Euro 2016: Euphorie in Italien und Island, Contenance bei den Franzosen und Deutschen.

„Ihr müsst 23 Spieler sein – und 23 Träumer“ - Eines der Lieblingszitate von Trainer Antonio Conte dürfte die Italiener besonders angespornt haben. Bei der Europameisterschaft 2012 verlor die Squadra Azzurra noch gegen die Spanier im Finale mit 4:0. Jetzt im Achtelfinale gelang die Revanche gegen den zweifachen Titelverteidiger. Und dies auf eine bemerkenswerte Art: „Italien kann nicht nur Catenaccio“, so wieder Conte nach dem 2:0-Sieg. Giorgio Chiellini war es, der die Italiener nach einem Freistoß Eders mit einem Abstauber in Führung brachte. Danach folgten zahlreiche Chancen, die durch den ausgezeichneten spanischen Tormann De Gea von Manchester United zunichtegemacht wurden. Das einstige Tiki-Taka-Inferno der Spanier funktionierte nur in der zweiten Hälfte ansatzweise, Pelle erhöhte verdient noch in der Nachspielzeit auf 2:0. Im Viertelfinale am Samstag warten die Deutschen, die die Slowaken durch Tore von Boateng, Gomez und Draxler souverän aus dem Turnier kickten. Gegen die Italiener dürfte dies – trotz eines 4:1-Siegs im letzten Freundschaftsspiel - nicht so einfach werden.

 

Fehlstart für die französischen Gastgeber im Achtelfinale: Die Iren gingen durch einen von Pogba verschuldeten Elfmeter mit 1:0 bereits in der 2. Minute in Führung. Robbie Brady, der bereits das Siegestor gegen die Italiener erzielte, verwandelte den frühesten Penalty in der EM-Geschichte. In der 2. Hälfte allerdings hielt das irische Bollwerk nicht mehr gegen die spielerische Überlegenheit der Franzosen statt. Ein Doppelschlag von Athletico Madrid-Star Antoine Griezmann in der 58. Und 62. Minute und der Ausschluss von Duffy in der 66. Minute besiegelten die 2:1-Niederlage der Iren, die für die österreichische Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation allerdings ein schwerer Brocken werden.

 

Die Franzosen dagegen treffen am Sonntag im St. Denis auf ein Land, das gerade mal 330.000 Einwohner aufweist, in dem ca. 100 Fußballprofis spielen und dessen Co-Trainer Teilzeit-Zahnarzt ist. Auf die euphorischen Wikinger von Island, die man getrost als Sensationsmannschaft des Turniers betrachten kann. Nachdem sie in der Qualifikation bereits die stolzen Oranjes durch 2 Siege (2:0 bzw. 1:0) aus der EM schossen, blieben sie in der Österreich-Gruppe F ungeschlagen und schickten die überschätzten Ösis mit einem 2:1-Sieg zurück in die Heimat. 

 

Im Achtelfinale gegen die „Three Lions“ ließen sie sich durch den verwandelten Elfmeter Rooneys in der 4. Minute nicht entmutigen und gingen innerhalb weniger Minuten (6., 18.) durch Sigurdsson und Sigthorsson in Führung. Die sie gegen die hochbezahlte, aber unambitionierte Truppe auch nicht wieder aufgaben. Entsetzt und spöttisch nicht nur die britischen Medien, sondern auch Stürmerlegende Gary Lineker: „Wir sind durch ein Land besiegt worden, das mehr Vulkane als Fußballer hat.“ Die Replik der isländischen Fans dazu kann nur ein lautes „Hu“ sein, begleitet durch immer ein schneller werdendes, rhythmisches Klatschen. Der wilde Schlachtenbummlergesang der isländischen Fans, der die Sensationskicker auch am Sonntag begleiten wird. Ob da auch die zart besaitete Grande Nation in die Knie gehen wird ?

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