22 Jahre ist es her, seit Franz Ferdinand zum ersten Mal in Wien auftraten. Aufgrund des großen Hypes – die Breakthrough-Single „Take me out“ und ihr Debüt-Album stürmten die Top 3 der UK-Charts – musste das Konzert vom Flex in die Open Air Arena verlegt werden. Blickt man im März 2026 in das ausverkaufte Wiener Gasometer, dann scheint es so, als ob die Zeit stehengeblieben ist.
Tatsächlich ist Sänger und Mastermind Alex Kapranos, smart gekleidet mit Samthose und gelber Jacke, bereits 54, stimmlich und stage-athletisch aber in Höchstform. Die Band, gegründet 2002 aus einer illustren Schar von Art-School-Studenten im schottischen Glasgow, ist allerdings – mit Ausnahme von Kapranos und Bassist Bob Hardy – eine andere. Nick Mc Carthy ist aus familiären Gründen 2016 ausgestiegen. Der Gitarrist und Co-Vocalist hat nicht nur den energetischen Sound, sondern durch seine deutschen Wurzeln auch den eigentümlichen Namen der Band (abgeleitet vom 1914 erschossenen Thronfolger Franz Ferdinand) geprägt. Es folgten 2017 Gitarrist Dino Bardot und Keyboarder Julian Corrie. 2021 ersetzte Audrey Tait den bisherigen Drummer Paul Thomson. Das im Jänner 2025 erschienene sechste Album „The Human Fear“ war – nach dem Best of-Album „Hits to the Head“ – das erste gemeinsame Full-Release. Die Chemie allerdings stimmte nach einer langen Tour perfekt, die neuen Songs, die sich thematisch auf die Ängste von Menschen beziehen, wurden in wenigen Takes nahezu live eingespielt.
Die Europa Tour 2026 steht unter dem Motto „Greater Glasgow European Cultural Exchange“, und dieser kulturelle Austausch ist mit zahlreichen Sold-Out-Shows und Fan-Hysterie everywhere mehr als gelungen. Die ersten „Take me out“-Riffs, die hört man im Wiener Gasometer bereits als Gag beim Support der französischen Indie-Formation „Irnini Mons“. „We are proud, you know one of our Songs“, so Sänger Guillaume Carle scherzend nach dem Applaus in der Crowd.
Franz Ferdinand selbst betreten – nach einem Intermezzo von Motörhead-, Lady Gaga- und Abba-Songs - die Stage und starten mit „The Dark of the Matinee“ aus dem Jahr 2004 die Indie-Party. „I was musician all the time, it makes me feel alive, it´s the greatest thing to do“, so Sänger Kapranos in einem Interview, der mit 14 bereits seine ersten Songs schrieb, aber erst mit 31 sein Debüt-Album „Franz Ferdinand“ veröffentlichte.
Gleich sechs Tracks aus diesem 2004 mit dem Mercury Prize ausgezeichneten Album stehen auf der Setlist der Show. Kreativität und Innovation sind für die Band aber immens wichtig, das hört man an den neuen Songs, die sich nahtlos in das Live-Inferno einfügen: Die erste Singleauskopplung „Audacious“, ein Favourite des Bassisten Bob Hardy, der mitreißende Party-Song „Night or day“ mit den uplifting Lyrics „Life is never going to be easy. But if you're living it with me. We're gonna livе it up night or day“, die Johnny Marr-Kollaboration „Build it up“ oder der verführerische Synthi-Track „Hooked“. Zeilen wie „I thought I knew what love was and then I met you“ dürften auch Kapranos´ nunmehrige Ehefrau Clara Luciani, eine französische Sängerin aus dem La Femme-Netzwerk, überzeugt haben. Der charismatische Leadsänger wirbelt 90 Minuten lang über die Bühne und peitscht das begeisterte Publikum auf. Zu den Höhepunkten zählen natürlich die Superhits „Do you want to“ und „Walk away“ (aus dem laut Kapranos überhastig releasten zweiten Album „You could have it so much better“), „Love Illumination“ (2013) und der Signature Song der Band, „Take me out“. Ein subtiler Appell, „Feel the Moment and leave your phones in the pocket“, darf nicht fehlen.
Als Abschluss-Tracks winken noch die Debüt-Single „Darts of Pleasure“ und der traditionelle Final-Track „This fire is out of control. We're gonna burn it“, dann ist die exzessive Franz Ferdinand-Show zu Ende. Einziger persönlicher Wermutstropfen: Der bezaubernde Indie-Sirtaki-Song „Black Eyelashes“, inspiriert durch Kapranos´ griechische Wurzeln väterlicherseits, stand dieses Mal nicht auf der Setlist. Maybe next time…









