Foto-Festival La Gacilly 2026: Swinging Great Britain in Baden!

„Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, bist du nicht nah genug dran“, die Maxime des Kult-Fotografen Robert Capa, Mitbegründer der Agentur Magnum und bekanntester Kriegsfotograf der Welt. Er starb übrigens durch einen Tritt auf eine Landmine in Vietnam. So gefährlich ist das Terrain der neuesten Edition des La Gacilly-Festivals in Baden nicht. 

 

Das größte Outdoor-Fotofestival Europas (das seit 2018 in Zusammenarbeit mit der französischen Gemeinde La Gacilly stattfindet) zeigt auf einer Route von rund 7 Kilometern über 30 Einzelausstellungen, unterteilt in eine Garten- und in eine Stadtroute quer durch die UNESCO-Weltkulturerbestadt. Baden. Im Jahr 2025 besuchten über 330.000 Menschen – bei freiem Eintritt - das Festival.

 

Viele Shots von Robert Capa, darunter auch Fotos von Hemingway, Picasso und Steinbeck, sind dieses Jahr vertreten, dazu Naturaufnahmen von Helmut Habersack unter dem Projektnamen „Wasser ist Leben“, Animals in the City von Corey Arnold oder Fotos vom 24 Stunden-Leben am Flughafen Wien-Schwechat. Der Großteil der Fotoausstellungen bezieht sich allerdings auf Großbritannien, das leicht ironische Motto „So British“ lässt schon den schelmenhaften Unterton erkennen, dass die Briten ein Völkchen mit speziellen Eigenschaften und Macken sind. Das widerspiegelt sich am besten in den Aufnahmen von Peter Dench im Doblhoffpark, die von exzessiver Royal Family-Verehrung bis hin zu elitären Polo-Treffen und sonnenverbrannten Rücken von Strandgästen reichen.

 

Der Zufall will es, dass sich gerade dieses Jahr der Brexit zum zehnten Mal jährt. Am 23. Juni 2016 stimmten 51,91 % für einen Austritt Großbritanniens aus der EU, der tatsächliche Austritt fand dann am 1. Februar 2020 statt. Dieses politische Himmelfahrtskommando steht allerdings (zum Glück) nicht im Mittelpunkt der Ausstellungen in Baden. Präsentiert wird Großbritannien als Epizentrum der Popkultur, der Mode, des Fußballs und des exzentrischen Lifestyles. Die Ausstellungen von Mary Turner und Don McCullin im Gutenbrunner Park dokumentieren die sozialen Missstände in England, auf verarmte Familien, triste Kindheiten, heruntergekommene Pubs, verlassene Fabriken, Arbeitslosigkeit, Einsamkeit und Obdachlosigkeit. 

 

„Mein Leben ist ein Tanz mit der Kamera durch die Welt“, die deutsche Modefotografin Esther Haase. Eines ihrer Projekte: „Rock´n Old“, die Kostüme dazu lieferten Studenten aus Vivienne Westwoods Berliner Modeklasse. „Vivienne, Andreas and Me“, so heißt ihre Ausstellung in der Badener Sparkassenpassage direkt im Ortskern. Inklusive Aufnahmen von der im Dezember 2022 verstorbenen Fashion-Ikone und ihrem Ehemann Andreas Kronthaler, der ihr Modehaus weiterführt. Unmittelbar daneben im Kaiserhausgarten platzierten die Kuratoren eine monumentale Gitarre, die auf die Ausstellung des Queen-Gitarristen Brian May hinweist. Kein „We will rock you“ oder „We are the Champions“, sondern eine Stereofotografie-Exhibition über „Adventures in Hell“. 

 

Rund um das Besucherzentrum am Vorplatz der Römertherme zentrieren sich die britischen Sonderausstellungen des La Gacilly-Festivals. Josh Edgoose und Martin Parr transferieren die Besucher mit grellen Street Shots ins „Swinging London“ der Gegenwart, während der bereits 1972 verstorbene Kult-Fotograf Tony Ray-Jones mit Schwarz-Weiß-Bildern die coole Sixties-Atmosphäre Brightons ins Visier nimmt. Die „Legenden der Rockmusik“ stehen im Mittelpunkt der Exhibition Terry O´Neills: Rolling Stones, Beatles, Elton John, The Who, natürlich David Bowie und die mit 27 verstorbene Amy Winehouse. Selfie-Alarm vor den großformatigen Kult-Fotografien.

 

Die Pilzköpfe, die sind auch Thema zweier weiterer Ausstellungen im weiträumigen Open-Air-Gelände. Der Fotograf (und heutige Filmproduzent und Technik-Oscar-Preisträger) Christian Skrein präsentiert seine Fotoaufnahmen über die Beatles-Dreharbeiten zum Film „Help“ im Skiort Obertauern. Dort spielte das Quartett übrigens sein einziges (!) Konzert in Österreich, im Hotel Marietta. Der französische Designer und Plakatkünstler Michel Bonvet dagegen erstellte surrealistische Cover zu den einzelnen Songs der Beatles. Ein farbenfroher, knalliger Parcours, bei dem nur eines fehlt: Der Sound der Beatles als Background. 

 

Und was darf bei einer britischen Ausstellung natürlich nicht fehlen? „It´s coming home, Football´s coming home“. „The Beautiful Game“, so betitelte der britische Fotograf Mike Taylor seine Foto-Serie, Abgelichtet wurden Fußball-Fans bei Live-Fußball-Übertragungen in englischen Pubs, im Rausch ihrer Emotionen. Für eines seiner Fotos erhielt Taylor 2025 den CEWE- Street Photo Award. Das tröstet – zumindest ein wenig – darüber hinweg, dass 2026 – 60 Jahre nach dem englischen Weltmeistertitel 1966 – im Halbfinale Schluss war für Kane, Bellingham & Co.. Immerhin winkt bereits die EM 2028, mit United Kingdom (und Irland) als Veranstalter und London als Finale-Location. Cheers!!!