Erste Austrian Headliner-Show: 90´s-Indie Heroes Garbage live in der Wiener Arena

Ein warmer Sommerabend in der Wiener Arena. Das mystische Laura Palmer-Theme aus der Kult-Serie „Twin Peaks“ quillt aus den Lautsprechern und geht nahtlos über in die stakkatoartigen Parolen „If you´re ready for love“ und „Love Love Future“. Die Hook-Lines aus dem neuen Garbage-Hit „There´s no Future in Optimism“. Die Stimmung im Publikum und die Message der Lead-Sängerin Shirley Manson sind tatsächlich eine andere. Es geht um Hoffnung, Resilienz und den stetigen Kampf um eine bessere Welt. „Ich muss Hoffnung haben. Je älter ich werde, desto mehr Freunde verliere ich. Die Uhr tickt auch für mich. Deshalb muss ich tiefer graben, um dem allen noch einen Sinn abzugewinnen“, so Manson in einem „Musikexpress“-Interview. 

 

Die US-Band Garbage existiert bereits seit den 90ern Jahren. Einer der Band-Gründer: Schlagzeuger Butch Vig, Produzent des legendären „Nevermind“-Albums und von Künstlern wie Smashing Pumpkins und Sonic Youth. Gemeinsam mit den Gitarristen Steve Marker und Duke Erikson entdeckte er Manson bei einer Ausgabe von MTV´s 120 Minutes, in der ein Video ihrer damaligen Band Angelfish ausgestrahlt wurde. Bereits das erste 1995 erschienene Album, schlicht „Garbage“ benannt, wurde in England und den USA zum Megaseller. Der Single-Hit „Stupid Girl“ ist ebenso wie die Debüt-Single „Vow“ und  „I think I´m paranoid“, der Hit aus dem zweiten Album „Version 2.0“ (1998), bereits im ersten Teil der Live-Show zu hören. Ein melancholischer und gleichzeitiger explosiver Rückblick auf den Sound der 90er, die Zeit scheint fast stehengeblieben zu sein. Schwarzer Mantel, coole Stiefel, blonde Mähne, Shirley Manson (die im August ihren 60. Geburtstag feiert) wirkt noch immer wie das Indie-Grunge-Girl der Nineties. Der heutige Auftritt in der Open-Air-Arena sei die erste Headliner-Show von Garbage in Österreich, schmettert sie ins Mikrofon. Und ist sichtlich begeistert über den antifaschistischen und antikapitalistischen Geist der Location. Ein tolles Kompliment zum 50 Jahre-Jubiläum der Wiener Institution. 

 

Das neue Album „Let all that we imagine be the Light“ wurde aufgrund einer schweren Hüftoperation von Shirley Manson anders wie bisher aufgenommen. Die Band hat die Demos im Studio separat eingespielt und dann der Sängerin geschickt, die nachträglich ihre gesellschaftskritischen Texte konzipierte. Vor allem das rockige „Chinese Fire Horse“ und das intime „The Day that I met God“ zählen zu den Highlights der neuen Garbage-Show, bei der neben den ursprünglichen Mitgliedern die ehemalige Smashing Pumpkins-Bassistin Nicole Fiorentino für Stimmung sorgt. 

 

Die Fans der alten Stunde werden allerdings nicht im Stich gelassen: „Push it“, „Special“, „Cherry Lips“ oder „When I grow up“, allesamt auch Hits der MTV-Ära, stehen fix auf der Setlist. Und als Final Track das unwiderstehliche „Only happy when it rains“. Laut Butch Vig eine ironische Replik auf die negativen Liedinhalte der damaligen Alternative Rock-Szene. In der begeisterten Wiener Arena hat es an diesem Tag auf jeden Fall nicht geregnet…