Am Tor zum Atlantik, mehr als 300 Sonnentage im Jahr: Kein Wunder, dass der Sonnenuntergang in Porto zu den schönsten der Iberischen Halbinsel zählt. Es hat schon eine gewisse „Täglich grüßt das Murmeltier“-Atmosphäre, wenn sich bei Dämmerungsbeginn die Einwohner und natürlich die Touristen an den beiden Ufern des Douro versammeln. Straßenmusiker versuchen sich als „Harry Styles-Verschnitt“, es läuft poppiger Latin-Pop-Sound aus diversen Boxen, die Young Generation sitzt auf einem Hügel der auf dem südlichen Ufer liegenden Stadt Vila Nova de Gaia und knüpft erste Flirt-Kontakte zum anderen (oder vielleicht gleichen) Geschlecht, Bier und Summer Mix-Drinks natürlich inklusive. Die langsam untergehende Sonne im Westen als Aphrodisiakum für eine lange Nacht in den Bars und Clubs der Stadt. Und das alles unter der Kulisse der Ribeira (dem Flußufer) und der bombastischen Brücke Ponte Dom Luis I..
Ponte Dom Luis I.
Die 385 Meter lange und 60 Meter hohe Brücke verbindet die beiden Städte Porto und Vila Nova da Gaia miteinander, letztere bekannt durch ihre delikaten Portweine. Sie besteht aus zwei Ebenen: Der untere Teil, als Hängebrücke ausgestaltet, dient dem Straßenverkehr zwischen den ufernahen Stadtvierteln der Ribeira und dem Cais des Gaia, auf der oberen Bogenbrücke fährt die Metro-Stadtbahn. Beide Ebenen können von Fußgängern benützt werden. Die Brücke wurde von einem ehemaligen Geschäftspartner Gustave Eiffels, Theophile Seyrig, entworfen, und gehört - wie die gesamte historische Altstadt Portos - seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Ribeira
Auf der Ribeira Portos tummeln sich tags- und nachtsüber die Menschen. Bars, Restaurants und Souvenirläden reihen sich vor dem Hintergrund der bunten Häuserfassaden aneinander. Der Cubo da Ribeira, ein in einem Brunnen stehender Würfel von Jose Rodriguez, erinnert an die Nelkenrevolution des 25. April 1974, als das linksgerichtete Militär die Diktatur des seit 1933 dauernden Salazar-Regimes beendete.
FC Porto vs. Ronaldo
Portos weltberühmter Fußball-Club FC Porto hat auf der Ribeira sein eigenes Stammlokal, das Chez Lapin, in dem nach sportlichen Triumphen groß gefeiert wird. Und das kommt ziemlich häufig vor. Der 1893 gegründete Club gewann bis dato über 30 nationale Meisterschaften, zwei Europa-League-Wettbewerbe (2003, 2011) und sogar zweimal die Champions League (1987, 2004). Portugals Superstar Cristiano Ronaldo, aus der Jugendakademie von Sporting Lissabon kommend und mit 18 von Manchester United unter Vertrag genommen, spielte zwar nicht bei Porto, wird aber in den diversen Fußball-Shops euphorisch gefeiert. Immerhin führte er 2016 als Mannschaftskapitän die bis dahin titellose „Selecao“ zum Europameistertitel.
UNESCO-Weltkulturerbe
Die kompakte historische Altstadt Portos wurde aufgrund ihrer alten, großteils aus Granit bestehenden Gebäude und des faszinierenden Gassenlabyrinths in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Abseits davon gibt es noch zahlreiche andere Sehenswürdigkeiten, die man zu Fuß erkunden kann: Die Kathedrale von Porto auf dem Hügel Pena Ventos, das weiße Augustinerkloster Mosteiro Serra do Pilar südlich des Douro, das Jugendstil-Cafe Majestic, die historische Prachtstraße Avenida dos Aliados oder den Torre dos Clerigos. Der 76 Meter hohe Campanile hatte einst die Funktion eines Leuchtturms und kann heute über 225 Stufen erklommen werden. Eine sportliche Herausforderung, die mit einer großartigen Aussicht auf die Stadt und den Atlantik belohnt wird.
Livraria Lello
Wer die notwendige Geduld hat (Achtung lange Warteschlangen), der sollte einen Blick in die Livraria Lello werfen. Das Buchgeschäft in der Rua das Carmelitas gilt – mit seiner knallroten Treppe, den Glasfenstern und den Holzverkleidungen - als eine der schönsten Buchhandlungen der Welt. Die (gerüchteweisen) Verbindungen zwischen der Livraria Lello und den Harry Potter-Romanen von J.K. Rowling (die Anfang der 90er in Porto lebte) sorgen für einen zusätzlichen Besucher-Boom.
Bahnhof Sao Bento
Nicht versäumen sollte man einen Besuch des bereits 1916 in Betrieb gegangenen Bahnhofs Sao Bento. Das auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters errichtete Gebäude enthält eine Vorhalle mit rund 20.000 Azulejos, die vom spätromantischen Maler Jorge Colaco gestaltet wurden und historische Ereignisse bzw. Alltagsepisoden Portugals zeigen.
Kultur
Kulturelles Highlight in Porto ist das in einer Gartenanlage gelegene Serralves Museum für zeitgenössische Kunst, das zwar keine Dauerausstellung, aber jährlich rund fünf temporäre Exhibitions präsentiert. Aktuell ist dort die deutsche Performance- und Installationskünstlerin Anne Imhof mit ihrer neuen Ausstellung „Fun ist ein Stahlbad“ vertreten. Über das historische Zentrum sind zahlreiche kleine Galerien verstreut. Zu empfehlen ist – bei freiem Eintritt – auch das Centro Portugues de Fotografia, ein ehemaliges Gefängnis, in dem heute historische Kameras, Foto- und Videoarbeiten ausgestellt werden. Musikalischer und architektonischer Blickfang ist die polygonale Casa da Musica („Haus der Musik“), die 2005 eingeweiht wurde und drei renommierte Orchester („Orquestra Sinfonica do Porto“, „Orquestra Barroca“, „Remix Ensemble“) beherbergt.
Matosinhos Beach
Porto liegt nicht zwar nicht direkt am Meer, mit der Metro-Linie A kommt man aber innerhalb von 25 Minuten unmittelbar zur Atlantikküste. Der Matosinhos Beach, nur 10 km entfernt von Porto, ist ein beliebter Stadtstrand der Einheimischen und Hochburg der tollkühnen (Kite)-Surfer. Die dazugehörige Stadt Matosinhos war bereits zur Römerzeit besiedelt und hat seit dem Bau des Hafens Porto de Leixoes einen hervorragenden Ruf in der Fischerei und der Fischereiverarbeitung. Die amerikanische Installations-Künstlerin Janet Echelmann konzipierte 2005 ein Tribut an das „maritime und industrielle Erbe“ Portos und Matesinhos. „She changes“ (lokal als „Anemona“ bezeichnet) besteht aus drei Stahlstangen, einem 20 Tonnen schweren Stahlring und einer Netzstruktur aus 36 verschiedenen Abschnitten.
Primavera Sound
Besucher des größten Musik-Events in Porto kennen das bombastische Fischernetz. Denn direkt dahinter findet seit 2012 das Primavera Sound statt, ein „Schwestern-Festival“ der gleichnamigen Veranstaltung in Barcelona mit über 100.000 Zuschauern. 2025 standen dort im wunderschönen Parque da Cidade nicht nur Superstars wie Charli XCX oder Fontaines D.C. auf der Bühne, sondern auch ausgezeichnete Alternative-Acts wie Momma oder Magdalena Bay. Eigentlich ein Grund, die bezaubernde Region von Porto alljährlich auf die persönliche Bucket-Liste zu setzen…
































