21. Solo-Programm: Thomas Maurer im falschen Film

Blickt man auf die aktuelle Weltlage und die führenden politischen Protagonisten, dann würde man sich wünschen, man sitze nur im falschen Film. Das hat sich vermutlich auch Thomas Maurer gedacht, der sein 21. Solo-Programm mit dieser Trademark benannt. Der umtriebige Kabarettist, der zuletzt mit den Staatskünstlern („Alte Hunde, neue Tricks“) und seiner Kafka-Hommage „Maurer.Kafka.Komisch“ den Rabenhof gefüllt hat, bleibt seiner Inhaltskonzeption treu. Im Mittelpunkt stehen die globalen Krisen, die Gesellschafts- und Technologiekritik bzw. die sozialen Medien, die österreichische Innenpolitik bleibt – abgesehen einiger bissiger Kommentare – der gemeinsamen Kuratel mit Florian Scheuba und Robert Palfrader vorbehalten. 

 

Stattdessen residiert der Italien-Fan Maurer im Wiener Stadtsaal vor einer Espresso-Maschine und zieht Parallelen zwischen dem 007-„Moonraker“-Bösewicht Hugo Drax und Milliardär und Space X-Gründer Elon Musk. „Einer, der bei Krieg der Sterne vermutlich zu Darth Vader gehalten hat“. „Tech Bros“ nennt Maurer die Herren Musk, Bezos, Zuckerberg und Thiel, nicht „Friends“, denn „Zwischenmenschliches sei diesen fremd wie uns die Quantenphysik“. Der Peter Thiel, der „schaue gar nicht gut aus, wolle aber den Tod abschaffen“. Der Konnex zu einem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler darf nicht fehlen, „kurzfristig habe dieser sogar den Kurz geleast.“ Da stellt sich natürlich für den Cineasten Maurer die konkludente Frage: „Wo ist der James Bond, wenn man ihn braucht?“

 

Maurer schafft durch teils skurrile Abschweifungen den Spagat zwischen den unterschiedlichsten Themen, und so landet das Publikum nach einem Ausflug in die unendliche Galaxis unmittelbar beim nicht nur rustikalen „Leichenschmaus“. Für Maurer ein arges Wort, das ihn an den 70er-Zombie-Film „Die Nacht der schmausenden Leichen“ erinnert. Ob der tatsächlich existiert, sei dahingestellt. Wissenschaftliche Experten und Virologen stellt er auf eine amüsante Stufe mit Installateuren, die seinen verstopften Siphon reparieren sollen. In dem Sinne, dass man von dieser Materie keine Ahnung habe und eigentlich gar nicht hören wolle, was kaputt sei. 

 

Der seit 1988 (!) künstlerisch tätige Kabarettist kann trotz der gegenwärtigen Probleme die „Weltuntergangsstimmung“ nicht ganz nachvollziehen. Schon gar nicht den Wunsch von 37 Prozent, die die FPÖ in der Regierung sehen wollen. „Anscheinend „ist uns allen fad im Schädel“. Kritik an der Selfie- und Influencer-Kultur darf natürlich nicht fehlen. „Hallo Stadtsaal!“, „Hallo Maurer“: Lächerlicher und treffender kann man die Instagram-Upload-Szenarien nicht darstellen. Das waren noch Zeiten, als man den neuen Commodore-PC mit dem Computer-Führerschein in Verbindung gebracht hat oder das Internet das Image einer „unüberwachbaren, dezentralen, fröhlichen Spielwiese“ hatte.

 

„Der Tod ist kein Karrierehindernis mehr“, und so tauchen beispielsweise Peter Cushing (als Kommandant des Todessterns) und Carrie Fisher (als Prinzessin Leia) posthum in Star Wars-Verfilmungen auf. Andere wiederum ließen sich digital um 40 Jahre verjüngen. Dass sich Robert de Niro und Al Pacino in der Scorsese-Verfilmung „The Irishman“ „nicht einmal selbst ähnlich sahen“, ist eine andere Frage. 

 

Optimismus und Humanismus sind trotzdem angesagt, vor allem dann, wenn die Realität die Fiktion in die Schranken weist. Williams Goldings „Herr der Fliegen“, das Lieblingsbuch von Maurers Lehrer und aktuell in einer Serienadaption auf Sky zu sehen, erzählte über die gefährliche soziale Entwicklung einer Gruppe von Jugendlichen, die nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel landeten und sich bald gegenseitig bekriegten. Die Wirklichkeit kann allerdings auch anders aussehen. Bei einem 1965 tatsächlich stattgefundenen Vorfall strandeten sechs Internatsschüler nach einem Schiffbruch auf einer Tonga-Insel und hielten dort bis zur ihrer Rettung 15 Monate später zusammen wie Pech und Schwefel. Maurers Conclusio: „Man muss kein totales Arschloch sein, um zu überleben“. Schlussapplaus, der Vorhang fällt…