Ist die Young Generation handysüchtig? Die brandneuen Zahlen des „Jugend-Internet-Monitors“ der EU-Initiative Saferinternet.at deuten (fast) darauf hin. Befragt wurden 500 Jugendliche im Alter von 11-17 Jahren aus ganz Österreich.
Jugend-Internet-Monitor 2026
Nr. 1 bei den Plattformen ist WhatsApp mit 82 Prozent Nutzung, dahinter folgen YouTube (76 Prozent) und die Messenger-App Snapchat (65 Prozent). Auf den Plätzen 4 und 5 die algorithmusgesteuerten Plattformen TikTok (mit jeweils 64 Prozent). Das Spannende an dieser Umfrage: Die Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr rückläufig (mit Rückgängen bis zu 9 Prozent beim chinesischen Videoportal TikTok und 8 Prozent bei der Meta-Video- und Fotoplattform Instagram). Das Negative daran: Die Teenager verbringen ihre Freizeit nicht beim Sport oder beim Lesen von Büchern, sondern nutzen immer häufiger KI-Chatbots. Besonders bedenklich ist allerdings die Analyse, dass die Jugendlichen nicht aktiv nach Informationen in den sozialen Medien suchen, sondern passiv stundenlang durch großteils anspruchslose, gefälschte und hasserfüllte Kurz-Videos dauerscrollen.
Sozial Media-Verbot in Australien
Die Folgen sind wissenschaftlich erwiesen: Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite, Depressionen, im schlimmsten Fall sogar ein suchtabhängiges Verhalten. Die Politiker haben weltweit die Tragweite des Problems spät, aber doch, erkannt, öffnen aber mit unüberlegten Schnellschüssen die Büchse der Pandora. Australien hat seit Mitte Dezember 2025 ein Social Media-Verbot für unter 16jährige verhängt, laut Medienberichten wurden 4,7 Millionen Konten durch die Plattformen deaktiviert. Die Methoden reichen von – nicht unumstrittenen - ID-Nachweisen, Video-Selfies, biometrischen Verfahren bis zu KI-basierter Altersinferenz. Die Umgehungsdichte durch VPN-Verbindungen oder ähnliches ist unbekannt. Andere Länder wollen – noch ohne konkreten technischen Plan - nachziehen: Dänemark, Spanien, Deutschland und auch Österreich. Und das, obwohl nicht nur die die Effektivität der Maßnahmen, sondern auch die rechtliche Situation mehr als fraglich ist.
Grundrechte
Australische Verbotsgegner wollen eine Klage wegen Verletzung der Grundrechte einbringen. Der Wiener Universitätsprofessor und Digitalrechtsexperte Nikolaus Forgo sieht dies ähnlich. Desto höher die Altersgrenze bei einem Social Media-Verbot, desto heikler sei die Bewertung der Verhältnismäßigkeit. Diffizil in jeder Hinsicht ist die Altersverifikation. Werde diese durch den Staat per ID Austria vorgenommen in Verbindung mit einer Klarnamenspflicht, dann seien laut der Grundrechtsorganisation Epicenter Works die Meinungsfreiheit und die Privatsphäre in Gefahr. Bei einer Altersfeststellung durch die Plattformen dagegen werden diese zusätzlich mit privaten Daten der Nutzer gefüttert. Außerdem wird der Jugendschutz auf EU-Ebene im Digital Services Act geregelt, nationale Regelungen der Mitgliedstaaten könnten nicht nur von den Tech-Konzernen juristisch angefochten werden.
Datenschutzrecht
In Deutschland haben über 46 Prozent der 7 bis 12jährigen ein Social Media-Konto. Das wird in Österreich nicht anders sein. Es ist aber insofern beachtlich, als unter 13jährige aufgrund der Nutzungsbedingungen der US-Plattformen gar kein Konto eröffnen dürften. Laut dem Children´s Online Privacy Protection Act dürfen keine Daten von Personen unter 13 gesammelt werden. In Österreich liegt diese Grenze aufgrund der DatenschutzgrundVO sogar bei 14 Jahren.
Verantwortung der Eltern
Schwirren daher unter 14jährige Kids stundenlang mit „ihren“ Smartphones durch das gefährliche Labyrinth der sozialen Medien, dann wirft dies ein ziemlich schales Bild auf die Erziehungs- und Aufsichtspflicht der Eltern, und zwar in vielerlei Hinsicht. Kinder sind beschränkt geschäftsfähig und können daher rechtlich ohne Zustimmung der Eltern weder ein Smartphone kaufen noch einen Tarifvertrag mit einem Provider abschließen. „Wer einem Kind ein Smartphone gibt, der beendet die Kindheit seines Nachwuchses“, so der Trend- und Zukunftsforscher Tristan Horx. Noch fataler ist die Situation dann, wenn die Eltern die Kinder mit dem Smartphone „alleinelassen“, keine digitalen Kompetenzen besitzen und daher auch keine technischen Kinderschutz-Apps (wie Google Family Link) installieren können.
Digitale Kompetenzkurse
Der neue Bildungsminister Christoph Wiederkehr fordert die Einführung eines neuen Lehrfachs „Medien und Demokratie“. Eine gute Idee. Die Bundesregierung sollte allerdings gleichzeitig die Eltern in die Verantwortung ziehen. Die Erziehungsberechtigten von Schulkindern sollten verpflichtend – bei sonstiger Streichung der Familienleistungen – eigens organisierte digitale Kompetenzkurse besuchen. Es liegt in der Macht der Eltern zu verhindern, dass ihre Kinder stundenlang vor dem Smartphone vegetieren und ihre schöne Kindheit vergeuden. Und das ohne Überwachung durch den Staat oder einen Tech-Konzern…
