Bahnhof Zoo: Das Drogen-Epizentrum der 70er ist (fast) unschuldig geworden.

"Bahnhof Zoo, mein Zug fährt ein, ich steig aus, gut wieder da zu sein." So flippig-lebenslustig klingt es in der 80er-Hymne der NDW-Helden von Ideal. Tatsächlich war der Bahnhof Zoo, damals der wichtigste Verkehrsknotenpunkt des Personenfernverkehrs in Westberlin, auch ein düsterer Subkultur-Ort, an dem Drogen, Kriminalität und Prostitution herrschten. Vor allem an der Rückseite des Bahnhofs in der Jebensstraße. 

 

Dort entstand Ende der 70er auch das mitreißende Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", das die beiden "Stern"-Journalisten Kai Hermann und Horst Rieck aufgrund von Tonbandprotokollen der drogensüchtigen Christiane F. konzipierten. 1981 wurde unter der Regie von Uli Edel der gleichnamige Film gedreht, mit einer großartigen, fast zu hübschen Natja Brunkhorst in der Hauptrolle, schockierenden Fixer- und Sexszenen und mit Berlins Szeneikone David Bowie als Konzertstar und Soundtrackproducer. "We can be Heroes just for one day" war auch der Traum der vielen gestrauchelten Seelen in der dunklen Großstadt, der viel zu oft mit einer tödlichen Überdosis endete.

 

Mehr als 30 Jahre später hat sich die Lage zumindest am Bahnhof Zoo entspannt. Heroin ist aus der Mode gekommen, osteuropäische Prostituierte und Call-Boys haben die Junkies ersetzt, der Bahnhof selbst ist nach der Fertigstellung des neuen Hauptbahnhofes nur mehr ein Regionalbahnhof ohne Fernzugverbindungen.

 

Soziales Hauptproblem ist - trotz der Nähe zum Kurfürstendamm und zur renovierten Shopping Mall Bikini Berlin - die Obdachlosigkeit. 600 kommen täglich in die Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo, die vor einigen Jahren kurz vor der Schließung stand. Heute existiert sie trotz der Viertelaufwertung noch immer, die Berliner haben eben ein Goldenes Herz.

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