2016 - Shots of the Year !

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Pop-Superstar und Gay-Ikone - In Memoriam George Michael.

Eine Trauer-Nachricht überschattet Weihnachten 2016, und zwar gerade über jenen Pop-Superstar, der verantwortlich zeichnet für den erfolgreichsten Weihnachts-Song aller Zeiten: George Michael. Der 53jährige wurde am Christtag in seinem Haus in Oxfordshire tot aufgefunden. Vermutliche Ursache: Herzversagen. Drogenmissbrauch wird (vorerst) nicht gänzlich ausgeschlossen.

 

Die Karriere des Sohnes einer britischen Mutter und eines griechisch-zypriotischen Vaters begann in der Schule, als George Michael den dortigen Schönling Andrew Ridgeley kennenlernte und mit ihm die Band "Wham" gründete. Die Formation passte ideal in die Aufbruchsstimmung der 80er, als die Londoner Musikszene blühte. Der Sound: Soul-Pop, garniert mit bunten Videoclips, coolen Backgroundsängerinnen (Pepsi & Shirlie) und einem sexy Image. Bereits die ersten Tracks landeten hoch in den Top Ten der britischen Charts: "Wham Rap", "Young Guns" und "Bad Boys". Ebenso das erste Album "Fantastic". Das Video zum Reggae-Pop-Klassiker "Club Tropicana" (1983) wurde dort gedreht, wo sich die Reichen und Schönen der 80er trafen, im legendären Pikes Hotel in Ibiza. 

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Wanda auf Auswärtsspiel: Wiener Pop-Heroes begeistern in Salzburg.

2016 war zweifellos das erfolgreichste Jahr der Wiener Band Wanda: Ausverkaufte Wiener Stadthalle mit über 12000 Fans, top-besuchte Konzerte und Chartplatzierungen auch im Ausland, 3 Amadeus-Awards in den Kategorien Band, Live-Act des Jahres & Pop-Rock, verbunden mit dem selbstbewussten Image, der österreichischen Musikszene wieder ein attraktives Gesicht gegeben zu haben. 

 

Bevor es 2017 wieder ins Studio geht, bereisten die Jungs rund um den charismatischen Frontmann Michael Marco Fitzthum aka Marco Michael Wanda im Dezember die Bundesländer. Auf der Tour-Liste auch die Salzburg-Arena, wo sich infolge des Massenansturms zeigte, wie beliebt die erst seit 2012 bestehende Band in Österreich ist. Erstaunlich ist auch, wie viele Pop-Gassenhauer sich auf den nur zwei Alben "Amore" und "Bussi" befinden, die nahezu jedes Konzert-Publikum mitreißen. Die Inspirationsquelle der Beatles, die vor dem Wanda-Konzert laufen, kommt da wohl nicht von ungefähr.

 

Start-Track ist wie üblich das rockige "Luzia", zuvor wird allerdings noch mit der Bierdose auf die Fans angestoßen. Ein Ritual, das man bereits von den ersten Konzerten Wandas kennt. Ebenso wie die wilden kreisenden Bewegungen im Stil von Dave Gahan. Die Hits kommen wie am laufenden Band: "Schickt mir die Post", "Auseinandergehen ist schwer", "Meine beiden Schwestern", die "stehengelassenen Weinflaschen" (nach denen sich Marco rückwärts fallen lässt) oder das Wiener Liedl über die "Mona Lisa der Lobau". Bei einer verzerrt-trancigen Maxi-Version von "Gib mir Schnaps" versetzt sich der Sänger in die Rolle Jim Morrisons, stürzt in die Menge und lässt sich wellenartig durch die ersten Konzertreihen tragen. Ein Konzept, das auch in Salzburg aufgeht.

 

Party-Alarm dann bei den Super-Hits "Bussi Baby" und "Bologna". Da können sich Wanda zielsicher auf die Sangeskünste des Publikums verlassen. Als Zugaben gibt es dann noch "Wenn ich zwanzig bin" (mit dem eingängigen Refrain "Ich fall in ein tiefes Loch") und die ballermannähnliche Mitklatsch-Hymne "1, 2,3,4". 

 

Die Salzburger Fans sind zufrieden, die Wiener Popheroes auch. Man darf gespannt sein, wie die neuen Songs klingen, die im Spätsommer 2017 veröffentlicht werden. Bis dahin nicht vergessen: "Wenn jemand fragt, wofür du stehst, sag für Amore !"

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„Viva Diaspora“: Multikultureller Bucovina-Sound von Shantel im Wiener WUK.

Tanzen, Lebensfreude, Völkerverbundenheit und ein fröhliches Lächeln auf den Lippen: Das sind ideale Attribute für Konzert-Besucher. Und es gibt wohl kaum jemanden, der diese Gefühle besser auslösen kann als der Großmeister des Balkan-Pop, Shantel, gemeinsam mit seinem perfekt eingespielten Bucovina Club Orkestar.

 

Pünktlich zur Weihnachtszeit lud Shantel, bürgerlich Stefan Hantel, wieder zum Konzert ins WUK. Wien ist für Shantel ein besonderer Auftrittsort. "Wien ist einerseits stockstarr, konservativ, historisch in Marmor gemeißelt, andererseits frech, revolutionär und sehr hedonistisch veranlagt. Dieser Hedonismus, diese Internationalität, dieser kosmopolitische Spirit, den findet man kaum in einer anderen kontinentaleuropäischen Stadt“, so Shantel in einem aktuellen Interview. Inspiriert zum multikulturellen Balkan-Pop wurde er übrigens 2001 durch eine Reise in die Heimatstadt seiner Großeltern, Czernowitz, gelegen in der rumänischen Bukowina.

 

„Disko Partizani“, sein größter Hit aus dem Jahre 2007, war gleichsam Opener als auch finaler Track beim diesjährigen Wiener Konzert. Dazwischen lagen zwei Stunden schweißtreibende Beats, für Band und Fans. Eine bunte, innovative Mixtur aus Balkan Sounds, Electro, Greek Folk, Ska und Rock-Elementen. Weiblicher Blickfang des Bucovina Orkestars ist die dunkelhaarige Sängerin Tea Mikic, die – neben den Keyboards – sexy orientalische Songs performt. Für den typischen Bukowina-Sound sorgen die männlichen Musiker der Band, die mit Trompeten und Posaunen die Stimmung anheizen. Publikumsliebling ist neben Shantel selbst der Schlagzeuger Marcus Darius, der auch einige witzige Einlagen abliefert. 

 

Zu den Zugaben darf auch das bunt gemischte Publikum allen Alters auf die Bühne. Vor allem die jungen Mädels shaken gemeinsam mit der Band ab, kongenial inszeniert zum „Viva Diaspora“-Hit „The Streets where the Kids have Fun“. Musik schweißt zusammen. In diesem Sinne auch Shantel: „Die ganze Debatte um Identität und Heimat ist völlig uninteressant.“ Vielleicht sollten die Politiker mehr tanzen gehen.

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Karlsplatz-Art: "4 Grazien" markieren den Red Carpet Showroom !

Die 4 Grazien sind ein bekanntes Künstler-Kollektiv aus Wien-Neubau, das seit Jahren mit ambivalent-kritischen Performances, Fotografien, Videos und Malereien von sich hören lässt. So auch aktuell im Red Carpet Showroom in der U-Bahnstation Karlsplatz.

 

Während dort gestresste Arbeitnehmer, Studenten und Touristen Richtung Subway hetzen, sitzen 4 Abbilder der Protagonistinnen entspannt in den Büschen und verrichten dort so ihre Dinge. Oder kunstsprachlich ausgedrückt "Markieren". So hieß auch der Titel ihrer letzten Ausstellung im Künstlerhaus Wien, in der Mela Kaltenegger, Petra Gell, Susanna Schwarz und Maria Wetter mit traditionellen geschlechtlichen Rollenbildern spielten und wie in der gegenwärtigen Installation männlich stigmatisierte Verhaltensmuster simulierten.

 

Die vier Frauen kennen sich seit ihrem Studium an der Akademie der bildenden Künste und wurden bereits dort "4 Grazien" genannt. 2014 führte sie eine Ausstellung über "prähistorische und zeitgenössische Frauenbilder" auch nach München. Internationale Girl-Power, Männer warm anziehen !

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BP-Stichwahl: Warum Van der Bellen gewonnen und Hofer verloren hat !

1.) Ein teils unfaires Anti Hofer-Kartell von Parteien, Medien ("Es kann nur einen geben"), Interessensvertretungen, Industriellen (wie der „Öxit“-Kampagnenführer Haselsteiner) Künstlern und Promis.

 

2.) Ärger der Bürger über die Wiederholung der Wahl (der naturgemäß dem Wahlanfechter zufällt). 

 

3.) Zu aggressives Wahlkampf-Finale von Norbert Hofer in der letzten TV-Diskussion (inkl. indiskutabler Auftritte einer ehemaligen ÖVP-EU-Abgeordneten).

 

4.) Falsche – zu wenig liberale - Positionierung der FPÖ gegenüber urbanen Städtern, höheren Bildungsschichten und gegenüber Frauen. Letztere votierten zu 62 % für Van der Bellen und entschieden somit die Stichwahl.

 

Anm.: Dass laut einer Umfrage 64 % der VDB-Wähler den grünen Wirtschaftsprofessor nur gewählt haben, um Hofer zu verhindern, zeigt aber, dass man auch dessen Vorzüge nur mangelhaft präsentiert hat. 

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Stele in Dinstlstraße: Zur Erinnerung an die 1978 abgerissene Kremser Synagoge

Dunkle Geschichten ranken sich um den Abriss der ehemaligen Kremser Synagoge in der Dinstlstraße. So soll im Jahre 1938 ein NS-Funktionär den Judentempel vor dem Abbruch bewahrt (!) haben, den genau 40 Jahre später ein Kremser Baumeister legal durchgeführt hat. 

 

Entworfen hat die Synagoge der Wiener Architekt Max Fleischer, die örtliche Bauleitung wurde den Kremser Architekten Josef Utz, Vater und Sohn, übertragen. Eingeweiht wurde sie im Jahr 1894, obwohl damals in Krems nur ca. 200 Personen jüdischen Glaubens wohnten. Während des zweiten Weltkriegs wurde die Synagoge an die Stadt Krems "übereignet". Am Ostermontag, dem 2. April 1945, wurde Krems von Bombern der US-Luftflotte beschossen. Während das Bahnhofsviertel und Teile der Dinstlstraße völlig zerstört wurden, überstand die Synagoge das Bombardement fast unbeschädigt.

 

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Synagoge an die Kultusgemeinde zurückerstattet. Immer wieder gab es allerdings Gerüchte, dass sie verkauft und beispielsweise als Stadtbücherei oder Fahrschülerhort verwendet werden solle. 1971 erfolgte tatsächlich der Verkauf, ein Geschäftswohnhaus sollte errichtet werden. Verhindert wurde dies durch den Wehrturm auf der Liegenschaft, der im Gegensatz zur Synagoge unter Denkmalschutz stand. 

 

1976 - 1 Jahr nach Auszeichnung der Stadt Krems zur "Modellstadt der Denkmalpflege", wurde der Abbruch der Synagoge genehmigt. Der Baubescheid wurde am 10. März 1978 rechtskräftig, noch am selben Tag - an einem Freitag (!) - rollten die Bagger auf und legten die einzige in gutem Bauzustand vorhandene Synagoge Niederösterreichs in Schutt und Asche. Später stand dort eine farblose CA-Filiale, heute ein Glücksspiellokal (!).

 

Nicht die einzige Bausünde der letzten Jahrzehnte in Krems, wenn man an den Abriss des Brauhofsaals, diverse Einkaufszentren oder Monumentalbauten am Köglweg denkt. In Erinnerung an die Synagoge wurde jetzt eine Gedenkstele mit einem Glas-Schaubild errichtet. Die Idee stammt von Dr. Robert Streibel, umgesetzt wurde sie von Schülern der HTL Krems in Zusammenarbeit mit Historiker DI Kalt. Leider nur ein schwacher Trost.

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Austropop-Kult: "Wir 4" rocken auf dem Adventmarkt Karlsplatz.

Sie zählen zu den wahren Austropop-Legenden: Rocker Ulli Bär, Songcontest-Hero Gary Lux, Bassist Harald Fendrich und Drummer Harry Stampfer von der Ambros-Band. Gemeinsam stehen sie seit 2011 als "Wir 4" auf der Bühne und sorgen auf Festivals, Lokalen und Clubs für stimmungsvolle Retro-Atmosphäre. So auch beim vielleicht schönsten Wiener Adventmarkt vor der Karlskirche. 

 

Auf dem Programm stehen nicht nur neu arrangierte Coverversionen von Austro-Pop und Rock-Evergreens, sondern auch Eigenproduktionen wie "Durch die rosa Brün" oder "Heit is Heit" von ihrem 2014er-Album "Nach vuan". Georg Danzer ist ihnen nicht nur aufgrund ihrer Vergangenheit als Band-Mitglieder von Austria 3 ein besonderes Anliegen, "Ruf mi ned an" oder "Weiße Pferde" lösen nicht nur bei den Zuschauern eine leichte Melancholie und feuchte Augen aus. Beliebt auf der Set-List sind auch die deutschen Versionen alter Hits wie von den Beatles, Status Quo oder Foreigner. Statt "I wanna know what love is" heißt es dann wienerisch "I was genau wos los is", dargeboten von Gary Lux mit noch immer herausragender Stimme. 

 

Fans der 4 Austro-Pop-Haudegen, die wie viele andere Musiker, Journalisten und Medienexperten die mangelnde Unterstützung der Szene durch den ORF und Ö3 beklagen, gibt es bereits viele. Und so ist Ulli Bärs Gassenhauer "Langsam und unaufhaltsam gehen alle Lichter aus" garantiert kein Wink auf die Zukunft der Band. Wir freuen uns bereits auf den nächsten Auftritt in der Bundeshauptstadt.

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Sonntag-Pflichttermin: Der kultige Flohmarkt im Berliner Mauerpark.

Früher verlief hier der Todesstreifen zwischen Wedding im Westen und Prenzlauer Berg im Osten. Heute pulsiert hier vor allem am Sonntag das Leben, beim wöchentlichen Flohmarkt im Mauerpark nahe der Bernauer Straße.

 

Auf ca. 10.000 Quadratmeter Gelände bieten rund 400 private und gewerbliche Händler Vintage- und Kunstprodukte jeglicher Art an, nach denen sich nicht nur die heimischen Berliner sehnen, sondern vor allem die Touristen. Für das britische Stadtmagazin "Time Out" zählt der kultige Flohmarkt, der jede Woche um die 40.000 Besucher anzieht, zu den Top 3 der Sehenswürdigkeiten der deutschen Bundeshauptstadt.

Wer mutig oder nach durchtanzter Nacht noch auf Wolken schwebt, kann seine Gesangskünste beim Open Air-Karaoke im Amphitheater des Parks unter Beweis stellen. Oder ganz einfach den vielen multikulturellen Nachwuchs-Bands zuhören oder bei den zahlreichen Food- und Getränkeständen einen loungigen Nachmittag verbringen.

Die Idee eines Flohmarktes auf dem Mauerparkgelände wurde 2004 von zwei Freunden spontan in die Tat umgesetzt, im Vorjahr wurde es professionalisiert. Laut dem neuen Betreiber müsse man auch eine "Abwägung zwischen Feierspaß und Sicherheit" treffen. Auch die Standpreise wurden erhöht: Private Händler zahlen jetzt 20, gewerbliche 30 und Gastronomen 220 Euro pro laufenden Meter.

Kritik an der Kommerzialisierung des Flohmarkts kam naturgemäß auf, der sonntägliche Ansturm blieb aber ungebrochen. Ein Zitat eines Stammhändlers sagt wohl alles: "Verglichen mit anderen Berliner Flohmärkten ist der Mauerpark ein Rock´n Roll-Festival." Und der hält bekanntlich ewig jung.

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Unkonventionelle Kunst: Das 21er Haus feiert sein 5-Jahres-Jubiläum

Das 21er Haus feierte am Wochenende im Rahmen eines Open Days sein 5-Jahres-Jubiläum. In Wirklichkeit hat es schon eine bewegende lange Geschichte hinter sich.

 

Das Gebäude wurde nämlich ursprünglich vom österreichischen Architekten Karl Schwanzer für die Weltausstellung 1958 in Brüssel geplant. 1962 wurde es im Schweizer Garten in der Arsenalstraße wieder aufgebaut und als Museum des 20. Jahrhunderts (20er Haus) eröffnet. Bis zum Jahr 2001 diente es dem Museum Moderner Kunst als Ausstellungshalle, das dann ins Museumsquartier verlegt wurde. Ein Jahr später wurde es dem Belvedere übergeben. Nach einem jahrelangen Leerstand wurde das denkmalgeschützte Gebäude vom Architekten Adolf Krischanitz (der auch die Kremser Kunsthalle konzipierte) rekonstruiert und – nach einer längeren Umbauphase bei Gesamtkosten von 31 Millionen Euro – am  15. November 2011 wiedereröffnet.

 

Unkonventionell und interdisziplinär, so lautet die Programmatik des 21er Hauses. Dies wird auch durch die aktuellen Ausstellungen auf einer Fläche von insgesamt 2275 m2 widergespiegelt. Im Obergeschoß setzen sich zahlreiche Künstler in unterschiedlichster Art und Weise mit der „Sprache der Dinge“ auseinander. Im Untergeschoß bietet ein Cafe-Restaurant nicht nur eine loungige Art des Zusammenseins, sondern zeigen auch Fotografien das 20er Haus im gesellschaftlichen und künstlerischen Aufbruch der 60er Jahre. 

 

Highlight des 21er Hauses ist derzeit die noch bis zum 20. November zu sehende Installation des chinesischen Konzeptkünstlers und Aktivisten Ai Weiwei, der nach monatelangem Arrest seine Heimat China Richtung Berlin verlassen hat und in der Haupthalle des 21er Hauses unter dem Titel „translocation-transformation“ eine Ahnenhalle originalgetreu wiederaufbauen ließ. Ursprünglich gehörte diese 14 m hohe Konstruktion aus der späten Ming-Dynastie einer Teehändlerfamilie, die während der Landreform Chinas vertrieben wurde.

 

Parallel dazu konnten Belvedere-Besucher der letzten Monate im Schlossteich 1005 als Lotusblüten formierte Flüchtlings-Schwimmwesten betrachten, angeordnet als kalligrafisches F und umgeben von 12 Bronzeköpfen aus dem chinesischen Tierhoroskop. Witterungsbedingt wurde diese Installation bereits beendet, die Migrationskrise dagegen wird leider noch länger andauern.

 

 

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Bahnhof Zoo: Das Drogen-Epizentrum der 70er ist (fast) unschuldig geworden.

"Bahnhof Zoo, mein Zug fährt ein, ich steig aus, gut wieder da zu sein." So flippig-lebenslustig klingt es in der 80er-Hymne der NDW-Helden von Ideal. Tatsächlich war der Bahnhof Zoo, damals der wichtigste Verkehrsknotenpunkt des Personenfernverkehrs in Westberlin, auch ein düsterer Subkultur-Ort, an dem Drogen, Kriminalität und Prostitution herrschten. Vor allem an der Rückseite des Bahnhofs in der Jebensstraße. 

 

Dort entstand Ende der 70er auch das mitreißende Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", das die beiden "Stern"-Journalisten Kai Hermann und Horst Rieck aufgrund von Tonbandprotokollen der drogensüchtigen Christiane F. konzipierten. 1981 wurde unter der Regie von Uli Edel der gleichnamige Film gedreht, mit einer großartigen, fast zu hübschen Natja Brunkhorst in der Hauptrolle, schockierenden Fixer- und Sexszenen und mit Berlins Szeneikone David Bowie als Konzertstar und Soundtrackproducer. "We can be Heroes just for one day" war auch der Traum der vielen gestrauchelten Seelen in der dunklen Großstadt, der viel zu oft mit einer tödlichen Überdosis endete.

 

Mehr als 30 Jahre später hat sich die Lage zumindest am Bahnhof Zoo entspannt. Heroin ist aus der Mode gekommen, osteuropäische Prostituierte und Call-Boys haben die Junkies ersetzt, der Bahnhof selbst ist nach der Fertigstellung des neuen Hauptbahnhofes nur mehr ein Regionalbahnhof ohne Fernzugverbindungen.

 

Soziales Hauptproblem ist - trotz der Nähe zum Kurfürstendamm und zur renovierten Shopping Mall Bikini Berlin - die Obdachlosigkeit. 600 kommen täglich in die Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo, die vor einigen Jahren kurz vor der Schließung stand. Heute existiert sie trotz der Viertelaufwertung noch immer, die Berliner haben eben ein Goldenes Herz.

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Briefwahl unangetastet: Nationalrat beschließt Wahlrechtsänderungsgesetz.

Künftig soll es in Österreich ein Zentrales Wählerregister geben. Beschlossen wurde diese Änderung in der Nationalratssitzung vom 10. November mit der notwendigen 2/3-Mehrheit von SPÖ, ÖVP, FPÖ und den Grünen. 

 

Volksbegehren können dann unabhängig vom Hauptwohnsitz in jedem Gemeindeamt unterstützt werden. Dies gilt unverständlicherweise nicht bezüglich Unterstützungserklärungen für Parteien bei Nationalrats- oder EU-Wahlen. Vor allem Bürger aus ländlichen Regionen fürchten sich vor beruflichen oder auch persönlichen Nachteilen, wenn sie Parteien abseits des rot-schwarzen "Mainstreams" unterstützen. Neu ist auch die Möglichkeit einer elektronischen Unterschrift per Handysignatur oder Bürgerkarte.

 

Einige Neuigkeiten gelten bereits für die Bundespräsidentschaftswahl vom 4. Dezember. Wähler können jetzt auch aufgrund des Gesetzes das Kuvert selbst in die Urne werfen. Die Öffnung und Auszählung von Wahlkarten wurde praxisnäher gestaltet. Ein Rückschritt dagegen sind die Kuverts, man kehrt zumindest vorläufig auf jene mit Lasche zurück, die datenschutzrechtlich nicht unbedenklich sind. Die Kosten für die Wiederholung der Bundespräsidentenwahl übernehmen übrigens Bund und Länder.

 

Nicht angetastet wurde die Briefwahl, die in ihrer derzeitigen Ausgestaltung vor allem gegen das persönliche und geheime Wahlrecht verstößt. So ist es keinesfalls gewährleistet, dass der Wahlberechtigte selbst die Wahlkarte bestellt bzw. das Votum abgibt. Eine schlüssige Alternative, die Briefwahl auf Auslandsösterreicher zu beschränken und - unter Zuhilfenahme des zentralen Wählerregisters - allen anderen Wahlberechtigten zu ermöglichen, ihre Stimme per Wahlkarte österreichweit in einem Wahllokal abzugeben, wurde abgelehnt. Die Regierungsparteien werden schon wissen, warum. 

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"Perpetual Motions": US-Indie Rocker Ezra Furman gastiert im Wiener WUK.

Die Halloween Night rockte er noch in London, 3 Tage später beehrte der aus Chicago stammende Indie-Musiker Ezra Furman das Wiener WUK. Mit neuen Songs, charmant-extravaganter Show und seiner ausgezeichneten Band "The Boyfriends".

 

Furman entspricht auf keinem Fall dem typischen amerikanischen Mainstream-Rocker, eher dem Gegenteil, und das ist gut so. Queer angehaucht, gläubiger Jude, unnahbar und gleichzeitig wie ein Bar´s Best Friend, auf jeden Fall authentisch. "Ich sehne mich nach Gemeinschaft, aber ich habe sie noch nicht gefunden. Und ich lebe nirgends lange genug, um sie dort aufzubauen." - So Furman über sein 2015er-Album "Perpetual Motion People", das er der immer häufiger anzutreffenden Spezies "Restless People" widmete, der er selbst auch angehört. Und dabei immer wieder den fließenden Übergang von Hedonismus und Weltschmerz betont.

 

Themen, die vor allem die Generation 20-30 ansprechen, die vorwiegend in das Wiener WUK strömte. Und auch nicht enttäuscht wurde. Furmans abwechslungsreiche Live-Show kann sich sehen und hören lassen: Indie Rock-Hymnen a la "Lousy Connection", "My Zero" oder "Restless Year", schnelle, kurze Rock´n Roll-Stücke wie in den Good Old Sixties, dazu ein Acoustic-Middle Part und viele Kurzansprachen, bei denen Furman auch über sein Leben philosophiert. 

 

Die Seele eines Musikers wird naturgemäß aber durch seine Songs charakterisiert. Bei Furman am treffendsten bei "Can I Sleep in your Brain", einem genialen Track, der lange wie eine romantische Ballade klingt, dann allerdings in einen mitreißenden Rock-Klassiker hochdriftet. That´s Entertainment !

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East Side Gallery: Berlins kultigste Mauer nördlich der Spree.

Berlin: Nicht nur die hippe Szene-Metropole, in der man die Nächte und Tage bis zum Exzess durchmachen kann, sondern auch das historische Juwel, bei der man auf jedem Quadratmeter den Spuren der Vergangenheit begegnet. Obwohl es angeblich ein Viertel der Berliner nicht wissen: Die schreckenumwobene Mauer ist am 9. November 1989 gefallen. Nicht gänzlich, die Fragmente dienen allerdings nur dem Gedenken an die kommunistische Diktatur im ehemaligen Ostberlin.

 

Neben dem Brandenburger Tor, dem Checkpoint Charlie als internationalen Stützpunkt und der Bernauer Straße zählt die East Side Gallery nördlich der Spree zu den besonderen Highlights der Mauergeschichte. Kreuzberg gehörte während der Teilung Berlins zum Westen, die Wasserfläche bereits zu Ostberlin. Die heute noch erhaltene Mauer in der Mühlenstraße hatte die Funktion einer sogenannten "Hinterlandsicherungsmauer".

 

Als Zeichen dafür, dass die Zeiten der Trennung vorüber sind, wurde diese Mauer gerade an der Ostseite bemalt, daher der Name "East Side Gallery". Begonnen wurden die kreativen Arbeiten bereits im Februar 1990, beteiligt waren 118 Künstler aus 21 Ländern. Im November 1991 wurde die Mauer unter Denkmalschutz gestellt.

 

Der im Anschluss gegründete Verein "Künstlerinitiative East Side Gallery e.V." wurde trotzdem immer wieder mit negativen Einflüssen von außen konfrontiert, sei es durch die Schaffung neuer Schiffsanlegestellen oder durch die Entwicklung neuer Stadtentwicklungsprojekte, aufgrund derer sogar Segmente aus der Mauer entfernt wurden.

 

2009 wurde die East Side Gallery saniert, 87 Künstler malten ihre Bilder sogar erneut an die Mauer. Aktuell sind es neben der Umweltverschmutzung und der Witterung vor allem vorsätzliche Sachbeschädigungen und Verunstaltungen, die der kultigen Mauer zu schaffen machen.  Ein provisorischer Zaun stört derzeit an einigen Bereichen die Erstellung von Selfies und Hochglanzfotos.

 

Aufgrund der Undiszipliniertheit der Touristen könnte es aber noch schlimmer kommen. Einige Pläne stehen ein 80 cm hohes Gelände ca. 1,30 m vor der Mauer vor, damit amateurhafte "Street Artists" keinen Zugriff mehr auf die Mauer haben. Braucht Berlin danach einen neuen Mauerfall ? :-)

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Berlin-Alexanderplatz: Zentrum des Handels und historischer Revolutionen.

Mehr als 360.000 Personen passieren täglich den Alexanderplatz, der damit nicht nur die meistbesuchte Gegend Berlin ist, sondern auch der viertbelebteste Platz Europas.

 

Benannt ist der "Alex", wie er im Berliner Volksmund genannt wird, nach dem russischen Zaren Alexander I.. Geschichten gibt es über ihn nicht nur in der Literatur (Alfred Döblins gleichnamiger Arbeiterroman) zu erzählen. Seinen ersten großen Aufschwung erlebte er durch die Entstehung großer Kaufhäuser Anfang des 20. Jahrhunderts. Während der Schlacht von Berlin im zweiten Weltkrieg wurden viele Gebäude des Platzes durch die Rote Armee zerstört. Nach dem Wiederaufbau fungierte er als "Roter Platz" der DDR: Die 80.000 Quadratmeter Platzfläche dienten - in direkter Verlängerung der Karl Marx-Allee - als Kundgebungsort kommunistischer Großveranstaltungen wie der 25jährigen DDR-Feier oder der Weltjugendspiele. 

 

Doch der Hochmut kommt vor dem Fall. Es war auch der Alexanderplatz, auf dem sich 1989 die Oppositionellen trafen und am 4. November mehr als eine Million Menschen gegen die DDR-Diktatur und für Grund- und Freiheitsrechte demonstrierten. Einige Tage später fiel die Berliner Mauer.

 

Heute ist der Alexanderplatz mit seinen zahlreichen Kaufhäusern, Restaurants, Kinos und Shops beliebter Treffpunkt der Berliner und der Touristen. Als besonderer Anziehungspunkt gilt auch die 1969 installierte, zehn Meter hohe Weltzeituhr, die auf ihrer metallenen Rotunde die Namen von 148 Städten enthält und seit 2015 unter Denkmalschutz steht. MTV- und Viva-Fans kennen die Weltzeituhr auch aus dem Erasure-Video "Run to the Sun".

 

Das Areal des Alexanderplatzes steht derzeit vor einem Umbruch. Ob der Masterplan des renommierten Architekten Hans Kolhoff mit 11 Hochhäusern verwirklicht wird, ist eher fraglich. Für einen Wolkenkratzer mit dem Namen "Alexander Tower", 150 Meter hoch mit 39 Etagen und einer Mixtur aus Geschäften und Wohnungen, wurde aber kürzlich ein Bauantrag gestellt. Finanziert werden soll das Projekte ausgerechnet von Russen.

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Nationalfeiertag 2016: "Last Open Days" im Parlament vor der Sanierung.

Nur zwei Artikel weist das Bundesverfassungsgesetz über die Neutralität Österreichs auf, seit 1965 ist der Beschlussfassungstag, der 26. Oktober 1955, aber Grundlage des österreichischen Nationalfeiertages. In Wien ist dies gleichzeitig auch Anlass für zahlreiche Leistungsschauen und Tag der offenen Türen.

 

Am Heldenplatz wurden in Anwesenheit von Bundeskanzler Kern, Alt-Präsident Fischer und Verteidigungsminister Doskozil 1198 Rekruten angelobt. Gedacht wurde dabei auch an den Ungarn-Aufstand 1956, bei dem bereits Grundwehrdiener eingesetzt wurden. Das Bundesheer selbst erfährt durch das neue Budget eine finanzielle Aufwertung, geplant sind mehr Spezialisierung und eine Neuorganisation in den Militärkommanden.

 

Das Parlament wird in den nächsten 3 Jahren saniert, somit war dieses Jahr die letzte Gelegenheit, die originalen alten Räumlichkeiten am Karl Renner-Ring zu besuchen. Zur Audienz luden nicht nur die Nationalratspräsidenten, sondern auch diverse Abgeordnete der einzelnen Klubs. Im Nationalratsplenum wurde für die Gäste wieder ein Fotopoint eingerichtet, die Säulenhalle stand im Zeichen der Aktion "Mach dein Kreuz !".

 

Als besonderes Highlight präsentierten Kulturschaffende das Projekt "Im Herzen der Demokratie". Neben Lesungen, Theater und Tänzen in den verschiedensten Räumlichkeiten des Parlaments performte das renommierte Blechbläser-Ensemble Federspiel im historischen Sitzungssaal eine Neu-Version der Bundeshymne. Man darf gespannt sein, welcher der beiden Präsidentschaftskandidaten am 26. Jänner des nächsten Jahres dort sitzen wird. Bei der Angelobung vor der Bundesversammlung.

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Electro-Indie-Avantgarde im WUK: Cooles Polica-Debüt in Wien.

Es gibt wenige Bands im Indie Pop-Business, die so facettenreich und mehrdimensional agieren wie Polica aus Minneapolis. Das ist nicht zuletzt auch das Verdienst der charismatischen Sängerin Channy Leaneagh, die eine Kunstschule besuchte, die Violine perfekt beherrscht und auch Theater spielte. Mit ihrer Band Polica, deren Namensherkunft nicht eindeutig geklärt ist und je nach Interview auf einem Gruppencode oder einer schadhaften Computerdatei basiert, präsentiert sie avantgardistischen Electro-Indie Pop mit politisch-emotionalen Texten. 

 

Im Rahmen ihrer Europa-Tour gastierte die Band mit ihrer neuen CD „United Crushers“ auch im Wiener WUK und begeisterte die junge Hipster-Community mit ihren subtil-kraftvollen Tracks aus ihren drei bisher veröffentlichten Alben. Neben Channy agieren in der Band Bassist Chris Bearden und zwei Drummer, Ben Ivascu und Drew Christopherson. Produziert werden Polica von Channys Ehemann Ryan Olson, die gemeinsame Tochter ist mit on Tour. 

 

Fasziniert zeigte sich die Sängerin von Wien, wo man im Gegensatz zu den USA am Sonntag ohne Einkaufsrummel durch die Straßen und Parks spazieren gehen könne. Channy wirkt einmal wie die toughe Indie-Rockerin, dann wieder wie eine zerbrechliche Björk oder Florence Welch. Auf eine bestimmte musikalische Richtung will sich die Band auch nicht festlegen. 

 

Tracks wie die Hit-Single „Lime Habit“, das gegen Polizeigewalt gerichtete „Wedding“ oder die Ecstasy-Hymne „Berlin“ mit der genialen Zeile „The Time you don´t even know what your Name is“ machen Appetit auf mehr, die coole Performance von Miss Leaneagh sowieso.

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Equal Pay Day: Ab 11. Oktober arbeiten Frauen „gratis“.

Der 11. Oktober ist für Frauen nicht unbedingt ein Tag, um mit Champagner oder Prosecco anzustoßen. Denn ab diesem Tag arbeiten sie sozusagen „gratis“. 

 

Frauen müssen im Jahr 2016 statistisch gesehen 82 Tage länger arbeiten, um das Einkommen der Männer zu erreichen, sodass der sogenannte „Equal Pay Day“ dieses Jahr auf den 11. Oktober fällt. Ganzjährig vollbeschäftigte Männer verdienten durchschnittlich 48.863 Euro jährlich, Frauen nur 37.935 Euro. Dabei handelt es sich um eine Differenz von 10.928 Euro bzw. 22,4 Prozent. Die minimale Verbesserung von 0,07 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr ist nicht einmal ein Tröpfchen auf dem heißen Stein.

 

Betrachtet man die Unterschiede auf Bundesländerebene, so sind diese teilweise noch extremer. Am höchsten ist der Gehaltsunterschied in Vorarlberg mit 14.800 Euro (29,7 Prozent). Kaum besser sind die Ergebnisse in Oberösterreich (26,8 Prozent), Tirol (25 Prozent), Salzburg (24,7 Prozent) und der Steiermark (23,5 Prozent). Leicht über dem Durchschnitt liegt Niederösterreich mit 22,9 Prozent, leicht darunter Kärnten (21,9 Prozent) und Burgenland (21,5 Prozent). Das vergleichsweise beste Ergebnis liefert die Bundeshauptstadt Wien mit 18 Prozent. 

 

Die Gründe für die eklatant hohen Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen sind vielfältig: Die hohe Teilzeitquote der Frauen, auch in Zusammenhang mit dem mangelnden Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen und geringen Öffnungszeiten, unterbezahlte Frauen-Berufsfelder und – obwohl wir im 21. Jahrhundert leben – noch immer die partielle Diskriminierung von Frauen bei Führungspositionen. Und bei all diesen Statistiken ist noch gar nicht berücksichtigt, dass viele Frauen auch Arbeiten leisten, die überhaupt nicht bezahlt werden: die Kindererziehung, die Pflege älterer Familienmitglieder oder die Haushaltsführung. Eigentlich ein Trauerspiel.

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West End Stories - Kultur, Historie und Entertainment im Zentrum Londons.

London liebt nicht nur seine Popstars, Fußballtrickser und Modeschöpfer, sondern auch seine patriotischen Helden. So ist dem 1805 gegen die Franzosen und Spanier siegreichen Admiral Lord Nelson ein eigenes Denkmal gewidmet, das auf dem nach dem Schlachtort benannten Trafalgar Square steht. Heute ist dieser riesige Platz mit seinen zahlreichen Standbildern von Kriegshelden und Monarchen eine Art Reminiszenz an das einstige große britische Weltreich und gleichzeitig ein multinationales Zentrum, das jeder London-Tourist und Einheimische gerne quert. 

 

Die 1842 erbaute Nelsonsäule ist mit ihren 51 Metern übrigens so hoch wie Nelsons einstiges Flaggschiff HMS Victory. Wechselnd „besetzt“ mit zeitgenössischen Kunstwerken wird übrigens der vierte Sockel im Umkreis der Säule, aktuell sieht man dort ein Skelett eines Pferdes („Gift Horse“), dekoriert mit einem Geschenkband und einem Aktienkurs-Live-Ticker. Viel Kunst von Rubens, Dürer bis Raffael gibt es auch in der nördlich gelegenen National Gallery zu sehen, die seit 2003 bestehende Piazza davor dient heute nicht nur als Selfie-Tatort, sondern auch als unterhaltsame Plattform für Straßenkünstler.

 

Vom Trafalgar Square südlich gelangt man per Whitehall ins politische Viertel Londons, nördlich durch die Regent Street zum Piccadilly Circus. Einer der wichtigsten Straßenknotenpunkte Londons, der auch durch seine prominent platzierten Leuchtreklamen weltberühmt ist. Coca Cola, Hyundai, McDonalds oder Samsung sind derzeit stolze Inhaber der sündteuren Werbeflächen, Modifikationen der Darstellungsformen werden derzeit diskutiert. Für romantische Heiratsanträge und Liebesschwüre eignet sich der in der Mitte platzierte „Eros“-Brunnen, dessen nackte Figur aber eigentlich den Engel der Nächstenliebe darstellt.

 

Regent Street und Oxford Street sind die Top-Adressen für Shopping-Freaks, egal ob man jetzt auf Markenelitärschick, Avantgardelook oder günstigere Sonderangebote abfährt. Die Oxford Street ist derzeit zwischen 7 und 19 Uhr nur für Bus und Taxis befahrbar, 2020 soll sie zur reinen Fußgängerzone transformiert werden. London hat hier anscheinend mehr Mut als andere europäische Städte – Stichwort City Maut (Congestion Charge), die 2003 eingeführt worden ist.

 

Der Leicester Square östlich vom Piccadilly Circus gilt als Zentrum der Londoner Kinoszene, wo zahlreiche Welt- und Europapremieren der Blockbuster stattfinden (wie traditionell die Harry Potter-Verfilmungen). Bekannt sind vor allem das Odeon mit ca. 1700 und das Empire mit 1330 Sitzplätzen.

 

Am östlichen Rand des Londoner West Ends liegt der Bezirk Covent Garden, dessen zentraler Platz bis in die 70er Standort eines riesigen Marktes war. Aufgrund der Verkehrsstaus wurde der Markt verlegt, die bestehenden Markthallen wurden in Verbindung mit dem Freigelände neu positioniert als attraktives Zentrum für Kunst, Vintage-Artikel und geselliges Zusammensein. Talentiert-Charismatische Künstler, Artisten und Straßenmusiker lockern die Atmosphäre zusätzlich auf. 

 

Und vielleicht schafft ja eine „Fair Lady“ den Sprung in die mondäne High Society. So wie einst die Cockney-sprechende Blumenverkäuferin Eliza Doolittle, entdeckt von Professor Higgins auf dem Markt des Covent Garden.

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Kindergartenpädagogen: Zu geringes Gehalt und zu wenig Vollzeitstellen !

Sie sind neben den Eltern und den ersten Spielkameraden die wichtigsten Bezugspersonen unserer kleinen Mitbürger: Die Kindergartenpädagogen. Ihre Aufgaben werden in einer komplizierten Welt immer vielfältiger und herausfordernder: Die Vermittlung von Bildungsinhalten auf spielerischer Art, die Förderung von Talenten und sozialer Kompetenzen der Kinder, die Lösung von Konflikten innerhalb der Gruppe und natürlich auch die Vorbereitung auf einen unproblematischen Schulstart.

 

Ausgebildet werden die großteils weiblichen Kindergartenpädagogen in eigenen Bildungsanstalten (BAKIP), an denen neben einer Matura auch eine Berufsberechtigung erworben wird. In Diskussion steht derzeit auch eine Reform in Richtung tertiärer Bildungsabschluss.

 

Dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass beim motivierenden, aber auch anstrengenden Beruf des Kindergartenpädagogen eines nicht stimmt, nämlich die Bezahlung. Geregelt in eigenen Landesgesetzen (!) verdienen Kindergärtnerinnen nur zwischen 1735 (Burgenland) und 2300 Euro brutto monatlich. Letzterer Höchstwert stammt aus Salzburg, wo man kürzlich das Gehalt der Pädagogen um 430 Euro monatlich erhöht hat. Ein Wink mit dem Zaunpfahl auch für die anderen Bundesländer.

 

Eine Arbeiterkammerstudie aus der Steiermark zeigt nämlich, wie schlecht die Bedingungen für Kindergartenpädagogen aktuell sind. Auch wenn viele ihre Arbeit mit den Kindern als Berufung sehen, klagen sie über enorme Belastungen, vor allem durch Lärm, Infektionen und Beschwerden durch die notwendige gebückte Haltung. 

 

Abgesehen davon, dass schon die Bezahlung einer Vollzeitstelle zu gering ausfällt, arbeitet die überwiegende Mehrheit der Kindergartenpädagoginnen nur Teilzeit, weil viel zuwenig Vollzeitstellen angeboten werden. Im Schnitt verdienen jene, die bei der Studie mitgemacht haben, netto 800 Euro im Monat und sind damit auf die Unterstützung ihres Partners bzw. ihrer Eltern angewiesen, um ihre Lebenshaltungskosten bestreiten zu können.

 

Diese Situation ist untragbar. Menschen, die unsere kleinen Kinder auf ihrem Lebensweg begleiten, müssen ordentlich bezahlt werden. Und es müssen mehr Vollzeitstellen angeboten werden, um eine individuellere Betreuung der Kinder in Form kleinerer Gruppen zu garantieren. Dies ist wichtiger und vorrangiger als der Schmuck mit einem akademischen Titel.

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40 Jahre Arena-Besetzung – Der erste Widerstand der Wiener Zivilgesellschaft

Kunst gegen Kommerz. Ein Kampf, der in einer Stadt wie Wien zwar heute täglich stattfindet, aber sicher nicht so revolutionär und exzessiv wie damals im Sommer 1976. Die Arena auf dem ehemaligen Auslandsschlachthof-Gelände, damals Zentrum der Wiener Festwochen in einer sonst eher subkulturlosen Zeit, sollte abgerissen werden und einer Filiale der Textilkette Schöps weichen. 

 

Am 27. Juni 1976, dem letzten Tag der Veranstaltung, waren die Besucher allerdings gekommen, um zu bleiben. Sie gründeten den Verein Arena Forum und stellten 4 Forderungen an die Gemeinde Wien: Kein Abriss der Arena, die kulturelle Nutzung des Areals, Selbstverwaltung und die Zahlung der Betriebskosten durch die Stadt. Mittels Unterschriftenaktionen und Flugblätter wurden tausende Wiener Künstler, Aktivisten und Idealisten motiviert, sich an der Besetzung zu beteiligen. Auf dem Gelände wurde getanzt, gefeiert, geliebt, diskutiert, philosophiert. Die Kreativgeister widmeten sich der Musik, dem Theater, der Wortakrobatik und innovativen Multi Media-Projekten. Schlafräume, sanitäre Anlagen und sogar Kinderbetreuungsstätten sorgten für das private Wohlbefinden.

 

Trotz Kampfkraft, Ausdauer und Enthusiasmus der Besetzer wurde die Arena aber am 9. Oktober friedlich geräumt, 3 Tage später fuhren die Bagger auf. Ein Demo-Zug mit Sarg und Leichenträgern Richtung Rathausplatz wurde organisiert. Es war gleichzeitig auch das erste Aufflackern einer Zivilgesellschaft in Österreich, die in den 60ern noch eher schmähstad war. Und sie konnte zumindest einen teilweisen Sieg feiern: Die alte Arena wurde zwar abgerissen, aber dem engagierten Verein wurde das äußerste Eck des Areals, der Inlandsschlachthof, zur Verfügung gestellt.

 

DI Oliver Schreiber vom BDA, der am „Tag des Denkmals“ im Rahmen von Führungen Geschichte und Hintergründe erläuterte, bezeichnet die heutige Arena als das „lebendigste Denkmal“ Wiens. Und tatsächlich finden auf dem Areal, aktuell bestehend aus der vom Architekturbüro Rataplan zwischen 1996 und 2006 umgebauten Großen Halle, der Kleinen Halle, dem für Low Budget-Events spezialisierten Dreiraum und dem für 3000 Personen konzipierten Open-Air-Bereich jährlich über 450 Veranstaltungen statt. Aus allen Stilbereichen, egal ob Rock, Punk, Rave, Techno, Reggae oder zuletzt auch Liedermacherkunst von Konstantin Wecker. 

 

Gleichzeitig ist die Arena auch Plattform für soziale und künstlerische Aktivitäten und Solidaritätskundgebungen. Als besondere Aushängeschilder der Arena gelten auch die schrill-bunten Graffiti- und Street Art-Meisterwerke, deren Schöpfer – wie beispielsweise Nychos oder das Künstlerkollektiv Rabbit Eye Movement- auch international sehr gefragt sind.

 

Parallel zur Führung wurde auch die Ausstellung „40 Jahre gelebte Utopie“ gezeigt, bei der in 3 Teilen – „Das Areal“, „Der Widerstand“ und „Der Verein“ – anhand von Zeitungsmaterial, Flugblättern, Bildern und TV-Reportagen die Geschichte der Arena aufbereitet wurde. In der Großen Halle lief parallel der Film „Arenafreiheit“ in Dauerschleife. 

 

Man darf gespannt sein, welche Geschichten in 40 Jahren von der Arena erzählt werden. Der riesige Schornstein, das Markenzeichen des Veranstaltungszentrums, wird sie garantiert nicht vergessen.

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Stoppt TTIP & CETA: Österreichische Proteste gegen Akte X.

Eine bizarre Situation. Zwei Freihandelsabkommen, eines davon im Internet abrufbar, das andere in noch keinem einzigen der 30 Kapitel ausverhandelt, und trotzdem steigen die Österreicher auf die Barrikaden, obwohl viele vermutlich gar nicht wissen, wieso. Laut einiger renommierter Experten, die den Protest gegen CETA (= Comprehensive Economic and Trade Agreement) und TTIP (= Transatlantic Trade and Investment Partnership) unterstützen, liegen sie damit aber nicht ganz unrichtig. 

 

Insgesamt 53 NGO´s, darunter auch Attac, Global 2000, Greenpeace und zahlreiche Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände, gingen in Wien auf die Straße und forderten vor der Karlskirche und vor dem Parlament das Ende der Freihandelsabkommen mit Kanada und den USA. Abseits der üblichen kommunistischen Kapitalismus-Kritik („Marx ist Muss“) und links-anarchistischer Themaverfehlungen („Refugees Welcome, TTIP not“) vertreten die Demonstranten aber durchaus legitime Interessen. 

 

Der heimischen Landwirtschaft droht Billig-Konkurrenz aus den USA, Konsumenten und Arbeitnehmer befürchten eine Aushöhlung europäischer Standards im Umwelt-, Sozial- und Lebensmittelbereich, Klein- und Mittelbetriebe verweisen auf das geringe Wirtschaftswachstum, das ohnehin nur den Großkonzernen zugute kommen wird. 

 

Wirtschaftsexperten und Globalisierungsgegnern ist vor allem der Investorenschutz ein Dorn im Auge. Internationalen Großkonzernen, die sich derartige Schiedsprozesse in Millionenhöhe leisten, wird ein Klagerecht eingeräumt, wenn sie im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit durch nationale Regelungen diskriminiert werden. Dass die legislativen Gremien dann im vorhinein derartige Normen nicht beschließen werden, liegt auf der Hand. De facto ein drastischer Verlust parlamentarischer Souveränität und ein Werterückgang öffentlicher Interessen.

 

Auch viele kleine Gemeinden haben sich den Protesten angeschlossen, da sie eine Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen fürchten. Dem kanadischen Chefverhandler, der einen Privatisierungszwang ausschließt, wird nicht geglaubt. Und so geht das Pro & Contra-Spiel in der Endlosschleife weiter. 

 

Rechtlich gesehen sind CETA und TTIP laut Außenministerium und Parlamentsdirektion gemischte Abkommen, für die in weiten Bereichen ausschließlich die EU, in Teilbereichen aber auch die EU-Mitgliedstaaten zuständig sind. Gänzlich geklärt ist der Umfang der nationalen Zuständigkeiten aufgrund eines laufenden Verfahrens allerdings noch nicht. 

 

Eine vorläufige Anwendung des EU-Teils von CETA ist allerdings bereits bei einer qualifizierten Mehrheit im Rat möglich, der Rest des Freihandelsabkommens mit Kanada muss einstimmig beschlossen werden. Ob die österreichische Bundesregierung dies (alleine) verhindern wird, ist trotz der heftigen Proteste allerdings stark anzuzweifeln.

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Indie Explosion: Londons Newcomer Wolf Alice rocken das Wiener Flex.

Aus dem kultigen Szene-Schmelztiegel Camden Town aus London stammen Wolf Alice. Und begonnen hat alles 2010, als die blonde Sängerin Ellie Rowsell und der Gitarrist Joff Oddie Acoustic Pop auf kleinen Bühnen präsentierten. Der Name hatte schon damals etwas Geheimnisvoll-Mystisches an sich. „Wolf Alice“ ist ein Mädchen aus einer Kurzgeschichte Angela Carters, das unter Wölfen aufwächst und bei Rückkehr in die Zivilisation fremd bleibt unter den Menschen. Diese Angst braucht die Band, seit 2012 erweitert durch Bassist Theo Ellis und Schlagzeuger Joel Amey, nicht zu haben. Einzig allein der Sound wurde wilder, temporeicher und elektrisierender.

 

Im Rahmen ihrer Europa-Tournee gastierten Wolf Alice auch im Wiener Underground-Club Flex. Mit im Gepäck das ausgezeichnete Album „My Love is Cool“, das bis auf Platz 2 der englischen Charts preschte und mit zahlreichen Kritikerpreisen überhäuft wurde. Im Vorprogramm glänzten die jungen Londoner Indie-Popper Gengahr, von denen man nach ihrem Debüt-Album „A dream outside“ künftig noch einiges hören wird. Danach wurde es vor der Bühne immer enger, schweißtreibender und hitziger. Das zweite Wien-Konzert von Wolf Alice war gleichzeitig ihr letzter Tour-Gig, und das merkt man. Wolf Alice sind – nach langer Festival-Tour (u.a. auch in Glastonbury) - euphorisch, routiniert und mitreißend und bringen auch die Wiener Fans zum Toben. Und das, obwohl sie eigentlich erst ein Album und drei EP´s im Repertoire haben.

 

Das Indie-Ravige „Freazy“, die poppige Hit-Single „Bros“ (einer der ersten Songs, die die coole Sängerin Ellie Rowsell schrieb) oder die Rock-Hymne „Moaning Lisa Smile“ sind echte Live-Burner, und da mag man der Band auch einige Trash Rock-Eskapaden verzeihen. Melancholisch dann die Zugaben „Turn to Dust“ und „Blush“, bevor mit „Giant Peach“ noch einmal bis zum Anschlag gefeiert wurde. Das nächste Album von Wolf Alice erscheint 2017, garantiert auch mit Tour und dann vermutlich in einer größeren Arena. Wir freuen uns.

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Westminster London: Where People have the Power !

Big Ben is watching you, sollte man meinen. Dürfte aber nur mehr auf die Touristenmassen zutreffen, die täglich mit Bussen, Booten oder zu Fuß das Westminster-Areal Londons betreten. Denn seit dem 23. Juni ist die Zukunft des Vereinigten Königreichs unsicher, als 51,9 % der Abstimmenden für den „Brexit“ votierten. Initiiert von Regierungschef David Cameron, scheinbar um wiedergewählt zu werden und die EU-feindliche UKIP zu schwächen. Ein hoher Preis. In der Downing Street 10, dem Regierungs- und Privatsitz des Premierministers, sitzt jetzt bereits dessen Nachfolgerin Therese May, die sich über ihr weiteres Vorgehen nicht so richtig in die Karten blicken lässt. Die Sicherheitsvorkehrungen dort wurden bereits seit 9/11 erheblich verschärft, die Tür kann außerdem nur von innen geöffnet werden und hat kein Schlüsselloch auf der Außenseite.

 

Die legislative Kraft Großbritanniens liegt – direkt an der Themse – im Palace of Westminster, einem neugotischen Gebäude, das nach einem Brand 1834 wieder neuaufgebaut werden musste. In den sogenannten Houses of Parliament residieren die Abgeordneten des britischen Ober- und Unterhauses. 

 

Das „House of Commons“ besteht aus 650 Mandataren, die nach dem Mehrheitswahlrecht aus ebensovielen Wahlkreisen bestimmt werden. Das bedeutet de facto, dass – trotz hoher Stimmenanteile der Liberal Democrats oder neuerdings der UKIP – der Großteil der Abgeordneten der Conservative Party oder der Labour Party zugehörig ist und aus diesen Reihen dann auch der Premierminister mit der Regierungsbildung betraut wird. 

 

Im „House of Lords“, das derzeit aus 786 Mitgliedern besteht, sitzen heute vor allem auf Lebenszeit ernannte Adelige (life peers), die die Aufgabe haben, die vom House of Commons erlassenen Gesetze zu überprüfen. Das (beschränkte) Vetorecht kann durch das Unterhaus mit dem Parliament Act entkräftet werden. Eine Auflösung bzw. Reduzierung der zweiten Kammer steht schon länger im Raum.

 

Der berühmteste Teil des Palace of Westminster ist übrigens der 96 Meter hohe Uhrturm („Clock Tower“) an der Ostseite des Gebäudes, der seit 2012 den Namen Elizabeth Tower trägt. Der Volksmund nennt ihn allerdings seit jeher „Big Ben“, obwohl damit eigentlich nur die mit 13,5 Tonnen schwerste der fünf Glocken gemeint ist. Woher dieser Name kommt, ist nicht klar belegt. Eine Theorie weist auf Sir Benjamin Hall, den First Commissioner of Works zum Zeitpunkt der Installation der Glocke, hin, eine andere auf den Spitznamen des Schwergewichtsboxers Ben Caunt, der im Entstehungsjahr der Glocke seinen letzten Kampf hatte. Eine Besichtigung von „Big Ben“ ist aufgrund Terrorgefahrs derzeit auf britische Einwohner beschränkt. 

 

Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreiches ist der britische Monarch, derzeit Elizabeth II., die trotz wichtiger Funktionen wie der Ernennung des Premierministers, dem Royal Assent zu verabschiedeten Gesetzen oder der Auflösung des Unterhauses de facto nur eine repräsentative Funktion ausübt. Die offizielle Residenz der Monarchin ist der Buckingham Palace, direkt gelegen neben dem St. James Park und dem Park Lake. Dieses Areal war einst eine sumpfige Wiese, dann ein Jagdgebiet mit Hirschen und ist heute eines der schönsten und erholsamsten grünen Lungen im Herzen Londons.

 

Gekrönt und beigesetzt werden die britischen Monarchen in der Westminster Abbey, die sich westlich des Palace of Westminster befindet. Die Stiftskirche ist aufgrund ihrer Funktion keiner Diözese zugehörig, sondern „royal peculiar“ der britischen Monarchie. Laut der Volkszählung sind 48,4 Prozent der Londoner Christen, 12,4 Prozent Muslime und 5 Prozent Hindus. Die Mehrheit der Christen gehört der Anglikanischen Kirche an, deren Hauptkirche, die St. Paul´s Cathedral, im Stadtbezirk „The City“ liegt. Diese ist häufig auch Schauplatz wichtiger staatlicher Zeremonien wie dem Staatsbegräbnis von Lord Nelson, dem goldenen Thronjubiläum Elisabeths II. ooder der Trauung von Prince Charles und Lady Diana. Die katholische Hauptkirche ist die Westminster Cathedral in der Frances Street, nicht zu verwechseln mit der Westminster Abbey. 

 

London gilt aber auch als Stadt des Islam in Großbritannien. Ca. 38 % der 2,7 Millionen britischen Muslime leben in London. Die größte Moschee der Stadt, die Bait ul-Futuh („Haus der Siege“), liegt im Südwesten Londons. Seit dem 7. Mai 2016 hat London den ersten Bürgermeister muslimischen Glaubens, Sadiq Khan von der Labour Party. Sein Hauptwahlkampfthema war vor allem die Wohnungsnot in London aufgrund der steigenden Immobilienpreise und der hohen Mieten. Der ehemalige Unterhaus-Abgeordnete Khan ist Menschenrechtsanwalt, EU-Befürworter und Verfechter der gleichgeschlechtlichen Ehe. Nicht unspannend in einer Zeit politischer und religiöser Konflikte.

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Street Parade: Wiener Clubszene fordert Reform der Gewerbeordnung

Die Dinge sind nicht immer so wie sie scheinen. Und so stecken hinter den riesigen Trucks mit dröhnenden Techno- und House-Beats, feiernden Party People und halbnackten Go-Go´s, die sich Samstag nachmittags um den Ring und das Wiener Rathaus bewegen, ernste Botschaften, die die Zukunft des Wiener (und österreichischen) Nachtlebens betreffen.

 

Unter den Mottos „Rette deinen Club“ fordern die Wiener Club-Betreiber und Veranstalter gesetzliche Änderungen im Gewerbe- und Steuerrecht und die gesellschaftliche Akzeptanz der Club-Kultur durch Politik, Wirtschaft und Tourismus. Die Vergnügungssteuer, die kürzlich auch dem weltweit renommierten Linzer Electro Swinger Parov Stelar eine Nachzahlung bescherte, müsse reformiert werden. Diese beträgt bei Tanzveranstaltungen in Wien 15 % des Entgelts bzw. mindestens 0,10 Euro je Eintrittskarte und benachteilige Club-Betreiber gegenüber Konzertveranstaltern.

 

Noch gefährlicher für das Nightlife ist allerdings der § 113/5 Gewerbeordnung, aufgrund dessen der Gastgewerbetreibende für das Verhalten der Gäste VOR dem Lokal haftet. Wenn die Nachbarschaft wiederholt durch Gäste vor der Betriebsanlage unzumutbar belästigt wird, dann hat die Gemeinde eine frühere Sperrstunde vorzuschreiben. Aktuell ist davon die auch bei der Street Parade teilnehmende Bettelalm im Lugeck betroffen, die aufgrund einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes ihre Sperrstunde von 6 Uhr früh auf Mitternacht rückverlegen musste. Diese Vorschreibung wird erst dann widerrufen, wenn sich die Sachlage verändert hat.

 

Dass ein Lokal, dessen Gäste großteils nach Mitternacht kommen, de facto betriebswirtschaftlich nicht mehr sinnvoll betrieben werden kann, liegt auf der Hand. Zu befürchten ist, dass dieser Paragraph vermehrt zur Anwendung kommt, wenn das Rauchverbot 2018 in Kraft tritt und dementsprechend Gäste vor den Lokalen vermehrt zum Glimmstengel greifen werden.

 

Volksgarten, Hypnotic, Chaya Fuera, Bettelalm, Vienna City Beach Club, Praterdome, Bollwerk oder Event Arena Vösendorf: Sie alle waren – gemeinsam mit über 25.000 Teilnehmern - bei der Street Parade-Demo vertreten, um gegen diese gesetzlichen Bestimmungen zu protestieren und ein Zeichen für die Wiener Clubkultur zu setzen. 

 

Diese soll nicht nur eine zufällige, kommerzielle Randerscheinung in der Stadt sein, sondern soll – ähnlich wie in London und Berlin – aktiv in Social Media, Online-Plattformen und im Rahmen einer auf die Jugend und Clubbing-Generation zugeschnittenen Zielgruppen-Kampagne beworben werden. Die Stadt Wien müsse die Clubszene fördern und als gleichwertigen Kulturfaktor anerkennen. Dass die Wiener feiern können, haben sie auch am Wochenende bewiesen, egal ob bei der Parade, beim Rathausplatz-Open-Air, bei der Praterdome-Afterparty, in der Pratersauna oder beim Techno Brunch. Die Club-Jetsetter dürfen kommen :-)

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100 Jahre Naschmarkt: Boris Bukowski rockt die Schleifmühlbrücke.

Bereits um 1780 handelten Bauern mit Milchprodukten am noch unregulierten Wienfluss, der Naschmarkt in seiner heutigen Form allerdings entstand erst ab 1910 mit der Planung und Errichtung von einheitlichen Marktständen im Stil von Wiens Star-Architekten Otto Wagner. 1916 wurde das Marktamtsgebäude direkt an der Kettenbrückengasse fertiggestellt, sozusagen der Anknüpfungspunkt für die historische Jubiläumsfeier in diesem Jahr. 

 

Der Naschmarkt hatte vor einigen Jahrzehnten nicht den besten Ruf. Dies änderte sich aber zusehends, als nicht nur der Markt modernisiert wurde, sondern auch das direkt anliegende Freihausviertel sich zu einem Szenegrätzel mit Clubs, Bars, innovativen Shops, Kreativ-Büros und Galerien entwickelte. 

 

Mehr als 65.000 Personen besuchen pro Woche den kürzlich wieder um 15 Millionen Euro sanierten Markt, der aktuell aus 123 fixen Ständen und 60 Plätzen für landwirtschaftliche Erzeuger und Marktfahrer besteht. Kritik bleibt trotzdem nicht aus. Vor allem der ständige steigende Unterhaltungscharakter des Naschmarktes und die Ausweitung der gastronomischen Angebote sind manchen ein Dorn im Auge. Die allerdings ohnehin begrenzt ist. So darf laut Marktordnung die Gastronomie nicht mehr als maximal ein Drittel der zur Verfügung stehenden Marktfläche ausmachen. Und naturgemäß bringt diese zusätzlich kaufkräftiges und neues Publikum in das 2,3 Hektar große Areal.

 

Auch an den beiden Festtagen kamen bei schönstem Wetter und buntem Programm auf den seit 2009 allein zum Bezirk Mariahilf gehörigen Naschmarkt. Neben zahlreichen Sonderaktionen, Lesungen, Gewinnspielen und musikalischen Auftritten (von Latin, Stojka-Jazz bis zu groovigen DJ-Sets) engagierte das Veranstalter-Team auch einen Austro-Pop-Star der 80er und 90er, der noch lang nicht zum alten Eisen gehört: Boris Bukowski. 

 

Direkt in der (neuen) Begegnungszone der Schleifmühlbrücke präsentierte der promovierte Jurist und Buch-Autor („Unter den bunten Hunden“) auf der Musik-Bühne nicht nur seine großen Hits „Trag meine Liebe wie einen Mantel“, „Fandango“ oder „Der Fritze mit der Spritze“, sondern auch eine Georg Danzer-Coverversion („Weiße Pferde“) und einige neue Titel aus seinem Repertoire. Tracks wie „Diese Stadt“ oder „Gibt´s ein Leben vor dem Tod“ – laut seiner Diktion Songs aus diesem Jahrtausend – stehen aktuellen Werken von Wanda, Bilderbuch oder Ja Panik um nichts nach. Über deren Erfolg sich der junggebliebene 70jährige freut, gilt er doch als heftiger Kritiker des neuen Ö3-Formatradios, das jungen österreichische Künstlern keine adäquate Plattform bietet. 

 

Als letzte Zugabe brilliert Bukowski mit seinem größten Hit „Du bist wie Kokain“, dann muss der gebürtige Fürstenfelder und seit vielen Jahren in Wien lebende Musiker leider die Bühne verlassen. Am Naschmarkt allerdings wird noch bis Mitternacht weitergefeiert. Und das ist gut so.

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MQ-Hofmusik: Open-Air mit Szene-Original Nino aus Wien

„Hereinspaziert, Hereinspaziert“ –  Der Nino aus Wien, seines Zeichens Szene-Original und Austro Pop-Literat der Bundeshauptstadt, lädt ein zur Hofmusik in das Wiener Museumsquartier. Und die Wiener Hipster, Bobos, Studenten, Alternativ-Freaks oder einfach Liebhaber sympathischer, authentischer und gewitzt-melancholischer Reime lassen sich nicht lange bitten. 

 

Bei idealem Open-Air-Wetter, Gratis-Eintritt und urbanem Freiraum-Feeling startet Nino Mandl mit seiner Band gleich mit dem groovigen „Abtauen Girl“, 2014 gemeinsam mit Skero produziert. Auf der Set-List stehen auch seine Früh-Werke „Holidays“ und „Du Oasch“, die durch FM4 einer breiten Öffentlichkeit bekanntgemacht wurden. Traurigerweise der einzige österreichische Sender, der die einheimische Pop-Szene ernsthaft-idealistisch fördert.

 

Gleich 5 Alben hat der fleißige Nino in den letzten 2 Jahren veröffentlicht, seine letzte EP „Adria“ wurde produziert vom Wanda-Erfolgsproduzenten Paul Gallister. Das „Praterlied“, das melancholische „Winter im April“ und das emotionale „Der Mai ist vorüber“ zählen auch zu den Höhepunkten seines Sommernachtskonzerts, letzteres übrigens eine geniale Wien-Adaption des Bob Dylan-Klassikers „Simple Twist of Fate“. Versunken irgendwo zwischen Donaupark, Flex und Orient Hotel. 

 

Wolfgang Ambros, neben den Beatles, Andre Heller und Helmut Qualtinger ein wichtiger Einflussfaktor des Musikers, würdigt Nino mit dem legendären „Schwarzen Afghanen“. Die Wiener haben sich längst für einen Nachfolger entschieden. Nicht erst seit dem lässigen Open-Air-Gig im überfüllten MQ-Areal.

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Unfair: Familienbeihilfe muss an Preisniveau der Heimatstaaten angepasst werden !

249 Millionen Euro wurden 2015 unter dem Titel Familienbeihilfe an 122.000 im EU-EWR-Ausland lebende Kinder gezahlt. Sowohl die Anzahl der Kinder als auch die Beiträge erhöhen sich pro Jahr empfindlich. 2013 waren es noch 192 Millionen Euro für 94.000, 2014 227 Millionen Euro für 111.000 Kinder. 

 

In einer Zeit von Rekordarbeitslosigkeit und mehr als 1,5 Millionen Österreichern an der Armutsgrenze ist daher eine Gegensteuerung notwendig. Der langjährige Vorschlag der FPÖ liegt darin, die Familienbeihilfe an das Preisniveau der Heimatstaaten der Kinder anzupassen. 

 

Die Grünen, die seit jeher dem FPÖ-Grundsatz „Österreicher zuerst“ nichts abgewinnen können, stellten daraufhin eine parlamentarische Anfrage an die Familienministerin. Die Nationalratsabgeordnete Judith Schwentner wollte wissen, wie hoch dann die Mehrkosten für den Steuerzahler sein würden.

 

Die Antwort hatte es in sich. Nur in 12 von 32 relevanten Staaten (Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Irland, Island, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz, Großbritannien) liegt das Preisniveau über den österreichischen Werten. Und obendrein erhalten in diesen Staaten nur sehr wenige Kinder österreichische Familienbeihilfe, wodurch sich laut einer Hochrechnung nur ca. 100.000 Euro Mehrkosten an Familienbeihilfe pro Jahr ergeben würden.

 

Umgekehrt weisen gerade jene Staaten, die ein geringeres Preisniveau als Österreich haben, die meisten Familienbeihilfsempfänger auf, an der Spitze 2015 Ungarn vor Slowakei, Polen und Rumänien. Bei Anwendung des FPÖ-Vorschlags würde es daher zu massiven Einsparungen im Familienbudget kommen. Geld, das wir für unsere Familien und Kinder dringend benötigen. Ob das die Grünen auch so sehen, ist aber eher zu bezweifeln.

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Goin´ to South Bank: City Beach, Art & Entertainment am südlichen Themse-Ufer.

Urbaner Freiraum, Art, Global Food, Public Viewings, Beach Bars, Restaurants, Summer Festivals und viel Entertainment – die South Bank, einst Hafenareal und nicht ganz unschuldiges Vergnügungsviertel, entwickelt sich immer mehr zum hippsten Distrikt Londons und zu einer nicht billigen Tourismusattraktion. Der Aufschwung begann zum Millenniumswechsel, als zahlreiche neue Bauten die eher unscheinbare Gegend am südlichen Ufer der Themse zwischen Westminster Bridge und Tower Bridge immens aufwerteten.

 

Direkt neben der Tower Bridge wurde 2002 die von Norman Foster konzipierte City Hall eröffnet. Diese ist Sitz der Greater London Authority, einer Verwaltungsbehörde, die aus dem Mayor of London – derzeit dem ersten muslimischen Londoner Bürgermeister Sadiq Khan - und dem 25köpfigen London Assembly (Stadtparlament) besteht. 

 

Im Jahr 2000 wurde die Millennium Bridge fertiggestellt, die seither das Paul´s Cathedral am nördlichen Ufer und die ebenfalls 2000 neueröffnete Tate Gallery direkt verbindet. Die Fußgängerbrücke wird von den Londonern liebevoll „wobbly bridge“ genannt, da sie wegen horizontaler Schwankungen fast 2 Jahre für den Publikumsverkehr geschlossen wurde. 

 

Museen sind – mit Ausnahme einiger Sonderausstellungen – kostenlos zu besichtigen. So auch die Tate Gallery of Modern Art, die in einem ehemaligen Kraftwerk, der Bankside Power Station, untergebracht ist. Mehr als 5 Millionen Besucher visitieren jährlich den futuristische Turbinenhalle, die 160 m lang und 35 m hoch ist. Ausgestellt werden – geordnet nach den Bereichen States of Flux, Idea and Object, Poetry and Dream und Matter & Gestures - Werke klassischer Moderne und der Gegenwart, von Gogh, Cezanne, Picasso bis Dali, Warhol, Ed Ruscha und Wiener Aktionismus.

 

Fans englischer Dramatik haben an der South Bank nicht nur die Gelegenheit, das National Theatre zu besuchen, sondern auch das Shakespeare´s Globe. Ein Nachbau eines alten englischen Theaters, an dem der geniale Shakespeare Anfang des 17. Jahrhunderts selbst als Hausdichter und Anteilseigner seine Werke aufführte. Wie damals ist auch die Neukonstruktion ein Freilufttheater mit Strohdach, brandsicher adaptiert allerdings mit eingebauten Sprinkleranlagen und Blitzableiter.

 

An historische Zeiten erinnern auch zwei Schiffe an der South Bank. So befindet sich in einem Schwimmdock ein Nachbau der Golden Hinde, mit der der legendäre Freibeuter Francis Drake als erster Engländer zwischen 1577 und 1580 die Welt umsegelte. Direkt in der Themse, als Bestandteil des Imperial War Museums, liegt die HMS Belfast, ein 187 m langes Kriegsschiff, das sowohl im Zweiten Weltkrieg als auch im Koreakrieg eingesetzt wurde. Depeche Mode verwendeten das Schiff 1984 als Kulisse für ihr Video „People are People“.

 

Als Top-Touristenattraktion der South Bank gilt heute das 2000 eröffnete „London Eye“. Das einst höchste Riesenrad Europas sollte eigentlich nur eine begrenzte Zeit von 5 Jahren betrieben werden, ist aber heute aus der Londoner Skyline nicht mehr wegzudenken. 135 Meter hoch ist das London Eye, besteht aus 32 Gondeln, die jeweils mit 25 Fahrgästen belegt werden können. Die typisch englische „Queue“ lernen die Touristen wohl nirgends besser kennen als in der endlosen Warteschlange vor dem Riesenrad.

 

Trotz des kommerziellen und kulturellen Erfolgs der South Bank gibt es auch Gegner der Stadtentwicklung südlich der Themse. Die neue „Garden Bridge“, die als mit Bäumen, Blumen und Büschen bepflanzte Fußgängerbrücke die City of Westminster mit Lambeth verbinden soll, wird vor allem wegen der hohen Beteiligungskosten Londons von 60 Millionen Pfund kritisiert und gilt als „Eitelkeitsprojekt“ des vorherigen Oberbürgermeisters und „Brexit“-Befürworters Boris Johnson. Noch gibt es keinen offiziellen Termin für den Baubeginn der Garden Bridge. Eine Parallele zur EU-Austrittserklärung Großbritanniens.

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Tower Bridge Experience - London View aus 43 Metern Höhe.

Aus 43 Metern Höhe durch einen Glasboden auf Fahrzeuge, Passanten und die Themse hinabsehen, das ist die neueste Attraktion der Tower Bridge in London. Dazu noch ein Museum über die Historie der Brücke in schwindelerregender Höhe und eine wunderbare Aussicht auf die alten und neuen Sehenswürdigkeiten von London wie Tower, St. Paul´s Cathedral, oder Gherkin nördlich oder City Hall, South Bank und Shard südlich der Themse. Blickt man Richtung Osten, dann glänzen dort die gigantischen Wolkenkratzer von Canary Wharf und die riesige Multifunktionsarena 02, die auf den einstigen Docklands-Gründen errichtet wurden.

 

Erbaut wurde die 244 Meter lange Tower Bridge zwischen 1886 und 1894, auf Vorschlag des renommierten Stadtbaumeisters Horace Jones, der noch vor der Fertigstellung gestorben ist. Grund war der stetig wachsende Verkehr im East End, die Form einer Klappbrücke wählte man, um die damals noch bestehenden city-nahen Hafenanlagen zwischen der London Bridge und dem Tower nicht vom Verkehr abzuschneiden. 

 

Heute wird die Brücke nur mehr ca. 1000 mal jährlich geöffnet, da die Themse in diesem Areal meistens nur mehr touristisch genutzt wird. Das für das 19. Jahrhundert auf Wasserdruck basierende hydraulische System wurde 1974 auf Ölhydraulik umgestellt, die mit elektrisch angetriebenen Pumpen arbeitet. Die beweglichen Tragwerkteile können bis zu einem Winkel von 86 Grad hochgeklappt werden, während gleichzeitig eine Passierung der Themse auf der starren Fußgängerbrücke möglich ist.

 

Die Tower Bridge ist nicht, wie oft angenommen, die älteste Brücke Londons. Diese Ehre gebührt der alten London Bridge aus dem Jahre 1176. Die älteste noch bestehende Brücke ist die Westminster Bridge, die 1750 eröffnet wurde.

 

Bis zum Jahr 1991 war die Tower Bridge die östlichste Brückenverbindung über der Themse, als die Queen Elizabeth II Bridge kurz vor der Themse-Mündung errichtet wurde. Sie ist heute nicht nur Tourismusattraktion Nr. 1 in der britischen Hauptstadt, sondern führt die Besucher auch direkt auf das wunderschöne Freizeit- und Vergnügungsareal „South Bank“, das sich als Szene- und Sportmeile immer größerer Beliebtheit unter den Einheimischen erfreut.

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Langeweile und Frust: Staat muss für sinnvolle Beschäftigung von Asylwerbern sorgen.

Ende Juni 2016 befanden sich in Österreich insgesamt 85.611 Asylwerber in der Grundversorgung, davon 20.841 in Wien und 13.141 in Niederösterreich. Eine nicht gerade geringe Zahl, die auch unter der Bevölkerung zu heftigen Diskussionen und Kontroversen führt. So behaupten einige, dass die Asylwerber das Schlaraffenland Österreich ausnützen und sich auf die faule Haut legen. Was insofern ungerecht ist, da Asylwerber ja generell zum Arbeitsmarkt gar nicht zugelassen sind. Andere wiederum fordern eben diesen freien Zugang, verkennen aber, dass in Österreich Rekordarbeitslosigkeit (auch unter vielen aufenthaltsberechtigten Ausländern) herrscht, mehr als 50 % der Asylwerber gar keinen rechtmäßigen Anspruch auf Asyl haben und Asylverfahren schneller durchgezogen werden müssen.

 

Unabhängig davon gibt es aber bereits jetzt Beschäftigungsmöglichkeiten für Asylwerber, die sowohl der Gesellschaft als auch den Flüchtlingen selbst nützlich sein können. Die Organisation lässt aber sehr zu wünschen übrig, wie zwei parlamentarische Anfragebeantwortungen seitens des Innen- und Sozialministeriums zeigen.

 

So können gemäß § 7 Grundversorgungsgesetz Asylwerber mit ihrem Einverständnis für Hilfstätigkeiten, die im unmittelbaren Zusammenhang mit ihrer Unterbringung stehen, und für gemeinnützige Hilfstätigkeiten für Bund, Land und Gemeinde herangezogen werden. Wie viele tatsächlich eingesetzt werden, kann das Innenministerium allerdings nicht mitteilen, da scheinbar keine Statistiken geführt werden. Auch zentrale und regionale Datenbanken, in denen Asylwerbern gemeinnützige Tätigkeiten angeboten werden, werden nicht erstellt.

 

Im Gegensatz zu Asylberechtigten können Asylwerber nur in Ausnahmefällen einer unselbständigen Tätigkeit nachgehen, und zwar als Saisonarbeiter im Tourismus, in der Land- und Forstwirtschaft und als Erntehelfer. Im Rahmen der durch Verordnung festgelegten Kontingente wurden 2015 325 und (Ende Juni) 2016 gerade einmal 297 Saisonbewilligungen für Asylwerber erteilt. Diese erhält der Arbeitgeber nur dann, wenn die offene Stelle nicht mit einer vorgemerkten inländischen oder am Arbeitsmarkt bereits integrierten ausländischen Arbeitskraft besetzt werden kann. 

 

Asylwerber werden beim AMS weder vorgemerkt noch aktiv betreut. Auch Datenbanken über Qualifikationen und Kenntnisse der Asylwerber liegen nicht vor. Die Festsetzung neuer Kontingente für andere Wirtschaftsbereiche ist ebenfalls nicht geplant.

 

Unter 25jährige Asylwerber haben weiters die Möglichkeit, eine Lehre zu absolvieren. Auch hier erfolgt keine aktive Vermittlung auf Lehrstellen. Vielmehr muss der potentielle Lehrausbildner und Arbeitgeber selbst einen Antrag auf eine Beschäftigungsbewilligung stellen. Eine positive Entscheidung wird nur dann getroffen, wenn es sich um einen Lehrberuf mit nachgewiesenem Lehrlingsmangel handelt und keine bevorzugte und gleich qualifizierte Ersatzarbeitskraft erfolgreich vermittelt werden kann. Eigene Lehrstellen-Vorbereitungskurse werden für Asylwerber nicht angeboten. Ende Juni 2016 absolvierten 199 Asylwerber in Österreich eine Lehrausbildung, davon 104 als Köche, 26 als Kellner und 10 als Verkäufer. 

 

Fazit: Neben einer Beschleunigung der Asylverfahren und vollstreckungsreifen Rückführungsabkommen müssen auch die Beschäftigungsmöglichkeiten für Asylwerber ausgeweitet werden. Auch wenn nicht alle einen positiven Asylbescheid oder einen subsidiäre Schutzberechtigung erhalten, sollten sie während ihres Aufenthalts in Österreich die Möglichkeit haben, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten sinnbringend einzusetzen anstatt beschäftigungslos in einer scheinbar endlosen Warteschleife aus Langeweile, Frustration und langsam grassierender Aggression herumzudösen. Die schlussendlich leider auch zu Dummheiten, Leichtsinnigkeiten oder kriminellen Aktivitäten führen kann.

 

Vor allem das Angebot gemeinnütziger Tätigkeiten muss systematisch katalogisiert und ausgebaut werden. Stadt-, Park-, Sportplatz- und Landschaftspflege, Wartungsarbeiten, Organisationsunterstützung oder auf höherem Level sprachliche, wertemäßige, technische oder medizinische Assistenz in Asylzentren, Schulen, Büros oder Krankenhäusern.– die Einsatzmöglichkeiten für Asylwerber sind vielfältig. Man muss sie nur erkennen und nützen. Und sie sollen dem Migranten bei entsprechender Bewährung auch die Aussicht auf einen dauerhaften Aufenthalt geben.

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London´s "Grüne Lunge" - Jogging in Hyde Park !

Der Hyde Park in London ist nicht die einzige, aber die größte „grüne Oase“ im Herzen Londons. Mit dem benachbarten Kensington Garden, der vom Hyde Park durch den Serpentine Lake abgetrennt ist, betragen beide Parkflächen zusammen 2,5 Quadratkilometer und sind damit größer als das Fürstentum Monaco.

 

Der Hyde Park, benannt nach einem alten Herrenhaus (Hyde Manor), diente früher als Jagdgebiet, hatte allerdings auch seine dunkle Vergangenheit als Ort von grausamen Hinrichtungen und tödlichen Duellen. Heute kann man sich höchstens bei heißen Speaker´s Corner-Diskussionen den Mund verbrennen. Ansonsten zählt er zu den bezauberndsten und chilligsten Feel Good-Gegenden der britischen Hauptstadt. 

 

Am schönsten ist das Joggen in den Morgenstunden, inmitten von Gleichgesinnten, Passanten, Hunden, Pferdereiterinnen, Schwimmern, zahmen Eichhörnchen, Enten und Schwänen direkt am Lake. Vorbei an den wunderschönen italienischen Gärten, Skulpturen und Springbrunnen, an der 1912 von George Frampton erstellten Peter Pan-Statue bis hin zum Prinzessin Diana-Memorial Playground. Dabei handelt es sich um einen Gedenkbrunnen, in dem das Wasser in zwei Richtungen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit fließt, als Sinnbild für das turbulente Leben der 1997 tödlich verunglückten Ex-Frau von Prince Charles.

 

Auch künstlerisch hat das Areal einiges zu bieten. Neben zahlreichen Pop-Konzerten (wie dem Live-8-Konzert im Jahre 2005 vor 200.000 Fans) und ambitionierten Straßenkünstlern warten die Serpentine Gallery und die vom Architekturbüro Zaha Hadid 2013 neu errichtete Serpentine Sackler Gallery auf Fans zeitgenössischer Kunst von Warhol, Riley bis Hirst. 

 

Und direkt neben den Parks liegt die Royal Albert Hall, die im Sommer traditionell im Zeichen der klassischen „BBC-Proms“-Konzerte steht. Letztes Jahr präsentierte dort das Heritage Orchestra Ibiza-Dancefloor-Hits im Classic-Outfit. Als Zeremonienmeister von Insomnia, Lola´s Theme oder Pjanoo fungierte DJ-Legende Pete Tong. 

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Pop-Rock, Electro & Blaskapellen: 60.000 Besucher beim Wiener Popfest auf dem Karlsplatz.

„Ein Lied über das (so wichtige) Brechen von Konventionen“ – So präsentiert David Öllerer seinen lässigen Gassenhauer „Heit grob ma Tote aus“ auf der Seebühne vor der Karlskirche. Das jung-urbane musikinteressierte Wiener Publikum singt bereits jetzt begeistert mit. Und bald vielleicht ganz Österreich (und Deutschland). Denn Voodoo Jürgens, so sein geniales Pseudonym, steht kurz vor seinem Karrieredurchbruch. Am 30. September erscheint das erste Album „Ansa Woar“ des in Tulln geborenen Liedermachers, der aber bereits viele Musik-Jahre lang mit der Indie Band Eternias in den Szene-Bars und Clubs tourte und im Vorprogramm von Pete Doherty rockte. Die subtilen Underground-Zeiten könnten bald vorbei sein. Insofern kann es keinen idealeren Opening-Act bei einem Festival geben, das neuen Künstlern, Bands und DJ´s eine massenkompatible und gleichzeitig alternative Plattform bieten soll.

 

Das Wiener Popfest findet 2016 bereits zum 7. Mal im Karlsplatz-Areal statt. Als Spielstätten fungieren nicht nur die Karlsplatz-Seebühne (mit der teichplantschenden Riesen-FM4-Ente dahinter) und der Red Bull Brandwagen vor der Karlskirche, sondern auch das Brut, der TU Prechtlsaal, das Heuer, das WienMuseum und das Roxy. Auf dem Line-Up 51 Acts, darunter 41 Premiere-Gäste. Selektiert vom „Falter“-Journalisten Gerhard Stöger (der auch für den „Wien Pop“-Szeneschmöker verantwortlich zeichnet) und die „Fijuka“-Protagonistin Ankathie Koi. 

 

Letztere zählte im Vorjahr noch zu den vielumjubelten Live-Acts auf der Seebühne und ließ sich auch dieses Jahr nicht lange für einen Mikro-Auftritt bitten. Gemeinsam mit „Minisex“-Legende Rudi Nemeczek und der Musikarbeiterinnen-Kapelle coverte sie Bilderbuchs Kult-Hit „Maschin“, gab dem Opus-Klassiker „Live is Life“ einen modernen swingigen Touch und „bolognisierte“ gemeinsam mit Clara Luzia und Rapperin Yasmo. So fanden indirekt mit Wanda und Bilderbuch auch zwei Bands Eingang in das Popfest, die aufgrund ihrer Popularität schon allein aufgrund der prognostizierten Besucheranzahl nicht mehr für ein Gratis Open-Air-Fest mehr gebucht werden können. Und deren Teilnahme ja eigentlich auch dem Zweck des Events, Newcomer zu pushen, widerspricht.

 

„Viele der Besucher sind sogenannte Laufkundschaft. Ein an sich schwieriges Publikum, das aber neuen Künstlern zu einem Karriere-Boost verhelfen kann“, so Festivalleiter Christoph Möderndorfer. Vielleicht lokal auch Bands, die sich international bereits einen Namen gemacht haben. So wie dem am Donnerstag lautstark aufspielenden Stone Rock-Duo White Miles aus Tirol, das bis dato vorwiegend nur im Ausland tourte und in Österreich erst durch den „Bataclan“-Terroranschlag in Paris bekannt wurde. Medina Rekic und Hansjörg Loferer verließen dort als Vorgruppe der „Eagles of Death Metal“ gerade den Hintereingang, als Terroristen den Veranstaltungssaal stürmten. Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen beim Popfest wurden übrigens seitens der Veranstalter abgelehnt. Es handle sich hier um öffentlichen Raum, und „Angst sei der größte Feind der Demokratie“.

 

Und die Angst war schlussendlich auch unbegründet: 60.000 (friedliche) Besucher, italienische Dolce Vita-Atmosphäre rund um den Karlsplatz-Teich, heiße Konzerte vor der Seebühne mit White Miles, Leyya oder Ogris Debris, hippe Live-Sets beim Red Bull Brandwagen mit der Linzer Hip Hop-Neuentdeckung Mavi Phoenix, dem Techno-Vintage Duo Austria Apparel oder den Neo-Punkern Crystal Soda Cream und brütend heiße Auftritte von Schmieds Puls, Mynth und „Das Trojanische Pferd“ im Brut. Die österreichische Szene lebt, innovativer, spannender und vielfältiger denn je. Wir freuen uns bereits auf das nächste Popfest 2017.

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Hoch wie nie: Vienna Viewing von der Jubiläumswarte.

Badespass auf der Donauinsel, Lounging am Donaukanal, Popfestivals am Karlsplatz, Delikatessengenüsse am Rathausplatz: Die lebenswerteste Stadt der Welt, Wien, hat auch im Sommer für die Einheimischen viel zu bieten. Und gerade in der schönsten Zeit des Jahres sollte man sich auch ins Grüne wagen und die Millionenmetropole einmal von einer anderen Seite inspizieren. Gelegenheit dazu bietet beispielsweise der Stadtwanderweg 4. Einfach mit der Straßenbahn-Linie 49 Richtung Ottakring bis zur Haltestelle Bahnhofstraße fahren und dann den meist schnell eruierbaren Wegweisern folgen. 

 

Es geht dann schnell aufwärts durch den Dehnepark, inmitten von Wald, Gestrüpp, Bächen und Brücken vorbei beim Silbersee (sic est !) rauf auf den Satzberg. Die (wenigen) Autostraßen dazwischen sind längst vergessen, wenn man das monumentale Ziel erreicht: Die Jubiläumswarte, von der aus man einen großartigen Ausblick auf die Stadt Wien, den Wienerwald, den Exelberg, das Wiener Becken und bei klarem Wetter auch auf den Schneeberg und den Ötscher hat.

 

Der Name der Warte datiert übrigens aus dem Jahre 1898. Damals feierte man das 50. Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph, und aus diesem Anlass wurde auf der dortigen Stelle, der Vogeltennwiese, ein hölzerner Turm errichtet, der noch im selben Jahr von einem Sturm niedergefegt wurde. Die heutige Warte, die auf einer Seehöhe von 494 Meter Höhe steht, dagegen ist widerstandsfähiger: 31 Meter hoch, aus Stahlbeton. Um das 1,7 Meter breite Rohr ist eine 90 cm breite Stiege mit 183 Stufen angeordnet. Die Aussichtsterrasse selbst hat einen Durchmesser von 6 Metern, wodurch sich Schwindelprobleme zumeist auch in Grenzen halten.

 

Der Weg zurück ins Tal führt dann über die Kreuzeichenwiese, die gerne von Migranten als Grill-Partyzone genützt wird, zur Berghütte Rosental, wo man in gemütlicher Atmosphäre speisen und anstoßen kann. Die rustikale Idylle könnte allerdings getrübt werden. Nämlich dann, wenn Rapid im naheliegenden Allianz-Stadion vor über 20.000 Zuschauern ein Tor schießt. Das dürfte aber auch die meisten Nicht-Wiener kaum stören. 

 

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Parlaments-Bilanz 2015/16: 112 Gesetzesbeschlüsse in 51 Plenarsitzungen.

Das Parlament hält derzeit seine offizielle Sommerpause, geplant wird derzeit nur für den Umzug im nächsten Frühjahr. So werden aufgrund der Sanierung des zwischen 1874 und 1883 errichteten Parlamentsgebäudes ab diesem Zeitpunkt die Plenarsitzungen in den Redoutensälen der Hofburg stattfinden, Infrastruktur und Mitarbeiter werden dann in temporären Pavillons am Heldenplatz und im Bibliothekshof untergebracht. 

 

Wie üblich wird allerdings im Juli Bilanz gezogen über das abgelaufene Parlamentsjahr. 51 Plenarsitzungen fanden zwischen August 2015 und Juli 2016 statt, gedauert haben diese 292 Stunden und 23 Minuten. Dazu kommen 139 Ausschusssitzungen, 28 Unterausschusssitzungen und 53 Sitzungen des Hypo-Untersuchungsausschusses. 112 Gesetze wurden beschlossen, 16 Staatsverträge genehmigt (darunter auch der Weltklimavertrag von Paris) und 3 Bund-Länder-Vereinbarungen zugestimmt. Nur 18,75 % bzw. 21 der Gesetzesbeschlüsse fielen einstimmig aus. 

 

Die Opposition initiierte 4 Nationalratssondersitzungen (Grüne:2, FPÖ und NEOS je 1), 7 dringliche Anfragen, 2 dringliche Anträge und 17 kurze Debatten zu schriftlichen Anfragebeantwortungen von einzelnen Regierungsmitgliedern und Fristsetzungsanträgen. Im Mittelpunkt standen dabei die Asylpolitik, die Rekordarbeitslosigkeit und die noch immer vakante Pensionsreform. Abgehalten wurden 10 Aktuelle Stunden, 4 Aktuelle Europastunden und 7 Fragestunden. 29 Berichte der Regierung, des Rechnungshofs und der Volksanwaltschaft wurden im Plenum diskutiert. In 63 Entschließungen erhielt die Bundesregierung Arbeitsaufträge vom Nationalrat.

 

Zu den wichtigsten Kontrollinstrumenten der Nationalratsabgeordneten zählt das Interpellationsrecht, das – mit Unterstützung von 5 Abgeordneten – in Form von schriftlichen Anfragen an die Regierungsmitglieder ausgeübt wird. 3570 waren es im abgelaufenen Parlamentsjahr, die meisten an das Innenministerium (557), das Sozialministerium (474) und an das Gesundheitsministerium (347). Die meisten Anfragen (1940) stammten von der FPÖ, dahinter der fraktionslose Rupert Doppler (451), die Grünen (383), die Neos (321) und das Team Stronach (281). Von den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP wurden 109 bzw. 30 Anfragen erstellt. 

 

Für diese Form der parlamentarischen Arbeit existiert übrigens keine formelle Sommerpause, sodass auch in den Monaten Juli und August zahlreiche Anfragen an die Regierungsmitglieder versandt werden. Diese haben dann zwei Monate Zeit, eine hoffentlich schlüssige und informative Anfragebeantwortung zu konzipieren.

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Familien-Chaos: Zu lange Schulferien und zu viele Schließtage der Kindergärten im Sommer !

Sommerzeit, Ferien, Urlaub, Zeit für die Kinder, endlich alles Eitel Wonne. Leider ist dem nicht so. Denn viele Familien werden durch die langen Schulferien und die mangelhaften Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen vor große Herausforderungen gestellt. 

 

In Österreich haben die Schulen derzeit mehr als 14 Wochen geschlossen, davon alleine 9 ununterbrochene Wochen im Sommer. In dieser Zeit muss natürlich auch die Betreuung der Kinder sichergestellt werden. Kurse und Ferienangebote gibt es zwar in Hülle und Fülle, diese sind allerdings für weniger begüterte Familien, Alleinerziehende oder Familien mit mehreren Kindern kaum leistbar.

 

Noch gravierender ist die Lage bei Kleinkindern. Viele Kinderbetreuungseinrichtungen vor allem im ländlichen Bereich sind länger als 5 Wochen geschlossen, länger als der gesetzliche Urlaubsanspruch der Eltern. Dies führt in infrastrukturschwachen Regionen bereits zur Abwanderung von Familien, da eine adäquate Kinderbetreuung für Alleinerziehende oder doppelt Berufstätige nicht mehr möglich ist.

 

Arbeiterkammer, Katholische Frauenbewegung und die Plattform für Alleinerziehende haben diese Probleme auch realisiert und fordern in einer gemeinsamen Aussendung kürzere Sommerferien, stattdessen eine Erholungszeit zwischen September und Weihnachten, und die Reduzierung schulautonomer Tage. Außerdem sollten Kindergärten verpflichtend nicht mehr als 5 Wochen pro Jahr geschlossen sein.

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Auf der Flucht: Ai Weiwei provoziert mit Schwimmwesten-Installation im Belvedere-Garten.

„Die Aufgabe eines Künstlers ist, Bewusstsein zu schaffen. Wie das dann angenommen wird, liegt außerhalb seiner Kontrolle.“ Mit provokanten Aktionen hat der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei stets für Aufregung gesorgt. 

 

Der Kritiker des kommunistischen Systems von China, der 2011 wegen angeblicher Steuervergehen inhaftiert wurde und nach einer dreimonatigen Haft bis 2015 unter Hausarrest stand, publizierte beispielsweise die Namen von 5000 Schulkindern, die 2008 bei einem Erdbeben in Sichuan in durch Korruption entstandenen Pfuschbauten ums Leben kamen. Er platzierte einen Felsen der chinesischen Bergwelt mitten auf dem Dachstein oder brachte 1001 Chinesen aus allen Schichten und allen Teilen des Landes zur Documenta 2007 nach Kassel. Umsiedlung a la Ai Weiwei.

 

Auch die neueste Aktion „F Lotus“ im Wiener Belvedere-Garten, die in Zusammenhang mit seiner Ausstellung „transfocation-transformation“ im 21er Haus steht, zieht gesellschaftskritische Deutungen nach sich. Auf dem ersten Blick schwimmen bunte Seerosen im Wasserbecken des Schlossgartens, tatsächlich handelt es sich dabei um 1005 zurückgelassene Rettungswesten, die im 5er-Block zu blütenähnlichen Strukturen geformt sind. 

 

Gesammelt hat er diese auf der griechischen Insel Lesbos. Sie stammen von Flüchtlingen, die den lebensgefährlichen Trip über das Mittelmeer überlebt haben und jetzt auf Asyl in Europa hoffen. Im Gegensatz zu jenen, die ihre Flucht mit dem Leben bezahlt haben. Nach Angaben des UNHCR sind seit 2014 mehr als 10.000 Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrunken, die Dunkelziffer ist um vieles höher.

 

Die Schwimmwesten-Installation hat die Form eines kalligrafischen F´s. Welche Bedeutung das F hat, das lässt der Künstler offen. Umgeben wird das Kunstprojekt von 12 überlebensgroßen Bronzeköpfen der Tiere aus dem chinesischen Horoskop. Dieses steht 2016 im Zeichen des Affen, eine günstige Zeit für „Courage, Aktion, Chaos und wahre Hingabe“. 

 

Menschlichkeit, Zusammenhalt, gegenseitige Akzeptanz und der altruistische Drang, Lösungen nicht nur beim Flüchtlingschaos zu kreieren, sollten im Mittelpunkt unseres Denkens stehen. Trotzdem auf Foto-Motive und Facebook-Postings aus dem barocken Schlossgarten nicht vergessen, denn ohne Kommunikation keine Reaktion !

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Euro 2016: Parabens Portugal ! Österreich mit nur einem Tor zweitschwächstes EM-Team !

„Ein Drehbuchautor hätte sich den größten Moment in der Geschichte des portugiesischen Fußballs niemals so ausdenken können“ - so die Medien am Tag nach dem EM-Finale in Paris. Superstar Cristiano Ronaldo wurde bereits in der 8. Minute vom französischen Westham-Legionär Payet am linken Knie verletzt, sodass er in der 25. Minute – bereits einbandagiert – tränenüberströmt ausscheiden musste. 

 

Doch die von Coach Santos wieder perfekt defensiv eingestellte Selecao konnte diesen Schock verkraften und wehrte sich mit allen Kräften und dem ausgezeichneten Tormann Rui Patricio gegen die Angriffe der Franzosen. Die größten Chancen hatten dabei Athletico Madrid-Star Antoine Griezmann durch einen Kopfball und Andre Gignac, der in der 92. Minute einen Schuss an die linke Stange lenkte. Den größten Coup landete Santos in der 79. Minute: Mittelstürmer Eder vom französischen Erstligisten Lille kam für den zum besten Nachwuchsspieler gekürten Neo-Bayern-Legionär Sanches ins Spiel und erzielte in der 109. Minute den Siegestreffer für die Portugiesen. Nach dem Schlusspfiff liefen bei Ronaldo, der an der Out-Linie sein Team anfeuerte, wieder die Tränen, allerdings jene der Freude.

 

12 Jahre nach dem unglücklichen 0:1 im EM-Finale 2004 gegen Griechenland glückte die „Revanche“. Portugal ist zum ersten Mal Fußball-Europameister, nach drei Unentschieden (gegen Ungarn, Österreich und Island) und nur einem dritten Platz in der Vorrunde, einem 1:0 nach Verlängerung gegen Kroatien, einem Sieg im Elfmeterschießen gegen Polen und einem 2:0 gegen Wales im Semifinale besiegten die Selecao die enttäuschten Gastgeber mit 1:0. Für Ronaldo ist der Finaltriumph der erste Titel mit der Nationalmannschaft und – gemeinsam mit Pepe – das Double nach dem Champions League-Sieg Real Madrids.

 

Antoine Griezmann wurde mit 6 Toren Torschützenkönig und zum Spieler des Turniers gewählt. Beides Auszeichnungen, die nach der Finalniederlage zumindest jetzt nicht trösten. Vor allem in der Verlängerung fanden die Franzosen keine Offensivstrategien mehr gegen das portugiesische Bollwerk, der bereits vorbestellte Siegerbus für die Triumphfahrt zum Eiffelturm musste wieder storniert werden, das verjüngte Team hat allerdings enormes Potential für die nächsten Bewerbe.

 

Ob dies auch für die zuvor so hochgelobte österreichische Mannschaft zutrifft, wird man in der WM-Qualifkation, die bereits im Herbst mit Matches gegen Georgien, Semifinalteilnehmer Wales und Serbien beginnt, sehen. In Frankreich schossen die Österreicher von insgesamt 108 Toren nur ein einziges, und zwar durch die Nachwuchshoffnung Alessandro Schöpf gegen Portugal. Mit einem 1 Punkt und einem Torverhältnis von 1:4 war nur eine EM-Mannschaft schwächer, jene der Ukraine. Diese Wette hätten nicht einmal die allergrößten Pessimisten abgegeben.

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Euro 2016: „Grizou´s“ Kampf um die europäische Fußball-Krone.

Wenn ein Kicker auf dem grünen Rasen Drakes „Hotline Bling“-Tanzanimationen nach einem erfolgreichen Torschuss performt, dann haben die Gegner meist keine Lust mehr auf Party. Der Fußballer, der heißt Antoine Griezmann, und der hat bei der Europameisterschaft für das französische Nationalteam bereits sechs Mal ins Netz getroffen. 

 

In Marseille, im Semifinale gegen die Deutschen, dauerte bis 45 Minuten, bis der Athletico Madrid-Superstar einen von Schweinsteiger verschuldeten Hands-Elfmeter gegen Manuel Neuer klar verwandelte. Treffer Nr. 2 folgte dann in der 72. Minute nach schweren Patzern der deutschen Abwehr. Löws Truppe wies zwar mehr als 60 % Ballbesitzauf , kombinierte aber zu langsam, hatte keinen Torjäger und zeigte sich obendrein nach dem Ausscheiden als schlechte Verlierer: „Von Frankreich nicht viel gesehen“, „kein faires Ergebnis“ (Neuer), „Unsere Idee von Fußball gehört zu den besten im Weltfußball“ (Hummels) oder „Wir hatten den Franzosen vieles voraus, außer den Toren“ (Löw) lauteten nur einige selbstherrliche Kommentare der Deutschen.

 

Dass Griezmann und Giroud bereits in der 1. Hälfte hochkarätige Chancen hatten, wird verdrängt und stillgeschwiegen. Was der Equipe Tricolore aber nur ein Lächeln kostet. Die Franzosen haben nach 1984 (2:0 gegen Spanien) und 2000 (2:1 nach Golden Goal gegen Italien) am Sonntag gegen Portugal die Chance, zum drittenmal Europameister zu werden. Didier Deschamps wäre der erste Trainer, der gleichzeitig als Spieler (2000) und Coach die EM-Trophäe in Händen halten könnte. Auf der anderen Seite könnten Ronaldo und Pepe das Double nach dem Champions League-Sieg mit Real Madrid schaffen.

 

Dieses Match stand für Griezmann dagegen unter einem schlechten Stern, er verschoss im Finale einen Elfmeter. Rückschläge machten den aus bescheidenen Verhältnissen stammenden Griezmann allerdings immer stärker und widerstandsfähiger. Aufgewachsen im kleinen Ort Macon in einem sechsstöckigen Häuserkomplex lernte er sich selbst die Ballartistik, wurde allerdings von den französischen Klubs wegen seiner Schmächtigkeit nicht aufgenommen. Die Spanier waren da intelligenter, San Sebastian engagierte den jungen Griezmann mit 14, 2014 wechselte er zu Athletico Madrid. 

 

Und nach einem schwachen EM-Start ist Griezmann nicht nur Matchwinner und Führender der Torschützenliste, sondern auch Liebling der Fans und Idol der Jugend, für die er jährlich „Challenge“-Turniere in seinem Heimatort veranstaltet. Und viele nennen ihn bereits jetzt „Grizou“ in Anlehnung an die französische Fußball-Legende Zinedine Zidane. In dessen Fußstapfen er Sonntag Abends treten will.

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Euro 2016: Cristiano Ronaldo und die Trophäe, die ihm (noch) fehlt !

3mal Sieger der Champions League mit Manchester United und Real Madrid, 3facher Weltfußballer, zahlreiche Meister- und Cuptitel,  nur eines fehlt ihm noch. Der ganz große Erfolg mit der Nationalmannschaft, der bereits 2004 vor 12 Jahren so nahe war. Damals verloren die Portugiesen 1:0 gegen den krassen Außenseiter Griechenland, jetzt stehen sie wieder im EM-Finale, dank ihres Superstars Cristiano Ronaldo. 

 

Nach einer eher glanzlosen ersten Hälfte landete der Ball in der 50. Minute zum ersten Mal im Tor der Waliser: Flanke von Guerreiro, Ronaldo per Kopf zum 1:0. Damit ist der in Madeira geborene und bei Sporting Lissabon bekannt gewordene Kicker neben Platini mit 9 Toren der beste EM-Torschütze aller Zeiten. Gleich 3 Minuten später zappelt der Ball wieder im Netz: Schuss von Ronaldo in den Strafraum, Nani (der nächste Saison von Fenerbahce nach Valencia wechselt) verwertet zum 2:0. 

 

Die Waliser, die zum ersten Mal in ihrer Teamgeschichte ein Semifinale erreichten, kämpften zwar tapfer, hatten aber trotz einigen gefährlichen Schüssen von Real Madrid-Superstar Gareth Bale an diesem Abend keine Chance gegen die Selecao. Natürlich fehlte auch der wegen zwei gelber Karten gesperrte Spielmacher Ramsey an allen Enden. Wales kann sich trotzdem über seine große Leistung freuen, und Trainer Coleman hat bereits seinen Vertrag verlängert. Österreich muss bei der WM-Qualifikation mehr als gewappnet sein.

 

„Wir sind nicht gestartet, wie wir uns das gewünscht haben. Aber ein Turnier ist kein Hundertmeterlauf. Es ist ein Marathon.“ – so Cristiano Ronaldo im ersten Interview nach dem Finaleinzug. Und im gleichen Atemzug: „Portugal verdient den Titel, die Fans verdienen den Titel, ich verdiene den Titel.“ Wir fragen wieder nach, spätestens sonntags Mitternacht.

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Euro 2016: Deutsch-Französische Freundschaft auf dem Prüfstand.

"Deutschland ist nun mal Deutschland. Die beste Mannschaft in Europa - und der Welt. Sie haben so viel technische Qualität, schon beim Torhüter angefangen.“ - Lobeshymnen des französischen Teamchefs Didier Deschamps in der Pressekonferenz nach dem Einzug ins Semifinale. Naturgemäß ein Versuch, sich aus der Favoritenrolle zu nehmen, der aber nur bedingt gelingt. Denn die Franzosen entzauberten vor allem in der 1. Hälfte die bisherige Sensationsmannschaft aus Island. Nach 45 Minuten stand es bereits 4:0, auf der Torschützenliste standen gerade jene Stars, auf die es auch am Donnerstag gegen Deutschland ankommen wird: Olivier Giroud, Paul Pogba, Dimitri Payet und Atletico Madrid-Star Antoine Griezmann, mit 4 Toren bis dato erfolgreichster Scorer der Euro. Die „Islandisierung des Abendlandes“ wurde abgewehrt, die sympathischen Wikinger aus dem hohen Norden, die die Niederländer bei der EM-Qualifikation und die Österreicher und Engländer aus dem Turnier schossen, verabschiedeten sich aber mit Kampfstärke und Leistungswillen bis zur letzten Minute von der Europameisterschaft und erzielten beim schlussendlichen 2:5 sogar noch zwei Ehrentreffer.

 

Deutschland wird für die Equipe Tricolore allerdings ein anderes Kaliber. Die Löw-Truppe besiegte die Italiener erst in einem hochspannenden Elfmeterschießen nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit. Die offensiv wesentlich agileren Deutschen gingen durch Özil in der 65. Minute in Führung, die Italiener glichen nach einem missglückten Handspiel Boatengs im Strafraum durch Leonardo Bonucci aus. Weniger erfolgreich waren die Stars beim Elfmeter-Thriller nach 120 Minuten Spielzeit. Vor allem die vergebenen Strafstöße von Zaza und Pelle bzw. Müller und Schweinsteiger waren an der Grenze zur Peinlichkeit. Nach 9 Schützen sorgte der Kölner Verteidiger Jonas Hector für den verdienten Aufstieg der Deutschen. Bei Italiens Tormann Gianluigi Buffon, der Squadra Azzurra und den Tifosi flossen hemmungslos die Tränen. Am nächsten Tag mischte sich dazu aber auch eine neue Aufbruchsstimmung: „Antonio Conte hat Italien wieder in Mode gebracht“ – so die einhellige Meinung. Leider verlässt der motivationsfähige, euphorische Star-Coach sofort nach der Euro das Nationalteam Richtung Chelsea.

 

Für die Deutschen dagegen geht die Reise nach Marseille – mit einigen schlechten Vorzeichen: Hummels wegen 2. Gelber Karte gesperrt, Muskelfaserriss von Gomez,  auch Khedira nach seinem verletzungsbedingten Austausch fraglich. Top-Fit dagegen ist Tormann Manuel Neuer, einer der größten Trümpfe für einen deutschen Erfolg. Während des ganzen Turniers musste sich der Bayern-Keeper nur einmal geschlagen geben. Die Franzosen dagegen werden alles daran setzen, sich für die WM-Niederlage von 2014 in Rio de Janeiro zu revanchieren, wo die Deutschen die Equipe Tricolore im Viertelfinale mit 1:0 besiegten. Der damalige Goldtorschütze Hummels fehlt am Donnerstag.

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Euro 2016: Kampfstarkes Wales-Kollektiv trifft im 1. Semifinale auf die Selecao-Stars.

Es mutet skurril an, aber mit Portugal steht im Semifinale der Euro 2016 ein Team, das bis dato kein einziges Match in der regulären Spielzeit von 90 Minuten gewinnen konnte. Bei der Viertelfinal-Begegnung gingen die Polen durch Lewandowski sogar mit 1:0 in Führung, bis der erst 18jährige Renato Sanches in der 33. Minute ausglich. Sanches, nach Vonlanthen und Rooney 2004 der jüngste EM-Torschütze aller Zeiten, wechselt übrigens im Sommer zu den Bayern. Ein Glücksgriff. Glück hatten auch die Portugiesen: Nach weiteren torlosen Minuten bis Ende der Verlängerung gewannen sie das Elfmeterschießen gegen die Polen 5:4, ausgerechnet der bis dahin groß aufspielende Blaszczykowski scheiterte an Tormann Rui Patricio. Ronaldo & Co. dürfen weiterhin auf den Europameistertitel schielen, den sie 2004 im Heim-Finale gegen Griechenland vergeigt haben.

 

Im Semifinale wartet allerdings die Sensationsmannschaft Wales mit Ronaldos Real Madrid-Kollegen Gareth Bale, die in einem hochspannenden Viertelfinale die favorisierten Belgier aus dem Turnier schmissen. Die Belgier, die bei der Euro das jüngste Team stellten und insofern bereits die Trademark „Goldene Generation“ in sich tragen, gingen zwar durch einen genialen Kreuzeck-Schuss von Nainggolan in Führung. Die Waliser ließen sich davon aber nicht beirren und beherzigten das Motto ihres Teamchefs Chris Coleman: „Gib niemals auf und fürchte dich nicht davor, Träume zu haben. Denn nur dann kannst du das Unmögliche schaffen.“  

 

Kapitän Ashley Williams gleicht bereits in der 31. Minute aus, und in der 55. Minute bringt der letzte Saison beim Zweitligisten Reading spielende Robson-Kanu die „Red Dragons“ in Führung, indem er drei belgische Verteidiger gleichzeitig austrickst. Der englische Mirror formulierte ongenial: „Er verwandelte sich in eine Mischung aus Johann Cruyff, Lionel Messi und Pele“. Belgien drängte zwar auf den Ausgleich, aber in der 85. Minute machte Sam Vokes alles klar. Endstand 3:1 und damit größter Erfolg in der Teamgeschichte seit dem Viertelfinaleinzug bei der Weltmeisterschaft 1958. 

 

Einziger Wermutstropfen: Regisseur Ramsey ist wegen der zweiten gelben Karte gesperrt. Bale & Co. ist aber trotzdem der Finaleinzug zuzutrauen. Getreu der Team-Philosophie „Together stronger“. Und gelingt dies tatsächlich, dann könnte die gleichlautende Hymne der Manic Streat Preachers bald populärer sein als das englische „Football´s Coming Home“.

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Urban Culture, Sound und Delikatessen – 19. Freihausviertelfest auf der Wieden.

Im 18. Jhdt. garantierte das Freihaus dem Besitzer des Gebäudes Steuerfreiheit und eine eigene Gerichtsbarkeit, im 21. Jahrhundert ist das Szene-Viertel zwischen Wiedner Hauptstraße und dem Naschmarkt ein Markenzeichen für Urbanität, Kreativität und Kultur. In einer Zeit, in der immer mehr Bürger abgleiten in Facebook-Blasen, Internet-Isolation und Online-Käufe, ist es wichtig, dass derartige Vorzüge bzw. USP´s (in der Marketing-Sprache) auch präsentiert und kommuniziert werden. Seit bereits 19 Jahren findet das Freihausviertelfest, eines der größten Street-Festivals Wiens, statt, auch dieses Jahr wieder organisiert vom engagierten Vereinsobmann Karl Raab.

 

Das Festival-Areal umfasste auch dieses Jahr die Schleifmühlgasse (die nach der Schleifmühlbrücke auch als Begegnungszone im Gespräch ist), den Kühnplatz, die Mühlgasse und die Heumühlgasse mit dem Thai-Festival. Erstmals dabei ist auch die Pressgasse, wo die trendige Restaurant-Bar Zweitbester neben einem Designer Market und Street Food auch mit Open-Air-DJ´s aufwarten konnte.

 

Neu dabei auch die kürzlich eröffnete Craft-Mühle in der Mühlgasse, die zusätzlich vor der Haupt-Bühne beim legendären Cafe Anzengruber ihre Bier-Kreationen unter die Besucher brachte und gegen Abend mit zahlreichen TV-Screens die EM-Freaks ins Pub lockte. Als Live-Act neben vielen anderen World Music-, Latin-, Country- und Rockkünstlern mit dabei auch Thomas Andreas Beck, der bereits beim Donaukanaltreiben mit seinen intelligenten Texten nachdenklich-melancholische Stimmung verbreitete. Bei einer seiner Moderationen lobte er auch die „Vollpension“, ein soziales Lokal-Projekt in der Schleifmühlgasse 16. Armutsgefährdete Senioren werden dort geringfügig beschäftigt, bereiten Mehlspeisen und Hausmannskost in wohnzimmerähnlichem Ambiente zu und bekommen dadurch wieder Anschluss an die Gesellschaft.

 

Lässiger Rhythm & Blues von Hary Wetterstein und Jonny Who & The Sunshine Killers abends aus dem Cafe Xeno, cooler Vintage Sound vor dem kultigen Johnny´s Pub am anderen Ende der Schleifmühlgasse. Dazwischen kommunizierende, trinkende und feiernde Menschen allen Alters, aller Schichten und aller Nationen, die die ersten wunderschönen Sommernächte im Freihausviertel einfach genießen wollten. So und nicht anders soll und muss Wien sein.

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Euro 2016: Euphorie in Italien und Island, Contenance bei den Franzosen und Deutschen.

„Ihr müsst 23 Spieler sein – und 23 Träumer“ - Eines der Lieblingszitate von Trainer Antonio Conte dürfte die Italiener besonders angespornt haben. Bei der Europameisterschaft 2012 verlor die Squadra Azzurra noch gegen die Spanier im Finale mit 4:0. Jetzt im Achtelfinale gelang die Revanche gegen den zweifachen Titelverteidiger. Und dies auf eine bemerkenswerte Art: „Italien kann nicht nur Catenaccio“, so wieder Conte nach dem 2:0-Sieg. Giorgio Chiellini war es, der die Italiener nach einem Freistoß Eders mit einem Abstauber in Führung brachte. Danach folgten zahlreiche Chancen, die durch den ausgezeichneten spanischen Tormann De Gea von Manchester United zunichtegemacht wurden. Das einstige Tiki-Taka-Inferno der Spanier funktionierte nur in der zweiten Hälfte ansatzweise, Pelle erhöhte verdient noch in der Nachspielzeit auf 2:0. Im Viertelfinale am Samstag warten die Deutschen, die die Slowaken durch Tore von Boateng, Gomez und Draxler souverän aus dem Turnier kickten. Gegen die Italiener dürfte dies – trotz eines 4:1-Siegs im letzten Freundschaftsspiel - nicht so einfach werden.

 

Fehlstart für die französischen Gastgeber im Achtelfinale: Die Iren gingen durch einen von Pogba verschuldeten Elfmeter mit 1:0 bereits in der 2. Minute in Führung. Robbie Brady, der bereits das Siegestor gegen die Italiener erzielte, verwandelte den frühesten Penalty in der EM-Geschichte. In der 2. Hälfte allerdings hielt das irische Bollwerk nicht mehr gegen die spielerische Überlegenheit der Franzosen statt. Ein Doppelschlag von Athletico Madrid-Star Antoine Griezmann in der 58. Und 62. Minute und der Ausschluss von Duffy in der 66. Minute besiegelten die 2:1-Niederlage der Iren, die für die österreichische Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation allerdings ein schwerer Brocken werden.

 

Die Franzosen dagegen treffen am Sonntag im St. Denis auf ein Land, das gerade mal 330.000 Einwohner aufweist, in dem ca. 100 Fußballprofis spielen und dessen Co-Trainer Teilzeit-Zahnarzt ist. Auf die euphorischen Wikinger von Island, die man getrost als Sensationsmannschaft des Turniers betrachten kann. Nachdem sie in der Qualifikation bereits die stolzen Oranjes durch 2 Siege (2:0 bzw. 1:0) aus der EM schossen, blieben sie in der Österreich-Gruppe F ungeschlagen und schickten die überschätzten Ösis mit einem 2:1-Sieg zurück in die Heimat. 

 

Im Achtelfinale gegen die „Three Lions“ ließen sie sich durch den verwandelten Elfmeter Rooneys in der 4. Minute nicht entmutigen und gingen innerhalb weniger Minuten (6., 18.) durch Sigurdsson und Sigthorsson in Führung. Die sie gegen die hochbezahlte, aber unambitionierte Truppe auch nicht wieder aufgaben. Entsetzt und spöttisch nicht nur die britischen Medien, sondern auch Stürmerlegende Gary Lineker: „Wir sind durch ein Land besiegt worden, das mehr Vulkane als Fußballer hat.“ Die Replik der isländischen Fans dazu kann nur ein lautes „Hu“ sein, begleitet durch immer ein schneller werdendes, rhythmisches Klatschen. Der wilde Schlachtenbummlergesang der isländischen Fans, der die Sensationskicker auch am Sonntag begleiten wird. Ob da auch die zart besaitete Grande Nation in die Knie gehen wird ?

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Euro 2016: EM-Träume von Ronaldo und Hazard noch nicht ausgeträumt !

Der jungen Mannschaft von Trainer Petrovic gehört die Zukunft, aber (noch) nicht bei dieser Europameisterschaft. Im ersten Achtelfinale schieden die Schweizer unglücklich im Elfmeterschießen gegen die Polen aus. Der derzeit bei Florenz spielende Blaszczykowski brachte mit seinem zweiten Tor die Polen in Führung, Shaqiri glich mit einem sensationellen Fallrückzieher in der 82. Minute aus. Beim Elfmeterschießen nach einer torlosen Verlängerung trafen alle außer Jungstar Xhaka. Der künftig bei Arsenal spielende Profi sieht das traurige Ausscheiden auch als Lernprozess und hat damit nicht Unrecht.

 

Die Polen treffen im Viertelfinale auf die Portugiesen, die in einem enttäuschenden Match die bis dahin beste Mannschaft des Turniers der Kroaten ausschalteten. Portugals Teamchef Santos, vielleicht auch sinnierend über die 1:0-Finalniederlage gegen Griechenland 2004, sieht dies anders: „Mit schönem Fußball gewinnt man keine Turniere.“ Fakt ist: Kroatien und Portugal neutralisierten einander gegenseitig, nach einem Stangen-Schuss von Perisic gegen Ende der Verlängerung waren die Portugiesen glücklicher. Kroatiens Schlussmann Subasic konnte Ronaldos Schuss nicht abwehren, gegen den Abstauber vom eingewechselten Quaresma war er machtlos. Ronaldos Traum vom Europameisterschaftstitel lebt weiter.

 

Im zweiten Viertelfinale treffen am Freitag Wales und Belgien aufeinander. Während die Waliser die Nordiren nur knapp 1:0 in einem typisch britischen Match durch ein Eigentor (!) von McAuley besiegten, landeten die Belgier den bisher höchsten Sieg der Europameisterschaft: 4:0 gegen die Ungarn, die aber trotz der hohen Niederlage auch im Achtelfinale eine gute Leistung zeigten. So fiel das 2:0 erst in der 78. Minute. In Top-Form bei den Belgiern derzeit Chelsea-Superstar Eden Hazard, der sich vor allem auf den Matchstandort Lille freut. Dort begann einst seine Karriere: Mit dem dortigen Verein OSC Lille wurde Hazard 2010 französischer Meister und Cupsieger. Mehr als ein gutes Omen !

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Ragga-Dancehall, Elektro-Pop & Drum´N-Bass: Sonntag beim Donauinselfest kein Schontag.

Ein seltsames Phänomen. Der Sonntag gilt gemeinhin und sogar in der Party-Szene als Chill-Out-Tag. Nicht so bei den alljährlichen Donauinselfesten. Dort ist gewöhnlich am Sonntag das Programm am coolsten, lautesten und partyträchtigsten. 

 

DJ Observer beschallte bereits am frühen Abend mit Ibiza-House & Trance die Viva-Stage, während die junge Indie-Band „The Boys you know“ aus Oberösterreich auf der FM4-Bühne ihre neuen Songs präsentierte. Beim Armin van Buuren-Label „Armada“ ist Felix de Laet aka „Lost Frequencies“ unter Vertrag, seine Nr. 1 Hits „Are you with me“ und „Reality“ hatte er – neben mainstreamtauglichen Mash-Up-Mixes von „What is Love“ und „Bongo Bong“ – im USB-Gepäck für seinen Auftritt auf der Ö3-Bühne. Bizarr dagegen „Gudrun von Laxenburg“, eine Wiener Live-Techno-Kapelle, die während ihres Gigs ein tanzendes Einhorn ins Publikum schickten, aber auch vor Remixes von „Rhythm is a Dancer“ oder „King for a Castle“ nicht zurückschreckten.

 

Begeistert von der riesigen Audienz bei ihrem Auftritt zeigten sich Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg aka „Glasperlenspiel“. Als besondere Belohnung für die Wiener Fans standen als Zugaben Special Elektro-Versions ihrer Superhits „Geiles Leben“ und „Ich bin ich“ auf der Set-List. Große Publikumsmassen ist Sean Paul gewohnt: Der jamaikanische Reggae-Dancehall-Sänger ist bereits seit dem Jahr 2000 weltweit erfolgreich und zeigte mit Hilfe einiger Tänzerinnen, wie man Sonntag Abends exzessive Parties feiert. Mit genialen Tracks wie „Get busy“, „Bailando“, „Got 2 luv“ und seinem neuesten Hit „Cheap thrills“ kein Problem.

 

Westlich der Floridsdorfer Brücke wurden die Verstärker-Regler ganz nach oben gepitcht. DJ-Ausnahmetalent Salute rockte den Eutopia-Floor, während nebenan das auch in Großbritannien höchsterfolgreiche österreichische Drum and Bass-Duo „Camo & Krooked“ die FM4-Naturtribüne bis zum letzten Platz füllte. Schade, dass diese Parties gegen Mitternacht endeten und nicht bis in den Morgen andauerten.

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Donauinselfest 2016 - UK Pop, German Hip Hop & Dance Vibes unter freiem Himmel !

„The Best Things in Life are free“ – so lautet das Motto des 33. Wiener Donauinselfests. Stimmt so natürlich nicht ganz, da ein Teil der ca. 6 Millionen Euro Kosten auch aus dem Gemeindebudget der Stadt Wien bestritten wird. Fakt aber ist: Das Programm ist vielfältig und bietet neben zahllosen Gastro-Ständen, Sportmöglichkeiten und Karussellen auch 13 Bühnen mit ca. 2000 Künstlern und insgesamt über 600 Stunden Veranstaltungsprogramm. 

 

Und da finden sich durchaus einige innovative Acts abseits der Kommerzschiene. So zum Beispiel Dua Lipa, die 20jährige britisch-albanische Sängerin, die auf der BBC-„Sound of 2016“-Liste hoch platziert war und mit „Be the One“ auch schon einen Riesen-Hit in UK und Kontinentaleuropa abgeliefert hat. Das Debüt-Album erscheint Ende des Sommers, die Tracks daraus präsentierte sie im sexy Outfit und mit trendiger Band auf der Ö3-Bühne. Zum Abschluss auch die housige neue Single „Hotter than Hell“, die aus den schlaflosen Dancefloor-Nächten des Multi-Talents entstand. 

 

Felix Jaehn, Nr. 1 in den USA mit dem „Cheerleader“-Remix, lieferte den Chill-Out-Soundtrack zur untergehenden Sonne, während die einstige St. Pöltner Pop-Hoffnung Simone mit Charly Brunner abendliche Schlagerfantastien erfüllte. Die westliche Seite der 4,5 km langen Party-Meile wurde besetzt von den Hip Hoppern: Samy Deluxe, der auch in Integrations- und Aidsfragen engagierte deutsch-sudanische Rapper, sorgte auf der FM-Bühne vor einem prallvollen Natur-Hügel für exzessive Party-Vibes mit Understatement. Auch für Mimimis (Mitbürger mit Migrationshintergrund). Und das ist gut so.

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Lückenhaft und ohne Valorisierung: Nationalrat beschloss Kinderbetreuungsgeld-Reform.

Nach Vorberatungen im Familienausschuss beschloss jetzt auch der Nationalrat mit den Stimmen der SPÖ, der ÖVP und des Team Stronach eine Reform des Kinderbetreuungsgeldes und den sogenannten „Papamonat“. Leider mit zahllosen Lücken, Kürzungen und Verkomplizierungen.

 

Für Geburten ab dem 1. März 2017 werden die bisher geltenden vier Pauschalvarianten des Kinderbetreuungsgeldes ersetzt durch ein sogenanntes „Kinderbetreuungsgeld“-Konto. Die jungen Eltern haben jetzt die Möglichkeit, die Bezugsdauer des KB-Geldes innerhalb einer bestimmten Zeitspanne flexibel zu wählen. Je nach Länge der Inanspruchnahme stehen zwischen 12.337 und 15.449 Euro (für beide Elternteile zusammen) bzw. monatlich zwischen 440 und 1.030 Euro zur Verfügung. Das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld, bei dem Eltern bis zu 12 bzw. 14 Monate 80 % ihres Letzteinkommens (mit Obergrenze bei ca. 2000 Euro monatlich) beziehen können, bleibt unverändert. Sogar das an sich „befreundete“ Sozialministerium deutet in einer Stellungnahme an, dass „nicht rechtskundige Eltern die Materie in ihrer Komplexität kaum durchblicken können“.

 

Ein Elternteil kann jetzt maximal 28 statt bisher 30 Monate Kinderbetreuungsgeld beziehen. Das bedeutet vor allem für Alleinerziehende, die am häufigsten mit Armut zu kämpfen haben, eine eklatante Schlechterstellung. Die leichte Erweiterung der "Härtefallregelung“ ist hier nur ein Tröpfchen auf dem heißen Stein. Die Bezugsdauer wird auch reduziert, wenn sich beide Eltern an der Kindererziehung beteiligen, und zwar von 36 auf 35 Monate. 

 

Der einmalige Partnerschaftsbonus von je 500 Euro (bei Kinderbetreuung zumindest im Verhältnis 60:40) wird wohl kaum eine Änderung der Betreuungsverhältnisse nach sich ziehen. Mit Einbußen von jeweils 1300 Euro müssen Eltern rechnen, die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen versäumen.

 

Nicht verändert wurde die Bestimmung, wonach nur dann ein Anspruch auf Kinderbetreuungsgeld besteht, wenn Elternteil und Kind an derselben Adresse hauptwohnsitzlich gemeldet sind. Dies führte bereits zu zahllosen Rückforderungsansprüchen der Gebietskrankenkassen, obwohl eine Lösung dieses Problems einfach ist. Man könnte hier – wie bei der Familienbeihilfe – als Anknüpfungspunkt den „gemeinsamen Haushalt“ festlegen. 

 

Die langjährige Forderung der FPÖ, die Dauer der arbeitsrechtlichen Karenz (von 2 Jahren) an die Bezugsdauer des Kinderbetreuungsgeldes (inkl. Krankenversicherung) von 3 Jahren zu knüpfen, wurde wieder nicht in Betracht gezogen. 

 

Auch die sogenannte „Familienzeit“ birgt nur Unsicherheiten. Väter haben ab März 2017 die Möglichkeit, innerhalb der ersten 91 Tage nach der Geburt eines Kindes 28 bis 31 Tage berufliche Auszeit für die Familie zu nehmen. Während dieses „Papa-Monats“ wird sogar eine finanzielle Unterstützung von 700 Euro gewährt. Klingt ja ganz nett, allerdings wird dieser „Bonus“ auf ein etwaiges späteres Kinderbetreuungsgeld des Vaters angerechnet. Es gibt weiters keinen Rechtsanspruch auf den Papa-Monat und keinen besonderen Kündigungsschutz. Bei Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber muss sich der glückliche Vater also mit Gleichbehandlungs-Juristen zusammensetzen anstatt mit dem Kinderwagen herumzukurven.

 

Eingeführt wurde das Kinderbetreuungsgeld im Jahre 2002. Seitdem hat es ca. 60 % des ursprünglichen Wertes eingebüßt. Eine Valorisierung wurde bei den monatelangen Gesetzesverhandlungen erneut abgelehnt. Ein Herz für Familien und Kinder – das sieht anders aus.

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Euro 2016: Die Wikinger & Ronaldo segeln weiter, für Österreich heißt es "Ab von Bord".

Österreichs Nationalteam spekulierte – nach der überzeugenden Qualifikation – mit einer Spitzenplatzierung in Frankreich. Und hat sich verspekuliert. Nur 1 Punkt und 1 Tor nach 3 Spieltagen und damit Gruppenletzter. Im „Endspiel“ gegen die Isländer lag man nach bereits 18. Minuten mit 0:1 im Hintertreffen, vergab dann einen Elfmeter durch Dragovic, schöpfte aber im wahrsten Sinne des Wortes durch den Ausgleich von Schalke-Legionär Alessandro Schöpf in der 60. Minute wieder Hoffnung.  Der Sturmlauf war allerdings vergeblich, Neo-Rapidler Traustason erzielte per Konter sogar noch den Siegestreffer für das Wikinger-Volk, für die – trotz der Präsidentenwahl am Samstag – derzeit nur der Fußball zählt. 

 

In der ÖFB-Abschluss-Pressekonferenz behaupteten Ruttensteiner und Koller unisono, man habe hier in Frankreich nicht sein wahres Gesicht gezeigt. Das Team sei zu nervös und hektisch vor allem beim Passspiel gewesen. Auch erreichten einige Spieler nicht die Normalform bzw. waren nicht hundertprozentig fit. Vielleicht waren die Kicker auch auf der „Wolke 7“ und haben die kämpferisch starken Teams von Ungarn oder Island einfach unterschätzt. Oder die Quali-Gegner überschätzt, Russland und Schweden fahren wie Österreich ohne Sieg nach der Gruppenphase heimwärts. Die mentalen Schwächen sollten allerdings schnell beseitigt werden, denn im September beginnt bereits die WM-Qualifikation 2018 – mit den Achtelfinalisten Wales bzw. Irland, Georgien, Moldawien und Serbien als Gegner. Nur der Gruppensieger hat ein fixes Ticket, die acht Gruppenzweiten spielen vier Play-Off-Duelle.

 

Die Isländer spielen am Montag gegen England, und auch die Portugiesen sind dank Ronaldo noch im Turnier: 1 Assist und zwei sensationelle Tore des EM-Rekordspielers (mit nunmehr 17 Einsätzen) besiegelten das knappe 3:3 gegen die wieder stark aufspielenden Ungarn, die als sensationeller Sieger der Gruppe F jetzt auf die Belgier treffen. 

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Euro 2016: Österreich durch Ronaldo-Torflaute und Almer-Paraden noch im Rennen.

„Wir wollten gewinnen und haben eigentlich alles richtig gemacht, nur der Ball ist nicht hineingegangen.“ Portugals Star-Stürmer Nani, der selbst in der 1. Hälfte zwei hochkarätige Chancen vernebelte, bringt es auf den Punkt. Und so trennten sich Portugal und Österreich im Pariser Prinzenpark-Stadion 0:0. 

 

Zum Helden des Abends wurde Österreichs Schlussmann Robert Almer, der zahlreiche Chancen der Portugiesen zunichtemachte, allen voran jene des dreifachen Weltfußballers Cristiano Ronaldo, der in der 80. Minute einen (fragwürdigen) Elfmeter an die rechte Stange lenkte. Der Spott in den sozialen Medien war dem portugiesischen Rekordnationalspieler mit einem Marktwert von 110 Millionen Euro sicher, und das eigentlich zu Unrecht. In den bisherigen 180 Minuten der Europameisterschaft schoss Real Madrids Superstar 20 mal auf das gegnerische Tor und damit mehr als das gesamte österreichische Team. Man sollte hier also vor dem „eigenen Tor kehren“.

 

Österreich muss sich vor allem spielerisch und passtechnisch enorm steigern, wenn es am Mittwoch im „Endspiel“ gegen Island bestehen will. Nach einem unglücklichen 1:1 gegen Ungarn (mit Ausgleich durch ein Eigentor in der 88. Minute) müssen auch die Isländer gewinnen, um in das Achtelfinale zu gelangen. Gewinnen müssen auch die Portugiesen gegen Ungarn, die mit 4 Punkten bereits zu den „besten 4 Gruppendritten“ gehören könnten. Ansonsten droht das erste Ausscheiden in einer EM-Gruppenphase für die Südeuropäer.

 

Das kleine Albanien ist anscheinend ein Angstgegner für die Franzosen. In der EM-Qualifikation setzte es sogar eine 0:1-Niederlage. Auch bei der Euro fiel der erste Treffer der Equipe Trikolore erst in der 90. Minute durch Griezmann, das 2:0 in der Nachspielzeit durch Payet. Rumänien und die Schweiz trennten sich 1:1.

 

Im britischen Duell zwischen England und Wales gingen die Waliser überraschend durch Real Madrid-Star Bale in Führung. Die eingewechselten Vardy und Sturridge (in der 92. Minute) besiegelten aber den knappen 2:1-Erfolg der „Three Lions“. Die Slowakei hat nach dem 2:1 gegen die schwachen Russen wieder Chancen auf das Achtelfinale, muss aber gegen England am 3. Spieltag punkten.

 

In der Gruppe C trennten sich die Deutschen und Polen nach einem enttäuschenden Match torlos. Kritik auch von Innenverteidiger Boateng, der mehr Offensive fordert. Nordirland feiert gegen die Ukraine einen souveränen 3:0-Erfolg, gleichzeitig der erste EM-Sieg ihrer Fußball-Geschichte. Für den Aufstieg muss aber zumindest ein Remis gegen die Deutschen her.

 

Spanien hat gegen die Türken seit 62 Jahren nicht verloren, und diese Regel wird prolongiert: Klarer 3:0-Sieg durch Tore von Morata (2) und Nolita. In einem spannenden Thriller trennten sich die Tschechen und Kroaten 2:2, nachdem die Kroaten bereits mit 2:0 in Front waren und dann durch einen Hands-Elfmeter in der 94. Minute den fixen Achtelfinalplatz verspielten. Für ein Negativ-Szenario sorgten einige kroatische „Fans“, die – angeblich aus Protest gegen den Fußballverband – Bengalische Feuer auf das Feld warfen. Wie diese trotz enormer Sicherheitskontrollen in das Stadion gelangt waren, ist offen.

 

In der Gruppe E ist Italien nach dem 1:0-Sieg gegen die Schweden (durch ein Tor von Eder in der 88. Minute) bereits fix als Gruppenerster im Achtelfinale. Belgien ist nach dem 3:0 gegen Irland wieder stark im Rennen: 70 % Ballbesitz und ein überzeugender Auftritt mit zwei Toren des Everton-Stars Romelu Lukaku. Um die komplett offenen Plätze 2 bis 4 wird am 3. Spieltag gekämpft.

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Regenbogenparade 2016: 130.000 Teilnehmer setzen ein Zeichen für Toleranz und Liebe.

1996 fand in Wien die erste Regenbogenparade, die österreichische Version des Christopher Street Day, statt. Namensgeber war übrigens Mario Soldo, ein Pionier der Wiener Drag-Szene. Der Ansturm auf die Parade ist 20 Jahre später weiterhin ungebrochen. 130.000 Teilnehmer feierten letzten Samstag unter dem Motto „Grenzen überwinden“ bei der insgesamt 21. Parade am Ring. Inmitten lauter Musik-Trucks, schriller Party People und ernster Botschaften. 

 

Eine Gruppe präsentierte beispielsweise in einem Flaggenmeer über 70 Staaten, in denen Homosexualität illegal ist und man bei Überführung sogar mit Todesstrafen rechnen müsse Erschreckend ist auch die Statistik, dass im Jahr 2015 28 % der Wiener LGBT´s mit Gewalt und Diskriminierung im öffentlichen Raum konfrontiert wurden. Im Mittelpunkt vieler Trucks stand auch das vor einer Woche verübte Massaker in Orlando, bei dem in der renommierten Gay Bar „Pulse“ 49 Menschen durch einen 29jährigen Attentäter ermordet wurden und dessen Motive noch immer nicht restlos aufgeklärt sind.

 

Die Parade führte wegen einer parallelen „Jesus“-Demo dieses Jahr in Fahrtrichtung rund um den Ring, dann vorbei beim Museumsquartier und hinter dem Rathaus zum Siegmund Freud-Park vor der Votivkirche, wo die Abschlusskundgebung und die Celebration stattfanden. Mit dabei u.a. die Organisatoren von der HOSI Wien, der Club Kreativ, die Libertine-„Pferdchen“, das Szene-Lokal „Why Not“, H.A.P.P.Y. mit eindringlichen „Homophobie tötet“-Schildern, ein housiger Chaya Fuera-Wagen, der trendige Almdudler-Truck mit den Gay-Lesbian-Pärchen und wie jedes Jahr die Szene-Ikone Hermes Phettberg. 

 

„Die Grünen andersrum“ bildeten den Abschluss, Neos Wien-Chefin Beate Meinl-Reisinger begleitete zu Fuß das pinke Einhorn. Indirekt dreifach vertreten: Die SPÖ – mit einem eigenen Truck, ÖBB-Sattelschlepper und Bundeskanzler Kern, der als erster amtierender Regierungschef bei der Regenbogenparade eine Rede hielt und dabei für Toleranz, Offenheit und Gewaltfreiheit eintrat. Chapeau, ändert aber nichts daran, dass die Gleichstellung der Homosexuellen in Österreich aufgrund der politischen Verhältnisse derzeit nicht umsetzbar ist. 

 

Dies ist insofern traurig, als man in anderen europäischen Staaten wie England, Irland, Spanien oder Belgien viel liberaler denkt und agiert. Dort wurde die Zivilehe bereits für Schwule und Lesben rechtlich zugelassen. In Österreich existiert derzeit das in vielen Fällen diskriminierende Rechtsinstitut der „eingetragenen Partnerschaft“. 417 eingetragene Partnerschaften wurden im Jahre 2015 begründet, davon 166 in Wien. Und wem würde wirklich eine Perle aus der Krone fallen, wenn man auch in Österreich die Ehe für alle öffnen würde ?

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Euro 2016: Die „Euro-Phorie“ wird bleiben. Mit oder ohne Österreichs Nationalteam.

Fast 14.000 Fans in der Fanzone Rathausplatz beim ersten Euro-Auftritt der Österreicher in Bordeaux. Mehr durften auch aufgrund der Sicherheitsbestimmungen nicht hinein. Zuerst noch Vorfreude, Euphorie, Fanatismus und ein Zusammengehörigkeitsgefühl all jener, die für Österreich die Daumen drückten, egal ob Österreicher, Migrant, Tourist oder einfach Fan. Nach der 0:2-Niederlage gegen die ungarischen Nachbarn: Enttäuschung, Frust, Wut und auch ein gewisses Unverständnis, warum es nach der sensationellen EM-Qualifikation (mit 10 Spielen ohne Niederlage) gerade jetzt im „Ernstfall“ nicht geklappt hat.

 

Das Abenteuer Europameisterschaft ist allerdings für unser Team noch nicht vorbei. Noch kann Österreich aus eigener Kraft den Aufstieg in das Achtelfinale schaffen, in das nicht nur die 2 Gruppenbesten, sondern auch die 4 besten Drittplatzierten aufsteigen. Beim Auftaktspiel gegen Ungarn waren unsere Jungs sicher nicht von Glück gezeichnet: Stangenschuss durch Alaba in der 1. Minute, weitere vergebene Chancen in der 1. Hälfte, der schnörkellose 1:0-Überraschungskonter durch Szalai, der verletzungsbedingte Ausfall von Junuzovic (der Samstags ausfällt), statt des Ausgleichs ein harter Ausschluss von Dragovic. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei den Österreichern nur 62 % der Pässe ankamen – ein unterdurchschnittlicher Wert – und die Mannschaft gegen körperbetonte, kampfstarke Teams – wie Ungarn – stets Mankos aufzuweisen hat. Auch, wenn es plakativ klingt, im bedingungslosen Einsatz bis zum Umfallen.

 

Insofern könnte den Österreichern sogar Portugal am Samstag um 21 Uhr mehr liegen. Diese erreichten gegen die vom ehemaligen schwedischen Starcoach Lagerbäck perfekt eingestellten Isländer nur ein 1:1-Unentschieden, die Tore schossen der beim Janko-Verein Basel spielende Bjarnason und Ex-Man-U- und Fenerbahce-Kicker Nani. Wenn man den Marktwert der portugiesischen Startruppe (353,5 Millionen Euro, davon Ronaldo 110) mit der von Island (44,3 Millionen Euro) vergleicht, dann wird das Lächeln über das Remis umso spöttischer. 

 

Fakt aber ist: Island hat im Herbst 2015 zweimal die Holländer besiegt und sie damit aus dem Euro-Turnier geschmissen. Ungarn wird die Isländer am Samstag garantiert nicht unterschätzen. Österreich sicher auch nicht. Ob das Spiel nächsten Mittwoch nur mehr ein Freundschaftsspiel oder ein Aufstiegsthriller wird, das kann man vielleicht Samstag Mitternacht beurteilen. Die Euro-Euphorie in Österreich wird aber auch dann nicht zu Ende gehen, wenn Österreich aus dem Bewerb ausscheidet. Dazu sind die Spiele einfach zu spannend, die Star-Kicker zu faszinierend und die Fanzonen einfach zu anziehend. Und wenn man dort „nur“ den Flirt des Sommers oder vielleicht sogar die Liebe des Lebens kennenlernt.

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Euro 2016: Südeuropas Teams auf der Siegesstraße !

In Wien tanzten die kroatischen Fans in der Ottakringer Straße. Und das zu Recht. Der erste Euro-Auftritt der Truppe von Ante Cacic gegen die Türken lässt noch viele Optionen offen. Hochkarätige Chancen en masse von Srna, Perisic & Co., es mangelte vorerst nur an der Auswertung. Den 1:0-Siegestreffer erzielte hochverdient der Real Madrid-Legionär Luka Modric durch einen genialen Volley-Schuss, die nicht uninspirierten Türken kamen gerade einmal vors Tor. Frankreich ist anscheinend ein guter Boden für die Kroaten, dort belegten sie bei der WM 1998 den 3. Platz.

 

Ein Offensivspektakel zeigten auch die Titelverteidiger aus Spanien, die bereits in der Qualifikation mit 9 Siegen und 23 Toren glänzten. Gegen die defensiv eingestellten Tschechen mit einem souveränen Schlussmann Cech gelang der Siegestreffer allerdings erst in der 87. Minute. Shakira-Freund und Barcelona-Superstar Gerard Pique war der Matchwinner. Am Freitag warten die Türken auf die Furia Roja. Diese sollten auf einen weiteren Sturmlauf gefasst sein.

 

In der Gruppe D trafen im Stade de France die Schweden auf die Iren und enttäuschten. Die Iren kamen zu zahlreichen Chancen und gingen auch verdient in der 48. Minute durch Wes Hoolahan in Führung. Der glückliche Ausgleich gelang in der 71. Minute nach einer Flanke von Ibrahimovic. Der Scorer war allerdings kein Schwede, sondern der Pechvogel Claran Clark, der den Ball unhaltbar ins eigene Tor lenkte. Die euphorischen irischen Fans jubelten trotzdem über die Leistung ihrer Mannschaft.

 

In der zweiten Begegnung dieser Gruppe traf die Nr. 1 der Weltrangliste auf die älteste Mannschaft des Turnies. Belgien gegen Italien stand auf dem Programm. Die Italiener, Vizeeuropameister 2012, gingen dabei durch den Bologna-Kicker Giaccherini mit 1:0 in Führung. Chancen danach auf beiden Seite, die Italiener hatten durch das 2:0 von Southampton-Legionär Graziano Pelle das bessere Ende für sich. Antonio Conte, einst Nationalspieler und Juve-Coach, lobte Einheit und Zusammenhalt seiner Mannschaft, der in Frankreich noch viel zuzutrauen ist. Die Belgier dagegen stehen nach der Erstrundenniederlage erheblich unter Druck.

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Euro 2016: Siege für Deutschland und Frankreich, nur Remis für Englands Offensivzauberer.

1998 Weltmeister, 2000 Europameister. Trainer Didier Deschamps, damals Nationalspieler, versucht bei der Heim-EM an die sensationellen Erfolge von damals anzuknüpfen. Die englischen Legionäre sorgten im St. Denis-Stadion für einen knappen, aber verdienten 2:1-Sieg der Equipe Tricolore gegen Rumänien: Arsenal-Star Olivier Giroud und – nach einem durch Stancu verwandelten Elfmeter – Dimitri Payet von Westham. Da flossen nicht nur die Tränen, sondern auch die Champagnerdrinks. Im zweiten Spiel der Gruppe A besiegten die Schweizer die seit der 38. Minute dezimierten Euro-Debütanten aus Albanien durch ein Tor von Fabian Schär knapp mit 1:0.

 

Die Tore, die man nicht schießt, die bekommt man. Eine alte Fußball-Weisheit, wenn auch nicht so dramatisch beim Schlagerspiel der Gruppe B, England-Russland. Die „Three Lions“ gewannen bei der EM-Qualifikation alle 10 Spiele und schossen insgesamt 31 Tore. Bei ihrem ersten Euro-Match in Marseille vernebelten Rooney, Lallana & Co. Chancen en masse, bis Tottenham-Star Eric Dier mit einem genialen Freistoß das 1:0 erzielte. In der 92. Minute war allerdings Schluss mit der Party: Ausgleich durch Glushakow.

 

In Runde 2 wird es bereits heikel: Britisches Duell gegen Wales, die die Slowakei verdient mit 2:1 besiegten. Die Tore für die WM-Debütanten schossen Real Madrid-Superstar Gareth Bale und Robson-Kanu. „Together Stronger“, die Euro-Indie-Hymne der Manic Streat Preachers für die Waliser, scheint zu fruchten.

 

Erfolgreiche Integration zahlt sich aus: Shkodran Mustafi, Sohn albanischer Eltern erzielt für die Deutschen per Kopf das 1:0 und damit sein erstes Tor für die deutsche Nationalmannschaft. Der Valencia-Legionär sorgte bereits auf Facebook vor seinem Einsatz mit der T-Shirt Aufschrift „I´m Muslim – Don´t Panic“ für ein Zeichen gegen Islam- und Ausländerfeindlichkeit. Überraschend offensiv die Ukrainer, deren Chancen konnte aber Manuel Neuer mit hervorragenden Paraden entkräften. In der Schlussphase erzielte der eingewechselte Kapitän Schweinsteiger noch das verdiente 2:0 für die Weltmeister 2014.

 

Die meisten Tore aller Teams, insgesamt 33, schossen die Polen bei der EM-Qualifikation. Bei ihrem ersten Euro-Einsatz reichte es gerade für eines. In der 50. Minute erzielte der Ajax Amsterdam-Legionär Arkadiusz Milik das 1:0 gegen die enttäuschenden Nordiren. Donnerstag wird es schwieriger – Da warten im Stadion von St. Denis die Deutschen.

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Opening Dance Party: Star-DJ David Guetta eröffnet Euro 2016 in Paris.

Party Time vor dem Eiffelturm. Einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der Fußball-Europameisterschaft 2016 gab Star-DJ David Guetta ein Gratis-Konzert vor dem Eiffelturm. Das 130.000 m2-Areal in der Größe von 30 Fußballfeldern ist gleichzeitig die größte Fanzone Frankreichs, in der über 90.000 Fans den Goalgettern - und eben auch Guetta - zujubeln können. Vor den Turntables live dabei war auch Schwedens Shooting Star Zara Larsson, die die Euro-Hymne "This one´s for you" ins Mikro trällerte. Um Mitternacht - nach "Sexy Bitch" - war Schluss. Zumindest vor dem Eiffelturm, denn Guetta selbst düste nach Ibiza zur "Fuck me I´m famous"-Party , die Pariser Nightlife People vermutlich in die lokalen Clubs :-)

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Streetfestival in Mariahilf: Pink Community fordert Gleichstellung und Öffnung der Ehe !

30 Prozent der LGBT´S in Wien wurden im Vorjahr laut einer Umfrage wegen ihrer Sexualität diskriminiert. Ein eindeutiges Zeichen, dass trotz vieler Initiativen Toleranz und liberales Denken noch lange nicht bei allen angekommen sind. Sogar in der urbanen Großstadt. 

 

Insofern ist jede Aktion begrüßenswert, die Grenzen und Vorurteile abbauen kann. Bereits zum 6. Mal findet das Street Festival „Andersrum ist nicht verkehrt“ in Mariahilf statt. Dieses ist gleichzeitig auch der Auftakt für die Pride Week, deren Höhepunkt die alljährliche Regenbogenparade darstellt. Die Abschlusskundgebung findet 2016 wegen des Euro-Public Viewings am Rathausplatz ausnahmsweise im Votivpark statt.

 

Beim Straßenfest in der Otto Bauer-Gasse boten nicht nur die einschlägigen Vereine rund um Hosi, Aids Hilfe Wien oder Club Kreativ Rat und Information, sondern es durfte auch gefeiert werden. Mit DJ-Lines, Schlager-Trash von Chris Bertl, Alternative Pop der Matt Leon Band oder als besonderes Highlight 2 Darsteller aus dem Musical „Ich war noch niemals in New York“, die zwei Udo Jürgens-Klassiker („Ein ehrenwertes Haus“, „Griechischer Wein“) auf der Show-Bühne präsentierten.

 

Im Mittelpunkt derartiger Festivitäten stehen natürlich auch die politischen Forderungen der „Pink Community“. Die Öffnung der Ehe für Homosexuelle in Österreich sei längst fällig, so Bezirksvorsteher Markus Rumelhart. Verhindert werde dies vor allem durch die konservative Familienpolitik der ÖVP. 

 

Und Fakt ist: In zahlreichen europäischen Ländern wie Spanien, Belgien, Frankreich, Großbritannien oder zuletzt dem erzkatholischen Irland wurde bereits die „Ehe für alle“ legalisiert. In Österreich haben Homosexuelle die Möglichkeit, eine eingetragene Partnerschaft einzugehen. Hier bestehen allerdings noch zahlreiche Unterschiede und Diskriminierungen zur traditionellen Ehe zwischen Mann und Frau. Ein erster Ansatzpunkt, den gordischen Knoten zu lösen. Als ultima ratio stellt sich allerdings ohnehin die Frage: Wem schadet die Gleichstellung aller Lebensgemeinschaften eigentlich ?

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Retro-Pop de Luxe: Open-Air mit 80er-Superstar Kim Wilde in Purkersdorf.

Es war eine Zeit des Umbruchs, der Desorientierung und der (gespielten) Oberflächlichkeit. Anfang der 80er, als man gegen Atomkraftwerke, Weltkriege und Umweltzerstörungen demonstrierte, die unterdrückte schwarze Bevölkerung den Hip Hop als Kunstform entdeckte oder in England man Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise und Depressionen durch perfektes New Romantic-Styling, coole Club-Kultur und Nightlife-Spaß verdrängte. In dieser Zeit eroberte auch eine freche Londoner Göre die Charts und spielte sich in die Herzen der Teenager: Kim Wilde, ältestes Kind des Rock´n Roll Sängers Marty Wilde, komponiert wurde ihr erster Superhit „Kids in America“ von ihrem Bruder Ricky Wilde.

 

Und siehe da: Beim diesjährigen Purkersdorfer Open-Air, wieder organisiert vom „Nikodemus“-Chef Niki Neunteufel, waren beide Geschwister live auf der Bühne. Mit einer top-eingespielten Band, die vor mehreren tausenden Besuchern auf dem Hauptplatz die 80er und 90er zurück in die Herzen der Besucher brachte. 

 

Kim Wilde, wie einst in schwarzer Lederjacke gehüllt, startete den Hit-Reigen mit ihrer zweiten Single, dem Synthi-Track „Chequered Love“, den sie später auch in einer Unplugged-Version den begeisterten Zuschauern servierte. Es folgten – neben einigen neuen Rock-Songs – die Classics „View from a Bridge“ und „Cambodia“, die vor allem in Deutschland für Rekordverkäufe sorgten, wo Kim Wilde gleich 4 Bravo-Ottos als „beste Sängerin“ – 2 in Gold, 2 in Silber - überreicht bekam. Damals der „Oscar“ der Pop-Musik in Kontinentaleuropa. Dort sorgte sie im Jahre 2003 auch für einen Überraschungshit im Duett, gemeinsam mit Pop-Legende Nena und einem englischen Cover von „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“, das natürlich auch auf der Set-List des Konzerts stand. Ebenso wie das New-Wavige „The Second Time“, das housige Bee Gees-Cover „If I can´t have you“ und die 88er-Mega-Hits „You came“ und „Never trust a Stranger“. 

 

Im Mittelteil der Show beherrschten auch einige genial konzipierte 80er-Cover-Songs das Programm von Kim Wilde. Allerdings nicht, weil Kim keine eigenen Songs im Repertoire hätte. Im Gegenteil: Kim Wilde hat 12 Alben veröffentlicht, und viele Songs wie beispielsweise „Love Blonde“, „Four Letter Word“ oder „Another Step“, allesamt Top Ten-Hits, standen gar nicht auf der Open-Air-Playlist. Die Covers waren vielmehr Exzerpte aus ihrem 2011er-Album „Snapshots“, auf dem Kim Wilde u.a. „Wonderful Life“ (des kürzlich tödlich verunglückten Sängers Black), Duran Duran´s „Ordinary World“, Erasure´s „A little Respect“ und Maggie Reillys Oldfield-Hymne „To France“ neu arrangierte. 

 

Die Zugaben allerdings gehörten – neben dem Talk Talk- und Gwen Stefani-Klassiker „It´s my Life“ – den absoluten Superhits von Kim Wilde: „You keep me hangin on“, der Supremes-Klassiker, der Nr. 1 in Amerika eroberte, und als Final Countdown das lautstark mitgesungene „Kids in America“, das nach 35 Jahren noch klingt wie neu. Das gilt auch für Kim Wilde. Die ausgebildete Landschaftsgärtnerin hat sich nach einem leichten Karriereknick mit professioneller Gartenarbeit beschäftigt und nicht mit anderen „gefährlichen Kräutern“ (wie einer unserer Musik-Heroen). Und erlebt bei derartigen Retro-Konzerten ihren zweiten Frühling. Chapeau !

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Queer as War: Regenbogen-Installation von Michal Rutz in der U-Bahn-Station Karlsplatz.

Der junge polnische Künstler Michal Rutz kann bereits mit seinen jungen Jahren einen spannenden Lebenslauf vorweisen. Bachelor of Arts in Warschau, Studium in Tel Aviv, zahlreiche Ausstellungen u.a. in Berlin, Leipzig, Warschau oder Wien. Dort studiert Rutz derzeit an der Akademie für bildende Künste „Kontextuelle Malerei“. Seine Werke sind laut Eigenaussage „a mix of realism and abstraction“. 

 

Im Mittelpunkt stehen dabei „human forms“, die Charaktere sind bevorzugt „queer figures“, die auch einen Konnex mit seiner Lebenseinstellung und seinen Visionen haben. Der Künstler setzt sich schon seit seiner Zeit in Israel mit Homosexualität im öffentlichen Raum auseinander und kämpft gegen die Diskriminerung von LGBT´s.

 

In diesem Sinne ist auch jene geniale Regenbogen-Installation zu verstehen, die derzeit unter dem Titel „Queer as War“ im Red Carpet Showroom in der U-Bahn-Station Karlsplatz (und danach im Showroom Volkstheater) ausgestellt ist. Ein Soldat, ausgestattet mit Gewehr und Schutzmaske, getarnt in Regenbogenfarben. Ein Vorbote für die Pride Week und die Regenbogenparade am 18. Juni, der es in sich hat.

 

Und egal, wie man diese Installation auch persönlich deuten mag. Homosexualität oder auch nur Anders-Sein darf im 21. Jahrhundert kein Grund sein, Menschen zu ächten, zu diskriminieren, zu verfolgen oder zu töten. Letzteres ist in manchen islamischen Ländern heute noch an der Tagesordnung, Homosexualität gilt laut Rutz beispielsweise in Palästina als „großes Tabu“, LGBT´s leben dort unauffällig, am besten unsichtbar. In scheinbar offenen (west- und osteuropäischen) Gesellschaften ist die Diskriminierung vielleicht subtiler, aber für die Betroffenen nicht minder grausam. Wird sich das jemals ändern ?

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Familienausschuss: Kinderbetreuungsgeld-Reform wieder ohne Valorisierung !

Lange hat es gedauert, nicht viel ist geschehen. Vor allem für die betroffenen Familien, die aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten, der steigenden Mieten und der unsicheren wirtschaftlichen Lage auf jeden Cent angewiesen sind.

 

Im Familienausschuss beschlossen die Abgeordneten der SPÖ und ÖVP gemeinsam mit dem Team Stronach den Entwurf einer Kinderbetreuungsgeld-Reform und eines „Papa-Monats“, der vor Mängeln, Kürzungen und Verkomplizierungen nur so strotzt.

 

Für Geburten ab dem 1. März 2017 werden die bisher geltenden vier Pauschalvarianten des Kinderbetreuungsgeldes ersetzt durch ein sogenanntes „Kinderbetreuungsgeld“-Konto. Die jungen Eltern haben jetzt die Möglichkeit, die Bezugsdauer des KB-Geldes innerhalb einer bestimmten Zeitspanne flexibel zu wählen. Je nach Länge der Inanspruchnahme stehen zwischen 12.337 und 15.449 Euro (für beide Elternteile zusammen) zur Verfügung. Das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld, bei dem Eltern bis zu 12 bzw. 14 Monate 80 % ihres Letzteinkommens (mit Obergrenze bei ca. 2000 Euro monatlich) beziehen können, bleibt unverändert. Sogar das an sich „befreundete“ Sozialministerium deutet in einer Stellungnahme an, dass „nicht rechtkundige Eltern die Materie in ihrer Komplexität kaum durchblicken können“.

 

Ein Elternteil kann jetzt maximal 28 statt bisher 30 Monate Kinderbetreuungsgeld beziehen. Das bedeutet vor allem für Alleinerziehende, die am häufigsten mit Armut zu kämpfen haben, eine eklatante Schlechterstellung. Die leichte Erweiterung der "Härtefallregelung“ ist hier nur ein Tröpfchen auf dem heißen Stein. Die Bezugsdauer wird auch reduziert, wenn sich beide Eltern an der Kindererziehung beteiligen, und zwar von 36 auf 35 Monate.

 

Auch die langjährige Forderung der FPÖ, die Dauer der arbeitsrechtlichen Karenz (von 2 Jahren) an die Bezugsdauer des Kinderbetreuungsgeldes (inkl. Krankenversicherung) von 3 Jahren zu knüpfen, wurde wieder nicht in Betracht gezogen. Die Neos verlangten sogar das Gegenteil. 

 

Ebenfalls abgelehnt wurde der Antrag der FPÖ auf Abschaffung der Zuverdienstgrenze, obwohl diese Maßnahme vielleicht mehr Väter motiviert hätte, sich an der Kindererziehung zu beteiligen. Der einmalige Partnerschaftsbonus von je 500 Euro (bei Kinderbetreuung im Verhältnis 60:40) wird wohl kaum eine Änderung der Betreuungsverhältnisse nach sich ziehen.

 

Auch die sogenannte „Familienzeit“ birgt nur Unsicherheiten. Väter haben ab März 2017 die Möglichkeit, innerhalb der ersten 91 Tage nach der Geburt eines Kindes 28 bis 31 Tage berufliche Auszeit für die Familie zu nehmen. Während dieses „Papa-Monats“ wird sogar eine finanzielle Unterstützung von 700 Euro gewährt. Klingt ja ganz nett, allerdings wird dieser „Bonus“ auf ein etwaiges späteres Kinderbetreuungsgeld des Vaters angerechnet. Es gibt weiters keinen Rechtsanspruch auf den Papa-Monat und keinen besonderen Kündigungsschutz. Bei Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber muss sich der glückliche Vater also mit Gleichbehandlungs-Juristen zusammensetzen anstatt mit dem Kinderwagen herumzukurven.

 

Eingeführt wurde das Kinderbetreuungsgeld im Jahre 2002. Seitdem hat es ca. 60 % des ursprünglichen Wertes eingebüßt. Eine Valorisierung wurde auch bei den aktuellen Gesetzesverhandlungen wieder abgelehnt. Ein Herz für Familien und Kinder – das sieht anders aus.

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10 Jahre Donaukanaltreiben: Wiens Community feiert den coolsten Freiraum der Stadt.

In der prallen Sonne liegen und chillige Musik hören, ein kühles Bierchen in der Hand, mit der Freundin in spe Gedanken austauschen, die vielleicht mit einem Küsschen in der Wiese enden, am Ufer sitzen, ein Buch lesen oder sich auf eine Uni-Prüfung vorbereiten, Radfahren, Segwaying oder Spaziergehen mit einem verträumten Blick auf das urban-innerstädtische Wien oder ein paar kühle Drinks und Cocktails in einer der zahlreichen kleinen Bars und Kneipen genießen. 

 

Der Wiener Donaukanal bietet für alle Zeitgenossen etwas, und das ohne Kommerz und Konsumationszwang. Es hätte auch ganz anders enden können. Denn in den 60ern wollte man auf diesem Areal allen Ernstes eine Stadtautobahn errichten. 1972 wurde diese horrible Vision durch eine Grundsatzerklärung des damaligen roten Bürgermeisters Felix Slavik beendet. Eine der positivsten Entscheidungen, die in Wien durch einen Politiker getroffen wurde.

 

In den letzten Jahren entwickelte sich das Gebiet zwischen Spittelau und Franzensbrücke zu einer Erlebnis- und Freizeitpromenade, die immer wieder durch neue Lokale und Ideen erweitert wurde. Insofern ist das 10 Jahres-Jubiläum des gewöhnlich gegen Ende Mai stattfindenden Donaukanaltreibens nicht nur ein unterhaltsames Summer-Opening, sondern auch eine Art „Leistungsschau“ der Freiraum-Meile.

 

Neben Gastronomie, Food & Fashion Markets, Design-Kunst, Lesungen und Boots-Taxi-Fahrten stehen vor allem neue Bands und Künstler im Mittelpunkt, die die Chance nützen, sich in einem kultigen Ambiente neuem Publikum vorzustellen. Bei der Salztorbühne beispielsweise präsentierte das aus Salzburg stammende Geschwisterduo Mynth anspruchsvollen Synthi-Pop mit Anleihen an Portishead oder Kate Boy. Die Hamburger Indie-Band Trümmer, vielen noch als Vorband Wandas in der Stadthalle bekannt, freute sich über einen weiteren Auftritt in der Bundeshauptstadt. Für Massenandrang sorgte dann Amadeus Award-Gewinner Nino Mandl alias Nino aus Wien, sozusagen der Lokalmatator der Szene, der seine neue EP „Adria“ mit im Gepäck hatte. Und zumindest temperaturmäßig mehr „Sommer im Mai“ statt „Winter im April“.

 

Kommando Elefant und Parasol Caravan rockten die City Beach-Bühne vor der Schwedenbrücke, Skero und Clara Luzia die Strandbar Hermann, 2005 direkt an der Wienfluss-Mündung errichtet und in den nächsten Wochen eine der Top-Public-Viewing-Locations der Fußball-Europameisterschaft.

 

Weiter donaukanalaufwärts vor dem seit 1995 dort residierenden (Underground)-Club  Flex zeigten Minimal- und Tech House-DJ´s, dass sie sich vor etwaigen – überbezahlten Vorbildern – nicht verstecken brauchen: Open-Air-Party-Feeling wie in Ibiza, Rimini oder Berlin. Und wer die Nacht zum Tag machen wollte oder auf diese Unterscheidung bewusst gar keinen Wert mehr legte, der schwirrte noch ab in die Grelle Forelle Richtung Spittelauer Lände.

 

Wien ist eine wunderschöne Stadt. Vor allem dann, wenn Kultur, Freiheit, Musik und Lebensfreude ineinander verschmelzen. Ohne Unterschiede, aus welchem Land jemand kommt, welcher Religion er angehört, wieviel Geld er hat oder wo er wohnt. Eine subtile Botschaft von Freiraum-Events, die für alle Menschen gleich zugänglich sind. Wir freuen uns auf nächstes Jahr, hoffentlich wieder bei Sunshine & Happiness.

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Weingesetz-Novelle: Verschärfter Herkunftsschutz soll Erfolgsweg der Weinkultur fortsetzen.

Für das Jahr 2015 wurde laut Statistik Austria eine Weinernte von 2,3 Millionen Hektoliter ermittelt, davon alleine in Niederösterreich 1,4 Millionen. Insgesamt wurden 49 Millionen Liter im Wert von 144 Millionen Euro ins Ausland exportiert.

 

Damit der österreichische Erfolgsweg weiterhin gewahrt bleibt, wurde kürzlich im Nationalrat das Weingesetz novelliert. Vor allem der Herkunftsschutz steht im besonderen Mittelpunkt der Novelle. Rieden sind – unter Beachtung des Irreführungsverbotes - verpflichtend als solche zu bezeichnen. Der Name einer Gemeinde darf als geographische Angabe am Etikett nur dann angegeben werden, wenn der Wein zumindest zu 85 % aus dieser Gemeinde stammt. Hier wurde eine klare Einschränkung gegenüber der vorhergehenden Regelung getroffen. 

 

Der Landwirtschaftsminister wird ermächtigt, eine Sektverordnung zu erlassen, die unterschiedliche Qualitätsstufen nach internationalem Vorbild ermöglicht. 

 

Der Weinbaukataster wird umgestellt auf das „Integrierte Verwaltungs- und Kontrollsystem“ INVEKOS, das sich auf die tatsächlich bepflanzte Fläche bezieht. Aufgrund der damit einhergehenden Reduktion der Weinbaufläche wurde der Hektorhöchstertrag von 9000 auf 10.000 kg Weintrauben bzw. von 6750 auf 7500 Liter hinaufgesetzt.

 

Auch die Zuständigkeiten ändern sich. Das Rebflächenverzeichnis wird in Zukunft nicht mehr von der Bundeskellereiinspektion geführt, sondern von Landesstellen, in Niederösterreich von den Bezirksverwaltungsbehörden.

 

Eine Einigkeit wurde auch bezüglich des Uhudlers erreicht. Die betreffenden Rebsorten werden durch eine explizite Bestimmung in den Obstweinbereich übertragen und sind dadurch dauerhaft abgesichert. Die Uhudlerregion im Südburgenland erhält außerdem die Möglichkeit, eine geschützte Ursprungsbezeichnung zu beantragen.

 

Aufgrund der Häufung von Wetterextremen wie Frost, Dürre und Starkregen wurde vom Nationalrat eine umfassende Ernteversicherung beschlossen. Prämienzuschüsse werden dabei von Bund und Ländern angeboten. Die dazugehörigen Bestimmungen finden sich im Katastrophenfonds- und Hagelversicherungs-Förderungsgesetz.

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Pro Abschaffung der Briefwahl: Stimmrecht muss IN DER WAHLZELLE ausgeübt werden !

 

Unabhängig davon, wie die Bundespräsidentenwahl ausgeht, sollte das Parlament die Briefwahl für "Inlandsösterreicher" abschaffen. Es ist durch dieses System nicht garantiert, dass der Wahlberechtigte auch selbst persönlich, geheim und ohne Einflussnahme Dritter sein Wahlrecht ausübt.

 

Bei einer Wahlkarte reicht die Unterschrift des Wahlberechtigten. Wer den Wahlzettel ausfüllt, das ist nicht nachvollziehbar. Das kann der Sohn sein, der Vater, ein autoritärer Verwandter, ein "Clanoberhaupt", ein Angestellter eines Pensionistenheims, eine Pflegeschwester,... (ohne jetzt irgendeinen Berufsstand zu diskreditieren)

 

Eine mögliche Lösung (die jetzt auch rechtlich schon möglich ist): Personen, die eine Wahlkarte beantragen, können in jedem Sprengel Österreichs ihre Stimme abgeben. Allerdings IN DER WAHLZELLE. Das sollte jedem Staatsbürger, der auf sein Wahlrecht Wert legt, zumutbar sein.

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A Tribute to Jim Morrison: Doors Experience rocken im Wiener Reigen !

Retro-Bands gibt es wie Sand am Meer, aber nicht viele sind so authentisch wie die Doors Experience aus Niederösterreich. Seit ihrem Gründungsjahr 2001 tourt die Band quer durch Europa und verbreitet in Clubs und auf Festivalbühnen Hippie-Feeling der 60er. Im Mai spielten sie jetzt auch wieder im Wiener Reigen.

 

Im Mittelpunkt der Show steht der charismatische Frontman Jason Boiler, der nicht nur stimmlich, sondern auch optisch mit Frisur und schwarzer Lederhose eine frappante Ähnlichkeit mit dem exzessiven Doors-Sänger Jim Morrison hat. Ebenfalls von Anfang mit dabei: Klaus Bergmaier, der wie Doors-Organist Ray Manzarek mit einem Basskeyboard den typischen Doors Sound erzeugt. Die Rolle von Robby Krieger übernimmt der Wiener Gitarrist Rene Galik, die von John Densmore der Drummer Gerhard Tscherwizek.

 

Kein Doors Experience-Konzert ist wie das andere, die Band hat derzeit über 45 Songs in ihrem Repertoire. Die legendären Hits der Doors dürfen aber bei keinem Gig fehlen, egal ob die Brecht-Adaption „Alabama Song“, „Break on through“ (to the other side), „Touch me“, „Hello I love you“, das skandalumwitterte 12 Minuten-Epos „The End“ oder die Spät-Werke „Riders on the Storm“ und „L.A. Woman“.  Auch unbekanntere Tracks wie das bezaubernde „You´re lost little girl“ oder „Five to one“ standen auf der Set-List im ehemaligen „Schönbrunnkeller“. Der größte Hit „Light my Fire“ und die melancholische Outsider-Hymne „People are strange“ beschlossen den mitreißenden Auftritt. 

 

Jim Morrison starb am 3. Juli 1971 unter mysteriösen Umständen in Paris, Ray Manzarek im Mai 2013. Bands wie die Doors Experience helfen mit, dass Songs, Lebenskultur und Aura der Doors unvergesslich bleiben.

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Donaufestival Krems: Technoide Abschieds-Party für Tomas Zierhofer-Kin !

"Kunst kann auch dazu beitragen, unsere eigenen Normen infrage zu stellen und uns dahin gehend bereichern, dass wir uns überlegen, wie unser Leben und Denken anders sein könnte.“ Worte, die Tomas Zierhofer-Kin beim Kremser Donaufestival mit extravaganten Performance-, Installations- und Soundacts mit Taten erfüllt hat. Seit 2005 war er dort künstlerischer Leiter und inszenierte 11 Jahre lang im „beschaulichen Wachaustädtchen“ Krems einen „Crash der Kulturen“, wie es Katharina Seidler so metaphorisch im Falter ausgedrückt hat. 

 

Samstag Abend feierte der exzentrische Kulturmanager seine programmatische Abschiedsvorstellung. Trotz der „Niemand hat euch eingeladen“-Anti-Willkommenskultur der Performance-Künstler God´s Entertainment mit einem Sold Out-Zertifikat. Wo Retro- und Halli Galli-Clubbings aufgrund von Lärmbeschwerden der Parkhotelbetreiber bereits das Feld räumen mussten, sorgten deutsche Techno- und Ambientgranden nicht nur für Good Vibes bei elektronischen Feinschmeckern, sondern auch für partytaugliche Abtanzstimmung. Während es Hendrik Weber aka Pantha du Prince bei seiner Präsentation seines neuen Albums „The Triad“ noch sphärischer, düsterer und analoger anlegte, bewies der ursprünglich aus Hip Hop-Kreisen stammende DJ Koze bei seinem stilvariablen, temporeichen DJ-Set im Stadtsaal, warum er seit Jahrzehnten zu den arriviertesten DJ´s Deutschlands gehört. 

 

Zierhofer-Kin wäre nicht Zierhofer-Kin, wenn er nach diesem glücks- und tanzhormonausschüttenden Act nicht einen deftigen Break setzen würde. Dies im Stile einer anarchistisch-chaotischen „Karaoke“-Show der österreichischen Performance-Genies Gelatin (die übrigens die umstrittene „Wachauer Nase“ am Donauufer gegenüber von Weißenkirchen kreiierten) und den feministischen Rappern der Klitclique. Dass man gegen Ende des auch (nackten) Exzesses nicht mehr zwischen Künstlern und Zuschauern unterscheiden konnte, war natürlich ganz im Sinne der Akteure. 

 

Den Final Countdown lieferte dann der Berliner DJ Rodhad, der seinen guten Ruf nicht nur Auftritten im Kult-Club Berghain oder auf Elektronik-Festivals zu verdanken hat, sondern auch seinem progressiven Label Dystopian. Der Sound: Minimal, deep, perkussiv, als würde die technoide Trance niemals enden. In Krems ist leider um 2 Uhr Schluss, das Donaufestival allerdings kehrt nächstes Jahr wieder. Unter der neuen Leitung des FM4-Radiomachers Thomas Edlinger. Als erster Stammgast hat sich bereits einer angekündigt: Tomas Zierhofer-Kin, ab 2017 Intendant der Wiener Festwochen. 

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Blaue Schafe vor dem Museumsquartier – Zeichen für Frieden und Gleichheit

Blaue Schafe vor dem Museumsquartier Wien letztes Wochenende: Kein genialer Marketing-Gag im Wahlkampffinale, sondern ein Friedenszeichen des deutschen Aktionskünstlers Rainer Bonk. Die Schafe waren natürlich nicht echt, sondern aus Polyester, 60 cm hoch, 80 cm lang, 30 cm dick und 8 kg schwer. 

 

Entwickelt hat Bonk die blauen Schafe bereits im Jahr 2001. Warum gerade blau ? Die Signalfarbe steht für das Verbindende und ist auch die Farbe der EU, der UNO, der UNESCO oder eben der Europäischen Friedensbewegung. Alle Schafe sind identisch und nur echt mit der Marke des Künstlers auf der Unterseite. Es gilt der Grundsatz „Alle sind gleich – Jeder ist wichtig !“ Die Botschaft dahinter: Abseits aller kultureller, ethnischer, religiöser, geschlechtlicher oder sozialer Unterschiede sind alle Menschen gleichwertig und über ihre gemeinsame Gefühlswelt miteinander verbunden.

 

Das Projekt der „Blauen Friedensherde“ begann 2009 in Venedig bei der internationalen Kunstausstellung „Open 12“. Seitdem kamen die kleinen Kunsttierchen bereits weit herum und weideten in mehr als 120 Städten, darunter auch vor dem EU-Parlament in Straßburg, vor dem Reichstag in Berlin oder vor dem Brüsseler Atomium. 

 

Freitag und Samstag durften sie das sonnige Wien vor dem MQ bzw. gegenüber den historischen Museen genießen. Wien ist damit auch Bestandteil des weltweiten Friedens-Kunstprojektes. Ob alle ihre Bürger diese Botschaft auch verstanden haben UND diese auch leben, bleibt allerdings dahingestellt.

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Indie Pop mit Melancholie: Isolation Berlin on Tour im Wiener Rhiz.

Ein in Berlin lebender Schauspielschüler trennt sich von seiner Freundin und verfällt in tiefe Depressionen. Während dieser Zeit erwacht in ihm die kreative Phase, und er schreibt kongeniale Texte zwischen Wahn, Melancholie und Verzweiflung. Vielleicht ein guter Marketing-Gag, wenn, dann aber ein guter. Mastermind dieser Story ist der jetzt 27jährige Tobias Bamborschke, gemeinsam mit dem Gitarristen Max Bauer Bandgründer von Isolation Berlin.

 

In Deutschland gilt die Band als derzeit größte Indie Rock-Hoffnung. Nach dem Motto „Doppelt hält besser“ veröffentlichte die deutsche Combo kürzlich parallel sowohl ihr erstes offizielles Album „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ als auch ein Best of ihrer „Jugendwerke“ unter dem Titel „Berliner Schule Prototop“. Ihre Tour führte sie auch nach Wien – in das Gürtellokal Rhiz, das – nach ausgiebiger „Falter“-Werbung – bereits Tage zuvor ausverkauft war. 

 

Die musikalischen Spektren der Band sind auf jeden Fall weit ausgelegt. Vom harmlosen Schüler-Band-Pop, harten Punk, düstere New Wave bis hin zu depressiv-schwermütiger Lyrik a la Rio Reiser oder Element of Crime ist alles vertreten. Bei letzterem ist der charismatische Frontmann, immer mit Nouvelle Vague-Käppchen und „Isolation“-Lederjacke gestylt, am besten. 

 

Texte wie „Fahr weg, auf geradem Weg ins Meer, den Möwen hinterher, so weit weg wie es geht“ oder „Ich hab endlich keine Träume mehr, ich hab endlich keine Hoffnung mehr“ (aus „Alles Grau“) erzeugen auch bei biertrinkenden Party-Besuchern ihre Wirkung. Auch wenn Bamborschke selbst vermutlich alles etwas entspannter sieht und nach der ersten Zugabe ins Mikro gröhlt „Jetzt geh´n wir saufen“. Man wird von ihm in der Zukunft noch einiges hören und sehen. In welcher Richtung, das wird nicht unspannend.

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Strafrechts-Beschlüsse im Nationalrat: Anlassdelikt für öffentlichen (U 6)-Drogenhandel, neue Opfer- und Beschuldigtenrechte.

 

Die vorwiegend von Nordafrikanern dominierte Drogenszene entlang der Wiener U 6 war Anlass für die Normierung eines Strafdelikts im Suchtmittelgesetz. Nach der Änderung der Gewerbsmäßigkeitsbestimmungen erhofft sich die Polizei dadurch, Drogendealer schneller in Untersuchungshaft zu bringen. Das könnte durchaus zutreffen, das Drogenproblem ist dadurch allerdings nicht aus der Welt geschafft, und gerade die hier „tätigen“ afrikanischen Asylwerber werden – auch bei (seltenen) Verurteilungen über 3 Jahren - aufgrund mangelnder Rückführungsabkommen schwer abzuschieben sein.

 

§ 27 / 2 a Suchtmittelgesetz: Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren ist zu bestrafen, wer vorschriftswidrig in einem öffentlichen Verkehrsmittel, in einer dem öffentlichen Verkehr dienenden Anlage, auf einer öffentlichen Verkehrsfläche, in einem öffentlichen Gebäude oder sonst an einem allgemein zugänglichen Ort öffentlich oder unter Umständen, unter denen sein Verhalten geeignet ist, durch unmittelbare Wahrnehmung berechtigtes Ärgernis zu erregen, Suchtgift einem anderen gegen Entgelt anbietet, überlässt oder verschafft.

 

Beschlossen wurde vom Nationalrat auch der Zugriff auf das durch die Steuerreform eingeführte Kontenregister. Für äußere Kontodaten wie Name, Wohnort oder Geburtsdatum reicht eine staatsanwaltschaftliche Anordnung. Bei Auskünften über Bankkonten und Bankgeschäfte ist eine gerichtliche Bewilligung einzuholen.

 

Im § 66a StPO wurden auf Grundlage einer EU-Richtlinie die Rechte besonders schutzbedürftiger Personen (wie Opfer sexuellen Missbrauchs oder Minderjährige) normiert. Diese umfassen  u.a. eine schonende Einvernahme, eine nicht öffentliche Hauptverhandlung oder das Recht auf eine Vertrauensperson. Auf Antrag besteht auch eine Informationspflicht der Justiz bezüglich Flucht oder Freilassung des Beschuldigten. Rechtlich nicht mehr zulässig ist die Aushändigung der Videoaussagen des Opfers an den mutmaßlichen Täter, eine schriftliche Protokollierung wird als ausreichend betrachtet.

 

Neu festgelegt wurden, ebenfalls in Entsprechung einer EU-Richtlinie, die Beschuldigtenrechte. So hat der Beschuldigte das Recht, bei seiner Vernehmung einen Verteidiger beizuziehen. Die Vernehmung ist bis zum Eintreffen des Verteidigers aufzuschieben, über die Beantwortung einzelner Fragen darf sich der Beschuldigte mit dem Verteidiger aber nicht beraten. Von der sofortigen Beiziehung eines Verteidigers kann abgesehen werden, wenn ansonsten der Ermittlungserfolg gefährdet erscheint. Nach Möglichkeit sind dann allerdings Ton- oder Bildaufnahmen anzufertigen.

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Asylrechts-Novelle: Nationalrat beschließt Sonderverordnungsrecht der Bundesregierung.

Über 90.000 Asylanträge wurden im Jahr 2015 gestellt, mehr als eine Million Flüchtlinge durchquerten seit September des Vorjahres das österreichische Bundesgebiet ohne Identitätsfeststellung und ohne Registrierung. Und unter Missachtung der geltenden EU-Verträge. Auch jetzt pocht die Regierung nicht auf die Einhaltung des Dublin-Abkommens, sondern bringt unter Missachtung von Begutachtungsnuancen und verfassungsrechtlicher Prinzipien ein diffuses Asyl- und Fremdenrechtspaket auf die Tagesordnung des Nationalrates.

 

98 Abgeordnete stimmten für die Asylrechtsnovelle, aufgrund der die Bundesregierung im Einvernehmen mit dem Hauptausschuss des Nationalrates mit Verordnung feststellen kann, dass die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und der Schutz der inneren Sicherheit gefährdet sind. Diese Verordnung kann für eine Gültigkeitsdauer von bis zu 6 Monaten erlassen und höchstens 3 mal bis zu 6 Monate verlängert werden. Sie erlaubt den Behörden, Flüchtlingen die Einreise nach Österreich auch dann zu verweigern, wenn sie Asyl beantragt haben. Ausnahmen bestehen, wenn der Flüchtling enge Angehörige in Österreich hat, bei drohender Folter oder bei Nichteruierbarkeit des Einreiselandes. An den Grenzen sollen eigene Registrierstellen eingerichtet werden. Ob dieses Szenario tatsächlich jemals eintreten wird bzw. ob dies überhaupt praktisch umzusetzen ist, ist mehr als zweifelhaft.

 

Anstatt die Asylverfahren zu verkürzen, auch im Sinne der Flüchtlinge, wird die Maximaldauer der Verfahren von 6 auf 15 (!) Monate erhöht. Damit steigen natürlich auch die Grundversorgungskosten, die in der Regel bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens anfallen. 

 

„Neue“ Asylberechtigte bekommen jetzt eine auf 3 Jahre befristete Aufenthaltsberechtigung. In diesem Zusammenhang ist auch die Gefährdungslage in den wichtigsten Herkunftsländern der Flüchtlinge zu überprüfen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, handelt es doch beim Asylrecht um ein Schutz auf Zeit, das nur solange gilt, als die Fluchtgründe weiterbestehen.

 

Erschwert wird der Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte, der erst 3 Jahre nach Rechtskraft dieses Aufenthaltstitels möglich ist. Bei Asylberechtigten müssen drei Monate nach Rechtskraft Unterkunft, Krankenversicherung und eigenes Vermögen des Familienangehörigen nachgewiesen werden.

 

Erweiterte Rechte erhalten die Sicherheitsorgane bei Personenkontrollen aus Anlass des Grenzübertritts. Ab 1. Juni 2016 dürfen dort auch Fingerabdrücke der Fremden abgenommen und daraus resultierend Identitätsüberprüfungen durchgeführt werden. Eine Maßnahme, die leider viel zu spät normiert wurde.

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NR-Beschluss - Asylgesetz, FPG (2016).pd
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Elektro-Pop-Power: Kate Boy live im Wiener Chelsea.

Man weiß nicht so genau, warum diese Formation aus Stockholm gerade diesen Sound produziert, aber man weiß sofort: Der Sound ist gut, und die Frontfrau ist brilliant. Sie heißt Kate Akhurst, ist die Namensgeberin der coolen Elektro-Pop-Band Kate Boy und war in Wien zu Gast im Gürtel-Club Chelsea. 

 

Kate verließ 2006 als 21jährige das heimatliche Australien Richtung L. A., war dort 5 Jahre als Songwriterin tätig, bis sie in der schwedischen Hauptstadt 4 Jungs mit ähnlichen musikalischen Interessen kennenlernte. Einer blieb übrig, Markus Dextegen, der mit ihr auch in Wien live in die Synthis trommelte. Eine cool-schweißtreibende Mixtur aus Yazoo der 80er und elektronisch aufgepeppten Ting Tings der 2000er. 

 

Der erste Hit „Northern Lights“ aus dem Jahr 2012 ist noch immer der beliebteste Song der Konzertbesucher, das erste Album „One“ wurde erst im November 2015 nachgereicht und enthält u.a. die Tracks „The Way we are“, „Self Control“, „Midnight Sun“ und „Open Fire“. Als Zugabe gab es von Akhurst „Northern Lights“ Acappella, mehr Tracks habe man nicht im Tour-Synthesizer. Vielleicht beim nächsten Mal. 

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„Hass im Netz“: „Profil“-Journalistin Ingrid Brodnig präsentiert ihr neues Buch in Wiener Morawa-Shop.

Sie sind die dunkle, negative Seite des Internets und der Social Media: Hass-Postings gegen Ausländer, Frauen, Migranten, Schwule oder „schlicht“ gegen Andersdenkende. Die junge digitalversierte Ex-„Falter“ und nun „Profil“-Journalistin Ingrid Brodnig hat sich dieses hochspannenden Themas angenommen und darüber ein Buch geschrieben. Lapidarer Titel „Hass im Netz“. 

 

Unter der Moderation  von Barbara Blaha, einst ÖH-Chefin, jetzt Programmleiterin im Brandstätterverlag, wurde Brodnigs neues Werk in der Buchhandlung Morawa in der Wollzeile präsentiert. Zu den prominenten Besuchern zählte auch die Grünen-Chefin Eva Glawischnig, die mittels eines ihr untergeschobenen Zitats selbst Opfer einer Facebook-Attacke wurde. Und beileibe nicht die einzige. Brodnig erzählt beispielsweise von der Caritas-Fundraising-Leiterin Bettina Riha-Fink, die aufgrund ihres Engagements für Flüchtlinge mit Vergewaltigung bedroht wurde. Auch ein Angriff auf ihre Kinder wurde dezidiert in Postings genannt. Vor allem in derartigen gravierenden Fällen sollte man laut der Autorin auch zu juristischen Schritten greifen. Delikte wie gefährliche Drohung, Verhetzung oder Beleidigung seien ja sowohl offline als auch online strafbar.

 

Warum gerade im Internet die Aggression überhandnimmt, führt Brodnig auf die besonderen Rahmenbedingungen zurück. Der Psychologie John Suler aus New Jersey habe dies bereits im Jahre 2004 als „toxische unsichtbare Enthemmung“ klassifiziert. Im digitalen Netz würden sich Personen nicht Aug-in-Aug gegenüberstehen, es gebe keine Empathie, keine Gestik und Mimik und keine unmittelbare Reaktion auf die schriftliche Äußerung.

 

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Retro-Popkult: a-ha begeistern mit Greatest Hits-Show in der Wiener Stadthalle.

Es war im Jahre 1985, als drei norwegische Jungs mit „Take on me“ einen Welthit landeten. Im dritten Anlauf und mit Hilfe eines progressiven, auf MTV gehypten Comic-Clips. 31 Jahre später  kommen Morten, Pal und Magne aka „a-Ha“ wieder in die Wiener Stadthalle, um nach 80 Millionen verkauften Alben und mehreren Trennungen – zuletzt 2010 – ihr neues Album „Cast in Steel“ zu präsentieren. 

 

Tatsächlich standen auf der Setlist des Konzerts nur drei Songs des (gelungenen) Reunion-Albums. Im Mittelpunkt der fast zwei Stunden dauernden Show standen nämlich die Greatest Hits der drei Norweger, und das ist eigentlich auch das, was die ca. 6000 aus allen Altersschichten stammenden Konzertbesucher hören und sehen wollten. 

 

Der Ex-„Bravo“-Teenagerschwarm und Sänger Morten Harket sieht mit 56 fast noch immer so aus wie zu seinen Glanzzeiten, das Falsett ertönt wie damals, die Show-Bewegungen allerdings sind minimalistischer. Für Scherzchen, auch in Deutsch, sorgte wie einst an den Keyboards, Magne Furuholmen, solid an der Gitarre der a-ha Ruhepol Pal Waaktaar, der zusätzlich mit seiner Frau die Band Savoy gegründet hat. 

 

Die Hits von früher, einst von Kritikern als „Bubblegum-Pop“ gebrandmarkt, klingen auch Jahrzehnte später noch zeitgemäß, bei den Konzerten optisch geliftet durch bunte Light-Shows und Videoeinspielungen. Das Hit-Feuerwerk in Wien begann mit den Tracks „I´ve been losing you“ und „Cry Wolf“ aus dem 2. Album „Scoundrel days“, dann folgten das einst unterschätzte „Move to Memphis“ und die Edel Pop-Schnulze „Stay on these Roads“. Romantic Feelings auch beim Everly Brothers-Cover „Crying in the Rain“, das Morten vor blauem Hintergrund gemeinsam mit der Background-Sängerin Anneli Drecker ins Mikro schmachtete.

 

Pause für Morten Harket dann bei „Velvet“ und „Lifelines“, wo Pal und Magne das Mikro überlassen wurde. Die „Reise mit der Zeitmaschine“, so Morten in einem Interview, erfasste auch unbekanntere Tracks aus den letzten 30 Jahren, bevor bei „Hunting high and low“ auch die Fans mitsingen durften.

 

Party-Stimmung total bei den Zugaben: „The Sun always shines on TV“, der Bond-Titelsong „The Living Daylights“ und als ultimativer Schlusspunkt der poppigen Retro-Show a-ha´s größter, von den Besuchern heiß ersehnter, Hit „Take on me“. 

 

„Unsere Pubertät hat sehr lange gedauert“, so Morten. Im Gegensatz zu Falco haben die Norweger aber ihren US-Nr. 1-Hit physisch und psychisch besser verkraftet als unser Pop-Amadeus. Es dürfte, trotz getrennter privater Lebensweisen, nicht ihr letzter Auftritt in Wien gewesen sein.

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250 Jahre Prater: Bunter Blumencorso mit über 100 Teilnehmern.

Am 7. April 1766 gab Kaiser Joseph II. das Prater-Areal zur öffentlichen Benutzung frei und gestattete dort auch die Niederlassung von Wirten und Kaffeehausbetrieben. Die Geburtsstätte des heutigen Vergnügungsviertels im 2. Wiener Bezirk. 

 

Aus Anlass des 250jährigen Jubiläums wurde – nach über 30 Jahren Abstinenz – wieder einmal ein Blumencorso organisiert. Über 100 buntgeschmückte Fahrzeuge säumten die Praterstraßen, darunter viele Oldtimer, Pferdekutschen, Traktoren und Musikkapellen. Im Rahmen des Festaktes wurde auch eine Prater-Sonderbriefmarke präsentiert. Mehr über die Geschichte des Praters erfährt man derzeit im Wien Museum am Karlsplatz.

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U 6-„Drogen-Line“ Anlass für Änderung des Suchtmittelgesetzes !

In Wien oder besser gesagt in einer Großstadt nichts Neues. Es existiert wieder einmal ein Drogen-Hot-Spot, die Linie U 6 zwischen Margaretengürtel und Josefstädter Straße. Und sogar die linksliberale Zeitung „Falter“ publiziert auf ihrem Cover eine schicke Subway-Line. Großteils Afrikaner, darunter auch viele Asylwerber, haben sich dort angesiedelt und verkaufen dort zumeist Marihuana an Sucht- und Gelegenheitskonsumenten. Die Stadt Wien reagiert mit privaten Sicherheitsdiensten, die Polizei mit verstärkten Patrouillen und Hundestaffeln. Soweit so gut. Dass hier aber auch das Parlament mit einem bundesweiten Gesetzesentwurf auf ein kommunales Problem reagiert, erscheint sehr fragwürdig. Anlassgesetzgebung nennen das die Experten vom Wiener Juridicum, die man eigentlich bei der Erlassung genereller Normen vermeiden sollte.

 

Einführen will man den neuen Tatbestand „Drogenhandel im öffentlichen Raum“, und zwar nicht im allgemeinen Strafgesetzbuch, sondern im Suchtmittelgesetz als § 27/2 a. Die Strafdrohung von bis zu 2 Jahren Freiheitsstrafe ermöglicht dann wieder die Verhängung von Untersuchungshaft, die durch eine Entschärfung der „Gewerbsmäßigkeitsbestimmungen“ schwieriger geworden ist. 

 

Das Drogenproblem in Großstädten, das solange besteht, als es Großstädte gibt, wird man dadurch nicht entschärfen, die dealenden Afrikaner werden weiterhin in unserem Land bleiben, weil die Rückführungsgesetze einfach zu lasch sind, und die Anwendbarkeit dieses neuen Paragraphen wird ziemlich rudimentär ausfallen. Außer man subsumiert unter dem Begriff „Drogen“ den auch am Land grassierenden Alkohol. Auszuschließen ist in Österreich gar nichts mehr.

 

„(2a) Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren ist zu bestrafen, wer vorschriftswidrig in einem öffentlichen Verkehrsmittel, in einer dem öffentlichen Verkehr dienenden Anlage, auf einer öffentlichen Verkehrsfläche, in einem öffentlichen Gebäude oder sonst an einem allgemein zugänglichen Ort öffentlich oder unter Umständen, unter denen sein Verhalten geeignet ist, durch unmittelbare Wahrnehmung berechtigtes Ärgernis zu erregen, Suchtgift einem anderen gegen Entgelt anbietet, überlässt oder verschafft.“

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Bürger-Petition: Gleiche Rechte für chronisch kranke Kinder !

In Österreich leben über 190.000 Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen (wie Diabetes, Asthma, Epilepsie, Allergien,…), die nicht nur mit ihrer Krankheit zu kämpfen haben, sondern auch mit Diskriminierung und fehlenden gesetzlichen Rahmenbedingungen. 

 

Zu diesem Thema wurde von Peter Hopfinger die parlamentarische Bürgerinitiative „Gleiche Rechte für chronisch kranke Kinder“ gestartet, die von fast 3000 Bürgern unterstützt wurde. Nach einer Diskussion im Petitionsausschuss wurde die Initiative im März 2016 auch im Nationalratsplenum behandelt.

 

Kinder mit chronischen Krankheiten müssen wie „gesunde“ Kinder behandelt und dürfen nicht diskriminiert werden, weder im Klassenzimmeralltag, noch bei Sonderveranstaltungen wie Wandertagen oder Skikursen. Dazu bedarf es aber der Festlegung bestimmter gesetzlicher Regelungen, damit das Lehrpersonal nicht Angst hat, unterstützende Tätigkeiten (wie die Verabreichung von Medikamenten oder das Injizieren von Insulin) zu verrichten.

 

Nach aktueller Rechtslage fallen nämlich qualifizierte Hilfeleistungen der Lehrer nicht unter die Amtshaftung. Das heißt, dass Lehrer befürchten müssen, bei Fehlern selbst zur Verantwortung gezogen zu werden und daher auch der Dienstgeber zumeist rät, derartige Tätigkeiten nicht durchzuführen. Dadurch fällt die Belastung dann den Eltern zu, die aufgrund Zeitmangels dann selbst vor der Gefahr stehen, ihren eigenen Job zu verlieren.

 

Neben einer Neuregelung der gesetzlichen Haftung sind auch Haftpflichtversicherungen für Lehrer denkbar. Die Lehrkräfte sollten, neben der ohnehin schon eingerichteten Erste-Hilfe-Schulung, speziell für chronisch kranke Kinder instruiert werden. Dazu muss der Staat den finanziellen Aufwand erhöhen für die Beschäftigung von Sonderpädagogen, Krankenschwestern und Pflegekräften, die sich um die betroffenen Kinder kümmern sollten.

 

Chronisch kranke Kinder haben es aufgrund ihrer Behinderung schwer genug. Sie müssen daher von Beginn ihres Lebens an das Gefühl haben, dass sie ein gleichwertiger und gleichberechtigter Teil der Gesellschaft sind. Die Politiker sind dazu da, dieses Ziel vollständig umzusetzen. Ohne Wenn und Aber.

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Rock me Amadeus vor 30 Jahren US-Nr. 1: Falco-Sonderausstellung im Wiener Mozartmuseum.

Vor genau 30 Jahren, am 29. März 1986, stand Hans Hölzel aka Falco am Zenit seiner Karriere. „Rock me Amadeus“, seine schrill-extravagante Pop-Reminiszenz an das Musik-Genie Wolfgang Amadeus Mozart, belegte Platz 1 der US-Charts. Am 10. Mai 1986 folgte dann noch die Poleposition der britischen UK-Charts. Dies gelang zuvor nur einem anderem österreichischen Musiker, dem Döblinger Anton Karas mit seinem legendären „Dritte Mann“-Theme.

 

Grund genug für das Wiener Mozartmuseum in der Domgasse Nr. 5, dem Falken eine Sonderausstellung im Untergeschoß zu widmen und die beiden Seelenverwandten, die Wien so geprägt haben, auf eine neue Art und Weise zu vereinen. Mozart lebte von 1784 bis 1787 in diesem noblen Haus im 1. Bezirk hinter dem Stephansdom und glänzte während dieser Zeit als Pianist und Komponist u.a. der weltberühmten Oper „Hochzeit des Figaro“. Und Falco prägte den Wiener Zeitgeist der 80er, und das bereits mit dem U4-Underground-Hit „Ganz Wien“ am Beginn einer Dekade, „an die man sich nur erinnern kann, wenn man sie nicht erlebt hat“.

 

Fotos aus der Drahdiwaberl-Zeit Falcos zeugen davon im dunklen Untergemäch des Mozartmuseums. Zu sehen sind hier zahlreiche Exponate aus Falcos Privatstiftung, die ansonsten in seiner Villa in Gars aufgestellt sind: Glamouröse Kostüme aus dem „Amadeus“-Video (das im Hintergrund auf Dauer-Airplay läuft), Hochglanzfotos des „Pop-Punk“-Amadeus, Musikinstrumente,  Zeitschriften aus aller Welt, Maxi-Single-Raritäten oder Promi-Shots mit Künstlern wie Vivienne Westwood oder HC Artmann, die Falco geschätzt hat und die Falco geschätzt haben.

 

Begibt man sich einige Stockwerke höher auf die Spuren des Original-„Amadeus“ und lauscht nur einigen Episoden aus dessen turbulenter Vita voller Lust, Laster und Lebensfreude, dann war der Hansi ja direkt ein braver Wiener Bua. Darauf wetten sollte man aber nicht.

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Flop „Rot-Weiß-Rot-Karte“ – Österreich hat ein Problem mit qualifizierter Zuwanderung.

Bei Einführung der Rot-Weiß-Rot-Karte am 1. Juni 2011 rechnete die Bundesregierung noch mit ca. 8000 Bewilligungen pro Jahr, von diesen Zahlen ist man im Jahr 2015 allerdings meilenweit entfernt.

 

Im Jahr 2015 wurden – laut einer Anfragebeantwortung des Innenministeriums an die FPÖ-Nationalratsabgeordnete Edith Mühlberghuber - gerademal 1801 Rot-Weiß-Rot-Karten für Drittstaatsangehörige ausgeteilt. 

 

Diese Aufenthaltstitel sind auf 12 Monate beschränkt und berechtigen zur Tätigkeitsaufnahme für einen ganz bestimmten Arbeitgeber. Zu den Voraussetzungen zählen nicht nur eine Krankenversicherung und eine ortsübliche Unterkunft, sondern auch ein bereits abgeschlossener Vor- oder Dienstvertrag bzw. bei sonstigen Schlüsselkräften ein bestimmtes Mindestbruttogehalt.

 

Zielgruppe dieser Rot-Weiß-Rot-Karten sind besonders qualifizierte Arbeitnehmer. Von den 1.181 erteilten Erst-Aufenthaltstiteln entfallen auf die Kategorie „Besonders Hochqualifizierte“ 57 Personen und auf Fachkräfte in Mangelberufen 182. Der größte Anteil sind „sonstige Schlüsselkräfte“, insgesamt 878. 36 sind Studienabsolventen, 28 selbständige Schlüsselkräfte. Mehr als 3/4 der Inhaber sind Männer (907), nur 274 Frauen.

 

Insgesamt gab es Ende 2015 1.640 aufrechte „Rot-Weiß-Rot“-Karten und 90.972 „Rot-Weiß-Rot-Karten“-Plus. Letztere gewähren einen unbeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt und werden auf Antrag an Inhaber für Rot-Weiß-Rot-Karten ausgestellt, und zwar je nach Aufenthaltsdauer bzw. Erfüllung einer Integrationsvereinbarung („ausreichende Deutschkenntnisse“) für 1 Jahr bzw. 3 Jahren. Auch Familienangehörige haben Anspruch auf diesen Aufenthaltstitel, insgesamt 28.507 waren dies Ende Dezember 2015.

 

Das Innenministerium führt derzeit Diskussionsgespräche bezüglich einer Weiterentwicklung der „Rot-Weiß-Rot-Karten“. Dies ist insofern notwendig, als in Österreich nicht nur ein Facharbeitermangel, sondern auch ein Mangel an Ärzten, Diplomingenieuren oder EDV-Technikern herrscht. Und jetzt auch die letzten Arbeitsmarktexperten zur Erkenntnis gekommen sind, dass unter den Asylwerbern hohe Qualifikationen eher Ausnahme als Regel sind. 

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Riesen-Plakat gegen Mängel im Gesundheitssystem auf dem Wiener Naschmarkt !

Vor der Wiener Gemeinderatswahl nervte auf dem Haus Linke Wienzeile 34 noch Maria Vassilakou den Michi Häupl, jetzt nützt die Wiener Ärztekammer die mehr als 200 Quadratmeter große Plakatfläche mitten am Wiener Naschmarkt für eine Protestaktion gegen das österreichische Gesundheitssystem.

 

Lange Wartezeiten, zu geringe Honorierung der Ärzte, Stellenkürzungen, immer mehr Bürokratie statt Dienst am Patienten und eine Entmachtung der Hausärzte sind dabei die Hauptkritikpunkte des Protests, der bereits 2015 im Internet begonnen hat. Auf der Website www.gesundheitistmehrwert.at können seitdem Ärzte, Patienten und Angehörige auf Mängel im Gesundheitssystem hinweisen. 1593 Wiener hatten dabei auch die Möglichkeit, Porträtfotos upzuloaden, die jetzt auf dem Riesenplakat im 6. Bezirk zu sehen sind.

 

Die Kritik der Ärzte richtet sich im besonderen gegen Pläne des Gesundheitsministeriums, sogenannte "Primärversorgungszentren" einzurichten. Diese seien anonyme Gesundheitsgroßinstitutionen, die schlussendlich in eine Zwei-Klassen-Medizin münden. Stattdessen fordern die Ärzte mittels einer Petition den Erhalt der Haus- und Vertrauensärzte, werden aber auch Alternativmodelle für die Gesundheitsversorgung der Zukunft präsentieren. Bis dahin sorgt noch das marketingstrategische Plakat für Diskussionen.

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Gefährliche Liebschaften im Wiener Schuberttheater.

Ende der 80er begeisterte Stephen Frears mit seinen "Gefährlichen Liebschaften" nicht nur die Kritiker, sondern auch das Kinopublikum. Angelehnt an den weltberühmten Briefroman von Choderlos de Laclos spinnen darin französische Adelige – prominent besetzt durch John Malkovich und Glenn Close – gemeine Intrigen gegen persönliche Feinde und naive Zeitgenossen. Die Pop-Kultur sprang 10 Jahre danach auf diesen Zug auf und lieferte mit "Eiskalte Engel" einen der coolsten Teenager-/Twen-Streifen ever, die unwiderstehlichen Verführer mimten Sarah Michelle Gellar und Ryan Philippe, die Handlung spielte im schick-verwöhnten New Yorker Privatschulmilieu, Placebo und The Verve sorgen bei Reprisen heute noch für musikalische Gänsehaut.

 

Aufgrund dieser berühmten Vorlagen keine leichte Aufgabe, diesen faszinierenden Stoff auf eine kleine "Off-Theater"-Bühne zu verlegen. Alexander Pschill und Kaja Dymnicki ist dies erstklassig gelungen. Mit wenig Budget, sparsamen Requisiten (wie einem "lustvollen" Kasten und einer Truhe) und charismatischen Darstellern kann der französische Stoff aus dem 18. Jahrhundert auch im kleinen Schuberttheater, einem ehemaligen Erotik-Kino, begeistern. 

 

In den Hauptrollen glänzen, clownesk geschminkt, Alexander Jagsch als Frauenverführer Valmont und Alexandra Corovic als weiblicher Kontrapart Marquise de Merteuil, die sich ihre tödliche Langeweile mit bösartigen Intrigen vertreiben. Die Opfer, Madame de Tourvel, in die sich Valmont insgeheim verliebt, und die naive Jungfrau Cecile de Volanges, die an einen Adeligen verheiratet werden soll, aber eigentlich ihren Lehrer liebt. Gespielt werden diese übrigens von den Produzentinnen des Stückes, Salka Weber und Julia Edtmeier. 

 

Schrill, spannend, extravagant, innovativ – "Gefährliche Liebschaften 2.0" ist – trotz antikem Stoff – auf dem Puls der Zeit. Die Belohnung für diese mutige Aufführung (neben einem stets ausverkauften Theatersaal): Eine Nominierung für den Nestroy-Theaterpreis in der Kategorie "Beste Off-Produktion".

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"Kagran hat den Blues" – Austria 2 1/2 rocken das Wiener Cafe Falk !

Austro-Pop ist – mit Ausnahme in der geschmacksjenseitigen Ö3-Redaktion – wieder in, egal ob in den Charts, bei ausverkauften Konzerten oder bei Live-Gigs in kleineren Locations. So ist es kein Wunder, dass die Cover-Band Austria 2 1/2 bis weit nach Mitternacht die zahlreich erschienenen Gäste im Kagraner Cafe Falk begeistern konnte.

 

Austria 2 1/2 wurde gegründet im Herbst 2001 von Martin Panner und Heinz Pledl, die seitdem in der Wiener Club- und Barszene Highlights des Austro-Pop präsentieren. Die Band wurde langsam erweitert, zuerst mit dem E-Gitarristen Christian Klein, seit 2006 mit Christoph Schuster am Bass und Rudolf Trautsamwieser am Schlagzeug. Auf dem Repertoire des Quintetts stehen nicht nur die legendären Kult-Hits des Austro-Pops wie der "Zentralfriedhof", "Strada del Sole", "Weiße Pferde" oder "Reif für die Insel", sondern auch viele musikalische Raritäten der letzten 30 Jahre. 

 

Das Publikum im erstgeschossigen "Bierstock" des Cafe Falk ließ sich auf jeden Fall bestens animieren mit den Hits von Ambros, Fendrich, Danzer, Cornelius, Ostbahn Kurti, STS & Co.. Dass die fünf Stimmungsmacher auf Falco und Wanda vergaßen, das sei ihnen verziehen. Seiler & Speers neue österreichische Nationalhymne "Waunst amoi nu so ham kummst, sama gschiedane Leid" allerdings durfte auf der Setlist nicht fehlen und war – nach einigen Bierkrügerl zuviel – vielleicht sogar die Schicksalsmelodie einiger fahrlässiger Freizeitalkoholiker. Prost !

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Faschingsdienstag in Krems: Der Teufel hat den Apres Ski-Schrott gemacht. 

Kein Zweifel, der traditionelle Faschingsumzug gehört weiterhin zu den bestbesuchtesten Events der Wachaumetropole Krems. Und das, obwohl dieser einst größer angelegt war und dieses Mal eigentlich "nur" 21 Trucks am Start waren. Darunter die Fahrschule Dolejschi, die Ur-Trommler, die Kremser Bank als Muppets-Persiflage, das Kremser Bowling-Center X-Bowl, die Kremser Altstadtlokale (als Veranstalter des Events) und als finaler Endpunkt der maximal große Hüttengaudi-Truck der Capital & Invest GmbH. 

 

Politische Skandale a la Maissau blieben in Krems aus. Resch & Co. versteckten ihre Abrissbirne verschämt im Magistrat, nicht einmal das Enfant Terrible Franz Stieger, kürzlich in der ZIB 2 als Bundespräsidentschaftskandidat zu sehen, beehrte den Umzug mit seinen Fahrrad-Installationen. FPÖ-Chef Walter Rosenkranz dagegen ließ es sich nicht nehmen, mit seiner Frau den Truck seiner Mittelschulverbindung JKM Rugia zu erklimmen und sie auf den letzten Metern am Pfarrplatz zu begleiten. 

 

Für gruselig-ausgelassene Stimmung sorgten in den Straßen von Krems vor allem die Woidviertla Höhln Teifl´n. Ob sie den Rustikal-DJ´s auch etwas in die Getränke gekippt haben ? Deutsches Apres Ski-Geplärre stundenlang mitten in der Kulturstadt Krems ! Und wenn schon einmal Helene Fischer, Mickie Krause & Co. in Endlosschleife, dann wenigstens dem Apres Ski-DJ das Mikro abdrehen. Music sounds better without you, egal, wie grottenschlecht sie ist.

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"Wonderful Crazy Night" - Paradiesvogel Elton John is back !

Seinen ersten großen Hit hatte Reginald Kenneth Dwight aka Elton John im Jahre 1969 mit "Your Song", das erst kürzlich vom vergleichsweise jungen Pop-Sternchen Ellie Goulding gecovert wurde. Jetzt ist der pinke Paradiesvogel zurück mit einem brandneuen Album, das an seine großen Hits der 70er wie "Crocodile Rock" oder "Goodbye yellow brick road" erinnert und ihn wie damals wieder auf die Spitzenpositionen der internationalen Charts hieven wird.

 

"Wonderful Crazy Night" heißt das Album, das Elton John auch im Rahmen einer großen Welttournee mit seiner Original Band präsentieren wird. Über 300 Millionen Tonträger hat Elton John bis jetzt verkauft, sein neuestes Studio-Werk zeigt ihn nach einer längeren Schaffenspause in Bestform. Vielleicht auch ein musikalischer Seitenblick auf sein derzeitiges Leben: Nach vielen, auch drogenbedingten Abstürzen wirkt der homosexuelle Sänger aus London glücklich. "Ich habe Spaß, nehme keine Drogen, habe einen Ehemann und zwei Kinder.", so Elton John in einem aktuellen Interview.

 

Wir freuen uns mit ihm und auf ein tolles Konzert in Wien am 24. November. Mit brandneuen und alten Gassenhauern seiner fast 50jährigen Karriere.

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Asyl-Chaos: Innenministerium hat keine Daten über nicht rückführbare Flüchtlinge.

Ca. 90.000 Asylanträge wurden im Jahr 2015 eingebracht. Wie diese Verfahren entschieden werden, wird sich in den nächsten Monaten und Jahren weisen. Das Innenministerium auf jeden Fall schätzt laut einem aktuellen „Presse“-Artikel, dass nur ca. 10 % dieser Asylwerber das Land verlassen werden.

 

Darunter werden sich auch viele befinden, die einen rechtskräftigen negativen Asylbescheid in Händen halten, aber de facto nicht abgeschoben werden können. Und jetzt kommt der Clou der Sache: Die rot-schwarze Bundesregierung weiß gar nicht, wieviele nicht rückführbare Personen sich aktuell in Österreich aufhalten. Das geht eindeutig aus einer Beantwortung einer Anfrage der FPÖ-Abgeordneten Edith Mühlberghuber durch das Innenministerium hervor.

 

Aufgrund der Rechtslage müsste jeder Flüchtling, der keine Asylberechtigung, keinen subsidiären Schutz oder kein humanitäres Bleiberecht erhält, sofort abgeschoben werden. In vielen Fällen ist dies allerdings nicht möglich. Einer der Gründe ist das Fehlen sogenannter Rückführungsabkommen.

 

Man unterscheidet hier zwischen EU- und bilateralen Rückübernahmeabkommen. Letztere hat Österreich mit den anderen EU-Mitgliedstaaten und mit Kosovo, Nigeria und Tunesien abgeschlossen. Verhandlungen werden seitens der EU-Kommission derzeit geführt mit Algerien, Belarus, China, Marokko und Tunesien.

 

Bestehen keine Rückführungsabkommen, dann wird es – Freiwilligkeit ausgenommen – schwierig, den Flüchtling in sein Heimatland zurück zu transportieren. So gibt es zahlreiche Fälle, in denen der mutmaßliche Herkunftsstaat sich weigert, den Flüchtling als seinen Staatsangehörigen anzuerkennen bzw. ein Heimreisezertifikat auszustellen. Oder der Asylwerber hat keine Dokumente bei sich und kann nicht identifiziert werden. Auch medizinische oder strafrechtliche Gründe verhindern manchmal einen Transfer zurück ins Heimatland. Viele der abgelehnten Asylwerber tauchen auch als „U-Boot“ unter und leben von Schwarzarbeit und Kriminalität.

 

Wieviele Zuwanderer wohin rückgeführt werden sollten, das kann nur per Ratespiel geschätzt werden. Denn das Innenministerium führt weder über die Person noch über den Herkunftsstaat noch über die Hinderungsgründe irgendwelche Aufzeichnungen. Eine weitere Bankrotterklärung der rot-schwarzen Bundesregierung. Der Ruf nach Neuwahlen wird immer lauter.

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Familienbeihilfe steigt trotz 33%-igen Wertverlusts nur um 2 Euro monatlich.

Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft und sollte daher von der Politik ausreichend gefördert werden. Ob dies der Fall ist, darf allerdings stark bezweifelt werden. So wurde seit dem Jahr 2000 (!) die Familienbeihilfe nicht an die Inflation angepasst, der Wertverlust beträgt damit bereits mehr als 33 Prozent.

 

Ab dem 1. Jänner 2016 erwartet die Familien eine – ziemliche lächerliche – Erhöhung der monatlichen Transferleistung um umgerechnet 2 Euro. Die Familienbeihilfe beträgt somit nun, altersspezifisch gestaffelt, 111,80 (zwischen 0 und 3), 119,60 (zwischen 3 und 10), 138,80 Euro (zwischen 10 und 19) und ab 19 Jahren 162 Euro monatlich pro Kind. Eine automatische Anpassung an die – für dieses Jahr mit 1,8 Prozent prognostizierte – Inflationsrate wurde wieder nicht vorgenommen.

 

Zeitliche Einschränkungen gibt es ab 2016 bei der Elternteilzeit. Die Mindestarbeitszeit muss 12 Stunden, die Arbeitszeitreduktion künftig mindestens 20 Prozent der wöchentlichen Normalarbeitszeit betragen.

 

Jahrelang urgiert von der Volksanwaltschaft und den Oppositionsparteien wurde 2016 jetzt auch die Karenz für Pflegeeltern eingeführt, die ein Kind – ohne gleichzeitige Adoptionsabsicht – in Pflege nehmen. Dieser Rechtsanspruch beseitigt die bisher geltende untragbare Situation, dass eine Pflegemutter ihr Arbeitsverhältnis gänzlich oder teilweise lösen musste, um ausreichend Zeit für ihr Pflegekind zu haben.

 

Erweitert wurde im novellierten Mutterschutzgesetz der Kündigungs- und Entlassungsschutz für Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben. Kündigung und Entlassung sind ab sofort bis zum Ablauf von 4 Wochen nach einer erfolgten Fehlgeburt rechtsunwirksam.

 

Das neue Fortpflanzungsmedizingesetz ermöglicht jetzt auch lesbischen Frauen eine In-Vitro-Fertilisation, was auch zu notwendigen Anpassungen im Karenzrecht führte. So haben Frauen, deren eingetragene Partnerin oder Lebensgefährtin ein Kind bekommt, einen Anspruch auf Elternkarenz. Wenn auch diese Bestimmung wenig Anwendung finden wird, das Familienrecht bekommt jetzt auch in Österreich einen moderneren, liberaleren Anstrich.

Wien-Margareten: 4,3 Millionen Euro teure Wiental-Terrasse während des Winters gesperrt.

Es gilt als eines der Vorzeigeprodukte der rot-grünen Wiener Stadtregierung und sollte ganzjährig ein neuer urbaner Treffpunkt für die Bewohner des 4., 5. und 6. Bezirks werden: Die erste (von drei geplanten) Wiental-Terrassen über dem Wienfluss und der U 4-Subway. Jetzt ist sie gesperrt. 

 

Laut dem Leiter der MA 29, Hermann Papouschek, sei die Terrasse aus Sicherheitsgründen nicht betretbar, da man in dieser Jahreszeit täglich mit Eis- und Reifbildung auf dem Holzboden rechnen müsse. Auch eine Streuung komme nicht infrage, da das Streugut das Holz angreifen würde. Dass hier falsches Material verwendet wurde, wird – nicht ganz glaubwürdig – abgestritten. 

 

4,3 Millionen Euro haben die Wiental-Terrasse nahe der U-Bahnstation Pilgramgasse und der neue Fußgänger- und Radsteg zwischen Linker und Rechter Wienzeile gekostet. Letzterer ist zwar geöffnet. Ob dieser als besonderer Hype gilt, ist aber fraglich. Ein Blick auf das AMS-Gebäude hinter der Wiental-Terrasse ist bei einer Rekordarbeitslosigkeit von fast 500.000 Menschen eher deprimierend.

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Im Dezember beschlossen, seit Jänner 2016 gültig: Neue Regelungen im Arbeitsrecht.

Lange hatten die Arbeitgeber keine Zeit, sich auf die neuen Regelungen im Arbeitsrecht einzustellen. Beschlossen wurde diese erst im Rahmen der Nationalratssitzungen im Dezember, gültig sind sie bereits ab 1. Jänner.

 

Geändert wurden zahlenmäßige Details bei den Konkurrenzklauseln, die es Arbeitnehmern nicht erlauben, bis zu einem Jahr ab Beendigung des Arbeitsverhältnisses in der Branche des Arbeitgebers zu arbeiten. Hier wurde die Entgeltgrenze auf das 20fache der täglichen ASVG-Höchstbeitragsgrundlage angehoben. Diese beträgt heuer 3240 Euro brutto pro Monat. Die Konventionalstrafe, die bei Verstoß gegen die Konkurrenzklausel verhängt werden darf, wird künftig mit höchstens 6 Nettomonatsentgelten (ohne Sonderzahlungen) begrenzt.

 

Reduziert von 5 auf 4 Jahren wurde im Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz die Frist für den Ausbildungskostenrückersatz. Der Rückerstattungsbetrag muss künftig zwingend nach Monaten aliquotiert werden, gerechnet ab dem Ende der erfolgreich absolvierten Ausbildung. Eine Rückersatzpflicht muss schriftlich vereinbart werden, außerdem muss sich durch die Ausbildung der Wert des Arbeitnehmers am Arbeitsmarkt erhöhen.

 

Bei Pauschalentgeltvereinbarungen, sogenanten "All-In-Verträgen", muss das Grundgehalt im Arbeitsvertrag oder im Dienstzettel betragsmäßig angeführt werden, ansonsten hat der Arbeitnehmer Anspruch auf das zumeist höhere Ist-Grundgehalt einschließlich der branchen- und ortsüblichen Überzahlungen. 

 

Eine Ausweitung der Höchstarbeitszeiten wurde vom Nationalrat im Zusammenhang mit Reisezeiten beschlossen. Bei Jugendlichen darf die Tagesarbeitszeit ab sofort 10 Stunden betragen, während der Reisebewegung darf allerdings keine Arbeitsleistung erbracht werden. Bei normalen Arbeitnehmern darf die tägliche Arbeitszeit durch die Reisebewegung auf bis zu 12 Stunden ausgedehnt werden. Die hier aktive Reisezeit ist als Arbeitsleistung zu betrachten.

 

Eventuelle Jobvorteile könnten sich ab sofort für Teilzeitbeschäftigte ergeben. Laut der Arbeitszeitgesetz-Novelle hat der Arbeitgeber teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer über im Betrieb freiwerdende Arbeitsplätze mit höherem Arbeitszeitausmaß zu informieren. Ob es durch diese Maßnahme beispielsweise zu einer höheren Vollzeitbeschäftigungsquote von Frauen kommen wird, wird man sehen.

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Arbeitsrechtsänderungsgesetz 2015
BGBLA_2015_I_152 - Arbeitsrechtsänderung
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