„Laute Nächte“: So heißt der neue Roman der Münchner Schriftstellerin Anne Freytag. Was das Buch besonders für Wiener bzw. Wien-Fans interessant macht, es spielt nicht nur, aber hauptsächlich in der österreichischen Bundeshauptstadt. Kein Wunder, dass die Autorin von der Thalia-Buchhandlung Wien Mitte für einen Präsentationstermin eingeladen wurde. Der mit Glück eingehalten wurde, denn aufgrund eines Zugausfalls der Deutschen Bahn kam Freytag gerade einmal 90 Minuten vor der Buchvorstellung am Wiener Hauptbahnhof an.
Anne Freytag hat eigentlich International Management studiert, hat sich dann aber während der Wirtschaftskrise nach vergeblichen Bewerbungen zur Grafikdesignerin umschulen lassen und das gemacht, was eigentlich ihr Traum war: Das Schreiben. Die Liste ihrer Releases ist lang und reicht von Romances (unter Pseudonymen), Jugendromanen bis hin zu Spannungsromanen. Für ihr letztes Buch „Blaues Wunder“ (das in Kürze als Taschenbuch veröffentlicht wird) erhielt sie den Glauser 2026, den renommiertesten deutschsprachigen Krimipreis.
Hauptfigur in ihrem dritten Roman „Laute Nächte“ ist der junge Kenni, dessen Freundin Jasmin bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist. Dieser flüchtet aus seinem bisherigen Leben, weil er dort immer mit diesem traurigen Vorfall konfrontiert wird. Warum gerade nach Wien? Das war laut der Autorin so eigentlich gar nicht geplant. Die Geschichte hätte eigentlich in Schweden spielen sollen, dies habe aber nicht funktioniert.
Eigentlicher Initialzünder des Romans ist die Figur Paul Brenner, die Freytag für einen nie veröffentlichten Roman erschaffen hat. Ein ehemaliger erfolgreicher Tennisspieler, der den Sport aufgegeben und mit Depressionen zu kämpfen hat. Wien hat sich durch die Einladung eines befreundeten Autors ergeben und durch eine persönliche Lücke in Freytags Biographie: Die Münchnerin wollte einst in Wien studieren, bekam aber keinen Studienplatz. Die Studenten-WG wurde zwar nicht Realität, jetzt aber Fiktion: Paul Brenner als Vermieter einer 230 m2-Wohnung, als Mitbewohner Kenni, die ruhige Julia und die kommunikative Elif. Mit der Kenni die Reise nach Frankreich unternimmt, die er eigentlich mit seiner verstorbenen Freundin machen wollte. Mitten im Roman erfolgt ein zeitlicher und örtlicher Sprung. Es sind 10 Jahre vergangen, Kenni hat eine neue Freundin namens Nathalie und veranstaltet seine erste Vernissage in einer Züricher Galerie. Geladen ist auch Paul, der Elif überraschend mitnimmt. Die Bilder zeigen verräterisch, wer das Motiv für seine Kreationen war.
Kleine Spoiler aus den ausgewählten Lesestellen der Autorin, die Lust auf mehr machen. „Laute Nächte“ ist unterhaltsam-emotional geschrieben und enthält sympathische Charaktere, die auf ihrem Lebensweg vor schwierige Entscheidungen gestellt werden. Ein idealer Roman für den Sommer 2026, egal ob am Strand, im Park oder auf dem Balkon…



