"Klima und Grenzen schützen": Österreich auf dem Weg zur "Grünen Festung Europa"!

"Europa ist 'n Schrebergarten, friedlich ja vor allem,

wir feiern unsere Gastfreundschaft und das am liebsten allein.

Wir bauen Mauern aus Angst. Wir bauen aus Stacheldraht und Frontex.

Wie falsch ist jedes Wort von Menschlichkeit in diesem Kontext."

 

Textpassagen aus dem Jennifer Rostock-Hit "Wir sind nicht von hier", die bei den gewöhnlich ausverkauften Konzerten in Wien von tausenden linken Fans der Band mitgegröhlt werden.

 

Zumindest jene Mitglieder der Grünen, die am 4. Jänner für den türkis-grünen Koalitionspakt gestimmt haben, sollten aus Courage vor ihrem eigenen Spiegelbild diesen Track nicht mehr anstimmen. Denn sie befinden sich jetzt auf einem rigiden Kurs der Marke "Grüne Festung Europa" mit einem türkisen Steuermann, der noch im September 2018 seine Ausländerpolitik so zitierte: "Das, was ich heute sage, ist vor 3 Jahren in der EU von vielen als rechts oder rechtsradikal bezeichnet worden."

 

Die Grünen, die sich stets für Botschaftsasyl, Resettlement-Programme und eine Quoten-Verteilung der Flüchtlinge basierend auf Aufnahmekapazitäten und familiäre Bindungen einsetzten, haben ein Regierungsprogramm unterschrieben, das die Verteilungsmechanismen der EU als gescheitert betrachtet, und daher diesbezüglich keine Initiativen mehr gesetzt werden. Bei den UNHCR-Zahlungen liegt Österreich auf Platz 43 und hat trotz der Flüchtlingskrise die Beiträge in den letzten drei Jahren gekürzt (2019 4 Millionen Dollar). Eine Erhöhung der EZA-Beträge auf 0,7 Prozent des Bruttonationalprodukts ist zwar geplant, allerdings ohne konkreten Zeitrahmen.

 

Für Asylwerber gibt es - abgesehen von der Sonderregelung für die aktuell in einer Lehre befindlichen Flüchtlinge - keine Möglichkeit mehr, eine Lehre, auch nicht in einem Mangelberuf, zu beginnen. Die deutsche 3+2-Regelung (3 Jahre Lehre plus 2 Jahre Aufenthaltsrecht durch Arbeit im erlernten Beruf) wird von der ÖVP abgelehnt. Im Gegenzug allerdings soll eine Erleichterung der Rot-Weiß-Rot-Karte Personen aus EU-Drittstaaten motivieren, nach Österreich zu migrieren. Ein Wunsch der Wirtschaft, Lohndumping nicht ausgeschlossen.

 

Eine Verschärfung der Wehrpflicht droht. Geplant sind nur mehr zwei Tauglichkeitsstufen, "Volltauglich" und "Teiltauglich", um mehr Männer zum Militär- bzw. Zivildienst zu zwingen. Eine Wehrpflicht für Frauen ist derzeit kein Thema, so die ehemalige NÖ Bauernbunddirektorin und Verteidigungsministerin Tanner. Die Betonung liegt auf "derzeit".

 

Rund 1,1 Millionen in Österreich lebende Bürger (ca. 15 %) haben aufgrund fehlender österreichischer Staatsbürgerschaft kein Wahlrecht, in Wien sind dies fast 30 Prozent. Grüne Forderungen nach Erweiterungen des Wahlrechts oder nach schnelleren Einbürgerungen bleiben im rechtskonservativen Regierungsprogramm - kein Wunder - unberücksichtigt.

 

"Stoppt das Überwachungspaket": Unter diesem Kampfslogan demonstrierten in ganz Österreich tausende Aktivisten gegen Grundrechtseinschränkungen im Strafprozess- und Sicherheitspolizeirecht. Die Installierung eines "Bundestrojaners" wurde erst im Dezember 2019 vom VfGH aufgehoben. Die Grünen warnten bis dato vor einem "Polizeistaat" und vor Übergriffen auf harmlose Tierschützer, Balldemonstranten oder Unibesetzern. Jetzt tragen sie gemeinsam mit der ÖVP das gesamte Überwachungspaket mit (inkl. Vorratsdatenspeicherung Quick Freeze, Ausbau der Videoüberwachung oder Lockerung des Briefgeheimnisses) und haben sich per Koalitionspakt dazu verpflichtet, eine neue verfassungskonforme Lösung für den Bundestrojaner zu konzipieren. Die billige Ausrede, einzig allein die FPÖ (und nicht die Kurz-ÖVP) sei für diese Eingriffe verantwortlich, ist damit vom Tisch und eindeutig widerlegt.

 

Unter Ex-Innenminister Kickl in der türkis-blauen Regierung gefordert, soll jetzt mit grünem Sanktus eine Präventionshaft für Asylwerber kommen. Die Verhängung einer Haft für gefährliche Personen bei Gefahr für die öffentliche Ordnung ist laut Experten nur dann zulässig, wenn die Verfassung geändert wird. Die Grünen als 2/3-Mehrheitsbeschaffer (gemeinsam mit ÖVP und FPÖ) für die erste Einschränkung der Grundrechte seit 1945?

 

Im Jänner 2018 sprach Kickl davon, dass Flüchtlinge "konzentriert" untergebracht werden sollen. Dies könnte unter Türkis-Grün nun Realität werden. Geplant sind laut Regierungsprogramm grenznahe Asylantragsverfahren im Binnen-Grenzkontrollbereich, ÖVP-Innenminister Nehammer sprach in der ZIB 2 sogar von Asylzentren in regionaler Nähe zu Ungarn, Slowenien und Italien, die von den Asylwerbern - unter Einhaltung einer Wohnsitzauflage - nicht verlassen werden dürfen. Ob die Zurücknahme dieser Ankündigung dem Wahlkampf in Burgenland geschuldet war, wird sich weisen.

 

Die noch von Türkis-Blau beschlossene "Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen" (BBU), die dem Innenministerium zugeordnet ist, wird durch die neue Regierung nicht beseitigt. Trotz heftiger Kritik von NGO´s und Menschenrechtsaktivisten soll die BBU die Rechtsberatung von Asylwerbern übernehmen. Um die "Unabhängigkeit" zusätzlich abzusichern, soll ein Qualitätsbeirat eingerichtet werden. Ein schwacher Trost.

 

Einer der negativen Höhepunkte des Koalitionspakts ist ein Konfliktbewältigungsmechanismus für den Fall, dass es bei (nicht definierten) "Migrations- und Asylkrisen" zu keiner Einigung zwischen der ÖVP und den Grünen kommt. In diesem mehrstufigen Verfahren hat dann jeder Koalitionspartner das Recht, einen Initiativantrag (bei zwingender Ausschussbegutachtung) im Parlament einzubringen. Das (an sich soundso verfassungsrechtlich gewährleistete) freie Mandat bei Abstimmungen wird im Koalitionspakt zusätzlich aufgehoben, ein "koalitionsfreier Raum" ÖVP-FPÖ bei scharfen Maßnahmen gegen Flüchtlinge ist abgesichert.

 

Grenzen schützen, Klima schützen“: So „messagecontrolen“ K&K ihre Kernbotschaften für das Regierungsprogramm. "Ökofaschismus" nennt dies (die von Kurz stets heftig kritisierte) Seenotretterin Carola Rackete. Man könne nicht nur an die Gletscher in Österreich denken und nicht an die globalen Folgen der Erderwärmung. „Es darf keine grüne Festung Europa geben, entweder gelten Menschenrechte für alle, oder sie sind nichts wert."

 

Die Grünen befinden sich in der Koalition mit der ÖVP auf einem politischen Irrweg und sind Steigbügelhalter für die Fortsetzung der reichenfreundlichen, arbeitnehmerfeindlichen, unsozialen und xenophoben Politik von Türkis-Blau. Eine fortdauernde Beteiligung könnte für die Partei existenzbedrohend sein und mit dem wiederholten Rausschmiss aus dem Nationalrat enden. Es ist Zeit, die Reißleine zu ziehen und wieder zu den Songs von Jennifer Rostock zu singen, zu tanzen und zu trinken.

 

Ich bin nicht von hier, du bist nicht von hier

Wir sind nicht von hier, wir sind alle nicht von hier

Es geht doch um den Menschen, was sind Pässe aus Papier

Wir teilen uns diese Erde, komm wir teilen uns noch ein Bier

Time is Thirsty! - Subtil-Minimalistische 90s-Ausstellung in der Kunsthalle Wien!

"Time is Thirsty" - So nennt sich eine noch bis 26. Jänner laufende Ausstellung der Kunsthalle Wien des im Museumsquartier. Thematisiert wird das Jahr 1992 (gleichzeitig das Gründungsjahr der Kunsthalle), durchaus auf eine unkonventionelle Art und Weise nach einer Idee des Kurators Luca Lo Pinto, der nach dieser Ausstellung als Direktor des Museo d´Arte Contemporanea di Roma (MACRO) tätig wird.

 

Betritt man den großen Hauptraum der Kunsthalle, dann wird man nicht - wie üblich - mit hunderten Artefakten eines Jahrzehnts und zahlreichen Inhalten erschlagen, sondern befindet sich in einer vergleichsweise leeren Halle mit verschiedensten Objekten, die - ohne Erklärungen (ein Booklet erhält man an der Kasse) - zwar schwer zuordenbar sind, allerdings nach freier Fantastie zu Assoziationen verknüpft oder zu sinnlichen Erlebnissen transformiert werden können. "The Feeling of this Show is an in-between status, like being in a club, where you don´t understand if the party just finished or has yet to start", so Pinto.

 

Durch die ganze Halle dröhnen Techno-Beats des britischen Experimentalmusikers Peter Rehberg und Soundloops des italienischen Elektronik-Duos Vipa, auf der Seite stehen leere Gläser von Jason Dodge, so wie einst auf den illegalen Rave-Floors der 90er. Die norwegische Künstlerin Sissel Tolaas versetzt das technoide Ambiente mit Geruch aus den Nineties. Ann Veronica Janssens besprüht in der Mitte der Halle den Boden mit "Blue Glitter", dessen Farbe sich je nach Blickwinkel verändert. Daneben ragt eine überlebensgroße, styropor-gefüllte Levis-Jeans, damals die Kult-Hose schlechthin. Weniger stilsicher zumindest nach heutigem Geschmack die multikulturelle Sportswear der niederländisch-chinesischen Designerin Carla Maria Fong Leng, dargestellt mit fünf Ankleidepuppen. Auf den Wänden platziert sind riesige Fleischwunden, laut Schöpferin Georgia Sagri "gleichsam soziale und ästhetische Körper", und das Bild einer Äffin mit gezücktem Revolver, die den aktuellen Selfie- und Instagramwahn mancher Frauen stellvertreterisch persifliert.

 

Die Worte "Merry Christmas" weisen auf ein revolutionäres Ereignis vom 3. Dezember 1992 hin, als der junge Testingenieur Neil Papworth die erste SMS mit diesem Text über das Vodafone-Netzwerk an das Telefon von Richard Jarvis schickte. "Why I hate the Internet", ein aus einem Buch herausgerissenes Gedicht von Dorothea Lasky, regt zum Nachdenken an über die sinnentleerte Like-Culture der Jetzt-Zeit. 

 

Ohne Zeitangabe auf den Wänden zu lesen sind selektierte Artikel über Ereignisse von 1992, die so auch in der Gegenwart passieren könnten:_ Demos gegen Fremdenhass (in Deutschland), Ausschreitungen wegen Polizeigewalt in Los Angeles (der Fall Rodney King) oder ausgeartete Meinungsverschiedenheiten zwischen Rave Hippies und Dorfbewohnern in England.

 

Kurator Pinto verbindet geschickt künstlerische Positionen der Vergangenheit mit der Gegenwart unter der (kaum widerlegbaren) Prämisse, dass nahezu alle aktuellen Kreationen Reinkarnationen, Variationen oder Kopien früherer Jahre sind. Nicht in der Kunsthalle Wien, aber im Stadtraum zu sehen, ist ein Plakat mit dem Schriftzug "Es ist nur eine Frage von Zeit". Der Schöpfer dieses Plakats aus dem Jahre 1992, Felix-Gonzales-Torres, ist 1996 an Aids gestorben. Die Immunschwächekrankheit ist auch heute noch unheilbar...

 

"Time is Thirsty" ist noch bis 26. Jänner im MQ zu sehen...

 

"Nur noch KURZ die Welt retten" - Der hohe Preis: Retro-Rechts-Politik der ÖVP...

"Wer weiß, was mir dann noch passiert, denn es passiert so viel. Muss nur noch kurz die Welt retten." So oder so ähnlich dürfte der Stimmungsrausch der Grünen gewesen sein, als sie auf die Idee kamen, mit der rechtskonservativen ÖVP in Regierungsverhandlungen zu treten. "Aus (vermeintlicher) Verantwortung für Österreich".

 

Die vereinbarten Punkte und Zielformulierungen in den Bereichen ökologische Steuerreform, Klimaschutz, Verkehr und Umwelt sind vage, teilweise auf die lange Bank geschoben, aber  zumindest vertretbar: Bis 2030 Strom zu 100 % aus erneuerbaren Energiequellen, Klimaneutralität bis 2040, ein neues Klimaschutzgesetz, ein Paris-kompatibles CO2-Budget, ein verpflichtender Klimacheck für alle neuen und bestehenden Gesetze, ein 1-2-3-Österreich-Ticket, je eine 1 Milliarde Euro für den Nah- und den Regionalverkehr, eine Erhöhung des Radverkehrsanteils von 6 auf 13 %, eine Bodenschutzstrategie für sparsameren Flächenverbrauch, eine (lenkungstechnisch wenig effektive) Flugticketabgabe oder eine Ökologisierung der Pendlerpauschale. In einer Arbeitsgruppe soll bis 2022 über eine mögliche CO2-Steuer diskutiert werden, die im Wahlprogramm von der ÖVP noch strikt abgelehnt wurde und daher wenig wahrscheinlich ist.

 

Und damit wären wir schon beim Knackpunkt dieser Koalition, der ÖVP. Bundeskanzler Kurz bezeichnet das Regierungsprogramm als "das Beste beider Welten". Abgesehen davon, dass es nur eine Welt gibt (wie dies auch Grünen-Chef Kogler richtig erkannt hat), erscheint es wenig erstrebenswert, in einem türkisen Retro-Paralleluniversum zu leben, das unter dem unausgesprochenen Motto "Zurück in die Zukunft" die österreichische Gesellschaftspolitik um Jahrzehnte rückwärts katapultiert. Mit Zustimmung der progressiven Grünen, deren Wahlprogramm diametral zu vielen verbindlichen Formulierungen im Koalitionspakt steht.

 

"Leistbares Leben für alle" lautet ein Wahl-Slogan der Grünen. Aber nur für die, die es sich leisten können. Denn im Koalitionspakt mit den Immobilienfreunderln der ÖVP findet sich kein Wort über Mietzinsobergrenzen oder eine Beschränkung befristeter Mietverträge (so wie in Deutschland). Die Jung-Schickeria soll sich gefälligst Eigentumswohnungen kaufen.

 

Die Grünen Andersrum demonstrierten bei der Regenbogenparade stets für eine Erweiterung des Diskriminierungsschutzes, das sogenannte "Levelling Up". Nicht mit der mittelalterlichen ÖVP. Und so dürfen Homosexuelle weiterhin ohne Konsequenzen wegen ihrer Gesinnung aus Lokalen geworfen oder als Mieter abgelehnt werden.

 

Die Frauenagenden, stets eines der Flaggschiffe der Grünen, wandern ins Integrationsministerium. Laut Kurz, um die Frauen vor "importierten Machokulturen" zu schützen. Kein Thema in dieser Koalition: Die finanzielle Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt (der aktuelle Gender Pay Gap beträgt immer noch 19,9 %) oder eine Arbeitszeitverkürzung zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch die Rechtsansprüche auf einen Kindergartenplatz, eine Gratis-Nachmittagsbetreuung und ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr - Forderungen, mit denen die Grünen in den Wahlkampf gezogen sind - fanden keine Eintragung in den 326 Seiten dicken Koalitionspakt.

 

"Ein besonderes Augenmerk legt die Bundesregierung auf die Bekämpfung von Kinderarmut", steht im Regierungsprogramm. Davon ist bei den einzelnen Punkten wenig zu merken. 

 

Bei der Steuerreform wird der Kardinalsfehler der türkis-blauen Koalition nicht nur fortgesetzt, sondern verstärkt. Kinder sind der türkis-grünen Koalition nicht gleich viel wert, und so erhalten reichere Familien einen Familienbonus von 1750 Euro jährlich pro Kind, jene, die aus verschiedensten Gründen (Alleinerzieher, Working Poor, prekäre Beschäftigung,...) keine Lohnsteuer zahlen, einen lächerlichen Kindermehrbetrag von 350 Euro.

 

Eine Unterhaltsgrundsicherung für arme Kinder fehlt vollkommen. Sie wäre - in einer Höhe von 500 Euro pro Kind monatlich - leicht erfüllbar. Türkis-Grün setzt allerdings andere Prioritäten, die dafür notwendigen 2 Milliarden Euro dienen als Steuergeschenke für Großkonzerne und die obersten 100.000. So soll u.a. die Körperschaftssteuer von 25 auf 20 % gesenkt und die Wertpapierzuwachssteuer abgeschafft werden.

 

Bildungspolitisch traten die Grünen seit jeher für eine chancengleiche Gesamtschule der 6 bis 14jährigen ein. Jetzt haben sie einen Koalitionspakt unterschrieben, der die Entscheidung über die weitere Bildungslaufbahn zeitlich so früh wie noch nie zuvor festlegt, in das 9. Lebensjahr der Kinder. Unter der Ägide des erzkonservativen Bildungsministers Faßmann sollen neben der Schulnachricht der 4. Klasse bereits eine individualisierte Kompetenzfeststellung in der 3. Schulstufe und das Jahreszeugnis der 3. Klasse als Faktoren für die zukünftige schulische Karriere der Kinder herangezogen werden. 

 

"Die Wissenschaft soll sich nicht überall einmischen",  so kürzlich Faßmann in der ZIB. Und so bleiben die türkis-blauen "Reformen" bestehen: Separierte Deutschförderklassen, Sitzenbleiben und Ziffernnoten ab der 2. Schulstufe, das Kopftuchverbot für Volksschüler (mit 8 Fällen im Vorjahr) soll bis zum 14. Lebensjahr der Schülerinnen ausgedehnt werden. Im Universitätssystem drohen weitere Zugangsbeschränkungen und eine Valorisierung der Studienbeiträge. Beides wurde von den Grünen, insbesondere von der ehemaligen Hochschulaktivistin und nunmehrigen Klubobfrau, Sigrid Maurer, heftigst bekämpft.

 

Nicht im Koalitionspakt stehen zwei Themen, die derzeit wegen vermutlicher Europarechts-Widrigkeit verfahrensanhängig sind. So droht Österreich wegen der Indexierung der Familienbeihilfe für im "EU-Ausland" wohnhafte Kinder (die vor allem schlecht entlohnte, slowakische, ungarische und rumänische 24 Stunden-Pflegerinnen trifft) eine Klage vor dem EuGH. Die EU-Kommission prüft derzeit weiters, ob sie ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich wegen des türkis-blauen Standortentwicklungsgesetzes einleitet. Dieses sieht bei Großprojekten mit öffentlichem Interesse eine Verfahrensbeschleunigung bei Umweltverträglichkeitsprüfungen vor. ÖVP und Grüne stehen auch hier in gegnerischen Positionen.

 

Die Wirtschaftsministerin Schramböck in einem aktuellen Interview: "Wir haben eine klare Vereinbarung, dass wir Dinge, die wir mit der FPÖ gemacht haben, nicht zurücknehmen." Die Grünen, die die Koalition mehrheitlich eingegangen sind, um Türkis-Blau zu verhindern, werden also als türkiser Juniorpartner zusätzlich zu Vollstreckern des unsozialen, arbeitnehmerfeindlichen und xenophoben Programms der Vorgängerregierung. Es ist Zeit, die Reißleine zu ziehen, die Existenz der Partei steht auf dem Spiel...

"Ära des Gemeindebaus": Ausstellung über das rote Wien (1914-1934) im Musa!

Wien galt nach den Kriegsgräueln des 1. Weltkriegs als Krisenstadt des Kontinents. Trotzdem breitete sich nach den ersten freien Gemeinderatswahlen im Mai 1919, bei denen die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) die absolute Mehrheit erreichte, eine Aufbruchsstimmung aus. Eine Ausstellung im MUSA Museum zeigt - noch bis 19. Jänner 2020 - einen kleinen Überblick über das "rote Wien" zwischen 1919 und 1934.

 

Seit 1920 hat Wien den Status eines eigenen Bundeslands und verfügt daher auch über die Kompetenz, eigene Steuern einzuheben. Wie ein großes Wahlplakat mitten im Saal zeigt, waren die sogenannten "Breitner-Steuern" des damaligen Finanzstadtrats die lukrative Quelle für Investitionen in Wien. Dazu zählten Fürsorgeabgabe, diverse Luxussteuern und vor allem die zweckgewidmete Wohnbausteuer, mit deren Einnahmen bis 1933 380 Gemeindebauten für sozial schwächere Bürger errichtet wurden. Die 60.000 Wohnungen für 200.000 Einwohner waren zwar vergleichsweise klein, die Gebäudeflächen enthielten aber großräumige Höfe und Gemeinschaftsräume wie Waschküchen und Toiletten.

 

Dem nicht genug. Die Stadt Wien forcierte unter Stadtschulratspräsident Otto Glöckel eine "Wiener Schulreform" mit einer Demokratisierung des Erziehungsstils, Mitbestimmung in der Schulverwaltung und dem Modellversuch einer Gesamtschule der 10 bis 14-jährigen. Für die Erwachsenenbildung wurden zahlreiche Volkshochschulen gegründet.

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht auch das Aufkommen der sozialdemokratischen Frauenbewegung unter ihrer Begründerin Adelheid Popp, deren zuerst anonym veröffentlichtes Buch "Jugendgeschichte einer Arbeiterin" neben zahlreichen Fotografien zur Einsicht vorliegt. Das Wahlrecht für Frauen  wurde - ebenso wie deren Zugang zu Universitäten - 1918 eingeführt, Popp saß als eine von 22 Frauen 1919 im 165köpfigen Wiener Gemeinderat.

 

Geschaffen wurden im roten Wien nicht nur zahlreiche Schulen, Kindergärten und Mutterberatungsstellen, sondern auch Kultureinrichtungen, Vereine, Kinos, Schwimmbäder (wie das Amalien- oder Kongressbad) und das Praterstadion. PR-mäßig verkaufte sich die SDAP vor allem durch Großveranstaltungen wie das 2. Internationale Sozialistische Jugendtreffen 1929 oder die 2. Arbeiterolympiade 1931. Die Sozialistische Jugend präsentierte sich stolz in ihren traditionellen "Blauhemden".

 

Die Reformkraft des roten Wien beeindruckte nicht nur die "Genossen", sondern auch bürgerliche Intellektuelle wie Sigmund Freud, Hans Kelsen oder Robert Musil. Bei den Wählern erreichte die SDAP 1927 ihren Rekordwert von 60,3 %. Mit zahlreichen Fotos, Plakaten und Zeitungsausschnitten zeigt die Ausstellung weiters den drohenden Niedergang der erfolgreichen Ära, beginnend mit dem Justizpalastbrand 1927 und der Weltwirtschaftskrise 1929 bis zu den Februarkämpfen 1934, in deren Folge die Partei und deren Organisationen verboten wurde.

 

Die Ausstellung im Musa Museum (Felderstraße 6-8, neben dem Rathaus) läuft noch bis 19. Jänner. Einen 456 Seiten dicken Katalog "Das rote Wien 1914-1934, Ideen, Debatten, Praxis" kann man beim Birkhäuser Verlag erwerben. Zweifelsohne mit vielen Tips und Inspirationen, um ein "türkises Wien" zu verhindern...

Türkis-Grüner-Koalitionspakt: Feed the Rich!

Journalisten, die die Regierung als "Mitte-Rechts" klassifizieren, Entsetzen der deutschen Grünen über den Koalitionspakt, Enttäuschung bei Volkshilfe, Frauenring, Hochschülerschaft und Minderheiten-NGO´s. Und das, obwohl die (vermeintlich linksliberalen) Grünen seit 7. Jänner 2020 zum ersten Mal Teil einer österreichischen Bundesregierung sind. Die Kritik hat auch weniger mit den einzelnen Personen der Grünen zu tun, sondern mit dem türkis-grünen Regierungsprogramm, das - Klimaschutz mal ausgenommen - die Großkonzerne und die reichen Haushalte priorisiert. Soziale und verteilungspolitische Punkte sind verkümmert oder wurden - vermutlich auf Drängen der Kurz-ÖVP - komplett gestrichen.

 

Dies beginnt mit der Bekämpfung der Kinderarmut, laut Grünen-Parteichef Werner Kogler eines seiner wichtigsten politischen Ziele. Über 330.000 Kinder sind in Österreich aktuell armutsgefährdet, das verhandelte Regierungsprogramm hilft ihnen de facto kaum. Der Familienbonus wurde für reichere (!) Haushalte von 1500 auf 1750 Euro angehoben. Eltern, die keine Einkommenssteuer aufgrund ihrer geringen Löhne zahlen (das sind ca. ein Viertel der unselbständig Beschäftigten) erhalten ein Almosen in Form des Kindermehrbetrages von 350 Euro (statt bisher 250 Euro) jährlich pro Kind. 

 

Keine Rede mehr ist von einer allgemeinen Unterhaltsgrundsicherung auf Basis einer aktuellen Kinderkostenstudie, die von den Grünen seit Jahren gefordert wird.

 

Bei der Einkommenssteuer werden zwar die Prozentsätze der untersten Tarifstufen gesenkt, de facto profitieren davon aber Menschen mit Einkommen über 60.000 Euro jährlich am meisten. Die Abschaffung der kalten Progression ist weiterhin kein Thema. Für Einkommensmillionäre läuft der Spitzensteuersatz von 55 % aus.

 

Die Grünen forderten in ihrem Wahlprogramm die Einführung von Vermögens- und Erbschaftssteuern ab einer halben Million Euro. Beides kommt nicht. Stattdessen wird die Körperschaftssteuer für Aktiengesellschaften und GmbH´s (die in den 90ern noch 34 % betragen hat) von 25 auf 21 Prozent gesenkt. Ein Steuergeschenk für die Wirtschaft in der Höhe von ca. 1,5 Milliarden Euro. Ebenfalls nicht im Koalitionspakt enthalten ist eine Reform der Grundsteuer, die relevanten Einheitswerte stammen noch aus dem Jahr 1973 und liegen weit unter den heutigen Verkehrswerten. 

 

Abgeschafft dagegen wird die Wertpapierzuwachssteuer bei Gewinnen aus Wertpapieren, die laut Analysen großteils von 10 % der reichsten Haushalte erworben werden. Kosten: Rund 300 Millionen Euro.

 

Arbeitsrechtlich werden die unter Türkis-Blau beschlossenen Verschlechterungen für Arbeitnehmer in keinem Punkt zurückgenommen. Der 12 Stunden-Tag und zahlreiche weitere Verschärfungen des Arbeitszeitgesetzes bleiben unverändert, es gibt weiterhin keinen Rechtsanspruch auf eine 4-Tage Woche. Die von den Grünen im Wahlprogramm propagierte Forderung nach einer 35 Stunden-Woche ist komplett vom Tisch und wird nicht einmal in einer Task Force (vulgo Arbeitsgruppe) diskutiert. Ebenso der gewünschte gesetzliche Mindestlohn von 1750 Euro.

 

Laut Regierungsprogramm soll es, kryptisch formuliert, zu einer "Weiterentwicklung des Arbeitslosengeldes" kommen. Das kann auch die Streichung der Notstandshilfe sein, die im türkis-blauen Koalitionspakt verankert war. Die "Sozialhilfe Neu", die von den Grünen heftigst bekämpft wurde, bleibt - abgesehen von den durch den VfGH aufgehobenen Bestimmungen (Höchstsätze für Mehrkindfamilien, Reduzierung bei mangelnden Sprachkenntnissen)  - unverändert und wird - wie geplant - von den Ländern umgesetzt werden.  Diverse Zusatzleistungen der Länder werden eingeschränkt, die Leistungen für Paare werden gekürzt, und auch die Deckelung für Wohngemeinschaften bleibt bestehen.

 

Damit die Grünen aber nicht auf "dumme Gedanken" kommen, wurden ihnen von der neoliberal-unsozialen Kurz-ÖVP diese Agenden entzogen. Gemäß einer von den Grünen mitbeschlossenen Novelle des Bundesministeriengesetzes unterliegen die Arbeitsmarkt-, Arbeitnehmerschutz- und Arbeitsrechts-Themen ab sofort dem Ministerium für Arbeit, Familie und Jugend, das von der ÖVP-Ministerin Christine Aschbacher geleitet wird.

 

"Ich habe die österreichischen Grünen nie als linke Partei verstanden. Sie schätzen die Gesellschaft so wie sie ist. Sie möchten sie nur etwas moderner und ökologischer", so Ex-Jetzt-Mandatar RA Alfred Noll. Viele Grün-Wähler dürften bei den letzten Urnengängen die Grünen allerdings wegen ihrer sozialen, verteilungspolitischen und grundrechtlichen Positionen gewählt haben. Vermutlich zum letzten Mal...

 

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Best of 25 Years: Krone Bunt-Zeichner Bruno Haberzettl im Karikaturmuseum Krems!

Am 29. September 2001 wurde an der Kunstmeile das Karikaturmuseum Krems eröffnet. Errichtet wurde es nach den Plänen des kürzlich verstorbenen Architekten Gustav Peichl, der mit seinen feinsinnigen, politischen Karikaturen oftmals dessen Räumlichkeiten frequentierte. Als Dauerausstellung fungieren stets Werke des 2016 verstorbenen Kult-Zeichners Manfred Deix, aktuell im Erdgeschoß unter dem Titel "A Echta Deix-Unvergessen". 

 

Als Kontrast zu den deftigen Deix-Karikaturen werden im zweiten Raum des Erdgeschoßes satirische Zeichnungen anderer Künstler gegenübergestellt. "Exkurse" nennt sich dieses neuartige Konzept, das noch bis Anfang Februar 2020 Werke des amerikanischen Cartoonisten Peter Steiner zeigt. Trump, Tabletten-Sucht, PR-Tricks, moderne Erziehung oder die Digitalisierung sind Themen, die der Sohn österreichischer Emigranten in seinen Zeichnungen verarbeitet. Geistreiche Cartoons wie "On the Internet nobody knows you´re a dog" begeistern nicht nur in Krems, sondern auch im "The New Yorker", in dem Steiner seit 1979 regelmäßig publiziert.

 

Im 1. Stock wirft der Krone Bunt-Karikaturist Bruno Haberzettl einen unterhaltsam-ironisch-bissigen Rückblick auf die letzten 25 Jahre Innen-, Außen- und Gesellschaftspolitik: Von Schüssels (gelungenem) Flirt mit Haider, den Ego Trips der Landeshauptleute, Faymanns "Über-Ich" Merkel bis hin zum "Friede, Freude, Eierkuchen"-Pärchen Kurz-Strache, Meutereien auf der SPÖ-Bounty und Van der Bellens Stickereien an der österreichischen Flagge reicht das Spektrum der innenpolitischen Karikaturen Haberzettls, die seit einem Viertel-Jahrhundert in der Sonntagsbeilage der Krone veröffentlicht werden. Trump, die Affären Clintons oder die Eurokrise zählen ebenso zu seinen Motiven wie die rechten Burschenschaften, das Rauchverbot, die Eurokrise oder der 12 Stunden-Tag, brillant veranschaulicht durch gebückte Arbeiter ("die superglücklichenZwerge"), die unter der Ägide des zynisch-lächelnden "Schneewittchens" WKÖ-Mahrer ins Bergwerk ziehen.

 

Eine besondere Herzensangelegenheit sind für Haberzettl die Themen Jagd, Umwelt und Ökologie, die im zweiten Raum des Obergeschoßes auf die Besucher warten. Kritik übt der freie Zeichner u.a. am Massentourismus jeglicher Art, an Sonntagsjägern, der Tierzucht und an der Zerstörung der natürlichen Ressourcen ("Frühling, die schönste Zeit im Jahr"). Am einprägendsten: Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg, die zusammengekauert am Boden, umgeben von grauen Finanzhaien mit Aktenkoffern, demonstriert. Der Cartoon-Titel "Von wichtigen und weniger wichtigen Dingen" ist eigentlich nur mehr Dessert...

Bossa Nova House! US-German-Duo Sofi Tukker live in der Wiener Arena!

2014 trafen sich die in Frankfurt geborene Sophie Hawley-Weld und der aus Massachusetts stammende Tucker Halpern zufällig in einer Art Gallery in New York. Sophie performte Bossa Nova-Songs, Tucker war dort als DJ tätig und schlug Sophie vor, ihre Tracks mit mehr Beats zu würzen. Die Idee für Sofi Tukker war geboren. Im Dezember kamen die beiden zum ersten Mal nach Österreich in die Wiener Arena, im Rahmen ihrer globalen RIP Shame World Tour.

 

Global, divers und multikulturell ist auch der Sound, den Sofi Tukker ihren Fans anbieten: House, Disco, Bossa Nova, African Drums, Vocals teils in Englisch, teils in Portugiesisch - Sängerin und Gitarristin Sophie, bei Live-Acts meist straight in weiß, lebte einige Jahre in Brasilien und lässt sich bei den Texten gerne von südamerikanischen Dichtern beeinflussen.

 

Nach einem schweißtreibenden UK-Rave-House-Set der Amerikanerin LP Giobbi starten Sofi Tukker gleich mit den unverkennbaren Instrumental-Rhythmen ihres Superhits "Drinkee", der 2017 für den Grammy als "Best Dance Recording" nominiert wurde. Die Fans in den ersten Reihen sind begeistert, und Sophie wirft sich bereits während der ersten Tracks ins Publikum.

 

Die Bühne ist bunt dekoriert und erzeugt mit den zahlreichen Pflanzen eine vibrierende Jungle-Atmosphäre, die durch die Songs des Dance-Duos (die privat kein Paar sind) zusätzlich angeheizt wird. Male Part Tucker, trashig mit kurzer Hose und schrillem T-Shirt gekleidet, bringt mit seinen zackigen Tanzbewegungen auch die LGBT-Community in die richtige Stimmung. Frontfrau Sophie schmettert die Hits der Band in die Arena-Crowd, "Playa Grande" (aus der neuen EP "Dancing on the People"), "Mi Rumba", "Purple Hat", "Batshit" oder der weltweite Superhit "Best Friend", der - eigentlich nicht als Single-Release geplant - von Apple als Werbespot-Track auserkoren wurde.

 

Bei den Zugaben versetzen Sophie und Tucker die Fans mit einer Extended Version von "Drinkee" noch einmal in Tanz-Ekstase. Sofi Tukker live - Fun, Party, Dancing. Garantiert auch auf zahlreichen Festivals in diesem Sommer...

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"Lost Communities": Neue Ausstellungen von Paci und Margolles in der Kunsthalle Krems!

Flucht, Migration, soziale Verwahrlosung und Diskriminierung stehen im Mittelpunkt zweier neuer Ausstellungen in der Kunsthalle Krems. Die Protagonisten: Der aus Albanien emigrierte Künstler Adrian Paci und die mexikanische Aktivistin Teresa Margolles.

 

"Lost in Communities" - So nennt sich die Ausstellung des 1997 während politischer Unruhen nach Italien ausgewanderten Malers und Videoregisseurs Adrian Paci. "In Albanien galt der moderne Diskurs als verboten", so Paci. Neben zahlreichen Gemälden, die Menschen leicht schwermütig in verschiedensten Stationen des Lebens zeigen (wie bei Familienfeiern und Hochzeiten), bietet vor allem das ca. fünfminütige Video "Centro di permanenza temporanea" eine Inspiration zum Nachdenken. Man sieht darin Menschen unterschiedlichster Herkunft, die auf eine Gangway stürmen und dort auf ein Flugzeug warten, das nicht kommt: Schicksale zerrissen zwischen ihrer aktuellen Heimat, die sie verlassen wollen, ohne zu wissen, wohin und wie. Das Video, von dem ein Standbild auch als Ausstellungs-Teaser verwendet wird, zeigt in seiner eindringlichen Bildsprache die verzweifelte, nahezu ausweglose Lage von Migranten. Produziert wurde es lange vor der Flüchtlingskrise im Jahr 2007.

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung von Teresa Margolles stehen die sozialen Missstände und der Genderhass in der mexikanischen Stadt Ciudad Juarez, in der ein brutaler Drogenkrieg tobt und die meisten Gewalttaten Mexikos stattfinden. In der Bildserie "Pistas de Baile" porträtiert sie mexikanische Transgender-Prostituierte, die vor abgerissenen Diskotheken und Nachtclubs posieren, ihren früheren Arbeitsstätten. Den abgeschotteten Saal mit den Bildern betritt man - wie in einem echten Separee - durch einen roten Vorhang. Eine von Margolles fotografierten Personen wurde 2016 ermordet, der Mord ist bis heute unaufgeklärt. 

 

Im großen Saal des Erdgeschoßes Kremser Kunsthalle kombinierten die Kuratoren zwei besondere Werke von Paci und Margolles. "Home to Go" nennt sich die aus Marmormehl und Harz bestehende Skulptur Pacis, die leicht gebückt auf dem Rücken ein schweres Ziegeldach trägt. Dieses Dach fungiert als Symbol für die eigene Tradition, Geschichte und Familie, die in der neuen Heimat gleichzeitig Bindung und Last darstellen.

 

Auf der weißen Wand platziert wurde die von Margolles produzierte Installation "La Gran America". Die ca. 1000 Tonfliesen erinnern an Migranten, die beim Versuch, den Grenzfluss Rio Grande zu überqueren, umgekommen sind. Der Lehm für die Fliesen stammt aus dem Flussbett. Orientiert hat sich Margolles, die aus Angst vor Anschlägen nur auf wenigen Fotos zu sehen ist, an den für NS-Gedenken verwendeten Stolpersteinen. 

 

Beide Ausstellungen können noch bis 23. Februar 2020 besucht werden...

 

VfGH-Sozialhilfe-Urteil: Kinder-Höchstsätze und Sprachmalus verfassungswidrig!

Ca. 1,5 Millionen Menschen sind in Österreich armutsgefährdet, ca. 290.000 bezogen 2018 die Mindestsicherung, das letzte Auffangnetz für die Ärmsten der Armen. Der (gescheiterten) Kurz-Strache-Regierung waren diese Zahlen noch zu gering. ÖVP und FPÖ beschlossen im April 2019 das Sozialhilfe-Grundsatzgesetz, das zahlreiche Verschlechterungen für Arme, Flüchtlinge und Familien (minus 40 Millionen Euro jährlich) bedeutet hätte (während gleichzeitig für Reiche und Großkonzerne Steuererleichterungen ausgehandelt wurden). Der Verfassungsgerichtshof hat dieser armseligen Politik jetzt einen Riegel vorgeschoben und wesentliche Bestimmungen des Grundsatzgesetzes aufgehoben. Ein durch die Verfassung legitimiertes Weihnachtsgeschenk, wie es schöner nicht sein könnte. 

 

Eingebracht wurde der Antrag auf Verfassungswidrigkeit von 21 SPÖ-Mitgliedern des Bundesrates, die stolz darauf sein können, sich - trotz aller interner Programm- und Organisationsmängel - als Vertreter der sozial Schwachen positioniert zu haben. Im Gegensatz zur Pseudo-"Familienpartei" ÖVP, die keine Skrupel hat, arme Menschen noch stärker in die Armutsfalle zu pressen.

 

So beschloss die ÖVP gemeinsam mit der "sozialen Heimatpartei" FPÖ Mindestsicherungs-Höchstsätze für Kinder (!). Das erste Kind sollte 25 %, das zweite 15 % (4,30 Euro pro Tag) und jedes weitere Kind nur mehr 5 % des Ausgleichszulagenrichtsatzes erhalten, das sind derzeit aktuell 1,50 Euro pro Tag. Der VfGH hat entschieden, dass hier eine sachlich nicht gerechtfertigte und daher verfassungswidrige Schlechterstellung von Mehrkindfamilien vorliegt. Insbesondere kann diese Regelung dazu führen, dass der notwendige Lebensunterhalt bei Mehrkindfamilien nicht mehr gewährleistet ist.

 

Aufgehoben wurde auch der sogenannte "Arbeitsqualifizierungsbonus", vulgo eine Kürzung der Mindestsicherung um 35 % bei mangelhaften Sprachkenntnissen. 563 Euro wäre den betroffenen Personen geblieben, um in der immer teurer werdenden Alpenrepublik über die Runden zu kommen. Eine kontraproduktive Schikane vor allem für ältere Asylberechtigte und Gastarbeiter. Der VfGH geht davon aus, dass für viele Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt weder Deutsch auf B1-Niveau noch Englisch auf C1-Niveau erforderlich ist und somit ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz vorliegt. Außerdem seien Personen aus verschiedensten Gründen (wie Lern- und Leseschwächen, Erkrankungen oder Analphabetismus,...) nicht in der Lage, ein derart hohes Sprachniveau zu erreichen.

 

Auch ein Begleitgesetz des Grundsatzgesetzes, das "Sozialhilfe-Statistikgesetz", verstößt gegen die Verfassung. Die Bestimmung des § 1/1, dass sämtliche (!) Behörden verpflichtet seien, den Ländern Sozialhilfe-Daten elektronisch zur Verfügung zu stellen, widerspricht eindeutig dem Grundrecht auf Datenschutz.

 

Die Sozialhilfe Neu: Eine weitere gesetzliche Pleite von Türkis-Blau (nach der Selbstverwaltungs-Reform der Sozialversicherungen und dem "Überwachungspaket"). Kein Wunder, der einst so renommierte Verfassungsdienst wurde von ÖVP und FPÖ kaltgestellt, stattdessen "setzte" man auf 120 PR- und Social Media-Mitarbeiter, die nur ein Ziel hatten: Mit "Message Control" die (streichelweichen) Medien und politisch desinformierte Bevölkerung für dumm zu verkaufen.

 

In diesem Sinne ist es mehr als unverständlich, dass eine für Grund- und Menschenrechte eintretende, moralisch integre, kompetente und soziale Partei wie die Grünen seit Wochen in Regierungsverhandlungen mit der türkisen ÖVP steht und von einer "Love the Rich"-Koalition mit "Sympathieträgern" wie Kurz, Blümel, Nehammer oder Wöginger träumt. Es gibt nur eines, was widerlich ist als Leute, die keine Ideale haben: Leute, die ihre Ideale verraten...

Paris Calling 2019 - Hot Summer Days in der Hauptstadt der Grande Nation!

Paris – Je t´aime. Ein Satz, der in der Stadt der Liebe leicht über die Lippen klettert. Über 16 Millionen Touristen besuchen jährlich die wunderschöne, französische Hauptstadt an der Seine und lassen sich von den historischen Sehenswürdigkeiten, den Gourmetspezialitäten und dem bunten Nachtleben verzaubern.

 

Kunstliebhaber zieht es in die berühmtesten Museen der Welt, egal ob in den Louvre-Glaspalast, das in einer ehemaligen Bahnhofshalle untergebrachte Musee d´ Orsay oder den Centre Pompidou. Zum Standard-Programm zählt natürlich auch der Besuch des Eiffelturms, der 1889 im Rahmen der Pariser Weltausstellung eröffnet wurde.

Auf insgesamt drei Plattformen in einer Höhe von 57, 115 und 274 Meter Höhe haben die Besucher einen idealen Ausblick auf das Panorama der am dichtesten besiedelten Großstadt Europas (Auf einer Fläche von 105 km2 wohnen rund 2,2 Millionen Menschen). Die höchste Plattform ist nur per Aufzug erreichbar und lockt mit einer Champagner-Bar, die anderen zwei können, Kondition vorausgesetzt, auch per pedes auf den eisernen Stiegen erklommen werden. Und hat gleichzeitig den Vorteil, dass man sich in die Rolle von Roger Moore, Grace Jones oder Duran Duran versetzen kann, die hier einst den James Bond-Kassenschlager (plus Video-Clip) "A View to a Kill" drehten.

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A "Klans" Glücksspiel: Voodoo Jürgens live in der ausverkauften Wiener Arena!

"Es geht nur in 2 Songs ums Kartendübeln. Es ist auch das Musizieren damit gemeint. Das Glück, das man hat, wenn man unterwegs ist und spielen kann." Voodoo Jürgens über den Titel seines zweiten im November erschienenen Albums "'S Klane Glücksspiel". Man kann mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dass Voodoo Jürgens und sein siebenköpfiges Ensemble "Ansa Panier" beim Live-Spielen erfolgreicher sind als beim Gamblen. Beide Konzerte in der Wiener Arena waren innerhalb weniger Tage ausverkauft.

 

Die Vorzeichen standen einst für David Öllerer, so sein echter Name, nicht so gut. Aufgewachsen im eher biederen Tulln musste sein Vater mit 7 eine Haftstrafe antreten, die Lehr-, Schul- und Studienjahre waren wenig lukrativ. Ab 19 wohnte er in der Großstadt Wien und konnte dort seiner Passion, der Musik, frönen. Öllerer spielte fast zehn Jahre in einer schrägen Indie-Formation namens "Die Eternias", nebenbei arbeitete er u.a als Friedhofsgärtner. Vielleicht entstand in diesem Zusammenhang auch die Idee für seinen ersten Hit als Voodoo Jürgens, "Heite grob ma Tote aus", der 2016 auf Platz 1 der FM4-Charts landete und in dessen Windschatten sein erstes Album "Ansa Woar" Platz 1 der Verkaufscharts enterte.

 

Strizzipoet, Dichter der einfachen Leute, Beislpossenschleuderer oder einfach nur Wiener Liedermacher im Stile von Ambros, Qualtinger & Co., viele Attribute treffen auf Voodoo Jürgens zu. Ähnlich dem Nino aus Wien, mit dem Öllerer eine Hommage an Hansi Orsolics ("Hansi da Boxer") gebastelt hat. Unter Vertrag ist Voodoo Jürgens beim Wanda-Manager Redelsteiner (Lotterlabel), drei Jahre konnte er sich Zeit lassen, ein Nachfolgewerk zu konzipieren. Auf der faulen Haut lag er allerdings nicht: Live-Konzerte en masse auch in Deutschland und der Schweiz, ein Theater-Projekt mit Stefanie Sargnagel, eine Ludwig Hirsch-Tribute-Tour, Mitwirkung in einem TV-"Tatort" ("Her mit der Marie"), in dem sich die Kunstfigur Voodoo Jürgens de facto selbst spielt, als Belohnung ein FM4-Amadeus Alternative Award 2017.

 

Der Übergang vom kleinen Beisl-Poeten zum hallenfüllenden Austro-Pop-Phänomen scheint gelungen. Über 90 Minuten begeistern Voodoo Jürgens und seine top-eingespielte Ansa Panier die prall gefüllte Wiener Arena mit ihren witzig-düsteren Liedern über das Wiener Lokalkolorit. Blickfang neben dem stets im 70er-Look mit Schnauzbart, Schlaghosen und Hemd auftretenden Voodoo Jürgens ist die Akkordeon-Spielerin Alicia Edelweiss, die kürzlich ein exzellentes Indie-Folk-Album ("When I´m enlightened, everything will be better") veröffentlicht hat.

 

Lieder aus dem Debüt-Album wie "Gitti" oder die urig romantische Liebesballade "In deiner Nähe" mit so Passagen wie "Es ist mir wurscht, wo du her bist. Oda wos du mochst. Hauptsoch is dassd jetzt do bist" wechseln mit schunkelig-neuen Tracks wie den "Scheidungsleichn" (gemeint sind damit ländliche Rohbauten, die sich die getrennten Paare nicht mehr leisten können), "Kumma ned" oder der herrlichen seiner kleinen Tochter gewidmete Gemeindebau-Hymne "Wem gheard des Mensch?". Auch wenn sich Voodoo Jürgens nicht direkt politisch äußert, das wuchtige "Angst haums" als finaler Track vor dem Zugabenblock ist - im Stile des Hofas - ein klares Statement gegen die grassierende Fremdenfeindlichkeit und den Rechtspopulismus  in unseren Breiten.

 

In vielen Liedern beschäftigt sich Voodoo Jürgens mit seiner Schulzeit in der niederösterreichischen Kleinstadt Tulln, besonders nachdenklich in seinem neuen Song "2 Liter Eistee, 1 Sackerl Chips." Eine Jausen-"Mahlzeit" in der Schulpause, die meistens auf nachlässige Familienverhältnisse deutete. Witziger sind da schon die Vorfälle während einer Eisdisco in Tulln ("Eislaufplotz"), mit szeneauthentisch geschilderten Teenager-Typen wie dem Horstl und den Skukalek-Zwillingen. Voodoo Jürgens steht dabei alleine auf der Bühne, lässig mit Gitarre im rötlichen Licht , im Stile eines geschichtenerzählenden Gauklers der Vergangenheit.

 

Zum Abschluss-Lied erscheint wieder die gesamte Ansa Panier auf der Bühne. Im Mittelpunkt erneut "Tulln" als kleinbürgerliche Personifikation zwischen Euphorie und Depression, jugendlicher Aufbruchsstimmung und provinzieller Beschränkung. "Ich habe mein junges Leben nicht negativ empfunden. Der Song war schlicht ein Ventil, um das herauszulassen, worüber sonst nie geredet worden ist", so Voodoo Jürgens. Tja, Hände Falten, Gosch´n halten war schon immer ein Problem in der Alpenrepublik...

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Mindestsicherungs-Studie: Massive Einschränkungen bei Kindern, Wohnen und Gesundheit!

Österreich ist das viertreichste Land der EU, und trotzdem gilt jeder 7. Bürger als armutsgefährdet, das sind in Zahlen ca. 1,25 Millionen Menschen. Als Schutzschild vor dem endgültigen Abstieg dient die Mindestsicherung, die gerade einmal 1 % der gesamten Sozialausgaben, ca. 1 Milliarde Euro, ausmacht. Es existieren daher keine wirtschaftlichen Gründen, Leistungen an die Ärmsten der Armen zu reduzieren und die ohnehin vom Schicksal schwer gebeutelten Menschen zu schikanieren. Unter welchen prekären Lebensbedingungen Mindestsicherungsbezieher zu leben haben, zeigt eine Sonderauswertung der Statistik Austria für das Sozialministerium, die VOR den Kürzungen durch die türkis-blaue Regierung durchgeführt wurde.

 

So müssen 25 % der BMS-Bezieher in feuchten Wohnungen leben, 31 % der Haushalte sind überbelegt. Mindestsicherungsbezieher können im Vergleich zu Nichtbeziehern die Wohnung 7mal so oft nicht heizen und werden 15mal so oft mit Zahlungsrückständen bei der Miete konfrontiert.

 

Der Wohnkostenanteil beträgt bei 46 % der BMS-Empfänger mehr als 25 %, bei 17 % sogar mehr als 40 %. In Niederösterreich und Oberösterreich verweigern die türkis-blauen Regierungsparteien in den einschlägigen Landesgesetzen eine Aufzahlung bei hohen Wohnkosten. So werden viele Armutsgefährdete dazu gezwungen, die restlichen Wohnkosten aus den Leistungen zu begleichen, die für den sonstigen Lebensbedarf vorgesehen sind. "Gespart" wird dann notgedrungen bei der Ernährung, bei Reparaturen oder bei einer weitergehenden Ausbildung der Kinder. 

 

Der Bezug der Mindestsicherung setzt bei arbeitsfähigen Personen die Arbeitswilligkeit voraus, ansonsten erfolgt eine Streichung bzw. Reduzierung. Dies wird von rechten Politikern wie Kurz immer wieder medial abgestritten, die fälschlich von der "faulen Hängematte" fabulieren. Tatsächlich beziehen 57 % der Haushalte mit Mindestsicherung ein Erwerbseinkommen, das allerdings - Stichwort: Working Poor bzw. prekäre Arbeitsverhältnisse - so gering ist, dass sie ohne finanzielle Unterstützung des Staates nicht über die Runden kommen. 

 

Die Statistik Austria hat auch den Gesundheitszustand der Mindestsicherungsbezieher zwischen 20 und 64 erhoben und kam zu schockierenden Ergebnissen. 29 % weisen einen sehr schlechten Gesundheitszustand auf, 25 % sind stark beeinträchtigt durch eine Behinderung und 58 % chronisch krank.

 

Die größten negativen, gesellschaftlichen Auswirkungen hat die Mindestsicherung allerdings auf die Kinder. Bei gravierenden, finanziellen Engpässen droht Kindern die Gefahr der Isolation und des sozialen Ausschlusses. Laut Studie können sich Haushalte mit bedarfsorientierter Mindestsicherung 22mal weniger Sport- und Freizeitaktivitäten leisten, 4mal weniger Feste feiern, 10mal weniger Freunde einladen und 19mal weniger an sozial wichtigen Schulaktivitäten teilnehmen. Die Ausgrenzung wird umso schlimmer, desto mehr Kinder im Haushalt leben.

 

Dass sich desolate Wohnbedingungen negativ auf die Bildungschancen und die Gesundheit der Kinder auswirken, steht außer Frage. "Die armen Kinder von heute sind die chronisch kranken Erwachsenen von morgen", so die Armutskonferenz. Der Verein fordert neben einer fairen, sozialen Absicherung für alle Bürger eine Unterhaltsgrundsicherung bei Kindern, Subventionen für Sonderbedarfe (wie der Geburt eines Kindes, Reparaturen oder Kautionen), Delogierungsprävention und eine Lösung der Probleme in vorgelagerten Systemen. Dazu gehören vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit Älterer, der Pflegenotstand, die prekären Arbeitsverhältnisse, Burn Out, die explodierenden Wohnkosten oder die mangelnden sozialen Aufstiegschancen im Bildungssystem.

 

Bei der ÖVP-FPÖ-Regierung stießen diese Forderungen auf taube Ohren. Im Gegenteil: Das im April 2019 beschlossene Sozialhilfe-Grundsatzgesetz führte zu radikalen Kürzungen bei der Mindestsicherung: Minus 40 Millionen Euro für Familien jährlich, eine Staffelung bei Kindern (nur mehr 44 Euro ab dem 3. Kind), Schikanen für noch sprachunkundige Asylberechtigte (die nur mehr 585 Euro monatlich erhalten) und Deckelungen für Wohngemeinschaften. Die Abschaffung der Notstandshilfe (und damit eine drastische Erhöhung der Anzahl der Mindestsicherungsbezieher mit nachträglichem grundbücherlichen Zugriff auf das Eigenheim) wurde nur durch die Absetzung der rechtskonservativen Bundesregierung per Misstrauensvotum des Nationalrates verhindert.

 

Die oben präsentierten Daten der Studie wurden VOR der türkis-blauen Mindestsicherungsreform erhoben. Es ist davon auszugehen, dass sich die Ergebnisse durch die Kürzungen und Einschnitte der Sozialhilfe noch erheblich verschlechtern werden. Sollten die Grünen daher mit der unsozialen ÖVP eine Koalition eingehen wollen, dann muss eine ihrer Grundforderunge - nebst zahlreichen Verbesserungen - die Rückgängigmachung des Sozialhilfe-Grundsatzgesetzes sein. Ansonsten sieht es nicht nur für die Grünen, sondern für ganz Österreich düster aus.

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Black Friday for Future in Wien: 20.000 Klimaschützer gegen fossile Großkonzerne!

"Ölkonzerne pumpen in der Ferne, zerstören unsere Umwelt, nur für ´nen Batzen Geld. Worin wir unsere Zukunft sehn´, erneuerbare Energien" oder "Was ich gerne hätte, autofreie Städte". Songs und Slogans bei der Fridays for Future-Demo am 29. November in Wien, die im Rahmen des vierten weltweiten Klimastreiks organisiert wurde.

 

In Wien beteiligten sich ca. 20.000 Klimaschützer an der Demo, die von der OMV-Zentrale Richtung Innenstadt zog. Grund für diese Route: Die OMV gehört zu den 100 größten fossilen Unternehmen, die zusammen für 70 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind. Aktuell plant die OMV neue Bohrungen vor der neuseeländischen Küste, die Wale und Delphine gefährdet. Greenpeace bekämpft diese mit zahlreichen Besetzungen und Aktionen.

 

Die "Black Friday"-Demo, benannt nach dem "Rabatt-Tag" der Handelsriesen, fordert von der nächsten Bundesregierung einen Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle, die Aufnahme des Klimaschutzes in die Verfassung, einen Stopp fossiler Großprojekte (wie den Neu- und Ausbau von Flughäfen und Autobahnen), eine ökosoziale Steuerreform mit einer CO2-Bepreisung und die Abschaffung umweltschädlicher Subventionen. Man darf gespannt sein, wie die Grünen (von denen viele Vertreter an der Demo teilnahmen) diese Forderungen in einer etwaigen Regierung umsetzen werden. Sie verhandeln bekanntlich mit einer Partei, der KurzVP, die auf EU-Ebene sich GEGEN den Klimanotstand in Europa ausgesprochen hat.

 

Zu den Forderungen der Klimaschützer zählt auch der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, vor allem der Bahn. Laut Umweltbundesamt ist ein Kilometer, der mit einem Diesel- oder Benzin-betriebenem Auto zurückgelegt wird, über 15mal so klimaschädlich wie ein Kilometer mit der Bahn. Ein Kilometer mit dem Flugzeug ist sogar über 31mal so emissionsintensiv. Problematisch ist allerdings die derzeitige Verbindungsinfrastruktur in Europa. SPÖ-Abgeordnete Julia Herr hat dies, PR-mäßig gelungen, eindeutig bewiesen. 43 Stunden dauerte ihre Reise von Wien nach Madrid zur UNO-Klimakonferenz per Bahn und kostete um die 1000 Euro. Ein durchschnittlicher Flug hätte 90 Euro gekostet, bei einer Flugdauer von 3 Stunden.

 

An der Demo beteiligten sich nicht nur Schüler und Studenten, sondern auch Eltern teilweise sogar mit ihren Babies und zahlreiche besorgte Bürger verschiedenster Altersschichten, die unzufrieden mit der weltweiten Klimapolitik sind und dagegen diese mit unterschiedlichsten Parolen agitieren: Climate Justice, Besteuerung von Emissionen, kein Plastik im Meer, No Shopping on a dead planet oder Wrong Amazon is burning. Der Kreativität waren an dem kalten Novembertag keine Grenzen gesetzt.

 

Globales Ziel der Klimaaktivisten ist eine maximale Erderwärmung um 1,5 Grad bis 2100. Vereinbart wurde dieses Ziel 2015 in Paris durch die G20-Staaten, die für 80 Prozent des Treibhausausstoßes verantwortlich sind. Laut eines NGO-Berichts ist kein einziges Land auf Kurs. Im Gegenteil: Die Treibhausgasemissionen stiegen 2018 sogar um 1,8 Prozent.

 

Viele weitere Demonstrationen und Aktionen werden daher seitens von Aktivisten, NGO´s und Bürgern notwendig sein, um die Industriestaaten und Großkonzerne zum Klima- und Planetenschutz zu zwingen.

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"Solutions"-World Tour: Indie-Rockerin K.Flay live im Wiener Flex!

Bei manchen Künstlern hat man das Gefühl, dass man ein Konzert in einer kleineren Location unbedingt besuchen muss. Und zwar aus dem Grund, dass diese aufgrund ihres musikalischen Talents, ihres Charismas und ihrer zukünftigen Popularität später nur mehr in großen, anonymeren Konzerthallen spielen werden. Kristine Meredith Flaherty aka K. Flay zählt trotz ihres Indie-Backgrounds zu dieser Kategorie. Im November trat sie live im Wiener Underground-Club Flex auf.

 

Aufgewachsen im US-Bundesstaat Illinois unter schwierigen familiären Verhältnissen war die nunmehr 35jährige Musikerin stets eine Rebellin, gegen die Girlie Culture, gegen Klischees, gegen die frauenfeindliche Hip Hop Industrie. Ihr erstes Mixtape veröffentlichte sie 2005 unter dem Titel "Suburban Rap Queen". Hauptberuflich studierte sie an der Stanford Universität Psychologie und Soziologie. 2012 produzierte sie ihre erste EP "Eyes Shut" gemeinsam mit Prodigy-Mastermind Liam Howlett. Nach einer Trennung von ihrer Plattenfirma RCA Records wegen künstlerischer Differenzen releaste sie - "DIY and selfmotivated" auf einem Indie-Label ihr Debüt-Album "Life of a dog". "Make me fade", die erste Single aus dem Album, stand auch auf der Setlist ihrer Show im Flex.

 

Als Support engagierte K.Flay die aus Minneapolis stammende Sängerin Caroline "Your Smith", die solo mit eigener Gitarrenbegleitung das Publikum mit Songs im Spektrum von Leann Rimes, Wilson Philips (inkl. "Hold on"-Cover) und Fleetwood Mac einheizte. K.Flay selbst startete mit der eingängigen Pop-Hymne "Not in California" aus ihrer neuen, dritten CD "Solutions". Unter Vertrag ist Flaherty bei Interscope Night Street, dem Label der Imagine Dragons, mit denen die vielseitige Künstlerin auch auf Tournee war.

 

Dem aggressiveren Rap- und Hip Hop-Style hat K.Flay allerdings abgeschworen. "Früher handelten die meisten meiner Songs von irgendwelchen Problemen. Momentan konzentriere ich mich auf das Positive, das Leben muss gar nicht immer so chaotisch sein, um einen Sinn zu haben". Insofern sind die neuen Tracks zwar stets mit einem Indie-Touch versehen, aber poppiger und griffiger und machen auch live Spaß, wenn die lässig ganz in Weiß gekleidete Musikerin mit dem Mikro wild auf der Bühne herumhüpft, die Fans zum Mitsingen auffordert und selbst vor Stage Diving nicht zurückschreckt.

 

Einer ihrer stilprägendsten Tracks, "FML" (= Fuck my Life), darf allerdings auch nicht fehlen. "I´m living out my dreams like every night, I love my Life, but when I open up my blurry eyes, it´s not as nice" - Life ist meistens (nur oberflächlich) immer eine Party. Privat ist K.Flay mit der Musikerkollegin Miya Follick liiert, ihre erste queere Beziehung. Junge, progressive Frauen sieht man auch vermehrt beim Flex-Konzert. Das hat aber wohl eher damit zu tun, dass K.Flay eine toughe, selbstbewusste Sängerin ist, die sich nicht einordnen lässt und gegen gesellschaftliche Konventionen auftritt.

 

Gegen Ende des Konzert zieht K.Flay noch einmal alle ihre musikalischen Register. Mit der elektro-angehauchten Liebeshymne "High Enough", der genialen neuen Single "Sister" und dem fetzigen Final Track "Blood in the Cut", 2016 für den Grammy als Best Rock Song nominiert. Es sollte für die Zukunft nicht bei einer Nominierung bleiben....

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Wen würde der grüne Anstand wählen? Ganz sicher keine Koalition mit der Kurz-ÖVP!

Schade, dass Dr. Sommer bereits vor 5 Jahren aus der damals noch wöchentlich erscheinenden „Bravo“ gekickt wurde. Denn die linksliberalen Grünen, die sich entschlossen haben, mit der rechtskonservativen ÖVP in Koalitionsverhandlungen zu treten, brauchen dringend Hilfe bei der Partnersuche bzw. eine ehrliche Antwort auf die Frage, ob ein Partner mit einer derartigen Vergangenheit für sie tragbar ist.

 

"Saubere Politik.Nicht Käuflich", "Öko & Sozial Umsteuern", "Leistbares Leben für alle", "Ja zu Grund- und Menschenrechten" oder „Ein Weg, der nicht auf polierte Hochglanzfotos, populistische Sprüche und das Spalten der Gesellschaft setzt“, das sind Schlagworte im Programm des Grünen-Chefs Werner Kogler, der – mit Hilfe des Turbo-Boosts der Aktivistin Greta Thunberg - seine Partei wieder in den Nationalrat katapultiert hat. Mit einem Rekordergebnis von 13,9 %.

 

Jetzt strebt Kogler die Rolle eines Juniorpartners der rechten Kurz-ÖVP an, deren Programm laut Wahlkabine zu 81 Prozent mit dem der FPÖ übereinstimmt. Die Kongruenz zwischen ÖVP und den Grünen beträgt 19 Prozent.

 

"525 Tage voller Skandale" – So bilanzierte die Süddeutsche Zeitung über die von ÖVP-"Messias" Sebastian Kurz geführte türkis-blaue Bundesregierung. Noch viel schlimmer als die fragwürdige Sachkompetenz, der unerträgliche Postenschacher, die Message Control und die rechtsextremen Einzelfälle sind das Regierungsprogramm und dessen teilweise legislative Umsetzung selbst, dessen Auswirkungen ein Teil der Wähler aufgrund mangelnder Information durch Opposition und durch die inseratengesteuerten Boulevardmedien bis heute nicht erkannt hat. Die ÖVP kündigte bereits an, dass die Reformen aus der türkis-blauen Periode nicht zurückgenommen werden. "Der Mitte-Rechts-Kurs bleibt", so Kurz.

 

Die Rolle der Kanzlermacher sollen jetzt die Grünen übernehmen. Als Märtyrer der Republik, damit nicht Strache-Nachfolger Norbert Hofer mit Kurz eine Koalition bildet und Vizekanzler wird. Mit einigen Klimaschutz-Zugeständnissen und dem düsteren Retro-Programm der Vergangenheit: 12 Stunden-Tag und Einschränkung der Arbeitnehmerrechte, Vormachtstellung der Unternehmer in der Sozialversicherung, Familienbonus nur für gut verdienende Elternteile (im Gegensatz den über 300.000 armutsgefährdeten Kindern, die mit einem Almosen von 250 Euro pro Jahr abgespeist werden), eine Indexierung der Familienbeihilfe für katastrophal entlohnte, osteuropäische 24 Stunden-Pflegerinnen, grundrechtswidrige Schikanen gegen Migranten und Minderheiten (wie Homosexuelle), eine Reduzierung der Mindestsicherung Neu (mit 40 Millionen Euro weniger für Familien), Verschärfungen der Zumutbarkeitsbestimmungen für Arbeitslose (die durch das AMS mit über 71.000 Sanktionen gegen scheinbar Jobunwillige im 1. Halbjahr 2019 bereits rigide unterstützt werden) oder eine (geplante) Streichung der Notstandshilfe für Langzeitarbeitslose.

 

Im Sicherheitsbereich "integrieren" sich die Grünen in einen Überwachungsstaat mit Bundestrojanern und einer Vorratsdatenspeicherung light. Die von Menschenrechtsaktivisten heftig bekämpfte Asylrechtsberatung durch eine im Innenministerium installierte „unabhängige“ Bundesagentur wird von Hebein, Maurer & Co. offensichtlich mit einem bitteren Lächeln in Kauf genommen. Im Bildungsbereich verzichtet man auf Chancengleichheit in Gesamt- und Ganztagsschulen, stattdessen beugt man sich arrogantem Elitedenken, abgesonderten Deutsch-Förderklassen, Sitzenbleiben in der Volksschulen und Kopftuchverboten. Die im Grünen-Programm verankerten Rechtsansprüche auf Kindergartenplatz und Nachmittagsbetreuung, ade! Und die im türkis-blauen Regierungsprogramm prognostizierten Studiengebühren stören doch eigentlich niemanden?

 

"Leistbares Leben für alle" dürfte mit dem Zusatz "für die, die es sich leisten können" modifiziert werden. Mietzinsobergrenzen brauchen wir nicht, es lebe die Eigentumswohnung für Jung-Familien. Vermögens- und Erbschaftssteuern für Millionäre sind längst passe. Denn: "Geht´s der Wirtschaft (und damit den Großkonzernen) gut, dann geht´s allen gut". Und damit auch der Umwelt: Das Standortentwicklungsgesetz (das Großprojekte beschleunigt und Umweltrechte einschränkt) bleibt in Grashalmen gemeißelt. Und der "NGO-Wahnsinn" (Zitat: Kurz) bleibt uns bei den Umweltverträglichkeitsprüfungen wenigstens erspart, Mittelmeer-Flüchtlingsheldin Carola Rackete ist jetzt ohnehin Buch-Autorin.

 

"Das, was ich heute sage, ist vor 3 Jahren in der EU von vielen als rechts oder rechtsradikal bezeichnet worden", ein Zitat von Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz im September 2018. Schließen die Grünen mit der türkisen ÖVP eine Koalitionsvereinbarung und machen deren unsoziale, arbeitnehmerfeindliche und xenophobe Politik nicht rückgängig, dann schlittern sie sehenden Auges in ihr Verderben. Der renommierte Politikwissenschaftler Emmerich Talos kürzlich bei der Buch Wien: "Die Grünen werden nach einer Regierungsperiode als ÖVP-Juniorpartner bei der nächsten Wahl abgewählt werden. Aber viel länger als das letzte Mal."

 

Werner Kogler und seine intellektuelle, moralisch integre Führungsriege haben allerdings (noch) die Möglichkeit, diesem Irrweg zu entgehen. Sie brauchen nur eine Frage aus ihrem Wahlprogramm ehrlich beantworten: "Wen würde der Anstand wählen?"  Ganz sicher keine Koalition mit der rechten Kurz-ÖVP!

"Prominent Libido" - Schweißtreibende Show von Ankathie Koi im Kremser Kesselhaus!

"Prominent Libido" heißt das zweite Album der exzentrischen Pop-Lady Ankathie Koi, das sie im Rahmen einer Promotion-Tour quer durch Mitteleuropa vorstellt. Neben zahlreichen Auftritten in Österreich steht sie auch gemeinsam mit Conchita Wurst (in der Wiener Stadthalle und im Berliner KitKatClub) auf der Bühne. Kremser Fans durften sich auf einen Auftritt im Kesselhaus mitten im Campus-Gelände freuen.

 

"Wenn wir auftreten, wird verlangt, dass die Bühne niedergerissen wird", so die aus Bayern stammende Kathrin Isabella Winklbauer (aka Ankathie Koi), die seit 2003 in Österreich lebt und in Linz Jazzgesang studiert hat. Dieses Versprechen wurde (fast) eingehalten: Ankathie lieferte gemeinsam mit ihrer Band über 90 Minuten lang eine temporeiche, schweißtreibende, euphorische Show mit tollen Pop-Glam-Songs aus ihren beiden Alben "I hate the Way you chew" und "Prominent Libido". Der Look: Trashig, sexy, ohne Rücksicht auf Verluste. Die Songs erstklassig produziert von Kapazundern wie Techno-Legende Patrick Pulsinger oder "Bilderbuch"-Produzent Sebastian "Zebo" Adam, der für die erste Single aus dem neuen Album, "Royal Boy", verantwortlich zeichnet.

 

Ankathie Koi, die von Pulsinger als Teil ihres Glam-Projekts "Fijuka" einst beim Wiener Popfest gebucht wurde und dieses 2016 auch selbst kuratiert hat, erzählt zwischen ihren Showdarbietungen immer wieder vom persönlichen Background ihrer Tracks: Von erotischen Erlebnissen in Mexiko, von einem sexy One Night Stand, der aber von ihr nichts wissen wollte und schon darauf gewartet hat, dass sie das Schlafgemach verlässt oder von zornentbrannten Trennungen. Stichwort "Little Hell".

 

Im Mittelpunkt ihres neuen Albums, auf dessen Cover sich Ankathie Koi sexy im goldenen Glitzer-Look inmitten von 35 nackten Körpern räkelt und deswegen von Facebook gesperrt wurde, stehen zahlreiche Frauentypen unterschiedlichen Charakters, die subtil auch ihren eigenen Typ widerspiegeln: Die selbstbewusste "Victoria", die freiheitsliebende "Anna", die verführerische "Adriana" oder die zurückhaltende, chinesische Business Frau Meilin, die im Track "Shanghai Maze" ihren Lover ermordet. Ankathie Koi becirct aber auch mit melancholisch-jazzigen Tracks wie "Void" oder der Weihnachtssingle "Lights".

 

Gegen Ende der Show lässt die Entertainment-Lady allerdings alle Hemmungen fallen, tanzt mitten unter den mehrheitlich weiblichen Fans und hüpft ekstatisch zu elektrisierenden Techno-Beats auf der Filmbar herum. The Future´s so bright she´s gotta wear shades :-)

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Tejo-Metropole Lissabon: Zwischen Melancholie und Lebensfreude!

Stadt des Lichts, Metropole am Tejo, Geburtsstätte des Fados: Lissabon, die portugiesische Hauptstadt direkt am Tor zum weiten Atlantik lockt unabhängig von der Jahreszeit Touristen aus aller Welt mit seinem milden Klima und ca. 300 Sonnentagen pro Jahr. 2018 besuchten 6 Millionen Menschen die 500.000-Einwohner Metropole, erster "Overtourism"-Alarm zeigt sich nicht nur in den überfüllten Gassen, sondern auch angesichts eines Widerstands der Einheimischen gegen illegale Vermietungen in der Altstadt. Die Anzahl der Touristen wird aber in den nächsten Jahren noch steigen, wurde Lissabon doch gerade PR-trächtig zur "World´s Leading City Destination 2018" gewählt.

 

Die Anreise nach Lissabon gestaltet sich ziemlich einfach. Der Flughafen Aeroporto de Lisboa ist nur 7 km vom Stadtzentrum entfernt. Von dort gelangt man mit der roten Metrolinie direkt zu den Hotels und Hostels der Stadt. Insgesamt gibt es in Lissabon vier verschiedene U-Bahn-Linien, die nach den Farben (amarela-gelb, azul-blau, verde-grün, vermelha-rot) benannt sind. Zum Verkehrssystem zählen weiters über 100 Buslinien, Fähren (mit drei Anlegestellen) und 5 Straßenbahnlinien. Am kultigsten ist der Transport mit den gelben Electricos der Linie E-28, die - immer vollgestopft mit Touristen - sich durch die engen Gassen der Altstadtbezirke Alfama und Baixa schlängeln und dabei Steigungen mit bis zu 13,5 Prozent absolvierten. Ebenfalls mit historischen Triebwägen unterwegs sind die seit 2002 zum Nationaldenkmal erklärten drei Standseilbahnen Ascensor da Gloria, da Bica und da Lavra, die die Touristen und Einheimischen tagtäglich vor die Entscheidung stellen: Treppensteigen oder Warten auf die Bahn.

 

Ein exklusives Monument Lissabons ist der Elevador de Santa Justa, ein 45 Meter hoher Stahlturm, der vom Gustave Eiffel-Schüler Raoul Mesnier de Ponsard konstruiert wurde. Der darin befindliche Aufzug befördert seit 1902 (!!!) die Menschen von der Unterstadt nahe dem Hauptplatz Rossio in die Obertstadt zu dem nur mehr als Ruine erhaltenen Kloster Convento do Carmo. Unmittelbar daneben, am Largo do Carmo, endete am 25. April 1974 durch einen linken Militärputsch die portugiesische Diktatur. Bei der berühmten "Nelkenrevolution" steckten sich aufständische Soldaten Nelken in ihre Gewehrläufe.

Einer der schönsten Plätze Lissabons ist der Praca do Comercio direkt am Tejo. Im Volksmund nennt man ihn immer noch "Terreiro do Paco" (Palastgelände), da bis zum verheerenden Erdbeben von 1755 (mit bis zu 100.000 Todesopfern) hier das Uferschloss des Königs stand. Heute genießt man dort die strahlende Sonne, diniert in schicken Restaurants, feiert die Silvesternächte oder Events (wie 2018 die Songcontest-Parties im extra angelegten ESC-Village).

 

Östlich der Shopping- und Flaniermeile der Rua Augusta liegt das älteste Viertel Lissabons, die sogenannte Alfama, die maurischen Charakter aufweist und einst vom Erdbeben verschont wurde. Touristen besuchen hier gerne die engen, alten Gassen mit ihren steilen Stiegen (u.a. auf das Kastell de Sao Jorge), werden gleichzeitig aber auch damit konfrontiert, wie hier Reich und Arm nebeneinander scheinbar ungeniert residieren. Auf der einen Seite Luxushotels, extravagante Gebäude (wie das Casa dos Bicos, heute Museum für den Autor Jose Saramago) und architektonische Meisterwerke (wie die aus dem Jahr 1147 stammende Kathedrale Se oder das Panteao Nacional, Grabstätte u.a. für die Fado-Legende Amalia Rodriguez), auf der anderen Seite verfallene Baracken und schwer vernachlässigte Wohnstätten, deren Instandhaltung sich die Eigentümer aufgrund der Mietenbegrenzugen nicht mehr leisten können. Die Arbeitslosigkeit in Portugal ist unter der Führung einer linken Minderheitsregierung zwar dank des Tourismus-Booms innerhalb weniger Jahren von 18 auf unter 10 Prozent gesunken, doch nicht jeder profitiert davon. 

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Rekordandrang bei der Buch Wien 2019: 55.000 Literaturfans besuchten über 500 Events!

Seit 2008 findet in Wien die Buchmesse statt, und das mit steigenden Besucherzahlen. Bei der diesjährigen Buch Wien 2019, die am 6. November mit der von Florian Scheuba moderierten "Lange Nacht der Bücher“ startete und am 10. November abends in der Messehalle D endete, freuten sich die Veranstalter über einen neuen Besucherrekord: Insgesamt 55.000 Menschen visitierten die über 500 Lesungen, Präsentationen und Vorträge. Die Eröffnungsrede hielt dieses Jahr der Falter-Herausgeber Armin Thurnher unter der Anwesenheit von Bundespräsident Alexander van der Bellen.

 

Thematisch bot sich den Besuchern ein bunter Reigen zwischen spannenden Romanen, realitätsbezogener Zeitgeistliteratur, technologieaffinen Sachbüchern und politischen Essays. Im Zentrum der politischen Werke standen vor allem der Rechtspopulismus und die grassierende Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft. So präsentierte Monika Salzer ihr Buch über die Entstehung der "Omas gegen Rechts". "Profil"-Innenpolitikjournalistin Eva Linsinger ("Alles nur Fake") bezeichnete die "Qualitätsmedien als Feinde der Populisten" und bezog sich dabei auch auf die Message Control der türkis-blauen Bundesregierung.

 

"Die ÖVP ist nur autoritär oder gar nicht führbar. Sie hat sich für erstes entschieden", so Ex-Kurier-Chefredakteur und nunmehriger Neos-Nationalrat Helmut Brandstätter, Autor des Buches "Kurz & Kickl - Ihr Spiel mit Macht und Angst“. Im selben Atemzug auf der ORF-Bühne Ex-ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, dem man in Gegensatz zu seiner Partei "Haltung" abnimmt, und Journalist Robert Misik ("Die Herrschaft der Niedertracht").

 

Politikwissenschaftler Emmerich Talos warnte nach seinem Vortrag über die "schwarz-blaue Wende" die Grünen, mit der Kurz-ÖVP zu koalieren. "Die Grünen werden abgewählt werden, und zwar länger als das letzte Mal". Unverständnis löst bei ihm der Mediendruck auf die Grünen aus, die „sehenden Auges ins Verderben geschickt“ würden.

Falter-Chefredakteur Florian Klenk versuchte gemeinsam mit Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer, die Besucher für die gar nicht trockene Statistik zu begeistern und kritisierte gleichzeitig, dass die rechtskonservative ÖVP-FPÖ-Regierung – vermutlich, um nicht genehme Recherchen zu reduzieren - das Budget für die Analyse- und die Pressestelle verkleinern wollte. Falter-Kollegin Nina Horaczek appellierte mit Co-Autor Sebastian Wiese in "Wehrt euch" zur Zivilcourage. Ebenso wie die deutsche Polit-Aktivistin und Journalistin Mareike Nieberding („Verwende deine Jugend“), die - argumentativ unterstützt durch die Fridays for Future-Bewegung - keine Politik-, sondern eine Parteienverdrossenheit der Jugendm beobachtet.

 

Aus der aktiven Politik ausgeschieden ist Neos-Gründer Matthias Strolz. Bei der Präsentation seines Buches "Sei Pilot deines Lebens", um halb 11 früh am Sonntag, waren die Sitzplätze bereits vor Beginn vollbesetzt. In fünf Schritten fordert der charismatische Unternehmer und Freigeist die Zuhörer auf, bei Unzufriedenheit ihr Leben zu verändern und neu zu gestalten, egal in welcher Position man derzeit verharre. Dass Autor und Vortrag bei den Zuhörern großen Anklang fanden, registrierte man unmittelbar danach an der langen Menschenschlange, die auf eine Signatur des Neo-Schriftstellers wartete.

 

Düstere Einblicke in die Welt der Internet-Konzerne gewährte Digital-Expertin Ingrid Brodnig mit ihrem Buch "Übermacht im Netz". Andreas Salcher forderte mit seinem Buch "Der talentierte Schüler und seine ewigen Feinde" endlich ein Umdenken in der antiquierten Bildungspolitik. Bella Italia war gestern, die politische Grundhaltung der Italiener wird immer xenophober und radikaler. Ex-ORF-Auslandskorrespondent Lorenz Gallmetzer beschreibt die Evolution Italiens in seinem spannenden Sachbuch "Von Mussolini bis Salvini".

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Blood Red Shoes: Indie Rock aus Brighton im Wiener Flex!

Ihr Bandname basiert auf einem Musical, in dem die Hauptdarstellerin Ginger Rogers sich die weißen Schuhe beim Proben blutig rot tanzt: Blood Red Shoes. Mit ihrem fünften Album "Get Tragic" im Gepäck statteten Steven Ansell und Laura Mary Carter dem Wiener Flex einen Besuch ab.

 

Man kann es durchaus als Wunder bezeichnen, dass die 2004 in Brighton gegründete Band noch existiert. Denn Ansell und Carter, die kein Paar sind, hatten sich nach dem letzten in Berlin produzierten Album "Blood Red Shoes" auseinandergelebt. Sängerin und Gitarristin Laura Mary Carter zog nach Los Angeles und beteiligte sich an neuen Projekten (wie "Shit Girlfriend"), Ansell blieb an der britischen Südküste und zog frustriert durch die Clubs. Schlussendlich wurde nach einigen Monaten Sendepause das Projekt "Blood Red Shoes" reinkarniert, produziert hat u.a. der in Los Angeles lebende Arcade Fire- und Yeah Yeah Yeahs-Soundmixer Nick Launay. 

 

Als Support bei der Europa-Tour mit an Bord sind die Utrechter Electro Punk-Rocker 45AcidBabies, die mit ihrer charismatischen Frontlady Sophia de Geus das Flex-Publikum bestens anheizen. Blood Red Shoes selbst starten mit neuen Tracks wie dem nicht auf dem Album enthaltenen "God Complex" (in dessen Schwarz-Weiß-Video Sängerin Carter cool und sexy in einem Auto loungiert), "Elijah" und dem Single-Hit "Mexican Dress".  Gitarristin Carter links platziert, Drummer Ansell rechts. Bei einigen Tracks wird das Duo auch von einer Band unterstützt.

 

Zu hören gibt es natürlich auch Songs aus der Vergangenheit der Alternative Rocker: "Cold", "Don´t ask", das punkige "An Animal" oder "Lost Kids" mit dem Refrain "How long can we pretend that we know just who we are. Lost Kids with nothing left throwing rocks into the dark". Ein Track aus dem 2012er-Album "Fire like this", den die beiden Blood Red Shoes als Spiegel ihrer eigenen Beziehung sehen.

 

Die vielleicht künftige musikalische Zielrichtung spürt man beim letzten Song, "Eye to Eye", elektronischer und melancholischer. Bei den Zugaben wird allerdings wieder gerockt, mit "I wish I was someone better" und "Colours Fade". Die Farben schwinden, die Schuhe bleiben blutrot :-)

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Gewaltschutzpaket: Verschärfungen beim Betretungs- und Annäherungsverbot!

Kurz vor der Nationalratswahl 2019 wurde im Parlament noch das sogenannte "Gewaltschutzpaket" beschlossen, das neben heftig umstrittenen, laut Experten kontraproduktiven Erhöhungen von Strafdrohungen und einer erweiterten Anzeigepflicht für Gesundheitsberufe auch Verschärfungen beim Betretungsverbot zum Schutz vor Gewalt enthält. Die einschlägigen Normen sind im Sicherheitspolizeigesetz bzw. in der Exekutionsordnung geregelt und gelten bereits ab 1. Jänner 2020.

 

Komplett neu konzipiert wurde der § 38 a SPG, der jetzt nicht nur ein Betretungs- sondern auch ein Annäherungsverbot umfasst. So können die Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes einem Gefährder das Betreten der Wohnung des Gefährdeten (beispielsweise des Ehepartners oder des Lebensgefährten) im Umkreis von 100 Meter untersagen. Damit verbunden ist auch das Verbot der Annäherung an den Gefährdeten im Umkreis von 100 Metern. Bis dato waren hier nur 50 Meter normiert bzw. zielte das Annäherungsverbot explizit nur auf unmündige Minderjährige (unter 14) ab.

 

Das Thema ist angesichts der grassierenden Gewalt in Familien und Lebensgemeinschaften höchstaktuell. Laut der Kriminalstatistik 2018 wurden ca. 63 % der Gewalttaten in Beziehungen begangen, österreichweit wurden über 8000 Betretungsverbote ausgesprochen.

 

Der Gefährder darf als Rechtsfolge des Betreungs- und Annäherungsverbots den Verbotsbereich nur in Gegenwart eines Organs des öffentlichen Sicherheitsdienstes aufsuchen. Nach einer sofortigen Abnahme der Schlüssel zur Wohnung hat er noch die Gelegenheit, dringend benötigte Gegenstände des persönlichen Bereichs mitzunehmen. Danach muss er sich eine neue Unterbringung suchen. 

 

Das Betretungs- und Annäherungsverbot gilt - außer bei einer etwaigen Aufhebung durch die Sicherheitsbehörde innerhalb von 3 Tagen -  vorerst für 2 Wochen. Der Gefährdete hat aber die Möglichkeit, eine einstweilige Verfügung beim Bezirksgericht zu beantragen. Dann erfolgt eine Verlängerung auf insgesamt 4 Wochen, sofern der Gefährdete mittels verschiedenster Beweismittel (wie Zeugenaussagen, Patientenbriefe oder Polizeieinsätze) die gefährlichen Angriffe auf Leben, Gesundheit oder Freiheit glaubhaft machen kann. 

 

Die einstweilige Verfügung kann bei Schutz vor Gewalt in Wohnungen längstens für 6 Monate (bei allgemeinem Schutz vor Gewalt für 1 Jahr) angeordnet werden, bei damit verbundenen Verfahren (wie einer Scheidung) kann das Gericht die Dauer mit dem rechtskräftigen Abschluss ansetzen.

 

Der Gefährder selbst hat binnen 5 Tagen ab Anordnung des Betretungs- und Annäherungsverbots ein Gewaltpräventionszentrum zur Vereinbarung einer Beratung zu kontaktieren und an der Beratung aktiv teilzunehmen. Diese hat längstens binnen 14 Tagen ab Kontaktaufnahme stattzufinden. Unterlässt er dies, drohen neben einer Vorladung Geldstrafen bis zu 5000 Euro oder eine Ersatzfreiheitsstrafe bis zu 6 Wochen. 

 

Kritisiert wird von Experten, dass die bereits aus der Wohnung gewiesenen Gefährder die Kosten dieser Beratung selbst zu tragen haben. Dieses Bündel an Demütigungen kann zu Rachebedürfnissen führen, die die ohnehin schwierige familiäre Situation eskalieren lassen können.

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BGBLA_2019_I_105 - Gewaltschutzgesetz 20
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"Der gute Mensch von Sezuan": Brechts Kapitalismus-Kritik im Wiener Volkstheater!

"Wie soll ich gut sein, wo alles so teuer ist?" - Das ist einer der Kernsätze im Brecht-Theaterstück "Der gute Mensch von Sezuan". Uraufgeführt wurde das unter der Mitarbeit von Ruth Berlaus und Margarete Steffins entstandene Werk 1943 im Schauspielhaus Zürich, im Volkstheater Wien ist das thematisch zeitlose, epische Lehrtheater jetzt unter der Regie von Robert Gerloff zu sehen.

 

Wie der Titel besagt, spielt das Theaterstück in der chinesischen Provinz Sezuan. Bertolt Brecht betont aber bereits im Vorwort, dass Sezuan "für alle Orte steht, an denen Menschen von Menschen ausgebeutet werden". Drei (einheitlich gekleidete) Götter besuchen die Erde und suchen nach einem "guten Menschen". Sie finden diesen - auf Wink des Wasserverkäufers Wang (der aufgrund betrügerischer Transaktionen nicht in Frage kommt) - in der Prostituierten Shen Te, die den Göttern ein Nachtlager anbietet und sich durch das geleistete Entgelt einen Tabakladen aufbauen kann. Überleben kann der vermeintlichte "Engel der Vorstadt" aber nur dadurch, dass sie in die Rolle ihres Cousins Shui Ta schlüpft. Arbeitnehmer werden schikaniert und schlecht entlohnt, die Polizei bestochen, und so ist Shen Te bald Inhaberin einer florierenden Tabakfabrik. Exzellent gespielt wird diese Doppelrolle von Claudia Sabitzer, die sich in Form von Lichtspots auch immer direkt an das Publikum wendet.

 

Gerloff installiert bei seiner Inszenierung in der Mitte der Drehbühne einen Turm, der gleichzeitig Fabrik und Wohnung der Prostituierten darstellt. Auf der Vorderfront platziert: Ein Porträt des Autors Bertolt Brecht, kongenial mit (auch paffender) Zigarette. Eine jazzige Band unter der Leitung von Imre Lichtenberger Bozoki ist links platziert, die immer wieder einzelne Szenen und die im Stück eingestreuten, unterhaltsamen Lieder Paul Dessaus (wie das "Lied des Wasserverkäufers im Regen" oder das "Terzett der entschwindenden Götter auf der Wolke") musikalisch begleitet. Bei den Kostümen besonders gelungen ist der riesige Mantel, aus dessen Ärmel die Hände der "achtköpfigen Familie" ragen. Auch ein Wink darauf, dass der individuelle Mensch im Zeitalter des Kapitalismus keine Bedeutung hat, sondern nur der Profit des Unternehmers im Mittelpunkt steht.

 

Brecht verbindet in "Der gute Mensch von Sezuan" Kapitalismus- und Religionskritik. Die Götter "sind nur Betrachtende", sie haben keine aktive Funktion und können den Menschen nicht helfen. Im Stück selbst finden die Protagonisten keinen Ausweg. Unter den Bedingungen des Kapitalismus können sie nicht finanziell überleben, wenn sie sich nur auf ihre "guten Werte" verlassen. Auch die Liebe bleibt auf der Strecke, da auch diese immer von materiellen Bestrebungen unterwandert wird. 

 

Diese an sich aussichtslose Situation soll aber laut Brecht nur für das Stück selbst gelten. Wie bei epischen Lehrtheatern üblich endet auch "Der Gute Mensch von Sezuan" mit einem offenen Schluss: "Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen. Den Vorhang zu und alle Fragen offen. Soll es ein andrer Mensch sein? Oder eine andere Welt? Vielleicht nur andere Götter? Oder keine?..... Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss! Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!"

 

Für linke Vordenker in einer kapitalistischen Gesellschaft Inspiration und Bestätigung gleichzeitig, klare Stellung zu beziehen gegen die neoliberale Ausbeutung der Arbeitnehmer in der Gegenwart. Stichworte: 12 Stunden-Tag (statt Arbeitszeitverkürzung), Scheinselbständigkeit, Ich-AG´s, Streichung von Sozialleistungen,... 

 

http://www.volkstheater.at/stueck/der-gute-mensch-von-sezuan/

"Fair Lassen!" - NGO´s kämpfen für eine unabhängige Asylrechtsberatung!

"Stell dir vor, der Schiri ist Wettbürobesitzer. Stell dir vor, dein Firmenboss ist auch dein Betriebsrat. Stell dir vor, dein Scheidungsanwalt wohnt jetzt bei deiner Ex. So unfair ist das neue Asylverfahren." Mit diesen Kernslogans wirbt die Asylkoordination Österreich für ihre Initiative "Fair lassen". Im Zentrum der Kritik steht dabei das am 16. Mai 2019 - einen Tag vor der Veröffentlichung des Ibiza-Videos - von ÖVP und FPÖ beschlossene BBU-Errichtungsgesetz, das - mit einigen Übergangsfristen - am 20. Juni partiell in Kraft getreten ist.

 

Laut diesem Gesetz werden ab Juli 2020 die Erstaufnahmezentren für Asylwerber von der Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen (BBU) betrieben. Es handelt sich dabei um ein gemeinnütziges Unternehmen, das zu 100 % im Eigentum des Bundes steht und in dem der Innenminister auch personell wesentliche Einflussrechte hat. So werden sowohl der Geschäftsführer als auch 6 der 12 Aufsichtsräte vom Innenminister bestellt.

 

Eine besondere Aufgabe dieser Bundesagentur ist die "unabhängige" Rechtsberatung. Derzeit werden Asylwerber aufgrund zweier im Jahr 2011 abgeschlossener Verträge von der ARGE Rechtsberatung (Diakonie, Volkshilfe Oberösterreich) und dem Verein Menschenrechte Österreich beraten. Beide Organisationen sind je zur Hälfte zuständig für Zulassungsverfahren, Beschwerdeverfahren (an das Bundesverwaltungsgericht) und Schubhaftverfahren der Flüchtlinge.

 

Ab 1. Jänner 2021 sollen sowohl die Rechtsberatung in Asyl- und fremdenpolizeilichen Verfahren als auch die Rückkehrberatung von Rechtsberatern der BBU übernommen werden. Bereits vor der Beschlussfassung des von FPÖ-Innenminister Kickl initiierten Gesetzes wurde heftige Kritik seitens renommierter Verfassungsjuristen und des aktuellen Justizministers Jabloner laut, die vor einer drohenden Verletzung des Grundrechts auf ein faires Verfahren warnten.

 

Entfaltet diese Gesetzesnovelle nämlich ihre volle Wirksamkeit, dann verlieren nicht nur NGO´s und Zivilgesellschaft ihre Überwachungstätigkeit über die Asylverfahren, sondern kontrolliert der Staat de facto sich selbst. So übernehmen Personen, die - formell zwar weisungsfrei, faktisch aber dem Innenministerum unterstehen - die Rechtsberatung von Asylwerbern in Rechtssachen, die von einer dem Innenministerium weisungsgebundenen Behörde (dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl - kurz BFA) getroffen wurden. Zuletzt lag der Prozentsatz an fehlerhaften bzw. rechtswidrigen Bescheiden des BFA bei extrem hohen 42 %.

 

Angesichts des in Österreich vorherrschenden fremdenfeindlichen Klimas ist anzunehmen, dass diese "unabhängigen" Rechtsberater einem Asylwerber eher zu einer resignativen Strategie raten werden als alle Anker zu ergreifen, um vielleicht doch noch den ihm zustehenden Schutz vor Verfolgung zu erlangen. Rechtsschutz im Sinne der Menschenrechtskonvention sieht anders aus. Null Vertrauenswürdigkeit ist auch für Personen gegeben, die sich für eine freiwillige Rückkehr interessieren und sich dann an jene Behörden wenden müssen, die schlussendlich auch über ihre Abschiebung entscheiden. 

 

Ein untragbares System, das von einem Innenminister konstruiert wurde, der die Erstaufnahmezentren offiziell in "Ausreisezentren" umbenannt hat und (vorerst?) Vergangenheit ist. Sollte es zu Regierungsverhandlungen zwischen der ÖVP und den Grünen kommen, dann sollte eine der (vielen) Mindestforderungen der grünen Fraktion darin bestehen, dass die unabhängige Asylrechtsberatung beibehalten wird und das BBU-Gesetz auch angesichts stark sinkender Asylantragszahlen sofort wieder rückgängig gemacht wird.

 

Ansonsten haben die Grünen ihren Nimbus als Kämpfer für Menschenrechte und Unterstützer der Armen und Schwachen schneller verloren als ihnen lieb ist. Dies wäre nicht nur schade, sondern würde ihnen auch einen Großteil ihrer Wählerschaft kosten...

 

https://www.fairlassen.at/

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BGBLA_2019_I_53 - BBU-Errichtungsgesetz
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Afro House in Wien: Südafrikas Star-DJ Black Coffee im Horst!

"Africa is not a Jungle" - So nennt sich eine vom südafrikanischen DJ Nkosinathi Innocent Maphumulo (aka Black Coffee) initiierte Plattform. In Afrika existiert keine Record Label-Struktur wie in Europa oder Amerika, so der DJ, der in seinen charismatischen Sets ca. 70-80 % afrikanische Tracks verwendet und so die Künstler im Stil eines "Szene-Missionars" weltweit bekanntmachen will.

 

Im Oktober war der 1976 geborene in Barcelona lebende DJ und Produzent Gast im temporären Wiener Club Horst in der Rotgasse. Die multikulturellen Party People strömten ähnlich begeistert zu dem Event wie zu seiner Residency ins glamouröse Hi-Ibiza (dem ehemaligen "Space"), in dem Black Coffee seit drei Jahren gemeinsam mit vielen afrikanischen Techno- und House-DJ´s die Saturday Night bis in den Morgengrauen beschallt. 

 

Was viele nicht wissen: Black Coffee legt nur mit dem rechten Arm auf, da er seit einem Unfall 1990 am Tag der Nelson Mandela-Freilassung - er wurde von einem Taxi überfahren - den linken Arm nicht mehr belasten kann. Seinen eisernen Willen und seine Leidenschaft für die Musik hat dies allerdings nicht aufgehalten. Im Gegenteil: Er spendet seitdem 5 % seiner Einnahmen für eine Behinderten-Foundation.

 

Die ersten großen Auftritte hatte Black Coffee bei der Red Bull Music Academy im Jahr 2003, 2010 wurde er ins Guinness Buch der Weltrekorde aufgenommen, nachdem er 60 Stunden lang non-stop in einer Mall in Johannesburg die Turntables gerockt hat. 2015 wurde er zum ersten Mal als "Breakthrough DJ" bei den Ibiza DJ Awards ausgezeichnet, 2016 und 2017 folgten die Deep House-Awards. Insgesamt fünf Alben, zuletzt "Pieces of me", hat Black Coffee veröffentlicht, dazu zahlreiche Remixes und EP´s...

 

Kurz zu hören war in seinem "Horst"-Set auch seine Zusammenarbeit mit dem französischen Star-DJ David Guetta, das wunderschöne "Drive" mit den Vocals von Delilah Montagu. Ansonsten verließ sich der sympathische DJ auf seine afrikanischen Wurzeln und präsentierte dem enthusiastischen Wiener Publikum eine Mixtur aus Afro House-, Tribal- und Tech House Beats. Zu den Highlights seiner Show zählte - wie beim Tomorrowland - auch der Kölsch-Remix des London Grammar-Hits "Hell to the Liars".

 

Wie sehr seine Bemühungen um die afrikanische Dance Culture bereits Früchte geschlagen haben, registrierte man bei der kürzlichen Verleihung der Ibiza DJ Awards. Dort existiert seit diesem Jahr die Kategorie "Afro House". Gewonnen hat der auch von Black Coffee gepushte südafrikanische Discjockey Da Capo. 

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40 Years Greatest Hits-Tour: OMD live in der Aula Magna von Lissabon!

"Pure Zeitgeist" - So bezeichnete ein renommierter Musikkritiker die Debüt-Single "Electricity" von Orchestral Manoeuvres in the Dark, kurz OMD. Synthi-Pionier Vince Clarke ließ sich von dem an Kraftwerks "Radioactivity" angelehnten Track inspirieren und gründete zuerst Depeche Mode, dann Yazoo. 40 Jahre später sind die beiden Masterminds von OMD, Andy Mc Cluskey und Paul Humphreys, mit ihrer "Souvenir 40 Years"-Tour back on Stage. Start der Europa-Tour in Lissabon, in der Aula Magna.

 

Die Aula Magna, eigentlich ein Vorlesungssaal, ist die auch von anderen Bands und Künstlern frequentierte Event-Location der ältesten Universität Lissabon im Norden der portugiesischen Hauptstadt. Sie könnte besser nicht passen, war doch zu Beginn der OMD-Karriere 1979 deren Sound eher als "akademisch" verschrien bzw.  dient diese aufgrund ihrer mittleren Kapazität auch als Generalprobe für spätere größere Auftritte in England und Irland.

 

Verkauft wurden Sitzplätze in drei unterschiedlichen Preiskategorien, de facto hielt es bereits nach dem zweiten Track "Messages" keinen mehr auf den Sitzen. Und das, obwohl der Großteil der Konzertbesucher bereits das 40. Lebensjahr überschritten hat. Sozusagen Fans der ersten (zur New Wave-Ära Anfang der 80er), der zweiten (der Mainstream-Hits der Mid-Eighties) und der dritten Stunde. Stichwort: "Sailing on the Seven Seas" 1991. Mc Cluskey und Humphreys trennten sich 1988 wegen musikalischer Differenzen, 3 Jahre landete der Leadsänger mit dem Album "Sugar Tax" einen Überraschungshit. Dazu zählte auch das wunderschöne "Pandora´s Box", eine bittersüße Hommage an die bezaubernde Stummfilmschauspielerin Louise Brooks. Zu hören bereits in der ersten halben Stunde der Show.

 

Vor das Mikrofon "gezerrt" wurde auch der eher schüchterne Keyboarder Paul Humphreys, zählten doch die von ihm stimmlich performten Songs "Souvenir" und "Forever live and Die" zu den größten Hits der britischen Formation. Ansonsten sorgt Sänger Andy Mc Cluskey für flotte Tanzeinlagen, Clapping Hands und Stimmung. Vor allem das Repertoire aus den 80ern ist schier endlos: "So in Love", "Tesla Girls", "Locomotion", "Dreaming" oder das mit Drums neuinszenierte "Maid of Orleans", das sich 1982 in Kontinentaleuropa zum größten Hit der Band kristallisierte. Inmitten des Hit-Reigens präsentierte die vierköpfige Combo (inkl. Keyboarder Martin Cooper und Drummer Stuart Kershaw) auch ihre neue Single "Don´t go" (aus dem 5-fach-Greatest Hits-Album "Souvenir") und Raritäten wie die "Electricity"-B-Side "Almost". Insgesamt haben OMD über 40 Millionen Alben verkauft, immens erfolgreich war Mc Cluskey übrigens auch mit der Produktion des schick-niedlichen Girlie-Trios Atomic Kitten ("Whole again").

 

Die erste Original-Reunion von OMD fand bereits 2005 im Rahmen einer "Chart Show" statt, seitdem wurden einige Alben (wie "History of Modern" oder "Punishment of Luxury") veröffentlicht und regelmäßige Tourneen organisiert. Die 40 Years-Greatest Hits-Show bietet den Fans jetzt einen nahezu vollständigen Rückblick auf die schönsten OMD-Songs und auf sehnsuchtsvolle Momente der Vergangenheit, die diese mit den romantisch-melancholischen Klängen der Band verbinden. 

 

Die elektrisierenden Beats von "Sailing on the Seven Seas" und "Enola Gay" stehen am Ende der Main-Setlist, bevor OMD kurz die Aula Magna-Bühne verlassen und dann im Zugabenteil die Schulzeit der 80er wiederbeleben: Andy McCluskey schmettert "If you leave" ins Publikum: Der leicht kitschig angehauchte Soundtrack-Hit aus dem High School-Streifen "Pretty in Pink" und gleichzeitig der größte Hit der Band in den USA (Platz 4).

 

Nach dem 80er-Track "Secret" folgt als absoluter Schlusspunkt "Electricity", jener von Factory Records publizierte Kult-Track, mit dem die Karriere von OMD begann. Und damit schließt sich der Reigen. Zumindest für die vergangenen 40 Jahre von Orchestral Maneuvres in the Dark. The Future´s so bright, we gotta wear shades :-)

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„Der talentierte Schüler und seine ewigen Feinde“ – Neues Buch von Andreas Salcher!

"Man stelle sich vor, ein Automobilkonzern liefert Autos aus, wo jedes fünfte Fahrzeug nicht funktioniert. Oder jedes fünfte Flugzeug wäre defekt. Das wäre undenkbar. Wenn aber jedes fünfte Kind nach neun Jahren nicht sinnerfassend lesen und schreiben kann, sagen viele: Na ja, das ist halt so." - Mit solchen zündenden Vergleichen macht der ehemalige ÖVP-Politiker und Mitbegründer der Sir Karl Popper Schule, Andreas Salcher, derzeit Werbung für sein neues bildungskritisches Buch "Der talentierte Schüler und seine ewigen Feinde".

 

Die Lehrer (vor allem jene, die auf pure, antiquierte Wissensvermittlung statt auf soziale Kompetenzen setzen) unterliegen zwar auch der Kritik Salchers, der im Buchtitel verwendete Begriff der "Feinde" (erstmals eingesetzt im Vorgängerwerk aus dem Jahr 2008) geht allerdings viel weiter, wie Salcher auch bei der Buchpräsentation im Thalia Wien-Landstraße erklärt. Der Unternehmensberater und Buchautor versteht darunter "alle, die sich mit dem extrem niedrigen Anspruchsniveau an den Schulen zufriedengeben".

 

Die jährlich hereinprasselnden Leistungsbilanzen sind tatsächlich nicht berauschend. Österreich hat das zweitteuerste (!) Bildungssystem in der EU, laut den PISA-Tests sind allerdings 31 % der 15jährigen zumindest in einer der Kategorien (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) besonders leistungsschwach, 13 Prozent in allen. Erschreckend hoch ist in Österreich der Unterschied zwischen Migranten und Nichtmigranten, der auch auf die Sozialisation und die mangelnde Unterstützung der Eltern und anderer Mentoren zurückzuführen ist. Im Vorzeige-Bildungsland Kanada, in dem Ganztagsschulen und integrative Unterrichtsformen das Schulsystem prägen, gehen die Uhren anders. „Dort beherrschen viele Kinder von Migranten am Ende der Schulzeit die englische Sprache besser als die gebürtigen Kanadier.“

 

Schulische Erfolgskurven dieser Art sind auch in Österreich möglich. Als Beispiel nennt Salcher gerne einen polnischen Migranten, den er als Testleser für seine Bücher beschäftigt. In einem Schulsystem, das „1935 dieselben Notenskalen aufweist wie 2015 80 Jahre später“, werden auch herausragende Talente nicht gefördert. Bei schulischen Theateraufführungen erhalten nicht die Bühnencharismatiker die besten Rollen, sondern jene mit den besten Noten in den anderen Fächern. Einstiges „Opfer“ dieser Schulpolitik: Der spätere „Jedermann“ Peter Simonischek.

 

Die Reformvorschläge des renommierten Schulkritikers Salcher sind vielfältig, bei den letzten Bildungsreformen (die um Zentralmatura, Neue Mittelschule mit zwei Lehrern in den Hauptgegenständen, Ziffernnoten bzw. Sitzenbleiben in den Volksschulen und fadenscheinige Autonomiepakete kreisten) waren diese so gut wie kein Thema. Sieht man sich die Paragraphenschwemme an, dann ist es anscheinend schwieriger eine Schule zu führen als ein Atomkraftwerk, so Salcher.

 

Der Bildungskritiker fordert eine Schule, bei der „Schüler und Lehrer jeden Tag gern hingehen“. Sozusagen Aus mit horriblen Botschaften wie dem beginnenden „Ernst des Lebens“. Lernen funktioniert am besten – so wie in den Volksschulen – über Beziehungen, was Leistung allerdings nicht ausschließt (die vor allem durch Wertschätzung zwischen Lehrern und Schülern, Leidenschaft aller und ehrliches Lob gefördert werden soll). Die „Belehrungsschule“ müsse zu Grabe getragen werden, ebenso wie der Brockhaus im Vergleich zu Wikipedia.

 

Absurd sei die Fragmentierung der Lehrfächer (die teils auch noch von den Lehrern verteidigt wird). Bereits in den Unterstufen sollen Lernbereiche eingeführt werden, ab der Oberstufe könnte wie in den USA – neben den Hauptfächern – ein Wahlfächersystem verankert werden. Vorträge von externen Künstlern, Schriftstellern, Jungunternehmern oder Entwicklungshelfern sollen in den Unterrichtsstunden Praxiswissen vermitteln und Interesse wecken. Sozial- und Kommunikationskompetenz sollte als eigener Maturagegenstand konzipiert werden, so wie in der von Salcher mitbegründeten Sir Karl Popper Schule für Hochbegabte.

 

Zahlreiche Verbesserungen soll es auch in der Lehrerwelt geben. Neben einer adäquaten Lehrerfortbildung und einer Hebung des Berufsimages müsse man endlich in die Arbeitsplätze der Lehrer investieren. Salcher schlägt hier Departments (beispielsweise für Deutsch und Geschichte) vor, bei der die einzelnen Lehrer auch fächerübergreifend zusammenarbeiten können.

 

Die Hoffnung auf eine moderne, progressive Schulreform stirbt zuletzt. Solange aber die Migration (vulgo die Fremdenfeindlichkeit) und nicht die Bildung das wichtigste politische Thema in unserer Gesellschaft bleibt, dürfte der Vorhang für eine rosarote Zukunft verschlossen bleiben…

 

Buch:  Andreas Salcher, Der talentierte Schüler und seine ewigen Feinde. Ecowin Verlag, 2019. 280 Seiten, 24 Euro.

 

"No More Plastic" - 22. DJ-Awards in Ibiza auch im Zeichen der Umwelt!

Bereits zum 22. Mal fand 2019 in Ibiza die Verleihung der DJ Awards statt. Als Location diente dieses Jahr der Club Heart in Talamanca gegenüber der historischen Altstadt, moderiert wurde das Event von Graham Sahara und DJ Jaguar.

 

Insgesamt 24 Kategorien wurden ausgezeichnet, aufgesplittet nach Publikums- und Industrie-Votes. Unter den Gewinnern fanden sich u.a. "Space"-Legende Carl Cox (als Best International DJ), "Ants"-Resident Francesco Allendes ("Best Ibiza"-DJ") oder die ukrainischen Newcomer Artbat (als "Breakthrough"). Freuen durften sich auch die Frauen: Fast 50 Prozent mehr Nominierungen, und gleich drei strahlende Siegerinnen: Techno-Queen Charlotte Witte aus Belgien, Deep House-DJ Maya Jane Coles und die Newcomerin Onyvaa aus Kalifornien. Als bestes Event prämiert wurde die von Cocoon organisierte Kraftwerk-Show im Open Air-Club Ushuaia. Der Track of the Season geht an den italienischen Produzenten Roberto Surace, dessen "Joys" den ganzen Sommer lang die Clubs der Insel vibrieren ließ.

 

Im Mittelpunkt der Show standen allerdings nicht nur die dem Es Vedra-Felsen nachgebildeten grünen "Kryptonite"-Awards, sondern auch die Umweltinteressen der Party-Insel Ibiza. DJ Awards unterstützt wie viele andere Organisationen Ibizas die "No More Plastic"-Initiative und war an zahlreichen Aufräumaktionen an den Stränden beteiligt. Auch die Politik wurde bereits aktiv: Das Balearen-Parlament plant bis 2020 ein Verbot des Verkaufs von Einweg-Kunststoffen.

Die DJ-Awards-Gewinner 2019

 

Da Capo

Afro House

 

Chase & Status

Bass

 

ARTBAT

Breakthrough in association with Beatport

 

Maya Jane Coles

Deep House

 

Butch

Deep Tech

 

Stephan Bodzin

Electronic Live Performer

 

Kerri Chandler

House

 

Carl Cox

International DJ supported by K-array

 

Maceo Plex

Melodic House & Techno

 

ONYVAA

Newcomer

 

Hernan Cattaneo

Progressive House

 

Michael Bibi

Tech House

 

Charlotte de Witte

 Techno

 

Aly & Fila

Trance

 

 

INDUSTRY AWARDS

 

Dance Nation in collaboration with Clubbing TV: Israel

Cutting Edge: Cercle

Outstanding contribution supported by Ibiza Spotlight: Simon Dunmore

Ibiza DJ in collaboration with DJ Mag España: Francisco Allendes

Ibiza Music Event supported by Pure Ibiza Radio: Cocoon 20 Kraftwerk 3D

Ibiza Night supported by K-array: Saga

International Festival in collaboration with Faze Mag: Kappa Futur Festival

Producer: Enrico Sangiuliano

Record Label of the year supported by Trax: Hot Creations

Track of the season: Joys (Roberto Surace)

 

 

"Übermacht im Netz" - Buchpräsentation von Digital-Expertin Ingrid Brodnig im Thalia!

 

 Die Journalistin Ingrid Brodnig gilt als Digital-Expertin und hat neben zahlreicher Essays und Kommentare zu diesen Themen auch zwei Bücher publiziert: "Hass im Netz" und "Lügen im Netz". Im Brandstätter-Verlag ist jetzt ihr neuestes Buch "Übermacht im Netz" erschienen, das sich mit der wirtschaftlichen, aber auch politischen Macht von Internetkonzernen wie Facebook, Google oder Amazon beschäftigt. Im Thalia Wien-Landstraße stellte die auch auf Universitäten und Fachhochschulen dozierende Autorin ihr Buch vor.

 

Eine technologische Revolution sei nicht immer gänzlich positiv, so Brodnig. Der vermeintliche Gratis-Kommunikationsdienst Facebook beispielsweise änderte 2009 von heute auf morgen die Standard-Posting-Einstellungen von privat auf öffentlich und prägte dadurch die gesellschaftlichen Normen. Wissenschaftler fanden heraus, dass der Konzern durch das Teilen von Telefonbüchern gegen unseren Willen unsere privaten Telefonnummern erhält und dadurch auch Werbeaktionen ausgelöst werden. Google wiederum kann durch unsere Smartphones alle 4 Minuten unseren Standort ausspähen.

 

Globalisierung und Digitalisierung hatten auch den Effekt, dass Firmen ihre Gewinne - ganz legal - dort auslagern können, wo die Versteuerung am geringsten oder gar nicht vorhanden ist. So zahlt durchschnittlich ein "analoger" Betrieb 23,2 % Körperschaftssteuer, ein digitaler nur mehr 9,5 %. 

 

Brodnig beschreibt in ihrem Vortrag auch das 4-Phasen-Modell neuer Technologien der Harvard-Forscherin Deborah Spar. Zuerst Begeisterung  und Euphorie der Adressaten, dann erste Geschäftsmodelle durch Pioniere. Beginnende Zweifel über negative Entwicklungen führen dann zu einem Ruf nach Regelungen, die dann in einem vierten Schritt durch den Staat umgesetzt werden. Europa sei hier aktuell zwischen Phase 3 und 4 und bezüglich der Konzeption verbindlicher Rechtsvorschriften rigider als die Vereinigten Staaten.

 

Auch der einzelne Bürger könne sich gegen die Übermacht der Internet-Konzerne wehren. Die Parole Brodnigs lautet: "Aufmüpfig sein!" So hat jeder Bürger gemäß § 15 Datenschutzgrundverordnung ein Auskunftsrecht über seine personenbezogenen Daten. Bei der Ex-Falter-Journalistin selbst reichten die Amazon-Aufzeichnungen bis ins Jahr 2002 (!) zurück. Verbündete suchen ist ein zweites Mittel, als Beispiel seien Datenschützer Max Schrems, die Grundrechtsplattform Epicenter Works oder die Aufklärungsorganisation SaferInterner.at genannt, die den Kampf gegen die digitalen Windmühlen aufnehmen.

 

Mehr Informationen, Ländervergleiche, Statistika und Lösungsvorschläge gibt es im neuesten Brodnig-Werk "Übermacht im Netz" zu lesen, genauso empfehlenswert wie ihre Vorgängerbücher...

Wiener Lebensart in Krems: Der Nino aus Wien live im Kesselhaus

"Willkommen im Kino" - So startete Nino Mandl aka Der Nino aus Wien sein Konzert im Kremser Kesselhaus. Er habe schon öfter in der Filmbar nebenan gespielt, aber das hier sei eine Premiere. Und tatsächlich funktioniert seine großartige Setlist auch vor in Kinosesseln loungierenden Fans und ohne tanzende Alternative Party People.

 

In Wien spielt Nino ganz gerne auch solo in kleinen Kneipen und Gasthäusern. In Krems war auch seine komplette Band mit on Stage: Bassist pauT, der zuletzt selbst ein 80er-Wave angehauchtes Album veröffentlicht hat, Gitarrist Raphael Sas, Schlagzeuger David Wukitsevits und der großartige Cellist Lukas Lauermann, zuletzt auch beim Wiener Popfest im Einsatz.

 

10 Alben in 10 Jahren hat der Nino aus Wien veröffentlicht, musikalisch liegen die Vorbilder bei den Beatles, den Ramones und den Kinks, denen er auch den Song "Sandy Simmons" widmet. Thematisch strömt der Nino Mandl in den Gewässern von Qualtinger, Ambros und Danzer. Seine Texte spiegeln die Wiener Lebenskultur wieder, jene der einfachen Leute, die sich nach der großen Liebe sehnen, aber oft auch in den Beisln, Cafes und Clubs bis zum Morgengrauen (und länger) versumpfen. Stichwort "Jukebox", "Praterlied" oder das herrlich melancholische "Der Mai ist vorbei".

 

Einmal im Jahr träumt der Durchschnittswiener auch vom Strand-Urlaub an der echten Adria und nicht in Kagran. Coco Bello, Coco Bello. Ansonsten schreien sich die Wiener am Wochenende gerne beim Fußball die Seele aus dem Leib. In letzter Zeit überwiegt aber der Frust. "Unentschieden gegen Ried" sinniert Rapid-Fan Nino über den zuletzt sportlich wenig glänzenden Traditionsverein, selbst gehandicapt mit einer Armverletzung ("Nix gebrochen, nur geprellt") nach einem Gaudi-Kick.

 

Das tut der musikalischen Spiellaune keinen Abbruch. Lässige Nino-Tracks wie der Opener "Hände", "Tränen machen wach", "Deine Boheme" oder der witzige "Schlagoberskoch"-Klassiker sorgen für einen kurzweiligen Abend im Campus-Areal.

 

Nach einigen Spritzern und energischen Zugaberufen endet der Abend mit einem Lied, das die Berliner Taz als "Don´t look back in Anger" 2018 glorifizierte: "Bevor du schläfst". Dort heißt es "Die Erinnerung zeigt deutlich. Kein Sommer ist für immer. Es wird bald wieder scheußlich. Und dann wird´s immer schlimmer. Doch es hat immer noch gepasst. Weil all you need is love. Und meist gelingt´s nicht ganz, aber manchmal fest."  Ein tolles Sommerabschluss-Konzert. Until next, Nino & Band...

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NR-Wahl nach 525 Tagen Chaos: Wird der Österreicher tatsächlich durch Erfahrung dümmer?

"Wahltag ist Zahltag" - So lautet vor allem eine Kampfansage oppositioneller Parteien vor bevorstehenden Wahlen. Die individuellen Wahlmotive der Wahlberechtigten sind dabei unterschiedlichster Natur: Wahlprogramm, Spitzenkandidat, Stammwähler, ein überzeugender Wahlkampf, bisherige Arbeit oder Visionen für die Zukunft.

 

Bei dieser Nationalratswahl besteht insofern ein Vorteil für den rational wählenden Bürger, da als Entscheidungsgrundlage die türkis-blaue Arbeit der letzten Legislaturperiode und das geplante Regierungsprogramm 2017-2022 vorliegen. Man "muss sich also nachher nicht mehr wundern, was alles möglich ist".  Die Süddeutsche Zeitung fasste die Performance der Kurz-Strache-Regierung unter der Headline "525 Tage voller Skandale" zusammen - https://www.sueddeutsche.de/politik/oesterreich-strache-skandale-tuerkis-blau-fpoe-oevp-kurz-regierung-wien-1.4469797

 

Andere Publizisten wie der linke Vordenker Robert Misik bezeichnete die rechtskonservative Regierung in seinem gleichnamigen Buch treffend als "Herrschaft der Niedertracht". Man braucht allerdings keine Kampfparolen und keine Schlagwörter, um die negativen Auswirkungen dieser Regierung auf Arbeitnehmer, Arme, Familien und Migranten zu beschreiben, es reichen die Fakten, die Gesetzesbeschlüsse und die im Regierungsprogramm verankerten Pläne.

 

In einer Nacht- und Nebelaktion - ohne Begutachtung - führten ÖVP und FPÖ den "freiwilligen" 12 Stunden-Tag und die 60 Stunden-Woche ein. Die bis dahin notwendige Mitbestimmung des Betriebsrats bei einer Erhöhung der Arbeitszeit wurde beseitigt. Bei Gleitzeit fallen die Zuschläge für die 11. und 12. Stunde weg. Zahlreiche leitende Angestellte dürfen zeitlich unbeschränkt beschäftigt werden. Im florierenden Tourismusgewerbe (in dem gleichzeitig die Steuern auf 10 % gesenkt wurden) wurde die Ruhezeit von 11 auf 8 Stunden gesenkt. Familienleben, ade!

 

Die von SPÖ-Bundeskanzler Kern initiierte "Aktion 20.000" für Langzeitarbeitslose über 50 wurde abgeschafft, ebenso der Beschäftigungsbonus. Das AMS-Budget wurde von 1,9 auf 1,4 Milliarden Euro, also um 30 Prozenzt gekürzt. Arbeitslosen (die ab 2020 einem umstrittenen, unter Diskriminierungsverdacht stehenden Algorithmus unterworfen werden) drohen härtere Zumutbarkeitsbestimmungen. Noch nicht umgesetzt, aber ableitbar aus dem Regierungsprogramm ist die Streichung der Notstandshilfe für Langzeitarbeitslose, die dann sofort in die Mindestsicherung kippen. Die Folgen: Eine Verwertung des vorhandenen Vermögens und eine grundbücherliche Sicherstellung der Ansprüche.

 

Die Reduzierung der Sozialversicherungsanstalten von 21 auf 5 hatte auch den Zweck, die Arbeitgeberrechte zu stärken. Obwohl die Unternehmer nur 29 % der Einnahmen beitragen, erlangen sie durch die Reform 50 % der Entscheidungsmacht, im Dachverband sogar 60 %. Aufgrund zahlreicher Kürzungen drohen in den nächsten Jahren Selbstbehalte für die Patienten.

 

Eines der Flaggschiffe der türkis-blauen Regierung ist der Familienbonus von 1500 Euro pro Kind. Dieser begünstigt allerdings nur die Reichen und die Mittelschicht. Zahlt jemand aufgrund seines geringen Einkommens keine Lohnsteuer (und wir haben in Österreich mehr als 1/3 prekär Beschäftigte), dann erhält dieser als Alleinerziehender ein Almosen von 250 Euro pro Jahr. Die 324.000 armutsgefährdeten Kinder in Österreich haben von dieser 1,5 Milliarden-Investition rein gar nichts.

 

Die Familienbeihilfe für im Ausland lebende Kinder wurde durch Türkis-Blau indexiert. Hauptbetroffen davon sind ost- und südeuropäische Pflegerinnen, die sich 24 Stunden lang zum Hungerlohn von rund 1000 Euro um pflegebedürftige Senioren kümmern. Diese Regelung dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit wegen Europarechtswidrigkeit vom EuGH aufgehoben werden.

 

Die Mindestsicherung, der Rettungsanker für die Ärmsten der Armen, macht gerade einmal 0,9 % der Sozialausgaben aus. Zu viel für ÖVP und FPÖ: Familien erhalten aufgrund der Auswirkungen des Sozialhilfe-Grundsatzgesetzes rund 40 Millionen Euro weniger, das 2. Kind erhält nur mehr 130 Euro monatlich, das 3. und jedes weitere nur mehr 43 Euro. Asylberechtigte, die erst die (schwierige) deutsche Sprache erlernen müssen, müssen mit 563 Euro monatlich auskommen. Und das im viertreichsten EU-Staat Österreich.

 

Alt-Kanzler Kurz, ein Studienabbrecher und Polit-Funktionär ohne Lehr- und Berufsausbildung, lamentiert in seinen unerträglichen Dauer-Floskeln stets von der "Zuwanderung ins Sozialsystem", die durch keinerlei Fakten untermauert wird. "Wer davor warnt, dass in unser Sozialsystem eingewandert wird, der ist es selber, der das Sozialsystem schwächt", so treffend Ökonom Stephan Schulmeister.  

 

Nahezu jedes politische Thema wurde während dieser 525 Tage dauernden Skandal-Regierung mit fremden- und migrantenfeindlichen PR-Slogans "gewürzt". Von Kurz stammt sogar das unfassbare Zitat aus dem September 2018: "Das, was ich heute sage, ist vor 3 Jahren in der EU von vielen als rechts oder rechtsradikal bezeichnet worden." So kritisierte er u.a. die flüchtlingsrettenden Hilfsorganisationen im Mittelmeer ("NGO"-Wahnsinn) und stellte sich auch im Fall Carola Rackete hinter den weit rechts stehenden italienischen Ex-Innenminister Salvini.

 

Sein FPÖ-Innenminister Kickl stellte die Europäische Menschenrechtskonvention in Frage, ließ an den Erstaufnahmezentren das Schild "Ausreisezentrum" montieren,  sprach von der konzentrierten Unterbringung von Migranten und wollte eine Sicherungshaft für potentiell gefährliche Asylwerber ohne Gerichtsbeschluss einführen. Tatsächlich rechtlich umgesetzt wurde eine umstrittene Bundesagentur für Asylrechtsberatung, die dem Innenministerium unterstellt ist und anstelle von NGO´s die Asylwerber "unabhängig" beraten solle.

 

Durch ein von ÖVP und FPÖ beschlossenes "Sicherheitspaket" droht ein exzessiver Überwachungsstaat, dessen Einzelmaßnahmen derzeit vor dem VfGH geprüft werden, darunter ein Bundes-Trojaner, eine Vorratsspeicherung light und eine weitumspannende Überwachung des öffentlichen Raums durch Kameras.

 

Im Bildungsressort wurde kein Thema populärer verkauft als das Kopftuchverbot in Volksschulen, Migranten steckte man in abgesonderte Deutsch-Förderklassen, vor jenen jeder Experte (sogar der eigene Bildungsminister Fassmann) abriet. Die Mittel für Ganztagsschulen wurden um die Hälfte gekürzt, das 80 Millionen-Euro-Integrationsbudget gestrichen, dazu weniger Geld für Sprachlehrer und Sozialarbeiter. Das Sitzenbleiben und die Ziffernnoten wurden in der 2. Schulklasse wieder eingeführt. Bei Schulschwänzen droht armutsgefährdeten Eltern sogar eine Freiheitsstrafe.

 

 

An den Universitäten stehen durch Türkis-Blau - wie einst im Jahr 2000 - Studiengebühren ante portas. Berufstätige Studenten, die zumeist aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit über der Toleranzzeit liegen, fallen bereits jetzt nicht mehr unter die Gebührenbefreiung. 

 

Gesellschaftspolitisch befand sich die Regierung auf einem Weg zurück in die 50er: Heimattümelei, Brauchtum, Trachtenzauber, der Grundwehrdienst als "Schule der Nation", ein Nein zur Gesamtschule und die Ablehnung einer modernen Gesellschaft. So wollten die Rechtsparteien ÖVP und FPÖ sogar nach (!) dem VfGH-Urteil die seit Jänner 2019 geltende "Ehe für alle" wieder beseitigen. Nur eine fehlende 2/3-Mehrheit im Nationalrat hinderte sie daran.

 

Im Umweltbereich wurden die Rechte von NGO´s bei Umweltverträglichkeitsprüfungen eingeschränkt. Ein Standortentwicklungsgesetz hat das primäre Ziel, Großprojekte zu beschleunigen und Umweltinteressen hintanzuhalten.

 

Unterstützt wurde die rechtskonservative Regierung von Boulevard- und Qualitätszeitungen, die mit Inseraten in Millionenhöhe gefüttert werden bzw. im Eigentum ÖVP-naher Einflussträger stehen. Allein 2018 gab die Regierung 44 Millionen Euro für PR aus, die Kommunikationsabteilung des Alt-Kanzlers Kurz bestand aus 90 (!) Mitarbeitern. Medien, die nicht den "Hofberichterstatter" spielen (wie der "Standard" oder der "Falter"), werden von Informationen ferngehalten oder sogar geklagt. Orban lässt grüßen.

 

Steuerrechtlich präsentiert sich die Kurz-Strache-Regierung als "Beschützer der Reichen und Großkonzerne". Die Körperschaftssteuer für Unternehmen sollte von 25 auf 21 Prozent gesenkt werden. Für Immobilienspekulanten wurde eine gefinkelte Grunderwerbssteuer-Befreiung eingeführt, Mietzinsobergrenzen dagegen wurden strikt verweigert. Ebenso wie Vermögens- und Erbschaftssteuern für Millionäre. So besitzt 1 % der österreichischen Bevölkerung ca. 40 % des Vermögens, die reiche Klientel bedankt sich für die Steuerbefreiungen mit Großspenden an die ÖVP, die im Jahr 2017 die Wahlkampfkostenobergrenze um 6 Millionen Euro überschritten hat.

 

Summa Summarum profitierten von der Regierung Türkis-Blau zumeist nur die Reichen und die Großkonzerne. Die "einfachen Leute" wurden mit aalglatten PR-Slogans und mit verschärfenden Maßnahmen gegen Migranten, Arbeitslose und (vermeintliche) Sozialschmarotzer ruhiggestellt. So frei nach dem Motto: "Euch geht´s mit uns nicht besser, aber denen geht es noch schlechter."  Die katastrophalen Folgen für unsere einst solidarische Gesellschaft: Hetze, Neid, Hass im Netz und Spaltung sogar in den individuellen Familien.

 

Die 6,4 Millionen Wahlberechtigten (1,1 Millionen Bürger bzw. mehr als 30 % der Wiener dürfen aufgrund des Wahlrechts nicht wählen) haben nun am Sonntag die Möglichkeit, Bilanz über diese von der KurzVP geführten Regierung zu ziehen. Erreichen ÖVP und FPÖ wieder mehr als 50 % der Wählerstimmen, dann muss man ein  legendäres Karl Kraus-Zitat heranziehen: "Österreich ist das einzige Land, das aus Erfahrung dümmer wird". Leider ist dies zu befürchten...

SPÖ-Initiative: 50 Millionen Euro Förderung für Langzeitarbeitslose über 50!

Im Jahr 2016 gab es ca. 50.000 langzeitarbeitslose Menschen über 50 Jahren. SPÖ-Bundeskanzler Kern initiierte daher die sogenannte "Aktion 20.000", infolge dieser 20.000 staatlich geförderte Arbeitsplätze bei Gemeinden und gemeinnützigen Organisationen für diese Beschäftigungslosen geschaffen werden sollten. Die bis Juni 2019 befristete Aktion hatte Erfolg, trotzdem wurde sie durch die rechtskonservative ÖVP-FPÖ-Regierung bereits kurz nach der Angelobung im Jänner 2018 eingestellt. 

 

Im Rahmen der Nationalratssitzung vom 19. September 2019 stellte die SPÖ einen Initiativantrag auf Fortsetzung der "Aktion 20.000". Dieser wurde zwar nicht in dieser Form umgesetzt, hatte aber zur Folge, dass die betroffene Zielgruppe wieder zusätzliche Förderungen erhält.

 

Der neue § 13/5 des Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetzes normiert Ausgaben für Beihilfen, Maßnahmen und Beschäftigungsprojekte zur Schaffung und Förderung von Arbeitsplätzen für über 50jährige Arbeitslose, insbesondere Langzeitbeschäftigungslose. Die Höhe dieser Subventionen beträgt für 2019 und 2020 50 Millionen Euro.

 

Unterstützt wurde die SPÖ-Initiative neben der Liste Jetzt auch von der ÖVP und der FPÖ, die während ihrer kurzen 17monatigen Regierungsperiode zahlreiche Verschlechterungen für Arbeitnehmer beschlossen. Man denke nur an den 12 Stunden-Tag ohne Einbeziehung des Betriebsrates oder die Kürzung des AMS-Budgets von 1,9 auf 1,4 Milliarden Euro.  In Planung befanden sich auch härtere Vorschriften für Arbeitslose und die Streichung der Notstandshilfe für Langzeitarbeitslose, die damit unmittelbar in die Mindestsicherung (inkl. pfandrechtlicher Sicherstellung im Grundbuch) kippen würden.

 

Man darf die aktuelle Zustimmung von Türkis-Blau also getrost als Wahltaktik bezeichnen. Kommen diese beiden Parteien wieder an die Macht, dann ist mit weiteren Kürzungen für Arbeitslose und Armutsgefährdete und im Gegenzug mit Steuererleichterungen für Großkonzerne zu rechnen. Der "einfache Bürger" sollte sich bei der kommenden Nationalratswahl nicht ins eigene Fleisch schneiden...

Urban Art: Street Life Photography im Kunst Haus Wien

Junge Liebespärchen, spielende Kinder, betrunkene Party People, einsame Pensionisten, extravagante Freaks, heimlich gefilmte Menschen mit melancholischen Blicken in Metros und auf U-Bahnplattformen,....  - Die Palette an Motiven in der neuen Kunst Haus Wien-Ausstellung "Street Life Photography" ist genauso so bunt und vielfältig wie das urbane Leben selbst. Und regt, animiert durch zahlreiche Zitate der Künstler, auch zum Nachdenken über die menschliche Seele an.

 

Im 3. und 4. Stock des Kunsthauses werden über 200 Werke des Genres, von den 1930er-Jahren bis heute, präsentiert. Der Ausstellungsraum wird in 5 Kapitel unterteilt: Street Life, Crashes, Public Transfer, Anonymity und Alienation. Die New Yorker Fotografin Melanie Einzig bringt die Ausstellung mit einem Zitat auf den Punkt: "Life itself offers situations far more strange and beautiful than anything I could set up."

 

Der auch in der Techno-Szene bekannte deutsche Fotograf zeigt in einer Fotoserie Menschen, dicht aneinanderstehend in der U-Bahn, ein bisher wenig reflektiertes "sensual experience". Wo endet die Individualität, wo beginnt die Gruppe? Diese Frage wirft der in New York lebende dänische Fotograf Peter Funch auf: Mit einer Gruppe von Hundebesitzern und auf einer Straßenkreuzung. Dass Menschen die Masken fallen lassen, wenn sie die öffentlichen Straßen verlassen und scheinbar unbeobachtet in ihre privaten Gefilde abgleiten, das zeigt die aus Kairo stammende Weltbürgerin Yasmine Chatila mit brillanten Nachtaufnahmen direkt in die Schlafgemächer der Urban People.

 

Street Life Photography existiert auch in Wien, in der Ausstellung vertreten durch Alex Dietrich, Erich Lessing (u.a. mit Jubel-Fotos über den Staatsvertrag und kommunistischen Paraden) und die Fotografin Lies Maculan. Wer sich die sowohl inhaltlich als auch ästhetisch inspirierende Ausstellung nicht entgehen lassen will. Bis 16. Februar 2020 ist noch Zeit...

 

Eintritt: 9 Euro (bzw. 12 Euro im Kombi-Ticket mit dem Museum Hundertwasser)

 

Kunst Haus Wien, Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien...

Politischer Teufelskreis: Geringe Wahlbeteiligung von Armen und Arbeitslosen!

"Stell dir vor, es ist Wahl, und keiner geht hin."  Für dieses Szenario besteht trotz der hiesigen Politikverdrossenheit, der Kompetenz- und Visionslosigkeit der heimischen Politiker zwar noch keine Gefahr. Fakt aber ist, dass vor allem zwei Bevölkerungsgruppen durch die Wahlergebnisse kaum repräsentiert werden.

 

Einerseits sind das jene 1,1 Millionen in Österreich lebenden Ausländer, die aufgrund fehlender Staatsbürgerschaft nicht wahlberechtigt sind. Hier sollte das aktive Wahlrecht von einem zumindest fünf Jahre dauernden, ununterbrochenen Hauptwohnsitz in Österreich abhängig gemacht werden.

 

Bei der zweiten Gruppe nicht repräsentierter Bürger ist die Lösung nicht so einfach. Es handelt sich dabei um sozial schwache Menschen (wie Arbeitslose, Mindestsicherungsbezieher und Armutsgefährdete), die aufgrund einer allgemeinen Lebensfrustration ihr Wahlrecht nicht mehr in Anspruch nehmen. Thematisiert wurde dieses Problem zuletzt auch von der Gewerkschafterin und Buchautorin Veronika Bohrn-Mena ("Die neue ArbeiterInnenklasse"). In der Ö1-Sendung "Armut trotz Arbeit" sinnierte sie, dass Arbeitslose und Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen zusehends resignativer und träger werden, am gesellschaftlichen Leben nicht mehr partizipieren und als logische Folge auch nicht zu den Wahlurnen schreiten.

 

Sora-Untersuchungen zur Nationalratswahl 2017 belegten, dass Bezirke mit vielen Arbeitslosen, geringem Durchschnittseinkommen und eher niedrigen Bildungsabschlüssen eine geringe Wahlbeteiligung nach sich ziehen. Das sind in Wien beispielsweise der 10., der 15. oder der 20. Bezirk. Dagegen zählen Bezirke mit reichen Bürgern und wenig Arbeitslosen (wie Neubau, Hietzing oder Josefstadt) zu jenen mit der höchsten Wahlbeteiligung.

 

"Ein Teufelskreis": So bezeichnet der deutsche Demokratieforscher Robert Vehrkamp diese Entwicklung. "Die Armen gehen nicht wählen, weil sie fürchten, sowieso nicht vertreten und ernstgenommen zu werden. Anschließend werden sie nicht mehr repräsentiert, weil sie sich selbst von ihrem Wahlrecht verabschiedet haben." Und tatsächlich werden die Wahlprogramme der rechtskonservativen Parteien kaum an den Bedürfnissen der armen Bevölkerung ausgerichtet, da deren Wahlstrategen davon ausgehen, dass die sozial schwachen Teile der Bevölkerung überdurchschnittlich den Wahlen fernbleiben.

 

Beispiele: Die strikte Verweigerung von Vermögens- und Erbschaftssteuern seitens ÖVP und FPÖ (die nur die reichsten 1-4 % der Bevölkerung belasten würden), die Kürzungen der Mindestsicherung für armutsgefährdete Familien (40 Millionen pro Jahr) und Asylberechtigte (die ohnehin kein Wahlrecht haben), ein Familienbonus (der Reiche begünstigt und wenig verdienende Alleinerziehende mit lächerlichen Almosen abspeist) oder die geplante Streichung der Notstandshilfe für Langzeitarbeitslose.

 

Anstatt die Lebensbedingungen der sozial Schwachen zu verbessern, schüren die Mitte-Rechts-Parteien Hass gegen Flüchtlinge, Fremde, Arbeitslose und vermeintliche Sozialschmarotzer. So frei nach dem Motto: "Mit uns geht es euch nicht besser (im Gegenteil!), aber wir sorgen dafür, dass es anderen noch schlechtergeht."

 

Über diese miesen PR-Methoden der rechtskonservativen Parteien muss in den öffentlichen Medien, aber auch bei internen Veranstaltungen und privaten Diskussionsrunden Klartext gesprochen werden. Das ist eine wesentliche Bringschuld der linken und linksliberalen Parteien, NGO´s und Aktivisten. Sonst werden wir uns nach der nächsten Nationalratswahl "wieder wundern, was alles möglich ist". 

"Als die Nacht sich senkte" - Buchpräsentation von Herbert Lackner im Thalia!

"Als die Nacht sich senkte - Europas Dichter und Denker zwischen den Kriegen und am Vorabend von Faschismus und NS-Barbarei" - So lautet der Titel des neuen Buches von Ex-Profil-Journalist Herbert Lackner, das er im Thalia-Wien Landstraße vor zahlreichen Besuchern und prominenten Politikern (wie Ex-LH Erwin Pröll, Ex-Vizebürgermeister Bernhard Görg und Heide Schmidt) vorstellte.

 

Moderiert wurde die Veranstaltung von ZIB 2-Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher, die den profunden Autor auch über die Entstehung des Buches interviewte. So handelt es sich bei "Als die Nacht sich senkte" eigentlich um das zeitlich vorgelagerte Prequel zu Lackners Buch "Die Flucht der Dichter und Denker - Wie Europas Künstler und Intellektuelle den Nazis entkamen", das 2017 mit dem Bruno Kreisky-Preis ausgezeichnet wurde.

 

Lackner beschreibt Leben und Denkweisen berühmter Künstler in der Zwischenkriegszeit, die speziellen Informationen erlangte der akribisch arbeitende Journalist aus digitalisierten Archiven der Nationalbibliothek, Karl Kraus´ Fackel oder aus den Schnitzler-Tagebüchern. Die Anekdoten sind spannend, geben Anlass zum Nachdenken über Assoziationen mit der Gegenwart und führen auch zum Kopfschütteln über (angeblich) humanistische Denker der Vergangenheit.

 

So waren Hugo von Hofmannsthal oder Oskar Kokoschka (zumindest anfangs) Anhänger des Kriegs, letzterer meldete sich sogar freiwillig und wurde durch einen Lungendurchschuss schwer verletzt. Alma Mahler galt als Antisemitin und ließ sich gemeinsam mit Franz Werfel im Auto Mussolinis durch ganz Europa kutschieren. Stefan Zweig sinnierte Ende des 1. Weltkrieges, dass eines Tages die Juden für die Kriegsniederlage zur Verantwortung gezogen werden.

 

Der Antisemitimus, vorwiegend betrieben von den Christlich-Sozialen, war eine gesellschaftlich akzeptierte Strömung. Dass diese in den NS-Holocaust münden würde, war Ende des 20er-Jahre zumindest oberflächlich nicht abzusehen, hatte die NSDAP damals noch lächerliche 2,6 Prozent Wähleranteil bei den deutschen Reichstagswahlen, der sich bis 1932 auf 37,8 Prozent erhöhte. Hitler selbst wurde laut Lackners Recherchen zum ersten Mal in den Suchmaschinen als Anführer einer durch München ziehenden Schlägerbande erwähnt.

 

Viele weitere historische Erzählungen (beispielsweise über Schlägereien bei Schnitzlers "Reigen"-Aufführungen, die Ermordung des "Stadt ohne Juden"-Autors Hugo Bettauer oder den NS-nahen Lyriker Josef Weinheber) finden sich in Lackners spannendem Buch über die kulturelle Zwischenkriegszeit. Und wer sich das Vorabwerk noch nicht zugelegt hat, der wird bei einem Besuch in der Buchhandlung gleich doppelt belohnt. :-)

https://www.thalia.at/shop/home/mehr-von-suche/ANY/sp/suche.html?mehrVon=Herbert%20Lackner

It´s Showtime: 9. Buskers Festival auf dem Wiener Karlsplatz!

"Straßenkünstler ist der ehrlichste Job der Welt" - So El Diabolero, Wiener Busker-Legende im Rahmen seiner spannenden Diabolo-Show-Auftritte beim Buskers-Festival auf dem Karlsplatz. Und er hat nicht unrecht. Die teilnehmenden Künstler erhalten von den Veranstaltern nur die Reisekosten, Kost und Logis, Gagen werden keine gezahlt. Die Artisten, Jongleure, Musiker, Clowns, Feuerakrobaten und Stand-Up-Comedians (oder kurz "Buskers") leben sozusagen vom "Hutgeld" der begeisterten Zuschauer. "Make them Stop, Make them Stay, Make them Watch, Make them Pay" - so kongenial hat dies einst Straßenzauberer-Ikone Jim Cellini zusammengefasst.

 

Das Wiener Buskers Festival findet seit 2011 statt und wird veranstaltet vom Verein zur Förderung der Straßenkunst. Mehr als 200 Festivals dieser Art gibt es weltweit, in Wien bewerben sich jährlich über 600 Gruppen und Einzelakteure aus der ganzen Welt. Auf insgesamt 6 Spots zwischen Resselpark und Karlskirche verzaubern die unterschiedlichsten Akteure das Publikum, dann erfolgt ein schneller Wechsel (der insofern leicht machbar ist, da Bühnen bei derartigen Festivals nicht "state of art" sind). Zahlreiche Installationen, Clowns, Pantomimen, Pop-Up-Markets, Graffiti- und Jonglage Workshops und gemeinnützige Initiativen (wie "Asyl in Not" oder der "Verein Ute Bock") machen - inmitten von köstlichen Gastro- und Snacksspezialitäten - den Aufenthalt kurzweilig und unterhaltsam.

 

Im Mittelpunkt des Buskers Festivals stehen natürlich die großartigen Künstler, die breitgestreute Menschentrauben um ihre Shows scharen: Straßenmusiker wie das lässige Instrumental-Trio Cobario oder "U-Bahn-Star" Nana (die u. a. mit einem Avicii-"Wake me Up"-Cover glänzt), die bogenschießende Schlangenfrau Sara Twister, das aus Uruquay stammende Akrobaten-Clown-Duo Clap Clap Circo, die Aerial Silk Vienna-Members (die wieder über dem Karlsplatz-Brunnen ihre Kunststücke präsentieren), Gentleman-Jongleur Mat Ricardo oder eben das "Maskottchen" des Buskers Festivals, El Diabolero, der verschmitzt-lässig bei ständiger Interaktion mit dem Publikum seine Diabolos bis zu 35 Meter in die Höhe wirft.

 

El Diabolero ist seit 1999 hauptberuflicher Straßen- und Zirkuskünstler und hat obendrein die Schauspielschule erfolgreich abgeschlossen. Er liebt an seinem Beruf die Spontanität, die Nähe zum Publikum und die Unvorhersehbarkeit der Situationen im öffentlichen Raum. Vor allem im Sommer ist Abraham Thill, so sein bürgerlicher Name, bei zahlreichen Festivals unterwegs. Früher ist er auch gerne auf dem Wiener Stephansplatz aufgetreten. Dies hat sich allerdings seit dem Inkrafttreten einer Novelle der Wiener Straßenkunstverordnung im Jahre 2012 geändert.

 

Früher durften Straßenkünstler an Orten wie der Kärntner Straße im Abstand von 25 Metern zwischen 13 und 22 Uhr ohne Genehmigung spielen. Aufgrund von Anrainer- und Gastrobeschwerden wurde dies 2012 untersagt. Straßenkünstler müssen seitdem eine Platzkarte bei der MA 36 (Kosten 6,54 Euro) beantragen. Die Reservierung eines bestimmten Ortes oder eines bestimmten Termins ist nicht möglich, eine Zuordnung erfolgt per Computer. Gespielt werden darf nur auf ca. 30 Stellen zwischen 16 und 20 Uhr. Kolportiert werden auch schikanöse Kontrollen durch die Polizei unter der Regentschaft der ehemaligen ÖVP-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel.

 

Eine untragbare Situation vor allem für Showmaster wie Thill. Er benötigt für seine Diabolo-Show weite Plätze, gutes Wetter und viele Zuschauer. Ideen für eine Reform der Straßenkunstverordnung hat der Straßenkünstler zur Genüge, die er auch bereits bei der rot-grünen Stadtregierung vorgelegt hat. Wenn man sieht, wie viele Besucher jährlich zum Buskers Festival pilgern, dann ist nicht auszuschließen, dass in Bälde eine Novelle in den Wiener Landtag flattert. 2020 wird bekanntlich in der Bundeshauptstadt gewählt :-)

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Kampf gegen Kinderarmut in Ö: Unterhaltsgarantie für Alleinerziehende!

Es sind schockierende Zahlen, mit denen österreichische Sozialpolitiker und NGO´s konfrontiert sind. 1.512.000 Menschen oder 17,5 % der Bevölkerung waren 2018 im viertreichsten Land der EU armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Ein besonderes Risiko trifft Ein-Eltern-Haushalte, kinderreiche Familien, Langzeitarbeitslose, Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft, Geringqualifizierte und ... Kinder.

 

25 % der Armuts- und Ausgrenzungsgefährdeten, das sind rund 372.000 Personen, sind Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren. Diese soziale und finanzielle Benachteiligung birgt verschiedenste Gefahren für den Nachwuchs unserer Gesellschaft: Für 14 % der betroffenen Haushalte ist Sparen bei der Ernährung Teil der Lebensrealität, 5 % leben aus Kostengründen in schlecht beheizten Wohnungen, 31 % hausen in überbelegten Wohnungen. Beeinträchtigt sind auch die gesellschaftlichen Kontakte armer Kinder. So können sich 16 % keine Freizeitaktivitäten (wie Sport- oder Musikkurse) leisten, 6 % können aufgrund ihrer finanziellen Notlage nicht an kostenpflichtigen Schulausflügen teilnehmen.

 

Die Reaktion von Türkis-Blau auf diese Fakten: Die Einführung eines Familienbonus mit Kosten von 1,5 Milliarden auch für Reiche, die diese Unterstützung nicht brauchen, im Gegenzug die Kürzung der Mindestsicherung für die Ärmsten der Armen. So erhält seit der unsozialen ÖVP-FPÖ-Sozialhilfe-Reform das zweite Kind nur mehr 4,30 Euro pro Tag, das 3. und jedes weitere Kind nur mehr 1,50 Euro. Insgesamt wurde die Mindestsicherung für Kinder pro Jahr um 40 Millionen Euro reduziert mit dem schäbigen Kommentar, das treffe ohnehin vorwiegend die Migrantenfamilien (Anm.:  Gleichzeitig wurden für PR- und Werbung von ÖVP und FPÖ 44 Millionen Euro beim Fenster hinausgeschmissen.)

 

Eine neue, familienfreundliche Regierung (am besten ohne Beteiligung der rechten Parteien) sollte daher nicht nur diese Kürzungen zurücknehmen, sondern gleichzeitig auch eine Unterhaltsgarantie einführen. Laut Statistik gelten ca. 40 % der Ein-Eltern-Haushalte als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das aktuell geltende Unterhaltsvorschussgesetz, das den Staat zu einer Geldleistung verpflichtet (falls der Unterhaltspflichtige die Alimente nicht zahlen kann), enthält zahlreiche Lücken, die den haushaltsführenden Elternteil (zumeist die Mutter) in die Armut schlittern lässt. Die durchschnittliche Höhe beträgt nur 210 Euro, bei Herabsetzungsanträgen müssen die Alleinerzieher meistens monatelang auf angemessene Beiträge warten, bei fehlendem Exekutionstitel kann gegen den Unterhaltspflichtigen gar kein Vorschuss geltend gemacht werden.

 

Die Unterhaltsgarantie sollte sich an den Regelbedarfssätzen orientieren, die jährlich vom Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen festgelegt werden. Diese decken jenen Bedarf ab, den jedes Kind einer bestimmten Altersstufe ohne Rücksicht auf die konkreten Lebensverhältnisse seiner Eltern an Nahrung, Kleidung, Wohnung, Kultur und Freizeitgestaltung hat. 2019 betragen die Regelbedarfssätze - je nach Alter - zwischen 212 und 590 Euro. 

 

2017 wurde im Nationalrat bereits über die Unterhaltsgarantie diskutiert. Ein Beschluss scheiterte - wie üblich bei sozialen Themen - an den Stimmen von ÖVP und FPÖ, die an der Bekämpfung der Kinderarmut (wie oben dargelegt) anscheinend kein Interesse haben. Eine linksdominierte Koalition unter Führung Rendi-Wagners (die die Unterhaltsgarantie im aktuellen Wahl-Programm konstituiert hat), könnte die Unterhaltsgarantie für Alleinerziehende schnell beschlussfähig machen. Unter der Voraussetzung, dass der Wähler nicht sein Kreuzerl bei rechtskonservativen Parteien wie der ÖVP und der FPÖ macht...

Ab September 2019: Rechtsanspruch auf Papamonat mit Kündigungs- und Entlassungsschutz!

Die türkis-blaue Kurz-Strache-Regierung wurde durch ein Misstrauensvotum des Nationalrates abgesetzt, und schon wurden danach zahlreiche Verbesserungen für die "normalen Bürger" (und nicht nur für die Reichen unseres Landes) beschlossen. So auch der allgemeine Rechtsanspruch auf Dienstfreistellung für Väter anlässlich der Geburt eines Kindes.

 

Beschlossen wurde der sogenannte "Papamonat" mit den Stimmen von SPÖ, FPÖ und der Liste Jetzt. Abgelehnt wurde der von der SPÖ eingebrachte Antrag von der ÖVP und den Neos. Die unfassbare Begründung: "Zu unternehmerfeindlich und zu unflexibel".

 

Die Änderung des zugrundeliegenden Väter-Karenzgesetzes tritt mit 1. September 2019 in Kraft. Der Arbeitnehmer hat ab sofort gemäß § 1a für den Zeitraum von der Geburt seines Kindes bis zum Ablauf des Beschäftigungsverbots der Mutter nach der Geburt (in der Regel: 8 Wochen) einen Anspruch auf eine Freistellung in der Dauer von einem Monat. Einzige Voraussetzung: Der Vater muss mit dem Kind im gemeinsamen Haushalt leben.

 

Die Dienstfreistellung kann auch von gleichgeschlechtlichen Paaren genutzt werden. Anspruchsberechtigt ist dabei jene Frau, deren Partnerin durch eine medizinisch unterstützte Fortpflanzung ein Kind bekommt.

 

Der Arbeitnehmer muss spätestens drei Monate vor dem errechneten Geburtstermin den voraussichtlichen Beginn der Freistellung ankündigen. Spätestens eine Woche nach der Geburt muss der Antrittszeitpunkt der Freistellung bekanntgegeben werden. 

 

Der frisch gewordene Vater genießt Kündigungs- und Entlassungsschutz. Dieser beginnt mit der Vorankündigung (bzw. einer späteren Vereinbarung), frühestens jedoch 4 Monate vor dem errechneten Geburtstermin, und endet 4 Wochen nach dem Ende der Freistellung. Eine Entlassung kann nur nach Zustimmung des Gerichts ausgesprochen werden.

 

Während des "Papamonats" hat der Arbeitnehmer keinen Entgeltanspruch gegen den Arbeitgeber. Er kann allerdings den "Familienzeitbonus" in der Höhe von 22,60 Euro täglich in Anspruch nehmen. Ein diesbezüglicher Antrag ist binnen 91 Tagen ab der Geburt des Kindes bei der zuständigen Krankenkasse zu stellen.

 

Im Gegensatz zum Familienzeitbonus (der auf ein später vom Vater bezogenes Kinderbetreuungsgeld angerechnet wird) gilt die Freistellung nicht als Karenz nach dem Väterkarenzgesetz und ist daher auf diese nicht anzurechnen.

 

Der Rechtsanspruch auf den "Papamonat" gilt für Geburten, deren errechneter Geburtstermin frühestens drei Monate nach dem Inkrafttreten liegt, also ab 1. Dezember 2019. Bei Geburten vor diesem Stichtag kann die Dreimonatsfrist der Vorankündigung unterschritten werden.

Street Art-Kult: "Take Over"-Finale im Wien Museum!

Jede noch so innovative Idee gelangt einmal an einen Endpunkt (und sei es, auch nur durch neue kreative Inspirationen abgelöst zu werden). Im Falle der temporären "Take Over"-Ausstellung im Wien Museum am Karlsplatz ist das Finale allerdings im Umbau- und Sanierungsplan des 1959 von Oswald Haerdl eröffneten Gebäudes begründet.

 

Street Art, Graffiti, Do-it-yourself-Wände und ein Skaterpark haben das Wien Museum in den letzten 2 Monaten beherrscht. Dazu natürlich auch die Ehre, als Zentrale des Wiener Popfestes grandiose Acts wie Clara Luzia, Sigrid Horn oder Poetry Slammerin Mieze Meduza zu beherbergen und neben spannenden Talks über die schon längst nicht mehr langweilige österreichische Musikszene Robert Rotifer die Gelegenheit zu bieten, seine Popfest-Bibel "Ein Deka Pop" zu präsentieren.

 

"Falco lebt"-Wallsegmente, selbstbewusste Riot-Girls gegen den Rest der antifeministischen Gesellschaft, wandgroße Stencils mit animalischen Motiven, aber auch süße, kleine Liebeserklärungen und bunte Farbkleckser kennzeichnen die "Do it Yourself"-Arena im Erdgeschoß. Bekannte Namen der Wiener Street Art-Szene, die Anfang der 90er - meist auch gegen den Widerstand der Polizei und der Bürger - entstanden ist, geben sich im 1. Stock die Ehre: Nychos, Miss Isa, Abend, Speakers 23, und wie sie alle heißen.

 

Dazu ein Fotocorner mit legendären Street Art-Kunstwerken, die schon längst der Vergangenheit angehören und nur durch "Beweis-Schnappschüsse" noch gegenwärtig sind. Der einstige Groll über Sachbeschädigungen ist längst der Bewunderung über die Kunstfertigkeit der Urban Artists gewichen. Mit dem Projekt "Vienna Murals" des Fotografen Thomas Grötschnig existiert bereits ein eigener Online-Guide für die Street Art-Szene in Vienna. Auf der Suche nach unerforschten Arealen Wiens und deren versteckten Geheimnissen befinden sich die auch die 78er, die - formal benannt nach den kommunalen Magistratsabteilungen - als "Institut der Stadterkundung" nächtlich auf Häuser steigen und in U-Bahn-Tunnels und Kanäle klettern.

 

So gesehen ist das Hissen der weißen Flagge nach dem "Take Over" nur der brodelnde Beginn einer neuen Wertigkeitsstufe von Street Art und Graffiti in Vienna. Ähnliches gilt für das Wien Museum. Nach einer Entkernung und einer archäologischen Grabung startet voraussichtlich im Sommer 2020 der Umbau. Die Wiedereröffnung ist für 2023 geplant. Der Karlsplatz, in den 90ern Synonym für Drogensucht und soziales Elend, hat seine dunkle Vergangenheit weit hinter sich gelassen. Und das ist gut so...

Trauminsel Ibiza: UNESCO-Weltkulturerbe und Party-Metropole zugleich!

Ibiza - Die spanische Trauminsel im Mittelmeer. Es gibt wohl keinen anderen Reise-Hot Spot der Welt, der mehr mit Oberflächlichkeit und Klischees spielt als die drittgrößte Baleareninsel: Elitärer Treffpunkt der Superreichen mit ihren Luxusyachten und Nobelfincas, dekadenter Spielplatz der VIP´s und jener, die gerne VIP´s wären (und daran meistens scheitern), Nightlife-Sodom & Gomorrha in pompösen Clubs mit sündteuren VIP-Logen, den höchstbezahltesten DJ´s der Welt und tech house- und drogenaufgeputschten Clubbers, die bei ihren Selfies schon einmal checken, welche Pupille die größere ist, die eigene oder jene der Begleitung der Nacht.

 

Die österreichische Eivissa-Fabel, die neben dem Rücktritt des Ibiza-Freaks und Vizekanzlers HC Strache und einer Rückkehr der holländischen Venga Boys zurück in die Charts die längst fällige Beendigung der unsozialen, neoliberalen und xenophoben ÖVP-FPÖ-Regierung (durch Misstrauensvotum) beschleunigt hat, hat mit jenen sagenumwobenen Legenden von Es Vedra wenig zu tun, egal ob wir über Ufo-Landeplätze, Magnetfelder, das versunkene Atlantis oder die verführerischen Sirenen philosophieren. Das fast achtstündige "Ibiza"-Video erreicht gerade einmal "Österreich"-Niveau. Zack Zack Zack. Bist du deppert, die ist schoaf. Und Cut!

 

Die spanische Trauminsel mit ihrer geringen Fläche von 571 km2 und  ca. 150.000 Einwohnern begeistert nämlich nicht nur die Millionäre, VIP´s und die ewig junge Rave Generation, sondern auch Kultur- und Geschichtsinteressierte. Am 4. Dezember 1999 wurde Ibiza in der Kategorie "Biologische Vielfalt und Kultur" das UNESCO-Weltkulturerbe verliehen. Fast eine Kuriosität für eine Insel, die vorwiegend vom Massentourismus lebt und jährlich mehr als 3,5 Millionen Touristen zum "Tanz auf den Vulkan" lockt.

 

Das UNESCO-Zertifikat beschränkt sich allerdings - wie auch bei anderen vergleichbaren Kulturstätten - auf einzelne Zonen der spanischen Insel. Umfasst ist - kein Wunder - die Oberstadt der Hauptstadt Eivissa, Dalt Vila, mit ihrer wunderschönen Kathedrale als höchstem, zentralem Punkt . Sie gilt als Monument der Geschichte und wurde von vielen verschiedenen Völkern und Kulturen bewohnt, den Phöniziern, Karthagern, Römern und Mauren. Am 8. August 1235 eroberten die Katalanen, der Legende nach durch einen Trick, die eigentlich fast uneinnehmbare Festungsanlage. Angeblich verriet der eifersüchtige Bruder des damaligen Scheichs den spanischen Eroberern die Route eines Geheimgangs vom Meer Richtung Oberstadt. Die Moschee musste bald einer christlichen Kathedrale weichen, der Tag der Reconquista und der Zeitraum davor werden jährlich im Rahmen des Patronatsfests "Fiesta de la Tierra" zu Ehren der Schutzheiligen der Kathedrale ("Santa Maria de las Nieves" - die Heilige Maria des Schnees) gefeiert.

 

Zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen weiters die phönizische Siedlung Sa Caleta an der Südküste, die ca. 3000 Grabkammern umfassende Nekropolis am Puig des Molins (nahe der Altstadt) und die Posidonia-Seegraswiesen im Naturreservat Ses Salines. 

 

Die Posidoni oceanica, die in dieser Form nur im Mittelmeer existieren, halten das Wasser klar, betreiben Photosynthese, speichern laut dem spanischen Meeresbiologen Carlos Duarte doppelt so viel CO2 wie eine gleich große Fläche Regenwald, schützen Küsten vor Erosion und verhindern dadurch eine Strandabtragung.. Außerdem sind sie Lebens- und Brutraum für zahlreiche Fische, Schnecken, Muscheln, Seesterne und Seepferdchen. 

 

Laut Experten sollen die Posidonia-Wiesen zwischen Ibiza und Formentera bereits seit hunderttausend Jahren existieren, in den letzten 10 Jahren sollen sie aber um rund 40 (!!!) Prozent geschrumpft sein. Die Gründe sind vielfach: Anker und Ketten von Luxusyachten zerstören unmittelbar vor den Küsten die Seegraswiesen. Abwässer von Kläranlagen an Land und von Schiffen verschmutzen das Wasser und erschweren so die Photosynthese der Pflanzen. Steigende Wassertemperaturen, die Sandausbaggerung in Häfen und an Deichen und der Einsatz von Bodenschleppnetzen in der Fischerei haben einen ebenso negativen Einfluss auf das ohnehin geringe Wachstum der Wiesen (von nur einer Blüte pro 10 m2 jährlich).

 

Nach zahlreichen Informations-Kampagnen diverser Umwelt-Organisationen und Demonstrationen besorgter Einheimischer hat nun auch das balearische Umweltministerium reagiert. Seit 2018 können Personen, die in den Lebensraum der Posidonia eingreifen, angezeigt und zu hohen Strafzahlungen (bis zu 450.000 Euro) verurteilt werden. Ob sich die Yachtenmillionäre daran halten bzw. ob die Verordnung effektiv vollzogen wird, bleibt abzuwarten. 

 

Man kann nur darauf hoffen. Denn wenn die Posidonia-Wiesen schrumpfen, dann leidet auch die Badequalität. Die an intakten Strand- und Naturlandschaften interessierten Touristen werden sich dann eine andere Trauminsel suchen, die Party-Promoter verschwinden, das Bruttoinlandsprodukt Ibizas (das zu mehr als 70 Prozent vom Tourismus bestimmt wird) drastisch sinken. Vom UNESCO-Weltkulturerbe gar nicht zu reden...

 

SPÖ-Initiative: Ab 1. September (bedingte) Entgeltfortzahlung für freiwillige Helfer!

Die türkis-blaue Bundesregierung wurde durch einen Misstrauensantrag abgesetzt, seitdem werden im Legislativorgan des Parlaments sinnvolle Gesetze mit unterschiedlichsten Mehrheitsverhältnissen beschlossen. Quod erat demonstrandum.

 

Auf Initiative der SPÖ wurde im Nationalrat - formell durch Änderungen im Angestelltengesetz, im ABGB und im Landarbeitsgesetz - einstimmig beschlossen, dass freiwillige Mitglieder von Katastrophenhilfsorganisationen, Rettungsdiensten (wie Berg- und Wasserrettung) und der Freiwilligen Feuerwehr nach Antritt eines Einsatzes einen Rechtsanspruch auf Fortzahlung des Entgelts haben.

 

Voraussetzung ist allerdings, dass Ausmaß und Lage der Dienstfreistellung mit dem Dienstgeber vereinbart werden, d. h. theoretisch kann der Dienstgeber die Freistellung auch verwehren.

 

Finanziert werden die Zahlungen aus dem Katastrophenfonds, die Dienstgeber erhalten pro Dienstnehmer und Tag einen Bonus von 200 Euro. 

 

Positiv betroffen von dieser am 1. September 2019 in Kraft tretenden Gesetzesnovelle sind ca. 3,3 Millionen freiwillige Helfer, die sich in Österreich ehrenamtlich für die Rettung von Menschen einsetzen und dabei ihr Leben aufs Spiel setzen.

Familienrecht: "Papamonat"-Schikanen bei längerem KH-Aufenthalt von Mutter und Baby!

Immer wieder unsachliche gesetzliche Restriktionen, bizarre, praxisfremde Auslegungen, Schikanen und bürokratische Hindernisse im Familien- und Sozialrecht, durch die Familien ihre Rechtsansprüche verlieren. Die neuesten Fälle betreffen den Familenzeitbonus, der Vätern nicht gewährt wurde, weil die Mutter nach der Geburt noch länger im Spital verblieben ist.

 

Aufgrund von Komplikationen bei der Geburt entschied sich eine Mutter, noch einige Tage mit dem Kind im Spital zu verbringen. Der Vater beantragte den Familienzeitbonus (den "Papamonat") bei der Gebietskrankenkasse allerdings ab dem Tag der Geburt. Dies hatte zur Folge, dass dieser abgelehnt wurde. Denn laut dem Familienzeitbonusgesetz müssen die Eltern und das Kind während der Zeit des "Papamonats" im gemeinsamen Haushalt leben. Diese Voraussetzung ist dann nicht erfüllt, wenn Mutter und Baby noch im Spital aufhältig sind, und zwar auch dann, wenn der fürsorgliche Väter täglich ins Krankenhaus kommt und sich rührend um seine Familie kümmert. 

 

Kein Einzelfall in Österreich. Vor allem bei Kaiserschnittgeburten bleiben Mutter und Kind gewöhnlich einige Tage im Spital. Wird der Famileinzeitbonus ab der Geburt beantragt, verliert der Vater das Geld für das ganze Monat. Eine nachträgliche Änderung auf einen späteren Beginn des Papamonats ist gesetzlich nicht möglich.

 

Fehler und Auslegungsstreitigkeiten bei neuen Gesetzesbestimmungen liegen in der Natur der Sache. Es ist allerdings Aufgabe der hochbezahlten Nationalratsabgeordneten, diese schnellstens zu beheben. Vor allem dann, wenn ansonsten finanziell schlechter gestellte Familien um ihre Ansprüche umfallen.

Popfest Wien: 10-Jahres-Jubiläum mit Konzert-Debüt des Post Conchita-Projekts "Wurst"!

Wenn die überlebensgroße, gelbe FM4-Ente mit den Kopfhörern wieder fröhlich im Teich vor der Karlskirche schwimmt, dann weiß ganz Wien Bescheid: Es ist wieder Popfest, dieses Jahr bereits zum 10. Mal.

 

"Wien, du Vielvölkerstadt! Zeig her deine Schätze! Pop will gehört werden, und wir wollen zuhören!" - Das sind nur zwei der schnittigen Slogans, mit denen die beiden Kuratorinnen Mira Lu Kovacs (Schmieds Puls, 5K HD) und Yasmin Hafedh alias Yasmo für das innovativ-kreative Pop-KulturFest im Karlsplatz-Areal werben. Rund 70 Live-Acts auf 10 Bühnen werden im Jubiläumsjahr angeboten: Open Air traditionell auf der "Seebühne" vor der Karlskirche, die nach Sonnenuntergang mit Visuals beleuchtet wird, und auf einer kleineren Bühne neben dem barocken Schmuckstück, Indie- und Electro-Acts in der Technischen Universität im Prechtl- und Kuppelsaal, Hip Hop- und House-Beats im Roxy und im Heuer. 

 

Das Wien Museum, das in den nächsten Jahren saniert und erweitert wird, dient - einmalig - als Festivalzentrale und ist gleichzeitig auch Location für Acoustic Sets (u.a. von Claria Luzia und Sigrid Horn), Poetry Slam und Open-Mic-Sessions.  Gleichzeitig kann man auch die Street Art-Sonderausstellung "Take Over" besuchen, bei der nicht nur Do it Yourself-Künstler aus der Bundeshauptstadt ihre Kreativität beweisen, sondern auch das geheimnisumwitterte Urban Art-Kollektiv der "Secret Society of Super Villain Artists" Bilder, Poster, Stencils und Keramiken zur Verfügung stellte. Initiatorin: Das Wiener Mitglied Chinagirl Tile. Zu erwerben gibt es im Wien Museum auch Robert Rotifers "Popfest"-Bibel, "Ein Deka Pop", die alle Künstler der bisherigen zehn Ausgaben umfasst.

 

Highlight der Opening Night war die Uraufführung des neuen Elektro-Projekts von Songcontest-Siegerin Conchita Wurst, kurz und prägnant "Wurst" genannt. "Es gibt niemanden in Österreich, der Popkultur mehr widerspiegelt als Tom Neuwirth", das Credo der Kuratorinnen, das treffender nicht sein kann. "Ich mache kompromisslos das, was ich am coolsten finde", so Wurst im FM4-Interview.

 

Der Sound: Eine progressive Mixtur aus Elektro, Art Pop und Indie Rock. Die Texte stammen von Soul-R&B-Sängerin Lylit, die vor Wurst kongenial auf der Popfest-Bühne stand. Der Look der genialen Kunstfigur Wurst: Glitzer-Toga mit hohen Stiefeln. Erstmals mit on Stage die ganz in schwarz gekleidete Band mit Gitarristen, Keyboardern, Drummer und zwei Backgroundsängerinnen. Das Debüt-Album des neuen Projekts, "Truth over Magnitude", soll im Herbst erscheinen. Zahlreiche Tracks erlebten donnerstags auf der Popfest-Bühne ihre Feuertaufe, die Vorab-Single "Hit me" zählt bereits jetzt zu den Fan-Favourites. Ganz Conchita wurde nicht "im Kasten gelassen", "Rise like a Phoenix" und "Firestorm" standen natürlich auch auf der Setlist, dazu eine phänomenale Version des Prince-Klassikers "Purple Rain".

 

Zur "After Hour" tanzten die Party People noch im TU Prechtlsaal zu den Elektro-Beats von Dramas" (die auch wieder ihre brillante Ultravox-Coverversion von "Vienna" präsentierten), Lea Santee und Fauna. Bei "Dampfbad"-Temperaturen. Der Durstlöscher Bier hatte zusätzliche seine guten Seiten. Den Becherpfand von 1 Euro konnte man getrost für "Asyl in Not" und für eine unabhängige Beratung in Asylverfahren spenden. Denn abseits unterschiedlicher musikalischer Geschmäcker: Das Motto "Willst den Kickl nie mehr sehen, lass hier deinen Becher stehen" unterschreibt garantiert jeder Popfest-Besucher...

UNESCO-Weltkulturerbe: Antoni Gaudi´s Park Güell im Norden Barcelonas!

Der Park Güell im Norden Barcelonas zählt heute nach der Sagrada Familia zur zweitmeistbesuchten Tourismusattraktion der spanischen Metropole am Meer. Tatsächlich war die Grundintention aber eine ganz andere.

 

Der katalanische Unternehmer und Politiker Eusebi Güell beauftragte seinen persönlichen Freund Antoni Gaudi mit der Planung einer Siedlung für reiche Familien auf dem Montana Pelada, einem höhergelegenen Grundstück inmitten der Natur mit Sicht auf Barcelona. Als Vorbild dienten britische Gartenstädte. 60 Parzellen waren geplant, aufgrund schwieriger Kaufbedingungen und des Fehlens geeigneter Transportmittel wurden 1914 die Bauarbeiten aber eingestellt.

 

Gerade einmal drei Wohnhäuser wurden in der 14jährigen Bauzeit fertiggestellt, der Familiensitz von Güell (heute eine städtische Schule), die Casa Trias des Architekten Juli Batllevell und das rosafarbene Musterhaus (Casa Muestra) von Francesc Berenguer. In letzterem wohnte Gaudi bis kurz vor seinem Tode. Heute fungiert es als Museumshaus Gaudi (Casa Museu).

 

Nach dem Tod Güells erwarb 1922 die Stadtverwaltung Barcelonas das Grundstück, 4 Jahre später wurde es als öffentlicher Park für alle zugänglich gemacht. Seitdem erfreuen die zahlreichen ausgefeilten Bestandteile des Parks die Einheimischen und immer mehr Touristen: Der Eingangsbereich mit der Portierloge und dem Wohnhaus des Pförtners (eines der wenigen einfachen Häuser, die Gaudi selbst kreiert hat), die doppelte Freitreppe mit dem Wasserauslass in Form eines Schlangenkopfes und dem selfie-begehrten Mosaikdrachen, der Säulensaal mit seinen 86 Säulen (einst geplant als Markt der Siedlung), die aufgrund seiner aus dem Alpenland gespendeten Bäumen so benannten Österreichischen Gärten (in der ursprünglich eigentlich die Wohnhäuser platziert werden sollten) und die für Veranstaltungen konzipierte Placa de la Natura mit ihrer gewellten Bank, die ebenso wie andere Werke Gaudis von der Trencadis-Technik geprägt ist. Dabei werden Flächen mit kleinen, antiquierten Keramikscherben bedeckt.

 

Da die Touristenmassen immer größer wurden - 2012 besuchten 9 Millionen Menschen den Park -, wird seitdem Eintrittspreis kassiert, wodurch sich die Besucheranzahl auf ca. 3 Millionen reduzierte. Auch zahlreiche andere Maßnahmen wurden seitens der Stadtregierung beschlossen, um den Zustand des Park Güell aufrechtzuerhalten. Diese umfassen u.a. den Bau eines Entwässerungssystems zum Sammeln von Regenwasser, die Verstärkung der Struktur der Säulenhalle und die Restaurierung der Bänke. Mittels Zeit-Tickets (die auch online im voraus erworben werden können) wird die Anzahl der Besucher eingeschränkt. Es sollen sich durchschnittlich nicht mehr als 800 Personen gleichzeitig auf dem Gelände befinden.

 

Der Park Güell zählt seit 1984 neben anderen Werken Gaudis (wie Teilen der Sagrada Familia, der Casa Mila oder der Casa Batllo) zum UNESCO-Weltkulturerbe. Und das soll er auch bleiben...

 

https://parkguell.barcelona/

Cruilla Barcelona: Summer-Crossover-Festival mit Kylie, Garbage & Parov Stelar!

Lange Sandstrände direkt vor der Altstadt, Kulturavantgarde in allen Distrikten und Open-Air-Festival-Atmosphäre den ganzen Sommer hindurch: Das sind die Trademarks der trendigen spanischen Mittelmeermetropole Barcelona. Seit 10 Jahren zählt auch das Crossover-Festival Cruilla - neben den mehr elektronisch angehauchten Top-Events Sonar und Primavera - zu den Publikumsmagneten der katalanischen Hauptstadt.

 

"Cruilla" (auf deutsch: "Kreuzung") lockte mit seinem bunten Line-Up aus Rock, Pop, Indie und Dance dieses Jahr 77.000 Besucher in das Parc del Forum. Eine leicht widersprüchliche Bezeichnung, denn eigentlich handelt es sich beim "Park" um eine großes Open Air-Gelände direkt am Meer, das 2004 im Rahmen der "Universal Forum of Cultures" errichtet wurde. Die Gesamtkapazität beträgt 65.000, bei "Cruilla" wird sie begrenzt mit 25.000 Besuchern, die freitags komplett, samstags fast bis zum Höchstwert (23.000) ausgeschöpft wurde.

 

Einen besonderen Augenmerk richtet das Festival auf den Umweltschutz. So wurde beim Getränkeausschank komplett auf Plastik verzichtet, man verwendete (laut finalem Resümee) über 219.000 biologisch abbaubare Becher und über 24.000 Glasflaschen. Neben dem musikalischen Line-Up setzt man auch auf neue Formate wie Cruilla Talks oder Cruilla Comedy. Wieder im Programm war das bei der diesjährigen Salzburger Mozartwoche engagierte, katalanische Theaterensemble La Fura dels Baus, das mit überlebensgroßen Figuren und Schiffen das Festival-Gelände frequentierte.

 

Neben hochkarätigen, internationalen Acts standen dieses Jahr wieder viele einheimische spanische Bands auf den vier Bühnen des Cruilla-Festivals: Dorian, eine Lieblingsband des in Barcelona geborenen Schauspielers Daniel Brühl, Love of Lesbian, Els Pets oder die Madrider Alternative Band Vetusta Morla, deren Sänger Juan Pucho sich exzessiv in die begeisterte Fan-Crowd stürzte.

 

Für beste Stimmung sorgten auf der Estrella Damm-Bühne bereits vor Sonnenuntergang Londons Indie-Rocker Bastille mit einem entfesselten Sänger Dan Smith und - trotz leichter Regenfäller - der charismatische im Latex-Look gehüllte Olly Alexander mit seinem Dance-Projekt Years & Years. Gay Favourite natürlich der bezaubernde Track "King" in einer Extended Version.

 

Frankreichs "New Piaf" Zaz versetzte die Fans kurzer Hand ins romantisch-verträumte Paris, bis die Alternative-Heroes von Garbage, 1995 zum ersten Mal live in Barcelona, eine brillante Indie-Rock-Show ablieferten. Von "Only happy when it rains", "I think I´m paranoid, einem Depeche-Mode-Cover ("Personal Jesus") bis hin zum Superhit "Stupid Girl". In Best-Form: Shirley Manson mit rotem Irokesenschnitt. Den Seitensprung ihres Lovers einst in der Hauptstadt Kataloniens dürfte sie schon verschmerzt haben :-)

 

"Step back in Time" - Das war das Motto des Saturday Night-Highlights. Superstar Kylie Minogue präsentierte in 90 Minuten alle ihre großen Hits der letzten 30 Jahre: Darunter natürlich "I should be so lucky", "The Locomotion", "Better the Devil you know", "Confide in me", "On a Night like this", "Can´t get you out of my Head" und ihre neueste, cowboy-eske Hit-Single "Golden". Auf der Bühne inmitten einer strahlenden Kylie zahlreiche Tänzer in bunten Kostümen und mit flotten Choreographien, die Fans im exzessiven Party-Rausch.

 

Auch ein Österreicher hatte beim Cruilla-Festival einen großen Auftritt: Parov Stelar - Mit der aus Moldawien stammenden neuen Sängerin Elena Karafizi und neuen Tracks aus seinem im Herbst erscheinenden Album. Dem Electro-Swing-Konzept blieb Stelar mit seiner großartigen Band aber treu. Die vorwiegend aus Spanien (laut Veranstalter: zu ca. 95 %) stammenden Besucher tanzten und feierten zum multikulturellen Sound des Linzers. Im Gegensatz zu den Politikern darf man auf die österreichischen Künstler stolz sein...

 

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Parteiengesetz Neu: Kampf gegen Großspender und Politik-Kauf durch Reiche!

Nationalratswahlkampf 2017: ÖVP (13 Millionen Euro) und FPÖ (10,5 Millionen Euro) haben die gesetzlich zulässigen Wahlkampfkosten von 7 Millionen Euro um 6 bzw. 3,5 Millionen Euro überzogen. Die ÖVP erhielt 2017 auf Bundes-, Landes- und Gemeindeeebene (inkl. Vorfeldorganisationen) insgesamt 4,4 Millionen Euro an Spenden. Diese "goldenen Zeiten", die nicht nur wettbewerbsverzerrend sind, sondern auch den Verdacht der "Politikkäuflichkeit" hegen, sind nun vorüber. Dank einer Novelle des Parteiengesetzes, die durch SPÖ, FPÖ und JETZT im Nationalrat beschlossen wurde und seit 9. Juli 2019 in Geltung ist.

 

Die gesetzlich zulässigen Wahlkampfkosten von 7 Millionen Euro zwischen Stich- und Wahltag bleiben zwar unverändert. Es müssen aber auch Ausgaben von Personenkomitees und einzelner Wahlwerber eingerechnet werden. Bei einer Überschreitung drohen - im Gegensatz zur früheren Regelung - enorme Geldstrafen, die bis zu 150 % (!!!) des Überschreitungsbeitrages reichen können.

 

Neu eingeführt wird zusätzlich ein Monitoring durch den unabhängigen Parteien-Transparenz-Senat. Sachverständigen-Gutachten sind innerhalb von 6 Monaten nach dem Wahltag zu veröffentlichen.

 

Radikal eingeschränkt wird auch das vornehmlich in Wirtschaftskreisen gepflegte Großspendertum. Jede politische Partei darf pro Kalenderjahr höchstens Spenden im Gesamtwert von 750.000 Euro annehmen. Bei neuen Parteien gilt beim ersten Wahlantritt der doppelte Betrag als Höchstgrenze. Darüber hinaus gehende Spenden müssen an den Rechnungshof übermittelt werden, der diese an mildtätige und wissenschaftliche Organisationen weiterleitet. 

 

Pro Spender sind pro Kalenderjahr nur 7500 Euro Spenden an eine politische Partei zulässig. Dies gilt sowohl bei natürlichen als auch juristischen Personen (wie Vereinen). Bei juristischen Personen gelten Mutter- und Tochtergesellschaften als Einheit. Spenden über 2500 Euro sind dem Rechnungshof unter Nennung von Spender und Höhe unverzüglich zu melden und durch diesen zu veröffentlichen. Bis 8. Juli 2019 galt hier ein Mindestwert von 51.000 Euro.

 

Jede politische Partei hat über die Art ihrer Einnahmen und Ausgaben jährlich mit einem Rechenschaftsbericht öffentlich Rechenschaft zu geben. Dieser Bericht inkludiert nun auch die territorialen (Bezirks-, Landes- und Gemeindeorganisationen) und nicht territorialen Teilorganisationen. Überprüft werden die Rechenschaftsberichte nicht durch den Rechnungshof, sondern durch "zwei nicht durch Kanzleigemeinschaft verbundene Wirtschaftsprüfer". Diese werden allerdings vom Rechnungshof für fünf Jahre aus einem Fünfervorschlag der jeweiligen politischen Partei bestellt. Der Rechnungshof selbst kontrolliert die Rechenschaftsberichte, holt bei unvollständigen oder falschen Angaben Stellungnahmen von den Parteien ein bzw. meldet dies dem Unabhängigen Parteien-Transparenz-Senat.

 

Fazit: Durch die im Rahmen der "freien Kräfte" beschlossenen Novelle des Parteiengesetzes wurden zwar nicht alle Forderungen der Experten (wie volle Prüfung durch den Rechnungshof oder Involvierung der Staatsanwaltschaft bei schweren Verstößen) erfüllt. Sie sollte aber ein geeignetes Mittel sein, um Großspenden zu verhindern und "amerikanische Verhältnisse" im Sinne eines "Politik-Kaufs" durch Konzerne und Lobbyisten einzudämmen...

Reggae Kult: UB 40 Headliner beim Wien Energie Open-Air in Spittelau!

1978 wurde die Band UB 40 von den Brüdern Ali und Robin Campbell in Birmingham gegründet. Die Musik: Reggae, Ragga und Ska. Die (anfänglichen) Texte vorwiegend gegen Rassismus und Arbeitslosigkeit. Die achtköpfige Band benannte sich selbst nach dem britischen Formular für den Antrag auf Arbeitslosenunterstützung ("Unemployment Benefit").

 

UB 40 verkauften in ihrer Karriere mehr als 20 Millionen Tonträger. 2019 statteten sie im Rahmen ihrer weltweiten 40th Anniversary Tour auch Wien einen Besuch ab. Veranstaltet wurde das Konzert in der Wien Energie Welt von Spittelau, als Support der geniale österreichische Electro Swinger Waldeck mit schwungvollen Tracks wie "Memories" oder "Freedom". 

 

Wer UB 40 noch aus seiner Jugend in den 80ern kennt, der weiß bereits nach den ersten Vocals, dass hinter dem Mikrofon nicht der einstige Sänger Ali Campbell steht. Der einstige Duett-Partner von Chrissie Hynde ("I got you Babe") hat die Band 2008 verlassen, um eine Solokarriere zu starten. Man munkelt auch von finanziellen Unregelmäßigkeiten. Für den Gesang sorgt seitdem Bruder Duncan Campbell, der gemeinsam mit vier weiteren Gründungsmitgliedern der britischen Kult-Band eine tolle Show abliefert.

 

Präsentiert werden auch zahlreiche Tracks aus dem aktuellen Album "For the Many", die mehr als 4000 Zuschauer warteten aber - wie naturgemäß bei Eighties- und Nineties-Stars - auf die Hits ihrer Teenager- und Twenära: Das Neil Diamond-Cover "Red Red Wine", das sowohl in England als auch in Amerika auf Platz 1 der Charts kletterte", die sozialkritische Hymne "I am the One in Ten", das chillige "Kingston Town" und als Finale das Elvis Presley-Cover "Can´t help falling in Love", das in den 90ern mit Hilfe der Kino-"Sexgöttin" Sharon Stone ("Sliver") die Reggae-Heroes wieder auf Platz 1 katapultierte. 

 

Fazit: Fast 2 Stunden lang lässige Dance- und Reggae-Vibes inmitten der "Hundertwasser-Fassaden", nach denen jeder der Besucher mit einem Lächeln heimging. Vielleicht kommt ja demnächst auch Original-Sänger Ali Campbell mit "seiner UB 40"-Formation.

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Roboter-Elektro-Kult: Kraftwerk mit 3D-Show in der Wiener Arena!

1997 bezeichnete sie die New York Times als "die Beatles der elektronischen Musik". Und tatsächlich gelten die aus Düsseldorf stammenden Mitglieder von Kraftwerk als geistige Pioniere für Synthi-Pop, Electro, Early Hip Hop und Detroit Techno. Gegründet 1968 als "Die Organisation", ist von den Originalmitgliedern aktuell nur mehr Ralf Hütter von der Partie. 

 

Seit 2011 ist Hütter gemeinsam mit der neuen Kraftwerk-Besetzung, Fritz Hilpert, Henning Schmitz und Falk Grieffenhagen, im Rahmen einer beeindruckenden "3D-Videoinstallations-Show" on Tour. Zumeist in speziellen Locations wie dem Museum of Modern Art in New York, dem Wiener Burgtheater (mit 8 Konzertabenden en suite), der Berliner Nationalgalerie oder zuletzt in der legendären Wiener Arena.

 

Das Konzept: 4 reale Musiker unter der Regie von "Audio Operator" Ralf Hütter hinter den "Maschinen" (es hätten theoretisch auch die künstlichen Roboter sein können), on the Video Screens alte, neu aufbereitete Clips von Kraftwerk, im Zuschauerraum die mit 3D-Brillen versorgte Fan-Community: Raumschiff-Kapseln im fernen Weltall, alte Volkswagen auf der "Autobahn", der schnittige "Transeuropa-Express", die athletischen "Tour de France"-Radcracks oder die monoton-zackigen Bewegungen der kultigen Roboter mit ihren roten Hemden und schwarzen Krawatten: Alles dreidimensional unter dem Soundteppich monoton-elektronischer Retro-Klänge, die für viele kreativ-progressive Künstler der Startschuss einer erfolgreichen Musik-DJ-Karriere waren.

 

Hip Hop-Legende Afrika Bambataa beispielsweise ließ sich vom "Transeuropa-Express" inspirieren, die Synthi-Heroes Ultravox, Depeche Mode oder New Order von deren düsteren Elektro-Beats, die Detroit-Techno-Pioniere Jeff Mills und Derrick May nannten Kraftwerk als ihre Vorbilder. Sogar Rammstein coverten in den 90ern ihren größten Hit "Das Model". Dieser aus dem Jahre 1978 stammende, untypische Kraftwerk-Track aus dem futuristischen Album "Die Mensch-Maschine" wurde übrigens nur zufällig zum Superhit. "Schuld" daran die britischen New Romantics-DJ´s, die die englisch gesungene B-Seite von "Computer Love"  ("The Model") auf Platz 1 der UK-Charts pushten und im Sog der "Neuen Deutschen Welle" (zu der Hütter, Schneider, Bartos & Co. nicht im entferntesten zählten) auch in Kontinentaleuropa verbreiteten.

 

Der musikalische und künstlerische Wert von Kraftwerk ist unbestritten. 2014 erhielten sie den Grammy für ihr Lebenswerk, 2018 einen weiteren für "Kraftwerk 3D-Der Katalog" als "Bestes Dance- und Electronic Album". Jenes in zahlreichen Formaten erschienenes Live-Epos, das bei Konzerten in 13 Städten aufgenommen wurde, diente natürlich auch als Grundlage für den fast zweistündigen Auftritt in der Wiener Arena. Weitere Shows weltweit sind aufgrund der großen Resonanz zu erwarten...

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EuroPride Vienna 2019: 500.000 Menschen bei der 24. Regenbogenparade rund um den Ring!

Die Zeiten haben sich verändert. Keine eingetragene Partnerschaft, geschweige denn eine Ehe für alle, keine Pride Village auf dem Rathausplatz, kein YouTube, keine sozialen Medien, nur eine unerträgliche schwarz-blaue Koalition existierte schon damals. 2001 organisierte Wien zum ersten Mal die seit 1992 stattfindende EuroPride. Im Oktober 2016 bekam die Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien auf der EPOA-Jahreskonferenz für den Juni 2019 erneut den Zuschlag.

 

EuroPride Vienna 2019 unter dem Motto "Together & Proud": Das waren 2 Wochen spannende, unterhaltsame, informative und nachdenkliche Special Events von Diskussionsrunden, Bus Tours, Uni-Führungen, Pride Run, Life Ball bis hin zu Beach Parties, Ausstellungen, Konzerten und Kinoabenden. Der Höhepunkt jeder EuroPride ist stets der abschließende "Christopher Street Day"-Umzug, benannt nach jener Straße, in der das New Yorker "Stonewall Inn" liegt. Vor genau 50 Jahren war dies jener Ort, an dem Schwule, Lesben und Transgender sich zum ersten Mal gegen die Schikanen der Polizei gewaltsam wehrten und für ihre Rechte kämpften, der Geburtsort der LGBTIQ-Bewegung.

 

In Österreich nennt sich der der seit 1996 stattfindende Umzug "Regenbogenparade", Gay-Ikone Judy Garland ("Somewhere over the Rainbow") wurde am Tag der Stonewall Riots beerdigt, und das Märchen aus dem "Zauberer von Oz" mit der Sehnsucht nach einem Land jenseits des Regenbogens, um glücklich zu werden, das passt haargenau zu den persönlichen Schicksalen vieler, für die alljährlich hunderttausende Menschen auf die Straße gehen.

 

Bei brütender Hitze waren es 2019 ca. 500.000 Menschen, die auf der Regenbogenparade den Ring andersrum demonstrierten, Party feierten oder ganz einfach durch ihre stille Teilnahme ein Zeichen für Gleichstellung, Toleranz und Diversität setzten. Insgesamt 107 Trucks nahmen an dem mehr als 2 km langen Demonstrationszug teil, eine Steigerung um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

 

Angeführt wurde der vor dem Burgtheater startende Party-Demotross traditionell von einer historischen Straßenbahn der Wiener Linien und den Guys on Bikes. Conchita Wurst als EuroPride Ambassador, grazil in weiß gekleidet, bewegte sich unprätentiös und bestens gelaunt inmitten der anderen Truck-Gäste. Keine Regenbogenparade natürlich auch ohne Hermes Phettberg, der dieses Jahr in einem Mercedes-Oldtimer thronte. Zum ersten Mal mit einem Truck bei der Parade dabei war der Alternativ-Sender FM4, der per Äther auch zahllose Sondersendungen produzierte.

 

Neben den zahlreichen Interessenvertretungen der LGBTIQ-Bewegung (wie Hosi Wien, Queer Base, der Wiener Antidiskriminierungsstelle oder der Aids Hilfe) und den einschlägigen Clubs und Bars (wie Why Not, Kaiserbründl oder dem Club Kreativ) genossen extravagante Selbstdarsteller mit schrägen Kostümierungen, extremer Schminke und hochhackigen Schuhen die teils ungläubigen Blicke der Passanten. Andere wiederum nützten sichtlich ihren Look, um neue Mitglieder anzuwerben. Siehe LMC Vienna (ein Club für Schwule, die auf Leder und Fetisch stehen) oder die SM-Initiative Libertine Wien.

 

Trotz einiger, weniger Outings gilt Homosexualität im Sport noch immer als Tabu-Thema. Vermummte Fußball-Fans setzten gegen diese Diskriminierungen ebenso ein Zeichen wie die mit Flamingo-Attrappen durch die Menge laufenden Kraulquappen, der einzigen LGBTIQ-Trainingsgruppe für Erwachsene im Schwimmsport.

 

Nicht alle sind mit der (scheinbaren) Kommerzialisierung der Parade zufrieden: Das H.A.P.P.Y-Kollektiv protestierte mit dem aus einzelnen Schildern bestehenden Schriftzug "Pride started as a Riot" gegen das pinke Marketing diverser Großkonzerne, die sich unter die Paradentrucks mischten. Von den politischen Parteien waren die SPÖ, die Grünen Andersrum (stets mit Top-Sound und endlos langem Party People-Zug hinter dem Truck) und die Neos (mit Frontfrau Beate Meinl Reisinger) vertreten. Die ÖVP (trotz Urgenz und plausibler Ablehnung durch die Veranstalter) und die FPÖ, die sogar noch nach dem VfGH-Urteil die "Ehe für alle" verhindern wollten,  haben bei diesem progressiven Event aufgrund ihrer Retro-Kultur ohnehin nichts verloren.

 

Anders Bundespräsident Van der Bellen, der mit seiner Rede bei der nachträglichen Pride Celebration für Begeisterungsapplaus auf dem restlos überfüllten Rathausplatz sorgte: " „Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans, Intersex und queere Personen leben inmitten unserer Gesellschaft und werden auch weiterhin ein sichtbarer, respektierter und integraler Teil unserer Gesellschaft sein. Die Würdigung der Vielfalt und deren Respekt und Akzeptanz sind ein wesentliches Element von Demokratien", so das Staatsoberhaupt, der danach mit seiner Gattin dem großartigen Auftritt des ESC 2014-Siegers und Ausnahmekünstlers "Wurst", so seine neue Trademark, beiwohnte. Auf der Showbühne folgten dann die griechische Sängerin Katerina Stikoudi - die nächste EuroPride 2020 findet in Thessaloniki statt -, die Spanierin Ruth Lorenzo und die swedische Songcontest-Siegerin Loreen mit ihrem Mega-Hit "Euphoria".

 

Dass trotz aller Anti-Diskriminierungsgesetze, NGO-Initiativen, Role Models oder Events die Homophobie noch immer in der Bevölkerung schlummert, zeigte zuletzt ein Vorfall im multikulturellen London, als zwei Mädchen nach einem Kuss von vier Männern in einem Nachtbus attackiert wurden. Eine davon, Melanie Geymonat, wurde von den Pride-Veranstaltern eingeladen und auf die Bühne gebeten.

 

Und auch rechtlich ist trotz der durch ein VfGH-Urteil seit 1. Jänner 2019 geltenden "Ehe für alle" die Gleichstellung noch lange nicht erreicht. Sogar bei diesem Rechtsinstitut gibt es Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Aufgrund einer strittigen Empfehlung (!) des Innenministers Kickl an die Standesämter dürfen Paare in Österreich dann nicht heiraten, wenn die Ehe im Heimatland eines der beiden Teile verboten ist. So darf beispielsweise eine Italienerin keine Österreicherin heiraten. Sollte der gerade eingebrachte Initiativantrag der Neos auf Herstellung von Rechtssicherheit durch eine Änderung des IPRG keine Mehrheit finden, erfolgt vermutlich nach Erschöpfung des Instanzenzugs durch betroffene Paare ein weiterer, mühseliger Gang zum Verfassungsgerichtshof. 

 

Seit Jahren wird von der ÖVP der Diskriminierungsschutz für Homosexuelle außerhalb des Arbeitsrechts, das sogenannte "Levelling Up", verweigert. Aussagen wie "Wir bedienen keine Lesben" oder "Wir vermieten nicht an Schwule" ziehen in Österreich keinerlei Sanktionen nach sich, da das Gleichbehandlungsgesetz beim Zugang zu und der Versorgung mit öffentlichen Gütern und Dienstleistungen (inkl. Wohnraum) nur vor Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts und der ethnischen Zugehörigkeit schützt, aber NICHT aufgrund der sexuellen Orientierung. 

 

Es gibt noch viel zu tun in Sachen Gleichstellung und Toleranz, 365 Tage lang, und nicht nur schrill und sichtbar auf der 25. Jubiläums-Regenbogenparade 2020. Nächstes Jahr wieder in der weltoffenen, lebenswertesten Stadt der Welt, Wien...

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Bier, Blasmusik und Volkstanz: Pfingstkirtag im Waldviertler Ort Els!!

Els ist ein kleiner Ort mit 60 Häusern und 190 Einwohnern 2,5 km südlich von Albrechtsberg im Bezirk Krems. Es gibt allerdings Tage, bei denen die Anzahl der dort lebenden Waldviertler durch die Besucheranzahl stark überschritten wird.

 

Zu diesen zählt der traditionelle Pfingstkirtag, der dieses Jahr aufgrund des späten Ostertermins auf den 10. Juni fiel. Die brütende Hitze auf dem Dorfplatz und in den engen Straßen, wo ca. 60 Händler ihre Waren von selbstgefertigten Kreationen bis Massenprodukten anboten, erinnerte an ibizenkische Rekordtemperaturen. Im Gegensatz zu den Spaniern, die zu diesen Tageszeiten gerne eine Siesta einlegen, verlegten sich die Kirtagsbesucher auf kühle Biergetränke, Grillhendl und Mehlspeisen. Und auf unterhaltsame Gespräche über Gott, Kurz und die Welt. 

 

Neben einer heiligen Messe in der Pfarrkirche hl. Pankraz (die aus dem 11. Jahrhundert stammt), zählten die Auftritte der Trachtenkapelle Nöhagen und der Kindervolkstanzgruppe Albrechtsberg zu den Höhepunkten des diesjährigen Pfarrkirtags. Letztere wurde 1998 gegründet und besteht derzeit aus über 20 Kindern im Alter von 7-13 Jahren, die alle 3 Wochen von Cornelia Bernleitner im Kultursaal Albrechtsberg "trainiert" werden. Als musikalische Untermalung dient dabei "Quetsch´n"-Man Willi Mladek.

 

Bereits seit 1951 existiert die Trachtenkapelle Nöhagen, die einst den Namen "Die jungen Waldbauernbuam" trug. Aufgrund des Frauenbooms in der Kapelle wurde der Verein im Jahr 2000 umbenannt. Heute spielen in der Kapelle unter der Leitung von Robert Weidenauer 55 MusikerInnen, davon 23 weiblich (= 41,8 %). Kein Wunder, dass die in neuer, schicker Tracht mit coolen Sunglasses auftretenden Ladies in die erste Reihe der Kapelle platziert wurden und dort bei tropischen Temperaturen die Kirtagsbesucher bestens unterhielten.

 

Anm.:  Ob die vielen Che Guevara-Artikel bei den Kirtagsständen zu einem Linksruck im Waldviertel führen werden, wird die Zukunft weisen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. :-)

Landesgalerie Krems: 5 Ausstellungen auf fünf Ebenen im Marte-Kubus!

Das neue Flaggschiff der Kunstmeile Krems hat jetzt endgültig seine Pforten geöffnet. Nach dem Pre-Opening im März, bei dem das Roh-Gebäude der vom Vorarlberger Architekten-Duo Bernhard und Stefan Marte konzipierten Landesgalerie Niederösterreich besichtigt werden konnte, besuchten beim Grand Opening am ersten Wochenende knappe 11.000 Personen die auf 3000 m2 auf fünf Ebenen präsentierten fünf Ausstellungen.

 

Basis des Museums-Konzepts sind die rund 60.000 Objekte der Kunstsammlung Niederösterreichs, die in den letzten 100 Jahren aufgebaut wurde und mit Werken aus Privatkollektionen ergänzt wird. Der Schwerpunkt liegt in der Kunst vom 19. Jahrhundert bis zum zeitgenössischen Schaffen, sämtliche Sparten von Grafiken, Fotografien und Gemälden bis zu Skulpturen, Medienkunst und Installationen sind vertreten. Die oft vor der Eröffnung aufgeworfene Frage, wie die Kunstwerke angesichts der schiefen Wände platziert werden, wurde kongenial durch Zwischenwände gelöst. 

 

Im Untergeschoß stellt die Landesgalerie Krems die Sammlung Franz Hauers vor, der als „Selfmademan“ zu den wichtigsten europäischen Kunstsammlern zählt. Der in Weißenkirchen 1867 geborene Hauer arbeitete zuerst als Hausknecht im Kremser Hotel „Zur weißen Rose“ und eröffnete später in Wien das legendäre Griechenbeisl. Das verdiente Geld investierte er in der Sammlung von Kunst. Ihn interessierten nicht die arrivierten Maler, sondern junge Talente, die er auch persönlich in den Ateliers besuchte. Ein Großteil der Sammlung Hauers stammt aus dem Nachlass seiner Enkelin und renommierten Künstlerin Christa Hauer (1925-2013), die diese an das Land Niederösterreich vermachte. Darunter das Porträt Franz Hauers von Oskar Kokoschka oder Werke von Schiele („Agonie“, „Wally“).

 

„Ich bin alles zugleich“, ein bekanntes Schiele-Zitat, ist der egomanische Titel der publikumswirksamen Ausstellung im ersten Obergeschoß, die sich mit der Selbstdarstellung in der Kunst bis hin in die Gegenwart beschäftigt und viele verschiedene Künstler unterschiedlicher Genres vereinigt: Schiele, Kokoschka, Gottfried Helnwein (mit seinen typischen mit Verbandsmaterial bandagierten Köpfen aus den 80ern), Christian Ludwig Attersee (mit 60er-Selbstporträt), Manfred Deix, Arnulf Rainer, Aktionskünstler Hermann Nitsch (mit „Bluthemd“) oder das teilweise aus Krems stammende progressive Künstler-Kollektiv Gelatin. Nichts passt allerdings besser zur aktuellen Ich-Bezogenheit der Gesellschaft als ein ganz in schwarz gehaltenes Gemälde mit lapidarem, weißem Schriftzug „Ich“. Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass durch die Digitalisierung die Privilegierung kleiner Minderheiten gefallen ist. „Durch Bildtypen wie Selfies (so auch der Titel seines jüngsten Buches) könne eine Mehrheit der Menschen Bilder produzieren und auch publizieren.“

 

Das dritte Obergeschoß stellt unter dem Titel „Sehnsuchtsräume – Berührte Natur und besetzte Landschaften“ Fragen zum Verhältnis von Mensch und Natur. Dieser weite Bogen umfasst nicht nur Kunstwerke des Impressionismus und der klassischen Moderne, sondern konfrontiert den Besucher durch Fotos niederösterreichischer Landschaften auch damit, wie der Mensch die Natur und die Umwelt in Verbindung mit seinen persönlichen Interessen nutzt, und hinterlässt nicht selten den Eindruck, dass hier nicht die optimalsten Lösungen getroffen wurden. Installationen wie „Wohin verschwinden die Grenzen?“ oder Fotos von Flüchtlingen in ihrer neuen Heimat, beispielsweise stehend in einem Weingarten vor der Donaulandschaft von Weißenkirchen, rufen das (leider) hochbrisante Thema Migration in die Gedächtnisse der Besucher.

 

Auf der höchsten Ebene der Landesgalerie besteht die Gelegenheit, sich mit dem Werk des österreichischen Fotografen, Schriftsteller und Aktionskünstlers Heinz Cibulka vertraut zu machen. Dazu zählen nicht nur Bildgedichte und digitale Bildcollagen, sondern auch eine Augmented Reality-Erweiterung in Zusammenarbeit mit dem Medienkünstler Bobby Rajesh Maholtra. Eine Aussichtsplattform bietet eine wunderschöne Aussicht auf die Donau und das Stift Göttweig und mittels einer kleinen dreieckigen Seitenfront auch auf die Altstadt von Stein.

 

Zurück per Lift oder mit etwas körperlicher Anstrengung per Stufen gelangt man im Erdgeschoß zur Ausstellung der österreichischen Künstlerin Renate Bertlmann, die dieses Jahr auch bei der Biennale in Venedig vertreten war. Eines der zentralen Werke eine meterlange „Urnenwand“. Bertlmann bat im Rahmen dieses Projekts Bekannte um die Zusendung persönlicher Urnenbeigaben, die eingerollt in Urkundenzylinder, aber unsichtbar für die Besucher, platziert wurden. 

 

Im Hintergrund sieht man den außerhalb der Landesgalerie situierten Schriftzug des Kremser Künstlers Leo Zogmayer. „Wenn ich Kunst sage, meine ich das Ganze.“ Nach den ersten Eindrücken: Das ist den kreativen Köpfen der Landesgalerie gelungen...

"After Stonewall - 50 Years of Pride" - Fotoausstellung in Wien!

Es war in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969, als die New Yorker Polizei wieder einmal im Stonewall Inn, einer Bar für Homosexuelle und Transgender in der Christopher Street, eine schikanöse Razzia durchführte. Dieses Mal war die Situation anders, die Gäste wehrten sich mit Gewalt gegen die Diskriminierungen, tagelange Auseinandersetzungen waren die Folge. Der legendäre Widerstand gilt als Geburtsstunde der LGBTIQ-Bewegung, die sich symbolisch weltweit mit der Regenbogenfahne schmückte.

 

50 Jahre später konzipierte das Rainbow Cities Network (RCN) seine bislang 4. Fotoausstellung in Wien, kongenial zur Europride 2019. Das RCN, ein Zusammenschluss von über 30 Städten mit dem Ziel, kommunale Strategien für Gleichstellung und Antidiskriminierung zu entwickeln, wählte als Ort der Ausstellung die Fenster-Fassaden des Aids Hilfe-Hauses am Mariahilfergürtel.

 

Der Titel der Ausstellung (die noch bis zum 16. Juni zu sehen ist) lautet: "After Stonewall - 50 Years of Pride". Sie beinhält Fotoaufnahmen und Texte 17 verschiedener Städte, die alle einen gewissen Bezug zur LGBT-Bewegung aufweisen. Genf präsentiert den mit Regenbogenfarben beleuchteten 140 Meter hohen Wasserstrahl des Jet déau-Springbrunnens im Genfer See, deutsche Städte wie Köln, München und Hamburg zeigen CSD-Umzüge der 80er, Spaniens Gay-Metropole Barcelona eine Collage verschiedener Pride-Paraden direkt in den Ramblas. Paris setzt der Aktivisten-Ikone Francis Carrier ein Denkmal, während Sao Paulo die erste Anlaufstelle für Homosexuelle porträtiert. Brighton verbindet seine legendären Pride-Demonstrationen mit dem Thema Migration.

 

Das Wiener Foto von Martin Votava zeigt die im November 2016 vorgenommene Verleihung des Goldenen und Silbernen Wiener Verdienstzeichens an Rechtsanwalt Helmut Graupner (der durch VfGH-Beschwerden die "Ehe für alle" Ende 2018 ermöglicht hat) und an den Mitinitiator der ersten Wiener Regenbogenparade, Andreas Brunner. Die erste Ordensverleihung für LGBTIQ-Aktivismus in Österreich.

 

Das pfiffigste Zitat liefert der Züricher Beitrag: "We didn´t choose it, we were just lucky." Sic est, live and love your life, egal mit wem und wo...

"Deix in the City" - Wanderausstellung des Kult-Karikaturisten in Wien!

Am 22. Februar 2019 hätte einer der bekanntesten und provokantesten Karikaturisten Österreichs seinen 70. Geburtstag gefeiert: Manfred Deix. 

 

Aufgewachsen in Niederösterreich (Böheimkirchen, St. Pölten) lernte er dort als Schankbursche im elterlichen Gasthaus im zarten Alter von 12 die Menschen von der Pike auf kennen. Die Idee der "Deixfiguren" war geboren. Der Wien-Konnex begann, als Deix ab 1965 die Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt gemeinsam mit Gottfried Helnwein besuchte und 1968 an der Akademie der bildenden Künste inskribierte. Die ersten Erfolge kamen in den 70ern mit Veröffentlichungen in Magazinen wie Profil, Spiegel, Stern, Tempo oder Playboy, sein erstes Buch "Cartoons" erschien 1980.

 

Im Rahmen des Bezirks-Festivals "Wir sind Wien" widmet die Basis.Kultur.Wien dem genialen Karikaturisten und Satiriker eine Wanderausstellung unter dem Titel "Deix in the City". Viele bekannte Zeichnungen und Cartoons des Künstlers, der seit 2005 auch Träger des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien ist, werden täglich in einem Bezirk platziert, und zwar in weitläufigen Parks (wie dem Stadtpark, Resselpark, dem Bruno Kreisky-Park oder dem Türkenschanzpark). Die Themen seiner Zeichnungen, so bunt wie das Leben. Gesellschaftskritik, Korruption in der Politik, Kirche, Gleichberechtigung, Beach Boys (seine Lieblingsband), Sex (mit eigener "Ü-18-Zone") oder Porträts von Katzen (von denen auch bei seinem Tod 23 gemeinsam mit seiner Frau Marietta in seiner Wohnung hausten).

 

Wer mehr Kreationen von Manfred Deix sehen will, kann einen Ausflug nach Krems buchen. 2001 wurde das Karikaturmuseum in der Kremser Kunstmeile eröffnet. Die Werke von Deix werden dort in einer Dauerausstellung präsentiert, aktuell unter dem Titel "Immer wieder Deix!" Dieser Aufforderung kann man nur schwer widersprechen :-)

"Farewell": "Rocket Man" Elton John auf Abschieds-Tour in der Wiener Stadthalle

Paradiesvogel, Pianist, Exzentriker, Musikgenie, Aids-Aktivist, Brillenfetischist oder ganz simpel: Elton John. 350 Millionen Tonträger hat der in London unter schwierigen familiären Verhältnissen aufgewachsene Reginald Dwight in seiner Karriere verkauft. Derzeit befindet sich der 72jährige auf einer 3 Jahre dauernden Abschiedstournee, bei der er auch zwei Auftritte in der ausverkauften Wiener Stadthalle absolvierte.

 

Die Tour steht unter der Trademark "Farewell Yellow Brick Road" und bezieht sich dabei auf sein erfolgreichstes Album "Goodbye Yellow Brick Road" aus dem Jahre 1973, das 30 Millionen Exemplare verkaufte. Die "gelbe Backsteinstraße", das ist jener Weg aus dem Kinderbuch und Film "Der Zauberer von Oz", der in die Smaragdstadt führt. Passt kongenial zu Elton John, der seit Beginn seiner Karriere mit extravaganten Inszenierungen und Kostümierungen glänzte.

 

Seine erste Single "Border Song", gerademal auf Platz 92 in den US-Charts, veröffentlichte Elton John im Jahr 1970, die Lyrics stammten schon damals vom Textdichter Bernie Taupin, mit dem der Sänger jahrzehntelang zusammenarbeitete. Eine der Raritäten, die Elton John mitten im Hit-Reigen auch in Wien präsentierte. Im Mittelpunkt standen aber natürlich die großen Hits der 70er, als Elton John - vor dem Aufblühen von Disco, New Wave und Hip Hop - zu den renommiertesten Künstlern zählte: "Your Song", der erste Top Ten-Hit, "Tiny Dancer" (in den 90ern auch im Kino-Retro-Hit "Almous Famous" zu hören), "Daniel", das rockige "Saturday Night´s Alright for Fighting", die erfolgreichste Single aller Zeiten, "Candle the Wind" (beim Wien-Konzert in der originalen Monroe-Version), die später durch das legendäre George Michael-Duett noch populärer gewordene Ballade "Don´t let the Sun go down on me"  und natürlich "Crocodile Rock", bei dem jenseits aller Altersgrenzen das gesamte Publikum der ausverkauften Wiener Stadthalle mitsang und mittanzte.

 

Zwischen Balladen und Up-Tempo-Tracks lieferte Elton John auch leise Untertöne. Er erzählte von seiner 16jährigen Drogen- und Alkoholsucht und dankte pauschal jenen Personen, die ihn Anfang der 90er in eine Entzugsklinik einlieferten und ihm vermutlich das Leben retteten. Nicht erst seit dem Aids-Tod von Freund Freddie Mercury 1991 setzte sich der bisexuelle Künstler auch immer für die Rechte von Diskriminierten und Minderheiten ein. Er war aber der Anlass für die Gründung der Elton John Aids Foundation, die bis dato 450 Millionen Dollar für Projekte weltweit im Kampf gegen HIV sammelte. Kein Wunder, dass der Musiker oft auch Stargast beim Wiener Life Ball war.

 

Elton John will sich in Zukunft mehr seiner Familie widmen. Er lebt seit 2005 in einer Lebenspartnerschaft mit David Furnish, die 2014 in eine Ehe umgewandelt wurde, und hat 2 Kinder im Alter von 8 und 6 Jahren.  Bei der "Farewell"-Abschiedstournee wird Elton nach dem letzten Song "Goodbye Yellow Brick Road" per Schrägaufzug hinter die Bühnenkulisse gerollt. Ob es tatsächlich der letzte Auftritt in Wien war, wird sich weisen.

 

Aktuell ist Elton John auch im Kino zu sehen. Oder besser gesagt, seine Biographie und seine Songs. "Rocket Man" beleuchtet die Lebensgeschichte von Elton John bis zum 40. Lebensjahr, Taron Egerton überzeugt in dem vom "Bohemian Rhapsody"-Regisseur Dexter Fletcher inszenierten Streifen nicht nur als Darsteller, sondern auch als Sänger.  Mit dem Sanktus des musikalischen Großmeisters :-)

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Art of Pop: Fast 30.000 Besucher bei 2 Bilderbuch-Konzerten vor dem Schloss Schönbrunn!

Die Wiener Open Air-Arena haben sie dreimal hintereinander ausverkauft, im Mai wagten sich Maurice Ernst, Michael Krammer, Peter Horazdovsky und Philipp Scheibl aka Bilderbuch an ein neues, gewagtes Experiment. Die "Kaiser des österreichischen Pop" (mit maximalem, internationalem Anstrich) luden zu einem Open-Air-Konzert in die die ehemalige Sommerresidenz der Kaiserin Maria Theresia, vor das Schloss Schönbrunn. 15.000 Tickets bereits weg vor Weihnachten. Ausverkauft. Und so wurde ein zweites Konzert nachgelegt, auch für dieses gab es am Konzerttag nur mehr Restkarten.

 

Fast 30.000 Besucher bejubelten also an zwei wunderschönen Sommerabenden eine ehemalige Schülerband aus Kremsmünster, die - im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern - gar nicht auf Massentauglichkeit abzielt, sondern ein eigenes musikalisches, visuelles, virales und marketingtechnisches Konzept verfolgt. Früher noch auf der Indie-Schiene -  diese Früh-Tracks stehen allerdings nicht mehr auf der Setlist ihrer Konzerte - setzen Bilderbuch mit ihren Alben stets auf neue Akzente: Einmal purer Pop, R&B und Hip Hop Beats, dann wieder 70er-Funk, Psychedelic Rock und natürlich auch Anleihen beim legendären Falco, vor allem beim schnittig-avantgardistischen "Junge Römer"-Album. Wie Maurice Ernst seine genial-verschachtelten Texte schreibt? So ähnlich wie Hans Hölzel in den 80ern. Worte in einem Notizbuch notieren, der "Leim" kommt dann irgendwann später zur Verwendung.

 

Beeindruckend bei den Schönbrunner Konzerten waren auch Bühnenbild und Lightshow, die mit 25 Trucks in das Open Air-Gelände transportiert wurden. Kurz vor den EU-Wahlen setzten die EU-Supporter von Bilderbuch (die für ihre Fans auch einen individuellen, auf ihrer Website erstellbaren EU-Passport kreierten) ein symbolisches Zeichen für die Europäische Union, indem sie eine riesige EU-Fahne auf das Schloss Schönbrunn projizierten. Der Soundtrack: "Europa 22", der über zehnminütige Track mit Zeilen wie "Ein Leben ohne Grenzen, eine Freedom zu verschenken" und einem endlosen, krautrock-artigen Gitarrensoli. Eine musikalische Chill-Out-Zone zwischen fliegenden Frisbeescheiben, platzenden Seifenblasen und Super-Hits wie "Bungalow", "Maschin" und "LED Go". 

 

Als Zugabe präsentierten Bilderbuch mit "Mr. Refrigerator" einen neuen, unveröffentlichten Rock-Track. Dazu "Schick Schock" und als finale Hymne "Om". Dort säuselt Maurice Ernst "Gib dir mehr Zeit für dich und...". Diese Zeit werden sich die Bilderbuch-Fans auch in der Zukunft nehmen. Wohin die (international) führt, wird sich weisen. Die Prognosen könnten allerdings nicht günstiger ausfallen...

 

https://www.setlist.fm/setlist/bilderbuch/2019/schloss-schonbrunn-vienna-austria-73907279.html

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Classics & New Stuff: Peter Doherty mit neuer Band Puta Madres im WUK!

"Does he really play?" - Eine Frage, die zwei Konzertbesucher dem Merchandising-Verkäufer im Wiener WUK stellten. "Yes", lächelt dieser zurück, und verkauft einem der beiden um 130 Euro handschriftliche Original-Notizen des aus Liverpool stammenden Indie-Kult-Stars.

 

Sind die wilden Jahre des gerade einmal 40 gewordenen Peter Doherty schon vorbei? Das kann vielleicht nicht einmal er selbst beantworten. Turbulente Zeiten prägten auf jeden Fall die bisherige Rock-Karriere des egozentrischen Musikers: 2 großartige Bands, The Libertines (mit seinem Jugendfreund Carl Barat) und die Babyshambles, deren kreative Ära immer wieder durch Drogenexzesse unterbrochen wurde, eine leidenschaftliche Affäre mit Supermodel Kate Moss, zwei Kinder (davon eines mit R&B-Sängerin Lisa Moorish, die auch mit Brit Pop-Legende Liam Gallagher ein Kind hat), zahlreiche Entziehungskuren und Haftaufenthalte wegen Drogenbesitzes, aber auch viele "Guerilla"-Gigs zwischen Genie und Wahnsinn. Einer davon im Wiener Flex 2006.

 

Im Mai 2019 kehrt Doherty in die Bundeshauptstadt zurück, mit einer neuen Band namens "The Puta Madres" (was soviel wie "Motherfucker" bedeutet). Eine multikulturelle, bunte Truppe. Mit dabei ist seine dunkelhaarige (Ex)-Freundin Katia deVidas, Ex-Trampolene Sänger und Gitarrist Jack Jones, der französische Bassist Miggles, den Doherty aus der Arbeits- und Obdachlosigkeit gerettet hat und on the Drums der aus Barcelona stammende Straßenmusiker Rafa.

 

Das erste Album wurde in Nordfrankreich live innerhalb weniger Tage aufgenommen und steht - neben Doherty-Classics wie "Last of the English Roses", "Kolly Kibber" und "I don´t love anyone" - im Mittelpunkt des ambivalenten Auftritts im Wiener WUK. Bei der rockigen Single "Who´s been having you over" zitiert Doherty Dialoge aus Graham Greene´s Roman "Brighton Rock", beim melancholischen "Someone else to be" Velvet Underground und sogar Oasis. Brillant die Landstreicher-Ballade "Paradise is under your Nose".

 

Schnelle Brit Pop-Tracks wie das neue "Steam" wechseln mit minutelangen Jam Sessions, bei denen Doherty mit seinen Bandkollegen rückwärtsgewandt zum Publikum aufspielt. Zuerst noch im lässigen Trenchcoat, dann mit Hosenträgern und gegen Ende mit nacktem Oberkörper. Dazu eine fast viertelstündige Pause zwischen Main Part und den Zugaben.

 

Pure Inszenierung oder notwendiger Break, um neue Kräfte für das Finale zu sammeln. Die Wahrheit kennen wohl nur die Puta Madres selbst. Beim trashigen Final Track "Fuck Forever", in der Babyshambles-Ära der Nullerjahre Platz 3 der Pop-Charts,  brennen die Sicherungen durch: Die Mikrofonständer fallen, ein volles Bier fliegt in die Menge,  Doherty liegt auf der Bühne, rappelt sich wieder auf und drischt mit den Händen auf die Drums. That´s Entertainment, hoffentlich auch noch die nächsten 20 Jahre lang...

 

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Mythos "Verwaltungsmoloch" Brüssel: In Österreich 7mal so viel Bedienstete wie in der EU!

Brüssel: Der Bürokratiemoloch, das zentralistische Epizentrum der Europäischen Union, in dem in gläsernen Wolkenkratzern tausende Beamte die 500 Millionen Bürger des Binnenmarktes mit Vorschriften schikanieren, ohne Mitspracherecht der 28 Mitgliedstaaten. Das sind jene Narrative, die gerne von EU-Kritikern und Rechtspopulisten verwendet werden, um die EU zu diskreditieren und sich selbst gleichzeitig als Vertreter nationaler Werte zu positionieren. Die Fakten sprechen eine andere Sprache: Tatsächlich ist die Verwaltung der EU in Brüssel im Vergleich zu jener der nationalen Gebietskörperschaften gering ausgeprägt.

 

In der Kommission, gleichzeitig "Regierung" und Initiativorgan für Richtlinien und Verordnungen, arbeiten aktuell rund 32.000 Personen. Im Europäischen Parlament sind - neben den 751 Abgeordneten und deren Mitarbeitern - 7.500 Personen im Generalsekretariat und in den Fraktionen beschäftigt. Im Generalsekretariat des Rates arbeiten ca. 3500 Personen. Rund 4300 Übersetzer und 800 Dolmetscher dienen der gegenseitigen Verständlichmachung von 24 EU-Amtssprachen. Insgesamt sind dies rund 50.000 Personen für 28 Mitgliedstaaten.

 

Das Jahresbudget für Personal, Verwaltung und Instandhaltung der Gebäude beträgt knapp über 8 Milliarden Euro, das sind ca. 6 % des Jahreshaushalts der EU.

 

Blicken wir zuerst nach Wien: Dort sind alleine in der Bundeshauptstadt mit 65.000 Beamten mehr Personen beschäftigt als in Brüssel. In der "EU-Hauptstadt" kommen 10.000 Bürger auf einen Beamten, in Wien gerade einmal 29.

 

Noch bahnbrechender ist der Vergleich zwischen der EU und Österreich, wenn man die gesamte Verwaltung der Alpenrepublik betrachtet. Alleine der Bund beschäftigt rund 135.000 Bedienstete. Dazu kommen neun Landesverwaltungen mit 94 Bezirken und 2100 Gemeinden, in denen 140.000 Landesbedienstete und 74.000 Gemeindebedienstete ihre Arbeit verrichten.

 

Diese Zahlen notieren und vorweisen, wenn Politiker, Wutbürger, Stammtischpropheten, Freunde oder Bekannte wieder einmal über den "aufgeblähten Verwaltungsapparat" der Europäischen Union schimpfen...

 

 

Europäische Bürgerinitiative - Direkte Demokratie mit Millionen-Stimmen-Aufwand

Demokratiedefizit, Bürokratiestarre und ein Parlament, das abgehoben und weit entfernt von den Wünschen der EU-Bürger platziert ist. Das sind Vorurteile, die von EU-Kritikern gestreut werden, die aber keineswegs der Wahrheit entsprechen. Tatsächlich haben trotz der Größe des Binnenmarkes sogar einzelne Bürger die Möglichkeit, Themen in den europäischen Institutionen unterzubringen, wenn auch mit großem Aufwand.

 

In der österreichischen Verfassung existiert als Mittel der direkten Demokratie das Volksbegehren, in der EU die "Europäische Bürgerinitiative", die 2012 durch den Vertrag von Lissabon und eine ergänzende Verordnung eingeführt wurde. Um eine Bürgerinitiative zu starten, muss ein Bürgerausschuss gebildet werden, der aus mindestens 7 EU-Bürgern besteht, die in mindestens 7 verschiedenen Mitgliedstaaten wohnhaft sind. Eine Bürgerinitiative ist in jenen Bereichen möglich, in denen die Kommission Rechtsakte setzen darf. Der Bürgerausschuss muss die Initiative - in einem (leider) sehr formellen Verfahren - auf einem Internetportal registrieren. Nach einer Registrierungsbestätigung haben die Organisatoren dann ein Jahr Zeit, die notwendigen Unterschriften zu sammeln. Die Mindestanzahl beträgt aktuell 1 Million, wobei in allen 7 Mitgliedstaaten separat eine Mindestanzahl von Stimmen (in Österreich: 14250) erreicht werden muss.

 

Nach einer Prüfung der Unterstützungsbekundungen wird die Initiative bei der Kommission vorgelegt. Es besteht auch die Möglichkeit, die Initiative bei einer öffentlichen Anhörung im Parlament vorzustellen. Innerhalb von maximal drei Monaten erfolgt eine offizielle Antwort der EU-Kommission, ob und welche Maßnahmen sie als Antwort auf die Bürgerinitiative vorschlägt. Die Kommission ist allerdings nicht dazu verpflichtet, einen Gesetzesvorschlag zu erstellen. (Dies ist allerdings in Österreich bei Volksbegehren nicht anders.) Wird eine Verordnung oder eine Richtlinie konzipiert, dann muss diese im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren vom Rat und dem Europäischen Parlament genehmigt werden.

 

4 Europäische Bürgerinitiativen erfüllten seit 2012 die notwendigen Voraussetzungen, bei dreien (Gegen Tierversuche, Schutz von Trinkwasser, Verbot von Glyphosat) hat die Kommission Folgemaßnahmen eingeleitet, beim "Schutz menschlicher Embryonen" wurde auf die aktuelle EU-Politik verwiesen. Aktuell laufen 13 Bürgerinitiativen, darunter "Housing for all" (für leistbares Wohnen), "Stop Extremism", "New Rights Now" (für bessere Rechte von prekär Beschäftigten) und "Achtung der Rechtsstaatlichkeit in der EU". 

 

Ab 2020 soll eine neue Online-Plattform errichtet und die Formalitäten des Verfahrens erleichtert werden. Aufrecht bleiben aber die Millionen-Stimmen-Hürde und die (allerdings auch gut argumentierbare) Unverbindlichkeit der Initiative bei Erfüllung aller Kriterien. Die Motivation, eine EBI einzuleiten, bzw. der Bekanntheitsgrad dieser Form direkter EU-Demokratie werden dadurch aber nicht steigen.

 

EU-Richtlinie: Neue Rechte für atypisch Beschäftigte und "Gig Economy"-Jobs!

Befristete, unsichere Arbeitsverhältnisse, kein arbeits- und sozialrechtlicher Schutz, "Working Poor"-Einkommen am Rande bzw. unter der Mindestsicherung,.... - Immer mehr in Österreich lebende Menschen, 34,6 % laut einer Untersuchung der Autorin und Gewerkschafterin Veronika Bohrn Mena, sind atypisch beschäftigt und werden - als Teilzeitbeschäftigte, freie Dienstnehmer oder Leiharbeiter - durchschnittlich um 25 % schlechter entlohnt als stabil Beschäftigte. Betroffen sind Personen aller Qualifikationen (vom Pflichtschul- bis zum Hochschulabsolventen), im besonderen Frauen und Migranten.

 

Die schwarz-blaue, neoliberale Bundesregierung negiert diese Thematik komplett. Im Gegenteil. Sie verschärft die arbeitsrechtlichen Schutzgesetze, führt den "freiwilligen" 12 Stunden-Tag ein, eliminiert Überstundenansprüche, erweitert die Ausnahmen beim Arbeitszeitrecht und minimiert Ruhezeiten im Tourismusgewerbe.

 

Die Arbeitnehmer können insofern froh sein, dass Österreich Teil der Europäischen Union ist, die sich im Gegensatz zu ÖVP und FPÖ für den Schutz der Arbeitnehmer einsetzt. Am 16. April 2019 wurde eine neue Richtlinie über transparente und verlässliche Arbeitsbedingungen verabschiedet, die neue Rechte für atypische Beschäftigte und auf Abruf Beschäftigte ("Gig Economy") gewährt.

 

Als Arbeitnehmer im Sinne dieser Richtlinie gilt jemand, der für eine andere Person und nach deren Weisung Leistungen im Ausmaß von mindestens drei Stunden pro Woche bzw. 12 Stunden pro 4 Wochen erbringt. Inkludiert sind nicht nur Arbeitnehmer, die auf Abruf, intermittierend oder auf Plattformen beschäftigt sind (wie Uber), sondern auch Praktikanten und Auszubildende. Personen, die tatsächlich selbständig sind, fallen nicht darunter. (Es ist zu befürchten, dass hier Umgehungskonstruktionen seitens der Arbeitgeber gebastelt werden).

 

Alle Arbeitenden müssen aufgrund dieser EU-Richtlinie vom ersten Tag an, in Ausnahmefällen spätestens am siebten Tag, über die wesentlichen Aspekte ihres Arbeitsvertrags informiert werden. Dazu gehören eine Beschreibung der Aufgaben, das Startdatum, die Dauer des Vertrages, die Vergütung, die Länge des Standardarbeitstages. und ein Referenzrahmen für Aufgaben mit unvorhersehbaren Arbeitszeiten. Dies gilt in Österreich ab Umsetzung der Richtlinie neu auch für Praktikanten und Crowdworker.

 

Bei Abrufverträgen muss ein Mindestmaß an Vorhersehbarkeit festgelegt werden im Sinne von Referenzzeiträumen (beispielsweise von Montag bis Freitag zu bestimmten Stunden). Eine ständige Dienstbereitschaft, wie sie vor allem in Großbritannien praktiziert wurde, wird somit unzulässig. Crowdworker dürfen nicht mehr vertraglich gehindert werden, auch für andere Plattformen zu arbeiten.

 

Befristet Beschäftigte und Praktikanten haben zukünftig das Recht, nach 6 Monaten ihren Arbeitgeber um eine "Beschäftigungsform mit verlässlicheren und sicheren Arbeitsbedingungen" zu ersuchen. Lehnt der Arbeitgeber ein unbefristetes Arbeitsverhältnis ab, muss er dies begründen. 

 

Außerdem müssen Arbeitgeber kostenlose, verpflichtende Weiterbildungen anbieten. Aus- und Weiterbildungen sollten, wenn möglich, innerhalb der Arbeitszeit liegen, zählen aber in jedem Fall als gearbeitete Zeit.

 

Die in der Richtlinie festgelegten Mindeststandards für flexible und atypische Beschäftigungsverhältnisse müssen innerhalb der nächsten 3 Jahre von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden.

 

Dies sollte aufgrund der bisherigen arbeitnehmerfeindlichen Agitationen der schwarz-blauen Bundesregierung mit Argusaugen betrachtet werden. Vielleicht ist diese allerdings in 3 Jahren längst passe, nachweinen würde ihr kaum jemand...

Trilog Kommission, Parlament, Rat: Das EU-Gesetzgebungsverfahren!

Kurz vor der EU-Wahl behelligt uns ÖVP-Bundeskanzler Kurz im "Balkanrouten"-Mantra wieder mit populistischen Sagern über den scheinbaren "Regelungswahnsinn" in der EU und beschuldigt sich damit eigentlich selbst. 

 

Das seit dem Vertrag von Lissabon 2007 normierte "ordentliche Gesetzgebungsverfahren" verteilt die legislativen Kompetenzen auf Kommission, Europäisches Parlament und Rat. In letzterem sitzen die jeweiligen Fachminister seiner Regierung, im "Europäischen Rat" (der die allgemeinen Prioritäten der EU festsetzt), treffen sich die Regierungschefs (inklusive Kurz). Entscheidungen werden dort meistens einstimmig getroffen, kritische Stellungnahmen des Bundeskanzlers aus diesem Gremium sind nicht bekannt.

 

Rechtsgrundlage des Gesetzgebungsverfahrens sind die Artikel 289 und 294 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Die EU-Kommission, gleichzeitig auch Exekutive der Europäischen Union, ist als einziges Organ befugt, EU-Rechtsakte vorzuschlagen. Darunter versteht man einerseits Verordnungen, die unmittelbar in jedem Mitgliedstaat gelten, andererseits Richtlinien, die nur hinsichtlich des zu erreichenden Ziels verbindlich sind und bei denen die Mitgliedstaaten Form und Verfahren selbst bestimmen können. Rat und Kommission können allerdings die Kommission auffordern, Gesetzgebungsvorschläge vorzulegen.

 

In einer ersten Lesung prüft das Europäische Parlament den Vorschlag der Kommission, kann diesen billigen oder Änderungen vorschlagen. Stimmt der Rat dem Standpunkt des Parlaments zu, dann gilt der Rechtsakt als erlassen. Ansonsten wird der geänderte Vorschlag an das Parlament zur zweiten Lesung verwiesen.

 

Die aktuell 751 Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben in der zweiten Lesung drei Möglichkeiten: a) Den Standpunkt des Rats billigen (= Rechtsakt erlassen), b) ablehnen (= Verfahrensbeendigung) oder c) Abänderungen vorschlagen.

 

In der dritten Variante wird der Gesetzesvorschlag an den Rat zur zweiten Lesung weitergeleitet. Dieser hat zwei Optionen: Alle Abänderungen billigen (= Rechtsakt erlassen) oder nicht alle Abänderungen billigen. Bei einer ablehnenden Stellungnahme der Kommission zu den Änderungsvorschlägen des Parlaments muss der Rat einstimmig entschieden, ansonsten reicht eine qualifizierte Mehrheit.

 

Billigt der Rat nicht alle Abänderungen des Parlaments, dann wird ein Vermittlungsausschuss einberufen, der sich zu gleichen Teilen aus Mitgliedern des Parlaments und Vertretern des Rates zusammensetzt. Man bezeichnet dieses informelle Verfahren auch als "Trilog-Verhandlung", die fast 90 % aller EU-Gesetze betrifft.

 

Der Vermittlungsausschuss hat 6 Wochen Zeit, um eine Einigung über einen gemeinsamen Entwurf zu erzielen. Die darauffolgende Beschlussfassung in der 3. Lesung (innerhalb einer weiteren Frist von 6 Wochen) ist dann meistens nur noch Formsache. Das Parlament entscheidet mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen, der Rat mit qualifizierter Mehrheit. Bei zwei positiven Entscheidungen wird der Rechtsakt als Richtlinie oder Verordnung des Parlaments und des Rats kundgemacht.

 

Wie man anhand des Verfahrensablaufes sieht, ist der Rat bei allen Entscheidungsschritten gemeinsam mit dem EU-Parlament als Gesetzgebungsorgan eingebunden. Die Äußerungen von BK Kurz haben insofern einen rein populistischen, wahltaktischen und opportunistischen Charakter. Dass deren Absichten in den diversen Medien nicht schonungslos aufgedeckt werden, liegt (vermutlich) nicht nur an deren rechtskonservativen Blattlinien, sondern auch an den sündteuren Regierungsinseraten, im Jahr 2018 konkret 24,5 Millionen Euro.

Donaufestival Week 2: Future Sound im Traditionsstädtchen Krems!

"I dance Alone" - So nennt sich eine Installation von Bogomir Doringer, die direkt vor der DJ-Lounge des Kremser Donaufestivals in der Österreichhalle platziert worden ist. Der Künstler hat Dancefloors aus der Vogelperspektive fotografiert und zeigt auf Bildschirmen das instabile Verhältnis von Kollektivität und Individualität. Und wirft damit auch die Frage auf, ob man trotz der (scheinbaren) Gemeinschaft auf der Tanzfläche eigentlich nicht doch allein ist oder sich zumindest allein fühlt.

 

Interpreten, die künftig flächenmäßig die Konzert- und Dancefloors füllen sollen und gleichzeitig auch einen künstlerischen Anspruch haben, die präsentierte Kurator Thomas Edlinger am zweiten Wochenende des Donaufestivals. Avantgardistischer Future Sound für großteils internationales und urbanes Publikum in einer traditionsverhafteten Stadt wie Krems (in der Volksmusikant Hansi Hinterseer drei Wochen später die Einheimischen vor einem Hofbräuhaus begeistern wird).

 

Aus Istanbul stammt beispielsweise  Hüma Utku, die man in der Undergroundszene unter dem Pseudonym R.A.N. (= Roads at Night) kennt. In Berlin, wo sich eine türkische Club- und Lokalkultur entwickelt hat, kann sich die Produzentin seit einigen Jahren selbstverwirklichen. Beim Donaufestival präsentierte sie im roten Schimmerlicht progressive Tracks aus ihrer EP "Seb-i Yelda", die gekonnt orientalische Traditionals mit technoiden Ambient-Sound verbinden.

 

Queens New York ist die Heimat von Alexandra Drewchin aka Eartheater. Der Name ihrer Kunstfigur stammt aus dem Buch "100 Years of Solitude", die einen Charakter enthält, der immer dann Dreck und Erde frisst, wenn er seine Gefühle nicht mit Worten ausdrücken kann. Ähnlich unberechenbar und heftig ist auch der Sound der Performance-Künstlerin, zumindest die erste Hälfte des Sets. Danach transformiert sich Miss Eartheater in eine gitarrenspielende Folk-Sängerin mit bezaubernden Melodien. Genial.

 

Den traditionellen Sound der Golfregion vermischt die aus Kuwait stammende Fatima Al Qadiri mit innovativen Trap- und Grimebeats. Im Mittelpunkt ihres Sets steht ihr brandneues Album "Shaneera", das herrlich doppeldeutig interpretiert werden kann. Einerseits ein Slang-Ausdruck für eine queere Person, andererseits eine falsche Aussprache des arabischen Wortes "shaneeá" (= schändlich). Im Stadtsaal zucken nicht nur die Beats, sondern auch die Visuals im Background.

 

In den heiligen Gemäuern der Minoritenkirche, im historischen Stadtteil Stein, versetzen um 15 Uhr nachmittags die aus Sao Paolo stammenden Rakta die Donaufestival-Besucher in düster-schaurige Endzeitstimmung. Brasilianischer Sound einmal anders - Die coolen Front-Ladies erinnern mit ihrer genialen Mischung aus Post Punk, Electro und Gothic an 70er-80er-Ikonen wie Joy Division oder Killing Joke. Höllisch heiß!

 

Auch beim diesjährigen 15. Donaufestival wieder mit dabei: Camae Ayewa aka Moor Mother. Die Polit-Aktivistin steht 2019 mit den "Irreversible Entanglements", einer Free-Jazz-Formation mit Saxophon, Trompete, Bass und Drums, auf der Bühne. Die zornigen Messages, die sind dieselben wie bei ihren Solo-Gigs: Gegen Polizeigewalt, gegen Rassismus und gegen Diskriminierung der Frauen.

 

Als Aktivistin kann man auch die aus dem Kongo stammende Musikerin Melika Ngombe Kolongo aka Nkisi (zu deutsch: "Geist") bezeichnen. Ihr Label NON Worldwide inkludiert nicht nur innovativen Sound, sondern auch Art und ein politisch-soziales Kommunikationsnetzwerk. In den Österreichhallen fasziniert Nkisi mit Live Vocals und treibenden Beats zwischen Electro und African Traditionals. Ihr gerade erschienenes Album heißt "7 Directions", die Richtung beim Donaufestival war eindeutig: Noch einmal tanzen, bevor die Party zu Ende ist.

 

"Europe is lost, America lost, London lost. Still we are clamouring victory. All that is meaningless rules. We have learned nothing from history. The people are dead in their lifetimes. Dazed in the shine of the streets. But look how the traffic's still moving. System’s too slick to stop working."  Es sind traurige Wortkreationen, die man vom letzten Act des Kremser Donaufestivals im Stadtsaal hört. Geschrieben noch vor dem Brexit selbst. Kate Tempest, die aus Südlondon stammende Künstlerin, ist zum ersten Mal in Österreich. Ein Multi-Talent: Musikerin, Lyrikerin, Dramatikerin ("Wasted") und Romanschriftstellerin.

 

Und tatsächlich sind auch ihre musikalischen Werke so aufgebaut wie ein Buch. Ihr letztes Album "Let them eat chaos" (2016) - das neue erscheint im Juni - handelt, verpackt in 13 Songs, von 7 Menschen, die in prekären Verhältnissen leben. Inmitten von Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, Schlaflosigkeit, Depression und Frustration. London, wie es gegenwärtig leibt und lebt. Tempest bittet bei ihrem Auftritt, die Handys in den Taschen zu lassen und zuzuhören. Bei ihren berührend-intensiven Geschichten über das Leben, unterlegt mit Hip Hop- und Electro-Beats.

 

Man wünscht sich, dass die im ländlichen Bereich lebenden Briten Tempest konzentrierter zugehört hätten. Ist Europa tatsächlich lost? Die Hoffnung stirbt zuletzt, auch die auf eine "New Society" in einer Welt ohne Diskriminierung, Nationalismus und Rassismus. 

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"Gegen das Vergessen": Porträts von NS-Überlebenden am Wiener Burgring!

"Gegen das Vergessen" ist ein Erinnerungsprojekt des deutsch-italienischen Fotografen und Filmemachers Luigi Toscano. Der Künstler porträtierte dafür mehr als 300 Überlebende der NS-Verfolgung in Österreich, den USA, Deutschland, Russland, Israel und den Niederlanden.

 

Von 7. Mai bis 31. Mai sind ca. 100 überlebensgroße Porträts direkt am Burgring aufgestellt. Die Freiluft-Ausstellung wurde von Toscano gemeinsam mit dem Psychosozialen Zentrum ESRA (das NS-Überlebende und deren Angehörige betreut) initiiert und steht unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Alexander van der Bellen.

 

An den Porträts beigehaftet sind kleine Informationszettel, die das persönliche Schicksal der Holocaust-Überlebenden dokumentieren. Diese wahren Geschichten machen - in Verbindung mit der unmittelbaren Konfrontation mit der Person dahinter - sehr betroffen. Man liest von Deportationen, Todesmärschen in Konzentrationslager, Schüsse auf Kinder (durch "lächelnde Piloten"), Leben im Untergrund in Amsterdam, Paris oder Warschau (mit der Angst, jede Sekunde von den Nazis entdeckt zu werden), Fluchtstrapazen quer durch Europa nach Amerika und der Auslöschung ganzer Familien durch den NS-Terror.

 

"Gegen das Vergessen" wurde zum ersten Mal im Herbst 2015 in Mannheim gezeigt, es folgten weitere Stationen u.a. in Kiew, Berlin oder in New York beim Internationalen Holocaust-Tag. 

 

Das Projekt soll allerdings nicht nur einen Blick auf die (grauenvolle) Vergangenheit der NS-Überlebenden werfen, sondern soll die Besucher auch für aktuelle gesellschaftlich ausgrenzende Tendenzen (wie Rassismus, Nationalismus oder Rechtsextremismus) sensibilisieren. "Es fordert jeden einzelnen auf, alles zu tun, dass so etwas nie wieder geschehen kann". 

 

In einem Waisenhaus in Chemnitz wurde bei allen Kindern, die ein KZ überlebt haben, der Tag des Kriegsendes in Europa als Geburtsdatum angegeben. Dieser Tag, der 8. Mai, sollte endlich zum europäischen Feiertag erklärt werden.

Hass im Netz-Gesetz: Klagsflut gegen Regierungskritiker und Whistleblower?

Journalisten, Frauen, Politiker, Migranten,... - Das Thema "Hass im Netz" betrifft so gut wie jede gesellschaftliche Schicht, seitdem sich viele Bürger in den sozialen Medien bewegen und dort als "Medieninhaber" Kommentare, Meinungen, Bilder und Videos posten, manchmal und immer öfter auch jenseits der rechtlichen Grenzen.

 

Der sogenannte "rechtsfreie Raum", wie er von Kulturminister Blümel bezeichnet wird, der existiert bereits jetzt nicht. Im Netz gelten dieselben rechtlichen Maßstäbe wie in der "analogen Welt", die Rechtsdurchsetzung mag diffiziler sein. Die schwarz-blaue Bundesregierung will durch ein "Bundesgesetz über Sorgfalt und Verantwortung im Netz", das im September 2020 in Kraft treten soll, den Hass im Netz bekämpfen. Behauptet sie. Studiert man einige Paragraphen durch, dann hat sie wohl eher das Ziel, Kritiker und Gegner in ihrer Meinungsfreiheit zu beschränken und mundtot zu machen.

 

So sollen Diensteanbieter eines Online-Forums verpflichtet werden, von jedem Poster vorab (!) ein Registrierungsprofil zu erstellen. Dieses umfasst Vorname, Nachname und Adresse. Privatpersonen sollen also ihre Daten an soziale Netzwerke weiterleiten, ohne jeglichen Anlass. Sozusagen eine "Vorratsdatenspeicherung auf Userdaten" (wie es Medienanwältin Windhager kongenial formuliert). Diese Maßnahme der rechtskonservativen Regierung widerspricht auch jeglichen Expertenmeinungen. Ca. 80 % der "Hassposter" verwenden ihren eigenen Namen, und auch der Rest ist - mit wenigen Ausnahmen - leicht ausforschbar, da Provider bei Straftaten verpflichtet sind, die IP-Adresse herauszurücken.

 

Die besondere Gefährlichkeit des Gesetzesvorschlags wird durch den § 4 evident. So müssen Diensteanbieter Vorname, Nachname und Adresse nicht nur der Polizei, der Staatsanwaltschaft und Gerichten (bei Ermittlungen in Zusammenhang mit einem Posting) bekanntgeben, sondern auch dritten Personen (!!!).

 

Diese Voraussetzung ist dann erfüllt, wenn diese dritte Person aufgrund eines Postings eine (strafrechtliche) Privatanklage wegen übler Nachrede (§ 111/2 StGB) bzw. Beleidigung (§ 115 StGB) oder eine (zivilrechtliche!) Klage wegen "Verletzungen an der Ehre" (§ 1330 ABGB) einleiten will. Für Großkonzerne, Arbeitgeber oder politische Parteien existiert damit ein ideales Druckmittel, gegen unliebsame Poster, Betreiber regierungskritischer Facebook-Seiten und Whistleblower vorzugehen und sie de facto in ihrer Meinungsfreiheit einzuschränken. Eine Klage einleiten heißt nicht, dass die jeweilige Person verurteilt wird, aber die gegnerische Partei erhält durch diesen Paragraphen alle Informationen über den Poster und kann gegen diesen rechtliche Schritte unternehmen. 

 

Der Diensteanbieter - nicht eine Behörde - hat selbst zu entscheiden, ob er die Daten an den Kläger zu übermitteln hat. Macht er das nicht und verstößt er dabei gegen rechtliche Grundsätze, dann droht ihm laut § 7 eine Geldbuße bis zu 500.000 Euro, im Wiederholungsfall bis zu 1.000.000 Euro. In welche Tendenz seine Entscheidung gehen wird, ist wohl unbestritten.

 

Umfasst von der Übermittlungspflicht ist auch der zivilrechtliche Tatbestand der Kreditschädigung. Hier haben finanziell potente Kläger (wie politische Parteien oder Großkonzerne) die Möglichkeit, den Streitwert bis auf über 30.000 Euro festzulegen und damit den Poster finanziell zu ruinieren. Lässt sich ein Kritiker auf einen Prozess ein (der sich bis in die 3. Instanz, bis zum OGH, erstrecken kann), dann droht diesem bei einer Niederlage Kostenersatz in Form von Gebühren- und Anwaltskosten über mehrere zehntausende Euro. 

 

Die logische Folge: Kritiker werden in den öffentlichen Foren weniger posten, es werden weniger Missstände aufgedeckt, Meinungs- und Diskussionsfreiheit werden radikal eingeschränkt. Genau das, was die ÖVP-FPÖ-Regierung beabsichtigt: Eine "Message Control" indirekt auch im freien Internet...

Donaufestival-Sunday: Bannon-Ausstellung, Talk und russischer Electro-Wave von Shortparis!

Sonntag ist Schontag. Nicht so beim Donaufestival in Krems. In der historischen 30.000 Einwohner-Stadt bietet das Kuratorenteam rund um Thomas Edlinger auch am 3. Veranstaltungstag ein anspruchsvolles, spannendes Programm zum ambivalenten Thema "New Society".

 

Bereits ab 10 Uhr vormittags kann man im Museum Krems direkt bei der Dominikanerkirche die Ausstellung "Steve Bannon: A Propaganda Retrospective Model" des niederländischen Aktivisten und Künstlers Jonas Staal inspizieren. Dieser stellt frühere Filme des Trump-Beraters Steve Bannon in Zusammenhang mit dessen Propagandatätigkeit für den umstrittenen US-Präsidenten. Bannon bezieht sich dabei auf das Buch "The Fourth Turning", in dem der Gang der Geschichte in 4 Zyklen unterteilt wird: Wachstum, Reife, Dekadenz und Niedergang. Elemente, die den "clash of civilizations" ankündigen, sind u.a. der Islamismus, der Liberalismus (in Form der Hippies und 68er-Generation), das Establishment (in der Gestalt von Dinosauriern) und die "Haie" der Wirtschaftselite. Staal zeigt in seiner Installation auch mediale "Tricks" der Trump-Propaganda wie Aktenberge (die real eigentlich nur weißes Papier darstellen) oder Retuschierungen von Personen auf Fotos. Betroffener: Bannon selbst, der Opfer seiner eigenen PR-Aktivitäten wurde.

 

Im Kesselhaus-Kino läuft am Nachmittag ein avantgardistischer Streifen über die Pariser Kreativitäts-Boheme ("Ne travaille pas"), danach diskutieren Kurator Thomas Edlinger, Journalistin Isolde Charim und Autor Heinz Bude über die Zukunft der Gesellschaft, die sich auch zusehends mit Algorithmen, Echokammern und Künstlicher Intelligenz auseinandersetzen muss.

 

Sensationelles Line Up am Abend in den Österreichhallen: Die schärfste russische Rock-Band der Gegenwart namens Shortparis feiert mit Electro-New-Wave-Beats und ästhetischer Bühnendynamik bis zur Erschöpfung ihre Österreich-Premiere. Mit im Gepäck auch ihr Hit "Straschno", dessen symbolisch-provokantes Video zu einigen Konzertverboten in Russland führte. Politische Aussagen sind nicht Teil der mitreißenden Show, gibt es aber von Shortparis zur Genüge: "Das Politische sitzt heutzutage tief in uns, es ist nicht mehr nur etwas Soziales, sondern auch etwas tief Psychologisches". Die Gesellschaft in ihrer aktuellen Ausprägung setzen die St. Petersburger mit irrationaler Angst gleich, sie dürften dabei nicht falsch liegen.

 

In der Halle 2 becirct die Berliner Underground-Ikone Gudrun Gut ("Kaltes Klares Wasser") mit Vocals, Analog-Synthesizer und Minimal Beats die Donaufestival-Besucher. Den Schlusspunkt setzt die aus Manchester stammende Electro-Künstlerin Planningtorock, die mit andächtiger Moderation und gefühlvollen Tracks aus ihrem neuen Album "Powerhouse" ihre Liebe zur Musik erklärt und ein Bekenntnis für Toleranz, Frauenrechte und die Gender-Bewegung abgibt.

 

Die Party in Krems ist zu Ende, die vielen nationalen und internationalen Gäste düsen per Shuttle Bus nach Wien und danach zum Flughafen. Und kommen nächste Woche wieder. Zur Runde 2 des Donaufestivals 2019.