Pride Village 2018: Abschlussveranstaltung mit Conchita und den Weather Girls!

Finaler Höhepunkt der Pride Week 2018 war die auf dem prall gefüllten Wiener Rathausplatz stattfindende Abschlusskundgebung mit zahlreichen Reden, Appellen und musikalischen Acts.

 

Der ehemalige Bundeskanzler Christian Kern, seit jeher Unterstützer der "Pride"-Forderungen, ließ es sich nicht nehmen, die schwarz-blaue Retro-Regierung zu kritisieren, von denen kein einziger offizieller Vertreter zugegen war. Man könne aber in Feierstimmung sein, denn im Jänner 2019 werde aufgrund einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes die Ehe für alle in Österreich gelten. Die rechtskonservative Regierung, die anscheinend ohne juristische Reaktion die Frist bis dahin verstreichen lässt, könne dies nicht mehr verhindern.

 

Auf die Bühne geholt wurde von der Moderatorin Miss Candy auch jener Asylwerber aus dem Iran, der wegen Homosexualität aus seinem Heimatland geflüchtet ist und nunmehr mit einem einheimischen Lebensgefährten zusammenlebt. Die erstinstanzliche Behörde wies seinen Asylantrag ab mit der unfassbaren Begründung, dass er nicht schwul sei, weil er die Bedeutung der Farben der Regenbogenfahne nicht kenne. Navid hofft nun auf eine positive Entscheidung durch das zuständige Landesverwaltungsgericht.

 

Weitere Wortspenden gab es von den Leitern der Hosi Wien, Moritz Yvon und Lui Fidelsberger, der Pride-Organisatorin Katharina Kacerovsky, dem SPÖ-Stadtrat Czernohorszky, der schwarzhäutigen (und zuletzt auch rassistisch angegriffenen) stv. SPÖ-Bezirksvorsteherin Mireille Ngosso, dem einzigen offen schwulen Wiener Gemeinderat Peter Kraus von den Grünen, Wiens Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger, der grünen Bundesrätin Ewa Dziedzic und dem roten Nationalratsabgeordneten Mario Lindner.

 

Die Show durfte logischerweise auch nicht zu kurz kommen. Euro Pride 2019-Botschafterin Conchita Wurst präsentierte vor einer begeisterten Menge 3 Hits aus ihrem Repertoire, darunter auch den Songcontest-Siegerhit "Rise like a Phoenix". Eine tolle Setlist lieferten die (personell zur Ur-Besetzung veränderten) Weather Girls mit den größten Disco-Hits der 70er: Born to be alive, I´m so excited, Don´t leave me this way und natürlich das grandiose It´s raining Man. Schrill-coole House Vibes u. a. von Nica & Katie sorgten als letztes Open-Air-Aphrodisiakum für die danach stattfindenden Club Nights in der Bundeshauptstadt.

 

Wien auf jeden Fall ist für das nächste Jahr bestens gerüstet. Die Euro Pride 2019 soll unter dem Motto "Visions of Pride" vom 19. Mai bis 19. Juni stattfinden. Mit über 500 Einzelveranstaltungen, zwei Pride Villages am Rathausplatz und im Votivpark, einer Auftakt- und Abschlussveranstaltung, einer großen Menschenrechtskonferenz und natürlich wieder der Regenbogenparade. Zu feiern gibt es zusätzlich mit 50 Jahre Stonewall (1969) die Geburtsstunde der LGBT-Bewegung und 40 Jahre Hosi Wien. Der Regenbogen wird niemals heller erstrahlen.

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Neuer Teilnehmerrekord: 200.000 bei der Wiener Regenbogenparade!

Ein Jahr vor dem großen "Euro Pride"-Event in Wien feierte die diesjährige 23. Regenbogenparade einen neuen Teilnehmerrekord. Insgesamt 200.000 Fans frequentierten die Strecke rund um die Wiener Ringstraße und zeigten ihre Sympathie für Toleranz und Gleichstellung aller Lebensformen.

 

Die Route wurde wie üblich "andersrum" in Angriff angenommen, angeführt von den mit regenbogenfarbenen Garnituren ausgestatteten Wiener Linien und den Guys on Bikes. Insgesamt 64 Starter nahmen an der "Party-Demonstration" teil, schrill dekoriert, mit lauter Techno-, Pop- und Schlagermusik aus den Boxen und mit schlagkräftigen Messages, die noch mehr Menschen für den eigentlichen Sinn der Veranstaltung begeistern sollen.

 

"Together and Proud" propagiert der bunt geschmückte PR-Truck der Euro Pride 2019, "Damit aus Spaß nicht Ernst wird" mahnt die Aids Hilfe Wien, afrikanische Teilnehmer kritisieren mit dem Slogan "No Pride in Deportation" die skandalöse Fremdenrechtspraxis bei homosexuellen Asylwerbern. Traditionell nicht fehlen dürfen auf der Regenbogenparade die Hosi Wien, der Club Kreativ, LMC Vienna, Libertine und natürlich Hermes Phettberg, dieses Jahr mit Regenbogenflagge in einem Oldtimer platziert.

 

Nichts geändert hat sich bei der politischen Unterstützung der Pride Week. Während die rechtskonservativen Parteien ÖVP und FPÖ mit kompletter Abwesenheit "glänzen" und im Simmeringer Amtshaus sogar die Hissung der Regenbogenfahne verhindert haben, zählen die SPÖ, die Grünen (mit langer Tanzschlange hinter dem Truck) und die Neos unter der Führung von Beate Meinl-Reisinger zu den Anhängern der Pink Community.

 

Dazu gehört auch das Getränkeunternehmen Almdudler, dessen Slogan "Dudel with Love, Respect & Condoms", gemeinsam mit den Pärchen, zu den Trademarks der diesjährigen Regenbogenparade gehörte. Deutlich ersichtlich war auch eine Verbreiterung der Botschaft in neue Gesellschaftsschichten: Diplomats for Equality, Pride Business, queer & hochschulen, Fußballfans gegen Homophobie oder auch die Callboys.  Die Solidarisierung gegen Intoleranz und sexuelle Diskriminierung ist allgemein im Steigen begriffen.

 

Wien gilt dabei als besonders liberales Pflaster. Die LGBT-Reiseplattform GayTravel.com zeichnete die Bundeshauptstadt 2017 als beste internationale Destination aus. Die Resonanz könnte 2019 durch die einmonatige Euro Pride noch weiter steigen. Kein Wunder, dass auch "Gay auf Reisen by Ruefa" diese Marketing-Chance bei der diesjährigen Parade nützte :-)

Pop Art mit Gesellschaftskritik: Keith Haring in der Wiener Albertina!

 

 

 

Egal, wo man derzeit im schönen Wien spazierengeht. Man sieht überall - auf rotem Hintergrund und umgeben von leuchtenden Strichen – ein geschlechtsloses Comic-Pärchen, das sich innig umarmt und echte Lebensfreude ausstrahlt. Frühling und Sommer 2018 können nicht sinnlicher zum Leben erweckt werden als mit dem Plakat der Keith Haring-Ausstellung in der Wiener Albertina.

 

Schöpfer Haring, in der Ausstellung selbst abgelichtet durch ein Foto Gottfried Helnweins, interpretiert die Umarmung des Pärchens so extensiv wie sie nur sein kann, als "human connection, togetherness, love and sexual intercourse, regardless of skin color and sexual orientation". Und ist damit auch ein idealer Protagonist für die im Juni stattfindende Pride Week in Wien, die für Toleranz, Gleichberechtigung und Gleichstellung aller Lebensformen eintritt.

 

Der Pop Art-Künstler wurde 1958 in Pennsylvania geboren und interessierte sich dank gemeinsamer Comic-Zeichnungen mit seinem Vater schon früh für Kunst. Nach einem zweijährigen Studium der Werbegrafik in Pittsburg zog Haring nach New York, wo er nicht nur die School of Visual Arts besuchte, sondern auch schnell Bekanntschaft mit der dortigen Art-Szene schloss. Neben erster Ausstellungen, Collagen und Aktionen gegen Gentrifizierung erregte er erste Aufmerksamkeit durch die sogenannten "Subway Drawings". Haring bemalte freie, dunkle Werbeflächen in der New Yorker U-Bahn mit Tafelkreide, Originale seiner fast 10.000 Zeichnungen sind auch in der Albertina zu sehen.

 

Haring war nicht nur Künstler und Zeichner, sondern auch Gesellschaftskritiker und Aktivist, egal ob gegen Rassismus, Diskriminierung, Homophobie, Polizeigewalt, Kapitalismus, Atomkraftwerke oder die Macht der Medien. Mit einfachen Strichen, bunter Bildsprache und wiederholenden Motiven (wie Hunde, Babies, Fernsehern, Löchern im Körper oder Kreuzen) erweckte Haring, oft nicht auf den ersten Blick, Assoziationen zum Nachdenken über die gesellschaftlichen Zustände. Mit Ausnahme seines 15 m langen Monumentalwerkes „Die Matrix“ verleiht Haring seinen Kreationen keine Titel, um von vornherein die Fantasie der Betrachter anzuregen. Einer seiner Bewunderer war auch die Pop-Art-Legende Andy Warhol, für den er 1983 die auch in der Albertina zu sehende „Andy Mouse“ malte, eine Mischung aus Warhol und der Mickie Mouse.

 

Bedrohlicher und furchteinflößender wurde das „Alphabet“ Harings ab Mitte der 80er, und das hat einen Grund. Immer mehr Menschen in Harings Umfeld erkrankten zu dieser Zeit an AIDS. Der offen schwul lebende Haring stattet dabei seine menschlichen Figuren mit Punkten aus und demonstriert auf diese Weise die Stigmatisierung von Homosexuellen. Der Begriff „Gay Plague“ erodiert damals in den Boulevard-Zeitungen. In seinen düstersten Werken visualiert Haring den HI-Virus als ein todbringendes Monster, markiert mit einem roten Kreuz, bzw. als ein aus einem Ei schlüpfendes Riesenspermium. Haring selbst ereilt auch das tödliche Schicksal. Seine HIV-Infektion wurde 1988 diagnostiziert, am 16. Februar 1990 starb er in New York.

 

Fast 30 Jahre später ist eine vollständige Heilung der Krankheit noch immer nicht möglich. Durch seinen jahrelangen Kampf gegen Aids und seine 1989 gegründete Foundation setzt Haring auch weit nach seinem Tode noch wichtige Akzente zur Bekämpfung von Aids. Seine in Kooperation mit der Aids Hilfe Wien stattfindende Ausstellung ist noch bis 24. Juni in der Albertina zu sehen. 

"Raise Vibration": Funk-Rock-Inferno von Lenny Kravitz in der Wiener Stadthalle!

"Raise Vibration" - So heißt das in den Sonnen-Studios von Bahamas aufgenommene 11. Album von Lenny Kravitz, das am 7. September erscheinen wird. Erste Vorbote präsentierte der 1964 in Brooklyn geborene Künstler bereits beim Live-Gig in der Wiener Stadthalle. Und konnte dabei mit Überraschungen aufwarten.

 

So enthält die erste Single, "Low", Original-Tribal-Shouts von Michael Jackson, die kurz vor seinem Tod 2009 aufgenommen wurden. Der zweite neue Track, It´s enough", dagegen ist ein klares politisches Statement des einstigen Obama-Supporters Kravitz. "Ich habe genug von Rassismus. Ich habe genug vom Krieg. Ich habe genug von Umweltzerstörung und der Gier und Verlogenheit unserer Staatsoberhäupter. Wir müssen dringend die Kurve kriegen und ein höheres Verständnis für die Menschheit und diesen Planeten entwickeln." Das dazugehörige T-Shirt konnte man bereits im Vorfeld am Fanstand der Stadthalle erwerben.

 

Abgesehen von den zwei neuen Tracks enthielt die Setlist des Multi-Instrumentalisten die größten Hits aus seiner 30jährigen Karriere. Kravitz, dem man aufgrund seines Aussehens, seines Charismas und seiner musikalischern Virtuosität das Alter allerdings kaum ansieht, und seine brillante Band sprühten nur so vor Spiellust, und das ohne unnötiges Show-Schnick Schnack vergleichbarer US-Künstler. "Fly Away", "American Woman", "It ain´t over till it´s now" oder das mit Dance-Beats upgeliftete "The Chamber" aus dem 2014er-Album "Strut" ließen die fast 7000 Fans in der Stadthalle nicht zur Ruhe kommen. "Let Love Rule", der erste Hit des New Yorkers Musikers und Schauspielers ("Die Tribute von Panem") aus dem Debüt-Album "Mama Said" (1989), wurde unter tosendem Applaus auf eine 20minütige-Version ausgedehnt.  Finaler Schlusspunkt: Das einst auch bei den MTV-Video Awards ausgezeichnete "Are you gonna go my Way".

 

"Rockmusik ist aus dem Mainstream verschwunden", das behauptete Kravitz kürzlich in einem Interview. An ihrer Lebendigkeit hat sie allerdings nichts eingebüßt :-)

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"Kremser Hasenjagd": Ramesch Daha kreiert Mahnmal gegen Nazi-Terror!

Am 6. April 1945, kurz vor Ende des 2. Weltkriegs, geschah in Krems und Umgebung eines der schockierendsten Ereignisse der Stadtgeschichte, das unter dem Schlagwort "Kremser Hasenjagd" allgemein bekannt ist.

 

Als die Rote Armee sich zusehends vom Osten näherte, wurden großteils politische Häftlinge der Justizanstalt Stein durch den Leiter Franz Kodre freigelassen. NS-treue Aufseher informierten daraufhin den Kreisleiter von Krems über einen angeblichen Aufstand, die Waffen-SS wurde daraufhin nach Stein beordert. Diese verhaftete den Anstaltsleiter und eröffnete das Feuer auf die wehrlosen Häftlinge im Anstaltsareal. Zeitgleich zum Massaker im Zuchthaus suchten SS-Truppen in der Kremser Umgebung mit der Unterstützung von lokalen Gendarmen und der Zivilbevölkerung (!) nach den bereits entlassenen Häftlingen. Die ertappten Ex-Gefangenen wurden zumeist an Ort und Stelle erschossen, in Hadersdorf mussten die politischen Häftlinge vor der Exekution sogar ihr eigenes Massengrab schaufeln.

 

Insgesamt kamen an diesem Tag 386 Häftlinge ums Leben. Seit ein paar Tagen erinnert auch ein Kunstwerk direkt an der Mauer der Justizanstalt Stein an diese schrecklichen Vorkommnisse. Die aus Teheran stammende Wiener Künstlerin Ramesch Daha, Absolventin der Akademie der bildenden Künste, bemalte gemeinsam mit einem vierköpfigen Team einen ca. 100 m langen Mauerabschnitt mit den Namenslisten der ermordeten Häftlinge. Das Mahnmal wurde in nur 17 Tagen umgesetzt, und das unter strengsten Auflagen. So musste täglich nach getaner Arbeit das Gerüst wieder abgebaut werden, um die Sicherheit der Kremser Bevölkerung nicht zu gefährden.

 

Die offizielle Eröffnung des Kunstwerks findet am 23. Juni statt, inklusive der Enthüllung einer Erinnerungstafel mit dem Text des Historikers Robert Streibel ("April in Stein"). Eine vollständige Betrachtung des Mahnmals ist bereits jetzt möglich, wenn man die Wege südlich des Uni-Campus beschreitet.

 

Noch wichtiger als der traurige Blick auf die Vergangenheit sollte allerdings die innere Motivation sein, künftig gegen jegliche faschistische Strömungen zu kämpfen, die nur den geringsten Anschein erheben, dass sich derartige Vorgänge wiederholen könnten. 

Katy Perry in Wien: Show-Wonderland statt politischer Message!

Die im kalifornischen Santa Barbara aufgewachsene Pastorentochter Katy Perry zählt seit dem PR-inszenierten "I kissed a Girl"-"Skandal" zu den größten Pop-Stars unseres Planeten. 126 Millionen Tonträger und 72 Millionen Download-Singles hat sie seitdem verkauft, das Merchandising läuft wie am Schnürchen: Parfüms, Schmuckkollektionen, künstliche Katy-Wimpern, Fashion-Verträge mit H&M und Moschino, , PC-Song-Adaptionen, Big Brother-eske Shows im TV, "Simpsons"-Gastauftritte, "Schlumpfinchen"-Synchronisation im Kino und künftig sogar Jurorin für "American Idol", sozusagen Förderin der eigenen Konkurrenz.

 

Katy Perry ist allerdings auch eine politisch engagierte Frau, die Obama und Clinton unterstützt und sich offen gegen die ausländerfeindlichen, primitiven Agitationen eines Donald Trump wehrt. In ihrem aktuellen Song "Chained to the Rhythm" (mit dazugehörigem Video im Vergnügungspark der Gleichmacherei und der Hamsterräder) fordert sie mehr Aktivismus und Mut, gegen Missstände und Ungerechtigkeiten aufzutreten. Beides unter einen Hut zu bringen ist schwierig. Das zeigte auch ihr Konzert in der Wiener Stadthalle. 

 

12500 Fans ließen sich den Auftritt des Weltstars im Rahmen ihrer "Witness"-Tour nicht entgehen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche. Die waren mit ihren Familienangehörigen bereits vollzählig vertreten, als die sympathische schwedische Supporterin Tove Styrke mit Electro-Pop-Beats die Massen anheizte. Danach starrt ein überdimensionales Perry-Auge, begleitet von 80er-Beats a la "Tainted Love", auf die verblüffte Menge. Überwachungsstaat? Zumindest, bis Perry, sexy gestylt mit modernem Kurzhaarschnitt, zu den Klängen von "Witness" per Plattform auf die Stage "gebeamt" wird. Begleitet von 15 durchtrainierten Tänzern und zahlreichen Fabelfiguren a la "Katy in Wonderland".

 

Überlebensgroße Flamingos bei "Hot N Cold", fleischfressende Pflanzen und Insekten bei "Bon Appetit", Basketball-Duelle zum Hip Hop-angehauchten "Swish Swish", ein (Super Bowl)-Hai übt Handstand - sic est - mit der athletisch top fitten US-Künstlerin. Dazwischen einige anbiedernde Worte auf Deutsch ("Scheiße" - muss das sein?). Danach fliegt Perry hoch über dem Publikum in die künstliche Stadthallen-Galaxis und singt über Feminismus ("Power") und Liebe.

 

Beim, wie oben erwähnt, politisch engagierten Hit "Chained to the Rhythm" wanken Puppen mit TV-Screen-Köpfen auf die Bühne, die scheinbare Personifikation der Massenmedien, die Menschen nicht nur in Amerika korrumpieren, sodass Personen wie Trump (oder auch Orban, Putin, Kurz,...) überhaupt an die Macht kommen können. Das ist zumindest eine klare politische Message, die auch die Jüngsten im Publikum verstehen. Dann aber sich mit der österreichischen Flagge (nationalistisch) zu umhüllen und "Are you revolutionary?" ins Publikum zu kreischen, das ist zuviel des Guten. Anscheinend haben nicht nur Politiker schlechte Berater.

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Stockholms Electro-Pop-Mozart: In Memoriam Avicii (1989-2018)!

"Some of us dance and sing to Abba or Avicii." Ein legendärer Satz des US-Präsidenten Barack Obama, den er 2016 bei einer Tischrede im Rahmen des US Nordic Leaders Summit in Washington ausgesprochen hat. Der Schwede Tim Bergling, der sich seit Beginn seiner Karriere das Pseudonym Avicii (abgeleitet von Avici, der tiefsten Ebene der buddhischen Unterwelt) zugelegt hat, war damals einer der erfolgreichsten DJ´s und Produzenten weltweit. Am 20. April 2018 wurde er - mit 28 - in einem Hotel in Oman tot aufgefunden. Ein Statement seiner Familie deutet auf Selbstmord hin.

 

Geboren wurde Avicii am 8. September 1989 in Stockholm. Er war der Sohn von Klas Bergling und der Schauspielerin Anki Liden. Avicii besuchte dasselbe Gymnasium wie seine DJ-Kollegen Alesso und Otto Knows. Sein größtes Ziel war bereits damals, ein erfolgreicher House-DJ zu werden. Fehlstunden in der Schule waren "begründet" durch Auflegen in einschlägigen Clubs. 2008 kurz nach seinem Schulabschluss gewann Avicii den Pete Tong-Fast Trax Wettbewerb, als Gewinn winkte eine gemeinsame Produktion ("Manman") mit der britischen DJ-Legende. Bereits ein Monat später unterschrieb Avicii - mit 18 - einen Plattenvertrag bei "At Night Management".

Nicht die renommierte schwedische Hit-Factory ebnete den Weg Aviciis in die Clubs und Charts, sondern die französische Dance-Szene. Gemeinsam mit dem French House-DJ Sebastien Drums coverte Avicii den 1999er-Klassiker "My Feelings for you" der französischen House-Avantgardisten Cassius.

 

Unter seinem (fast) echten Namen "Tim Berg" veröffentlichte Avicii "Seek Bromance", eine Mischung seines Electro House-Tracks  "Bromance" mit den Vocals des Samuele Sartini-Titels "Love U Seek". Das Video mit Drogenmissbrauch und einem sexuellen Threesome wurde in den USA verboten. Was dem Erfolg nicht entgegensteht, im Gegenteil.

 

Im Jahr 2011 folgte dann "Levels". Manager und Produzent Arash Pournouri ahnte im Vorfeld der Veröffentlichung bereits, dass dieser Track wie eine Bombe einschlagen werde. "Schuld" daran sind nicht nur die Happy Electro House Vibes von Avicii, sondern auch das geniale Sample von Etta James "Something´s got a Hold on me". Fasziniert davon war auch Rapper Flo Rida, der kurz danach mit "Good Feeling" die schwedische Hit-Mixtur in die amerikanischen Charts transferierte.

 

In den weltweiten DJ-Mag-Charts belegte Avicii Ende 2011 bereits Platz 6, ein Jahr später stieg er auf Platz 3. Dazwischen lagen zahlreiche Auszeichnungen für "Levels" (Best Electro/Tech House Track bei den International Dance Music Awards), die Krönung zum "Best European DJ" und eine Nr. 1 in den englischen Charts gemeinsam mit dem DJ-Kollegen Nicky Romero ("I could be the One"), genial promotet durch ein "Aussteiger"-Video einer gelangweilten Büroangestellten.

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"Bürger müssen medienmündig werden!" - Bernhard Pörksen bei den Falter-Stadtgesprächen!

"Wir müssen medienmündig werden, weil wir längst medienmächtig geworden sind!" Einer der Leitsätze vom deutschen Medienwissenschafter Bernhard Pörksen, der im Mai bei den Falter-Stadtgesprächen im AK-Bildungszentrum zu Gast war.

 

Pörksen wurde 2008 zum "Professor des Jahres" gewählt, unterrichtet aktuell an der Uni Tübingen und gilt als einer der intellektuellsten Kommunikations-Zeitgeistprotagonisten Deutschlands, der den Umbruch der journalistischen Szene in klare Worte packt. Sein neuestes Buch heißt "Die große Gereiztheit - Wege aus der kollektiven Erregung".

 

Pörksen setzt in seinen Ausführungen auf eine "redaktionelle Gesellschaft". Die Menschen sollten das Handwerk redlicher Journalisten beherrschen und deren Prinzipien im Umgang mit Medien anwenden: Skepsis, Distanz, Faktenprüfung, Wahrheitswillen. Derzeit eine Utopie (auch aus Sicht des Optimisten Pörksen), wenn man objektiv betrachtet, wie sich die Bevölkerung aktuell in den sozialen Medien durch Fake News, selektive Informationen oder auch nur durch statistische Tricks manipulieren und täuschen lässt.

 

Ein eigenes Schulfach zur Erziehung der Medienmündigkeit steht insofern im Forderungskatalog Pörksens. Eine Verwirklichung erscheint auch in Österreich nicht unmöglich, fordern dies doch auch Parteien und Politiker, die selbst Fake News ohne Genierer verbreiten. 

 

Die Finanzierung des Qualitätsjournalismus sei derzeit das heikelste Problem in der Medienszene. Infolge der Digitalisierung und der sozialen Medien trage jeder "kleine Sendestationen in Gestalt von Smartphones herum" und verbreite seine persönlichen News auf Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram. Facebook hatte im Jahr 2017 40 Milliarden Dollar Werbeeinnahmen. Alle deutschen Medien zusammen kommen nicht auf die Hälfte.", so der renommierte Medienwissenschaftler.

 

Trotzdem sieht Pörksen die Zukunft der systemrelevanten Qualitätsmedien nicht gefährdet. Medien seien allerdings nicht mehr Gatekeeper, sondern Gatereporter. Nicht nur Investigativreports und Hintergrundrecherchen sollten auf der Tagesordnung stehen, sondern auch die detaillierte Aufdeckung über Fake News und sich widersprechende Informationsströme. Die gesamte Arbeit der Medien müsse transparent offengelegt werden. Keine leichte Aufgabe, da die Medien hier mit der "Bestätigungssehnsucht" der Empfänger konfrontiert werden. In Zeiten von Überinformationen wählen die Menschen gerade jene Medien, mit deren Meinungen sie - vorurteilsbehaftet - übereinstimmen.

 

Eine Absage erteilt Pörksen dem "Filterblasen- und Echokammernmodell". Aufgrund des Verlinkungssystems des Internets sei es eine Leichtigkeit, in "andere Universen" einzudringen. Ein Wolf ist von einem Strache oder Kurz nur einen Link entfernt. Nicht die scheinbar "dämonischen Algorithmen", sondern die Netzkonsumenten selbst sind verantwortlich dafür, dass sie in ihrem "belagerten Tal" verharren. Der Hass im Netz sei auch nicht durch die sozialen Medien verursacht worden, er werde nur durch die grenzenlosen, scheinbar anonymen Möglichkeiten der Verbreitung stärker sichtbar.

 

In seinem 256 Seiten dicken Buch "Die große Gereiztheit" publiziert Pörksen noch zahlreiche weitere Theorien zur aktuellen Mediensituation. Auf die persönliche Frage, ob das Netz für ihn eher "Euphorie oder Apokalypse" darstellt, bleibt der Optimist auf der hellen, positiven Seite des Fortschritts.. Selbst der Buchdruck sei anfangs mit negativen Kritiken überschwemmt worden.

"So it goes" - New Order vs. Liam Gillick im Wiener Museumsquartier!

Am 18. Mai 1980 beging der an Epilepsie leidende Joy Division-Sänger Ian Curtis Selbstmord und hinterließ nicht nur seine Familie und Freunde, sondern auch seine Band. Das erst zweite, post punk-angehauchte Album "Closer" und die Single "Love will tear us apart" stürmten nach seinem Tod die Charts. Die Band ging neue Wege und transformierte zu "New Order". "Blue Monday" wurde zur meistverkauften Vinyl-Maxi-Single aller Zeiten, aufgrund seiner aufwändigen Floppy Disc-Verpackung allerdings zu einem Verlustgeschäft.

 

So ist es eigentlich nicht weiter verwunderlich, dass 35 Jahre später die (Fast)-Original-Band - nur Bassist Peter Hook ist nach einem Trennungszwist 2007 nicht mehr dabei - wieder auf extravaganten, innovativen Spuren wandelt. (No, 12k, Lg, 18 WfW) - "So it goes" nennt sich das Projekt, das New Order gemeinsam mit dem New Yorker Künstler Liam Gillick im Rahmen der Wiener Festwochen präsentieren. Das Wiener Museumsquartier ist nach Manchester und Turin erst die dritte Location, in der dieses Event veranstaltet wird.

 

Die seltsamen Hieroglyphen sind leicht erklärt. "We decided to use two titles: ‘So It Goes’ and an equation. A spoken title and a visual title. ‘So It Goes’ refers to the TV show Joy Division first appeared on and the equation is a representation of the self-imposed complexity of our working relationship. The sum of “us” is this equation." so Visualist Gillick.

 

No steht dabei für New Order, bestehend aus Sänger Bernard Sumner, Keyboarder Gillian Gilbert, Schlagzeuger Stephen Morris, Gitarrist Phil Cunningham und dem neuen Bassisten Tom Chapman, der "Hooky" brillant ersetzt. Lg steht klarerweise für Liam Gillick, der eine Rauminstallation, bestehend aus 12 Kabinen in 2 übereinandergelagerten Reihen, konzipiert hat. In diesen befinden sich 12 Keyboarder (12k) aus dem renommierten Manchester Royal Northern College of Music, die New Order auf der „Main Stage“ mit ihren Synthi-Beats begleiten. Das Visual-Programm von Gillick umfasst nicht nur zahlreiche Lichteffekte in allen Farben, sondern auch das soundkompatible Schließen und Öffnen der Kabinenjalousien.

 

Apropos Sound. Eine Greatest Hits-Setlist bieten New Order bei diesem Projekt nicht an, eher eine persönlich-subtile Mixtur aus Raritäten, neuen Tracks und 80er-Underground-Hits. „There will be no Blue Monday, no Love Will Tear Us Apart. It’s good to do something different at all because that is what we were like when we started, just hopefully not so much chaos.”, so Sumner.

 

So hört man im fast ausverkauften Wiener Museumsquartier u.a. the 2005er-Single „Guilt is a Useless Emotion“, „Ultraviolence“ aus New Orders Erstwerk „Power, Corruption & Lies“ oder den treibenden Disco-Stomper „Plastic“ aus ihrer letzten CD „Music Complete“. Schweißüberströmtes Tanzen ist vor allem im mittleren Drittel mit Tracks wie „Bizarre Love Triangle“, „Subculture“ (mit den eingängigen Lyrics „One of these days you´ll go back to your home, you won´t even notice that you are alone“) oder „Shellshock“ angesagt.

 

Tribute leisten New Order auch ihrer durch traurige Umstände zerrütteten Original Band Joy Division mit neuen Versionen von „Disorder“„Heart and Soul“ und „Decades“. Letzterer ist nicht nur Abschluss-Track ihres zweiten Albums „Closer“, sondern auch Finale einer beeindruckenden Show abseits von Mainstream, Retro-Kitsch und Kommerz. 

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OGH-Urteil: Je 20.000 Euro Schadenersatz für Kindesvertauschung im Krankenhaus.

Ein Ereignis, das eher an eine Hollywood-Verfilmung oder an einen Familien-Roman erinnert. Nach 20 Jahren stellte sich heraus, dass das als leibliche Tochter aufgewachsene Kind nicht mit dessen vermeintlichen Eltern blutsverwandt ist. Das Kind wurde im Krankenhaus per Kaiserschnitt entbunden, noch vor dem ersten Kontakt zu dem Ehepaar kam es zu einer Vertauschung. Bis heute konnten weder die näheren Umstände noch die biologischen Familienangehörigen des mittlerweile adoptierten Kindes ausgeforscht werden.

 

Die Familienmitglieder leiteten ein gerichtliches Verfahren auf Ersatz der Adoptionskosten und Schmerzensgeld von je 30.000 Euro ein. Grund: Die bei ihnen durch die Kindesvertauschung und die Nachricht hierüber verursachte erhebliche psychische, wenn auch nicht krankheitswertige Belastung.

 

Das Erstgericht gab dem Klagebegehren zur Gänze statt, das Berufungsgericht wies es ab. Der OGH gab der Revision teilweise Folge und sprach den Klägern in Entsprechung der zum Trauerschmerzengeld ergangenen Judikatur Schadenersatz von je 20.000 Euro zu.

 

Die Vertauschung ist als Verletzung der Krankenhausaufnahmeverträge zu beurteilen. Aufgrund der Persönlichkeitsrechte und der Schutzbedürftigkeit der Beteiligten sind bei der Organisation äußerst strenge Anforderungen zu erfüllen.

 

Die Kindesvertauschung ist - entgegen des zweitinstanzlichen Urteils - der Tötung oder schwersten Verletzung eines nahen Angehörigen vergleichbar und führt nachvollziehbar zu einer Trauerreaktion bei den Eltern bzw. zu einer Identitätskrise bei dem betroffenen Kind.

 

Quelle: OGH - 4 Ob 208/17f

"Me Too"-Message überschallt Klang-Dissonanzen: Israel gewinnt 63. Songcontest in Lissabon!

 

Wer sind Doron Medalie und Stav Beger? Die Sieger des 63. Eurovision Songcontests in Lissabon. Denn prämiert werden beim jährlich stattfindenden Wettbewerb nicht die Interpreten, sondern die Komponisten und Texter. Dass natürlich die an Beth Ditto erinnernde Interpretin Netta und deren gesellschaftliche Message vorrangig für den Sieg verantwortlich waren, steht außer Frage.

 

"I´m not your Toy, you stupid Boy" sei eine Antwort auf die MeToo-Debatte um sexuelle Belästigung (nicht nur) in der Unterhaltungsbranche, so die Siegerin. Dagegen ist nichts einzuwenden, man hätte diese Botschaft aber auch in eine musikalisch erträglichere Form verpacken können.

 

So wie der französische Beitrag von Madame Monsieur. "Mercy" thematisiert das Schicksal eines Flüchtlingsmädchens, das auf dem Mittelmeer zur Welt gekommen ist. Melancholischer Elektro-Sound ohne die erdrückende Kitsch-Ästhetik des Sieger-Beitrages. Oder die San Remo-Sieger Ermal Meta und Fabrizio Moro, die mit ihrem Song "Non mi avete fatto niente" vor einer Spaltung der Gesellschaft durch Terrorismus und Rechtsextremismus warnen und die Menschen auffordern, sich von dieser Hassspiralen nicht anstecken zu lassen. Für Frankreich und Italien reichte es trotz erstklassiger Produktion aber nur für die Plätze 13 und 5. So ungerecht kann die ESC-Welt sein.

 

Jubeln können dagegen die Österreicher. Unser Vertreter Cesar Sampson, der mit der Soul-R&B-Ballade "Nobody but you" startete, erinnerte sowohl optisch als auch musikalisch an Craig David und belegte nach der Jury-Wertung Platz 1 vor Schweden und Israel. Sampson bekam siebenmal die Höchstpunkteanzahl von 12, darunter auch aus dem Mutterland des Pop, England.

 

Schlussendlich wurde er hinter Israel und Zypern (Latin-Pop von Eleni Foureira) sensationeller Dritter, nach den Siegen von Udo Jürgens (1966) und Conchita Wurst (2014) die drittbeste Platzierung eines Österreichers. Über seine Zukunft braucht sich Sampson auch keine Sorgen machen: In Kürze erscheint ein hochdotiertes (Universal)-Album des 34jährigen, auch eine Tournee ist geplant. Sampson auf der Spur seiner Tante ("Pepsi"), die Gründungsmitglied bei Wham war.

 

Apropos England: Der Auftritt der britischen Sängerin Surie wurde von einem politischen Aktivisten und Rapper gestört, der gegen die Kommerzialisierung der Medien protestierte. Auf eine Wiederholung des Auftritts verzichtete die Sängerin, sie landete auf Platz 24. 

 

Deutschland war nach mehreren ESC-Flauten mit dem 4. Platz mehr als zufrieden, die an Ed Sheeran angelehnte Ballade "You Let me Walk Alone", die Wuschelkopf Michael Schulte seinem verstorbenen Vater widmete, fand nicht unverdient viele Fans. Schwedens Disco-Popper Benjamin Ingrosso, Cousin von Swedish House Mitglied Sebastian, belegte zwar nur Platz 7, dürfte aber mit seinen lässigen Dance-Beats die weltweiten Charts erobern. Ähnliches gilt trotz eines nur 20. Platzes für die Australierin Jessica Mauboy.

 

Zu den Verlierern zählen dieses Jahr zwei Interpreten, die bereits ganz oben auf den Siegertreppen standen. Norwegens Winner von 2009, Alexander Rybak wurde trotz erneuter Geigenvirtuosen nur 15., Waylon, ein Teil der Common Linnets (die 2014 knapp gegen Conchita Wurst das Nachsehen hatten) landete mit einem Bon Jovi-esken Song nur auf Platz 18. Veranstalterland Portugal wurde wie einst Österreich nur Letzter, erhielt aber wenigstens (39) Punkte.

 

Für nächstes Jahr werden die schrill-schrägen Karten des Songcontests wieder neu gemischt. Siegerin Netta ist verantwortlich dafür, dass Israel, vermutlich Jerusalem, 2019 den Wettbewerb veranstaltet. Es war immerhin bereits der 4. Sieg Israels nach 1978, 1979 und 1998. Nach dem 98er-Triumph einer transsexuellen Sängerin (Dana International) bereits der zweite mit einer klaren, gesellschaftlichen Botschaft.

"The Hoff" im Gasometer: Party bis weit nach dem Mauerfall!

Es war Mitte der 80er, 18.30. Uhr, als die Straßen und Plätze in Österreich meist leergefegt waren. Denn auf ORF 1 ermittelte wieder Michael Knight im Auftrag der Foundation für Recht und Verfassung. Sein loyalster Helfer: Das sprechende Auto K.I.T.T.. "Knight Rider" war die meistgesehene Serie der 80er. Auch musikalisch verdiente sich deren Hauptdarsteller David Hasselhoff, seine ersten Sporen. "Night Rocker" verkaufte sich allerdings nur in Österreich, verschämte Käufer im Teenager-Alter schickten meist ihre Eltern in die Schallplattenläden.

 

Mehr als 30 Jahre später ist David Hasselhoff auch als Sänger Kult. Vor dem Gasometer erblickt man nicht nur eine schnittige KITT-Kopie für coole Selfies, sondern auch Publikum allen Genres: Heavy Metaller, Hip Hopper, Techno-Freaks, Schlager-Fans, Alt, Mittel, Jung. Natürlich auch jene, die an diesem besonderen Abend in die "zweite Haut" Davids schlüpfen wollen, die "Baywatcher" mit den Badeanzügen, Hauben und Bojen. Die Party kann beginnen.

 

In der Planet Music Hall drängen sich die Besuchermassen, 3500 Fans, das Konzert ist ausverkauft. Nach dem Knight Rider Intro betritt "The Hoff" die Bühne, intoniert "We wanna rock the World". Ballermann-Fans kennen die Melodie: "Hey, wir wollen die Eisbären seh´n". Dass Hasselhoff musikalisch nirgends so erfolgreich ist wie in Österreich, das darf nicht unerwähnt bleiben. Der "Night Rocker" erdröhnt, auf den Video Screens und in real. Hasselhoff erzählt auch eine Anekdote vom nach Ansicht seiner Töchter peinlichen "Hooked on a Feeling"-Video, die vom Cheeseburger-Imbiss in alkoholisiertem Zustand, dessen Handy-Video die YouTube-Kanäle frequentierte, lässt er aus.

 

Inmitten von 90er-Hits wie "Gypsy Girl", "Is Everybody Happy" oder "Everybody Sunshine" erklingen zahllose Coverversionen, vor denen sogar gewiefte Retro-DJ´s meistens zurückschrecken. "It´s a Real good Feeling" von Peter Kent beispielsweise oder die Righteous Brothers-Schnulze "You´ve lost that Lovin´ Feeling". Die ekstatischen und alk-getränkten Fans sind trotzdem aus dem Häuschen und flippen bei den mit Disco-Beats aufgepimpten 70er-Gassenhauern "Take me Home, Country Roads" und "Sweet Caroline" vollkommen aus. Bei Hands Up in the Air und Schlachtgesängen haben dann auch die Rettungsschwimmer ihren Einsatz: Mitch Buchannon alias The Hoff rockt "I´m always Here" ins Mikro. 

 

Dann folgen Hit auf Hit: "Crazy for you", das in Österreich einst Doppelplatin erreichte, und der chillig-cheesige "Limbo Dance", bei dem Zeremonienmeister "The Hoff" auch einige Fans unter der Stange tanzen und taumeln lässt. David Bowies "Heroes" als Cover (mit deutscher Strophe) und "Looking for Freedom" ertönen als Doppelpack zum krönenden Finale. Ein Wink auf die Berlin-Connections von David Hasselhoff.

 

Im Jahr des Mauerfalls war "Looking for Freedom" (eine Coverversion des Marc Seaberg-Hits aus den 70ern) 8 Wochen Nr. 1 in Deutschland. David Hasselhoff war - trotz manch böser Gerüchte - nicht verantwortlich für den Sturz der Berliner Mauer, trat allerdings vor 500.000 Zuschauern bei der großen 89er-Silvesterparty vor dem Brandenburger Tor auf.  Damals wie heute Begeisterung über den singenden Schauspieler, der zu keiner Zeit seiner Karriere die Scheu hatte, Geschmacksgrenzen zu überwinden.

 

But: "Don´t hassel the Hoff". Obwohl sich beim "Heroes"-Cover eigentlich der Spaß aufhört, oder doch nicht?

 

Anm.:  Das Wien-Konzert von David Hasselhoff wird im Herbst als DVD veröffentlicht. 

 

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Kremser Donaufestival Week 2: Sound-Zauber zwischen Tradition und Innovation!

Was versteht man unter "E2-E4"? Keine uncharmante Frage für die Millionenshow. Im Schachsport handelt es sich um einen bekannten Eröffnungsschachzug, in der Musikszene um ein trendweisendes elektronisches Meisterwerk des ehemaligen Krautrockers Manfred Göttsching, der sich beim Titel vom Star Wars-Droiden-Ikone R2-D2 inspirieren ließ. Beim Kremser Donaufestival präsentierte der Berliner Musiker das 60minütige Werk exklusiv als Österreich-Premiere.

 

Göttsching stand dabei allein auf der Bühne der Minoritenkirche, mit Synthesizer und Gitarre. Dahinter Visuals jeglicher Art, Strandszenen, Menschen auf der Straße, bunte Kaleidoskope. "E2-E4" besteht nur aus 2 Akkorden, die stetig variiert werden. Produziert wurde es an einem einzigen Tag im Dezember 1981.

 

"Manuel, I know, you can make a fortune with that", so lautete der legendäre Spruch des Virgin Chefs Richard Branson, dessen Baby während der Vorstellung eingeschlafen war. Er hatte Recht. Das minimalistische Meisterwerk mit Trance- und Latineinflüssen wurde zwar erst 1984 auf dem Label von Tangerine Dream Mastermind Klaus Schulze veröffentlicht, erlangte aber in den nächsten Jahren Kult-Status. Im Studio 54 diente es als Opener, in der Paradise Garage spielte die DJ-Legende Larry Levan das gesamte 60 Minuten-Werk als chillig-melancholisches Finale. Ende der 80er verwendeten die italienischen Dance-Produzenten von Sueno Latino die Rhythmen für ihren gleichnamigen House-Hit. Ex-Hippie Göttsching eroberte die Ibiza-Dancefloors, zahlreiche weitere Remixes folgten. Seit 2006 tourt der 65jährige Göttsching mit seinem Werk vereinzelt durch die Welt, nach Tokio, London und in den Techno-Club Berghain, jetzt hatte auch Krems die Ehre.

 

Viele andere Acts des Donaufestivals stehen im Gegensatz zum Berliner erst am Beginn der Karriere. So zum Beispiel Jakuzi aus Istanbul, die ihrer türkischen Muttersprache die Treue gehalten haben und im Stadtsaal die Gäste mit treibend-melancholischen Synthi-Beats begeisterten. Mehr als empfehlenswert ihr Debüt-Album "Fantezi Müzik".

 

Aus Kairo stammt das Multi-Talent Nadah El Shazly, die mit ihren experimentellen Symbiosen von Elektronik-Noise und traditionellen Klängen das Publikum auf besondere Art verzaubert. "Klassische arabische Musik aus den 1920ern, 1930ern und davor ist frei von einem bestimmten Rhythmus oder einem bestimmten Tempo – und das ist etwas aus der Zukunft und nicht aus der Vergangenheit.", so Shazly. Und passt in diesem Sinne haargenau zum zeitentransformierenden Motto des Donaufestivals, "Endlose Gegenwart".

 

In den 90ern noch Minimal-Techno-Protagonisten, zeigen sich Mouse on Mars (alias Jan Stephan Werner und Andi Toma aus Düsseldorf) 2018, verstärkt durch Gastmusiker, als innovatives Ensemble, das Dancefloor-, Ambient-, Folk- und Jazzklänge in kunstvolle neue Strukturen verwandelt. Das dazugehörige neue Album nennt sich "Dimensional People".

 

Apropos Dimensionen. Die überschritt gegen Ende des Samstag-Programms der geniale britische DJ Ali Wells aka Perc: Harte Industrial Techno-Beats, die ansonsten in der Londoner Fabric und im Berliner Berghain in den Morgenstunden erschallen. Samstag Mitternacht kamen die alten Österreichhallen in den Genuss technoider Bässe. Wenigstens einmal im Jahr werden im Volksmusik-Mekka von Krems die Grenzen überschritten. Wir freuen uns auf das nächste Donaufestival 2019!

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Soul-Pop-Diva Lisa Stansfield live im Wiener Museumsquartier!

Vor fast 30 Jahren eroberte eine junge Sängerin aus Manchester mit süß gegelten, kleinen Löckchen die Herzen der Pop-, Soul- und Club-Fans: Lisa Stansfield. Ihr Superhit: "All Around the World". "Meine Titelmelodie, sie hat mir ein schönes Leben ermöglicht". Mit diesem positiven Lebensgefühl war die heute 51jährige auch zu Gast im glamourös dekorierten "Ballroom" des Wiener Museumsquartiers.

 

"Deeper" heißt das brandneue 8. Album von Lisa Stansfield. Es zählt nach dem Millionenseller "Affection" zu ihren erfolgreichsten und enterte die Top Ten der europäischen Charts. Und so braucht sich Stansfield, die neben ihrer Musik-Karriere auch in zahlreichen Filmen (wie der Komödie "Swing", "Edge of Love" oder "Northern Soul") zu sehen war, nicht hinter Retro-Material zu verstecken. Die neuen Songs "Everything" und "Deeper" sorgen gleich zu Beginn in der prall gefüllten Halle E für losgelöste Frühlingsnachts-Stimmung, das Barry White-Cover "Never, Never gonna give you up" lässt erstmals die Herzen schmelzen. 

 

Dass Lisa Stansfield, die eigentlich von House-Pionieren der 80er (Cold Cut) entdeckt wurde, auch im reiferen Alter noch coole Dance-Vibes konzipieren kann, zeigt ihr neuer Track "Hercules". Muskeln zeigen, selbstbewusst sein, das richtet sie auch an das begeisterte Publikum. "People Hold On", jener trendweisende Track der schwülstig-exzessiven Londoner House-Community, steht natürlich auch auf der Setlist. Inmitten von einigen Balladen wie "So Natural" oder "Billionaire", bei der die "British Queen of White Soul" alle stimmlichen Register zieht.

 

Das "Unternehmen "Lisa Stansfield" ist übrigens ein sympathischer Familienbetrieb, Produzent ist ihr Ehemann Ian Devaney, der bereits mit Lisa die Eighties-Formation "Blue Zone" gründete. Und irgendwie hat man nach einem Stansfield-Konzert auch das Gefühl, es sei die Zeit stehengeblieben. Das liegt nicht nur am noch immer bestechenden Aussehen der Sängerin, sondern auch an den schwerelosen, uplifting Tracks, die Lisa mit ihrer brillanten Band präsentiert. 

 

Kein finaler Song passt da besser als "Young Hearts run free". Jener Studio 54-Floorfiller von Candi Staton, der nicht nur die Teenagerherzen in Caprios "Romeo & Julia" verzauberte, sondern auch als heimliche Hymne der toleranten, lebenslustigen Pink Generation gilt. Let´s "live together", es ist niemals zu spät :-)

 

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"Endlose Gegenwart" - Das Donaufestival schlägt wieder seine Zelte in Krems auf!

Seit 2005 findet in Krems das avantgardistische Donaufestival statt, das an zwei Wochenenden schräge und extravagante Acts aus den Bereichen Sound, Installation und Performance anbietet. Bis 2016 stand das Festival unter der Leitung von Tomas Zierhofer-Kin, der aktuell Chef der Wiener Festwochen ist. Die Nachfolge übernahm Thomas Edlinger, sein Motto für dieses Jahr "Endlose Gegenwart".

 

"Nichts endet wirklich, aber auch nichts beginnt neu", so die Diktion im diesjährigen Programmheft. Die Gesellschaft steckt fest im sogenannten "Klick-Zeitalter", bei dem alles in Echtzeit abläuft. Die Vergangenheit vergeht nicht, im Gegenteil: "Kultur und Politik werden von Zombies aus der Vergangenheit heimgesucht". Die Zukunft scheint abgesagt. Edlinger stellt die Frage nach künstlerischen Alternativen zu einer aufgeblähten Gegenwart und sucht nach Entschleunigung, Momenten der Nähe und nach offline-Ritualen. Mehr als 80 Programmpunkte setzen sich individuell mit dieser Thematik auseinander.

 

Eines der Highlights am ersten Wochenende war zweifellos der exzellente Auftritt der Wiener Performance-Truppe Liquid Loft unter der Regie von Chris Haring. In der Dominikanerkirche versammelten sich in der "Church of Ignorance" acht schwarz gekleidete Tänzer, zuerst nur amorph verhüllt zu sehen, dann in voller Gestalt. Die Kommunikation der Tänzer untereinander wird per Smartphone von außen gesteuert, die Quellen stammen aus vorproduzierten MP3-Aufnahmen, die Lippen werden dazu synchron bewegt. Der sich mitten im Geschehen befindliche Zuschauer hört nur "babylonisches Sprachengewirr", basierend auf alten Dialekten Europas. Gesten, Bewegungen und Betonungen der Akteure deuten bei einiger Fantasie allerdings daraufhin, was der Inhalt der Kommunikation ist. Der minutenlange Applaus nach der 60minütigen Performance ließ dagegen keine Interpretationsspielräume offen. 

 

Live bei der Eröffnung zu Gast war der Installationskünstler John Gerrard. Dessen "Western Flag" ziert die Halle 1, eine Simulation, die eine Flagge aus niemals versiegendem schwarzen Rauch zeigt. Der Standort: Eine Ölquelle in Texas, deren Vorräte bereits erschöpft ist. Für viele Festivalbesucher ist dieser Bereich auch ein Platz zum Chillen und Entspannen.

 

Musikalisch zieht Edlingers Programm wieder alle Register. Die Berliner Szene-Ikone Lotic, optisch Conchita Wurst nicht unahnlich, liefert im ehrenwürdigen Stadtsaal einen queeren Mix aus Trap, R&B und Footwork. Die Radikalfeministin Moor Mother kollaboriert mit den Industrial Pionieren Zonal, wegen einer Flugzeugverspätung weit nach Mitternacht terminlich angesetzt und ohrenbetäubend intensiv.

 

In der Festivalzentrale konzentriert sich DJ Nene Hatun auf schnörkellosen Minimal Techno. Die coolen Beats sind um einiges gefälliger als der Preis der angeblich kultigen Schnitzelsemmel (4,80 Euro), die man sich aber sparen kann.

 

Nicht so das samstägliche Programm in der Halle 2: Die aus Philadelphia stammende Mhysa (was im "Game of Thrones"-Sprachgebrauch so viel heißt wie (Drachen)-"Mutter" präsentiert sich dort als selbstbewusste Queer Black Diva inmitten von A Capella-Akrobatik und sexy Club Sounds. Und "Ersatzmann" DJ Taye  (der für die Brooklyner Djane Umfang eingesprungen ist) zeigt mit Live-Raps, Scratches und Mixes, dass er einer der ungekrönten Stars der Chicagoer Footwork-Szene ist. Die Festival-Party People dankten mit einer vollen Tanzfläche bis zum Ende des Sets.

 

Viele Donaufestival-Besucher kamen auch dieses Jahr wieder aus Wien. Ein Teil düste per Shuttle Bus noch um 2 Uhr nachts zurück in die Bundeshauptstadt. Kremser findet man traditionell nur selten am Donaufestival. Vermutlich weil sie sich in einer Traditionsblase (Heurigen, Kellergassenfeste,...) befinden und kulturellen Innovationen abgeneigt sind. Schade eigentlich.

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"Wut": Terrorismusforscherin Julia Ebner präsentiert Buch über Extremismus!

"Passen Sie gut auf sich auf, wir nähern uns dem Endkampf!" - Diesen Zettel fand die Wiener Terrorismusforscherin Julia Ebner in ihrer Tasche, kurz nachdem sie Undercover zwei Versammlungen von Rechtsextremen und Islamisten besuchte. Von welcher Gruppierung diese Nachricht stammte, weiß sie bis heute nicht.

 

Es war allerdings einer der Anlässe, ein Buch über die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Rechtsextremismus und IS-Terror zu verfassen. "Rage" nennt sich das Originalwerk, die deutsche Fassung "Wut" präsentierte die derzeit in London beim Institute für Strategic Dialogue tätige Forscherin kürzlich in der Thalia-Buchhandlung in der Wiener Mariahilfer Straße.

 

Grundlage des Buches sind ihre Untersuchungen bei der Anti Extremismus-Organisation Quilliam Foundation, die sowohl online durch Einschleusung in einschlägige Social Media-Gruppen als auch offline durch direkte Gespräche mit Mitgliedern und Aussteigern extremistischer Organisationen vonstatten gingen. Ebner beschreibt in ihrem ausführlichen Werk einen Kulturkampf zwischen radikalen westlichen "Kreuzfahrern" und islamistischen Muslimen, die beide ähnliche Ziele verfolgen: Eine religiös einheitliche Gesellschaft, eine Rückgängigmachung des Fortschritts, verbunden mit Antisemitismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit.

 

Hauptzielgruppe ist die sogenannte "Generation Z", jene ab 1990 geborenen Personen, die vor allem durch Social Media, Computerspiele, Hochglanzbilder und Promotion-Filme zum "richtigen" Glauben verlockt werden sollen. Ziel ist die Spaltung der Gesellschaft, verstärkt durch Überreaktionen auf der politischen Ebene. Der wechselseitige Konnex zeigt sich dabei auch dadurch, dass ein islamistischer Anschlag die Solidarität und den Zusammenhalt der Rechtsextremisten stärkt und umgekehrt. Ebner weist in ihrem Buch sogar örtliche Zusammenhänge nach: Rechtsextreme Horte sind oft auch Brutstätten islamistischen Terrors (wie in speziellen Londoner Distrikten oder im Wupperthal).

 

"Fast jeder Terrorist ist ein Muslim", das behauptete FPÖ-Bundesparteiobmann Strache in einem Interview. Diese Aussage sei falsch, so Expertin Ebner. Islamistische Anschläge erhalten allerdings in den Boulevardmedien mehr Aufmerksamkeit und Resonanz als rechtsextremer Terror. Die Fakten zeigen anderes: In den USA wurden im Vorjahr 18 der 34 tödlichen Terroranschläge weißen Nationalisten zugeordnet.

 

Gemeinsam ist beiden Ideologien das "Opfernarrativ". Dieses wird befeuert durch Slogans wie "Fremd im eigenen Land" oder "Der Islam gehört nicht zu Europa". Werden derartige Aussagen durch Spitzenpolitiker getätigt, so wird dies für die eigene Propaganda und für die weitere Aufhetzung der Gesinnungsgemeinschaft verwendet. 

 

Ebner hat im Zuge der Recherchen auch einige Aussteiger kennengelernt und dabei festgestellt, dass die direkte Konfrontation mit dem "Feind" Vorurteile abbauen kann. Interpretationen von Wahlergebnissen zeigen Ähnliches: Dort wo Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zusammenleben, schneiden rechte Parteien schlechter ab als in Distrikten, wo kein Ausländer ansässig ist.

 

Schuld an den extremistischen Auswüchsen sind auch die traditionellen politischen Parteien, die zu spät das "Zeitalter der Wut" registriert haben. Jeder einzelne müsse diesen negativen Entwicklungen gegensteuern, durch differenzierte Sprache, Aufdeckung von Manipulationen oder durch Unterstützung einschlägiger Kampagnen.

 

Bildung sei überhaupt das beste Mittel gegen Terrorismus, so Julia Ebner. Expertenwissen zu den Themen Rechtsextremismus und Islamismus bietet dazu ihr Erstlingsbuch.

 

 

 

Vienna City Marathon 2018: Kein Streckenrekord, aber Top-Werbung für die Stadt!

"Ab Kilometer 38 war es einfach zu heiß!", so die Siegerin Nancy Kiprop aus Kenia nach Absolvierung des Vienna-City Marathons. Für viele andere der mehr als 41.000 Teilnehmern aus 130 Ländern vermutlich bereits ab Kilometer Nummer 1.

 

Bei Mittagstemperaturen von 27 Grad war es für jeden einzelnen Läufer eine große Herausforderung, die gewählte Laufstrecke erfolgreich zurückzulegen. Die lange Hauptallee sorgte sogar bei den Spitzenläufern für konditionelle Schwierigkeiten. So auch beim sensationell laufenden Salzburger Peter Herzog, der als 10. unter tosendem Applaus ins Ziel kam und mit 2:16:57 Stunden 3 Sekunden (!) unter dem EM-Limit blieb.

 

Sieger bei den Herren wurde überraschend der Marokanner Salaheddine Bounasser mit einer Zeit von 2:09:29. Zwar kein Streckenrekord, aber klar vor einer Phalanx aus kenianischen Läufern. Weltrekordler Dennis Kimetto schied mit muskulären Problemen in der linken Wade nach der Halbzeit des Rennens aus.

 

Die weibliche Siegerin Kiprop verpasste zwar den Streckenrekord knapp, verbesserte aber ihre persönliche Bestleistung auf 2:24:18. Sie spendet wie letztes Jahr ihr Preisgeld an eine Schule in ihrem Heimatort.

 

Aufgrund der hohen Temperaturen musste das Rote Kreuz insgesamt 540mal Einsatz leisten, 50 Läufer mussten ins Spital eingeliefert werden. Sicherheitsprobleme seitens der Polizei wurden keine gemeldet.

 

Der Vienna City Marathon fand 2018 bereits zum 35stenmal statt. Er bringt laut Veranstalter einen Umsatz von 55 Millionen Euro und ca. 80000 Übernachtungen in und um Wien. Sieger ist somit nicht nur jeder einzelne Teilnehmer, sondern vor allem auch die Bundeshauptstadt selbst. Umso wichtiger, als schwarz-blaue Regierungspolitiker immer wieder versuchen, den Ruf Wiens zu ramponieren.

Jared, entertain us! Rock-Spektakel von 30 Seconds to Mars in der Wiener Stadthalle!

Ist Jared Leto mehr Rock-Musiker als Schauspieler oder umgekehrt? Eine Frage, die schwer zu beantworten ist. Fakt ist, dass der Oscar-Gewinner von 2014 (Aids-Drama "Dallas Buyers Club") schon Konzerte seiner Band 30 Seconds to Mars platzen ließ, weil das Musik-Event mit seiner Hollywood-Trademark beworben wurde.

 

Auch ohne Promotion seiner Film-Karriere, die qualitätsmäßig um die Jahrtausendwende mit dem Heroin-Schocker "A Requiem for a Dream", "Girl Interrupted" und "American Psycho" begonnen hat, lockte Jared gemeinsam mit seinem Bruder, Drummer Shannon Leto, mehr als 12.000 Fans in die Wiener Stadthalle. Gitarrist Tomislav Milicevic fiel aus persönlichen Gründen aus, der Rest der Band wurde hinter die Bühne verlagert. Dies mutet zwar etwas seltsam für eine Live-Band, stellte aber kein Problem dar für die ca. 100 Minuten dauernde Show, bei der Jared Leto, extravagant, charismatisch, kommunikativ zugleich, wie üblich im Zenit der Fans stand.

 

Die Bühne wurde ähnlich dem Metallica-Konzert mitten in den Stehplatzraum montiert, die vielen weiblichen Fans somit hautnah beim Rock-Idol platziert. Kongenial zum Start-Song „Up in the Air“ wurde der Verhüllungsblock freigegeben, und das Leto-Spektakel konnte beginnen. 

 

30 Seconds to Mars haben bis dato 5 Alben veröffentlicht und mehr als 10 Millionen Alben verkauft. Trotzdem hat man manchmal den Eindruck, dass nicht so sehr der Sound, sondern die Show, das stakkatomäßige Aufpeitschen der Fans und der für Rockbands exzessiv ausgelebte Kontakt zum Publikum im Mittelpunkt steht. Inmitten von Konfettireigen und Riesenluftballons kokettiert Leto mit Konzertbesuchern auf den Sitzplätzen und holt sich mutige Fans auf die Bühne zwecks gemeinsamer Dance-Party. Alles gefilmt vom persönlichen Kameramann und abgezielt auf das millionenfache Teilen auf Facebook, Instagram & Co.. Da bleiben schon mal die manchmal uncharmant als „Stadiun Rock“ bezeichneten Songs von 30 Seconds to Mars auf der Strecke, egal ob sie jetzt „Kings and Queens“, „This is War“ oder „Hurricane“ heißen. Überrascht wird die Audienz von einer bezaubernden Coverversion des Rihanna-Hits "Stay", bei der Leto seine romantischen Seiten zeigt.

 

Charttechnisch erreichten die Leto Brothers gerade in der Woche des Wien-Konzerts ihren Höhepunkt. „America“, ihr 5. Album, ist weltweit in zahlreichen Ländern auf Platz 1, darunter auch in Österreich. Leto nützt diese Gelegenheit, sich euphorisch beim Wiener Publikum zu bedanken und wirft dann einige Gratis-CD´s in die frenetische Crowd. „Dangerous Night“, „Rescue me“, „Rider“ und der Single-Hit „Walk on Water“ aus dem neuen Album dürfen natürlich auf der Setlist des Konzerts nicht fehlen, das mit „Close to the Edge“ (etwas früh) endet. 

 

Inmitten der Fans auf den Brettern, die für Leto die (musikalische) Welt bedeuten. Steht seine Band doch sogar im Guinness Buch der Weltrekorde, Für die – mit 300 Auftritten – längste („This is War“)-Tour aller Zeiten. 

 

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"Jump Around": 20. Argus Bike Festival auf dem Wiener Rathausplatz!

Das Argus Bike Festival fand zum ersten Mal im Jahr 1999 statt. 2018 feierten die Veranstalter das 20. Jubiläum, und zwar mit einer besonderen Attraktion. Wie vor 3 Jahren beim Vienna Air King lieferten sich internationale und nationale Biker tollkühne Duelle auf dem Parcours vor dem Wiener Rathaus. 

 

Der Dirt-Battle Vienna gliederte sich in zwei Teile. Bei der "Best Trick"-Competition vergab eine Jury Noten je nach Schwierigkeitsgrad und Ausführung, beim "Highest Air"-Bewerb zählte die übersprungene Höhe. Erreicht wurden phänomenale 8,5 Meter. Moderiert wurde die Show von Event-Profi Andi Brewi, der famose Hip Hop-Sound stammte von Mixmaster DJ Mosaken.

 

Ebenfalls seit 1999 dabei ist die Wiener BMX-Legende Senad Grosic, der im Rahmen seiner "School 2 Rock"-Show junge Nachwuchstalente fördert und schult. Aber auch für den "normalen" Radfan wurde auf dem jährlichen Bike Festival viel geboten: Eine Fahrradmesse mit über 100 Ausstellern, der Falter-Fahrrad-Flohmarkt, neue E-Bikes und Lastenfahrräder, die Fahrrad-Kinderwelt und natürlich die Radparade, bei der Sonntag mittags mehr als 12.000 Personen teilnahmen.

 

Der Radverkehr blieb 2017 - trotz eines Allzeithochs im Juni - konstant. Laut Modal Split lag der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wege in Wien bei 7 Prozent. Die Ziele der rot-grünen Landesregierung liegen um einiges höher. Im Jahr 2025 sollen mindestens 80 Prozent der Wege im Öffentlichen Verkehr, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Die Radfahrquote soll dabei auf 13 Prozent gesteigert werden. 

 

Veranstaltungen wie das Bike Festival oder auch die ab 28. April in der Nordbahnhalle stattfindende Ausstellung "Bicycle - A Love Story" sind in diesem Sinne geeignete Motivatoren, in der Stadt auf das Auto zu verzichten und auf das sportliche, klimafreundliche Rad umzusteigen.

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Electric Spring 2018: Open Air-Party mit Ankathie Koi im Museumsquartier!

"Tanzen, Fotos schießen oder Schmusen" - Das stellt Ankathie Koi bei ihrem Konzert im Hof des Wiener Museumsquartiers in den Raum und gibt dazu gleich die Antwort: "Natürlich Schmusen mit dem Partner (oder Unbekannten?) daneben". Auch dem Tanzen sollte man aber nicht abgeneigt sein, denn die Tracks der in Oberbayern aufgewachsenen und in Wien lebenden Ex-Jazzgesangstudentin gehen kräftig in die Beine: Schriller Eighties Pop mit eingängigen Refrains und exaltierter Performance.

 

Ankathie Koi war einst Teil des Glampopduos Fijukas, kuratierte das Wiener Popfest auf dem Karlsplatz und schlug dann eine Solokarriere ein. Ihr Debüt-Album "I hate the Way you chew" wurde produziert von der Techno-Ikone Patrick Pulsinger. "Black Mamba", "Little Hell" oder das witzig-tiefgründige "I´m jealous of my Boyfriend´s Past" begeistern die international angehauchte Hipster-Crowd vor dem Mumok. Da darf eine Stage Diving-Einlage im hautengen, roten Latex-Outfit nicht ausbleiben. Wie vielseitig die für den FM4-Amadeus Award nominierte Künstlerin ist, zeigt sie bei ihrem Abschiedslied "Gypsy", einem bezaubernden Fleetwood Mac-Cover.

 

Danach wurde weitergefeiert in den Hallen des Museumsquartiers mit Acts wie Anna Leiser, The Devil & The Universe oder Gudrun von Laxenburg. Kuratiert wurde die 4. Ausgabe von "Electric Spring" von Therese Kaiser, 2017 noch als DJ "Therese Terror" in den frühen Morgenstunden im Einsatz.

And the "Wanda"-Hype goes on: 12.000 begeisterte Fans in der ausverkauften Wiener Stadthalle!

Der Musikexpress bezeichnete Wanda 2015 als die "vielleicht letzte wichtige Rock´n Roll Band unserer Generation." Übertreibt dabei ein bisschen, liegt aber auf jeden Fall nicht falsch.

 

Schon Stunden vor dem ausverkauften Konzert in der Wiener Stadthalle warten tausende Menschen im Areal des Roland Rainer-Platzes auf den Eintritt, die Fans trinken Bier, lachen und sind gut drauf. In der Location selbst gehen die Wanda-Shirts weg wie die warmen Semmeln oder besser gesagt wie die kalten Bier, die natürlich aus "Wanda"-Bechern getrunken werden. Bereits beim Support-Auftritt des legeren Szene-Originals Nino aus Wien mit seiner top-eingespielten Band und Voodoo Jürgens als Gast sind die Plätze vor der Bühne und auf den Rängen prall gefüllt. Noch hängt der "Amore"-Vorhang über der Stage.

 

Dann geht´s los, nicht mit irgendeinem Fülltitel, sondern mit der Tante Ceccarelli. Die in Bologna Amore gemacht. Mit "Luzia", "Auseinandergehn´s is schwer" und "Schickt mir die Post". Allesamt die Gassenhauer einer Band, die sich nach einer lesbischen Wiener Zuhälterin namens Wanda Kuchwalek benannt hat. Das Publikum ist bei den ersten Tönen in Stimmung, und was kann sich eine Rock-Band mehr wünschen? Obendrein eine, die gar nicht komplett fit auftritt. Sänger und Enfant Terrible Marco Michael Fitzthum trägt eine Gipsmanschette, Gitarrist Manuel Christoph Poppe hat sich überknöchelt, und der Keyboarder Christian Hummer wurde wegen eines Hörsturzes ersetzt.

 

Alles was uns nicht umbringt, macht uns nur härter. Es folgen neue Tracks aus dem dritten Album "Niente", der neue lässige Single-Hit "Weiter Weiter" und die subtile Ode an das Cafe Kreisky. Dann ein weiterer Wanda-Evergreen: "Meine beiden Schwestern" aus dem zweiten Album "Bussi". Mit Bier in der Hand feiern die enthusiastischen Fans die "stehengelassenen Weinflaschen", bis die fünfköpfige Band mit einer improvisierten Extended Version von "Ich will Schnaps" den Hexenkessel in der Stadthalle runterdosiert. Beim neuen Track "Ich sterbe" wird Sänger Marco Michael Wanda von Geigenspielerinnen in Totenmasken begleitet, der Karneval in Venedig lässt grüßen. 

 

Die nächste Party feiern Wanda im Pyjama zu Haus. Columbo schauen, nicht zu zweit, sondern mit 12.000 entfesselten Fans. Dann "Bussi Baby" und der Ballermann-verdächtige Stimmungsknaller "1,2,3,4". Spätestens dann weiß man nicht mehr so genau: Sind Wanda jetzt noch ein intellektueller FM4-Alternative-Act oder bereits ein übersättigter Mainstream-Hype?

 

Die erste Zugabe sorgt für Widersprüche. "Traurig schöne Kindheit in 0043", die schwermütig-melancholische erste Single aus dem neuen Album. Hätte Marco den Text vergessen, kein Problem. Die Fans singen fehlerfrei mit. Als Finale noch einmal Bologna und Luzia. Und ein überglücklicher, schweißüberströmter Sänger mit den Schluss-Worten "Wir sehen uns wieder. Habt´s es schen, Danke schön!"

 

Man darf gespannt sein, wie es mit Wanda musikalisch weitergeht. Wieder mehr Richtung Indie oder gar ein Ausflug in die Electronic-Szene? Und natürlich auch thematisch. Weiterhin Liebe, Weltschmerz, Kitsch, Tod oder vielleicht gerade in diesen Zeiten auch politisch. Wandas Grundhaltung ist bekannt: "Gegen Fremdenhass, Frauenhass und Sexismus." Insofern kann nichts schiefgehn.

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Isolation Berlin - Mit neuem Album "Vergifte dich" live im Wiener Fluc!

Von Köln nach Berlin gezogen lernte der Schauspielschüler Tobias Bamborschke in einer Kneipe, vom Liebeskummer gezeichnet,  den Gitarristen Max Bauer kennen. Der Startschuss für die Gründung einer Band war geboren. Heute stehen die zwei - gemeinsam mit Bassist David Specht und Schlagzeuger Simeon Cöster - auf der Bühne. Als "Isolation Berlin", deren Schriftzug auch auf der schwarzen Lederjacke von Sänger Bamborschke eingraviert ist.

 

2016 erschien das erste Album "Und aus den Wolken tropft die Zeit", die Musikmedien waren begeistert und verglichen die intellektuell-schwermütigen Texten der Berliner Band mit dem Frühwerk Rio Reisers der 70er und den lyrischen Ergüssen Sven Regeners. Inspiriert wurde Mastermind Bambuschke bereits in der Schulzeit, durch Hermann Hesse.

 

"Ich glaube ich nehm' die nächste U-Bahn und fahr' zum Bahnhof Zoo. Dann nehm' ich mir 'nen Strick und häng' mich auf im Damenklo" klingt auch eher nach düsterem Weltschmerz als nach dem klischeehaften Party-Hedonismus der Berliner Szene. Jener Song "Isolation Berlin", sozusagen das Trademark der Band, stand auch auf der Setlist beim Konzert im Wiener Underground-Club Fluc, wo die Berliner Combo ihr neues Album "Vergifte dich" präsentierte. 

 

Das 3. Album - nach dem Debüt und der EP-Compilation "Berliner Schule/Protopop" - enthält neben typischen gesellschaftskritischen Stücken wie "Antimaterie" auch neue Facetten der Band. "Marie", das neue "Annabelle" (Anm.: Ihre erste Single), könnte durchaus von Wanda stammen, die minimalistisch New Wave-lastigen Tracks "Kicks" oder "Die Leute" (reden zuviel und sagen zuwenig) erinnern an die 80er-Electronic-Ikonen DAF. 

 

Die Mischung kommt beim Wiener Publikum gut an. Dem mit dem neuen Song "Serotonin" auch eine Liebeserklärung an deren Heimatstadt gewidmet wird. " Heißt es doch dort: "Dann bau ich mir ein Kartenhaus aus Serotonin. Mitten in Berlin, ich hab dir längst verzieh'n. Mitten in Berlin träume ich von Wien. Komm, fahr mit mir dahin. Gib meinen leeren Tagen einen Sinn." 

 

Steht in glatter Antithese zum depressiven Abschluss-Song "Alles Grau", in dem der charismatische Frontman Bamborschke ins Mikro fleht: "Ich hab keine Angst vorm Sterben mehr!" Die Zukunft von Isolation Berlin sieht trotzdem rosig aus. In welche Richtung, wird sich weisen.

Otto Wagners "Stadttor" für Wien: Die Schemerlbrücke in Nussdorf!

Das Wien Museum bietet aktuell bis 7. Oktober eine Ausstellung über den renommierten Wiener Architekten und Stadtplaner Otto Wagner. Das Werbe-Plakat ziert die Schemerlbrücke in Nussdorf, dort wo der Wiener Donaukanal von der Donau abzweigt.

 

Benannt ist die Schemerlbrücke nach dem Wasserbauingenieur Joseph Maria Schemerl von Leythenbach, entworfen wurde sie von Otto Wagner im Zuge der Errichtung der Nussdorfer Wehr- und Schleusenanlage zwischen 1894 und 1899.

 

Wagner betrachtete die Wehr nicht nur funktional zur Verhinderung von Hochwasser und Eisstößen, sondern auch als "Stadttor". So wurde diese mit Pylonen ausgestattet, auf denen Löwenfiguren des barocken Wiener Bildhauers Rudolf Weyr thronen. Ebenfalls von Wagner stammt das ehemalige Verwaltungsgebäude der Donauwasserschutzkonferenz direkt neben der Schleusenanlage, das heute als Sitz der Magistratsabteilung 45 (Wiener Gewässer) fungiert.

 

Bereits im 1. Jahr der Fertigstellung lohnte sich die Mühe für den Einsatz. Die Nussdorfer Wehr (die aufgrund der Grenzziehung beim rechten Ufer des Donaukanals eigentlich großteils in Brigittenau liegt), verhinderte 1899 eine Hochwasserkatastrophe im Donaukanalbereich. Im April 1945 wurde die Schemerlbrücke wie viele andere Donaukanalbrücken durch die zurückweichenden SS-Truppen zerstört, in den 50ern wieder aufgebaut. Die letzte Sanierung wurde 2009 vorgenommen, um ca. 1 Million Euro wurden erhebliche Schäden am Stahltragwerk restauriert.

 

Seit dem Jahr 2005 befindet sich unter der Brücke das Wasserkraftwerk Nussdorf, das mit 12 Matrixturbinen 10.000 Haushalte mit Strom versorgt. Das historische Erscheinungsbild der "Löwenbrücke" wurde dadurch nicht beeinträchtigt.

Wie die Regierung AlV-Beiträge minimal senkt und gleichzeitig den Sozialabbau forciert!

Die schwarz-blaue Bundesregierung behauptet vollmundig, sie senke die Arbeitslosenversicherungsbeiträge für geringe Einkommensbezieher. Erstens stimmt dies nur teilweise, zweitens hat diese Reduzierung weitreichende negative Auswirkungen.

 

Ab dem 1. Juli 2018 zahlen Arbeitnehmer laut dem Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz bis zu einem Einkommen von 1648 Euro keine Beiträge mehr. Der "Marketing-Clou": Bereits jetzt sind Einkommensbezieher bis 1381 Euro von diesen Beiträgen befreit. Zwischen 1648 und 1798 Euro beträgt der Arbeitnehmeranteil künftig 1 %, bei einem monatlichen Einkommen zwischen 1798 und 1948 Euro 2 %. Darüber hinaus beträgt der Beitragssatz 3 %, ebenso wie generell bei den Arbeitgebern. Zu beachten ist allerdings die Höchstbeitragsgrundlage von 5130 Euro, ab der überhaupt keine Beiträge mehr entrichtet werden müssen. Ein Grenzwert, den man durchaus um einiges anheben sollte.

 

Unbeachtet blieb bei der Gesetzesnovelle die Streichung des § 2a Absatz 5. Dieser besagt, dass "der durch die Beitragssenkung bedingte Einnahmenentfall in der Gebarung Arbeitsmarktpolitik vom Bund zu tragen ist". Aufgrund des Entfalls dieses Paragraphen entgehen dem AMS ab Juli um die 500 Millionen Euro jährlich.

 

 

Geld, das mit höchster Wahrscheinlichkeit bei den Leistungen für die Bürger eingespart wird. Beim Arbeitslosengeld, bei der Notstandshilfe, bei der Integration von Asylberechtigten, bei Arbeitsmarktförderungen, Deutschkursen, Qualifizierungsseminaren usw....  Ob die Bürger dann erkennen, welche Absichten diese Bundesregierung hat?

 

Satire gegen Fake News und Neoliberalismus: Florian Scheuba im Wiener Stadtsaal!

Die derzeit herrschenden politischen Verhältnisse sind eine Goldgrube für Kabarettisten und Satiriker. Florian Scheuba zieht hier gerne den Vergleich mit einem Arzt und dem gehäuften Anfall von Grippekrankheiten heran. Trotz lukrativen Geschäfts könne sich der Mediziner nicht darüber freuen. Scheubas zweites Solo-Programm - für sein Debüt "Bilanz mit Frisur" bekam er den österreichischen Kabarettistenpreis - nannte er "Folgen Sie mir auffällig", und tatsächlich war der Wiener Stadtsaal in der Mariahilferstraße schnell ausverkauft.

 

Scheuba, bereits seit dem Alter von 16 als Hektiker, Donnerstalker oder Staatskünstler in der Kultur-Szene verankert, betreibt seine Profession wie ein akribischer Investigativjournalist. Politische und gesellschaftliche Missstände werden genau recherchiert und sollen mittels Satire die Zuschauer nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Denken anregen.  Basis - und das ist in vielen Fällen erschreckend - ist allerdings der reale Wahrheitsgehalt der zugrundeliegenden Geschichten. Im Gegensatz zu erfundenen Fake News von Politikern, die versuchen, eine Lüge als Satire zu verkaufen, um sich vor juristischen Konsequenzen zu drücken.

 

In diesem Konnex darf auch der US-Präsident Donald Trump nicht fehlen, der mittels "alternativer Fakten" behauptete, bei seiner Angelobung hätten mehr Personen teilgenommen als bei Obama. Die Wahl von Trump vergleicht Scheuba mit einem Vorfall in der Türkei, wo die Bürger absichtlich vier Dorftrottel in den Gemeinderat gewählt haben, um ihren eigenen Bürgermeister zu demütigen.

 

Scheuba thematisiert in seinem 2 Stunden-Programm auch kuriose Wiener Fälle. So gebe es eine Rechtsanwaltskanzlei in der Bundeshauptstadt, die ihre Mitarbeiter in Kabarettprogramme setzt, um klagsreife Formulierungen für etwaige Klienten zu notieren. Oder die Wiener Agentur Modern Mind Marketing, die bezahlte Postings für Bank Austria, ÖBB oder das "Nischenprodukt ÖVP Wien" produziert. "Wobei ein gefälschtes Posting unter einem Artikel von oe24.at allein schon ein Witz ist."

 

Scheuba weist allerdings auch daraufhin, dass man die Social Media und die Internerforen nicht als "Stimme des Volkes" klassifizieren solle. Beim Nationalratswahlkampf in Österreich wurden mehr als die Hälfte der rund 3 Millionen Kommentare von nur 8900 Facebook-Usern gepostet.

 

Kritik bekommen nicht nur die Boulevardmedien und die sozialen Netzwerke ab, sondern auch der grassierende Neoliberalismus. Scheuba zitiert hier den "effektiven Altruismus", eine philosophische Richtung, bei der Kosten und Nutzen einer Person alleine durch sein Einkommen bewertet werden. In einer derartigen Berufe-Tabelle seien Hedge Fonds-Spekulanten und Waffenexporteure höher einzuschätzen als Lehrer oder Entwicklungshelfer. Erinnert frappant an den politischen Kurs der aktuellen Bundesregierung, die die Entlastung der Familien nach dem Einkommen der Eltern staffelt.

 

Dauerbrenner im Programm ist natürlich auch wieder der Föderalismus der Alpenrepublik. So erscheinen laut Scheuba "9 Landesregierungen in einem so kleinen Land wie Österreich ein bisschen so, als würde man das Blumenkisterl am Fensterbrett in Klimazonen unterteilen". Thematisiert wird auch die Landesabgabe, die als Teil der Rundfunkgebühren nicht an den ORF, sondern an 7 von 9 Landesregierungen fließt. Verwendet werden die 135 Millionen Euro (2016) zur Brauchtumspflege der Landeshauptleute. An eine Abschaffung denkt niemand.

 

Dass die Regierung Kurz immer wieder von Scheuba aufs Korn genommen wird, liegt auf der Hand. Den Kanzler vergleicht er mit dem kroatischen "Wunderheiler" Braco, der auf Großveranstaltungen wie in der Eventpyramide Vösendorf für einen 7minütigen Starr-Blick-Auftritt 15 Euro pro Person kassiert. Die Einrichtung einer FPÖ-Historikerkommission zur Aufdeckung brauner Flecken in den deutschnationalen Burschenschaften bezeichnet Scheuba als "Suche nach Heu in einem Heuhaufen." Moralisch kenne aber auch Kurz keine Skrupel: "Wenn ich es nicht tu, macht es die FPÖ selber. Und die tun es auch noch gern!"

 

Belohnt werden derartige "Real-Gags" mit Szenenapplaus im Publikum. Die politische Einstellung Scheubas dürfte - nicht überraschend - mit den Besuchern übereinstimmen. Wirft immer wieder die Frage auf, ob im Saal nicht eigentlich jene Zielgruppe sitzen sollte, die sich von Medien, Machtapparaten und Echokammern täuschen und manipulieren lässt und dadurch irrationale (Wahl)-Entscheidungen trifft.

 

Dass der ORF mit Ausnahme von "Willkommen Österreich" keine Satiresendungen im Programm hat, ist auch kein gutes Zeichen für die Zukunft. Die "Staatskünstler" mit Scheuba, Maurer und Palfrader wurden - mit vorauseilendem Zugeständnis an die rechtskonservative Regierung (?) - im Vorjahr eingestellt. In Zeiten von aalglattem Polit-Marketing, Fake News und Medien-Propaganda sind allerdings kritische Geister wie Scheuba wichtiger denn je.

 

Nicht nur für die Frau Scheubas, die der dreifache Vater vor 30 Jahren bei einer Hektiker-Show kennengelernt hat und der er zum Finale eine sentimentale Liebeserklärung widmete.

Liebe in Zeiten des Kapitalismus: Buchpräsentation von Robert Misik im Thalia!

Robert Misik, Wiener Journalist und freier Autor, gilt als progressiver Vordenker des linken Lagers und ist vielen nicht nur als Publizist der Kern-Biographie,. sondern auch durch seinen wöchentlichen Video-Blog auf der Website des Standards bekannt.

 

"Liebe in Zeiten des Kapitalismus" heißt sein neues Werk, eine Sammlung von spannenden, diskussionswürdigen Zeitgeist-Essays, die er kürzlich auch in der Buchhandlung Thalia auf der Mariahilferstraße präsentierte. Entstanden ist diese Kompilation aus seinen zahllosen Kolumnen, Vorträgen und Kommentaren der letzten Jahre, die in einen speziellen Kontext zusammengefügt wurden.

 

Misik thematisiert dabei nicht nur die aktuelle politische Situation, sondern widmet sich auch sogenannten "sanfteren" Begriffen wie Emotionen, Gefühlen, Freiheit, Ironie oder Liebe. So sieht er die Menschen in einer stetigen Angst-Situation, egal ob es sich um den beruflichen Erfolg, die Finanzen oder die private Gefühlswelt handelt. Alles stehe immer auf Messers Schneide.

 

Der Autor kritisiert den Konsumwahn und den kapitalistischen Lifestyle, der auch in die intimen Lebensbereiche eintritt. Motto: "Wir sind, was wir kaufen." Und selbst diese Entscheidungen werden von Role Models in den Medien vorgegeben. Das war allerdings auch in den 50ern bei Sartres schwarz gekleideten Existentialisten nicht anders.

 

Die Integrationspolitik vergleicht Misik mit dem Verhalten von Kindern in der Schule. Die dauernde Androhung von Sanktionen demotiviere und frustriere Migranten, ebenso die von vielen so empfundene gesellschaftliche Grundstimmung "Wir brauchen euch nicht". In Frage stellt der Autor auch die Werte-Kataloge, hinsichtlich dieser vor allem hasserfüllte Politiker und Wutbürger ein schlechtes Vorbild darstellen.

 

Bei den im Buch ausführlich behandelten Themen Liebe und Kapitalismus bedient sich der Falter-, Profil- und Taz-Journalist den Thesen der israelischen Soziologin Eva Illouz, die einen desillusionierenden Blick auf das Liebesleben des 21. Jahrhunderts wirft. Die romantische Liebe aus der Jugendzeit, bei der man einigen wenigen Schwärmereien nachgetrauert hat, sei einer grenzenlosen Auswahl im Internet gewichen, die geprägt ist von Massenmedien, Filmen und Magazinen. Stichwort "Willhaben mit Menschen".

 

Trifft man eine Auswahl, dann wird diese durch das Erscheinen neuer "Gelegenheiten" sofort wieder in Zweifel gezogen. Rationale Entscheidungen sind in einer derartigen Gesellschaft nicht möglich. Zumindest der Kauf der Misik´schen Zeitgeist-Biographie ist eine, die man nicht bereuen wird :-)

 

 

Leseprobe

 

https://derstandard.at/2000074404194/Vorabdruck-von-Robert-MisiksLiebe-in-den-Zeiten-des-Kapitalismus

 

Soziale Rechte in Gefahr: VfGH als Schutzorgan für Mindestsicherungsempfänger!

Die politische Bedeutung des Verfassungsgerichtshofs war nie höher. Das Höchstgericht, das regelmäßig im Gebäude an der Freyung tagt, hat nicht nur die Funktion, die Einhaltung der Verfassung und der Grundrechte zu kontrollieren, sondern dient aktuell auch als Schutzorgan sozialer Rechte für Bedürftige. Traurig und ärgerlich genug, dass diese Aufgabe nicht der aktuelle, mehrheitliche Gesetzgeber übernimmt.

 

In seiner Entscheidung vom 7. März 2018 hat der VfGH die Novelle des von ÖVP und FPÖ beschlossenen NÖ Mindestsicherungsgesetzes aufgehoben, die von mehr als 160 Betroffenen wegen Verfassungswidrigkeit erfolgreich angefochten wurde. 

 

So wurde vom niederösterreichischen Landtag eine 1500 Euro-Mindestsicherungsdeckelung pro Haushalt eingeführt. Betroffen von dieser Einschränkung waren 5186 Personen, davon nur 14,7 Prozent Asylberechtigte (auf die diese Regelung eigentlich abgezielt hatte, um die leider vorhandene Xenophobie im Land zu befriedigen). Leidtragende war u.a. auch eine obdachlose Österreicherin, die in eine Kremser Krisenwohnung gezogen ist und deren Mindestsicherung von 844,46 auf 226,81 Euro gekürzt wurde. Der VfGH machte der asozialen Deckelung einen Strich durch die Rechnung. "Wenn gleich 1500 Euro für bestimmte Haushaltskonstellationen ausreichend sein können, verhindert das NÖ MSG eine einzelfallbezogene und damit sachliche Bedarfsprüfung", so der Wortlaut der Entscheidung.

 

Aufgehoben wurde auch die Wartefrist gemäß § 11a, aufgrund dessen Personen, die sich nicht mindestens 5 der vergangenen 6 Jahre in Österreich aufgehalten haben, die Mindestsicherung auf 522,50 Euro gekürzt wurde. Betroffen davon waren 4323 Personen. Diese Regelung ist laut VfGH sowohl im Hinblick auf Österreicher untereinander als auch auf Asylberechtigte unsachlich und daher verfassungswidrig. Asylberechtigte im speziellen können nicht mit anderen Fremden gleichgestellt werden, denen es frei steht, in ihren Herkunftsstaat zurückzukehren.

 

Die Rechtsfolgen: Sowohl Deckelung als auch Wartefrist wurden ohne Reparaturfrist aufgehoben und sind nicht mehr anzuwenden. Die "alten" Fälle werden einzeln rückabgewickelt. Eine "Meisterleistung" des niederösterreichischen Landtages.

 

Man kann davon ausgehen, dass der VfGH künftig noch weitere Gesetze auf Bundes- und Landesebene prüfen und bei Verfassungswidrigkeit aufheben muss. Denn die aktuelle Bundesregierung dürfte in ihrer regional-nationalen Beschränktheit auf Verfassungstreue keinen Wert legen. Egal, ob dies die eigene österreichische Verfassung, allgemein gültige Grund- und Freiheitsrechte oder europarechtliche Vorschriften betrifft.

 

Die Anpassung der Familienbeihilfe für im EU-"Ausland" lebende Kinder ist der nächste umstrittene Themenbereich, ebenso das grundrechtlich unverhältnismäßige "Überwachungspaket" oder die Missachtung des europa- und völkerrechtlich normierten Prinzips, dass Asylberechtigte bei öffentlichen Hilfeleistungen gleich zu behandeln sind  wie die eigenen Staatsbürger.

 

Und da sprechen wir "nur" von der Rechtsordnung und nicht von der (un)-menschlichen Komponente, die die Ärmsten der Armen in die Obdachlosigkeit, die Verwahrlosung und die Verzweiflung treibt.

"Always Ascending": Brit Popper Franz Ferdinand live im Wiener Gasometer!

Es war Anfang der 2000er Jahre, als sich die beiden Kunststudenten Alex Kapranos und Nicholas Mc Carthy in einer Lagerhalle von Glasgow kennenlernten. Diese war nicht nur Treffpunkt für Musiker, Kreative und Hipster, sondern auch die Basis für deren spätere Bandkarriere. Mit zwei weiteren Mitstreitern (Paul Thomson und Robert Hardy) gründeten die beiden Franz Ferdinand, benannt nach dem österreichisch-ungarischen Thronfolger. Der Sound: Eine treibende Mischung aus Brit Pop, New Wave und Punk. Bereits mit der zweiten Single "Take me out" erreichten die vier 2004 Platz 3 der britischen Single-Charts.

 

14 Jahre später haben sich die Dinge verändert. Nicholas Mc Carthy ist (vorerst?) ausgestiegen, ohne Streit seiner jungen Familie wegen. Und mit Dino Bardot und Julian Corrie präsentieren sich Franz Ferdinand jetzt als Quintett. Im Rahmen ihrer European Tour stattete die schottische Band auch dem Wiener Gasometer einen Besuch ab. Spielten Franz Ferdinand einst zu ihren Hochzeiten vor einer ausverkauften Stadthalle, so kamen 2018 rund 2000 Fans in die Planet Music Hall. Und wurden nicht enttäuscht.

 

Nach einem bemerkenswerten Support-Auftritt des weiblichen Wiener Surfrock-Trios Dives, die für den diesjährigen Amadeus Award nominiert sind, stürmten Franz Ferdinand mit ihrem neuen Elektro-Hit "Always Ascending" die Stage. "Nostalgie ist der Feind der Kreativität", so lautet das Credo der Band. Und so begnügt sich das Quintett rund um den charismatischen, frisch erblondeten Sänger Kapranos nicht um eine für arriviertere Bands vorprogrammierte Greatest Hits-Show.

 

Auf der Setlist stehen gleich 8 Songs ihres brandneuen Albums, das mehr auf Synthesizerklänge als auf Gitarregekreische setzt und vom französischen Cassius-Mastermind Philippe Zdar produziert wurde. Puristische Fans der ehemaligen Brit Award Gewinner mögen dies zwar nicht goutieren, der freshe, hippe Sound gibt dem Quintett aber Recht. "Feel the Love go", die verspielte Hommage an die Superman-Geliebte "Lois Lane", "Lazy Boy" oder das melancholisch-verträumte "And the Academy Award for good times goes to you" sind erstklassige Pop-Tracks, die ihren früheren Single-Hits kaum nachstehen.

 

Dass diese beim Österreich-Konzert nicht fehlen durften, steht natürlich auch außer Frage: "Do you want to", "Walk away", "Ulysses", "No You Girls" und ihr erster Hit "Take me Out" lassen die Twenty-Thirtysomething-Generation sehnsüchtig von längst vergangenen Brit Pop-Feten träumen. Und beim letzten Track dürfen alle noch einmal über die Strenge schlagen: "The Fire is out of Control. We are going to burn this City!" Mögen die inneren Feuer und Leidenschaften nie verglühen. Man lebt ja schließlich nur einmal!

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Familien-Armutsbekämpfung: Unterhaltsgarantie für Alleinerziehende statt Reichen-Bonus!

Österreich ist das viertreichste Land der EU, und trotzdem sind ca. 1,5 Millionen Menschen armutsgefährdet. Zu dieser Gruppe zählen vor allem die 300.000 Alleinerziehenden, zu 90 Prozent Frauen, von denen mehr als die Hälfte nur schwer ihren Lebensunterhalt bestreiten kann. Die neue Bundesregierung wird nach aktuellem Stand deren Lage nicht verbessern.

 

Der geplante Familienbonus entlastet zwar Teile des Mittelstandes und die reiche "Oberschicht". Ein Drittel der Familien allerdings, die aufgrund ihres geringen Einkommens keine Lohnsteuern zahlen, profitiert davon nur in geringem Ausmaß. Wenig verdienende Alleinerziehende erhalten ein lächerliches Almosen von 250 Euro jährlich, Top-Manager dagegen werden pro Kind um 1500 Euro jährlich entlastet. Die, die das Geld brauchen würden für Wohnen, Heizen und Bildung ihrer Kinder, haben keinen sinnvollen, finanziellen Nutzen, während die so called-"Leistungsträger" mit der steuerlichen Entlastung Luxusurlaube buchen können.

 

Keine Fortschritte gibt es auch beim Unterhaltsvorschuss. Obwohl im Jahr 2016 134 Millionen Euro an insgesamt 49.889 Kinder überwiesen wurde, weist das UVG zahlreiche Lücken auf, die betroffene Mütter und Väter an den Rand ihrer Existenz bringen. So wird nach geltendem Recht Unterhaltsvorschuss nur dann gewährt, wenn ein vollstreckbarer Exekutionstitel gegen den Unterhaltsschuldner besteht und dementsprechend Rückzahlungen zu erwarten sind (deren Quote derzeit um die 60 % ausmacht). Prozessrechtliche Änderungsanträge des Unterhaltsschuldners auf Herabsetzung führen zu einer sofortigen Minderung der Auszahlung. Ein Mindestbetrag ist nicht gesetzlich normiert. Der Unterhaltsvorschuss ist außerdem mit dem 18. Lebensjahr begrenzt, sodass Schüler mit längerer Ausbildungsphase und Studenten davon ausgeschlossen sind.

 

Vorschläge zur Novellierung dieser vor allem für alleinerziehende Mütter finanziell so heiklen Materie liegen vor und sind auch Bestandteil des aktuellen Frauenvolksbegehrens. Die Proponenten fordern einen existenzsichernden staatlichen Unterhaltsvorschuss, dessen Höhe sich nach angemessenen Regelbedarfssätzen richtet und der bis zum Erlöschen der Familienbeihilfe ausbezahlt wird. Der Anspruch soll unabhängig von der Leistungsfähigkeit des Unterhaltsschuldners bestehen.

 

Für die Legisten ist die Ausarbeitung eines derartigen Gesetzesvorschlages ein Kinderspiel. Es darf aber bezweifelt werden, ob die schwarz-blaue Bundesregierung den Willen dazu aufweist. Es zählt ja schließlich der vermeintliche Leistungsgedanke und nicht die soziale Not der bedürftigen Familien.

Brutalismus am Stadtrand: Die Wotrubakirche und ihre mysteriöse Entstehungsgeschichte!

Eine historisch gewachsene Stadt wie Wien lebt von ihren Sagen, Legenden, Mythen, Gerüchten und Geschichten. Jene der Wotruba-Kirche im 23. Bezirk klingt wie ein ausgeklügelter, raffinierter Geheimdienst-Roman a la 007 Ian Fleming oder John Le Carre. Im Gegensatz zu diesen ist sie aber wahr.

 

Im Mittelpunkt steht die 29jährige Beamtin Margarethe Ottillinger, die 1948 gemeinsam mit dem Minister für Wirtschaftsplanung, Herbert Krauland, über die Ennsbrücke St. Valentin von der amerikanischen in die sowjetische Zone einfährt und dort festgenommen wird. Während Krauland aufgrund seiner Immunität und mit brisanten Unterlagen (wie dem Marshallplan) die Fahrt fortsetzen darf, wird Ottillinger in Isolationshaft gesperrt, laufend verhört und als US-Spionin angeklagt. 1949 wird sie zu 25 Jahren Gulag-Lager verurteilt und in ein Sumpflager von Potma südostlich von Moskau gebracht. Für viele ein Todesurteil aufgrund der Seuchen, der Infektionen und des Sumpffiebers. Die Kämpferin Ottillinger schwört, sollte sie je wieder nach Österreich zurückkehren, dort eine Kirche zu bauen.

 

Wer mit dem Bus 60A Richtung Liesing fährt, der weiß, dass Ottillinger es geschafft hat. Am Georgenberg steht auf dem Areal der ehemaligen Luftnachrichtentruppen-Kaserne die aus riesigen Betonblöcken bestehende Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit, die nach ihrem Schöpfer, dem Bildhauer Fritz Wotruba, benannt wurde. 

 

Freigelassen wurde Ottillinger im Laufe der Staatsvertragsverhandlungen, im Juni 1955 kam sie schwer krank in Wiener Neustadt an und wurde 1956 seitens der sowjetischen Behörden freigesprochen. Nach einer kurzen Erholungsphase stieg sie wieder in die Wirtschaft ein und wurde OMV-Vorstandsdirektorin. In dieser Funktion verhandelte sie auch die österreichischen Gas- und Erdöllieferverträge mit der Sowjetunion..

 

Der Traum von der Kirche war allerdings nicht ausgeträumt. Die Gestaltung des von Ottillinger initiierten Gottestempels passt sich dabei in ihrer Dimension durchaus der Lebensgeschichte Ottillingers an. Der Bildhauer Wotruba wollte nach eigenen Worten: „Etwas gestalten, das zeigt, dass Armut nicht hässlich sein muss, dass Entsagen in einer Umgebung sein kann, die trotz größter Einfachheit schön ist und auch glücklich macht.

 

Der während des 2. Weltkriegs emigrierte Künstler konzipierte gemeinsam mit dem Architekten Fritz Gerhard Mayr eine Kirche, die aus insgesamt 152 rohen Beton-Blöcken zwischen 0,84 m3 und 64m3 und verschieden hohen Fensteröffnungen besteht. Der höchste Block misst 13,10 Meter.

 

Brutalismus nennt sich der um 1950 entstandene Architekturstil, dessen bevorzugter Werkstoff roher Beton ("beton brut") ist und der durch ein kompromissloses Erscheinungsbild mit klaren geometrischen Körpern geprägt ist. Gegner bezeichnen diesen Baustil auch als "ästhetischen Vandalismus". Kein Wunder vor allem in Österreich, dass es fast 10 Jahre dauerte, bis 1974 mit dem Bau der Kirche begonnen wurde.

 

Wotruba selbst erlebte die Fertigstellung seiner Kirche im Oktober 1976 nicht mehr, er starb ein Jahr zuvor. Der Platz vor der Kirche wurde zu Ehren der 1992 verstorbenen Managerin und Initiatorin 2013 in Ottillinger-Platz benannt.

 

Die römisch-katholische Wotruba-Kirche ist heute nicht nur ein Wallfahrtsort für Architekturstudenten und Avantgarde-Touristen, sondern wird gemäß ihres originären Zwecks natürlich auch für Gottesdienste genützt. Geöffnet ist derzeit am Samstag von 14 bis 20 Uhr und am Sonntag von 9 bis 16.30 Uhr.

 

Bis Mitte 2019 wird vor der Kirche auch ein Lift errichtet, sodass Behinderte und Mütter mit Kindern das Gotteshaus barrierefrei betreten können. Denkmalamt und Architekt Mayr sprachen sich im Vorfeld gegen diese "Basisveränderung" aus, das Bundesverwaltungsgericht genehmigte den Zubau. Die Wege zu Gott dürfen nicht beschränkt werden.

Überwachung zerstört Freiheit - Demo gegen das Überwachungspaket in Wien!

Den Besuch von Science Fiction-Filmen und das Lesen von dystopischen Romanen kann man sich in Zukunft sparen, sollte das geplante Überwachungspaket der schwarz-blauen Bundesregierung in Kraft treten.

 

"Überwachung zerstört Freiheit - Stoppt das Überwachungspaket!" hieß dementsprechend das Motto einer Demonstration der Grundrechts-NGO epicenter.works auf dem Wiener Ballhausplatz. Dort vertreten waren nicht nur Vertreter der Zivilgesellschaft (wie Amnesty International oder der VGT), Netzaktivisten und ca. 1000 besorgte Bürger, sondern auch die Nationalratsabgeordneten Hannes Jarolim (SPÖ), Alma Zadic (Liste Pilz), Niki Scherak (Neos) und die grüne Bundesrätin Eva Dziedzic. Abgelehnt wird das Überwachungspaket auch von Richtern, Rechtsanwälten und zahlreichen Universitäten.

 

Ein Bundestrojaner soll zur Überwachung verschlüsselter Nachrichten (wie bei WhatsApp oder anderen Messenger-Diensten) eingesetzt werden. Dies ist nur dann möglich, wenn man die Sicherheitslücken von IT-Systemen ausnutzt. Anstatt diese zu schließen, damit nicht Verbrecher darauf Zugriff haben, wendet der Staat dieselbe Methode an. In Großbritannien wurden erst 2017 Computer in Krankenhäusern durch schadhafte Software infiziert, die NSA hielt das Sicherheitsmanko absichtlich geheim.

 

Besitzer von Wertkartenhandys müssen sich künftig registrieren lassen und werden damit unter Generalverdacht gestellt. Die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme wird weltweit bestritten.

 

Die Vorratsdatenspeicherung wurde 2014 wegen Verfassungswidrigkeit aufgehoben, jetzt plant die Regierungf eine Light-Version in Form des "Quick Freeze". Bei einem Anfangsverdacht sollen Telekommunikationsdaten für ein Jahr gespeichert werden dürfen. Nicht nur die Länge der Frist, sondern auch die fehlenden Einschränkungen dürften einer Prüfung durch den EuGH kaum standhalten.

 

Verstärkte Überwachung droht im öffentlichen Raum. Gemäß einer Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes soll die Polizei Zugriff auf alle Video- und Tonaufnahmen von Flughäfen, Bahnhöfen und U-Bahnen haben. Auch der Straßenverkehr soll durch Autobahnkameras flächenmäßig überwacht werden.  Epicenter.works warnt in diesem Zusammenhang auch vor der Erstellung von Software zur automatischen Gesichtserkennung, die den "gläsernen Bürger" sofort identifizieren kann.

 

Die einzelnen Maßnahmen stehen zwar großteils unter dem Vorbehalt einer gerichtlichen Bewilligung, Missbrauch bzw. überschießende Datensammlung können aber nicht ausgeschlossen werden. In einer auch technologisch schnelllebigen Zeit werden die echten Verbrecher Methoden finden, unentdeckt zu bleiben.  Zum Handkuss kommen dann wieder Tierschützer, wie VGT-Obmann Martin Balluch bei der Demonstration andeutet.

 

Falls jemand künftig einen vermeintlichen Wohnungseinbrecher ertappt. Es könnte auch ein Polizist sein, der einen Trojaner in das Computersystem des Nachbarn einpflanzen will.  Das neue Strafprozessrecht enthält eine derartige Regelung. Hoffen wir, dass es nicht in Kraft tritt.

Retro-Pop mit Charme: Ex-Spandau Ballet-Sänger Tony Hadley in der Szene Wien!

Es war Ende der 70er, als sich eine hedonistische, extrovertierte Party-Crowd in Londoner Clubs wie dem "Blitz" traf und dort nicht nur modisch, sondern auch musikalisch für neue Maßstäbe sorgte. Die Geburtsstunde der "New Romantics" und von Synthi-Pop-Helden wie Steve Strange (Visage), Ultravox, Duran Duran, Depeche Mode oder Spandau Ballet. "To Cut a long story short" hieß der schnittige New Wave-Knaller der fünf Londoner Feschaks, der im November 1980 in die englischen Top Ten stürmte. Unglaubliche 38 Jahre später präsentierte der noch immer smarte Ex-Frontman Tony Hadley diesen Track in der Szene Wien.

 

"Tonight belongs to us" - Unter dieser Trademark tourt der ehemalige Sänger von Spandau Ballet gemeinsam mit seiner ausgezeichneten Band durch ganz Europa. Die Setlist ist schlau gemischt: Neue Songs aus dem im April erscheinenden Album (wie das flotte "Delirious"), selektierte Cover-Versionen (wie Bowie´s "Life on Mars", Queen´s "Somebody to love" oder  "Dakota" der Indie-Alternative-Helden Stereophonics), einige Solo-Singles von Hadley und natürlich die größten Hits aus seiner 80er-Glamour-Vergangenheit mit Spandau Ballet, die weltweit mehr als 25 Millionen Tonträger verkauften.

 

Man braucht nicht lange zu raten, aufgrund welcher Songs die meisten Fans zu den Auftritten von Hadley kommen. Beim Konzert selbst merkt man den Unterschied allerdings nicht mehr. Hadley ist ein Voll-Profi und begeistert seit seiner (ersten) Trennung von Spandau Ballet 1990 trotz fehlenden Chart-Hits die internationalen Bühnen. Souveräne Stimme (wie einst), schickes Anzug-Outfit, stetiger Kontakt zum Publikum und beste Spiellaune. Auch die Chemie der Band untereinander passt perfekt, bei der romantischen Ballade "Through the Barricades" darf auch die sympathisch-lässige Percussionistin Lily Gonzales, die gerade selbst ein Solo-Album ("Opening Old Wounds") veröffentlicht hat, hinters Mikro.

 

Als Zugabe schmettert Hadley noch die größten Spandau Ballet-Hits "True" und "Gold" in die Menge. Von seiner Ex-Band hat sich der 57jährige nach einer kurzen Reunion im Juli 2017 wieder getrennt. Eine neue kreative Schaffensperiode kann beginnen, mit guten Karten.

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"Wild & Wicked" - Scooter im ausverkauften Gasometer!

Mehr als 30 Millionen Tonträger hat die deutsche Techno-Formation Scooter seit 1993 weltweit verkauft. Das ist laut dem bereits 53jährigen wasserstoffblonden Frontman H.P. Baxxter zwar noch lange nicht Anlass, Schlussbilanz zu ziehen. Allerdings, um eine Europa-Tour unter dem kongenialen Motto "100 % Scooter 25 Years Wild & Wicked" zu starten.

 

Und dies trifft genau die Erwartungen seiner treuen Fans. Bereits eine Stunde vor dem Beginn der Scooter-Show erschallen im ausverkauften Wiener Gasometer während des DJ-Sets von Dave202 die ersten Schlachtrufe nach "Always Hardcore" und "Oi". Die werden dann pünktlich um 21.15 Uhr erhört, als H.P. Baxxter und seine aktuellen Techno-Mitstreiter Michael Simon und Phil Speiser, unterstützt von flaggentragenden sexy Ladies und einer übergroßen Faust-Attrappe mit "revolutionärem" Mittelfinger, die Bühne betreten. Mit dem ersten Burner des Abends "Always Hardcore". Was sonst?

 

The Voice H.P. Baxxter, während der gesamten Show wild gestikulierend und tanzend, wollte in den 80ern mit der Synthi-Pop-Band Celebrate the Nun in die Fußstapfen von Depeche Mode treten. Es sollte der letzte echte Misserfolg sein. Baxxter (oder bürgerlich Hans Peter Geerdes) produzierte stattdessen Remixes, das schottische Ultra Sonic-"Hyper Hyper"-Sample kombiniert mit der Aufzählung damaliger Underground-DJ´s (a la Westbam, Marusha oder Sven Väth), brachten ihn auf die technoide Siegerstraße. Die originäre Szene war mit dem Ausverkauf weniger begeistert, die Mainstream-Fans umso mehr.

 

Und so sind die ca. zweistündigen Scooter-Auftritte heute eine Party von der ersten bis zur letzten Minute. Inklusive einer skurrilen Zeitreise durch versampelte Sequenzen alter Klassiker ohne Rücksicht auf Verluste. Da transformiert ein griechischer Sirtaki in eine "Can´t stop the Hardcore"-Tanz-Orgie oder ein politisch angehauchtes 70er-Folk-Lied wie "Was wollen wir trinken 7 Tage lang" in "How much is the Fish"-Reimattacken. Die alten Rock-Haudegen von Status Quo werden kurzum zu Jump-Stylern erklärt. Whatever the Fan-Crowd wants.

 

Auf letzteres ist Baxxter, heute auch bei "Deutschland sucht den Superstar" engagiert, besonders stolz. Mit dem 2008er-Album "Jumping all over the World" erreichten Scooter Platz 1 der britischen Charts und eine Platinauszeichnung für 300.000 verkaufte Alben.

 

Was man dem sympathischen Frontman hoch anrechnen muss: Der Thomas Bernhard-Hörbuch-Leser (sic est!) ist auf dem Boden geblieben und begründet seine dadaistischen Wortschöpfungen a la "Oi" oder "Jigga Jigga" nicht mit hochkulturellem Anspruch, sondern einfach mit entlarvenden Zitaten wie "Don´t take life too seriously. Nobody gets out alive anyway!"

 

Das sehen auch die Fans so, die sich während der von Techno-Beats, Pyro-Effekten und Light-Bombast dominierten Show aus der manchmal faden Tristesse des Alltagslebens ausklinken und einfach nur mit "Hands Up in the Air" tanzen, trinken und feiern. Nach den Zugaben "Maria" (I like it loud"), "Hyper Hyper" und "Move your Ass" ist der wilde Zauber dann sowieso vorbei.

 

 

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60 Jahre Austrian Airlines: Conchita Wurst als Gratulantin beim Eistraum!

Die Austrian Airlines feiert dieser Tage ihren 60. Geburtstag und veranstaltete zu diesem Jubiläum ein Special Event beim Eistraum auf dem Wiener Rathausplatz. 

 

Songcontest-Siegerin Conchita Wurst, wie die Flugbegleiterinnen in rot gekleidet, stieg vor dem Burgtheater aus einem edlen weißen Fiaker und moderierte, live geschaltet auf der AUA-Facebook-Seite, eine Happy Birthday Show der österreichischen Fluglinie.

 

Gesungen wurde live ein Geburtstagsständchen, und zwar aus sieben verschiedenen Destinationen, aus London (wohin der erste kommerzielle Linienflug der AUA führte), Berlin, New York, Miami, Bangkok, Hongkong und natürlich Wien. Für den finalen Sanges-Part unserer schönen Bundeshauptstadt war natürlich Conchita selbst verantwortlich, die inmitten zweier hübscher AUA-Stewardessen und sportlicher Eisläufer nicht nur der AUA zum Geburtstag gratulierte, sondern auch noch ihre Hits "Rise like a Phoenix" und "Firestorm" anstimmte.

 

Die AUA konnte sich im Vorjahr über mehr als 12 Millionen Passagiere freuen und plant Investitionen in neue Langstreckenflugzeuge. Auch Conchita ist derzeit gefragter denn je: Internationale Auftritte in London und Budapest (bei der Pride Rainbow Party), Moderation der Amadeus Awards und natürlich wieder live dabei beim Life Ball in Wien.

 

Direkte Demokratie in Österreich - Restriktiver als das Volk erlaubt!

Die Server des Innenministeriums sind dieser Tage - aus welchen Gründen auch immer - überlastet, da zehntausende Bürger zwei aktuelle Volksbegehren, neuerdings auch elektronisch per Handy-Signatur, unterstützen wollen: Das bereits 2. Frauenvolksbegehren, vom ersten aus dem Jahre 1997 wurden nur zwei Forderungen durchgesetzt, und das "Don´t Smoke"-Volksbegehren der Wiener Ärztekammer und der Österreichischen Krebshilfe, das die Aufhebung des bereits beschlossenen Rauchverbots in der Gastronomie durch die schwarz-blaue Regierung verhindern will. Rein rechtlich ist dies nach der heutigen Gesetzeslage nicht möglich, auch die Zukunft der direkten Demokratie in Österreich steht auf wackeligen Beinen.

 

Die FPÖ trommelte in ihren Wahlbroschüren für eine verpflichtende Volksabstimmung nach einer 4 %-igen Unterstützung des Volkes, die ÖVP zeigte sich mit einer Quote von 10 % bereits hier zurückhaltender. Im Regierungsprogramm, das im Dezember vorgelegt wurde, ist von einer direkten Demokratie nach dem Muster der Schweiz kaum mehr etwas enthalten, allerdings nicht aus den Gründen, die man als aufrechter Demokrat und Befürworter von Grund- und Freiheitsrechten noch vertreten könnte. Blickt man nämlich auf die Brexit-Volksabstimmung der Briten, die Fake News-Skandale rund um die französischen und amerikanischen Wahlen oder auf durch soziale Medien verbreiteten Lügen und Verschwörungstheorien parteiengesteuerter Plattformen, dann muss man sich nämlich schon die Frage stellen, ob man wichtige Themen in die Verantwortung des Volkes legen kann, das wesentliche Zusammenhänge nicht erkennt und sich von billigen Medienkampagnen, primitiver Hetze und politischen Blendern täuschen lässt.

 

Die gerademal auf einer Seite präsentierten Pläne der Regierung zur direkten Demokratie sind aber derart restrikriv, dass diese Gefahr (vorerst) nicht besteht. Werden Volksbegehren von mindestens 100.000 Wahlberechtigten unterstützt, dann können diese  in Zukunft als Gesetzesinitiativen parlamentarisch eingebracht werden. Eine Behandlung im Nationalrat ist derzeit schon verpflichtend, hinzu kommen weiters ein Rederecht des Einbringers, eine Stellungnahmepflicht des zuständigen Ministers und eine verpflichtende Begutachtung des konkreten Vorschlags. Wenn die Mehrheit des Nationalrats den Antrag im Plenum ablehnt, dann versandet das Volksbegehren so wie jetzt die meisten.

 

Erst gegen Ende der Gesetzgebungsperiode im Jahr 2022 (falls bis dorthin nicht Neuwahlen ausgerufen werden) soll ein neues Bürgerbeteiligungsmodell beschlossen werden. Ein Volksbegehren, das von mehr als 900.000 (!!!) Wahlberechtigten unterstützt und vom Parlament nicht binnen einem Jahr umgesetzt wird, soll in eine verpflichtende Volksabstimmung münden. Der Verfassungsgerichtshof hat vorab zu kontrollieren, ob die Volksabstimmung nicht im Widerspruch zu grund-, völker- und europarechtlichen Verpflichtungen steht. Die Gültigkeit der Volksabstimmung ist davon abhängig, dass mindestens 1/3 der Bevölkerung zu den Wahlurnen schreitet. 

 

Abgesehen vom Präsenzquorum: Betrachtet man die Historie der bisherigen Volksbegehren, dann wären nur über zwei Themen verpflichtende Volksabstimmungen abgehalten worden. 1982 gegen die Errichtung der (trotzdem erbauten) UNO-City mit 1.361562 Unterschriften (25,7 %) und 1997 gegen die Gentechnik mit 1.225.790 Unterschriften (21,2 %). Man darf davon ausgehen, dass die aktuellen Regierungsparteien wenig Interesse an der Partizipation des Volkes haben. Das Gegenteil können sie beweisen, wenn das Anti-Raucher-Volksbegehren die zu erwartende Rekordunterstützung erhält und die derzeit noch nicht verpflichtende Umsetzung auf der Tagesordnung steht.

Beethoven als Modern Art - Bizarre Skulptur zum 250er des Komponisten!

Eine Aufregung kommt selten allein. Wobei die künstlerische Skulptur gegenüber dem Wiener Konzerthaus im Vergleich zum Heumarkt-Tower mehr als harmlose Freiheit der Kunst als irreparabler Eingriff in das historische Stadtbild Wiens zu verstehen ist.

 

Der Komponist Ludwig van Beethoven feiert im Jahr 2020 seinen 250. Geburtstag. Dies war Anlass genug, auf dem Beethovenplatz nahe des 1880 errichteten Denkmals von Caspar Zumbusch eine ambivalentes Kunstwerk des deutschen Malers und Bildhauers Markus Lüpertz zu platzieren.

 

Die 2,7 Meter hohe, teils buntgemalte Bronze-Skulptur besteht aus einem Kopf mit traditioneller Beethoven-Frisur und einer zweiten verschreckt-verstörenden Figur, der beide Arme und ein Fuß fehlen. Schöpfer Lüpertz, lange auch Rektor der Kunstakademie in Düsseldorf, erklärt diese Divergenzen mit der allmählichen Taubheit und Todesnähe. Beethovens. "Anders als Mozart, dem alles zufiel, musste Beethoven über die volle Distanz gehen. Das ist in meinen Augen eine andere Leistung."

 

Wie die Leistung von Lüpertz zu betrachten ist, mag jeder für sich beurteilen. Polarisierung ist in der modernen Kunst ja nichts Schlechtes, Zensur und Verbote umso mehr.

 

Die Skulptur, die in einer leicht variierten Form auch schon in Bonn und Leipzig für Aufregung gesorgt hat, ist eine Dauerleihgabe an die Stadt Wien und wird zumindest bis Ende 2020 vor ihrem historischen Konterfei verharren. Dann wandert die schräge Installation vermutlich ins Beethoven-Museum von Döbling.

 

 

Forever Young - Zum 20. Todestag von Falco!

Once upon a time in the Eighties: In der Udo Huber-Chartshow“Hit wähl mit” wird ein neuer österreichischer Interpret namens Falco mit seiner Debüt-Single vorgestellt: „That´s Scene“, die englische Version des U4-Underground-Hits „Ganz Wien“, der wegen seines drogenverherrlichenden Textes im Radio nicht gespielt werden durfte. Die Avantgarde war gewonnen, der Mainstream durch den Nachfolgehit „Der Kommissar“, der in der Zeit der Neuen Deutschen Welle sich mit Nena um die Nr. 1 duellierte und in einer Cover-Version von After the Fire auch die US-Top Ten stürmte. Das an Idol Bowie angelehnte „Helden von Heute“, „Zuviel Hitze“ oder „Auf der Flucht“ aus dem ersten von Robert Ponger produzierten Vinylalbum „Einzelhaft“ zählen noch heute zu Falcos Meisterwerken. 

 

Falcos zweites Album „Junge Römer“ wurde verspätet und mit viel Marketingaufwand releast, erfasste perfekt den 80er-Zeitgeist (siehe „Brillantin Brutal“). Kommerziell konnte es die Erwartungen aber nicht erfüllen.

 

Am 29. März 1986 erreichte Falco am 29. März 1986 den Pop-Olymp: Seine von den holländischen Bolland-Brüdern produzierte Mozart-Hymne "Rock me Amadeus" stieg, unterstützt durch ein geniales DoRo-Video und einen schnittigen Remix, auf Platz 1 der US-Charts und blieb 3 Wochen lang an der Spitze. Falco wusste schon zu diesem Zeitpunkt, dass er dieses Kunststück – auch in England und in ganz Kontinentaleuropa belegte er Platz 1 – nie wieder erreichen könne und dass ihm Medien, Neider und Konkurrenten diese riesige Messlatte Zeit seines Lebens vorhalten würden.

 

Noch aber folgten Hit auf Hit: „Vienna Calling“ aus seinem 3. Album „Falco 3“ stürmte ebenfalls die US-Top 20, „Jeanny“ skandalisierte das medienkonservative Deutschland mit einem ambivalenten „Dritte Mann“-Clip. Zu „The Sound of Musik“ tanzte nicht nur der Wiener Bürgermeister Zilk, sondern ganz Europa. Die Erfolgskurve neigte sich aber bereits nach unten.

 

Schwere Alkohol- und Drogenabstürze, familiäre Tragödien (Scheidung und ein nicht von ihm gezeugtes Kind), abgesagte Konzerttourneen und teils schwache Plattenverkäufe („Wiener Blut“) kennzeichnen die Zeit nach dem großen Falco-Hype. Wobei ja gerade die Masse zumeist irrt. "Data de Groove" war künstlerisch ein Meisterwerk und sogar Thema in der "Schule der Dichtung" und in literarischen Zirkeln, mit der "Titanic" (aus dem ausgezeichneten 92er-Album „Nachtflug“) kehrte die Dekadenz zurück in die Szene. Beim Wiener Donauinselfest lagen Falco 150.000 Zuschauer zu Füßen (bis ein Gewitter dem Konzert ein Ende setzte), und mit seinen letzten beiden zu Lebzeiten veröffentlichten Songs "Mutter, der Mann mit dem Koks ist da" und "Naked" eroberte Falco sogar die grassierende Love Parade-Techno-Generation.

 

Am 6. Februar 1998 verunglückte Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik tödlich – mit 1,5 Promille und einigen Drogen im Blut. Beim Begräbnis auf dem Wiener Zentralfriedhof gaben ihm mehr als 4000 Fans und Freunde die letzte Ehre, den Sarg trugen die "Outside Austria"-Rocker vom "Amadeus"-Clip. Posthum wurde der eher durchschnittliche Song "Out of the Dark" zu einem der größten Falco-Hits. Oft feiert man in Wien die "schene Leich" lieber als das süße Leben. 

 

Endlos-Dokus, Remixes, Tribute-Konzerte, Retro-Clubbings, Musicals, Lesungen, Diskussionen, eine „Ganz Wien“-Ausstellung im Wien Museum, ein Requiem im Stephansdom: Wenn Falco wüsste, wie seine Person und sein Gesamtkunstwerk 20 Jahre nach seinem Todestag gefeiert werden...

 

Geahnt hat er es sicher bereits zu Lebzeiten. Zeilen wie „Muss ich denn sterben, um zu leben“ erscheinen nicht ohne Substrat im kreativen Hirn eines Künstlers. Mit Todessehnsucht hat dies allerdings nichts zu tun, vielmehr mit dem seltsamen Fakt, dass Musikgrößen teils nach ihrem Tod mehr gewürdigt werden als zu Lebzeiten. Mit Jim Morrison, Bob Marley oder Michael Hutchence seien hier nur einige genannt.

Sound- und Video-Revolution: Depeche Mode live in der ausverkauften Wiener Stadthalle!

Im Jahr 1980 wurden Depeche Mode im Vorprogramm des Synthi-Pioniers Fad Gadget vom Mute Records-Boss Daniel Miller entdeckt, 38 Jahre später, nach mehr als 100 Millionen verkauften Tonträgern, spielen sie mit fast unveränderter Besetzung (ohne Kurzzeit-Mitglied Vince Clarke, heute bei Erasure, und Ex-Soundmastermind Alan Wilder, der 1995 ausstieg) noch immer in prall gefüllten Stadien und Hallen. So auch - nach vierjähriger Abstinenz - in der Wiener Stadthalle, die seit Monaten ausverkauft war.

 

"Where´s the Revolution" fragen sich Trump- und Brexit-Gegner Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher im geistig stilprägenden Track des neuen Albums "Spirit" und bieten dazu als Support eine kongeniale Künstlerin aus South Dakota: Erika M. Anderson aka EMA. "Exile in the Outer Ring" heißt ihr neues Album, musikalisch eine Mixtur aus Electro, Industrial und Grunge. Die Themen: Rassismus, Polizeigewalt, Gentrifizierung und die Radikalisierung der Gesellschaft, Stichwort "Aryan Nation". 

 

Ein progressiver Geheimtip für die Zukunft, bei einem Depeche Mode-Konzert zählt für die Fans allerdings meist nur der Main-Act. Angekündigte Revolutionen finden selten statt, bei einem Konzert der drei Londoner, verstärkt wieder durch den österreichischen Drummer Christian Eigner, kann man allerdings fast sicher sein, dass alle Erwartungen erfüllt werden.

 

20 Tracks stehen auf der Setlist des Wien-Konzerts, davon nur drei aus dem neuen 14. Album "Spirit". Der Opener "Going Backwards", "Where´s the Revolution" und die socialmedia-kritische Ballade "Cover me", die, mit Schwarz-Weiß-Video unterlegt, für sehnsüchtiges Prickeln im Publikum sorgte. Überproportional viele Songs dagegen zu Beginn der Show aus dem von Tim Simenon (Bomb the Bass) produzierten 97er-Album "Ultra": "Barrel of a Gun", "Useless", "It´s no good" und zwei Tracks für Martin Gores traditionelle Solo-Vocal-Auftritte. Insider sprechen von einem Wunder, dass dieses Album überhaupt jemals erschienen ist. Die Band war damals heillos zerstritten, und Sänger Dave Gahan war nach einem Drogencocktail zwei Minuten klinisch tot. Mit aktuell 55 wirkt er allerdings fitter denn je, die legendären Pirouetten mit dem Mikroständer haben nichts an Impulsivität eingebüßt.

 

Die großen Superhits, von denen aufgrund der Anzahl leider immer einige fehlen ("I feel you", "People are People", "Wrong"), die sparen sich Depeche Mode für den zweiten Teil der Show auf: Die 83er-Anti-Kapitalismus-Hymne "Everything Counts", "Never let me down again", Mitte der 80er aufgenommen in den durch David Bowie berühmt-berüchtigten gewordenen Hansa Studios nahe der Berliner Mauer, "Stripped" aus dem düsteren "Black Celebration"-Album oder "Enjoy the Silence" aus dem 90er-Meisterwerk "Violator". Dave Gahan kann hier minutenlang seine Stimme schonen, die Fans singen frenetisch den Refrain, während auf den Video-Screen riesige bunte Schafe, Wildschweine und Kühe projiziert werden.

 

Als Zugaben noch "Walking in my Shoes", "A Question of Time" und als furioses Finale "Personal Jesus" so frei nach dem Motto "Reach out, touch Dave!" Die Halle tobt, die Fans sind aufgeheizt, verschwitzt, einfach glücklich. Die Band nicht minder. Und sie werden alle wiederkommen. Je früher, desto besser.

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Uni-Politik goes Retro: Soziale Schranken statt freier Bildungszugang!

Eine Zeitreise in die Vergangenheit kann Spaß machen, wenn sie kurz ist und man sich danach wieder in der Gegenwart befindet. Die neue Bundesregierung plant mit ihrer Uni-Reform das Gegenteil und beamt das fehlgeleitete Bildungsschiff zurück in eine Zeit vor den Studentenrevolutionen der 68er, als aufgrund von Studiengebühren und sozialer Barrieren nur begüterte Maturanten ein Hochschulstudium beginnen konnten.

 

1972 wurde unter der Regierung Kreisky durch die Abschaffung der Studiengebühren der freie Hochschulzugang besiegelt. Das 1975 beschlossene Universitätsorganisationsgesetz sorgte für demokratischere Strukturen in den Gremien (Senat, Fakultäten, Institute). Die Höreranzahl an den Universitäten stieg rasant an. An der Universität Wien beispielsweise studierten 1970 19.000, 1980 40.000 und 1990 bereits 85.000 Personen. Der Frauenanteil erhöhte sich in dieser Zeit von 37 auf 56 %. Einen ersten Einbruch erlitten die Studentenzahlen der Uni Wien im Jahr 2001, als die schwarz-blaue Regierung unter Bundeskanzler Schüssel wieder Studiengebühren einführte und die Anzahl der Hörer um fast 16 % sank.

 

Aktuell studieren an den österreichischen Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen insgesamt ca. 380.000 Personen. Sie haben trotz einer Erhöhung des Uni-Budgets um 1,35 Milliarden Euro in den nächsten 3 Jahren keine rosigen Zeiten zu erwarten. Es sagt wohl alles, dass die Kurz-ÖVP selbst dieser Erhöhung nicht zugestimmt hat, das diesbezügliche Gesetz wurde am 28. Juni 2017 auf Antrag der Grünen von SPÖ, FPÖ, Grüne und Neos beschlossen.

 

In der schwarz-blauen Regierungserklärung liest man bereits von "moderaten Finanzierungsbeiträgen für Studierende, um die Verbindlichkeit des Studierens zu erhöhen". Wann sie genau eingeführt werden, steht noch nicht fest. Die Dummen sind aber bereits berufstätige Studenten, die eine bestimmte Mindeststudiendauer überschritten haben. Durch ein VfGH-Erkenntnis wurde eine gesetzliche Norm aufgehoben, die unselbständig und selbständig Erwerbstätige gleichheitswidrig behandelte. Die Regierung verweigert die Erlassung einer neuen Regelung. Folge: Studenten, die sich ohne Arbeit ihr Studium nicht leisten können bzw. bei paralleler Ausübung nicht rechtzeitig das aufwändige Prüfungsprogramm absolvieren können, müssen ab dem nächsten Studienjahr wieder Studiengebühren zahlen.

 

Es kommt aber noch schlimmer. Anstatt die räumlichen Kapazitäten zu erhöhen, um den Studenten attraktive Studienbedingungen zu bieten, werden jetzt neben den bereits bestehenden zusätzliche Aufnahmetests für Jus, Fremdsprachen und Erziehungswissenschaften eingeführt. Universitäten dürfen weiters autonom lokale Zugangsregelungen kreieren. Was noch im Regierungsprogramm gefährlich schlummert: Ein noch nicht definiertes ECTS-Modell (vermutlich zur Dezimierung von Studenten), Verhaltensanreize für zügiges Studieren (gerichtet an mündige Bürger !), maximal zulässige Studiendauern, eine Diskussion über Anzahl der Prüfungstermine und der Prüfungswiederholungsmöglichkeiten (es werden wohl weniger werden) oder eine Abmeldepflicht bei Inaktivität.

 

Auch die traditionell links ausgerichtete Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) bleibt nicht ungeschoren.  Finanzielle Mittel dürften künftig nur mehr für Aufgaben der Beratung und Interessenvertretung von Studierenden verwendet werden, ansonsten drohen Sanktionen. Gesellschaftspolitik nur dann, wenn sie mit der rechtskonservativen Regierung d´accord geht.

 

Bildung ist das höchste Gut der Menschheit, sie muss (!) jedem offenstehen und darf nicht sozial Schwächeren durch Barrieren verwehrt bleiben. Politiker, die Schranken vor den Bildungseinrichtungen installieren, die Jugend nur mehr in verschulte Punkteabsolvierungs-Seminare stecken und die selbständige Wissensaneignung untergraben wollen, haben zumeist nicht die edelsten Motive. Bürger mit geringerer Bildung sind leichter zu steuern, zu manipulieren und zu täuschen. In Zeiten von "Fake News" auf höchster politischer Ebene mehr denn je.

 

Vienna Nightlife: Garden Club-Revival im Temporär-Club Horst!

"We don´t make parties, we still live them!" war einst das Motto des legendären Garden Clubs, der unter der Fittiche von Kaveh Ahi mit heißer House Music  Szene-Freaks, VIP´s und Fans der elektronischen Musik in den Wiener Volksgarten lockte. Für vollen Dancefloor sorgten dabei nicht nur die Resident-DJ´s, sondern auch internationale, damals noch "leistbare" DJ-Größen wie Roger Sanchez, die Swedish House Mafia oder David Guetta.

 

Die standen Samstag beim Garden Club-Revival im Wiener Temporär-Club Horst auch am Programm, wenn schon nicht physisch, dann zumindest musikalisch. Behind the Turntables gab es ein Wiedersehen mit den damaligen Club Heroes Tom Snow, Henry, Ronaldo und Claudio Ricci, die mit einstigen Club-Floorfillers (wie "Just a little more love", "You don´t know me" oder "Raining again") und aktuellen Ibiza Underground-Tracks bis in den Morgengrauen die Party People begeisterten. Zu früher Stunde wagte auch Mastermind Kaveh ein Tänzchen mit den sexy Go Go´s.

 

Nightlife-Freaks sollten die nächsten Monate dies auch beherzigen und den coolen Club in der Rotgasse 9 visitieren, der einst das damals leicht verruchte P1 und die Großraumdisco Empire beherbergte. Denn der Club Horst läuft unter einem Ablaufdatum, den man auch  auf der Website http://www.horst.wtf/ jederzeit abrufen kann (Aktueller Stand: 90 Days).

 

Dort, wo jetzt die Wiener Nightflies freitags zu Techno & Electro und samstags zu House- und Discobeats abfeiern, sollen noch in diesem Jahr die Bagger fahren. Ein Investor hat das Gebäude gekauft und plant die Errichtung eines Hotels. Der düstere Club-Room, einst Bühne zahlloser Exzesse, Abstürze und Liebeleien,  wird zur seelenlosen Tiefgarage. Besser nicht nachdenken, den nächsten Tequila-Shot einschmeißen und noch ein paar Nächte durchmachen, an die sich man später nicht mehr erinnern kann.

FM4-Geburtstagsparty in der Ottakringer Brauerei!

"Wenn du das Radio ausmachst, wird die Scheißmusik auch nicht besser", so Kettcar, einer der Headliner der FM4-Geburtstagsparty 2018 in der Ottakringer Brauerei. Mit diesem Problem hat der österreichische Sender allerdings nicht zu kämpfen, gilt er doch seit seiner Gründung am 16. Jänner 1995 zu den Koryphäen internationalem und nationalem Indie- und Alternativesound.

 

Seither ist es auch Tradition, mit einer heißen Party mitten im klirrenden Winter auf den Birthday anzustoßen. Einst fanden diese Events sogar Open Air in der Arena statt. Aus dem Teenageralter entwachsen gibt man sich zumindest in punkto Outdoor-Location "zahmer" und feiert seit einigen Jahren in der Ottakringer Brauerei, die trotz eingeschränkter Kapazität (bei ca. 3000 Besuchern) eine ideale Spielwiese für Trinken, Flirten und Tanzen zu heißen Bands und Artists bietet.

 

Das Programm zum 23. Geburtstag des Senders stellte viele vor die Entscheidung, auf welchen der drei Floors man abfeiern wolle. Auf dem ehemaligen Hopfen- und Gersteboden, dem FM4-Indiekiste Floor, sorgten Yukno, die Austro-Grunge-Punks Crispies und der britische Songwriter Dan Croll für Entertainment. Dort, wo einst riesige Bottiche und Gefäße standen, in der "Alten Technik", präsentierten die Electro-Avantgardisten und FM4-Amadeus Award-Winner Leyya Tracks aus ihrem brandneuen Album "Sauna", bevor die Berliner Beatsteaks nach ihrem großen Auftritt beim Donauinsel-"Rock in Vienna" zeigten, dass sie auch in kleineren Locations reüssieren können. 

 

Wer auf progressiven, lässigen Indie-Rock abfährt, der musste sich entlang der Menschenmassen die engen Stiegen hinaufschlängeln, ganz nach oben auf den ehemaligen Hefeboden, dem FM4-"Wohnzimmer". Die multikulturelle 8-köpfige Combo Superorganism, wohnhaft in London, zelebrierte dort mit Augenzwinkern ihre Hymne "Everybody wants to be famous", Pop-Kritiker schätzen die Wahrscheinlichkeit für die Band selbst sehr hoch ein.

 

Bereits seit 2004 im Geschäft sind die norwegischen Jungs von Kakkmaddafakka. Man mag über den Namen mitleidig grinsen (er meint fantastiesprachlich einfach nur "party animal"), der Unterhaltungsfaktor der Indie-Rocker, die gerade ihr 5. Album "Hus" veröffentlichten, ist hoch und schreckt auch vor lässig-schrillen Cher-Covers ("Believe") nicht zurück.

 

"Wir wollen Musik jenseits von Apathie und Zynismus machen", so Sänger Markus Wiebusch, und lieferte gemeinsam mit seinen Jungs von Kettcar DAS Polit-Rock-Album ("Ich vs. Wir") des Jahres. "Es war im Sommer 89", das mit pathetischem Sprechgesang die Flucht von DDR-Bürgern über die ungarische Grenze Richtung Österreich kurz vor dem Fall der Berliner Mauer schilderte, wird zu einer Hymne der Zivilgesellschaft, die - so Wiebusch im O-Ton - "das Helfen durch Zäune noch als menschlichen Akt sieht". 

 

Die Hamburger Rocker als Main-Act zu buchen ist in diesem Sinne auch ein klares politisches Zeichen des Radio-Senders FM4. Die einstündige Setlist enthielt neben den neuen Tracks auch die Klassiker "Deiche", "Balu", "Graceland" und "Landungsbrücken raus". "Sommer 89" widmete die Band der einen Tag vor der FM 4-Party verstorbenen Flüchtlingshelferin Ute Bock. Die sich über diese Wortspende sicher sehr gefreut hätte.

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Anti-Kriegs-Mahnmal "Zombie" - Ein Nachruf auf Dolores O´Riordan (Cranberries)

 

Es war im Jahr 1993. Die Cranberries waren gerade auf England-Tour, als ein grauenvoller Terroranschlag der IRA in Warrington zwei Kinder tötete. Die zart besaitete, streng gläubige Sängerin Dolores O´Riordan schrieb über diesen Vorfall einen Song mit Zeilen wie "When the Violence causes silence, we must be mistaken" oder dem hypnotischen Refrain "In your head, in your head, Zombie!" 

 

Ein radikaler Aufschrei gegen den Nordirlandkrieg, der seit dem (gescheiterten) Osteraufstand 1916 kein Ende findet und das Leben vieler Familien und Zivilisten zerstört hat, die mit dieser sinnlosen Fehde gar nichts zu tun haben. "Zombie" stürmt Ende 1994 - inmitten von Eurodance-/Technokapriolen und alternativer Grunge-Melancholie - weltweit die Charts und wird zu einem der größten und anspruchsvollsten Hits der 90er.  

 

Für die Cranberries bedeutete dies einerseits den Durchbruch, andererseits – ähnlich wie bei vielen anderen Bands und Künstlern –auch die bitteren Erkenntnis, dass man diesen Gipfel nur einmal erklimmen könne. Begonnen hat die Karriere der irischen Band Anfang der 90er, als O´Riordan bei der Limericker Männer-Formation einstieg und nach einigen Demo-Präsentationen mit dem romantisch-verträumten Track „Linger“ die Charts stürmte. 

 

Auch das erste Album mit dem kongenialen Titel „Everybody else is doing it, so why can´t we“, musikalisch eine Mixtur aus Indie-Pop und Irish-Folk, begeisterte sowohl westlich als auch östlich des Atlantiks und enthielt mit „Dreams“ einen weiteren Single-Hit. Der Erfolg des zweiten Albums „No need to argue“ mit dem progressiv arrangierten Superhit „Zombie“ war vorprogrammiert,die Live-Konzerte danach meist ausverkauft, auch wenn die weiteren Alben nicht mehr dieselbe Resonanz erzielten.

 

2003 löste sich die Band – nach 38 Millionen verkauften Platten – auf. Dolores O´Riordan wurde Mutter dreier Kinder, mit dem Vater Don Burton, dem ehemaligen Tour-Manager von Duran Duran, war sie bereits seit 1994 verheiratet. Die Solo-Produktionen waren eher mäßig erfolgreich, O´Riordan hatte allerdings die Ehre, mit Luciano Pavarotti „Ave Maria“ für den Film „Passion Christi“ zu produzieren. Die Reunion der Cranberries zeichnete sich bereits durch Live-Konzerte und Video-Teaser ab, das Comeback-Album „Roses“ mit der Single „Tomorrow“ erschien aber erst 2012. 2017 veröffentlichte die Band in Zusammenarbeit mit dem Irish Chamber Orchestra das Album „Something Else“, darin enthalten neu arrangierte alte und drei neue Songs. Innovative Wege beschritt Riordan 2016 gemeinsam mit dem Smiths-Bassisten Andy Rourke, „Science Agrees“ unter dem Pseudonym D.A.R.K. verharrte aber im Underground-Status, vielleicht auch gewollt. 

 

Vor einigen Tagen flog Dolores O´Riordan nach London, um neue Tracks aufzunehmen. Am 15. Jänner wurden die Medien informiert, dass sie mit 46 gestorben sei. Ohne nähere Details. Die Ehe mit Burton war geschieden, manche Zeitungen sprechen von manischer Depression, die Riordan schon längere Zeit belastet. 

 

Was genau vorgefallen ist, ist schwer zu ergründen und auch für Außenstehende nicht relevant. Ihr wichtigstes Vermächtnis „Zombie“ dagegen sollte weit in die Zukunft hinaus als  Mahnmal positioniert werden: gegen Krieg, gegen Gewalt, gegen Hetze, gegen Hass und auch gegen die eigenen Dämonen. Da verzeiht man dann auch den musikalischen Einsatz bei diversen Retro-Clubbings.

Ius 2018 (4): Neue Vorschriften im Banken-, Steuer- und Datenschutzrecht!

Obwohl Österreich schon seit 1.1. 1995 Mitglied der Europäischen Union ist, wissen viele Bürger die Vorteile dieser Staatengemeinschaft noch immer nicht zu schätzen. So basieren viele konsumentenschutzfreundliche Gesetze auf Verordnungen bzw. Richtlinien der EU. So auch das neue Zahlungsdienstegesetz, das die Rechtsstellung des Zahlers bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen verbessert.

 

Die Haftung bei leichter Fahrlässigkeit in Zusammenhang mit einem Missbrauch der Bankomatkarte oder des Online-Bankings wird von 150 Euro auf 50 Euro herabgesetzt. In bestimmten Fällen muss der Zahlungsdienstleister eine "starke Kundenauthentifizierung" verlangen, die aus mindestens zwei Kategorienelementen besteht.

 

Gemäß dem Verbraucherzahlungskontogesetz dürfen Bankomatgebühren nur in Ausnahmefällen verlangt werden. Voraussetzungen dafür sind eine Einzelvereinbarung mit dem Kunden und das Vorhandensein eines Tarifs ohne gesonderte Bargeldbehebungsentgelte.

 

Gegen Ende des Jahres werden seitens der Europäischen Zentralbank keine weiteren 500 Euro-Scheine mehr ausgegeben. Ziel ist die bessere Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Die im Umlauf befindlichen Scheine bleiben natürlich weiterhin gültig und sollen unbegrenzt umtauschbar sein.

 

Im Mai 2018 tritt die neue Datenschutzgrundverordnung in Kraft, deren nationale Umsetzung von Experten als mangelhaft kritisiert wird. Unternehmen müssen einen Datenschutzbeauftragten installieren und bei Verstößen gegen die neuen Vorschriften mit hohen Bußgeldern rechnen. 

 

Noch in der alten Legislaturperiode hat der Nationalrat eine (teilweise) Angleichung der Rechtsvorschriften von Arbeitern und Angestellten beschlossen. Vereinheitlicht wurde u.a. die Entgeltfortzahlung im Krankenstand und bei sonstigen Dienstverhinderungen. Die Kündigungsfrist für teilzeitbeschäftigte Angestellte mit geringer Arbeitszeit beträgt ab 1. Jänner - statt 14 Tagen - nun 6 Wochen. Die generelle Angleichung der Kündigungsfristen erfolgt erst 2021.

 

Bestimmte Sonderausgaben wie Kirchenbeiträge und Spenden fließen ab 2018 automatisiert in die Arbeitnehmerveranlagung an. Grund: Religionsgemeinschaften und Spendenorganisationen sind verpflichtet, die bezahlten Beträge an die Finanzverwaltung zu übermitteln.

 

Am 1. Mai sollte eigentlich das absolute Rauchverbot in der Gastronomie in Kraft treten. Die neue Bundesregierung will dieses Gesetz - trotz 14.000 nikotinbedingter Todesfälle pro Jahr - kippen. Fast eine halbe Million Bürger unterstützt als Reaktion darauf bereits die "Don´t Smoke"-Kampagne für eine Beibehaltung des Gesetzes. Europa schüttelt nur mehr den Kopf über die Raucher-Oase Österreich. Man muss sich wirklich wundern, was in der Alpenrepublik alles möglich ist.

Ius 2018 (3): Bildungsreform in Kraft, aber ohne Entpolitisierung der Schulverwaltung!

Rauchverbot, Aktion 20.000 oder der Jobbonus. Alles Initiativen, die von der schwarz-blauen Bundesregierung rückgängig gemacht werden. Da wäre es besser gewesen, Teile der Bildungsreform zu revidieren, und zwar vor allem die Organisation der Schulverwaltung.

 

So werden ab 1. Jänner 2019 die Landesschulräte durch Bildungsdirektionen ersetzt.  Die Amtsführenden Präsidenten nennt man dann Bildungsdirektoren, die Bestellung ist aufgrund der "Schwärzisierung" der Nationalratswahl noch parteipolitischer als zuvor. Der Bildungsdirektor wird auf Vorschlag des Landeshauptmannes im Einvernehmen mit dem Bildungsminister bestimmt. In 6 von 9 Bundesländern stammen beide von derselben konservativen Partei. Auch die vorgelagerte aus 5 Mitgliedern bestehende Begutachtungskommission wird gänzlich von den Parteien besetzt. 

 

Die Landesschulratskollegien werden durch Beiräte mit beratender Funktion ersetzt. An den komplizierten Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern ändert sich gar nichts. Der Bildungsdirektor ist je nach Zuständigkeit gegenüber dem Bundesminister oder der Landesregierung weisungsgebunden, als Bonmot kann das Landesgesetz auch noch den Landeshauptmann zum Präsidenten der Bildungsdirektion küren. Da jubeln die Polit-Granden.

 

Progressiver ist da schon das Schulautonomiepaket gestaltet. So können bis zu 8 Schulen zu Cluster unter einer gemeinsamen Leitung zusammengeschlossen werden. Die einzelnen Direktoren werden dabei durch Bereichsleiter ersetzt. Bei Bedarf können Lehrer auch an anderen Clusterschulen unterrichten. Die Cluster-Bildung ist freiwillig, ausgenommen bei Kleinstschulen, die ansonsten vom Zusperren bedroht sind. 

 

Die Auswahl von neuen Lehrern obliegt dem Cluster-Leiter bzw. dem Direktor. Diese können auch flexible Gruppengrößen festlegen und frei werdende Ressourcen für Förderangebote und Teamteaching nützen. Eine bundeslandweite Durchschnittszahl darf pro Klasse allerdings nicht überschritten werden.

 

Die Hauptschule ist übrigens mit Juni 2018 Geschichte, ab dem Wintersemester existieren in Österreich nur mehr die Neuen Mittelschulen.

 

Keine guten Nachrichten gibt es - nach der Regierungserklärung - für die Studenten. Es steht zu befürchten, dass die neue Bundesregierung trotz heftiger Proteste die Absicht hat, wieder Studiengebühren mit zumindest 500 Euro pro Semester einzuführen. Als erste könnte es die berufstätigen Langzeitstudenten treffen. Die bis dato festgelegte Studiengebührenbefreiung wurden wegen Verletzung des Gleichheitssatzes vom VfGH aufgehoben. Dass ein durch die SPÖ eingebrachter Vorschlag der ÖH von der neuen Koalition beschlossen wird, gilt als fast ausgeschlossen.

 

Ius 2018 (2): Neues Pauschalreise-Gesetz ab 1. Juli 2018!

Rechtzeitig mit Beginn der Sommer-Hauptsaison, wenn die Touristen wieder an die sonnigen Beach-Hot Spots strömen, gilt in Österreich ein neues Reiserecht. Das sogenannte Pauschalreisegesetz (PRG) tritt am 1. Juli 2018 in Kraft und ist eine Umsetzung der Pauschalreise-Richtlinie (EU) 2015/2302.

 

Die speziellen Schutzvorschriften gelten künftig auch für Online-Buchungen von Reisepaketen und nicht nur für Buchungen über Reisebüros. Direkter Ansprechpartner ist dann auch der Reiseveranstalter. Zu den Pauschalreiseleistungen zählt - neben Personenbeförderung, Unterbringung und anderen touristischen Dienstleistungen - auch die Vermietung eines Fahrzeuges.

 

Erweitert werden die Informationspflichten des Reiseveranstalters. Reisende müssen, bevor sie an ihre Vertragserklärungen gebunden sind, Informationen zu den wesentlichen Eigenschaften der Reiseleistungen erteilt werden. Unmittelbar nach Vertragsabschluss muss den Reisenden eine Vertragsausfertigung zur Verfügung gestellt werden.

 

Allerdings hat der Veranstalter künftig mehr Spielraum bei Leistungsänderungen vor Reiseantritt (wie der Reiseroute oder den Flugzeiten). Widerspricht der Kunde den Änderungen nicht ausdrücklich, so gilt dies als stillschweigende Zustimmung. Laut PRG muss der Reiseveranstalter für die Kosten einer längeren Unterbringung (bis zu 3 Tage) aufkommen, sollte die Rückreise wegen außergewöhnlicher Umstände nicht möglich sein.

 

Höhere Abgaben erwarten die Sonnenanbeter in Griechenland und auf den Balearen. Die Griechen verlangen eine Aufenthaltssteuer, je nach Hotelkategorie bis zu 4 Euro pro Zimmer und Nacht. Auf Ibiza, Mallorca und Menorca wird die Touristenabgabe während der Hauptsaison zwischen Mai und Oktober verdoppelt, auf bis zu 4 Euro pro Kopf und Nacht.

 

Die Flugabgabe dagegen wird halbiert. Sie beträgt künftig pro Fluggast auf Kurzstrecken 3,5 Euro, auf Mittelstrecken 7,5 Euro und auf Langstrecken 17,5 Euro. Man wird sehen, ob diese Kürzung an die Flugkunden weitergegeben wird.

Ius 2018 (1): Neuigkeiten im Familien-, SV-, Pflege- und Sachwalterschaftsrecht!

Das neue Jahr bringt zahlreiche Gesetzesänderungen mit sich, die noch von der "alten" rot-schwarzen Bundesregierung beschlossen wurden.

 

Die Familienbeihilfe wird um 1,9 Prozent erhöht. Sie beträgt ab 1.1. 2018 114 Euro, bei Kindern ab 3 Jahren 121,9 Euro, ab 10 Jahren 141,50 Euro und ab 19 Jahren 165,1 Euro. Erhöht werden auch der Geschwisterzuschlag und der Zuschlag für erheblich behinderte Kinder.

 

Die Zusammenlegung der Sozialversicherungsträger ist eines der Projekte der neuen Bundesregierung, deren finanzielle Auswirkungen aber überschätzt werden. Wichtiger ist die Harmonisierung der Leistungen, die teilwiese bereits in der alten Legislaturperiode konkretisiert wurde. In 18 von 23 Leistungsbereichen der neun Gebietskrankenkassen werden ab 1. Jänner einheitliche Zuschüsse und Selbstbehalte verrechnet, so beispielsweise bei Zahnspangen, Zahnersatz oder bei Krankentransporten. Teurer wird die Rezeptgebühr, sie steigt von 5,85 auf 6 Euro. Unter bestimmten Voraussetzungen (wie beim Bezug einer Ausgleichszulage) ist eine Befreiung weiterhin möglich.

 

Auch wenn die Finanzierung noch strittig und der Höhe nach schwer kalkulierbar ist, gehört der Pflegeregress mit 2018 der Geschichte an. Die Bundesländer dürfen nicht mehr auf das Vermögen und die Sparbücher von Pflegebedürftigen zurückgreifen, die in stationären Heimen aufgenommen wurden. Weiterhin zulässig ist der Zugriff auf 80 % der Pension und 90 % des Pflegegeldes. Bei behinderten Personen ist der Pflegeregress sowohl im stationären als auch ambulanten Bereich ausgeschlossen.

 

Am 1. Juli tritt das neue Sachwalterrecht in Form des "Erwachsenenschutzgesetzes" in Kraft. Man unterscheidet dann zwischen vier Säulen für unterstützungsbedürftige volljährige Personen: Gerichtliche Erwachsenenvertretung (mit Beschränkung auf bestimmte Vertretungshandlungen, befristet zunächst auf 3 Jahre), gesetzliche Erwachsenenvertretung (durch nächste Angehörige), gewählte Erwachsenenvertretung und die Vorsorgevollmacht mit uneingeschränktem Wirkungsbereich. Derzeit stehen ca. 60000 Personen unter der alten Sachwalterschaft.

 

Ein langer Weg zur Gleichstellung: Von der eingetragenen Partnerschaft zur Ehe für alle!

In Deutschland wurde die „Ehe für alle“ mit 1. Oktober 2017 durch den Bundesrat gesetzlich legitimiert, in Österreich traf diese Entscheidung der Verfassungsgerichtshof aufgrund einer Beschwerde fünf gleichgeschlechtlicher Paare mit Kindern, die von Rechtsanwalt Dr. Helmut Graupner vertreten wurden. 

 

Dieser erkannte, dass jene Bestimmungen des § 44 ABGB und des EPG, die auf „verschiedene Geschlechter“ abzielen, gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen und daher verfassungswidrig sind. Diese Entscheidung beruht auf der jüngsten Rechtsentwicklung, aufgrund der Homosexuelle auch Kinder adoptieren und die zulässigen Formen medizinisch unterstützter Fortpflanzung nützen können und somit eine weitgehende rechtliche Gleichstellung besteht. 

 

„Die diskriminierende Wirkung zeigt sich darin, dass durch die unterschiedliche Bezeichnung des Familienstandes („verheiratet“ versus „in eingetragener Partnerschaft lebend“) Personen in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft auch in Zusammenhängen, in denen die sexuelle Orientierung keinerlei Rolle spielt und spielen darf, diese offenlegen müssen und insbesondere auch vor dem historischen Hintergrund, Gefahr laufen, diskriminiert zu werden“, so einer der schlüssigen Sätze im VfGH-Erkenntnis.

 

Österreich, das bis 1971 Homosexualität unter gerichtliche Strafe stellte, zählt sicher nicht zu den liberalen Vorreitern Europas. In den Niederlanden gibt es seit 2001 bereits die Ehe für alle, in Deutschland zumindest die eingetragene Lebenspartnerschaft. In Österreich wurde das „Gesetz über die eingetragene Partnerschaft“ im Dezember 2009 vom Nationalrat beschlossen. Seit 1. Jänner 2010 können sich Homosexuelle somit verpartnern. 

 

Im September 2011 wird die unterschiedliche Ausgestaltung von Doppelnamen bei Ehe und Eingetragener Partnerschaft (mit bzw. ohne Bindestrich) als verfassungswidrig erklärt. Gleichgeschlechtliche Paare genießen ab sofort den verfassungsgesetzlichen Schutz der Familie. Eine gleiche Zeremonie bei der Eheschließung garantiert ein VfGH-Urteil im Dezember 2011. 

 

Im Dezember 2013 hat der VfGH die gesetzliche Beschränkung der medizinisch unterstützten Fortpflanzung auf verschiedengeschlechtliche Ehen und Lebensgemeinschaften aufgehoben. Im Jänner 2015 wurde das FortpflanzungsmedizinrechtsänderungsG beschlossen, das lesbischen Paaren die Elternschaft mittels Samenspende ermöglicht. Ausgeschlossen bleiben schwule Paare und alleinstehende Personen, Leihmutterschaft ist daher in Österreich rechtlich nicht zulässig.

 

Im Februar 2013 urteilt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass das Verbot der Stiefkindadoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren gegen die EMRK verstößt. Bereits im August wird dieses Urteil durch das Adoptionsrechts-Änderungsgesetz umgesetzt. Begleitgesetze vermindern die Unterschiede zwischen Ehe und Eingetragener Partnerschaft auf 40.

 

Ebenfalls initiiert durch Rechtsanwalt Dr. Helmut Graupner, hebt im Dezember 2014 der VfGH das Verbot der gemeinsamen Adoption durch gleichgeschlechtliche, eingetragene Paare auf. Seit 2016 können sich somit auch homosexuelle Paare um ein Kind bewerben. Das Wohl des Adoptivkindes steht dabei im Mittelpunkt. Die Bewerber werden unabhängig vom Geschlecht genau überprüft und müssen auch einen Vorbereitungskurs absolvieren.

 

Seit dem 1. April 2017 werden eingetragene Partnerschaften wie Ehen am Standesamt geschlossen. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen einen Familiennamen tragen.

 

Die völlige Gleichstellung zwischen Hetero- und Homosexuellen tritt mit 1. Jänner 2019 in Kraft. Ab diesem Datum steht die eingetragene Partnerschaft (mit Vertrauensbeziehung statt Treuepflicht, kürzeren Scheidungsfristen und geringeren Unterhaltspflichten nach der Auflösung) auch verschiedengeschlechtlichen Paaren offen, falls der Nationalrat das Gesetz mit einfacher Mehrheit nicht aufhebt. 

 

Eine Rückabwicklung der „Ehe für alle“ dagegen erscheint nahezu ausgeschlossen. Die notwendige 2/3-Verfassungsmehrheit wird derzeit im NR-Plenum nicht erreicht, und zusätzlich ist die gleichgeschlechtliche Ehe durch das VfGH-Erkenntnis höherwertig abgesichert. Ein anderslautendes Verfassungsgesetz würde mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte aufgehoben werden. Die Pink Community kann sich über ein unerhofftes Weihnachtsgeschenk freuen!

Letzte TV-Aufzeichnung: Die Staatskünstler & Florian Klenk im Rabenhof-Theater.

Copyright: Florian Klenk (Facebook)
Copyright: Florian Klenk (Facebook)

Es ist eine einigermaßen seltsame Entscheidung, die vom ORF bereits im September – noch vor der Ernennung einer neuen Bundesregierung – verkündet wurde. Die Staatskünstler alias Florian Scheuba, Thomas Maurer und Robert Palfrader werden mit Ende 2017 vor die Tür gesetzt. Die TV-Aufzeichnung für die letzte Sendung, den Jahresrückblick 2017, fand am Dienstag im Wiener Rabenhof-Theater statt.

 

Im Mittelpunkt der Staatskünstler-Show stehen seit Dezember 2011 die aktuelle Tagespolitik, Korruptionsfälle und bizarre Auswüchse des von Föderalismus, Parteibuch- und Freunderlwirtschaft und Traditionalismus geprägten österreichischen Staats. Das Comedy-Trio wird dabei mit der stetig steigenden Herausforderung konfrontiert, dass die Grenzen zwischen Realität und Satire immer mehr verschwimmen. 

 

So auch in der neuesten Ausgabe, bei der „plagiierte“ Wahlkampf-Videos der Spitzenkandidaten mit den „Originalen“ der Staatskünstler verglichen werden. Eine ausländerfeindliche Wutbürgerin im „Kern“-Clip oder ein zu Tränen rührendes Bauernhof-Video von Basti Kurz, das kann ja nur geklaut sein. Die Staatskünstler besuchen das „menschliche Antlitz“ des Messias, sammeln Spenden am Punsch-Stand für die ÖVP-Ratenzahlungsverpflichtungen an die Telekom und gehen auf Jobsuche bei Griss, Schieder, ATV & Co. Und landen zuletzt in der gefährlichen Mittelroute.

 

Einen besonderen Dank sendet die Kabarettisten an den deutschen Medienanwalt Ralf Höcker, der sie in einem 200.000 Euro teuren Gutachten über die angebliche Vorverurteilung Karl Heinz Grassers prominent erwähnte. Dessen Verfahren wurde gerade an diesem Tag im Wiener Landesgericht eröffnet. 14 Jahre, nachdem Florian Klenk die erste Story über die Buwog-Affäre publizierte. 

 

Insofern ein idealer Anlass für die Staatskünstler, den Falter-Chefredakteur für den zweiten Teil der Show ins Rabenhof-Theater zu laden. Klenk kam direkt aus dem Gerichtssaal und berichtete über den bisherigen Verfahrensablauf, modische Prozess-Bonmots und die Strategien der insgesamt 16 Beschuldigten, die für manche – bei 500 Euro Anwaltshonorar pro Stunde – auch in einem finanziellen Inferno enden können. Dass die drei Staatskünstler den KHG schon immer für unschuldig hielten, bewies zwischendurch ein amüsanter Clip aus ihrer Comedy-History. 

 

Für den musikalischen Abschluss-Schmäh war aber Grasser-Anwalt Ainedter selbst verantwortlich. Christoph & Lollos Kult-Lied „Wann geht der Karl Heinz endlich in den Häfn“ wollte der Promi-Verteidiger im Gerichtssaal präsentieren. Er scheiterte an der fehlenden Tonanlage. Im Gegensatz zu den Staatskünstlern. Der Streisand-Effekt im Theater.

Yello in der Wiener Stadthalle: Schweizer Kult-Band zum ersten Mal on Tour!

Was „Blue Monday“ für New Order oder „Fade to Grey“ für Visage, das war „Bostich“ für „Yello“. Ein Underground-Electronic-Track, der 1981 durch den US-DJ Frankie Crocker gepusht wurde und in die amerikanischen Black- und Dance-Charts schoss. Yello, abgeleitet von „a yelled hello“, waren damals noch zu dritt, und alle waren überrascht, dass hinter diesem Projekt keine schwarzen Avantgarde-DJ´s aus der Bronx steckten, sondern drei smarte Schweizer mit Faible für extravagante Töne, Video-Ästhetik und Aktivismus.

 

25 Jahre später präsentierten Dieter Meier und Boris Blank ihre Electro-Klassiker zum ersten Mal live, im Berliner Kraftwerk. Aufgrund der großen Resonanz wird auch eine Tour geplant, die die Zuricher auch in die Wiener Stadthalle führt. Allerdings nicht zu zweit mit einem Computer als Sound-Base, sondern mit einer kompletten Band. 

 

„Boris ist der Konzertmeister einer Live-Show mit 12 Musikern“, so Meier. Bläser, Gitarristen, Schlagzeuger, Percussionisten versetzen die Yello-Hits aus unglaublichen 40 Jahren in neue musikalische Sphären. Auch das 2016er-Album „Toy“, das in der Schweiz auf Platz 1 und in Deutschland auf Platz 2 kletterte, kommt nicht zu kurz. Im Mittelpunkt der Show steht der elegant gekleidete 72jährige (!) Frontman Dieter Meier, der mit seinen stakkato-artigen Verbal-Phrasen dem genialen elektronischen Sound von Boris Blank die letzte Würze verleiht. „It´s just a rush, push, cash“, Bostich, you know. 

 

Ausgezeichnet auch die Auswahl der weiblichen Stimmen der Yello-Tracks. Die aus Malawi stammende Jazzsängerin Malia tritt bei „The Rhythm Divine“ in die Rolle von Bond-Legende Shirley Bassey, interpretiert mit Meier „Starlight Scene“ und sorgt im Zugabenteil mit „Vicious Games“ für hippe New Wave-Stimmung. Die chinesische Sängerin und Performance-Künstlerin Fifi Rong, bereits Guest-Star auf „Toy“, lenkt mit „Kiss the Cloud“ und dem hypnotischen „Lost in Motion“ die Yello-Show in futuristische Bahnen. 

 

Die Video-Collagen im Hintergrund stammen übrigens alle von Meier & Blank, die stets auch ihre Videos selbst produzierten und sogar ihre Familienmitglieder miteinbezogen. So auch beim größten Hit der Elektronik-Zauberer, „The Race“, der in einer mehr als zehnminütigen Version den Abschluss der grandiosen Show bildete. Yello sind nach 40 Jahren Band-Karriere noch immer am Puls der Zeit, einmal nachmachen bitte!

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„Nacht gegen Armut“: Gogol Bordello grooven in der Arena für arme Familien und Kinder!

Laut einer aktuellen Statistik gilt Österreich als viertreichstes EU-Land. Nur Luxemburg, Irland und die Niederlande liegen beim BIP pro Kopf vor der Alpenrepublik. Insofern schockieren die Zahlen über die armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Menschen in Österreich.

 

18 Prozent der österreichischen Wohnbevölkerung oder 1.542.000 Menschen waren 2016 von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Unmittelbar armutsgefährdet sind 14 Prozent der Einwohner, die über weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens verfügen. Diese von der EU-definierte Schwelle unterschreitet in Österreich, wer in einem Einzelhaushalt einen Monat mit weniger als 1.185 Euro netto bestreiten muss. 592 Euro werden für jeden weiteren Erwachsenen im Haushalt addiert und 355 Euro für jedes Kind unter 14 Jahren.

 

Man braucht also keine Sekunde zu diskutieren, ob Veranstaltungen wie die „Nacht gegen Armut“ der Volkshilfe ihre Berechtigung haben. Das Benefiz-Event, dessen gesamter Reinerlös für die Spendenkampagne gegen Armut in Österreich überwiesen wird, fand dieses Jahr in der Wiener Arena statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von der FM4-Moderatorin (und „Maikäfer flieg“-Regisseurin) Mirjam Unger, die vor den Live-Acts auch den Direktor der Volkshilfe Österreich, Erich Fenninger, auf die Bühne bat. Dieser sprach sich entschieden gegen Kürzungen der Mindestsicherung für Flüchtlinge aus, die gegen jegliche Menschenwürde verstoßen und verstärkte Obdachlosigkeit und Kriminalität nach sich ziehen könnten.

 

„Borders are the Scars on the Face of the Planet“, ein Zitat aus einem Song der Headliner Gogol Bordello, passt da haargenau in dieses Narrativ. Vor der multikulturellen Combo von Eugene Hütz heizten bereits die Lucky Chops die ausverkaufte Arena ein. Dabei handelt es sich um eine im Jahr 2006 gegründete Brass-Formation aus New York, die zuerst in U-Bahnstationen spielte und durch dort gedrehte YouTube-Videos der Öffentlichkeit bekannt wurde. Vor allem die Coverversionen von Hits wie „Funky Town“ oder „I got you“ sind Garant für jede heiße Party. 

 

Dies gilt auch für Gogol Bordello, die 1999 ebenfalls in New York vom ukrainischen Immigranten Eugene Hütz gegründet wurden. Die Band ist klassisch „punk-besetzt“, mit Gesang, Schlagzeug, E-Gitarre und Bass, dazu Akkordeon, Geige und Percussion. Der Sound: Gypsy Punk, vermischt mit Latin- und Balkanrhythmen. Besondere Berühmtheit erhielten sie durch ihren „La isla bonita“-Auftritt mit Madonna beim „Live Earth“-Konzert. 

 

Das neueste Album von Gogol Bordello trägt ebenso wie die aktuelle Tour den Titel „Seekers and Finders“. Die 22 Tracks starke Set-List umfasst allerdings das gesamte zeitliche Repertoire der Band, von „Start Wearing Purple“ (1999), „Wonderlust King“ (2007) bis hin zu „Malandrino“ (2013) und dem neuen Hit „Walking on the Burning Coal“. 

 

„Am Ende unserer Konzerte kommen die Leute oft zu uns und sagen, sie waren frei von all dem Mist, den man sonst die ganze Zeit im Kopf hat.“ – so Eugene Hütz im Interview, der den Menschen die positiven Seiten unseres Universums näherbringen will. Mit dem Latin Stomper „Pala Tute“ verklangen zwar die letzten Töne des Künstlers, die Volkshilfe kann sich aber über viel Geld für arme Familien, Kinder und Behinderte freuen. Und hoffentlich auch über Respekt vor Menschen aus aller Welt, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind.

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Verfassungsexperten: Ohne Pro-Volksabstimmung kein Ausbau direkter Demokratie!

Die Schweiz gilt als Musterland direkter Demokratie. Dort werden auf allen gebietskörperschaftlichen Ebenen 4mal jährlich die Bürger zu den verschiedensten Themen befragt. Mittels sogenannter „Volksinitiativen“ können 100.000 Bürger Volksabstimmungen erzwingen, bereits 50.000 können ein Vetoreferendum über ein bereits vom Parlament beschlossenes Gesetz fordern. Auch in Italien fanden bereits 73 Volksabstimmungen statt. Rechtlich bindend sind diese aber nur, wenn ein Beteiligungsquorum von mehr als 50 Prozent vorliegt.

 

In Österreich sind die Formen direkter Demokratie bis dato eher spärlich entwickelt. Im B-VG unterscheidet man zwischen Volksbegehren, Volksabstimmungen und Volksbefragungen. 

 

Ein Volksbegehren muss von 100.000 Stimmberechtigten (bzw. je 1/6 der Stimmberechtigten dreier Länder) unterstützt werden, damit es im Parlament behandelt wird. Der Nationalrat hat also nur die Verpflichtung, über einen solchen Gesetzesantrag zu beraten und einen Bericht zu verfassen. Bisher wurden 39 Volksbegehren eingeleitet, 34 erreichten die nötige Unterstützungszahl.

 

Volksabstimmungen sind in Österreich rechtlich nur zulässig, wenn sie auf einem Gesetzesbeschluss des Nationalrates basieren. Liegt eine Gesamtänderung der Bundesverfassung vor, dann muss obligatorisch eine Volksabstimmung durchgeführt werden. So wie 1994, als die Österreicher sich mit einer 2/3-Mehrheit für den EU-Beitritt entschieden. Fakultativ kann eine Volksabstimmung angeordnet werden, wenn der Nationalrat dies beschließt. Die einzige Volksabstimmung, die auf diese Weise durchgeführt wurde, war jene über das Atomkraftwerk Zwentendorf im Jahr 1978.

 

Als dritte Form direkter Demokratie existiert in Österreich die Volksbefragung, die auf Antrag von 5 Mitgliedern des Nationalrates oder der Bundesregierung durch den Nationalrat beschlossen wird. Eine Volksbefragung ist rechtlich nicht bindend. Dies galt auch bei der bisher einzigen Befragung über die allgemeine Wehrpflicht. SPÖ und ÖVP erklärten aber, sich an das Ergebnis zu halten. 

 

Elemente der direkten Demokratie sind auch in den einzelnen Landesverfassungen vorgesehen, darunter auch einige Verfahren, die – verfassungsrechtlich problematisch - über jene des Bundes hinausreichen (wie Vetoreferenden in Niederösterreich oder Steiermark bzw. zwingende Volksabstimmungen nach erfolgreichen Volksbegehren). 

 

Man darf gespannt, ob und in welchem Ausmaß die direkte Demokratie in der laufenden Legislaturperiode erweitert wird. Kernpunkt ist die Abhaltung von verpflichtenden Volksabstimmungen über Themen, die durch ein Volksbegehren ausreichend unterstützt wurden. Hier reicht – je nach Ansicht der Parteien - die Bandbreite von 3 bis 10 % der Wahlberechtigten. Diskutiert wird auch über ein Mindest-Beteiligungsquorum bei den Volksabstimmungen. Wird dieses unterschritten, ist die Abstimmung – so wie in anderen EU-Staaten - nicht verbindlich. 

 

Im neuen Gesetzesentwurf sollte unabdingbar verankert werden, dass die Inhalte der Volksabstimmung nicht gegen Völker- und Europarecht bzw. gegen Grund- und Freiheitsrechte verstoßen und eine Diskriminierung von Minderheiten ausgeschlossen ist. Eine objektive Informationsbroschüre sollte wie in der Schweiz als Abstimmungsgrundlage dienen. 

 

Bevor die österreichischen Bürger aber unmittelbar in die Gesetzgebung eingreifen können, müssen sie erst darüber entscheiden, ob sie dieses Procedere überhaupt befürworten. Denn der Ausbau der direkten Demokratie ist nach der Judikatur des VfGH eine Gesamtänderung der Bundesverfassung und muss daher obligatorisch einer Volksabstimmung unterzogen werden.

"We are the Beautiful Ones" - Hurts im Wiener Gasometer!

„Don´t let go, never give up, it´s such a Wonderful Life“ - So lautete die leicht melancholisch angehauchte Hymne der Szene-Hipster im Jahr 2010. Wer vom Philosophieren genug hatte und lieber tanzen ging, switchte auf den groovigen Freemasons-Remix. Die Copyrights von „Wonderful Life“, die stammen von Hurts aus dem Fußball- und Sound-Mekka Manchester. 

 

Theo Hutchcraft und Adam Anderson waren lange arbeitslos und hielten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, vor dem Arbeitsamt allerdings tauchten sie immer im Anzug auf. Eine Styling-Trademark, die sie auf der Bühne beibehielten. Im Rahmen ihrer „Desire“-Europa-Tour statteten Hurts auch Wien wieder einen Besuch ab. 

 

Und obwohl die aktuellen Songs nicht auf den vordersten Hit-Listen der Charts rangieren, konnten Hurts und ihre Begleitband die einheimischen Fans von der ersten Sekunde an begeistern. Sozusagen „Ready 2 Go“, Opener und einer der Favourites des neuen Albums „Desire“. Dies gilt auch für „Some Kind of Heaven“, dem Single-Hit ihres dritten Albums „Surrender“. Zu hören gibt es beim Wien-Konzert Tracks aus allen vier bisher erschienenen Alben. Das musikalische Repertoire von Hurts ist lokalisiert irgendwo zwischen Depeche Mode, Erasure und New Order, aufgepeppt mit flotten Disco-Beats, teils auch mit kitschigem Pathos. Live klingen die Hurts-Tracks allerdings weniger konservenhaft, auch ruhigere Tracks wie „Sandman“ oder „Lights“ reißen das Publikum mit, Sänger Hutchcraft mit seinen zahlreichen „Hello Vienna“-Ansagen sowieso.

 

Im letzten Viertel des Konzerts präsentieren Hurts ihre großen Hits: „Wonderful Life“, „Nothing will be bigger than us“, die Queer-Hymne des St. Christopher Street Days, „The Beautiful Ones“ (bei der die Fans frenetisch mitsingen) und als Final Track das besinnliche „Stay“. Auf „Under Control“ (ihrem Nr. 1-Hit mit den House-Produzenten Alesso und Calvin Harris) musste man leider vergeblich warten. Das läuft aber ohnehin im Ushuaia Ibiza.

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Wie einst in den grungigen 90ern: Selig mit neuem Album „Kashmir Karma“ im Flex!

Es war einmal eine Zeit, hin- und hergerissen zwischen Hedonismus und Depression, als fünf Jungs aus Hamburg die Band Selig gründeten. Das erste Album erschien kurz vor dem Selbstmord des Alternative-Helden Kurt Cobain, trotzdem oder gerade vielleicht deswegen trafen der charismatische Sänger Jan Plewka und seine Band den Puls der Zeit. Mit lasziv-hypnotischen Hymnen wie „Ohne dich“ und „Sie hat geschrien heut Nacht“ und einem Sound irgendwo zwischen Grunge, Doors und US-Garage Rock, Selig nannten ihn selbst „Hippie Metal“. Auch die VIVA-MTV-Generation war von ihren an den Grenze der Zensur watenden Videos begeistert, „Wenn ich wollte“ gewann sogar den Echo 1995. Nach der dritten, eher pop-lastigen CD „Blender“ (1997) war plötzlich Schluss: Tour-Stress, Streitigkeiten, die Chemie passte zwischen den eng aneinander geschweissten Bandmitgliedern nicht mehr. Keiner hätte damals eine deutsche Mark auf eine Reunion von Selig gewettet.

 

2008 geschah allerdings das Wunder, Selig waren wieder da, und das sogar in Originalbesetzung. 9 Jahre später stellten sie im Wiener Kult-Club Flex ihr neues Album „Kashmir Karma“ vor, aufgenommen in einer weit abgelegenen schwedischen Hütte. Sänger Jan Plewka ist auch 24 Jahre nach der Erstgründung noch immer der mitreißende Bühnenstar, egal ob bei Klassikern wie „Ist es wichtig“ oder neuen Stimmungshits wie „Alles ist nix, wenn du nicht da bist!“ Von der Band gar nicht zu sprechen: Bassist Leo Schmidthals, Gitarrist Christian Neander und Drummer Stephan Eggert liefern astreinen Rock-Sound mit zahlreichen Soli, erprobt durch jahrelange Bühnenerfahrung bei Festivals, Stadthallen oder Regionalschuppen. Nicht mehr dabei ist Keyboarder Malte Neumann, der Sound hat sich dadurch vom Electronic-Pop des „Magma“-Albums wieder mehr entwickelt zum originären Selig-Style der 90er. 

 

Psychedelisch angehaucht sind vor allem der Titeltrack des neuen Albums und der Konzert-Opener „Unsterblich“, mit Zeilen wie „Ich fühle mich unsterblich. Zeit ist ein Raum. Die Welt ist ein Traum.“ Die Ballade „Wintertag“ wurde an einem Tag produziert und zählt zu den gefühlvollen Highlights jedes Gigs. Politische Messages stehen nicht im unmittelbaren Mittelpunkt der Selig-Songs. Die liefert Sänger Plewka mit seinen Kurz-Ansagen an das Publikum. Mit heftiger Kritik an die „wenigen da oben“, die mit ihren Entscheidungen nur Ungerechtigkeit und Hass entfachen und einem Appell an die „Mehrheit da unten“, sich dagegen zu stemmen. Trifft zumindest auf das Konzert-Publikum zu, ob auch auf die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung, ist nach den letzten Wahlen eher anzuzweifeln.

 

Ansonsten ist heiße Party-Stimmung angesagt, zu Tracks wie „Nimm mich so wie du bist“, „Lebenselixir“ und „Schau, schau“, und da steht Plewka schon mal ohne T-Shirt da. Mit einem witzigen Seitenhieb auf „unseren“ Marco Michael Wanda: „Hier ist es so heiß. Jetzt ist mir klar, warum der von Wanda immer nackt auf der Bühne herumhüpft.“

 

Nach „Wir werden uns wiedersehn“ verabschieden sich Selig von ihren Wiener Fans. Und kommen kongenial wieder mit drei Zugaben, einem Block ihrer Breakthrough-Hits aus dem ersten Album („Sie hat geschrien“, „Wenn ich wollte“, „Ohne dich“), „Kashmir Karma“ und einem Akustik-Abschied mit „Regenbogenleicht“. Und dem subtilen Wink, positiv in die Zukunft zu schauen. Trotz aller Widrigkeiten.

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Gesetzliche Inflationsanpassung: Gerichtsgebühren in Österreich schon wieder gestiegen!

Wie soll jemand sein Recht durchsetzen, wenn er bereits zuvor durch die hohen Gebühren davon abgeschreckt wird? Österreich ist das einzige Land Europas, in dem die Einnahmen den Aufwand der Gerichte übersteigen. 

 

Laut einer Europaratsstudie von 2014 decken die Gerichtsgebühren das Justizbudget zu 111 (!) Prozent, der EU-Schnitt beträgt nur 23 Prozent. Ein Teil der Gerichtseinnahmen fließt also in die allgemeine Verwaltung.

 

Kritik kommt auch von der Rechtsanwaltskammer im aktuellen Tätigkeitsbericht. Und das sogar aus aktuellem Anlass. Denn erst am 1. August 2017 wurden die Gerichtsgebühren wieder erhöht. Grund ist der § 31a GGG, der vorsieht, dass die Gebühren an den Verbraucherpreisindex angepasst werden müssen, wenn sich dieser um fünf Prozent geändert hat. 

 

Die RAK fordert – neben einer Deckelung der Gerichtsgebühren bei hohen Streitwerten – eine Abschaffung dieses Automatismus. Weitere Gebührenerhöhungen wie bisher sind für den Bürger nicht mehr zumutbar. So kostete 2002 ein Antrag auf einvernehmliche Scheidung nach § 55a Ehegesetz noch 159 Euro, heute bereits 293 Euro. Mehr als verdreifacht haben sich die Gebühren für Privatanklagen. Sie stiegen in den letzten 5 Jahren von 82 auf 269 Euro.

 

Diverse Gebührensenkungen im Rechtsmittel- bzw. in familien- und arbeitsrechtlichen Verfahren sind da nur ein Tröpfchen auf dem heißen Stein. Der neue Justizminister hat die wichtige Aufgabe, die Inflationsanpassung der Gebühren zu beseitigen und eine allgemeine Gebührenreduzierung vorzunehmen. Ansonsten haben finanziell weniger begüterte Bürger von vornherein einen Startnachteil vor dem Gesetz.

"Gibt´s ein Leben vor dem Tod?" - Boris Bukowski mit neuem Album in der Szene Wien!

„Gibt´s ein Leben vor dem Tod?“ – Keine philosophische Vorlesung auf der Universität Wien, sondern das neue 7. Album der Austropop-Legende Boris Bukowski. Beantworten muss der ewig junge 51jährige (plus ein paar Jährchen dazugerechnet) diese Frage nicht. Das zeigt schon sein mitreißender Auftritt in der Szene Wien gemeinsam mit seiner Live Band „Die bunten Hunde“. 

 

Bukowski war in den 70ern zuerst Schlagzeuger, dann Sänger der Band Magic, die zwar nicht den großen kommerziellen Durchbruch schaffte, aber für enorme Aufbruchsstimmung in der steirischen Musikszene sorgte. Daneben widmete sich der Sohn eines Rechtsanwalts auch dem Jus-Studium, das er erfolgreich mit dem Doctor iuris abschloss. Sein erstes Solo-Album veröffentlichte er 1985, das u.a. seinen Kult-Hit „Der Fritze mit der Spritze“ enthielt und ihm gleich eine Pop-Amadeus-Nominierung einbrachte.

 

Bei seinen Live-Gigs haben je zur Hälfte sowohl neue als auch „Songs des alten Jahrtausends“ Platz auf der Set-List. In der Szene Wien startete er mit seiner neuen Single „Money“ und dem Uptempo-Track „Achterbahn. Die Produktion modern und schnittig, man merkt die Einflüsse des Depeche Mode-Drummers Christoph Eigner. Vom ultimativen Klassiker „Kokain“ liefert Bukowski im 1. Teil der Show einen düster-angehauchten Remix. Sozusagen hart und weich zugleich, ein weiterer Hit aus den 80ern. Ein besonderes Highlight jeder Boris-Show ist auch der Danzer-Song „Weiße Pferde“, der in den 90ern auch auf einem Tribute-Album veröffentlicht wurde.

 

„Kunst ist Leben, und Leben ist Kunst. Wir alle sind Künstler, und die Welt gehört uns“ – Ein neuer Song von Bukowski, der an ein Zitat des Künstlers Joseph Beuys angelehnt ist, begeistert das Publikum im 2. Teil der Show. Ebenso wie das urban-kritische „Die Stadt“ und der melancholisch-nachdenkliche Track „Komm und tanz mit mir, bis die Musik aufhört zu spielen“. Es folgt „Trag meine Liebe wie einen Mantel“, der größte Single-Hit von Bukowski Anfang 1990, als Ö3 noch die österreichische Musikszene unterstützte und das seelenlose Formatradio der Jetztzeit – das Bukowski heftig kritisiert – noch einige Jahre entfernt war. 

 

Bukowski stand zu dieser Zeit knapp vor dem Durchbruch in Deutschland, die Promotion-Kampagne inklusive Remix-Best of-Album war fertig, als plötzlich der zuständige Manager der Plattenfirma in eine andere Abteilung versetzt wurde und die Anstrengungen umsonst waren. Dem Vollblutmusiker und positiven Lebensmenschen Boris Bukowski hat dies persönlich zumindest nach außen nicht geschadet. 

 

In der Szene Wien versetzte er die Fans mit dem Titel-Track seines neuen Albums und mit der „Kokain“-Originalversion noch in einen finalen Schlusstaumel, dann signierte er noch stundenlang CD´s und Bücher außerhalb des Bühnenareals. Vielleicht sieht man ihn ja wieder nächstes Jahr beim Wiener Donauinselfest, wie einst in den 80ern!

Buch Wien 2017: Auf den Spuren von Klimt und dem Kaffeehaus!

Die diesjährige Buch Wien kann sich über einen Rekordandrang freuen. Insgesamt 48.500 Besucher frequentierten die Wiener Buchmesse und ihre 451 Einzel-Veranstaltungen, ein Zuwachs von 5.500 zum Vorjahr.

 

Auch der Waldviertler Schriftsteller Thomas Sautner nutzte die Gelegenheit, sein neues Buch „Das Mädchen an der Grenze“ vorzustellen. Selbst in Gmünd geboren spielt auch die mysteriöse Handlung seines Romans in dieser Gegend, im Umfeld eines Zollhauses an der tschechischen Grenze. Wir schreiben 1988, 1 Jahr vor dem Grenzfall. Das Mädchen Malina – der Konnex zu Ingeborg Bachmann scheint nicht unbegründet – nimmt Dinge wahr, die sonst niemand erkennt, und wird deshalb für verrückt gehalten. Ein kluger Schachzug des Autors, persönliche und metaphysische Grenzen mit dem Wegfall der staatlichen und politischen Barrieren zu verbinden. Eine kurze Lesung durch den seit 2006 schreibenden Autor („Fuchserde“) löste bereits Begeistern beim Publikum aus.

 

Am 6. Februar 1918 wird der 100. Todestag von Jugendstil-Ikone Gustav Klimt zelebriert. Grund genug, für den Autor Gregor Auenhammer, sich investigativ durch Wien zu bewegen und das private und berufliche Leben Klimts nachzuzeichnen. In Schulen, geheimen Wohnungen, ehemaligen Bädern (wie dem Kaiserbründl) oder in Ateliers. Entdeckungen gibt es zur Genüge: Klimt war nicht nur ein künstlerischer Avantgardist und Provokateur, sondern auch ein Liebling der Frauen mit insgesamt 6 Kindern. „Auf den Spuren von Gustav Klimt: Spaziergänge durch Wien“, die man auch in der Realität per pedes nachverfolgen kann.

 

Ähnlich wie Sepp Dreissingers Verneigung vor DER Wiener Institution. In seinem umfangreichen Foto-Schmöker „Im Kaffeehaus“ erfährt man, wo Fräulein Sargnagel gerne ein paar Bier kippt (im Cafe Weidinger) oder Andre Heller sich weiterbildete, in seiner Universität, dem legendären Hawelka. Kritik an der Smartphonisierung mancher New Cafes darf vom renommierten Fotografen und Filmemacher Dreissinger nicht ausbleiben. Das Fazit allerdings ist eindeutig: „Bevor das Kaffeehaus ausstirbt, sterben wir aus!“

 

Lebensweisheiten hatte bei der Buch Wien auch ORF-Journalistin Barbara Stöckl anzubieten. „Was wirklich zählt“ heißt ihr neues Buch, das sich mit den positiven Seiten und den kleinen Momenten des Lebens beschäftigt. Ein Schritt zurück in einer ansonsten immer komplexeren Welt. Stöckl bei der Präsentation: „Man soll jeden Tag Resümee ziehen und am Abend kurz darüber nachdenken, „was heute gut war“. Das kann durchaus auch ein Buchkauf sein, an guter Auswahl mangelt es nicht. 

Buch Wien 2017: Sachbücher über Krieg, Flucht und EU als Publikumshits!

„Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene“. Die Basis dafür bieten zahlreiche Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt, die auf der diesjährigen Buch Wien im Messegelände 5 Tage lang präsentiert wurden. 

 

Zum bereits 10. Mal findet 2017 die Wiener Buchmesse statt. 381 Autoren und Autorinnen nützten die Gelegenheit, auf 8 Messebühnen und in 32 verschiedenen Locations ihre Werke vorzustellen. Neben der Unterhaltungsliteratur standen vor dem 100. Jubiläumsjahr der Ausrufung der 1. Republik politische Sachbücher zur Zeitspanne von 1918 bis 1945 im Mittelpunkt.

 

Politikwissenschaftler Anton Pelinka bezeichnet diese Ära in seinem Buchtitel nicht untreffend als „gescheiterte Republik“. ORF-Journalist Gerhard Jelinek bezieht sich in seinem Buch „Es gab nie einen schöneren März“ auf die letzten 30 Tage vor dem Einmarsch Adolf Hitlers und verquickt historische Fakten mit spannenden persönlichen Gesprächen. Fast vergriffen ist bereits die erste Auflage des Kurt Bauer-Buchs „Die dunklen Jahre – Alltag im nationalsozialistischen Österreich 1938-1945“. Auch hier dienen Tagebücher, Briefe und Autobiografien als Grundlage für einen ambivalenten Blick auf das Gefühlsleben der Österreicher nach dem Anschluss, zwischen Hoffnung auf einen Wirtschaftsaufschwung und bitterem Entsetzen über den aufkeimenden Antisemitismus.

 

„Rosen für den Mörder, Hohn für die Opfer“ stand einst auf Plakaten von Wiener Demonstranten, die gegen den skandalösen Freispruch des SS-Schlächters Franz Murer 1963 protestierten. Der erste Satzteil ist gleichzeitig der Titel der Täter-Biografie von Johannes Sachslehner, der zugrundeliegende Real-Plot löste bereits bei der Präsentation auf der ORF-Bühne Beklemmen bei den Zuhörern aus.

 

Erschreckend auch, dass es im 21. Jahrhundert noch immer Menschen gibt, die in der Nazi-Ideologie verhangen sind. Heidi Benneckenstein erzählt in ihrem Buch „Ein deutsches Mädchen“ von solchen Menschen, von ihrer eigenen Familie, die sie in Hitler-Jugend ähnlichen Lagern aufgezogen hat. Mitten in Deutschland. Im Interview erzählt die heutige Erzieherin auf der Buchmesse, mit welchen Tricks sie und ihr Freund den Ausstieg aus der rechten Szene geschafft haben.

 

Das schafft Hoffnung für die Zukunft. Ebenso wie Bücher, die sich mit dem Thema Flucht beschäftigen. „Jeder kann zum Flüchtling werden. Heute sind es die Syrer und Afghanen, früher waren es die jüdischen Schriftsteller, Journalisten und Wissenschaftler“, so der Profil-Journalist Herbert Lackner. In seinem Buch „Die Flucht der Dichter und Denker“ beschreibt er die abenteuerlichen Fluchtwege bekannter Österreicher wie Karl Farkas, Stefan Zweig oder Hannah Arendt, die teils auf geheimen Pfaden über die Pyrenäen flüchteten und mit amerikanischer Hilfe das letzte Schiff Richtung Freiheit erreichten.

 

Noch weiter zurück geht der bekannte deutsche Historiker Philipp Ther in seinem Buch „Die Außenseiter“, das die Flüchtlingsszenarien der letzten Jahrhunderte in Europa penibel aufarbeitet. Im Interview mit Günther Kaindlsdorfer liefert er auch einen Lösungsvorschlag für die heutige Politik: Die Botschaft „Integriert euch“ an die Migranten ist zu wenig, man müsse als moderne Gesellschaft auch authentische Ansprechpartner für die Flüchtlinge bereitstellen, die sich um deren Angelegenheiten an oberster Stelle kümmern. Ausgestattet mit entsprechenden Kompetenzen und nicht nur als „Alibi-Funktionär“ ohne Durchsetzungskraft.

 

Klare Worte spricht auch die ehemalige Außenministerin und EU-Kommissarin Benito Ferrero-Waldner in einer spannenden Podiumsdiskussion anhand ihres neuen Buches  „Zukunft Europas – Wen begeistert Europa heute noch?“ Sie fordert nicht nur eine Aufteilung der Asylwerber nach objektiven Kriterien auf alle EU-Mitgliedstaaten, sondern auch eine Solidarunion und eine verstärkte Zusammenarbeit in Sicherheits- und Verteidigungsfragen. Also eine EU, die sich weiter in Richtung Solidargemeinschaft gegen nationalistische Strömungen wendet. Ob sich die nächste Bundesregierung dies zu Herzen nimmt?

Winter im MQ: Hip Hop-Beats von SK Invitational bei der Opening-Party.

"Kunstgenuss und Lebensfreude", das sind Attribute, für die das Museumsquartier in Wien steht. So der MQ-Direktor Christian Strasser bei der Eröffnung der neuen "Winterlandschaft" im Hof-Areal. 

 

Die Eispavillons wurden nach 7 Jahren durch sogenannte "MQbis" ersetzt, die vom innovativen Architektenteam Verdandi konzipiert wurden. Erleuchtet werden die sieben Häuschen durch LED-Würfel an der Decke. Barkeeper servieren dort nicht nur Glühwein, Punsch oder Bio-Bier, sondern auch zahlreiche Food-Spezialitäten.

 

Beim MQ-Opening begrüßte der FM4-Moderator Stuart Freeman den Komponisten Stephan Kondert auf der Showbühne.  Der gebürtige Salzburger lebt seit einigen Jahren in New York und sorgte danach mit seiner 16köpfigen Band SK Invitational und diversen Gastrappern für groovige Hip-Hop-R&B-Beats.

 

Neben DJ Sounds sind auch weitere Live-Acts im Museums-Winterquartier geplant. So zum Beispiel am 6. Dezember, wenn in Kooperation mit der Universität für Musik und darstellende Kunst zum ersten Mal klassische Musik auf dem Programm steht.

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Fremdenrechtsänderungsgesetz: Novellen-Chaos statt Neukodifikation!

Und täglich grüßt das Murmeltier. Sollte es sich um einen Fremden handeln, dann vermutlich noch öfter. Am 1. November ist eine weitere Fremdenrechts-Novelle in Kraft getreten: Das sogenannte Fremdenrechtsänderungsgesetz, bestehend aus 25 (!) Bundesgesetzblatt-Seiten, das nach einer parlamentsinternen Panne zweimal im Nationalrat beschlossen werden musste. Der Kern des Pakets: Rigide Ortsbeschränkungen für Asylwerber und neue Verwaltungsstrafbestimmungen mit enorm hohen Strafen, die vermutlich die österreichische Seele vor der Nationalatswahl beruhigen sollten.

 

Asylwerber dürfen ab sofort ihren Wohnsitz nicht mehr außerhalb des Bundeslandes begründen, das ihnen Grundversorgung gewährt. Außerdem kann einem Asylwerber nach Zulassung zum Verfahren aus öffentlichen Interessen aufgetragen werden, in einem bestimmten Quartier durchgängig Unterkunft zu nehmen. Als Kriterium gilt u.a. die Mitwirkungsverpflichtung des Asylwerbers am Verfahren. Nicht die einzige „Kann“-Bestimmung, die den Ermessensspielraum der zuständigen Behörden vor neue Herausforderungen stellen wird.

 

Ein Verfahren zur Aberkennung von Asyl soll künftig nicht erst bei einer rechtskräftigen Verurteilung, sondern bereits bei Anklageerhebung eingeleitet werden. Für den Abschluss des Aberkennungsverfahrens muss aber weiterhin die Rechtskraft im Strafverfahren abgewartet werden. Der Unschuldsvermutung sei Dank.

 

Ein zur Ausreise verpflichteter Fremder, der über kein Reisedokument verfügt, soll jetzt selbst (!) die notwendigen Pässe und Zertifikate bei den ausländischen Behörden einholen und seine Anstrengungen dem Bundesamt für Fremdenwesen gegenüber nachweisen. Das wird spannend, scheitert doch der Staat zumeist selbst an der Beschaffung der notwendigen Dokumente. 

 

Fremde, gegen die eine Rückkehrentscheidung rechtskräftig erlassen wurde, können auch in eigenen Betreuungseinrichtungen des Bundes untergebracht werden. Derzeit sind mindestens drei österreichweit geplant, in Fieberbrunn (Bezirk Kitzbühel), Krumfelden (Kärnten) und Steinhaus am Semmering (Steiermark).

 

Den intellektuellen Höhepunkt der Novelle bieten aber die neuen Verwaltungsstrafbestimmungen für Fremde, die nicht rechtzeitig ausgereist bzw. trotz Verbot unrechtmäßig eingereist sind. Hier drohen Geldstrafen in der Höhe von 5000 bis 15000 Euro. Wer diese im Gepäck hat, reist vermutlich auf eine spanische oder griechische Urlaubsinsel. In der Praxis heißt dies allerdings, dass Ersatzfreiheitsstrafen verhängt werden müssen.

 

Für die neue Bundesregierung zählt das Fremdenrecht – nicht nur aufgrund der übersteigerten Erwartungen der Bevölkerung – zu den wichtigsten und auch brisantesten Materien ihrer zukünftigen politischen Arbeit. Die nationale Grenzsicherung ist sicherzustellen, Asylverfahren sind zu beschleunigen, und natürlich müssen endlich auch Rückführungsabkommen mit jenen Staaten abgeschlossen werden, aus denen der Großteil der Flüchtlinge stammt. 

 

Unabdingbar ist auch eine Neukodifikation des Fremdenrechts. Die derzeitigen Vorschriften (mit ihren zahllosen Novellen und Übergangsbestimmungen) durchschauen nicht einmal gewiefte Experten, geschweige denn Hilfesuchende. Dass deren verfassungsmäßigen Grund- und Freiheitsrechte eingehalten werden müssen, steht außer Zweifel.

Virtual Reality: 12.000 Fans beim ersten Auftritt der Gorillaz in Österreich!

Es war eine revolutionäre Idee, die in London noch im alten Jahrtausend entstand: Die Gründung einer virtuellen Band, bestehend aus 4 extravaganten Cartoon-Figuren. Die Protagonisten: Ex-Blur-Sänger Damon Albarn und der Comic-Zeichner Jamie Hewlett, bekannt durch seine "Tank Girl"-Karikaturen. Es entstanden die Gorillaz: 2-D mit blauem Haarschopf, Bassist Murdoc, Hip Hopper und Percussionist Russell und die 10jährige japanische Gitarristin Osaka. Das erste Album wurde ein Riesen-Hit mit über 7 Millionen Verkäufen, die chillige Cross-Over-Single „Clint Eastwood“ zum Klassiker.

 

16 Jahre später beehrten die Gorillaz zum ersten Mal Österreich, im Rahmen ihrer weltweiten „Humanz“-Tour. 12.000 Fans warteteten sehnsüchtig auf den lang erwarteten Auftritt und wurden nicht enttäuscht. Was verblüfft: Spielte die analoge Band bei ihren ersten Konzerten noch verdeckt hinter einer Leinwand und standen dementsprechend die skurrilen Figuren im Mittelpunkt, so ist dies bei der aktuellen Tour umgekehrt. Im Background erscheinen zwar auf den Screens zahllose Visuals und die kultigen Clips der Cartoon-Stars (inkl. Bruce Willis in „Stylo“), das Konzert pulsiert aber durch die ausgezeichnete Band, Frontman Damon Albarn und die wechselnden Gast-Sänger. 

 

So erleben die kultigen Alt-Stars von De La Soul („Me Myself I“) bei den Gorillaz einen zweiten Frühling – mit Hip Hop Rhymes zum Mega-Party-Hit „Feel Good Inc“ und „Superfast Jellyfish“. Vor dem großen Karriere-Durchbruch dürfte die vielseitige Londoner Rapperin Little Simz stehen, die bereits das Vorprogramm bestritt. „Garage Palace“, ihr brandneues „Duett“ mit den Gorillaz, läutete endgültig den globalen Dance-Groove in der Stadthalle ein. „We got the Power“ vor dem Zugabenteil detto. 

 

Und Simbiatu Ajikawo, so ihr ursprünglicher Name, ist vielleicht das wichtigste politische Zeichen der World Tour. Die Tochter nigeranischer Einwanderer wuchs arm in einem Flüchtlingsheim in Nord-London auf und zeigt heute authentisch, was Migranten trotz widrigster Umstände mit Fleiß, Kreativität und Durchsetzungswillen erreichen können. 

 

Die Gorillaz-Show selbst verzichtet großteils auf Polit-Agitation und ist wie das aktuelle Album auf Party ausgerichtet, für Albarn kein Widerspruch. In einer Welt, in der ein Trump Präsident werden kann, „ist das Wort Party eine Metapher für Energie – und die brauchen wir!“

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Privatkonkurs-Novelle in Kraft: Mindestquote im Abschöpfungsverfahren gestrichen!

Mit 1. November tritt eine Reform des Privatkonkurses in Kraft, der vor allem Schuldnern mit niedrigem Einkommen und Menschen mit hohen Schulden (wie gescheiterten Selbständigen) Erleichterungen bringt.

 

Grundlage ist das sogenannte Insolvenzrechtsänderungsgesetz, das Ende Juni 2017 mit breiter Mehrheit im Nationalrat beschlossen wurde. Die Änderungen betreffen vor allem das Abschöpfungsverfahren, das dann eingeleitet wird, wenn der Zahlungsplan scheitert. Beim Zahlungsplan selbst gibt es keine Änderungen: Dieser wird weiterhin mit Mehrheit der Gläubiger beschlossen. Der Schuldner selbst muss den Gläubigern so viel an monatlicher Rückzahlung anbieten, wie in den nächsten fünf Jahren vom Einkommen pfändbar sein wird. Eine Untergrenze besteht nicht.

 

Beim Abschöpfungsverfahren als letzter Stufe des Privatkonkurses wurde bis dato eine Mindestquote von 10 %  der Schulden fixiert. Diese wird mit 1. November komplett gestrichen. Außerdem wird die Abschöpfungsfrist, innerhalb derer der Schuldner bis aufs Existenzminimum (889 Euro) gepfändet wird, von 7 auf 5 Jahre verkürzt. Danach erfolgt bei Vorliegen aller Voraussetzungen die Restschuldbefreiung.

 

Ein sofortiger Einstieg in das Abschöpfungsverfahren - ohne Angebot zum Zahlungsplan - ist dann möglich, wenn das Einkommen unter oder nur geringfügig über dem Existenzminimum liegt. Hat jemand kein pfändbares Einkommen, dann muss sich der Schuldner um eine angemessene Erwerbstätigkeit bemühen und dies auch dem Gericht nachweisen.

 

Über die Auswirkungen der Novelle sind sich die Experten und Interessengruppen uneinig. Gläubigerschutzverbände befürchten, dass die Privatkonkurse stark steigen werden und die Gläubiger um ihre Forderungen umfallen werden. Anders die Schuldnerberatungen, die dadurch wieder Hoffnung für ansonsten aussichtslose Fälle sehen. Verwiesen wird dabei auch auf die  europäischen Tendenzen: Eine Mindestquote ist nur mehr in Tschechien vorgesehen, auch die Entschuldungsdauer liegt international meistens zwischen 3 und 5 Jahren.

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BGBLA_2017_I_122 - Insolvenzrechtsänderu
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"Herminengasse" - Ein Holocaust-Mahnmal in der U-Bahnstation Schottenring!

Auf den ersten Blick denkt man an eine innovative Bleistiftzeichnung eines Jung-Künstlers oder an extravagante Brainstorming-Ideen eines Architekten. Tatsächlich steckt hinter dem Projekt im untersten Stockwerk der U-Bahn-Station Schottenring, am linken Donaukanal, eines der düstersten und grauenvollsten Vorfälle der nationalsozialistischen Kriegsherrschaft.

 

In den Jahren 1938 bis 1945 wurden nachweislich 800 Juden und Jüdinnen, die in der Herminengasse lebten, von den Nazis deportiert. Jener Durchgang, in dem die künstlerische Installation eingerichtet wurde, führt genau in diese Gasse des 2. Wiener Gemeindebezirks Leopoldstadt, in dem fast 60.000 uden lebten. Die Idee stammt von der deutschen Künstlerin und Sängerin Michaela Melian, die sich bereits bei ihren Werken "Memory Loops" und "Föhrenwald" mit dem Nationalsozialismus beschäftigte. Die traurigen Fakten wurden von der Historikerin Tina Walzer recherchiert.

 

Die 21 Häuser der Herminengasse, die teils in jüdischem Besitz waren und enteignet wurden, teils auch als Sammelquartiere verwendet wurden, werden von Melian als diagrammatische Informationsbalken dargestellt. 1322 jüdische Menschen lebten damals in diesen Häusern, 800 davon wurden in Konzentrationslagern ermordet. Das grausame Schicksal dieser Menschen wird veranschaulicht durch Linien zwischen den Balken und den am Rand namentlich angeführten Vernichtungslagern. 

 

"Immer wieder packt mich dasselbe Grauen, wenn ich durch eine Unterführung gehe", so der Stadtentwicklungskritiker Siegfried Kracauer im Berlin der 60er. Grauen zu erwecken ist allerdings zuwenig. Die Intention liegt darin, dass solche Vorfälle nie mehr passieren dürfen. Und das soll jeder, der diese Passage durchschreitet, beherzigen und sich vehement aktiv gegen minderheitenfeindliche Initiativen einsetzen. Auch wenn er gerade das Bierchen für das Donaukanaltreiben öffnet, die Studienunterlagen durchblättert oder seinen neuen Lieblingssong auf dem Handy hört.

Weltmuseum-Neueröffnung: Andre Heller konzipiert World Music Show auf dem Heldenplatz!

"Fremd ist der Fremde nur in der Fremde" - Ein Spruch von Karl Valentin, der auch heute noch seine Gültigkeit hat. Abgebaut werden kann das Gefühl der Fremde dadurch, dass man sich auf neue Situationen, Eindrücke und Kulturen einlässt und diese in sein persönliches Leitbild integriert. Ähnliche Gedanken dürften auch Andre Heller zur Eröffnung für das Weltmuseum am Heldenplatz inspiriert haben.

 

In einer zweistündigen Show gaben sich die verschiedensten Kulturen und Völker ein Stelldichein: Australischer Didgeridoo-Sound von Koomurri, indische Hip Hopper, mexikanische Feuertänze, afrikanische Drums, das Puppet Theatre Academy of Bratislava mit überlebensgrößen Vögel-Apparaturen oder das mongolische Trio Violons Barbares mit seltenen Instrumenten wie der 14saitigen Gadulka. Zwischen den Auftritten wurde es poetisch, emotional vorgetragen von Adele Neuhauser. Die Moderation übernahm Christoph Wagner-Trenkwitz, der nicht nur den Kurator Andre Heller, sondern auch Bundespräsident Alexander van der Bellen auf die Bühne holte. Das Finale läutete das geniale österreichische Bläserensemble Federspiel ein, bei dem noch einmal alle Künstler für ein Abschluss-Furioso sorgten.

 

Danach wurde das 3900 m2 große Weltmuseum, das innerhalb der letzten 3 Jahre aus dem Völkerkundemuseum konvertierte, zum ersten Mal für die Öffentlichkeit freigegeben. Ca. 3000 internationale Objekte in 14 Sälen warten dort auf die Besucher, darunter eine einzigartige James Cook-Sammlung oder viele Mitbringsel von den Reisen Franz Ferdinands. Als Kult-Objekt gilt die 500 Jahre alte Federkopfkrone, bei der sich die eingeladenen mexikanischen Apachen zu einem wahren Freudentanz hinreißen ließen :-)

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Auf dem Sprungbrett nach Europa: Leyya im ausverkauften Wiener WUK!

Draußen werden die Temperaturen kälter, aber "hier ist der Sommer eingekehrt". So die grandiose Leadsängerin von Leyya, Sophie Lindinger, die sich über ein ausverkauftes Wiener WUK freute. Vorwiegend frequentiert von urbanen Musikfans zwischen 20 und 30.

 

Die Karriere von Leyya, ursprünglich bestehend aus Lindinger und dem in mehreren Formationen agierenden Marco Kleebauer, begann 2013 im oberösterreichischen Eferding. Der Bandname stammt aus dem Inuktitut und bedeutet dort "Vermarktungsstrategie". Und die ist - abgesehen von den internationalen Vibes - wirklich nicht schlecht. Popfest-Auftritte vorerst auf dem Second Floor, dann als Headliner, dazu Amadeus-Award Nominierungen. Bis es 2017 mit dem FM4-Award klappte.

 

Tatsächlich ist die Karriere von Leyya allerdings auf das Ausland ausgerichtet. Der Sound: Elektronisch-düster-sexy im Stil von Florence&The Machine und Portishead. Die Auftritte mit verstärkter Band rockiger und grooviger als die Studio-Tapes. Nach der EP "Drowning in Youth" und dem ersten Album "Spanish Disco" erscheint in den nächsten Monaten ihr zweites Album, einige Stücke (wie die neue Single "Oh Wow") wurden auch im WUK bei großem Applaus präsentiert. Neben Leyyas Synthi-Pop-Klassiker "Superego", dem fragilen "Zoo" oder Sophies Favourite "Worthy". Als Zugabe die auch cliptechnisch bekannten Tracks "Wolves" und "Butter".

 

Und während sich die begeisterten Fans noch im WUK-Außenbereich einen Drink in der lauen Herbstnacht gönnten, rüstete sich die festivalerprobte Band für ihre Club-Tournee in Deutschland, darunter auch ein Gig in der Berliner Berghain-Kantine. Die Zeichen stehen gut für Leyya.

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Parlaments-Bilanz 2013-2017: 469 Gesetzesbeschlüsse, davon 28 % einstimmig!

Die Nationalratswahl ist geschlagen. Die nächste Nationalratssitzung am 9. November ist bereits die konstituierende, bei der die neuen Abgeordneten angelobt und die drei Nationalratspräsidenten gewählt werden. Es kann daher Bilanz über die abgelaufene Gesetzgebungsperiode gezogen werden.

 

In der vorzeitig zu Ende gegangenen Legislaturperiode wurden seit dem Herbst 2013 469 Gesetze beschlossen. 328 beruhten auf Regierungsvorlagen, 114 gingen auf Gesetzesinitiativen der Parlamentsfraktionen zurück, 21 auf Gesetzesanträge aus den Ausschüssen. 28 % der Gesetzesbeschlüsse fielen einstimmig, ein Rückgang von 9 % gegenüber der vorhergehenden Gesetzgebungsperiode.

 

Zwischen Oktober 2013 und 2017 wurden 199 Sitzungen durchgeführt, die 1129 Stunden und 30 Minuten dauerten. Inkludiert sind 23 Sondersitzungen. Das Stenographische Protokoll wies 21.701 Seiten auf. 

 

Zusätzlich zu den Plenarsitzungen fanden in der 25. Legislaturperiode 827 Ausschuss-Sitzungen statt. Auch das Kontrollrecht der Abgeordneten wurde intensiv in Anspruch genommen. 14.189 schriftliche Anfragen wurden an die Bundesregierung gerichtet. Zwei Untersuchungsausschüsse (die erstmals per Minderheitsrecht eingesetzt wurden) beschäftigten sich mit der Kärntner Hypo Alpe-Adria und dem Eurofighter. Bei zwei parlamentarischen Enquete-Kommissionen (zur Würde am Ende des Lebens und zur Stärkung der Demokratie) waren erstmals Bürger redeberechtigt.

 

Zu den wichtigsten Gesetzesbeschlüssen der abgelaufenen Periode zählten die Steuerreform mit einem Entlastungsvolumen von 5 Milliarden Euro, die Festlegung des absoluten Rauchverbots (ab Mai 2018), das Durchgriffsrecht des Bundes gegenüber Ländern und Gemeinden zur Unterbringung von schutzbedürftigen Asylwerbern, das (verfassungsrechtlich bedenkliche) Staatsschutzgesetz und das neue Kinderbetreuungsgeld-Konto.

 

In den letzten Monaten wurden - zumindest fragmentarisch - eine Bildungsreform, ein Integrationspaket (inklusive dem fragwürdigen Verhüllungsverbot), eine Verschärfung des Fremdenrechts und eine Abschaffung des Pflegeregresses beschlossen. Abseits der rot-schwarzen Regierungskoalition einigten sich SPÖ, FPÖ und die Grünen auf eine Rechtsangleichung von Arbeitern und Angestellten, die Abschaffung der Mietvertragsgebühr und die Streichung der Anrechnung des Partnereinkommens bei der Notstandshilfe.

 

Letztere Beschlüsse stellen allerdings nur Tröpfchen auf dem heißen Stein dar. Einheitliche Mindestsicherung, finanzielle Entlastung für Kleinverdiener und KMU´s, Sicherstellung der Pensionen, gerechtere Vermögensverteilung, Schutz von Arbeitnehmern und prekär Beschäftigten vor Ausbeutung, eine Qualitätsoffensive im Kindergarten-, Schul- und Hochschulwesen mit dementsprechender finanzieller Dotierung, progressivere Integration in der Stadt und am Land und eine Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts abseits von Nationalitäten und Religionen. Auf Bundesregierung und Nationalrat warten schwierige Herausforderungen.

NR-Wahl 2017: Vorzugsstimmen ohne Wirkung. Parteilisten entscheiden.

Nach der Mandatsverteilung auf die im Nationalrat vertretenen Parteien erfolgt die Zuteilung der Mandate auf die wahlwerbenden Personen. De facto entscheiden die Parteien bzw. deren Gremien intern durch Parteilisten, welche Personen künftig im Nationalrat sitzen werden. Echte Demokratie bleibt dabei meist auf der Strecke.

 

Denn das derzeit geltende Vorzugsstimmensystem der NRWO bietet kaum Chancen für engagierte Abgeordnete in spe. Bei der letzten Nationalratswahl 2013 wurde KEINE EINZIGE Person aufgrund der Rechtsordnung vorgereiht, es wird dieses Jahr nicht anders sein.

 

Im Regionalwahlkreis wird eine Person nur dann vorgereiht, wenn sie mindestens 14 % der auf ihre Partei entfallenden gültigen Stimmen erhält. In den Landeswahlkreisen beträgt der Prozentsatz 10 %, im Bundesgebiet 7 %. Hürden, die nicht einmal bei überregionaler Bekanntheit, nach wochenlangem Einsatz bzw. teuren Marketing-Kampagnen zu schaffen sind.

 

Abgesehen davon verstehen auch die Wähler das Vorzugsstimmensystem falsch. 2013 wurden zwischen 28 % (ÖVP) und 74 % (FPÖ) der Bundeslisten-Vorzugsstimmen an die Listenersten vergeben. Über 50 Prozent der Vorzugsstimmen gingen - außer bei der SPÖ - ohnehin an Personen, die einen fixen Listenplatz hatten.

 

Einige Parteien versuchen immer wieder den Trick, mittels eines internen Vorzugsstimmensystems Personen zu motivieren, für die Partei "zu rennen" und ihre eigenen Stimmen zu maximieren. Dabei werden die wahlwerbenden Personen zu sogenannten "Blankoverzichtserklärungen" genötigt, im Falle geringerer VZ-Stimmen auf ihr Mandat zu verzichten. Rechtlich ist dieser Verzicht ein Verstoß gegen das verfassungsrechtlich normierte freie Mandat und laut VfGH absolut nichtig.

 

Eine Personalisierung der Wahl - und zwar auf allen Ebenen (Bund, Land, Gemeinde) - ist daher nur dann möglich, wenn diese gesetzlich festgelegt wird. Man könnte die prozentuellen Hürden herabsetzen oder – nach Abschaffung der Landeswahlkreise - in noch kleineren Regionalwahlkreisen mehr Mandate vergeben.

 

Auf Gemeindeebene sollte man die Parteilisten komplett abschaffen: Fix sollten nur die Spitzenkandidaten sein, der Rest des Gemeinderats sollte sich rein nach der Anzahl der Vorzugsstimmen bestimmen.

Nationalratswahl 2017: Mandatsverteilung erfolgt auf drei Ebenen.

183 Mandate werden bei der Nationalratswahl vergeben. Dazu wird das Bundesgebiet in 9 Landeswahlkreise unterteilt.

 

Die Anzahl der Mandate eines Landeswahlkreises basiert auf der letzten Volkszählung (2013), die alle Staatsbürger und Auslandsösterreicher umfasst, die am Stichtag in der Wählerevidenz eingetragen sind. Die derzeitige Verteilung: Niederösterreich (37), Wien (33), Oberösterreich (32), Steiermark (27), Tirol (15), Kärnten (13), Salzburg (11), Vorarlberg (8), Burgenland (7). 

 

Die Landeswahlkreise werden in insgesamt 39 Regionalwahlkreise unterteilt, denen nach demselben Verfahren (Hare´sches System) eine bestimmte Anzahl von Mandaten zugeordnet werden. Auf dieser Ebene beginnt nach Wahlschluss auch das 1. Ermittlungsverfahren. Die Gesamtsumme der im Landeswahlkreis abgegebenen gültigen Stimmen wird durch die zu vergebenden Mandate geteilt und so die Wahlzahl ermittelt. Jede Partei erhält im Regionalwahlkreis dabei so viele Mandate wie die Wahlzahl in ihrer Parteisumme enthalten ist ("Direktmandate").

 

Am 2. und 3. Ermittlungsverfahren dürfen nur Parteien teilnehmen, die in einem Regionalwahlkreis ein Direktmandat erreicht oder im gesamten Bundesgebiet mindestens 4 % der abgegebenen gültigen Stimmen erzielt haben. Jede Partei erhält auf Landesebene so viele Mandate wie die Wahlzahl in ihrer Parteisumme im Landeswahlkreis enthalten ist.

 

Im 3. Ermittlungsverfahren erfolgt der sogenannte "bundesweite Proportionalausgleich". Nach der Ermittlung einer neuen Wahlzahl mittels des d´Hondtschen Modells werden die "Restmandate" auf die Kandidaten der Bundesliste verteilt.

 

 

Bei der letzten Nationalratswahl 2013 kamen 75 Abgeordnete über die Regionalwahlkreise in den Nationalrat, 69 über die Landes- und 39 über die Bundesliste.

 

 

Election Day 2017: Zur Wahl steht der Nationalrat, nicht der Bundeskanzler!

Es gibt aktuell einen Spitzenkandidaten, die - absichtlich oder unwissend - behauptet, ein Kanzler werde gewählt. Tatsächlich wird am 15. Oktober der Nationalrat gewählt, der aus 183 Abgeordneten besteht und der - gemeinsam mit dem (mehr als reformbedürftigen) Bundesrat - die Gesetzgebung des Bundes ausübt. Im Nationalrat sitzen derzeit 6 Fraktionen (SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne, Team Stronach, Neos) bzw. nach etlichen internen Querelen zahlreiche "wilde"Abgeordnete.

 

Wahlberechtigt sind alle österreichischen Staatsbürger, die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben und vom Wahlrecht nicht ausgeschlossen sind. Eine Person kann gemäß § 22 NRWO aufgrund einer gerichtlichen Verurteilung vom Wahlrecht ausgeschlossen werden, das Gericht entscheidet dabei nach den Umständen des Einzelfalls.

 

Das passive Wahlrecht setzt neben der österreichischen Staatsbürgerschaft die Vollendung des 18. Lebensjahres voraus. Zur Nationalratswahl (befristet) nicht antreten darf jemand, der wegen einer oder mehrerer mit Vorsatz begangener strafbarer Handlungen zu einer mehr als einjährigen Freiheitsstrafe rechtskräftig verurteilt worden ist.

 

Die Legislaturperiode wurde im Jahr 2007 von 4 auf 5 Jahre verlängert. Mit der damals fadenscheinigen Ausrede, man könne sich dann mehr auf Reformen konzentrieren. Tatsächlich dauert auch die aktuelle Legislaturperiode nur etwas mehr als 4 Jahre, da nach einer monatelangen Blockadepolitik seitens der ÖVP in der Bundesregierung, verbunden mit der strategisch geplanten Ablöse Mitterlehners durch Kurz, am 13. Juli ein gemeinsamer Neuwahlbeschluss getroffen wurde. 

 

Die Angelobung des neuen Nationalrats soll am 9. November im Rahmen einer konstituierenden Sitzung stattfinden.

Wien: Nationalrat lockert Verkaufsverbot von Tieren!

Kurz vor Ende der Legislaturperiode hat der Nationalrat noch die Möglichkeit genützt, das Tierschutzgesetz zu "reparieren" und das dort im § 8a/2 geregelte Verkaufsverbot von Tieren zu lockern.

 

Grund waren zahlreiche Beschwerden von kleinen Vereinen und Privatpersonen, denen es verwehrt war, Tiere im Internet zu verkaufen. Viele Hunde und Katzen wurden dementsprechend ausgesetzt oder landeten in überfüllten Heimen. 

 

Die Grundintention der Novelle ist allerdings dieselbe. Ziel sei es, den Welpenhandel im Internet zu verhindern. Daher unterliegt der künftige Verkauf von Tieren bestimmten Bedingungen. Es muss sich um einzelne, individuell bestimmte Tiere mit einem Alter von mehr als 6 Monaten handeln, die nicht bei ihrem bisherigen Halter bleiben können oder dürfen. Als Anwendungsfälle gelten hier beispielsweise Erkrankung oder Tod.

 

Bei Hunden ist außerdem nachzuweisen, dass diese seit mindestens 16 Wochen in einer Heimtierdatenbank gemeldet sind. Verkauft werden dürfen die Tiere durch den Halter selbst bzw. durch die mit den Pflichten eines Halters betrauten Personen und Vereinen.

 

Überarbeitet wird laut Gesundheitsministerin Rendi-Wagner auch die Tierschutz-Sonderverordnung, die für kleine Vereine wesentliche Erleichterungen bringen soll.

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Wien-Simmering: Schlagerstar Vanessa Mai eröffnet neues EKZ Huma 11!

Einige Schlagerstars (wie Bernhard Brink oder Marc Pircher) spielen derzeit auf der Wiener Wiesn, einer der Prominentesten dagegen bei der Eröffnung eines riesigen Einkaufszentrums am Stadtrand von Wien: Vanessa Mai.

 

Kürzlich Nr. 1 in den deutschen Charts mit ihrem Album "Regenbogen" präsentierte sie im Simmeringer Huma Eleven ihre drei Top Hits "Wolke 7", "Ich sterb für dich" und "Nie wieder". Im sexy Outfit mit schwarzer Lederhose. Insofern dürften nicht - wie sie meinte - die Kids die Väter mitgeschleppt haben, sondern eher umgekehrt. Danach gab es noch Selfies und Autogramme für die zahlreich erschienenen Besucher.

 

Das im Jahr 2014 errichtete EKZ Huma 11 wurde von 30.000 auf 50.000 Quadratmeter erweitert und beherbergt neben Gastronomie und Interspar zahlreiche Markenbetriebe wie Media Markt, H&M oder Humanic. Unter den Neumietern ist der 6000 Quadratmeter große Modepark Röther. Zur leichteren Erreichbarkeit wurde auch ein Gratis-Shuttle-Bus zwischen Schwechat und Simmering installiert. Man darf gespannt sein, ob sich die Investitionen rentieren werden.

Integration auf Österreichisch: Gesichtsverhüllungsverbote für Touristen und Künstler!

"Wahlkampf ist die Zeit fokussierter Unintelligenz!" - Ein Zitat des noch regierenden Wiener Bürgermeisters Häupl, das auch auf einige Gesetzesbeschlüsse vor Wahlen zutrifft. So wie das "Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz", das am 1. Oktober in Kraft tritt.

 

Anstatt einerseits Integration auf gesellschaftlicher, schulischer und kultureller Ebene zu forcieren, andererseits sicherheitspolitisch für Grenzschutz, schnelle Asylverfahren und effektive Rückführungen zu sorgen, versucht "Integrationsminister" Kurz - verwunderlicherweise mit Hilfe der SPÖ - beim naiv-xenophoben Wahlvolk mit einem "Burka - und Niqab"-Verbot zu punkten, das aufgrund verfassungsrechtlicher Grenzen so nicht formuliert werden darf.

 

Schlechtes Vorbild ist Frankreich, wo es bereits zu skandalösen polizeilichen Vorfällen an diversen Badestränden kam. In Österreich ist ab Oktober jeder strafbar, der an öffentlichen Orten oder in öffentlichen Gebäuden seine Gesichtszüge durch Kleidung oder andere Gegenstände in einer Weise verhüllt oder verbirgt, dass sie nicht mehr erkennbar sind. Inkludiert sind öffentliche Straßen, Amtsgebäude, Schulen, Einkaufszentren, Bäder, Fitnesscenter, was auch immer.

 

Denn tatsächlich wird dieses Gesetz (inklusive Erlass des Innenministeriums) weniger zur Integration einiger weniger Burka-Trägerinnen beitragen als zu skurrilen Beiträgen in Comedy-Shows. So müssen Japaner, die in ihrem Heimatland Atemschutzmasken tragen, diese in Österreich ablegen, ausgenommen sie haben ein medizinisches Attest dabei. Auch Clowns müssen sich vor einer Festnahme fürchten, wenn sie nicht gerade auf dem Weg zu einer Show sind. Künstler ohne Nachweis ihrer Performance detto. Und Schals dürfen nur dann das Gesicht verhüllen, wenn es frostig ist. Rapid-Fans aufpassen!

 

Rechtlich und faktisch umstritten ist auch der Vollzug des Gesetzes. Verhüllt sich eine Person gesetzeswidrig, dann hat sie eine Verwaltungsstrafe bis zu 150 Euro zu zahlen. Dann hat sie die Gesichtsverschleierung direkt vor Ort abzunehmen. Macht sie das nicht, dann wird sie - zwecks Identitätsfeststellung - zur nächsten Polizeistation befördert. Wo dann auch eine Zwangsabnahme des Gesichtsschleiers vorgenommen werden darf. Der rechtliche Ermessensspielraum ist auch Teilen der Polizei nicht geheuer.

 

 

Bei einem Verstoß gegen die Gesichtsverschleierung handelt es sich übrigens um ein Verwaltungsstrafdelikt. Es besteht daher kein Anhalterecht Privater. Ob das "einschlägig orientierte" Bürger wissen, darf bezweifelt werden.

Innenministerium: Über 10.000 tatverdächtige Asylwerber im 1. Halbjahr 2017!

Mit Stichtag 1. Juli befanden sich insgesamt 71.253 Fremde in Österreich in Grundversorgung, davon 52.224 Asylwerber. Eine - trotz reduzierter Migrationsbewegungen - noch immer beträchtliche Zahl, die aber durchaus ihre Berechtigung hat, wenn man den Rechtsstaat und das Asylrecht ernst nimmt.

 

Es stellt allerdings einen klaren Missbrauch unseres Gastrechts dar, wenn Menschen, die einen Asylantrag stellen, um Hilfe vor (angeblicher) Verfolgung ersuchen und adäquat versorgt werden, in ihrem Aufnahmestaat straffällig werden. Eine aktuelle Anfragebeantwortung des Innenministeriums zeigt ein schockierendes Ausmaß an (angezeigten) strafrechtlichen Verstößen durch Asylwerber. 

 

So wurden im Zeitraum von Jänner bis Juli 2017 insgesamt 10.079 tatverdächtige Asylwerber registriert, davon 4281 in Wien, 1.308 in Oberösterreich und 1.146 in Niederösterreich. Die Bandbreite der Straftaten reicht durch alle Bereiche des Strafgesetzbuches und seiner Sondergesetze (wie dem Suchtmittelgesetz). Führende Nationalität sind die Afghanen (2867) vor Nigeria (1012), Syrien (862) und Algerien (832). Letzteres ein Land, aus dem Menschen vorwiegend aufgrund wirtschaftlicher Gründe flüchten.

 

Natürlich handelt es sich bei diesen Asylwerbern vorerst um Tatverdächtige, und es werden sich darunter auch viele Bagatelldelikte befinden, die vielleicht auch aufgrund kultureller Missverständnisse, selbstempfundener Ausweglosigkeit, materieller Not oder Traumatisierung begangen wurden. Bei schweren Delikten muss der Staat allerdings handeln und seine Gesetze entsprechend adaptieren.

 

Derzeit liegt ein Asyl-Ausschließungsgrund nur dann vor, wenn es sich bei der Tat um ein Verbrechen handelt, das mit mehr als 3 Jahren Haft bedroht ist. Und auch dann muss die Haftstrafe in Österreich verbüßt werden. Erst dann erfolgt die Abschiebung, falls diese völkerrechtlich überhaupt zulässig ist bzw. Rückführungsabkommen existieren. Eine untragbare Situation. Es ist nicht die Aufgabe unseres Staates, verbrecherische Asylwerber in unseren Gefängnisssen zu verköstigen.

 

Ein erster Schritt wäre die sofortige Abschiebung straffälliger Asylberechtigter und Asylwerber nach Rechtskraft des Urteils. Und wenn nicht in ihren Heimatstaat, dann in den nächstgelegenen sicheren Nachbarstaat.

 

Zwischen Tag und Nacht: Heißer Club-Gig von 2Raumwohnung im ausverkauften WUK!

"Es war Sommer, doch im Winter. Gar nichts lief nach Plan. Dann war's auch noch Frühling. Es kam auf alles an." So klingt, garniert mit Elektro-Tech-Pop, die Aufbruchsstimmung im Berlin des Jahres 1993. Und zwar jene des deutschen Duos 2Raumwohnung, die mit diesem brandneuen Track ihre heiße Show im ausverkauften Wiener WUK starteten.

 

"Nacht und Tag" heißt das neue Album von Ex-Punkerin und NDW-DÖF-Girl Inga Humpe  - ihre Schwester Annette kennt man von Ideal und Ich&Ich - und dem Electro-DJ Tommi Eckart, die auch privat seit 1993 ein Paar sind. Ihr neues Werk kann man durchaus als Konzept-Album bezeichnen. Die Inspiration kam den beiden durch einen nie veröffentlichten Track für einen Kinofilm. "In der entsprechenden Szene kamen die Leute früh morgens aus einem Club ans Tageslicht. Und dieser Song verwandelte sich von einem Clubtrack in ein sonniges Gitarrenstück." Und so produzierten die beiden 10 Songs, jeweils in einer Nacht- und einer Tag-Version. Frei nach dem Daniel Richter-Motto "Anderer Pinsel, anderes Ergebnis auf der Leinwand."

 

Die Club-Tour legt natürlich ihre Schwerpunkte auf die dunkle Nacht, die monotonen Beats und die Tanzexzesse. Freund Paul Kalkbrenner darf da mit einem Remix ("Wir werden sehen") nicht fehlen, aber auch die älteren Songs wie "Wir sind die anderen" oder das queere "Ich und Elaine" passen kongenial in das Konzept. In der Mitte der Show darf die Bassdrum ruhen, es wird chillig mit Akustik-Versionen von "Lucky Lobster" und "Hey Schmetterling", die quirlige Inga verhüllt mit Hippie-Sunglasses. Wie auf Ibizas Stränden (die laut Inga als Vorbild für die "Tag"-Atmosphäre gelten) werden die Party People allerdings wieder von der Nacht eingeholt. 

 

Inga philosophiert vom Hotel Sunshine, man könnte es ja auch Ushuaia nennen, es groovt on the Dancefloor zu "Wir waren fürchterlich" und "Sie geht los", die Beats werden dunkler und härter. "Wir trafen uns in einem Garten" zielt anno 2017 auf die technoide Sub- und nicht auf die lässig-subtile Bobo-Kultur ab. Schranken unerwünscht. Die Super-Hits "Sexy Girl", "Spiel mit" und "Sasha Secret" mit einer lasziven Inga Humpe hinter dem Mikro dürfen nicht fehlen. Warum auch? Die altersmäßig buntgemischte Crowd zwischen 20 und 60 tanzt, lacht und ist enthusiastisch. Was wenn nicht das soll ein Konzert bewirken?

 

Die politische Message kommt am Schluss: Optimistisch sein und in der (scheinbaren) Tristesse der Gegenwart das Leben lieben. "Wunderbare Tage" heißt der bezaubernde Track aus dem 2013er-Album "Achtung Fertig" mit Zeilen wie dieser "Die Zukunft kommt immer, auch wenn ich sie nicht seh. Vor mir liegen wunderbare Tage, alles wird gut."  "Danke Wien. Wir kommen wieder!" - So 2Raumwohnung nach dem fast zweistündigen Gig. Wir können´s kaum erwarten.

 

 

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"Menschenbilder" - Eine hochklassige Fotoparade im herbstlichen Prater!

Wer dieser Tage einen Herbstspaziergang durch den Wiener Prater macht, der hat auch die Chance, die schönsten Fotos der Wiener Berufsfotografen zu begutachten. "Menschenbilder" nennt sich die Open-Air-Ausstellung auf der Straße des 1. Mai, die insgesamt 58 beeindruckende Werke mit 1,4 x 1,4m Größe beinhält. Ausgewählt wurden diese von einer fachkundigen Jury aus insgesamt 1600 Einreichungen.

 

Promis aus der Polit-, Kultur- und Musikszene wechseln einander dabei ab mit "gewöhnlichen" Menschen, die teils extravagant, teils subtil abgelichtet wurden. Die "echten Wiener" Falco, Karl Merkatz und Hermes Phettberg dürfen da nicht fehlen, mit Priscilla Presley und John Malkovich zieren auch Hollywood-Stars die Fotoparade.

 

Das Ausstellungskonzept, das 2012 am Mariahilferplatz in Graz gestartet wurde, lebt aber nicht vom VIP-Faktor, sondern von der Kunstfertigkeit der Fotografen. Spielende Kinder, Rockabillies, Hip Hopper auf der Copa Cagrana, Zimmermädchen bei der Arbeit oder das berührende "Fünf Generationen"-Porträt von Suzy Stöckl. Idee, Motiv und der Auslöser zum richtigen Zeitpunkt machen den Reiz der Fotos aus. Noch bis 26. September im Prater.

 

"Father and Daughter Walking" - Ein Tribute an die legendäre Hippie Szene Ibizas!

In den 60ern war Ibiza, abseits von Massentourismus, Hotelburgen und Clubbing-Exzessen, ein Geheimtip der Hippie-Szene. Auf der La Isla Blanca strandeten nicht nur Gegner der Franco-Diktatur, sondern Alternative aus aller Welt, die sich mit freier Liebe und Drogen unter heißer Sonne den Tag vertrieben. Ihren Lebensunterhalt verdienten sich die Aussteiger mit dem Handel von Handarbeiten, Kunst und Kleidung.  Hippie-Märkte gibt es auch heute noch in Ibiza, allerdings stark kommerzialisiert und auf die Touristen zugeschnitten.

 

Beliebte Hippie-Treffpunkte auf Ibiza waren die Cala Benirras, wo man sich zum Sonnenuntergang zum gemeinsamen Trommeln versammelte, das sagenumwobene Areal rund um Es Vedra und den Torre del Savinar und die Cala Xarraca. Hauptwohnorte waren Sant Carles und Sant Joan, legendär die Bar Anita´s, die auch heute noch geöffnet ist.

 

Die Hippies schmückten sich zum Zeichen für Frieden und Liebe mit Blumen, die Flower Power Generation was born. Seit Jahrzehnten weltberühmt in Ibiza sind die Flower Power Parties im Pacha, bei denen nicht House und Techno die Soundkulisse bilden, sondern kultige Hits aus den Sixties und Seventies.

 

Ricardo Urgell, Eigentümer des Pacha, war es auch, der der Hippie-Kultur Ibizas im August 2016 ein Tribut setzte. "Father and Daughter Walking" heißt die von Cio Abelli konzipierte Bronze-Skulptur, die direkt am Hafenkai vor der Can Pou Bar aufgestellt wurde. Sie zeigt einen langhaarigen Hippie-Vater, der mit seiner Tochter spazierengeht.

 

Grundlage dieser Skulptur war ein legendäres Foto von Toni Riera, das er einst Anfang der 70er im Amsterdamer Vondelpark geschossen hat. Dieses diente später auch als Flyer für die Retro-Pacha-Parties. Im Jahr 2000 erkannte sich eine junge Frau selbst auf diesem Poster, als sie bei einem zufälligen Ibiza-Urlaub das Pacha besuchte. 

 

Schauspieler Sandy van der Linden und seine Tochter Radha, so die Namen der abgelichteten Hippie-Family, erinnern als modellierte Protagonisten an eine längst vergangene Jugend-Bewegung, die neben Ibiza vor allem in San Francisco, Amsterdam, Katmandu und Goa weitverbreitet war.  

 

Aber keine Angst: Hippies gibt es auch heute noch, sie bezeichnen sich nur anders oder haben differente Wertvorstellungen als früher. In Ibiza sind sie garantiert nicht ausgestorben :-)

Ibiza Club Life: Ushuaia Pre-Parties statt After Hour-Exzesse im Morgenlicht!

Man hört sie heute noch von Taxifahrern bei der Heimfahrt von den Clubs: Geschichten über Party-Touristen, die per Flugzeug anreisten und - ohne Hotel - aufgeputscht von Drogen tage- und nächtelang durchmachten und durchtanzten. Es war auch die wilde Zeit des "Space", das als After-Hour Epizentrum nahe der Playa den Bossa den "3 Tage Wach"-Party People die heißen technoiden Morning Hour-Beats frei Dancefloor lieferte. Solange die Reise nicht im Krankenhaus endete – und das tat sie häufiger als publiziert – wurde mit sunglasses-verdeckten weiten Pupillen weitergeshakt am Bora Bora Beach. Nicht wenige verwechselten die Autobahn mit einem Fußweg und wankten mit dem Koffer – neben den rasenden Autoboliden – zum Flughafen. Derartige Situationen kommen auch heute noch vor (wie selbst beobachtet), allerdings mit einer weit geringeren Wahrscheinlichkeit.

 

Die (offiziellen) After-Hours wurden von der ibizenkischen Regierung verboten, seit einigen Jahren müssen die Clubs um 6 Uhr zusperren. Auch der Bora Bora Beach-Sound beschallt erst am Nachmittag die Techno Clubber. „Die Party-Touristen sollen sich ausschlafen und sich zumindest nicht 24 Stunden mit legalen oder illegalen Drogen aufputschen.“, so der von der „Szene“ nicht gerade begeisterte Taxifahrer. 

 

Die Rechnung ging auch auf: Weniger Rettungseinsätze, weniger Polizei an den Stränden und eine deutliche Attraktivierung der Strände für Familien. Die gewieften Disco-Betreiber entdeckten gleichzeitig eine neue Geldquelle, die kostenpflichtigen Pre-Parties vor Mitternacht. Klare Nr. 1 auf der La Isla Blanca ist das Ushuaia, das 2011 aus einer Transformation eines mittelklassigen Fiesta-Hotels entstanden ist. 

 

In diesem Areal rund um einen Swimmingpool finden täglich von 17 bis 24 Uhr Dance-Events der Sonderklasse statt. Superstars wie David Guetta, Alesso, Diplo, Martin Garrix oder Kygo geben sich hier die Klinke in die Hand und sorgen, unterstützt von bombastischen Light- und Rauchshows, für eine exzessive Party-Atmosphäre. Der Eintritt: 55 Euro, die Drinks sündteuer, ein Mineral oder ein Bier bekommt man nicht unter 15 Euro. Die Superreichen oder die, die diesen Status zumindest vortäuschen wollen, blicken von ihren Hotelbalkonen ehrwürdig auf die Crowd. 

 

Geführt wird das Ushuaia von Abel Matutes Prats, Sohn des ehemaligen spanischen Außenministers und früheren Bürgermeisters von Ibiza. Letzterer, Abel Matutes Juan, gilt in Ibiza als widersprüchliche Persönlichkeit und wird gerne auch als „Tony Sopranos von Ibiza“ bezeichnet. Er ist an zahlreichen Firmen im Baustoff- und Getränkebereich beteiligt und Besitzer der Fiesta Hotel-Gruppe. Verantwortlich war er auch für den Bau der Autobahn zwischen dem Flughafen und Ibiza-Stadt, bei dem er sich über die Proteste zahlreicher Umweltaktivisten und Inselbewohner hinwegsetzte. 

 

Die Ushuaia-Parties direkt an der Playa den Bossa gelten als Erfolgsprojekt, heftig kritisiert werden allerdings – auch von DJ´s (die davon profitieren) – der finanzielle Ausverkauf der Szene und die „V.I.P.-isierung“ der Insel. „Früher waren alle Gäste VIP´s“, so ein Ibiza-Insider der alten Schule. Man sollte sich dieser Gedanken besinnen und wieder mehr auf alte Werte setzen.

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Robbie Williams in Wien: "Heavy Entertainment"-Show vor 52.000 Fans!

Robbie Williams steht seit 2006 im Guinness Buch der Weltrekorde. Innerhalb eines Tages wurden 1,6 Millionen Tickets für seine Tour verkauft. Auch in Österreich gingen die Tickets weg wie die warmen Semmeln, Klagenfurt ausverkauft, in Wien über 52.000 Fans. Und das, obwohl das letzte Album (und Tour-Motto) "The Heavy Entertainment Show" nicht nur verkaufstechnisch unter den Erwartungen blieb.

 

Der Stimmung tat dies im Ernst Happel-Stadion keinen Abbruch. Das altersmäßig weit gestreute Publikum bekam das, was es erwartete: Sympathische Gags, sexuelle Anspielungen, eine bombastische Light-Show, massenkompatible Superhits und das perfekt inszenierte Drücken der Retro-Tränendrüse-Taste.

 

Bereits im Vorprogramm versetzten der durch eine Fußverletzung gehandicapte Andy Bell und Depeche Mode-Gründer Vince Clarke aka Erasure das Publikum in eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit. "World be gone" heißt das neue Album, auf der Set-List stand gerade mal die neue Single "Love you to the Sky", ansonsten die legendären Synthi-Pop-Ohrwürmer von "I love to hate you" bis "A Little Respect". Auf das kultige Abba-Cover "Take a Chance on me" hat man verzichtet, viele Besucher hätten sicher gerne mitgesummt.

 

An den aktuell 43jährigen Robbie Williams, der bis dato über 77 Millionen Tonträger verkauft hat, kommt allerdings keiner ran. Bei seinen Up-Tempo-Tracks "Rock DJ" und "Let me entertain you" tanzen die sexy Ladies auf, es wird geswingt zu "Minnie the Moocher", und im Hit-Medley wird sogar Falcos Amadeus glorifiziert. Zwischendurch zieht Williams seine Karriere als "Take That"-Mitglied durch den Kakao und erinnert mit seinem "Freedom"-Cover an den kürzlich verstorbenen George Michael, der ihn nach seinem Boygroup-Ausstieg 1995 wieder ins Musikbusiness gebracht hat. 

 

Die großen Gefühle bringt Williams auch durch seine Familie ins Spiel. "I love my Life" widmet er seinen Kindern, sein Vater, einst musikalischer Hotel-Unterhalter, singt mit ihm den Neil Diamond-Klassiker "Sweet Caroline". Und auch seine Gattin, die Schauspielerin Ayda Field, darf bei "Something Stupid" in die Gesangsvibrationen Nicole Kidmans treten.

 

Nicht fehlen dürfen die Kuschelrock-Heuler "She´s the One", ""Feel" und Angels". Im Gegenteil, sie sind natürlich die Highlights jeder Williams-Show. Romantische Lieder zum Mitsingen bei Gänsehautstimmung inmitten eines Smartphone-Lichtermeeres. Die Besucher sind verliebt, verträumt, euphorisch, melancholisch. Es bleibt kurz die Zeit stehen, bis Robbie mit "The End is near" den letzten Song des Abends einstimmt. "I did it my way", eine Verneigung des größten Entertainers der Jetzt-Zeit vor einem des letzten Jahrhunderts.

 

Musikalisch sollte Williams aber bald wieder mit innovativen neuen Songs punkten (und diese auch selbstbewusst präsentieren), die Zeitmaschine fliegt nicht ewig.

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Kindertagesheimstatistik: Geringe Quoten bei Kleinkindern und Mängel bei Öffnungszeiten.

Laut dem EU-weit vereinbarten Barcelona-Ziel sollte ein Drittel der Kinder Betreuungseinrichtungen besuchen. Von diesem Ziel, das bereits 2010 erreicht hätte werden sollen, ist Österreich allerdings weit entfernt.

 

Gemäß der aktuellen Kindertagesheimstatistik 2016/2017 beträgt die Betreuungsquote bei unter 3jährigen Kindern derzeit 25,4 %. Insgesamt besuchen in Österreich 65.057 Kinder Krippen und Kleinkindbetreuungseinrichtungen. Dabei bestehen krasse Unterschiede zwischen den Bundesländern. Führend sind Wien mit 44,3 % und Burgenland mit 30,3 %, während die Quote in Niederösterreich nur 22,9 % oder in Oberösterreich nur 15,4 % beträgt. Nach Einzeljahren betrachtet besucht die Hälfte der zweijährigen Kinder (bei denen die arbeitsrechtliche Karenz der Mütter bereits beendet ist) eine Krippe, der Prozentsatz bei Einjährigen beträgt 23,1 %.

 

Bei drei- bis fünfjährigen Kindern ist die Betreuungsquote - außer in Kärnten und der Steiermark - flächendeckend über 90 %. 233.882 Kinder besuchen Kindergärten, die österreichweite Quote beträgt 93,4 %. Betrachtet man die Alterskategorien, werden 85,5 % der Dreijährigen, 96,1 % der 4jährigen und 98,5 % der fünfjährigen Kinder institutionell betreut. Letztere unterliegen seit 2010/2011 einer bundesweiten Besuchspflicht, ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr ist in Planung, allerdings aufgrund der bevorstehenden Finanzausgleichsverhandlungen noch nicht gesichert.

 

Problematisch für berufstätige Eltern und Alleinerziehende sind vor allem die Öffnungs- und Sperrzeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen, und das vor allem in den ländlichen Regionen. Während in Wien Öffnungszeiten bis 20 Uhr angeboten werden und durchschnittlich nur 3,4 Schließtage vorliegen, betragen beispielsweise die Sperrzeiten in der Steiermark 25,2 und in Vorarlberg 39,4. In diesen Gegenden ist es schwierig für die Eltern, Beruf, Familie (und Urlaub) ohne Hilfe der eigenen Verwandten oder teurer Ferienlager zu organisieren. Der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen in infrastruktureller und zeitlicher Hinsicht muss daher für die Politik eine besondere Präferenz darstellen. Vor allem auch unter der schlüssigen Experten-Prämisse, dass das Vorhandensein von adäquaten Kindergartenplätzen die Abwanderung von Familien aus dünner besiedelten Regionen Richtung Ballungsgebiete verhindert.

Pop Graffiti-Art in Wien: Lushsux besprüht MQ-Wände und die Falco-Stiege.

Provokant, politisch engagiert und kreativ, das ist der Melbourner Graffiti-Artist Lushsux. Kürzlich erst vergrämte er Hillary Clinton, die er nach einer fast barbusigen Darstellung in eine Muslima mit Niqab verwandelte. Darunter der Schriftzug: "If this Muslim Woman offends u, u r a bigot, racist, sexist Islamophobe."

 

Vergleichsweise harmlos sind dagegen seine Street Graffitis in Wien. Bei der U-Bahnstation Kettenbrückengasse, direkt an der Falco-Stiege, werden die Besucher subtil vor die Wahl gestellt, wer jetzt wirklich der größte Rapper der Musikgeschichte war: Falco, dargestellt mit Mozart-Perücke, oder Mum´s Spaghetti-liebender US-Hip Hopper Eminem. 

 

Vor dem Museumsquartier setzte Lushsux ein Tribut für den kürzlich verstorbenen Linkin Park-Sänger Chester Bennington, daneben residieren Conchita Wurst (die sich vom Künstler ein "Selfie"-Graffiti wünscht) und die durch Snapchat-Filter transformierte It-Girl-Sister Kendell Kardashian. Links neben dem Eingang ins MQ geht es härter und gleichzeitig zärtlicher zur Sache. Dort schmusen die MMA-Kämpfer Conor McGregor und Floyd Mayweather miteinander, die sich am 26. August duellieren werden.

 

Lushsux sieht sich selbst nicht als Street Art-Künstler, sondern als "the world´s first meme artist". Und dort in den sozialen Medien, auf Facebook oder Instagram, schwirrt nicht nur er, sondern auch seine Fans (und Gegner) herum. "That´s where people are these days, staring into their phones. You have to try and be there annoying them daily." Hauptsache, der Klick-Faktor stimmt :-)

Zwischen Ibiza und Tomorrowland: Star-DJ David Guetta vor 20.000 Fans in der Wiener Krieau

Mehr als 70 Millionen Tonträger hat er verkauft, seit mehr als 15 Jahren zählt er zu den erfolgreichsten Produzenten und DJ´s der House- und Electronicszene: David Guetta. Zwischen seinen sommerlichen Residencies auf Ibiza ("Fuck me I´m famous im Pacha; Ushuaia) und populären Massen-Events wie Tomorrowland hat der Franzose immer auch Zeit für einen Trip nach Österreich. Bei sonnig-heißem Wetter war die Wiener Krieau bereits Stunden vor seinem Auftritt mit ca. 20.000 Fans prall gefüllt.

 

Das Vorprogramm bestritten auch keine Unbekannten. Der Londoner Jonas Blue belegt gerade mit seinem Mix-Album Platz 1 der britischen Compilations-Charts, der Niederländer Oliver Heldens, gerade einmal 22, gehört nach einigen Tech House-Releases bereits zu den Big Playern in der EDM-Branche und spielt jeden Sonntag im "neuen Space", Hi Ibiza, bis in die frühen Morgenstunden.

 

Guettas Tour steht unter dem Zeichen "Unity", und das ist gleichzeitig auch Ziel seiner mit viel Light-Effekten und Pyro-Elementen unterstreuten 90 Minuten-Show. Das Publikum, bunt gemischt zwischen 10 und 50, soll inmitten von (spärlichen) Getränkeständen, Fast Food und Festival-Drängeleien einfach Spaß haben und gemeinsam feiern. Der Sound-Mix ist ebenso altbekannt wie erfolgreich. Die Superhits von Guetta, vermischt mit vorfabrizierten Mash-Ups und (gewöhnungsbedürftigen) EDM-Drops, die man getrost auch reduzierter einsetzen könnte. Der Effekt bleibt trotzdem nicht aus: Floorfillers wie "Sweat", "When Love takes over", "Love is gone", "Titanium" oder die Black Eyed Peas-Co-Production "I gotta Feeling" lassen die Party People tanzen, mitsingen und zu einer Einheit verschmelzen. Neue Tracks wie die grandiose Bieber-Kollaboration "2 U" oder die Wien-Premiere "Complicated" (mit dem US-Shooting Star Kiaara) gehören spätestens beim nächsten Auftritt zum Standard-Repertoire der Guetta-Freaks.

 

Erfolg hat natürlich seine Neider, seltsamerweise auch in den Medien. Dort wirft man dem Franzosen mangelnde DJ-Fertigkeiten und fertig vorbereitete Mixes vor. Und erwähnt dabei nicht, dass bei einem Konzert dieser Größenordnung die Visuals und Pyro-Effekte auf die Musik abgestimmt werden müssen. Und dass Guetta bereits in den 90er-Jahren erfolgreicher Pariser Underground-DJ und Klubbesitzer war. Lange bevor er mit "Love´t don´t let me go" und "Just a little more Love" den Dance-Olymp bestiegen hat.

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"Diversität ist Trumpf!" - 60.000 Besucher beim 8. Wiener Popfest auf dem Karlsplatz.

Die Kuratoren des diesjährigen Popfests kommen aus zwei verschiedenen Ecken. Auf der einen Seite Ö3-Moderator, Songcontest-Berater und "Austrozone"-Scout Eberhard Forcher, auf der anderen Seite die Underground-Künstlerin und Medienwissenschaftlerin Ana Threat. So ambivalent und vielfältig gestaltete sich auch das bunte Programm des viertägigen Festivals am Karlsplatz.

 

Bluatschink aus dem Lechtal eröffneten am Freitag mit ihrer Art von "Heimat- und Volksmusik" den Reigen der Live-Auftritte auf der Seebühne, bevor die in Wien ansässige Tini Trampler mit ihrem dreckigen Orchester stimmungsmäßig in den Chanson-Folklore-Bereich abdriftete. Einer der Protagonisten des ersten Popfests 2010, der Nino aus Wien, sorgte mit seiner Band für einen Massenansturm im Festivalareal und präsentierte eine unterhaltsame, mit vielen witzigen Bonmots („Wann wird endlich der Tony Wegas eingeladen? Man sollte ihm das mit der Handtasche endlich verzeihen!“) unterlegte, 90 Minuten-Show mit all seinen genialen Kompositionen vom "Oasch" bis hin zum "Praterlied" und seinen neuen pop-angehauchten Tracks wie "Coco Bello" oder "Tränen machen wach". Ursprünglich aus dem Indie-Bereich stammend, könnte dem Elektronik-Duo "Lea Santee" das glückselige Schicksal von Leyya "drohen". Lea Stöger und Produzent Manuel Hosp haben das Potential für eine internationale Karriere, das bezaubernde "Rollin" gehört wohl zu den innovativsten Austro-Songs der letzten Jahre.

 

Keine Angst vor bösen Worten haben die Linzer NDW-Epigonen Flut. Das Falco-Tribute auf der Donauinsel sei "Kacke" gewesen, ihre Version von Falcos Berlin-Klassiker "Auf der Flucht" klingt tatsächlich gefälliger als so manches Insel-Cover. Eberhard Forcher sei schon immer sein Förderer gewesen, so Ex-Songcontest-Letzter Lukas Plöchl, jetzt mache er laut seiner Diktion authentische Musik und hat im Repertoire auch noch einige Apres-Ski-Mitgröhler wie "Abriss Austria". Songs wie "Stadt, Land, Fluss" zeigen aber die Wandlung von Plöchl zu Wendja, seinem ursprünglichen chinesischen Namen, was so viel heißt wie "Beste Sprache". Forcher und den vielen jungen Besuchern im TU-Prechtlsaal hat die schweißtreibende, mitreißende Show mit subtilem Understatement ("Mut zur Hässlichkeit") gefallen.

 

 

Rund 60.000 Fans visitierten 4 Tage lang die 60 Musik-Acts des Wiener Popfests. Bier, Spaß, Flirten und Chillen inklusive. Die seltsame Kritik gewisser Qualitätsmedien gegenüber der "niederschwelligen Gratiskultur" wurde bereits von vielen Seiten abgeschmettert. Wir lassen hier noch den Ernst Molden sprechen: "Wenn unlängst in der Presse gestanden ist, dass die Gratisfeste den Musikern schaden, ist das nicht nur garstig, sondern auch noch ein totaler Blödsinn. Allen meinen Freunden, die am Popfest gespielt haben, hat es etwas gebracht. Am Popfest verliebst du dich in eine Band, den Hof machst du ihr dann am nächsten „normalen“ Konzert!" In diesem Sinne - Wir freuen uns bereits auf die Rückkehr der FM4-Ente im Sommer 2018.

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Popfest 2017: "Niederschwellige Gratiskultur" mit Qualitätsanspruch auf dem Karlsplatz.

"Die Welt von oben sieht gut aus" - So das deutsch-österreichische Reggae Duo Mono & Nikitaman bei der Zugabe ihres vielumjubelten Konzerts auf der Seebühne des Wiener Popfestes. Tja, nicht nur von oben, sondern von allen Seiten.

 

Im Vorfeld wurde wieder einmal von gewissen Tageszeitungen das nunmehr 8. Popfest als "niederschwellige Gratiskultur" herabgewürdigt. Die Konter blieben aber nicht lange aus, FM4-Musikexperte Martin Blumenau glorifizierte die Niederschwelligkeit als einen Wesenszug von Pop. Noch plakativer Kurator Eberhard Forcher bei seiner Eröffnungsrede. "Um der Niederschwelligkeit die Zähne zu ziehen, werde ich mir eine Krawatte umhängen".

 

Fakt ist: In 4 Tagen werden ca. 60 Bands, Künstler und DJ´s beim Wiener Popfest auf dem Karlsplatz-Areal auftreten und so die Möglichkeit haben, sich vor einem großen Publikum zu präsentieren. Das - ohne Konsumzwang und Kleidungs-Etikette - bei Gratiseintritt österreichische Popkultur genießen, bewerten und vor allem kennenlernen kann. Für viele Künstler war das Popfest bereits ein Sprungbrett für internationale Auftritte. Beispiel: Die Elektronik-Künstler von Leyya, die dieses Jahr in Barcelona engagiert wurden.

 

Zusammengestellt wurde das bunte Programm dieses Jahr von der Medienwissenschaftlerin und Underground-DIY-Künstlerin Ana Threat und der Radio-Legende Eberhard Forcher, einst selbst Musiker mit seinen Tom Pettings Hertzattacken und heute "Austrozone"-Scout für junge Talente. Das Line-Up deckt alle Nuancen der heimischen Szene ab - von Underground bis Mainstream, von der "Hochkultur bis zum Kellerloch".

 

So grungten am ersten Tag des Popfests die Kurt&Courtney-Epigonen "I´m a Sloth" vor dem traditionell vor der Karlskirche positionierten Red Bull Brandwagen. Das österreichisches Elektronik-Genie Felix Nyajo aka Salute lebt bereits im Geburtsland des Pop, im britischen Manchester, und steht vor einer großen internationalen Karriere. Auf der Seebühne begeisterte er mit Band und stilistischer Vielfältigkeit.

 

Zum ersten Mal beim Popfest dabei, aber seit fast 15 Jahren Stammgast bei internationalen Reggaefestivals: "Mono" Monika Jaksch & "Nikitaman" Nick Tilstra. Das temperamentvolle, top-eingespielte Duo sorgt aber nicht nur für Stimmung bis in die letzten Winkel der Konzert-Areale, sondern auch für politische Botschaften. "Kein Weed ist auch keine Lösung" thematisiert ihre (eher harmlose) Forderung nach Legalisierung von "Gras". Engagiert sind die beiden aber vor allem im fast aussichtslosen Kampf gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. "Ein Haus ist kein Zuhause, Zuhause ist kein Land, Man muss keine Mauern haben, um ein Zuhause zu haben." Die Töne sind verklungen, die Gesinnungen nicht. Denn die Zielgruppe, die es betrifft, war sicher nicht im Publikum.

 

 

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Klagenfurt: Kremser Steiner Tor inmitten vieler Weltwunder im Minimundus-Park.

1959 wurde der Minimundus-Park in Klagenfurt mit damals 20 Modellen, das älteste die Burg Hochosterwitz, eröffnet. Heute stehen im 26.000 m2 großen Gelände insgesamt 156 Modelle, der Großteil im Maßstab 1:25. 

 

Ca. 1/3 Drittel der Modelle zählen zum regionalen Bereich, der Rest sind internationale Wahrzeichen und Weltwunder. Von Brandenburger Tor, Eiffelturm, Weißem Haus, Sagrada Familia bis hin zu Moscheen, Wüstenpalästen, Atomium, Freiheitsstatue und zum legendären Hollywood-Schriftzug.

 

Der Petersdom mit dem vorgelagerten Petersplatz ist mit 6 Jahren das Modell mit der längsten Bauzeit. Er besteht hauptsächlich aus dem Originalmaterial Travertin und kostete 730.000 Euro. Das höchste Modell ist der 23 Meter hohe CN-Tower von Toronto., original ragt der Fernsehturm 553 Meter in die Höhe.

 

Aber auch Österreichs Sehenswürdigkeiten können sich sehen lassen: Der Stephansdom, das glamouröse Schloss Belvedere, das Prater-Riesenrad oder auch Otto Wagners Jugendstil-U-Bahn-Stationen. Und natürlich das Kremser Steiner Tor, das unter der Nummer 68 zentral im Miniaturen-Park residiert. 

 

Auf den Beschreibungen erfährt man, dass das Steiner Tor bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts nur aus einem quadratischen Block und den Türmen bestanden hat. Erst 1756 in der Regierungszeit Maria Theresias wurde das Kremser Wahrzeichen mit einem achteckigen Turm aufgestockt. 

 

Geschichtsunterricht, gepaart mit Spaß und Unterhaltung in einem wunderschönen Areal. Das ist der Minimundus-Park in Klagenfurt. Immer eine Reise wert.

Parlaments-Bilanz 2016/17: Umstrittene Novellen und eine mäßige Bildungsreform!

Das Parlament zieht Bilanz über das abgelaufene Jahr, das mit einem vorzeitigen Neuwahlbeschluss am 13. Juli endete. Der Nationalrat ist zwischen September 2016 und Juli 2017 insgesamt 52mal zusammengetreten. Dazu kamen 148 Ausschuss-Sitzungen, 18 Unterausschuss-Sitzungen und 18 Sitzungen des Hypo- und Eurofighter-Untersuchungsausschusses. 

 

Insgesamt wurden 153 Gesetze beschlossen, 24 Staatsverträge genehmigt und 9 Bund-Länder-Vereinbarungen zugestimmt. Rund 35 % der Beschlüsse fielen einstimmig.

 

Als Reaktion auf die Bundespräsidenten-Stichwahlaufhebung wurde im November 2016 ein kleines Wahlrechtspaket, das die Einrichtung eines zentralen Wählerregisters beinhält. Vor Weihnachten wurden 200 Millionen Euro für die medizinische Primärversorgung und ein flächendeckender Ausbau der Ganztagsschule bis 2025 beschlossen. 

 

Im April 2017 wurde das Versammlungsrecht novelliert, das Schutzzonen bis zu 150 Meter festlegt, die Frist zur Anmeldung von "Demonstrationen" auf 48 Stunden erweitert und der Bundesregierung die Möglichkeit gibt, Auftritte ausländischer Politiker zu verbieten. Beschlossen wurde auch ein Integrationsgesetz, das anerkannten Flüchtlinge zur Absolvierung eines Integrationsjahres mit Deutsch- und Wertekursen verpflichtet. Bei Weigerung drohen Sanktionen wie die Kürzung der Mindestsicherung. Im Paket enthalten sind auch ein Burka-Verbot (mit Strafen bis zu 150 Euro) und ein in der Straßenverkehrsordnung geregeltes "Koranverteilungsverbot". 

 

Mehr Geld gibt es für die Unis und Studenten. Die Studienbeihilfe wird um 18 % erhöht, und - gegen die Stimmen der ÖVP - wird das Uni-Budget um 1,35 Milliarden Euro erhöht. 

 

In 2 Tagen werden Ende Juni 51 teils umstrittene Gesetze beschlossen, darunter Novellen zum Fremden-, Straf- und Datenschutzrecht. Im Privatinsolvenzrecht wird die Mindestquote von 10 % abgeschafft, die Abschöpfungsfrist wird von 7 auf 5 Jahre reduziert. Der Pflegeregress wird ab 1. Jänner 2018 der Vergangenheit angehören.

 

Die Grünen sorgen bei der "Bildungsreform" für die notwendige 2/3-Mehrheit. Das Ergebnis ist allerdings wenig befriedigend: Etwas mehr Autonomie für die Schulen, allerdings keine Änderung des Kompetenzwirrwarrs zwischen den Gebietskörperschaften. In jedem Bundesland soll an der Spitze der Schulverwaltung ein Bildungsdirektor stehen, der im Einvernehmen zwischen Landeshauptmann und Bundesminister ernannt wird. Die Parteipolitik spielt weiterhin Ramba-Zamba in den Bildungsagenden. Es war nichts anderes zu erwarten.

"Wonderful Crazy Night!" - Sir Elton John rockt das Klagenfurter Wörtherseestadion!

450 Millionen verkaufte Alben, zahlreiche Nr. 1-Hits (darunter mit dem Princess Diana-Tribute "Candle in the Wind" die mit 45 Millionen vekauften Exemplaren meistverkaufte Single aller Zeiten), Oscar-Preisträger und Gründer zahlreicher Wohltätigkeitsprojekte (wie die Aids Foundation). Mit Reginald Kenneth Dwight aka Sir Elton John betrat ein britischer Weltstar die Arena des Wörtherseestadions in Klagenfurt, und mehr als 16.000 Fans aus ganz Österreich und den Nachbarländern feierten mit ihm eine glanzvolle Tour zurück in seine und ihre eigene Vergangenheit.

 

Die Tour ist zwar benannt nach Elton Johns neuem Album "Wonderful Crazy Night", in Wirklichkeit ist sie aber ein Rückblick auf seine größten Hits, vielleicht auch eine nostalgische Abschiedstournee. Gleich 16 der 22 Songs stammten aus den 70ern, als Elton John der erste Künstler seit den Beatles war, der mit 4 Titel gleichzeitig in den amerikanischen Top Ten vertreten war. Gemeinsam mit seinem kongenialen Songschreiber Bernie Taupin entstanden so Perlen wie der "Almost Famous"-Track "Tiny Dancer", das kürzlich von Ellie Goulding gecoverte "Your Song", "Rocket Man", "Sorry seems to be the hardest Word" oder "Don´t let the Sun go down on me", bei dem man leicht melancholisch berührt den Schatten von George Michael spürte. Betroffen ist Elton John auch von den zahlreichen Terroranschlägen in Nizza, London, Berlin und Manchester, an deren Opfer er eine Videobotschaft ausstrahlte. 

 

Viele Konzertbesucher haben sich bei den Songs von Elton John zum ersten Mal verliebt bzw. sind damit erwachsen geworden, egal ob in den 70ern oder in den 80ern. Das merkt man bei Tracks wie "Sad Songs say so much", "I´m still standing" oder "Crocodile Rock", bei denen die Fans mitsingen, tanzen und stakkatomäßig applaudieren. Vom Rasenparterre bis hin zu den obersten Rängen. 

 

Den Schlusspunkt setzte Elton John mit der Originalversion von "Candle in the Wind", die 1974 Marilyn Monroe gewidmet war. Traurig, dass das Konzert nach 2,5 Stunden zu Ende ging. So viele Songs hätten der wunderbare Musiker und seine tolle Band noch im Repertoire gehabt. Elton hat´s auch gefallen. "Our second Austrian Show and a second fabulous audience tonight. Thank you Austria" postete er auf Facebook nach seinem 2. Österreich-Auftritt auf der Burg-Clam. Zwischendurch düste er übrigens heim nach London. Chapeau!

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StGB-Novelle: Nationalrat stellt „Antanzen“ und „staatsfeindliche Bewegungen“ unter Strafe!

 

Neue Entwicklungen im Bereich der Kriminalität veranlassten den Nationalrat im Rahmen der Juni-Plenarsitzungen zu einer Novelle des Strafgesetzbuches (StGB), die am 1. September 2017 in Kraft tritt.

 

So gelten - neben Leben, Gesundheit, körperlicher Unversehrtheit, Freiheit und Vermögen – ab sofort auch "sexuelle Integrität und Selbstbestimmung" als notwehrfähiges Rechtsgut. Angemessene Notwehr ist somit gemäß § 3 StGB zur Abwehr sexueller Gewalt zulässig.

 

Verschärft wird gemäß den §§ 83, 91a das Strafausmaß für Körperverletzungen und tätliche Angriffe auf Bedienstete einer dem öffentlichen Verkehr dienende Anstalten. Wer beispielsweise einen ÖBB-Schaffner im Dienst verletzt, riskiert eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren.

 

Neu eingeführt wird der Straftatbestand des "Antanzens" in Form des § 218/2a: "Wer wissentlich an einer Zusammenkunft mehrerer Menschen teilnimmt, die darauf abzielt, dass eine sexuelle Belästigung begangen werde, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen." Bei unmittelbarer Begehung einer sexuellen Belästigung mit mindestens einer weiteren Person in verabredeter Verbindung droht eine Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren. 

 

Straflos wird in "leichteren" Fällen das sogenannte "Sexting", die Herstellung bzw. Verschaffung pornographischer Darstellungen von sich selbst.

 

Heftig kritisiert von der Opposition als „Gesinnungstatbestand“ wurde der neue § 247a StGB, der die Gründung staatsfeindlicher Bewegungen unter Strafe stellt. Darunter versteht das Gesetz eine Gruppe vieler Menschen, die darauf ausgerichtet ist, die Hoheitsrechte der Republik Österreichs rundweg abzulehnen oder sich fortgesetzt die Ausübung solcher anmasst. Voraussetzung für die Strafbarkeit ist die Ausführung einer ernstzunehmenden Handlung durch einen Teilnehmer. Auf die Auslegung dieses Paragraphen durch die Justiz darf man gespannt bzw. besorgt sein.

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Disco Boat Wachau - Mit Dance-Beats Richtung Weltkulturerbe!

Die Wachau hat schon viel überstanden. Die als Raubritter verschrienen Kuenringer, die den englischen König Richard Löwenherz in Dürnstein gefangenhielten, die Schlacht von Dürnstein 1805 zwischen französischen und russisch-österreichischen Truppen, die (Jamek &Co sei Dank) misslungenen Pläne eines Wasserkraftwerks bei Rührsdorf, die vielen Hochwasserkatastrophen oder die schmalzigen Heimatfilmchen vom Mariandl bis zur Donauprinzessin. Insofern konnte Party-Veranstalter Martin Neger mit seinem Ibiza Disco Boat da gar nichts falsch machen :-)

 

Die ersten Schiff-Discotheken von Wien nach Krems gab es bereits in der Modszene der 80er, Neger selbst organisierte 2008 zum ersten Mal ein "Spotlight Boat" Richtung Wachau. Dieses Jahr caterte er die MS Stadt Wien, 78m lang, 16m breit, 920 PS. Die Reise in die seit 2000 zum Weltkulturerbe gehörenden Wachau startete um 21 Uhr, vorbei an Schloss und Ruine Dürnstein, Weißenkirchen, der alten Wehrkirche von St. Michael bis nach Spitz und zurück. Coole Drinks am Sonnendeck, kulinarische Schmankerl vom Schreiberhaus und heiße Dance-Beats von Djane Riva Elegance, Tom Van Hoed und Martin Luftsprung inklusive.

 

Das Nachsehen hatten nur die Segways von "Seg and the City Krems", die den nicht barrierefreien Zugang auf Deck scheuten. Aber die sind ja auf das Tagesgeschäft spezialisiert und zumindest - beruflich - keine Kapitäne des Nachtflugs :-)

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Nightlife-Lärm vor Lokalen: Nationalrat entschärft Rechtsfolgen für Gastronomen!

Im letzten Jahr sorgte der Fall der Wiener Innenstadt-Diskothek "Bettelalm" bundesweit für Aufregung. Diese musste aufgrund der Anzeigen eines einzigen Anrainers kurzfristig die Sperrstunde auf 24 Uhr zurückverlegen, was de facto auf lange Zeit die Schließung des Betriebs nach sich ziehen würde. Der zugrundeliegende Paragraph § 113/5 der Gewerbeordnung wurde im Rahmen der letzten Nationalratssitzung jetzt endlich entschärft. Es handelt sich aber trotzdem um keine Anlassgesetzgebung, da der relevante Paragraph vor allem hinsichtlich des im Mai 2018 kommenden Rauchverbots in der Gastronomie noch eine eminent wichtige Rechtsquelle für das Nachtleben darstellen wird.

 

Die neue Formulierung des § 113/5 1. Satz lautet nun folgendermaßen: "Wenn die Nachbarschaft wiederholt durch ein nicht strafbares Verhalten von Gästen vor der Betriebsanlage des Gastgewerbebetriebes unzumutbar belästigt wurde oder wenn sicherheitspolizeiliche Bedenken bestehen, KANN die Gemeinde eine spätere Aufsperrstunde oder eine frühere Sperrstunde vorschreiben." Die MUSS-Bestimmung wurde durch eine KANN-Bestimmung ersetzt, die der Gemeinde einen Ermessensspielraum einräumt. Der Paragraph wurde außerdem durch eine verpflichtende Beiziehung von Sachverständigen erweitert: "Vor der Beurteilung, ob eine unzumutbare Belästigung im Sinne des ersten Satzes vorliegt, IST Beweis durch Sachverständige aufzunehmen." 

 

Eine sofortige Rückverlegung der Sperrstunde ist somit vom Tisch. Die Novelle der Gewerbeordnung tritt - nach Absegnung des Bundesrates - mit der Kundmachung im Bundesgesetzblatt in Kraft, also vermutlich noch im Sommer.

"Abstract Painting Now!" - Kunsthalle-Reopening in Krems nach Generalsanierung!

Einst, seit 1852, stand in diesen Räumlichkeiten eine Tabakfabrik, die vielen Bewohnern von Krems einen Arbeitsplatz sicherte. In den Jahren 1992-1995 wurde diese vom Architekten Adolf Krischanitz umgebaut in die sogenannte "Kunsthalle", die - beginnend mit "Wasser und Wein" - seitdem mit spannenden Ausstellungen von Schiele, Klee, Repin, Renoir bis hin zu Newton und Semotan die zeitgenössische Kunst präsentierte und sukzessive Bestandteil der Kunstmeile Krems mit unterschiedlichen Museen und Galerien wurde. 

 

3,5 Millionen Euro wurden investiert, um - parallel zum Bau der 35 Millionen Euro teuren Landesgalerie mit dem hypermodernen Kubus der Vorarlberger Architekten Marte-Brüder -  auch die Kunsthalle Krems generalzusanieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Komplett neu eingerichtet wurde das Foyer, inklusive Kasse und Katalog-Regalen. Die Zentrale Halle zeigt sich jetzt mit Glasdach, durch welches das Tageslicht schimmert. Tobias Pilz nützt diesen Raum mit einer riesigen Malerei-Installation, die komplett den legendären Schrägweg Richtung 1. Stock abdeckt. Die anderen Wände dagegen sind komplett schwarz gehalten und treiben - laut Kuratorin Verena Gamper - den Besucher wie durch einen Tunnel Richtung Installation.

 

Sichtlich stolz ist der neue künstlerische Leiter, Kunsthistoriker Florian Steininger, auf seine erste Ausstellung in der neueröffneten Kunsthalle: "Abstract Painting Now!" zeigt ca. 60 künstlerische Positionen mit Schwerpunkt auf das ungegenständliche Tafelbild. Sündteure Werke eines Gerhard Richter residieren dort neben minimalistischen - durch Tintenstrahldrucker erzeugte - Streifenbildern und geometrischen Rasterbildern des bei der Eröffnung persönlich anwesenden Iren Sean Scully. Junge österreichische Kreative wie Suse Krawagna geben sich neben der deutschen Airbrush-Künstlerin Katharine Grosse und der Britin Sarah Morris, die ein Rasterbild des US-Außenministeriums konzipierte, ein Stelldichein.

 

Die slowakische Brass-Band Balkan Sambel begleitete - in Form einer Street Parade - die Besucher zur Dominikanerkirche. Dort fand nicht nur die dritte Ausstellungseröffnung von Sebastian de Ganey, sondern auch das traditionelle Sommerfest statt.

 

127 Millionen Euro investierte das Land Niederösterreich 2016 in die Kultur. Eine nicht unumstrittene Verdreifachung der Subventionen innerhalb der letzten 25 Jahre. Die Angebote sollte der Bürger aber nützen und den Mut haben, traditionelle Pfade zu verlassen. In jeder Hinsicht.

"After Laughter" - Hayley Williams rockt mit Paramore die Wiener Arena!

"Der Gesichtsausdruck, wenn man ausgiebig gelacht hat und dann dieser Moment kommt, in dem man wieder in der Realität ist!" - So beschreibt Hayley Williams den Begriff "After Laughter", gleichzeitig der Name des neuen Albums ihrer Band Paramore. Und liegt damit eigentlich falsch. Denn trotz einiger Umbesetzungen in der Formation und einer Wandlung von einer Punk-Rock-Emo-Band hin zu New Wave und Synthi-Pop haben Paramore auch in der Realität viel zu lachen.

 

Das neue Album mit der ersten Hit-Single "Hard Times" rauschte blitzartig in die Charts und überzeugte auch die alten Fans. Der "Tour One"-Gig von Paramore in der Wiener Arena war fast ausverkauft und begeisterte - nach einem punkigen Support von Bleached - von Anfang bis Ende die vorwiegend jungen Besucher. In Top Form die aktuell blonde Sängerin Hayley Williams, die auch bereits mit Hip Hop-Tracks ("Aeroplanes") und Trance Anthems ("Stay the Night) die Charts stürmte, aber im bereits (nicht verflixten) 13. Jahr weiterhin ihrer Band die Treue hält. Die Setlist ausgewogen zwischen Songs aus dem neuen Album (wie "Fake Happy" oder "Told you so"), "Twilight"-Reminiszenzen und alten Krachern wie "Misery Business" und Still into you". Für Kuschelrock- und Feuerzeugatmosphäre sorgten das wunderschöne "I hate to see your Heart break" und das Fleetwood Mac-80er-Cover "Everywhere", im Original zumeist älter als das Alter der Fans. Zwei davon holte Hayley gegen Ende des Konzerts auf die Bühne.

 

Wie wichtig der überzeugten Christin Konzerte sind, bewies sie auch bei ihren Moderationen, indem sie immer wieder das spezielle Feeling bei Live-Gigs und den Zauber der Musik betonte. Sozusagen Ain´t it fun living in the Real World. Jener Track, mit dem Paramore 2015 den Grammy für den besten Rock-Song des Jahres gewannen. Die Magie von Paramore endete - nach einem Solo-Auftritt des zurückgekehrten Band-Mitglieds Zac Farro - kongenial mit "Hard Times". Bei so viel positiver Energie sind allerdings auch die zu ertragen.

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