Euro 2016: Deutsch-Französische Freundschaft auf dem Prüfstand.

"Deutschland ist nun mal Deutschland. Die beste Mannschaft in Europa - und der Welt. Sie haben so viel technische Qualität, schon beim Torhüter angefangen.“ - Lobeshymnen des französischen Teamchefs Didier Deschamps in der Pressekonferenz nach dem Einzug ins Semifinale. Naturgemäß ein Versuch, sich aus der Favoritenrolle zu nehmen, der aber nur bedingt gelingt. Denn die Franzosen entzauberten vor allem in der 1. Hälfte die bisherige Sensationsmannschaft aus Island. Nach 45 Minuten stand es bereits 4:0, auf der Torschützenliste standen gerade jene Stars, auf die es auch am Donnerstag gegen Deutschland ankommen wird: Olivier Giroud, Paul Pogba, Dimitri Payet und Atletico Madrid-Star Antoine Griezmann, mit 4 Toren bis dato erfolgreichster Scorer der Euro. Die „Islandisierung des Abendlandes“ wurde abgewehrt, die sympathischen Wikinger aus dem hohen Norden, die die Niederländer bei der EM-Qualifikation und die Österreicher und Engländer aus dem Turnier schossen, verabschiedeten sich aber mit Kampfstärke und Leistungswillen bis zur letzten Minute von der Europameisterschaft und erzielten beim schlussendlichen 2:5 sogar noch zwei Ehrentreffer.

 

Deutschland wird für die Equipe Tricolore allerdings ein anderes Kaliber. Die Löw-Truppe besiegte die Italiener erst in einem hochspannenden Elfmeterschießen nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit. Die offensiv wesentlich agileren Deutschen gingen durch Özil in der 65. Minute in Führung, die Italiener glichen nach einem missglückten Handspiel Boatengs im Strafraum durch Leonardo Bonucci aus. Weniger erfolgreich waren die Stars beim Elfmeter-Thriller nach 120 Minuten Spielzeit. Vor allem die vergebenen Strafstöße von Zaza und Pelle bzw. Müller und Schweinsteiger waren an der Grenze zur Peinlichkeit. Nach 9 Schützen sorgte der Kölner Verteidiger Jonas Hector für den verdienten Aufstieg der Deutschen. Bei Italiens Tormann Gianluigi Buffon, der Squadra Azzurra und den Tifosi flossen hemmungslos die Tränen. Am nächsten Tag mischte sich dazu aber auch eine neue Aufbruchsstimmung: „Antonio Conte hat Italien wieder in Mode gebracht“ – so die einhellige Meinung. Leider verlässt der motivationsfähige, euphorische Star-Coach sofort nach der Euro das Nationalteam Richtung Chelsea.

 

Für die Deutschen dagegen geht die Reise nach Marseille – mit einigen schlechten Vorzeichen: Hummels wegen 2. Gelber Karte gesperrt, Muskelfaserriss von Gomez,  auch Khedira nach seinem verletzungsbedingten Austausch fraglich. Top-Fit dagegen ist Tormann Manuel Neuer, einer der größten Trümpfe für einen deutschen Erfolg. Während des ganzen Turniers musste sich der Bayern-Keeper nur einmal geschlagen geben. Die Franzosen dagegen werden alles daran setzen, sich für die WM-Niederlage von 2014 in Rio de Janeiro zu revanchieren, wo die Deutschen die Equipe Tricolore im Viertelfinale mit 1:0 besiegten. Der damalige Goldtorschütze Hummels fehlt am Donnerstag.

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