zukünftigen politischen Arbeit. Die nationale Grenzsicherung ist sicherzustellen, Asylverfahren sind zu beschleunigen, und natürlich müssen endlich auch Rückführungsabkommen mit jenen Staaten abgeschlossen werden, aus denen der Großteil der Flüchtlinge stammt. 

 

Unabdingbar ist auch eine Neukodifikation des Fremdenrechts. Die derzeitigen Vorschriften (mit ihren zahllosen Novellen und Übergangsbestimmungen) durchschauen nicht einmal gewiefte Experten, geschweige denn Hilfesuchende. Dass deren verfassungsmäßigen Grund- und Freiheitsrechte eingehalten werden müssen, steht außer Zweifel.

Virtual Reality: 12.000 Fans beim ersten Auftritt der Gorillaz in Österreich!

Es war eine revolutionäre Idee, die in London noch im alten Jahrtausend entstand: Die Gründung einer virtuellen Band, bestehend aus 4 extravaganten Cartoon-Figuren. Die Protagonisten: Ex-Blur-Sänger Damon Albarn und der Comic-Zeichner Jamie Hewlett, bekannt durch seine "Tank Girl"-Karikaturen. Es entstanden die Gorillaz: 2-D mit blauem Haarschopf, Bassist Murdoc, Hip Hopper und Percussionist Russell und die 10jährige japanische Gitarristin Osaka. Das erste Album wurde ein Riesen-Hit mit über 7 Millionen Verkäufen, die chillige Cross-Over-Single „Clint Eastwood“ zum Klassiker.

 

16 Jahre später beehrten die Gorillaz zum ersten Mal Österreich, im Rahmen ihrer weltweiten „Humanz“-Tour. 12.000 Fans warteteten sehnsüchtig auf den lang erwarteten Auftritt und wurden nicht enttäuscht. Was verblüfft: Spielte die analoge Band bei ihren ersten Konzerten noch verdeckt hinter einer Leinwand und standen dementsprechend die skurrilen Figuren im Mittelpunkt, so ist dies bei der aktuellen Tour umgekehrt. Im Background erscheinen zwar auf den Screens zahllose Visuals und die kultigen Clips der Cartoon-Stars (inkl. Bruce Willis in „Stylo“), das Konzert pulsiert aber durch die ausgezeichnete Band, Frontman Damon Albarn und die wechselnden Gast-Sänger. 

 

So erleben die kultigen Alt-Stars von De La Soul („Me Myself I“) bei den Gorillaz einen zweiten Frühling – mit Hip Hop Rhymes zum Mega-Party-Hit „Feel Good Inc“ und „Superfast Jellyfish“. Vor dem großen Karriere-Durchbruch dürfte die vielseitige Londoner Rapperin Little Simz stehen, die bereits das Vorprogramm bestritt. „Garage Palace“, ihr brandneues „Duett“ mit den Gorillaz, läutete endgültig den globalen Dance-Groove in der Stadthalle ein. „We got the Power“ vor dem Zugabenteil detto. 

 

Und Simbiatu Ajikawo, so ihr ursprünglicher Name, ist vielleicht das wichtigste politische Zeichen der World Tour. Die Tochter nigeranischer Einwanderer wuchs arm in einem Flüchtlingsheim in Nord-London auf und zeigt heute authentisch, was Migranten trotz widrigster Umstände mit Fleiß, Kreativität und Durchsetzungswillen erreichen können. 

 

Die Gorillaz-Show selbst verzichtet großteils auf Polit-Agitation und ist wie das aktuelle Album auf Party ausgerichtet, für Albarn kein Widerspruch. In einer Welt, in der ein Trump Präsident werden kann, „ist das Wort Party eine Metapher für Energie – und die brauchen wir!“

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Privatkonkurs-Novelle in Kraft: Mindestquote im Abschöpfungsverfahren gestrichen!

Mit 1. November tritt eine Reform des Privatkonkurses in Kraft, der vor allem Schuldnern mit niedrigem Einkommen und Menschen mit hohen Schulden (wie gescheiterten Selbständigen) Erleichterungen bringt.

 

Grundlage ist das sogenannte Insolvenzrechtsänderungsgesetz, das Ende Juni 2017 mit breiter Mehrheit im Nationalrat beschlossen wurde. Die Änderungen betreffen vor allem das Abschöpfungsverfahren, das dann eingeleitet wird, wenn der Zahlungsplan scheitert. Beim Zahlungsplan selbst gibt es keine Änderungen: Dieser wird weiterhin mit Mehrheit der Gläubiger beschlossen. Der Schuldner selbst muss den Gläubigern so viel an monatlicher Rückzahlung anbieten, wie in den nächsten fünf Jahren vom Einkommen pfändbar sein wird. Eine Untergrenze besteht nicht.

 

Beim Abschöpfungsverfahren als letzter Stufe des Privatkonkurses wurde bis dato eine Mindestquote von 10 %  der Schulden fixiert. Diese wird mit 1. November komplett gestrichen. Außerdem wird die Abschöpfungsfrist, innerhalb derer der Schuldner bis aufs Existenzminimum (889 Euro) gepfändet wird, von 7 auf 5 Jahre verkürzt. Danach erfolgt bei Vorliegen aller Voraussetzungen die Restschuldbefreiung.

 

Ein sofortiger Einstieg in das Abschöpfungsverfahren - ohne Angebot zum Zahlungsplan - ist dann möglich, wenn das Einkommen unter oder nur geringfügig über dem Existenzminimum liegt. Hat jemand kein pfändbares Einkommen, dann muss sich der Schuldner um eine angemessene Erwerbstätigkeit bemühen und dies auch dem Gericht nachweisen.

 

Über die Auswirkungen der Novelle sind sich die Experten und Interessengruppen uneinig. Gläubigerschutzverbände befürchten, dass die Privatkonkurse stark steigen werden und die Gläubiger um ihre Forderungen umfallen werden. Anders die Schuldnerberatungen, die dadurch wieder Hoffnung für ansonsten aussichtslose Fälle sehen. Verwiesen wird dabei auch auf die  europäischen Tendenzen: Eine Mindestquote ist nur mehr in Tschechien vorgesehen, auch die Entschuldungsdauer liegt international meistens zwischen 3 und 5 Jahren.

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BGBLA_2017_I_122 - Insolvenzrechtsänderu
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"Herminengasse" - Ein Holocaust-Mahnmal in der U-Bahnstation Schottenring!

Auf den ersten Blick denkt man an eine innovative Bleistiftzeichnung eines Jung-Künstlers oder an extravagante Brainstorming-Ideen eines Architekten. Tatsächlich steckt hinter dem Projekt im untersten Stockwerk der U-Bahn-Station Schottenring, am linken Donaukanal, eines der düstersten und grauenvollsten Vorfälle der nationalsozialistischen Kriegsherrschaft.

 

In den Jahren 1938 bis 1945 wurden nachweislich 800 Juden und Jüdinnen, die in der Herminengasse lebten, von den Nazis deportiert. Jener Durchgang, in dem die künstlerische Installation eingerichtet wurde, führt genau in diese Gasse des 2. Wiener Gemeindebezirks Leopoldstadt, in dem fast 60.000 uden lebten. Die Idee stammt von der deutschen Künstlerin und Sängerin Michaela Melian, die sich bereits bei ihren Werken "Memory Loops" und "Föhrenwald" mit dem Nationalsozialismus beschäftigte. Die traurigen Fakten wurden von der Historikerin Tina Walzer recherchiert.

 

Die 21 Häuser der Herminengasse, die teils in jüdischem Besitz waren und enteignet wurden, teils auch als Sammelquartiere verwendet wurden, werden von Melian als diagrammatische Informationsbalken dargestellt. 1322 jüdische Menschen lebten damals in diesen Häusern, 800 davon wurden in Konzentrationslagern ermordet. Das grausame Schicksal dieser Menschen wird veranschaulicht durch Linien zwischen den Balken und den am Rand namentlich angeführten Vernichtungslagern. 

 

"Immer wieder packt mich dasselbe Grauen, wenn ich durch eine Unterführung gehe", so der Stadtentwicklungskritiker Siegfried Kracauer im Berlin der 60er. Grauen zu erwecken ist allerdings zuwenig. Die Intention liegt darin, dass solche Vorfälle nie mehr passieren dürfen. Und das soll jeder, der diese Passage durchschreitet, beherzigen und sich vehement aktiv gegen minderheitenfeindliche Initiativen einsetzen. Auch wenn er gerade das Bierchen für das Donaukanaltreiben öffnet, die Studienunterlagen durchblättert oder seinen neuen Lieblingssong auf dem Handy hört.

Weltmuseum-Neueröffnung: Andre Heller konzipiert World Music Show auf dem Heldenplatz!

"Fremd ist der Fremde nur in der Fremde" - Ein Spruch von Karl Valentin, der auch heute noch seine Gültigkeit hat. Abgebaut werden kann das Gefühl der Fremde dadurch, dass man sich auf neue Situationen, Eindrücke und Kulturen einlässt und diese in sein persönliches Leitbild integriert. Ähnliche Gedanken dürften auch Andre Heller zur Eröffnung für das Weltmuseum am Heldenplatz inspiriert haben.

 

In einer zweistündigen Show gaben sich die verschiedensten Kulturen und Völker ein Stelldichein: Australischer Didgeridoo-Sound von Koomurri, indische Hip Hopper, mexikanische Feuertänze, afrikanische Drums, das Puppet Theatre Academy of Bratislava mit überlebensgrößen Vögel-Apparaturen oder das mongolische Trio Violons Barbares mit seltenen Instrumenten wie der 14saitigen Gadulka. Zwischen den Auftritten wurde es poetisch, emotional vorgetragen von Adele Neuhauser. Die Moderation übernahm Christoph Wagner-Trenkwitz, der nicht nur den Kurator Andre Heller, sondern auch Bundespräsident Alexander van der Bellen auf die Bühne holte. Das Finale läutete das geniale österreichische Bläserensemble Federspiel ein, bei dem noch einmal alle Künstler für ein Abschluss-Furioso sorgten.

 

Danach wurde das 3900 m2 große Weltmuseum, das innerhalb der letzten 3 Jahre aus dem Völkerkundemuseum konvertierte, zum ersten Mal für die Öffentlichkeit freigegeben. Ca. 3000 internationale Objekte in 14 Sälen warten dort auf die Besucher, darunter eine einzigartige James Cook-Sammlung oder viele Mitbringsel von den Reisen Franz Ferdinands. Als Kult-Objekt gilt die 500 Jahre alte Federkopfkrone, bei der sich die eingeladenen mexikanischen Apachen zu einem wahren Freudentanz hinreißen ließen :-)

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Auf dem Sprungbrett nach Europa: Leyya im ausverkauften Wiener WUK!

Draußen werden die Temperaturen kälter, aber "hier ist der Sommer eingekehrt". So die grandiose Leadsängerin von Leyya, Sophie Lindinger, die sich über ein ausverkauftes Wiener WUK freute. Vorwiegend frequentiert von urbanen Musikfans zwischen 20 und 30.

 

Die Karriere von Leyya, ursprünglich bestehend aus Lindinger und dem in mehreren Formationen agierenden Marco Kleebauer, begann 2013 im oberösterreichischen Eferding. Der Bandname stammt aus dem Inuktitut und bedeutet dort "Vermarktungsstrategie". Und die ist - abgesehen von den internationalen Vibes - wirklich nicht schlecht. Popfest-Auftritte vorerst auf dem Second Floor, dann als Headliner, dazu Amadeus-Award Nominierungen. Bis es 2017 mit dem FM4-Award klappte.

 

Tatsächlich ist die Karriere von Leyya allerdings auf das Ausland ausgerichtet. Der Sound: Elektronisch-düster-sexy im Stil von Florence&The Machine und Portishead. Die Auftritte mit verstärkter Band rockiger und grooviger als die Studio-Tapes. Nach der EP "Drowning in Youth" und dem ersten Album "Spanish Disco" erscheint in den nächsten Monaten ihr zweites Album, einige Stücke (wie die neue Single "Oh Wow") wurden auch im WUK bei großem Applaus präsentiert. Neben Leyyas Synthi-Pop-Klassiker "Superego", dem fragilen "Zoo" oder Sophies Favourite "Worthy". Als Zugabe die auch cliptechnisch bekannten Tracks "Wolves" und "Butter".

 

Und während sich die begeisterten Fans noch im WUK-Außenbereich einen Drink in der lauen Herbstnacht gönnten, rüstete sich die festivalerprobte Band für ihre Club-Tournee in Deutschland, darunter auch ein Gig in der Berliner Berghain-Kantine. Die Zeichen stehen gut für Leyya.

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Parlaments-Bilanz 2013-2017: 469 Gesetzesbeschlüsse, davon 28 % einstimmig!

Die Nationalratswahl ist geschlagen. Die nächste Nationalratssitzung am 9. November ist bereits die konstituierende, bei der die neuen Abgeordneten angelobt und die drei Nationalratspräsidenten gewählt werden. Es kann daher Bilanz über die abgelaufene Gesetzgebungsperiode gezogen werden.

 

In der vorzeitig zu Ende gegangenen Legislaturperiode wurden seit dem Herbst 2013 469 Gesetze beschlossen. 328 beruhten auf Regierungsvorlagen, 114 gingen auf Gesetzesinitiativen der Parlamentsfraktionen zurück, 21 auf Gesetzesanträge aus den Ausschüssen. 28 % der Gesetzesbeschlüsse fielen einstimmig, ein Rückgang von 9 % gegenüber der vorhergehenden Gesetzgebungsperiode.

 

Zwischen Oktober 2013 und 2017 wurden 199 Sitzungen durchgeführt, die 1129 Stunden und 30 Minuten dauerten. Inkludiert sind 23 Sondersitzungen. Das Stenographische Protokoll wies 21.701 Seiten auf. 

 

Zusätzlich zu den Plenarsitzungen fanden in der 25. Legislaturperiode 827 Ausschuss-Sitzungen statt. Auch das Kontrollrecht der Abgeordneten wurde intensiv in Anspruch genommen. 14.189 schriftliche Anfragen wurden an die Bundesregierung gerichtet. Zwei Untersuchungsausschüsse (die erstmals per Minderheitsrecht eingesetzt wurden) beschäftigten sich mit der Kärntner Hypo Alpe-Adria und dem Eurofighter. Bei zwei parlamentarischen Enquete-Kommissionen (zur Würde am Ende des Lebens und zur Stärkung der Demokratie) waren erstmals Bürger redeberechtigt.

 

Zu den wichtigsten Gesetzesbeschlüssen der abgelaufenen Periode zählten die Steuerreform mit einem Entlastungsvolumen von 5 Milliarden Euro, die Festlegung des absoluten Rauchverbots (ab Mai 2018), das Durchgriffsrecht des Bundes gegenüber Ländern und Gemeinden zur Unterbringung von schutzbedürftigen Asylwerbern, das (verfassungsrechtlich bedenkliche) Staatsschutzgesetz und das neue Kinderbetreuungsgeld-Konto.

 

In den letzten Monaten wurden - zumindest fragmentarisch - eine Bildungsreform, ein Integrationspaket (inklusive dem fragwürdigen Verhüllungsverbot), eine Verschärfung des Fremdenrechts und eine Abschaffung des Pflegeregresses beschlossen. Abseits der rot-schwarzen Regierungskoalition einigten sich SPÖ, FPÖ und die Grünen auf eine Rechtsangleichung von Arbeitern und Angestellten, die Abschaffung der Mietvertragsgebühr und die Streichung der Anrechnung des Partnereinkommens bei der Notstandshilfe.

 

Letztere Beschlüsse stellen allerdings nur Tröpfchen auf dem heißen Stein dar. Einheitliche Mindestsicherung, finanzielle Entlastung für Kleinverdiener und KMU´s, Sicherstellung der Pensionen, gerechtere Vermögensverteilung, Schutz von Arbeitnehmern und prekär Beschäftigten vor Ausbeutung, eine Qualitätsoffensive im Kindergarten-, Schul- und Hochschulwesen mit dementsprechender finanzieller Dotierung, progressivere Integration in der Stadt und am Land und eine Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts abseits von Nationalitäten und Religionen. Auf Bundesregierung und Nationalrat warten schwierige Herausforderungen.

NR-Wahl 2017: Vorzugsstimmen ohne Wirkung. Parteilisten entscheiden.

Nach der Mandatsverteilung auf die im Nationalrat vertretenen Parteien erfolgt die Zuteilung der Mandate auf die wahlwerbenden Personen. De facto entscheiden die Parteien bzw. deren Gremien intern durch Parteilisten, welche Personen künftig im Nationalrat sitzen werden. Echte Demokratie bleibt dabei meist auf der Strecke.

 

Denn das derzeit geltende Vorzugsstimmensystem der NRWO bietet kaum Chancen für engagierte Abgeordnete in spe. Bei der letzten Nationalratswahl 2013 wurde KEINE EINZIGE Person aufgrund der Rechtsordnung vorgereiht, es wird dieses Jahr nicht anders sein.

 

Im Regionalwahlkreis wird eine Person nur dann vorgereiht, wenn sie mindestens 14 % der auf ihre Partei entfallenden gültigen Stimmen erhält. In den Landeswahlkreisen beträgt der Prozentsatz 10 %, im Bundesgebiet 7 %. Hürden, die nicht einmal bei überregionaler Bekanntheit, nach wochenlangem Einsatz bzw. teuren Marketing-Kampagnen zu schaffen sind.

 

Abgesehen davon verstehen auch die Wähler das Vorzugsstimmensystem falsch. 2013 wurden zwischen 28 % (ÖVP) und 74 % (FPÖ) der Bundeslisten-Vorzugsstimmen an die Listenersten vergeben. Über 50 Prozent der Vorzugsstimmen gingen - außer bei der SPÖ - ohnehin an Personen, die einen fixen Listenplatz hatten.

 

Einige Parteien versuchen immer wieder den Trick, mittels eines internen Vorzugsstimmensystems Personen zu motivieren, für die Partei "zu rennen" und ihre eigenen Stimmen zu maximieren. Dabei werden die wahlwerbenden Personen zu sogenannten "Blankoverzichtserklärungen" genötigt, im Falle geringerer VZ-Stimmen auf ihr Mandat zu verzichten. Rechtlich ist dieser Verzicht ein Verstoß gegen das verfassungsrechtlich normierte freie Mandat und laut VfGH absolut nichtig.

 

Eine Personalisierung der Wahl - und zwar auf allen Ebenen (Bund, Land, Gemeinde) - ist daher nur dann möglich, wenn diese gesetzlich festgelegt wird. Man könnte die prozentuellen Hürden herabsetzen oder – nach Abschaffung der Landeswahlkreise - in noch kleineren Regionalwahlkreisen mehr Mandate vergeben.

 

Auf Gemeindeebene sollte man die Parteilisten komplett abschaffen: Fix sollten nur die Spitzenkandidaten sein, der Rest des Gemeinderats sollte sich rein nach der Anzahl der Vorzugsstimmen bestimmen.

Nationalratswahl 2017: Mandatsverteilung erfolgt auf drei Ebenen.

183 Mandate werden bei der Nationalratswahl vergeben. Dazu wird das Bundesgebiet in 9 Landeswahlkreise unterteilt.

 

Die Anzahl der Mandate eines Landeswahlkreises basiert auf der letzten Volkszählung (2013), die alle Staatsbürger und Auslandsösterreicher umfasst, die am Stichtag in der Wählerevidenz eingetragen sind. Die derzeitige Verteilung: Niederösterreich (37), Wien (33), Oberösterreich (32), Steiermark (27), Tirol (15), Kärnten (13), Salzburg (11), Vorarlberg (8), Burgenland (7). 

 

Die Landeswahlkreise werden in insgesamt 39 Regionalwahlkreise unterteilt, denen nach demselben Verfahren (Hare´sches System) eine bestimmte Anzahl von Mandaten zugeordnet werden. Auf dieser Ebene beginnt nach Wahlschluss auch das 1. Ermittlungsverfahren. Die Gesamtsumme der im Landeswahlkreis abgegebenen gültigen Stimmen wird durch die zu vergebenden Mandate geteilt und so die Wahlzahl ermittelt. Jede Partei erhält im Regionalwahlkreis dabei so viele Mandate wie die Wahlzahl in ihrer Parteisumme enthalten ist ("Direktmandate").

 

Am 2. und 3. Ermittlungsverfahren dürfen nur Parteien teilnehmen, die in einem Regionalwahlkreis ein Direktmandat erreicht oder im gesamten Bundesgebiet mindestens 4 % der abgegebenen gültigen Stimmen erzielt haben. Jede Partei erhält auf Landesebene so viele Mandate wie die Wahlzahl in ihrer Parteisumme im Landeswahlkreis enthalten ist.

 

Im 3. Ermittlungsverfahren erfolgt der sogenannte "bundesweite Proportionalausgleich". Nach der Ermittlung einer neuen Wahlzahl mittels des d´Hondtschen Modells werden die "Restmandate" auf die Kandidaten der Bundesliste verteilt.

 

 

Bei der letzten Nationalratswahl 2013 kamen 75 Abgeordnete über die Regionalwahlkreise in den Nationalrat, 69 über die Landes- und 39 über die Bundesliste.

 

 

Election Day 2017: Zur Wahl steht der Nationalrat, nicht der Bundeskanzler!

Es gibt aktuell einen Spitzenkandidaten, die - absichtlich oder unwissend - behauptet, ein Kanzler werde gewählt. Tatsächlich wird am 15. Oktober der Nationalrat gewählt, der aus 183 Abgeordneten besteht und der - gemeinsam mit dem (mehr als reformbedürftigen) Bundesrat - die Gesetzgebung des Bundes ausübt. Im Nationalrat sitzen derzeit 6 Fraktionen (SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne, Team Stronach, Neos) bzw. nach etlichen internen Querelen zahlreiche "wilde"Abgeordnete.

 

Wahlberechtigt sind alle österreichischen Staatsbürger, die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben und vom Wahlrecht nicht ausgeschlossen sind. Eine Person kann gemäß § 22 NRWO aufgrund einer gerichtlichen Verurteilung vom Wahlrecht ausgeschlossen werden, das Gericht entscheidet dabei nach den Umständen des Einzelfalls.

 

Das passive Wahlrecht setzt neben der österreichischen Staatsbürgerschaft die Vollendung des 18. Lebensjahres voraus. Zur Nationalratswahl (befristet) nicht antreten darf jemand, der wegen einer oder mehrerer mit Vorsatz begangener strafbarer Handlungen zu einer mehr als einjährigen Freiheitsstrafe rechtskräftig verurteilt worden ist.

 

Die Legislaturperiode wurde im Jahr 2007 von 4 auf 5 Jahre verlängert. Mit der damals fadenscheinigen Ausrede, man könne sich dann mehr auf Reformen konzentrieren. Tatsächlich dauert auch die aktuelle Legislaturperiode nur etwas mehr als 4 Jahre, da nach einer monatelangen Blockadepolitik seitens der ÖVP in der Bundesregierung, verbunden mit der strategisch geplanten Ablöse Mitterlehners durch Kurz, am 13. Juli ein gemeinsamer Neuwahlbeschluss getroffen wurde. 

 

Die Angelobung des neuen Nationalrats soll am 9. November im Rahmen einer konstituierenden Sitzung stattfinden.

Wien: Nationalrat lockert Verkaufsverbot von Tieren!

Kurz vor Ende der Legislaturperiode hat der Nationalrat noch die Möglichkeit genützt, das Tierschutzgesetz zu "reparieren" und das dort im § 8a/2 geregelte Verkaufsverbot von Tieren zu lockern.

 

Grund waren zahlreiche Beschwerden von kleinen Vereinen und Privatpersonen, denen es verwehrt war, Tiere im Internet zu verkaufen. Viele Hunde und Katzen wurden dementsprechend ausgesetzt oder landeten in überfüllten Heimen. 

 

Die Grundintention der Novelle ist allerdings dieselbe. Ziel sei es, den Welpenhandel im Internet zu verhindern. Daher unterliegt der künftige Verkauf von Tieren bestimmten Bedingungen. Es muss sich um einzelne, individuell bestimmte Tiere mit einem Alter von mehr als 6 Monaten handeln, die nicht bei ihrem bisherigen Halter bleiben können oder dürfen. Als Anwendungsfälle gelten hier beispielsweise Erkrankung oder Tod.

 

Bei Hunden ist außerdem nachzuweisen, dass diese seit mindestens 16 Wochen in einer Heimtierdatenbank gemeldet sind. Verkauft werden dürfen die Tiere durch den Halter selbst bzw. durch die mit den Pflichten eines Halters betrauten Personen und Vereinen.

 

Überarbeitet wird laut Gesundheitsministerin Rendi-Wagner auch die Tierschutz-Sonderverordnung, die für kleine Vereine wesentliche Erleichterungen bringen soll.

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Wien-Simmering: Schlagerstar Vanessa Mai eröffnet neues EKZ Huma 11!

Einige Schlagerstars (wie Bernhard Brink oder Marc Pircher) spielen derzeit auf der Wiener Wiesn, einer der Prominentesten dagegen bei der Eröffnung eines riesigen Einkaufszentrums am Stadtrand von Wien: Vanessa Mai.

 

Kürzlich Nr. 1 in den deutschen Charts mit ihrem Album "Regenbogen" präsentierte sie im Simmeringer Huma Eleven ihre drei Top Hits "Wolke 7", "Ich sterb für dich" und "Nie wieder". Im sexy Outfit mit schwarzer Lederhose. Insofern dürften nicht - wie sie meinte - die Kids die Väter mitgeschleppt haben, sondern eher umgekehrt. Danach gab es noch Selfies und Autogramme für die zahlreich erschienenen Besucher.

 

Das im Jahr 2014 errichtete EKZ Huma 11 wurde von 30.000 auf 50.000 Quadratmeter erweitert und beherbergt neben Gastronomie und Interspar zahlreiche Markenbetriebe wie Media Markt, H&M oder Humanic. Unter den Neumietern ist der 6000 Quadratmeter große Modepark Röther. Zur leichteren Erreichbarkeit wurde auch ein Gratis-Shuttle-Bus zwischen Schwechat und Simmering installiert. Man darf gespannt sein, ob sich die Investitionen rentieren werden.

Integration auf Österreichisch: Gesichtsverhüllungsverbote für Touristen und Künstler!

"Wahlkampf ist die Zeit fokussierter Unintelligenz!" - Ein Zitat des noch regierenden Wiener Bürgermeisters Häupl, das auch auf einige Gesetzesbeschlüsse vor Wahlen zutrifft. So wie das "Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz", das am 1. Oktober in Kraft tritt.

 

Anstatt einerseits Integration auf gesellschaftlicher, schulischer und kultureller Ebene zu forcieren, andererseits sicherheitspolitisch für Grenzschutz, schnelle Asylverfahren und effektive Rückführungen zu sorgen, versucht "Integrationsminister" Kurz - verwunderlicherweise mit Hilfe der SPÖ - beim naiv-xenophoben Wahlvolk mit einem "Burka - und Niqab"-Verbot zu punkten, das aufgrund verfassungsrechtlicher Grenzen so nicht formuliert werden darf.

 

Schlechtes Vorbild ist Frankreich, wo es bereits zu skandalösen polizeilichen Vorfällen an diversen Badestränden kam. In Österreich ist ab Oktober jeder strafbar, der an öffentlichen Orten oder in öffentlichen Gebäuden seine Gesichtszüge durch Kleidung oder andere Gegenstände in einer Weise verhüllt oder verbirgt, dass sie nicht mehr erkennbar sind. Inkludiert sind öffentliche Straßen, Amtsgebäude, Schulen, Einkaufszentren, Bäder, Fitnesscenter, was auch immer.

 

Denn tatsächlich wird dieses Gesetz (inklusive Erlass des Innenministeriums) weniger zur Integration einiger weniger Burka-Trägerinnen beitragen als zu skurrilen Beiträgen in Comedy-Shows. So müssen Japaner, die in ihrem Heimatland Atemschutzmasken tragen, diese in Österreich ablegen, ausgenommen sie haben ein medizinisches Attest dabei. Auch Clowns müssen sich vor einer Festnahme fürchten, wenn sie nicht gerade auf dem Weg zu einer Show sind. Künstler ohne Nachweis ihrer Performance detto. Und Schals dürfen nur dann das Gesicht verhüllen, wenn es frostig ist. Rapid-Fans aufpassen!

 

Rechtlich und faktisch umstritten ist auch der Vollzug des Gesetzes. Verhüllt sich eine Person gesetzeswidrig, dann hat sie eine Verwaltungsstrafe bis zu 150 Euro zu zahlen. Dann hat sie die Gesichtsverschleierung direkt vor Ort abzunehmen. Macht sie das nicht, dann wird sie - zwecks Identitätsfeststellung - zur nächsten Polizeistation befördert. Wo dann auch eine Zwangsabnahme des Gesichtsschleiers vorgenommen werden darf. Der rechtliche Ermessensspielraum ist auch Teilen der Polizei nicht geheuer.

 

 

Bei einem Verstoß gegen die Gesichtsverschleierung handelt es sich übrigens um ein Verwaltungsstrafdelikt. Es besteht daher kein Anhalterecht Privater. Ob das "einschlägig orientierte" Bürger wissen, darf bezweifelt werden.

Innenministerium: Über 10.000 tatverdächtige Asylwerber im 1. Halbjahr 2017!

Mit Stichtag 1. Juli befanden sich insgesamt 71.253 Fremde in Österreich in Grundversorgung, davon 52.224 Asylwerber. Eine - trotz reduzierter Migrationsbewegungen - noch immer beträchtliche Zahl, die aber durchaus ihre Berechtigung hat, wenn man den Rechtsstaat und das Asylrecht ernst nimmt.

 

Es stellt allerdings einen klaren Missbrauch unseres Gastrechts dar, wenn Menschen, die einen Asylantrag stellen, um Hilfe vor (angeblicher) Verfolgung ersuchen und adäquat versorgt werden, in ihrem Aufnahmestaat straffällig werden. Eine aktuelle Anfragebeantwortung des Innenministeriums zeigt ein schockierendes Ausmaß an (angezeigten) strafrechtlichen Verstößen durch Asylwerber. 

 

So wurden im Zeitraum von Jänner bis Juli 2017 insgesamt 10.079 tatverdächtige Asylwerber registriert, davon 4281 in Wien, 1.308 in Oberösterreich und 1.146 in Niederösterreich. Die Bandbreite der Straftaten reicht durch alle Bereiche des Strafgesetzbuches und seiner Sondergesetze (wie dem Suchtmittelgesetz). Führende Nationalität sind die Afghanen (2867) vor Nigeria (1012), Syrien (862) und Algerien (832). Letzteres ein Land, aus dem Menschen vorwiegend aufgrund wirtschaftlicher Gründe flüchten.

 

Natürlich handelt es sich bei diesen Asylwerbern vorerst um Tatverdächtige, und es werden sich darunter auch viele Bagatelldelikte befinden, die vielleicht auch aufgrund kultureller Missverständnisse, selbstempfundener Ausweglosigkeit, materieller Not oder Traumatisierung begangen wurden. Bei schweren Delikten muss der Staat allerdings handeln und seine Gesetze entsprechend adaptieren.

 

Derzeit liegt ein Asyl-Ausschließungsgrund nur dann vor, wenn es sich bei der Tat um ein Verbrechen handelt, das mit mehr als 3 Jahren Haft bedroht ist. Und auch dann muss die Haftstrafe in Österreich verbüßt werden. Erst dann erfolgt die Abschiebung, falls diese völkerrechtlich überhaupt zulässig ist bzw. Rückführungsabkommen existieren. Eine untragbare Situation. Es ist nicht die Aufgabe unseres Staates, verbrecherische Asylwerber in unseren Gefängnisssen zu verköstigen.

 

Ein erster Schritt wäre die sofortige Abschiebung straffälliger Asylberechtigter und Asylwerber nach Rechtskraft des Urteils. Und wenn nicht in ihren Heimatstaat, dann in den nächstgelegenen sicheren Nachbarstaat.

 

Zwischen Tag und Nacht: Heißer Club-Gig von 2Raumwohnung im ausverkauften WUK!

"Es war Sommer, doch im Winter. Gar nichts lief nach Plan. Dann war's auch noch Frühling. Es kam auf alles an." So klingt, garniert mit Elektro-Tech-Pop, die Aufbruchsstimmung im Berlin des Jahres 1993. Und zwar jene des deutschen Duos 2Raumwohnung, die mit diesem brandneuen Track ihre heiße Show im ausverkauften Wiener WUK starteten.

 

"Nacht und Tag" heißt das neue Album von Ex-Punkerin und NDW-DÖF-Girl Inga Humpe  - ihre Schwester Annette kennt man von Ideal und Ich&Ich - und dem Electro-DJ Tommi Eckart, die auch privat seit 1993 ein Paar sind. Ihr neues Werk kann man durchaus als Konzept-Album bezeichnen. Die Inspiration kam den beiden durch einen nie veröffentlichten Track für einen Kinofilm. "In der entsprechenden Szene kamen die Leute früh morgens aus einem Club ans Tageslicht. Und dieser Song verwandelte sich von einem Clubtrack in ein sonniges Gitarrenstück." Und so produzierten die beiden 10 Songs, jeweils in einer Nacht- und einer Tag-Version. Frei nach dem Daniel Richter-Motto "Anderer Pinsel, anderes Ergebnis auf der Leinwand."

 

Die Club-Tour legt natürlich ihre Schwerpunkte auf die dunkle Nacht, die monotonen Beats und die Tanzexzesse. Freund Paul Kalkbrenner darf da mit einem Remix ("Wir werden sehen") nicht fehlen, aber auch die älteren Songs wie "Wir sind die anderen" oder das queere "Ich und Elaine" passen kongenial in das Konzept. In der Mitte der Show darf die Bassdrum ruhen, es wird chillig mit Akustik-Versionen von "Lucky Lobster" und "Hey Schmetterling", die quirlige Inga verhüllt mit Hippie-Sunglasses. Wie auf Ibizas Stränden (die laut Inga als Vorbild für die "Tag"-Atmosphäre gelten) werden die Party People allerdings wieder von der Nacht eingeholt. 

 

Inga philosophiert vom Hotel Sunshine, man könnte es ja auch Ushuaia nennen, es groovt on the Dancefloor zu "Wir waren fürchterlich" und "Sie geht los", die Beats werden dunkler und härter. "Wir trafen uns in einem Garten" zielt anno 2017 auf die technoide Sub- und nicht auf die lässig-subtile Bobo-Kultur ab. Schranken unerwünscht. Die Super-Hits "Sexy Girl", "Spiel mit" und "Sasha Secret" mit einer lasziven Inga Humpe hinter dem Mikro dürfen nicht fehlen. Warum auch? Die altersmäßig buntgemischte Crowd zwischen 20 und 60 tanzt, lacht und ist enthusiastisch. Was wenn nicht das soll ein Konzert bewirken?

 

Die politische Message kommt am Schluss: Optimistisch sein und in der (scheinbaren) Tristesse der Gegenwart das Leben lieben. "Wunderbare Tage" heißt der bezaubernde Track aus dem 2013er-Album "Achtung Fertig" mit Zeilen wie dieser "Die Zukunft kommt immer, auch wenn ich sie nicht seh. Vor mir liegen wunderbare Tage, alles wird gut."  "Danke Wien. Wir kommen wieder!" - So 2Raumwohnung nach dem fast zweistündigen Gig. Wir können´s kaum erwarten.

 

 

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"Menschenbilder" - Eine hochklassige Fotoparade im herbstlichen Prater!

Wer dieser Tage einen Herbstspaziergang durch den Wiener Prater macht, der hat auch die Chance, die schönsten Fotos der Wiener Berufsfotografen zu begutachten. "Menschenbilder" nennt sich die Open-Air-Ausstellung auf der Straße des 1. Mai, die insgesamt 58 beeindruckende Werke mit 1,4 x 1,4m Größe beinhält. Ausgewählt wurden diese von einer fachkundigen Jury aus insgesamt 1600 Einreichungen.

 

Promis aus der Polit-, Kultur- und Musikszene wechseln einander dabei ab mit "gewöhnlichen" Menschen, die teils extravagant, teils subtil abgelichtet wurden. Die "echten Wiener" Falco, Karl Merkatz und Hermes Phettberg dürfen da nicht fehlen, mit Priscilla Presley und John Malkovich zieren auch Hollywood-Stars die Fotoparade.

 

Das Ausstellungskonzept, das 2012 am Mariahilferplatz in Graz gestartet wurde, lebt aber nicht vom VIP-Faktor, sondern von der Kunstfertigkeit der Fotografen. Spielende Kinder, Rockabillies, Hip Hopper auf der Copa Cagrana, Zimmermädchen bei der Arbeit oder das berührende "Fünf Generationen"-Porträt von Suzy Stöckl. Idee, Motiv und der Auslöser zum richtigen Zeitpunkt machen den Reiz der Fotos aus. Noch bis 26. September im Prater.

 

"Father and Daughter Walking" - Ein Tribute an die legendäre Hippie Szene Ibizas!

In den 60ern war Ibiza, abseits von Massentourismus, Hotelburgen und Clubbing-Exzessen, ein Geheimtip der Hippie-Szene. Auf der La Isla Blanca strandeten nicht nur Gegner der Franco-Diktatur, sondern Alternative aus aller Welt, die sich mit freier Liebe und Drogen unter heißer Sonne den Tag vertrieben. Ihren Lebensunterhalt verdienten sich die Aussteiger mit dem Handel von Handarbeiten, Kunst und Kleidung.  Hippie-Märkte gibt es auch heute noch in Ibiza, allerdings stark kommerzialisiert und auf die Touristen zugeschnitten.

 

Beliebte Hippie-Treffpunkte auf Ibiza waren die Cala Benirras, wo man sich zum Sonnenuntergang zum gemeinsamen Trommeln versammelte, das sagenumwobene Areal rund um Es Vedra und den Torre del Savinar und die Cala Xarraca. Hauptwohnorte waren Sant Carles und Sant Joan, legendär die Bar Anita´s, die auch heute noch geöffnet ist.

 

Die Hippies schmückten sich zum Zeichen für Frieden und Liebe mit Blumen, die Flower Power Generation was born. Seit Jahrzehnten weltberühmt in Ibiza sind die Flower Power Parties im Pacha, bei denen nicht House und Techno die Soundkulisse bilden, sondern kultige Hits aus den Sixties und Seventies.

 

Ricardo Urgell, Eigentümer des Pacha, war es auch, der der Hippie-Kultur Ibizas im August 2016 ein Tribut setzte. "Father and Daughter Walking" heißt die von Cio Abelli konzipierte Bronze-Skulptur, die direkt am Hafenkai vor der Can Pou Bar aufgestellt wurde. Sie zeigt einen langhaarigen Hippie-Vater, der mit seiner Tochter spazierengeht.

 

Grundlage dieser Skulptur war ein legendäres Foto von Toni Riera, das er einst Anfang der 70er im Amsterdamer Vondelpark geschossen hat. Dieses diente später auch als Flyer für die Retro-Pacha-Parties. Im Jahr 2000 erkannte sich eine junge Frau selbst auf diesem Poster, als sie bei einem zufälligen Ibiza-Urlaub das Pacha besuchte. 

 

Schauspieler Sandy van der Linden und seine Tochter Radha, so die Namen der abgelichteten Hippie-Family, erinnern als modellierte Protagonisten an eine längst vergangene Jugend-Bewegung, die neben Ibiza vor allem in San Francisco, Amsterdam, Katmandu und Goa weitverbreitet war.  

 

Aber keine Angst: Hippies gibt es auch heute noch, sie bezeichnen sich nur anders oder haben differente Wertvorstellungen als früher. In Ibiza sind sie garantiert nicht ausgestorben :-)

Ibiza Club Life: Ushuaia Pre-Parties statt After Hour-Exzesse im Morgenlicht!

Man hört sie heute noch von Taxifahrern bei der Heimfahrt von den Clubs: Geschichten über Party-Touristen, die per Flugzeug anreisten und - ohne Hotel - aufgeputscht von Drogen tage- und nächtelang durchmachten und durchtanzten. Es war auch die wilde Zeit des "Space", das als After-Hour Epizentrum nahe der Playa den Bossa den "3 Tage Wach"-Party People die heißen technoiden Morning Hour-Beats frei Dancefloor lieferte. Solange die Reise nicht im Krankenhaus endete – und das tat sie häufiger als publiziert – wurde mit sunglasses-verdeckten weiten Pupillen weitergeshakt am Bora Bora Beach. Nicht wenige verwechselten die Autobahn mit einem Fußweg und wankten mit dem Koffer – neben den rasenden Autoboliden – zum Flughafen. Derartige Situationen kommen auch heute noch vor (wie selbst beobachtet), allerdings mit einer weit geringeren Wahrscheinlichkeit.

 

Die (offiziellen) After-Hours wurden von der ibizenkischen Regierung verboten, seit einigen Jahren müssen die Clubs um 6 Uhr zusperren. Auch der Bora Bora Beach-Sound beschallt erst am Nachmittag die Techno Clubber. „Die Party-Touristen sollen sich ausschlafen und sich zumindest nicht 24 Stunden mit legalen oder illegalen Drogen aufputschen.“, so der von der „Szene“ nicht gerade begeisterte Taxifahrer. 

 

Die Rechnung ging auch auf: Weniger Rettungseinsätze, weniger Polizei an den Stränden und eine deutliche Attraktivierung der Strände für Familien. Die gewieften Disco-Betreiber entdeckten gleichzeitig eine neue Geldquelle, die kostenpflichtigen Pre-Parties vor Mitternacht. Klare Nr. 1 auf der La Isla Blanca ist das Ushuaia, das 2011 aus einer Transformation eines mittelklassigen Fiesta-Hotels entstanden ist. 

 

In diesem Areal rund um einen Swimmingpool finden täglich von 17 bis 24 Uhr Dance-Events der Sonderklasse statt. Superstars wie David Guetta, Alesso, Diplo, Martin Garrix oder Kygo geben sich hier die Klinke in die Hand und sorgen, unterstützt von bombastischen Light- und Rauchshows, für eine exzessive Party-Atmosphäre. Der Eintritt: 55 Euro, die Drinks sündteuer, ein Mineral oder ein Bier bekommt man nicht unter 15 Euro. Die Superreichen oder die, die diesen Status zumindest vortäuschen wollen, blicken von ihren Hotelbalkonen ehrwürdig auf die Crowd. 

 

Geführt wird das Ushuaia von Abel Matutes Prats, Sohn des ehemaligen spanischen Außenministers und früheren Bürgermeisters von Ibiza. Letzterer, Abel Matutes Juan, gilt in Ibiza als widersprüchliche Persönlichkeit und wird gerne auch als „Tony Sopranos von Ibiza“ bezeichnet. Er ist an zahlreichen Firmen im Baustoff- und Getränkebereich beteiligt und Besitzer der Fiesta Hotel-Gruppe. Verantwortlich war er auch für den Bau der Autobahn zwischen dem Flughafen und Ibiza-Stadt, bei dem er sich über die Proteste zahlreicher Umweltaktivisten und Inselbewohner hinwegsetzte. 

 

Die Ushuaia-Parties direkt an der Playa den Bossa gelten als Erfolgsprojekt, heftig kritisiert werden allerdings – auch von DJ´s (die davon profitieren) – der finanzielle Ausverkauf der Szene und die „V.I.P.-isierung“ der Insel. „Früher waren alle Gäste VIP´s“, so ein Ibiza-Insider der alten Schule. Man sollte sich dieser Gedanken besinnen und wieder mehr auf alte Werte setzen.

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Robbie Williams in Wien: "Heavy Entertainment"-Show vor 52.000 Fans!

Robbie Williams steht seit 2006 im Guinness Buch der Weltrekorde. Innerhalb eines Tages wurden 1,6 Millionen Tickets für seine Tour verkauft. Auch in Österreich gingen die Tickets weg wie die warmen Semmeln, Klagenfurt ausverkauft, in Wien über 52.000 Fans. Und das, obwohl das letzte Album (und Tour-Motto) "The Heavy Entertainment Show" nicht nur verkaufstechnisch unter den Erwartungen blieb.

 

Der Stimmung tat dies im Ernst Happel-Stadion keinen Abbruch. Das altersmäßig weit gestreute Publikum bekam das, was es erwartete: Sympathische Gags, sexuelle Anspielungen, eine bombastische Light-Show, massenkompatible Superhits und das perfekt inszenierte Drücken der Retro-Tränendrüse-Taste.

 

Bereits im Vorprogramm versetzten der durch eine Fußverletzung gehandicapte Andy Bell und Depeche Mode-Gründer Vince Clarke aka Erasure das Publikum in eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit. "World be gone" heißt das neue Album, auf der Set-List stand gerade mal die neue Single "Love you to the Sky", ansonsten die legendären Synthi-Pop-Ohrwürmer von "I love to hate you" bis "A Little Respect". Auf das kultige Abba-Cover "Take a Chance on me" hat man verzichtet, viele Besucher hätten sicher gerne mitgesummt.

 

An den aktuell 43jährigen Robbie Williams, der bis dato über 77 Millionen Tonträger verkauft hat, kommt allerdings keiner ran. Bei seinen Up-Tempo-Tracks "Rock DJ" und "Let me entertain you" tanzen die sexy Ladies auf, es wird geswingt zu "Minnie the Moocher", und im Hit-Medley wird sogar Falcos Amadeus glorifiziert. Zwischendurch zieht Williams seine Karriere als "Take That"-Mitglied durch den Kakao und erinnert mit seinem "Freedom"-Cover an den kürzlich verstorbenen George Michael, der ihn nach seinem Boygroup-Ausstieg 1995 wieder ins Musikbusiness gebracht hat. 

 

Die großen Gefühle bringt Williams auch durch seine Familie ins Spiel. "I love my Life" widmet er seinen Kindern, sein Vater, einst musikalischer Hotel-Unterhalter, singt mit ihm den Neil Diamond-Klassiker "Sweet Caroline". Und auch seine Gattin, die Schauspielerin Ayda Field, darf bei "Something Stupid" in die Gesangsvibrationen Nicole Kidmans treten.

 

Nicht fehlen dürfen die Kuschelrock-Heuler "She´s the One", ""Feel" und Angels". Im Gegenteil, sie sind natürlich die Highlights jeder Williams-Show. Romantische Lieder zum Mitsingen bei Gänsehautstimmung inmitten eines Smartphone-Lichtermeeres. Die Besucher sind verliebt, verträumt, euphorisch, melancholisch. Es bleibt kurz die Zeit stehen, bis Robbie mit "The End is near" den letzten Song des Abends einstimmt. "I did it my way", eine Verneigung des größten Entertainers der Jetzt-Zeit vor einem des letzten Jahrhunderts.

 

Musikalisch sollte Williams aber bald wieder mit innovativen neuen Songs punkten (und diese auch selbstbewusst präsentieren), die Zeitmaschine fliegt nicht ewig.

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Kindertagesheimstatistik: Geringe Quoten bei Kleinkindern und Mängel bei Öffnungszeiten.

Laut dem EU-weit vereinbarten Barcelona-Ziel sollte ein Drittel der Kinder Betreuungseinrichtungen besuchen. Von diesem Ziel, das bereits 2010 erreicht hätte werden sollen, ist Österreich allerdings weit entfernt.

 

Gemäß der aktuellen Kindertagesheimstatistik 2016/2017 beträgt die Betreuungsquote bei unter 3jährigen Kindern derzeit 25,4 %. Insgesamt besuchen in Österreich 65.057 Kinder Krippen und Kleinkindbetreuungseinrichtungen. Dabei bestehen krasse Unterschiede zwischen den Bundesländern. Führend sind Wien mit 44,3 % und Burgenland mit 30,3 %, während die Quote in Niederösterreich nur 22,9 % oder in Oberösterreich nur 15,4 % beträgt. Nach Einzeljahren betrachtet besucht die Hälfte der zweijährigen Kinder (bei denen die arbeitsrechtliche Karenz der Mütter bereits beendet ist) eine Krippe, der Prozentsatz bei Einjährigen beträgt 23,1 %.

 

Bei drei- bis fünfjährigen Kindern ist die Betreuungsquote - außer in Kärnten und der Steiermark - flächendeckend über 90 %. 233.882 Kinder besuchen Kindergärten, die österreichweite Quote beträgt 93,4 %. Betrachtet man die Alterskategorien, werden 85,5 % der Dreijährigen, 96,1 % der 4jährigen und 98,5 % der fünfjährigen Kinder institutionell betreut. Letztere unterliegen seit 2010/2011 einer bundesweiten Besuchspflicht, ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr ist in Planung, allerdings aufgrund der bevorstehenden Finanzausgleichsverhandlungen noch nicht gesichert.

 

Problematisch für berufstätige Eltern und Alleinerziehende sind vor allem die Öffnungs- und Sperrzeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen, und das vor allem in den ländlichen Regionen. Während in Wien Öffnungszeiten bis 20 Uhr angeboten werden und durchschnittlich nur 3,4 Schließtage vorliegen, betragen beispielsweise die Sperrzeiten in der Steiermark 25,2 und in Vorarlberg 39,4. In diesen Gegenden ist es schwierig für die Eltern, Beruf, Familie (und Urlaub) ohne Hilfe der eigenen Verwandten oder teurer Ferienlager zu organisieren. Der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen in infrastruktureller und zeitlicher Hinsicht muss daher für die Politik eine besondere Präferenz darstellen. Vor allem auch unter der schlüssigen Experten-Prämisse, dass das Vorhandensein von adäquaten Kindergartenplätzen die Abwanderung von Familien aus dünner besiedelten Regionen Richtung Ballungsgebiete verhindert.

Pop Graffiti-Art in Wien: Lushsux besprüht MQ-Wände und die Falco-Stiege.

Provokant, politisch engagiert und kreativ, das ist der Melbourner Graffiti-Artist Lushsux. Kürzlich erst vergrämte er Hillary Clinton, die er nach einer fast barbusigen Darstellung in eine Muslima mit Niqab verwandelte. Darunter der Schriftzug: "If this Muslim Woman offends u, u r a bigot, racist, sexist Islamophobe."

 

Vergleichsweise harmlos sind dagegen seine Street Graffitis in Wien. Bei der U-Bahnstation Kettenbrückengasse, direkt an der Falco-Stiege, werden die Besucher subtil vor die Wahl gestellt, wer jetzt wirklich der größte Rapper der Musikgeschichte war: Falco, dargestellt mit Mozart-Perücke, oder Mum´s Spaghetti-liebender US-Hip Hopper Eminem. 

 

Vor dem Museumsquartier setzte Lushsux ein Tribut für den kürzlich verstorbenen Linkin Park-Sänger Chester Bennington, daneben residieren Conchita Wurst (die sich vom Künstler ein "Selfie"-Graffiti wünscht) und die durch Snapchat-Filter transformierte It-Girl-Sister Kendell Kardashian. Links neben dem Eingang ins MQ geht es härter und gleichzeitig zärtlicher zur Sache. Dort schmusen die MMA-Kämpfer Conor McGregor und Floyd Mayweather miteinander, die sich am 26. August duellieren werden.

 

Lushsux sieht sich selbst nicht als Street Art-Künstler, sondern als "the world´s first meme artist". Und dort in den sozialen Medien, auf Facebook oder Instagram, schwirrt nicht nur er, sondern auch seine Fans (und Gegner) herum. "That´s where people are these days, staring into their phones. You have to try and be there annoying them daily." Hauptsache, der Klick-Faktor stimmt :-)

Zwischen Ibiza und Tomorrowland: Star-DJ David Guetta vor 20.000 Fans in der Wiener Krieau

Mehr als 70 Millionen Tonträger hat er verkauft, seit mehr als 15 Jahren zählt er zu den erfolgreichsten Produzenten und DJ´s der House- und Electronicszene: David Guetta. Zwischen seinen sommerlichen Residencies auf Ibiza ("Fuck me I´m famous im Pacha; Ushuaia) und populären Massen-Events wie Tomorrowland hat der Franzose immer auch Zeit für einen Trip nach Österreich. Bei sonnig-heißem Wetter war die Wiener Krieau bereits Stunden vor seinem Auftritt mit ca. 20.000 Fans prall gefüllt.

 

Das Vorprogramm bestritten auch keine Unbekannten. Der Londoner Jonas Blue belegt gerade mit seinem Mix-Album Platz 1 der britischen Compilations-Charts, der Niederländer Oliver Heldens, gerade einmal 22, gehört nach einigen Tech House-Releases bereits zu den Big Playern in der EDM-Branche und spielt jeden Sonntag im "neuen Space", Hi Ibiza, bis in die frühen Morgenstunden.

 

Guettas Tour steht unter dem Zeichen "Unity", und das ist gleichzeitig auch Ziel seiner mit viel Light-Effekten und Pyro-Elementen unterstreuten 90 Minuten-Show. Das Publikum, bunt gemischt zwischen 10 und 50, soll inmitten von (spärlichen) Getränkeständen, Fast Food und Festival-Drängeleien einfach Spaß haben und gemeinsam feiern. Der Sound-Mix ist ebenso altbekannt wie erfolgreich. Die Superhits von Guetta, vermischt mit vorfabrizierten Mash-Ups und (gewöhnungsbedürftigen) EDM-Drops, die man getrost auch reduzierter einsetzen könnte. Der Effekt bleibt trotzdem nicht aus: Floorfillers wie "Sweat", "When Love takes over", "Love is gone", "Titanium" oder die Black Eyed Peas-Co-Production "I gotta Feeling" lassen die Party People tanzen, mitsingen und zu einer Einheit verschmelzen. Neue Tracks wie die grandiose Bieber-Kollaboration "2 U" oder die Wien-Premiere "Complicated" (mit dem US-Shooting Star Kiaara) gehören spätestens beim nächsten Auftritt zum Standard-Repertoire der Guetta-Freaks.

 

Erfolg hat natürlich seine Neider, seltsamerweise auch in den Medien. Dort wirft man dem Franzosen mangelnde DJ-Fertigkeiten und fertig vorbereitete Mixes vor. Und erwähnt dabei nicht, dass bei einem Konzert dieser Größenordnung die Visuals und Pyro-Effekte auf die Musik abgestimmt werden müssen. Und dass Guetta bereits in den 90er-Jahren erfolgreicher Pariser Underground-DJ und Klubbesitzer war. Lange bevor er mit "Love´t don´t let me go" und "Just a little more Love" den Dance-Olymp bestiegen hat.

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"Diversität ist Trumpf!" - 60.000 Besucher beim 8. Wiener Popfest auf dem Karlsplatz.

Die Kuratoren des diesjährigen Popfests kommen aus zwei verschiedenen Ecken. Auf der einen Seite Ö3-Moderator, Songcontest-Berater und "Austrozone"-Scout Eberhard Forcher, auf der anderen Seite die Underground-Künstlerin und Medienwissenschaftlerin Ana Threat. So ambivalent und vielfältig gestaltete sich auch das bunte Programm des viertägigen Festivals am Karlsplatz.

 

Bluatschink aus dem Lechtal eröffneten am Freitag mit ihrer Art von "Heimat- und Volksmusik" den Reigen der Live-Auftritte auf der Seebühne, bevor die in Wien ansässige Tini Trampler mit ihrem dreckigen Orchester stimmungsmäßig in den Chanson-Folklore-Bereich abdriftete. Einer der Protagonisten des ersten Popfests 2010, der Nino aus Wien, sorgte mit seiner Band für einen Massenansturm im Festivalareal und präsentierte eine unterhaltsame, mit vielen witzigen Bonmots („Wann wird endlich der Tony Wegas eingeladen? Man sollte ihm das mit der Handtasche endlich verzeihen!“) unterlegte, 90 Minuten-Show mit all seinen genialen Kompositionen vom "Oasch" bis hin zum "Praterlied" und seinen neuen pop-angehauchten Tracks wie "Coco Bello" oder "Tränen machen wach". Ursprünglich aus dem Indie-Bereich stammend, könnte dem Elektronik-Duo "Lea Santee" das glückselige Schicksal von Leyya "drohen". Lea Stöger und Produzent Manuel Hosp haben das Potential für eine internationale Karriere, das bezaubernde "Rollin" gehört wohl zu den innovativsten Austro-Songs der letzten Jahre.

 

Keine Angst vor bösen Worten haben die Linzer NDW-Epigonen Flut. Das Falco-Tribute auf der Donauinsel sei "Kacke" gewesen, ihre Version von Falcos Berlin-Klassiker "Auf der Flucht" klingt tatsächlich gefälliger als so manches Insel-Cover. Eberhard Forcher sei schon immer sein Förderer gewesen, so Ex-Songcontest-Letzter Lukas Plöchl, jetzt mache er laut seiner Diktion authentische Musik und hat im Repertoire auch noch einige Apres-Ski-Mitgröhler wie "Abriss Austria". Songs wie "Stadt, Land, Fluss" zeigen aber die Wandlung von Plöchl zu Wendja, seinem ursprünglichen chinesischen Namen, was so viel heißt wie "Beste Sprache". Forcher und den vielen jungen Besuchern im TU-Prechtlsaal hat die schweißtreibende, mitreißende Show mit subtilem Understatement ("Mut zur Hässlichkeit") gefallen.

 

 

Rund 60.000 Fans visitierten 4 Tage lang die 60 Musik-Acts des Wiener Popfests. Bier, Spaß, Flirten und Chillen inklusive. Die seltsame Kritik gewisser Qualitätsmedien gegenüber der "niederschwelligen Gratiskultur" wurde bereits von vielen Seiten abgeschmettert. Wir lassen hier noch den Ernst Molden sprechen: "Wenn unlängst in der Presse gestanden ist, dass die Gratisfeste den Musikern schaden, ist das nicht nur garstig, sondern auch noch ein totaler Blödsinn. Allen meinen Freunden, die am Popfest gespielt haben, hat es etwas gebracht. Am Popfest verliebst du dich in eine Band, den Hof machst du ihr dann am nächsten „normalen“ Konzert!" In diesem Sinne - Wir freuen uns bereits auf die Rückkehr der FM4-Ente im Sommer 2018.

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Popfest 2017: "Niederschwellige Gratiskultur" mit Qualitätsanspruch auf dem Karlsplatz.

"Die Welt von oben sieht gut aus" - So das deutsch-österreichische Reggae Duo Mono & Nikitaman bei der Zugabe ihres vielumjubelten Konzerts auf der Seebühne des Wiener Popfestes. Tja, nicht nur von oben, sondern von allen Seiten.

 

Im Vorfeld wurde wieder einmal von gewissen Tageszeitungen das nunmehr 8. Popfest als "niederschwellige Gratiskultur" herabgewürdigt. Die Konter blieben aber nicht lange aus, FM4-Musikexperte Martin Blumenau glorifizierte die Niederschwelligkeit als einen Wesenszug von Pop. Noch plakativer Kurator Eberhard Forcher bei seiner Eröffnungsrede. "Um der Niederschwelligkeit die Zähne zu ziehen, werde ich mir eine Krawatte umhängen".

 

Fakt ist: In 4 Tagen werden ca. 60 Bands, Künstler und DJ´s beim Wiener Popfest auf dem Karlsplatz-Areal auftreten und so die Möglichkeit haben, sich vor einem großen Publikum zu präsentieren. Das - ohne Konsumzwang und Kleidungs-Etikette - bei Gratiseintritt österreichische Popkultur genießen, bewerten und vor allem kennenlernen kann. Für viele Künstler war das Popfest bereits ein Sprungbrett für internationale Auftritte. Beispiel: Die Elektronik-Künstler von Leyya, die dieses Jahr in Barcelona engagiert wurden.

 

Zusammengestellt wurde das bunte Programm dieses Jahr von der Medienwissenschaftlerin und Underground-DIY-Künstlerin Ana Threat und der Radio-Legende Eberhard Forcher, einst selbst Musiker mit seinen Tom Pettings Hertzattacken und heute "Austrozone"-Scout für junge Talente. Das Line-Up deckt alle Nuancen der heimischen Szene ab - von Underground bis Mainstream, von der "Hochkultur bis zum Kellerloch".

 

So grungten am ersten Tag des Popfests die Kurt&Courtney-Epigonen "I´m a Sloth" vor dem traditionell vor der Karlskirche positionierten Red Bull Brandwagen. Das österreichisches Elektronik-Genie Felix Nyajo aka Salute lebt bereits im Geburtsland des Pop, im britischen Manchester, und steht vor einer großen internationalen Karriere. Auf der Seebühne begeisterte er mit Band und stilistischer Vielfältigkeit.

 

Zum ersten Mal beim Popfest dabei, aber seit fast 15 Jahren Stammgast bei internationalen Reggaefestivals: "Mono" Monika Jaksch & "Nikitaman" Nick Tilstra. Das temperamentvolle, top-eingespielte Duo sorgt aber nicht nur für Stimmung bis in die letzten Winkel der Konzert-Areale, sondern auch für politische Botschaften. "Kein Weed ist auch keine Lösung" thematisiert ihre (eher harmlose) Forderung nach Legalisierung von "Gras". Engagiert sind die beiden aber vor allem im fast aussichtslosen Kampf gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. "Ein Haus ist kein Zuhause, Zuhause ist kein Land, Man muss keine Mauern haben, um ein Zuhause zu haben." Die Töne sind verklungen, die Gesinnungen nicht. Denn die Zielgruppe, die es betrifft, war sicher nicht im Publikum.

 

 

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Klagenfurt: Kremser Steiner Tor inmitten vieler Weltwunder im Minimundus-Park.

1959 wurde der Minimundus-Park in Klagenfurt mit damals 20 Modellen, das älteste die Burg Hochosterwitz, eröffnet. Heute stehen im 26.000 m2 großen Gelände insgesamt 156 Modelle, der Großteil im Maßstab 1:25. 

 

Ca. 1/3 Drittel der Modelle zählen zum regionalen Bereich, der Rest sind internationale Wahrzeichen und Weltwunder. Von Brandenburger Tor, Eiffelturm, Weißem Haus, Sagrada Familia bis hin zu Moscheen, Wüstenpalästen, Atomium, Freiheitsstatue und zum legendären Hollywood-Schriftzug.

 

Der Petersdom mit dem vorgelagerten Petersplatz ist mit 6 Jahren das Modell mit der längsten Bauzeit. Er besteht hauptsächlich aus dem Originalmaterial Travertin und kostete 730.000 Euro. Das höchste Modell ist der 23 Meter hohe CN-Tower von Toronto., original ragt der Fernsehturm 553 Meter in die Höhe.

 

Aber auch Österreichs Sehenswürdigkeiten können sich sehen lassen: Der Stephansdom, das glamouröse Schloss Belvedere, das Prater-Riesenrad oder auch Otto Wagners Jugendstil-U-Bahn-Stationen. Und natürlich das Kremser Steiner Tor, das unter der Nummer 68 zentral im Miniaturen-Park residiert. 

 

Auf den Beschreibungen erfährt man, dass das Steiner Tor bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts nur aus einem quadratischen Block und den Türmen bestanden hat. Erst 1756 in der Regierungszeit Maria Theresias wurde das Kremser Wahrzeichen mit einem achteckigen Turm aufgestockt. 

 

Geschichtsunterricht, gepaart mit Spaß und Unterhaltung in einem wunderschönen Areal. Das ist der Minimundus-Park in Klagenfurt. Immer eine Reise wert.

Parlaments-Bilanz 2016/17: Umstrittene Novellen und eine mäßige Bildungsreform!

Das Parlament zieht Bilanz über das abgelaufene Jahr, das mit einem vorzeitigen Neuwahlbeschluss am 13. Juli endete. Der Nationalrat ist zwischen September 2016 und Juli 2017 insgesamt 52mal zusammengetreten. Dazu kamen 148 Ausschuss-Sitzungen, 18 Unterausschuss-Sitzungen und 18 Sitzungen des Hypo- und Eurofighter-Untersuchungsausschusses. 

 

Insgesamt wurden 153 Gesetze beschlossen, 24 Staatsverträge genehmigt und 9 Bund-Länder-Vereinbarungen zugestimmt. Rund 35 % der Beschlüsse fielen einstimmig.

 

Als Reaktion auf die Bundespräsidenten-Stichwahlaufhebung wurde im November 2016 ein kleines Wahlrechtspaket, das die Einrichtung eines zentralen Wählerregisters beinhält. Vor Weihnachten wurden 200 Millionen Euro für die medizinische Primärversorgung und ein flächendeckender Ausbau der Ganztagsschule bis 2025 beschlossen. 

 

Im April 2017 wurde das Versammlungsrecht novelliert, das Schutzzonen bis zu 150 Meter festlegt, die Frist zur Anmeldung von "Demonstrationen" auf 48 Stunden erweitert und der Bundesregierung die Möglichkeit gibt, Auftritte ausländischer Politiker zu verbieten. Beschlossen wurde auch ein Integrationsgesetz, das anerkannten Flüchtlinge zur Absolvierung eines Integrationsjahres mit Deutsch- und Wertekursen verpflichtet. Bei Weigerung drohen Sanktionen wie die Kürzung der Mindestsicherung. Im Paket enthalten sind auch ein Burka-Verbot (mit Strafen bis zu 150 Euro) und ein in der Straßenverkehrsordnung geregeltes "Koranverteilungsverbot". 

 

Mehr Geld gibt es für die Unis und Studenten. Die Studienbeihilfe wird um 18 % erhöht, und - gegen die Stimmen der ÖVP - wird das Uni-Budget um 1,35 Milliarden Euro erhöht. 

 

In 2 Tagen werden Ende Juni 51 teils umstrittene Gesetze beschlossen, darunter Novellen zum Fremden-, Straf- und Datenschutzrecht. Im Privatinsolvenzrecht wird die Mindestquote von 10 % abgeschafft, die Abschöpfungsfrist wird von 7 auf 5 Jahre reduziert. Der Pflegeregress wird ab 1. Jänner 2018 der Vergangenheit angehören.

 

Die Grünen sorgen bei der "Bildungsreform" für die notwendige 2/3-Mehrheit. Das Ergebnis ist allerdings wenig befriedigend: Etwas mehr Autonomie für die Schulen, allerdings keine Änderung des Kompetenzwirrwarrs zwischen den Gebietskörperschaften. In jedem Bundesland soll an der Spitze der Schulverwaltung ein Bildungsdirektor stehen, der im Einvernehmen zwischen Landeshauptmann und Bundesminister ernannt wird. Die Parteipolitik spielt weiterhin Ramba-Zamba in den Bildungsagenden. Es war nichts anderes zu erwarten.

"Wonderful Crazy Night!" - Sir Elton John rockt das Klagenfurter Wörtherseestadion!

450 Millionen verkaufte Alben, zahlreiche Nr. 1-Hits (darunter mit dem Princess Diana-Tribute "Candle in the Wind" die mit 45 Millionen vekauften Exemplaren meistverkaufte Single aller Zeiten), Oscar-Preisträger und Gründer zahlreicher Wohltätigkeitsprojekte (wie die Aids Foundation). Mit Reginald Kenneth Dwight aka Sir Elton John betrat ein britischer Weltstar die Arena des Wörtherseestadions in Klagenfurt, und mehr als 16.000 Fans aus ganz Österreich und den Nachbarländern feierten mit ihm eine glanzvolle Tour zurück in seine und ihre eigene Vergangenheit.

 

Die Tour ist zwar benannt nach Elton Johns neuem Album "Wonderful Crazy Night", in Wirklichkeit ist sie aber ein Rückblick auf seine größten Hits, vielleicht auch eine nostalgische Abschiedstournee. Gleich 16 der 22 Songs stammten aus den 70ern, als Elton John der erste Künstler seit den Beatles war, der mit 4 Titel gleichzeitig in den amerikanischen Top Ten vertreten war. Gemeinsam mit seinem kongenialen Songschreiber Bernie Taupin entstanden so Perlen wie der "Almost Famous"-Track "Tiny Dancer", das kürzlich von Ellie Goulding gecoverte "Your Song", "Rocket Man", "Sorry seems to be the hardest Word" oder "Don´t let the Sun go down on me", bei dem man leicht melancholisch berührt den Schatten von George Michael spürte. Betroffen ist Elton John auch von den zahlreichen Terroranschlägen in Nizza, London, Berlin und Manchester, an deren Opfer er eine Videobotschaft ausstrahlte. 

 

Viele Konzertbesucher haben sich bei den Songs von Elton John zum ersten Mal verliebt bzw. sind damit erwachsen geworden, egal ob in den 70ern oder in den 80ern. Das merkt man bei Tracks wie "Sad Songs say so much", "I´m still standing" oder "Crocodile Rock", bei denen die Fans mitsingen, tanzen und stakkatomäßig applaudieren. Vom Rasenparterre bis hin zu den obersten Rängen. 

 

Den Schlusspunkt setzte Elton John mit der Originalversion von "Candle in the Wind", die 1974 Marilyn Monroe gewidmet war. Traurig, dass das Konzert nach 2,5 Stunden zu Ende ging. So viele Songs hätten der wunderbare Musiker und seine tolle Band noch im Repertoire gehabt. Elton hat´s auch gefallen. "Our second Austrian Show and a second fabulous audience tonight. Thank you Austria" postete er auf Facebook nach seinem 2. Österreich-Auftritt auf der Burg-Clam. Zwischendurch düste er übrigens heim nach London. Chapeau!

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StGB-Novelle: Nationalrat stellt „Antanzen“ und „staatsfeindliche Bewegungen“ unter Strafe!

 

Neue Entwicklungen im Bereich der Kriminalität veranlassten den Nationalrat im Rahmen der Juni-Plenarsitzungen zu einer Novelle des Strafgesetzbuches (StGB), die am 1. September 2017 in Kraft tritt.

 

So gelten - neben Leben, Gesundheit, körperlicher Unversehrtheit, Freiheit und Vermögen – ab sofort auch "sexuelle Integrität und Selbstbestimmung" als notwehrfähiges Rechtsgut. Angemessene Notwehr ist somit gemäß § 3 StGB zur Abwehr sexueller Gewalt zulässig.

 

Verschärft wird gemäß den §§ 83, 91a das Strafausmaß für Körperverletzungen und tätliche Angriffe auf Bedienstete einer dem öffentlichen Verkehr dienende Anstalten. Wer beispielsweise einen ÖBB-Schaffner im Dienst verletzt, riskiert eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren.

 

Neu eingeführt wird der Straftatbestand des "Antanzens" in Form des § 218/2a: "Wer wissentlich an einer Zusammenkunft mehrerer Menschen teilnimmt, die darauf abzielt, dass eine sexuelle Belästigung begangen werde, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen." Bei unmittelbarer Begehung einer sexuellen Belästigung mit mindestens einer weiteren Person in verabredeter Verbindung droht eine Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren. 

 

Straflos wird in "leichteren" Fällen das sogenannte "Sexting", die Herstellung bzw. Verschaffung pornographischer Darstellungen von sich selbst.

 

Heftig kritisiert von der Opposition als „Gesinnungstatbestand“ wurde der neue § 247a StGB, der die Gründung staatsfeindlicher Bewegungen unter Strafe stellt. Darunter versteht das Gesetz eine Gruppe vieler Menschen, die darauf ausgerichtet ist, die Hoheitsrechte der Republik Österreichs rundweg abzulehnen oder sich fortgesetzt die Ausübung solcher anmasst. Voraussetzung für die Strafbarkeit ist die Ausführung einer ernstzunehmenden Handlung durch einen Teilnehmer. Auf die Auslegung dieses Paragraphen durch die Justiz darf man gespannt bzw. besorgt sein.

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Disco Boat Wachau - Mit Dance-Beats Richtung Weltkulturerbe!

Die Wachau hat schon viel überstanden. Die als Raubritter verschrienen Kuenringer, die den englischen König Richard Löwenherz in Dürnstein gefangenhielten, die Schlacht von Dürnstein 1805 zwischen französischen und russisch-österreichischen Truppen, die (Jamek &Co sei Dank) misslungenen Pläne eines Wasserkraftwerks bei Rührsdorf, die vielen Hochwasserkatastrophen oder die schmalzigen Heimatfilmchen vom Mariandl bis zur Donauprinzessin. Insofern konnte Party-Veranstalter Martin Neger mit seinem Ibiza Disco Boat da gar nichts falsch machen :-)

 

Die ersten Schiff-Discotheken von Wien nach Krems gab es bereits in der Modszene der 80er, Neger selbst organisierte 2008 zum ersten Mal ein "Spotlight Boat" Richtung Wachau. Dieses Jahr caterte er die MS Stadt Wien, 78m lang, 16m breit, 920 PS. Die Reise in die seit 2000 zum Weltkulturerbe gehörenden Wachau startete um 21 Uhr, vorbei an Schloss und Ruine Dürnstein, Weißenkirchen, der alten Wehrkirche von St. Michael bis nach Spitz und zurück. Coole Drinks am Sonnendeck, kulinarische Schmankerl vom Schreiberhaus und heiße Dance-Beats von Djane Riva Elegance, Tom Van Hoed und Martin Luftsprung inklusive.

 

Das Nachsehen hatten nur die Segways von "Seg and the City Krems", die den nicht barrierefreien Zugang auf Deck scheuten. Aber die sind ja auf das Tagesgeschäft spezialisiert und zumindest - beruflich - keine Kapitäne des Nachtflugs :-)

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Nightlife-Lärm vor Lokalen: Nationalrat entschärft Rechtsfolgen für Gastronomen!

Im letzten Jahr sorgte der Fall der Wiener Innenstadt-Diskothek "Bettelalm" bundesweit für Aufregung. Diese musste aufgrund der Anzeigen eines einzigen Anrainers kurzfristig die Sperrstunde auf 24 Uhr zurückverlegen, was de facto auf lange Zeit die Schließung des Betriebs nach sich ziehen würde. Der zugrundeliegende Paragraph § 113/5 der Gewerbeordnung wurde im Rahmen der letzten Nationalratssitzung jetzt endlich entschärft. Es handelt sich aber trotzdem um keine Anlassgesetzgebung, da der relevante Paragraph vor allem hinsichtlich des im Mai 2018 kommenden Rauchverbots in der Gastronomie noch eine eminent wichtige Rechtsquelle für das Nachtleben darstellen wird.

 

Die neue Formulierung des § 113/5 1. Satz lautet nun folgendermaßen: "Wenn die Nachbarschaft wiederholt durch ein nicht strafbares Verhalten von Gästen vor der Betriebsanlage des Gastgewerbebetriebes unzumutbar belästigt wurde oder wenn sicherheitspolizeiliche Bedenken bestehen, KANN die Gemeinde eine spätere Aufsperrstunde oder eine frühere Sperrstunde vorschreiben." Die MUSS-Bestimmung wurde durch eine KANN-Bestimmung ersetzt, die der Gemeinde einen Ermessensspielraum einräumt. Der Paragraph wurde außerdem durch eine verpflichtende Beiziehung von Sachverständigen erweitert: "Vor der Beurteilung, ob eine unzumutbare Belästigung im Sinne des ersten Satzes vorliegt, IST Beweis durch Sachverständige aufzunehmen." 

 

Eine sofortige Rückverlegung der Sperrstunde ist somit vom Tisch. Die Novelle der Gewerbeordnung tritt - nach Absegnung des Bundesrates - mit der Kundmachung im Bundesgesetzblatt in Kraft, also vermutlich noch im Sommer.

"Abstract Painting Now!" - Kunsthalle-Reopening in Krems nach Generalsanierung!

Einst, seit 1852, stand in diesen Räumlichkeiten eine Tabakfabrik, die vielen Bewohnern von Krems einen Arbeitsplatz sicherte. In den Jahren 1992-1995 wurde diese vom Architekten Adolf Krischanitz umgebaut in die sogenannte "Kunsthalle", die - beginnend mit "Wasser und Wein" - seitdem mit spannenden Ausstellungen von Schiele, Klee, Repin, Renoir bis hin zu Newton und Semotan die zeitgenössische Kunst präsentierte und sukzessive Bestandteil der Kunstmeile Krems mit unterschiedlichen Museen und Galerien wurde. 

 

3,5 Millionen Euro wurden investiert, um - parallel zum Bau der 35 Millionen Euro teuren Landesgalerie mit dem hypermodernen Kubus der Vorarlberger Architekten Marte-Brüder -  auch die Kunsthalle Krems generalzusanieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Komplett neu eingerichtet wurde das Foyer, inklusive Kasse und Katalog-Regalen. Die Zentrale Halle zeigt sich jetzt mit Glasdach, durch welches das Tageslicht schimmert. Tobias Pilz nützt diesen Raum mit einer riesigen Malerei-Installation, die komplett den legendären Schrägweg Richtung 1. Stock abdeckt. Die anderen Wände dagegen sind komplett schwarz gehalten und treiben - laut Kuratorin Verena Gamper - den Besucher wie durch einen Tunnel Richtung Installation.

 

Sichtlich stolz ist der neue künstlerische Leiter, Kunsthistoriker Florian Steininger, auf seine erste Ausstellung in der neueröffneten Kunsthalle: "Abstract Painting Now!" zeigt ca. 60 künstlerische Positionen mit Schwerpunkt auf das ungegenständliche Tafelbild. Sündteure Werke eines Gerhard Richter residieren dort neben minimalistischen - durch Tintenstrahldrucker erzeugte - Streifenbildern und geometrischen Rasterbildern des bei der Eröffnung persönlich anwesenden Iren Sean Scully. Junge österreichische Kreative wie Suse Krawagna geben sich neben der deutschen Airbrush-Künstlerin Katharine Grosse und der Britin Sarah Morris, die ein Rasterbild des US-Außenministeriums konzipierte, ein Stelldichein.

 

Die slowakische Brass-Band Balkan Sambel begleitete - in Form einer Street Parade - die Besucher zur Dominikanerkirche. Dort fand nicht nur die dritte Ausstellungseröffnung von Sebastian de Ganey, sondern auch das traditionelle Sommerfest statt.

 

127 Millionen Euro investierte das Land Niederösterreich 2016 in die Kultur. Eine nicht unumstrittene Verdreifachung der Subventionen innerhalb der letzten 25 Jahre. Die Angebote sollte der Bürger aber nützen und den Mut haben, traditionelle Pfade zu verlassen. In jeder Hinsicht.

"After Laughter" - Hayley Williams rockt mit Paramore die Wiener Arena!

"Der Gesichtsausdruck, wenn man ausgiebig gelacht hat und dann dieser Moment kommt, in dem man wieder in der Realität ist!" - So beschreibt Hayley Williams den Begriff "After Laughter", gleichzeitig der Name des neuen Albums ihrer Band Paramore. Und liegt damit eigentlich falsch. Denn trotz einiger Umbesetzungen in der Formation und einer Wandlung von einer Punk-Rock-Emo-Band hin zu New Wave und Synthi-Pop haben Paramore auch in der Realität viel zu lachen.

 

Das neue Album mit der ersten Hit-Single "Hard Times" rauschte blitzartig in die Charts und überzeugte auch die alten Fans. Der "Tour One"-Gig von Paramore in der Wiener Arena war fast ausverkauft und begeisterte - nach einem punkigen Support von Bleached - von Anfang bis Ende die vorwiegend jungen Besucher. In Top Form die aktuell blonde Sängerin Hayley Williams, die auch bereits mit Hip Hop-Tracks ("Aeroplanes") und Trance Anthems ("Stay the Night) die Charts stürmte, aber im bereits (nicht verflixten) 13. Jahr weiterhin ihrer Band die Treue hält. Die Setlist ausgewogen zwischen Songs aus dem neuen Album (wie "Fake Happy" oder "Told you so"), "Twilight"-Reminiszenzen und alten Krachern wie "Misery Business" und Still into you". Für Kuschelrock- und Feuerzeugatmosphäre sorgten das wunderschöne "I hate to see your Heart break" und das Fleetwood Mac-80er-Cover "Everywhere", im Original zumeist älter als das Alter der Fans. Zwei davon holte Hayley gegen Ende des Konzerts auf die Bühne.

 

Wie wichtig der überzeugten Christin Konzerte sind, bewies sie auch bei ihren Moderationen, indem sie immer wieder das spezielle Feeling bei Live-Gigs und den Zauber der Musik betonte. Sozusagen Ain´t it fun living in the Real World. Jener Track, mit dem Paramore 2015 den Grammy für den besten Rock-Song des Jahres gewannen. Die Magie von Paramore endete - nach einem Solo-Auftritt des zurückgekehrten Band-Mitglieds Zac Farro - kongenial mit "Hard Times". Bei so viel positiver Energie sind allerdings auch die zu ertragen.

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Aktionsplan Frauengesundheit - 17 Wirkungsziele und 40 (wenig) konkrete Maßnahmen!

Ziel des Aktionsplans Gesundheit ist die Verbesserung der Gesundheit der Frauen und die Förderung der Chancengleichheit in Österreich. Um eine differenzierte Perspektive auf die unterschiedlichen gesundheitsbezogenen Bedürfnisse und Probleme von Frauen zu ermöglichen, wurde der Aktionsplan großteils nach den verschiedenen Lebensphasen der Frauen (Jugend, Berufsalter, höheres Alter) strukturiert. Dabei wurden Vertreter relevanter Interessensgruppen in die Erarbeitung eingebunden.

 

Ein erster Zwischenbericht wurde im Herbst 2015 einer breiteren Fachöffentlichkeit vorgestellt. Dem öffentlichen Konsulationsprozess folgte ein Abstimmungsprozess auf Arbeitsgruppenebene und ministerieller Ebene. Teil dieser Arbeitsphase war auch die Priorisierung in kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen sowie die Bestimmung wesentlicher Akteure der Umsetzung.

 

Der vorliegende Aktionsplan beschreibt 17 Wirkungsziele und 40 Maßnahmen, die die gesundheitliche Chancengerechtigkeit von Frauen verbessern sollen. Die Wirkungsziele sind mit Zahlen und Fakten unterlegt. Bei der Beschreibung der Maßnahmen erfolgt eine spezielle Ausrichtung auf die Zielgruppen.

 

Für die Umsetzung des Aktionsplans ist die klassische Gesundheitspolitik bei weitem nicht ausreichend. Es müssen daher in allen Politikbereichen Gesundheitsaspekte und Gesundheitsauswirkungen berücksichtigt werden. Neben den zuständigen Ministerien sind auch Sozialversicherungsträger, Interessensvertretungen und NGO´s einzubeziehen. Im Rahmen des „Stakeholder“-Dialogs sollen in einer jährlichen „Roadmap“ Schwerpunkte gesetzt und die Umsetzung einzelner Maßnahmen konzipiert werden.

 

Die Wirkungsziele 1 bis 6 (mit insgesamt 10 Maßnahmen) betreffen altersübergreifende Aspekte der Frauengesundheit. So sollen Leitlinien für Screening und die Behandlung von frauenspezifischen Erkrankungen entwickelt werden. Die Kompetenz für Frauengesundheit soll in der Ausbildung der Gesundheitsberufe verankert werden. Der Wissensstand in der Bevölkerung soll verbessert werden. Als Wirkungsziel 3 wird die Gewaltprävention normiert. Insofern wichtig, als laut einer EU-Umfrage 20 Prozent aller österreichischen Frauen mit körperlicher und sexueller Gewalt konfrontiert wurden. Die Quote bei sexueller Belästigung liegt mit 35 Prozent noch höher, 15 % Prozent der Österreicherinnen wurden gestalkt. 

 

Als Maßnahmen sind neben einer laufenden Sensibilisierungs-, Aufklärungs- und Informationstätigkeit zum Thema „Gewalt im öffentlichen Sozialraum“ vor allem multiprofessionelle Opfer- bzw. Gewaltschutzgruppen vorgesehen. Ein besonderes Augenmerk soll behinderten Frauen, beispielsweise durch die Funktion einer Gleichstellungsbeauftragten in Einrichtungen der Behindertenhilfe, und wirtschaftlich benachteiligten Frauen mit Migrationshintergrund gewidmet werden. Das Armutsrisiko von Frauen in allen Lebensphasen soll verringert werden, explizite Maßnahmen werden aufgrund ihrer Eigenschaft als „Querschnittsmaterie“ in den einzelnen Kategorien genannt.

 

Die Wirkungsziele 7 bis 10 sind auf die Zielgruppe der Mädchen und jungen Frauen ausgerichtet. Das positive Selbstbild für ein gesundes Leben soll gefördert werden. Als negativer Einfluss werden vor allem digital manipulierte Bilder, Musikvideos und Modelcasting-TV-Formate gesehen, die zur Folge haben, dass bis zu 70 Prozent der Mädchen zwischen 12 und 16 mit Bereichen ihres Körpers unzufrieden sind. Daraus resultieren ungesundes Diätverhalten, soziale Ängste, psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Essstörungen oder der Anstieg von Schönheitsoperationen. 

 

Als Maßnahmen dagegen sieht der Aktionsplan nicht nur Bewusstseins-, Sensibilisierungs- und Informationsprogramme vor, sondern auch gesetzliche Maßnahmen zur Unterstützung eines positiven Selbstbildes. In diesem Zusammenhang ist bereits am 1. Jänner 2013 ein restriktives Bundesgesetz zu Schönheitsoperationen über die Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Operationen in Kraft getreten.

 

Im Bereich der gesellschaftlichen Rollenbildung soll vor allem die geschlechtssensible Bildungs- und Berufsorientierung ausgebaut werden. Das Interesse von Frauen an „Technik und Handwerk“ soll entfacht werden, sodass Frauen nicht nur in den rollentypischen Sparten der Dienstleistung und der Gastronomie tätig werden. 

 

Im Wirkungsziel 9 (mit insgesamt 6 Maßnahmen) konzentriert sich der Aktionsplan Frauengesundheit auf die Förderung und den Schutz der sexuellen Gesundheit von Mädchen und jungen Frauen. Vorgeschlagen werden u.a. eine Informationsoffensive, flächendeckende Beratungsstellen, Online-Portale, Qualitätskriterien für Institutionen im Bereich sexueller Bildung, Kriseninterventionsstellen und Notschlafstellen zur Verhinderung verdeckter Obdachlosigkeit. Diskutiert werden soll in einem breiten Dialog, ob kostenlose Verhütungsmittel (Kondom, Pille) und Safer Sex Tools bereitgestellt werden sollen. In Frankreich wird beispielsweise seit 2013 Mädchen zwischen 15 und 18 Jahren die Pille von der Krankenkasse zur Verfügung gestellt, in Deutschland zahlt die Krankenkasse die Pille bis zum 20. Lebensjahr.

 

Das nächste Kapitel ist den Frauen im Erwerbsalter, also der Zeitspanne zwischen (frühestens) 16 und 60 Jahren gewidmet. Zentrale Weichenstellungen in diesem Alter sind wichtige Berufsentscheidungen, der Aufbau von Partnerschaften und der individuelle Kinderwunsch und damit in Zusammenhang die Vereinbarkeit von Elternschaft und Beruf. In der Frauengesundheit spielen vor allem die klassischen Themengebiete der Gesundheitsversorgung und der Krankheitsprävention eine Rolle. Der Aktionsplan bezieht sich bei der Prävention konkret auf Adipositas, assoziierte weitere Erkrankungen und Schwangerschaftsdiabetes. 

 

Im Wirkungsziel 10 soll die gesundheitliche Chancengleichheit für Frauen durch gerechte Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit gefördert werden. So sind derzeit Frauen durchschnittlich 31 Stunden pro Woche im Haushalt und in der Kindererziehung beschäftigt, Männer nur 17 Stunden. Bei mehreren Kindern erhöht sich der familiäre Arbeitsaufwand fast ausschließlich für die Frauen. Daraus resultiert auch die hohe weibliche Teilzeitquote , die sich bei Frauen mit Kindern bis 15 zwischen 1994 und 2004 von 39,1 auf 73,5 Prozent erhöht hat. Neben der weiteren Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen und einer Erweiterung der Väterbeteiligung  sollen soziale Dienstleistungen ausgebaut und die betriebliche Gesundheitsförderung genderspezifisch ausgerichtet werden.

 

In Europa leiden mehr als 27 % der erwachsenen Bevölkerung mindestens einmal im Leben unter einer psychischen Störung, in einem Verhältnis 3:1 sind Frauen betroffen. Dies gilt vor allem für Depressionen, Angststörungen und Essstörungen. Die psychische Gesundheit der Frauen soll daher gestärkt werden, einerseits durch Anamnesegespräche und Vorsorgeuntersuchungen, andererseits durch begleitende psychische Betreuung als Bestandteil der Krankenbehandlung. Die psychische Gesundheitsversorgung soll flächendeckend als Sachleistung sichergestellt werden.

 

Frauen sollen in ihrer selbstbestimmten Sexualität unterstützt werden, ein besonderes Verbesserungspotential besteht im Wissen der Österreicher über Verhütungsmethoden und deren Sicherheit. In jedem Bundesland soll in allen öffentlichen Schwerpunktkrankenhäusern die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruches gegeben sein, was zwar gesetzlich normiert, aber faktisch nicht realisiert ist. Um vor allem Frauen mit pre- oder postnatal psychischen Belastungen oder Störungen adäquat zu behandeln, sollen alle Beteiligten (wie Gynäkologen, Geburtshelfer, Hebammen und Psychiater) verstärkt für psychische Erkrankungen sensibilisiert werden.

 

Die letzten Wirkungsziele und Maßnahmen des Aktionsplans beziehen sich auf die älteren Frauen bzw. Pensionisten. Diese stehen unter der Maxime, dass Frauen länger leben als Männer, allerdings häufiger auf ambulante und stationäre Hilfe angewiesen sind. Depressionen und Einsamkeit sind wichtige Themen im Pflegeheim. Bis ins hohe Alter muss daher eine gendergerechte, individualisierte medizinische, psychosoziale und pflegerische Versorgung sichergestellt werden. Dies gilt insbesondere für Frauen mit chronischen Erkrankungen.

 

In Österreich werden 76,55 % aller Pflegegeldbezieher zuhause betreut, 78 % der betreuenden Angehörigen sind weiblich. Der Wert dieser Angehörigenleistungen beträgt jährlich zwischen 2 und 3 Milliarden Euro. Als besondere Maßnahmen empfiehlt der Aktionsplan kostenlose Entlastungsgespräche, die direkt per Hausbesuch durchgeführt werden. Auch Arbeitgeber sollen für die Situation pflegender Angehöriger sensibilisiert werden.

 

Die durchschnittliche Bruttopension einer Pensionistin betrug 2013 monatlich 886 Euro, Männer dagegen erhielten 1466 Euro. Jede fünfte Pensionistin gilt als armuts- und ausgrenzungsgefährdet, bei Alleinstehenden sogar jede 4.. Ein „One Stop-Shop“ für die Beantragung und Abwicklung von Sozialleistungen und für Pflegeberatung soll hier Abhilfe schaffen und vor allem materiell benachteiligten Frauen helfen. Um auch das Selbstbewusstsein älterer Frauen zu heben, soll die gesellschaftliche Teilhabe der Frauen gestärkt, gezielte Seniorenprojekte gefördert und eine alters- und frauenfreundliche Kommunikation von Politik und Medien forciert werden. 

Donauinselfest 2017 - Ganz Wien war wieder drin!

Endlose Getränke- und Imbissstuben, feiernde Party-Crowds mit leichtem Hang zur Überdosis, eine nicht gerade subtile Werbekanonade der roten Bürgermeisterpartei, verstärkte Sicherheitsteams und mehr als 600 Stunden Musik auf zahlreichen Bühnen zwischen Floridsdorfer Brücke und Reichsbrücke: Das 34. Donauinselfest bei großteils heiß-schwülem Wetter lockte 2,8 Millionen Menschen in die Freizeitoase der Wiener. Auch mit einigen musikalischen Höhepunkten mit Underground-Touch.

 

FM4 transferierte die britische Rapperin Little Simz nach Österreich. Diese zählt im UK zu den heißesten Grime- und Hip Hop Acts und kann bei ihrem Austro-Debüt sofort die Hipster abseits der Mainstreammeilen begeistern. Ebenso wie der Nino aus Wien, der mit neuen Uptempo-Tracks wie "Coco Bello" und Gastauftritten von Voodoo Jürgens und Natalie Ofenböck immer eine Bank für gute Stimmung ist. Den heftigen Schlusspunkt auf der FM4-Bühne setzte der australische Beatboxer Dub FX, nach dessen Aushallen leider für die meisten Fans der arbeitsame Montag drohte.

 

Bass, Beats & Melody auch auf der Viva-Bühne. Zu Gast dort nicht nur die regionalen DJ-Stars Rene Rodrigezz oder die Global Deejays, sondern auch Cedric Gervais. Der French House-Star loungiert dieser Tage auch neben David Guetta im schicken Ushuaia Club von Ibiza und beschallte mit "Summertime Sadness"-Remixes zum ersten Mal die Bundeshauptstadt.

 

Die Top-Auftritte auf der Ö3-Bühne glänzten alle in Rot-Weiß-Rot. Im U4 bereits ein Kult, spielten die Goldfisch, Falcos legendäre Originalband unter der Leitung von Thomas Rabitsch, zum ersten Mal vor hunderttausenden Menschen auf der Donauinsel, 24 Jahre nach dem legendären, abgebrochenen Blitz&Donner-Konzert Falcos 1993. Gianna Nannini düste extra aus Italien nach Wien und performte ohne Probe "Junge Römer" und "It´s all over now, Baby Blue", Burgtheaterstar Johannes Krisch ging mit der "Titanic" unter und becircte "Jeanny", Nachrichtensprecher Tarek Leitner inbegriffen. Faszinierend melancholisch wie auch im U4 die Auftritte von Edita Malovcic mit "Nachtflug" und "Les Nouveaux Riches". Am coolsten allerdings war das Original selbst, Falco mit Live-Einspielungen auf den Video Screens.

 

Ein anderes Original, Rainhard Fendrich, setzte mit einer viel umjubelten Greatest Hits-Show und einem Georg Danzer-Song ("Ruaf mi net an") den finalen Höhepunkt des Donauinselfests. "Denn innen drin bleib i immer a Wiener", so der Schluss-Song vor der Räumung des Donauinselfests. "Es war uns eine große Freude", so die letzten Worte des Austro-Barden. Richtig. Bis zum nächsten Jahr!

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"Many Colours - One Community" - 185.000 Menschen bei der 22. Wiener Regenbogenparade!

"Many Colours - One Community" - So lautete das Motto der 22. Wiener Regenbogenparade, die auch dieses Jahr wieder "andersrum" gegen die Fahrtrichtung des Rings führte. Insgesamt beteiligten sich 2017 - bei einer Besucheranzahl von 185.000 - um die 70 Trucks, die nicht nur für Party-Stimmung am nicht ganz sonnigen Samstag-Nachmittag sorgten, sondern auch Botschaften wie Gleichheit der Geschlechter, Ehe für alle und vor allem gegenseitige Toleranz und Respekt verbreiteten. 

 

Erstmals dabei waren die "Diplomats for Equality", die gemeinsam mit den LGBTI-Lehrern und der Aidshilfe Wien mit einem Preis gekürt wurden. Die "Evergreens" durften natürlich nicht fehlen: An der Spitze die zwei Regenbogenpärchen und die Dykes on bikes, die HOSI Wien, gleichzeitig Veranstalter der Parade, die Libertine Wien, der Club Kreativ und natürlich Hermes Phettberg. Fette House- und Discobeats mit tanzenden Party People hinter den Trucks lieferten die Gay Kult-Disco Why Not, H.A.P.P.Y. und Chaya Fuera. Unternehmen wie die ÖBB, Almdudler oder Microsoft zeigten offen, dass sie hinter der Philosophie der Pride Week stehen. 

 

Rechtlich ist die Situation in Österreich derzeit ähnlich wie in Deutschland. Homosexuelle haben die Möglichkeit, eine eingetragene Partnerschaft einzugehen, die sich in 29 Punkten von der traditionellen Ehe unterscheidet. In den Niederlanden, Belgien, Spanien, Frankreich oder Irland existiert bereits die Ehe für alle, während in den meisten osteuropäischen Staaten, Griechenland und Italien nicht einmal derartige Rechtsinstitute bestehen.

 

Wien als Veranstaltungsort für LGBTI-Events hat sich in den letzten Jahren allerdings bewährt, nicht nur durch die Regenbogenparade selbst, sondern auch durch die zahlreichen Aktivitäten im Rahmen der Pride Week. In der Pride Village direkt vor dem Rathausplatz wurden nicht nur zahlreiche Beratungsmöglichkeiten angeboten, sondern auch gastronomische Köstlichkeiten und Drinks serviert. Auf der Event-Bühne sorgten Künstler, Tänzer, Bands und DJ´s für Unterhaltung bis Mitternacht.

 

So ist es kein Wunder, dass Wien den Zuschlag für die Euro Pride 2019 erhielt. Ein gutes Omen auch für die Tourismus-Industrie: Die bisher bestbesuchte Regenbogenparade war die Euro Pride 2001.

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"Liebe Hoch 16": Multikulturelles Musik-Theater begeistert Wiener Bezirke!

Wenn die Menschen nicht ins Theater kommen, dann muss das Theater zu den Menschen kommen. Und am besten dort, wo sich die Leute in ihrem Alltagsleben auch gerne treffen, auf Plätzen und Märkten. Und um zusätzlich Migranten zu begeistern, die teils (noch) Berührungsängste vor dieser Kunstform haben, wählt man als Veranstaltungsort multikulturelle Hot-Spots in Wien (wie den Volkertmarkt, das Museumsquartier, den Yppenplatz oder den Floridsdorfer Markt) und arrangiert ein spannendes Script über zwei rivalisierende Familien aus Österreich und der Türkei. Geniale Idee.

 

"Liebe Hoch 16", so der Titel des Theaterstücks, spielt original am Brunnenmarkt in Ottakring. Story und Dialoge wurden arrangiert vom syrischen Arzt und Schriftsteller Ibrahim Amir, der selbst vor 12 Jahren als Kurde nach Österreich geflüchtet ist. Die Lyrics stammen vom bekannten Austropopper Wilfried und von der türkischen Rapperin Esra Ömen, die mit ihren klischeezerstörenden Texten und Aussagen nicht nur in der Migrantenszene Vorbildwirkung hat. Die Musik, komponiert vom 5/8erl in Ehr´n-Mastermind Clemens Wenger, reicht von Musical, Operette, Rap bis hin zu Wienerlied und zeitgenössischer türkischer Musik.

 

Drei Bühnen werden auf den Veranstaltungsorten aufgebaut, in der Mitte die Musiker, links und rechts die Fleischereien der feindlich gesinnten Familien. "Romeo & Julia"-like steht im Mittelpunkt eine Love-Story. Die Dinge sind allerdings nicht immer so, wie sie anfangs scheinen. "Somewhere over the Rainbow" lässt grüßen.

 

"Liebe Hoch 16" läuft derzeit im Rahmen des "Wir sind Wien"-Festivals, dürfte aber aufgrund des großen Erfolges auch bald auf diversen Bühnen zu sehen sein. Das Motto sollte aber unverändert bleiben: "Möge wirklich GANZ Wien im Publikum vertreten sein, egal, ob mit, ohne Migrations- oder sonst irgendeinem Hintergrund."

"Expressions" - Eine Freiluft-Fotoausstellung auf dem Wiener Judenplatz!

Wien ist immer für kulturelle Überraschungen gut. Auf dem Judenplatz, direkt vor dem Holocaust-Denkmal, werden derzeit 59 Bilder bekannter österreichischer Fotografen ausgestellt.

 

"Expressions" nennt sich die Freiraum-Exhibition und hat ihren Ursprung aus dem Umweltfotofestival "horizonte zingst" an der Ostsee. Beteiligt sind u.a. Bilder von Erich Lessing, Elfie Semotan, Andreas Bitesnich oder Lois Lammerhuber. Die Fotos sind auf Bänken platziert, die auch zum lässigen Loungieren und Diskutieren über die Motive einladen. Die von Hermann Nitsch, sexy Bademeistern, nackten Schönheiten, extravaganten Installationen bis hin zu dunklen Landschaften reichen. 

 

Wien ist übrigens die erste Destination, in der die Werke ausgestellt werden. Danach geht es weiter in andere europäische Städte wie London, Istanbul, Madrid oder Mailand. Die Fotoliebhaber werden dort nicht weniger beeindruckt sein.

Unterhaltsvorschuss: Trotz gesetzlicher Lücken Anstieg auf 134 Millionen Euro!

Staatliche Unterhaltsvorschüsse wurden zu dem Zweck eingeführt, dass ein Kind auch dann finanziell versorgt wird, wenn ein Elternteil seinen Unterhaltspflichten nicht, nicht rechtzeitig oder nicht vollständig nachkommt. Voraussetzungen für den Anspruch des minderjährigen Kindes sind ein vollstreckbarer Exekutionstitel gegen den Unterhaltsschuldner und der gewöhnliche Aufenthalt des Kindes im Inland.

 

Die Höhe des Unterhaltsvorschusses entspricht der Höhe des gerichtlich festgesetzten Unterhaltsanspruchs. Es existiert zwar kein Mindest-, aber ein Höchstbetrag, der seit 2017 581,60 Euro beträgt. Alternativ werden Fixbeträge von 204 Euro für Kinder von 0-6, 291 Euro für 6 bis 14jährige und 379 Euro für 14 bis 18jährige gewährt.

 

Waren es im Jahr 2015 noch 113 Millionen Euro für 46.019 Kinder, so wurden 2016 laut einer Anfragebeantwortung des Justizministers an die FPÖ-Abgeordnete Edith Mühlberghuber bereits 134 Millionen Euro an 49.889 Kinder überwiesen. 118 Millionen Euro gingen davon an 43.189 Kinder mit österreichischer Staatsbürgerschaft.

 

Die Rückzahlungsquote lag 2016 bei 60,6 %, insgesamt 81,7 Millionen Euro wurden an den Staat zurückgezahlt.

 

Keine statistischen Zahlen existieren im Justizministerium über (inländische) Unterhaltsklagen minder- bzw. volljähriger Kinder gegen ihre Eltern. Gemäß Auslandsunterhaltsgesetz wurden 3738 Unterhaltsansprüche gegen Unterhaltsverpflichtete im Ausland geltend gemacht, davon über 44 % in Deutschland.

 

Nicht unbeträchtlich ist die Anzahl der strafrechtlichen Verurteilungen wegen Verletzung der Unterhaltspflicht nach § 198 StGB. Insgesamt 1885 Verfahren wurden 2016 eingeleitet, in 902 Fällen kam es zu Verurteilungen.

 

Im Regierungsprogramm von 2013 wurde eine Reform des Unterhaltsrechts vereinbart, geschehen ist bis dato nichts, was nicht nur die Opposition, sondern auch Vereine wie Forum Kindesunterhalt und vor allem Alleinerziehende kritisieren. Laut einer Studie sind 42 Prozent aller Haushalte von Alleinerziehenden von Armut und Ausgrenzung bedroht, Hauptursache ist der Kindesunterhalt.

 

Und tatsächlich weist das Unterhaltsvorschussrecht zahlreiche Lücken auf. Ist der Unterhaltspflichtige zahlungsunfähig und kann gegen diesen kein Exekutionstitel geltend gemacht werden, dann hat das Kind keinen Anspruch. Auszahlungsprobleme ergeben sich dann, wenn gerichtliche Änderungsanträge gestellt werden. Außerdem ist der Unterhaltsvorschuss ungerechterweise mit dem 18. Lebensjahr begrenzt. 

 

Schüler mit einer fünfjährigen Ausbildungsphase oder Studenten können dieses wichtige Rechtsinstrument nicht nützen, und das obwohl sie parallel noch Familienbeihilfe beziehen und dies verwaltungstechnisch leicht umzusetzen wäre. Man hat das bittere Gefühl, dass die Politik andere Präferenzen als die finanzielle Unterstützung von (ärmeren) Familien und Kindern hat.

Rock in Vienna: Hit-Feuerwerk der Toten Hosen auf der Donauinsel.

Vor ein paar Wochen spielte Campino mit seinen Toten Hosen noch bei einem Wohnzimmerkonzert im Wiener 9., am Finaltag des Rock in Vienna jubelten über 25.000 Fans auf der Wiener Donauinsel zu den Hits und Raritäten der Kult-Band aus Düsseldorf.

 

Im "Vorprogramm" zeigte Deutschlands Rapper Nr. 1, Marteria, dass man auch bei heißem, sonnigem Wetter die Massen mit Charisma und Leidenschaft anheizen kann.  Der Rostocker, der in den aktuellen Alben-Charts nur von Helene Fischer geschlagen wurde, startete mit seinem neuen Hit "Aliens" und lieferte mit Hits wie "Lila Wolken" und "Kids" bzw. neuen auch politisch-versierten Tracks wie "Il Presidente" ein kurzweiliges Programm zum Tanzen und Mitwippen. Härteren Stoff boten dann die Beatsteaks aus Berlin, die neben Classics auch Titel ihres im September erscheinenden Albums präsentierten.

 

Bereits bei seinem Co-Texter Marteria auf der Bühne, sorgte dann Campino für den "Urknall", gleichzeitig der Opener eines mehr als zweistündigen Hit-Feuerwerks der Toten Hosen. Immerhin sechs neue Tracks aus dem brandneuen Album "Die Laune der Natur" wurden in die Set-List eingebaut. Zwischen Hits wie "Bonnie & Clyde" und dem melancholisch angehauchten "Altes Fieber" durften natürlich auch politische Statements von Campino nicht fehlen. "Wir zeigen dem Terror den Mittelfinger! Das Leben muss weitergehen trotz all der Scheiße, all der Angst und all den komischen Politikern, die in der Pole-Position sitzen!“ Kritik äußerte Campino auch an der Instrumentalisierung des IS-Anschläge gegen unschuldige Asylsuchende. 

 

Im Mittelpunkt des Konzerts stand allerdings der Spaß, und das vor allem bei den Mitsing-Klassikern aus ihrer fast 36jährigen Karriere: "Hier kommt Alex", "Zehn kleine Jägermeister" (die erste Single-Nr. 1) oder ihren einstigen Alk-Skandalsong "Eisgekühlter Bommerlunder" kann einfach jeder Hosen-Fan mitgröhlen. Dass die geniale Schauspielerin Birgit Minichmayr, einst Freundin von Campino, für ihren größten Hit verantwortlich ist, dürften allerdings nur die wenigsten wissen. Sie ist Co-Autorin der Hosen-Hymne "Tage wie diese", die für einen Hexenkessel in den vordersten Reihen sorgte. Den punkigen Schlusspunkt setzte Campino traditionell mit dem Liverpooler Fußball-Klassiker "You´ll never walk alone".

 

Beim friedlichen Heimmarsch hörten die Besucher dann noch per Band den letzten, berührenden Track des neuen Hosen-Albums, "Kein Grund zur Traurigkeit".  Ein Lied des einstigen Drummers Wölli Rohde, der letztes Jahr verstorben ist.

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Asylchaos: Tatsächlicher Aufenthalt rechtskräftig abgelehnter Asylwerber unbekannt!

Ein rechtskräftiger negativer Asylbescheid bedeutet noch lange nicht, dass ein Asylwerber auch tatsächlich in seinen Heimatstaat abgeschoben wird. Die Gründe dafür sind vielfältig: Der Flüchtling taucht unter, es bestehen keine Rückführungsabkommen mit den Herkunftsstaaten, oder die ausländische Botschaft verweigert die Ausstellung von Heimreisezertifikaten.

 

Ist eine Abschiebung unzulässig bzw. aus nicht vom Fremden zu vertretenen Gründen unzulässig, dann hat dieser Anspruch auf eine sogenannte Duldungskarte nach § 46a FPG. Laut einer Anfragebeantwortung des Innenministeriums wurden 2016 insgesamt 279 Karten für Geduldete ausgestellt, davon 82 % für Männer und 18 % für Frauen. Bei der Staatsangehörigkeit führt Afghanistan (32) vor Nigeria (26) und der Russischen Föderation (23). Altersmäßig wurden die meisten Duldungskarten für die Spanne von 19 bis 29 Jahren ausgestellt (103). 

 

Eine Duldungskarte wird für 1 Jahr ausgestellt und kann auf Antrag des Fremden für jeweils ein weiteres Jahr verlängert. Für Flüchtlinge bedeutet das, dass sie weiterhin Anspruch auf die Grundversorgung haben. Diese umfasst - im selben Ausmaß wie bei Asylwerbern - Verpflegung, Unterbringung, Krankenversicherung, medizinische Leistungen und diversen Sonderbedarf. 

 

Mit Stichtag 18. April 2017 befanden sich 3418 Personen mit rechtskräftig negativ abgeschlossenem Asylverfahren in Grundversorgung. Deren künftiges Schicksal hängt auch davon, ob die Bundesregierung imstande ist, endlich Rückführungsabkommen mit einschlägigen Staaten auszuhandeln und eine ordnungsgemäße Abschiebung durchzuführen.

 

Was noch viel bedenklicher ist: Das Innenministerium weiß laut eigener Aussage nicht, wie viele und welche rechtskräftig abgelehnten Asylwerber sich tatsächlich in Österreich aufhalten. Nicht nur ein Armutszeugnis für einen Rechtsstaat, sondern ein gewaltiges Sicherheits- und Kriminalitätsrisiko.

Donaukanaltreiben 2017: 4 Tage-Open-Air mit Indie-, Techno- und Balkan-Vibes!

Sommer, Sonne, Party! Das 11. Wiener Donaukanaltreiben, das seit 2007 in der urbanen Freizeitoase im Zentrum Wiens stattfindet, trotzte den Wetterkapriolen der letzten Wochen und sorgte 4 Tage lang für Rekordbesuch. Unter dem Motto "It´s for Free, Baby" boten 16 Locations mit über 70 Acts ein buntes, abwechslungsreiches Programm, das generationenübergreifend vom Baby, Teenager, Raver, Indie-Hipster bis hin zu seriösen 9-5-Workers oder rüstigen Pensionisten alle Altersschichten anlockte.

 

Die echte Attraktion ist sowieso der Donaukanal selbst: Lässiges Sonnenbaden in den Liegestühlen oder direkt am Kanal, spontanes Bierchen in der Wiese, Joggen im Morgengrauen, zaghaft-kecke Flirtsprüche bei Sonnenuntergang oder ganz einfach ohne Hintergedanken das Dolce Vita des Sommers genießen.

 

Das ambitionierte Line-Up des diesjährigen Donaukanaltreibens ist da nur das Dessert auf dem Sahnehäubchen: Food & Festival-Market und Kunsthandwerksmarkt bei der Salztorbrücke, Bootstaxi-Ausflüge über den Kanal oder die zahlreichen Live-Bands, die die Botschaft von Willi Resetarits, "Überall muss Musik sein", kongenial in die Tat umsetzten.

 

Die Glamour-Popperin Ankathie Koi präsentierte sexy-schrill ihr neues Electro-Album, die punkig-düsteren Crispies scheuten sich nicht vor der starken Sonneneinstrahlung, Isolation Berlin, Der Ringer und Die Höchste Eisenbahn personifizierten neuen deutschen Indie-Rock als spannende Gratwanderung zwischen Rebellion und Depression. Exzessiv getanzt wurde zu den Balkan-Electro-Swing Vibes von Dunkelbunt und seiner mitreißenden Band. Und vor dem seit 1995 existierenden Kult-Lokal Flex wurde open-air geravt zu den neuesten Techno-, Minimal- und Drum&Bass-Beats.

 

Die Wiener lieben ihren Donaukanal. Nicht auszudenken, wenn hier - wie einst in den 60ern geplant - eine Stadtautobahn stehen würde. Ein Wink auch für andere - scheinbar progressive - Projekte der Stadt. 

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Elektro-Pop-Heroes: Depeche Mode begeistern mit "Spirit"-Show in Bratislava!

"Wir stellen nur Fragen, bieten keine Lösungen!" - Ein Satz, der so ehrlich nie von einem Politiker formuliert werden könnte. "Where´s the Revolution?" - Das ist die zentrale Frage, die sich die Elektro-Soundpioniere Depeche Mode stellen. Und spätestens jetzt weiß man, warum im autoritätsgläubigen, harmoniesüchtigen Österreich kein Konzert organisiert wurde. Stattdessen gastierten Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher, unterstützt vom Keyboarder Peter Gordeno und dem österreichischen Drummer Christian Eigner, auf gewohntem Terrain, im altehrwürdigen Pasienky-Stadion von Bratislava.

 

Es war der 7. Auftritt im Rahmen ihrer "Global Spirit"-Tournee, aus Anlass ihres neuen 14. Albums, unfassbare 36 Jahre nach Veröffentlichung ihrer ersten Single "Dreaming of me". Nach den Electro-Pop-Vorbands F.O.X. und Raveonettes startete die nach einem französischen Modemagazin benannte Band aus Essex kongenial mit dem neuen Track "Going Backwards". Denn gerademal 5 Songs aus dem neuen Album "Spirit" standen auf der Setlist des Abends, darunter natürlich "Revolution", das hypnotische "So much Love" und das melancholische "Cover me". Warum die zwei konträren Masterminds der Band, Gahan und Gore, gerade auf ihren ersten gemeinsam geschriebenen Song, "You Move", verzichteten, wundert doch etwas. Stattdessen wurden vor allem die 90er-"Violator"-"Devotion"-Years in Szene gesetzt, und bei Tracks wie "I feel you", "World in my Eyes", "In your Room" oder "Walking in my Shoes" schien es so, als sei der im Gilet-Look wild gestikulierende Gahan, der nach dieser Ära bereits zwei Minuten klinisch tot war, niemals gealtert. 

 

Am weitesten zurück, ins Jahr 1983, ging es mit dem Klassiker "Everything counts", der trotz strömendem Regen Band und Fans aufpeitschte. Für ruhige Nuancen sorgte wie üblich Martin Gore mit "A Question of Lust" und dem legendären "Somebody". Die Überraschung des Abends war sicherlich Dave Gahans Coverversion der Bowie-Hymne "Heroes". Allerdings nur auf den ersten Beat, denn Bowie war Gahans Vorbild ("Eine Platte von Bowie brachte mir mehr als ein Schuljahr. Und damit meine ich nicht nur Texte mit gewichtigen Botschaften, sondern Melodien und das mächtige Gefühl, das ein gutes Lied transportiert"), und beide waren als Wahl-New Yorker gut befreundet. Und, egal ob urban legend oder nicht, Depeche Mode-Gründer Vince Clarke soll Gahan beim "Heroes"-Proben entdeckt haben.

 

In Bratislava hatte Gahan auch Zeit, seine Vokalkünste zu schonen. Denn trotz Regenfalls unter für Depeche Mode-Verhältnisse passender düsterer Aura sangen die international angereisten Fans zu Tracks wie "Enjoy the Silence" oder "Never let me down again" jede Zeile auswendig mit. Kann man ja auch verlangen bei über 100 Millionen verkauften Tonträgern. Das Finale zelebrierten die Depeches dann mit einer extralangen Version von "Personal Jesus". "Reach out, touch Faith!" Fans und Band klitschnass und glücklich. Auch der Himmel klatschte Beifall.  Zumindest er sollte sich nächstes Mal zurückhalten :-)

 

 

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"Seite an Seite" - Christina Stürmer rockt zum ersten Mal die Arena!

14 Jahre ist es her, dass Christina Stürmer bei "Starmania" den 2. Platz belegt und trotzdem den "Jackpot" gewonnen hat. Mit "Ich lebe" gelang ihr der Durchbruch in Österreich, einige Jahre später auch in Deutschland und der Schweiz. Im Laufe ihrer Karriere hatte die gelernte Buchhändler aus Linz zahlreiche Nr. 1-Singles und Alben, stand mit Bon Jovi gemeinsam auf einer Bühne und gewann neben 2 deutschen Echos gleich 11 Amadeus Awards, den letzten 2017 als beste Künstlerin.

 

Seit einigen Monaten ist Christina Stürmer stolze Mutter einer Tochter (Marina), gemeinsam mit ihrer Band hatte sie jetzt die Ehre, zum ersten Mal in der legendären Wiener Arena zu spielen. Der "Stürmer-Hype" ist trotz stagnierenden Chart-Erfolgs noch lange nicht zu Ende, bereits bei der Vorband war die Arena Wiese überfüllt von Konzertbesuchern zwischen 5 und 70.

 

Sympathisch, lässig und volksnah - das ist Christina Stürmer auch mit 34. Neue Tracks aus dem Album "Seite an Seite" wie der Opener "Neue Farben", das Nena-angehauchte "Tragflächen" oder das ihrer verstorbenen Oma gewidmete "Du fehlst mir" werden gemischt mit Mitsing-Klassikern wie "Ich lebe", "Nie Genug" oder "Scherbenmeer". Die beste Stimmung erzeugt ihr bisher größter Hit "Millionen Lichter", traditionell endet das Konzert mit der wunderschönen Ballade "Engel fliegen einsam".

 

Über Einsamkeit muss sich die Christl allerdings nicht beklagen, weder privat noch bei ihren Konzerten. Und das freut nicht nur die Austro-Pop-Fans.

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Novelle des Versammlungsgesetzes: Neue Regelungen für Demonstrationen

CETA- und Frauenrechtsaufmärsche, der Hanfwandertag oder die Regenbogenparade als Zeichen gegen die Diskriminierung Homosexueller. Alles "Demonstrationen" mit unterschiedlichen Zielen und Motiven. Rein rechtlich aber haben sie eines gemeinsam: Sie fallen unter das sogenannte Versammlungsgesetz, das kürzlich im Nationalrat - nicht ganz unstrittig - novelliert wurde.

 

Die Versammlungsfreiheit zählt in Österreich seit 1867 zu den Staatsgrundrechten und ist auch durch die europäische Menschenrechtskonvention verfassungsrechtlich geschützt. Insofern werden vorgenommene bzw. geplante Einschränkungen immer besonders unter die Lupe genommen. Die aktuelle Novelle kann man einerseits als Anlassgesetzgebung, andererseits als (vermeintliche) Erleichterung der Polizeiarbeit sehen.

 

So hat die Behörde jetzt die Möglichkeit, einen Schutzbereich zwischen 50 und 150 m rund um die Versammlung festzulegen. Dies, um unmittelbare Zusammenstöße wie zuletzt zwischen links- und rechtsextremen Gruppierungen in Wien zu verhindern. Versammlungen müssen weiters künftig 48 Stunden (statt wie bisher 24) vor der Abhaltung angemeldet werden. Dies hat allerdings keinen Einfluss auf sogenannte Spontanversammlungen (und soll es auch nicht haben). Demonstrationen bedürfen zu ihrer Legitimation keiner behördlichen Anmeldung oder Bewilligung. Die Nichtvornahme einer Anzeige zieht "nur" eine Verwaltungsübertretung nach sich.

 

Untersagt werden kann eine Versammlung, wenn sie gegen die Strafgesetze verstößt (z.B. bei Wiederbetätigung, Sachbeschädigungen oder Körperverletzungen) bzw. wenn sie die öffentliche Sicherheit gefährdet. Durch die Novelle kommt jetzt - "dank" der grenzüberschreitenden Wahlkämpfe Erdogans - ein weiterer Tatbestand hinzu: So kann die Bundesregierung gemäß § 6/2 eine Versammlung untersagen, die der politischen Tätigkeit von Drittstaatsangehörigen dient und gegen unsere Rechtsgrundsätze verstößt. Der Anwendungsbereich ist gering, der Populismusgrad dagegen umso höher.

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Ernst Molden mit Frauenorchester - Wiener Lieder vor der Karlskirche

Letzten Donnerstag wurde der Wiener Liedermacher und Schriftsteller Ernst Molden noch mit dem Amadeus Award für World Music ausgezeichnet und hielt außerdem eine Laudatio auf "Ostbahn Kurti" Willi Resetarits. Zwei Tage später betrat er gemeinsam mit dem Frauenorchester die Bühne des Karlsfestes direkt vor der faszinierenden Kulisse der Karlskirche.

 

Es war erst der zweite (und vermutlich nicht der letzte) Auftritt Moldens mit Sängerin und Gitarristin Sibylle Kefer, Bassistin Marlene Lacherstorfer und Schlagzeugerin Maria Petrova. Unterlegt von Anekdoten des genialen Geschichtenerzählers lauschten die Zuhörer skurrilen Wiener Liedern über misslungene Hochzeiten ("Deine Schwester waant"), Drogensüchtige im Resselpark ("Katherine") oder zu Ende gehende Liebschaften ("Das alte Laub"). Letzterer - "Autumn leaves" - wie einige andere Songs auch angelehnt an unbekanntere US-Country-Lieder. Kefer, ehemals Mitglied der Ausseer Hardbradler, durfte natürlich auch solo ran, hat sie doch kürzlich erst ihr erstes Album "Hob i di" veröffentlicht.

 

Der "Leonard Cohen Wiens", wie er gerne bezeichnet wird, ist immer dann am besten, wenn er über seine Lebensstadt selbst singt. So zum Beispiel bei seinem Klassiker "Wieso kommt keiner morgens früh nach Wien, sieht die Huren vor den Straßenkehrern flieh´n". Schön, dass das schnörkellose Wiener Lied gerade in digitalsiert-oberflächlichen Zeiten wieder boomt.

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Creative Sound & Art - Das Kremser Donaufestival 2017 "steckt an"!

"Du steckst mich an" lautet das Motto des diesjährigen Donaufestivals in Krems, das in dieser Form seit 2005 in der Wachaumetropole stattfindet. "Camp auf dem Land", so nannte es der langjährige künstlerische Leiter Tomas Zierhofer-Kin, der - als neuer Chef der Wiener Festwochen - das Zepter an den FM4-Radiomacher und Kulturjournalisten Thomas Edlinger übergab. Die Grundtendenz blieb gleich, eine grenzüberschreitende Mixtur aus Musik, Art und Performance, die die Besucher nicht berieseln, sondern inspirieren, herausfordern und aufrütteln soll. 

 

An insgesamt 6 Tagen finden an verschiedenen Standorten pro Tag ca. 20 Einzel-Events statt. Eines der Höhepunkte des ersten Wochenendes war zweifelsohne die Premiere der 5 (!)-stündigen Performance "Habitat" der renommierten Künstlerin Doris Uhlich. Ca. 30 Akteure des "More than naked-Ensembles (inklusive einiger "Amateure") bewegten sich - so wie Gott sie schuf - in den Hallen der (säkularisierten) Dominikanischen Kirche, jeder auf seine Art und Weise, solo, zu zweit oder in Gruppen.  "Die Kirche ist wie nackt, die Wände und der Boden haben einen Nude-Ton" - so Uhlich, die die teils natürlichen, teils künstlichen Zuckungen der Performer an die Architektur der Kirche anpasste und die Zuschauer inmitten der nackten Körper unmittelbar daran teilnehmen ließ. Als musikalische Kulisse dienten tribalistische Minimal-Techno-Beats, die die Energie der Performance intensivierten und auch auf die Besucher übertrugen. Choreografin Uhlich: "Jeder hat einen Körper! Das verbindet uns alle. Und unterm Gewand schauen wir alle gleich aus, egal an was wir glauben!"

 

"Rap against Racism" lieferte die schwarze Künstlerin und Aktivistin Camae Ayewa aka Moor Mother im Stadtsaal. Harte Beats, aggressives Wording und eindeutige Messages. Die ungerechte Welt hat es nicht anders verdient. Zum Finale tanzten auch einige Konzertbesucher auf der Hip Hop-Bühne, es besteht noch Hoffnung. 

 

Vancouvers Rap-Shooting-Star Tommy Genesis dagegen präsentierte sich in der Halle 2 im School-Girl-Outfit, hautnah beim Publikum und nur von Background-Hip Hop Beats begleitet. Die Künstlerin des DIY-Labels Awful Records ist allerdings – konträr zum Look – eine selbstbewusste Anti-Spears. "Liebe und Sex sind von vornherein belastet mit dieser Art Gehirnwäsche, die wir alle mitbekommen. Man muss sich für die eigenen Regeln entscheiden." - so Tommy Genesis.

 

Für Retro-Atmosphäre sorgte am Eröffnungstag die ehemalige UK-New Wave-Band Scritti Politti, die heute nur mehr aus dem damaligen Sänger Green Gartside besteht. Die Hits von damals, "Word Girl", "Wood Beez" oder "Sweetest Girl" faszinieren durch dessen beständiger Stimme noch immer, die politische Message ist etwas verblasst, was aber nicht stört.

 

Wer auf härtere Beats abfährt, wurde beim Donaufestival auch bestens bedient. DJ M.E.S.H. aus New York scratchte im Festival-Areal der Österreich-Hallen, während Group A aus Tokyo im Stadtsaal Gothic-Wave mit Techno und Live-Violins kombinierten. Neue Maßstäbe in Sachen elektronischer Club-Musik bot der südafrikanische DJ Lag: Gqom heißt das Zauberwort der Szene in Durban. Eine Mixtur aus Techno, Tribal und hallenden Samples. Man staunt, was der altehrenwürdige Stadtsaal in Krems noch aushält:-)