Langeweile und Frust: Staat muss für sinnvolle Beschäftigung von Asylwerbern sorgen.

Ende Juni 2016 befanden sich in Österreich insgesamt 85.611 Asylwerber in der Grundversorgung, davon 20.841 in Wien und 13.141 in Niederösterreich. Eine nicht gerade geringe Zahl, die auch unter der Bevölkerung zu heftigen Diskussionen und Kontroversen führt. So behaupten einige, dass die Asylwerber das Schlaraffenland Österreich ausnützen und sich auf die faule Haut legen. Was insofern ungerecht ist, da Asylwerber ja generell zum Arbeitsmarkt gar nicht zugelassen sind. Andere wiederum fordern eben diesen freien Zugang, verkennen aber, dass in Österreich Rekordarbeitslosigkeit (auch unter vielen aufenthaltsberechtigten Ausländern) herrscht, mehr als 50 % der Asylwerber gar keinen rechtmäßigen Anspruch auf Asyl haben und Asylverfahren schneller durchgezogen werden müssen.

 

Unabhängig davon gibt es aber bereits jetzt Beschäftigungsmöglichkeiten für Asylwerber, die sowohl der Gesellschaft als auch den Flüchtlingen selbst nützlich sein können. Die Organisation lässt aber sehr zu wünschen übrig, wie zwei parlamentarische Anfragebeantwortungen seitens des Innen- und Sozialministeriums zeigen.

 

So können gemäß § 7 Grundversorgungsgesetz Asylwerber mit ihrem Einverständnis für Hilfstätigkeiten, die im unmittelbaren Zusammenhang mit ihrer Unterbringung stehen, und für gemeinnützige Hilfstätigkeiten für Bund, Land und Gemeinde herangezogen werden. Wie viele tatsächlich eingesetzt werden, kann das Innenministerium allerdings nicht mitteilen, da scheinbar keine Statistiken geführt werden. Auch zentrale und regionale Datenbanken, in denen Asylwerbern gemeinnützige Tätigkeiten angeboten werden, werden nicht erstellt.

 

Im Gegensatz zu Asylberechtigten können Asylwerber nur in Ausnahmefällen einer unselbständigen Tätigkeit nachgehen, und zwar als Saisonarbeiter im Tourismus, in der Land- und Forstwirtschaft und als Erntehelfer. Im Rahmen der durch Verordnung festgelegten Kontingente wurden 2015 325 und (Ende Juni) 2016 gerade einmal 297 Saisonbewilligungen für Asylwerber erteilt. Diese erhält der Arbeitgeber nur dann, wenn die offene Stelle nicht mit einer vorgemerkten inländischen oder am Arbeitsmarkt bereits integrierten ausländischen Arbeitskraft besetzt werden kann. 

 

Asylwerber werden beim AMS weder vorgemerkt noch aktiv betreut. Auch Datenbanken über Qualifikationen und Kenntnisse der Asylwerber liegen nicht vor. Die Festsetzung neuer Kontingente für andere Wirtschaftsbereiche ist ebenfalls nicht geplant.

 

Unter 25jährige Asylwerber haben weiters die Möglichkeit, eine Lehre zu absolvieren. Auch hier erfolgt keine aktive Vermittlung auf Lehrstellen. Vielmehr muss der potentielle Lehrausbildner und Arbeitgeber selbst einen Antrag auf eine Beschäftigungsbewilligung stellen. Eine positive Entscheidung wird nur dann getroffen, wenn es sich um einen Lehrberuf mit nachgewiesenem Lehrlingsmangel handelt und keine bevorzugte und gleich qualifizierte Ersatzarbeitskraft erfolgreich vermittelt werden kann. Eigene Lehrstellen-Vorbereitungskurse werden für Asylwerber nicht angeboten. Ende Juni 2016 absolvierten 199 Asylwerber in Österreich eine Lehrausbildung, davon 104 als Köche, 26 als Kellner und 10 als Verkäufer. 

 

Fazit: Neben einer Beschleunigung der Asylverfahren und vollstreckungsreifen Rückführungsabkommen müssen auch die Beschäftigungsmöglichkeiten für Asylwerber ausgeweitet werden. Auch wenn nicht alle einen positiven Asylbescheid oder einen subsidiäre Schutzberechtigung erhalten, sollten sie während ihres Aufenthalts in Österreich die Möglichkeit haben, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten sinnbringend einzusetzen anstatt beschäftigungslos in einer scheinbar endlosen Warteschleife aus Langeweile, Frustration und langsam grassierender Aggression herumzudösen. Die schlussendlich leider auch zu Dummheiten, Leichtsinnigkeiten oder kriminellen Aktivitäten führen kann.

 

Vor allem das Angebot gemeinnütziger Tätigkeiten muss systematisch katalogisiert und ausgebaut werden. Stadt-, Park-, Sportplatz- und Landschaftspflege, Wartungsarbeiten, Organisationsunterstützung oder auf höherem Level sprachliche, wertemäßige, technische oder medizinische Assistenz in Asylzentren, Schulen, Büros oder Krankenhäusern.– die Einsatzmöglichkeiten für Asylwerber sind vielfältig. Man muss sie nur erkennen und nützen. Und sie sollen dem Migranten bei entsprechender Bewährung auch die Aussicht auf einen dauerhaften Aufenthalt geben.

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