„Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute“ – Geflügelte Worte aus einem literarischen Meisterwerk und gleichzeitig ein schlagkräftiger Marketingslogan für die 600.000 Einwohner-Stadt Sachsens. Der geistige Schöpfer Johann Wolfgang von Goethe, das Drama „Faust“, beide untrennbar verbunden mit Leipzig.
Der gebürtige Frankfurter Goethe kam 1765 nach Leipzig, um dort auf Anraten seines Vaters Jura zu studieren. Doch schon bald lockte die attraktive und weltoffene Stadt mit verführerischen Ablenkungsangeboten. Goethe lernte seine erste Liebe kennen, die Wirtshaustochter Käthchen Schönkopf, besuchte das Theater „Komoedienhaus auf der Rannischen Bastei“ und trieb sich gerne mit seinem Freund Behrisch in diversen Wein- und Bierlokalen herum. Das berühmteste: Der Auerbachs Keller im Zentrum Leipzigs in der Grimmaischen Straße 2-4, eröffnet 1538 durch den Arzt und Universitätsrektor Heinrich Stromer (aka „Dr. Auerbach“). Dieser wurde nicht nur zur Stammkneipe Goethes, sondern auch zur Inspiration für seine „Faust“-Dramen. Dort im Keller hing nämlich ein altes Wandbild der Sagenfigur Dr. Faust, wie dieser auf einem Fass herumreitet. Viele Jahre später machte sich Goethe den Faust-Stoff zu eigen und veröffentlichte 1805 den ersten Teil der Tragödie. Teil 2 wurde 1832 kurz nach seinem Tode publiziert.
Auerbachs Keller im „Faust“
Im ersten „Faust“-Drama spielt der Auerbachs Keller (als einziger real existierender Ort des gesamten Werks) eine besondere Rolle. Der Teufel Mephisto schleppt den depressiven Dr. Faust in eine „lustige Gesellschaft“, feiert dort mit armen Studenten und lässt aus einer Tischplatte Wein fließen. Die Stimmung eskaliert, als der Wein verschüttet wird und eine Flamme aufsteigt. Nach einem weiteren Zaubertrick verlassen Faust und Mephisto die Kneipe, einer der verblüfften Studenten fabuliert den berühmten Satz „Ich hab ihn selbst hinaus zur Kellertüre – Auf einem Fasse reiten sehn“.
Hot Spot Auerbachs Keller
Der reale Auerbachs Keller wurde 1913 im Rahmen des Abbruchs der darüberliegenden mitteralterlichen Bebauung saniert und erweitert. Er besteht jetzt aus dem neuen „Großen Keller“ und den vier historischen Weinstuben (Fasskeller, Lutherzimmer, Goethezimmer, Alt-Leipzig), die zu besonderen Anlässen geöffnet werden. Der Zugang liegt jetzt in der neu errichteten Mädlerpassage. Vor den Eingängen wurden zwei Skulpturengruppen des Bildhauers Mathieu Molitor aufgestellt, die eine zeigt Faust und Mephisto, die andere drei durch Mephisto verzauberte Studenten. Ein Selfie-Hot Spot nicht nur für Touristen vor der legendären Inschrift „Wer nach Leipzig zur Messe gereist, ohne auf Auersbachs Hof zu gehen, der schweige still, denn das beweist: Er hat Leipzig nicht gesehn.“
Goethe selbst lebte von 1765 bis 1768 in Leipzig, er wohnte an der Ecke Grimmaischen Straße/Neumarkt gleich in Nähe des Auerbachs Kellers (wo heute das Galeria Kaufhaus steht). Ein Goethedenkmal ziert den Naschmarkt vor der Alten Börse in der Innenstadt Leipzigs, das von Carl Seffner 1903 geschaffen wurde. Goethe wird dabei als Student dargestellt, der mit einem Buch in der rechten Hand durch die Stadt schreitet. Kongenial Richtung Auerbachs Keller.
Fertigstudiert hat Goethe in Leipzig nicht, er verließ die Stadt 1768 nach einer lebensgefährlichen Magenerkrankung. Abgeschlossen hat Goethe das Jurastudium 1771 in Straßburg, bevor er sich nach kurzer juristischer Praxis auf seine Karriere als Dichter und Schriftsteller konzentrierte. Eine kluge Entscheidung.







