„New African Portraiture“: 24 Black Artists in der Kunsthalle Krems

„Die erste Ausstellung über zeitgenössische afrikanische figurative Malerei in Europa“ – Mit diesem Teaser lockt die Kunsthalle Krems Besucher aus aller Welt in die Exhibition „The New African Portraiture“, die sich über beide Stockwerke des Museums erstreckt. Impulsgeber war eine Ausstellung im Pariser Musee d´Orsay, die sich mit dem Schwarzen Körper in der Malereigeschichte von 1800 bis zur Klassischen Moderne beschäftigte.

 

Kuratiert wird die Ausstellung von Ekow Eshun, der zuletzt in der Londoner Hayward Gallery die Schau „In the Black Fantastic“ über Afrofuturismus konzipierte. Die afrikanischen Kunstwerke stammen aus der Sammlung von Amir Shariat, den der künstlerische Direktor der Kunsthalle, Florian Steininger, im Rahmen der Robin Rhode-Ausstellung „Memory is a Weapon“ 2020 kennenlernte. Der südafrikanische Street-Art-Künstler Rhode teilt sich mit einem der Shooting Stars der Ausstellung, Alexandre Diop, ein Studio. Ein kongeniales Netzwerk als Basis für einen attraktiven Parcours durch die Portraitmalerei Afrikas, die dort im Gegensatz zum weltweiten Trend der Abstraktion und Konzeptkunst stets im künstlerischen Zenit verharrte.

 

Die Arbeitsweisen, kreativen Ideen und Perspektiven der insgesamt 24 Künstler unterscheiden sich aber nicht unwesentlich. Cornelius Annor beispielsweise, dessen Werke im Oberlichtsaal zu sehen sind, dokumentiert das traditionelle ghanaische Familienleben, in der Küche, im Wohnzimmer oder im „Cabinet of Memories“. Auf dieser Schiene bewegt sich auch Crystal Yayra Anthony, die mit ihren Werken Geschlechterstereotypen aufbrechen will. Eines der Highlights: „What are you looking at“, das eine nackte schwarzte Frau – bei einer Alltagshandlung - mit Wasserschlauch in einem Garten zeigt. 

 

Andere Künstler wie Souleimane Barry oder der in Paris aufgewachsene und in Wien an der Akademie der bildenden Künste studierende Alexandre Diop lassen sich vom kürzlich in der Albertina gewürdigten 80er-Superstar Jean Michel Basquiat beeinflussen und konzipieren eine Mixtur aus Pastell, Ölfarben, Bleistift, Klebstoff und diversen Materialien (wie Holz, Latex, Nägel, Gips oder Schnüren). Der im Künstler-Epizentrum Accra (in Ghana) geborene Amoako Boafo kreiert moderne, trendige Porträts von Freunden und Szene-Artists wie der amerikanischen Bildhauerin Kennedy Yanko. 

 

Nicht fehlen dürfen in der Ausstellung sozialkritische Aspekte und Fragen der Diskriminierung. Jean David Nkot thematisiert die Rohstoff-Ausbeutung in Afrika u.a. mit seinem Porträt von drei selbstbewussten Minenarbeiterinnen. Mit Rassismus und Sexismus beschäftigt sich die nach Schweden emigrierte Everlyn Nicodemus nicht nur künstlerisch, sondern auch wissenschaftlich. Aus dieser Inspiration entstanden u.a. familiäre Motive wie in „Mother and Child“ oder „The Wedding“. 

 

„No, I don´t speak Swahili“, so reagierte die in den USA geborene Künstlerin Josie Love Ruebuck auf eine verletzende Klassifikation aufgrund ihrer Hautfarbe. In dem daraus entstandenen Kunstwerk zeigt sie anhand von drei Gesichtern, wie sie selbst sich wahrnimmt und wie sie von anderen kategorisiert wird. Ein toughes Statement in der Zentralhalle kurz vor dem Ausgang, das auch nach dem spannenden Ausstellungsbesuch noch zum Nachdenken anregen soll…

 

„The New African Portraiture“ – 19. 11. 2022 bis 10. April 2023 Kunsthalle Krems.

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SUV-"Stadtpanzer": Bedrohung für Klima, Verkehrssicherheit und Kinder!

Klimaaktivismus derzeit auf allen Fronten. Im Mittelpunkt einer europaweiten Kampagne stehen derzeit die immer größer und  häufiger werdenden „Sport Utility Vehicles“, kurz „SUV´s“, von den Gegnern auch als „Stadtpanzer“, „Chelsea Tractors“ oder „Super Unnecessary Vehicles“ bezeichnet. Alleine in Deutschland wird jährlich bis rund zwei Milliarden Euro für Werbung investiert, um die zumeist im Ü30-Alter befindliche Zielgruppe für das vermeintliche Status-Symbol zu begeistern. Gemäß der Maxime „Ban Fossil Ads“ waren die Aktivisten u.a. in London, Berlin und Paris Frankfurt unterwegs und „hijackten“ SUV-Werbeplakate mit Totenköpfen, Luftverschmutzungs-Logos und Aufschriften wie „Add Climate Breakdown“ und „Catastrophe Climatique Garantie“. 

 

SUV-Höchststand bei den Neuwagenzulassungen

 

Ob diese Aktionen etwas bewirken, ist allerdings leider zweifelhaft. Denn der Trend geht in eine Gegenrichtung. Laut dem Verkehrsclub Österreich (VCÖ) erreichte der Anteil der SUVs bei den Neuwagenzulassungen im Vorjahr mit 43 Prozent einen Höchststand.  Dieser Anteil hat sich seit 2005 verfünffacht (8 %) bzw. seit 2015 verdoppelt. Insgesamt wurden 92.387 SUVs und Geländewagen neu zugelassen, die meisten davon mit 17.163 in Wien. Und das, obwohl bei weitem nicht nur der Klimaschutz gegen den SUV-Hype spricht.

 

Erhöhtes Sterbe- und Verletzungsrisiko für Unfallgegner

 

Die SUVs zerstören durch ihre in die Breite und Höhe gehende Karosserie nicht nur das urbane Stadtbild, sondern bergen eine enorme Unfallgefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer. Laut der deutschen Unfallforschung ist das Risiko, bei einem Unfall mit einem SUV schwer oder tödlich verletzt zu werden, für die Fahrer kleinerer Autos viermal (!) höher als für SUV-Fahrer. PKW-Insassen werden mehr als doppelt so oft schwer verletzt. Bei erhöhter Geschwindigkeit des SUVs besteht kaum eine Überlebenschance. Der Grund liegt darin, dass die leichteren Fahrzeuge den Großteil der Energie des Zusammenpralls auffangen. Laut dem deutschen Bundesverkehrsministerium hat sich die Zahl der Unfälle mit SUVs und Geländewägen seit 2011 mehr als verdoppelt.

 

Höchste Gefährdung für Kinder

 

Internationale Untersuchungen haben eindeutig ergeben, dass auch bei Radfahrern und Fußgängern das Verletzungsrisiko und die Schwere der Verletzungen bei einem Unfall mit einem SUV weit höher sind. So ist die Wahrscheinlichkeit für Fußgänger, bei einem Unfall mit einem SUV zu sterben, um 50 Prozent höher als bei einem Zusammenstoß mit einem anderem PKW. Gerade die Kinder tragen das größte Verletzungsrisiko, denn diese werden aufgrund der überdimensionalen Größe der SUVs am Rumpf oder Kopf getroffen. 

 

Eine Studie der Universität Wien über das Verhalten von SUV-Fahrern in der Innenstadt von Wien sorgt für zusätzliche Angst unter den Familien. SUV-Besitzer fahren zwar nicht unbedingt schneller, halten sich aber weniger an die Verkehrsvorschriften. Sie fahren häufiger über rote Ampeln, sind häufiger nicht angeschnallt und halten häufiger ein Mobiltelefon in der Hand. Psychologen erklären dies mit einem stärkeren Sicherheitsgefühl durch die erhöhte Sitzposition. Weniger schmeichelhaft der Autodesigner Paolo Tumminelli: „Das SUV ist das Fahrzeug des Eskapismus für die breite Masse. Es strahlt jene Potenz aus, mit der sich Fahrer für jede Lage gut gerüstet fühlen. Diese neigen dazu, riskanter zu fahren, weil sie das Gefühl haben, in einer Burg zu sitzen.“

 

Höherer CO2-Ausstoß

 

Die Organisation Greenpeace hat bereits 2019 in ihrer Broschüre „Ein dickes Problem – Wie SUVs und Geländewagen das Klima und unsere Städte ruinieren“ eindeutig dargelegt, wie stark der CO2-Ausstoß durch die „Stadtpanzer“ erhöht wird. Die einfache Rechnung: Je schwerer ein Fahrzeug bzw. je höher die Motorleistung, desto höher der Treibstoffverbrauch und desto höher der CO2-Wert. 2018 betrug das Durchschnittsgewicht neu zugelassener PKWs in Deutschland 1515 kg, das von SUVs 1628 Kilogramm. 

 

Direkt proportional ist ebenso der Zusammenhang zwischen dem Treibstoffverbrauch und dem CO2-Ausstoß. Der höhere Verbrauch bei SUVs resultiert aus der Fahrzeughöhe und der größeren Stirnfläche, die zu höherem Luftwiderstand führt. Laut Bundesverkehrsministerium werden mit SUVs jährlich auch größere Strecken zurückgelegt als mit anderen Fahrzeugen (16.600 km vs. 14.000 km).

 

Straßenverkehr Hauptemittent

 

So ist es eigentlich kein Wunder, dass die Verkehrsemissionen europaweit weiterhin steigen. In Deutschland ist der Verkehr der einzige Sektor, in dem die Emissionen seit 1990 nicht gesunken sind. In Österreich, das mit einem Straßennetz von 127.500 Kilometern (oder drei Erdumrundungen am Äquator) ausgestattet ist, war der Sektor Verkehr im Jahr 2018 sogar für rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich, der Energieverbrauch des Verkehrs stieg zwischen 2000 und 2018 um enorme 37 Prozent (EU: 7,7 Prozent).

 

SUV-Restriktionen

 

Auch wenn die meisten Politiker, Wirtschaftslobbyisten und SUV-Protagonisten den Klimaschutz anscheinend auf die leichte Schulter nehmen, die Klima-Uhr hat die „5 Minuten vor 12“ bereits überschritten. Und es liegen für alle Themengebiete wissenschaftlich begründete Expertisen auf dem Tisch. In Sachen „SUV-Restriktion“ reichen die Vorschläge von höheren Parkgebühren für SUVs, der kompletten Verbannung klimaschädlicher Fahrzeuge aus den Innenstädten, einem Verbot der Zulassung als Dienstwagen bis hin zu höherer Besteuerung und einer radikalen Produktions-Einstellung von SUVs. Dass zumindest bei letzterer Initiative die Autoindustrie bereits ihre Lobbyisten aufwärmen lässt, steht wohl außer Frage…

Across the River: 700km-Wollfaden-Installation von Chiharu Shiota in der Kunstmeile Krems

Zeitgenössische Kunst soll im Mittelpunkt der Landesgalerie Niederösterreich in Krems stehen. In einem Monumentalgebäude des Architekten-Brüderpaares Marte Marte nahe der Donau, das weltweit für Anerkennung sorgt. So werden die Besucher derzeit verführt zu einem progressiven „Rendezvous mit der Sammlung“ aus der Ära von 1960 bis heute, einem bunten, abwechslungsreichen und stilvariablen Parcours auf 3 Stockwerken mit hochkarätigen Vertretern wie Nitsch, Kowanz, Gelitin oder Deborah Sengl. Als besonderes Highlight winkt im Erdgeschoß der Landesgalerie eine sensationelle Installation der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota, die ihre speziellen Fertigkeiten kongenial mit der Lage der Landesgalerie an der Donau verbindet.

 

„Across the River“ nennt sich das Konstrukt, das aus ca. 700 Kilometern (!) Wolle und damit verwobenen Booten (Zillen mit Namen wie „FF Palt“ und „Poldi Fitzka“, dem Restaurant der Galerie) besteht. Die Installation wurde innerhalb von zwei Wochen von Assistenten Shiotas und Mitarbeitern der Landesgalerie nach genauen Skizzen der Künstlerin errichtet. Inmitten des Netz-Konglomerates wurden historische Landkarten des Donauraumes platziert. „Der Titel der Ausstellung bezieht sich sowohl darauf, den Fluß zu überqueren als auch ihm zu folgen. Die Donau fließt durch 14 Länder und ist ein starkes Symbol dafür, wie wir miteinander verbunden sind, bei allen kulturellen Unterschieden“, so Shiota in einem Gespräch mit dem Kurator Günther Oberhollenzer.

 

Die 1972 in der Präfektur Osaka geborene Künstlerin studierte zuerst Malerei in Kyoto und zog 1996 nach Berlin nahe dem Szeneviertel Prenzlauer Berg. Nach einigen Semestern in Hamburg und Braunschweig schloss sie 2003 ihr Studium auf der Universität der Künste Berlin ab, sie war u.a. Schülerin von Marina Abramovic und Rebecca Horn.

 

Ihren internationalen Durchbruch feierte sie bei der Biennale 2015 mit der Installation „Der Schlüssel in der Hand“, bei der – wie in Krems – rote Wollfäden, Boote und zusätzlich Schlüssel (als Symbole für Erinnerungen) verwendet wurden. Ihr besonderes Markenzeichen sind Wollfäden (in verschiedensten Farben), die Kleider, verbrannte Klaviere (wie in der Ausstellung „The Soul Trembles“ in Tokio 2019), Türen oder Stühle umhüllen. In ihrem neuesten Werk „Silent Word“, zu sehen im Schauwerk Sindelfingen (bei Stuttgart), hat Shiota Buchstaben auf den Wollfäden platziert, die – nicht hörbar – die Gedanken und Emotionen der Menschen widerspiegeln sollen.

 

In Krems dagegen steht die Donau im Mittelpunkt, für Besucher unmittelbar sichtbar durch die großen Außenfenster und auf der offen zugänglichen Terrasse der Landesgalerie. Die Boote verkörpern für Shiota „Objekte der Ungewissheit“, „die sich nur nach vorne in das große Unbekannte bewegen können. So wie die „Welt, die im steten Wandel begriffen ist“. Spannende Thesen einer weltberühmten Künstlerin, die nicht nur zu einem kurzem Trip durch das „Wolle-Wonderland“ einladen, sondern auch zum nachhaltigen Nachdenken über den Sinn und Fortschritt des eigenen Lebens.

 

Chiharu Shiota: Across the River. 

 

11. Juni 2022 bis 19. Februar 2023

 

Landesgalerie Niederösterreich, Kunstmeile Krems

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Ortskerne und Böden in Not: Shopping Center innerhalb von 20 Jahren verdoppelt!

Krapfen und Donuts essen wohl die meisten gerne. Betrachtet man die beiden Süßwaren allerdings als Symbole für die Verbauung Österreichs, dann vergeht einem zumindest bei den Donuts der Appetit. Der WWF bezeichnet in seinem Bodenreport 2021 die Verbauung der Ortsränder als „Donut-Effekt“. Ein wirklich treffender Vergleich. Statt einer attraktiven Füllung in der Mitte (wie bei den Krapfen) „gleichen Ortschaften in Österreich zunehmend Donuts, außen ein Ring, in der Mitte ein großes Loch“.

 

Die Ortskerne sterben immer mehr aus: Wirtshäuser, Greissler und Vereinslokale schließen, größere Gastronomen und Unternehmer verlegen ihre Betriebe an den Stadtrand, die Straßen und Gassen im Zentrum sind menschenleer, die Kommunikation der Stadt- und Dorfbewohner untereinander geht verloren. Und damit auch die Lebensfreude und der Spirit.

 

244 Shopping Center

 

An der Peripherie dagegen boomen die Shopping Center. Laut dem aktuellen SC-Report gibt es in Österreich 244 Shopping Center mit über 8700 Shops. Die vermietbare Fläche beträgt rund 4,2 Millionen (!) m2, davon 3,4 Millionen für den Handel. Im Europavergleich liegt Österreich mit 1,6 Quadratmeter Einkaufsfläche pro Kopf im europäischen Spitzenfeld, seit dem Jahr 2000 haben sich die Shopping Malls, Fachmärkte und Outlet Center mehr als verdoppelt. Der Hauptgrund für die weiterhin steigende Zersiedelung und Bodenversiegelung Österreichs. 

 

Ein Ende dieser Tendenz ist trotz der immens negativen Auswirkungen auf das Klima, die Tier- und Pflanzenwelt und das Ortsleben nicht abzusehen. Obwohl im aktuellen türkis-grünen (!) Regierungsprogramm ein Zielwert von 9 km2 Bodenverbrauch jährlich festgelegt wurde, betrug alleine der Wert für Betriebsflächen im Jahr 2021 11 km2. 

 

Ein Drittel CO2-Emissionen durch den Verkehr

 

Damit in Verbindung stehen die weiterhin hohen Werte für den Straßenbau (2021: 4,4 km2). Shopping Center an der Peripherie werden großteils mit Privat-Autos angesteuert, die für die Umwelt horrible Kettenreaktion bleibt nicht aus. So war der Sektor Verkehr laut dem Klimaschutzbericht 2020 für rund ein Drittel (!) der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, der Straßenverkehr hatte 2019 mit 2,65 Tonnen CO2 die zweithöchsten Pro-Kopf -Emissionen der EU. 

 

Die wissenschaftlichen Fakten liegen auf der Hand, ebenso ein Konglomerat an Lösungsvorschlägen. Wer nicht reagiert, sondern sich von den Wirtschaftskonzernen und den einschlägigen Interessensvertretungen leiten lässt und falsche Prioritäten setzt, das sind die zuständigen Politiker auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene. 

 

Umweltverträglichkeitsprüfung

 

Klimaschützer fordern eine Herabsetzung der Schwellenwerte für die Notwendigkeit einer Umweltverträglichkeitsprüfung. Während in Deutschland eine UVP für Einkaufszentren ab 0,5 Hektar verpflichtend ist, in der Schweiz ab 0,75 Hektar, liegt der Schwellenwert in Österreich aktuell bei 10 (!) Hektar bzw. bei 1000 PKW-Parkplätzen. 

 

Über 40.000 Hektar Leerstand

 

Laut Schätzungen des Umweltbundesamtes verfügt Österreich über mindestens 40.000 Hektar Leerstand und Industriebrache. Dies entspricht der Fläche von Wien (414,6 km2). Anstatt eine bundesweite Leerstands-Datenbank einzurichten und diese Areale zu nützen wird neuer Boden versiegelt. Laut den Raumordnungsberichten wird obendrein ein Viertel des gewidmeten Baulandes nicht entsprechend der Widmung genutzt.

 

Interkommunaler Finanzausgleich

 

Viele Gemeinden freuen sich über die Errichtung von Shopping Centern auf ihrem Hoheitsgebiet, da die Kommunalsteuer direkt in das Gemeindebudget fließt und durchschnittlich ca. 11 Prozent des Gemeindebudgets ausmacht. Die Leidtragenden sind die Nachbargemeinden, deren Ortskerne aussterben und die von zusätzlichem PKW- und LKW-Verkehr geplagt werden. Eine alternative Lösung wäre laut WWF die Verpflichtung zu einem interkommunalen Finanzausgleich, im Rahmen dessen Gemeinden Standortentscheidungen gemeinsam verhandeln und die Einnahmen aus der Kommunalsteuer teilen.

 

Back to the City

 

Und natürlich muss eine österreichweite „Back to the City“-Strategie entwickelt werden, um den Wildwuchs an Shopping Centern an der Peripherie zu beenden und die Menschen wieder in die Ortskerne zu locken. Mit regionalen Angeboten, wichtigen Versorgungsbetrieben (für Kinder, Schüler, Familien, Pensionisten,…), der Verbesserung des öffentlichen Verkehrs, spannenden Events, Erdgeschoßzonen, verdichtetem Bauen und einem attraktiven, konsumfreien öffentlichen Raum, der zu Fuß und mit dem Rad erreichbar ist. Die Verwendung eines Autos zwecks täglichen Einkaufs und Shoppings soll die Ausnahme und nicht die Regel sein…

Fashion, Art & Portraits: Helmut Newton-„Legacy“ im Kunstforum Wien

Mode-, Akt- und Porträtfotografie, das sind die drei Spezialdisziplinen des im Oktober 1920 in Berlin geborenen Fotografen Helmut Newton (eigentlich: Helmut Neustädter), dessen Fotos zwischen 19. Oktober 2022 und 15. Jänner 2023 im Rahmen einer Retrospektive im Kunstforum Wien gezeigt werden. Bei der Ausstellung „Legacy“ („Vermächtnis“) handelt es sich um eine Wanderausstellung aus der Helmut Newton Stiftung in Berlin, die dort anlässlich seines 100. Geburtstages präsentiert wurde. Newton selbst starb 2004 bei einem tödlichen Autounfall, kurz nach Einrichtung der Stiftung im ehemaligen Offizierskasino in der Jebensstraße.

 

Melbourne

 

Mehr als 250 Arbeiten Newtons wurden – unter Mithilfe des deutschen Hauptkurators Matthias Harder – in einem spannenden Parcours platziert, der alle Tätigkeitsdekaden des Fotografen umfasst, beginnend vom 1. Bild aus seiner kriegsbedingten Wahlheimat Melbourne bis zu Spätwerken aus Los Angeles und Monaco u.a. für den exzentrischen Modeschöpfer Thierry Mugler. In Melbourne hat Newton auch seine spätere Ehefrau, die Schauspielerin June Brunell, kennengelernt, die ihm zeit seines Lebens nicht von seiner Seite wich, nicht nur selbst porträtiert, sondern auch selbst als Fotografin (unter dem Pseudonym Alice Springs) tätig wurde. 

 

Paris

 

Zwischen 1961 und 1981 wohnten die beiden in Paris und St. Tropez, es entstehen die ersten lukrativen Fotoaufnahmen für Vogue, Elle und Queens. Mit dem damals so innovativen Stil Newtons, die Models nicht nur als „Kleiderträger“ abzulichten, sondern die Aufnahmen bis ins kleinste Detail zu inszenieren. Hitchcock-Filme, Bond-Klassiker, die durchgeknallten Swinging Sixties oder das römisches Dolce Vita (mit seinen Paparazzis an jeder Ecke) standen Pate für die cool-extravaganten Shots Newtons, eine Trennlinie zwischen Art und Fashion war längst nicht mehr erkennbar.

 

Zwei seiner berühmtesten Bilder haben die Kuratoren Harder und Evelyn Benesch zwischen den Säulen des Kunstforums positioniert, jene mit der androgynen Frau (Vibeke Knudsen), im Männeranzug solo bzw. im kühl-erotischen Clinch mit einer nackten Frau in der Pariser Rue Aubriot. Newton hat dort jahrelang gewohnt und hat diese Fotos 1975 für Yves Saint Laurent angefertigt. Es war gleichzeitig auch das Jahr seiner ersten Ausstellung in der Pariser Nikon Galerie.

 

Naked

 

„Nichts wurde retuschiert, nichts elektronisch verändert. Ich habe das fotografiert, was ich sah“, Helmut Newton über seine Arbeitsweise im Katalog zur Ausstellung „Work“ (die 2003 auch in der Kunsthalle Krems zu sehen war). Der Starfotograf arbeitete ohne Photoshop und ähnliche „Tricks. Dies gilt insbesondere auch für seine in den 80ern entstandenen Fotoserien „Dressed and Naked“ und „Big Nudes“, die im Kunstforum lebensgroß platziert wurden und – entgegen diverser feministischer Kritiker – die Stärke und Macht der abgelichteten Frauen widerspiegeln. 

 

Celebrities

 

1982 verlegten die Newtons ihren Wohnsitz nach Monaco bzw. im Winter nach Los Angeles. Im dortigen Hotel Chateau Marmomt entstanden zahlreiche Porträt-Fotos der Celebrities aus der Kino-, Musik- und Mode-Branche. Zu sehen sind die großartigen Aufnahmen in einem separaten Raum der Ausstellung, von Romy Schneider, Liz Taylor, Gianni Versace, Karl Lagerfeld, Nastassja Kinski, Marlon Brando, David Bowie, Nadja Auermann, Charlotte Rampling,…. – bis hin zum Meister selbst. Fotografiert von seiner Frau June im Jahr 1958 in Melbourne, in der Hand das „Werkzeug“, das sein Leben bis zum Ende prägte, die Kamera…

 

DVD:  Helmut Newton: The Bad and the Beautiful (2020, Doku).

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Mick Hucknall in Bestform: „Greatest Hits“-Party von Simply Red in der Wiener Stadthalle…

„Red and the Dancing Dead“ und „Just Red“ waren die ersten Band-Namen, bis Leadsänger Mick Hucknall deren spätere lebenslange Trademark auf „Simply Red“ änderte. Der Name basiert nicht nur auf der auffälligen Haarfarbe Hucknalls, sondern auch auf den T-Shirt-Farben seiner Lieblingsfußballmannschaft, Manchester United, „The Reds“. Wir schreiben das Jahr 1985: Hucknall hat gerade seine Punk (!)-Band The Frantic Elevators verlassen und veröffentlicht mit „Simply Red“ das Debüt-Album „Picture Book“, das in den Charts einschlägt wie eine Rakete. Mit Soul-Covers wie „Money´s too tight to mention“ oder der noch aus Punk-Zeiten stammenden Ballade „Holding back the years“, die sogar auf Platz der US-Charts stürmt.

 

37 Jahre später beehren Simply Red im Rahmen ihrer – coronabedingt – verschobenen „Blue Eyed Soul Tour“ die mit rund 12.000 Zuschauern fast ausverkaufte Wiener Stadthalle. Von der Originalformation sind nur mehr Mastermind Mick Hucknall und Saxophonist und Keyboarder Ian Kirkham (seit 1986) mit an Bord, Bassist Steve Levinson ist 1995, Gitarrist Kenji Suzuki 1998 in die Erfolgscombo eingestiegen. 

 

Wer sich einen romantischen Seniorenfloor mit Balladen erwartet hat, der lag auf jeden Fall falsch. „Friday Night, Party Night“, das war das Motto, das der mit bester Stimme und leidenschaftlichem Showesprit ausgestattete Sänger Mick Hucknall gleich von vornherein in den Raum stellte. 12 Alben haben Simply Red bis dato veröffentlicht, ca. rund 50 Millionen Alben verkauft. Die größten Hits standen allesamt auf der mitreißenden Setlist der britischen Band: „Holding back the years“, „A New Flame“, „Stars“, das house-lastige „Sunrise“ (mit dem 80er-Sample von Hall & Oates), „It´s only Love“ oder die Reggae-Kollaboration mit Sly & Robbie, „Night Nurse“, die Hucknall seinem verstorbenen Freund Robbie Shakespeare widmete. Beim 85er-Hit „Come to my Aid“ zeigten Simply Red auf den Videowalls ihre Affinität zur (intakten) Umwelt, zum Kampf gegen die Klimakrise und für eine sozial gerechtere Welt. 

 

Absolutes Party-Feeling dann im Schluss-Teil der Show: „Something got me started“ und der vom lateinamerikanischen Goodmen-„Give it up“-Sample-inspirierte Mega-Hit „Fairground“, die einzige UK-Nr. 1-Single der Band, stehen auf dem Programm. In der Stadthalle tanzen alle Generationen zwischen 20 und 80, vor allem die 90er sind derzeit auch bei den Teenagern wieder en vogue. Als Zugabe wartet noch ein neuer Titel, „Better with you“, den Hucknall gemeinsam mit dem Publikum intoniert, danach geht´s noch einmal zur Sache mit dem lässigen Disco-Funk-Stomper „Money´s too tight too mention“, bis Hucknall mit dem (nicht unkitschigen) Harold Melvin-Cover „If you don´t know me by now“ die Herzen rührt und die Handy-Lichter leuchten lässt. Great Show, until next time!!!

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10 Hektar Verbauung pro Tag: Österreich ist Europameister im Bodenverbrauch!

"Die Wüste lebt" by Oliver Ressler, MQ März 2022
"Die Wüste lebt" by Oliver Ressler, MQ März 2022

„Finale, Finale, Europacupfinale“. Das skandierten einst die Rapid-Fans vor dem legendären Europacup-Finale 1996 in Brüssel, das der Wiener Traditionsclub knapp 1:0 gegen Paris St. Germain verlor. Jenes Team, das heute einer katarischen Aktiengesellschaft (Qatar Sports Investments) gehört und die mit den WM-Stars Messi, Mbappe und Neymar gespickt ist. In einer anderen „Disziplin“ hat es Österreich laut WWF und EU-Umweltbüro allerdings auf den Olymp geschafft: Die Alpenrepublik ist Europameister im Bodenverbrauch und in der Bodenversiegelung. Eine traurige Bilanz.

 

10 Hektar Bodenverbrauch pro Tag

 

So wurden im Jahr 2021 in Österreich pro Tag (!) 10 Hektar zusätzlich an Fläche beansprucht, im Durchschnitt der letzten 3 Jahre sogar 11,3 Hektar. Von den 10 Hektar Bodenverbrauch gingen 5,8 Hektar durch Versiegelung dauerhaft verloren. Dies bedeutet, dass der Boden mit einer wasser- und luftundurchlässigen Schicht überzogen wurde, wodurch der Boden nicht mehr biologisch genutzt werden kann. Der Versiegelungsgrad stieg in diesem Jahr von knapp über 40 auf 58 Prozent. 

 

36 km2 Bodenverbrauch pro Jahr

 

Im gesamten Jahr 2021 wurden 36 km2 Boden verbraucht, im Schnitt der letzten drei Jahre 41 km2. Dies entspricht der Fläche von Eisenstadt. Die Werte der jährlichen Flächeninanspruchnahme sinken zwar langsam, allerdings bei weitem nicht im geplanten Ausmaß. Laut dem türkis-grünen Regierungsprogramm 2020-2024 soll bis 2030 der jährliche Zuwachs auf 2,5 Hektar pro Tag bzw. 9 km2 pro Jahr sinken. Werte, die aufgrund der aktuellen Entwicklungen und Tendenzen mehr als unrealistisch sind.

 

Bau- und Betriebsflächen sind 2021 die Hauptfaktoren für den Bodenverbrauch. 21 km2 werden – mit leichtem Rückgang zum Vorjahr (23 km2) - beansprucht durch Bauflächen, 11 km2 stagnierend durch Betriebsflächen. Verringert hat sich die Nutzung von Flächen für Erholung, Rohstoff-Abbau, Bahn und Straßen. 

 

127.500 Kilometer Straßennetz

 

Abgesehen von einer Umklassifizierung (Forststraßen, die nach Schätzungen mehr als die Fläche des Bodensees ausmachen, werden seit 2015 der Kategorie Wald zugeordnet) zählt das österreichische Straßennetz – mit 15 Metern Straße pro Kopf – zu den dichtesten Straßennetzen Europas. Das gesamte Konglomerat aus Autobahnen, Schnellstraßen, Bundes-, Land- und Gemeindestraßen umfasst laut Verkehrsministerium eine Gesamtstrecke von 127.500 Kilometern, dies entspricht mehr als drei Erdumrundungen am Äquator. Der Verkehr macht 36 Prozent des gesamten Bodenverbrauchs aus und ist gleichzeitig laut Klimaschutzbericht 2020 für rund ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Trotzdem werden weiterhin Straßenprojekte jeglicher Art österreichweit geplant.

 

Folgen der Bodenversiegelung

 

Welche gravierenden Folgen der steigende Bodenverbrauch für die Menschen, die Tiere, Pflanzen, für unseren gesamten Lebensraum hat, schildert der aktuelle Bodenreport des World Wildlife Fund. So stehen bereits jetzt ein Drittel der heimischen Tier- und Pflanzenarten auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, die immer weiter steigende Verbauung und die Zerschneidung durch Straßen führt zu einer Verhinderung deren Vermehrung. Laut einer Studie der Boku Wien gelten bereits 60 Prozent der heimischen Fischarten als gefährdet, einer der Hauptfaktoren die starke Verbauung der Flüsse durch Infrastruktur für Wasserkraftwerke und technischen Hochwasserschutz. Letzterer muss deshalb errichtet werden, weil weiterhin Häuser und Gewerbegebiete in Flussnähe errichtet werden.

 

Versiegelte Flächen verstärken weiters die Auswirkungen von Hochwasser, weil das Wasser nicht ausreichend versickern kann und daher oberirdisch abrinnt. Außerdem geht durch die Versiegelung die Funktion des Bodens als „Klimaanlage“ verloren. Statt einer Abkühlung der Luft durch die Wasserverdunstung entstehen vor allem in den Städten „Hitzeinseln“ mit Temperaturen bis über 60 Grad. 

 

Wer den letzten Sommer nicht nur für einen Sprung ins auch immer wärmere Meerwasser genützt hat, sondern auch für Städtetrips nach Madrid, Lissabon oder Rom, der kann darüber ein Lied singen. Und schimpft nicht über die Klimaaktivisten der „Last Generation“, sondern protestiert gegen die für die Klimakrise verantwortlichen Politiker, Wirtschaftslobbies und Industriekonzerne…

Donald Made in Austria! By Character Designer Florian Satzinger im Karikaturmuseum Krems!

Im Karikaturmuseum Krems stand bereits 2007 alles im Zeichen von Donald Duck. „Und die Ente ist Mensch geworden“ lautete der Untertitel der von Künstler Gottfried Helnwein kuratieren Ausstellung zu Ehren des Duck- und Entenhausen-Schöpfers Carl Barks. 

 

15 Jahre später ist die am 9. Juni 1934 erstmals in einem Zeiehentrickfilm erschienene Ente wieder Protagonist einer Ausstellung, auf dem Teaser-Bild sieht man den notorischen Pechvogel Donald Duck mit einem Hausboot auf dem Kopf. Und das hat tatsächlich Sinn. Denn in jenem ersten Film, „The Wise little Hen“, lebt Donald – als Nebenfigur – auf einem Hausboot, daher auch der später charakteristische Matrosenanzug. 

 

Die Idee für diese Adaption stammt vom österreichischen Zeichner Florian Satzinger, der mit seinen Kreationen im Mittelpunkt der Ausstellung „Donald Made in Austria“ steht. Der in Graz geborene Satzinger wurde bereits in seiner Jugend inspiriert von den Walt Disney-Filmen (wie „Bernard und Bianca“ und „101 Dalmatiner“), studierte Malerei an der Middlesex University London und danach Zeichentrick am Vancouver Institute of Media Arts. Er war Schüler des legendären Sir Ken Southworth (1918-2007), der u.a. für „Alice im Wunderland“, „Die Schlümpfe“ und „Tom & Jerry“ Animationen entwarf.

 

Satzinger selbst arbeitete nach seiner Ausbildung u.a. für Warner Bros und Walt Disney, Phantomias-Donald Duck-Comics waren hier bereits inkludiert. „Es wird geplant und recherchiert. Es werden Layouts gemacht. Perspektivisches Zeichen und Verstehen begleitet und durchdringt alles“, so der Künstler über seinen Job als „Character Designer“.  Die auf der ersten Ebene des Karikaturmuseums platzierte Ausstellung zeigt über 200 Originale des Grazers und erklärt detailliert die Arbeitsweise Satzingers, von noch auf Papier vorgefertigten Skizzen bis hin zu Computeranimationen bis hin zur kolorierten Endfassung. Neben Donald Duck zählt übrigens der aus der belgischen Comic-Hochburg stammende Hotelpage Spirou zu seinen besonderen Stileinflüssen. 

 

Dass Comicfiguren Stereotypen und Klischees unterliegen, zeigt die Diversitäts-Expertin Maryam Laura Moazedi in einer integrierten Sonderausstellung („Exkurs #9“). In „Samples of Shame“ visualisiert Satzinger die wissenschaftlichen Erkenntnisse Moazedis anhand afrikanischer und asiatischer Duck-Variationen. So wird der schwarze Mann („Mandingo“) als großer, starker und hypersexueller Wilder abqualifiziert, der die weiße Frau begehrt. „Blickt kritisch auf eure Entwürfe und schafft so neue Bilder“, eine Aufforderung Moazedis an die kreative Szene.

 

Ein Paradies ist der Comic-Parcour im Karikaturmuseum Krems auch für Kinder, die nicht nur herzhaft lachen über Donald Duck, Tick, Trick und Track und Mickey Mouse, sondern auch beeindruckt sind von Satzingers schrägen Kreationen wie einem dunkelgrauen Drachen mit einer Ente im Maul oder einer per Kanone in eine (vom deutschen Biedermeier-Maler Carl Spitzweg inspirierte) Bibliothekswand geschossene Ente („Duckland“). Vor großformatigen Zeichnungen, dem im Main Room platzierten „Fat Car“ und einer Donald Duck-Figur posieren die Kinder bereits wie professionelle Influencer oder schießen selbst Fotos. Trotz Paw Patrol, Peppa Wutz, Eiskönigin Elsa & Co. – Donald Duck hat 2022 noch immer Saison, und das garantiert noch viele weitere Dekaden…

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Höchster Quartals-Mieten-Anstieg ever: Her mit einer gesetzlichen Mietzins-Bremse!

Eine neue Erhebung der Statistik Austria spricht Klartext, was die betroffenen Bürger bereits seit Monaten in der Geldbörse spüren, die abgehobenen Politiker mit ihren fünfstelligen Monatsgehältern aber anscheinend noch immer nicht realisiert haben. Nicht nur die Energiekosten und die Lebensmittelpreise gehen durch die Decke, sondern auch die Wohnkosten.

 

Die durchschnittliche Miete (inkl. Betriebskosten) lag im 3. Quartal 2022 bei monatlich 8,8 Euro pro Quadratmeter und war damit 3,1 % höher als im 2. Quartal. Dies ist der höchste (!) Anstieg von einem Quartal auf das nächste seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2004. Im Vergleich zum Vorjahr, also dem 3. Quartal 2021, stieg die Miete um gleich 7 Prozent.

 

Richtwertmietzins

 

Die enormen Mieterhöhungen ziehen sich in unterschiedlicher Ausprägung durch alle Mietformen. Ca. 399.200 Haushalte unterliegen in Österreich dem Richtwertmietzins, darunter auch die Wiener Gemeindewohnungen. Das sind laut MRG Wohnungen, die vor 1953 errichtet wurden und für die nach dem 28. Februar 1994 ein Mietvertrag abgeschlossen wurde. Dieser Richtwert (der inklusive Zu- und Abschlägen zum tatsächlichen Mietzins führt), wird aufgrund gesetzlicher Vorschriften alle 2 Jahre angepasst, der Bundesgesetzgeber kann dies aber jederzeit ändern. 

 

So wurde 2021 aufgrund der Corona-Krise die Indexierung ausgesetzt, 2022 dagegen wurde durch eine Verordnung der grünen Justizministerin Zadic der Richtwert für alle 9 Bundesländer erhöht. Die Folge: Die Miete erhöhte sich laut Statistik Austria um 4,2 % gegenüber dem Vorquartal und um 5,7 % gegenüber dem Vorjahr. Die nächste Erhöhung droht bereits im April 2023, mit einer prognostizierten Erhöhung von 8,5 Prozent.

 

Die Vermieter sind allerdings nicht verpflichtet, diesen Richtwert (der eine Mietzinsobergrenze darstellt) auszuschöpfen. Dies hat das Justizministerium ausdrücklich klargestellt. Im Gegensatz zu Graz und Traiskirchen (die keine Mietzinsindexierungen vorgenommen haben) haben das Rote Wien und Linz die Mieten der Gemeindebaubewohner sofort nach Inkraftreten der Verordnung erhöht. Die Ausrede, dass man dieses Geld für Erhaltungsarbeiten brauche, geht ins Leere, da diese Kosten in den letzten Jahren bei weitem nicht so stark gestiegen sind wie die Mieten.

 

Kategoriemieten

 

Noch schlimmer erwischte es 2022 die Wohnungen, die dem Kategoriemietzins unterliegen. Das sind vorwiegend Altbauwohnungen, bei denen der Mietvertrag zwischen 1982 und 1994 abgeschlossen wurde. Hier erfolgt automatisch eine Erhöhung der Miete, wenn der Verbraucherpreisindex um mehr als 5 Prozent steigt. Insgesamt dreimal war dies 2022 der Fall, die Mieten stiegen damit in einem (!) Jahr um 17,5 Prozent.

 

Privater Sektor

 

Private Hauptmieten, bei denen aufgrund vertraglicher Wertsicherungsklauseln der Mietzins erhöht wird, stiegen im Vergleich zum Vorquartal um 3,4 % bzw. um 8 % gegenüber dem Vorjahr. Die durchschnittliche Miete beträgt hier bereits 10,3 Euro pro Quadratmeter. Laut Statistik Austria stiegen die Mietpreise im privaten Sektor seit 2010 um 50 Prozent, in Wien sogar um 61 Prozent. Dafür verantwortlich ist nicht nur die hohe Nachfrage nach Wohnungen in den Städten, sondern auch die grassierende Spekulation der Eigentümer und die immer größer werdende Anzahl von befristeten Mietverträgen, die vor allem junge Familien und Migranten finanziell und psychisch belasten.

 

Reaktionen im Ausland

 

Während die Energiekosten eine „importierte Inflation“ darstellen, gäbe es seitens der horrenden Wohnkosten verschiedenste Handlungsalternativen für die Politik. In Schottland wurden die Mieterhöhungen vorläufig ausgesetzt, in Spanien und Portugal wurde die jährliche Mieterhöhung mit zwei Prozent gedeckelt, in Frankreich mit maximal 3,5 Prozent. 

 

Gesetzliche Mietzinsbremse

 

Jeder fünfte Haushalt kann sich die Fixkosten nicht mehr leisten, „Essen oder Heizen?“ lautet die bittere Realität bei den ärmsten Familien. Im viertreichsten Land der EU sind 1,3 Millionen Bürger armutsgefährdet, davon rund 400.000 Kinder. Es ist Gefahr im Verzug. Das Parlament muss sofort seinen Winterurlaub beenden und für die nächsten Jahre eine gesetzliche Mietzinsbremse einführen. Sonst wird es in Österreich kalt und immer kälter…

Pretty Reckless im Gasometer: Ex-„Gossip Girl“ Taylor Momsen rockt Vienna!

Der US-Serienhit „Gossip Girl“ war der erste Karriere-Höhepunkt der 1993 in St. Louis geborenen Taylor Momsen. Sie spielte dabei als Teenagerin die aus vergleichsweise ärmlichen Verhältnissen stammende Jenny Humphreys, die bald Teil einer schicken, elitären Clique an der Upper East Side New Yorks wird. Diese Zeiten sind längst vorbei. „Gossip Girl war ein Job, die Musik ist mein Leben“, so Momsen, die noch während der Dreharbeiten 2009 gemeinsam mit Ben Philips (Gitarre), Mark Damon (Bass) und Jamie Perkins (Drums) die Rock-Band „The Pretty Reckless“ gründete.

 

Bereits die erste Single „Make me wanna die“ startete voll durch und landete auf Platz 16 der UK-Charts, das kurz danach erschienene Debüt-Album „Light me up“ konnte sich in allen internationalen Charts platzieren. Nach einem kurzfristig abgesagten Auftritt beim Nova Rock-Festival rockten The Pretty Reckless am 13. November im Rahmen ihrer „Death by Rock´n Roll“-Tour das Wiener Gasometer. Ein durchaus ambivalenter Titel der Tour und des gleichnamigen 4. Albums. Momsen & Co. waren Support-Act für die Band Soundgarden beim letzten Auftritt von Sänger Chris Cornell kurz vor seinem Selbstmord. Zum selben Zeitpunkt verunglückte auch der Pretty Reckless-Produzent Kato Khandwala bei einem Motorradunfall tödlich, Momsen verfiel in tiefe Depressionen, nahm Drogen ohne Rücksicht auf Verluste, schaffte aber den Absprung: „I think I hit a point where I had to make a conscious decision of death or move forward, and I just chose to move forward.“

 

Auf der Bühne des fast ausverkauften Wiener Gasometers erscheint sie als weiß beleuchtete Lichtgestalt, mit schwarzer Lederjacke (die nach dem Opener „Death by Rock´n Roll“ fällt), kurzem Kleid und coolen schwarzen Boots. „Rock´n Roll will never die“, um Maneskin zu zitieren. Musikalische Vorbilder von Momsen sind die Beatles, Oasis, Nirvana und die Rock-Röhre der 80er, Joan Jett („I love Rock´n Roll“). Auf der Setlist stehen Tracks aus allen vier Alben, darunter das mit Soundgarden-Produzent Matt Cameron aufgenommene „Only Love can save me now“, die Party-Hymne „My Medicine“ (die Momsen mit den Worten „Do you have a good time“ anheizt)“, das bombastische „Going to Hell“ und natürlich der erste Hit „Make me wanna die“. Nach „Take me down“ aus dem 3. Album „Who you selling for“ verlassen Pretty Reckless die Bühne, bis zur leider einzigen Zugabe „Fucked Up World“ mit kapitalismuskritischen Zeilen wie „No mountain made of money can buy you a soul“.

 

Das Repertoire von Pretty Reckless inkl. des gerade veröffentlichten Alternative Versions- und Cover-Albums „Other Worlds“ hätte noch für zahlreiche Encores gereicht. Vor allem die melancholisch angehauchten Tracks „Got so High“ und „25“ („At 25, all hope has died. And the glass of my intentions turns to sand. And shatters in my hand.“) fehlten im Programm. Die Rock-Freaks und vielen weiblichen Fans waren trotzdem begeistert vom Auftritt der sexy Frontfrau Taylor Momsen und ihrer ausgezeichneten Band. Und das zu Recht…

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Jean Michel Basquiat: Aufstieg und Fall des 80er-Art-Superstars in der Albertina!

„Wenn man sich die Gemälde Basquiats laut vorliest, die Wiederholung, den Rhythmus, dann kann man Jean-Michel denken hören“, Hip Hop-Pionier Fab 5 Freddy über die meist mit Sprache und Schrift  „geschmückten“ Kunstwerke seines Freundes, der – ähnlich wie die Rapper aus der New Yorker Bronx – bereits vorhandene Worte, Zeichen und Piktogramme verwendete und daraus neue Konstrukte bastelte. Egal, ob man das jetzt „Copy and Paste“ oder „Remixing“ nennt…

 

Die Wiener Albertina präsentiert in ihrem Herbstprogramm eine Retrospektive Basquiats, die seit der Eröffnung am 9. September 2022 regelrecht gestürmt wird, insbesondere von sehr viel jungen Kultur-Freaks. Kein Wunder, blickt man auf die schillernde Lebensgeschichte des ersten afroamerikanischen Künstler-Stars der 80er. Basquiat zählt – wie Kurt Cobain, Amy Winehouse oder Jim Morrison – zum „Club 27“, der 1960 in New York geborene Sohn eines Haitianers und einer Puerto Ricanerin – starb nach einer sensationellen Karriere in den wilden 80ern - mit einem Gesamtwerk von rund 1000 Gemälden und 2000 Zeichnungen – am 12. August 1988 an einer Überdosis Heroin. Kurz, bevor er mit seinem Freund Ouattara Watts Richtung Elfenbeinküste geflogen wäre, um dort clean zu werden. 

 

Aufstieg

 

Basquiat wuchs in einer gesellschaftlich diffizilen Zeit auf. In New York grassierte die Kriminalität, er selbst haute mit 17 – trotz adäquater Schulbildung – von zu Hause ab, war jahrelang obdachlos und fabrizierte gemeinsam mit seinem Schulfreund Al Diaz – unter dem Pseudonym „SAMO“ (= Same Old Shit) - Graffitis im Galerienviertel Soho. Er hatte bereits damals das Ziel, einer der größten Künstler Amerikas zu werden und bewegte sich im richtigen Umfeld, im schrillen New Yorker Underground wie dem Mudd Club, dem CBGB (wo er – als Klarinetten- und Synthesizer-Musiker - mit seiner Noise-Band Gray auftrat) oder der „TV-Party“-Punk-Rock-Show (die vom Warhol-Intimus Glenn O´Brien moderiert wurde). Basquiat agierte im Blondie-Kult-Video „Rapture“ als DJ, das den Hip Hop-Sound der Bronx in den Mainstream pushte, Sängerin Deborah Harry war – laut seiner damaligen Freund Suzanne Mallouk – die erste, die ihm ein Bild um 200 Dollar abkaufte. 

 

Ruhm

 

Ein Jahr später waren seine Bilder 20.000 Dollar wert, sein Face erschien auf dem Cover der New York Times („New Art, New Money“), und mit 21 war er bis heute der jüngste Teilnehmer der arrivierten documenta. Obwohl jetzt Millionär, haben sich allerdings seine Wertvorstellungen und seine Ansichten nicht verändert. Wie im Werk „Pedestrian“ sieht sich Basquiat weiterhin als schwarzer Außenseiter, der inmitten der Wohnblöcke New Yorks einsam durch die Straßen streift. 

 

Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt

 

Rassendiskriminierung, Polizeigewalt, der Kolonialismus, die Konsumgesellschaft, das sind die Themen, die Basquiat mit seinen progressiven Kunstwerken anspricht. In einer Zeit der „Null Toleranz“-Politik in New York, als kleinste Vergehen der People of Color streng bestraft wurden und sein Freund Michael Stewart nach einem brutalen Polizeieinsatz wegen Sprayens (!) in der Subway 13 Tage danach an seinen Verletzungen starb. „It could have been me“, so Basquiats Statement, ein grelles Comic-Bild mit Polizist, einem Verletzten mit Beule und den Schriftzügen „Blam Boom Bang. Wo bin ich“, seine künstlerische Anklage gegen den Rassismus der Staatsgewalt.

 

New York City Boy

 

Im „hypermanischen“ Zustand habe Basquiat seine Bilder gemacht, so seine erste Freundin und spätere Psychiaterin Mallouk, nächtelang wach, bis zu 20 Werke gleichzeitig und teilweise unter dem Einfluss von Kokain und Heroin. Das hat seiner Popularität nicht geschadet, in einer Zeit, in der alle in der New Yorker Szene Drogen nahmen. Madonna nutzte Ende 1982 – kurz vor ihrem explosiven Aufstieg mit „Holiday“ – den Einfluss Basquiats und war mit ihm kurz liiert, Pop Art-Ikone Andy Warhol konzipierte gemeinsam mit dem neuen Shooting Star Basquiat und Francesco Clemente rund 150 „Collaborations“, die aber von den Kritikern zerrissen wurden. 

 

Riding on Death

 

Warhol, von dem sich Basquiat nach dem Misserfolg distanziert hatte, starb 1987 überraschend nach einer Routine-Operation, die Aids-Pandemie erfasste die Pop-, Kultur- und Club-Szene in New York. Basquiat fiel in ein tiefes Loch, wurde zusehends depressiver und schwer heroinabhängig. Seine letzten Zeichnungen enthielten Phrasen wie „Man Dies“ oder Titel wie „Riding on Death“, als ob er seinen Tod vorherahnte. 

 

Basquiat ist in New York als Obdachloser gestartet, hat – zumindest oberflächlich – ein Leben auf der Überholspur gelebt und hat binnen weniger Jahre den Künstlerolymp erreicht. Mit einer Krone als Trademark. 2017 wurde ein Werk Basquiats zum Rekordpreis von 99,4 Millionen Euro versteigert. In Wien drängen sich die Menschenmassen, um seine Gemälde gegen aktuell noch immer herrschende Missstände zu betrachten. Man blickt vor dem Verlassen des Untergeschoßes der Albertina Richtung Treppe auf ein übergroßes freundliches Gesicht eines Afro-Amerikaners, der seit 34 Jahren auf dem Brooklyner Friedhof liegt. Und man wird irgendwie traurig und nachdenklich. Und sicher nicht zum letzten Mal, wenn ein junger Künstler sich viel zu früh von der Bühne des Lebens verabschiedet...

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Geringere Menge, gleicher Preis: Shrinkflation-„Tricks“ in den Supermärkten!

11 Goldbären weniger in der Packung von Haribo, die nur mehr 175 g (statt bisher 200 g) enthält. Nur mehr 11 statt 12 Würstchen in der Knabbernossi-Family-Pack oder die Packung Rama Original, die nur mehr 450 statt 500 Gramm wiegt. Das sind nur einige der vielen Beispiele für Shrinkflation, die in den letzten Wochen vom Verein für Konsumenteninformation, der Organisation „Foodwatch“ oder von der Arbeiterkammer publik gemacht worden sind.

 

„Shrinkflation“ – Ein Begriff, der sich aus dem englischen Wort Shrink (= schrumpfen) und dem Wirtschaftsvokabel Inflation zusammensetzt. Man versteht darunter eine Verkleinerung der Portionen bzw. der Füllmenge, um die Inflation zu verbergen. Oder mit anderen Worten: Man bezahlt für eine kleinere Menge denselben Preis oder manchmal sogar noch mehr als vor dem Ansteigen der Inflationsrate. Ein fast hinterlistiger Trick zu Lasten der Konsumenten, der - bei unterlassener Vorsicht – kräftig die Geldbörsen belasten kann.

 

Grundpreis

 

Tatsächlich feststellen kann man die Preissteigerungen nur durch einen Vergleich der Grundpreise, von denen viele Bürger vermutlich noch gar nicht gehört haben und die am Regal zwar verpflichtend, aber kaum sichtbar positioniert werden. Der Grundpreis sagt aus, wie viel ein Produkt bezogen auf eine bestimmte Menge (pro kg) oder ein bestimmtes Volumen (pro Liter) kostet. Die Anzahl der Kunden, die in den aktuellen stressigen und psychisch belasteten Zeiten die Grundpreise vergleichen, kann man vermutlich an einer Hand abzählen. 

 

Irreführende Geschäftspraktiken

 

Laut der VKI-Expertin Teresa Bauer sind irreführende Geschäftspraktiken gemäß dem BG gegen den unlauteren Wettbewerb strafbar. Voraussetzung dafür ist aber eine Täuschung des Konsumenten durch derartige Methoden, ohne die er die Kaufentscheidung nicht getroffen hätte. Es handelt sich dabei aber laut Bauer immer um gerichtliche Einzelfallentscheidungen.

 

SPÖ-Entschließungsantrag im Nationalrat

 

Es besteht daher Handlungsbedarf auf anderen Ebenen. Die SPÖ hat – in Übereinstimmung mit den Vorschlägen der Arbeiterkammer – einen Entschließungsantrag im Nationalrat eingebracht und fordert eine deutliche Sichtbarkeit und Lesbarkeit des Grundpreises und eine gesetzliche Regelung in Bezug auf Mogelpackungen (inklusive einer Festsetzung des Verhältnisses von Füllmenge und Luftanteil wie in Deutschland).

 

Genauso wie bei werbestrategischen Aufklebern (wie beispielsweise „20 Prozent mehr Inhalt“) sollen die Erzeuger weiters verpflichtet werden, die Änderung der Füllmenge auf der Produktverpackung anzugeben. Ob diese für den Konsumenten begrüßenswerte Initiative tatsächlich im Parlament umgesetzt wird, steht in den Sternen. Bis dahin „Augen auf“ bei der Shopping-Tour im Supermarkt: Denn „Kauf ist Kauf“…

Buch Wien 2022: Lange Nacht der Bücher mit Resetarits, Häupl, Holofernes & Rubey

Fünf Tage lang wurde Wien wieder zum Mekka der Literaturfans. Mehr als 470 Aussteller aus 28 Ländern und mehr als 400 Events standen am Programm der Buch Wien in den Messehallen. Gestartet wurde bereits am Mittwoch Abend mit einer Langen Nacht der Bücher, im Rahmen derer Kabarettist und Satiriker Florian Scheuba hochkarätige Gesprächspartner auf der ORF-Bühne interviewte.

 

Lukas Resetarits: Krowod

 

Lukas Resetarits präsentierte gemeinsam mit dem Autor Fritz Schindlecker das Buch „Krowod – Erinnerungen an meine Jugend“, das das turbulente Leben des späteren Kottan-TV- und Kabarettstars bis zum 30. Lebensjahr skizziert. Von mit Tricks bestandenen Prüfungen an der Uni, der Herumgammlerei in München, einer wegen einer Autopanne gescheiterten Karriere als schwedischer Pop-Star bis hin zu Schmankerl seiner Berufstätigkeit als Traffic Officer am Wiener Flughafen. In seinem aktuellen Programm steht die Tagespolitik aufgrund deren „katastrophaler Entwicklung“ nicht mehr im Mittelpunkt. Beim Talk mit Scheuba bekommt aber vor allem die SPÖ vom links angehauchten Künstler ihr Fett ab. Das Heil der Sozialdemokratie sehe er weder in Wien noch im Burgenland, die Roten würden bereits seit Jahren damit scheitern, den Stanglpass zu verwerten (wie man im Fußball so sagt).

 

Michael Häupl: Freundschaft

 

Einer, der das vielleicht besser beherrschen würde, schreitet gleich nach Resetarits auf die Bühne, der ehemalige Wiener Bürgermeister Michael Häupl, der seine Autographie „Freundschaft“ vorstellt. „Wenn es in einer Partei keine Diskussionen gibt, sind wir tot“, so sein Credo. Das Vorgehen Doskozils bezeichnet er allerdings als „illoyal“. Der stets vehemente Kritiker der FPÖ kommentiert mit scharfer Zunge den intellektuellen Abstieg der Blauen. „Mit Jörg Haider konnte man wenigstens streiten“. Dazu ein – einst vermutlich im Landtag tatsächlich gefallenes – Zitat an HC Strache: „Sie wollen sich geistig mit mir duellieren, sind aber unbewaffnet.“ 

 

Häupl erinnert auch die düsteren Wiener Zeiten Ende der 60er, „zu denen um 10 Uhr die Gehsteige aufgeklappt worden sind“ und das Ökista-Gschnas die wildeste Party war. Nach der Arena-Besetzung (1976) entstand dann eine „Luft voll Politik“ in der Bundeshauptstadt. Der Humor soll aber nie verloren gehen, „Wer Umwelt schützt, muss fröhlich sein“, seine Replik auf die aktuellen Klimaschutz-Aktionen.

 

Judith Holofernes: Die Träume anderer Leute

 

„Guten Tag, guten Tag, ich will mein Leben zurück. Guten Tag, ich gebe zu, ich war am Anfang entzückt. Aber euer Leben zwickt und drückt nur dann nicht, wenn man sich bückt.“ – Diese genialen Wortkreationen stammten von Judith Holofernes, der Sängerin und Texterin der Hamburger Band „Wir sind Helden“. Und sie liefen 2003 auf Dauer-Airplay im österreichischen Indie-Sender FM4, der damit mitverantwortlich war, dass bei den Konzerten im Münchner Raum die Fans in den ausverkauften Locations bereits textsicher mitsangen. 

 

Seit April 2012 pausiert die Band, Sängerin Judith Holofernes schrieb jetzt über die Zeit vor, während und nach der Band ein autobiographisches Buch, „Die Träume anderer Leute“. Es geht um Promotion bis zum Umfallen, ein Familienleben mit 2 Kindern inmitten von Tour und Plattenaufnahmen, Gefallsucht, pathologische Freundlichkeit und ein dunkles Loch, in das die Sängerin nach dem Ende der Band gefallen ist. Erfolg steht in der Hierarchie nicht mehr oben, sie freue sich mehr auf das gemütliche Sofa, so Holofernes (die auch mit gesundheitlichen Problemen wie einer viralen Hirnhautentzündung zu kämpfen hatte) beim Buch Wien-Gespräch mit Florian Scheuba, Musik, Podcast und Blog finanziert sich Holofernes mit dem US-Social Payment Service Patreon, bei dem Fans per Abo-Crowdfunding die kreative Arbeit der Künstlerin unterstützen. Inspiriert wurde sie dabei von Amanda Palmer, die zu ihren ersten Supportern gehört.

 

Manuel Rubey:  Der will nur spielen

 

Manuel Rubey ist ein vielseitiger Künstler: Musiker, Kabarettist („Goldfisch“) und Autor. Wenn er on Tour ist, dann denkt er in den Hotelzimmern über die Welt, sein Leben oder die seiner Zeitgenossen nach. Dokumentiert in seinem neuen Buch „Der will nur spielen“. Im Talk mit Florian Scheuba erzählt er, dass er auch schon in Kinderzimmern übernachtet hat und vertraglich fixiert hat, dass die Veranstalter keine Reden vor seiner Show halten dürfen bzw. die Pause nur 20 Minuten dauern darf. Österreichweit bekannt wurde Rubey durch seine Rolle als Falco im Bio-Drama „Verdammt, wir leben noch“ (2008“), aufgrund derer er von „Fans“ des Falken auch mit Mord- und Gewaltdrohungen konfrontiert wurde. Über 200 Anfragen zu „Falco-Auftritten“ habe er nach dem Film abgelehnt, von Werbespots, Donauinselfest bis hin zu Kirtagen und Mitternachtseinlagen.

 

Rubey schreibt jeden Tag, für ihn ist das Schreiben ein Therapieersatz und eine Alternative, „Dämonen auf Distanz zu halten“. Seine Sprüche und Zitate geben Gelegenheit zum Nachdenken, aber auch zum Perspektivenwechsel. „Vergleich dich nicht mit anderen, sondern mit deinen Möglichkeiten“, ein Aufruf, sich dem Neid zu widersetzen oder „Die Wirklichkeit schaffen durch die Dinge, die uns begegnen“ als Quelle gegen den Negativismus. 

 

Kritisch sieht Rubey die Sozialen Medien, die er zwar selbst zwar (seriös) bedient, bei denen er sich aber auf keinerlei Diskussionen einlässt. Bei Spaziergängen solle man gezielt sein Handy zuhause lassen. Außer hat man habe Orientierungsprobleme bei wichtigen Terminen. Wie den Eingang zur Buch Wien zu finden...

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Freigesprochen und pleite: Kein Anspruch auf vollen Ersatz der Anwaltskosten im Strafprozess

Es war eines der aufsehenerregendsten Verfahren der österreichischen Justizgeschichte. Beim sogenannten Tierschützerprozess wurden 13 Aktivisten wegen des Vorwurfs der Beteiligung an einer kriminellen Organisation angezeigt. Nach insgesamt 14 Monaten Verhandlung wurden der Hauptangeklagte Martin Balluch, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken, und alle anderen Beschuldigten rechtskräftig freigesprochen. Bis auf einen geringen Entschädigungsbetrag mussten alle ihre Verteidigerkosten selbst zahlen.

 

Martin Balluch wurde konfrontiert mit rund 600.000 Euro Anwaltskosten und erhob eine Amtshaftungsklage gegen die Republik Österreich, die aber sowohl innerstaatlich als auch vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte abgewiesen wurde. „Dem Staat ist es damit gelungen, einen idealistischen Tierschützer trotz erwiesener Unschuld in den Privatkonkurs zu treiben. Ein deutliches Zeichen an alle, die es wagen sollten, die Mächtigen im Land herauszufordern.“

 

Dem ehemaligen Vizekanzler HC Strache geht es nicht anders. Bereits sieben Verfahren wurden gegen ihn eingestellt, er sitzt aber jetzt bereits auf „mehreren 100.000 Euro Anwaltskosten“ (so Strache auf oe24.tv), die ihm bei weitem nicht ersetzt werden.

 

Grundlage für einen Ersatzanspruch ist der § 393a der Strafprozessordnung. Dieser besagt, dass der Angeklagte bei einem rechtskräftigen Freispruch oder einer Einstellung des Strafverfahrens nach Rücktritt der Staatsanwaltschaft einen Anspruch auf Erstattung der Verteidigerkosten hat, allerdings begrenzt auf einen sehr geringen Pauschalbetrag.

 

Dieser beträgt im Verfahren vor den Geschworenengerichten 10.000 Euro, vor Schöffengerichten 5.000 Euro, vor dem Einzelrichter eines Landesgerichts 3.000 Euro und vor dem Einzelrichter eines Bezirksgerichts 1.000 Euro. Peanuts bei Verfahren, die komplexe Sachverhalte umfassen oder jahrelang dauern. Für die Angeklagten ein finanzielles Himmelfahrtskommando.

 

Sowohl die Rechtsanwaltskammer als auch die Richtervereinigung plädieren schon lange dafür, dass dieser Pauschalbetrag auf zumindest 100.000 Euro angehoben wird. „Das Prozessrisiko im Strafverfahren sei deutlich höher als im Zivilprozess, wo die unterlegene Partei dem Sieger die Verfahrenskosten (weitgehend) ersetzen muss“, so der ehemalige RA-Präsident Rupert Wolff 2019 in einem Interview. 

 

2017 beschäftigte sich der Verfassungsgerichtshof mit dieser Rechtsfrage. Beschwerdeführer (mit Anwaltskosten teilweise über 200.000 Euro aus Wirtschaftsverfahren) machten geltend, dass die geltenden Regelungen gleichheitswidrig sein (da mittellose Beschuldigte einen Pflichtverteidiger zugestellt bekommen) und gegen das Grundrecht auf Unversehrtheit des Eigentums verstoßen. Der VfGH stellte allerdings fest, dass die Höhe des Ersatzanspruches im Ermessen des Gesetzgebers liege.

 

Wer hier wieder einmal säumig ist, ist die österreichische Politik, die das nötige Budget zur Verfügung stellen und eine Gesetzesnovelle konzipieren muss. Dass ein Unschuldiger aufgrund der Anwaltskosten vor der Vernichtung der Existenz und den Scherben seines Lebens steht, ist eines Rechtsstaats nicht würdig…

„Up the Bracket“-20th Anniversary Tour: Peter Doherty mit den Libertines in Wien…

„Wer sich mit den Libertines (dt. „Freigeister“) beschäftigt, landet immer wieder bei der Selbstzerstörung“, der deutsche Journalist Christian Buß im November 2002 in der Berliner Zeitung. Wie recht er doch hatte. Gerade war das erste Album der Libertines erschienen, „Up the Bracket“. Ein vom ehemaligen Clash-Gitarristen Mick Jones produziertes Roh-Juwel, auf das die Briten nach einer langen Durststrecke gewartet haben. Noch heute bezeichnet der Musikexpress es als DAS „Debüt-Album der Nullerjahre“.

 

Die Enfant Terribles der Band, Pete Doherty und Carl Barat, lernten sich bereits 1997 durch Dohertys Schwester kennen, brachen ihr Studium an der University of London ab und zogen in das berüchtigte Szene-Areal der Camden Road, um dort eine Band zu gründen. Der Bassist John Hassall und der Drummer Gary Powell komplettierten die Londoner Post Punk-Garage Rock-Indie-Pop-Combo. „Up the Bracket“, veröffentlicht auf dem Kult-Label Rough Trade Records, schlug ein wie eine Bombe, es folgte ein Leben jenseits der Überholspur: Guerilla Gigs, Drogen- und Alkoholexzesse, Polizeieinsätze, Gefängnis. So brach Doherty verwirrt in die Wohnung seines Bandkollegen Barat ein, verkaufte dessen Instrumente für Drogen und wurde deswegen zu 2 Monaten Haft verurteilt. Die Heroin- und Kokainabhängigkeit Dohertys wurde trotz versuchter Entzüge immer schlimmer, und so löste sich die Band – kurz nach der Erscheinung ihres zweiten Albums „The Libertines“ und ihrer größten Hit-Single „Can´t stand me now“ (Nr. 2 UK) – auf.

 

20 Jahre nach dem Erscheinen des Debüt-Albums sind die Libertines wieder live on Stage. Die „Up the Bracket 20th Anniversary Tour“ brachte die Original-Formation – drei Jahre nach einem Doherty-Auftritt im WUK mit den Puta Madres – auch ins Wiener Gasometer. Die exzessiv-ausschweifenden „Jugendjahre“ dürften der Vergangenheit angehören. Bei Peter Doherty (der in der französischen Normandie mit seiner Ehefrau Katia de Vidas drogenfrei auf dem Land lebt) merkt man das auch äußerlich, der „Heroin Chic“ – Doherty führte einst laut eigenen Aussagen zwei Jahre lang eine „selbstzerstörerische Beziehung“ mit Supermodel Kate Moss (die daraufhin in der Entzugsklinik landete) – ist einem Schwabbelbauch gewichen, der schicke Hut ist Trademark geblieben. 

 

An seiner Seite weiterhin Co-Sänger und Gitarrist Carl Barat, mit weißem Rip-Shirt und schwarzer Lederjacke. Und in enger Zweisamkeit, als sie vor der begeisterten Fan-Crowd Indie-Perlen wie „Vertigo“, „Time for Heroes“, „The Boy looked at Johnny“ (dem an das Punk-Manifest von Julie Burchill und Tony Parsons angelehnten Track mit der genialen Textzeile „"New York City's very pretty in the nighttime - but don't you miss Soho?") oder „I get along“ in die Mikros schmettern. Die Punk-Attitüde schimmert auch zwanzig Jahre später noch durch: Roh, unglamourös, lässig, fast im Stile einer spontanen Garagen-Session mitten in der Nacht. Allerdings ohne suchtbedingte Aussetzer, Bühnenabstürze oder frühzeitigen Abbruch.

 

Denn nach einem Live-Furioso des gesamten Debüt-Albums „Up the Bracket“ folgte noch ein zweites Set mit einem „Best Of“ der Tracks danach: „Can´t stand me now“, „What becomes of the Likely Lads“ und „Music when the Lights out“ u.a. aus dem zweiten Album „The Libertines“, das bittersüße „You´re my Waterloo“ und das reggae-angehauchte „Gunga Din“ aus dem 2015 erschienenen Album „Anthems for Doomed Youth“. Die Zeit dazwischen verbrachte Doherty bei den Babyshambles, Barat bei den Dirty Pretty Things. 

 

Als kongenialer Final Track der Show: „Don´t look back into the Sun“. Ein brillanter Song aus dem August 2003, der niemals auf einem Album erschienen ist, aber mit ausschlaggebend war für eine der wichtigsten Auszeichnungen der Libertines, dem „NME Awards für Best Band 2004“…

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Neue § 15a-Vereinbarung für Kindergärten: Länder verhindern einheitliche Standards!

Von „Kindergartentanten“ spricht heute keiner mehr, und die Kindergärten haben schon längst nicht mehr den Ruf als „Aufbewahrungsstätten“. Und trotzdem genießt die für die Zukunft der Kinder so wichtige Elementarpädagogik bei weitem noch nicht die politische, budgetäre und gesellschaftliche Anerkennung, die ihr eigentlich zustehen sollte.

 

„Kindergartenmilliarde“ war das PR-Schlagwort, mit dem die türkis-grüne Regierungskoalition (und vermutlich hätten es andere Fraktionen nicht anders gemacht) die für die nächsten 5 Jahre geltende 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern präsentierte. Insofern fast eine Provokation, als Sozialpartner und IV diese Milliarde pro Jahr (!) forderten, das Forschungsinstitut Eco Austria sogar 1,6 Milliarden, um den Anschluss an die skandinavischen Vorbildländer zu schaffen. Tatsächlich aber beträgt der bis in das Jahr 2027 reichende Zweckzuschuss des Bundes nur 5 x 200 Millionen Euro.

 

Besuchspflicht

 

Davon entfallen 80 Millionen Euro auf die Besuchspflicht, die mindestens 4 Tage pro Woche und 20 Stunden umfasst. Die Länder verpflichten sich dabei, einen beitragsfreien Besuch sicherzustellen. Dies inkludiert allerdings nicht die Verabreichung von Mahlzeiten und die Teilnahme an Spezialangeboten, was Alleinerziehende, Mehrkinderfamilien bzw. einkommensärmere Familien bereits vor immense finanzielle Probleme stellen kann. Von einem zweiten verpflichtenden kostenfreien Kindergartenjahr ab 4 ist schon längst keine Rede mehr.

 

Ziele

 

Hauptziele der Zuschüsse sind der Ausbau der Kinderbetreuung, die frühe sprachliche Förderung, die Stärkung mathematisch-technischer und naturwissenschaftlicher Kompetenzen und die Förderung des musisch-kreativen, emotionalen, psychosozialen und physischen Entwicklungsstandes. Die Anzahl der außerordentlichen Schüler soll sich pro Bundesland bis zum Ende der Vereinbarungsperiode um mindestens 10 Prozent reduzieren. Derzeit haben bei Schuleintritt 18 Prozent der Kinder einen Sprachförderbedarf.

 

Betreuungsquote

 

Der EU-Rat legte 2002 (!) in den Barcelona-Zielen fest, dass bis 2010 33 % der unter 3jährigen elementare Bildungseinrichtungen besuchen sollen. Dieses Ziel wurde bis heute nicht erreicht, 2020 betrug die Betreuungsquote gerade einmal 27,6 %.  Bei den 3- bis 6jährigen liegen die Quoten weitgehend über dem EU-Wert von 90 Prozent, hier sollen vor allem „zur Beseitigung regionaler Defizite Anreize für die qualifizierte Ganztagesbetreuung geschaffen werden, die mit einer Vollbeschäftigung der Eltern vereinbar ist. Österreichweit erfüllen dies derzeit nur 55 Prozent der Kindergärten, in Wien allerdings 94 %.

 

Gruppengröße und Personal-Kind-Schlüssel

 

Der Plan der Regierung, bundesweite Mindeststandards für Gruppengröße und Betreuungsschlüssel festzulegen, ist am Widerstand der Länder gescheitert. Ein eklatantes Versagen der österreichischen Bildungspolitik. Denn dazu gibt es eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse, die einer Umsetzung bedürfen. 

 

Laut Experten sollte eine Gruppe höchstens 20 Kinder umfassen. Bei den unter 3jährigen sollten nicht mehr als 12 Kinder in einer Gruppe sein. Der Personal-Kind-Schlüssel, also die Anzahl der Pädagogen und Assistenten im Vergleich zur Anzahl der Kinder, sollte mindestens 1:10 betragen, d.h. bei höchstens 20 Kindern eine Pädagogin und eine Assistenzkraft. Bei Kindern unter 3 Jahren sollte eine Pädagogin bzw. ein Pädagoge nicht mehr als 6 Kinder betreuen (1:6). Wie sieht es derzeit in der Praxis aus? Österreichweit reicht der Betreuungsschlüssel bei den unter 3jährigen zwischen 1:3,5 und 1:7,5 bzw. bei den Älteren zwischen 1:10 und unhaltbaren 1:16,7. 

 

Arbeitsbedingungen

 

Ein Thema, das in der §15a-Vereinbarung überhaupt nicht tangiert wird, sind die Arbeitsbedingungen der Elementarpädagogen. Man fordert zwar ein flächendeckendes Betreuungsangebot, einen flächendeckenden Ausbau (inkl. Fokus auf noch unterversorgte Regionen) und eine Verlängerung und Flexibilisierung der Öffnungszeiten, vergisst aber dabei, dass man dazu motiviertes und qualifiziertes Personal braucht und die Rahmenbedingungen passen müssen. 

 

„So schlecht, wie ihr mich bezahlt, kann ich gar nicht arbeiten!“ stand auf einem Schild einer Demonstration der Kindergartenpädagogen im Herbst 2021. Und das Problem ist nicht nur die zu geringe Entlohnung, sondern auch die Arbeitssituation in den Kindergärten. Vom oft viel zu großen Personal-Kind-Schlüssel (der zu Stress, Druck und Überforderung führt) bis hin zur räumlichen Ausstattung der Kindergärten und zum fehlenden erwachsenengerechten Mobiliar. Viele Beschäftigte leiden nicht nur an emotionaler, psychischer Erschöpfung, sondern auch an Kreuzschmerzen, Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich und an Migräne. Nicht ausreichend sind auch die damit in Konnex stehenden Supervisionsangebote für Elementarpädagogen. 

 

Dies hat zur Folge, dass einerseits Elementarpädagogen frühzeitig in Pension gehen, andererseits viele junge Absolventen kurz nach der Ausbildung oder einem Praktikum den Kindergartenbetrieb wieder verlassen. „Derzeit würden österreichweit jährlich rund 2500 diplomierte Elementarpädagogen ausgebildet, die aber überwiegend nicht in den Beruf einsteigen oder nach kurzen Zeit wieder aussteigen. Es gibt keine deutlichere Rückmeldung an nicht passende Arbeitsbedingungen“, so Natascha Taslimi vom Netzwerk Elementare Bildung (NEBÖ) in einer APA-Aussendung.

 

Die (leichte) Erhöhung der finanziellen Mittel ist zwar ein richtiger Schritt, die wirklich „heißen“ Themen wurden aber nicht angepackt. Für die heranwachsenden Kinder eine grobe Fahrlässigkeit. Denn: Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung (John F. Kennedy)…

Höhere Leistungsfähigkeit: Schlafforscher fordern Schulbeginn ab 10 Uhr!

Wer kann sich nicht an seine Schultage erinnern, als man um halb 7 von den Eltern aus dem Schlaf gerissen wurde, müde und abgespannt hastig frühstückte, dann unmotiviert Richtung Schule trottete und dort in den ersten Stunden nur unkonzentriert dem Unterricht folgen konnte?  Selbst schuld, zu lange Parties gefeiert oder zu lange in den Bildschirm gestarrt. Keineswegs.

 

Denn Schlafforscher zeigen schon seit langem in verschiedensten Studien, dass die Jugendlichen ab der Pubertät bis ca. 25 eine andere „innere Uhr“ aufweisen. Insgesamt wurden mehr als 20 Gene identifiziert, ein wesentlicher Faktor ist dabei das Alter. In der Pubertät verschiebt sich laut dem Schlafforscher Dr. Albrecht Vorster, dem Leiter des Swiss Sleep House im Universitätsklinik Bern, die Schlafphase um zwei Stunden nach hinten. 

 

Für die meisten Jugendlichen sind acht bis zehn Stunden Schlaf ideal für ihr Wohlempfinden und ihre Gesundheit. Beginnt dieser allerdings erst nach Mitternacht, dann sind die Jugendlichen aufgrund des frühen Schulbeginns (um 7.45 Uhr) unausgeschlafen und können ihre vollen Leistungen nicht entfalten. Dies betrifft nicht nur die Spätaufsteher („Eulen“), sondern auch die Frühaufsteher („Lerchen“).

 

Eine Studie der Uni Marburg mit über 8000 16- bis 25jährigen jungen Menschen kam zum Ergebnis, dass 62 Prozent sich tagsüber nicht ausgeruht und leistungsfähig fühlen. Hauptursache ein Schlafdefizit, das zu vermehrten psychischen Beschwerden, Herz-Kreislauf-Beschwerden und einem allgemeinen schlechteren Gesundheitszustand führt. In der Schul- und Uniphase hat dies zur Folge, dass sich Lerninhalte nicht gut ins Langzeitgedächtnis fügen und vor allem Spätaufsteher bei Klausuren in den ersten Schulstunden benachteiligt sind.

 

„Die Jugendlichen werden zur falschen Uhrzeit unterrichtet“, so Dr. Vorster in einem SWR3-Podcast. Man sollte daher den Schulbeginn auf 10 Uhr verlegen und stattdessen den Nachmittag für die Ausbildung der Schüler und Studenten reservieren. Die High School in Seattle hat den Schulbeginn zumindest auf 08.45 Uhr verschoben, die Schüler schlafen dadurch laut Studie 34 Minuten länger und sind im Unterricht wacher und aufmerksamer. Ein erster Schritt auch in Österreich?

Lost World Tour: The Cure in der Wiener Marx-Halle

46 Jahre sind The Cure rund um Sänger Robert Smith bereits im Musik-Business, in den ersten Jahren ihrer Karriere Anfang der 80er prägten sie den Begriff des Gothic Rock. Und so durchstreiften auch einige Epigonen der Gruftie-Bewegung, mit schwarzen Lederjacken, (dezent) weiß geschminkt, Nieten und klobigen Boots, die weitverstreuten Marx Hallen in Wien. Der Großteil der älteren Konzert-Besucher hätte modetechnisch auch zu einem Robbie Williams- oder Pink-Konzert gepasst. Und wollte – neben zahlreichen jungen Fans - eigentlich nur eintauchen in die längst vergangenen 80er-Jahre, als The Cure nicht nur den Underground, sondern auch die Charts eroberten.

 

„Lost World“ lautet die Trademark der mehr als 50 Konzerte umfassenden Tour von The Cure. Sie könnte nicht besser gewählt sein. Selbst die ausgezeichnete schottische Support-Band „The Twilight Sad“ kreist ihre Bombast-Hymnen rund um dieses sehnsüchtig-verzweifelte Vokabel („Let´s get lost“). 

 

Ein Album haben The Cure seit 2008 („4:13 Dream“) nicht veröffentlicht, neue – melancholische - Tracks sind allerdings fertig und stehen fix auf der Setlist: Der Opener „Alone“ (im Rahmen dessen Smith mit leicht ergrauten, hoch toupierten Haaren auf die Bühne „schwebt“ und vorerst verträumt ins Publikum blickt), „And Nothing is forever“, „Endsong“ und „I can never say goodbye“. Mit an Bord ist Bassist Simon Gallup, der seit 1979 – mit kurzer Unterbrechung – als kreativer Konterpart von Robert Smith gilt.

 

Andere populäre Bands ihres Formats spielen lieblose Greatest Hits-Shows, The Cure liefern mit greller Light-Show und Top-Vocals des Frontmanns ein über 2,5 Stunden langes, abwechslungsreiches Programm mit neuen Songs, Raritäten (wie dem Crow-Track „Burn“, „Play for Today“ oder „Shake Dog Shake“) und Super-Hits. Die im Hauptteil – mit Ausnahme von „Pictures of you“ und dem seiner Frau gewidmeten „Lovesong“ („I will always love you“), dem größten Cure-Hit in den Staaten - rar gesät sind. 

 

Im 1. Zugaben-Teil brillieren The Cure noch mit dem rockigen „Charlotte Sometimes“ und dem düsteren 80er-Klassiker „A Forest“ („Suddenly I stop. But I know it's too late. I'm lost in a forest. All alone“), mit dem The Cure erstmals 1980 die britischen Single-Charts enterten und Robert Smith 2003 gemeinsam mit dem deutschen Trance-Duo Blank & Jones den Dancefloor eroberte. 

 

Die größten Hits folgen dann im zweiten Encore: „Lullaby“ – „Spiderman is having you for dinner tonight“ – mit einer riesigen Spinne im grünen Netz, der minimalistische Underground-Track „The Walk“, „Friday I´m in Love“ (der meistverkaufteste Hit der Band aus dem 1992er-Album „Wish“), „Close to me“, „In between Days“, „Just like Heaven“ und als Finale der älteste Hit des Abends, „Boys don´t cry“. Ein Paradoxon, trotz ihrer langen Karriere klangen The Cure an diesem Abend so jung wie nie. 

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Runter mit den Schulkosten: Durchschnittlich 1468 Euro pro Schulkind jährlich!

Laut Gesetz soll der Schulbesuch an einer öffentlichen Schule in Österreich kostenlos sein. Das klingt allerdings wie eine höhnische Provokation, wenn man die Schulkostenstudie der Arbeiterkammer aus dem Jahr 2021 durchblättert und deren Ergebnisse um die aktuelle Inflation von über 10 Prozent hochkalkuliert.

 

So gaben Familien im Schuljahr 2020/21 pro Schulkind 1468 Euro jährlich aus. Dieser Betrag untergliedert sich in Fixkosten von 641 Euro, laufenden Kosten von 457 Euro und Ausgaben in den Sommerferien von 371 Euro. Bezogen auf die einzelnen Ausbildungsstufen ergaben sich durchschnittlich 1381 Euro in der Volksschule, 1320 Euro in der Sekundarstufe 1 und 1688 Euro in der Sekundarstufe 2. Die Wiener Werte lagen noch um einiges höher: In der Bundeshauptstadt, in der die Armutsquote vergleichsweise höher als in den Bundesländern, lagen die durchschnittlichen Schulkosten pro Schulkind bei 2191 Euro (Volksschule), 1887 Euro (Sekundarstufe 1) und 1802 Euro (Sekundarstufe 2).

 

Die Fixkosten betreffen zwar nicht alle Elternteile, umfassen aber u.a. die Verpflegung (570 Euro), die Nachmittagsbetreuung ohne Verpflegung (935 Euro) oder kostenpflichtige Nachmittagskurse (545 Euro). 

 

Ermittelt wurde in der Umfrage auch, welche Einkommensbezieher hier besonders betroffen sind. Die Ergebnisse sind keine Überraschung: Es sind vor allem die Kleinverdiener (mit bis zu 2000 Euro Haushaltseinkommen), die unter den horrenden Schulkosten leiden. In dieser Einkommensklasse beträgt der Anteil der Schulkosten 14 Prozent. Und das in der aktuellen Situation bei der höchsten Inflationsrate seit den 50ern (!), einer radikalen Erhöhung der Mieten und der Gebühren.

 

Die SPÖ hat kürzlich im Nationalrat einen Antrag auf „kostenfreies, qualitativ hochwertiges Mittagessen für alle Kinder in elementarpädagogischen Einrichtungen und Schulen“ eingebracht, der vor allem den 368.000 armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Kindern und Jugendlichen zugute kommen soll. Laut Volkshilfe betrifft dies vor allem Haushalte mit mehr als drei Kindern, Ein-Eltern-Haushalte und Haushalte ohne österreichische Staatsbürgerschaft.

 

Dieser Antrag wird wissenschaftlich untermauert durch eine Studie der Universitäten Lund und Stockholm, die besagt, dass kostenlose, hochwertige Mittagessen die Gesundheit fördern, eine wichtige soziale Dimension innehaben, die Bildung fördern und zu einem um drei Prozent höheren Lebenseinkommen führen. In Schweden oder Finnland wird bereits seit den 40ern ein kostenloses Schulmittagessen angeboten.

 

Dieser Vorschlag sollte – gemeinsam mit einer weiteren Reduktion der Schulkosten – so schnell wie möglich auf allen Bildungsebenen umgesetzt werden. Das Rote Wien könnte hier einmal Vorreiter sein und die ohnehin von der Teuerungswelle geplagten Wiener von den horrenden Schulkosten entlasten. Derzeit müssen die Eltern pro Schulkind an offenen Ganztagsschulen 4,13 Euro pro Tag für das Mittagessen und 6,10 Euro zusätzlich für die schulische Betreuung am Nachmittag bezahlen. Nicht nur in Tagen wie diesen ein immenser Kostenfaktor für die finanziell belasteten Eltern…

Augenblick! – Wiener Straßenfotografie von 1860 bis heute im Wien Museum MUSA!

Straßenfotos frieren nicht nur die Zeit ein, sondern zeigen auch Zufälligkeiten des Alltagslebens, die Jahrzehnte danach in einem anderen Kontext erscheinen können, so die Kuratoren der Ausstellung „Augenblicke“, Anton Holzer und Frauke Kreutler.

 

Von 19. Mai bis 23. Oktober 2022 zeigte das Wien Museum Musa in der Felderstraße 6-8 Straßenfotografien von den 1860er-Jahren bis heute. Die Auswahl war keine einfache. Aus insgesamt 1,3 Millionen Objekten wurde eine Vorauswahl von rund 75.000 (!) getroffen. 180 Fotos schafften es dann in die Ausstellung, die in acht verschiedene Bereiche (wie „Unterwegs in der Großstadt“, „Vergnügung, Entspannung, Auszeit“ oder „Geschäft und Geschäftigkeit“) unterteilt war. Es zeigte sich im Zeitablauf auch eine klare Tendenz: Während bei älteren Fotos die Stadt vorwiegend als „Bühne“ präsentiert wurde, legte man später mehr Wert auf kleinere Szenen und Ausschnitte der urbanen Lebens.

 

Orte, die immer wieder auftauchen, sind vor allem die Märkte (wie der Naschmarkt), wo zeitunabhängig das Klischee der dicklichen Marktfrau bedient wurde, der Prater als Vergnügungsstätte für Familien, Kinder und flirtwillige Jugendliche, Kaffeehäuser und die sich aufgrund der technischen Revolution stetig ändernden öffentlichen Verkehrsmittel, als Tramways bereits prall gefüllt bis auf den letzten Platz. 

 

Die Kuratoren zeigen aber auch die dunklen Seiten der Stadt: Kriegsheimkehrer, Arbeitslose, Obdachlose oder auf Bänken schlafende Betrunkene. Szene-Highlights wie das Rolling Stones-Konzert in der Stadthalle 1965 oder die Arena-Besetzung 1976 dürfen nicht fehlen. Fotos vom Nightlife Wiens sind allerdings rar, die meisten Fotos wurden tagsüber und in schwarz-weiß abgelichtet.

 

Das hat sich durch die Smartphone-Mania allerdings geändert, und auf diesen Zug sind die Organisatoren aufgesprungen. Im Rahmen des Instagram-Fotowettbewerbs #Augenblicke2022 reichten mehr als 6000 Teilnehmer ihre Street Shots ein. Die Motive so bunt und schrill wie das Leben: Tanzende Frauen im nächtlichen Regen, erste zarte Flirtversuche in der aufgeheizten Nacht, die Lichterparade beim ausverkauften „We stand with Ukraine“-Konzert, aber auch wieder verzweifelte Alkoholiker, einsame Menschen und Kuriositäten (wie ein kauziger Kaktusverkäufer oder ein Dinosaurier-Truck). 

 

Zu den fünf Gewinnern zählt auch der Schnappschuss von Serban Florentin Roman, der einen schicken Mann und eine fesche Frau zeigt, wie sie in einer ansonsten leeren U-Bahn-Station auf ihr Smartphone starren, ohne den anderen zu registrieren. Kann man den Zeitgeist besser treffen?

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Heidi Horten Collection - Neues Privatmuseum in der Wiener City!

Die aus Wien stammende und zuletzt am Wörthersee lebende Heidi Horten war jahrelang die reichste Österreicherin, ihr Vermögen stammte großteils aus der Erbschaft des veräußerten Kaufhauskonzerns ihres ersten Mannes Helmut Horten. Mit diesem Geld baute sie gemeinsam mit ihrer Freundin Agnes Husslein eine Kunstsammlung auf, die seit dem 3. Juni 2022 in einer neuen Location zu bewundern ist, der Heidi Horten Collection im Hanuschhof gegenüber der Albertina. 

 

„Ich bin stolz, dass ich mit meiner Sammlung und dem Bau des Museums etwas geschaffen habe, das bleibend ist, etwas, das nachfolgende Generationen auch noch erleben werden, wenn sie mein Museum besuchen und sich an der Kunst erfreuen, die mich lange glücklich gemacht hat“, so Heidi Horten, die traurigerweise kurz nach der Eröffnung am 12. Juni starb.

 

Das 1914 erbaute Gebäude hat eine historische Vergangenheit hinter sich und war einst der Kanzleisitz Erzherzog Friedrichs. Das Architektenbüro next ENTERprise hatte die Idee, die Außenfassade aufrechtzuerhalten und zu sanieren, während der Mitteltrakt komplett entkernt wurde. Das Privatmuseum besteht aus drei Ebenen mit einer Ausstellungsfläche von insgesamt 1500 m2, die miteinander durch Freitreppen verbunden sind. Auf dem begrünten Vorplatz empfängt zusätzlich ein Skulpturenpark die Besucher.

 

Die erste Ausstellung trug den Titel „Open“ und enthielt bereits einige Highlights der Kunstsammlung Hortens, von der bereits 2018 rund 150 Werke dem Leopold-Museum unter der Trademark „Wow“ zur Verfügung gestellt wurden: Eine Collaboration von Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat, tote Schmetterlinge mit faszinierendem Täuschungseffekt von Damien Hirst („Love, Love, Love“), der „Weise Affe“ Francois-Xavier Lalannes im Erdgeschoß, Henkes Ur Mutter in Form eines violetten Wildschweins, die Video-Installation „Lady to Fox“ der nackt inmitten einer Schafherde herumlaufenden Künstlerin Lili Reynaud-Dewar, dazu Kunstwerke von Young British Artist Marc Quinn, Robert Rauschenberg, Franz West, Erwin Wurm oder der kürzlich verstorbenen Lichtkünstlerin Brigitte Kowanz. 

 

Inkludiert ist ein von Markus Schinwald konzipierter Tea Room, der auf einer Wand nicht nur Kunstwerke hinter Bullaugen zeigt, sondern auch zum Verweilen dient. Extravagant gestaltet sind die Spiegel in den Sanitärräumen, die mit Blumen- und Pflanzenmotiven (u.a. der portugiesischen Nelkenrevolution 1974) belegt sind. Eine Installation des in Wien lebenden deutschen Künstlers Andreas Duscha.

 

Bei der Finissage wurde eines der spannendsten Kunstwerke der ersten Ausstellung zum „musikalischen Leben erweckt“, der „Vibrosauria“ Constantin Lusers. Die 6,22 Meter hohe, bis in den 1. Stock reichende Skulptur besteht aus insgesamt 24 Blasinstrumenten von Tuba, Trompeten bis hin zu Hörnern.

 

Die erste Themenausstellung „Look“, die sich mit dem Wechselspiel von Kunst und Mode beschäftigt, eröffnet bereits am 21. Oktober. Und es sollen noch viele weitere folgen, im Sinne der Glühbirnen-Installation „Forever“ des britischen Duos Tim Noble & Sue Webster. Ein Kunstwerk, das originär eine trostlose Bushaltestelle in der Londoner Tottenham Court Road erhellen sollte, eigentlich aber auf die „ewige Liebe“ Bezug nimmt. Was immer die auch bedeuten mag…

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Alexandra Palace: Kult-Location im Norden Londons mit 150jähriger Vergangenheit…

London, die progressive Stadt der Fashion, der kulturellen Avantgarde und der Popmusik. Und dadurch ausgestattet – neben unzähligen kleinen Clubs, Indie-Kellern und Bars – mit bombastischen Live Venues, die weder für die Bands und Artists noch für die Fans Wünsche offen lassen. Im Nordwesten London liegt das sechstgrößte Stadion der Welt, das Wembley-Stadium mit einer Kapazität von 90.000 Zuschauern, in dem 1985 das legendäre Live Aid stattgefunden hat, heute residieren dort Pink, Harry Styles oder Coldplay. Daneben liegt die kleinere SSE Wembley Arena mit einer Kapazität von 12.500 Besuchern. Direkt an der Themse in Greenwich liegt das O2 (der ehemalige Millennium Dome), in dem die Pet Shop Boys, die Chemical Brothers oder Dua Lipa vor 20.000 Besuchern begeisterten. Dazu die Royal Albert Hall, die O2 Brixton Academy im multikulturellen David Bowie-Heimatdistrikt oder das über 50 Jahre alte Roundhouse in Camden, in dem einst die Doors einen von nur zwei UK-Auftritten zelebrierten. Und natürlich „Ally Pally“, „Alexandras Palace“ im Norden Londons.

 

150 Jahre alt ist die auf einem Hügel im nördlichen Londoner Stadtbezirk Haringey liegende Konzert-Location, die eine spannende historische Vergangenheit aufweist. Eröffnet wurde sie im Jahre 1873 als Freizeit- und Erholungspark, Gebäude und Park wurden benannt nach der Queen Consort Alexandra von Dänemark. Ab 1935 wurde der Alexandra Palace für die ersten BBC-Fernsehübertragungen eingesetzt, zwei Studios existieren noch heute als museale Räume mit alten Produktions- und Sendeanlagen.

 

1980 zerstörte ein Feuer Teile der Anlage, während der Restaurierung diente Alexandra Palace als Drehort für die George Orwell-Verfilmung „1984“. 1988 erfolgte die Wiedereröffnung, seitdem wird die Location u.a. verwendet für die Brit Awards, die Dartsweltmeisterschaften, die Snooker Masters und für zahlreiche Pop-, Rock- und Indie-Konzerte von Blur, Stone Roses, Suede, Björk bis hin zu Florence & The Machine und London Grammar.

 

Erreicht werden kann Alexandra Palace mittels Piccadilly Line (über die Station Wood Green) oder mit den Great Northern-Vorortezügen. Vom separaten Bahnhof Alexandra Palace geht es dann zu Fuß auf den Hügel. Dort kann man sich auf der Wiese vor der Veranstaltungshalle niederlassen und hat einen der schönsten Ausblicke auf die Silhouette der britischen Hauptstadt London mit all ihren Wolkenkratzern und architektonischen Extravaganzen (a la Shard). 

 

Im Innenraum bietet die mit viktorianischem Stilelementen und einer durchsichtigen Glaskuppel ausgestattete Great Hall eine Kapazität von 10.250 Besuchern. Konzerte von Bloc Party oder Charli XCX waren trotzdem bis zum letzten Platz ausverkauft. Kein Wunder, Ally Pally ist eine wunderschöne Kult-Location. Wer das Londoner Nightlife erkunden will, sollte dort unbedingt ein Konzert besuchen. Mindestens…

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"Roadside"-Tour: Billy Idol mit Classics und New Tracks im Wiener Gasometer!

Seit 45 Jahren steht William Michael Albert Broad aka Billy Idol bereits auf der Bühne. Der in London geborene und nach seiner Punk-Karriere hauptsächlich in den USA lebende Rockstar beehrte im Rahmen seiner „Roadside“-Tour auch das Wiener Gasometer. Das ursprünglich geplante Open-Air-Konzert in der Wiener Arena wurde wegen Krankheits verschoben und verlegt, der Ansturm mit über 3000 Besuchern war trotzdem ungebrochen und schweißüberströmt.

 

Als Support begeisterte die aus US-Nashville stammende Indie-Band „The Foxies“ mit der charismatischen Frontfrau Julia Lauren Bullock. Billy Idol selbst startete mit einem Klassiker aus seiner „Generation X“-Ära, „Dancing with myself“ aus dem Jahr 1980. Das Outfit wie einst in den Eighties:  Blonde, auftoupierte Haare, eine enge Lederjacke und nach einigen Tracks der nackte Oberkörper, Stimme und Bühnenshow altersgemäß etwas gedrosselt. Auf der Bühne neben Idol Kult-Gitarrist Steve Stevens (der mit Idol die meisten Songs komponiert hat) und eine energetisch aufspielende Band mit noch zwei Gitarristen, einem Keyboarder und einem Drummer. 

 

Dass das generationenübergreifende Publikum eng gedrängt auf die 80er-Hits des Musikers wartete, ist keine Überraschung. Und die kamen auch in Extended Versions: „Cradle of Love“, „Flesh for Fantasy“  oder die Ballade „Eyes without a Face“. Auf der Setlist der Show standen aber auch neue Tracks, „The Cage“, „Running from the Ghost“ oder „Bitter Taste“. Steve Stevens präsentierte als Intermezzo sein oscar-prämiertes „Top Gun-Theme“ und ein längeres Gitarren-Solo. Die exzessivste Stimmung erzeugte Idol allerdings mit seinen Rock Classics „Mony Mony“ (ein Sixties-Cover von Tommy James & The Shondells“), „Rebel Yell“ und dem Final Track „White Wedding“.

 

Enttäuschung machte sich allerdings breit, dass die Idol-Show nach 90 Minuten vorbei war, und die Fans vergeblich auf den größten Hit „Sweet Sixteen“, „Hot in the City“ (der Trademark dieses heißen, langen Sommers) oder „To be a Lover“ warteten. Zumindest in dem bald erscheinenden Doku-Film unter der Regie von Jonas Akerlund („Smack by Bitch up“) dürften diese allerdings nicht fehlen. 

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10. Buskers Festival: Straßenkünstler-Happening am Wiener Karlsplatz!

Zwei Jahre lang mussten die Buskers wegen der Corona-Maßnahmen pausieren, 2022 war die Zwangspause vorbei, und so tummelten sich bei der 10. Jubiläumsausgabe des Straßenkunst-Festivals am Wiener Karlsplatz zahlreiche Besucher aller Generationen. Das Programm erstreckte sich vom 9.-11. September jeweils von 14 bis 22 Uhr, teils unterbrochen durch temporäre Regenschauer.

 

„Busker“ ist ursprünglich die englische Bezeichnung für Straßenmusikanten, umfasst aber mittlerweile alle Bereiche der Straßenkunst und des Straßentheaters (wie Jonglage, Akrobatik, Clownerie,…). In über 200 Städten finden jährlich Buskers Festivals statt, bei der Wiener Edition bewerben sich jährlich über 600 Gruppen und Einzelakteure aus aller Welt.

 

„Straßenkünstler ist der ehrlichste Job der Welt“, das ist die Diktion des vielleicht bekanntesten Wiener Performancers Abraham Thill aka El Diabolero. Man werde erst – nach Erbringung der Leistung – bezahlt. Und das nur dann, wenn man die Zuschauer begeistert hat. Für den Jonglage-Künstler (und Autodidakten), der nebenbei noch ein Diplom an der Schauspielschule erworben hat und auch in Theateraufführungen zu sehen ist, stellt dies meistens kein Problem dar. 

 

Diabolo-Würfe in 35 Meter Höhe, eine lässige Slapstick-Show als Rahmen und direkte Interaktion mit dem Publikum sorgen für einen vollen Kreis im Resselpark und zahlreiche Videos in den sozialen Medien. Und natürlich für einen Massenauflauf nach der Show, wenn Scheine und Münzen den Hut El Diaboleros prall füllen. Das ist insofern auch das Markenzeichen der Busker Festivals: Die Künstler erhalten von den Veranstaltern Reisekosten, Kost und Logis, Gagen allerdings nur durch das Publikum in Form des „Hutgeldes“.

 

Die auf insgesamt 6 Spots auftretenden Künstler begeisterten im weiten Karlsplatz-Areal mit unterschiedlichen Spielarten der Straßenkunst: Das argentinische „Duo un Pie“ mit akrobatischer Sailor-Clown-Show, Aerial Silk Vienna mitten über dem Wasser des Karlsplatz-„Sees“ mit Vertikaltuchakrobatik, die multikulturellen „Floor LegendZ“ mit einer temporeichen Breakdance-Party, der polnische Straßen-Gitarrist Mariusz Goli u.a. mit einer akustischen Version von Nirvanas „Smell like Teen Spirit“ oder der ungarische Comedian Imre aka „Social Salto“ mit einer interaktiven Show, die bereits vor dem Londoner Covent Garden das Publikum verzückte.

 

Zusätzlich setzt das Wiener Buskers Festival auch zahlreiche gesellschaftspolitische Akzente. Die Proponenten fordern neben der Ausweitung der Rechte der Straßenkünstler mehr Kultur im öffentlichen Raum und – mit Unterstützung von „Asyl in Not“, „SOS Balkanroute“ und dem „Verein Ute Bock“ - die Verbesserung der Menschenrechte. Vegane und vegetarische Speisen werden – ohne lange Lieferwege - direkt aus der unmittelbaren Region angeboten, der Energieaufwand ist (naturgemäß) gering, der Müll wird – in Form eigener Müll-Inseln - in sieben Fraktionen getrennt. 2018 wurde das Buskers Festival wegen seiner Umweltfreundlichkeit sogar in die Hall of Fame der Green Events Österreichs aufgenommen. 

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100 Jahre Oskar Werner im Wiener Metro Kinokulturhaus!

„In jeder Rolle findet man etwas von sich selbst, weil wir alle Brüder sind. Aber in Hamlet habe ich einen Zwillingsbruder gefunden.“  Ein Zitat des genialen österreichischen Schauspielers Oskar Werner, der am 13. November seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Grund genug, für das Metro Kinokulturhaus in der Wiener Johannesgasse, dem charismatischen, aber auch egozentrischen Theater- und Filmstar eine Ausstellung über sein Lebenswerk zu widmen. Die Location ist insofern mehr als passend, hatte doch der aus Wien-Gumpendorf stammende Werner in dem ehemaligen Theater seine ersten kleinen Auftritte im Grillparzer-Drama „Das goldene Vließ“.

 

Die Kuratoren Raimund Fritz und Martina Zerovnik konzipierten die Retrospektive im wesentlichen auf zwei Ebenen. Im 1. Stockwerk erhalten die Oskar Werner-Fans einen Einblick in das Privatleben des Schauspielers, mit zahlreichen Fotografien, Zeitungsausschnitten, Zitaten und sogar einem alten Schülerausweis. Die zweite Ebene zeigt das künstlerische Schaffen Oskar Werners, der bereits mit 19 vom Burgtheater engagiert wurde und in insgesamt 71 Theaterstücken mitwirkte. Seine Höhepunkte: „Don Carlos“ (mit seinem Vorbild Werner Krauss als König Philipp) und natürlich „Hamlet“. Seinen ersten Film drehte Oskar Werner 1949 in London: „Der Engel mit der Posaune“, die erste und nicht die letzte Rolle des überzeugten Antifaschisten, die sich mit dem Greuel des Nationalsozialismus befasste. Werner lehnte in seiner Karriere viele Rollen ab, die nicht seinem Weltbild entsprachen („Anpassungsfähigkeit ist eine Eigenschaft, die ich nicht anstrebe“). Die größten Kino-Erfolge feierte er in den 60er-Jahren, mit dem französischen Liebesfilm „Jules & Jim“ (1962) und der Ray Bradbury-Roman-Verfilmung „Fahrenheit 451“ (1966) jeweils unter der Regie Francois Truffauts bzw. mit den Hollywood-Streifen „Das Narrenschiff“ (Oscarnominierung 1965) und „Der Spion, der mich liebte“ (Golden Globe 1966). 

 

Danach ging es mit seiner Karriere bergab. „Das Tragische, das ich sehe, dass er sich irgendwann nicht mehr weiterentwickelte. Er, der Frühvollendete, beharrte auf einem Status, den er dann irgendwann verloren hat“, so die Kuratorin Martina Zerovnik in einer Kurier-Sonderbeilage zur Ausstellung. In den 70ern war der mit Depressionen und Alkoholproblemen kämpfende Werner nur in zwei Rollen zu sehen, in einer TV-Folge des „Columbo“ und in der „Reise der Verdammten“ (1976). Er verdiente – dank seiner unverkennbaren Stimme – großteils sein Geld mit Hörspielen und Lesungen. Im Sommer 1983 scheiterte er kläglich mit seinem Wachaufestival: Von insgesamt 26 geplanten Auftritten fanden nur eine Dichterlesung und die Aufführung des „Prinz Friedrich von Homburg“ im (später abgerissenen) Kremser Brauhofsaal statt. Am 23. Oktober 1984 starb Oskar Werner während einer Rezitationstournee in einem Marburger Hotel an einem Herzinfarkt.

 

Neben seinen zahllosen Filmen erinnert heute noch der Oskar Werner-Platz im 6. Wiener Gemeindebezirk an den großartigen Schauspieler, dessen glanzvolle Karriere leider zu früh endete. 

 

Die Ausstellung „100 Jahre Oskar Werner“ ist von 24. 3. 2022 bis 29.1. 2023 im Metro Kinokulturhaus zu sehen. Und zwar täglich von 14 bis 21 Uhr.

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Jugendkultur-Studie 2022: Politische Parteien, Kirchen und Medien unten durch!

Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Rekordinflation, Klimawandel,…  -  Das Alltagsleben der österreichischen Kinder und Jugendlichen ist geprägt von einer multiplen Krisen-Situation. Stimmung und Motivation sind trotzdem nicht am Nullpunkt. So beschreibt es zumindest eine aktuelle repräsentative Jugendstudie der t-factory Trendagentur in Kooperation mit dem Institut für Jugendkulturforschung unter 1000 österreichischen 16- bis 29-jährigen. Titel: „Generation Z – Eine Krisengeneration lässt sich nicht unterkriegen!“

 

Die Jugendlichen wünschen sich vor allem materielle und finanzielle Sicherheit, als Basis für die Gründung einer eigenen Familie. Mehr als der absolute Top-Job steht die Work Life-Balance im Mittelpunkt. Dies geht einher mit einer aktuellen Deloitte-Studie, in der junge Arbeitnehmer sich vor allem flexible Arbeitszeiten, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und eine wertschätzende Unternehmenskultur wünschen.

 

Besorgt über die Zukunft äußern sich vor allem Jugendliche aus der mittleren und unteren Sozialhierarchie, hier vermehrt Frauen und Alleinerziehende, die aufgrund der aktuellen Teuerungsraten und der Erhöhung der Mieten und Gebühren Angst haben, sich die Lebenshaltungskosten nicht mehr leisten zu können und in den Privatkonkurs zu schlittern. 

 

Vor allem die Bildungsschichten fürchten den Klimawandel und sind zu 2/3 der Meinung, dass sich die Welt bereits am „kritischen Wendepunkt“ befindet. In der weltweiten Deloitte-Studie „Global Gen Z & Millennial survey“ glauben allerdings nur fünf Prozent der österreichischen Befragten, dass sich die Regierung ausreichend für die Bekämpfung der Klimakrise einsetzt. Für die Grünen ein Alarmzeichen, denn an sich sind vor allem die höher gebildeten Jugendlichen sehr umweltaffin und wollen – beispielsweise in Wien – zu 52 % auf das eigene Auto verzichten.

 

Viele sehnen sich laut dem Studienleiter Prof. Bernhard Heinzlmaier zurück nach der Wachstums- und Aufbruchsstimmung der 70er und 80er, als Jobs en masse auf Akademiker, Maturanten und Lehrlinge warteten und die Ausbildung nicht so verschult war im 21. Jahrhundert. „Die Jugend fühlt sich aus dem Wohlstandsparadies vertrieben“, so Heinzlmaier in der Ö1-Sendung „Punkt Eins“.

 

Von der Politik erwarten die Jugendlichen keine Hilfe. Die politischen Parteien (14 %) und die Medien (17 %) sind jene Institutionen, denen die befragten Jugendlichen am wenigsten vertrauen. Auch der Bundespräsident bekommt in dieser Statistik schlechte Werte. Nur 35 % haben Vertrauen in das direkt gewählte Staatsoberhaupt, sein kürzlich getätigter Rat an Jugendliche, die „Zähne zusammenbeißen“, dürfte die Werte noch weiter sinken lassen. 

 

An der Spitze des Vertrauens-Rankings stehen die Arbeiterkammer (56 %), die Polizei (54 %), die Wirtschaftskammer (48,1 %), das Bundesheer (46,4 %) und der ÖGB (40,1 %), also vorwiegend Organisationen, die sinnstiftende, nützliche und beratende Tätigkeiten für die Bürger verrichten. Schlechte Werte verzeichnen die Bundesregierung (22,7 %) und die Kirchen (mit rund 20 %-Zustimmung). „Die Religionsgemeinschaften haben bei der Jugend verspielt, weil sie belehrend statt dialogorientiert sind, sich als zu wenig adaptionsfähig erweisen und ästhetisch unzulänglich kommunizieren“, so Heinzlmaier.

 

Verbessert haben sich die individuellen Eltern-Kind-Verhältnisse. Man sieht sich wieder als „gemeinsame Einheit“, die sich für die berufliche und private Zukunft der Familie bzw. des Kindes einsetzt und versucht, den aktuellen sozialen und wirtschaftlichen Status aufrechtzuerhalten. 

 

Aufgrund der gestiegenen Asyl-Zahlen im 1. Halbjahr 2022 (über 31.000 Asylanträge) ist ein Wiederaufflammen des Migrations-Themas in Zukunft nicht auszuschließen. Eine Spaltung wie einst zwischen links und rechts sei hier nicht erkennbar, allerdings eine zwischen Öffnung und Schließung Österreichs. Aufgrund der aktuellen mit milliardenschweren Hilfszahlungen verbundenen Krisen sei derzeit eine Mehrheit der Jugendlichen für eine restriktive Asyl- und Zuwanderungspolitik.

 

2/3 der Befragten aus mittleren und unteren Bildungsschichten lehnten die coronabedingten Maßnahmen strikt ab. Dass diese – teils ohne wissenschaftliche Evidenz bzw. ohne fundierte Begründungen – von oben herab verhängt wurden, hat sicher auch zum Vertrauensverlust der beteiligten Organe beigetragen. So beklagen 56 Prozent der jungen Österreicher einen Demokratieverlust, und fast 70 Prozent meinen, dass es besser sei, bei heiklen Themen (wie Asyl, sexueller Orientierung oder Gendersprache) seine tatsächliche Meinung nicht offen auszusprechen. Für die Zukunft einer offenen, liberalen, kommunikativen Gesellschaft kein gutes Zeichen…

 

https://jugendkultur.at/generation-z/

Griechische Götter auf der Vergnügungsmeile: Sandskulpturen-Ausstellung in Jesolo

Die italienische Tourismusmetropole Jesolo ist bekannt für ihren mit blauer Flagge ausgestatteten 15 km langen Strand und zieht jährlich rund 5 Millionen Gäste an die Adria. Feinkörnigen Sand findet man allerdings nicht nur auf den endlos langen Liegestränden, sondern auch entlang der beliebten Fußgängerzone Via Bafile. Auf der Piazza Brescia findet dort jährlich eine Sandskulpturen-Ausstellung statt, dieses Jahr bereits zum 24. Mal. Die bisherigen Themenbereiche reichten von Hollywood, Afrika, Dantes Göttlicher Komödie bis hin zu Pinocchio, der Serenissima Venedig und der pandemie-inspirierten „Animal Irony“ des Vorjahres, bei der Tiere freigelassene Räume besetzten.

 

2022 stand die „sculture di sabbia“ unter dem Motto „Die Ordnung der Welten“ (L´ordine dei mondi). Vom 18. bis 31. Mai kreierten internationale Bildhauer live drei imposante Sandskulpturen, die – bei freiem Eintritt – vom 4. Juni bis 25. September in der beliebten Einkaufs- und Vergnügungsmeile besichtigt werden können. Grundlage der aufeinander abgestimmten Werke ist die griechische Mythologie, im besonderen der Kampf des Göttervaters Zeus und der Kyklopen gegen die Titanen. Nach dessen Sieg wurde die Welt in drei Reiche aufgeteilt, die durch die Bildhauer dargestellt wurden.

 

Zeus als Herrscher des Olymps, des Himmels und der Lüfte throhnt hinter dem Springbrunnen der Piazza Brescia, konzipiert von Radovan Zivney (Tschechien) und Slava Borecki (Polen). Bruder Poseidon, der Herrscher des Meeres, wird im Werk der Künstlerin Susanne Ruseler (Niederlande) und David Ducharme (Kanada) der Göttin der Weisheit, Pallas Athene, gegenübergestellt, die um die Schutzherrschaft der griechischen Halbinsel Attika duellieren. Die dritte Sandskulptur von Pedro Mira (Portugal) und Jakub Zimacek (Tschechien) zeigt den Gott der Unterwelt, Hades, und dessen Fährmann Charon, der die Verstorbenen in einem Boot über den Totenfluss bringt. Düstere Legenden in der ansonsten sonnigen, entspannten und partyfreudigen Beach-Hochburg Jesolo…

 

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The Show must go on: Queen & Adam Lambert live in Madrid…

Vor mehr als 30 Jahren – am 24. November 1991 – starb einer der größten und schrillsten Rockstars aller Zeiten, Freddie Mercury, an Aids. Seine HIV-Infektion hatte er erst einen Tag vor seinem Tod öffentlich bekanntgemacht. Sein letztes visuelles Vermächtnis, das Video „These are the Days of our Lives“, gedreht unter der Regie von Rossacher/Dolezal. Die Hits seiner in den 70er-Jahren in London gegründeten Band Queen – schon damals eine Bezeichnung für den weiblichen Part einer homosexuellen Beziehung  – bleiben für immer unvergessen, und das nicht nur auf Tonträger oder Videoclips.

 

Trotz des Ausstiegs von Bassist John Deacon im Jahre 1997 betrachteten Gitarrist Brian May und Drummer Roger Taylor (die beide auch spannende Soloalben veröffentlichten) es auch als ihre Mission, die Musik, die Message und den Glamour der Queen-Songs am Leben zu halten und an künftige Generationen weiter zu verbreiten. Queen verkauften bis dato rund 300 Millionen Tonträger, es gibt aktuell ca. 16 Millionen öffentlich registrierte Queen-Fans weltweit. 2004 schlüpfte der ehemalige Free-Sänger Paul Rodgers, 2011 der amerikanische Sänger Adam Lambert live in die Fußstapfen Mercurys. Letztere Liaison mit den Queen-Originalmitgliedern hat bis heute Bestand.

 

„Freddie ist nicht zu ersetzen. Er war einzigartig. Ich sehe unsere Show eher als Feier und Würdigung seiner großen Lebensleistung“, so Adam Lambert in einem „Spiegel“-Interview, dessen Performance von „Bohemian Rhapsody“ bei der Casting Show „American Idol“ May & Taylor beeindruckt hat. Es folgten erste gemeinsame Auftritte bei den MTV-Awards im November 2011 und ein großes Aids-Benefiz Konzert in Kiew, bei der sie sogar Elton John in den Schatten stellten. Im Laufe der nächsten Jahre tourten Queen und Adam Lambert zweimal über die ganze Erdkugel, die dritte „Rhapsody“-Tour wurde coronabedingt – nach einem umjubelten Opening-Auftritt beim Platinum Jubilee von Queen Elizabeth – im Sommer 2022 nachgeholt. 

 

10 mal hintereinander brillierten Queen und Lambert in der riesigen Londoner O2-Halle, auch die zwei Konzerte im Madrider WiZink Center waren seit Monaten ausverkauft. Die generationenübergreifenden Massen strömten freudenstrahlend schon Stunden vor dem glamourösen Spektakel in die „Manege“ und wurden nicht enttäuscht. Die „Rhapsody Tour“ ist ein Fest der Superlative, mit den größten Hits von Queen, einer gigantischen Light-Show und einem charismatischen Frontman, der – wie Mercury – selbst schwul ist und theatralische Auftritte liebt. Die Show startet mit den rockigen Hits der 70er, „Tear it up“, „Seven Seas of Rhye“, „Killer Queen“ und dem Live Aid-Favourite „Hammer to fall“ und erreicht dann mit „Don´t stop me now“ (cause I´m having a good time) und „Somebody to Love“ ihren ersten Höhepunkt. Die spanischen Fans tanzen, als ob es kein Morgen gibt, und überall Handy-Kameras, die an dieses wunderschöne Konzert erinnern sollen und daheimgebliebene Instagram-Facebook-Nutzer neidisch machen werden. 

 

Bei „Bicycle Race“ sitzt Lambert in schwarzer Lederjacke auf einem Motorrad, beim Highlander-Hit „Who wants to live forever“ drückt er überzeugend auf die Tränendrüse. Der 80er-New Wave-Synthi-Hit „Another one bites the Dust“ und der 84er-Superhit „Radio Ga Ga“ (bei dem Filmausschnitte aus „Metropolis“ eingespielt werden) zeigen, dass Queen sich soundtechnisch stets der Zeit angepasst haben. 

 

Im Mittelteil der Show haben die Queen-Originalmitglieder ihre großen Auftritte. Drummer Roger Taylor performt den von ihm (!) geschriebenen Abschieds-Track „These are the Days of our Lives“, Brian May zelebriert die Ballade „Love of my Life“ aus dem 75er-Breakthrough-Album „A Night at the Opera“, die gesamte Halle erstrahlt durch die Handy-Lichter der Fans. Am Ende des Songs erscheint unter großem Applaus ein Hologramm Freddie Mercurys.

 

Die Zugaben läutet ebenfalls Mercury mit seinem legendären Wembley „Ay-Oh“ ein, Lambert trägt bei „We will rock you“ und „We are the Champions“ - wie einst die Queen-Ikone – eine goldene Krone. Die Fans sind begeistert und schweißüberströmt, Freddie Mercury, lässig-erotisch lächelnd vom Himmelsplafond garantiert auch. The Show must go on…

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EuGH-Urteil: Fluggastdatenspeicherung vor dem Aus ?!

Nach zwei Jahren Corona-Beschränkungen erholt sich – trotz Flugabsagen, Verspätungen, Streiks und Personalmangel – die Flugindustrie weltweit wieder. Im Hintergrund dieser Entwicklungen hat der Europäische Gerichtshof am 21. Juni 2022 ein epochales Urteil ausgesprochen, das für die Grund- und Freiheitsrechte der Flugpassagiere enorme (positive) Auswirkungen haben sollte.

 

Das Urteil bezieht sich auf die sogenannte PNR-Richtlinie, aufgrund der die EU-Mitgliedstaaten nationale Regelungen erlassen haben, in Österreich beispielsweise das BG über die Verarbeitung von Fluggastdaten zur Vorbeugung, Verhinderung und Aufklärung von terroristischen und bestimmten anderen Straftaten, kurz PNR-Gesetz. PNR steht für „Passenger Name Record“, also für die Buchungsdaten, die von den Fluggesellschaften gespeichert werden müssen. Für die Verarbeitung von Fluggastdaten ist die Fluggastdatenzentralstelle (Passenger Information Unit – PIU) beim Innenministerium eingerichtet.

 

Nichtigkeitsklage in Belgien

 

Die Ligue des droits humans (Liga für Menschenrechte) hat beim belgischen VfGH eine Nichtigkeitsklage gegen das nationale belgische Gesetz erhoben. Begründung: Das Gesetz verletze das Recht auf Achtung des Privatlebens und das Recht auf den Schutz personenbezogener Daten. Der VfGH hat daraufhin dem EuGH 10 Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt, die die Auslegung der PNR-Richtlinie betreffen.

 

Die Große Kammer des EuGH hat zwar die Gültigkeit der PNR-Richtlinie bestätigt, die damit einhergehende Auslegung könnte aber zu einem Ende der Fluggastdatenspeicherung in Europa führen. 

 

Fluggastdaten

 

Als Fluggastdaten bezeichnet das österreichische Gesetz insgesamt 18 Unterpunkte, darunter Zahlungsinformationen, Reiseverlauf, Reisestatus, Sitzplatznummer, Gepäckangaben oder die Namensangaben von Mitreisenden. Ein klarer Widerspruch zum Urteil des EuGH, für den die Verarbeitung von Daten auf das „absolut Notwendige beschränkt werden muss“. Bezüglich der strafbaren Handlungen muss ein Konnex mit der Beförderung von Fluggästen gegeben sein, das PNR-Gesetz nennt u. a. auch Umweltkriminalität, Betrugsdelikte oder schwere Körperverletzung.

 

Die PNR-Richtlinie bezieht sich eigentlich auf Flüge zwischen EU-Staaten und Drittstaaten. Die meisten EU-Staaten (inkl. Österreich) haben den Anwendungsbereich aber auf ALLE Flüge innerhalb der EU erweitert. Der EuGH betrachtet dies als generell unzulässig, ausgenommen es liegen „konkrete Umstände für eine terroristische Bedrohung“ vor. 

 

Künstliche Intelligenz

 

Bezüglich der Vorabüberprüfung der PNR-Daten dürfen keine Technologien der künstlichen Intelligenz im Rahmen selbstlernender Systeme herangezogen werden, die keiner menschlichen Kontrolle unterliegen. Hingewiesen wird in diesem Zusammenhang auch auf die hohe Zahl „falsch positiver Ergebnisse“ in den Jahren 2018 und 2019. So wurden in Deutschland bei 94.098 verdächtigen Fluggästen gerade einmal 277 positive Treffer erzielt, eine „Erfolgsquote“ von 0,29 Prozent.

 

Speicherfrist

 

Als unverhältnismäßig betrachtet der EuGH die 5jährige Speicherfrist der PNR-Daten. Eine Frist von 6 Monaten erscheint laut EuGH angemessen, das ist jene Frist, ab der laut dem österreichischen PNR-Gesetz erst eine Depersonalisierung der Daten eintritt. Diese kann übrigens durch richterliche Genehmigung sogar rückgängig gemacht werden.

 

Fazit: Das EuGH-Urteil als Himmelfahrtskommando für die EU-Gesetzgebungsorgane und die EU-Mitgliedstaaten, die hier wieder einmal versucht haben, mit den unsäglichen Mitteln der anlasslosen Vorratsdatenspeicherung in die Grund- und Freiheitsrechte unschuldiger Bürger einzugreifen. Und das, ohne tatsächliche Erfolge beim Kampf gegen den Terrorismus zu erzielen.

 

https://curia.europa.eu/juris/documents.jsf?num=C-817/19

Tate Modern - Museum für zeitgenössische Kunst an der Londoner Themse.

Das Jahr 2000: Weltweit das 1. Jahr nach dem epochalen Millennium-Wechsel, für die britische Hauptstadt London eines der prägendsten Jahre für die Zukunft als Tourismus- und Kulturmetropole. Die von Star-Architekt Norman Foster konzipierte Millennium Bridge wurde im Juni 2000 eröffnet, sie verbindet als reine Fußgängerbrücke über die Themse den Norden (insbesondere die St. Paul´s Cathedral) mit der prosperierenden South Bank. Und damit auch mit der im Mai 2000 neu eröffneten Tate Gallery of Modern Art in der ehemaligen Bankside Power Station.

 

Entworfen wurde das renommierte Museum vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron, die u.a. auch für die Allianz Arena in München oder das Nationalstadion in Peking verantwortlich zeichnen. Allein die Turbinenhalle ist 160 Meter lang und 30 Meter hoch, in der nicht nur überdimensionale Installationen und Skulpturen präsentiert, sondern auch zahlreiche Performances durchgeführt werden. So ließ dort beispielsweise der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Wei Wei 100 Millionen Sonnenblumenkerne aus Porzellan ausschütten („Sunflower Seeds“, Oktober 2010).

 

Für die Dauerausstellungen im sechsgeschossigen Natalie Bell Building ist der Zugang niederschwellig, Eintritt ist – wie in London üblich – nur für Sonderausstellungen zu bezahlen. Gegenstand sind Kunstwerke aus dem 20. und 21. Jahrhundert, die nicht chronologisch, sondern nach bestimmten wechselnden Schwerpunkten geordnet werden. Aktuell gliedern die Tate Modern-Kuratoren nach folgenden Kategorien: „Performer and Participant“, „Materials and Objects“, „Media Networks“ und „In the Studio“. 

 

In den frei zugänglichen Ausstellungsräumen warten Künstler wie Picasso, Matisse, Giacometti, Roy Lichtenstein, Andy Warhol, Jenny Holzer, Barbara Kruger („Who owns what“), Jackson Pollock oder der deutsche Aktionist Wolfgang Beuys auf die zahlreichen Besucher. Der deutsche Fotografie-Künstler Wolfgang Tillmans war 2017 mit einer spannenden Sonderausstellung vertreten. Ein besonderes Highlight ist derzeit der riesige Turm des brasilianischen Konzept-Künstlers Cildo Meireles, der aus rund 800 analogen Radios zusammengesetzt ist. Die Installation, an der Meireles 10 Jahre lang gearbeitet hat, nennt sich „Babel“. Eine Adaption der aus dem Alten Testament überlieferten Geschichte des „Turmbaus zu Babel“ und der „babylonischen Sprachverwirrung“. Die Radios wurden von Meireles so eingestellt, dass in dem blau schimmernden Raum zwar lärmende Töne erklingen, aber keine zu filtrierenden Informationen und Stimmen.

 

2016 wurde die Tate Modern Gallery durch das „Blavatnik Building“ erweitert, die Ausstellungsräume haben sich dadurch um weitere 60 Prozent vergrößert. Genützt werden dabei auch die ehemaligen Öltanks im Untergeschoß, und zwar für Performances, Installationen und Live-Konzerte. 

 

Mehr als 6 Millionen Besucher strömten im Jahr 2019 in das Londoner Museum für zeitgenössische Kunst. Die Tate Gallery of Modern Art zählt damit – nach dem Pariser Louvre und dem New Yorker Metropolitan of Art - zu den besucherstärksten Museen weltweit. 

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The Return: Heißer Konzert-Frühling mit Franz Ferdinand, Dua Lipa und Green Day!

„Das kommende Jahr wird ein ganz starkes Konzertjahr. Es ist wie früher, und das ist einfach schön.“ – Das waren die positiven Prognosen des Veranstalters Ewald Tatar (Barracuda) vor einigen Monaten, und tatsächlich haben seine Prophezeiungen ins Schwarze getroffen. Seit April findet fast täglich ein Konzert-Highlight in Österreich statt. Das reicht von Konzerten, die nach 2 Jahren Corona-Pandemie endlich nachgeholt werden konnten (wie die zwei fast ausverkauften Wanda-Acts in der Wiener Stadthalle oder den Pet Shop Boys im Gasometer), neu arrangierten Gigs (wie den Imagine Dragons im Ernst Happel-Stadion oder Parov Stelar im klassischen Wiener Konzerthaus) bis hin zum Comeback groß angelegter Festivals (wie dem Nova Rock in Nickelsdorf oder dem Donaufestival in Krems). Die Konzertdichte ist aktuell teilweise so hoch, dass Musik-Freaks auf ein Konzert verzichten müssen (und einen Gutschein in Anspruch nehmen), um zeitgleich ein anderes besuchen zu können. Terminstress nicht nur bei den Künstlern, sondern auch beim Publikum, das nach einer langen Durststrecke endlich wieder – ohne Masken und Corona-Beschränkungen – mit tausenden anderen feiern, trinken und tanzen dürfen.

 

Franz Ferdinand

 

Die Wiener Arena startete die Open Air-Saison mit der Glasgower Band Franz Ferdinand, die vor fast 20 Jahren mit dem Indie-Track „Take me out“ den Durchbruch schaffte. Dieser zählt auch heute noch zu den absoluten Highlights jedes Konzert-Gigs der Band, die sich allerdings in der Zusammensetzung geändert hat. Von den Gründungsmitgliedern sind noch der charismatische Sänger (und Gitarrist) Alex Kapranos und Bassist Robert Hardy mit an Bord, neu im FF-Team sind Gitarrist Dino Bardot, Keyboarder Julian Corrie (beide seit 2017) und die Drummerin Audrey Tait. Die bis dato bei mehreren schottischen Bands und Projekten aktive Schlagzeugerin feierte bei der „Hits to the Head“-Tour ein mehr als gelungenes Debüt.

 

In einem fast zweistündigen Greatest Hits-Furioso präsentierten sich Franz Ferdinand auf dem Arena-Gelände in absoluter Bestform: Smart, sexy, to the Beat und mit Dauer-Euphorie Richtung Fans. „All Killer – No Filler“: Kein Hit wurde ausgelassen: Vom Opener „The Dark of the Matinee“, „Do you want to“, den neuen Tracks „Billy Goodbye“ und „Curious“ bis hin zum Avantgarde-Indie-Track „Ulysses“ und zum Superhit „Take me out“. Eine endlos lange Version von „This Fire is out of Control“ beendete das Hit-Feuerwerk der schottischen Brit-Popper. Out of Control war auch die generationenübergreifende Fan Crowd in der Wiener Arena, endlich wieder Live-Feeling in Vienna.

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Swinging London in Soho: Now and Then!

„Swinging London“ – Das ist einer jener Trademarks der Sixties, die die Popkultur, die Mode und den Lifestyle der britischen Hauptstadt geprägt haben. Initialzünder war dabei das amerikanische Time Magazine, das in der Ausgabe vom 15. April 1966 vom kreativen und hedonistischen London schwärmte: „In a decade dominated by youth, London has burst into bloom. It swings. It´s the scene“. Epizentren der Londoner Avantgarde waren vor allem die Kings Roads in Chelsea und die Carnaby Street in Soho.

 

Swinging Carnaby Street in den Sixties

 

In der Carnaby Street präsentierte Mary Quant erstmals ihre Mini-Rock-Kreationen, Twiggy und Jean Shrimpton residierten als Idole der Mod-Subkultur. In der coolen Women Boutique Lady Jane wurden Models live im Schaufenster gestylt. Die Pop- und Rockstars der damaligen Zeit gingen in den Fashion Shops ein und aus, von den Beatles (die sich vom „Lord John“ einkleiden ließen), den Rolling Stones, The Who, den Small Faces oder den Kinks, die der Carnaby Street sogar einen satirischen Track widmeten: „Everywhere the Carnabetian Army marches on, each one a dedicated follower of fashion“. In den direkt im Umkreis befindlichen Clubs (wie dem Bag O´Nails oder dem Marquee Club) feierte die Jugend dann ab zu den schweißtreibenden Pop-Hymnen der britischen Beat-Bands.

 

Carnaby Street 2022

 

Die Carnaby Street ist auch heute noch eine attraktive Fußgängerzone mit trendigen Shops und lässigem Style. Oben über der Straße thront der bunte Regenbogen, unten warten Marken-Favourites wie Replay, Vans, Doc Martens, Scotch & Soda oder die italienische Männermarke David Naman auf die zahlungskräftigen Fashion-Freaks. Seit September 2020 haben die Rolling Stones auf der Carnaby Street einen eigenen Flagship-Store: „RS No. 9 Carnaby“. Der Shop ist schon von weitem durch die riesige große Zunge im Eingangsbereich zu erkennen, zu kaufen gibt es zahllose Merchandising-Artikel und Raritäten von den gerade wieder auf Tour befindlichen Stones. Das bunte Treiben der Carnaby Street begutachtet naturgemäß auch ein Beatle, und zwar John Lennon sitzend auf einer Bank mit auseinandergestreckten Armen. Die lebensgroße Skulptur „Imagine“ wurde vom britischen Künstler Lawrence Holofcener konzipiert, nicht nur die Instagram-Fans sind entzückt.

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„In Search of Humanity“: Ai Wei Wei-Retrospektive in der Albertina Modern

„1000 Jahre Freud und Leid“ heißt die kürzlich erschienene erste Autobiographie des aus Peking stammenden chinesischen Konzeptkünstlers und Menschenrechtsaktivisten Ai Wei Wei. Mit den Stationen seines Lebens (und damit verbunden dem künstlerischen Werdegang) beschäftigt sich auch die Retrospektive „In Search of Humanity“ in der Albertina Modern. Insgesamt 144 Kunstwerke – von Skulpturen, Installationen, Fotos, Performances, Videos,… - wurden im Erdgeschoß unter der Kuratel von Dieter Buchhart und Elsy Lahner auf einem äußerst spannenden und politisch hochbrisanten Parcours platziert.

 

Safe Sex

 

Diskriminierungen musste Ai Wei Wei bereits in seiner Kindheit erleiden. Gemeinsam mit seinem Vater, einem regimekritischen Dichter, lebte er in einem Erdloch und durfte erst nach dem Tod von Mao nach Peking zurückkehren. Nach einem Studium an der Pekinger Filmakademie wagte er als einer der ersten chinesischen Künstler den Sprung in die USA und lernte dort in den 80ern die Konzeptkunst, die Pop Art und den Minimalismus kennen. Aus dieser Zeit stammt u.a. sein auf die Aids-Epidemie bezogenes Werk „Safe Sex“, bei dem aus einem Regenmantel in Schritthöhe ein Kondom hängt. 

 

China

 

„Dropping a Han Dynasty Urn“ zeigt in drei nacheinander aufgenommenen Schwarz-Weiß-Fotos die Zerstörung einer Urne aus der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.), die heute als wertvoll gilt, obwohl sie damals nur ein Massenartikel war. Auf dem streng bewachten Platz des Himmlischen Friedens fotografierte Ai Wie Wei – als Protest gegen das Regime – die Künstlerin und damalige Freundin Lu Quin mit nach oben gehobenem Rock. 

 

Readymades

 

Bei einigen Werken in der Ausstellung nimmt Ai Wie Wei Anleihen vom französischen Konzeptkünstler Marcel Duchamp. Er montiert Fahrräder zu einem aus funktionsuntüchtigen Einzelteilen bestehenden Konstrukt (und zieht damit einen Konnex zur chinesischen Bevölkerung), verweist mit einem von Julian Assange 2016 geschenkten Laufband auf die Aussichtslosigkeit einer (illegalen) Haft oder platziert eine Kristallkugel im Mittelpunkt einer Sammlung von Schwimmwesten gestrandeter Flüchtlinge.

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London 2022: Hot Spots Trafalgar Square, Piccadilly Circus & Leicester Square!

London, die Stadt der Popkultur, der Fashionextravaganza, der Royalen Family, der feucht-fröhlichen Pubs, der Szene-Avantgarde. Kein Wunder, dass die 8,9 Millionen-Einwohner-Metropole jährlich von Touristen überrannt wird. Im Jahr 2019 besuchten 19,56 Millionen Travellers die Hauptstadt des United Kingdom, weltweit macht das Platz 5.

 

Trafalgar Square

 

Einer der zentralen Punkte Londons ist der Trafalgar Square, an dem sowohl die Whitehall (vom Parliament Square) als auch The Mall (vom Buckingham Palace) zusammenlaufen. Einst fanden hier zahllose wichtige politische Kundgebungen statt, von Winston Churchills Ansprache zum Sieg über Deutschland bis zu den Poll Tax Riots in den 90ern. Heute treten dort Straßenkünstler, Comedians und Musiker auf, zahllose Festivals (inkl. der Silvester-Celebrations) sorgen für große Menschenansammlungen. Aktuell promotet ein vor der National Gallery platzierter riesiger Animations-Dinosaurier den neuesten „Jurassic World“-Streifen.

 

Historische Bedeutung hat auch die 51 Meter hohe Nelson-Column, die zu Ehren des Londoner Admirals Lord Nelson errichtet wurde. Dieser hatte 1805 mit der englischen Flotte die Spanier und Franzosen besiegt, die Säule mit dem Admiral auf der Spitze ist genauso hoch wie sein einstiges Flaggschiff HMS Victory vom Kiel bis zur Mastspitze. Die „Black Lives Matter“-Bewegung ist weniger begeistert von den heroischen Taten Nelsons, sie fordert die Beseitigung des Denkmals, da Nelson ein Unterstützer der Sklaverei war.

 

The End by Heather Phillipson

 

Auf dem Trafalgar Square befinden sich auch noch weitere Standbilder diverser Generäle und Feldherrn. Kulturell und politisch spannend ist allerdings stets die temporäre Besetzung der nordwestlichen Ecke, der sogenannten „fourth plinth“. Der 4. Sockel wird seit dem Jahr 1999 für zeitgenössische Kunst verwendet, die in Wien für das Holocaust-Mahnmal auf dem Judenplatz verantwortliche Rachel Whiteread zählte zu den ersten auserwählten Artists im Jahr 2001. Seit August 2020 steht dort ein Werk der ehemaligen britischen Rave-DJ, Malerin und Installations-Künstlerin Heather Phillipson: „The End“. Auf dem Sockel platzierte sie ein neun Meter hohes und neun Tonnen schweres Sahnehäubchen, in das eine Kirsche gesteckt wurde und auf der eine Fliege und eine Drohne (!) krabbeln. Letztere überträgt die Film-Aufnahmen der Umgebung live ins Internet. Für Phillipson ist die Skulptur einerseits „eine Hommage an öffentliche Plätze als Orte des Genusses und des Zusammenseins“, andererseits eine Warnung vor der Überwachung des öffentlichen Raums.

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„Being boring is a Sin!“ – Pet Shop Boys auf „Greatest Hits“-Tour im Wiener Gasometer…

Mehr als 100 Millionen Tonträger haben Neil Tennant und Chris Lowe aka The Pet Shop Boys seit 1985 verkauft: 14 Studio-Alben, 40 Top 20-Singles in Großbritannien (inkl. 4 Nr. 1-Hits) plus Brit Award 2009 für „Outstanding Contribution to British Music“. Für das erfolgreichste Duo der britischen Musikgeschichte war insofern die Selektion das größte programmtechnische „Problem“ ihrer ersten Greatest Hits-Show, mit denen die beiden im Frühjahr und Sommer 2022 die europäischen Konzerthallen und Clubs beehren. Insgesamt 26 Tracks schafften den Sprung in die von Mastermind Tom Scutt konzipierte Show, der zuletzt mit Preisen für das Musical „Cabaret“ im Kit Kat Club überhäuft wurde.

 

Sänger (und Ex-„Smash Hits“-Journalist) Tennant und Keyboarder Lowe, die sich 1981 zufällig in einem Elektronikladen der Londoner King´s Road kennengelernt haben, starten im Wiener Gasometer strikt minimalistisch, mit seltsamen Kopfbedeckungen und schwarz-weißen Lightpanels im Background. Ohne Band und ohne Tänzer. Der Opener das Vorstadt-Epos „Suburbia“ aus den 80ern. Erst nach einigen Tracks (wie dem U2-adaptierten „Where the Streets have no Name“ und dem mit Videosequenzen angereicherten „Rent“) öffnete sich mit „Left to my own devices“ die gesamte Stage-Struktur. Vor dem Hintergrund greller Projektionen sorgten Percussionisten für den treibenden Sound der Londoner Hit Factory.

 

Auf dem Programm standen natürlich die 4 UK-Nr. 1-Hits der Pet Shop Boys, „West End Girls“ (als Zugabe mit Video-Reminiszenz an die schrille Londoner Szene der 80er), „It´s a Sin“, „Heart“ und das Elvis-Cover „Always on my Mind“. Beim melancholischen „You only tell me you love me when you´re drunk“ griff Tennant überraschend zur Akustik-Gitarre, bei den 70er-angehauchten Party-Hymnen „Go West“ (ein Village People-Cover) und „New York City Boy“ tanzten im Gasometer vereint die Pop-Wave-Generationen der letzten 40 Jahre. Band-Mitglied Clare Uchima versetzte sich kurz in die Rolle der 60er-Ikone Dusty Springfield und trällerte gemeinsam mit Neil Tennant das lässige Duett „What have I done to deserve this“. 

 

Dass die Pet Shop Boys auch noch im neuen Millennium modernen Dance-Pop produzieren, zeigen nicht nur die brandneuen in Berlin aufgenommenen Songs „Monkey Business“ und „Dreamland“ (dessen queerer Duett-Partner Olly Alexander gerade als „Years & Years“ durch Europa tourt), sondern auch der aus dem 2013er-Album „Electric“ stammende Track „Vocal“, der mit technoiden Beats und charismatischen Textzeilen („It's in the music. And everything about tonight feels right and so young“) an den Summer of Rave 1989 erinnert.

 

Melancholie und Sehnsucht nach der verlorenen, unbeschwerten, exzessiven Jugend kommen beim Final Track auf, „Being Boring“, der auf Zitaten der US-Autorin Zelda Fitzgerald aus den wilden 20ern beruht. „We were never being bored. Cause we were never being boring.“ Ein kongenialer Abschluss einer Show, die niemand anderer als Neil Tennant besser kommentieren könnte: „In Dreamworld being boring is a Sin“…

 

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Kremser Donaufestival 2022: Future Pop, Electro Punk, Rap & Twin Peaks-Performance!

Es ist wieder Donaufestival-Time in Krems. Nach einem programm- und besucherbeschränkten Spezial-Termin unter dem Motto „In the Year of the Metal Ox“ konzipierte Artistic Direktor Thomas Edlinger für das reguläre Frühjahrsintervall  ein derart spannendes Programm, dass gleich die ersten beiden Tage des April-Wochenendes ausverkauft waren. Die Freude über das Ende der Corona-Maßnahmen verbunden mit der Lust, endlich wieder Konzerte zu besuchen, Gleichgesinnte zu treffen, zu feiern, zu tanzen, die Sorgen des Alltags zu vergessen, tat ein übriges. Und so füllten sich die bewährten Veranstaltungsorte Minoritenkirche, Stadtsaal und Österreichhallen so wie zuletzt vor 3 Jahren. 

 

Auch das Publikum hat sich nicht verändert: Viele Kultur- und Musikfans aus dem Umkreis von Wien, die per Zug oder Shuttle-Busse anreisten, dazu „babylonisches Sprachgewirr“ von hochdeutsch, spanisch, englisch bis holländisch. Alternative-Nerds, die sich vermutlich wundern, warum in diesem traditionell angehauchten 25.000 Einwohnerstädtchen Acts auftreten, die man sonst nur beim Primavera in Barcelona, in düsteren Clubs von Berlin oder in London zu sehen bekommt. Der einst im Falter zitierte „Crash der Kulturen“ mit den Kremser Einheimischen fand allerdings zu keinem Zeitpunkt statt und wurde auch gar nicht angestrebt, der Kremser Jazzkeller fungierte an beiden Saturday Nights spontan als After Hour-Location für jene, die in Krems die Nacht zum Tag machen wollten.

 

The Motto

 

„Stealing the Stolen“ nennt sich das Festival-Motto dieses Jahres. Und es bezieht sich auf das ambivalente Thema der kulturellen Aneignung, die einerseits vor allem von Anti-Rassismus-Aktivisten kritisiert wird, andererseits in Form von Samples, Remixes, Appropriation Art (a la Cindy Sherman) oder Memes zu einer Weiterentwicklung der Kultur führt. Kurator Edlinger spricht im Programmheft von „Counter Appropriations“, die „nicht auf Ächtungen, sondern auf Inspirationen setzen, die sich in einer befreienden Praxis von unten und anderswo finden, die sich jenseits der Vorstellung von Besitz und Diebstahl bewegt.

 

Kriegsspiele

 

In die Tat umgesetzt wurde dies gleich am Opening Day durch den deutschen Künstler Julian Warner, der in der Kunsthalle Krems einen militärischen Sandkasten installierte und mittels dieses Instruments aus der preußischen Historie Reflexionen auf moderne Kriegsspiele vornahm. In seiner Rolle als Musiker „Fehler Kuti“ (angelehnt an den nigerianischen Afrobeat-Sänger Fela Kuti) zog er mit einer Blaskapelle und Mitgliedern der Band Notwist durch die Gänge der Kunsthalle bis hin auf die Straße und verbreitete dort seine politischen Botschaften über Kapitalismus, Rassismus und die Überwachungsgesellschaft.

 

Fire walk with me

 

In der Kremser Dominikanerkirche ließ sich der Performance-Künstler Ariel Efraim Ashbel vom Kult-Regisseur David Lynch und seiner Serie „Twin Peaks“ inspirieren. Nackte Frauen, laute Schreie, teuflische Symbole, Techno-Beats, die Besucher, die jederzeit den Handlungsspielraum betreten und verlassen dürfen, mitten im Geschehen unter dem Regisseur, dem Team und den unmittelbaren Akteuren. „Fire walk with me“ erstreckte sich an zwei Nachmittagen jeweils auf eine Länge von rund sechs Stunden.  

 

Queer Sex Photography

 

Die Künstlerin Stefanie Seibold zeigte am Messegelände mit ihrer enthüllenden Foto-Installation „Expropriating Appropriators“ die Konflikte zwischen feministischer Kritik und lesbisch-queerem Begehren. Der brillant gewählte Anwendungsfall: Sexualisierte Mode-Fotografien in der LGBTQ-Szene.

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Hamburg City Life: Art, Lebenslust und linke Parolen!

„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“: Dieser Schriftzug – in den ukrainischen Nationalfarben blau und gelb gehalten -ziert die älteste Kirche Hamburgs, die Sankt Petri Kirche in der Shoppingmeile der Mönckebergstraße. Ein klares Statement im Zentrum der nach Berlin zweitgrößten Stadt Deutschlands, die selbst während des Zweiten Weltkriegs schwer bombardiert und zerstört worden ist. Eine andere Kirche in der Innenstadt, die Nikolaikirche, die nur mehr als Turm-Ruine erhalten ist, dient heute als Mahnmal für die Kriegsopfer zwischen 1933 und 1945. Nach dem Fernsehturm ist der 147,3 m hohe Nikolaiturm das zweithöchste Gebäude Hamburgs und außerdem der fünfthöchste Kirchenbau der Welt.

 

Die Stadtansicht Hamburgs, die man vor allem südlich der Elbe gegenüber den Landungsbrücken perfekt begutachten kann, wird großteils geprägt durch die Türme der fünf Hauptkirchen St. Petri, St. Jacobi, St. Katharinen, St. Michaelis (bekannt als Wahrzeichen „Michel“) und St. Nikolai. Und natürlich durch den Turm des 1897 errichteten Rathauses, das in seiner Größe und Pracht die besondere Bedeutung der Hansestadt widerspiegelt und in dem das aus 123 Abgeordneten bestehende Landesparlament, die sogenannte Hamburgische Bürgerschaft, tagt.

 

Die letzte Wahl fand – kurz vor der Corona-Krise – am 23. Februar 2020 statt. Die rot-grüne Regierungskoalition agiert seitdem mit Zweidrittelmehrheit, die SPD stellt mit Peter Tschentscher den Ersten Bürgermeister, der in den letzten zwei Jahren – ähnlich  wie in Wien – einen restriktiven Corona-Kurs mit scharfen Maßnahmen (hinsichtlich Maskenpflicht oder Club-Zutrittsbarrieren) verantwortete und dabei auch auf viel Widerstand stieß. In einer multikulturellen Stadt, die gerne feiert und das Leben genießt, kein Wunder.

 

Gleich unweit vom Rathaus befindet sich der sogenannte Jungfernstieg, die älteste Flaniermeile Hamburgs. Dort, unmittelbar an der Binnenalster, erfreuen sich die Hamburger bereits an den ersten, warmen Frühlingssonnenstrahlen und nehmen lässig ein paar Drinks im erstmals 1799 eröffneten Alsterpavillon (der einst auch bei den rebellischen „Swing Kids“ der Nazi-Zeit erste Anlaufadresse war) oder im neuen Glas-Kubus des renommierten Architekten Andre Poitiers. Mit etwas Glück trifft man vielleicht Panik-Rocker Udo Lindenberg, der im weißen Luxushotel Atlantic, direkt an der Außenalster, als Dauermieter einquartiert ist. Und das ohne Sonderzug nach Pankow.

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An den Landungsbrücken raus! Hafenmetropole Hamburg.

„An den Landungsbrücken raus. Dieses Bild verdient Applaus“. Klingt wie ein genialer Werbeslogan einer Stadtmarketing-Agentur. Ist aber eine Liebeserklärung des Kettcar-Sängers Marcus Wiebusch an seine Heimatstadt Hamburg. Und war damals Anfang der Nullerjahre ein Anspruch an sich selbst (und alle anderen), niemals seine Ziele aufzugeben: „Aufstehen, atmen, anziehen und hingehen. Zurückkommen, essen und einsehen zum Schluss: Dass man weiter machen muss.“

 

Die ersten (hölzernen) Schiffsanleger entstanden in St. Pauli bereits 1839. Dampfschiffe konnten hier gefahrlos mit Kohle befüllt werden. Die heutigen Landungsbrücken wurden ab 1907 errichtet und bestehen aus 8 schwimmenden Pontons, die miteinander verbunden sind. Nach einer teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg durch die Operation Gomorrha erfolgten im Laufe der nächsten Jahrzehnte Neuerrichtungen, Sanierungen und Modernisierungen.

 

Tourismus-Hot Spot

 

Heute sind die Landungsbrücken Anlegestelle für (öffentliche) Hafenfähren (wie der Elbfähre 72 zur Elbphilharmonie oder der rundfahrt-tauglichen Fähre 62 nach Finkenwerder), Barkassen, Schaufelraddampfer und Passagierschiffe bzw. ein sympathisch überfüllter Treffpunkt für Touristen und Einheimische, die zumeist mit der oberirdisch passierenden „Hafen-U3“ anreisen. Fischbrötchen und kühle Getränke in den zahlreichen kleinen Lokalen und Restaurants locken die Besucher auf die wunderschöne Flaniermeile. Und natürlich die tolle Aussicht auf den drittgrößten Hafen Europas („Deutschlands Tor zur Welt“), die auf der Elbe kutschierenden Schiffe (inkl. der an Deck liegenden Museumsschiffe Cap San Diego und Rickmer Rickmers) und das neue Wahrzeichen Hamburgs, die Elbphilharmonie.

 

Alter Elbtunnel

 

Eine besondere Attraktion erwartet die Besucher am westlichen Ende der Landungsbrücken, der Alte Elbtunnel. Dieser wurde 1911 für die zwischen  St. Pauli und Steinwerder pendelnden Hafenmitarbeiter errichtet. Er hat eine Länge von 426,5 Metern, liegt 24 Meter unterhalb der Elbe und besteht aus zwei 6 Meter hohen Röhren, die seit den 90ern saniert werden. Erreicht werden kann der Alte Elbtunnel durch einen imposanten Personenaufzug und einen (fast) schwindelerregenden Treppenabgang mit 132 Stufen. Aktuell kann nur die Oströhre – von Fußgängern und Radfahrern – betreten werden, die Weströhre wird derzeit saniert. Die Bauarbeiten auf der „faszinierendsten Baustelle der Stadt“, so der Hamburger SPD-Finanzsenator Andreas Dressel, sollen 2026 fertiggestellt sein.

 

Empfehlenswert ist die direkt durch den Alten Elbtunnel erreichbare Aussichtsplattform in Steinwerder, die einen großartigen Blick auf die Landungsbrücken, St. Pauli und das nördliche Hamburg (mit seinen zahlreichen Türmen) bietet.

 

Fischmarkt

 

Wer die Fischmarkt-Atmosphäre direkt an der Elbe im westlich gelegenen Altona live miterleben will, der hat zwei Möglichkeiten, entweder früh aufstehen oder die Nacht (auf der nahen Reeperbahn) durchmachen. Los geht es bereits ab 5 Uhr früh jeden Sonntag…

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Masquerade-Beats: Claptone live im Wiener O-Club...

Egal, ob Ibiza, Miami, London oder Vienna. Dort, wo ein DJ mit seiner venezianischen Schnabelmaske und seinen weißen Handschuhen hinter den Turntables residiert, strömen die house-begeisterten Massen und tanzen ekstatisch bis in den Morgengrauen. Am 1. April beehrte der angeblich aus Berlin stammende „Claptone“ wieder einmal den Wiener O-Club in der Albertina-Passage.

 

Die Stimmung war nicht nur aufgrund der liberalisierten Corona-Maßnahmen ausgezeichnet, Maske trug nur der Soundzauberer hinter dem DJ-Pult, und die ohne FFP2-Trademark. Drei Alben hat Claptone bis dato veröffentlicht, sein letztes, „Closer“, enthält zahlreiche Kollaborationen mit Künstlern wie Seal („Just a Ghost“), Dizzy („Queen of Ice“) oder Mayer Hawthorne („Feel this Way“), die Claptone kongenial in seine Sets einbaut. Dazu kommen zahlreiche Remixes für prominente Artists wie Dua Lipa („Physical“), Elton John („Cold Heart“), Gorillaz oder Oden & Fatzo, die zu den absoluten Dancefloor-Hits der Szene zählen. Auf seiner Setlist in Wien stand natürlich auch der „Liquid Spirit“-Remix, der laut dem Magazin „Jazz Line“ den Verkauf der Original-Platten Gregory Porters immens ankurbelte.

 

 

Was Claptone (außer vermutlich der Anonymität) an der Maske so schätzt, sind die verschiedenen Bezugspunkte seiner Maskerade, der schrille Karneval von Venedig, das „golden bling bling hip hop thing“, das Erscheinungsbild eines Vogels oder auch der mysteriöse letzte Kubrick-Film „Eyes wide Shut“. „The Masquerade“ nennt sich übrigens auch die hedonistische Party-Reihe Claptones im legendären Ibiza-Club Pacha, die der DJ – gemeinsam mit Fatboy Slim, LP Giobbi, James Hype & Co. – jeden Samstag von 14. Mai bis 15. Oktober 2022 zelebriert. Flieger und Hotel rechtzeitig buchen!

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"Die Wüste lebt" by Oliver Ressler: MQ-Fotoaktivismus gegen die Wiener Stadtstraße!

Junge Klimaaktivisten gegen die „Betonierer“ der Stadt Wien: Dieser Konflikt spitzt sich seit ein paar Monaten im Norden Wiens zu. Im September 2021 blockierten Gegner des Lobautunnels Eingänge zur Baustelle für die 460 Millionen Euro teure vierspurige Stadtstraße (die künftig Aspern mit Hirschstetten und der Südosttangente verbinden soll) und errichteten Protestcamps u.a. in der Hausfeldstraße. Im Epizentrum: Eine dreistöckige Holzpyramide.

 

Obwohl die Umweltministerin Leonore Gewessler dem Lobau-Tunnel aufgrund der Klimakrise eine Absage erteilte, bleibt die Stadt Wien beim Bau der Stadtstraße (die – was von den Demonstranten und anerkannten Verkehrsexperten bezweifelt wird - der Verkehrsentlastung der Seestadt dienen soll). Am 1. Februar 2022 erfolgte die polizeiliche Räumung, 48 Aktivisten wurden verhaftet, die Holzpyramide wurde durch Bagger zertrümmert. Parallel dazu wurden rund 380 Bäume gefällt. Die traurigen Bilder davon erschienen nahezu live auf allen sozialen Medien.

 

Der Künstler und Filmemacher Oliver Ressler, der bereits an über 400 Gruppenausstellungen (u.a. in Madrid, Paris oder Venedig) teilgenommen hat, hat zu diesem Thema in der MQ Art-Box eine Foto-Installation unter dem Titel „Die Wüste lebt“ konzipiert. Kernfrage: „Was wäre, wenn es gelingen würde, das als „Wüste“ bezeichnete Gelände nach den Vorstellungen der Klimaaktivisten umzugestalten?

 

In direktem Kontrast zu den kahlen, deprimierenden Betonflächen hat Ressler rund um die Holzpyramide eine Wald-Wiesen-Seen-Landschaft erstellt, in der sich jeder Mensch wohlfühlen würde: Mit Bio-Gemüsebau, Aufforstungen, selbstorganisierten sozio-ökologischen Initiativen und einem kreativen Kulturzentrum am Rande des Geländes mit Workshops zu ökologischen und sozialen Themen und Kulturprogrammen.

 

In der Foto-Montage ist die Stadtautobahn durch ihre Absenz präsent. „Denn die Siege der Klimagerechtigkeitsbewegung sind schwer zu sehen. Es sind die Autobahnen, die nie gebaut wurden; die Erdölförderanlagen, Kohlekraftwerke, Pipelines und Flughäfen, die diesem Planeten erspart bleiben. Es sind die Wälder, die nicht abgeholzt wurden, die Flüsse und Seen, die nicht vergiftet wurden“, so Oliver Ressler in einem eindrucksvollen Text auf der Fläche des Kunstprojekts.

 

 

Der politische Irrweg geht leider weiter. Am 5. April wurde – im Auftrag des staatlichen Autobahnunternehmens Asfinag – ein weiteres Protestcamp in der Hirschstettnerstraße geräumt. Dort, wo künftig die 3,2 km lange Stadtstraße in die Südosttangente münden soll. „Ein Relikt aus verkehrspolitischer Steinzeit“, so Global 2000 zu den Plänen der Stadt Wien.

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Jedermann Remixed: Hochmair & Razelli clubben im Wiener Stadtsaal!

„Was ist das für ein Glockenläuten, mich dünkt, es kann nichts Gut‘s bedeuten!“. Seit dem Jahr 1920 tönen diese knittelformähnlichen Verse am Salzburger Domplatz, wenn der reiche Jedermann wieder einmal seinen letzten Weg antritt. Im März 2022 erobern sie den Club, und zwar den Wiener Stadtsaal, wenn der charismatische Hauptdarsteller Philipp Hochmair mit lauter Stimme nach dem Autor schreit: „Hugo von Hofmansthal, wo bist du?“

 

„Jedermann Remixed“ nennt sich dieses modern-düstere Avantgarde-Stück, das Hochmair gemeinsam mit dem Wiener Mash-Up-Künstler Kurt Razelli entwickelt hat. Eine fast logische Fortsetzung von Hochmairs Abhandlungen mit dem historischen Stoff: „Jedermann Reloaded“ gemeinsam mit der „Elektro Hand Gottes“ in einer Rock-Version, zu sehen u.a. im Burgtheater und im Stephansdom, in der Hochmair ebenfalls alle Rollen spielte, dann der fast kultige Ersatz des wegen Krankheit ausgefallenen Hauptdarstellers Tobias Moretti bei den (bürgerlichen) Salzburger Festspielen 2018. Und jetzt eine auf die wesentlichen Passagen komprimierte Club-Version mit tanzbaren Beats, Loops, Effekten und Soundgeräuschen, live remixed by Razelli, der auf der Bühne stets seine Arnold Schwarzenegger-Maske trägt.

 

Tatsächlich ist eigentlich auch Hofmannsthals „Jedermann“ ein Remix. Die Ursprünge des Spiels vom Sterben des reichen Mannes stammen aus dem Mittelalter und zwar von den englischen Mysterienspielen („Everyman – A Morality Play“) im London des 16. Jahrhunderts, bei denen wie in der späteren Bearbeitung die Figuren Gott, Teufel, Tod, Mammon, Glaube und Werke als Personifikationen auftreten. Hochmair spielt alle diese Rollen mit Intensität und Leidenschaft, den Jedermann selbst als rauchenden, trinkenden Rocker mit Lederjacke und Totenkopf-T-Shirt. Requisiten wie ein Trichterlautsprecher verschaffen den alten Versen noch eine züsätzliche Massivität. Die über 100 Jahre alten Zitate Hofmannsthals haben heute noch mehr Wahrheitsgehalt als damals: „Des Satans Fangnetz in der Welt hat keinen anderen Nam als Geld“, auf dem Video-Screen des Stadtsaals werden dazu parallel die Luxusschiffe und Sportwägen der Superreichen abgebildet.

 

„Ich verlass dich hier. Spiel wird mit nit mehr gefallen“. Nicht nur die Buhlschaft, sondern auch alle anderen Gesellen, Verwandten und Freunde lassen von Jedermann ab und verweigern die Begleitung ins Totenreich. So auch der Mammon ebenfalls in Gestalt von Hochmair mit horriblen Worten „Fährst in die Gruben nackt und bloß. So wie du kamst aus Mutters Schoß“.

 

 

„Eine letzte Stunde Aufschub bekommt Jedermann vom Tod, ein schwingendes Pendel symbolisiert im Hintergrund die unentrinnbare Frist. Die guten Werke und der Glaube retten den Jedermann in letzter Sekunde. Hochmair stirbt mit Totenkopf in der Hand einen triumphalen Tod im Stadtsaal, die Engel singen. Nicht nur in Form der Standing Ovations der begeisterten Zuschauer…

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Schluss mit Massenkindhaltung: Personal fordert mehr Geld für Kindergärten!

„Die Elementarbildung stärkt die kognitiven, sprachlichen und akademischen Fähigkeiten von Kindern und trägt zum schulischen, sozialen und beruflichen Erfolg bei. Vor allem bei den unter 3jährigen und bei Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien hängen diese Effekte von der Qualität der Bildungseinrichtung ab“. Das besagt eine international anerkannte Meta-Studie von Melhuish & Co. aus dem Jahre 2015 und lässt eigentlich keine Zweifel offen. Sollte man glauben. In Österreich dürften diese Erkenntnisse noch nicht bei der hiesigen Politik angekommen sein.

 

Budgeterhöhung

 

Gerade einmal 0,7 % des BIP werden in der Alpenrepublik in die Elementarbildung investiert. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 0,9 %, die nordischen Bildungs-Vorzeigeländer weisen allerdings deutlich höhere Werte auf (Norwegen 2 %, Schweden 1,8 %, Dänemark 1,3 %). Das Netzwerk Elementare Bildung (NBÖ), eine Aktionsplattform (die aus zahlreichen Vereinen, Organisationen und Berufsgruppen besteht), fordert als ersten Schritt zumindest finanzielle Mittel in Höhe von 1 % des BIP, listet aber noch zahlreiche weitere Mängel im System der österreichischen Elementarpädagogik auf, die so schnell wie möglich beseitigt werden müssen.

 

Laut Statistik Austria gibt es in Österreich 8600 Kinderbetreuungseinrichtungen (4600 Kindergärten, 2400 Krippen, 1600 altersgemischte Einrichtungen), in denen rund 323.000 Kinder untergebracht sind. Diese unterliegen aber keinem einheitlichen Bundesgesetz, sondern – je nach Bundesland – unterschiedlichen Landesgesetzen und –verordnungen, die teils gewaltige Unterschiede bezüglich Strukturqualität, Ausbildung, Dienstrecht und Entlohnung aufweisen.

 

Dementsprechend variabel sind in den einzelnen Bundesländern auch die Betreuungsverhältnisse und durchschnittlichen Gruppengrößen, die bei unter Dreijährigen von 8 bis 16 bzw. bei älteren Kindern von 17 bis 23 reichen. Wissenschaftliche Studien fordern für die Altersgruppen der Unter-3jährigen eine Maximalgruppengröße von 8 Kindern und für Kinder zwischen 3 und 6 eine Höchstgrenze von 18 Kindern.

 

Pädagogen-Kind-Relation

 

Eine zweite wesentliche Größe der Strukturqualität ist die sogenannte „Pädagogen-Kind-Relation“, das ist jene Arbeitszeit, die die pädagogische Fachkraft unmittelbar in direkter Interaktion mit den Kindern verbringt. Diese sollte bei Kindern bis 3 maximal 1:4 und bei älteren Kindern maximal 1:9 betragen. Werte, die in vielen Kindergärten Österreichs (derzeit) eine Utopie darstellen und daher im Mittelpunkt der zahlreichen Demonstrationen der Elementarpädagogen stehen. Motto: „Schluss mit Massenkindhaltung!“

 

Die Aktivisten fordern weiters die Gewährung von 25 Prozent der Arbeitszeit als Vorbereitungszeit für die Elementarpädagogen. Darunter fallen Zeiten für die pädagogische Planung und Reflexion, Beobachtung, Dokumentation, Teamsitzungen, Elternkooperationen oder Qualitätssicherung. Der zeitliche Umfang dieser Tätigkeiten variiert zumeist nicht nur zwischen den Bundesländern, sondern auch bei den einzelnen Kinderbetreuungs-Trägern selbst, und sollte daher einheitlich geregelt werden.

 

Tertiäre Ausbildung

 

Kritisiert wird zu Recht auch die Ausbildung der Elementarpädagogen. Diese werden derzeit in fünfjährigen berufsbildenden höheren Schulen mit Matura auf das Berufsleben vorbereitet. „In einer Phase, in der sie sich selbst noch in ihrer mittleren und späteren Adoleszenz befinden“, so das NBÖ in einem aktuellen Folder. Österreich ist eines der letzten Länder Europas, in der es keine akademische Ausbildung für Elementarpädagogen gibt. Obwohl internationale Studien klar darauf hinweisen, dass eine „formale Professionalisierung durch einen tertiären Bildungsweg Kompetenzvorteile bringt“.

 

Regional unterschiedlich ist die Ausbildung für die Assistenzkräfte, die die Elementarpädagogen während des gesamten Tages unterstützen und oft auch als Vertretung die Gruppenführung übernehmen müssen. Seit 2015 wird ein dreijähriger Lehrgang für Assistenzpädagogik angeboten, das Aufgabengebiet inkludiert allerdings keine Verantwortung für pädagogische Entscheidungen.

 

Faire Gehälter

 

Neben der Verbesserung der Rahmenbedingungen und der Ausbildung müssen auch die Gehälter der Elementarpädagogen angehoben werden. Trotz der Wichtigkeit der frühkindlichen Bildung – zu keinem Zeitpunkt können laut neurowissenschaftlicher Studien Kinder so viel in so kurzer Zeit lernen – werden die Pädagogen und Assistenzkräfte unterdurchschnittlich entlohnt und liegen sogar unter dem Gehaltsniveau der Volksschullehrer. Dieser damit verbundene geringe Respekt der Gesellschaft vor den Leistungen des Personals führt nicht nur zu einer hohen Kündigungsquote, sondern auch zu einer großen Anzahl von ausgebildeten Elementarpädagogen, die nach der Matura nicht ins spezifische Arbeitsleben einsteigen, sondern die Universität besuchen oder in andere Branchen wechseln.

 

 

Kinder sind unsere Zukunft und brauchen die bestmögliche Fürsorge und Bildung bereits in den ersten Jahren ihres Lebens. Eine sofortige Budgeterhöhung auf zumindest 1 Prozent des BIP und eine Attraktivierung des Berufsfeldes der Elementarpädagogen können dabei nur die ersten Schritte sein. Dass diese Reformen nicht ohne jahrelange, bundesweite Proteste und Demonstrationen der Betroffenen in Angriff genommen werden, wirft ein bedenkliches Bild auf die politischen Visionen und Präferenzen Österreichs…

„It´s good to be back!“: Lässiger Indie-Pop von Metronomy im Gasometer!

„It´s good to be back“ – So heißt die neue Single der britischen Band Metronomy. Und passender kann dieser Titel nicht gewählt sein. Nach zwei Jahren öffnet das Wiener Gasometer wieder seine Pforten für heiße Pop- und Rockkonzerte. Und die südenglische Band Metronomy zählt – mit ihrem aus dem März 2020 (!) verschobenen Gig - zu den ersten, die dort wieder für ausgelassene Party-Stimmung und Clapping Hands sorgen. Die österreichischen Musik-Fans haben viel zu lange auf Live-Atmosphäre und Lebensfreude verzichten müssen.

 

Nach einer extravaganten Support-Show des britischen Queer-Künstlers Lynks starten Metronomy mit der lässigen „Love Factory“ aus ihrem brandneuen Album „Small World“. Die Band besteht aktuell aus fünf Mitgliedern. Als Sänger und Songschreiber fungiert Joseph Mount, der die Band bereits 1999 gegründet und unter diesem Namen auch zahlreiche Remixes (u.a. für Gorillaz, Ladytron oder Goldfrapp) veröffentlicht hat. Bassist Gbenga Adelekan ist in bester Spiellaune und peitscht das Publikum zum Tanzen und Klatschen auf. Dazu Keyboarder Oscar Cash, Gitarrist Michael Lovett und die lässige Drummerin Anna Prior, die vor einer bunten Visual-Wand den Metronomy-Sound noch tanzbarer macht.

 

Auf der Tour-Setlist stehen neben Tracks aus dem neuen 7. Album (wie „Right on Time“ und „Things will be fine“, ein weiterer positiver Slogan) Songs aus den letzten 15 Jahren ihrer Karriere: „The Bay“ und „Everything goes my Way“ (aus dem bisher erfolgreichsten Album „The English Riviera“ aus dem Jahr 2011), „Love Letters“ (aus dem gleichnamigen 2014er-Album) oder das an frühe Duran Duran-New-Wave-Hymnen angelehnte „Holiday“ (aus dem zweiten Album „Nights Out“). Nicht fehlen darf natürlich das aus einem Zalando-Werbespot bekannte „Salted Caramel Ice Cream“ aus dem Jahr 2019. Als das Intro zum Superhit „The Look“erklingt, sind die Indie-Pop-Fans im Wiener Gasometer nicht mehr zu halten.

 

 

Letzte Zugabe ein treibender, roher Underground-Track aus den Frühzeiten der Band: „You could easily have me“. Dann gehen die Lichter an. Die Party ist zu Ende, und gleichzeitig hat sie wieder begonnen. 

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„We stand with Ukraine“: Benefiz-Konzert für den Frieden im Happel-Stadion!

„Es ist kein Konzert gegen etwas, sondern für den Frieden und die Freiheit und für die Menschen, die unter dem Krieg in der Ukraine leiden.“ Die Jungs von Wanda einige Tage vor dem Benefiz-Konzert „We stand with Ukraine“ im Wiener Ernst Happel-Stadion. Die Initialzündung kam vom Top-Veranstalter Ewald Tatar (Barracuda Music), während er gerade die Nova Rock Hallen in Nickelsdorf als Flüchtlingsquartier vorbereiten ließ. Innerhalb von 14 Tagen wurde ein hochkarätiges Programm mit den größten Stars der österreichischen Musikszene zusammengestellt, der (eigentlich geringe) Ticketpreis betrug 19,91, angelehnt an das Unabhängigkeitsjahr der Ukraine, 1991. Die rund 40.000 Tickets waren binnen weniger Tage restlos ausverkauft, den unmittelbaren Erlös von rund 800.000 Euro überreichte Tatar dem Volkshilfe-Chef Erich Fenninger live auf der Bühne.

 

Bei sonnigem Wetter versammelten sich bereits am frühen Nachmittag zahlreiche Musikfans, die nicht nur Geld für den guten Zweck sammelten, sondern auch sich selbst wieder ein Stück Lebensfreude zurückgaben. Endlich wieder ein Konzert ohne Einschränkungen und ohne Masken (die bei Freilaufveranstaltungen nur empfohlen werden). Und das bei einem sensationellen, bunt gemischten Line Up zwischen internationalem Pop, Hip Hop, Rock und Austro-Hadern.

 

„Darf i singen, dürfen wir feiern? Solange die Welt nicht dieselbe ist? Aber wenn wir schweigen, haben wir unsere Freiheit dann nicht freiwillig verloren an einen alten kleinen Mann?“ so die Sängerin Ina Regen in einer neuen Strophe ihres Lieds „Rot“. Ein Auftritt in einem ausverkauften Stadion sei für sie immer eine Utopie gewesen, zustandegekommen sei dieser Traum durch einen Krieg. Marco Pogo, politisches Aushängeschild der „Bierpartei“ und Sänger der Punk-Formation Turbobier, brachte die nötige Stimmung ins Stadion, um den Bierkonsum (und damit auch die Spendenerlöse) zu erhöhen. Im sexy Outfit präsentierte sich Pop-Sängerin Mathea („2x“), die nach einem Wechsel ins Management-Team von Raf Camora gerade einen Imagewechsel praktiziert. Der neueste Hit „Funke, Flächenbrand“ durfte nicht fehlen.

 

„Ein Leben ohne Grenzen, eine Freedom zu verschenken, eine Freiheit, nicht zu denken“, das wünschten sich Bilderbuch – bei gleichzeitiger Ausstellung eines „EU-Passes“ im Jahre 2019. „Europa 22“ stand – neben ihren Hits „Maschin“ und „Bungalow“ – auch auf der Setlist ihres großartigen Benefiz-Auftritts. Zumindest grenzüberschreitend wird in Europa jetzt geholfen. Das betonte auch Bundespräsident Van der Bellen, der zwischen den Auftritten der Austro-Barden Seiler & Speer und Pizzera & Jaus die Bühne betrat und mit eindringlichen Worten die sofortige Beendigung der Kämpfe forderte: „Präsident Putin: Stoppen Sie diesen Krieg!"

 

Für kräftige Buh-Rufe im ausverkauften Stadion sorgte Marco Michael Wanda, indem er die Besucher zum Ausbuhen des Kriegs animierte. Dann durfte wieder getanzt, gefeiert und gelacht werden, zu den fröhlich-melancholischen Pop-Rock-Hits „Bologna“, „Auseinandergehen ist schwer“, „Columbo“ und dem neuen Gassenhauer „Rocking in Vienna“. Bevor in einem Grande Finale die All Stars dieses Konzertabends unter der Chorleitung von Ina Regen den John Lennon-Klassiker „Imagine“ ins Mikro schmetterten.

 

 

„Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts“: Das berühmte Zitat des ehemaligen sozialdemokratischen Kanzlers Willy Brandt aus dem Jahr 1981 hat auch in Zeiten von Globalisierung, Internet und sozialen Medien nichts an Bedeutung verloren…

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Artists for Ukraine: Videos und Bild-Projektionen auf den Fassaden des MQ Wien

Das Museumsquartier Wien setzt politische Akzente und präsentiert unter dem Titel „Artists for Ukraine“ eine künstlerische Solidaritätsaktion für die Ukraine. Verschiedene Künstler aus der Ukraine (Koordination Nikita Kadan), Belarus (Koordination Marina Naprushkina) und Russland zeigen auf der Hauptfassade des MQ Wien und der Fassade des Leopold Museums politische und gesellschaftliche Statements. Mit Hito Steyerl und Clemens von Wedemeyer sind auch zwei renommierte deutsche Videokünstler mit Anti-Kriegs-Botschaften vertreten. Die Beiträge sind bis zu 2 Minuten lang und werden per Loop zwischen 18 und 23 Uhr auf die Mauern des Museumsquartiers projiziert.

 

Unter der stetig steigenden Anzahl von teilnehmenden Künstlern befinden sich auch Kreative, die bereits in den Hallen des Museumsquartiers mit Ausstellungen und Installationen für Furore gesorgt haben. Der in Kiew geborene Nikita Kadan präsentierte beispielsweise im Jahre 2019 seine „Project of Ruins“, jetzt zeigt er im Rahmen seiner Collage „Protection of Plants“ Fotos von zerschossenen Gebäuden, über die Illustrationen von Pflanzen und Gemüsesorten eingefügt werden. Die noch zu Zeiten der Sowjetunion geflüchtete Widerstandskämpferin Anna Jermolaewa publizierte ihre politischen Videos und Installationen bereits im Mumok und in der Kunsthalle Krems, im Rahmen der Aktion „Artists for Ukraine“ zeigt sie einen emotionalen Zusammenschnitt auf die Flüchtlingssituation in der polnischen Grenzstadt Przemysl.

 

„Stop the Violence“ ist die eindeutige Botschaft der weißrussischen Künstlerin Antanina Slabodchykava. Das Wort „Gewalt“ wird dabei in verschiedene Sprachen übersetzt und rigoros durchgestrichen. Weite Verbreitung im Internet fand das Video der weissrussischen Aktivistin Ulyana Nevzorova, die in einer U-Bahn das Plakat mit der Aufschrift „This Poster can be the Reason for my Detention“ trägt. Derartige, nicht genehmigte Einzelkundgebungen werden in Belarus mit einer Geldstrafe von bis zu 50 Tagessätzen oder einer Freiheitsstrafe von bis zu 15 Tagen bestraft. Psychologisch spannend ist Oleksiy Radinskys 2013 in den Straßen von Moskau gedrehtes Video, das Doppelgänger von Stalin, Lenin und einem am Rand stehenden Putin visualisiert.

 

Die Videos werden ständig erweitert und sind täglich zwischen 18 und 23 Uhr im MQ-Hof zu sehen…

 

 

https://www.mqw.at/artists-for-ukraine

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"Selbstauslöserin": Margot Pilz-Retrospektive in der Kremser Kunsthalle!

„Selbstauslöserin“ heißt die erste Retrospektive der nunmehr 85jährigen Margot Pilz in der Kunsthalle Krems. Ein spannender Titel, der einerseits die Technik der großteils solo agierenden Künstlerin als auch deren Lebensspirit umfasst. „Ich habe nicht gewartet, bis mich jemand fragt. Ich habe oft die Initiative ergriffen“, so Pilz in einem ausführlichen Interview im Ausstellungskatalog.

 

Geboren wurde Pilz 1936 im niederländischen Haarlem. Nach einer Flucht vor den Nationalsozialisten nach Indonesien kam sie dort gemeinsam mit ihrer Mutter in Kriegsgefangenschaft. Eine Erfahrung, die sie in einer auch in Krems zu sehenden Installation („Once upon my Time – Java 1942“) verarbeitet hat. Seit 1954 lebt sie in Österreich, war dort als Werbefotografin tätig und stets konfrontiert mit einer Frauen als Objekt behandelnden „verlogenen Branche“. 1978 wurde sie bei einem Frauenfest in Wien wegen einer harmlosen Bemerkung („Lassen Sie ihre Aggressionen bitte nicht an uns Frauen aus!“) von der Polizei festgenommen.

 

Dies war gleichzeitig die Initialzündung für Pilz, feministische Akzente in der Kunst zu setzen. Die direkt nach der Entlassung entstandenen teils als Bondage konzipierten Selfies („Sekundenskulpturen“) sind – als Frühwerk der sozial und gesellschaftlich engagierten Künstlerin – in der weiträumigen Säulenhalle zu betrachten. Unmittelbar umgeben von kürzlich entstandenen Keramikskulpturen und renommierten Serien der 80er wie „The White Cell Project“, in der Pilz sich - in einer 1,65 m hohen Zelle (die ihrer Körpergröße entspricht) – ablichten hat lassen. Pilz als durchtrainierte Anti-Aging-Vertreterin mit Hanteln in der Hand, gleichzeitig auch Konterfei am Frontgebäude der Kunsthalle, darf hier ebenfalls nicht fehlen.

 

Margot Pilz war in den 90ern eine verkannte, jetzt allerdings anerkannte Pionierin der Medienkunst. Die mit kleinen Video-Screens ausgestatteten Skulpturen sind –  gemeinsam mit einem die Vergänglichkeit des Menschen thematisierenden Video-Clip („Celebration“) – in einem verdunkelten Raum der Kunsthalle zu sehen. Eine elegant inszenierte Installation mit vier Spiegeln und einem mit einer Mini-Kamera infiltrierten Rind („Cyber Knowledge“) wird – weltpolitisch aktuell – nur durch einen Satz übertroffen: "Der Mensch als gefährlichster Primat dieser Erde".

 

Eigens für die Kunsthalle Krems geschaffen wurde eine auch im Wiener Stadtpark als Lichtinstallation zu bewundernde Neonröhren-Kreation der Frauenrechtlerin Pilz: „Göttin schuf Eva“. Es handelt sich dabei um eine feministische Variation der Schöpfung Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle.

 

Im Erdgeschoß der Kunsthalle setzt Pilz starke umweltpolitische Akzente. Im Jahr 1982 inszenierte sie einst im Rahmen der Wiener Festwochen „Kaorle am Karlsplatz“. Ein Sandstrand vor der Karlskirche mitten in der „Großstadtwüste“ mit Sonnenschirmen und feiernden Menschen. Ein Konzept, das heute alle urbanen Metropolen der Welt ungefragt kopieren.

 

 

Für Pilz sind diese Zeiten vorbei. In der Kunsthalle Krems steht eine isolierte Palme vor einem blauen Mauer-Hintergrund, der Sand angereichert mit Mikroabfällen und Plastikmüll. Wenn die Verschmutzung der Meere bald nicht gestoppt wird, dann ist es zu spät. Eine politische Anklage von Pilz, die überzeugender nicht sein kann…

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Der Rathausmann trägt eine rote FFP2-Maske – Keine "Freedom Days" in Wien!

„Due to this weekend’s announcement of continued Covid restrictions in Vienna, the Amy Mac Donald show at Gasometer on 11th March cannot happen as planned“. Eine weitere Konzert-Verschiebung in der endlosen Menge an Verlegungen, Verschiebungen und Absagen in der Bundeshauptstadt Wien, die alle etwas gemeinsam haben: Die Corona-Maßnahmen des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig, der seit nunmehr 2 Jahren die Gastro-, Tourismus-, Freizeit- und Eventwirtschaft mit einem sogenannten „Sonderweg“ quält.

 

Gemäß der bundesweiten Covid-19-Basismaßnahmenverordnung (§ 7) hat bei „Zusammenkünften von mehr als 50 Personen“ der Veranstalter einen Covid-19-Beauftragten zu bestellen und ein Covid-19-Präventionskonzept umzusetzen. Ansonsten gelten seit 5. März 2022 keine Einschränkungen mehr.

 

Anders in Wien: Dort gilt zusätzlich der zweizeilige § 8, der gewaltige Auswirkungen auf die Eventbranche hat: „Teilnehmer von Zusammenkünften haben in geschlossenen Räumen eine FFP2-Maske zu tragen!“ Diese Vorschrift gilt für ALLE Veranstaltungen und für ALLE Freizeit- und Kultureinrichtungen, also für Theater, Kinos, Kabaretts, Konzertsäle, Museen, Ausstellungen, Bibliotheken und Büchereien. Allerdings nur in Wien, nicht im gesamten Restösterreich. Hier werden nicht nur die 2 Millionen Wiener mit einer überschießenden Maskenpflicht schikaniert, sondern auch die zahlreichen Unternehmer, Veranstalter und Kulturbetriebe, deren Besucher in spe in die Bundesländer ausweichen und die dortigen Kulturangebote nützen. Eine Wettbewerbsverzerrung in Reinkultur. „Ich würde mir ein Konzert, wo ich die ganze Zeit eine Maske tragen muss, zehnmal überlegen“, so Nova Rock-Veranstalter Ewald Tatar. Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Unterschiedliche Vorschriften gelten auch in der Gastro- und Nachtgastronomie. Während im Rest-Österreich durch den „Freedom Day“ die Vorschriften – ähnlich wie in Schweden, Dänemark oder England – gefallen sind, gilt in Wien die 2 G-Regel. Und auch wenn das erste Wochenende in der Bundeshauptstadt gästemäßig ein großer Erfolg war, wichen viele jugendliche Wiener Nachtschwärmer ins Bar- und Club Life Niederösterreichs aus. Dort, wo tatsächlich wieder „wie damals“ gefeiert, getanzt und geflirtet werden kann. Ohne QR-Code, Grüner Pass und Ausweispflicht.

 

Nicht anders in der Tagesgastronomie. Auch hier gilt in Wien die 2 G-Regel. Mit einem „Luxus-Nachweis-Dessert für die Jüngsten. Während im Rest-Österreich die Altersgrenze für den „Nachweis einer epidemiologischen Gefahr“ bei 12 Jahren beginnt (bundesweit noch vorgeschrieben bei Kranken- und Altersheimen), liegt diese in Wien - ohne wissenschaftliche Evidenz – bei 6 Jahren. Wer als 7jähriger keinen gültigen Test in einem Wiener Restaurant oder Heurigen vorweisen kann, muss das Lokal verlassen. Die Gastro-Umsatzrückgänge der letzten beiden Jahre betrugen ja ohnehin „nur“ zwischen 40 und 60 Prozent (im Vergleich zum Jahr 2019).

 

Einen besonderen Appetizer liefert die rote Stadtregierung – von den „liberalen“ Neos hört man nicht einmal ein (politisches) Sterbenswörtchen – für Hotelgäste. Diese benötigen zwar keinen G-Nachweis, essen dürfen sie im Hotel allerdings nur dann, wenn sie einen 2G-Nachweis haben. Das hat schon kafkaeske Züge.

 

Nicht ungeschoren lässt der Wiener SPÖ-Bürgermeister den Handel. Dort gilt im Gegensatz zum Rest-Österreich weiterhin eine FFP2-Maskenpflicht. Während man im Media Markt Vösendorf oder im H&M der SCS ohne „Fetzen“ shoppen kann, muss man in den Wiener Partnerbetrieben die ganze Zeit die Atemschutzmaske tragen. Die Lust am Shopping wird den Wienern im März vergehen. Zumindest in Wien selbst. Laut diverser Statistiken der Handelskammern drohen bei Maskenpflicht Umsatzrückgänge bis zu 50 Prozent, vor allem im stationären Modehandel. Die Internet-Giganten Amazon, Zalando & Co. wird´s freuen. In der eigenen Wohnung (oder im benachbarten Niederösterreich) muss man beim genussvollen Gustieren der Fashion-Wear keine FFP2-Maske tragen. Und schwitzt auch nicht…

 

Diese nur für Wien geltenden härteren Maßnahmen sind normiert in der nicht nur sperrig klingenden „Wiener Covid-19-Basismaßnahmenbegleitverordnung“, die juristisch auf der bundesweit geltenden Covid-19-BasismaßnahmenVO basiert. Formell beschlossen wird diese von einer einzigen Person, dem Landeshauptmann und Wiener Bürgermeister Michael Ludwig. Eine demokratiepolitisch fragwürdige Lösung, greift diese doch – ohne parlamentarische und damit verbundene öffentliche Diskussion – in die wichtigsten Grund- und Persönlichkeitsrechte der Bürger ein. Eine rechtliche Alternative wäre eine Beschlussfassung in einer Sondersitzung des Landtages, bei der alle Parteien zu Wort kommen und in einer öffentlichen Debatte die verschiedensten Interessen ausgelotet werden. In diesem Zusammenhang wäre auch die Reaktion des SPÖ-Regierungspartners Neos spannend, dessen „liberale Trademark“ während der letzten Monate kaum mehr ersichtlich war.

 

Die SPÖ-Corona-Hardliner Ludwig und Hacker sollten sich mehr darauf besinnen, die Impfraten in der Bundeshauptstadt zu erhöhen anstatt die Bürger mit Tests, Maskenpflicht und Sonderregeln zu traktieren und ein immerwährendes gesellschaftliches Klima der Angst und Panik in der Millionenmetropole aufrechtzuerhalten. Wien ist Schlusslicht bei der Einhaltung der Impfpflicht, 16 Prozent verstoßen mit Stand 7. März gegen das Impfpflichtgesetz. Was aber noch wesentlicher und brisanter ist: Wien ist bei den vulnerablen, älteren Personen klarer Letzter im Bundesländervergleich. Nur 80 Prozent der 65-74jährigen, 87,3 der 75-84jährigen und 81,5 Prozent der über 84jährigen haben ein aktives Impf-Zertifikat. Und gerade diese Altersgruppen setzen sich bei fehlender Immunisierung einem erhöhten Gesundheitsrisiko aus.

 

 

Wien wurde 10mal zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt und ist eine von allen Altersgruppen weltweit geschätzte Tourismus- und Kulturmetropole. Die Trademark der „Stadt der Masken“ ist bereits – in positivem Sinne - an eine andere (Lagunen)-Stadt vergeben. Die SPÖ Wien sollte daher ihren wenig subtilen Widerstand gegen den Kurs der türkis-grünen Bundesregierung aufgeben und die Sonder-Maßnahmen so schnell wie möglich beenden. Tips dazu können Ludwig & Hacker ja von den sozialdemokratischen Regierungschefinnen in Schweden und Dänemark einholen. Stockholm und Kopenhagen sind immer eine Reise wert. Ebenso wie ein Wien ohne FFP2-Maskenpflicht, Teststationen und Zutrittskontrollen.

"Van Gogh Alive": Multimedia-Ausstellung in der Wiener MetaStadt...

„The only Time I feel alive is when I´m painting“ – Ein Zitat des berühmten niederländischen Malers Vincent van Gogh (1853-1890), das alle paar Minuten auf einer der Wände der Ausstellung „Van Gogh Alive“ in der Metastadt aufscheint. Diese tourt bereits seit mehr als 10 Jahren durch die Welt und war in bereits in mehr als 70 Städten zu sehen.

 

Es handelt sich dabei um keine konventionelle Retrospektive eines Künstlers, bei der Originalbilder präsentiert werden, sondern um eine immersive Multimedia-Ausstellung, im Rahmen der rund 3000 Bilder, Animationen und Zitate in einem 1200 Quadratmeter großen Saal auf die Wände projiziert werden. Das Programm dauert ca. 45 Minuten, die Besucher können sich – nach einer kurzen Einführungs-Galerie über die Werke und das Leben van Goghs – frei in den Räumlichkeiten bewegen oder sich auf den seitlich platzierten Sandsäcken und Sesseln niederlassen. Für Selfies eignen sich besonders das eigens produziertes physisches Modell des Schlafzimmers von Arles und ein verspiegeltes Sonnenblumenfeld abseits der Projektionen.

 

Geboten wird – per raumumgreifender Projektionsshow – ein chronologischer Überblick über das – kurze – künstlerische Schaffen des niederländischen Expressionisten zwischen 1880 und 1890. In dieser Zeit schuf Van Gogh ca. 800 Gemälde, zahlreiche Briefe vor allem an seinen Bruder Theo van Gogh deklarieren sein damaliges Kunstverständnis. Der am 30. März 1853 in Groot-Zundert geborene Vincent van Gogh begann seine Karriere als Künstler erst mit 27. Seine ersten Werke zeigten das einfache Leben von Bauern und Arbeitern. In Den Haag wurde er vom bekannten Maler Anton Mauve in die Aquarell- und Ölmalerei eingeführt. Neben Zeichnungen von Minenarbeitern und urbanen Häusern fertigte er erstmals Landschaften in Öl an. Zurück im Elternhaus in Nuenen (1884) malte er innerhalb weniger Monate über 180 Gemälde, darunter „Die Kartoffelesser“ und den „Webstuhl mit Weber“.

 

Leben konnte Van Gogh von seiner Kunst nicht. Nachweislich verkauft hat Van Gogh – zu Lebzeiten – ein einziges Werk, und zwar den „Roten Weinberg von Arles“ um 400 Francs an die impressionistische Malerin Anna Boch. Die berühmtesten Werke des niederländischen Ausnahmekünstlers entstanden in den letzten 3 Jahren vor seinem Tod. Van Gogh lebte zu dieser Zeit in Paris (1886-1888) und in der südlichen Provence, im wunderschönen Arles (1888-1889). In dieser kreativen Ära van Goghs entstanden u.a. die Sonnenblumen-Motive, die „Cafeterrasse am Abend“ und die „Sternennacht über der Rhone“, die mit ihren kräftigen Farben und ihrer Intensität auch das persönliche Glücksgefühl des Künstlers ausdrückten.

 

Dies änderte sich im Dezember 1888, als sich van Gogh nach einem Streit mit seinem Maler-Freund Paul Gauguin im Absinth-Rausch selbst ein Ohr abtrennte. Selbstporträts mit verbundenem Kopf durften nicht fehlen. Nach weiteren psychischen Anfällen folgte eine Einweisung in die Nervenheilanstalt in St. Remy, wo van Gogh u.a. die weltberühmte „Sternennacht“ (18. Juni 1889) erstellte, deren visuelle Kombination mit anderen nächtlichen Landschaftsbildern zu den Highlights der Ausstellung zählt.

 

In den letzten zwei Monaten seines Lebens wohnte van Gogh in Auvers-sur-Oise (30 km von Paris entfernt). Er malte dort – bei gleichzeitiger persönlicher Betreuung durch den Arzt Paul Gachet - innerhalb von 70 Tagen 60 Zeichnungen und 75 Bilder. Leider auch sein letztes: „Weizenfeld mit Raben“ (Juli 1890). Am 27. Juli 1890 schoss sich Van Gogh in einem Feld eine Kugel in die Brust, zwei Tage später starb er.

 

 

Wie zeigt dies die Ausstellung? Mit einem Schuss-Geräusch und panisch wegfliegenden Raben. Das Original-Gemälde hängt im Van Gogh-Museum in Amsterdam. 

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"Live" or "Evil"?: Lars Eidinger-Fotoausstellung in der Wiener Alba Gallery!

Kulturelles Universalgenie Lars Eidinger: Der 1976 in West-Berlin geborene Schauspieler ist nicht nur auf zahlreichen Theater-Bühnen (wie kürzlich als „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen oder als „Hamlet“, „Richard III“ und „Tartuffe“ auf der Berliner Schaubühne), in populären TV-Serien (wie in „Babylon Berlin“), in progressiven Videoclips (u.a. von Deichkind) und Kino-Streifen („Alle anderen“, „Mackie Messer“, „Werk ohne Autor“, „Nahschuss“) zu sehen, sondern mixt auch als DJ im Rahmen seines „Autistic Disco“-Konzepts auf, betreibt einen Instagram-Account mit mehr als 87.000 Followern und publiziert – als fließenden Übergang dazu – seine spannendsten Fotos in diversen Ausstellungsräumen. So in der Hamburger Kunsthalle, wo Eidinger gemeinsam mit Stefan Marx unter dem Titel „Klasse Gesellschaft“ niederländische Gemälde des 17. Jahrhunderts in Konnex mit der Gegenwart zieht, oder in der neu eröffneten Alba-Gallery in der Wiener Schleifmühlgasse 3.

 

Die Wiener Exhibition trägt von außen kommend den Titel „EVIL“. Drinnen verweilend liest man auf der Glasscheibe „LIVE“. Ein kongeniales Palindrom, das den kreativen Pfad der Exhibition darstellt. Eidinger will mit seinen durch genaue Beobachtung entstandenen Fotos „die Gesellschaft spiegeln“. Und konterkariert damit auch das Vorurteil, dass Menschen, die dauernd aufs Smartphone starren, die Welt in ihrer Pracht, aber auch ihrer Diversität und Skurrilität nicht mehr erkennen.

 

Da drängt sich eine Touristin neben einem unter einem Zelt lebenden Obdachlosen, damit sie die Kathedrale von Notre Dame fotografieren kann. Zwei Personen betrachten teure Gegenstände einer Luxus-Boutique, während direkt vor ihren Füßen ein armer Mensch sich auf der Straße ausschläft. Eine komplett schwarz vermummte Person, sitzt, vermutlich mittellos, auf einem umgekippten Supermarkt-Wagen, während Eidinger gleichzeitig den Bankomaten im Hintergrund anvisiert. Ein Baum bahnt  sich seinen Weg durch einen Pflasterstein-Boden. Im Louvre steht eine riesige Menschenmenge vor der weltberühmten „Mona Lisa“ und wird – frontal fotografiert – dadurch fast Bestandteil des gegenüberliegenden Veronese-Monumentalgemäldes der „Hochzeit von Kana“. Bei der Jesus einst Wasser in Wein verwandelt hat.

 

Direkt beim Schaufenster platziert ist ein Disco-Würfel mit einer bunten Light-Show. Zumindest hier darf ohne Regeln und ohne Scheu gefeiert werden. Eine Wand-Uhr in Form einer gekreuzigten Jesus-Figur (bei der das Kreuz als Stunden- und Christus als Minutenzeiger agiert) durchläuft zweimal pro Tag den in der Satanisten- und Okkultismusszene verwendeten Status des „umgekehrten Kreuzes“.

 

Bei zahlreichen, auch skurrillen Moment-Aufnahmen macht sich Eidinger scheinbar unsichtbar. „Der Trick ist, dass man mit seiner Umgebung schwingt“, so der Künstler in einem Interview. Der gleichzeitig betont, dass er bereits vor seiner Schauspielerei fotografiert habe. Quod erat demonstrandum: Eines seiner ersten Fotos, ein verschwommener Hamster in einer Klopapierrolle aus dem Jahre 1982.

 

ALBA Gallery

 

(4., Schleifmühlgasse 3)

 

Lars Eidinger, bis 26. März

 

Di. – Fr.: 11 – 18 Uhr

 

 

Sa.: 12 – 16 Uhr

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„Zeitgenosse aus Leidenschaft“: Thomas Maurer im Wiener Stadtsaal!

„An der Zeitgenossenschaft fährt kein Weg vorbei. Und Sachen, an denen man eh nicht vorbeikommt, sollte man mit Leidenschaft erledigen. Dann ist es weniger fad.“  Gesagt, getan. Nach mehr als 20 Programmen und zahlreichen Auszeichnungen (wie dem österreichischen Kabarettistenpreis und dem Deutschen Kleinkunstpreis 2016 für „Der Tolerator“) im Laufe seiner über 30jährigen Karriere präsentierte der Wiener Kabarettist Thomas Maurer im Wiener Stadtsaal sein neuestes Werk unter dem Titel „Zeitgenosse aus Leidenschaft“.

 

Einziges Requisit auf der Bühne: Ein Sessel, auf dem sich der Kabarettist manchmal niederlässst und – eingebettet in eine Alltagshandlung (dem Kauf eines Poolsaugers) – über das Leben und die Gesellschaft philosophiert. Im Mittelpunkt stehen dabei weniger die Corona-Krise („einfach scheiße, blockiert das normale Leben“) oder die politischen Missstände (die werden ohnehin gemeinsam mit den „Staatskünstlern“ Florian Scheuba und Robert Palfrader scharf debattiert), sondern die Auswüchse des modernen Zeitgeistes, garniert mit spannenden Details und hintergründigem Schmäh.

 

Maurer zieht einen fast brutalen historischen Konnex zwischen dem Kannibalismus der Azteken und den 15.000 Toten im Rahmen der Errichtung der Infrastruktur für die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar und ruft zum Boykott der WM auf. Im Kreuzfeuer der Kritik steht auch der US-Amazon-Multimilliardär Jeff Bezos, der mit einer „Penis-Rakete“ Richtung All startet. Oder die reichsten Familien von Florenz, die sich zwischen 1423 und der Gegenwart nicht verändert haben.

 

Zu Beginn des Programms thematisiert Maurer die im urbanen Milieu grassierende „Alles Woke“-Bewegung. Und überlegt sich gleichzeitig, diesen Part am Land wegzulassen. „Die glauben sonst, ich war vorher asiatisch essen“. Die gesamte Show wird fleißig gegendert, „außer bei Arschloch und Nazi“. Denn: „Gegenderte Sätze sind wie Windkraftparks: Nicht schön anzusehen, aber ganz ohne wird es auf Dauer auch nicht gehen.“

 

Ein besonderes Anliegen sind Maurer auch die negativen landschaftlichen und kulturellen Veränderungen in Österreich. „Am Land sind die Menschen konservativ, so ein Art Naturgesetz. Aber was ist am Land konserviert worden? Das Ortsbild oder die dörfliche Kultur?“ Die Landbewohner behaupten zwar, es sei ihnen in der Stadt zu anonym. Tatsächlich aber seien die Dörfer ausgestorben, „kein Greissler, kein Wirtshaus, keine Post“.  Unterwegs seien keine lebenden Menschen, sondern nur die SUV´s, die er als „Werkfahrzeuge vom Todesstern“ metaphorisiert.

 

Bei seiner Autofahrt im Speckgürtel darf natürlich auch die Bodenversiegelung nicht fehlen. Mit Wehmut denkt er an den Süden Wiens von früher, durch den sich Beethoven einst zur „Pastorale“ inspirieren ließ. „So sieht das Anthropozän aus, wenn der Baumeister der Schwager vom Bürgermeister ist“, so seine zynische Bemerkung über ein Shopping Resort außerhalb Wiens, bei dem einstöckige Betonhallen mit Riesenparkplätzen nebeneinander platziert worden sind.

 

Dazu historische Reminiszenzen an Andreas Hofers Kampf gegen die Bayern, unterhaltsame Suchtanalysen („Als freier Künstler brauch ich ka Abhängigkeitsverhältnis“), Gedanken an die eigene Jugend als Ministrant, „böse“ Seitenhiebe auf die „Salonbobos“ und ein humorvoller Blick auf japanische Reisegruppen, die Kunstwerke im Smartphone-Display statt in Echtzeit betrachten. Wie die verspätete Klospülung im Flugzeug.

 

 

Maurers neues Programm: Eine politisch korrekte Magical Mystery Tour durch das 21. Jahrhundert mit vielen intelligenten Denkansätzen, lässigen Aphorismen und subtilen Zeitgeist-Kommentaren. Oder wie es Maurer selbst formuliert: „Sarkasmus ist die Würze der Debatte“… 

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„Einsame Menschen“: Neuinszenierung des Hauptmann-Dramas im Wiener Volkstheater!

„All the lonely people. Where do they all come from. All the lonely people. Where do they all belong?“ tönt es fragmentarisch von der Bühne des Wiener Volkstheaters. „Eleanor Rigby“, der Kult-Hit der Beatles, darf in der von Jan Friedrich und Volkstheater-Chef Kay Voges inszenierten modernen Version der „Einsamen Menschen“ nicht fehlen.

 

Der Naturalist und spätere Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann hat dieses Werk 1890 – mit 27 Jahren – geschrieben. „Einsame Menschen“ ist nach „Vor Sonnenaufgang“ und „Das Friedensfest“ sein 3. Drama und wurde damals nicht nur in Berlin, sondern auch am Wiener Burgtheater aufgeführt. Die Thematiken – Freiheit, Traditionen, Familienglück, Beziehungsformen – sind trotz anderer gesellschaftlicher Strukturen auch heute noch, mehr als 130 Jahre später, brandaktuell.

 

Im Mittelpunkt steht das junge Ehepaar Johannes und Käthe Vockerat, die – gemeinsam der Mutter von Johannes und dem Künstler und langjährigen Freund Braun – separiert auf einem Landgut außerhalb der Stadt wohnen. Der Akademiker Johannes vertieft sich in philosophische Ergüsse anstatt aufs Geldverdienen, seine Ehefrau Käthe kümmert sich um das gemeinsame Baby. Intellektuell haben sich die beiden nichts zu sagen, was Johannes seiner Ehefrau auch verbal spüren lässt. Käthe, gespielt von Anna Rieser (die wie auch die anderen Darsteller zum neuen ständigen Ensemble des Volkstheaters zählt), wird zu Beginn des Stücks (und auch am Ende) ganz in Dunkel positioniert, umhüllt von Bühnennebel mit Baby in beiden Armen.

 

Ganz im Gegensatz dazu die Studentin Anna Mahr (gespielt von Gitte Reppin), die ihren Jugendfreund Braun auf dem Landgut besucht. In grellgelbem Kleid, sonnenbebrillt und mit geballter Lebenslust bringt sie das bis dahin trostlose Leben der vier Landgutbewohner durcheinander. Johannes verliebt sich in die weltgewandte, junge Frau und wird zum „Sinnerman“. Nina Simones lasziver Track versetzt neben zahllosen Lichteffekten die Handlung auch soundtechnisch in die Gegenwart. Die Stimme der Verantwortung und des Traditionalismus wird verkörpert durch die strengen Worte des Vaters (Stefan Suske), der am Ende des Stückes auftritt. Der egoistisch-verzogene Sohn lässt sich von dessen konservativen Wertvorstellungen nicht mehr beeindrucken, seine vermeintlich neue Liebe allerdings steht immer wieder kurz vor der Abreise, während die biedere Ehefrau versucht, ihre inneren Zwänge abzulegen und sich ebenfalls in eine Femme Fatale zu verwandeln. Ob es gelingt, bleibt abzuwarten.

 

 

Der Vorhang schließt sich auf jeden Fall mit einem Hit des Schockrockers Marilyn Manson: „We are sick, fucked and complicated“. Das hätte auch Hauptmann gefallen…

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Last Club Night before Lockdown: Purple Disco Machine im O-Club Vienna!

Es war die letzte Friday Club Night in der Millionen-Metropole Wien, 3 Tage vor dem 4. Lockdown am 22. November 2021. Hunderte junge Party People warteten in einer langen Reihe neben der Staatsoper auf Einlass und auf verpflichtende Impfpass- und PCR-Test-Sicherheitskontrollen. Erst zwei Tage zuvor verhängte der SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig per Verordnung eine 2 G-Plus-Regelung für die Wiener Clubbing-Szene. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Drinks auf offener Straße, fröhliches Gelächter, Wiener, Deutsche, Italienerinnen, Spanierinnen, eine lässige, multikulturelle Crowd, die noch einmal die Nacht zum Tag machen will. Zu einer Zeit, als die Büchse der Pandora bereits geöffnet wurde.

 

Epizentrum des Tanz auf dem Vulkans ist der O-Klub in der Albertina-Passage. Ein neuer Club im Herzen der Stadt Wien, der von den ehemaligen Horst-Betreibern im Dezember 2019 eröffnet wurde und – ähnlich dem Vorgängerclub in der Rotgasse - jeden Freitag mit hochkarätigen House- und Techno-Acts für Riesenandrang sorgt. Main Act am 19. November ist der aus Dresden stammende DJ und Produzent Tino Piontek aka Purple Disco Machine. Das Pseudonym resultiert aus einer spontanen Verquickung des Prince-Hits „Purple Rain“ und Gloria Estefans Miami Sound Machine mit dem Genre Disco.

 

PDM, zweitpopulärster Beatport Artists of All Time mit neun Millionen monatlichen Spotify-Hörern, hat parallel neben zahlreichen Remixes (u.a. für Dua Lipa, Calvin Harris oder Elton John) gerade sein zweites Album „Exotica“ veröffentlicht, darin enthalten die Superhits „Hypnotized“ (mit der britischen Indie-Band „Sophie and the Giants“), „Fireworks“ und „Dopamine“, allesamt Teil eines mehr als zweistündigen, schweißtreibenden High Energy-Mixes im prallgefüllten O-Club. Dazu PDM-Remixes des Human League-Klassikers „Don´t you want me“ oder Sophie Ellis Bextors „If this ain´t love“, „Groove is in the Heart“, „Blue Monday“ oder der dirty angehauchte 80´s-Gay-Klassiker „Male Stripper“. Disco-, Funk- und House-Tracks, mit denen PDM nicht nur die O-Crowd, sondern die Dancefloors weltweit zum Kochen bringt. From New York, Rio to Ibiza…

 

Enttäuscht ist der bereits seinen Jugendjahren als DJ tätige Piontek vom Umgang der Politik mit der Entertainment-Branche: „Kultur und gerade die Kleinkunst wird völlig ignoriert. Meine größte Angst ist, dass es gerade die kleinen Clubs und Bars nach der Pandemie nicht mehr geben wird.“

 

 

„Lockdown is temporary, Moments together are forever. We can´t wait to soon dance with you all again. Until then stay healthy!“ postete der O-Club Ende November auf Facebook. Das Wort „temporär“ trägt in Österreich leider eine Endlosschleife. Während in anderen europäischen Staaten (wie England, Serbien oder Spanien) nicht nur zu Silvester exzessiv gefeiert wurde, sind in Österreich Clubs und Nachtgastronomie seit 22. November geschlossen. Von einer Reopening-Strategie seitens der Politik ist nichts bekannt. Wien ist auf dem gefährlichen Weg, wieder eine „tote Stadt“ zu werden. 

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„Schall ist flüssig“: Kult-Fotograf Wolfgang Tillmans im Wiener Mumok!

Er gilt als Chronist der britischen Rave Culture und der Berliner Love Parade, als EU-, Anti-Brexit und LGBT-Aktivist, bekam als erster Fotograf und nicht britischer Künstler den Turner Prize (2000) und war mit seinen Motiven, Installationen und Abstraktionen bereits in den renommiertesten Museen der Welt (wie dem Tate Modern London, dem Metropolitan Museum in New York oder dem Moderna Museet in Stockholm) vertreten: Wolfgang Tillmans.

 

„Obwohl ich weiß, dass die Kamera lügt, halte ich doch fest an der Idee von einer fotografischen Wahrheit“, so der Star-Fotograf in einem „Zeit“-Interview. In Österreich konnte man Tillmans Foto-Art vereinzelt in diversen Sammel-Ausstellungen betrachten. Das Mumok im Wiener Museumsquartier widmete dem in Berlin und London lebenden deutschen Künstler im 2. Stock und im Untergeschoß erstmals eine große Solo-Exhibition mit über 250 (!) Werken, kreativ und prägnant zusammengestellt wie eine musikalische Komposition.

 

Großformatige Werke astronomischer Erscheinungen hängen direkt neben kleinen Porträtfotos (unter denen sich auch Pop-Superstars wie Lady Gaga und Nenah Cherry oder persönliche Freunde wie die späteren Szene-Ikonen Lutz und Alex mischen), Foto-Serien (wie der „After Party“ aus der Club Culture der 90er), polit-aktivistische Shots (von Lampedusa, Black Lives Matter-Demos bis hin zu diversen Gay Prides) und fotografischen Meisterleistungen.

 

„Schall ist flüssig“, das den Titel der Ausstellung prägende Foto aus dem Jahre 2021, ist eine davon. Es zeigt einen Tropensturm als Stilleben, die Wassertropfen erscheinen aufgrund der kurzen Belichtungszeit tatsächlich als Punkte und nicht als Striche. Oder „Lüneburg“ (self), das als Tillmans´ kommunikative Analyse der Corona-Pandemie zu interpretieren ist. Man sieht ein I-Phone, das an eine Wasserflasche angelehnt ist. Auf dem Handy-Screen erkennt man rechts oben Tillmans, der von einem Krankenhausbett aus diesen fotografiert, der Empfänger ist nicht erkennbar, nur eine rosa Decke erscheint im Hintergrund. In Zeiten von Ausgangssperren, Lockdowns und sozialer Isolation der einzige Weg, um mit Freunden in Kontakt zu treten.

 

Zu den avantgardistischen Highlights moderner Fotografie zählen die im Berliner Berghain ausgestellten „Freischwimmer“-Motive, die Tillmans mittels künstlicher Lichtquellen auf lichtempfindlichem Fotopapier erzeugt hat, die „paper drops“ (Fotopapier-Bögen in der Gestalt von Tropfen) und die ebenso kameralos produzierte „Silver“-Serie, deren finale Ausgestaltung von der Mechanik der Entwicklermaschine abhängt.

 

In einem verdunkelten Raum präsentiert Tillmans seine erstmals auf der Architekturbiennale Venedig 2014 publizierte Installation „Book for Architects“, die auf 2 Kanälen 450 Fotografien von Häusern, Innenräumen und Außenfassaden zeigt. Tillmans ist einerseits beeindruckt von der modernen Architektur, andererseits kritisiert er die Eitelkeit der Urheber, die sich mit ihren Projekten unwiderruflich in die Lebensrealität der Menschen drängen.

 

Im Untergeschoß des Mumok ist Tillmans nicht nur mit einer undergroundigen Tate Modern-Fotogalerie vertreten, sondern auch mit einer Videoclip-Compilation seines kürzlich erschienenen Debüt-Albums „Moon in Earthlight“, die man lässig chillend im Kinosessel betrachten kann.

 

 

Das Museum of Modern Art New York plant derzeit eine Retrospektive Tillmans. Das Mumok Wien kann stolz darauf sein, diesem Universalgenie bereits vorher attraktive Räume für sein kreatives Schaffen geboten zu haben. Oder wie Tillmans stets in Interviews betont: „Pictures create space“…

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EU-Minimal-Umsetzung: Gewährleistungsnovelle seit 1. Jänner 2022 in Kraft!

Seit 1. Jänner 2022 gelten in Österreich neue Vorschriften für die  Gewährleistung, die auf alle neu abgeschlossenen Verträge anzuwenden sind. Grundlage sind die EU-Richtlinien Warenkauf 2019/771 und Digitale Inhalte 2019/770, die in Form des Gewährleistungsrichtlinien-Umsetzungsgesetzes (GRUG) in nationales Recht transformiert wurden. Für den Konsumenten unerfreulich ist die Tatsache, dass der an sich weite Spielraum der EU-Richtlinien nur minimal ausgeschöpft wurde.

 

Kompliziert und ünübersichtlich ist auch das neue Splitting des Gewährleistungsrechts für Verbraucherverträge. Neu geschaffen wurde das sogenannte „Verbrauchergewährleistungsgesetz“, das für zwischen Unternehmern und Verbrauchern geschlossene Verträge über den Kauf von Waren (inkl. Werklieferungsverträge) und für Verträge über die Bereitstellung digitaler Leistungen gilt. Nicht in den Geltungsbereich fallen der Kauf von lebenden Tieren, Finanz-, Gesundheits- und Glücksspieldienstleistungen und der Verkauf im Rahmen der Zwangsvollstreckung.

 

Für alle sonstigen Verträge gilt das ABGB (§§ 924 ff.). Das sind insbesondere Verträge über unbewegliche Sachen (Häuser, Wohnungen), Tauschverträge über körperliche Sachen bzw. Verträge über die Erbringung von Dienstleistungen (Werkverträge).

 

Unterschiede ergeben sich u.a. beim Mangelbegriff oder bei der längeren Vermutungsfrist im VGG. Zu berücksichtigen sind weiters Spezialbestimmungen im Konsumentenschutzgesetz. Für juristisch wenig versierte Bürger keine einfache Angelegenheit, und das in einer Alltags-Materie, die eigentlich jeden Menschen tangiert.

 

Im VGG-Anwendungsbereich wurde die Vermutungsfrist für Mängel auf ein 1 Jahr verlängert (Im ABGB-Bereich gilt weiterhin die 6-Monats-Frist). Es gilt eine Beweislastumkehr: Bei einem Mangel, der innerhalb dieses Zeitraumes nach Übergabe der Ware hervorkommt, wird vermutet, dass er bereits bei der Übergabe existent war. Der Verkäufer muss somit beweisen, dass die Lieferung zum Zeitpunkt der Übergabe fehlerfrei war. Nach Ablauf der Vermutungsfrist liegt die Beweislast beim Käufer.

 

Primär kann der Verbraucher in beiden Anwendungsbereichen eine Verbesserung oder einen Austausch der Sache verlangen. In bestimmten Fällen (wie bei schwerwiegenden Mängeln oder bei Verweigerung der Herstellung des mangelfreien Zustandes) kann der Konsument Preisminderung oder eine Auflösung des Vertrages fordern. Es reicht eine formlose Erklärung, eine gerichtliche Geltendmachung ist nicht mehr erforderlich. Bei einer Vertragsauflösung kann der Unternehmer – wie bei Fernabsatzgeschäften - die Rückzahlung verweigern, bis er die Ware erhalten hat oder ihm der Verbraucher einen Nachweis über die Rücksendung der Ware erbracht hat.

 

Die Gewährleistungsfrist für Waren und digitale Leistungen beträgt zwei Jahre, bei fortlaufenden digitalen Leistungen umfasst sie den gesamten Bereitstellungszeitraum. Für unbewegliche Sache gilt weiterhin eine Gewährleistungsfrist von 3 Jahren. Neu eingeführt wurde eine dreimonatige Verjährungsfrist ab Ablauf der Gewährleistungsfrist, in der der Mangel eingeklagt werden kann.

 

Bei Waren mit digitalen Elementen (wie Smartphones) und digitalen Leistungen (wie dem Zugang zu einem Streamingportal) trifft den Unternehmer eine Aktualisierungspflicht während der Dauer der Bereitstellungspflicht bzw. eines „vernünftig zu erwartenden“ Zeitraumes. Dies gilt dann nicht, wenn der Verbraucher eine Aktualisierung – bei gleichzeitiger Aufklärung über die Folgen - nicht innerhalb einer angemessen Frist installiert hat.

 

Novelliert wurden auch einige Passagen des Konsumentenschutzgesetzes. Bei einem Verzug des Unternehmers kann der Verbraucher vom Vertrag erst zurücktreten, wenn der Unternehmer seine Leistung nicht innerhalb einer angemessenen Nachfrist erbringt. Im Gegensatz zum ABGB („bedingte Rücktrittserklärung“) müssen hier jetzt zwei aufeinanderfolgende Willenserklärungen gesetzt werden. Fixgeschäfte erlöschen laut KSchG nicht mehr automatisch, sondern erst durch eine Rücktrittserklärung des Verbrauchers.

 

 

Trotz einiger gravierender Änderungen ist die europarechtskonforme Novellierung der Gewährleistung aus Konsumentensicht enttäuschend ausgefallen. Eine mögliche Verlängerung der Gewährleistung für langlebige Produkte auf 5 Jahre wurde seitens der türkis-grünen Bundesregierung abgelehnt. Ebenso eine Informationspflicht des Verkäufers über die Mindesthaltbarkeit eines Produkts. Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit sehen anders aus…

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The 80´s: Die Kunst der 80er in der Albertina Modern

Die 80er:  Grassierender Neoliberalismus unter Thatcher und Reagan, der Ost-West-Konflikt, Tschernobyl, Yuppies, Waver & Punks, MTV, Digitalisierung, die tödliche Seuche Aids. Themen, die sich auch in der Kunst der 80er widerspiegeln.

 

Stilpluralismus ist insofern das Kennzeichen der Kunstszene der turbulenten 80er. Die Albertina Modern zeigt nach der – „nur“ auf österreichische Künstler bezogenen Ausstellung „The Beginning – 1945 bis 1980 – einen Streifzug durch nationale und internationale Kunstströmungen der Eighties. Die Werke stammen einerseits aus der eigenen Sammlung, andererseits von privaten Leihgebern.

 

Aus Österreich vertreten sind die „Neuen Wilden“ rund um Herbert Brandl, Franz West oder Maria Lassnig, die 1980 die USA verließ und in Wien an der Hochschule für Angewandte Kunst unterrichtete. Brigitte Kowanz präsentiert in einem eigenen Raum ihre damals hypermodernen Artefakte aus Flaschen und Neonröhren.

 

In Amerika entstanden in den 80ern – parallel zur Hip Hop-Bewegung – die Graffiti-Kultur und die Street Art.  Protagonisten von damals, der später an AIDS verstorbene Keith Haring („Subway Drawings“), Jean Michel Basquiat und Kenny Scharf, sind mit ihren kreativen Schöpfungen in der Albertina Modern vertreten. Ebenso die Installationskünstlerin Jenny Holzer, die ihre Messages im öffentlichen Raum verbreitete. Eine Sitzbank beispielsweise zitiert den Spruch „You should limit the number of times you act against your nature. Like sleeping with people you hate“.

 

Viele Künstler lehnten explizit die Moderne ab, sie bezogen sich stattdessen bewusst auf die Werke anderer Künstler und verstanden den Akt des Kopierens und das Resultat selbst als Kunst. Der Sammelbegriff: „Appropriation Art“, zu der u.a. Cindy Sherman mit ihren „History Portraits“, Sherrie Levine oder Robert Longo zählen.

 

Angesagt in den 80ern waren auch grelle, großformatige Malereien im Stile des Neoexpressionismus und der Transavantgarde. Prominente Vertreter: Der Italiener Francesco Clemente (der mit Warhol und Basquiat 15 „Collaborations“ anfertigte), Sandro Chia oder Helmut Middendorf, dessen 1979 entstandenes Bild „Electric Night“ die Nightlife-Subkultur der damaligen Zeit veranschaulicht.

 

Extravagant die Holz-Skulptur „The Bear and the Policeman“ von Jeff Koons, die nur äußerlich niedlich anzusehen ist. Der amerikanische Künstler sieht in dem Plüschtier nur ein Kostüm, hinter dem sich auch eine gefährliche Person mit dunklen Absichten verstecken kann. Ein direkter Konnex zu den fragwürdigen Methoden demokratischer Gesellschaften von heute.

 

 

Grell, divers, bizarr, ambivalent: Die spannende Tour durch die Kunst der 80er ist von 10. Oktober 2021 bis 13. Februar 2022 in der Albertina Modern zu sehen…

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"Eine heile Welt!" - Familie Lässig live im Wiener Stadtsaal!

Eine heile Welt, die eine Weile hält“ – Eine knallige Zeile, die in der krisengeschüttelten Gegenwart nicht besser passen könnte. Tatsächlich stammt dieser dichterische Erguss aus einem Schüttelreim Gunkls bei einem Live-Auftritt der Familie Lässig vor einigen Jahren. Jetzt ist er gleichzeitig PR-Album-Teaser, Titel und Refrain des gerade erschienenen zweiten Albums „Eine heile Welt“ und des gleichnamigen Opening Tracks. Jeweils mit Rufzeichen, denn dahinter stehe eine Hoffnung, eine Forderung, so Sänger und Gitarrist Gerald Votava.

 

Die Famile Lässig kann man getrost als Supergroup bezeichnen. Ihre Ursprünge hat sie im Jahr 2014, als sie bei einer Benefizveranstaltung für den Verein „Purple Sheep“ im Wiener Stadtsaal Spenden sammelte. Damals mit kessen Coversongs, die auch heute noch teils zum Repertoire gehören (wie „Blumen im Sand“ von Steffi Werger, „Guten Tag“ von Wir sind Helden“ oder „Alles nur geklaut“ der Prinzen). Chefin der Band ist die Drummerin Catharina Priemer-Humpel, ihre Ehefrau, Clara Lucia, die „Königin“. Dazu 4 Typen – Sänger, Schauspieler und Kabarettist Manuel Rubey, Gerald Votava (aka „Der Mond“), „Jazzpolizei“ Boris Fiala und Satire-Original Gunkl. Besonderes Kennzeichen: Ein Matriarchat in der Familie.

 

Im Wiener Stadtsaal stellte die Familie Lässig jetzt erstmals ihr neues Album „Heile Welt“ vor. Ein Album, das in Kleingruppen produziert wurde und bei alle Familienmitglieder musikalisch zum Zug kommen. Die Themenauswahl weit gestreut: Von boboesken „Besserwissern“ bis hin zu Korruption („Mein Herz ist korrupt“) und Liebessehnsucht („Hund vor deine Dia“), garniert mit poppigem Indie-Rock-Sound. Aus der Kreativfabrik der Sterne bzw. der Berliner Band Britta stammen die Coverversionen „Risikobiographie“ und „Büro Büro“.

 

Bei „Nur nachts sind alle Schaukeln frei“ erinnert sich Rubey live an seine Zeit auf dem Kinderspielplatz mit seinen Töchtern, bei der genialen Mitsinghymne „Irgendwann wird´s wieder Sommer“ freut man sich schon auf die schönste Zeit des Jahres. Ohne Masken und Corona-Schikanen am wunderschönen Meeresstrand.

 

 

Part jeder Show ist das sogenannte „Gunkeln“, bei der der Kabarettist spontane Wortakrobatik auf Anfragen und Inspirationen des Publikums liefert. „Wird alles gut?“ fragte ein Premierengast. Gunkls Antwort: „Das ALLES gut wird, spüt´s ned!“ Ein toller Abend im ausverkauften Stadtsaal war es allerdings trotzdem. Auch ohne - reale - heile Welt!

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Dorian Gray im Wiener Akademietheater: One Man-Show von Markus Meyer!

Der britische Schriftsteller Oscar Wilde hat nur einen einzigen Roman geschrieben. Dieser aber prägt seinen Weltruhm bis heute. Eine Geschichte über ewige Jugend, Dekadenz und Hedonismus, die sich zum Inhalt zahlreicher Theaterstücke, Opern oder Filme kristallisierte und immer wieder Debatten über den gesellschaftlichen Lifestyle auslöste. Sogar Diskotheken und Clubs wurden nach der Hauptfigur des Romans benannt: Dorian Gray. Jener junge, naive Jüngling, der von einem Maler (Basil Hallward) kunstvoll porträtiert wurde, sich in sein „Spiegelbild“ verliebte und sich wünschte, sein Bild solle altern, er aber ewig jung bleiben. Dieser sehnsüchtige Wunsch sollte sich erfüllen.

 

Regisseur Bastian Kraft konzipierte aus diesem Roman-Stoff eine multimediale One-Man-Show, die erstmals am 19. März 2010 im Vestibül des Burgtheaters uraufgeführt wurde. Im Epizentrum steht die Titelfigur Dorian Gray, dunkel gekleidet, mit Blattgold im Gesicht. Als Hauptdarsteller fungiert der deutsche Schauspieler Markus Meyer, der seit einer Rolle in Tennessee Williams  „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ 2005 zum fixen Ensemble des Burgtheaters zählt. Meyer personifiziert aber gleichzeitig auch alle anderen Figuren des Wilde-Dramas, und zwar per Videoinstallation auf 17 Screens, die auf einer Stahlkonstruktion montiert sind. Diese Aufnahmen wurden bereits 2010 gedreht, im Gegensatz zum Hauptdarsteller sind sie – wie das geheimnisvolle Porträt – niemals gealtert. Verändert wurde lediglich die Location: Das überaus populäre Stück wanderte vom räumlich begrenzten Vestibül ins Akademietheater, wo im Oktober 2020 bereits die 200. Aufführung gefeiert wurde.

 

Auch zu Silvester verwandelte sich Meyer wieder in den ewigen Jüngling Dorian Gray, live geschminkt vor der unmittelbaren Aufführung. Und tritt dann, akrobatisch kletternd auf dem Gerüst, in direkte Kommunikation mit seinen Alter Egos, dem snobistischen Lord Henry (der Dorian Gray mit seinen Aphorismen umschmeichelt), dem Maler Basil Hallward (der nicht nur in sein Porträt, sondern auch in den Porträtierten, Gray himself, verknallt ist), dem Chemiker Alan Campbell und dem langhaarigen, verrucht aussehenden James Vane, der Rache für den Selbstmord seiner Schwester Sybil schwört. Jene Theaterdarstellerin, in die sich Dorian Gray zuerst verliebt, die er dann aber skrupellos fallen lässt, als ihre schauspielerischen Künste aufgrund ihrer Liebe zu ihm schwinden („Die gemalten Kulissen waren meine Welt. Du lehrtest mich, was die Wirklichkeit wirklich ist“).

 

 

Eine perfekt getimte Inszenierung, die vom Hauptdarsteller nur mit höchster Konzentration und Akribie performt werden kann. Die nahezu ausverkaufte Audienz dankte am Silvesterabend mit tosendem Applaus. Solange Meyer weiterhin so topfit bleibt, dürfte Dorian Gray wohl noch viele weitere Male einen tragischen Tod sterben. Und das (in der Aufführung nicht zu sehende) Porträt wieder seine juvenile Makellosigkeit erlangen…

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