Man kann es eigentlich kaum glauben, aber Florian Scheuba ist bereits seit 1981 (!) im Kabarett-Geschäft. Damals noch als Teil der „Hektiker“, mit denen er 17 Programme konzipiert hat. Besondere Popularität erlangte er als Staatskünstler gemeinsam mit Thomas Maurer und Robert Palfrader. Gegründet wurde diese bis heute bestehende Formation bei der Ablesung der Grasser-Meischberger-Telefon-Abhörprotokolle im Rahmen der BUWOG-Affäre. Politische Missstände stehen neben gesellschaftlichen Entwicklungen auch im Mittelpunkt seines dritten Soloprogramms „Schönen guten Abend“, das er kürzlich wieder im Stadtsaal präsentierte. Prominenter Gast im Publikum: „Hektiker“-Kollege Viktor Gernot.
„Keep on Rockin´ in the Free world“ ertönt es da zu Beginn des Programms. Und man fragt sich nach einigen Minuten, ob man nicht die Musik so lautstellen sollte, dass man von dieser Welt nichts mehr mitbekommt. Die (nicht alternativen) Fakten dazu liefert Scheuba, der „Investigativjournalist“ unter den Satirikern. Eine Berufsgruppe, die unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit bisher von gerichtlichen Klagen und politischen Interventionen großteils verschont wurde. Doch diese Zeiten haben sich verändert. In Amerika wurde kürzlich die Late Show des Trump-Kritikers Stephen Colbert eingestellt. In Österreich landeten Malarina, Die Tagespresse und Scheuba selbst vor Gericht. Dieser lässt sich davon nicht entmutigen und gibt auf der Showbühne seine Antwort: „Kabarettisten zu klagen ist so, wie die Betreiber eines Spiegelkabinetts wegen Bodyshamings zu verklagen“.
Die Bilanz über die österreichische Politik fällt desaströs aus. Alles gehe den Bach runter, die geistige Umnachtung sei altersunabhängig, und über dem Land schwebt ein Damokleszwerg. Die Schuld gibt Scheuba den ehemaligen Großparteien SPÖ und ÖVP, kongenial dargestellt durch ihre einstigen Granden Gusenbauer und Konrad. „Wir werden die Reformen nicht mehr erleben, das haben wir mit den Jugendlichen gemeinsam!“ Das sitzt.
Im Kreuzfeuer der Kritik steht natürlich US-Präsident Trump. „Der hält sich selbst für einen Comedian, die sind aber freiwillig komisch.“ Sein Vizepräsident JD Vance, der legt die Wahrheitskriterien gleich unverblümt auf den Tisch. „Wenn es darum geht, Geschichten zu kreieren, um in die Medien zu kommen, dann werde ich das tun.“ Eine „Expertenregierung“ wie in den USA sei aber auch in Österreich möglich, Wirtschaftsminister Benko, Frauenminister Fellner, Finanzminister Grasser, Justizminister Böhmdorfer oder Außenministerin Kneissl. Halt, „die letzten drei warens ja wirklich.“ Durch die Analyse statistischer Umfragen kommt Scheuba auf bizarre Feststellungen: 80 Prozent der Befragten sind zuversichtlich hinsichtlich ihrer persönlichen Entwicklung, aber nur 23 Prozent bezüglich der Entwicklung der Gesellschaft. „Die Welt geht unter, aber mich nichts an“ – So heißt übrigens auch das im September 2026 erscheinende Buch des Satirikers.
Meinungsfreiheit, IS-Schläfer, die Künstliche Intelligenz („Schamgefühl, weil sie vom Menschen abstammt“), seltsame Begründungen in Umweltprozessen und politische Deadbots a la Kreisky und Haider, einige weitere Themen in der 100 Minuten-Show. Und immer wieder stellt sich die Frage: Warum werden die aktuell herrschenden Politiker gewählt? Florian Scheuba prägt dabei den Begriff des „Sadopopulisten“. Die (meist) rechtsgerichteten Politiker versprechen den Wählern nicht, dass es ihnen künftig besser, sondern dass es anderen schlechter geht. Den Menschen sei der Sinn des Lebens abhandengekommen. Er empfiehlt in einem besinnlichen Abschluss Richtung Himmelsgestirn zu blicken und sich negativer Gedanken zu befreien. Das mag für die Stadtsaal-Besucher nachvollziehbar sein, rund 30 bis 40 Prozent der Menschen sind derzeit für solche Botschaften intellektuell nicht erreichbar. Leider…



