Tourismus- und Image-Faktor: 25 Jahre Weltkulturerbe Wachau & Krems

Das historische Zentrum Roms wurde 1980 zum Weltkulturerbe erklärt, das mysteriöse Stonehenge 1986. Im Jahr 1999 entschied sich das Welterbekomitee u.a. für die bezaubernde Altstadt Ibizas, Dalt Vila. Und nur ein Jahr später, am 30. November 2000, durfte sich die Wachau inklusive der pittoresken Altstadt-Perlen Krems und Stein mit dem ehrenwerten Titel einer Weltkulturerbestätte schmücken. Insgesamt 1248 gibt es bis dato weltweit, 12 davon in Österreich.

 

Kulturlandschaft Wachau

 

Die damalige Begründung für das Weltkulturerbe „Kulturlandschaft Wachau“ kann nur jeden Einheimischen mit Stolz erfüllen:  „Die Wachau ist ein hervorragendes Beispiel einer von Bergen umgebenden Flusslandschaft, in der materielle Zeugnisse ihrer langen historischen Entwicklung in bemerkenswertem Maße erhalten geblieben sind.“ (Kriterium ii) „Die Architektur, die menschlichen Siedlungen und die landwirtschaftliche Nutzung des Bodens in der Wachau veranschaulichen eine im Grunde mittelalterliche Landschaft, die sich im Laufe der Zeit organisch und harmonisch entwickelt hat“. (Kriterium iv)

 

Das eingetragene Gebiet umfasst eine Fläche von 18.462 Hektar zuzüglich einer Pufferzone von 2.837 Hektar und inkludiert insgesamt 15 Gemeinden, von Melk im Westen bis Krems im Osten. In der Erklärung des Welterbekomitees wird insbesondere auf die kontinuierliche Entwicklung der Architektur (Kloster, Burgen, Ruinen), die Stadtplanung (Städte, Dörfer) und die landwirtschaftliche Nutzung (in Form von Wein- und Marillenbau) hingewiesen. Seit dem Jahr 2021 zählen auch Teile des Donaulimes in Mautern zum Weltkulturerbe, dort verlief einst die nördliche Grenze des Römischen Imperiums. Als besonders eindrucksvolle Gebäude der Barockzeit zählen die Klöster Göttweig und Melk. Man kann von Glück reden oder vielmehr den Widerstand jener Bürger in höchsten Tönen preisen, die in den 1970ern den Bau eines Wasserkraftwerks bei Rossatz gegenüber von Dürnstein verhinderten. Die Auswirkungen wären nicht nur auf den späteren Welterbestatus, sondern auch auf den Tourismus und das Lebensgefühl der Wachauer frappant gewesen.

 

Nächtigungszahlen um 30 Prozent gesteigert

 

Dass die Verleihung zum Weltkulturerbe zu einem Fremdenverkehrs-Boom geführt hat, das zeigen die Statistiken. Die Nächtigungszahlen haben sich laut dem Geschäftsführer der Donau Niederösterreich Tourismus GmbH, Bernhard Schröder, um rund 30 Prozent gesteigert. Pro Saison weist die Wachau ca. 800.000 Nächtigungen auf, 60 Prozent der Gäste kommen aus dem Ausland. Dürnstein mit seiner wunderschönen in den 80ern restaurierten blauen Kirche muss sich aufgrund des grassierenden Schifffahrtstourismus sogar mit dem Problem des „Overtourism“ konfrontieren, an manchen Tagen kommen bis zu 12.000 Besucher in die 800 (!)-Einwohner-Stadt. An Modellen der Besucherentzerrung wird ständig gearbeitet, im Winter 2025 punktet Dürnstein erstmals mit einem „schwimmenden Adventmarkt“.

 

Kultur- und Bildungsmetropole Krems

 

Auch die Stadt Krems konnte sich 2024 – trotz des Hochwassers im September – über ausgezeichnete Werte freuen. Die Nächtigungszahlen betrugen 248.764 und erreichten fast den Rekordwert von 2019 (256.523). Die fünftgrößte Stadt Niederösterreichs, 1986 bei der Landeshauptstadt-Wahl nur vom einwohnerstärkeren St. Pölten geschlagen, positionierte sich schon jeher als Bildungs- und Kulturmetropole. Dass das Welterbe-Etikett zusätzlich zu einem Push geführt hat, liegt allerdings auf der Hand. Die Kunstmeile zwischen Krems und Stein wurde u.a. durch das von Manfred Deix inspirierte Karikaturmuseum und den Marte-Monumentalbau der Landesgalerie Niederösterreich erweitert. Letztere zeigt aktuell in der Ausstellung „Unterwegs. Reise in die Sammlung“ Kunstwerke aus dem Weltkulturerbe Wachau, darunter das acht Meter lange „Panorama des Donautals mit der Ruine Dürnstein“ von Anton Hlavacek bzw. Gemälde von Maximilian Suppantschitsch, Tina Blau-Lang, Marie Egner und Anton Faistauer. Die Kunsthalle Krems feierte kürzlich ihr 30jähriges Jubiläum und beeindruckt derzeit mit der Solo-Exhibition des New Yorker Künstlers Jo Bradley. 

 

Im Jahr 2005 wurde der Campus Krems eröffnet, der heute neben der bereits 1994 gegründeten Donauuniversität Krems die IMC Hochschule für Angewandte Wissenschaften und die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften umfasst. Rund 12.000 Personen studieren auf dem 50.000 m2 großen Areal, das auch das attraktive Programm-Kino im Kesselhaus und eine Filmbar inkludiert. Neue Zielgruppen, die allerdings von der Stadt Krems sträflich vernachlässigt werden. Vor allem hinsichtlich der Infrastruktur in den Bereichen Unterhaltung und Nightlife steht man allerdings seit Jahrzehnten auf der Bremse. 

 

Fehlende Unterhaltungsangebote

 

Ein Theater, ein hipper House Club, eine Donaubühne oder eine moderne Veranstaltungshalle für Konzerte, Bälle, Kabaretts und das alljährlich stattfindende Donaufestival: Alles Fehlanzeige in der Wachaumetropole Krems. Hier geht es nicht um das ob, sondern um das Wann (so schnell wie möglich) und um das Wie. Parteipolitische Streitereien (wie beim im Sommer 2026 neu eröffneten Hallenbad und der geplanten Errichtung einer Event-Location in der Dominikanerkirche) haben hier nichts verloren. 

 

Das Weltkulturerbe ist ein wichtiger Image- und Prestigefaktor für eine Stadt und eine Region. Dieser Wettbewerbsvorteil darf allerdings nicht durch fehlende Investitionen in Unterhaltung, Freizeit und Kultur verspielt werden…