„Next Stop Mayhem“ – So wurden die Lady Gaga-Fans bereits vor dem Eingang zum Arlanda Express begrüßt, der die Besucher unmittelbar ins Zentrum Stockholms bringt. Im Oktober 2025 herrschte gleich drei Tage Ausnahmezustand in der schwedischen Hauptstadt. Gleich dreimal hintereinander trat der New Yorker Superstar in der futuristischen Avicii Arena-Kugel auf, alle drei Termine waren innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Auf diversen Verkaufsbörsen tauchten Tickets zu astronomischen Preisen auf, für einige „little monsters“ (so die Bezeichnung der Fans) die letzte Möglichkeit, noch eine Karte für die mit Spannung erwartete Mayhem Tour zu ergattern.
„The Mayhem Ball“ ist die insgesamt achte Tour von Stefani Joanne Angelina Germanotta aka Lady Gaga, die sie um den gesamten Erdball führt. Die Tour begann am 16. Juli 2025 in Paradise (USA) und endet am 13. April 2026 im New Yorker Madison Square Garden. Insgesamt 87 Shows wurden in dieser Zeitspanne gebucht. Nicht zu vergessen die spektakulären Preview-Shows im Frühjahr. Lady Gaga performte u.a. beim legendären Coachella-Festival und auf dem Copacabana Beach in Rio de Janeiro. Bei letzterem handelte es sich um einen Live-Auftritt vor über 2,5 Millionen Besuchern, das größte Konzert eines weiblichen Popstars bis dato.
Im Mittelpunkt der neuen Show stehen natürlich die Tracks aus dem im März erschienenen Albums „Mayhem“ (dt.: Chaos). Die Grundthematik, die wird bereits aus dem bizarren Video der ersten Single „Disease“ ersichtlich: Lady Gaga im Kampf gegen sich selbst. „Ich denke viel über die Beziehung nach, die ich zu meinen eigenen inneren Dämonen habe. Es war nie einfach für mich, mich damit auseinanderzusetzen, wie sehr mich Chaos und Aufruhr verführen. Ich fühle mich dann klaustrophobisch“, so die Künstlerin im Musikexpress. Der Sound ihres siebten Studioalbums, der auch das grammy-ausgezeichnete Duett mit Bruno Mars („Die with a Smile“) enthält, erinnert frappant an die Anfangsjahre Lady Gagas, als die damals 22jährige mit Euro Dance-Beats a la „Just Dance“, „Poker Face“ und „Bad Romance“ erstmals die Charts stürmte. Die Rezepte ihrer damaligen Hit-Partitur, die stammen vom schwedisch-marokannischen Produzenten Red One. „„Stockholm, you´ve meant so much to me from the start of my career. I love you!“ – das hört man dementsprechend bei ihren Live-Gigs in der schwedischen Metropole.
Bei „Mayhem“ standen andere Namen auf der Produzentenliste: Andrew Watt (der auch das letzte Rolling Stones-Album „Hackney Diamonds“ abmixte), der Kanadier Cirkut oder der französische Techno-DJ Gesaffelstein, der mit dem hypnotischen Electro-Track „Killah“ eines der Highlights des neuen Albums beisteuerte. Zum Superhit wurde allerdings die zweite Single „Abracadabra“ mit den fast schon dadaistischen Lyrics „"Abracadabra, amor-ooh-na-na. Abracadabra, morta-ooh-ga-ga. Abracadabra, abra-ooh-na-na. In her tongue she said, "Death or love tonight". Ein grenzgenialer Welt-Hit für alle Generationen.
Insofern ist es wenig überraschend, dass „Abracadabra“ gleich am Beginn der Tour-Setlist platziert wurde. Nach einem kongenial zur Opernhaus-Kulisse passenden halbstündigen Arien-Intro und einem kurzen „Bloody Mary“-Part taucht Lady Gaga auf der Spitze eines riesigen Kleides auf, das sich nach den Worten „Dance or die“ öffnet und zu einem Stahlkäfig mit Tänzern transformiert. Die Regie zu „Abracadabra“ erinnert an den mit einem MTV-Videoaward ausgezeichneten Clip. Und tatsächlich steckt dieselbe kreative Künstlerin dahinter, die neuseeländische Choreographin Parris Goebel, die das gesamte „Mayhem Ball“-Konzept erstellt hat.
Bei „Poker Face“ bewegen sich die 22 Tänzer und Tänzerinnen in schwarzem bzw. weißem Outfit auf einem Schachbrett, eine Metapher auf den Kampf zwischen den zwei Lady Gaga-Egos. Im zweiten Akt „And she fell into a gothic dream“ liegt Lady Gaga beim Track „Perfect Celebrity“ in einem Sandgrab mit Skeletten, die beim nachfolgenden Song „Disease“ sich zu ihren Tänzerinnen „verwandeln“. Ein riesiger Totenkopf wird bei „Killah“ auf die Main Stage geschleppt. Im weiß-schwarzen Gothic Outfit performt Lady Gaga ihren neuen Hit „The Dead Dance“, bei einer Show im Londoner O2 hüpften als Surprise Act die „Wednesday“-Darstellerinnen Emma Myers (Enid Sinclair) und Evie Templeton (Agnes de Mille) auf die Bühne. Ein Tribute an den Gast-Auftritt Lady Gagas als ehemalige „Nevermore“-Lehrerin Rosaline Rotwood in der zweiten Staffel der Tim Burton-Serie. Als Referenz an das Totenreich (und an das Musical „Phantom der Oper“) erweist sich die Ballade „Shallow“ (aus dem Film „A Star is born“), bei der Lady Gaga wie der Fährmann Charon mit einer Gondel über die Bühne gleitet.
Auf der Setlist der Mayhem-Ball-Tour stehen zusätzlich zu den neuen Tracks nahezu alle Superhits ihrer Karriere: „Just dance“, „Paparazzi“, „Alejandro“, „Love Game“, die LGBTIQ-Hymne „Born this Way“ und natürlich „Bad Romance“ als Final Track. Als Schlusssequenz geht das kolossale Opernhaus in Flammen auf. Nach einer Off-Stage-Performance zu „How bad do u want me“ betreten Lady Gaga und ihre Dance Crew noch einmal die Bühne und lassen sich vom enthusiastischen Publikum feiern.
Nach einer derartig bombastischen Show stellt sich natürlich die Frage, ob Lady Gaga dies noch toppen kann bzw. will. „Being a Mom is my greatest vision“, das hat die mit dem Unternehmer Michael Polansky verlobte 39jährige Künstlerin kürzlich in einigen Interviews verraten. Was allerdings auszuschließen ist, dass sie keine Songs mehr schreiben wird. Das zeigt schon ihr berühmtes Rilke-Tattoo: „Prüfen Sie, ob er in der tiefsten Stelle Ihres Herzens seine Wurzeln ausstreckt, gestehen Sie sich ein, ob Sie sterben müßten, wenn es Ihnen versagt würde zu schreiben. Dieses vor allem: Fragen Sie sich in der stillsten Stunde Ihrer Nacht: Muss ich schreiben?“
Über 2000 Suspendierungen wurden im letzten Schuljahr 2024/25 ausgesprochen, davon alleine 784 in der Bundeshauptstadt Wien. Suspendierungen können bei Gefahr im Verzug bis zu 4 Wochen, maximal bis zu 6 Wochen verhängt werden. Die davon betroffenen Schüler dürfen während der Zeit der Suspendierung nicht am Unterricht teilnehmen. Bis dato wurden sie während dieser Zeit auch nicht betreut, was teils zu weiteren Eskalationen und zu einer weiteren Entfremdung vom Schulunterricht führte. Die Ampelkoalition hat diesen Mangel jetzt durch eine Novelle des Schulunterrichtsgesetzes beseitigt und eine sogenannte Suspendierungsbegleitung eingeführt.
Suspendierung
Expliziter normiert werden außerdem die Voraussetzungen für die Suspendierung. Gefahr im Verzug liegt gemäß § 44/5 u.a. dann vor, wenn ein Schüler gegenüber anderen Schülern oder Lehrpersonen einen vorsätzlichen tätlichen Angriff begeht, eine „qualifizierte“ Drohung äußert, eine beharrliche Verfolgung begeht oder Eigentum vorsätzlich beschädigt. Eine Suspendierung ist allerdings nur dann zulässig, wenn weiterhin eine unmittelbare Gefährdung vom Schüler ausgeht.
Der Antrag auf Suspendierung wird – wie bisher – von der Schulleitung gestellt, die gleichzeitig zu prüfen hat, ob ein Antrag auf Ausschluss des Schülers zu stellen ist. Bei letzterem waren bisher auch die Interessensvertretungen der Schüler stimmberechtigt, ab dem nächsten Schuljahr haben sie nur mehr ein Anhörungsrecht (was die Grünen im Nationalrat immens kritisierten). Die Suspendierung wird durch die zuständige Schulbehörde, die jeweilige Bildungsdirektion, per Bescheid ausgesprochen und dauert höchstens vier Wochen. Bei einem gleichzeitigen Antrag auf Ausschluss ist eine Verlängerung um zwei Wochen möglich.
Suspendierungsbegleitung
Schüler und Erziehungsberechtigte sind verpflichtet, an der neu eingeführten Suspendierungsbegleitung teilzunehmen. Basis ist ein Förderplan von bis zu 20 Wochenstunden, der psychosoziale Maßnahmen (u.a. in Form von Betreuung durch Sozialarbeiter oder Schulpsychologen) und nicht zu beurteilende Unterrichtseinheiten inkludiert. Der suspendierte Schüler ist allerdings auch berechtigt, sich über den durchgenommenen Lehrstoff seiner Klasse regelmäßig zu informieren. Bei besonders schweren Verstößen kann allerdings auch ein Betretungsverbot über den Schüler verhängt werden. Wo die Suspendierungsbegleitung stattfindet, wird je nach Fallkonstellation festgelegt. Bei Gefährdung der Reintegrationsmaßnahme durch den Schüler kann diese sogar komplett online durchgeführt werden.
Perspektivengespräche bei Schulabbruch
Die Suspendierungsbegleitung ist nicht die einzige Innovation im Schulunterrichtsgesetz. Neu eingeführt wird zusätzlich ein verpflichtendes Perspektivengespräch für Schüler, deren Schulbesuch durch eine schriftliche Abmeldung oder durch einen Ausschluss beendet wurde. Ist das Kind minderjährig, hat auch einer der Erziehungsberechtigten teilzunehmen. Ziele sind einerseits eine Beratung über den weiteren Bildungsweg, andererseits eine Rückmeldung über förderliche und hinderliche Bildungsfaktoren an der Schule.
Kopftuchverbot bis zum 14. Lebensjahr
Weiters wurde im § 43a ein Kopftuchverbot für Schülerinnen bis zum 14. Lebensjahr normiert. Dies betrifft – verfassungsrechtlich umstritten – nur die Verhüllung „nach islamischen Traditionen“. Das Verbot gilt nur in der Schule, nicht jedoch im dislozierten Unterricht oder bei Schulveranstaltungen außerhalb der Schule. Verantwortlich für die Einhaltung dieser Regelung sind die Erziehungsberechtigten. Bei Verstößen gegen das Kopftuchverbot werden die Schulbehörde und – im Wiederholungsfall .- die Kinder- und Jugendhilfeträger verständigt. Es drohen außerdem empfindliche Geldstrafen in der Höhe von 150 bis zu 800 Euro, im Fall der Uneinbringlichkeit eine Ersatzfreiheitsstrafe bis zu 2 Wochen.
Die Strafbestimmungen des § 80 b gelten nicht nur für Verstöße gegen das Kopftuchverbot, sondern auch bei einer fehlenden Mitwirkung an der Suspendierungsbegleitung und des Perspektivengesprächs. Bei Verletzung der Schulpflicht wurden die Geldstrafen ebenfalls auf das höhere Betragsniveau angehoben.
Die neuen Regelungen gelten ab dem nächsten Schuljahr 2026/27, ab dem 1. September 2026. Eine Aufklärungsphase soll im Februar starten. Zeit genug für alle Erziehungsberechtigten, sich mit der Materie zu beschäftigen und sich an die neuen Verhaltensnormen zu gewöhnen.
Der 9. November 1989 gilt als eines der wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts und ist Bestandteil vieler Dokumentationen, Diskussionsrunden und historischer Abhandlungen. Und das natürlich zu Recht. Der Fall der Berliner Mauer und die damit verbundene Wiedereinführung der Reisefreiheit zwischen Ost- und Westdeutschland ebneten den schnellen Weg zur deutschen Einigung, die bereits am 3. Oktober 1990 rechtlich abgesegnet wurde. Dass die 530.000-Einwohnerstadt Leipzig bei der sogenannten „Friedlichen Revolution“ eine maßgebliche Rolle spielte, ist weniger bekannt.
Die ersten Versammlungen fanden bereits 1982 in Form von Friedensgebeten in der Nikolaikirche statt: Die älteste Kirche Leipzigs aus dem 12. Jahrhundert mit großem Kirchhof und Brunnen. Einer der Protagonisten der Pfarrer Christian Führer, von dem auch der Slogan „Offen für alle“ stammte. Die ersten größeren Demonstrationen fanden Ende 1988 statt. Die beteiligten Personen forderten Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit in der DDR, zahlreiche Systemkritiker wurden von der Volkspolizei verhaftet. Im September wurde der Nikolaikirchhof von der Volkspolizei abgeriegelt, wieder gab es zahlreiche Festnahmen. Das Motto von Pfarrer Christoph Wonneberger beim Friedensgebet: „Wer andere willkürlich der Freiheit beraubt, hat bald selbst keine Fluchtwege mehr!“
Am 9. Oktober 1989 sollte sich die Lage dann komplett drehen. Die „Leipziger Sechs“, denen auch der 1. SED-Bezirkssekretär für Kultur und zwei weitere Bezirkssekretäre angehörten, appellierten für Gewaltlosigkeit und forderten einen freien Meinungsaustausch. Am Karl Marx-Platz (heute: Augustusplatz) versammelten sich über 70.000 Menschen und skandierten „Wir sind das Volk“ und „Keine Gewalt“. Volkspolizei und Stasi schritten zum ersten Mal nicht ein, die Versammlung löste sich ohne SED-Eingriff um 2030 Uhr auf.
Ein Ostberliner Kamera-Team filmte - trotz einer Strafdrohung von bis zu 12 Jahren wegen Agententätigkeit – die Demonstration und versendete die sensationellen Aufnahmen zu den ARD-Studios. Ein Motivationsschub für alle Systemkritiker landesweit. Bei der nächsten Montagsdemonstration waren bereits 160.000 Menschen auf den Straßen Leipzigs unterwegs. Die größte Demonstration fand 3 Monate vor dem Mauerfall am 6. November mit 400.000 Menschen statt.
Wer sich heute über diese spannenden Monate der deutsch-deutschen Geschichte genauer informieren will, der sollte einen Ausflug in die hippe Kultur-Metropole Sachsens planen. Neben einem direkten Lokalaugenschein in den Straßen und Gassen der Stadt empfiehlt sich vor allem das Zeitgeschichtliche Forum in der Grimmaischen Straße und das Museum zur Runden Ecke, in dem einst die Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit untergebracht war. Im Dezember 1989 wurde dieses von einem Bürgerkomitee besetzt, um die Vernichtung der Stasi-Akten zu verhindern.
Auf dem Augustusplatz erinnert seit dem 9. Oktober 2009 die 150 cm große Demokratieglocke an die Friedliche Revolution. Jeden Montag schlägt sie genau um 18.35 Uhr zwölfmal. Genau zu dieser Zeit begann einst die legendäre Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989.
In Metropolen wie London, Berlin oder Barcelona finden jedes Wochenende Festivals aller Art statt. Wien lebt da leider ein stiefmütterliches Dasein. Im November sollte sich dies allerdings ändern. Wobei: Die Location der beiden November-Techno-Nights liegt eigentlich gar nicht in Wien, sondern in Niederösterreich: Die bereits früher von diversen Veranstaltern genutzte 42 Meter hohe Pyramide Vösendorf. Organisation, Idee und Konzept stammen allerdings vom renommierten Wiener O-Klub, der im September erstmals unter dem neuen Brand „Signal“ Ibiza-Legende Carl Cox in den coolen Club unter der Staatsoper lockte. Motto: „A New era of electronic music. Driven by sound, guided by the light.“ Anna Tur, Lilly Palmer, Hannah Laing oder Fatboy Slim, nur einige der hochkarätigen DJ-Superstars, die den Freitag im O zum Treffpunkt der internationalen House- und Technoszene machten.
Die Expansion ließ nicht lange auf sich warten, the Pyramid Takeover (witzigerweise namensgleich mit einer Techno-Underground-Party im Amnesia Ibiza) could start. Gebucht wurden als Headliner Korolova und Mrak bzw. Charlotte de Witte und Reinier Zonneveld. Die Anfahrt erinnerte zumindest etwas an die Rave Nights der 90er, als sich Party People verschiedenster Nationen an neuralgischen Orten trafen, um dann gemeinsam den Weg zum Warehouse-Tempel auszuspähen. Im Jahr 2025 ist das allerdings einfacher: Die Badner-Bahn fährt jetzt sogar nachts durch und transportiert die Techno-Community Richtung SCS Vösendorf, von dort sind es nur ein paar Meter zum überfüllten, aber top-organisierten Eingangsbereich der Pyramide.
Ein besonderes Highlight des Signal-Festivals war der fast ausverkaufte Auftritt von Charlotte de Witte am letzten Novemberfreitag. Die 33jährige belgische Techno Queen, die beim Tomorrowland 2022 auf der Hauptbühne sowohl den Opening- als auch den Final-Act vor 200.000 Besuchern absolvierte, enterte 2025 mit Platz 9 zum ersten Mal die Top Ten des DJ Mag-Rankings, seit 2019 (!) ist sie die Nr. 1 unter den Techno-DJ´s. Und das, obwohl die aus Gent stammende Künstlerin eigentlich zuerst mit Electro-Sound die Dancefloors füllte.
Nach dem treibenden Support der beiden Wiener DJ´s Albin Brezlan und Mark Michael lässt Charlotte de Witte allerdings keine soundtechnischen Fragen offen. „Techno Code“ heißt der Opening-Track, eine Kooperation mit dem italienischen Techno-DJ Enrico Sangiuliano. Dieser ist seit 2022 ihr Ehemann und lebt mit ihr auf einem Landgut in der Nähe von Lissabon. Ein Rückzugsort zu den schweißüberströmten Techno-Nights, die aber Witte keineswegs missen möchte. „Techno ist für mich eine Form des Friedens und der Entspannung. Ich mag es pur, roh, loopig und repetitiv. Musik, die einen in Trance versetzt, anstatt die Sinne zu überreizen“, so de Witte in einem aktuellen „Vogue“-Interview.
„Overdrive“ (mit den hypnotischen Lyrics „Feel the ecstasy, I feel you close to me. Increase the energy. Living wild and free“) oder der mit indischen Mantras unterlegte neue Track „Vidmahe“ zählen zu dieser Kategorie und stehen auch auf der Setlist der Pyramiden-Show. Ebenso wie „No Division“ und der mit dem Drum & Bass-Artist Comma Dee produzierte Track „The Heads that know“, die aus ihrem – nach dem Release von 25 (!) EP´s – im November veröffentlichten Debüt-Album „Charlotte de Witte“ stammen. „Eine Hommage an die Clubmusik und all die Clubs, die mein Leben verändert haben“, so Witte, die ihren Auftritt in der randvollen Pyramide lässig tanzend und lächelnd an den Turntables genießt.
Wer ihren brillanten Gig fahrlässigerweise versäumt hat, der sollte mal ihre Instagram-Seite (mit über 4,3 Millionen Followern) besuchen oder diverse You Tube-Festival-Clips checken. Analog geht es in der Pyramide Vösendorf am 13. März 2026 weiter, Signal Festival Part Two mit Sara Landry und Nico Moreno…
Martin Thür kennt man in der österreichischen Medienszene als profunden Investigativjournalisten und akribisch fragenden ZIB 2-Moderator, jetzt hat der aus St. Pölten stammende Journalist ein Buch geschrieben: „Macht und Kontrolle – Wie Journalismus Macht kontrolliert und wann er daran scheitert“. Die Buchpräsention fand im Wiener Thalia-Mitte statt, in Form eines spannenden Gesprächs mit dem ehemaligen Profil-Chefredakteur Herbert Lackner. Dieser konfrontierte ihn leicht ironisch mit dem Attribut „Babler-Macher“. Tatsächlich hat Thür – „sitzend in Jogginghosen vor dem Fernseher“ – erkannt, dass beim Ergebnis der SPÖ-Kampfabstimmung zwischen Babler und Doskozil eine Stimme fehlte. Ein dementsprechender Tweet führte dazu, dass die Stimmen am Tag danach neu ausgezählt wurden. Dadurch stieß man auf einen viel folgenschwereren Fehler: Eine Person hatte die Zahlen verkehrt in die Excel-Tabellen eingetragen. Der neue Parteiobmann hieß somit Babler und nicht Doskozil.
Sein Job sei es, „Fakten auf den Tisch zu legen“, so Thür im Gespräch mit Lackner. Gebracht wird, was man beweisen kann. Thür verweist dabei auf den ehernen journalistischen Grundsatz „Check. Recheck. Doublecheck.“ Bei der Babler-Causa hätte man theoretisch schon zu Mittag in die mediale Öffentlichkeit gehen können, eine einzige Quelle reichte allerdings nicht aus zur Einhaltung der journalistischen Sorgfalt. Leider würden sich immer öfter klickgesteuerte Online-Medien über dieses Prinzip hinwegsetzen.
Die durch den digitalen Umbruch finanziell schwer angeschlagenen Tageszeitungen stehen vor einem nicht immer transparenten Balance-Akt. Einerseits sollen sie als „vierte Gewalt“ die Mächtigen kontrollieren und politische und wirtschaftliche Missstände aufdecken, andererseits sind sie von Inseraten und Förderungen abhängig. Thür selbst „kann mit Blattlinien nichts anfangen“, die Redaktion müsse unabhängig vom Eigentümer agieren können. Bei der Washington Post wurde zuletzt gegen dieses Prinzip verstoßen. Deren Eigentümer, der Amazon-Gründer Jeff Bezos, ließ eine Wahlempfehlung der Redaktion für Kamela Harris zurückziehen, er selbst ist erklärter Trump-Unterstützer und war Gast bei seiner Amtseinführung.
Thür ist neben seiner Tätigkeit als ZIB 2-Moderator ständig mit längeren Recherchen beschäftigt, und das auch medienübergreifend wie im bewährten Team ORF, Standard und Profil. Grund der Kooperationen ist nicht nur die Komplexität der Sachverhalte, sondern das zunehmende personelle Ungleichgewicht zwischen den Redaktionen und den PR- und Kommunikations-Teams der Politiker, Ministerien und Unternehmen. Die internen Quellen ergeben sich je nach Fallkonstellation, das können enttäuschte Ex-Parteimitglieder, aber auch Aktivisten und Anwälte sein. Informanten können sich auch aus früheren Bekanntschaften ergeben wie beim Watergate-Skandal: Journalist Bob Woodward hatte den „Spitzel“, FBI-Ermittler Mark Felt (aka „Deep Throat“) als Marineoffizier im Weißen Haus kennengelernt. Entscheidend sei für Thür, dass er die Motive der Informanten kenne und dass die übermittelten Informationen verifiziert werden können.
Dass die gesamte Politik korrupt sei und sich nur selbst bereichern wolle, das verneinen Thür und Lackner unisono. Umgekehrt herrsche seitens der Bürger ein „legerer Umgang“ mit Korruption. Dies betreffe nicht nur die versuchte Einflussnahme bei Postenbesetzungen oder diversen behördlichen Genehmigungen, sondern auch den scheinbar rechtmäßigen Hausbau per Schwarzarbeit. Vielleicht auch ein Mitgrund, warum die politische Rücktrittskultur in Österreich sehr mäßig ausgeprägt ist…
Das historische Zentrum Roms wurde 1980 zum Weltkulturerbe erklärt, das mysteriöse Stonehenge 1986. Im Jahr 1999 entschied sich das Welterbekomitee u.a. für die bezaubernde Altstadt Ibizas, Dalt Vila. Und nur ein Jahr später, am 30. November 2000, durfte sich die Wachau inklusive der pittoresken Altstadt-Perlen Krems und Stein mit dem ehrenwerten Titel einer Weltkulturerbestätte schmücken. Insgesamt 1248 gibt es bis dato weltweit, 12 davon in Österreich.
Kulturlandschaft Wachau
Die damalige Begründung für das Weltkulturerbe „Kulturlandschaft Wachau“ kann nur jeden Einheimischen mit Stolz erfüllen: „Die Wachau ist ein hervorragendes Beispiel einer von Bergen umgebenden Flusslandschaft, in der materielle Zeugnisse ihrer langen historischen Entwicklung in bemerkenswertem Maße erhalten geblieben sind.“ (Kriterium ii) „Die Architektur, die menschlichen Siedlungen und die landwirtschaftliche Nutzung des Bodens in der Wachau veranschaulichen eine im Grunde mittelalterliche Landschaft, die sich im Laufe der Zeit organisch und harmonisch entwickelt hat“. (Kriterium iv)
Das eingetragene Gebiet umfasst eine Fläche von 18.462 Hektar zuzüglich einer Pufferzone von 2.837 Hektar und inkludiert insgesamt 15 Gemeinden, von Melk im Westen bis Krems im Osten. In der Erklärung des Welterbekomitees wird insbesondere auf die kontinuierliche Entwicklung der Architektur (Kloster, Burgen, Ruinen), die Stadtplanung (Städte, Dörfer) und die landwirtschaftliche Nutzung (in Form von Wein- und Marillenbau) hingewiesen. Seit dem Jahr 2021 zählen auch Teile des Donaulimes in Mautern zum Weltkulturerbe, dort verlief einst die nördliche Grenze des Römischen Imperiums. Als besonders eindrucksvolle Gebäude der Barockzeit zählen die Klöster Göttweig und Melk. Man kann von Glück reden oder vielmehr den Widerstand jener Bürger in höchsten Tönen preisen, die in den 1970ern den Bau eines Wasserkraftwerks bei Rossatz gegenüber von Dürnstein verhinderten. Die Auswirkungen wären nicht nur auf den späteren Welterbestatus, sondern auch auf den Tourismus und das Lebensgefühl der Wachauer frappant gewesen.
Nächtigungszahlen um 30 Prozent gesteigert
Dass die Verleihung zum Weltkulturerbe zu einem Fremdenverkehrs-Boom geführt hat, das zeigen die Statistiken. Die Nächtigungszahlen haben sich laut dem Geschäftsführer der Donau Niederösterreich Tourismus GmbH, Bernhard Schröder, um rund 30 Prozent gesteigert. Pro Saison weist die Wachau ca. 800.000 Nächtigungen auf, 60 Prozent der Gäste kommen aus dem Ausland. Dürnstein mit seiner wunderschönen in den 80ern restaurierten blauen Kirche muss sich aufgrund des grassierenden Schifffahrtstourismus sogar mit dem Problem des „Overtourism“ konfrontieren, an manchen Tagen kommen bis zu 12.000 Besucher in die 800 (!)-Einwohner-Stadt. An Modellen der Besucherentzerrung wird ständig gearbeitet, im Winter 2025 punktet Dürnstein erstmals mit einem „schwimmenden Adventmarkt“.
Kultur- und Bildungsmetropole Krems
Auch die Stadt Krems konnte sich 2024 – trotz des Hochwassers im September – über ausgezeichnete Werte freuen. Die Nächtigungszahlen betrugen 248.764 und erreichten fast den Rekordwert von 2019 (256.523). Die fünftgrößte Stadt Niederösterreichs, 1986 bei der Landeshauptstadt-Wahl nur vom einwohnerstärkeren St. Pölten geschlagen, positionierte sich schon jeher als Bildungs- und Kulturmetropole. Dass das Welterbe-Etikett zusätzlich zu einem Push geführt hat, liegt allerdings auf der Hand. Die Kunstmeile zwischen Krems und Stein wurde u.a. durch das von Manfred Deix inspirierte Karikaturmuseum und den Marte-Monumentalbau der Landesgalerie Niederösterreich erweitert. Letztere zeigt aktuell in der Ausstellung „Unterwegs. Reise in die Sammlung“ Kunstwerke aus dem Weltkulturerbe Wachau, darunter das acht Meter lange „Panorama des Donautals mit der Ruine Dürnstein“ von Anton Hlavacek bzw. Gemälde von Maximilian Suppantschitsch, Tina Blau-Lang, Marie Egner und Anton Faistauer. Die Kunsthalle Krems feierte kürzlich ihr 30jähriges Jubiläum und beeindruckt derzeit mit der Solo-Exhibition des New Yorker Künstlers Jo Bradley.
Im Jahr 2005 wurde der Campus Krems eröffnet, der heute neben der bereits 1994 gegründeten Donauuniversität Krems die IMC Hochschule für Angewandte Wissenschaften und die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften umfasst. Rund 12.000 Personen studieren auf dem 50.000 m2 großen Areal, das auch das attraktive Programm-Kino im Kesselhaus und eine Filmbar inkludiert. Neue Zielgruppen, die allerdings von der Stadt Krems sträflich vernachlässigt werden. Vor allem hinsichtlich der Infrastruktur in den Bereichen Unterhaltung und Nightlife steht man allerdings seit Jahrzehnten auf der Bremse.
Fehlende Unterhaltungsangebote
Ein Theater, ein hipper House Club, eine Donaubühne oder eine moderne Veranstaltungshalle für Konzerte, Bälle, Kabaretts und das alljährlich stattfindende Donaufestival: Alles Fehlanzeige in der Wachaumetropole Krems. Hier geht es nicht um das ob, sondern um das Wann (so schnell wie möglich) und um das Wie. Parteipolitische Streitereien (wie beim im Sommer 2026 neu eröffneten Hallenbad und der geplanten Errichtung einer Event-Location in der Dominikanerkirche) haben hier nichts verloren.
Das Weltkulturerbe ist ein wichtiger Image- und Prestigefaktor für eine Stadt und eine Region. Dieser Wettbewerbsvorteil darf allerdings nicht durch fehlende Investitionen in Unterhaltung, Freizeit und Kultur verspielt werden…
„Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute“ – Geflügelte Worte aus einem literarischen Meisterwerk und gleichzeitig ein schlagkräftiger Marketingslogan für die 600.000 Einwohner-Stadt Sachsens. Der geistige Schöpfer Johann Wolfgang von Goethe, das Drama „Faust“, beide untrennbar verbunden mit Leipzig.
Der gebürtige Frankfurter Goethe kam 1765 nach Leipzig, um dort auf Anraten seines Vaters Jura zu studieren. Doch schon bald lockte die attraktive und weltoffene Stadt mit verführerischen Ablenkungsangeboten. Goethe lernte seine erste Liebe kennen, die Wirtshaustochter Käthchen Schönkopf, besuchte das Theater „Komoedienhaus auf der Rannischen Bastei“ und trieb sich gerne mit seinem Freund Behrisch in diversen Wein- und Bierlokalen herum. Das berühmteste: Der Auerbachs Keller im Zentrum Leipzigs in der Grimmaischen Straße 2-4, eröffnet 1538 durch den Arzt und Universitätsrektor Heinrich Stromer (aka „Dr. Auerbach“). Dieser wurde nicht nur zur Stammkneipe Goethes, sondern auch zur Inspiration für seine „Faust“-Dramen. Dort im Keller hing nämlich ein altes Wandbild der Sagenfigur Dr. Faust, wie dieser auf einem Fass herumreitet. Viele Jahre später machte sich Goethe den Faust-Stoff zu eigen und veröffentlichte 1805 den ersten Teil der Tragödie. Teil 2 wurde 1832 kurz nach seinem Tode publiziert.
Auerbachs Keller im „Faust“
Im ersten „Faust“-Drama spielt der Auerbachs Keller (als einziger real existierender Ort des gesamten Werks) eine besondere Rolle. Der Teufel Mephisto schleppt den depressiven Dr. Faust in eine „lustige Gesellschaft“, feiert dort mit armen Studenten und lässt aus einer Tischplatte Wein fließen. Die Stimmung eskaliert, als der Wein verschüttet wird und eine Flamme aufsteigt. Nach einem weiteren Zaubertrick verlassen Faust und Mephisto die Kneipe, einer der verblüfften Studenten fabuliert den berühmten Satz „Ich hab ihn selbst hinaus zur Kellertüre – Auf einem Fasse reiten sehn“.
Hot Spot Auerbachs Keller
Der reale Auerbachs Keller wurde 1913 im Rahmen des Abbruchs der darüberliegenden mitteralterlichen Bebauung saniert und erweitert. Er besteht jetzt aus dem neuen „Großen Keller“ und den vier historischen Weinstuben (Fasskeller, Lutherzimmer, Goethezimmer, Alt-Leipzig), die zu besonderen Anlässen geöffnet werden. Der Zugang liegt jetzt in der neu errichteten Mädlerpassage. Vor den Eingängen wurden zwei Skulpturengruppen des Bildhauers Mathieu Molitor aufgestellt, die eine zeigt Faust und Mephisto, die andere drei durch Mephisto verzauberte Studenten. Ein Selfie-Hot Spot nicht nur für Touristen vor der legendären Inschrift „Wer nach Leipzig zur Messe gereist, ohne auf Auersbachs Hof zu gehen, der schweige still, denn das beweist: Er hat Leipzig nicht gesehn.“
Goethe selbst lebte von 1765 bis 1768 in Leipzig, er wohnte an der Ecke Grimmaischen Straße/Neumarkt gleich in Nähe des Auerbachs Kellers (wo heute das Galeria Kaufhaus steht). Ein Goethedenkmal ziert den Naschmarkt vor der Alten Börse in der Innenstadt Leipzigs, das von Carl Seffner 1903 geschaffen wurde. Goethe wird dabei als Student dargestellt, der mit einem Buch in der rechten Hand durch die Stadt schreitet. Kongenial Richtung Auerbachs Keller.
Fertigstudiert hat Goethe in Leipzig nicht, er verließ die Stadt 1768 nach einer lebensgefährlichen Magenerkrankung. Abgeschlossen hat Goethe das Jurastudium 1771 in Straßburg, bevor er sich nach kurzer juristischer Praxis auf seine Karriere als Dichter und Schriftsteller konzentrierte. Eine kluge Entscheidung.
„Philipp Hochmair ist als Schauspieler schwer zu bändigen und als Mensch oft nicht zu gebrauchen, aber er ist nie egal“, so die Autorin Katharina von der Leyen im Vorwort ihrer Biographie über den „Jedermann“-Star. Bei einem Live-Podcast in der Buch Wien beschreibt Hochmair das Schauspiel als „Balanceakt zwischen Ekstase und Kontrolle“. Im Linzer Schauspielhaus, Schauplatz einer Buchpräsentation oder nennen wir es passender Bühnen-Performance, mag dies noch auf den ersten Teil zutreffen, auf die Verlesung des Vorworts und auf ein lässiges Interview mit dem Hamburger Journalisten David Baum. Wenn dann die ersten „Hochmair, wo bist du“-Schreie ertönen, dann existiert nur mehr ein Motto: You gotta say yes to another excess.
Immer Funktionieren
Der dritte Versuch einer Biographie, zwei scheiterten, ist für Hochmair kein schlichtes Marketingprodukt, sondern ein Mittel zur Selbstreflexion. „Wenn ich Artikel über mich lese, frage ich mich: Wer ist dieser Mann, der hier beschrieben wird? Kenne ich den?“ schreibt Hochmair im Nachwort, das vom Bühnenexzentriker live performt wird. Immer wieder spricht der in Ottakring aufgewachsene Sohn eines Ingenieurs und einer auch am Burgtheater tätigen Ärztin von der Enge und der Einsamkeit in Wien. „Es ging in meinem Leben von Anfang an immer ums Funktionieren. Als Kind, in der Schule und zu Hause. Und ich habe immer funktioniert.“ Sein Vater war fassungslos, als Hochmair als Kind die Balladenverse des österreichischen Schauspielers Albin Skoda (1909-1961) zitierte.
Totentanz
In der Schule fiel sein Schauspieltalent zum ersten Mal auf, als er – im Stile des „Clubs der toten Dichter“ – auf einen Tisch stieg und dort den „Totentanz“präsentierte. „Schon trübet der Mond sich verschwindenden Scheins, Die Glocke, sie donnert ein mächtiges Eins, Und unten zerschellt das Gerippe.“ Die Ballade Goethes aus dem Jahr 1813 dürfte bald populärer als manch ein Falco-Song, sie stand auf der „Tracklist“ im TV, bei der Buch Wien und natürlich bei den bisherigen Performances im Wiener Volkstheater, im Hamburger Thalia-Theater und im Linzer Schauspielhaus.
Der Taucher
„"Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp, Zu tauchen in diesen Schlund?“ - Eine weitere Ballade, Schillers „Taucher“, war das Eintrittstor Hochmairs in eine neue, faszinierende Welt der Kunst und des Theaters. Klaus Maria Brandauer lauschte seinem Vortrag bei den Aufnahmetests und nahm ihn ins Max Reinhardt-Seminar auf, seine erste Rolle spielte er im Salzbergwerk von Altaussee. 1997 wurde Hochmair Mitglied der „Gruppe Stemann“, benannt nach dem Hamburger Gründer Nicolas Stemann. Hochmair kreierte gemeinsam mit dem Regisseur ein neues Theaterformat, und zwar die Transformation eines ganzen Stücks in einen Monolog. „Werther“ war der erste Streich, viele andere folgten sogleich, Kafkas „Prozess“, Stifters „Hagestolz“, die Schiller-Raves und natürlich der „Jedermann“.
Theaterkarriere
„Am liebsten auf der Bühne schlafen, Textbuch essen, im Kostüm leben und reisen, als selbstrekrutierter Kunstkrieger, als kreativer Soldat“: Hochmair spielte am Burgtheater und am Hamburger Thalia-Theater, bei den Salzburger Festspielen war er bereits 2008 als Franz Moor („Die Räuber“) und 2011 als Fausts Mephisto zu sehen. Mit dem „Jedermann“ beschäftigt sich Hochmair als Work in Progress seit 2012, in seiner Adaption spielt er alle Rollen selbst und tobt wie ein Rockstar über die Bühne, begleitet von den ehemaligen Dresdner Ostpunks „Elektrohand Gottes“. Die „Jedermann Reloaded“-Shows (u.a. als Premiere 2013 in Salzburg, im Burgtheater und sogar im Wiener Stephansdom als Life Ball-Benefiz) wurden so populär, dass eines Tages im August 2018 ein Anruf kam. Bei den Bühnenperformances schrillte laut das Telefon.
„Jedermann“ Tobias Moretti erkrankte während der Salzburger Festspiele, Hochmair wurde gefragt, ob er einspringen könne. Ohne Proben. „Und ich habe Ja gesagt“, Applaus brandet im Publikum auf. Für insgesamt fünf Aufführungen schlüpft Hochmair in die Rolle des reichen Mannes, der plötzlich mit dem Tod konfrontiert wird.
Jedermair
„Und dann kam gar nichts. Sie haben Lars Eidinger gefragt. Aber ich bin doch der Jedermann!“ rotierte Hochmair hysterisch-verzweifelt auf dem Bühnenparkett. Es folgte – zumindest bei der Performance – der steile Absturz ins Bodenlose. Hochmair wird zum homosexuellen Stricher auf St. Pauli, der sich in 24-Stunden Kneipen wie dem berüchtigten Elbschlosskeller seiner Alkoholsucht hingibt. Ein stilistisches Mittel, wie Hochmair bei der Buch Wien erklärt. Der Zuschauer liebt Krisen, daher vermische er bei seiner Performance Dichtung und Wahrheit und baue fiktionale Elemente ein. Als „Gestiefelter Kater“ (eine Rolle, die er tatsächlich am Thalia Theater gespielt hat) kämpft er sich zurück, macht eine Entziehungskur und wird schlussendlich zum Star auf den TV-Schirmen, als „blinder Katzenkommissar“ („Kommissar Blind“), homosexueller Skandalpolitiker Schnitzler („Danke Frau Zechner für die Rolle in den Vorstadtweibern“) und als „Wannseekonferenz“-Leiter Reinhard Heydrich. Bis wieder das Telefon klingelt.
Magic Mushrooms
Die 2. Chance, und dieses Mal ohne Einspringen. 2024 wird der unangepasste Charismatiker Hochmair zum neuen „Jedermann“ nach einer modernen Inszenierung von Robert Carsen. „Weg mit der Armeehose, weg mit den Schuhen!“, die Elektrohand Gottes spielt im Schauspielhaus eine kurze Jamsession. Bis Hochmair, mit Hippie-Perücke und nur mit Unterhose bekleidet, noch in einen – von Doors-Endzeitsound begleiteten – minutenlangen Magic Mushroom-Taumel stürzt. Eine Therapie, die er tatsächlich in Amsterdam absolviert hat.
„Plötzlich sehe ich mich selbst, Danke fürs tolle Leben, es ist alles richtig, es lebe das Theater“, kurz vor dem Szenen-Applaus auf den Tribünen. Danach gibt es Autogramme und einige Selfies im Foyer, traditionell mit nacktem Oberkörper und ohne Schuhe. Man fährt ja auch in die Gruben nackt und bloß“, ein Vorgeschmack auf den „Jedermann“ im Sommer 2026. Hochmair spielt zum dritten Mal die Rolle seines Lebens…
„Auf der Reeperbahn nachts um halb eins. Ob du'n Mädel hast oder ob kein's. Amüsierst du dich. Denn das findet sich. Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ - Hans Albers hat dieses Lied in den 50ern berühmt gemacht, entstanden ist es bereits 1912 durch Ralph Arthur Roberts für seine Revue „Bunt ist die Welt“. Ein legendärer Schlager über das Nachtleben St. Paulis und die „sündigste Meile der Welt“, die Reeperbahn. Dort, wo heute noch immer die Bordsteinschwalben in ihre Etablissements locken, Party-Touristen gnadenlos in den Clubs und Bars abstürzen und gescheiterte Existenzen ihre letzten Euros in 24 Stunden-Kneipen verprassen.
History
Es gibt allerdings seit 2006 ein Wochenende im Jahr, an dem die Indie-Hipster, Pop-Fetischisten und Elektronik-Freaks den Hamburger Vergnügungs-Hot Spot St. Pauli stürmen, um dort den heißesten Newcomern und neuesten Trends der internationalen und nationalen Musikszene zu lauschen. It´s Time for Reeperbahn Festival, seines Zeichens Europas größtes Clubfestival und Plattform für internationale Popkultur. Ein Live-Event zum Angreifen mit rund 45.000 Besuchern in einer Welt, die sich immer mehr in den sozialen Medien verkriecht und sich von platten Algorithmen steuern lässt. Viele Stars von heute hatten in den letzten 20 Jahren ihre ersten Auftritte beim Reeperbahn-Festival, darunter The Last Dinner Party, Aurora, Kraftklub, Lewis Capaldi, Rag´n´Bone Man, Jake Bugg oder Ed Sheeran, der nach seinem Akustik-Auftritt 2011 im East Hotel einen Plattenvertrag bei einem Major Label erhielt.
Konzept
Das Konzept des Reeperbahn-Festivals hat sich seitdem nicht verändert. Rund 450 Acts aus 30 Nationen standen dieses Jahr auf der Bühne, verteilt auf unglaubliche 70 (!) Locations. Darunter befinden sich nicht nur die großen Clubs der Reeperbahn wie das Docks, der Mojo Club, das Knust oder die Große Freiheit 36, sondern auch zahlreiche kleine Lokale wie der Nochtspeicher, das Häkken oder der 25 Club. Mit einem Festivalticket bzw. einzelnen Tagestickets hat man Zugang zu allen Konzerten, allerdings keine Garantie auf Einlass. Ist die Location voll (was neben der Security zusätzlich durch eine App kommuniziert wird), muss man sein Festival-Programm umdisponieren. Dass vor allem nach Einbruch der Dunkelheit oft zwei oder mehr persönliche Favourites parallel spielen, tut ein Übriges. Eine lose Programmplanung während des Tages, die nötige Fitness für die Märsche zwischen den Locations und schnell gekippte Bier nach dem Ende eines Gigs, alles Must be´s für eine coole Festival-Night im Hexenkessel der Reeperbahn.
Molotow Nights
Einige Highlights der individuellen St. Pauli-Magical Mystery Tour. Und diese Wortkombination ist nicht zufällig gewählt. Denn die Beatles spielten Anfang der 60er vor ihrem internationalen Durchbruch in den Clubs und Bars der Reeperbahn. Insgesamt 92mal, und das bis zu 8 Stunden pro Abend, traten die Liverpooler Pilzköpfe im Top Ten Club auf. Heute residiert an der Reeperbahn 136 der Kult-Club Molotow, der Ende 2024 seinen Standort am Nobistor aufgeben musste. Die gebuchten Bands dort sorgten auf jeden Fall für schweißtreibende Konzert-Nächte, egal ob die australischen Indie-Rocker Delivery oder die Dubliner Post Punker Just Mustard (mit der cool-sphärischen Front-Frau Katie Ball). Neue, zartere Akzente setzte die Blood Red Shoes-Sängerin Laura Mary Carter mit folkigen Tracks aus ihrem Debüt-Album.
Uebel und Gefährlich
Im kleinen Underground-Club Bahnhof Pauli präsentierte das schottisch-amerikanische Duo Witch Post mystischen Indie-Pop. Im ehemaligen Hamburger Flak-Turm Uebel und Gefährlich, rund 1 km entfernt von der Reeperbahn, begeisterten das texanische Dark-Wave-Duo Twin Tribes und die aus dem Indie-Rave-Paradies Manchester stammende Chloe Slater. Die Britin dürfte bereits einen Karriere-Turbo gezündet haben, sie ist 2026 Teil des Line Ups beim hochklassigen Madrider Mad Cool-Festival. Bereits zur Creme de la Creme der europäischen Musikszene zählt die dänische Elektronik-Künstlerin Mo, die in der Großen Freiheit 36 ihr neues Album „Playgirl“ und natürlich ihren mit Major Lazer produzierten Nr. 1-Hit „Lean on“ servierte. Sein Vater und seine Mutter thronten wochenlang auf den Spitzenplätzen der Charts, jetzt versucht es der Sohn. Gene Gallagher, Sprössling von Oasis-Legende Liam Gallagher und Nicole Appleton (All Saints), geigte mit seiner Band Villanelle – noch ohne offiziellen Release – im 25 Club auf. Auch auf ihn wartet im Sommer die heiße Madrider Sonne.
Robert Stadlober
Gesellschaftskritik und politische Lyrik dürfen beim Reeperbahn-Festival nicht fehlen. Der österreichische Schauspieler und Musiker Robert Stadlober lädt, lässig gestylt mit Shorts und Hut, zu einem Tucholsky-Abend in die pittoreske St. Pauli-Kirche. „Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut“ heißen das Programm und das dazu gehörende Album, auf dem Stadlober Gedichte des linken Berliner Schriftstellers Kurt Tucholsky (1890-1935) vertont. „Vom jugendlichen Überschwang über die Melancholie des mittleren Alters bis zum erlösenden Ende“, so Stadlober in einem Interview.
Lovehead vs. Kraftklub
Absolute Newcomer sind die drei burgenländischen Musikerinnen Anna, Elena und Mara aka lovehead. Auf FM4 belegten sie mit ihrer „Wir sind Helden“-angehauchten Debüt-Single „Denkst du an mich“ wochenlang Platz 1 der Charts. Judith Holofernes „Nur ein Wort“ durfte dann naturgemäß bei ihrem mitreißenden Set im Kaiserkeller nicht fehlen. Dort, wo die Beatles einst 1960 ihre ersten Gigs spielten.
Der besondere Clou: Als Support (!) der Girls enterten Kraftklub gemeinsam mit der Rapperin Domiziana die Stage und präsentierten dort ihre neue Single „Unsterblich sein“. Einer von 15 (!) Kurz-Auftritten der Chemnitzer Band in einer einzigen Nacht. Eine Kiez-Tour deluxe von der St. Pauli-Kirche, dem FC St. Pauli-Fanshop bis hin zum Molotow, dem Kaiserkeller, dem Docks und schlussendlich dem Grünspan. Ein perfektes Marketing-Instrument für das neue Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“, aber auch ein Dankeschön für das Reeperbahn-Festival, bei dem sie erstmals 2011 aufgetreten sind. Kurze Zeit später schossen sie mit ihrem Debüt-Album auf Platz 1 der deutschen Charts. Und damit schließt sich der Kreis.
Donald Duck, Fix und Foxi, Lucky Luke, die Simpsons, alle waren sie schon im Karikaturmuseum Krems. Nun lockt ein neuer Comic-Held in den Gustav Peichl-Bau. Einer, den man vielleicht als Erwachsener nur kennt, wenn man Kinder hat. Denn der „Grüffelo“ zählt zu den erfolgreichsten Kinderbüchern der Welt. Mehr als 18 Millionen Exemplare wurden bis dato verkauft, übersetzt wurden sie in über 110 Sprachen und Dialekten.
Im Mittelpunkt der Handlung steht eine schlaue Maus, die ihre Feinde – einen Fuchs, eine Eule und eine Schlange – mit Erzählungen über ein scheinbar imaginäres Waldmonster, den „Grüffelo“, abschreckt, bis dieses tatsächlich auftaucht. Aber auch in dieser vermeintlich ausweglosen Situation hat die gewitzte Maus eine Lösung parat. Entstanden ist der „Grüffelo“ im Jahr 1999, 2004 erschien die Fortsetzung „Das Grüffelokind“, bei der das Sohn des Grüffelos die gemeinsame Höhle verlässt und auf der Suche nach der Maus ist, die seinen Vater so in Furcht versetzt hat. Doch auch dieses Mal bleibt die Maus tough und rettet sich mit den „Schattenspielen“ des Mondes vor dem sicheren Tod.
Entstanden sind die Grüffelo-Bücher durch eine Kooperation der Britin Julia Donaldson und des Hamburger Kinderbuchillustrators Axel Scheffler. Donaldson war in ihren Anfangsjahren Autorin von Songs und Musicals. Und das merkt man an ihren Texten, die sich durch refrainartige Wiederholungen und Reime auszeichnen. Die Londonerin ist in ihrer Heimat nach J. K. Rowling, Jamie Oliver und James Patterson die Autorin mit der vierthöchsten Anzahl verkaufter Bücher. Der in London lebende Bilderbuch-Zeichner Scheffler wiederum liefert die bunten Karikaturen, die er zuerst mit einfachen Skizzen vorbereitet und dann mit Farbtusche koloriert. Das Karikaturmuseum Krems zeigt derzeit laut Direktor Gottfried Gusenbauer als einziges Museum im deutschsprachigen Raum Grüffelo-Originale.
Für Kinder ein wahres Mekka: Im 1. Obergeschoß des Museums warten auf die jungen (und junggebliebenen) Grüffelo-Fans nicht nur die spannenden Bildergeschichten vom Grüffelo, sondern auch diverse Spiele mit Schattenfiguren, Videos, Rätsel, Zeichenmaterial, Zelte zum Verstecken und eine Pin-Wand, bei der die Kinder ihre eigenen Karikaturen veröffentlichen können. Donaldson und Scheffler stellen außerdem weitere erfolgreiche Comics aus ihrem Repertoire vor: „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ (2001), „Stockmann“ (2008), „Zogg“ (2010) über einen sich „untypisch“ verhaltenden Drachen und „Räuber Ratte“ (2011) mit der nicht nur für Kinder wichtigen Erkenntnis, dass (zumeist) alles Schlechte im Leben irgendwann zurückkommt. Tip: Die Comics sind auch als Animationsfilme nach dem Drehbuch von Donaldson/Scheffler erhältlich.
Im September 2026 soll eine mit Spannung erwartete Fortsetzung der Grüffelo-Geschichten unter dem bewährten Team erscheinen. Der Warm Up für alle Familien bis 1. Juli: Grüffelo & Co. im unterhaltsamen Parcours des Karikaturmuseums Krems.
1998 starb Denniz Pop nach schwerer Krankheit, die Cheiron Studios wurden kurz danach geschlossen. Der Produzenten-Karriere von Max Martin tat dies aber keinen Abbruch, und das trotz einer Zeitenwende in der Musikindustrie. Die MP3-Revolution löste das CD-Business ab, viele Musikfans nutzten Tauschbörsen wie Napster und Emule für illegale Downloads. Ausgerechnet in Schweden meldete sich 2006 ein neuer Player am Musikmarkt: Die Streaming-Plattform Spotify. 19 Jahre später weist diese über 696 Millionen aktive Nutzer pro Monat auf und ist in 184 Märkten verfügbar, der Umsatz 2024 betrug 15,67 Milliarden Euro. Von diesem System dürften – abgesehen von der Promotion – allerdings nur wenige profitieren. Denn Spotify zahlt seinen Artists gerade einmal 0,3 Cent pro Stream, das sind umgerechnet 3 Euro bei 1000 Streams.
Max Martin
Max Martin und seine von ihm produzierten Künstler haben allerdings keinen Grund, sich zu beklagen. Karl Martin Sandberg (so sein richtiger Name) ist die Hit-Fabrik für Superstars wie Pink, Katy Perry, Ellie Goulding, Avril Lavigne oder zuletzt Taylor Swift. „The Fate of Ophelia“ schaffte kürzlich auf Spotify die Marke von 100 Millionen Streams innerhalb von nur 5 Tagen, ein neuer Rekord. Max Martin selbst ist ebenfalls auf Rekordkurs: Nur mehr Paul Mc Cartney (32) hat mehr Nr. 1-Hits in den Billboard-Charts geschrieben als der schwedische Produzent (28).
21th Century Swedish Power
Die nationale Pop- und Dance-Szene Stockholms boomte auch im neuen Jahrtausend: Zara Larsson, Tove Lo, Icona Pop (die mit der späteren „Brat“-Göre Charli XCX den Mega-Hit „I love it“ landeten), Loreen (die für Schweden zweimal den Songcontest gewann) und natürlich die Swedish House Mafia, die – egal, ob in Ibiza, Miami oder Berlin – weltweit die Dancefloors füllen. Ein großes Idol Stockholms weilt allerdings nicht mehr unter uns, Tim Bergling aka Avicii. Der schwedische DJ und Produzent schaffte mit Tracks wie „Seek Bromance“ und „Levels“ den Durchbruch, kreierte mit „Folk House“ und Tracks mit „Wake me Up“ und „Hey Brother“ eine (zuerst heftig von Fans kritisierte) neue Musiksparte, geriet aber durch seinen sensationellen Erfolg in eine Spirale von Burn Out, Erschöpfung und Alkohol- und Medikamentenmissbrauch. Trotz einer Ruhepause beging er im Alter von 28 Jahren im April 2018 Suizid. Nach Bekanntmachung seines Todes flossen auf dem überfüllten Sergels Torg die Tränen seiner Fans.
Avicii Experience
Auf Initiative der Eltern wurde nahe dieses zentralen Stockholmer Platzes ein Museum unter dem Namen „Avicii Experience“ eingerichtet, das im Februar 2022 von Prinz Carl Philipp und Prinzessin Sofia eröffnet wurde. Zu sehen gibt es dort Aviciis ehemaliges Kinderzimmer, sein Home Equipment, das spätere Tonstudio, Goldene Schallplatten und zahlreiche Videos. Wer Lust dazu hat, kann seine Hits nachsingen bzw. remixen. Besonders eindrucksvoll: Eine rasant geschnittene Video-Simulation seines „Fast paced Lifestyles“ mit Auftritten im randvollen Ushuaia Ibiza, schnellen Autofahrten zum nächsten Gig, Paparazzis, jubelnden Menschenmassen und überdimensionalen Wellen. Eine Metapher auf den psychischen Zustand des schüchternen Künstlers, der sich aus dieser Situation nicht mehr befreien konnte?
„One day, you′ll leave this world behind. So live a life you will remember!“, ein Zitat aus dem Avicii-Song „The Nights“, steht im Inneren eines Fan-Schranks kurz vor dem Ausgang. Auch er hinterlässt beim Besucher Melancholie und Traurigkeit. Die Ausstellungskuratoren waren sich der emotionalen Komponente durchaus bewusst und widmeten sich ausführlich den mentalen Problemen des Künstlers. Ein Teil der Einnahmen aus dem Avicii Experience geht übrigens an die von seinen Eltern gegründeten Tim Bergling Foundation, die über psychische Erkrankungen und Suizidprävention aufklären soll.
Lady Gaga
Avicii ist in Stockholm so populär, dass im Mai 2021 die – südlich von Södermalm gelegene - 85 Meter hohe, kugelförmige Veranstaltungshalle, der „Ericsson Globe“, in Avicii Arena umbenannt wurde. Lady Gaga präsentierte dort im Oktober 2025 dreimal hintereinander ihre sensationelle „Mayhem“-Tour. Und auch der Erfolg des New Yorker Superstars hat seine Wurzeln in Schweden. Lady Gaga lernte 2007 in New Jersey Nadir Khayat aka RedOne kennen. Der marokannisch-schwedische Produzent war begeistert von ihrem Vibe und ihrer Kreativität und schrieb für sie u.a. die Superhits „Just Dance“, „Poker Face“, „Bad Romance“, „Alejandro“ und „Judas“. RedOne wurde mit drei Grammy Awards belohnt, Lady Gaga raste mit den beiden „Fame“-Alben in den Pop-Olymp. Die schwedischen Connections dürfte sie nicht vergessen haben. Lady Gagas Abschiedsworte in der Avicii Arena: „Stockholm, you´ve meant so much to me from the start of my career. I love you!“
„Venedig des Nordens“ – So wird die wunderschöne schwedische Hauptstadt gerne bezeichnet, deren 14 Inseln durch 57 Brücken miteinander verbunden sind. Stockholm ist allerdings auch Fashion- und Designzentrum, High Tech-Region, Museen-Hot-Spot und natürlich die Heimatstadt von Abba.
Abbamania
Rund 400 Millionen Alben haben Agnetha, Björn, Benny und Annafrid weltweit verkauft, den globalen Durchbruch schafften sie durch ihren Sieg beim Songcontest 1974 in Brighton mit dem lässigen „Waterloo“. Danach reihten sich 18 UK-Top Ten-Hits hintereinander, neun davon auf Platz 1 (darunter „Mamma Mia“, „Fernando“, die einzige US-Nr. 1 „Dancing Queen“, „Knowing you, Knowing me“, „Take a Chance on me“, „Super Trouper“ und durch private Krisen inspirierte Trennungslied „The Winner takes it all“).
Was kaum jemand weiß: Erfolgreich waren die vier bereits vor ihrer gemeinsamen Karriere als Solo-Sängerinnen bzw. als Rock-Band-Mitglieder (Hootenanny Singers, Hep Stars). Näheres erfährt man im Abba-Museum, das im Mai 2013 auf der Stockholmer Insel Djurgarden eröffnet wurde. Interviews, Video-Clips, Kostüme, zahlreiche Requisiten (wie der „Arrival“-Hubschrauber), ein nachgebautes Ton-Studio, eine bombastische Vinyl-Parade (inkl. Goldener Schallplatten), sogar ein eigenes Kino erwartet dort die Besucher. Und wer sich traut, kann neben den Hologrammen der Superstars seine Sing- und Tanzqualitäten als „Dancing Queen“ beweisen. Die Ausstellung wirft nicht nur einen Blick auf die Abba-Years der 70er und frühen 80er, sondern auch auf die Zeit danach, die Solo-Alben von Agnetha und Frida, das 80er-Musical „Chess“ (mit dem Mega-Hit „One Night in Bangkok“) und den sensationellen Erfolg des Abba-Musicals „Mamma Mia“ (1999), dem 2008 und 2018 noch zwei Kinofilme folgten. Abba selbst haben sich offiziell nie aufgelöst („Breaking up is never easy, and we never really broke up. It was a gradual thing“) – im Gegensatz zu den Beziehungen der Bandmitglieder untereinander, die noch während der aktiven Zeit in die Brüche gingen. Die weltweit ausverkauften Abba-Voyage-Shows, die bestreiten virtuelle Avatare, die in einer Sonderausstellung derzeit ebenfalls im Museum zu sehen sind.
Europe, Roxette, Neneh Cherry
Auf den Lorbeeren von Abba allerdings braucht sich Stockholm nicht auszuruhen, denn die Stadt gilt schon seit vielen Jahrzehnten als DIE Popmetropole schlechthin. In den 80ern eroberten die Stockholmer Rocker Europe mit „The Final Countdown“ die internationalen Charts und Stages. Marie Frederiksson und Per Gessle aka Roxette, nach Abba die zweiterfolgreichste schwedische Band aller Zeiten mit 45 Millionen verkauften Alben, nahmen ihre ersten Songs im Stockholmer EMI-Studio auf, darunter ihren Breakthrough-Hit „The Look“. Per Gessle, der nach dem Tod seiner Gesangspartnerin 2019 jetzt wieder mit neuer Sängerin on Tour ist, besitzt eine Villa auf der noblen Strandvägen im Stockholmer Stadtteil Östermalm. Ende der 80er stürmte Neneh Cherry mit popangehauchten Hip Hop-Tracks wie „Buffalo Stance“ und „Manchild“ die Charts. Die gebürtige Stockholmerin und Stieftochter von Jazzlegende Don Cherry wurde dabei auch von Star-Fotograf Anton Corbijn abgelichtet und war zuletzt in dessen Retrospektive in der Fotografiska zu sehen. Der Stockholmer Künstler Alexander Bard spezialisierte sich auf queeren Pop und landete sowohl mit Army of Lovers („Crucified“) als auch in den 2000er Jahren mit Alcazar („Crying at the Discotheque“) in den internationalen Hitparaden.
Cheiron Studios: Denniz Pop & Max Martin
In den 90ern waren die Stockholmer Cheiron Studios unter den Fittichen von Denniz Pop und Max Martin das Maß aller Dinge. 1992 kreierte Denniz Pop aus einem zufällig versandten Demo-Tape den Mega-Hit „All that she wants“. Der Rest ist Geschichte: Das Abba-like Quartett Ace of Base eroberte mit seinen lässigen Pop-Reggae-Dance-Tracks sogar die US-Spitze und ist damit die dritterfolgreichste schwedische Band aller Zeiten. Ebenfalls unter Vertrag bei Cheiron Records: Rednex, Dr. Alban, Rob´n´Raz, Leila K., Papa Dee, Meja oder die Electro-Lady Robyn. Es dauerte nicht lange, bis internationale Acts bei den schwedischen Star-Produzenten anklopften: Backstreet Boys, Westlife, Nsync und Britney Spears, deren erster Hit „Baby one more Time“ von Max Martin geschrieben wurde.
Rekordinflation, horrende Energie- und Wohnkosten, immer höhere Lebensmittelpreise. Man sollte glauben, dass man sich als integrer Politiker um die sozial Schwächeren kümmert und sich das notwendige Geld für die Budgetkonsolidierung bei den Reichen holt. In Österreich weit gefehlt, und das sogar unter einer sozialdemokratischen Beteiligung in der Regierung.
Im Zenit der schwarz-rot-pinken Ampelkoaliton befinden sich die Arbeitslosen. Sie dürfen – mit wenigen Ausnahmen – ab 2026 keine geringfügige Tätigkeit mehr ausüben bzw. müssen diese beenden, sonst verlieren sie den gesamten Anspruch auf das Arbeitslosengeld. Dieses beträgt ohnehin nur 55 Prozent des Nettoeinkommens und wird – im Gegensatz zu den stetig steigenden Ausgaben – nicht valorisiert. Der vermeintliche Grund gemäß den Gesetzeserläuterungen: Eine parallel ausgeübte geringfügige Erwerbstätigkeit ist der Wiederaufnahme einer vollversicherten Tätigkeit hinderlich.
Dazu muss man wissen, dass im Jahr 2024 nur 28.120 Personen (das sind 9,5 Prozent der Arbeitslosen) ihr Arbeitslosengeld mit einer geringfügigen Tätigkeit aufbesserten. Das durchschnittliche Arbeitslosengeld (1.100 Euro) und die durchschnittliche Notstandshilfe (871 Euro) liegen laut ÖGB weit unter der Armutsgefährdungsgrenze (1.392 Euro). Anstatt die finanzielle Lage der aktuell rund 300.000 Arbeitslosen und 75.000 Schulungsteilnehmern zu verbessern und dadurch auch die Kaufkraft im Land zu erhöhen, schikaniert die Ampelkoalition die Arbeitslosen mit dem Wegfall der Zuverdienstmöglichkeit bis zur – ebenfalls nicht valorisierten – Geringfügigkeitsgrenze von 551,10 Euro.
Die vier Ausnahmen: 1.) Bei Fortführung geringfügiger Beschäftigungen, die ohne Unterbrechung bereits mindestens 26 Wochen neben der vollversicherten Beschäftigung ausgeübt wurden, 2.) Bei Langzeitarbeitslosigkeit (= über 365 Tage Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe) bis zu 26 Wochen, 3.) Unbefristet bei Langzeitarbeitslosen über 50 und begünstigten Behinderten bzw. 4.) nach einer Erkrankung von mindestens 52 Wochen und gleichzeitigem Bezug von Krankengeld bis zu 26 Wochen.
Arbeitslose, die nicht unter diese Gruppen fallen, haben ab 1. Jänner 2026 nur mehr die Option: Arbeitslosengeld oder geringfügige Tätigkeit. Während die Arbeitslosen, die ihre geringfügige Tätigkeit zwangsweise beenden müssen, keinerlei Rechtsanspruch auf eine gut bezahlte, vollversicherte Tätigkeit haben, picken sich die Arbeitgeber die Rosinen heraus. Der Billiglohnsektor steigt, da viele Arbeitslose aus Geldnöten jeden noch so schlecht bezahlten Job annehmen müssen. Von gesetzlichen Verpflichtungen, ältere oder gesundheitlich beeinträchtigte Arbeitnehmer aufzunehmen, dagegen keine Spur.
Laut Wifo weisen vor allem Frauen, nicht-österreichische Staatsbürger und Menschen mit Kindern eine hohe Zuverdienstquote auf. Als Sektor besonders betroffen: Der Kultur-, Wissenschafts- und Medienbereich. Bei Künstlern oder Vortragenden war es bis dato Usus, dass sich diese nach längeren Engagements arbeitslos melden und nebenbei kleinere Aufträge (wie einzelne Drehtage und Auftritte, Artist Talks oder Übersetzungen) erledigen, so der österreichische Kulturrat. Der Wegfall dieser Tätigkeiten verschlechtert nicht nur die ohnehin prekäre Lage der Künstler, sondern beseitigt auch die ansonsten fortdauernde Integration in deren Berufsfeld.
Die besondere Chuzpe: Diese drastischen sozialen Verschlechterungen für Arbeitslose wurden im Mai 2025 mit Zustimmung der SPÖ beschlossen, unter einer sozialdemokratischen Arbeits- und Sozialministerin. Vizekanzler Andreas Babler ist gleichzeitig auch Kulturminister, er sollte eigentlich die Sorgen und Nöte der Künstler kennen. Mit der Betonung auf sollte…
Sant Rafel, ein kleines Dörfchen im Landesinneren von Ibiza, bekannt durch seine Töpferwerkstätten und seine weiße Dorfkirche. Und durch den größten Club der Welt.
Ku
1979 entstand hier die Freiluftdiskothek Ku, die – ausgestattet mit einem riesigen Swimmingpool – Stars, Sternchen und den internationalen Jet Set anlockte. Motto: You gotta say yes to another Excess. Bis zu 11.000 Party People feierten hier zum Europop und Disco-House-Sound der 80s, Kokain und Sprung ins kühle Nass ab 5 Uhr morgens inklusive. Freddie Mercury drehte hier mit der Opernsängerin Montserat Caballe das legendäre „Barcelona“-Video.
Privilege
In den 90ern übernahmen die ausgeflippten Raver Andy & Mike Mc Kay aus Manchester das Kommando, absolutes Highlight die „Manumission“-Party jeden Montag mit Techno Beats, Erotic- und Artistic Shows unter der Kuppel. Das Ku wurde 1994 zum „Privilege“ und bekam sogar einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde als größte Disco der Welt, britische Events (wie das „Renaissance“) und Trance DJ´s (wie Tiesto, Armin van Buuren oder Paul Van Dyk) gaben sich bis zur Corona-Pandemie 2020 die Klinke in die Hand. 2022 lief die Saison in Ibiza wieder langsam an, das baufällige Privilege blieb geschlossen. Im Hintergrund liefen aber schon die Fäden.
UNVRS
Getreu dem Zitat aus dem Roman „Der Leopard“, „Alles muss sich ändern, damit alles bleibt, wie es ist“, wurden keine Kosten und Mühen – kolportiert werden 45 Millionen Euro Umbaukosten - gescheut, um einen neuen Club wie einen Phönix aus der Asche zu erheben. Die neuen Eigentümer: Die Grupo Empresas Matutes. Die Betreiber: Yann Pissenems „The Night League“, die bereits das Hi Ibiza (zuletzt viermal hintereinander Nr. 1 im DJ-Mag-Ranking) und das Ushuaia erfolgreich managt. Startschuss des neuen Clubs UNVRS nach einer globalen PR-Kampagne (u.a. mit Will Smith): Der 31. Mai 2025 mit einem 13-Stunden-Spektakel u.a. mit Carl Cox, Jamie Jones und Joseph Capriati.
Der Trip in den neuen Hyper-Club, der gleicht einer prickelnden Expedition ins Unbekannte. Im Ticketpreis von rund 100 Euro inkludiert ist eine Busfahrt von der Playa den Bossa mit ebenso faszinierten Party People unmittelbar zum großen Parkplatz vor der Location. Es geht dann zu Fuß leicht aufwärts, bis man bereits den legendären Privilege-Dome erkennt. Dieser ist im Inneren mit Baumgewächsen ausgestattet und enthält eine Freiluftterrasse zum Chillen, Trinken und Talken, die Techno-Parties, die laufen woanders ab.
Drinks & Drugs
Betritt man den Main Room so um Mitternacht, dann hat man von oben noch einen entspannten Blick auf die riesige Tanzfläche, die man über breite Treppen abwärts betritt. Noch ideal für Selfies und Shots auf Instagram, Facebook & Co oder für Getränkebestellungen an den seitlich positionierten Bars. Red Bull Wodka 27 Euro, Bier 18 Euro, Wasser in der Unvrs Edition 15 Euro. Preise für hedonistische Rich Kids. Aber nicht der einzige Grund, warum die Rave Generation in jedem „Summer of Love“ zu euphorischen Glückspillen greift. Denn die Nächte in Ibiza dauern – trotz behördlicher Sperrstunde um 6 Uhr früh – bis weit in den Morgengrauen. I can´t get no sleep, you know what I mean.
Exzess ist nicht nur angesagt in der monumentalen Main Hall, sondern auch im verwinkelten Labyrinth des neuen Hyper Clubs. Bei den Toiletten (!) angesiedelt ist der hippe Wild Comet, der Bunker lädt zu fast privaten Underground-Parties mit einer Kapazität von rund 100 Clubbern. Wer sich vor dem Dance Inferno noch stärken will, der kann sich festival-like Burgers und Pommes in einem eigenen Food Court bestellen.
Main Floor
Ab ca. 2 Uhr früh ist auf dem Main Floor kein Durchkommen mehr. Ausgenommen man heißt David Guetta. Denn der französische Star-DJ bahnt sich vor seinem Auftritt um ca. halb 3 Uhr früh – mit Hilfe der Security – einen Weg durch die Menge, um dann vor rund 10.000 Besuchern jeden Freitag im Sommer seinen Galactic Circus zu präsentieren: Sexy Tänzerinnen on the Floor und Akrobatinnen auf Seilen und Trapezen als bunte LED-beleuchtete Kulisse, auf der Setlist neben Guettas Eigenproduktionen rasante Mash Ups, Club Classics (a la „Free“, „Levels“ oder Gypsy Woman“) und Pop-Mega-Hits like „I just died in your arms tonight“, Amy Winehouse´s „Back to Black“ oder Abba´s „Gimme Gimme Gimme a Man after Midnight“ inmitten von Glitzer und Konfettiregen. Nur einer von sieben sensationellen Club Nights im ersten UNVRS-Sommer. Die weiteren (derzeit nur männlichen) Protagonisten der Nacht: Eric Prydz mit seiner Holosphere-Show (Montag), Anyma (Dienstag), Jamie Jones (Mittwoch), der sich von der Decke abseilende Australian-DJ Fisher (Donnerstag), Barcelonas Party-Kollektiv Elrow (Samstag) und Ex-Space-Kult-DJ Carl Cox (Sonntag).
Ende September fand im UNVRS die Top 100-DJ Awards-Zeremonie statt. Der triumphale Gewinner des DJ Mag-Online-Votings: Friday-Resident David Guetta, der nach seiner Kürung live um 3 Uhr früh die Turntables bediente. Spannend wird auf jeden Fall die nächste Top 100 Club-Wahl. Nicht ausgeschlossen, dass das UNVRS den viermaligen Gewinner HI IBIZA (aus derselben Night League-Kette) an der Spitze ablöst.
3 Jubiläen feiert Österreich im Jahr 2025: 80 Jahre das Ende des 2. Weltkrieges, 70 Jahre den Staatsvertrag von 1955 und 30 Jahre den Beitritt Österreichs zur EU. Ein geeigneter Anlass für die Wiener Nationalbibliothek, eine Foto-Ausstellung über 100 Jahre Österreich zu kuratieren. Es wurden dafür keine Mühen gescheut. Basis der Ausstellung „Ein Jahrhundert in Bildern“ sind nicht nur rund 200 Fotografien, sondern auch Plakate, Tageszeitungen, Zeitschriften und das umfangreiche Archiv des ORF.
Die Ausstellung ist chronologisch nach Dekaden gegliedert und liefert zusätzlich einen textlichen Abriss der Geschichte Österreichs. Für Ältere ein hoher Erinnerungsfaktor, für Jüngere ein spannender und kurzweiliger Überblick über die letzten nicht immer schmeichelhaften 100 Jahre Österreichs und vielleicht ein Ansporn, sich weiter zu vertiefen in die historische Materie. Wie sagte doch einst der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl sehr zutreffend: Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.
Einige der vielen Highlights: Lothar Rübelts Foto am Tag des Justizpalastbrandes am 15. Juli 1927, die einzige „Miss Universe“ Österreichs, Liesl Goldarbeiter, porträtiert von Madame d´Ora Benda 1929, die beklemmende Verfolgung der Juden in Wien, natürlich ein Foto von der Unterzeichnung des Staatsvertrags am 15. Mai 1955 im Schloss Belvedere, Udo Jürgens Songcontest-Sieg 1966 und dessen überraschender Tod 2014, Sportler-Stars von Klammer, Muster bis hin zu den Cordoba-Helden, Bruno Kreiskys absolute Mehrheit in den 70ern, die Waldheim-Affäre, die „Heldenplatz“-Empörungen, die Durchschneidung des Eisernen Vorhanges durch Alois Mock und seinen ungarischen Außenminister-Kollegen Gyula Horn, Haiders steiler Aufstieg bis hin zur ÖVP-FPÖ-Koalition 2000 (mit der versteinerten Miene Klestils beim Foto mit Haider und Schüssel) und seinem tödlichen Unfall 2008, die Literaturnobelpreise von Elfriede Jelinek (2004) und Peter Handke (2019), die Flüchtlingskrise, der leider nicht mehr stattfindende Life Ball als Zeichen der Toleranz, politischer Aktivismus von Zwentendorf, Hainburger Au, Lichtermeer, Corona-Demos & Co…
Das aktuellste Foto zeigt die neue Ampelkoalition ÖVP-SPÖ-Neos mit den Parteivorsitzenden Stocker, Babler und Meinl-Reisinger. Wie es mit Österreich weitergeht, das wird wohl davon abhängen, wie die neue Regierung die schwierigen Herausforderungen der Rezession, der Inflation, der Migration und der Bildung meistern wird.
Die Ausstellung läuft von 13. März bis 2. November 2025.
„Everything starts with an E“ oder „E´s are goode, Ebeneezer Goode“, so dröhnte es Anfang der 90er durch die überdimensionalen Boxen der Festivals, Warehouse Parties und Clubs Europas. Eine nicht nur subtile Glorifizierung der Party-Droge Ecstasy, die gemeinsam mit hypnotischen Acid House- und Techno Beats den Kontinent eroberte. Nächtelang durchtanzen im Rausch der Nacht mit weiten Pupillen und einem unwiderstehlichen Lächeln im Gesicht, das Glücksgefühl der Rave Generation.
Im Sommer trafen sich die 24 Hour-Party People auf der balearischen Mittelmeerinsel Ibiza, in den 60ern und 70ern Hippie-Metropole der vor der Regierung Franco geflüchteten Künstler, Exzentriker und Aussteiger, in den 80ern einerseits mondäne Jet Set-Location, andererseits Kreativlabor des „Balearic Beats“ in Clubs a la Pacha und Amnesia, der von britischen DJ´s mit der dortigen Indie-Rave-Kultur infiltriert wurde. In den letzten 35 Jahren hat sich viel verändert auf der Insel: Explodierender Massentourismus (mit bis zu 6 Millionen Besuchern), neue gesetzliche Vorschriften (wie dem Verbot der After Hour-Parties), das Schließen legendärer Clubs (wie dem Space oder dem Bora Bora Beach), das neue, erfolgreiche Konzept der Day-Parties – Stichwort Ushuaia - und die Etablierung einer VIP Culture in den Clubs, die dem der Insel inhärenten Essenz der klassenunabhängigen Gesellschaft komplett widerspricht.
Die „Smiley“-Pills dagegen haben die Party-Insel Ibiza niemals verlassen. Im Gegenteil: Im Vorjahr wurden bei einer Razzia der Guardia Civil rund 1 Million (!) Ecstasy Tabletten sichergestellt, ein neuer Rekordwert in der spanischen Geschichte. Erst dieses Jahr im Mai 2025 reiste ein Niederländer mit zwei Koffern am Flughafen an, inside 163.000 Pills mit einem Verkaufswert bis zu 3 Millionen Euro. "When you have these movements that are driven by music, that are driven by art, that are driven by fashion and drugs are a part of it, whatever you put up, whatever boundaries, whatever laws, I don't think you're going to be able to stop it“, so der Party-Promoter Wayne Anthony in der „Ibiza Narcos“-Drogen-Doku.
Warum vor allem junge Urlauber zu den Party-Drogen greifen, liegt nicht nur an deren euphorisierender Wirkung, sondern auch an den Preisen der alkoholischen Getränke. In den Top-Clubs Ibizas kostet ein kleines Bier 18 Euro, Mineralwasser 15 Euro. MDMA-Tabletten bekommt man auf den Straßen der Playa den Bossa zum Einzel-Schnäppchen-Preis von 10 Euro. Die Vermittler einst und jetzt: Zumeist schwarze Brillen- und Souvenirverkäufer als „Verkaufspersonal“ der florierenden Drogen-Kartelle. Für die Konsumenten nicht ganz ungefährlich. Weniger wegen der Illegalität der Transaktion, sondern wegen des unbekannten Inhalts. Laut Untersuchungen in Berlin sind die Ecstasy-Pillen derzeit sehr hoch dosiert (mit über 250 mg MDA). Es reicht ein Sechstel bis ein Viertel der Pillen völlig aus, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Einige Pillen sind auch mit Amphetamin-Abkömmlingen wie PMA, PMMA oder 4-MTA verunreinigt, bei denen die Wirkung erst verspätet eintritt. Wer hier vorzeitig „nachwirft“, riskiert eine Überhitzung des Körpers, Herzrhythmusstörungen oder einen lebensgefährlichen Kreislaufkollaps.
Erst im Juli 2025 wurde der Todesfall eines 18jährigen Briten publik, der nach der Einnahme einer (unbekannten) Dosierung Ecstasy kollabierte, ins Koma fiel und fünf Tage danach starb. Laut einer Studie waren Drogen die Ursache von 58 Todesfällen in Ibiza zwischen 2010 und 2016. Die Rettungsdienste Ibizas klagen über immer mehr Notfalleinsätze, rund ein Drittel davon betreffen Drogenvorfälle. Sie fordern die Einrichtung von privaten Gesundheitsdiensten der Clubs, die mit ihren Besuchern Millionengewinne lukrieren. Es sei untragbar, dass die Gesundheitsversorgung der 161.000 Einwohner Ibizas aufgrund der Überlastung durch leichtsinnige Touristen leidet. Nur der Techno-Underground-Club DC 10 beschäftigt derzeit eigene Notfalldienste.
Abseits aller Risiken werden aufputschende Drogen, seit jeher Bestandteil des Eskapismus und Hedonismus, aus dem Club Life nicht verschwinden, egal ob in Berlin, London oder Ibiza. Eine legale Freigabe diverser Substanzen erscheint ebenso unrealistisch. Das Maß aller Dinge ist daher eine lückenlose Information der Konsumenten…
„Wenn du nicht fleißig lernst oder zuviel schwätzt während des Unterrichts, dann fliegst du noch von der Schule“, das sind so Floskeln, die man früher gerne von den Eltern gehört hat. Viele Schulkinder hielten das sogar für bare Münze. In der heutigen Zeit dagegen ist es kein Einzelfall, dass Schüler – wenn zumeist auch nur befristet – aus der Schule verwiesen werden. Die Gründe sind allerdings nicht vergessene Hausübungen oder zuviel Getratsche mit dem Banknachbarn, sondern körperliche Gewalt, Sachbeschädigungen oder Erpressungen.
Verdreifachung der Suspendierungen
Im Jahr 2023/24 wurden österreichweit 2013 Schüler suspendiert, Spitzenreiter ist die Bundeshauptstadt Wien mit 756 Suspendierungen. Im Schuljahr 2024/25 stiegen die Zahlen in Wien sogar auf 784. Eine Verdreifachung innerhalb weniger Jahre. Im Schuljahr 2017/18 wurden zum Vergleich „nur“ 278 Suspendierungen ausgesprochen.
92 Prozent der Suspendierungen betreffen den Pflichtschulbereich, davon entfallen 64 % auf Mittelschulen, 19 % auf Volksschulen, 13 % auf Sonderschulen und 4 % auf Polytechnische Schulen. Die meisten Täter sind männlich.
Schulunterrichtsgesetz
Rechtliche Grundlage für Ausschlüsse und Suspendierungen ist der § 49 des Schulunterrichtsgesetzes. So sind Schüler von der Schule auszuschließen, wenn sie ihre Pflichten in schwerwiegender Weise verletzen und die Anwendung von Erziehungsmitteln oder von Maßnahmen gemäß der Hausordnung erfolglos bleibt ODER das Verhalten des Schülers eine dauernde Gefährdung von Mitschülern oder anderer an der Schule tätigen Personen hinsichtlich ihrer Sittlichkeit, körperlichen Sicherheit oder ihres Eigentums darstellt. Formal stellt dabei die Schulkonferenz einen Antrag auf Ausschluss des Schülers an die jeweilige Bildungsdirektion. Schüler und Eltern haben vor der Beschlussfassung noch die Gelegenheit zur Rechtfertigung und Stellungnahme.
In der Regel werden Ausschlüsse als ultima ratio nur selten vorgenommen. Stattdessen wird bei Gefahr im Verzug das Mittel der Suspendierung angewandt, das keine Strafe darstellt, sondern der Sicherheit in der Schule dient. Ausgesprochen wird die Suspendierung von der Bildungsdirektion per Mandatsbescheid. Diese darf nicht länger als 4 Wochen dauern. Während der Suspendierung ist der Schüler berechtigt, sich über den durchgenommenen Lehrstoff regelmäßig zu informieren. Am Ende eines Unterrichtsjahres hat der Schüler außerdem das Recht auf eine Feststellungsprüfung, falls eine Beurteilung sonst nicht möglich wäre. Unter Umständen kann seitens der Bildungsdirektion auch ein sonderpadägogischer Förderbedarf angeordnet werden.
Gewaltdelikte in Schulen mehr als verdoppelt
Die Lehrergewerkschaft begründet die hohe Anzahl der Suspendierungen mit der niedrigeren Hemmschwelle für Gewalt. Diese Analyse geht einher mit einer aktuellen Statistik der Landespolizeidirektion Wien. So haben sich von 2015 bis 2024 die angezeigten Gewaltdelikte mehr als verdoppelt. Der Großteil: Körperverletzungen, aber auch schwere Körperverletzungen, Vergewaltigung, geschlechtliche Nötigung und sexueller Missbrauch von Unmündigen.
Es liegt nahe, dass die steigende Migration und die mangelhafte Integration verantwortlich sind für die hohe Zahl an Suspendierungen vor allem in den Pflichtschulen. Daten über Geschlecht, Religion oder Nationalität liegen allerdings nicht vor oder werden seitens der Bildungsdirektion nicht bekanntgegeben. Probleme werden so nicht gelöst. Die Folgen sind aber absehbar: Vor allem reichere Eltern werden aus Angst um ihre Kinder vermehrt die öffentlichen Schulen meiden und versuchen, ihr Kind in teuren Privatschulen unterzubringen. Oder werden sogar ihren Wohnsitz in „sichere“ Bezirke oder auf das Land verlegen.
Verpflichtende Suspendierungsbegleitung ab 2025/26
Reagiert wird jetzt aber seitens der Politik auf die Kritik vieler Pädagogen, dass eine Suspendierung das Gegenteil auslösen kann und das soziale Klima zwischen dem Gefährder und der Klasse noch mehr verschlechtert. Ab dem kommenden Schuljahr 2025/26 werden die suspendierten Schüler nicht mehr isoliert aus der Schule verwiesen, sondern müssen eine verpflichtende Suspendierungsbegleitung absolvieren. Diese umfasst – verteilt auf rund 8 Stunden pro Woche – nicht nur eine pädagogische, sondern auch eine schulpsychologische Betreuung. Auch die Eltern müssen an diesem Programm teilnehmen. Bei fehlender Mitwirkung drohen Strafen bis zu 1000 Euro. Ob durch dieses neue Konzept die Resozialisierung „schwieriger“ Schüler tatsächlich gelingt, wird sich weisen…
Hoch über St. Pauli vor dem Heiligengeistfeld, auf dem nahezu das ganze Jahr Volksfeste stattfinden, dort thront er, der Bunker von Hamburg. Einst 1942 von Zwangsarbeitern innerhalb von 300 Tagen im Auftrag Hitlers erbaut, sollte der Flakturm an der Feldstraße die allierten Luftangriffe abwehren, die vor allem die Hamburger Werften (in denen die deutschen U-Boote produziert wurden) als Ziel hatten. Der riesige Flakturm mit einer Grundfläche von 75 x 75 Meter, einer Wandstärke von 3,5 Metern und einer Höhe von 38 Metern gehörte zu den größten weltweit, im Dritten Reich bekam er die lapidaren Bezeichnung „Flakturm IV“ (nach jenen in Berlin und Wien). Die römische Ziffer richtete sich nach dem Datum des Baubeginns. Heute zählt der eine von zwei Hamburger Flaktürmen – der zweite befindet sich im Stadtteil Wilhelmsburg – zu den spannendsten und klimaschonendsten Sehenswürdigkeiten der zweitgrößten Stadt Deutschlands.
Medienbunker
Geplant war dies allerdings nicht. Eigentlich sollte der Bunker nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft gesprengt werden. Aufgrund der enormen Größe und der geringen Entfernung der Hamburger Altstadt hatte man allerdings Angst vor den Folgen der Demontage. So wurde der Bunker von St. Pauli, der während des Kriegs bis zu 25.000 Menschen Schutz bot, als Notunterkunft genutzt. Später siedelten sich dort Medienunternehmen an, darunter der Axel Springer-Verlag mit der „Hörzu“-Redaktion oder die Tagesschau des NDR.
Uebel und Gefährlich
1999 eröffnete die Nobel-Disco J´s im Flakturm an der Feldstraße. In die Schlagzeilen kam diese vor allem durch einen Handgranatenanschlag auf ein Event des Partykönigs Michael Ammer, 9 Gäste wurden schwer verletzt. Nach deren Schließung eröffnete der Musikjournalist Tino Hanekamp, bekannt auch durch seinen später verfilmten Roman „So was von da“, das „Uebel & Gefährlich“. Der coole Club im 4. Obergeschoß des Bunkers zählt heute zu den beliebtesten Indie- und Rock-Clubs Deutschlands. Beim Reeperbahn-Festival spielten dort 2025 u.a. die Pop-Newcomerin Chloe Slater aus Manchester, die texanische Dark Wave-Formation Twin Tribes und die Londoner Indie-Band Dry Cleaning.
Grüner Bunker
Die ersten Ideen zur Begrünung des Bunkers kamen vom österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser bereits im Jahr 1992. Konkretisiert wurden sie dann erst 2013 durch den Hamburger Stadtplaner Mathias Müller-Using. 2017 wurde die Aufstockung des Bunkers um fünf Stockwerke genehmigt, die durch eine Investorengruppe rund um den Unternehmer Thomas Matzen durchgeführt wurde. Die Eröffnung des Grünen Bunkers erfolgte am 5. Juli 2024.
Der 560 Meter lange Pfad, der sich in Form von Stufen und längeren Plateaus um den Bunker ringelt, kann von allen Bürgern kostenlos betreten werden, Getränke und Speisen dürfen allerdings nicht mitgenommen werden. Der Pfad, der bis zum 1400 Quadratmeter großen Dachgarten reicht, bietet einen wunderschönen 360 Grad-Ausblick auf die Hamburger Altstadt, die Elbphilharmonie und natürlich das kultige St. Pauli-Stadion, dessen Museum an den Öffnungszeiten von den Fans regelrecht gestürmt wird. Rund 23.000 Bäume, Lorbeerkirschen, Stechpalmen, Efeu und Rosenstöcke wurden eingepflanzt, für die Bewässerung sorgt überwiegend Regenwasser, das in Rückhalteboxen aufgefangen wird. Das ca. 100 Millionen Euro privat finanzierte Projekt beinhaltet außerdem das Reverb by Hard Rock Hotel (mit 134 modernen Zimmern), das Food Sharing-Restaurant La Sala, Bars, Cafes und einen Rock Shop. 2025 wurde der Grüne Bunker auf der Immobilienmesse MIPIM mit dem Award in der Kategorie „Best Conversion“ ausgezeichnet.
Gedenkstätte
Die Transformation ist allerdings noch nicht beendet. Es geht back to the Roots, und so soll künftig der Grüne Bunker auch als Gedenkstätte für die Opfer des NS-Regimes eingerichtet werden. Die Vorarbeiten unter der Ägide des gemeinnützigen Vereins Hilldegarden sind bereits im Gang. Mahnmal, grünes Vorzeigeprojekt, Event-Location, Hotel: Der Grüne Bunker ist auf dem Weg zum Tourismus-Highlight Nr. 1 in der Hansestadt…
„Ibiza is the Clubbing Capital in the World“ – Das sagt einer, der es eigentlich wissen sollte: DJ- und Produzentenlegende Fatboy Slim, der seit den 90ern die Ibiza Party People mit seinen wilden, durchgemixten Sets begeistert. Zu einer Zeit, in der es noch keine exklusiven VIP Lounges und keinen Social Media Narzissmus in den Diskotheken gab. „Ibiza is superoverpriced and unaffordable“, das erwidert die in Ibiza lebende Pariser DJ Chloe Caillet, die u.a. im Pacha und im DC 10 für treibende House-Beats sorgt. Nach der Covid-Pandemie seien die Eintritts- und Getränkepreise der großen Clubs und die Hotelpreise in die Höhe geschossen. Das Ibiza Nightlife werde dadurch immer mehr zu einem Territorium der Reichen, aber gerade der Dancefloor habe seit jeher das Ventil, unterschiedliche soziale Klassen zu vereinen. Mein letzter, auch nicht gerade billiger Ibiza-Trip (u.a. ins Ushuaia und ins Hi Ibiza) fand 2019 statt. Was hat sich verändert seitdem, was ist gleichgeblieben, und in welche Richtung driften die Top-Clubs der balearischen Partyinsel? Ein Streifzug in das aufregende Nachtleben Ibizas.
Amnesia
Die 1970 gegründete Diskothek Amnesia hat wie das Pacha ihren Ursprung in einer Finca nahe des Dorfes Sant Rafel. Durch den legendären DJ Alfredo wurde das Amnesia zur Geburtsstätte des Balearic Sounds, der Ende der 80er-Jahre durch diverse britische DJ´s wie Paul Oakenfold oder Danny Rampling den Weg durch die europäischen Clubszene fand. Going back to the Roots, das ist das Motto des direkt an der Schnellstraße zwischen Eivissa und San Antonio liegenden und per Disco-Bus erreichbaren Clubs. „Ibiza has changed, but we want to recover its soul“. Vor allem der Sonntags-Club Pyramid setzt auf pure, authentische Club Culture und exzessive Parties bis in den Morgengrauen. An den Turntables im Main Room und auf der Terrace u.a. die russische Techno-Queen Nina Kraviz, Berlins DJ-Legende Ricardo Villalobos, Ex-Berghain-Resident Kobosil, Deborah de Luca, Luciano oder Richie-Hawtin, der Sound Techno, Minimal Techno, Acid und House. Hart, energetisch und kompromisslos.
„Nix, was wir tun wird je zur Legende werden. Leider. Wir san scho froh, wenn wir erst am Ende sterben. Weil wir san. Wir san. Eine Gang und wir halten z'samm.“ Das lässige Lebensgefühl fünf junger Musiker aus Wien, die sich nach Wiens einziger weiblicher Zuhälterin, Wanda Kuchwalek, Spitzname „Wilde Wanda“, benannten. Wild war auch der Aufstieg der 2012 gegründeten Formation zur „vielleicht letzten wichtigen Rock´n Roll-Band unserer Generation“ (Musikexpress 2015).
Alkohol, Drogen, pralle Lebenslust, Erfolgsmanie, Depressionen, Selbstzweifel, Trauer und Tod kennzeichneten die Karriere von Marco Wanda, Manuel Poppe (Gitarre), Reinhold „Ray“ Weber (Bass), Christian Hummer (Keyboard) und Lukas Hasitschka (Drums). Die Ende der Nullerjahre keiner für möglich gehalten hatte. „Wien war nach den 80ern nie wieder eine pulsierende Stadt. Kein Underground bot Heimat oder Trost. Ganz Österreich war eine zwischen Euphorie und Depression wankende Sperrstunde“, so formuliert es Sänger Michael Marco Fitzthum (aka Marco Wanda) in seinem autobiographischen Buch „Dass es überhaupt gegeben hat“ (benannt nach einem Wanda-Song aus dem Debüt-Album). Ein rasanter Trip durch das Leben des 38jährigen Künstlers voller Ups and Downs, der niemanden kalt lässt. Im Rahmen einer Lesetour (die ihn auch nach Deutschland und die Schweiz führt) präsentierte er, ausgestattet mit einer dioptrienverstärkten Brille und entspannenden Zigaretten, erstmals sein Buch im Theater im Park vor rund 1000 Besuchern.
Es ist ein Buch prallgefüllt mit spannenden, witzigen und rauschgeschwängerten Anekdoten aus der Sicht eines Musikers, der der Langeweile und dem Alltagstrott entweichen will und die Vision hat, DIE Band zu gründen. Die Idee dazu entstand gemeinsam mit Manuel Poppe in einem Wiener Cafe, in dem Marco Wanda eigentlich Lokalverbot hatte. Die Lederjacke wurde zur Banduniform, Sneakers waren verboten, und auf keinen Fall mit Rücken zum Publikum stehen. Keyboarder Christian Hummer, ein Musikfan vom Scheitel bis zur Sohle, wurde von einem Jazzmusiker empfohlen, Ray (der im Publikum saß) konnte „Rauchen und Bass spielen gleichzeitig“ und bildete als „ruhiger Beduine“ das Gleichgewicht zu den lauten Scherzbolden Manuel und Christian.
„Wir übergaben uns dem Zufall, wir hatten nichts vorzuweisen und nichts zu verlieren“, das Credo der Wanda Boys in den unbeschwerten Anfangsjahren. Mit Stefan Redelsteiner (der in seinen von Falter-Redakteur Gerhard Stöger kompilierten „Problembär“-Memoiren ein großes Kapitel Wanda widmete) fanden die fünf einen umtriebigen Musik-Manager zwischen Raffinesse und Exzess, die ersten Videos (wie „Auseinandergehen ist schwer“, „Bologna“ oder „Meine beiden Schwestern“) stammten von Florian Senekowitsch, dessen ebenerdige Wohnung alle durch das Fenster betraten. Eine geniale Metapher auf den nonchalanten Lebensstil der Wiener Szene Anfang der 10er Jahre. Die vielen eleganten Aphorismen im Buch, das Studium der Sprachkunst kann Marco Wanda keiner abstreiten. Dessen Texte entstanden allerdings weniger konventionell. Auf dem Klodeckel einer mit einer Freundin bezogenen Wohnung in Gersthof („Stehengelassene Weinflaschen“), in Manuels Schlafzimmer nach bekifften Gesprächen über Cousins und Cousinen („Bologna“), nach Ausschreitungen beim Arabischen Frühling („Kairo Downtown“) oder nach einem turbulenten London-Trip mit Christian Hummer in London („Columbo“).
Die ersten Schattenseiten des großen Erfolgs von „Amore“ und „Bussi“: Die Wiener Lokale wurden immer polarisierender gegenüber der Band, entweder lästig oder mit Hass erfüllt. So begab sich Marco Wanda nach Paris und genoss dort die Cafes und Bars, einsam sitzend in Gesellschaft einer Flasche bzw. des Barkeepers. Schlecht gewählt war allerdings der Zeitpunkt. In seinem Buch beschreibt er hautnah die persönlichen Eindrücke von den Terroranschlägen in Paris am 13. November 2015, als ein „dumpfes Geräusch“ das fröhliche Treiben plötzlich lahmlegte. „Hätte ich gewusst, dass White Miles im Bataclan spielen, wäre ich hingegangen“ – 89 Menschen fanden dort den Tod.
„Oft fallen im Leben die größten Erfolge mit den größten Niederlagen zusammen“, wieder so ein Zitat Marco Wandas, das bei der Band leider hundertprozentig eingeschlagen ist. „Columbo“ und das dritte Album „Niente“ lagen auf Platz 1 der Charts, die Konzerte der Tour waren komplett ausverkauft. Und Keyboarder Christian Hummer war nicht dabei. Er kämpfte jahrelang um Leben und Tod, im September 2022 starb er an seiner Krebserkrankung. Marco Wanda betäubte diese unerträgliche Situation mit Alkohol und Kokain. „Man trinkt die Bar. Sie ist jetzt in einem, und man nimmt sie überallhin mit. Man denkt, man ist glücklich, und man denkt, man ist angekommen, aber man weiß nicht mehr, wie man glücklich ist“. Laut eigenen Angaben trinkt Marco Wanda jetzt keinen Tropfen mehr.
Im darauffolgenden Interview mit der ORF-Moderatorin Alice Pfitzner warnt der Wanda-Frontman vor einer Spaltung der Gesellschaft. Kritik an einer Partei sei angebracht, man dürfe aber nicht deren Wähler ausschließen. Hass könne eine Katastrophe auslösen, das habe er in Kairo unmittelbar. miterlebt. Sein Buch sieht er als Generationenporträt, mit dem sich die Leser auch identifizieren bzw. Schlussfolgerungen fürs eigene Leben treffen können. Newcomern rät er, „an der Musik zu arbeiten und nicht an dem Image in den sozialen Medien“.
Den Zuhörern hat der Abend im Belvedere-Park jedenfalls gefallen, die Schlange zur Buchsignierung war endlos lang. In welche Richtung sich die Karriere von Marco Wanda bzw. der Band entwickeln wird, das bleibt offen. Eine Lesetour und das Wanda-Weihnachtskonzert am 19. Dezember sind fix, dann erfolgt eine Pause im Jahr 2026. Eines aber ist sicher: „Wenn jemand fragt, wofür du stehst. Sag für Amore“, wird nicht aus dem Gedächtnis der Wanda-Fans verschwinden. Und das garantiert ein Leben lang…
Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov haben 46 Prozent der britischen Frauen zwischen 18 und 36 Jahren schon einmal ein „Dickpic“ erhalten. In Österreich existieren ähnliche Zahlen. Die türkis-rot-pinke Koalition hat auf diese Form der sexuellen Belästigung jetzt reagiert und einen eigenen Straftatbestand eingeführt.
Die gesetzliche Konstituierung erfolgte übrigens nicht freiwillig. Grundlage ist die EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, die die EU-Mitgliedstaaten bis 14. Juni 2027 zur Umsetzung einer Strafdrohung gegen Cyberflashing verpflichtete. Seit 1. September 2025 ist der § 218/1b StGB jetzt in Kraft, in den Medien wird er gerne nicht ganz treffsicher als „Dick Pic“-Verbot bezeichnet.
Der neue Tatbestand umfasst nämlich nicht nur männliche, sondern auch weibliche Genitalien. Es ist daher auch strafbar, Fotos und Videos von Vulvas zu verschicken (was allerdings viel seltener vorkommt). Strafbar ist nur die digitale Versendung, nicht die analoge (per Post oder Briefkarte). Dies umfasst gemäß den Erläuterungen u.a. SMS, MMS, Faxe, E-Mails, Instant Messages (über Nachrichten- oder Dating-Apps) und die Verbreitung durch soziale Netzwerke.
Voraussetzung für die Strafbarkeit ist die Belästigung der anderen Person. Diese muss zum Zeitpunkt der Übermittlung eintreten. Der Tatbestand ist beispielsweise dann nicht erfüllt, wenn Fotos oder Videos einvernehmlich ausgetauscht werden (egal, ob in einer Beziehung oder auf Erotikplattformen). Die bloße Teilnahme auf Kontakt-Portalen berechtigt allerdings nicht zur Versendung von derartigen Bildaufnahmen. Der Begriff der Bildaufnahme ist übrigens weit auszulegen, er umfasst auch vergleichbare bearbeitete Bildaufnahmen und vergleichbares (per KI) künstlich erstelltes Material, Comics oder Zeichnungen fallen nicht darunter. Sind die Genitalien nur im Hintergrund oder aus großer Entfernung zu sehen (wie bei Strandfotos), ist der Tatbestand nicht erfüllt.
Bezüglich der subjektiven Tatseite muss beim Täter Absichtlichkeit vorliegen. Es muss dem Täter also darauf ankommen, dass der Empfänger bzw. die Empfängerin die Genitalien zu Gesicht bekommt. Bei einer versehentlichen Versendung der Bildaufnahmen an falsche Empfänger bleibt der Täter also straflos. Das ist vor Gericht natürlich eine strittige Beweisfrage.
Es wurde politisch lange diskutiert, wie das Versendungsverbot rechtlich ausgestaltet werden soll. In Deutschland fällt das Verschicken von Dick Pics beispielsweise unter den Tatbestand der "unerlaubten Verbreitung pornografischer Schriften", einige Strafrechtsexperten und interessanterweise die Grünen schlugen eine Verankerung im Verwaltungsstrafrecht vor. Die Ampelkoalition entschied sich allerdings für die Platzierung im § 218 StGB („Sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlungen“). Eine kluge Entscheidung insofern, als Täter in spe vielleicht dadurch eingeschüchtert werden und derartige widerwärtige Handlungen unterlassen. Immerhin beträgt die Strafdrohung bis zu 6 Monaten Freiheitsstrafe oder bis zu 360 Tagessätzen Geldstrafe.
Zu beachten ist allerdings, dass der Täter nur mit Ermächtigung der verletzten Person zu verfolgen ist. Die Staatsanwaltschaft leitet daher eine Verfolgung gegen den Täter nur ein, wenn das Opfer den Gerichtsweg beschreiten will und seine Zustimmung erteilt. Ein Kostenrisiko entsteht dadurch für das Opfer nicht. Anders ist die rechtliche Situation übrigens, wenn eine Person wiederholt Dick Pics an dieselbe Empfängerin versendet. Dann hat die Staatsanwaltschaft - auch ohne Zustimmung des Opfers (wie bisher schon) - eine Klage wegen Stalkings (§ 107 StGB) einzuleiten…
Die spanische Baleareninsel Ibiza trägt viele Etiketten: Die Insel der Reichen und Schönen, der Hippies, der 24 Hour-Party People oder der ecstasy-aufgeputschten Techno Generation. Diese rein oberflächliche Betrachtungsweise auf den immer schon existierenden Hedonismus-Zeitgeist lässt vergessen, dass die Insel seit über 2500 Jahren zu den Hochkulturen Europas zählt. Die erste Siedlung wurde von den phönizischen Karthagern im Jahr 654 v. Chr. an der Ostseite der Hafenbucht von Ibiza gegründet. „Ibes“ wurde zu einem wichtigen Handelshafen, vor allem die Salzvorkommen und die Bleiminen machten die Phönizier reich. 123 v. Chr. eroberten die Römer „Ebesus“, 711 fiel „Yabisa“ in die Hand der Mauren. Erst 1235 wurden die Muslime im Rahmen der Reconquista von den christlichen Katalanen besiegt.
Ein sichtbares Beispiel der oftmaligen Herrschaftsveränderungen stellt die Kathedrale in der Altstadt von Ibiza dar. Diese war zuerst ein Römertempel, dann eine arabische Moschee. Im 13. Jahrhundert wurde – nach der Re-Christianisierung – mit dem Bau der Catedral Santa Maria de La Nieves, der „Maria Schnee-Kathedrale“, begonnen. Der Name bezieht sich dabei auf das der Eroberung nächstdatierte Marienfest am 5. August. Die Kathedrale mit der blau-weißen Turmuhr wurde 1592 fertiggestellt und zählt heute zu den schönsten Sehenswürdigkeiten von Dalt Vila. Die obere Altstadt der Insel-Hauptstadt Eivissa ist seit 1999 Trägerin des UNESCO-Weltkulturerbe.
Anlass für die Würdigung waren insbesondere die Befestigungsanlagen, die für die UNESCO ein herausragendes Beispiel der Militärarchitektur der Renaissance darstellen. Die sieben von Giovanni Battista Calvi 1556 konzipierten baluardes wurden von König Karl I. und König Philipp II. von Spanien in Auftrag gegeben und hatten das Ziel, die Angriffe der Franzosen und des Osmanischen Reiches abzuwehren. Die Kanonen innerhalb der Stadtmauern sind allerdings heute nur mehr ein tolles Foto-Motiv für strapazfähige Touristen, die unter der brütenden Sommerhitze eine Bollwerk-Wanderung durch die Vergangenheit Dalt Vilas unternehmen.
Der Haupteingang erfolgt über das Portal des Ses Taules, das von zwei römischen Statuen (der Göttin Juno und einem Legionär jeweils ohne Köpfe) flankiert wird. Unmittelbar links neben dem Tor führt eine Straße zum MACE, zum Museum für Zeitgenössische Kunst Ibizas. Eine Bronze-Skulptur von Isodoro Macabich (1883-1973) in der Carrer de Sa Carrossa erinnert an den anerkannten Priester, Historiker und Autor des Geschichtswerks „Historia de Ibiza“. Den besten Ausblick auf Eivissa und den Hafen genießt man vom Baluard de Santa Llucia. Hippie-Feeling mit bunten Kissen und Sonnenschirmen bietet die auf Stufen platzierte S´Escalinata Bar in der Carrer des Portal Nou 10. Auf dem Place d´Espanya befindet sich nicht nur das Rathaus Ibizas, sondern auch der Eingang zu einem Tunnel Richtung Kathedrale. Der französische Kult-Regisseur Barbet Schroeder nutzte diese mysteriöse Kulisse für seinen Hippie-Drogen-Film „More“, untermalt durch die psychedelischen Klänge von Pink Floyd.
Dalt Vila ist allerdings nicht die einzige UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte Ibizas. Insgesamt kann sich die Baleareninsel derzeit mit vier Auszeichnungen schmücken. Es zählen dazu weiters die Ausgrabungen einer phönizischen Siedlung auf Sa Caleta (ca. 10 km entfernt von Ibiza-Stadt), die Nekropole am Hang des Puig des Molins mit rund 3000 Gräbern und einem Archäologischen Museum und die Meerespflanze Posidonia Oceanica.
Die Posidonia-Gräser gehören zu den ältesten lebenden Organismen der Welt, laut einer wissenschaftlichen Untersuchung sind jene vor Formentera zwischen 80.000 und 100.000 Jahren alt. Die Pflanzen versorgen das Wasser mit Sauerstoff, bieten Nahrung und Unterschlupf für Fische und Seepferdchen und gelten als wirksamer Kohlenstoff-Speicher. Trotzdem ist der Bestand der Posidonia-Wiesen immens gefährdet, durch die Erwärmung der Meere, die Verschmutzung des Wassers und die Zerstörung infolge ankernder Boote.
Ob eines Tages auch der Sound of Ibiza, der Balearic Beat, zum immateriellen Kulturerbe zählen wird, wird sich weisen. Der Berliner Techno hat es vorgemacht und ist seit 13. März 2024 Bestandteil der ehrenwerten UNESCO-Liste. Vielleicht sind die ibizenkischen Bewerbungsformulare ja schon in Vorbereitung…
New Wave, Disco, Punk, Gothic: Die britische Musik- und Fashionszene glänzte in all ihren bunt-durchgeknallten Facetten, als am 16. Juli 1980 zum ersten Mal eine junge Band aus Birmingham – in ihrer späteren Originalformation – auf der Bühne stand: Sänger Simon le Bon, Bassist John Taylor, Keyboarder Nick Rhodes, Gitarrist Andy Taylor und Drummer Roger Taylor aka Duran Duran (benannt nach einer Figur aus dem Science Fiction-Film „Barbarella“). Die Location: Der Nightclub Rum Runner, 1987 abgerissen und durch ein Hotel ersetzt.
Für Duran Duran dagegen ein Startschuss für eine unglaubliche Karriere. Die „Fab Five“ tourten nur wenige Monate später als Support von Hazel O´Connor und nahmen in London ihr Debüt-Album auf. Und das im Sog der grassierenden „New Romantics“-Bewegung, glamourös, ultrachic mit Make-Up, Hairspray und Rüschen-Look. „We came up at a time, where image was super important“, so John Taylor. „Planet Earth“ stürmte als erste Single auf Platz 12 der UK-Charts, der erste große Hit „Girls on Film“ bereits in die Top 10 auf Platz 5, unterstützt durch ein skandalträchtiges Erotik-Video der Star-Regisseure Godley & Creme. Duran Duran wurden in der Folge mit ihren brillanten Video-Clips auch zu den Galionsfiguren von MTV. „The band was a natural for music television“, titelte der Rolling Stone.
45 Jahre nach ihrem ersten gemeinsamen Auftritt stehen Duran Duran – ohne den erkrankten Andy Taylor – weiterhin auf der Bühne. Amsterdam, Rom, Mailand, Kopenhagen, Dublin und nach 13 Jahren endlich wieder Berlin: Nur einige Metropolen im Kalender der Europa-Tour 2025. Als Verstärkung zusätzlich on stage Gitarrist Dominic Brown, Saxophonist Simon Willescroft und die Background-Sängerinnen Anna Ross und Rachel O´Conner. Sänger Simon le Bon ist mittlerweile 66, aber sowohl körperlich als auch stimmlich on top. Dank viel Sport, Wandern, Schwimmen und Fitnessprogrammen. Ein Vorbild für jede Altersgruppe. John Taylor, schlank und rank mit roter Lederhose, steht ihm da um nichts nach.
„Ein Drittel neue Songs, zwei Drittel Hits, dazu ein paar obskure Albumtracks“ – Das ist das eigentlich einfache Konzept der Duran Duran-Shows. „Das Schlimmste ist, wenn man den Leuten nicht das gibt, was sie wollen“, so Simon le Bon kürzlich in einem RP-Interview, selbst einmal enttäuscht über ein David Bowie-Konzert ohne alte Songs. Die Auswahl ist nach mehr als 100 Millionen verkauften Tonträgern, 16 Studio-Alben und 30 Top 40-Singles (davon 14 Top 10) im UK trotzdem keine einfache.
Auf der Setlist der Duranies befinden sich in der Berliner Max Schmeling-Halle neu arrangierte Tracks aus dem 81er-Debüt-Album wie „Friends of Mine“, „Careless Memories“, „Planet Earth“ und der Opening Track „Night Boat“. Nach dem Opener folgt bereits der größte Hit der Band in Deutschland, „Wild Boys“, auf dem riesigen Screen tummeln sich schreckliche Fratzen im Stil des mit dem Brit-Award prämierten Kult-Clips von Regisseur Russell Mulcahy. Nach einer witzigen Anspielung auf Berliner Pils und Sausage und dem Zitat „Is anybody hungry…“ starten die ersten Beats eines der Fan-Favourites, „Hungry like a Wolf“. Riesen-Stimmung beim James Bond-Titelsong „A View to a Kill“, der bei der ehemaligen Lieblingsband von Prinzessin Diana nach 5 Jahren turbulentem Popstar- und Teenieschwarm-Leben eine Zäsur einleitete.
Duran Duran starteten zwei (gute) Splitting-Projekte, Power Station (feat. Robert Palmer) und Arcadia, nachträglich laut Nick Rhodes „a commercial suicide“. Das nächste Album mit dem Chic-angehauchten Titel-Track „Notorious“, natürlich auch auf der Setlist in Berlin, wurde nur mehr mit der Besetzung Simon Le Bon, John Taylor und Nick Rhodes aufgenommen. Immer wieder kreieren Duran Duran bei ihrer Live-Show Mash-Ups ihrer Tracks, so beim Timbaland-´produzierten „Nite Runner“ und dem 89er-Hit „All she wants is“, bei „Superlonely Freak“ (inkl. Cerrones Disco-Klassiker „Super Freak“) und gegen Ende des Main Sets bei „Girls on Film“ und „Psycho Killer“. Der Talking Heads-Klassiker wurde von den Duranies im Rahmen des Halloween-inspirierten Albums „Dance Macabre“ im Jahr 2023 neu eingespielt, und das mit Support der coolen Maneskin-Gitarristin Victoria de Angelis. Der globale Mega-Hit „The Reflex“ (aus dem nur einzigen UK-Nr.1-Abum „Seven and the Ragged Tiger“) und der euphorische Dance-Track „Reach out for the Sunrise“ (2004) sorgten naturgemäß für Tanz-Eskapaden auf den Steh- und Sitzplätzen.
Die leisen Untertöne dürfen aber nicht fehlen. Den gefühlvollen Comeback-Hit „Ordinary World“ (1993) widmet Sänger Simon le Bon den um Frieden kämpfenden Menschen in Israel, Gaza und der Ukraine. Sein Credo: „We believe in their rights, their happiness and peace in their own country, their own ordinary world“. Bei „Come Undone“ hat Backgroundsängerin Anna Ross ihren großen Auftritt, im Hintergrund läuft das bezaubernde Aquarium-Video des Star-Regisseurs Julian Temple. Bei der ersten Zugabe „Save a Prayer“ flattern die Friedenstauben auf dem Screen, während die Fans mit den Smartphones leuchten. Tatsächlich ist die wunderschöne Ballade aus dem Jahr 1982 ein Song über ein flüchtiges Liebesabenteuer („Some people call it a one night stand. But we can call it paradise.“). Den finalen Schlusspunkt setzen Duran Duran mit dem schnittigen 82er-Hit „Rio“, populär geworden durch den eleganten nahe der Karibik-Insel Antigua abgedrehten Yacht-Clip.
It´s all over now, Baby Blue? Nein, keineswegs. Ein neues Duran Duran-Album mit unveröffentlichten Tracks aus den Nullerjahren („Reportage“) ist in Planung, außerdem eine neue Single mit Ex-Chic-Mastermind Nile Rodgers. Live-Auftritte dürften folgen. John Taylor im O-Ton: „We´ve learned that we never go very long without getting onto a stage“.
31,72 Millionen Passagiere verzeichnete der Flughafen Wien im Jahr 2024, ein Rekordwert. Doch nicht immer läuft die Beförderung so ab, wie es sich die Fluggäste vorgestellt haben. Verspätungen, Ausfälle oder Überbuchungen stehen weltweit auf der Tagesordnung. Die sogenannte EU-Fluggastrechte-Verordnung, beschlossen im Jahr 2004, stellt im EU-Raum die Rechtsgrundlage dar, mit der sich Kunden gegen Mängel beim Flugtransport wehren können.
Genauer gesagt gilt sie gemäß Artikel 3 für Fluggäste, die auf Flughäfen im Gebiet eines EU-Mitgliedstaats einen Flug antreten bzw. für Passagiere, die von einem Flughafen in einem Drittstaat einen Flug zu einem Flughafen im Gebiet eines EU-Mitgliedstaats antreten, sofern das ausführende Luftfahrtunternehmen eine EU-Airline ist. Bei einem Flug von New York nach Wien gilt die Fluggastrechte-Verordnung, wenn die Fluggäste beispielsweise mit der Austrian Airlines fliegen. Die Fluggäste müssen über eine bestätigte Buchung für den betreffenden Flug verfügen und sich spätestens 45 Minuten vor der veröffentlichten Abflugzeit zum Check-In einfinden.
Nichtbeförderung
Geregelt werden in der Fluggastrechte-Verordnung die Mindestrechte für Fluggäste bei Nichtbeförderung gegen ihren Willen, Annullierung und Verspätung des Flugs. Häufigster Anwendungsfall bei Nichtbeförderung ist die Überbuchung. Jene Fluggäste, die nicht am Flug teilnehmen können, haben dann ein Wahlrecht auf vollständige Rückerstattung des Preises, eine anderweitige Beförderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt oder zu einem späteren Zeitpunkt nach Wunsch des Fluggasts. Parallel dazu besteht ein unentgeltlicher Anspruch auf Betreuungsleistungen gemäß Artikel 9. Diese umfassen Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit, Hotelunterbringung (falls notwendig) bzw. Kommunikation in Form von zwei Telefongesprächen oder E-Mails. Außerdem besteht ein Anspruch auf Schadenersatz, dessen Höhe sich nach der Entfernung richtet. Dieser pauschale Ausgleichsanspruch beträgt 250 Euro bei Flügen bis 1500 km, 400 Euro bei allen EU-Flügen über mehr als 1500 km bzw. anderen Flügen zwischen 1500 und 3500 km bzw. 600 Euro bei allen übrigen Flügen. Bei einer anderweitigen Beförderung kann dieser Ausgleichsanspruch um 50 Prozent gekürzt werden, sofern die Verspätung nicht mehr als 2, 3 oder 4 Stunden (je nach Entfernung) beträgt.
Annullierung
Wird der Flug annulliert, dann haben die Fluggäste dasselbe Wahlrecht und dieselben Betreuungsleistungen wie bei der Nichtbeförderung. Ein Ausgleichsanspruch besteht allerdings dann nicht, wenn die Fluggäste über die Annullierung mindestens zwei Wochen vor der Abflugzeit unterrichtet wurden bzw. bei späterer Information bei einem Angebot zur anderweitigen Beförderung. Fluggäste haben auch dann keinen Ausgleichsanspruch, wenn die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht. Darunter fallen u.a. akute Terrorwarnungen, politische Instabilität, widrige Wetterbedingungen oder Sicherheitsrisiken. Laut der Rechtsprechung des EuGH gelten technische Gebrechen nur in besonderen Fällen als außergewöhnliche Umstände (wie bei Sabotageakten). Die Nachweispflicht liegt beim Luftfahrtunternehmen. In der Praxis berufen sich Fluglinien sowohl bei Annullierungen als auch bei Verspätungen vermehrt auf außergewöhnliche Umstände, die bei den Schlichtungsverfahren vor der Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte bzw. vor Gericht individuell geprüft werden. Seit 2021 konnten laut Arbeiterkammer Entschädigungsansprüche in der Höhe von 1,4 Millionen Euro erstritten werden. Dabei handelte es sich um Ansprüche in rund 2000 Fällen, die die Fluglinien freiwillig nicht leisten wollten.
Verspätungen
Die Fluggastrechte bei Verspätungen sind gemäß Artikel 6 abhängig von der Entfernung und der Zeit der Verspätung. So haben die Fluggäste Anspruch auf Betreuungsleistungen bei Verspätungen von 2 Stunden (bei Flügen bis 1500 km), von 3 Stunden (bei EU-Flügen von mehr als 1500 km und anderen Flügen zwischen 1500 und 3500 km) und 4 Stunden (bei allen übrigen Flügen). Beträgt die Verspätung mehr als fünf Stunden, so können die Passagiere vom Vertrag zurücktreten und die vollständige Erstattung der Ticketkosten verlangen. Ein Anspruch auf Entschädigung besteht laut der Verordnung selbst nicht, allerdings hat der Europäische Gerichtshof 2009 im Fall „Sturgeon/Condor und Böck/Air France“ entschieden, dass Verspätungen ab drei Stunden gleich zu behandeln sind wie Annulierungen. Fluggäste haben daher zusätzlich einen Ausgleichsanspruch (ausgenommen bei außergewöhnlichen Umständen), die Dreistunden-Frist bemisst sich dabei nach der Ankunftsverspätung am Zielort.
EU-Verhandlungen
Auf EU-Ebene wird derzeit über eine Änderung der Fluggastrechte-Verordnung verhandelt, die zu Verschlechterungen für die Kunden führen könnte. So sollen laut einem Vorschlag der EU-Kommission Ausgleichsansprüche erst ab fünf, neun bzw. zwölf Stunden Verspätung (je nach Entfernung) geltend gemacht werden können. Da die meisten Verspätungen zwischen zwei und vier Stunden betragen, würden laut der deutschen Verbraucherzentrale 85 Prozent der Reisenden ihren Anspruch auf Entschädigung verlieren. Deutschland, Portugal und Spanien sind vehemente Gegner dieser Reform, im Herbst werden die Verhandlungen fortgesetzt.
Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte
In Österreich können die Fluggastrechte bei der bereits erwähnten Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte eingefordert werden. Es handelt sich dabei um ein außergerichtliches Schlichtungsverfahren mit dem Ziel einer einvernehmlichen Einigung zwischen Luftfahrtunternehmen und Fluggästen. Bei Nichteinigung (nur rund 3 Prozent im Vorjahr) bleibt weiterhin der Gerichtsweg offen. Im Jahr 2024 wurden laut Jahresbericht 4314 Verfahren eingeleitet, die höchste Zahl seit Bestehen der Stelle. Rund 52 % davon wurden – mit steigender Tendenz - wegen Verspätungen geführt…
Die Berliner Techno-Kultur ist seit 2024 immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe. Dies drückt einerseits die Wichtigkeit des rhythmisch-monotonen Sounds für die deutsche Bundeshauptstadt aus, andererseits ist es natürlich ein Schlag in die Magengrube jener, die Techno noch immer als Subkultur betrachten. Die Probleme in der Szene sind allerdings ganz andere.
Vor allem im Szene-Bezirk Friedrichshain, seit 2001 mit Kreuzberg südlich der Spree verwaltungstechnisch verbunden, rumort es. Dort ist nach dem Mauerfall der originäre Sound entstanden, in alten, verlassenen Banken und Fabriken, in denen, aufgeputscht von Drogen, nächte- und tagelang gefeiert wurde. Linke Hausbesetzer lieferten sich zahlreiche Auseinandersetzungen mit der Polizei, es sperrten immer mehr Lokale, Bars und Clubs auf. 35 Jahre nach der Wende allerdings steht das Image Friedrichshains als Szene-Schmelztiegel und kreative Spielwiese auf des Messers Schneide. Die Gentrifizierung schreitet voran – mit steigenden Mieten, nur kurzfristig abgeschlossenen Pachtverträgen, immer strengeren behördlichen Auflagen, einer ungebremsten Invasion der Immobilienbranche und fragwürdigen, von der Regierungspolitik forcierten Bauprojekten, die den Charme des Bezirks langfristig zerstören könnten.
„Der Mercedes-Platz ist städtebauliches Elend“, so Florian Schmidt von den Grünen, die gemeinsam mit den Linken gegen diese Transformation Friedrichshains auf die Barrikaden gehen. Seit März 2025 heißt das 2018 eröffnete Areal – man mag es kaum glauben – Uber-Platz. Denn der Sponsor hat gleichzeitig das Namensrecht. Dort befinden sich u.a. die futuristische Uber-Arena (in der Mega-Stars wie U2, Madonna oder Kylie Minogue auftreten), die kleine Uber Eats Music Hall, mehr als 20 Gastronomiebetriebe, ein Kino, ein Bowlingcenter und drei Hotels.
Gleich in der Nähe direkt an der Warschauer Straße und nur rund 800 Meter von der wunderschönen Oberbaumbrücke entfernt ragt seit März 2025 der Edge East Side Tower in die Höhe. Mit 142 Metern Höhe ist das postmoderne Konstrukt derzeit das höchste Gebäude Berlins. 400 Millionen Euro hat der Turm gekostet, die Büro-Fläche beträgt 65.000 m2, verteilt auf 36 Etagen. Wer dort hauptsächlich einzieht, ist kein Geheimnis. Denn bereits jetzt trägt das umstrittene Hochhaus den Spitznamen „Amazon Tower“.
Ein rund 100 Meter hoher Turm droht auch dem benachbarten RAW-Gelände. Das Areal auf dem ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerk Berlin, das bis zu seiner Stilllegung nach der Wende der Instandhaltung von Lokomotiven, Personen- und Güterwägen diente, zählt heute zu den exzessivsten Partymeilen Berlins. Auf dem riesigen Gelände findet man Skater- und Boulderhallen, Konzerthallen, Clubs (wie das Cassiopeia, den Weißen Hasen oder das Badehaus Szimpia) und zahlreiche Events (wie den wöchentlichen Flohmarkt). Wird dieses neue Hochhaus gebaut, dann müssten u.a. die Street Art-Galerie Urban Spree und der Electro Club Lokschuppen Berlin schließen bzw. verlegt werden. Und vermutlich ist diese erste Umgestaltung nur der Anfang einer langen Kette von mammongesteuerten Eingriffen in das Szene-Esprit Friedrichhains.
Das größte Ungemach droht Friedrichshain allerdings durch den geplanten neuen Bauabschnitt der Stadtautobahn A 100, die zahlreiche Clubs im Umfeld des Ostkreuzes bedroht. „Diese Standorte sind keine beliebig reproduzierbaren Flächen, sie sind Teil der Berliner Identität“, so das Credo der Clubszene, die laut aktuellen Zahlen jährlich rund 1,5 Milliarden Euro durch nachgelagerte Effekte im Tourismus und der dazugehörigen Wirtschaft erzielt.
Nur wenige Veranstaltungsstätten sind langfristig rechtlich abgesichert, darunter das Holzmarkt-Gelände mit dem Kater Blau (das von den ehemaligen Bar 25-Machern und einer Schweizer Genossenschaft erworben wurde) und der Kult-Techno-Club Berghain auf dem Gelände des ehemaligen Wriezener Güterbahnhofs. Eröffnet im Dezember 2004 (als Nachfolgelocation des Technoclubs Ostgut in der Mühlenstraße nahe der Spree) hat das Berghain den Ruf als „härteste Tür der Welt“. In der Klubnacht ab Samstag Mitternacht wird – bei strengstem Foto- und Videoverbot – zumeist bis Montag früh in der 18 Meter hohen Halle durchgefeiert. God is a Techno DJ. Die Betreiber haben das außerdem denkmalgeschützte Gebäude 2011 vom Energieunternehmen Vattenfall erworben.
Die lange zumeist ganz in schwarz gekleidete Menschenkette vor dem legendären Eingangstor hätte eigentlich schon fast selbst die Trademark eines Weltkulturerbes. Dies würde allerdings auch nichts daran ändern, dass die Clubkultur in Friedrichshain unsicheren Zeiten entgegengeht. Das Kapital schafft an, nicht die kulturelle Aura. Und das nicht nur in Berlin…
Sommer, Sonne, Nightlife – Das sind sicher die Hauptgründe, warum mehr als 3 Millionen Touristen pro Jahr auf den Party-Hot Spot Ibiza düsen. Es gibt aber auch viel Kunst auf der Baleareninsel zu besichtigen, so u.a. im MACE, dem Museum für zeitgenössische Kunst direkt in der Hauptstadt Eivissa. Dieses erreicht man ziemlich einfach, indem man die Zugbrücke beim Portal de ses Taules überquert und dann links aufwärts schreitet. Der Eintritt ist frei, gezeigt werden Kunstwerke ab den 50ern bis zur Gegenwart, darunter jene der weltberühmten Grupo Ibiza 59 (wie Erwin Broner, Antonio Ruiz oder Erwin Bechtold).
Besonders ins Auge fällt im Erdgeschoß eine Installation am Fenster des Museums. Diese trägt den Titel „A Place where nothing ever happens“. Und das macht sofort etwas stutzig. Ein Platz, wo nichts jemals passiert ? Eine Insel, die – mit Ausnahme der Corona-Zeit – nahezu ausgebucht ist mit Touristen aus aller Welt, die in den randvoll gefüllten Clubs und Diskotheken abtanzen bis in den Morgengrauen (und das vor den behördlichen Restriktionen sogar bis mittags) ?
Die Idee dahinter stammt von der in Ibiza 1986 geborenen und in Madrid lebenden Künstlerin Irene de Andres. Die Intervention am Fenster ist auch nicht das Hauptwerk, sondern „nur“ eine Collage ihres Projekts „Donde nada ocurre“ („Where nothing happens“) aus dem Jahre 2016. Man erkennt dabei schemenhaft Diskotheken, tanzende Menschen, alte Vinylscheiben, verknitterte Event-Plakate, Gebäuderuinen und verwucherte Wälder. Andres zeigt allerdings nicht die aktuellen Clubs – laut ihrer Diktion die „neuen Tempel unserer Zeit“ - sondern fünf ehemalige geschlossene Nightclubs, Idea, Festival Club, Heaven, Glory´s und Toro Mar. Letzterer war ursprünglich eine Stierkämpfer-Schule (!) und wurde während des aufkommenden Tourismus-Booms transformiert in eine Diskothek mit Kuppel (die wegen umweltbehördlicher Auflagen und fehlender Lizenzen wieder abgerissen werden musste). Nach dem Konkurs der Inhaber wurden dort illegale Rave-Parties veranstaltet, direkt neben einem Natur- und Tierpark.
Irene de Andres, u. a. Absolventin der Fine Arts an der Universidad Complutense de Madrid und vielfach ausgezeichnete spanische Künstlerin, dokumentiert die Anekdoten der geschlossenen Clubs mittels Fotografien, Skulpturen, Bauwerken, Plakaten und Zeitungsmaterial. Zu sehen war die Ausstellung nicht nur in spanischen Städten (wie im Sa Punta des Molí von San Antonio oder komplett in Valladolid), sondern auch bei der Exhibition „Energy Flash – The Rave Movement“ in Antwerpen. Ein Stückchen Nostalgie steckt auch dahinter. Die vergleichsweise kleinen Tanzclubs waren damals ein Mittel zur Flucht aus dem Alltag, die Preise moderat, VIP-Räume nicht existent.
Heute ist Ibiza das „Clubbing Capital of the World“, die ganze Insel lebt von der Tourismusindustrie und der immer exklusiveren Vergnügungsstätten und Luxushotels. Die Clubbetreiber und Immobilienunternehmer machen Millionengewinne, aber wie geht es eigentlich der einheimischen Bevölkerung und der Working Class? Diese arbeitet rund um die Uhr, damit die reichen 24-Hour-Party People bedient werden, und was haben sie davon? So wenig Lohn, dass sie sich bei den immens gestiegenen Mieten nicht einmal eine angemessene Wohnung leisten können und in kleinen Zimmern, Gemeinschaftsräumen und Wohnwägen übernachten müssen. Eine soziale Lunte, die eigentlich die Politiker Ibizas schon längst löschen hätte müssen. Sie brennt allerdings weiter…
https://irenedeandres.com/
Baden ist seit 2021 gemeinsam mit zehn weiteren Kurorten (den „Great Spa Towns of Europe“) Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Die 26.000 Einwohner-Metropole südlich von Wien zählt zu den Spitzenreitern des NÖ Tourismus und wies 2023 in seiner Bilanz dank USP´s wie Römertherme, Weinkultur, Arnulf Rainer-Museum und Casino über 370.000 Nächtigungen auf. Seit 2018 gehört auch das Fotofestival La Gacilly zu den Frequenzturbos der pittoresken Stadt.
Entstanden ist das Festival 2003 in der französischen 4000-Einwohner Gemeinde La Gacilly auf Initiative des Bürgermeisters Jacques Rocher (einem Sohn des Kosmetikunternehmers Yves Rocher). Seit 2018 findet es auch in Baden statt, und zwar aufgrund einer Freundschaft zwischen Jacques Rocher und dem österreichischen Fotografen Lois Lammerhuber, der die jährlichen Ausstellungen kuratiert. Im Mittelpunkt stehen dabei die Themen Mensch und Umwelt, Nachhaltigkeit, die Zukunft der Erde und der Umgang mit der Natur. Das Prinzip: Die Hauptausstellungen von La Gacilly finden im Folgejahr in Baden statt.
Der Schwerpunkte im Jahr 2025: „Australien & Die neue Welt“. Damit aber nicht genug. Denn tatsächlich umfasst das Portfolio des zwischen 13. Juni und 12. Oktober stattfindenden Open Air-Fotofestivals mehr als 30 Einzelausstellungen und rund 1500 Fotografien in Großformat. Baden krönt sich damit zum größten Fotofestival Europas. Unterteilt ist das Festival in eine Stadt- und in eine Gartenroute, der Pfad ist rund 7 Kilometer lang und inkludiert gleichzeitig auch die schönsten Sehenswürdigkeiten der niederösterreichischen Metropole.
Unterhalb des Kurparks begeistert der deutsche Fotograf Hans Jürgen Burkard mit einem nicht objektiven Abbild der deutschen Gesellschaft. „An Tagen wie diesen“ nennt sich die Exhibition, benannt nach einem Toten Hosen-Hit. Der musikalische Konnex ist auch nicht abzustreiten. Unter jedem Bild befindet sich ein dazu passender Songtext. Die Motive: Gestrandete Pottwale, Berliner Szenegirls, Blümchen Jasmin Wagner in der VIP-Society, die East Side Gallery oder schräge Saurierparks in „Gärten des Grauens“.
Im Casino-Areal werden die Sieger des CEWE-Fotowettbewerbs präsentiert, darunter auch ein kunstvolles Foto Gaby Dorkas von der Landesgalerie Krems. In der Innenstadt dokumentiert eine Fotogalerie schockierende Einzelschicksale des Chronischen Fatigue Syndroms. Junge Menschen, die aufgrund dieser Krankheit ans Haus gefesselt sind und kaum Tätigkeiten verrichten können, allerdings vom Staat finanziell in Stich gelassen werden. Die Dunkelziffer betroffener Personen reicht bis 80.000 alleine in Österreich. Im wunderschönen Doblhoffpark platzierten die Kuratoren die brillanten Fotos des australischen Magnum-Fotografen Trent Parke und der Fotografin Naurelle Autio („Der Ruf der Ozeane“). Mitten im Doblhoffteich direkt gegenüber dem Cafe rotieren die Fotos des „Süßwasserpapstes“ und Tauchsportjournalisten Herbert Frei. Die deutsche Fotojournalistin und Dokumentarfilmerin Ulla Lohmann widmet sich mit eindrucksvollen Fotos der durch Rodungen umweltgefährdeten Region Neubritannien und dem dort lebenden „Volk der Vulkane“…
Sich informieren im Besucherzentrum am Brusattiplatz, systematisch die einzelnen Ausstellungen durchforsten oder ganz einfach ohne Plan durch das Zentrum Badens flanieren und sich durch die 1500 Fotos inspirieren lassen. Egal, wie´s beliebt. Baden und das Fotofestival La Gacilly sind auf jeden Fall einen Städtetrip wert. Und das sogar jedes Jahr…
„Mensch Berlin“ – So lautet der Name einer spannenden Ausstellung im Wiener Kultursommer 2025. Es handelt sich dabei um eine Werkschau, die zuvor in der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank mit großem Erfolg gezeigt wurde. Diese feierte 2025 ihr 40jähriges Jubiläum und präsentierte aus diesem Anlass deutsche Kunstwerke nach 1950, und das vorwiegend aus der DDR. Die Bandbreite reicht von der Leipziger und Berliner Schule bis hin zu den „neuen Wilden“ mit ihrer Punk-Ästhetik und rebellischen Künstlern, die sich subtil mit der Teilung Deutschlands beschäftigten. Die explizite Darstellung der Mauer – laut DDR-Propaganda ein „friedenssichernder Schutzwall“ - war damals verboten. Nach dem Mauerfall entstand zwar eine Aufbruchsstimmung, die aber vor allem für die Künstler aus dem Osten auch mit Angst und Unsicherheit verbunden war. Man fühlte sich „politisch belastet“ und als „ostdeutsch etikettiert“.
Man möchte nun glauben, diese Kooperation mit einer deutschen Institution könnte auch für die österreichische Kulturlocation von Nutzen sein. Dem ist leider nicht so. Denn das Gebäude an der Freyung, das Bank Austria Kunstforum, muss leider Ende August seinen Kulturbetrieb einstellen. Schuld daran ist die Insolvenz der Signa Rene Benkos, die bis zum Verkauf an den Industriellen Josef Rainer im Jänner 2025 auch Eigentümer der Immobilie war. Diese hatte zur Folge, dass sich auch das Sponsoring-Modell mit Benko in Luft aufgelöst hat und auch kein gleichwertiger Ersatz gefunden wurde.
Die ersten Ausstellungen im Kunstforum fanden bereits 1980 in den leerstehenden Räumen des CA-Kassensaals statt. Der damalige Länderbank-Chef und spätere Bundeskanzler Vranitzky institutionalisierte aufgrund des großen Andrangs das Länderbank Kunstforum, der erste Direktor war der spätere Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder. Gustav Peichl baute 1988 das Kunstforum um, die erste Ausstellung nach der Wiedereröffnung thematisierte „Egon Schiele und seine Zeit“ und lockte mehr als 180.000 Besucher an. Kokoschka, Van Gogh, Cezanne, Picasso, Miro, Chagall, das waren nur einige der internationalen Künstler, die das Ausstellungsprogramm des nunmehrigen Bank Austria Kunstforums prägten.
Im Jahr 2000 wurde Ingrid Brugger neue Direktorin, sie erweiterte das Portfolio um Themenausstellungen (wie „Jahrhundert der Frauen“, „Futurismus – Radikale Avantgarde“, „Superstars – Von Warhol bis Madonna“ oder „Eros in der Kunst der Moderne“) und Ausstellungen österreichischer Künstler (wie Arnulf Rainer, Christian Ludwig Attersee oder Herbert Brandl). Zuletzt sorgten Exhibitions von Cindy Sherman, Helmut Newton, David Hockney, Kiki Kogelnik und Depeche Mode-Regisseur Anton Corbijn für Furore und Anerkennung. Die bereits fix geplante Marina Abramovic-Ausstellung wird bereits in der Albertina Modern (ab 10. Oktober) stattfinden, Pönale-Zahlungen konnten dadurch zumindest verhindert werden.
Auf der 1992 auf 1120 Quadratmeter vergrößerten Ausstellungsfläche fanden über 150 Ausstellungen statt. Jährlich besuchten ca. 230.000 Menschen die Museumsinstitution an der Freyung. Das Bank Austria Kunstforum lag damit unter den Top 10 der meistbesuchten Museen Österreichs. Zahlreiche Petitionen, offene Briefe und Appelle wurden in den letzten Monaten getätigt, und das von prominenter Seite jeglicher Art (von Heinz Fischer, Erwin Pröll bis hin zu Valie Export, Erwin Wurm oder Oscar Bronner). Es hat alles nichts genützt. Nach dem Besuch der „Mensch Berlin“-Ausstellung blickt man traurig auf die nur mehr halbvollen Stellagen des Shops, in dem die hochwertigen Kataloge um minus 70 Prozent angeboten werden. „Mensch Wien“, du nennst dich tatsächlich noch Kulturstadt…
„Die Tanzfläche kocht, hier trifft sich die Scene. Ich fühl mich gut, ich steh auf Berlin.“ – Ideals NDW-Hit aus dem Jahre 1980, damals entstanden in Westberlin, inkludiert heute die gesamte 3,7 Millionen-Einwohner-Metropole. Berlin – Die Stadt der Kreativität, der Freiheit, der Lässigkeit und der Leichtigkeit des Seins. Vor allem in den Bezirken Friedrichshain und Kreuzberg brodelt die Szene. 2001 wurden diese beiden Bezirke zusammengelegt. Ein eminent wichtiges politisches Zeichen, befand sich doch zwischen diesen während der Mauerteilung ein besonders brisanter Grenzstreifen. Friedrichshain war Teil des sowjetischen Sektors und gehörte zu Ostberlin, Kreuzberg zu Westberlin. Dazwischen lag die Spree, die gänzlich zum Ostberliner Areal zählte. Fünf unfassbare Todesfälle waren die Folge. Kinder, die am Kreuzberger Ufer ins Wasser gefallen waren, ertranken, weil die Westseite nicht eingreifen durfte und die Ostseite keine Hilfsmaßnahmen setzte. Erst 1976 trafen der Berliner Senat und die Regierung der DDR eine menschenwürdige Lösung durch ein ständig stationiertes DDR-Patrouillenboot und durch eine Installation einer Notrufsäule an der Oberbaumbrücke.
Oberbaumbrücke
Die rote Brücke mit den unterschiedlichen Türmen hat ihren Namen durch einen im 17. Jahrhundert errichteten Oberbaum, der verhinderte, dass Schiffe ohne Zolleinhebung die Spree durchquerten. Erbaut wurde sie 1896 als Verbindungsglied zwischen Friedrichshain und Kreuzberg, für den Straßenverkehr und die (älteste) U-Bahnlinie Berlins. Während der Zeit der Berliner Mauer wurde die Oberbaumbrücke gesperrt und hatte die Funktion eines Grenzübergangs, bei dem nur die Fußgängerbrücke benutzt werden durfte. Seit 1995 läuft der Verkehr wieder, der kaputte Mittelteil wurde durch den spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava saniert. Die Oberbaumbrücke gilt heute als Symbol der Wiedervereinigung von Ost- und Westberlin, ist in zahlreichen Kinofilmen (Lola rennt) und Musikvideos (Kein Liebeslied von Kraftklub) zu sehen und bietet eine tolle Aussicht westlich Richtung Berlin Mitte, Fernsehturm und East Side Gallery, östlich Richtung Treptow, Eisenbrücke und Molecule Man, einer 1999 errichteten 30 Meter hohen Drei-Figuren-Skulptur des amerikanischen Bildhauers Jonathan Borofsky. Bis Ende 2024 tanzten die Party People noch unmittelbar an der Oberbaumbrücke am Kreuzberger Ufer im renommierten Club Watergate, dieser wurde allerdings wegen gestiegener Kosten leider geschlossen.
East Side Gallery
„Dancing to Freedom. No more wars, no more walls, a united world“: Dieses heute wieder so bedeutsame Zitat ziert – neben zwei tanzenden Figuren – das Mauer-Kunstwerk des ursprünglich aus Indien stammenden Künstlers Jolly Kunjappu. Es zählt zweifelsohne zu den meistfotografierten Werken der East Side Gallery in der Mühlenstraße. Während der Teilung Berlins hatte dieses Mauerteilstück die Funktion einer Hinterlandmauer, die Grenze lag – wie bereits erwähnt – am Kreuzberger Ufer. Mindestens 13 Menschen starben zwischen 1961 und 1989 hier im Zusammenhang mit dem Grenzregime. Im Frühjahr 1990 wurde das mit 1,3 Kilometern längste erhaltene Mauerwerk auf der Ostseite von 118 Künstlern aus 21 Ländern bemalt. Aufgrund von Zerstörungen, Umweltverschmutzung und Witterung erfolgte im Jahr 2009 eine Restaurierung durch die Künstler selbst. Zuständig für den Erhalt ist seit November 2018 die Stiftung Berliner Mauer. Unter Denkmalschutz steht die East Side Gallery schon seit November 1991. Und das ist gut so. Denn die Botschaften, Symbole, Sehnsüchte, Wünsche und Forderungen auf den einzelnen Mauerteilen haben, wie man an der gegenwärtigen politischen Lage sieht, dauerhaften Bestand…
Achtung vor Alpakas, die spucken die Menschen an. Das ist ein Mythos, der sich über Generationen in den Köpfen von Erwachsenen und somit auch Kindern festgesetzt hat. Einer, der leider nur zu gut in die Zeiten der Fake News passt. Tatsächlich haben Lamas und Alpakas nie die Absicht, Menschen anzuspucken. Das Spucken dient der Kommunikation innerhalb der Herde, wenn zwei Alpakas sich über die Rangordnung, das Futter oder über Paarungsrechte streiten. Menschen spucken Lamas und Alpakas nur dann an, wenn sie sich bedroht oder bedrängt fühlen.
„Abstand halten, am Hals und nicht am Po streicheln (wer mag das schon?)“, so die Erlebnispädagogin und Alpaka-Lamahof-Besitzerin Dorothea Ivanka. Die 6-8jährigen Kinder von Ninas Geburtstagsparty und deren Begleitpersonen hören wissbegierig zu, während im Hintergrund die drei Lamas und vier Alpakas davon unberührt grasen, aber immer wieder ihren langen Hals in Richtung der quietschvergnügten Runde recken. Die Alpakas stammen aus den Anden Südamerikas, alleine in Peru leben rund 3,5 Millionen Tiere (= 80 % des weltweiten Bestandes). In Österreich werden ca. 3500 Alpakas gezüchtet. Ihre Lebensdauer beträgt rund 20 Jahre.
Was sie von den Lamas unterscheidet: Alpakas sind kleiner, ruhiger und zahmer. Sie werden jährlich einmal geschoren, ihre feine Wolle ist heißbegehrt für Textilien und Kleidung. Außerdem werden sie aufgrund ihrer beruhigenden Art gerne für Therapien eingesetzt. Kein Wunder, dass Dorothea ihre Erlebnistouren unter der Marke „AlpaCamino“ anbietet. Die Alpakas und Lamas als Weggefährten, die unser Leben bereichern und sensibilisieren.
Iago, Alejandro, Inti bzw. Yupanqui, Couscous, Lino und Bärli, so heißen die allesamt männlichen Lamas und Alpakas von Dorothea, charakterlich grundverschieden, aber alle liebenswert. Den Höhepunkt jedes Events, der gemeinsamen Wanderung Richtung Kritzendorf und Donau, lässt sich keiner entgehen. Streitereien über die Zuteilung der einzelnen Tierchen kommen erst gar nicht auf, diese nimmt Dorothea selbst nach ersten Eindrücken über die Kinder gefühlsmäßig vor. Geburtstagskind Nina ist mit dem niedlichen weißen Alpaka Yupanqui unterwegs, Maya und Mathilda mit dem gemütlichen Lama Alejandro, das gerne als Schlusslicht fungiert, vorne an der Spitze der große Iago, der souverän die Gruppe anführt. Besonders beliebt ist auch der kleine Couscous, der seit einigen Jahren an einer Autoimmunerkrankung leidet und gerne verwöhnt wird. Rund 1,5 Stunden dauert die lässige Wanderung, die immer wieder durch Fressattacken der Lamas und Alpakas unterbrochen wird. Die Kinder haben ihren Spaß mit den süßen Weggefährten, die Zeit vergeht wie im Flug. Zurück auf dem Alpakahof heißt es dann – nach einem kleinen Spiel und vielen Fotos – Abschiednehmen von den neuen Freunden.
Dorotheas Lama-Erlebnisangebote sind breitgefächert und reichen von Wanderungen mit Schulen, Entschleunigungstouren für Firmen, offenen Spaziergängen mit gemischten Gruppen bis hin zu Single-Treffen, Adventevents und Märchenstunden. Neben Kritzendorf stehen auch Lichtenau (vor allem im Sommer) und Ramsau bei Hainfeld (an einzelnen Tagen) als Standorte zur Verfügung.
Nähere Infos unter: https://www.weggefaehrten-alpacamino.at/
Massenandrang vor dem Leopold Museum im MQ, und das nicht ohne Grund. Denn nur mehr bis 13. Juli kann die ausgezeichnete Ausstellung „Egon Schiele – Last Years“ im ersten Untergeschoß besucht werden. Der 1918 mit 28 Jahren verstorbene Künstler hätte sich gefreut. „Der Krieg ist aus – und ich muss geh´n“ – Meine Gemälde sollen in allen Museen der Welt gezeigt werden“, ein Zitat Schieles kurz vor seinem Tod, das auch im Ausstellungsraum des Leopold Museums, dem Museum mit der weltweit größten Schiele-Sammlung, platziert wurde.
Die Kuratorinnen Kerstin Jesse und Jane Kallir präsentieren in ihrer monografischen Schau rund 130 Gemälde und Zeichnungen aus dem Spätwerk Schieles zwischen 1914 und 1918. Einer Ära, die für Schiele nicht nur durch den 1. Weltkrieg (inklusive der militärischen Einberufung des Künstlers) geprägt war, sondern auch durch persönliche Umwälzungen. Schiele heiratete im Juni 1915 seine langjährige Freundin Edith Harms, die mit ihrer Schwester Adele und ihren Eltern gegenüber seinem Atelier in der Hietzinger Hauptstraße wohnte. Diese aufgrund des Krieges schwierige Beziehung steht auch im Mittelpunkt der Ausstellung, die in insgesamt 9 Themenbereiche unterteilt ist.
Die Motive Schieles verlagerten sich teilweise in Richtung Paarbeziehungen (wie beim Meisterwerk „Umarmung“ oder beim „Kauernden Menschenpaar“), erotische Akte und Frauenporträts hatten aber vor allem 1917 und 1918 – nicht unbedingt zum Wohlwollen seiner Ehefrau - weiterhin Hochkultur. Eines der Highlights: „Die sitzende Frau mit angezogenem Knie“ aus der Prager Nationalgalerie, die gleichzeitig Plakat-Teaser der Ausstellung ist. Ob Edith Schiele selbst einmal bei den Aktzeichnungen zur Verfügung stand, konnte übrigens nicht nachgewiesen werden.
1916 leistete Schiele nach einem Jahr Einsatz in Prag seinen Militärdienst in Mühling bei Wieselburg, dort malte er das Ölgemälde „Die zerfallende Mühle“ nach dem Vorbild einer Mühle im Erlauftal. Ein naturalistisches Symbol seiner Zeit. 1917 zurück in Wien hatte Schiele den persönlichen Vorteil, dass die militärischen Vorgesetzten seine künstlerische Karriere unterstützten. In der Wiener Kunstszene stieg er nach dem Tod Gustav Klimts im Februar 1918 zum neuen Star auf. Er gestaltete die 49. Ausstellung der Wiener Sezession mit 19 großen Gemälden und 20 Zeichnungen und entwarf auch das kongeniale „Tafelrunde“-Plakat.
Der Krieg neigte sich dem Ende zu, die Zeichen standen positiv wie nie für seine Karriere und das gemeinsame Familenglück mit seiner Ehefrau Edith. Dann brach die spanische Grippe in Wien aus, Edith Schiele starb, im sechsten Monat schwanger, am 28. Oktober 1918, Egon Schiele drei Tage später in ihrer gemeinsamen Wohnung in Hietzing. Dieses traurige Schicksal hängt wie ein düsterer Schatten über der Ausstellung. Und die Frage, in welche Richtung sich Egon Schiele ohne seinen frühen Tod entwickelt hätte…
Verschobene Konzerte sind meistens für die Band und die Fans schmerzhaft und ärgerlich, in diesem Fall aber eine Win-Win-Situation für beide. Das im September 2024 wetterbedingt verschobene Konzert der österreichischen Supergroup My Ugly Clementine kristallierte sich rund 9 Monate später zum größten Auftritt ihrer Karriere. Bei sommerlichen Temperaturen in der Arena Wien, die aufgrund des am 1. Juli in Kraft tretenden Wiener Veranstaltungsgesetzes – genauso wie andere über 30 Jahre alte Locations - unter einem besonderen Schutz vor neuen Anrainern steht, versammelten sich im Juni tausende Indie- und Alternative Freaks, um dem lässigen Sound dieses Open-Air-Events zu lauschen. „Es stehen fast nur Flintas auf der Bühne“, also Frauen, Lesben, Inter*, Nicht-binäre, Trans* und Agender Personen, so die beiden Front-Frauen der „Cousines like Shit“, Hannah und Laura Breitfuß, die mit ihrem queeren Avant-Trash und Underground-Hits wie „Barbie“ die Stimmung anheizten. Aus Deutschland eingeflogen wurde die nahe Bochum stammende Newcomerin Philine Sonny, die mit amerikanisch angehauchten Indie-Folk-Balladen das Tempo chillig reduzierte.
Die Headliner des Abends, My Ugly Clementine, die stehen – nach dem Ausstieg der Schlagzeugerin und Hip Hopperin Kem Kolleritsch (aka Kerosin95) – nur mehr zu dritt auf der Bühne. Zumindest bei den Vocals, die sich Avantgarde-Musikerin Mira Lu Kovacs, Elektronik-Produzentin Sophie Lindinger (u.a. bei Leyya) und Nastasja Ronck teilen. Der Sound: Alternative-Rock mit der Bandbreite von den 70ern bis zu den Nullerjahren, Kovacs vergleicht die Band gerne mit der aus Los Angeles stammenden Drei-Schwestern-Band Haim und liegt da eigentlich ganz richtig. Vielleicht mit etwas mehr Feminismus und Empowerment.
Zwei Alben haben My Ugly Clementine derzeit veröffentlicht, das 2020 in die Corona-Zeit fallende „Vitamin C“ und „The Good Life“, letzteres ein musikalisches Zeichen gegen den Optimierungswahn unserer Gesellschaft. Durch zahlreiche Auftritte national als auch international (u. a. beim Reeperbahn Festival, Primavera Barcelona oder beim Eurosonic) haben sich die drei bereits eine treue Fanbase erspielt. Bei Tracks wie ihrem ersten Single-Hit „Never be yours“, „Playground“ oder „Are you in“ wird nicht nur mitgetanzt, sondern auch mitgesungen, und das besonders enthusiastisch bei so einem schönen Abend kurz vor dem offiziellen Sommerbeginn.
Als besonderes Highlight haben My Ugly Clementine einige Szene-Freundinnen auf einen Gast-Auftritt eingeladen, darunter Mavi Phoenix (zum Stimmungsknaller „I got my feet up (Ah-ya-ya-ya)) und die als exzessive Rampenlady berüchtigte Ankathie Koi. Beim rockigen Burner „No“ bebt die Bühne inmitten kantiger Parolen gegen Rassismus und Sexismus. Auf der Setlist auch ein neuer Song: „Pretender“ mit einer handfesten Kritik an Männern, die feministische Werte nur vortäuschen. Das Finale in der fast ausverkauften Wiener Arena gehört dem Fan-Favourite „The Good The Bad the Ugly“. Ein starkes Lebenszeichen des Trio Infernale…
Junge Menschen, bunt gekleidet, mit Glitzer und einem Lächeln im Gesicht, eine Regenbogenflagge, einen Fächer oder einen Drink in der Hand, tanzend unter der brütenden Samstag-Nachmittagshitze auf der Wiener Ringstraße zu Pop-, Techno- und Housebeats inmitten vieler Seelenverwandter. So schön kann das Leben sein. 10 Grazer Schüler und Schülerinnen träumten ebenso von einem beautiful life und wären sicher gerne dabeigewesen, sie wurden allerdings bei einem furchtbaren Amoklauf eines 21jährigen Ex-Schülers in ihrer Schule niedergeschossen und getötet. Von einem, der aus welchen Gründen auch immer mit dem Leben abgeschlossen hat und nur mehr mit unvorstellbaren Hassgefühlen erfüllt war.
Die 29. Regenbogenparade – die Wiener Version des Christopher Street Day, die seit 1996 unter diesem bezaubernden Etikett stattfindet – wurde in der Woche ihrer Austragung mit dem schwersten Amoklauf der österreichischen Geschichte konfrontiert, die Veranstalter reagierten dementsprechend mit einem schwarzen Banner und der Aufschrift „Unsere Herzen sind in Graz“. Bis zum Parlament spielten die Trucks keine Musik, eine Absage stand nicht zur Debatte. Bei der Regenbogenparade wird zwar getanzt, gefeiert, gelacht, sie ist aber auch eine politische Demonstration für Liebe, Freiheit, Solidarität und gleiche Rechte für alle. „Unite in Pride“, so lautete das Motto der diesjährigen Ausgabe. In einem Jahr, in dem schwule Männer von Homophoben in Österreich verfolgt und niedergeschlagt wurden und im Nachbarland Ungarn die Pride de facto verboten wurde. Aus vermeintlichen Gründen des „Kinderschutzes“.
Mehr als 300.000 Menschen setzten mit ihrer Teilnahme ein Zeichen für eine „bessere Welt“, neben Trucks aus der LGBTIQ-Community (wie der HOSI Wien, Libertine oder Löwenherz) und der Clubszene (wie „Das Werk“, „Hausgemacht“ oder „Heimlich“) waren auch viele Firmen und Institutionen vertreten, die die Werte der queeren People unterstützen und die nicht unter dem Vorwurf des „Pink Washing“ stehen, von ÖBB, Post, Visa bis hin zu Magenta und Austrian Airlines.
Welche Forderungen hinter dem Konzept der Wiener Regenbogenparade stehen, das erfährt man nicht nur bei der traditionellen Abschlusskundgebung am Rathausplatz, sondern auch in diversen Positionspapieren: Die Akzeptanz der LGBTIQ-Rechte als Menschenrechte, ein Nationaler Aktionsplan gegen Hass, ein Verbot medizinisch nicht notwendiger Operationen an intergeschlechtlichen Kindern, das Verbot von Konversionstherapien und vor allem ein voller Diskriminierungsschutz für alle.
Österreich ist in Sachen Antidiskriminierung nur auf Platz 20 des ILGA-Europe-Rankings. Der Diskriminierungsgrund der sexuellen Orientierung gilt zwar in der Arbeitswelt, nicht aber im Privatleben beim Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen. So kann ein Vermieter ohne Rechtsmittel dagegen die Vergabe von Mietwohnungen an queere Personen verweigern. In der Gastronomie sind zwar die Barkeeper gegen homophobe Angriffe geschützt, nicht dagegen die Gäste, die jederzeit nur wegen ihrer sexuellen Vorlieben aus dem Lokal geschmissen werden können. In einigen Fallkonstellationen hängt skurrilerweise der Diskriminierungsschutz von der verfassungsmäßigen Kompetenzverteilung ab. So sind betroffene Personen aufgrund der weitergehenden Landes-Gleichbehandlungsgesetze geschützt, nicht dagegen auf Bundes-Ebene (wie beispielsweise bei Arzt-Besuchen oder bei Diskriminierungen in Gymnasien).
Das sogenannte „Levelling Up“ stand bereits 2010 und 2012 auf der Tagesordnung der damaligen rot-schwarzen Koalition. In letzter Minute wurde es von der ÖVP blockiert. Im aktuellen Regierungsprogramm der Dreier-Koalition steht – trotz genereller Unterstützung durch SPÖ und Neos - keine einzige Zeile über die Erweiterung des Diskriminierungsschutzes für die LGBITQ-Community. Die nächste Regenbogenparade kann bereits geplant werden…
Am Vorabend des großen Auftritts, da wurde noch im Wohnzimmer geübt mit Nina, bei den englischen Songtexten und bei der Choreographie. Natürlich bereits im geplanten Show-Outfit. Am Freitag vormittag stand Nina dann mit ihren Klassenkameraden von der 2b auf der kleinen Holz-Bühne am Kühnplatz auf der Wieden. Der Anlass: „Singen für eine bessere Welt“ – Ein alljährlich stattfindendes Projekt der GEPS (= Global Education Primary School)-Klassen der Volksschule Waltergasse 16 und des Grätzllabors Wieden.
Der Zeremonienmeister: Der lässige Native Teacher Jonathan, der gemeinsam mit den insgesamt 8 GEPS-Klassen (je 2 pro Schulstufe) 8 Songs ausgewählt und einstudiert hat. Eigentlich keine einfache Aufgabe für die Kids, die aber mit viel Engagement und Spaßfaktor von allen Klassen großartig gemeistert wurde. Die wichtigen Themen der Songs: Frieden, Joy, Umweltschutz, Clean Energy. Ninas 2 b perfomte den Afro-amerikanischen Spiritual „Peace like a River“, die 1 b und die 3a beschäftigten sich mit Fischen („The Fish go Swimming“, „If I were a Fish“), die 3b wählte sogar die moderne Kunstform des „Water Cycle Rap“. Echte Chart-Hits standen am Programm der 4. Klassen: „Lemon Tree“ der deutschen Band Fools Garden und „Here comes the Sun“ der legendären Beatles.
Als finaler Höhepunkt präsentierten alle Klassen zusammen die bekannte Friedenshymne „Light a Candle for Peace“ der Aktivistin und Montessori-Lehrerin Shelley Murley. Die Message könnte in der von Kriegen gebeutelten Welt nicht treffender sein…
„Tonight it´s party time, it´s party time tonight“ – Ein explosiver Schlachtruf der Nachtschwärmer weltweit, und das nicht nur am Wochenende. Damit die Parties aber tatsächlich stattfinden, müssen die rechtlichen Voraussetzungen seitens der Veranstaltung erfüllt sind. Für Club- und Eventbetreiber kein leichtes Spiel, wenn die einschlägigen Gesetze und Verordnungen immer restriktiver werden und die vollziehenden Behörden Genehmigungen verweigern, Sperrstunden verkürzen oder zusätzliche Kontrollen anordnen. Das Hauptproblem stellen Lärmbeschwerden der Anrainer dar, laut Vienna Club Commission betrifft dies 43 % (!) der Locations.
Schutz bestehender Veranstaltungsstätten
Die im April beschlossene Novelle zum Wiener Veranstaltungsgesetz verspricht zumindest gewisse Erleichterungen für die Nachtszene. So werden historisch, kulturell, wirtschaftlich oder touristisch bedeutsame Veranstaltungsstätten, die älter als 30 Jahre sind und einen Fassungsraum von mehr als 1000 Besucher haben, unter einen besonderen Schutz gestellt. Diese dürfen weiterhin mit unveränderter Lautstärke agieren, auch wenn nachträglich neue Gebäude in ihrer Umgebung errichtet wurden. Die Argumentation: Die neuen Anrainer zogen in diese Gegenden ja trotz des Umstandes, dass dort ständig Live-Veranstaltungen oder Clubbings mit einem gewissen Lärmpegel stattfinden. Die Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen gilt allerdings weiterhin als Hindernis für die Eignungsfeststellung einer Veranstaltung.
Der Bezeichung „Lex Arena“ für diese Novelle ist nicht von der Hand zu weisen. Denn die legendäre Veranstaltungslocation in Wien-Erdberg hatte in den letzten Jahren mit Anrainer-Beschwerden aus den neu errichteten Buwog-Türmen zu kämpfen und musste sogar – mit Unterstützung der Stadt Wien – eine neue Sound-Anlage montieren. Unter die neue Bestimmung fallen allerdings auch viele andere renommierte Locations in der Bundeshauptstadt wie die Wiener Stadthalle, das Konzerthaus, die Staatsoper, das Theater an der Wien oder das Ronacher. Durch die Wäsche schauen allerdings neue Locations wie die Metastadt, die dieses Jahr aufgrund der Lärmbeschwerden keine Konzerte veranstaltete.
Sperrstunde bis 23 Uhr
Neu geregelt wurde auch die Sperrstunde in der Sommerzeit. Bei Veranstaltungen in Freien und in Zelten sind vor Samstagen, Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen bis 23 Uhr erhöhte Lärmschutzgrenzen zulässig, bis dato musste ab 22 Uhr die Lautstärke reduziert werden. Ausgenommen davon sind die Kategorien 1 (Ruhegebiet, Kurgebiet, Krankenhaus) und 2 (Wohngebiete in Vororten, Gartensiedlungen,…).
Awarenesskonzept
Das Thema Awareness, das bei vielen Clubs schon seit einigen Jahren mehr oder weniger in den Leitlinien und im Organisationsplan verankert ist, erhält durch die
Novelle zum Veranstaltungsgesetz seine rechtliche Legitimation. Gemäß
§ 26/5 ist bei Veranstaltungen, an denen mindestens 300 Besucher teilnehmen, ein Awarenesskonzept auszuarbeiten. Außerdem sind verpflichtend Awarenessbeauftragte
zur Vermeidung von Belästigungen von Besuchern zu bestellen. Dies allerdings nur dann, wenn folgende Veranstaltungselemente kumulativ vorliegen: Musikalische Darbietungen, Tanzfläche oder
Stehplatzbereich vor der Bühne, Alkoholausschank und Ende der Veranstaltung nach 21 Uhr, also erhöhte Risikoszenarien, bei denen Diskriminierung, sexuelle Belästigung oder Gewalt gehäuft
auftreten.
Im Awarenesskonzept ist zumindest eine Rettungskette und deren Auslösung festzulegen. Darunter versteht man beispielsweise ein Codewort, das bestimmte Maßnahmen nach sich zieht (wie den Transfer belästigter Personen in überwachte Rückzugsorte). Die Anzahl der Awarenessbeauftragten steigt mit der geplanten Besucheranzahl. Zumindest jede zweite beauftragte Person muss weiblich sein. Die Awarenessbeauftragten (die auch gleichzeitig andere Funktionen wahrnehmen dürfen) müssen mit Kommunikationsgeräten für den Notfall ausgestattet sein. Verstärkt werden muss auch die Sicherheit in den Veranstaltungsstätten, und zwar hinsichtlich nicht ständig betreuter WC-Anlagen und schwer einsehbarer Bereiche im Freien, die ausreichend ausgeleuchtet werden müssen.
Umwelt- und Abfallkonzept
Und last, but not least müssen die Veranstalter bei mehr als 2000 Besuchern ein Umwelt- und Abfallkonzept erstellen, das u.a. Maßnahmen zur Schaffung von Anreizen für die Nutzung von Öffis, zur Reduzierung des Energieverbrauchs, zum schonenden Umgang mit Wasser, zur Verwendung von ökologischen Materialien und zum Schutz des Bodens enthalten muss. Eine Schonfrist haben die Veranstalter noch beim Awareness- und Umweltkonzept. Die neuen Vorschriften treten erst ein Jahr nach Kundmachung des Gesetzes in Kraft, also frühestens Juni 2026…
„Widerstand Vollzeit. Was hält dich davon ab?“ – Diese Frage richtete der Klimaaktivist „Rabbit“ an Mina Canaval, Codename „Rapunzel“, während eines Wiener Beisl-Besuchs. Die beiden hatten sich gerade vor dem Polizeianhaltezentrum kennengelernt, wo einige ihrer Mitstreiter inhaftiert wurden. Arbeit, Sozialversicherung, gesichertes Einkommen,… - Mögliche Antworten auf die Frage, die im Vergleich zur globalen Klimakrise allerdings an der Grenze zur Lächerlichkeit liegen. Und so wurde im April 2023 aus der Vorarlberger BWL-Studentin und IT-Projektmanagerin die 24-Hour-Klimaaktivistin und Pressesprecherin der Letzten Generation. „Der letzten Generation, die noch in der Lage sei, den völligen Erdzusammenbruch vielleicht noch aufzuhalten“.
Im August 2024 wurde der Österreich-Ableger der Letzten Generation aufgelöst. Die kurze Begründung: „Die Ignoranz der Regierung und die Apathie der Gesellschaft“. Die exzessiven Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien u.a. wegen schwerer Sachbeschädigungen und Gründung einer kriminellen Organisation (sic est, § 278 StGB) seien nicht der Anlass gewesen, so Mina Canaval bei der Präsentation ihres Buchs „Widerstand – Liebeserklärung an die Unbequemen“ im Thalia Mariahilfer. Die Aktivistin zieht dabei Resümee über die vergangenen Jahre und rechnet dabei mit Politikern, der Polizei, der Justiz und den untätigen, „auf der Zuschauertribüne sitzenden Bobos mit Falter-Abo“ ab.
Canaval kam durch zahlreiche, für einen Rechtsstaat untragbare Vorfälle in die Medien. So wurde sie bereits im Dezember 2022 als Mitglied der Extinction Rebellion bei einer Protestaktion im Vorarlberger Landtag von einem Verfassungsschutzbeamten an den Haaren gerissen und zu Boden gedrückt. Das Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht gewann die Aktivistin. Bei einer Aktion der Letzten Generation wurde sie von einem Auto angefahren und einige Meter mitgeschleift, der Täter bekam gerade einmal eine Geldbuße von 1.000 Euro. In ihrem Buch beschreibt Canaval auch die Zustände im Wiener Polizeianhaltezentrum, in dem die Aktivisten nicht nur isoliert wurden, sondern sich auch komplett ausziehen mussten. Eine Kollegin, die bei einer Leibesvisitation an Vulva und Po abgetastet wurde, gewann eine diesbezügliche Maßnahmenbeschwerde wegen Unverhältnismäßigkeit.
Die ständige Kriminalisierung durch die Politik, Justiz und Medien stehe dem Prinzip der Gewaltfreiheit entgegen, das die Letzte Generation mit aller Vehemenz vertreten hat. Es wurde niemals physische oder psychische Gewalt ausgeübt, auch Rettungswägen wurden niemals blockiert. Die Mitglieder versteckten sich bei den Klebe-, Sprüh- oder Schüttaktionen auf (geschützte!) Bilder nicht und schreckten nicht vor Geldstrafen, Haft und Ersatzfreiheitsstrafen zurück. Warum diese umstrittenen Aktionen gewählt wurden, sei leicht erklärbar, so Canaval bei der Buchpräsentation. Petitionen, angemeldete Demos, Lichterketten, Bürgerinitiativen, Gespräche mit Politikern, nicht einmal Blockaden von Raffinerien hätten die Politiker zum Handeln bewegt. Und das, obwohl sich diese im Pariser Klimaschutzabkommen zu den auch von den Klimaaktivisten verfolgten Zielen (wie der Begrenzung der Erderwärmung zwischen 1,5 und maximal 2 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter) verpflichtet haben.
„Ich will nicht mehr“, so die Autorin enttäuscht und auch etwas ratlos angesichts der Erfolglosigkeit der Aktionen. Sie selbst studiert jetzt Rechtswissenschaften in Wien, hat allerdings nicht ganz die Hoffnung aufgegeben. Notwendig sei ein „kollektiv entschlossener Protest“ einer größeren Masse an Personen. Sie zieht dabei Vergleiche mit dem Frauenwahlrecht und der 40 Stunden-Woche. Jahrhundert-Hochwässer alle paar Jahre, Temperaturen über 40 Grad im Sommer, Gletscherschmelzen, die ständig steigende Bodenerwärmung durch den hohen Versiegelungsgrad, Ernteausfälle, Waldbrände… - Sind diese bedrohlichen Auswirkungen der Klimakrise noch immer keine Motivation, um zu handeln?
Soundtechnisch zog Kurator Thomas Edlinger mit seinem Team wieder alle Register: 6 Tage lang ein fesselnder Mix aus Experimental Underground Sound, Ambient Classic, Club Culture, Black Metal, Arabic Taste und Indie Beats. In der Minoritenkirche versetzten die Schlagzeugerin Katharina Ernst und die Elektronikmusikerin Maria W. Horn die Besucher mit Sound & Visuals in faszinierende neue Welten. Die aus Kairo stammende Nadah El Shazly, seit kurzem bei Björks Label unter Vertrag, mischte gekonnt moderne Beats mit Traditionals ihrer Heimat. Zum zweiten Mal live beim Donaufestival war die schwedische Klangzauberin Anna von Hausswolff, dieses Mal mit Band (inkl. Saxophonspieler und Schlagzeuger) und deutlich poppiger als bei ihrem ersten Auftritt
UK Club Culture
„Kissed by a witch, I got hexed!“ - Aus der UK-24-Hour-Rave-Szene stammt Aya Sinclair, die um 20 Uhr frühabends (!) – was sie selbst nicht fassen konnte – eine exzessive Show mit harten Industrial-, Gabber- und Techno-Beats und deftigen Vocals lieferte. Dagegen war der trendige Future Club Sound des Londoner DJ´s und Produzenten Sega Bodega fast eine Chill Out-Phase des ersten Donaufestival-Samstags.. Aus dem britischen Soundkolorit begeisterten weiters Giulio Erasmus (der Sohn eines Factory-Gründers) mit seiner belgischen Early-80´s angehauchten Band The End of the Worm, die Indie-Legenden von Spiritualized rund um Mastermind Jason Pierce, die aus Manchester stammende Dub Techno-Formation Demdike Stare und die aus einem Saxophonspieler und einer Drummerin bestehende Band O.. Tash Keary und Joseph Henwood sorgten bereits als Support für Jack White (White Stripes) für schweißtreibende Stimmung in den Clubs und Konzerthallen.
Sound-Mix
Portugals Musikszene war vertreten durch die progressive Electronik-Produzentin Nidia und das Percussion- und Jazz-Kollektiv HHY & The Macumbas, aus Kenia wurde das ausgeflippte Rap-Hip House-Multitalent Kabeaushe eingeflogen. Wie abwechslungsreich das Line Up des Donaufestivals dieses Jahr wieder gestaltet wurde, zeigt der Umstand, dass auf derselben Bühne in der Österreichhalle auch die NDW-Avantgarde-Band F.S.K., die Brooklyner Black Metal Rocker von Liturgy (rund um die ins Mikrofon brüllende Haela Hunt-Hendrix) und die Ethno-Folk-Formation Derya Yıldırım & Grup Şimşek standen.
Circuit des Yeux
Irish Folk, vermischt mit Punk, Psychedelic und Drone, das ist das Markenzeichen der irischen Band Lankum, deren Auftritt im Stadtsaal mit Songs wie „Wild Rover“ oder „Go Dig my Grave“ zu den Highlights des 20. Donaufestivals zählte. Ebenso wie jener von Haley Fohr aka Circuit des Yeux. Die aus Chicago stammende Sängerin hat ein Stimmvolumen von vier Oktaven und oszilliert mit ihren Tracks zwischen progressivem Depeche Mode-Synthi-Sound und düsteren Instrumental-Klangsphären („It takes my pain away“). Songs wie „Megaloner“, „Canopy of Eden“ oder „Truth (is just imagination of the mind“) sind kurz davor, den brodelnden Underground zu verlassen.
Every Age has its own fascism
Every Age has its popstars. Ein legitimes Zeichen der Zeit. Auf „Every Age has its own fascism“ trifft das garantiert nicht zu. Der britische Konzeptkünstler Jeremy Deller hat aus dem berühmten Zitat des italienischen Schriftstellers Primo Levi eine Posterserie kreiert. Diese wurde im öffentlichen Stadtraum und in den Kultur-Locations verbreitet. Ein Festival mit politischem Anspruch, Visionen und Nachhaltigkeit soll und muss auch geistige Spuren hinterlassen. Auch wenn dies in der heutigen Gesellschaft immer schwieriger wird…
„Paranoia, Misstrauen, Empörungslust und Desinformationsspiralen“ – So charakterisiert der künstlerische Leiter Thomas Edlinger die aktuelle Weltlage in seinem Programmessay. So viel besser war es aber eigentlich nie, auch nicht in der Zeit des Kalten Krieges in den 80ern, als Sonic Youth ihren Song „Confusion is next“ veröffentlichten. Dieser Track wurde 2025 zum allerdings sehr treffenden Motto der 20. Ausgabe des Kremser Donaufestivals. Altersmäßig bereits dem Teenagerspirit entwachsen präsentiert sich das Avantgarde-Festival in der idyllischen 25.000-Einwohner-UNESCO-Weltkulturerbestadt Krems weiterhin auf der progressiven Überholspur.
Die Locations haben sich nicht verändert: Tagsüber die Minoritenkirche mit ihrem Klangraum (für die Live-Acts), dem Kapitelsaal, dem Forum Frohner und zwei Meeting Points, am Abend der Stadtsaal und die Österreichhallen, die sich – ansonsten während des Jahres kaum genutzt – an zwei Wochenenden in ein düster-hypnotisches Mekka aufgeschlossener Musik-, Kunst- und Performance-Freaks verwandeln. Mehr als die Hälfte der Besucher kommt aus Wien, teilweise mit dem Bus, der nach den Konzerten wieder in die Bundeshauptstadt düst. Die selbst ein derartig spannendes und qualitativ hochwertiges Festival – aus welchen Gründen auch immer – nicht im Repertoire hat. Viele Gäste kommen auch aus dem Ausland, aus Deutschland, Italien, Spanien oder Belgien. Der Kremser Anteil hielt sich wie üblich in Grenzen, die Prioritäten der Einheimischen liegen da eher beim Fußball-Kick des Kremser SC im Sepp Doll-Stadion direkt gegenüber dem Festivalgelände.
El Gran Retorno
Insofern sind daher Versuche, die gegenseitigen Schwellenängste zu überwinden, mehr als lobenswert. So geschehen am Samstag des ersten Wochenendes. Da fand unter dem Programmpunkt „El Gran Retorno“ ein Marsch einer Kapelle durch die Kremser Fußgängerzone statt. Das ist angesichts zahlreicher traditioneller Feste in der Kremser Innenstadt noch kein Unikat. Der Unterschied: Die aus Mitgliedern verschiedener regionaler Musikgruppen zusammengesetzte Kapelle war komplett in schwarz gekleidet und bewegte sich ruckwärts unter der Leitung der Performance-Künstlerin Regina Jose Galindo. Eine Aktion, die 2019 in Guatemala uraufgeführt und jetzt in Krems wiederholt wurde. Als Symbol für den weltweiten Rückbau der Demokratie und als Kritik an der Remilitarisierung und der Repatriotisierung. Egal, ob der Background jetzt verstanden wurde oder nicht, eines hatten Einheimische, Touristen und Festivalinsider gemeinsam. Alle zückten sie ihre Smartphones und Kameras, um diesen skurrilen Aufmarsch zu filmen. Auch eine Form von unity.
God´s Entertainment
Hard Facts über die Donau präsentierte das Wiener Performance-Kollektiv God´s Entertainment mit ihrem Festival-Projekt „Du Du Da Da Na Na Nah“. Einst Anziehungspunkt für Störe aus dem Schwarzen Meer findet man heute in Krems aufgrund der Kraftwerke und der illegalen Fischerei kaum welche mehr. Stattdessen invadieren jährlich rund 440.000 Touristen die österreichische Donau-Landschaft, viele auf Kreuzfahrtschiffen, deren ausländische Beschäftigte aufgrund rechtlicher Tricks mit Hungerlöhnen von 2,50 pro Stunde abgespeist werden. Diese Personenfrachter verbrauchen 1500 l Diesel pro Tag. Täglich gelangen obendrein 4,2 Tonnen Plastikabfälle über die Donau ins Schwarze Meer, die Abfälle stammen großteils aus industriellen Quellen entlang des Flusslaufs. Klangtechnisch sichtbar gemacht werden diese wissenschaftlichen Daten durch Trommelschläge auf blaue Metallfässer, die „standardisierten Behälter einer globalisierten Logistik“. Die Klopfgeräusche beim Stör sind kaum mehr eruierbar. God´s Entertainment standen aber auch in direktem Kontakt mit den Festivalbesuchern, in Form eines Land-Tretbootes, das sich alle 20 Minuten mit einer Handvoll Leuten Richtung Stadtpark und zurück bewegte und per Earphones Migrations- und Handelsfragen thematisierte.
Schwester Courage
Im Kesselhaus-Kino wurde der Doku-Film „Schwester Courage“ des Berliner Kollektivs Zugang gezeigt, der mit Live-Mitschnitten und Interviews die Corona-Demos in den Mittelpunkt stellte. Die Confusion liegt hier auf der Hand: Linke, die gegen Covid-Zwangsmaßnahmen und Impfzwang demonstrieren und dann von einer Gegendemo mit Sprüchen wie „Ihr marschiert mit Nazis“ niederskandiert werden. „Krankenhäuser statt Fabriken“, eine weitere Parole der Kapitalismuskritiker, die sich dabei als Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen verkleiden und sich vor dem Haus der Gesundheit in Hellersdorf platzieren. Einem ehemaligen Ärztezentrum, das bereits seit mehr als einem Jahrzehnt geschlossen ist…
„Revolution“ in der österreichischen Bildungspolitik. Der neue Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat per Verordnung mit 1. Mai 2025 ein Handyverbot in den Schulen festgelegt. Endlich kein Facebook, kein Tik Tok, keine YouTube-Clips, keine digitalen Beleidigungen oder keine endlosen Liebes- oder Eifersuchtschats mehr während des Unterrichts, in den Pausen oder bei den Exkursionen. Wer´s glaubt, wird selig, aber es glaubt sowieso keiner.
In Deutschland wurde 2022 untersucht, wie viele Schüler trotz Handyverbots weiterhin das Handy nutzen. Das waren so rund 30 Prozent gegenüber 50 Prozent, die es ohne Handyverbot verwendeten. Na ja, immerhin. Dass es aber nicht mehr ist als PR-taugliche (?) Symbolpolitik, zeigt schon der Umstand, dass ohnehin die meisten Schulen bereits in den Hausordnungen ein Handyverbot verankert haben. Stichwort: Schulautonomie, ansonsten ein heiliges Tuch der Bildungspolitik.
Der neue Bildungsminister hat jetzt allerdings „hart durchgegriffen“ und mit seiner ersten Initiative die erst 2024 beschlossene Schulordnung geändert, und zwar den § 7 („Mitwirkungspflicht der Schüler und Schülerinnen“). Gemäß § 7/6 ist Schülern bis einschließlich der 8. Schulstufe die Nutzung von Mobiltelefonen, Smartwatches und vergleichbaren, der digitalen Kommunikation dienenden Geräten verboten. Dies gilt sowohl in der Schule als auch im dislozierten Unterricht (also außerhalb der Schulen in Schwmmhallen, auf Sportplätzen oder in Museen) und bei Schulveranstaltungen. Verboten ist nur die Nutzung, nicht die Mitnahme an sich. Die Regelung umfasst dem Wortlaut nach NICHT Laptops und Tablets, obwohl man eigentlich mit diesen dieselben unterrichtstörenden Tätigkeiten ausüben kann wie mit Smartphones. Hier bleibt die Entscheidungsmacht weiterhin wie bisher bei den Lehrern.
Das Handyverbot selbst ist nicht unbeschränkt. So können die Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter per Hausordnung abweichende Regelungen treffen. Eine Nutzung ist auch dann gestattet, wenn die Lehrperson die Nutzung für mit dem Unterricht verbundene Zwecke gestattet (also beispielsweise beim neuen Pflichtgegenstand digitale Kompetenz in der Sekundarstufe 1, bei Recherchen und Faktenchecks im Internet, Projektarbeiten,…). Dies gilt analog für die individuelle Lernzeit und für den Freizeitteil bei ganztägigen Schulen als auch in den Sommerschulen. Ein weiterer Ausnahmetatbestand betrifft die Nutzung des Smartphones aus medizinischen Gründen (wie bei Blutzuckermessungs-Apps für Diabetiker). Bei mehrtägigen Schulveranstaltungen mit einer Nächtigung außerhalb des Wohnortes (wie bei Sportwochen und Skikursen) ist den Schülern jedenfalls eine altersgerechte Nutzung der Geräte zu ermöglichen.
Existiert in der Hausordnung keine Regelung über die Verwahrung der Geräte, dann haben die Schüler selbst das Gerät in ausgeschaltetem Zustand zu verwahren. Bei Verstößen gegen das Nutzungsverbot ist das Gerät zu übergeben. Die Rückgabe erfolgt nach dem Unterricht bzw. nach der Schulveranstaltung an den Schüler selbst. Ausgenommen „die Erziehungssituation“ erfordert die Übergabe an den Erziehungsberechtigten, beispielsweise bei wiederholten Verstößen oder bei problematischen Inhalten (wie Mobbing, Pornographie, Gewaltdarstellungen oder islamistischem Content).
Die hier genannten Änderungen der Schulordnung gelten nur für Schüler und Schülerinnen bis zur 8. Schulstufe. Ab der 9. Schulstufe dürfen Smartphones oder sonstige Geräte nur dann abgenommen werden, wenn sie den Unterricht stören. Das wirft natürlich eine andere Frage auf. Warum haben unter 14jährige bereits ein Handy (mit offenem Internet-Zugang, denn eigentlich sind nur diese relevant) oder dürfen dieses in die Schule mitnehmen? Tragen da nicht die Eltern die Verantwortung dafür, dass ihre unmündig (!) minderjährigen Kinder mit den sozialen Medien, Hass im Netz und verführenden Algorithmen konfrontiert werden?
Laut einer aktuellen Statistik besitzen bereits 81 Prozent der 9 bis 12jährigen ein eigenes Handy oder Tablet. Und das, obwohl die Experten weltweit davon abraten. Eine im Auftrag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron durchgeführte Studie unter der Leitung der Neurologin Servane Mouton und Amine Benyamina, Leiter der Abteilung für Psychiatrie und Suchtkrankheiten am Paul Brousse-Krankenhaus, stellte fest, dass Kinder unter 11 überhaupt kein Handy besitzen sollten und Kinder zwischen 11 und 13 nur ein Handy ohne Internetzugang. „Die negativen Auswirkungen der Bildschirmzeit machen sich bemerkbar in bezug auf kognitive Prozesse, Intelligenz, Konzentration, Stoffwechsel und Sehvermögen“, so das Forschungsteam.
Die Gesundheit der Kinder, die fehlende Medienkompetenz und mangelnde Erziehungsverantwortung der Eltern, die fehlgeleitete Nutzung von so nützlichen technischen Geräten wie Smartphones oder Smartwatches: Anscheinend kein Thema für die österreichische Politik. Die Schule soll Handypolizei spielen. Ein digitales Trauerspiel…
Paris, die Stadt der Liebe. New York. Die Stadt, die niemals schläft. Rom, die citta eterna (ewige Stadt). Wien, die Stadt der Musik (und die Heimatstadt von Falco). Urbane Metropolen schmücken sich gerne mit Beifügungen, die zum Kern und Charakter der Stadt passen und natürlich als USP für die Freizeit- und Tourismusindustrie relevant sind. Die norditalienische Stadt Bologna inmitten der wunderschönen Emilia Romagna kann sich da vor lauter Namenskennzeichnungen kaum retten.
La Rossa
So wird Bologna gerne als „La Rossa“ bezeichnet. Und diesen Begriff kann man sogar zweifach interpretieren. Politisch war die Studentenstadt Bologna immer eine Hochburg der Linken, Während des Zweiten Weltkriegs kämpften über 14.000 Partisanen (davon mehr als 2000 Frauen) aus Bologna unter dem Bündnis der Resistenza gegen die Faschisten. Porträts vieler Widerstandskämpfer sind an der Außenwand des Palazzo Communale angebracht. Auch der aktuelle Bürgermeister Matteo Lepore ist dem sozialdemokratischen Lager (PD-Partito Democratico) zugehörig und regiert die Stadt mit einer Mitte-Links-Koalition. Trotzdem bezieht sich der klingende Name La Rossa natürlich mehr auf die typischen Farben der Stadt: Rote Dachziegel und Terrakotta-Fassaden prägen die Silhouette Bolognas. Und wo kann man dies am besten beobachten? Natürlich auf den Türmen. Und das führt uns unmittelbar zur zweiten Trademark Bolognas.
La Turrita
„La Turrita“ – Die Stadt der Türme. Rund 180 sogenannte Geschlechtertürmer hatte Bologna zu ihrer mittelalterlichen Blütezeit. Diese hatten die Funktion von Wachtürmen, dienten aber auch als Statussymbol der adeligen Familien so frei nach dem dekadenten Motto: Je höher, desto wichtiger. Heute sind noch ca. 20 Türme im Stadtgebiet erhalten. Die berühmtesten, die due torri, gelten als Wahrzeichen Bolognas und sind als wichtiger Orientierungspunkt verantwortlich dafür, dass sich kaum ein Tourist in der 400.000 Einwohner-Metropole verirrt. Aufgrund von Sanierungen im Fundament und im Mauerwerk des kleineren Torre Garisenda (47 Meter) kann derzeit auch der 97 Meter hohe Torre Asinelli nicht per Stiegen erklommen werden. Wer Sonntags in Bologna weilt, kann allerdings auf den zweithöchsten, 60 Meter hohen Torre Prendiparte ausweichen und eine Turm-Führung buchen. Oder mit viel Glück sogar ein Fremdenzimmer (!) im Turm beziehen.
La Grassa
Vorteil: Man wohnt dadurch gleich direkt in der Altstadt und damit in der Nähe des urig-lässigen Marktviertels Quadrilatero. Zahlreiche Spezialitäten warten dort auf die Einheimischen und die Touristen, egal ob in den Feinkostläden (wie dem aus dem Wanda-Video bekannten „Ceccarelli“) oder in den zahlreichen Bistros, Kneipen und Bars: Mortadella, Salame Rosa, Tortellini und natürlich die Ragu-Sauce, die in Italien nicht als „Spaghetti Bolognese“, sondern mit den breiteren Tagliatelle-Nudeln serviert wird. Essensgenuss pur plus ein paar Gläser Weiß- und Rotwein. Kein Wunder, dass Bologna auch als „La Grassa“ („die Fette“) bezeichnet wird.
La Dotta
Wer durch die Straßen Bolognas schlendert oder sich in einem der unzähligen Gastrobetriebe niederlässt, trifft auf eine vergleichsweise große Anzahl junger Leute. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Bologna DIE Universitätsstadt Italiens ist. Man nennt sie deshalb auch gerne „La Dotta“, die „Gelehrte“. Die erste Universität wurde bereits 1088 gegründet, mit Rechtswissenschaften als erstem Studienfach. Sie gilt damit als älteste Universität Westeuropas. Prominente Absolventen sind u.a. Thomas Becket, Erasmus von Rotterdam, Kopernikus oder Dante Alighieri. Als erster fester Sitz der Universität – zuvor wurde in Kirchen und angemieteten Räumen unterrichtet – diente der im Jahre 1563 fertiggestellte Palazzo dell´Archinginnasio, der heute die Stadtbibliothek beherbergt. Im Gebäudekomplex sind allerdings auch noch der Stabat-Mater-Hörsaal und das Teatro Anatomico (ein Anatomiehörsaal aus dem Jahr 1637) untergebracht.
Die Universität selbst wurde 1803 in den Palazzo Poggi in den östlichen Teil Bolognas verlegt. Das Universitätsviertel rund um die Piazza G. Verdi und die Via Zamboni wurde dadurch nicht nur zu einem Treffpunkt der Intellektuellen, sondern auch zum lässigen Epizentrum der Nightlife- und Alternativszene.
1999 wurde in Bologna von 29 Staaten (heute: 49) die „Bologna-Erklärung“ (mit dem Ziel eines Europäischen Hochschulraumes) abgeschlossen. Akademiker schmücken sich seitdem mit Bachelor-, Master- und Phd-Titeln. Die Kritik an dem neuen Studiensystem reißt aber nicht ab, es sei zu verschult und zu marktorientiert, und das auf Kosten der Einheit von Lehre und Forschung und der individuellen akademischen Freiheit. Bologna selbst hat´s nicht geschadet, in der 400.000 Einwohnermetropole sind aktuell über 95.000 Studenten inskribiert, mit Tendenz nach oben. Wer kann schon dem Dolce Vitas Italiens widerstehen?
„Tante Ceccarelli hat in Bologna Amore gemacht. Amore, meine Stadt.“ Die Liebeserklärung der Wiener Strizzi-Rocker Wanda an die wunderschöne Hauptstadt der Emilia Romagna, die vor zehn Jahren der Startschuss ihrer Karriere war. Unterstützt durch ein in Bologna gedrehtes Musikvideo ihrer Freunde Wolfgang Seehofer und Florian Senekowitsch, das angeblich nur 600 Euro gekostet hat und sogar als Tourismus-Werbeclip einsetzbar wäre.
Die erste Einstellung: Ein Schwenk auf den Glockenturm Torre dell´ Orologio aus dem 15. Jahrhundert, mitten am Piazza Maggiore, dem zentralen Hauptplatz Bolognas. Dieser kann dreimal pro Stunde im Rahmen einer geführten Audio-Tour erklommen werden. Ob mit Glimmstengel in der Hand, das darf allerdings bezweifelt werden. Diesen hat allerdings Sänger Marco Michael Wanda parat, wenn er lässig und schlaksig zugleich mit aufgeknöpftem Hemd und Sakko durch die italienischen Straßen wandelt und von einer Liebesnacht mit seiner Cousine träumt („Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen. Obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht“).
Die Tante Ceccarelli war da um einiges progressiver. Eine reale Person, eine fiktive Gestalt, wer weiß das schon? In einem Spiegel-Interview aus dem Jahr 2015 hat der Marco einst folgendes gesagt: „Wenn Figuren durch das Mitwirken von anderen Menschen lebendig würden, das wäre für mich als Liedermacher die ideale Wirkung meiner Arbeit“. Den Namen Ceccarelli, den gibt es in Bologna tatsächlich, und zwar im quirligen historischen Marktviertel Quadrilatero. Die im Wanda-Video gefilmte Markise wurde zwar ausgetauscht, das Delikatessengeschäft von Amedeo Ceccarelli in der Via Pescherie Vecchie 8 a (unweit der Piazza Maggiore) lockt aber weiterhin die Feinkostfans mit Mortadella, Tortellini, Pasta und Gewürzen. Und das inmitten einer engen Gasse, in der das Dolce Vita Bolognas nur so tobt, die Besucher dicht an dicht aneinander vorbeiströmen und in den zahlreichen Kneipen, Bars und Bistros essen, trinken, feiern. Die Bologna-Bloggerin Veronica Gabbuti bezeichnete dieses Areal treffend als „emilianische Ramblas“.
Wanda-Gründungsmitglied Manuel Christoph Poppe lehnt lässig mit seiner Gitarre an einer Balkonmauer und blickt von weit oben sehnsuchtsvoll auf die roten Ziegelmauern und Dächer Bolognas. „La Rossa“ („die Rote“), so nennt man die 400.000 Einwohner-Stadt gerne, auch wegen seiner traditionell linken politischen Einstellung.
Auf der Via Rizzoli in der historischen Altstadt knüpft ein fesches Pärchen in spe die ersten Bände. Unmittelbar vor den Wahrzeichen der Stadt, den due torri. Früher standen in Bologna rund 180 sogenannte Geschlechtertürmer, die einerseits als Wachtürme dienten, andererseits ein Statussymbol der adeligen Familien darstellten. Heute stehen noch ca. 20, die berühmtesten zwei Türme an der Porte Ravegnada.
Der 97 Meter hohe Torre Asinelli, erbaut im Jahr 1119, ist 97 Meter hoch und hat eine Neigung von 2,23 Metern, sein „Kompagnon“, der Torre Garisenda, wurde bereits auf 47 Meter gekürzt und hat eine Neigung von 3,25 Metern. Bei einer Routineüberprüfung wurden Risse im Mauerwerk des kleineren Turms festgestellt, sodass im Oktober 2023 beide Türme abgesperrt wurden. Eine Sanierung des Fundaments ist – mit Hilfe einer EU-Subvention von 4,7 Millionen Euro – derzeit im Laufen. Wermutstropfen: Auch der Torre Asinelli mit seinen 498 Stufen und seiner beeindruckenden Aussicht auf Bologna und die Umgebung kann derzeit nicht bestiegen werden.
Im Jahr 2015 war dies noch möglich. Das Pärchen aus dem Wanda-Video wäre ohne die due torri vielleicht gar nicht zusammengekommen. Das erste Händchenhalten, die ersten scheuen Küsse auf dem Torre Asinelli hoch über der Silhouette Bolognas. Der Bann ist gebrochen, die italienische Lebenslust ist erwacht. Verliebtes Laufen durch das Universitätsviertel, Wein und Pasta in den Bistros, Tanzen auf mittelalterlichen Mauern und eine halbnackte Lady, die aus dem Hostel-Bett eine geleerte Weinflasche beim Fenster hinausschmeißt. Ob sie mit ihrem Lover tatsächlich Amore gemacht hat, das bleibt der Phantasie überlassen…
„Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, dann bist du nicht nah genug dran“, ein legendäres Zitat des Kriegsfotografen Robert Capa, der durch seine waghalsigen Fotos allerdings mit dem Leben bezahlte. 1954 trat er bei einem Indochina-Kriegseinsatz auf eine Mine. Berühmt wurde er mit seinen nur elf Fotos über den Einmarsch der US-Truppen am Strand der Normandie am 6. Juni 1944. Eine von vielen spannenden Anekdoten der Magnum-Fotoagentur, die im Rahmen der ersten Ausstellung im neuen Wiener Foto Arsenal medial präsentiert werden.
Es gilt hier ausnahmsweise nicht „Der Weg ist das Ziel“, ein gewisse Wegstrecke muss allerdings sportlich zu Fuß bewältigt werden, um in den Genuss der neues Photography-Hot Spots zu kommen. Das Foto Arsenal Wien hat seinen Standort im 3. Bezirk, am besten erreichbar mit der Linie D Belvedere 21 und dann per pedes neben dem Schweizergarten Richtung Heeresgeschichtliches Museum zum Objekt 19 a, einem ehemaligen Werkstattgebäude. Nach 18 Monaten Umbau befindet sich heute in dem dreistöckigen Ziegelbau ein Fotomuseum (inkl. Museumsshop und Gastrobereich) mit einer Fläche von 1000 Quadratmetern, in den Obergeschossen zusätzlich eine eigene Abteilung für Vermittlung mit Workshopräumen und eine Dunkelkammer.
Rund 10 Ausstellungen pro Jahr sollen stattfinden, außerdem ist es das eherne Ziel des Foto Arsenals, die Medienkompetenz der Menschen (insbesondere der Kinder und Jugendlichen auch mit Schulbesuchen) zu stärken, so der deutsche Kunsthistoriker und künstlerische Leiter Felix Hoffmann, der zuvor als Hauptkurator der C/O Berlin Foundation tätig war. „Viele Menschen trauen immer noch Bildern, weil Bilder so stark sind“, so Hoffmann, und das, obwohl bereits in der analogen Fotografie (weit vor der Ära der digitalen Revolution und der künstlichen Intelligenz) genauso mit Fotos manipuliert wurde.
Prominente Beispiele dazu werden in der ersten Ausstellung „Magnum. A World Photography“ gezeigt, die noch bis 1. Juni 2025 besucht werden kann. Die 1947 in Paris gegründete Agentur hat angeblich diesen Namen, weil bei der Gründung eine Magnumflasche Champagner getrunken wurde. Die (aktuell rund) 50 Mitglieder werden anhand spezieller Aufnahmeverfahren mit Zweidrittelmehrheit ausgewählt. Die besondere Exklusivität zeigt sich darin, dass die Rechte am Bild und den Negativen beim Fotografen verbleiben, wodurch sich auch die Vermarktungsmöglichkeiten verbessern.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen dabei nicht nur die Kult-Fotos an sich, sondern die Arbeitsprozesse, die mittels Kontaktbögen, Auswahlmechanismen, Dunkelkammerbeschriftungen und Background-Informationen veranschaulicht werden. Zu sehen ist ein berühmtes Foto des US-Fotografen Elliott Erwitt über ein Treffen von Richard Nixon und Nikita Chruschtschow bei einer Moskauer Haushaltswarenmesse 1959. Obwohl handwerklich eigentlich mangelhaft, wurde dieses Foto – unautorisiert – von den Republikanern im Wahlkampf verwendet. Grund: Die Hand Nixons, die scheinbar drohend gegen den Körper des russischen Ministerpräsidenten gerichtet ist.
Weltberühmt ist auch das Che Guevara-Foto des Schweizer Magnum-Fotografen Rene Burri, der auf ausdrücklicher Order nur bei geschlossenen Jalousien fotografieren durfte. Bei seinem nächsten Kuba-Besuch entdeckte Burri sein Foto auf zahlreichen T-Shirts. Weitere ikonenhafte Motive in der Ausstellung: James Dean very cool mit Trenchcoat und Zigarette im Mund auf dem Times Square (kreiert von seinem persönlichen Freund Dennis Stock), Cassius Clay, Malcom X, die Staatsvertrags-Zeremonie auf dem Belvedere-Balkon, New Yorker Subway-People, der Funeral Train nach dem Tod Robert Kennedys und das Blumenmädchen Marc Ribouds. Ein besonderer Hit (nicht nur für die Kinder) ist das süße Lama Linda, das im einem in Manhattan fahrenden Auto mit aus dem Fenster gestreckten Kopf abgelichtet wurde. Kreative Schöpferin: Die österreichische Fotografin Inge Morath, ihres Zeichens erste Frau in der glanzvollen Riege der Magnum-Fotografen.
In dem hinteren Raum zeigen jüngere Fotografen, wie sehr sich die moderne Fotografie in Richtung Multimedia, Installationen und Aktivismus entwickelt hat. Susan Meiselas dokumentiert mit Fotografien, Videos und Berichten die kurdische Diaspora, Rafal Milach arrangiert meterhohe Bilder und Videos von polnischen Demos gegen das Abtreibungsverbot, und die belgische Fotografin Bieke Deeporter erläutert ihre mysteriöse Suche nach einem Mann namens Michael. Dieser übergab ihr 2015 drei Koffer mit persönlichen Gegenständen und Essays und verschwand dann spurlos.
Auch für Newcomer ist Platz im neuen Foto Arsenal. „Clean Thoughts. Clean Images“ heißt die erste Einzelausstellung des 1996 geborenen Fotografen Simon Lehner, der unterschiedlichste Techniken (inkl. der Einbeziehung eines Roboters) verwendet und dabei Bilder in Holzplatten einfräst. Man darf gespannt sein auf das künftige Programm des neuen Fotografie-Epizentrums. Das alle 2 Jahre stattfindende Festival der Foto Wien im Oktober 2025 zählt auf jeden Fall dazu…
In Österreich, einem der reichsten Länder der EU, sind rund 1,3 Millionen Menschen armutsgefährdet. Besonders betroffen sind alleinerziehende Haushalte, die mit 52 Prozent das höchste Armutsrisiko aller Haushaltstypen aufweisen. Der Frauenanteil bei den rund 300.000 Ein-Eltern-Haushalten beträgt dabei 83 Prozent. Die Armutsgefährdung betrifft nicht nur Mütter, die keiner Arbeit nachgehen, sondern auch erwerbstätige Frauen. 28 Prozent der Working Poor sind alleinerziehende Frauen.
Diese Probleme sind nicht neu. Im Gegenteil: Es wird schon seit Jahrzehnten (!) im Parlament oder in diversen NGO´s darüber diskutiert, es liegen Gesetzesinitiativen, Anträge und Anfragen (vor allem aus dem linken Parteienspektrum) vor, die aber zu keinen Ergebnissen geführt haben. Die Corona-Krise, die galoppierende Inflation und die steigende Arbeitslosigkeit haben die finanzielle Situation der Alleinerziehenden zusätzlich verschlechtert.
Unterhalt
Hauptanknüpfungspunkt sind dabei die zu geringen bzw. komplett fehlenden Unterhaltszahlungen des (zumeist) unterhaltspflichtigen Vaters an den alleinerziehenden Haushalt. Laut einer aktuellen Statistik bekommen nur 51 Prozent der Kinder Unterhalt von ihrem Vater, unfassbare 36 Prozent erhalten weder einen Kindesunterhalt noch Ersatzleistungen. Aber existiert da nicht in Österreich das bereits in den 80ern eingeführte Institut des Unterhaltsvorschusses?
Unterhaltsvorschuss
Das gibt es tätsächlich noch, allerdings erhalten nur 10 % der Kinder bzw. nur jedes fünfte Kind, das keinen Unterhalt oder keine Halbwaisenrente bekommt, einen Unterhaltsvorschuss. Und das liegt an den restriktiven Voraussetzungen des UVG. Anspruchsberechtigt sind nur minderjährige Kinder (bis 18). Außerdem muss gegen den nicht leistenden Unterhaltsschuldner ein im Inland vollstreckbarer Exekutionstitel bestehen. Ist der Unterhaltsschuldner zahlungsunfähig oder unbekannten Aufenthalts, dann wird der staatliche Unterhaltsvorschuss überhaupt nicht gewährt. Und das, obwohl nach der Geldüberweisung an die Mutter ein unverjährbarer (!) Rückforderungsanspruch gegen den unterhaltspflichtigen Vater entsteht. Die Einbringungsquote beträgt derzeit rund 65 Prozent.
Eine problematische Situation für die alleinerziehenden Mütter ergibt sich auch dann, wenn der Vater aufgrund geänderter wirtschaftlicher Verhältnisse (Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit,…) einen Antrag auf Herabsetzung des Unterhalts stellt und bei Genehmigung dann auch der Unterhaltsvorschuss sinkt. So bezogen laut einer Unterhaltsbefragung 2021 die Kinder durchschnittlich nur 305 Euro, jene mit Unterhaltsvorschuss sogar nur 250 Euro pro Monat. Vergleicht man dies mit den tatsächlichen Kinderkosten von rund 900 Euro in einem Ein-Eltern-Haushalt, dann ist dies gerade einmal ein Drittel.
Kinderarmut
Kinderarmut hat negative Auswirkungen in jeder Hinsicht, auf die Gesundheit, die Bildungschancen, die soziale Integration, den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es besteht daher akuter Handlungsbedarf, und zwar in Richtung einer Modernisierung des Unterhaltsrechts. Die Grünen haben erst Anfang März einen Entschließungsantrag betreffend Einführung einer Unterhaltsgarantie im Parlament eingebracht. Dieses Instrument wird auch favorisiert durch den engagierten Verein Feministischer Alleinerzieherinnen, kurz FEM.A.
Unterhaltsgarantie
Die Protagonisten fordern die Umsetzung der Unterhaltsgarantie in Höhe der Regelbedarfssätze. Dabei handelt es sich um den statistisch erhobenen Durchschnittsbedarf von Kindern in Österreich, der Kosten für Nahrung, Kleidung, Wohnung, Unterricht und Freizeitaktivitäten umfasst. Diese Werte werden jährlich vom Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien veröffentlicht und betragen im Jahr 2025 je nach Alter zwischen 350 und – ab 19 - 770 Euro pro Monat.
Vergleicht man diese Werte mit der Kinderkostenanalyse des Sozialministeriums, dann liegen diese bei Alleinerziehenden weit darunter. So betrugen die monatlichen Kinderkosten bei Alleinerziehenden im Jahr 2023 zwischen 550 und 1703 Euro. Insofern ist eine Forderung auf Erhöhung der Regelbedarfssätze mehr als naheliegend. Um den Unterhalt auch für volljährige Kinder in Ausbildung zu sichern, so sollten die Ansprüche auf Unterhaltsgarantie und Unterhaltsvorschuss auf den gesamten Zeitraum des Familienbeihilfenbezugs ausgedehnt werden.
Die Berechnung der Unterhaltsgarantie erfolgt laut dem FEM.A.-Vorschlag nach einem einfachen Schema. Der individuelle Wert ergibt sich aus der Differenz zwischen den nach Alter aufgesplitteten monatlichen Kinderkosten und den vorliegenden Abzugsposten (wie Familienbeihilfe, Kinder- und Alleinerzieherabsetzbetrag, Familienbonus Mutter, Unterhaltsvorschuss, Studienbeihilfe,…).
Die Unterhaltsgarantie macht das Leben in alleinerziehenden Haushalten, das aufgrund der Trennungssituation psychisch ohnehin schwer genug ist, finanziell abgesicherter und damit lebenswerter. Die Chancengleichheit der Kinder steigt, ebenso deren Wohlbefinden und deren sozialer Status. Das kann man vom derzeitigen System nicht behaupten. Das aktuell geltende Unterhaltsmodell hat zur Folge, dass mehr als die Hälfte der Kinder von Alleinerziehenden von Armut betroffen sind. Und das ist eigentlich zum Schämen…
„Favourite Darkness“ heißt die erste Einzelausstellung des niederländischen Fotografen und Regisseurs Anton Corbijn in Wien. Klingt irgendwie nach einem Depeche Mode-Titel. Nahe dran, die Wortzeile „in your favourite darkness“ findet man tatsächlich in ihrem 90er-Hit „In your Room“. Und der läuft in einer Dauerschleife auf einem TV-Screen, als Hintergrundbeschallung zu einem phänomenal unter dem Mondlicht tanzenden Dave Gahan-Epigonen. In einem separaten Depeche Mode-Raum (mit Konzertfotos, kunstvollen Presseshots, Plattencover und Andrew Fletcher-In Memoriam Visuals), der kompakt die fast 40jährige Zusammenarbeit zwischen Corbijn und der britischen Elektronik-Formation widerspiegelt.
NME-Shots
Das erste Depeche Mode-Video „A Question of Time“ drehte Corbijn 1986 unter Low Budget-Bedingungen in Amerika, die ersten Fotoaufnahmen lagen allerdings noch weiter zurück. Corbijn war seit Ende der 70er Cheffotograf beim Londoner NME (New Musical Express) und veröffentlichte dort (und im Londoner Monatsmagazin „The Face“) coole Schwarz-Weiß-Fotos der größten Stars der Pop-, New Romantics- und Punkszene: David Bowie im Lendenschurz, Nina Hagen gemeinsam mit der nackten Slits-Punk-Ikone Ari Up (das Plakatmotiv der Ausstellung), U2-Sänger Bono Vox, Kraftwerk, Johnny Rotten und natürlich Joy Division im U-Bahn-Abgang. Ian Curtis bzw. der Rest der Band schauen dabei in unterschiedliche Richtungen. Eine mysteriöse Vorahnung: Sänger Ian Curtis beging 1980 ein Jahr später – einen Tag vor der geplanten Tournee – Selbstmord, Joy Division transformierten zur (erfolgreichen) Wave-Band New Order. Zu sehen sind diese prickelnden Classic Shots im Raum 2 der Ausstellung.
Direkt im Eingangsbereich des Kunstforums hat der niederländische Fotograf seine Lieblingspics platziert, darunter eine (ausnahmsweise farbige) Aufnahme der Creatures, Bilder von Nelson Mandela und dem niederländischen König Willem-Alexander und ein „One Way“-Shot des leider schon verstorbenen Filmstars Philip Seymour Hoffman, mit dem Corbijn den Film „A Most Wanted Man“ drehte. Zwischen den Säulen wurde ein Self-Porträt des Kult-Fotografen aus den wilden Londoner Years aufgehängt.
Cemeteries
Im zentralen Raum des Kunstforums werden eindrucksvolle Gegenüberstellungen zwischen den Ikonen der Popszene und der Kunstgeschichte gezeigt. „Cemeteries“ nennt sich die Foto-Serie über religiöse Skulpturen, die Corbijn 1982/83 auf den Friedhöfen von Wien, Paris, Venedig, Genua und Mailand kreiert hat. Kongenial dazu passen seine Celebrity-Aufnahmen, bei denen die Künstler wie Heilige dargestellt werden: Natürlich inklusive Dave Gahan, der vor allem beim Album „Songs of Faith and Devotion“ mit dieser Thematik gespielt hat, Courtney Love, Skin, Bryan Ferry, Nick Cave oder die Band Arcade Fire, die in cooler Black & White-Ästhetik das „letzte Abendmahl“ ins 21. Jahrhundert torpedierten. Diese Motive seien allerdings nicht absichtlich in dieser Art und Weise entstanden, sondern rein intuitiv, so Corbijn.
Musikvideos
In einem verdunkelten TV-Room wird eine Auswahl der besten Videoclips Corbijns präsentiert. Natürlich vertreten Depeche Mode mit „Enjoy the Silence“ und „Ghosts again“. „I soon started to realise that the visuals and their music went really well together“, so Corbijn, der nicht nur die Videoclips und Fotos der Band arrangiert, sondern auch deren (Konzert)-Filme (zuletzt „Global Spirit Tour“ und den Fan-Streifen „Spirits in the Forest“) und die Stage-Visuals konzipiert. In den 80ern und 90ern arbeitete Corbijn auch eng zusammen mit der irischen Formation U 2, er führte Regie u.a. für deren Clips „Pride“, „One“ und „Please“ und schoss die Fotos für „The Joshua Tree“ und „Achtung Baby“. Im Video-Repertoire der Ausstellung weiters zu sehen: Clips von Joy Division („Atmosphere“), The Killers, Arcade Fire, Coldplay, Herbert Grönemeyers und Nirvana („Heart Shaped Box“, 1994 ausgezeichnet mit zwei MTV-Video Awards).
Females
Corbijn wird manchmal oberflächlich nur mit männlichen Protagonisten in Verbindung gebracht. Dies widerlegt der vorletzte Raum der Ausstellung „Favourite Darkness“, in dem ausschließlich Bilder von weiblichen Popstars, Models und Schauspielerinnen publiziert werden: Siouxsie Sioux, Sängerin der Rock-Band Siouxsie & The Banshees und später der Creatures (eine der Lieblingsmotive Corbijns), Kim Wilde, Kate Bush, Gwyneth Paltrow oder die kürzlich verstorbene Marianne Faithfull. Im Gegensatz zu Fotografen wie Newton oder Lindbergh setzt Corbijn auf natürliche Sexualität, unorthodoxe Posen und eine subtile Verletztlichkeit der Frauen.
Painters
Der letzte Raum der Ausstellung ist unter dem Titel „Inwards and Onwards“ den Malern und Malerinnen gewidmet. Seit den 90ern fotografiert Corbijn bildende Künstler verschiedenen Genres in ihren Ateliers, darunter Gerhard Richter, die britische Porträtmalerin Lynette Yiadom-Boakye oder Marlene Dumas. Mit der südafrikanischen Künstlerin hat Corbijn außerdem zwischen 1998 und 2000 die „Stripping Girls“ in Amsterdam abgelichtet.
Kinofilme
„Favourite Darkness“ ist bis 29. Juni 2005 im Kunstforum zu sehen. Parallel dazu laufen Filme von Corbijn im Gartenbaukino, darunter der Joy Division-Film „Control“ (mit dem brillierenden Sam Riley als Ian Curtis), „The American“ (mit George Clooney), „A Most Wanted Man“, „Life“ und „Squaring the Circle“. Für Fans gibt es neben zahlreichen Katalogen und You Tube-Musikvideos noch eine auf DVD veröffentlichte Filmdokumentation unter dem Titel „Anton Corbijn Inside Out“. Check it out…
2007 brachte Apple das erste Smartphone unter dem Namen iPhone auf den Markt, ein Jahr danach folgte mit dem HTC Dream das erste Smartphone mit dem Google-Betriebssystem Android. 18 Jahre später ist das Smartphone das Maß aller Dinge: Kommunikationsmittel, Informationsmedium, Gaming- und Datingplattform, Reiseplaner, (scheinbarer) Trost gegen Liebeskummer, Einsamkeit und Isolation und – ohne weißes Kaninchen – die Eintrittspforte in das „Wunderland“ der sozialen Medien und des noch gefährlicheren Darknets. Kein Wunder, dass viele Smartphone-User (egal ob jung oder alt) mehrere Stunden pro Tag in ihr Handy starren und dabei das reale Leben immer mehr ignorieren.
Donau-Uni-Studie
Die langfristigen Auswirkungen der Smartphone-Mania auf die Psyche der Menschen sind angesichts der erst kurzen Lebensdauer der Geräte nicht absehbar. Eine aktuelle im Fachjournal BMC Medicine veröffentlichte Studie der Donau-Uni Krems zeigt allerdings eine eindeutige Tendenz. Unter der Ägide von Univ.-Prof. Dr. Christoph Pieh, Leiter des Departments für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, wurde ein Experiment mit zwei Gruppen durchgeführt: Bei der einen Gruppe wurde die tägliche Smartphone-Nutzung auf maximal zwei Stunden beschränkt, bei der Kontrollgruppe dagegen wurde die durchschnittliche Nutzung von 4,5 Stunden beibehalten.
Die spannenden Ergebnisse: Nach drei Wochen geringerer Nutzung gingen die depressiven Symptome um 27 Prozent zurück, der Stress nahm um 16 Prozent ab, die Schlafqualität stieg um 18 Prozent, das allgemeine Wohlbefinden um 14 Prozent. Diese Werte verschlechterten sich allerdings wieder, als die Smartphone-Aktivitäten wieder erhöht wurden. Ziel müsse daher nicht nur eine kurzfristige Reduktion der Handy-Nutzung sein, sondern eine nachhaltige Veränderung des Nutzungsverhaltens.
Kinder mit eigenem Smartphone
Einfacher als einen Gewöhnungseffekt bzw. im schlimmsten Fall eine Sucht zu bekämpfen, ist, diese erst gar nicht entstehen zu lassen. Dies betrifft vor allem Kinder und Jugendliche, die zum ersten Mal mit einem Smartphone in Kontakt kommen. Laut einer oberösterreichischen Studie besitzt bereits die Hälfte der 8- bis 10jährigen ein eigenes Smartphone, bei den 10- bis 12jährigen sind es laut einer deutschen Bitkom-Umfrage bereits 76 Prozent.
Die Online-Nutzung steigt dabei mit zunehmendem Alter. Bei den 5- bis 8-Jährigen sind laut Google-Studie bereits 45 Prozent ein bis drei Stunden online, bei den 9- bis 12-Jährigen 58 Prozent. Diskutiert wird in der Politik und in der Öffentlichkeit aber nicht über das Smartphone-Eignungsalter für Kinder, zeitliche Beschränkungen, technische Sicherheitsvorkehrungen, notwendige Handlungsanleitungen der Eltern oder über die Vermittlung von Medien- und Digitalkompetenz, sondern über Handy-Verbote in den Schulen.
Handy-Verbote in den Schulen
So will der neue Bildungsminister Christoph Wiederkehr als einer seiner ersten Amtshandlungen ein bundesweites Handy-Verbot bis zur 8. Schulstufe einführen. Abgesehen davon, dass dieses Problem zumindest in den Volksschulen eher wenig ausgeprägt ist, haben bereits rund 80 Prozent der Pflichtschulen Maßnahmen gegen die Handynutzung in den Schulen getroffen, und zwar im Rahmen der Schulautonomie. Gemäß § 44 des Schulunterrichtsgesetzes kann das Schulforum bzw. der Schulgemeinschaftausschuss in der Hausordnung schuleigene Verhaltensvereinbarungen für Schüler erlassen, bei denen auch diverse Regelungen über den Handygebrauch inkludiert sind. Bei Verstößen gegen die Hausordnung drohen u.a. eine Verwarnung, eine Eintragung im Klassenbuch oder eine Mitteilung an die Eltern. Unabhängig von der Hausordnung kann die einzelne Lehrperson dem Schüler bei Störung des Schulbetriebs das Smartphone abnehmen (§ 3/4 Schulordnung). Ob eine Störung durch die Handynutzung vorliegt, entscheidet allein die Lehrperson.
Verantwortung der Eltern
In der bereits monatelang geführten Diskussion über Handyverbote in der Schule trügt der Eindruck nicht, dass hier wieder einmal ein Erziehungsmangel in den Familien auf die Schulebene verlagert werden soll. Denn wer, wenn nicht die Eltern, sind dafür verantwortlich, dass ein Kind bzw. ein Jugendlicher ein eigenes Smartphone besitzt und dieses obendrein noch in die Schule mitnimmt.
Smartphone ab 14
So fordert der bekannte deutsche Digitalexperte und Autor Daniel Wolff, dass Kinder erst ab 14 ein eigenes Smartphone bekommen sollten. Stichwort: „Smarter Start ab 14“ (so der Name einer Hamburger Elterninitiative). Außerdem brauche es „viel mehr Kompetenzvermittlung für digitale Medien auf allen Ebenen, und das vor allem für die Eltern.“
Ein Tip von Wolff: „Mit dem Smartphone so lange warten, wie es geht, und dafür Verbündete finden. Wenn die beste Freundin auch keines hat, hält man es besser aus.“ Liegt das Smartphone schlussendlich doch unter dem Weihnachtsbaum, das Kind nicht alleine experimentieren lassen, sondern gemeinsam über die zeitliche Nutzung, Apps, Einstellungen und Gefahren sprechen. Der erste Schritt, dass das Kind nicht in die „Handysucht-Falle“ tappt…
„Wien, Wien, es ist so schön mit dir – zu schön, um wahr zu sein“: Das sind Schlachtgesänge, die man im Februar 2025 nicht in Wien, sondern in Deutschland hört. Im hippen Alternativ-Bezirk Ehrenfeld in der Live Music Hall. Zu Gast dort ist ein gewisser Franz Bibiza, der nach einigen undergroundigen „Lehrjahren“ in der Wiener Rap-, Hip Hop- und Indie Pop-Szene seit 2022 die deutschsprachigen Hallen füllt. Sold Out lautet auch das stolze Attribut der Show in Köln, das sind „österreichische Verhältnisse“ in Deutschland, auf die man stolz sein kann. Im Gegensatz zu jenen, die sich in der politischen Arena abspielen (die sich aber zumindest machtpolitisch vorerst kalmiert haben).
Bereits im Vorprogramm laufen Kult-Tracks aus der Austro-Pop-Szene, von Falco, dessen Seelenverwandtschaft in punkto Schmäh, Sound,Style und Charisma Bibiza nicht abstreiten kann (und auch nicht abstreiten soll), Rainhard Fendrichs „Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen“ oder „Kokain“ von Boris Bukowski (der kürzlich mit den anderen Wiener Heroes von Wanda live auf der Bühne stand). Als Support winkt ein Auftritt des Linzer FM4-Favourites Mavi Phoenix, der mit seinem Coming-Out-Background ideal in das tolerant-queere Kölner Szene-Viertel passt und einige neue Tracks aus seinem kommenden Album präsentiert.
Rausch, Exzess, Dekadenz mit einem Schuss Melancholie und politischer Agitation: Das sind die Zutaten der über 90 Minuten langen Show von Master Bibiza in der Live Music Hall. Mit an Bord seine „Hawara“, also seine Band bestehend aus Enzo Gaier (Gitarre), Markus Windisch (Bass), Xaver Nahler (Keyboard) und Moritz Meixner (Drums). Rechts auf der Bühne wurde eine schicke Bar mit Weinflaschen platziert. Das kongeniale Vorratslager für Bibizas Absturz-Hymnen „Stadtpark Insomnia“, „Blau“ oder „Schick mit Scheck“. „Man bringe mir den Spritzwein“, Bibiza im roten, kurzärmeligen Hemd, die Menge „Bitte!“, „nur so find ich zurück zu meiner Mitte“. Die Kölner Fans vor allem in den vordersten Reihen sind nicht nur textsicher, sondern befinden sich von der ersten Minute an im Tanzrausch. Und Bibiza liefert ihnen den allerbesten musikalischen (!) Party-Stoff aus seinen großartigen Alben „Wiener Schickeria“ (2023) und „Bis einer weint“ (2024): „Aufnimmawiederschaun“ (ein herrlicher Abgesang an eine beendete Beziehung), das rockige „Wunschkonzert“ oder der Rock´n Roll-Hadern „Salamander & Chamäleons“.
Die gesellschaftlichen Untertöne fehlen aber trotz Party-Feelings von Anfang an nicht: Beim Single-Hit „Tanzen“ stellt Bibiza die „Geier und notgeilen Schimpansen“ in den Clubs an den Pranger. „Sie will einfach tanzen“ und nicht dauernd von aufdringlichen Männern belästigt werden. Feminismus at its best. Im ruhig angelegten Track „Luxusparese“ rechnet Bibiza mit der europäischen Menschenrechtspolitik ab: „Europa, du hast eh keine Probleme, mach deine Grenzen dicht und streichel deine Seele. Ist leicht zu lachen mit dem Gold in der Kehle.“ Dann lehnt sich Bibiza lässig an die Bühnen-Bar, durchblättert eine Zeitung und liefert vier Tage vor der Bundestagswahl - den politischen Sager des Abends. „Hier steht, dass viel zu viele Arschlöcher Rechtsextreme wählen. Das kann ich nicht verstehn. Ich hoffe, ihr auch nicht?“Frenetischer Applaus im Kölner Publikum.
Nach dem Party-Crasher „Donau“ begibt sich Bibiza auf eine melancholisch-tiefsinnige Ebene. Auf der Setlist stehen „hinfalln“ und „angefahrn“, zwei Titel, bei denen man nicht so genau weiß, ob es sich dabei um das lyrische Ich oder um die eigenen Befindlichkeiten des Künstlers handelt. Bibiza hüllt sich naturgemäß in Schweigen. Die Stimmung ist auf jeden Fall auf dem Siedepunkt, als der Wiener bei der Zugabe mit „Opernring Blues“ und „Femme Fatale“ noch zwei Burner aus seinem ersten Album „Wiener Schickeria“ zum Besten gibt. Danach heißt es „Gute Nacht“ sagen mit dem gleichnamigen Titel und den bedeutungsschwangeren Worten „Wir sind unsterblich. Bis einer weint“. Und damit die Party bei den Fans in den Gedanken noch weitergeht, läuft noch der balkanbeat-vermixte „Letzte Tanz“. Bis zur nächsten Bibiza-Show im lässigen Köln…
Der Kölner Dom, der verrückte Karneval, das lässig-pinke Lebensgefühl, die attraktive Sportinfrastruktur, das bunte Nightlife: Es gibt viele Gründe, die 1 Millionen-Einwohner-Stadt am Rhein zu besuchen. Das Museum Ludwig in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs und des Doms gehört auf jeden Fall dazu. Die Vorschusslorbeeren können dabei nicht größer sein. Das von den Kölner Architekten Peter Busmann und Godfrid Haberer kreierte und 1986 eröffnete Museum enthält die größte Pop Art-Kollektion Europas und die nach Barcelona und Paris drittgrößte Picasso-Sammlung der Welt.
Verantwortlich für den hohen kulturellen Wert der Sammlung ist das Industriellenehepaar Peter und Irene Ludwig. Die beiden Kunstmäzene schenkten im Jahr 1976 der Stadt Köln 350 Werke moderner Kunst mit der Bedingung, dass diese in einem eigenen Museum ausgestellt werden. Gesagt, getan. Heute kann man zu einem Tagesticket von nur 11 Euro auf einer Ausstellungsfläche von rund 9000 m2 die spannendsten Kunstwerke aus dem 20. und 21. Jahrhundert bewundern. Andy Warhol, Roy Lichtenstein u.a. mit seiner M-Maybe-Blondine (die eigentlich unverkäuflich war, Peter Ludwig aber dann zum doppelten Kaufpreis erworben hat), Tom Wesselmann und Robert Rauschenberg, das sind die Granden der Pop-Art-Etage im Museum Ludwig. Ein spezielles Highlight ist das „Portable War Memorial“ des US-Künstlers Edward Kienholz, der mit einer Anti-(Vietnam)-Kriegs-Installation (bestehend u.a. aus einer kopflosen Soldatentruppe, einem Grabstein und einer in einer Mülltonne platzierten Sängerin der Nationalhymne „God Bless America“) die düsteren Sixties widerspiegelt.
Apropos Krieg: Zum Repertoire des Ludwig-Museums gehört auch die Sammlung des Rechtsanwalts Josef Haubrich, die dieser 1946 kurz nach dem 2. Weltkrieg der Stadt Köln schenkte. Viele dieser Werke aus der Gattung des Expressionismus bzw. der klassischen Moderne zählten während des Nationalsozialismus zur „entarteten Kunst“. Max Beckmann, Marc Chagall, Ernst Ludwig Kirchner oder Paula Modersohn-Becker, nur einige Künstler, deren Werke durch Haubrich vor den Nazis erfolgreich versteckt wurden.
Im Jahr 1994 schenkte das Ehepaar Ludwig dem Kölner Museum 90 Werke aus ihrer Picasso-Sammlung, im Jahr 2001 kamen weitere 774 dazu. Die großzügigen Spender sind heute beide schon verstorben (Peter Ludwig bereits 1996, seine Gattin 2010), deren Schenkungen aus dem Kreativgeist des spanischen Malers sind allerdings schon alleine einen Besuch der Kulturstätte wert: „Der Kuss“, „Musketier mit Degen“ oder die Kranich-Skulptur „La Grue“.
Damit aber noch lange nicht genug: Neben diversen Sonderausstellungen präsentiert das Museum Ludwig auf mehreren Stöcken Kunstwerke aus dem Rheinland (u.a. von Jörg Immendorff, Gerhard Richter und Josef Beuys), Russische Avantgarde (eine testamentarische Verfügung des Ehepaars Ludwig), Werke des abstrakten Expressionismus und Arbeiten von Künstlern aus Afrika, Asien und Lateinamerika (wie der faszinierenden Installation „Mountain of Encounter“ des koreanischen Multitalents Haegue Yang). Im Portfolio des Museums befinden sich auch rund 3000 Zeichnungen, 10.000 Druckgrafiken und ca. 70.000 Fotografien.
Die Sammlung wird – seit 2015 unter der Ägide von Yilmaz Dziewior – ständig erweitert. Das Untergeschoß ist speziell für zeitgenössische Werke reserviert. Vertreten ist dort auch die deutsche Star-Performerin Anne Imhof, die letzten Sommer im Kunsthaus Bregenz eine stockwerkübergreifende, schaurig-dystopische Exhibition unter dem Titel „Wish you were gay“ inszenierte. Das Kölner Museum erweist ihr mit zwei Skulpturen, einem Ölgemälde und einem Siebdruck ihrer Freundin Eliza Douglas alle Ehre, die allesamt Teil ihrer Performance „Faust“ bei der Biennale in Venedig 2017 waren.
Zum Gebäudekomplex des Museum Ludwig zählt übrigens auch die Berliner Philharmonie. Und damit erklärt sich das Mysterium, warum der Heinrich Böll-Platz direkt vor dem Museum mehrmals am Tag von Securities abgesperrt wird. Darunter befindet sich nämlich der mangelhaft trittschallisolierte Konzertsaal, in dem Aufnahmen, Proben und natürlich Live-Auftritte stattfinden. Ungestörter ist da natürlich die Rooftop-Terrasse des Museums Ludwig mit herrlichem Blick auf den Kölner Dom. Vor allem im Sommer zu empfehlen…
„Sportstadt Köln“: Eine Corporate Identity, die jeder Beweiswürdigung standhält. Mehr als 800 Sportvereine, der Kult-Fußballklub 1. FC Köln (bei dem es Toni einst in den 90ern „polstern“ ließ), über 150 Spielfelder, Tennis- und Beachvolleyplätze, der riesige Sportpark Müngersdorf und natürlich die lässigen Rheinpromenaden für die Freizeitjogger. Wer seine eigene Fitness abchecken will, egal ob als Tourist oder Einheimischer, der kann sich auch einer unkonventionellen Herausforderung stellen, der Turmbesteigung des Kölner Doms.
Der 157 Meter hohe Dom in unmittelbarer Nähe des Rheinufers und der Hohenzollernbrücke ist die dritthöchste Kirche der Welt, UNESCO-Weltkulturerbe und das Wahrzeichen Kölns. Ursprünglich stand an diesem Ort ein römischer Tempel, später eine fünfschiffige Basilika. 1164 wurden von Kaiser Barbarossa die Gebeine der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln transportiert, der Anlass für die Errichtung einer neuen Kathedrale. Die Grundsteinlegung erfolgte 1248, die Fertigstellung nach zahlreichen Kriegen und einem jahrhundertelangen Baustopp (der Südturm trug zu dieser Zeit die Form eines traurigen Rumpfes) erst 1880. Der Dom hatte aufgrund seiner Stahlkonstruktion das Glück, den Zweiten Weltkrieg relativ unversehrt zu überstehen. Der prächtige Innenraum hat eine Fläche von fast 8000 Quadratmetern und bietet Platz für 20.000 Personen. Der direkt nur durch eine Führung zugängliche goldene Reliquienschrein zählt – neben der gotischen Architektur, den farbigen Glasfenstern und der Domschatzkammer – zu den Highlights der Dom-Tour.
Und natürlich die Süd-Turmbesteigung, die mitten im Untergrund zwischen römischen Kellergewölben beginnt. Von dort geht es – zum Preis von 6 Euro – 533 Stufen aufwärts. Zuerst über eine schmale Wendeltreppe, bei der man nicht nur ins Schwitzen gerät, sondern auch mit Gegenverkehr von oben zu rechnen hat (der gemäß des Rechts-Links-Gebots die breiteren Stufen verwenden darf). Die erste Belohnung für die schmerzenden Oberschenkel wartet bei einer Höhe von 53 Metern. Auf einem Rundgang hat man eine tolle Sicht auf die bis zum Jahr 2016 größte am geraden Joch schwingend läutende Glocke der Welt, die Petersglocke, von den Kölnern liebevoll „decker Pitter“ genannt. Die 1923 gegossene Glocke wiegt 24 Tonnen und hat einen Durchmesser von 3,22 Meter, eingesetzt wird sie nur zu besonderen Anlässen und hohen Feiertagen. Der rund 600 kg schwere Klöppel riss 2011 ab, ist allerdings jetzt wieder voll funktionsfähig.
Nach einer kurzen Schnaufpause (inkl. Glocken-Selfies) geht es weiter aufwärts, über ein Treppengerüst. Blicke oder auch Fotos nach unten sollte man tunlichst vermeiden, wenn man nicht schwindelfrei ist. Bei einer Höhe von 97 Metern landet man schließlich auf der 360 Grad-Aussichtsplattform, auf der man nicht nur coole Selfies Richtung Himmel bzw. Südturmspitze schießen kann, sondern einen ausgezeichneten Panoramablick auf den Nordturm, die Kölner Altstadt und den Rhein genießen kann. Bevor es wieder 533 Stufen mit voller Power abwärts geht. Die beste Fitness-Garantie für einen späteren Nachtflug in die Kölner Clubs, Bars und Konzerthallen.
Multiple Krisen, Social Media Overdose, Depressionen, Perspektivlosigkeit,… - Vor allem junge Menschen fühlen sich in jeder Hinsicht überfordert und kommen mit ihrem Leben nicht mehr zurecht. Die Schauspielerin und Sängerin Valerie Huber, mit derzeit 29 Jahren ein Mitglied dieser Generation, hat über die gegenwärtige Situation ein Buch mit insgesamt 34 Essays geschrieben. Die Erstpräsentation fand im Thalia-Mariahilf vor vollen Besucherrängen statt.
Der Titel des Buchs - „Fomo Sapiens“ – „Verpassen wir die heile Welt?“ – zielt direkt auf die psychische Grundstimmung der Menschen ab. FOMO = „Fear of missing out“ – die Angst, etwas zu verpassen, egal ob es sich jetzt um eine coolere Party, einen süßeren Freund oder einen Beruf mit mehr Work-Life-Balance handelt. Die Folgen liegen auf der Hand: Stress, Dauergereiztheit, Niedergeschlagenheit. Und das in einer „Brave New World“, in der junge Menschen bis zu 10 Stunden täglich (!) in ihre Smartphones starren anstatt sinnvolleren Tätigkeiten nachzugehen. Valerie Huber nimmt sich hier persönlich gar nicht aus, bietet aber befreiende Alternativen. Man solle im Moment leben und wieder Freude an simplen kleinen Dingen haben, in die Natur gehen, Bäume umarmen, Sport machen, Yoga, Meditation, auch Urlaub alleine, um sich selbst besser kennenzulernen. Dem düsteren FOMO-Schlagwort setzt sie das chillige JOMO entgegen: „Joy of Missing out“ so frei nach dem Motto: Man muss nicht bei jeder Party live dabei sein.
Gesellschaftskritik und Feminismus dürfen in Hubers erstem Buch nicht fehlen. Die Autorin spricht von einem „Kulturschock“, als sie nach einem Afrika-Aufenthalt als UNICEF-Ehrenbeauftragte direkt zu den elitären Filmfestspielen von Cannes düste. Es sei auch schwer erklärbar, dass Reiche zehntausende Euro für eine Opernball-Loge beim Fenster hinausschmeißen, während andere sich nicht einmal die Miete leisten können. In punkto Feminismus fürchtet sie einen konservativen Backlash. In der Filmindustrie habe sich die Lage für Frauen ein wenig verbessert. Allerdings erfüllen weiterhin rund 50 Prozent der Filme nicht den 1985 von der Autorin und Cartoon-Zeichnerin Alison Bechdel entwickelten „Bechdel“-Test. Ein „Durchgefallen“ blüht dann, wenn im gesamten Film nicht mindestens zwei Frauen vorkommen, die über etwas anderes reden als über Männer.
Klimakrise, Kinderarmut, Kapitalismus oder Chancenungleichheit sind weitere wichtige Themen im Buch. Valerie Huber, Tochter eines Entwicklungsökonomen, hat ihre Kindheit in Uganda und in der Elfenbeinküste verbracht und kritisiert immer wieder die Ausbeutung der afrikanischen Bevölkerung. Anstatt den Hunger in der Welt zu beseitigen werde von den führenden Industrienationen Geld in Waffen investiert. Sie fordert u.a. Reichensteuern, ein bedingungsloses Grundeinkommen, Reparationszahlungen an Afrika und weltweiten Klimaschutz. Leider geht derzeit alles – verstärkt durch den Trump-Sieg - in die falsche Richtung.
Im Gespräch mit der Moderatorin Ingrid Rehusch bestätigt Huber, dass sie in gewisser Weise in einer Bubble lebe. Den Rechtspopulismus betrachtet sie als „nicht salonfähig“. Dass das Buch vor allem in den Regalen jener Leser und Leserinnen landen wird, die eine liberale, soziale und weltoffene Einstellung zum Leben haben, steht wohl außer Streit. Jene, die es eigentlich lesen sollten, werden weiterhin in den Echokammern der Verschwörungstheoretiker, Fake News-Verbreiter und Nationalisten verharren.
Es war schon einmal leichter, jung zu sein und das Leben zu genießen. Die Jugend ist aktuell konfrontiert mit multiplen Krisen, die wie ein Stakkato auf sie einhämmern: Corona-Pandemie, Krieg mitten in Europa, Rezession, steigende Arbeitslosigkeit und eine Teuerung, die sich vor allem bei unteren Einkommensbeziehern, Alleinerziehenden und Mehrkindfamilien frappant auf deren soziales und gesellschaftliches Leben auswirkt. Kein Wunder, dass die psychische Gesundheit der Jugendlichen weiterhin leidet. So zeigt eine aktuelle Studie zur Gesundheit österreichischer Schüler ab der 5. Schulstufe, dass 22 Prozent der Mädchen und 10 Prozent der Burschen Anzeichen einer Depression aufweisen.
Die Politiker haben – unabhängig von der Parteizugehörigkeit - in derart schwierigen Verhältnissen eminent wichtige Funktionen: Leadership bei strategischen Entscheidungen, Erzeugung von Aufbruchsstimmung und Resilienz, Vermittlung von Werten, Schutz sozial schwächerer Gruppen und vieles mehr. Ob ihnen das in Österreich gelungen ist, erscheint nach den Ergebnissen der Jugendstudie „Junge Menschen & Demokratie 2024“ eher fragwürdig.
Im Auftrag des Parlaments wurden in der Zeit vom 25. Oktober bis 22. November 2024 303 junge Leute zwischen 16 und 26 befragt. Die Themen reichten von der Demokratie in Österreich, vom Vertrauen in politische Institutionen, Informationsquellen bis hin zur politischen Bildung in den Schulen, die Ergebnisse sind großteils wenig berauschend für die politischen Entscheidungsträger.
Vertrauensverlust von Bundesregierung und Parlament
So sind zwar 90 Prozent der 16- bis 26jährigen von der Demokratie als bester Staatsform überzeugt, allerdings denken nur 44 Prozent, dass das politische System gut funktioniert. Im Jahr 2018 betrug dieser Wert noch 69 Prozent. Beim Vertrauen in die Institutionen zeigen sich zwei klare Tendenzen: Während die Werte für die Polizei (66 %), die Justiz (61 %) und die Verwaltung (50 %) in den letzten Jahren nahezu unverändert blieben, fielen die Werte für die Bundesregierung und das Parlament fast ins Bodenlose.
Im Jahr 2020 vertrauten noch 51 Prozent in die Bundesregierung, 2024 nur mehr 39 Prozent. Die Werte des Parlaments sanken in dieser Zeit von 56 auf 45 Prozent. Noch bedenklicher sind die Ergebnisse über die Repräsentation: 2024 fühlten sich nur mehr 35 Prozent der Jugendlichen gut im Parlament vertreten, vor den Krisen waren dies noch 64 Prozent (2018). Derzeit denken nur 23 Prozent, dass bei politischen Entscheidungen ihre Interessen berücksichtigt werden. 2018 waren es mit 51 Prozent mehr als doppelt so viele.
Die wichtigsten politischen Themen für die Jugendlichen sind laut Studie die Teuerung und die Leistbarkeit des Lebens (49 %), der Klimawandel (27 %) und die Migration bzw. Integration (18 %). Allerdings denken nur 47 Prozent, dass sie mit eigener politischer Beteilung etwas bewirken können.
70 % der Jugendlichen haben in den letzten fünf Jahren an einer Wahl teilgenommen, jeder Dritte hat in einem Verein, einer NGO oder einer Bürgerinitiative mitgearbeitet bzw. an einer Demonstration teilgenommen. Am Engagement in einer politischen Partei oder einer Interessensvertretung waren nur wenige (14 %) interessiert. Auffällig ist, dass Jugendliche mit geringen finanziellen Ressourcen bzw. geringer formaler Bildung sich seltener an Wahlen beteiligen. Dies gilt analog auch für ältere Personen und hat den negativen Effekt, dass die Politiker bei ihren Wahlprogrammen und Zukunftsplänen die unteren Einkommensbezieher meist sträflich vernachlässigen. Ein weiterer Baustein, der die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter öffnet.
Informationsquellen
Digitale Kompetenz und politische Bildung, das sind zwei Faktoren, die in Zukunft – eigentlich schon jetzt (was leider vernachlässigt wurde) – eine Rolle spielen sollten und je nach Ausprägung bei den Bürgern die Zusammensetzung der Parlamente bestimmen werden. Dies zeigt sich insbesondere bei den Informationsquellen der Jugendlichen. 66 Prozent der jungen Menschen informieren sich über politische Themen bei den sozialen Medien und sind damit ungeschützt Algorithmen, Fake News und Propaganda ausgesetzt. Innerhalb der sozialen Medien führt Instagram (59 %) vor Tik Tok (32 %) und diversen Messenger-Diensten wie Whats App (32 %). Facebook ist bei Jugendlichen nicht mehr hip, hier rasselten die Werte seit 2018 von 41 auf 22 Prozent herab. X bzw. Twitter liegt konstant nur bei rund 14 %.
57 Prozent nützen Zeitungen (print oder online) bzw. andere Internetseiten als Informationsquellen. Das Fernsehen liegt mit steigender Tendenz bei 50 Prozent, Radio und YouTube stagnierend bei jeweils 44 Prozent.
Politische Bildung
Brisant ist hier der Konnex zu den Befragungsergebnissen zur politischen Bildung. So berichten 57 Prozent der jungen Menschen, dass sie in der Schule zuwenig gelernt haben, wie die Qualität von politischen Informationen in den Medien beurteilt werden kann. Hier besteht akuter Handlungsbedarf im Bildungssystem, vor allem unter dem Aspekt, dass vor allem rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien versuchen, Jugendliche mit eigenen Kanälen, alternativen Medien und Propagandaseiten zu ködern, und dies ihnen bei den letzten Wahlen in dieser Zielgruppe auch gelungen ist.
Digitale Grundbildung ist seit dem Schuljahr 2022/23 Pflichtgegenstand in der AHS-Unterstufe und in den Mittelschulen. Ob dieses Fach auf die gegenwärtigen Gefahren und Risiken durch soziale Medien eingeht, sollte schnellstens einer Evaluierung unterzogen werden. Auch die politische Bildung sollte ausgebaut bzw. auf neue Beine gestellt werden. Derzeit gibt es nur in den Berufsschulen ein eigenes Fach, das aber laut dem Demokratiezentrum Wien hauptsächlich auf Arbeits- und Sozialrecht und berufspraktische Erfordernisse abzielt. In den Mittelschulen, Gymnasien und berufsbildenden höheren Schulen wird politische Bildung zumeist in einer Kombination mit Geschichte und Geographie angeboten.
Die jungen Menschen selbst lassen kein gutes Haar an der politischen Bildung. So berichten 58 Prozent, dass sie zu wenig in der Schule gelernt haben, wie man politische Debatten führt. 53 % wurden zuwenig informiert über ihre Rechte als Bürger. Und 41 Prozent wurden zuwenig aufgeklärt, wie Politik in Österreich funktioniert. Geringes Wissen und wenig Selbstbewusstsein in einer immer komplizierter werdenden Gesellschaft machen anfällig für Verschwörungstheorien, rechte Rattenfänger und gefährliche Blender. Wie oft soll sich die Geschichte in Österreich noch wiederholen?
Vor 100 Jahren, genau am 1. Oktober 2024, wurde zum ersten Mal Radio aus Österreich gesendet. Die damalige Radiostation der RAVAG (der „Radio-Verkehrs AG“) befand sich in der Wiener Johannesgasse 4 . 1925 hatte die RAVAG – bei einer Monatsgebühr von zwei Schilling – bereits ca. 100.000 Teilnehmer. Heute hören rund 6,1 Millionen Österreicher laut Radiotest täglich Musik, Nachrichten oder Features per Äther. Für jeden einzelnen ist das weiterhin populäre Medium auch mit persönlichen Erinnerungen, Glücksgefühlen und einer Art Lebensbeziehung verbunden.
Das waren für mich einst der popzeitgeistige Treffpunkt Ö3 (mit Kult-Moderatoren wie Dominic Heinzl, Angelika Lang oder Eberhart Forcher), die Jugendkulturleiste Zickzack oder die wöchentlichen Charts mit Udo Huber, der mich und meine Clique auch in die Locations der TV-Hitparade „Die Großen 10“ und zu diversen Ö3-Discos lockte. Nach der Einführung des mainstream-gestriegelten Ö3-Formatradios 1996 verlagerte sich mein Medienverhalten auf den Alternative Mainstream-Sender FM4 und auf Musikfernsehen a la VIVA, später auf YouTube und MP3-Downloads. Heute höre ich gerne Podcasts (die non-lineare moderne Form des Radios) und Ö1 mit Sendungen wie Radiokolleg, Punkt Eins, Matrix oder Doublecheck.
Viele Geschichten über das Radio hat auch der ehemalige Hörfunkmacher und Journalist Wolfgang Kos zu erzählen. Er war nicht nur Teammitglied der legendären Ö3-„Musicbox“ („Wir machten dort alles, was andere nicht machen!“), sondern auch Erfinder des Ö1-Sendungen „Popmuseum“ und „Diagonal“, bis der gelernte Historiker in den Nullerjahren Direktor des Wien Museums (2003-2015) wurde. Nach Büchern über den Semmering und „99 Songs“ hat Kos jetzt eine kleine, feine Hommage an das Radio geschrieben, die er kürzlich im Wiener Thalia-Landstraße präsentierte.
„Das Radio“ erscheint in der Reihe „Dinge des Lebens“, daher der eher geringe Umfang. „Das Buch hat leider nur 64 Seiten, aber jeder Liebhaber des Mediums Radio sollte es neben sein Empfangsgerät stellen“, so Kos´ ehemaliger Musicbox-Kollege Walter Gröbchen auf Facebook. Bei der Lesung in der Buchhandlung machte Kos bereits mit einzelnen Passagen Lust auf das Buch. Immer wieder betont er die Faszination der „unsichtbaren Sprecher“, die bei den Empfängern eine spezielle Atmosphäre auslösen, egal ob in den 50ern bei der Heinz Conrads-Sendung „Was gibt es Neues“, bei „Autofahrer unterwegs“ oder der Popkultur-Revolution in den 60ern. Die Jugend wurde immer mehr zur Hauptzielgruppe, 1967 startete Ö3 als erstes öffentlich-rechtliches Vollprogramm, Ö1 wurde später zum erfolgreichsten Kultursender Europas.
„Demokratie, dein Mund heißt Radio“, ein Zitat des deutschen Schriftstellers Alfred Döblin, das Kos´ Einstellung zum Radio prägte. Information, Bildung und Aufklärung sind wichtige Funktionen des Wellenempfängers. Und natürlich eine bestimmte Zeitstruktur. Weltweit ähneln sich die Sendeschemen der einzelnen Radiostationen, das Radio ist in dem Sinne ein „Nachfolger der Kirchturmuhr“.
Im persönlichen Gespräch mit dem Thalia-Moderator bedauerte Kos die aktuellen Entwicklungen des österreichischen Radiomarktes. Die Verlagerung von Ö1 und FM4 vom denkmalgeschützten Funkhaus in seelenlose Großraumbüros auf den weit entfernten Küniglberg sei ein Verlust für die urbane Kommunikation und die Kulturszene. Die „kurzen Wege“ von einst seien Geschichte, er hoffe aber auf ein „Kultur-Stadtstudio über die Hintertür“.
Die Zukunft des Radios sieht Kos allerdings nicht negativ. „Das lineare TV werde früher verschwinden als das lineare Radio“. Was sich allerdings geändert habe, seien die Vertriebswege wie Podcasts oder Streaming, die ein monatelanges Nachhören der Live-Sendungen garantieren. Etwas, was in den 70ern aufgrund der hohen Kosten für Tonbänder undenkbar war.
Kos betrachtet die öffentlich-rechtlichen Radiomacher als Küchenchefs, als „Fachleute, die ihre Menüs für ihre Kunden im Radio zusammenstellen“. Es ist zu befürchten, dass vor allem eine Partei dieses Landes diese Meinung nicht vertritt.
Home Office ist heute für viele Arbeitnehmer in spe eine Grundvoraussetzung, um sich für einen konkreten Job zu bewerben. Ein entsprechendes Gesetz war lange säumig, bis die Corona-Pandemie sich nachdrücklich und unfreiwillig zur Auslöserin für ein Home Office-Gesetz kristallisierte. Im Vorjahr wurde dieses im Nationalrat adaptiert, die entsprechenden Bestimmungen traten als „Telearbeitsgesetz“ am 1. Jänner 2025 in Kraft.
Die Legaldefinition wurde im § 2 h des Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetzes verankert. So liegt eine Telearbeit dann vor, „wenn ein Arbeitnehmer regelmäßig Arbeitsleistungen unter Einsatz der erforderlichen Informations- und Kommunikationstechnologie in seiner Wohnung oder in einer sonstigen nicht zum Unternehmen gehörenden Örtlichkeit erbringt“. Darunter sind gemäß den Erläuterungen Tätigkeiten nicht erfasst, die nur im Anlassfall außerhalb der Örtlichkeiten des Unternehmens erfolgen.
Es besteht weder ein Rechtsanspruch auf Telearbeit noch kann der Arbeitgeber Telearbeit einseitig anordnen. Sowohl die Telearbeit als auch die Örtlichkeiten der Erbringung der Arbeitsleistung sind zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer schriftlich zu vereinbaren. Die Vereinbarung kann von beiden bei Vorliegen eines wichtigen Grundes unter Einhaltung einer Frist von einem Monat zum Letzten eines Kalendermonats gekündigt werden.
Der Arbeitgeber hat die erforderlichen digitalen Arbeitsmittel (wie IT-Hard- und Software oder Datenverbindung) bereitzustellen. Alternativ besteht ein Ersatzanspruch des Arbeitnehmers hinsichtlich der angemessenen und erforderlichen Kosten.
Wie bei der ursprünglichen Home Office-Regelung hat das Arbeitsinspektorat kein Betretungsrecht von Wohnungen, in denen Arbeitnehmer Telearbeit leisten. Ansonsten würde dies dem Grundrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens bzw. der Unverletzlichkeit des Hausrechts widersprechen. Eine Betretung ist insofern daher nur mit Zustimmung des Betroffenen zulässig.
Bezüglich des unfallversicherungsrechtlichen Schutzes wurde eine ziemlich komplexe Lösung gewählt, die zwischen Örtlichkeiten von Telearbeit im engeren Sinn und im weiteren Sinn unterscheidet.
Als Örtlichkeiten von Telearbeit im engeren Sinn gelten: die Wohnung, an der ein Haupt- und Nebenwohnsitz des Versicherten besteht, eine Wohnung (taxativ aufgezählter) naher Angehöriger des Versicherten und Räumlichkeiten eines Coworking-Spaces. Die Wohnung naher Angehöriger und der Coworking-Space müssen sich in der Nähe des Wohnsitzes oder Arbeitsstätte befinden, oder die Entfernung vom Wohnsitz muss dem sonst üblichen Arbeitsweg entsprechen. Als Örtlichkeiten von Telearbeit im weiteren Sinn gelten alle anderen Örtlichkeiten, die vom Versicherten selbst gewählt werden (wie z.B. Parks, das Freibad, das Kaffeehaus oder eine Ferienwohnung).
Das Grundprinzip: Bei beiden Örtlichkeitsformen steht die konkrete Arbeitstätigkeit unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Anders dagegen beim Wegeschutz. Der Weg zu und von den Örtlichkeiten ist nur bei Telearbeit im engeren Sinn geschützt. Diese Einschränkung des Versicherungsschutzes (die nicht nur den unmittelbaren Arbeitsweg, sondern auch Wege zum Arzt, zum Lebensmittelhändler oder zum Restaurant in der Mittagspause umfasst) war der Grund, warum die SPÖ – im Gegensatz zu den anderen Fraktionen – im Parlament dem Telearbeitsgesetz nicht zugestimmt hat.
Das Telearbeitsgesetz gilt seit 1.Jänner 2025. Die neuen Bestimmungen gelten auch für bereits bestehende Home-Office-Vereinbarungen.
Schweißtriefende Auftritte in den Keller-Clubs und Bars, nächtelange Jam Sessions im privaten Mini-Tonstudio, kreative Postings für den algorithmus-gesteuerten Flow in den sozialen Medien. Die Methoden, als Musiker sich eine Fan-Community zu erobern, einen Plattenvertrag zu erhalten oder von seiner Profession leben zu können, sind vielfältig. Für österreichische Künstler, die Richtung internationalen Markt streben, ist dies – trotz des freien Zugangs in die unendlichen Weiten des Internets – noch schwieriger. Eine, die schon immer mit unkonventionellen Ideen glänzte, ist die 1985 im steirischen Friedberg geborene Anna Wappel aka Anna F.. Bekannt wurde sie 2009 durch ihren Song „Time stands still“, das sie auf der Plattform „MySpace“ veröffentlichte. Dieser wurde nicht nur für einen Werbespot verwendet, sondern war gleichzeitig der Initialzünder für eine Support-Europa-Tour mit Lenny Kravitz (!). Ein Album folgte, einige Amadeus Awards und dann ein Umzug ins Szeneviertel Prenzlauer Berg nach Berlin. Das zweite Album „King in the Mirror“ stürmte auch in die internationalen Charts, die Single DNA wurde in Italien mit der Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.
Multi-Talent Anna F. war in den Zehnerjahren obendrein in einigen Filmen zu sehen und war Teil der Arte-Doku „On Jack´s Road“, bei der sie mit drei anderen Künstlern durch die USA reiste. Musikalisch dürfte sie allerdings bereits damals an einer Veränderung getüftelt haben. 2018 gründete sie die Band Friedberg, benannt nach ihrem Geburtsort. Das Konzept: Anna als Leadsängerin, mit an Bord drei coole Musikerinnen aus dem Swinging London: Emily Linden (Gitarre), Cheryl Pinero (Bass) und Laura Williams (Schlagzeug). Ohne Platten-Release ging es ab in die britischen Live-Clubs und Bars, das stärkt den Zusammenhalt und die Qualität der Band. 2019 wurde die erste Single „Boom veröffentlicht“, 2021 die EP „Yeah“ (u.a. mit den Live-Burnern „Go Wild“ und „Pass me on“). Auf das erste Debüt-Album musste die durch zahlreiche Support-Shows (u.a. mit Hot Chip, AnnenMayKantereit und zuletzt Placebo) bereits entstandene Fan-Base allerdings lange warten. Das liegt auch am Naturell der Sängerin: „Ich arbeite sehr langsam und mache immer super viele Versionen von jedem Song“, so Anna F. in einem Mica-Interview.
Die Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt. Im November 2024 wurde „Hardcore Workout Queen“ mit insgesamt zehn Tracks veröffentlicht. Der Titel eine ironische Anspielung auf den Selbstoptimierungskult der modernen Gesellschaft, der Sound eine tanzbare Mixtur aus Indie, Post Punk und Synthi-Pop. Der britische Guardian bezeichnete ihren Style als „coolsten Dance Punk nach LCD Soundsystem“.
Nach einem Auftritt beim Wiener Popfest 2022 präsentierten Friedberg im Dezember 2024 ihr erstes Album in Österreich, darunter auch im Wiener Szene-Club Flex am Donaukanal. Das britisch-österreichische Girl-Rock-Quartett legte los mit einem temporeichen Set aus älteren Songs und neuen Tracks wie „The Greatest“, „Better than we are“ oder dem von Fontaines D.C.-Produzenten Dan Carey arrangierten „My best friend“. Für beste Stimmung im prall gefüllten Flex sorgte das Überraschungs-Cover „Eisbär“ der Schweizer New Wave-Heroes Grauzone. Die jahrelang erprobte Live-Qualität Friedbergs zeigte sich vor allem bei ihrem Hit „Hello“, der mit Gitarrenriffs und Percussion-Beats kraftvoll verlängert wurde.
Im März düsen Friedberg übrigens im Rahmen ihrer ersten internationalen Headliner Shows nach Frankreich (Paris), Schweiz (Zürich) und Italien (Milan, Bologna), dann warten die ekstatischen Sommerfestivals. The Future´s so bright…They gotta wear shades…
Am 24. Oktober 2024 fand die konstituierende Nationalratssitzung statt, deren Zusammensetzung auf der Nationalratswahl vom 29. September basierte. Was viele nicht erwarteten: Die schwarz-grüne Regierungskoalition mit der gegen Ende schon verblassenden Trademark „das beste aus eiden Welten“ hielt bis zum Ende der fünfjährigen Legislaturperiode und konnte sogar mit einem Rekord aufwarten. Laut Parlamentskorrespondenz wurden seit den 70ern innerhalb einer Gesetzgebungsperiode nie mehr als 900 Gesetzesbeschlüsse verabschiedet. Im abgelaufenen Parlamentsjahr 2023/24 waren dies 214, einige wichtige fielen auch in das reformtechnisch nicht unproblematische Wahljahr.
Informationsfreiheit
So beschloss der Nationalrat mit der verfassungsrechtlich notwendigen Zweidrittelmehrheit endlich das Aus der Amtsverschwiegenheit, die seit 1925 (!) in der Verfassung steht. Ab September 2025 haben die Bürger ein Recht auf Information gegenüber dem Staat. Öffentliche Stellen sind außerdem verpflichtet, Informationen von allgemeinem Interesse wie in Auftrag gegebene Gutachten, Studien und Verträge zu veröffentlichen. Diese „proaktive Informationspflicht“ gilt allerdings nicht bei Gemeinden unter 5.000 Einwohnern (das sind rund 40 % der Bevölkerung). In diesem Fall müssen Interessenten individuelle Anfragen an die Gemeinden stellen, die innerhalb von vier Wochen beantwortet werden müssen. Gerade in kleinen Ortschaften, wo „jeder jeden kennt“, ein psychischer Hemmschuh für Bürger, Aktivisten und Bezirksjournalisten.
Baumhaftung
Neu geregelt wurde im ABGB die Baumhaftung. Bis zum 1. Mai 2024 galt hier eine Beweislastumkehr. Bei Schäden, die durch das Umstürzen von Bäumen oder das Herabfällen von Ästen entstanden, musste der Baumbesitzer nachweisen, dass ihn keine Schuld trifft. Dies führte zu zahlreichen „Angstschnitten“ vor allem in den Ballungsräumen. Gemäß dem neuen § 1319 b ABGB muss nun der Geschädigte nachweisen, dass der Halter des Baumes die erforderliche Sorgfalt vernachlässigt hat. Die individuelle Sorgfaltspflicht hängt dabei u.a. vom Standort, der Größe oder der Zumutbarkeit von Prüfungs- und Sicherungsmaßnahmen ab.
Psychotherapieausbildung
Akademisiert wird als letzter eigenverantwortlich tätiger Gesundheitsberuf die Psychotherapieausbildung. Ab 2026 wird an Universitäten und Fachhochschulen ein zweijähriger Masterstudiengang mit insgesamt 500 Ausbildungsplätzen angeboten. Voraussetzung für die Zulassung ist ein fachlich einschlägiges Bachelorstudium bzw. die Berechtigung zur Ausübung bestimmter Berufe. Diese inkludieren u.a. Psychologie, Medizin, Sozialpädagogik, psychosoziale Beratung und diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege.
Lehramtsstudien
Neu konzipiert wurden im Rahmen eines Hochschulrechtspakets die Lehramtsstudien. In Anpassung an das Bologna-Modell dauern bei der Primarstufe ab 2025/26, bei der Sekundarstufe (verkürzt) ab 2026/27 die Bachelorstudien 3 Jahre, die Masterstudien 2 Jahre. In der Sekundarstufe kann künftig ein Fächerbündel statt zweier Unterrichtsfächer oder eines Unterrichtsfachs und einer Spezialisierung absolviert werden.
Digitalisierungspaket
Für die Schulen selbst wurde von der schwarz-grünen Koalition ein Digitalisierungspaket beschlossen (inkl. digitale Zeugnisse und Schülerausweise). An allgemeinbildenden höheren Schulen wird die vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) durch eine abschließende Arbeit ersetzt. Das Format kann dabei frei gewählt werden, beispielsweise als Podcast, Multimediaprodukt, Skulpturen, Videoreportage oder empirische Erhebung.
Pflegepaket
Beschlossen wurde kurz vor der Sommerpause auch ein neues Pflegepaket. Im wesentlichen geht es dabei um eine Kompetenzenerweiterung für diplomiertes Pflegepersonal, Pflegefachassistenten und Heimhelfer. So dürfen ab September 2025 Angehörige des gehobenen Dienstes selbstständig Arzneimittel in den Bereichen Nahrungsaufnahme, Körperpflege und Pflegeintervention weiterverordnen. Heimhelferinnen dürfen künftig u.a. auch Blutdruck, Puls und Temperatur messen.
Tierschutz
Mehr als 400.000 Bürger unterstützten 2021 das Tierschutzvolksbegehren, deren Forderungen teils bei der schwarz-grünen Tierschutzgesetznovelle umgesetzt wurden. So wurde nicht nur das Qualzuchtverbot bei Heimtieren verschärft, sondern auch neue Tatbestände der Tierquälerei bei Vögeln und Reptilien hinzugefügt. Ab 1. Juli 2026 müssen Halter von Hunden, Amphibien, Reptilien und Papageienvögel einen verpflichtenden Sachkundenachweis absolvieren. Dieser erfolgt durch einen Kurs im Ausmaß von mindestens 4 Unterrichtseinheiten bzw. – bei Hunden – durch eine zusätzliche zweistündige Praxiseinheit.
Verbandsklage auf Schadenersatz
Neu eingeführt wurde aufgrund der Umsetzung einer EU-Richtlinie die Verbandsklage auf Schadenersatz. Eine Alternative für die in der Praxis angewandten „Sammelklage österreichischer Prägung“, bei der Einzelansprüche an diverse Rechtsträger abgetreten werden. Verbraucherschutzeinrichtungen können bei einer Unterstützung von mindestens 50 Verbrauchern Unternehmen auf Schadenersatz oder auf Unterlassung klagen. Zuständig ist für alle Verbandsklagen in erster Instanz das Handelsgericht Wien. Man darf gespannt sein, wie dieses neue Klageformat in Zukunft genützt werden wird.
Erhöhung des Verteidigungskostenersatzes
Balluch, Strache, Chorherr: Drei prominente Fälle, aber nur die Spitze des Eisberges von Angeklagten, die trotz eines Freispruchs in einem Gerichtsprozess vor dem Privatkonkurs bzw. finanziellen Problemen standen. Grund: Die hohen Anwaltskosten. Durch einen einstimmigen Beschluss im Nationalrat wurde jetzt endlich der staatliche Verteidigungskostenersatz bei Freisprüchen erhöht bzw. bei Einstellung von Ermittlungsverfahren eingeführt. Im Schöffen- und Geschworenengerichtsverfahren beträgt der Pauschalhöchstsatz jetzt 30.000 Euro (eine Versechs- bzw. Verdreifachung), im Einzelrichterverfahren am Landesgericht 13.000 Euro (Vervierfachung) und im bezirksgerichtlichen Verfahren 5.000 Euro (Verfünffachung). Bei längeren bzw. komplexeren Verfahren kann der Betrag um die Hälfte, bei extremem Umfang sogar auf das Doppelte erhöht werden. Wird das Verfahren eingestellt, beträgt der Verteidigungskostenbeitrag maximal 6.000 Euro (inkl. Erhöhungsmöglichkeiten). Im Justizbudget wurden dementsprechend die Mittel für den Kostenersatz verdreißigfacht.
Sicherstellung von Datenträgern
Eine wichtige Gesetzesnovelle wurde bereits durch den neuen Nationalrat im Dezember 2024 beschlossen, und zwar die Sicherstellung von Datenträgern (wie Handys, PC´s, Laptops,…). Die ursprünglichen Paragraphen wurden durch den VfGh aufgrund eines Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz und das Recht auf Privatleben als verfassungswidrig erklärt und traten mit 1.1. 2025 außer Kraft. Voraussetzung für die Sicherstellung von Datenträgern ist ab sofort eine richterliche Bewilligung. In dieser muss festgelegt werden, welche Datenkategorien und Dateninhalte zu beschlagnahmen sind und welcher Zeitraum davon umfasst ist. Sonderregelungen bestehen bei Gefahr im Verzug oder bei Zusatzfunden. Wie sich diese mit höherem zeitlichem Aufwand verbundenen neuen Bestimmungen in der Praxis bewähren, wird man sehen.
