Flop „Rot-Weiß-Rot-Karte“ – Österreich hat ein Problem mit qualifizierter Zuwanderung.

Bei Einführung der Rot-Weiß-Rot-Karte am 1. Juni 2011 rechnete die Bundesregierung noch mit ca. 8000 Bewilligungen pro Jahr, von diesen Zahlen ist man im Jahr 2015 allerdings meilenweit entfernt.

 

Im Jahr 2015 wurden – laut einer Anfragebeantwortung des Innenministeriums an die FPÖ-Nationalratsabgeordnete Edith Mühlberghuber - gerademal 1801 Rot-Weiß-Rot-Karten für Drittstaatsangehörige ausgeteilt. 

 

Diese Aufenthaltstitel sind auf 12 Monate beschränkt und berechtigen zur Tätigkeitsaufnahme für einen ganz bestimmten Arbeitgeber. Zu den Voraussetzungen zählen nicht nur eine Krankenversicherung und eine ortsübliche Unterkunft, sondern auch ein bereits abgeschlossener Vor- oder Dienstvertrag bzw. bei sonstigen Schlüsselkräften ein bestimmtes Mindestbruttogehalt.

 

Zielgruppe dieser Rot-Weiß-Rot-Karten sind besonders qualifizierte Arbeitnehmer. Von den 1.181 erteilten Erst-Aufenthaltstiteln entfallen auf die Kategorie „Besonders Hochqualifizierte“ 57 Personen und auf Fachkräfte in Mangelberufen 182. Der größte Anteil sind „sonstige Schlüsselkräfte“, insgesamt 878. 36 sind Studienabsolventen, 28 selbständige Schlüsselkräfte. Mehr als 3/4 der Inhaber sind Männer (907), nur 274 Frauen.

 

Insgesamt gab es Ende 2015 1.640 aufrechte „Rot-Weiß-Rot“-Karten und 90.972 „Rot-Weiß-Rot-Karten“-Plus. Letztere gewähren einen unbeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt und werden auf Antrag an Inhaber für Rot-Weiß-Rot-Karten ausgestellt, und zwar je nach Aufenthaltsdauer bzw. Erfüllung einer Integrationsvereinbarung („ausreichende Deutschkenntnisse“) für 1 Jahr bzw. 3 Jahren. Auch Familienangehörige haben Anspruch auf diesen Aufenthaltstitel, insgesamt 28.507 waren dies Ende Dezember 2015.

 

Das Innenministerium führt derzeit Diskussionsgespräche bezüglich einer Weiterentwicklung der „Rot-Weiß-Rot-Karten“. Dies ist insofern notwendig, als in Österreich nicht nur ein Facharbeitermangel, sondern auch ein Mangel an Ärzten, Diplomingenieuren oder EDV-Technikern herrscht. Und jetzt auch die letzten Arbeitsmarktexperten zur Erkenntnis gekommen sind, dass unter den Asylwerbern hohe Qualifikationen eher Ausnahme als Regel sind. 

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