Es begann in Leipzig: Die Friedliche Revolution im Herbst 1989

Der 9. November 1989 gilt als eines der wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts und ist Bestandteil vieler Dokumentationen, Diskussionsrunden und historischer Abhandlungen. Und das natürlich zu Recht. Der Fall der Berliner Mauer und die damit verbundene Wiedereinführung der Reisefreiheit zwischen Ost- und Westdeutschland ebneten den schnellen Weg zur deutschen Einigung, die bereits am 3. Oktober 1990 rechtlich abgesegnet wurde. Dass die 530.000-Einwohnerstadt Leipzig bei der sogenannten „Friedlichen Revolution“ eine maßgebliche Rolle spielte, ist weniger bekannt.

 

Die ersten Versammlungen fanden bereits 1982 in Form von Friedensgebeten in der Nikolaikirche statt: Die älteste Kirche Leipzigs aus dem 12. Jahrhundert mit großem Kirchhof und Brunnen. Einer der Protagonisten der Pfarrer Christian Führer, von dem auch der Slogan „Offen für alle“ stammte. Die ersten größeren Demonstrationen fanden Ende 1988 statt. Die beteiligten Personen forderten Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit in der DDR, zahlreiche Systemkritiker wurden von der Volkspolizei verhaftet. Im September wurde der Nikolaikirchhof von der Volkspolizei abgeriegelt, wieder gab es zahlreiche Festnahmen. Das Motto von Pfarrer Christoph Wonneberger beim Friedensgebet: „Wer andere willkürlich der Freiheit beraubt, hat bald selbst keine Fluchtwege mehr!“

 

Am 9. Oktober 1989 sollte sich die Lage dann komplett drehen. Die „Leipziger Sechs“, denen auch der 1. SED-Bezirkssekretär für Kultur und zwei weitere Bezirkssekretäre angehörten, appellierten für Gewaltlosigkeit und forderten einen freien Meinungsaustausch. Am Karl Marx-Platz (heute: Augustusplatz) versammelten sich über 70.000 Menschen und skandierten „Wir sind das Volk“ und „Keine Gewalt“. Volkspolizei und Stasi schritten zum ersten Mal nicht ein, die Versammlung löste sich ohne SED-Eingriff um 2030 Uhr auf. 

 

Ein Ostberliner Kamera-Team filmte - trotz einer Strafdrohung von bis zu 12 Jahren wegen Agententätigkeit – die Demonstration und versendete die sensationellen Aufnahmen zu den ARD-Studios. Ein Motivationsschub für alle Systemkritiker landesweit. Bei der nächsten Montagsdemonstration waren bereits 160.000 Menschen auf den Straßen Leipzigs unterwegs. Die größte Demonstration fand 3 Monate vor dem Mauerfall am 6. November mit 400.000 Menschen statt.

 

Wer sich heute über diese spannenden Monate der deutsch-deutschen Geschichte genauer informieren will, der sollte einen Ausflug in die hippe Kultur-Metropole Sachsens planen. Neben einem direkten Lokalaugenschein in den Straßen und Gassen der Stadt empfiehlt sich vor allem das Zeitgeschichtliche Forum in der Grimmaischen Straße und das Museum zur Runden Ecke, in dem einst die Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit untergebracht war. Im Dezember 1989 wurde dieses von einem Bürgerkomitee besetzt, um die Vernichtung der Stasi-Akten zu verhindern. 

 

Auf dem Augustusplatz erinnert seit dem 9. Oktober 2009 die 150 cm große Demokratieglocke an die Friedliche Revolution. Jeden Montag schlägt sie genau um 18.35 Uhr zwölfmal. Genau zu dieser Zeit begann einst die legendäre Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989.