Rimini Calling 2009 - Dolce Vita pur !

Azurblaues Meer, goldener Strand, lächelnde und lebenslustige Menschen, Trinken, Tanzen, Flirten mit süßem Augenzwinkern bis in den Morgengrauen - Italien ist Dolce Vita pur. Rimini, die 136.000-Einwohner-Party-Metropole an der nördlichen Adria ist da nicht anders. 1843 wurde dort unter der Patronanz des Arztes Claudio Tintori (dem auch die am Meer gelegene "Lungomare Tintori" gewidmet ist) die erste Badeeinrichtung eröffnet.

 

Zuerst mondäne Ferien-Lounge für die High Society wurde Rimini im 20. Jahrhundert zu einem der Pauschaltouristen-Epizentren Europas und wurde wenig schmeichelhaft auch als "Teutonengrill" bezeichnet. Diese Zeiten haben sich - im Gegensatz zum mallorquinischen "Ballermann"- - aber grundlegend verändert. Keine peinlichen deutschen Touristen mit unaufhörlichem Drang nach Schlager, Sex & Sangria, sondern classy young crowds vornehmlich aus Bella Italia bevölkern das 15 km lange Strandgebiet der seit 268 v. Chr. bestehenden römischen Antik-Stadt. Einer der Söhne der Stadt, der bekannte italienische Filmregisseur Federico Fellini (1920-1993), der in den 60ern vehement die progressiven Tourismusstrategien seiner Geburtsstadt kritisiert hat, hätte seine Freude an der aktuellen Entwicklung der Stadt. Wo anders als in Rimini bietet sich - zentriert auf einer kleinen Landfläche - eine derartig perfekte Symbiose aus Kultur, Strand, Sport, Nightlife und Lebenslust pur.

 

Eines der schönsten Gebäude der Stadt ist das 1908 an der Strandpromenade erbaute Grand Hotel, in dessen Jugendstilcharakter sich Federico Fellini bereits als kleiner Bub verliebte und dessen Suite 315 später immer für ihn reserviert war. Im Federico-Fellini-Park daneben (mit dem wunderschönen "Brunnen der 4 Pferde") kann man inmitten der grünen Oase der Marino Centro die Füße baumeln lassen und dem italienischen "Dolce far niente"-Prinzip frönen. Der große Fotoapparat davor war einst ein Ladengeschäft eines verkaufstalentierten Fotografen, der nach seiner Restauration als Denkmal der "Moderne" gilt.

 

In der Altstadt Riminis nördlich der Eisenbahngleise präsentieren sich dem kulturinteressierten Touristen antike Sehenswürdigkeiten der römischen Geschichte, der Arco d´Augusto (der älteste Triumphbogens Italiens aus dem Jahre 27 v. Chr.), die Piazza Cavour mit dem von Leonardo Vinci verehrten Pigna-Brunnen, der Maletesta-Tempel und die Tiberius-Brücke, die - erbaut auf einem einzigen Fundament - jeglichen Kriegen und Regierungswechseln getrotzt hat und den Beginn der historischen Via Emilia darstellt.

 

In Miniaturversion kann man das Zentrum Riminis betrachten im einige Kilometer außerhalb gelegenen Themenpark "Italia in Miniatura", und dazu noch rund 300 weitere architektonische Attraktionen Italiens und Europas vom Kolosseum, dem Petersdom, dem Turm von Pisa bis hin zum Pariser Eiffelturm, dem Brüsseler Atomium und der Athener Akropolis. Österreich ist in diesem breit angelegten Park, in dem man auch mit einer venezianischen Gondel durch einen künstlichen Kanal fahren kann, mit dem Schloss Belvedere und einem Johann Strauß-Denkmal vertreten. 

In der antiken Altstadt, in der Via Anghera, befindet sich die Universität von Rimini, eine Zweigstelle der renommierten Uni von Bologna, in der mehr als 5.000 Studenten sich u.a. den Studien der Ökonomie, der Literatur, der Medizin und des Tourismus widmen. Im Sommer dagegen zieht es die jungen, sportlichen Italiener viel lieber in die Straßenpromenaden und in die freie Natur. Auf dem Strand gibt es Sportgelegenheiten en masse: Volleyball, Basketball, Beach Tennis (Racchettoni) oder die neue Trendsportart "Foot Valley" aus Brasilien, eine Mischung aus Fußball und Volleyball.

 

Etwas antiquiert erscheint dagegen die legebatterieartige Teilung des Strandes in einzelne "Badeanstalten" (Bagni), bei der man kostenpflichtig Liege und Schirm zu 15 Euro (!!!) pro Tag mieten kann. Alternative: die "Free Beaches" (nicht zu verwechseln mit FKK-Beaches) zwischen der Hafenmole und dem Delphinarium, wo die sonnengebräunten riminesischen Papagalli sich zuerst um touristischen Aufrissnachwuchs aus dem Rest Europas umschauen, bevor sie sich per Vespa in die Lungomare oder in die Viale Vespucci begeben.

 

Die beliebte Flaniermeile Riminis ist nicht nur schicker Laufsteg für Touristen und Einheimische, sondern bietet auch eine Vielzahl hipper Fashion-Shops, Eiscafes und Open-Air-Restaurants, in der sich man sich an der reichhaltigen italienischen Küche rund um Pizza, Pasta & Fisch delektieren kann. In Italien gilt übrigens das Abendessen als Hauptmahlzeit, das aus einer Vorspeise, 2 Hauptgängen und der Nachspeise besteht. Dazu eine Flasche Vino (wie einen Chianti oder einen Barolo) und als musikalischen Hintergrund traditionelle Folklore-Rhythmen oder heiße Italo-/Latin-Beats. Dazu noch patriotischer Enthusiasmus über den 102. Sieg des italienischen Motorradstars Valentino Rossi. Und man ist voll erfasst vom heißblütigen Lebensgefühl der feurigen Südländer.

 

Vor allem rund um Ferragosto (von lat. Feriae Augusti = Festtag des Augustus) zieht es auch viele Italiener ans Meer nach Rimini. Der 15. August gilt in Italien als heißester Tag des Sommers: Bereits Kaiser Augustus bestimmte einst, dass dieser Tag nicht nur für die freien Römer, sondern auch für die Sklaven ein arbeitsfreier Tag sein soll. Ausgebuchte Hotels, kilometerlange Staus, prächtige Feuerwerke und Top-Nightlife-Events kennzeichen das Bild der Adria. In den Street- und Beach Bars wie dem Coconuts rund um die Marino Centro Riminis tanzen Party People aller Nationalitäten zu Ragga House, Hip Hop, David Guetta und Italo Dance Classics. Am Ende der Hafenmole im Rock Island, einer auf Holzpfählen direkt über dem Wasser errichteten Bar, steht man plötzlich dem Aerosmith-Sänger Steven Tyler gegenüber. Scheinbar zumindest. Doch die Aerosmith-Tribute-Band "The Big Ones" hat fast mehr Drive als die Original-Rock-Heroes der Vergangenheit.

 

Britische, deutsche und holländische Touristen schlagen sich auf den 3 Floors des Carnaby in der Viale Brindisi die Nächte um die Ohren, auf der Suche nach heißem Sound, starken Drinks und einem schnellen Abenteuer. Das reifere Publikum shakt im Gotha in der Viale Regina Margherita - dort trifft man zu späterer Stunde auch auf "Markus Rogan"-Imitatoren, die leicht betrunken mit einer Bierflasche tanzend auf dem Dancefloor von der gestrengen Security des Lokales verwiesen werden. Allerdings ohne Schrammen.

 

Gewalt, Schlägereien oder Polizeieinsätze sind trotz Massenandrangs überhaupt eine Seltenheit in der Party-Metropole der Adria. Dagegen verirren sich immer mehr hochbezahlte Star-DJ´s in die Glamour-Clubs von Rimini, Riccione und Gabicce Mare, elegant promotet auf der Skyline Riminis durch Flugzeuge mit Werbebanner: Ex-Pornostar Nikki Belucci residiert im Baia Imperiale, Ex-Millennium-Stammgast Gigi d´Agostino in den Altromondo-Studios nahe dem Flughafen.

 

Per Disco-Bus "Blue Line" (und gottseidank nicht per eigenem Fahrzeug - Anm.: Bei Alkoholisierung drohen in Italien nicht nur hohe Geldstrafen, sondern ab 1,5 Promille auch die Beschlagnahme und Versteigerung des Autos) düsen die Party People - bei mehr als 40 Haltestellen (!!!) - ins benachbarte Riccione, wo auf den Hügeln- inmitten sündteuer Villen und Fincas - die wohl glamourösesten Discotheken Europas erbaut wurden. Im pyramidenartigen "Cocorico" tranct DJ Tiesto, im treppenartig angelegten Garten des Peter Pan sorgt Swedish House Mafia-Mastermind Axwell in bester Party-Laune neben dem Swimmingpool für aufgeheizte "Leave the World behind you"-House Atmosphere. Musikalische Sperrstunde ist (bereits) um halb 6, dann geht es - exhausted, aber "insomnia"-berauscht, in die Bars und Pubs am Strand, die den Nachtschwärmern bereits Frühstück und After Hour Drinks servieren.

 

Doch jeder Sommer geht einmal zu Ende. Dann setzen sich die "Ber", jene jungen riminesischen Männer, die im Sommer gerne mit den weiblichen Touristen flirten, an die "Paleda", den allerletzten Abschnitt der Mole, und trauern voller Sehnsucht dem vergangenen Sommer nach. Allerdings nur kurze Zeit. Denn der nächste Sommer kommt bestimmt. Und natürlich auch das hedonistisch-lebenslustige Dolce Vita. Im schönen Italien auf jeden Fall.

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Kommentare: 1
  • #1

    Headphones (Mittwoch, 19 Oktober 2011 09:42)

    I am decide to put this into use one of these days.Thank you for sharing this.To Your Success!