Euro 2016: Die Wikinger & Ronaldo segeln weiter, für Österreich heißt es "Ab von Bord".

Österreichs Nationalteam spekulierte – nach der überzeugenden Qualifikation – mit einer Spitzenplatzierung in Frankreich. Und hat sich verspekuliert. Nur 1 Punkt und 1 Tor nach 3 Spieltagen und damit Gruppenletzter. Im „Endspiel“ gegen die Isländer lag man nach bereits 18. Minuten mit 0:1 im Hintertreffen, vergab dann einen Elfmeter durch Dragovic, schöpfte aber im wahrsten Sinne des Wortes durch den Ausgleich von Schalke-Legionär Alessandro Schöpf in der 60. Minute wieder Hoffnung.  Der Sturmlauf war allerdings vergeblich, Neo-Rapidler Traustason erzielte per Konter sogar noch den Siegestreffer für das Wikinger-Volk, für die – trotz der Präsidentenwahl am Samstag – derzeit nur der Fußball zählt. 

 

In der ÖFB-Abschluss-Pressekonferenz behaupteten Ruttensteiner und Koller unisono, man habe hier in Frankreich nicht sein wahres Gesicht gezeigt. Das Team sei zu nervös und hektisch vor allem beim Passspiel gewesen. Auch erreichten einige Spieler nicht die Normalform bzw. waren nicht hundertprozentig fit. Vielleicht waren die Kicker auch auf der „Wolke 7“ und haben die kämpferisch starken Teams von Ungarn oder Island einfach unterschätzt. Oder die Quali-Gegner überschätzt, Russland und Schweden fahren wie Österreich ohne Sieg nach der Gruppenphase heimwärts. Die mentalen Schwächen sollten allerdings schnell beseitigt werden, denn im September beginnt bereits die WM-Qualifikation 2018 – mit den Achtelfinalisten Wales bzw. Irland, Georgien, Moldawien und Serbien als Gegner. Nur der Gruppensieger hat ein fixes Ticket, die acht Gruppenzweiten spielen vier Play-Off-Duelle.

 

Die Isländer spielen am Montag gegen England, und auch die Portugiesen sind dank Ronaldo noch im Turnier: 1 Assist und zwei sensationelle Tore des EM-Rekordspielers (mit nunmehr 17 Einsätzen) besiegelten das knappe 3:3 gegen die wieder stark aufspielenden Ungarn, die als sensationeller Sieger der Gruppe F jetzt auf die Belgier treffen. 

Frankreich und Schweiz trennten sich am 3. Spieltag 0:0, beide erreichten problemlos das Achtelfinale und spielen dort jetzt gegen Polen bzw. Irland, die gegen ein italienisches „B-Team“ mit 1:0 gewannen. Die Albaner feierten gegen die Rumänen ihren ersten Sieg bei einer Europameisterschaft, für die K.O.-Phase reichte es wegen des schlechteren Torverhältnisses allerdings nicht.

 

In der Gruppe B werden die Waliser durch ein klares 3:0 gegen Russland Gruppensieger, unter den Torschützen auch wieder Real Madrid-Star Bale. Weiters im Achtelfinale auch die Engländer und die Slowaken, die sich in einem glanzlosen Duell torlos trennten.

 

Powerplay-Fußball mit teilweise 80 % Ballbesitz der Deutschen im Spiel gegen Nordirland, und trotzdem fällt schlussendlich nur ein Tor. Und zwar in der 29. Minute durch Mario Gomez. Zum Helden wird der nordirische Türhüter Michael McGovern, der zahlreiche Chancen der Deutschen zunichtemachte und damit – aufgrund des ausgeglichenen Torverhältnisses – sein Team unter die 4 besten Drittplatzierten bringt. Im zweiten Spiel der Gruppe C gewinnt Polen gegen die Ukraine mit 1:0 und erreicht damit erstmals die K.O.-Phase einer Europameisterschaft.

 

„Back in the Year 1998“ – So titeln schon die Fußballgazzetten über das kroatische Team 2016, das mit seinen großartigen Leistungen in die Fußstapfen der WM-Dritten von 1998 treten will. Die Spanier gingen zwar durch Morata in Führung und vergaben in der Person von Ramos einen Elfmeter (durch eine trickreiche, an der Grenze zur Regelwidrigkeit stehende Abwehr von Keeper Subasic). Vom Feld als Sieger gingen allerdings die Kroaten durch Tore von Kalinic und den überragenden Inter Mailand-Kicker Perisic. Im Achtelfinale treffen die Kroaten auf Portugal, auf Spanien warten die Italiener. Eine Neuauflage des EM-Finales von 2012, der Verlierer kann seine Heimreise antreten.

 

Einer der Euro-Superstars muss dies bereits jetzt tun: Zlatan Ibrahimovic, der mit den Schweden gegen die Belgier scheiterte und bereits vor diesem entscheidenden Match auch seinen Abschied vom Nationalteam bekanntgab. Match-Hero für die Nr. 1 der Weltrangliste wurde der Mann mit dem blonden Irokesen-Schnitt, AS-Roma-Legionär Nainggolan. Dessen Marktwert nach seinem Siegertreffer weiter in die Höhe schnellen wird.

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