Yello in der Wiener Stadthalle: Schweizer Kult-Band zum ersten Mal on Tour!

Was „Blue Monday“ für New Order oder „Fade to Grey“ für Visage, das war „Bostich“ für „Yello“. Ein Underground-Electronic-Track, der 1981 durch den US-DJ Frankie Crocker gepusht wurde und in die amerikanischen Black- und Dance-Charts schoss. Yello, abgeleitet von „a yelled hello“, waren damals noch zu dritt, und alle waren überrascht, dass hinter diesem Projekt keine schwarzen Avantgarde-DJ´s aus der Bronx steckten, sondern drei smarte Schweizer mit Faible für extravagante Töne, Video-Ästhetik und Aktivismus.

 

25 Jahre später präsentierten Dieter Meier und Boris Blank ihre Electro-Klassiker zum ersten Mal live, im Berliner Kraftwerk. Aufgrund der großen Resonanz wird auch eine Tour geplant, die die Zuricher auch in die Wiener Stadthalle führt. Allerdings nicht zu zweit mit einem Computer als Sound-Base, sondern mit einer kompletten Band. 

 

„Boris ist der Konzertmeister einer Live-Show mit 12 Musikern“, so Meier. Bläser, Gitarristen, Schlagzeuger, Percussionisten versetzen die Yello-Hits aus unglaublichen 40 Jahren in neue musikalische Sphären. Auch das 2016er-Album „Toy“, das in der Schweiz auf Platz 1 und in Deutschland auf Platz 2 kletterte, kommt nicht zu kurz. Im Mittelpunkt der Show steht der elegant gekleidete 72jährige (!) Frontman Dieter Meier, der mit seinen stakkato-artigen Verbal-Phrasen dem genialen elektronischen Sound von Boris Blank die letzte Würze verleiht. „It´s just a rush, push, cash“, Bostich, you know. 

 

Ausgezeichnet auch die Auswahl der weiblichen Stimmen der Yello-Tracks. Die aus Malawi stammende Jazzsängerin Malia tritt bei „The Rhythm Divine“ in die Rolle von Bond-Legende Shirley Bassey, interpretiert mit Meier „Starlight Scene“ und sorgt im Zugabenteil mit „Vicious Games“ für hippe New Wave-Stimmung. Die chinesische Sängerin und Performance-Künstlerin Fifi Rong, bereits Guest-Star auf „Toy“, lenkt mit „Kiss the Cloud“ und dem hypnotischen „Lost in Motion“ die Yello-Show in futuristische Bahnen. 

 

Die Video-Collagen im Hintergrund stammen übrigens alle von Meier & Blank, die stets auch ihre Videos selbst produzierten und sogar ihre Familienmitglieder miteinbezogen. So auch beim größten Hit der Elektronik-Zauberer, „The Race“, der in einer mehr als zehnminütigen Version den Abschluss der grandiosen Show bildete. Yello sind nach 40 Jahren Band-Karriere noch immer am Puls der Zeit, einmal nachmachen bitte!

mehr lesen

„Nacht gegen Armut“: Gogol Bordello grooven in der Arena für arme Familien und Kinder!

Laut einer aktuellen Statistik gilt Österreich als viertreichstes EU-Land. Nur Luxemburg, Irland und die Niederlande liegen beim BIP pro Kopf vor der Alpenrepublik. Insofern schockieren die Zahlen über die armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Menschen in Österreich.

 

18 Prozent der österreichischen Wohnbevölkerung oder 1.542.000 Menschen waren 2016 von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Unmittelbar armutsgefährdet sind 14 Prozent der Einwohner, die über weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens verfügen. Diese von der EU-definierte Schwelle unterschreitet in Österreich, wer in einem Einzelhaushalt einen Monat mit weniger als 1.185 Euro netto bestreiten muss. 592 Euro werden für jeden weiteren Erwachsenen im Haushalt addiert und 355 Euro für jedes Kind unter 14 Jahren.

 

Man braucht also keine Sekunde zu diskutieren, ob Veranstaltungen wie die „Nacht gegen Armut“ der Volkshilfe ihre Berechtigung haben. Das Benefiz-Event, dessen gesamter Reinerlös für die Spendenkampagne gegen Armut in Österreich überwiesen wird, fand dieses Jahr in der Wiener Arena statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von der FM4-Moderatorin (und „Maikäfer flieg“-Regisseurin) Mirjam Unger, die vor den Live-Acts auch den Direktor der Volkshilfe Österreich, Erich Fenninger, auf die Bühne bat. Dieser sprach sich entschieden gegen Kürzungen der Mindestsicherung für Flüchtlinge aus, die gegen jegliche Menschenwürde verstoßen und verstärkte Obdachlosigkeit und Kriminalität nach sich ziehen könnten.

 

„Borders are the Scars on the Face of the Planet“, ein Zitat aus einem Song der Headliner Gogol Bordello, passt da haargenau in dieses Narrativ. Vor der multikulturellen Combo von Eugene Hütz heizten bereits die Lucky Chops die ausverkaufte Arena ein. Dabei handelt es sich um eine im Jahr 2006 gegründete Brass-Formation aus New York, die zuerst in U-Bahnstationen spielte und durch dort gedrehte YouTube-Videos der Öffentlichkeit bekannt wurde. Vor allem die Coverversionen von Hits wie „Funky Town“ oder „I got you“ sind Garant für jede heiße Party. 

 

Dies gilt auch für Gogol Bordello, die 1999 ebenfalls in New York vom ukrainischen Immigranten Eugene Hütz gegründet wurden. Die Band ist klassisch „punk-besetzt“, mit Gesang, Schlagzeug, E-Gitarre und Bass, dazu Akkordeon, Geige und Percussion. Der Sound: Gypsy Punk, vermischt mit Latin- und Balkanrhythmen. Besondere Berühmtheit erhielten sie durch ihren „La isla bonita“-Auftritt mit Madonna beim „Live Earth“-Konzert. 

 

Das neueste Album von Gogol Bordello trägt ebenso wie die aktuelle Tour den Titel „Seekers and Finders“. Die 22 Tracks starke Set-List umfasst allerdings das gesamte zeitliche Repertoire der Band, von „Start Wearing Purple“ (1999), „Wonderlust King“ (2007) bis hin zu „Malandrino“ (2013) und dem neuen Hit „Walking on the Burning Coal“. 

 

„Am Ende unserer Konzerte kommen die Leute oft zu uns und sagen, sie waren frei von all dem Mist, den man sonst die ganze Zeit im Kopf hat.“ – so Eugene Hütz im Interview, der den Menschen die positiven Seiten unseres Universums näherbringen will. Mit dem Latin Stomper „Pala Tute“ verklangen zwar die letzten Töne des Künstlers, die Volkshilfe kann sich aber über viel Geld für arme Familien, Kinder und Behinderte freuen. Und hoffentlich auch über Respekt vor Menschen aus aller Welt, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind.

mehr lesen

"We are the Beautiful Ones" - Hurts im Wiener Gasometer!

„Don´t let go, never give up, it´s such a Wonderful Life“ - So lautete die leicht melancholisch angehauchte Hymne der Szene-Hipster im Jahr 2010. Wer vom Philosophieren genug hatte und lieber tanzen ging, switchte auf den groovigen Freemasons-Remix. Die Copyrights von „Wonderful Life“, die stammen von Hurts aus dem Fußball- und Sound-Mekka Manchester. 

 

Theo Hutchcraft und Adam Anderson waren lange arbeitslos und hielten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, vor dem Arbeitsamt allerdings tauchten sie immer im Anzug auf. Eine Styling-Trademark, die sie auf der Bühne beibehielten. Im Rahmen ihrer „Desire“-Europa-Tour statteten Hurts auch Wien wieder einen Besuch ab. 

 

Und obwohl die aktuellen Songs nicht auf den vordersten Hit-Listen der Charts rangieren, konnten Hurts und ihre Begleitband die einheimischen Fans von der ersten Sekunde an begeistern. Sozusagen „Ready 2 Go“, Opener und einer der Favourites des neuen Albums „Desire“. Dies gilt auch für „Some Kind of Heaven“, dem Single-Hit ihres dritten Albums „Surrender“. Zu hören gibt es beim Wien-Konzert Tracks aus allen vier bisher erschienenen Alben. Das musikalische Repertoire von Hurts ist lokalisiert irgendwo zwischen Depeche Mode, Erasure und New Order, aufgepeppt mit flotten Disco-Beats, teils auch mit kitschigem Pathos. Live klingen die Hurts-Tracks allerdings weniger konservenhaft, auch ruhigere Tracks wie „Sandman“ oder „Lights“ reißen das Publikum mit, Sänger Hutchcraft mit seinen zahlreichen „Hello Vienna“-Ansagen sowieso.

 

Im letzten Viertel des Konzerts präsentieren Hurts ihre großen Hits: „Wonderful Life“, „Nothing will be bigger than us“, die Queer-Hymne des St. Christopher Street Days, „The Beautiful Ones“ (bei der die Fans frenetisch mitsingen) und als Final Track das besinnliche „Stay“. Auf „Under Control“ (ihrem Nr. 1-Hit mit den House-Produzenten Alesso und Calvin Harris) musste man leider vergeblich warten. Das läuft aber ohnehin im Ushuaia Ibiza.

mehr lesen

Wie einst in den grungigen 90ern: Selig mit neuem Album „Kashmir Karma“ im Flex!

Es war einmal eine Zeit, hin- und hergerissen zwischen Hedonismus und Depression, als fünf Jungs aus Hamburg die Band Selig gründeten. Das erste Album erschien kurz vor dem Selbstmord des Alternative-Helden Kurt Cobain, trotzdem oder gerade vielleicht deswegen trafen der charismatische Sänger Jan Plewka und seine Band den Puls der Zeit. Mit lasziv-hypnotischen Hymnen wie „Ohne dich“ und „Sie hat geschrien heut Nacht“ und einem Sound irgendwo zwischen Grunge, Doors und US-Garage Rock, Selig nannten ihn selbst „Hippie Metal“. Auch die VIVA-MTV-Generation war von ihren an den Grenze der Zensur watenden Videos begeistert, „Wenn ich wollte“ gewann sogar den Echo 1995. Nach der dritten, eher pop-lastigen CD „Blender“ (1997) war plötzlich Schluss: Tour-Stress, Streitigkeiten, die Chemie passte zwischen den eng aneinander geschweissten Bandmitgliedern nicht mehr. Keiner hätte damals eine deutsche Mark auf eine Reunion von Selig gewettet.

 

2008 geschah allerdings das Wunder, Selig waren wieder da, und das sogar in Originalbesetzung. 9 Jahre später stellten sie im Wiener Kult-Club Flex ihr neues Album „Kashmir Karma“ vor, aufgenommen in einer weit abgelegenen schwedischen Hütte. Sänger Jan Plewka ist auch 24 Jahre nach der Erstgründung noch immer der mitreißende Bühnenstar, egal ob bei Klassikern wie „Ist es wichtig“ oder neuen Stimmungshits wie „Alles ist nix, wenn du nicht da bist!“ Von der Band gar nicht zu sprechen: Bassist Leo Schmidthals, Gitarrist Christian Neander und Drummer Stephan Eggert liefern astreinen Rock-Sound mit zahlreichen Soli, erprobt durch jahrelange Bühnenerfahrung bei Festivals, Stadthallen oder Regionalschuppen. Nicht mehr dabei ist Keyboarder Malte Neumann, der Sound hat sich dadurch vom Electronic-Pop des „Magma“-Albums wieder mehr entwickelt zum originären Selig-Style der 90er. 

 

Psychedelisch angehaucht sind vor allem der Titeltrack des neuen Albums und der Konzert-Opener „Unsterblich“, mit Zeilen wie „Ich fühle mich unsterblich. Zeit ist ein Raum. Die Welt ist ein Traum.“ Die Ballade „Wintertag“ wurde an einem Tag produziert und zählt zu den gefühlvollen Highlights jedes Gigs. Politische Messages stehen nicht im unmittelbaren Mittelpunkt der Selig-Songs. Die liefert Sänger Plewka mit seinen Kurz-Ansagen an das Publikum. Mit heftiger Kritik an die „wenigen da oben“, die mit ihren Entscheidungen nur Ungerechtigkeit und Hass entfachen und einem Appell an die „Mehrheit da unten“, sich dagegen zu stemmen. Trifft zumindest auf das Konzert-Publikum zu, ob auch auf die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung, ist nach den letzten Wahlen eher anzuzweifeln.

 

Ansonsten ist heiße Party-Stimmung angesagt, zu Tracks wie „Nimm mich so wie du bist“, „Lebenselixir“ und „Schau, schau“, und da steht Plewka schon mal ohne T-Shirt da. Mit einem witzigen Seitenhieb auf „unseren“ Marco Michael Wanda: „Hier ist es so heiß. Jetzt ist mir klar, warum der von Wanda immer nackt auf der Bühne herumhüpft.“

 

Nach „Wir werden uns wiedersehn“ verabschieden sich Selig von ihren Wiener Fans. Und kommen kongenial wieder mit drei Zugaben, einem Block ihrer Breakthrough-Hits aus dem ersten Album („Sie hat geschrien“, „Wenn ich wollte“, „Ohne dich“), „Kashmir Karma“ und einem Akustik-Abschied mit „Regenbogenleicht“. Und dem subtilen Wink, positiv in die Zukunft zu schauen. Trotz aller Widrigkeiten.

mehr lesen

"Gibt´s ein Leben vor dem Tod?" - Boris Bukowski mit neuem Album in der Szene Wien!

„Gibt´s ein Leben vor dem Tod?“ – Keine philosophische Vorlesung auf der Universität Wien, sondern das neue 7. Album der Austropop-Legende Boris Bukowski. Beantworten muss der ewig junge 51jährige (plus ein paar Jährchen dazugerechnet) diese Frage nicht. Das zeigt schon sein mitreißender Auftritt in der Szene Wien gemeinsam mit seiner Live Band „Die bunten Hunde“. 

 

Bukowski war in den 70ern zuerst Schlagzeuger, dann Sänger der Band Magic, die zwar nicht den großen kommerziellen Durchbruch schaffte, aber für enorme Aufbruchsstimmung in der steirischen Musikszene sorgte. Daneben widmete sich der Sohn eines Rechtsanwalts auch dem Jus-Studium, das er erfolgreich mit dem Doctor iuris abschloss. Sein erstes Solo-Album veröffentlichte er 1985, das u.a. seinen Kult-Hit „Der Fritze mit der Spritze“ enthielt und ihm gleich eine Pop-Amadeus-Nominierung einbrachte.

 

Bei seinen Live-Gigs haben je zur Hälfte sowohl neue als auch „Songs des alten Jahrtausends“ Platz auf der Set-List. In der Szene Wien startete er mit seiner neuen Single „Money“ und dem Uptempo-Track „Achterbahn. Die Produktion modern und schnittig, man merkt die Einflüsse des Depeche Mode-Drummers Christoph Eigner. Vom ultimativen Klassiker „Kokain“ liefert Bukowski im 1. Teil der Show einen düster-angehauchten Remix. Sozusagen hart und weich zugleich, ein weiterer Hit aus den 80ern. Ein besonderes Highlight jeder Boris-Show ist auch der Danzer-Song „Weiße Pferde“, der in den 90ern auch auf einem Tribute-Album veröffentlicht wurde.

 

„Kunst ist Leben, und Leben ist Kunst. Wir alle sind Künstler, und die Welt gehört uns“ – Ein neuer Song von Bukowski, der an ein Zitat des Künstlers Joseph Beuys angelehnt ist, begeistert das Publikum im 2. Teil der Show. Ebenso wie das urban-kritische „Die Stadt“ und der melancholisch-nachdenkliche Track „Komm und tanz mit mir, bis die Musik aufhört zu spielen“. Es folgt „Trag meine Liebe wie einen Mantel“, der größte Single-Hit von Bukowski Anfang 1990, als Ö3 noch die österreichische Musikszene unterstützte und das seelenlose Formatradio der Jetztzeit – das Bukowski heftig kritisiert – noch einige Jahre entfernt war. 

 

Bukowski stand zu dieser Zeit knapp vor dem Durchbruch in Deutschland, die Promotion-Kampagne inklusive Remix-Best of-Album war fertig, als plötzlich der zuständige Manager der Plattenfirma in eine andere Abteilung versetzt wurde und die Anstrengungen umsonst waren. Dem Vollblutmusiker und positiven Lebensmenschen Boris Bukowski hat dies persönlich zumindest nach außen nicht geschadet. 

 

In der Szene Wien versetzte er die Fans mit dem Titel-Track seines neuen Albums und mit der „Kokain“-Originalversion noch in einen finalen Schlusstaumel, dann signierte er noch stundenlang CD´s und Bücher außerhalb des Bühnenareals. Vielleicht sieht man ihn ja wieder nächstes Jahr beim Wiener Donauinselfest, wie einst in den 80ern!

Virtual Reality: 12.000 Fans beim ersten Auftritt der Gorillaz in Österreich!

Es war eine revolutionäre Idee, die in London noch im alten Jahrtausend entstand: Die Gründung einer virtuellen Band, bestehend aus 4 extravaganten Cartoon-Figuren. Die Protagonisten: Ex-Blur-Sänger Damon Albarn und der Comic-Zeichner Jamie Hewlett, bekannt durch seine "Tank Girl"-Karikaturen. Es entstanden die Gorillaz: 2-D mit blauem Haarschopf, Bassist Murdoc, Hip Hopper und Percussionist Russell und die 10jährige japanische Gitarristin Osaka. Das erste Album wurde ein Riesen-Hit mit über 7 Millionen Verkäufen, die chillige Cross-Over-Single „Clint Eastwood“ zum Klassiker.

 

16 Jahre später beehrten die Gorillaz zum ersten Mal Österreich, im Rahmen ihrer weltweiten „Humanz“-Tour. 12.000 Fans warteteten sehnsüchtig auf den lang erwarteten Auftritt und wurden nicht enttäuscht. Was verblüfft: Spielte die analoge Band bei ihren ersten Konzerten noch verdeckt hinter einer Leinwand und standen dementsprechend die skurrilen Figuren im Mittelpunkt, so ist dies bei der aktuellen Tour umgekehrt. Im Background erscheinen zwar auf den Screens zahllose Visuals und die kultigen Clips der Cartoon-Stars (inkl. Bruce Willis in „Stylo“), das Konzert pulsiert aber durch die ausgezeichnete Band, Frontman Damon Albarn und die wechselnden Gast-Sänger. 

 

So erleben die kultigen Alt-Stars von De La Soul („Me Myself I“) bei den Gorillaz einen zweiten Frühling – mit Hip Hop Rhymes zum Mega-Party-Hit „Feel Good Inc“ und „Superfast Jellyfish“. Vor dem großen Karriere-Durchbruch dürfte die vielseitige Londoner Rapperin Little Simz stehen, die bereits das Vorprogramm bestritt. „Garage Palace“, ihr brandneues „Duett“ mit den Gorillaz, läutete endgültig den globalen Dance-Groove in der Stadthalle ein. „We got the Power“ vor dem Zugabenteil detto. 

 

Und Simbiatu Ajikawo, so ihr ursprünglicher Name, ist vielleicht das wichtigste politische Zeichen der World Tour. Die Tochter nigeranischer Einwanderer wuchs arm in einem Flüchtlingsheim in Nord-London auf und zeigt heute authentisch, was Migranten trotz widrigster Umstände mit Fleiß, Kreativität und Durchsetzungswillen erreichen können. 

 

Die Gorillaz-Show selbst verzichtet großteils auf Polit-Agitation und ist wie das aktuelle Album auf Party ausgerichtet, für Albarn kein Widerspruch. In einer Welt, in der ein Trump Präsident werden kann, „ist das Wort Party eine Metapher für Energie – und die brauchen wir!“

mehr lesen

Auf dem Sprungbrett nach Europa: Leyya im ausverkauften Wiener WUK!

Draußen werden die Temperaturen kälter, aber "hier ist der Sommer eingekehrt". So die grandiose Leadsängerin von Leyya, Sophie Lindinger, die sich über ein ausverkauftes Wiener WUK freute. Vorwiegend frequentiert von urbanen Musikfans zwischen 20 und 30.

 

Die Karriere von Leyya, ursprünglich bestehend aus Lindinger und dem in mehreren Formationen agierenden Marco Kleebauer, begann 2013 im oberösterreichischen Eferding. Der Bandname stammt aus dem Inuktitut und bedeutet dort "Vermarktungsstrategie". Und die ist - abgesehen von den internationalen Vibes - wirklich nicht schlecht. Popfest-Auftritte vorerst auf dem Second Floor, dann als Headliner, dazu Amadeus-Award Nominierungen. Bis es 2017 mit dem FM4-Award klappte.

 

Tatsächlich ist die Karriere von Leyya allerdings auf das Ausland ausgerichtet. Der Sound: Elektronisch-düster-sexy im Stil von Florence&The Machine und Portishead. Die Auftritte mit verstärkter Band rockiger und grooviger als die Studio-Tapes. Nach der EP "Drowning in Youth" und dem ersten Album "Spanish Disco" erscheint in den nächsten Monaten ihr zweites Album, einige Stücke (wie die neue Single "Oh Wow") wurden auch im WUK bei großem Applaus präsentiert. Neben Leyyas Synthi-Pop-Klassiker "Superego", dem fragilen "Zoo" oder Sophies Favourite "Worthy". Als Zugabe die auch cliptechnisch bekannten Tracks "Wolves" und "Butter".

 

Und während sich die begeisterten Fans noch im WUK-Außenbereich einen Drink in der lauen Herbstnacht gönnten, rüstete sich die festivalerprobte Band für ihre Club-Tournee in Deutschland, darunter auch ein Gig in der Berliner Berghain-Kantine. Die Zeichen stehen gut für Leyya.

mehr lesen

Zwischen Tag und Nacht: Heißer Club-Gig von 2Raumwohnung im ausverkauften WUK!

"Es war Sommer, doch im Winter. Gar nichts lief nach Plan. Dann war's auch noch Frühling. Es kam auf alles an." So klingt, garniert mit Elektro-Tech-Pop, die Aufbruchsstimmung im Berlin des Jahres 1993. Und zwar jene des deutschen Duos 2Raumwohnung, die mit diesem brandneuen Track ihre heiße Show im ausverkauften Wiener WUK starteten.

 

"Nacht und Tag" heißt das neue Album von Ex-Punkerin und NDW-DÖF-Girl Inga Humpe  - ihre Schwester Annette kennt man von Ideal und Ich&Ich - und dem Electro-DJ Tommi Eckart, die auch privat seit 1993 ein Paar sind. Ihr neues Werk kann man durchaus als Konzept-Album bezeichnen. Die Inspiration kam den beiden durch einen nie veröffentlichten Track für einen Kinofilm. "In der entsprechenden Szene kamen die Leute früh morgens aus einem Club ans Tageslicht. Und dieser Song verwandelte sich von einem Clubtrack in ein sonniges Gitarrenstück." Und so produzierten die beiden 10 Songs, jeweils in einer Nacht- und einer Tag-Version. Frei nach dem Daniel Richter-Motto "Anderer Pinsel, anderes Ergebnis auf der Leinwand."

 

Die Club-Tour legt natürlich ihre Schwerpunkte auf die dunkle Nacht, die monotonen Beats und die Tanzexzesse. Freund Paul Kalkbrenner darf da mit einem Remix ("Wir werden sehen") nicht fehlen, aber auch die älteren Songs wie "Wir sind die anderen" oder das queere "Ich und Elaine" passen kongenial in das Konzept. In der Mitte der Show darf die Bassdrum ruhen, es wird chillig mit Akustik-Versionen von "Lucky Lobster" und "Hey Schmetterling", die quirlige Inga verhüllt mit Hippie-Sunglasses. Wie auf Ibizas Stränden (die laut Inga als Vorbild für die "Tag"-Atmosphäre gelten) werden die Party People allerdings wieder von der Nacht eingeholt. 

 

Inga philosophiert vom Hotel Sunshine, man könnte es ja auch Ushuaia nennen, es groovt on the Dancefloor zu "Wir waren fürchterlich" und "Sie geht los", die Beats werden dunkler und härter. "Wir trafen uns in einem Garten" zielt anno 2017 auf die technoide Sub- und nicht auf die lässig-subtile Bobo-Kultur ab. Schranken unerwünscht. Die Super-Hits "Sexy Girl", "Spiel mit" und "Sasha Secret" mit einer lasziven Inga Humpe hinter dem Mikro dürfen nicht fehlen. Warum auch? Die altersmäßig buntgemischte Crowd zwischen 20 und 60 tanzt, lacht und ist enthusiastisch. Was wenn nicht das soll ein Konzert bewirken?

 

Die politische Message kommt am Schluss: Optimistisch sein und in der (scheinbaren) Tristesse der Gegenwart das Leben lieben. "Wunderbare Tage" heißt der bezaubernde Track aus dem 2013er-Album "Achtung Fertig" mit Zeilen wie dieser "Die Zukunft kommt immer, auch wenn ich sie nicht seh. Vor mir liegen wunderbare Tage, alles wird gut."  "Danke Wien. Wir kommen wieder!" - So 2Raumwohnung nach dem fast zweistündigen Gig. Wir können´s kaum erwarten.

 

 

mehr lesen

Robbie Williams in Wien: "Heavy Entertainment"-Show vor 52.000 Fans!

Robbie Williams steht seit 2006 im Guinness Buch der Weltrekorde. Innerhalb eines Tages wurden 1,6 Millionen Tickets für seine Tour verkauft. Auch in Österreich gingen die Tickets weg wie die warmen Semmeln, Klagenfurt ausverkauft, in Wien über 52.000 Fans. Und das, obwohl das letzte Album (und Tour-Motto) "The Heavy Entertainment Show" nicht nur verkaufstechnisch unter den Erwartungen blieb.

 

Der Stimmung tat dies im Ernst Happel-Stadion keinen Abbruch. Das altersmäßig weit gestreute Publikum bekam das, was es erwartete: Sympathische Gags, sexuelle Anspielungen, eine bombastische Light-Show, massenkompatible Superhits und das perfekt inszenierte Drücken der Retro-Tränendrüse-Taste.

 

Bereits im Vorprogramm versetzten der durch eine Fußverletzung gehandicapte Andy Bell und Depeche Mode-Gründer Vince Clarke aka Erasure das Publikum in eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit. "World be gone" heißt das neue Album, auf der Set-List stand gerade mal die neue Single "Love you to the Sky", ansonsten die legendären Synthi-Pop-Ohrwürmer von "I love to hate you" bis "A Little Respect". Auf das kultige Abba-Cover "Take a Chance on me" hat man verzichtet, viele Besucher hätten sicher gerne mitgesummt.

 

An den aktuell 43jährigen Robbie Williams, der bis dato über 77 Millionen Tonträger verkauft hat, kommt allerdings keiner ran. Bei seinen Up-Tempo-Tracks "Rock DJ" und "Let me entertain you" tanzen die sexy Ladies auf, es wird geswingt zu "Minnie the Moocher", und im Hit-Medley wird sogar Falcos Amadeus glorifiziert. Zwischendurch zieht Williams seine Karriere als "Take That"-Mitglied durch den Kakao und erinnert mit seinem "Freedom"-Cover an den kürzlich verstorbenen George Michael, der ihn nach seinem Boygroup-Ausstieg 1995 wieder ins Musikbusiness gebracht hat. 

 

Die großen Gefühle bringt Williams auch durch seine Familie ins Spiel. "I love my Life" widmet er seinen Kindern, sein Vater, einst musikalischer Hotel-Unterhalter, singt mit ihm den Neil Diamond-Klassiker "Sweet Caroline". Und auch seine Gattin, die Schauspielerin Ayda Field, darf bei "Something Stupid" in die Gesangsvibrationen Nicole Kidmans treten.

 

Nicht fehlen dürfen die Kuschelrock-Heuler "She´s the One", ""Feel" und Angels". Im Gegenteil, sie sind natürlich die Highlights jeder Williams-Show. Romantische Lieder zum Mitsingen bei Gänsehautstimmung inmitten eines Smartphone-Lichtermeeres. Die Besucher sind verliebt, verträumt, euphorisch, melancholisch. Es bleibt kurz die Zeit stehen, bis Robbie mit "The End is near" den letzten Song des Abends einstimmt. "I did it my way", eine Verneigung des größten Entertainers der Jetzt-Zeit vor einem des letzten Jahrhunderts.

 

Musikalisch sollte Williams aber bald wieder mit innovativen neuen Songs punkten (und diese auch selbstbewusst präsentieren), die Zeitmaschine fliegt nicht ewig.

mehr lesen

Zwischen Ibiza und Tomorrowland: Star-DJ David Guetta vor 20.000 Fans in der Wiener Krieau

Mehr als 70 Millionen Tonträger hat er verkauft, seit mehr als 15 Jahren zählt er zu den erfolgreichsten Produzenten und DJ´s der House- und Electronicszene: David Guetta. Zwischen seinen sommerlichen Residencies auf Ibiza ("Fuck me I´m famous im Pacha; Ushuaia) und populären Massen-Events wie Tomorrowland hat der Franzose immer auch Zeit für einen Trip nach Österreich. Bei sonnig-heißem Wetter war die Wiener Krieau bereits Stunden vor seinem Auftritt mit ca. 20.000 Fans prall gefüllt.

 

Das Vorprogramm bestritten auch keine Unbekannten. Der Londoner Jonas Blue belegt gerade mit seinem Mix-Album Platz 1 der britischen Compilations-Charts, der Niederländer Oliver Heldens, gerade einmal 22, gehört nach einigen Tech House-Releases bereits zu den Big Playern in der EDM-Branche und spielt jeden Sonntag im "neuen Space", Hi Ibiza, bis in die frühen Morgenstunden.

 

Guettas Tour steht unter dem Zeichen "Unity", und das ist gleichzeitig auch Ziel seiner mit viel Light-Effekten und Pyro-Elementen unterstreuten 90 Minuten-Show. Das Publikum, bunt gemischt zwischen 10 und 50, soll inmitten von (spärlichen) Getränkeständen, Fast Food und Festival-Drängeleien einfach Spaß haben und gemeinsam feiern. Der Sound-Mix ist ebenso altbekannt wie erfolgreich. Die Superhits von Guetta, vermischt mit vorfabrizierten Mash-Ups und (gewöhnungsbedürftigen) EDM-Drops, die man getrost auch reduzierter einsetzen könnte. Der Effekt bleibt trotzdem nicht aus: Floorfillers wie "Sweat", "When Love takes over", "Love is gone", "Titanium" oder die Black Eyed Peas-Co-Production "I gotta Feeling" lassen die Party People tanzen, mitsingen und zu einer Einheit verschmelzen. Neue Tracks wie die grandiose Bieber-Kollaboration "2 U" oder die Wien-Premiere "Complicated" (mit dem US-Shooting Star Kiaara) gehören spätestens beim nächsten Auftritt zum Standard-Repertoire der Guetta-Freaks.

 

Erfolg hat natürlich seine Neider, seltsamerweise auch in den Medien. Dort wirft man dem Franzosen mangelnde DJ-Fertigkeiten und fertig vorbereitete Mixes vor. Und erwähnt dabei nicht, dass bei einem Konzert dieser Größenordnung die Visuals und Pyro-Effekte auf die Musik abgestimmt werden müssen. Und dass Guetta bereits in den 90er-Jahren erfolgreicher Pariser Underground-DJ und Klubbesitzer war. Lange bevor er mit "Love´t don´t let me go" und "Just a little more Love" den Dance-Olymp bestiegen hat.

mehr lesen

"Wonderful Crazy Night!" - Sir Elton John rockt das Klagenfurter Wörtherseestadion!

450 Millionen verkaufte Alben, zahlreiche Nr. 1-Hits (darunter mit dem Princess Diana-Tribute "Candle in the Wind" die mit 45 Millionen vekauften Exemplaren meistverkaufte Single aller Zeiten), Oscar-Preisträger und Gründer zahlreicher Wohltätigkeitsprojekte (wie die Aids Foundation). Mit Reginald Kenneth Dwight aka Sir Elton John betrat ein britischer Weltstar die Arena des Wörtherseestadions in Klagenfurt, und mehr als 16.000 Fans aus ganz Österreich und den Nachbarländern feierten mit ihm eine glanzvolle Tour zurück in seine und ihre eigene Vergangenheit.

 

Die Tour ist zwar benannt nach Elton Johns neuem Album "Wonderful Crazy Night", in Wirklichkeit ist sie aber ein Rückblick auf seine größten Hits, vielleicht auch eine nostalgische Abschiedstournee. Gleich 16 der 22 Songs stammten aus den 70ern, als Elton John der erste Künstler seit den Beatles war, der mit 4 Titel gleichzeitig in den amerikanischen Top Ten vertreten war. Gemeinsam mit seinem kongenialen Songschreiber Bernie Taupin entstanden so Perlen wie der "Almost Famous"-Track "Tiny Dancer", das kürzlich von Ellie Goulding gecoverte "Your Song", "Rocket Man", "Sorry seems to be the hardest Word" oder "Don´t let the Sun go down on me", bei dem man leicht melancholisch berührt den Schatten von George Michael spürte. Betroffen ist Elton John auch von den zahlreichen Terroranschlägen in Nizza, London, Berlin und Manchester, an deren Opfer er eine Videobotschaft ausstrahlte. 

 

Viele Konzertbesucher haben sich bei den Songs von Elton John zum ersten Mal verliebt bzw. sind damit erwachsen geworden, egal ob in den 70ern oder in den 80ern. Das merkt man bei Tracks wie "Sad Songs say so much", "I´m still standing" oder "Crocodile Rock", bei denen die Fans mitsingen, tanzen und stakkatomäßig applaudieren. Vom Rasenparterre bis hin zu den obersten Rängen. 

 

Den Schlusspunkt setzte Elton John mit der Originalversion von "Candle in the Wind", die 1974 Marilyn Monroe gewidmet war. Traurig, dass das Konzert nach 2,5 Stunden zu Ende ging. So viele Songs hätten der wunderbare Musiker und seine tolle Band noch im Repertoire gehabt. Elton hat´s auch gefallen. "Our second Austrian Show and a second fabulous audience tonight. Thank you Austria" postete er auf Facebook nach seinem 2. Österreich-Auftritt auf der Burg-Clam. Zwischendurch düste er übrigens heim nach London. Chapeau!

mehr lesen

"After Laughter" - Hayley Williams rockt mit Paramore die Wiener Arena!

"Der Gesichtsausdruck, wenn man ausgiebig gelacht hat und dann dieser Moment kommt, in dem man wieder in der Realität ist!" - So beschreibt Hayley Williams den Begriff "After Laughter", gleichzeitig der Name des neuen Albums ihrer Band Paramore. Und liegt damit eigentlich falsch. Denn trotz einiger Umbesetzungen in der Formation und einer Wandlung von einer Punk-Rock-Emo-Band hin zu New Wave und Synthi-Pop haben Paramore auch in der Realität viel zu lachen.

 

Das neue Album mit der ersten Hit-Single "Hard Times" rauschte blitzartig in die Charts und überzeugte auch die alten Fans. Der "Tour One"-Gig von Paramore in der Wiener Arena war fast ausverkauft und begeisterte - nach einem punkigen Support von Bleached - von Anfang bis Ende die vorwiegend jungen Besucher. In Top Form die aktuell blonde Sängerin Hayley Williams, die auch bereits mit Hip Hop-Tracks ("Aeroplanes") und Trance Anthems ("Stay the Night) die Charts stürmte, aber im bereits (nicht verflixten) 13. Jahr weiterhin ihrer Band die Treue hält. Die Setlist ausgewogen zwischen Songs aus dem neuen Album (wie "Fake Happy" oder "Told you so"), "Twilight"-Reminiszenzen und alten Krachern wie "Misery Business" und Still into you". Für Kuschelrock- und Feuerzeugatmosphäre sorgten das wunderschöne "I hate to see your Heart break" und das Fleetwood Mac-80er-Cover "Everywhere", im Original zumeist älter als das Alter der Fans. Zwei davon holte Hayley gegen Ende des Konzerts auf die Bühne.

 

Wie wichtig der überzeugten Christin Konzerte sind, bewies sie auch bei ihren Moderationen, indem sie immer wieder das spezielle Feeling bei Live-Gigs und den Zauber der Musik betonte. Sozusagen Ain´t it fun living in the Real World. Jener Track, mit dem Paramore 2015 den Grammy für den besten Rock-Song des Jahres gewannen. Die Magie von Paramore endete - nach einem Solo-Auftritt des zurückgekehrten Band-Mitglieds Zac Farro - kongenial mit "Hard Times". Bei so viel positiver Energie sind allerdings auch die zu ertragen.

mehr lesen

Rock in Vienna: Hit-Feuerwerk der Toten Hosen auf der Donauinsel.

Vor ein paar Wochen spielte Campino mit seinen Toten Hosen noch bei einem Wohnzimmerkonzert im Wiener 9., am Finaltag des Rock in Vienna jubelten über 25.000 Fans auf der Wiener Donauinsel zu den Hits und Raritäten der Kult-Band aus Düsseldorf.

 

Im "Vorprogramm" zeigte Deutschlands Rapper Nr. 1, Marteria, dass man auch bei heißem, sonnigem Wetter die Massen mit Charisma und Leidenschaft anheizen kann.  Der Rostocker, der in den aktuellen Alben-Charts nur von Helene Fischer geschlagen wurde, startete mit seinem neuen Hit "Aliens" und lieferte mit Hits wie "Lila Wolken" und "Kids" bzw. neuen auch politisch-versierten Tracks wie "Il Presidente" ein kurzweiliges Programm zum Tanzen und Mitwippen. Härteren Stoff boten dann die Beatsteaks aus Berlin, die neben Classics auch Titel ihres im September erscheinenden Albums präsentierten.

 

Bereits bei seinem Co-Texter Marteria auf der Bühne, sorgte dann Campino für den "Urknall", gleichzeitig der Opener eines mehr als zweistündigen Hit-Feuerwerks der Toten Hosen. Immerhin sechs neue Tracks aus dem brandneuen Album "Die Laune der Natur" wurden in die Set-List eingebaut. Zwischen Hits wie "Bonnie & Clyde" und dem melancholisch angehauchten "Altes Fieber" durften natürlich auch politische Statements von Campino nicht fehlen. "Wir zeigen dem Terror den Mittelfinger! Das Leben muss weitergehen trotz all der Scheiße, all der Angst und all den komischen Politikern, die in der Pole-Position sitzen!“ Kritik äußerte Campino auch an der Instrumentalisierung des IS-Anschläge gegen unschuldige Asylsuchende. 

 

Im Mittelpunkt des Konzerts stand allerdings der Spaß, und das vor allem bei den Mitsing-Klassikern aus ihrer fast 36jährigen Karriere: "Hier kommt Alex", "Zehn kleine Jägermeister" (die erste Single-Nr. 1) oder ihren einstigen Alk-Skandalsong "Eisgekühlter Bommerlunder" kann einfach jeder Hosen-Fan mitgröhlen. Dass die geniale Schauspielerin Birgit Minichmayr, einst Freundin von Campino, für ihren größten Hit verantwortlich ist, dürften allerdings nur die wenigsten wissen. Sie ist Co-Autorin der Hosen-Hymne "Tage wie diese", die für einen Hexenkessel in den vordersten Reihen sorgte. Den punkigen Schlusspunkt setzte Campino traditionell mit dem Liverpooler Fußball-Klassiker "You´ll never walk alone".

 

Beim friedlichen Heimmarsch hörten die Besucher dann noch per Band den letzten, berührenden Track des neuen Hosen-Albums, "Kein Grund zur Traurigkeit".  Ein Lied des einstigen Drummers Wölli Rohde, der letztes Jahr verstorben ist.

mehr lesen

Elektro-Pop-Heroes: Depeche Mode begeistern mit "Spirit"-Show in Bratislava!

"Wir stellen nur Fragen, bieten keine Lösungen!" - Ein Satz, der so ehrlich nie von einem Politiker formuliert werden könnte. "Where´s the Revolution?" - Das ist die zentrale Frage, die sich die Elektro-Soundpioniere Depeche Mode stellen. Und spätestens jetzt weiß man, warum im autoritätsgläubigen, harmoniesüchtigen Österreich kein Konzert organisiert wurde. Stattdessen gastierten Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher, unterstützt vom Keyboarder Peter Gordeno und dem österreichischen Drummer Christian Eigner, auf gewohntem Terrain, im altehrwürdigen Pasienky-Stadion von Bratislava.

 

Es war der 7. Auftritt im Rahmen ihrer "Global Spirit"-Tournee, aus Anlass ihres neuen 14. Albums, unfassbare 36 Jahre nach Veröffentlichung ihrer ersten Single "Dreaming of me". Nach den Electro-Pop-Vorbands F.O.X. und Raveonettes startete die nach einem französischen Modemagazin benannte Band aus Essex kongenial mit dem neuen Track "Going Backwards". Denn gerademal 5 Songs aus dem neuen Album "Spirit" standen auf der Setlist des Abends, darunter natürlich "Revolution", das hypnotische "So much Love" und das melancholische "Cover me". Warum die zwei konträren Masterminds der Band, Gahan und Gore, gerade auf ihren ersten gemeinsam geschriebenen Song, "You Move", verzichteten, wundert doch etwas. Stattdessen wurden vor allem die 90er-"Violator"-"Devotion"-Years in Szene gesetzt, und bei Tracks wie "I feel you", "World in my Eyes", "In your Room" oder "Walking in my Shoes" schien es so, als sei der im Gilet-Look wild gestikulierende Gahan, der nach dieser Ära bereits zwei Minuten klinisch tot war, niemals gealtert. 

 

Am weitesten zurück, ins Jahr 1983, ging es mit dem Klassiker "Everything counts", der trotz strömendem Regen Band und Fans aufpeitschte. Für ruhige Nuancen sorgte wie üblich Martin Gore mit "A Question of Lust" und dem legendären "Somebody". Die Überraschung des Abends war sicherlich Dave Gahans Coverversion der Bowie-Hymne "Heroes". Allerdings nur auf den ersten Beat, denn Bowie war Gahans Vorbild ("Eine Platte von Bowie brachte mir mehr als ein Schuljahr. Und damit meine ich nicht nur Texte mit gewichtigen Botschaften, sondern Melodien und das mächtige Gefühl, das ein gutes Lied transportiert"), und beide waren als Wahl-New Yorker gut befreundet. Und, egal ob urban legend oder nicht, Depeche Mode-Gründer Vince Clarke soll Gahan beim "Heroes"-Proben entdeckt haben.

 

In Bratislava hatte Gahan auch Zeit, seine Vokalkünste zu schonen. Denn trotz Regenfalls unter für Depeche Mode-Verhältnisse passender düsterer Aura sangen die international angereisten Fans zu Tracks wie "Enjoy the Silence" oder "Never let me down again" jede Zeile auswendig mit. Kann man ja auch verlangen bei über 100 Millionen verkauften Tonträgern. Das Finale zelebrierten die Depeches dann mit einer extralangen Version von "Personal Jesus". "Reach out, touch Faith!" Fans und Band klitschnass und glücklich. Auch der Himmel klatschte Beifall.  Zumindest er sollte sich nächstes Mal zurückhalten :-)

 

 

mehr lesen

"Seite an Seite" - Christina Stürmer rockt zum ersten Mal die Arena!

14 Jahre ist es her, dass Christina Stürmer bei "Starmania" den 2. Platz belegt und trotzdem den "Jackpot" gewonnen hat. Mit "Ich lebe" gelang ihr der Durchbruch in Österreich, einige Jahre später auch in Deutschland und der Schweiz. Im Laufe ihrer Karriere hatte die gelernte Buchhändler aus Linz zahlreiche Nr. 1-Singles und Alben, stand mit Bon Jovi gemeinsam auf einer Bühne und gewann neben 2 deutschen Echos gleich 11 Amadeus Awards, den letzten 2017 als beste Künstlerin.

 

Seit einigen Monaten ist Christina Stürmer stolze Mutter einer Tochter (Marina), gemeinsam mit ihrer Band hatte sie jetzt die Ehre, zum ersten Mal in der legendären Wiener Arena zu spielen. Der "Stürmer-Hype" ist trotz stagnierenden Chart-Erfolgs noch lange nicht zu Ende, bereits bei der Vorband war die Arena Wiese überfüllt von Konzertbesuchern zwischen 5 und 70.

 

Sympathisch, lässig und volksnah - das ist Christina Stürmer auch mit 34. Neue Tracks aus dem Album "Seite an Seite" wie der Opener "Neue Farben", das Nena-angehauchte "Tragflächen" oder das ihrer verstorbenen Oma gewidmete "Du fehlst mir" werden gemischt mit Mitsing-Klassikern wie "Ich lebe", "Nie Genug" oder "Scherbenmeer". Die beste Stimmung erzeugt ihr bisher größter Hit "Millionen Lichter", traditionell endet das Konzert mit der wunderschönen Ballade "Engel fliegen einsam".

 

Über Einsamkeit muss sich die Christl allerdings nicht beklagen, weder privat noch bei ihren Konzerten. Und das freut nicht nur die Austro-Pop-Fans.

mehr lesen 0 Kommentare

"We were so turned on" - David Bowie-Benefizkonzert in der Wiener Arena.

Schrill, extravagant, androgyn, schick, poppig, avantgardistisch. Die Attribute, die man dem Musik-Chamäleon David Bowie zuschreiben kann, sind vielfältig. Umso trauriger war der frühe Tod des Londoner Ausnahmekünstlers im Januar 2016. 

 

Unter dem Motto "We were so turned on" organisierte die Balkan-Jazz-Sängerin Vesna Petkovic in der Wiener Arena eine David Bowie-Tribute Show, die unter einem guten Zweck stand. Der gesamte Reinerlös fließt in den Dachverband Hospiz Österreich.

 

Petkovic selbst performte mit der Grazer Sängerin Marina Zettl den ansonsten von Frauen selten gesungenen Bowie-Debüt-Hit "Space Oddity". Michael Vatter becircte das "China Girl" und den "Starman", "Base"-Leadsänger Norbert Wally wagte sich gemeinsam mit Petkovic an das Mercury-Bowie-Duett "Under Pressure". Begeistert von der vollen Arena-Audienz zeigte sich 80er-Popstar Günter Mokesch (aka Mo), der inmitten von Original Videoclip-Visuals "Let´s dance" und "Absolute Beginners" zelebrierte. Rock-Legende Andy Baum kritisierte vor seinem Auftritt die rassistisch-menschenverachtende Politik Trumps, kongenial zu Bowies-Soundtrack-Hit "This is not America", und setzte mit dem berlinangehauchten Kult-Track "Heroes" auch den finalen Schlusspunkt dieser fast 3stündigen Tribute-Show.

 

Fazit: 24 coole Bowie-Tracks, Arena fast ausverkauft, hoher Reinerlös für kranke Patienten. Experiment somit gelungen.

mehr lesen 0 Kommentare

Kühle Sound-Ästhetik aus London: The XX live in der ausverkauften Marxhalle.

Massenandrang in der ausverkauften Marx-Halle, und das obwohl man beim Sound nicht von "Music for the Masses" sprechen kann. Einem Album-Titel einer Formation (Depeche Mode), die bei ihren ruhigen, melancholischen Stücken durchaus "The XX" ähnelt.

 

Die 2005 gegründete Band aus Südlondon performte ihre ersten Konzerte im Dunkeln, aus Schüchternheit und Angst vor dem Publikum. Die hat sich seit dem neuen Album "I see you" etwas gelegt. Schneller die Beats, fröhlicher die Grundstimmung. Verantwortlich dafür ist der Soundtüftler der Band, Jamie Smith alias Jamie XX, der vor 2 Jahren ein vielumjubeltes Solo-Album "In Colour" produzierte und bei den Konzerten im Background Keyboard und Drum-Computer bedient. Für eindringliche Vocals sorgen vor den Mikros Gitarristin Romy Madley Croft und Bassist Oliver Sim. 

 

Die Aura cool, verrucht, atmosphärisch, verstärkt durch Spiegel-Reflektionen und durch die kühle Ästhetik der Marx-Halle. The XX sind eine von drei UK-Bands, die in Amerika Goldstatus erlangt haben, und sie begeistern auch die hippen Wiener Alternative-Freaks. Egal, ob mit neuen Perlen wie dem Opener "Say Something Loving", dem lasziven "Lips" und der Dance-Single "Hold on" (mit dem Hall&Oates-Sample) oder mit älteren Werken wie "Crystalised", "Angels" oder dem Instrumental-Track "Intro". Jamie XX-Solo-Hit "Loud Places" durfte neben einem Drake-Cover auf der Set-List natürlich nicht fehlen. Man kann auch mit (unkünstlicher) Zurückgezogenheit und Understatement viel erreichen und bewirken. In oberflächlichen und lauten Zeiten wie diesen wichtiger denn je.

 

mehr lesen 0 Kommentare

Tribute Night im ausverkauften U 4: „Die Goldfisch“ zelebrieren Falcos 60. Geburtstag !

„Einmal wird der Tag kommen, die Donau außer Rand und Band. Im U4 geigen die Goldfisch´, der Bruno längst im sich´ren Land, der Hannes a.“ - Zeilen aus „Ganz Wien“, jener Hymne der 80er, die den Zeitgeist der Wiener Szene geprägt und einem gewissen Johann Hölzel alias Falco ein Katapult zum Weltstar geliefert hat. Am 19. Februar 2017 hätte Falco seinen 60. Geburtstag gefeiert. Leider ein fiktives Datum, denn der aus dem 5. Wiener Gemeindebezirk stammende Sänger, der einst mit „Rock me Amadeus“ Platz 1 und mit seinem Album „Falco 3“ Platz 3 der damals rock-soul- und danceorientierten US-Charts erreichte, starb am 6. Februar 1998 bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Seitdem ist viel Zeit vergangen, unzählige Dokumentationen, Greatest Hits-Alben, DVD´s und Bücher zeugen davon. Seine Popularität ist allerdings ungebrochen und erreicht immer neue Generationen.

 

Wie jedes Jahr zelebrierten „die Goldfisch“, ehemalige Mitglieder der Falco-Band unter der Leitung von Thomas Rabitsch, im Wiener Kult-Club U 4 eine Party zu Ehren des verstorbenen Freundes und Superstars. Unterstützt werden sie dabei am Mikro von bekannten Sängern und Schauspielern, die ohne Playback und live sich an den schwierig zu singenden Tracks Falcos versuchen. Anlässlich des 60ers gleich dreimal hintereinander im ausverkauften Ex-Underground-Club. 

 

Als Leading Voice fungiert der live-erprobte Alkbottle-Sänger Roman Gregory, der mit den Kult-Hits „Helden von Heute“ und „Ganz Wien“ das altersmäßig bunt gemischte Publikum mitriss. Hip Hopper Skero wählte „Auf der Flucht“ und „Der Kommissar“, Birgit Denk das dekadente „Titanic“ und Russkaya-Sänger Gerogij die dämonisch angehauchten Tracks „Dance Mephisto“ und „No Time for Revolution“. Faszinierend die Darbietung der Schauspielerin und Sängerin Edita Malovcic alias Madita, die „Nachtflug“ kühl-elitären Flair verschaffte. Im kongenialen Duett mit Falco selbst, der immer wieder live auf den Videoscreens eingeblendet wurde. Eine tolle Figur bot auch der Schauspieler Johannes Krisch mit „It´s all over now Baby Blue“, einst letzter Track beim legendären Donauinselkonzert im Jahr 1993.

 

Natürlich wurden im Rahmen der Tribute-Night auch neue Falco-Artikel präsentiert. Porträts von Martin Sonnleitner, eine Graphic Novel von Reinhard Trinkler, das neue „Falco 60“-Greatest Hits Album oder eine Falco-Briefmarke. Hat alles seine Berechtigung. Im Gegensatz zu diversen halbwahren oder erfundenen Geschichten über seinen Tod, die immer wieder in die Medien gestreut werden. Türsteher-Legende und Fotograf Conny de Beauclair, ein enger Freund Falcos, der aus Anlass seines 65. Geburtstages auf der Bühne mit einer Torte überrascht wurde, bringt es auf den Punkt: „Man soll die schönen Seiten Falcos genießen und die tolle Musik, die er gemacht hat.“ Word !

 

Videos auf meinem YouTube-Kanal:

 

https://www.youtube.com/user/OliverPlischek/videos

mehr lesen 0 Kommentare

„In mir drin bleib i immer a Wiener“- Umjubeltes Heimkonzert von Rainhard Fendrich in der Wiener Stadthalle.

Für einen Künstler ist es immer etwas Besonderes wenn er in seine Heimatstadt zurückkehrt und dort seinen Fans eine Audienz gewährt. So einer wie Rainhard Fendrich, 1955 in Wien geboren, kann sich selektiv glücklich schätzen. Tosender Applaus von ca. 8000 Fans in der Wiener Stadthalle, noch bevor der erste Ton erklungen ist. Passend zum Hirscher-WM-Sieg startet Fendrich gleich seine Show mit dem 80er-leistungskritischen Song „Es lebe der Sport“, um dann mit „Haben Sie Wien bei Nacht“ zum ersten Mal seinen Geburtsort zu glorifizieren. Das geniale Peter Patzak-Video mit den „Dritte Mann“-Sequenzen bewundert er heute noch.

 

Die neue Tour steht – wie das neue Album – unter der Trademark „Schwarzweiß“ und ist auch eine Abrechnung mit der gegenwärtigen Politik. Zitate und klare Botschaften werden als Moderation zwischen den Songs eingeplant. Beispiel: „Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht überwindet, erst dann wird es Frieden geben.“ – Copyright Jimmy Hendrix. Oder „Asyl ist ein europäsches Menschenrecht“ bzw. „Rassismus ist Verbrechen“. Sic est.

 

Fendrichs 84er-Song „Frühling in Berlin“, geschrieben zu einer Zeit, als die beiden Stadtteile noch durch eine Mauer getrennt waren, bringt das Publikum zum Nachdenken, dass Mauern einfach keine Lösung im 21. Jahrhundert sind. Wie aktuell sein „Tango Korrupti“ aus den späten 80ern noch immer ist, zeigen die aktuellen Eurofighter-Anzeigen. Aufs Korn genommen wird auch die Digital Generation. Im Eröffnungssong des neuen Albums „Wenn du was willst“ kritisiert Fendrich, dass es keine echten Freundschaften mehr gibt und die Leute nur mehr smsen und chatten. Zitat: „Smartphones haben einen Vor- und einen Nachteil: Man ist immer errreichbar.“

 

Bereits im ersten Teil der Show laufen die eigentlich österreichkritische heimliche Bundeshymne „I am Austria“, die Fendrich von rechtspopulistischen Kräften missbraucht sieht, „Malibu“ und sein größter internationaler Hit „Macho Macho“, der es in Deutschland bis auf Platz 2 geschafft hat. Nach 20 Minuten Pause folgt die „Unplugged Session“, verpackt darin die 80er-Frühzeit-Hits „Zweierbeziehung“, „Oben Ohne“ und „Strada del Sole“, bei der das altersmäßig bunt gemischte Publikum fröhlich mitsingt. Humor haben auch neue Songs von Fendrich („Ich will Leute zum Lachen bringen. So wie einst Nestroy“) wie das reggaelastige „Lieselotte“ oder „Sugardaddies“. Kuschelrock-Feeling und Feuerzeug-Atmosphäre kommen dagegen vor allem bei „Manchmal denk i noch an di“, „Tränen trocken schnell“, „Vü schener ist des G´fühl“ und „Bergwerk“ auf, nach dem Fendrich wieder hinter die Showbühne tritt.

 

Mehr als 30 Songs stehen auf der Setlist des über 2,5 Stunden langen Konzerts in der Wiener Stadthalle. Bei den Zugaben strömte das Publikum von den Sitzplätzen Richtung Bühne. Es schallt „Blond“, „Schickeria“ und „Löwin und Lamm“. Und ein neues Lied des Wiener Unterhaltungskünstlers (Eigenbezeichnung), das vermutlich sein inneres Seelenleben kennzeichnet: „Doch in mir drin bleib i immer a Wiener, Ihr kennts mi gern haben, aber sicher net verbiagn.“ Wien hat ihn gern, mehr denn je.

mehr lesen 0 Kommentare

Jennifer Rostock im ausverkauften Wiener Gasometer: Power-Rock mit eindeutigen Polit-Messages.

„2800 Besucher – Wir sind ausverkauft !“ – Jennifer Weist freute sich euphorisch, als sie diese Botschaft in der dichtgedrängten Planet Music Hall im Wiener Gasometer verkündete. Und das, obwohl das Konzert der Wahlberliner Rockband Jennifer Rostock zuvor noch in der kleineren Arena platziert wurde. Und nicht nur die Band, die sich vor einigen Songs ein schnelles Schnapserl genehmigte, kam voll auf ihre Kosten, sondern auch das mehrheitlich weibliche junge Publikum. 90 Minuten lang deutscher Power-Electro-Punk-Rock, garniert mit zahlreichen Showeinlagen und politischen Messages.

 

„Ich bin nicht von hier, du bist nicht von hier, wir sind nicht von hier, wir sind alle nicht von hier, es geht doch um den Menschen, was sind Pässe aus Papier, wir teilen uns diese Erde, komm wir teilen uns noch ein Bier“ – So zum Beispiel im Refrain ihrer brandneuen europakritischen Hymne „Wir sind alle nicht von hier“. Jennifer Rostock sind – vielleicht etwas naive – Anhänger einer uneingeschränkten Willkommenskultur, stehen aber dazu. Ebenso wie gegen die AfD, die sie in einem 2 Minuten langen YouTube-Video offen kritisiert haben und dann mit Mordaufrufen konfrontiert wurden. 

 

Frontfrau Waist, sexy gekleidet mit Bikini und Baströckchen, appelliert an das Publikum, das zu tragen, was man will. Auch ein Kopftuch. Während der Show enthüllt sie die Regenbogenflagge, bezeichnet Trumps Politik als Bullshit und fordert die Fans per Stinkefinger auf, „Nazis Raus“ zu skandieren. Recht so. 

 

Derartig klare Positionierungen sind selten im deutschen Sprachraum, machen aber den Sound der 2008 gegründeten Band trotzdem nicht zur Nebensache. Auf der Set-Liste standen neben den älteren Hits „Mein Mikrofon“, „Feuer“ oder dem eindrucksvollen „Ein Schmerz und eine Kehle“ vorwiegend Titel aus der kürzlich erschienen neuen CD „Genau in diesem Ton“. 

 

Inmitten von Konfetti-Kanonen, Mitgröhl-Tracks und Pogo Dancing wurde es auch etwas romantischer, als die Sängerin die Stages wechselte und unplugged „Irgendwo anders“ und „Jenga“ präsentierte. Schlusspunkt – nach 3 Zugaben – war die electro-angehauchte Feminismus-Hymne „Hengstin“. Dort heißt es wortwörtlich: „Ich bin kein Herdentier, nur weil ich kein Hengst bin.“ Das kann man getrost blind unterschreiben. 

mehr lesen 0 Kommentare

Superstar Falco: Seine Wurzeln liegen in Margareten.

Hans Hölzel, geboren am 19. Februar 1957, erreichte im Jahre 1986 den Pop-Olymp: Seine Mozart-Hymne "Rock me Amadeus" stieg, unterstützt durch ein geniales DoRo-Video, auf Platz 1 der US-Charts und blieb 3 Wochen lang an der Spitze. Falco wusste schon zu diesem Zeitpunkt, dass er dieses Kunststück – auch in England und in ganz Kontinentaleuropa belegte er Platz 1 – nie wieder erreichen könne und dass ihm Medien, Neider und Konkurrenten diese riesige Messlatte Zeit seines Lebens vorhalten würden.

 

Die bowie-eske Kunstfigur Falco stand arrogant darüber, der Mensch Hans Hölzel vermutlich nicht. Schwere Alkohol- und Drogenabstürze, familiäre Tragödien (wie das nicht von ihm gezeugte Kind), abgesagte Konzerttourneen und teils schwache Plattenverkäufe kennzeichnen die Zeit nach dem großen Falco-Hype. Wobei gerade die Masse ja oft irrt, ohne jetzt aktuelle Beispiele zu nennen. "Data de Groove" war künstlerisch ein Meisterwerk und sogar Thema in der "Schule der Dichtung" und in literarischen Zirkeln, mit der "Titanic" kehrte die Dekadenz zurück in die Szene, beim Wiener Donauinselfest lagen Falco 150.000 Zuschauer zu Füßen (bis ein Gewitter dem Konzert ein Ende setzte), und mit seinen letzten beiden zu Lebzeiten veröffentlichten Songs "Mutter, der Mann mit dem Koks ist da" und "Naked" eroberte Falco sogar die grassierende Love Parade-Generation.

 

Die Wurzeln des Falken liegen mitten in Wien, im 5. Bezirk Margareten. Dort wohnte Falco mit seinen Eltern in der Ziegelofengasse 26, heute schon durch einen Neubau ersetzt. Gegenüber, in der Ziegelofengasse 37, hatte seine Großmutter eine Wohnung, die er später zwischen 1974 und 1982 bezog und wo er u.a. seinen ersten Mega-Hit "Der Kommissar" schrieb. Im selben Haus befindet sich auch das urige Wiener Wirtshaus "Zum alten Fassl", wo Falco seine theoretischen Untergangsvisionen manchmal im Rausche der Nacht mit harten Drinks in die Praxis umsetzte.

 

Die wurden ihm schlussendlich auch zum Verhängnis: Am 6. Februar 1998 verunglückte Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik tödlich – mit 1,5 Promille und einigen Drogen im Blut. Beim Begräbnis auf dem Wiener Zentralfriedhof gaben ihm mehr als 4000 Fans und Freunde die letzte Ehre, den Sarg trugen die "Outside Austria"-Rocker vom "Amadeus"-Clip. Posthum wurde der eher durchschnittliche Song "Out of the Dark" zu einem der größten Falco-Hits. Oft feiert man in Wien die "schene Leich" lieber als das süße Leben. Tja, Ganz Wien ist so herrlich hin, hin, hin. Das wusste Hans bereits Ende der 70er...

0 Kommentare

Pop-Superstar und Gay-Ikone - In Memoriam George Michael.

Eine Trauer-Nachricht überschattet Weihnachten 2016, und zwar gerade über jenen Pop-Superstar, der verantwortlich zeichnet für den erfolgreichsten Weihnachts-Song aller Zeiten: George Michael. Der 53jährige wurde am Christtag in seinem Haus in Oxfordshire tot aufgefunden. Vermutliche Ursache: Herzversagen. Drogenmissbrauch wird (vorerst) nicht gänzlich ausgeschlossen.

 

Die Karriere des Sohnes einer britischen Mutter und eines griechisch-zypriotischen Vaters begann in der Schule, als George Michael den dortigen Schönling Andrew Ridgeley kennenlernte und mit ihm die Band "Wham" gründete. Die Formation passte ideal in die Aufbruchsstimmung der 80er, als die Londoner Musikszene blühte. Der Sound: Soul-Pop, garniert mit bunten Videoclips, coolen Backgroundsängerinnen (Pepsi & Shirlie) und einem sexy Image. Bereits die ersten Tracks landeten hoch in den Top Ten der britischen Charts: "Wham Rap", "Young Guns" und "Bad Boys". Ebenso das erste Album "Fantastic". Das Video zum Reggae-Pop-Klassiker "Club Tropicana" (1983) wurde dort gedreht, wo sich die Reichen und Schönen der 80er trafen, im legendären Pikes Hotel in Ibiza. 

mehr lesen 0 Kommentare

Wanda auf Auswärtsspiel: Wiener Pop-Heroes begeistern in Salzburg.

2016 war zweifellos das erfolgreichste Jahr der Wiener Band Wanda: Ausverkaufte Wiener Stadthalle mit über 12000 Fans, top-besuchte Konzerte und Chartplatzierungen auch im Ausland, 3 Amadeus-Awards in den Kategorien Band, Live-Act des Jahres & Pop-Rock, verbunden mit dem selbstbewussten Image, der österreichischen Musikszene wieder ein attraktives Gesicht gegeben zu haben. 

 

Bevor es 2017 wieder ins Studio geht, bereisten die Jungs rund um den charismatischen Frontmann Michael Marco Fitzthum aka Marco Michael Wanda im Dezember die Bundesländer. Auf der Tour-Liste auch die Salzburg-Arena, wo sich infolge des Massenansturms zeigte, wie beliebt die erst seit 2012 bestehende Band in Österreich ist. Erstaunlich ist auch, wie viele Pop-Gassenhauer sich auf den nur zwei Alben "Amore" und "Bussi" befinden, die nahezu jedes Konzert-Publikum mitreißen. Die Inspirationsquelle der Beatles, die vor dem Wanda-Konzert laufen, kommt da wohl nicht von ungefähr.

 

Start-Track ist wie üblich das rockige "Luzia", zuvor wird allerdings noch mit der Bierdose auf die Fans angestoßen. Ein Ritual, das man bereits von den ersten Konzerten Wandas kennt. Ebenso wie die wilden kreisenden Bewegungen im Stil von Dave Gahan. Die Hits kommen wie am laufenden Band: "Schickt mir die Post", "Auseinandergehen ist schwer", "Meine beiden Schwestern", die "stehengelassenen Weinflaschen" (nach denen sich Marco rückwärts fallen lässt) oder das Wiener Liedl über die "Mona Lisa der Lobau". Bei einer verzerrt-trancigen Maxi-Version von "Gib mir Schnaps" versetzt sich der Sänger in die Rolle Jim Morrisons, stürzt in die Menge und lässt sich wellenartig durch die ersten Konzertreihen tragen. Ein Konzept, das auch in Salzburg aufgeht.

 

Party-Alarm dann bei den Super-Hits "Bussi Baby" und "Bologna". Da können sich Wanda zielsicher auf die Sangeskünste des Publikums verlassen. Als Zugaben gibt es dann noch "Wenn ich zwanzig bin" (mit dem eingängigen Refrain "Ich fall in ein tiefes Loch") und die ballermannähnliche Mitklatsch-Hymne "1, 2,3,4". 

 

Die Salzburger Fans sind zufrieden, die Wiener Popheroes auch. Man darf gespannt sein, wie die neuen Songs klingen, die im Spätsommer 2017 veröffentlicht werden. Bis dahin nicht vergessen: "Wenn jemand fragt, wofür du stehst, sag für Amore !"

mehr lesen 0 Kommentare

Electro-Indie-Avantgarde im WUK: Cooles Polica-Debüt in Wien.

Es gibt wenige Bands im Indie Pop-Business, die so facettenreich und mehrdimensional agieren wie Polica aus Minneapolis. Das ist nicht zuletzt auch das Verdienst der charismatischen Sängerin Channy Leaneagh, die eine Kunstschule besuchte, die Violine perfekt beherrscht und auch Theater spielte. Mit ihrer Band Polica, deren Namensherkunft nicht eindeutig geklärt ist und je nach Interview auf einem Gruppencode oder einer schadhaften Computerdatei basiert, präsentiert sie avantgardistischen Electro-Indie Pop mit politisch-emotionalen Texten. 

 

Im Rahmen ihrer Europa-Tour gastierte die Band mit ihrer neuen CD „United Crushers“ auch im Wiener WUK und begeisterte die junge Hipster-Community mit ihren subtil-kraftvollen Tracks aus ihren drei bisher veröffentlichten Alben. Neben Channy agieren in der Band Bassist Chris Bearden und zwei Drummer, Ben Ivascu und Drew Christopherson. Produziert werden Polica von Channys Ehemann Ryan Olson, die gemeinsame Tochter ist mit on Tour. 

 

Fasziniert zeigte sich die Sängerin von Wien, wo man im Gegensatz zu den USA am Sonntag ohne Einkaufsrummel durch die Straßen und Parks spazieren gehen könne. Channy wirkt einmal wie die toughe Indie-Rockerin, dann wieder wie eine zerbrechliche Björk oder Florence Welch. Auf eine bestimmte musikalische Richtung will sich die Band auch nicht festlegen. 

 

Tracks wie die Hit-Single „Lime Habit“, das gegen Polizeigewalt gerichtete „Wedding“ oder die Ecstasy-Hymne „Berlin“ mit der genialen Zeile „The Time you don´t even know what your Name is“ machen Appetit auf mehr, die coole Performance von Miss Leaneagh sowieso.

mehr lesen 0 Kommentare

Indie Explosion: Londons Newcomer Wolf Alice rocken das Wiener Flex.

Aus dem kultigen Szene-Schmelztiegel Camden Town aus London stammen Wolf Alice. Und begonnen hat alles 2010, als die blonde Sängerin Ellie Rowsell und der Gitarrist Joff Oddie Acoustic Pop auf kleinen Bühnen präsentierten. Der Name hatte schon damals etwas Geheimnisvoll-Mystisches an sich. „Wolf Alice“ ist ein Mädchen aus einer Kurzgeschichte Angela Carters, das unter Wölfen aufwächst und bei Rückkehr in die Zivilisation fremd bleibt unter den Menschen. Diese Angst braucht die Band, seit 2012 erweitert durch Bassist Theo Ellis und Schlagzeuger Joel Amey, nicht zu haben. Einzig allein der Sound wurde wilder, temporeicher und elektrisierender.

 

Im Rahmen ihrer Europa-Tournee gastierten Wolf Alice auch im Wiener Underground-Club Flex. Mit im Gepäck das ausgezeichnete Album „My Love is Cool“, das bis auf Platz 2 der englischen Charts preschte und mit zahlreichen Kritikerpreisen überhäuft wurde. Im Vorprogramm glänzten die jungen Londoner Indie-Popper Gengahr, von denen man nach ihrem Debüt-Album „A dream outside“ künftig noch einiges hören wird. Danach wurde es vor der Bühne immer enger, schweißtreibender und hitziger. Das zweite Wien-Konzert von Wolf Alice war gleichzeitig ihr letzter Tour-Gig, und das merkt man. Wolf Alice sind – nach langer Festival-Tour (u.a. auch in Glastonbury) - euphorisch, routiniert und mitreißend und bringen auch die Wiener Fans zum Toben. Und das, obwohl sie eigentlich erst ein Album und drei EP´s im Repertoire haben.

 

Das Indie-Ravige „Freazy“, die poppige Hit-Single „Bros“ (einer der ersten Songs, die die coole Sängerin Ellie Rowsell schrieb) oder die Rock-Hymne „Moaning Lisa Smile“ sind echte Live-Burner, und da mag man der Band auch einige Trash Rock-Eskapaden verzeihen. Melancholisch dann die Zugaben „Turn to Dust“ und „Blush“, bevor mit „Giant Peach“ noch einmal bis zum Anschlag gefeiert wurde. Das nächste Album von Wolf Alice erscheint 2017, garantiert auch mit Tour und dann vermutlich in einer größeren Arena. Wir freuen uns.

mehr lesen 0 Kommentare