Insomnia @ Ibiza 2011 – La Isla Blanca never sleeps…..

In den jetsettigen 60ern und 70ern war Ibiza, die drittgrößte Baleareninsel, die Insel der Reichen und Schönen, bis der Massentourismus (der heute 95 % des Bruttoinlandsprodukts ausmacht) die La Isla Blanca erobert hat. In den 80ern war die internationale Revolution der House- und Rave-Szene ein Auslösepunkt für einen neuen Typus von Urlauber, den Club- und Partyhopper. Die ersten sophisticated Dance-Parties fanden 1987 in der ehemaligen „Amnesia“-Finca statt, mit dabei der britische Kult-DJ Paul Oakenfold und die Ibiza-Legende DJ Alfredo. 24 Jahre später hat sich zwar einiges verändert, der schrill-schräge Ibiza-Hype ist aber weiterhin ungebrochen.

 

Die ehemals größte Disco der Welt, das „Privilege“ (ehemals „Ku“), heute mit ca. 10.000 Party People Fassungsvermögen hinter einer Dubaier Diskothek „nur“ mehr die Nr. 2, lockt zwar nicht mehr mit den tabulosen, fleischesnackten „Manumission“-Parties der 90er, stattdessen aber mit der holländischen Trance-Legende Tiesto, spanischen Top-DJ´s oder coolen Live-Acts wie Taio Cruz oder Jamiroquai. Das Umfeld allerdings hat sich verändert, das Privilege steht nicht mehr in der Einöde von San Rafael als radikaler Antagonismus zu kleinen Töpfer-Häuschen der Einheimischen, sondern liegt inmitten einer modernen Infrastruktur von Shops, Villen und einer neuerrichteten, teilweise noch immer heftig umstrittenen 15km-Autobahn (C731) zwischen Eivissa und San Antonio.

 

Dies gilt auch für das gegenüberliegende „Amnesia“, das man 1995 nach Verlassen des nächtlich verkehrenden Discobusses nur mittels Durchwanderung einer kargen Rasenfläche erreichen konnte. Die ehemalige Finca ist aufgesplittet in einen überdachten Terrace Floor und einen Main Floor und Sommer-Residenz für den Liverpooler Club Cream, der seit 17 Jahren 5.000 Party People all over the World mit trancig-housigen Vibes von Paul van Dyk, Ferry Corsten, Laidback Luke oder Calvin Harris begeistert. Weitere Highlights: der technoide Cocoon-Wahnsinn von Sven Väth, der neue dubstep& drum and bass-angehauchte „Tonight“-Club und natürlich die kultige Espuma-Party, die bereits in den 90ern die schwitzenden Bodies der Clubber beschäumte.

 

Viel hat sich an der Playa den Bossa, dem mit 2,7 km längsten Strand Ibizas verändert, und zwar zum Positiven. Gab es dort in den 90ern noch ballermannartige deutsche Kneipen und Bars mit Bullenreiten und trivialer Schlagermusik, so bestimmt nun auch dort der internationale Clubbing Spirit die Straßen und Gassen. Der populäre Manchester-Club „Sankeys“ hat die von Teutonen beherrschte Großraumaufrissdisco „Kiss“ verdrängt, alte Hotels wurden renoviert und in opulente Schmuckkästchen transformiert. Best Examples: das „Ushuaia“ oder das Delano Beach Hotel. Absoluter Kult weiterhin der „Bora Bora“-Beach, wo man sich gegen eine Gebühr von 10 Euro pro Tag auf bequemen Strandliegen ausschlafen und den minimal-technoiden Elektro-Beats lauschen kann bzw. am frühen Abend bereits bei den Pre-Parties für die großen Clubs Gas geben kann. Für Top-Sound direct on the Beach garantiert auch der deutsche DJ Mettylectro, zuletzt auch Gast auch bei Martin Negers Ibiza Opening Party in Gneixendorf, der an der Tiare Bar täglich von 14 bis 22 Uhr die internationalen Party People zum Tanzen bringt, egal ob im Pool, am Strand oder in den chilligen Strandbettengarnituren. Mehr häuslich als housig dagegen die Dreharbeiten zur germanischen Doku Soap „X-Diaries – Love, Sun and Fun“, dem letzten ibizenkischen Vorhang deutscher Simplizität.

 

Englische Verhältnisse herrschen zumeist im 15 km entfernten San Antonio, dem Haupttourismusort britischer Teens und Twens, die inmitten von „Westend“-Bars, Burger-Buden und eines prachtvollen Yachthafens dort trinken und feiern bis zum Umfallen. Das ehemalige Fischerdorf beherbergt allerdings auch die edlen Diskotheken Eden (mit Sunday-Resident Judge Jules) und Es Paradis (mit ihren im Morgengrauen beginnenden „Singin´in the Rain-Water Parties) ..... und natürlich das legendäre Cafe del Mar. Dort wo gegen Ende des Tages die balearischen Urlauber an den Klippen sitzen, der verträumten Chill-Out-Musik lauschen und verliebt Richtung untergehende Sonne blicken.

 

In Eivissa, der 47.000-Einwohner-Hauptstadt der Baleareninsel, beginnt während dieser Zeit das hurtige Treiben in den engen Straßen von Dalt Vila, gleichzeitig UNESCO-Weltkulturerbe. Schicki-Micki-Protzer, aufdringliche Disco-Schlepper, eitle Selbstdarsteller, sexy Clubbing-Ladies, ausgeflippte Gays, nach Umsatz geifende Barbesitzer – der tägliche, nächtliche Carneval in der Altstadt Ibizas. Der solange dauert, bis die nach Fun, Love and Sex verrückte Party Community ab in die „Sodom&Gomorrha“-Diskotheken ihrer Wahl düst.

 

In dem seit 1973 bestehenden Nobel-Club Pacha, berühmt durch seine „Two Cherrys“-Trademarks, trennt man die 3.000 Gäste – mittels VIP-Bereichen und Etagen – in Promis (wie Kate Moss, Paris Hilton, dem nach einem Yachtsturz an einem Schädeltrauma leidenden Seal oder Fußballstar David Villa), Rich Kids und in „normale“ Clubber, die Preise sind astronomisch (1 kleines Bier 12 Euro), der Großteil der frenetisch tanzenden Party People hat ohnehin erweiterte Pupillen. Die Zeremonienmeister der Nacht heißen Mr. „Fuck me I´m famous“ David Guetta, Axwell-Ingrosso-Angello (aka Swedish House Mafia) oder der Schweizer Underground-DJ Luciano, Schirmherr der Cadenza Vagabundos am Sonntag.

 

In der ehemaligen „After Hour“-Hochburg „Space“ zelebrieren die Dance-Protagonisten Maxi Jazz und Sister Bliss von Faithless live im Rahmen einer Abschluss-Club-Tour (?) das Motto der Insel: „Insomnia“ – zu deutsch „Schlaflosigkeit“. Die 24 Hour-Party People-Szene ist trotz der eingeschränkten Öffnungszeiten der Clubs – um 7 Uhr früh müssen die Clubber die Discos verlassen – noch lange nicht am Ende. Ob da die afrikanischen CD-Verkäufer etwas damit zu tun haben ? Nicht ausgeschlossen, dass „zufälligerweise“ im Cover einer verkauften Carl Coxx-CD mal ein kleines Glückspillchen oder Glückskekschen drinnen schlummert. 5 Drogeneinsätze hat das Hospital Can Misses in Ibiza täglich zu verzeichnen, die Clubber schwärmen trotzdem für das kongeniale T-Shirt „Drugs saved my Life“.

 

„3 Tage wach“ – ist doch ein wunderschönes Lebensgefühl ?! Und wenn die Wirkung nachlässt und Depressionen die Beautiful People der Insel einholen ? „The Trumpeter“ (den Ibiza-Hit 2011) aufdrehen, vielleicht kommt das Feeling zurück. Österreichische Fly-Niki-Nachtflieger werden anders abgelenkt: FPÖ-Polit-Rebell Heinz Christian Strache mit an Bord, auch ihn hat die (zuvor verscheuchte) Realität schnell wieder eingeholt......

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    u=9433 (Mittwoch, 24 April 2013 22:58)

    This is an excellent post! Thank you for sharing with us!