Die Bundeshauptstadt Wien glänzt im neuen Jahr nicht gerade mit positiven Schlagzeilen: Ein Budgetdefizit irgendwo zwischen 2,8 und 3,8 Milliarden Euro, eine immense Teuerungswelle von der neuen „467 Euro-Jahreskarte“ bis hin zu Erhöhungen der Kanal- und Wasserabgaben, der Museumseintritte, der Hundesteuer (für insgesamt 58.841 Hunde in Wien), der Büchereigebühren and so on, eine Bildungs- und Integrationskrise (mit fast der Hälfte außerordentlicher Schüler in der 1. Schulstufe) oder der jetzt wieder geplante Bau des Lobautunnels ab 2030.
Lebensqualität
Da handelt es sich ja direkt um eine (großteils) positive Ablenkung, das neue Statistische Jahrbuch der Stadt Wien und den Folder „Wien in Zahlen 2025“ durchzublättern. Dort erblickt man sofort den 2. Platz Wiens im Mercer-Lebensqualitäts-Ranking. Befragt wurden hier nicht allerdings die Wiener, sondern die Expats. Das sind Menschen, die für eine begrenzte Zeit aus dem Ausland nach Wien kommen, um hier zu arbeiten. Trotz einiger Kritikpunkte schätzen allerdings die Wiener auch ihren Lebensmittelpunkt. Laut einer Umfrage leben 91 % gerne in der Stadt, rund 19 Millionen Nächtigungen jährlich in der Kulturmetropole Wien sprechen ebenfalls eine eindeutige Sprache.
Bevölkerung
Ende September 2023 hat Wien die 2-Millionen-Einwohner-Marke überschritten. Ein Wert, den Wien bereits Anfang des 20. Jahrhunderts einmal erreicht hat. Am 1.1. 2025 lebten in der Bundeshauptstadt 2.028.290 Personen, Wien ist damit die fünftgrößte Stadt der EU. Mit 51 % leben mehrheitlich Frauen in der Stadt.
Seit dem Jahr 2015 ist Wien um 230.952 Personen gewachsen, bei einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 1,2 %. Der Großteil der Bevölkerungszunahme beruht auf Zuwanderung. So betrug im Jahr 2024 die Geburtenbilanz (19.070 Geburten minus 16.917 Sterbefälle) nur 2.153. Die Wanderungsbilanz dagegen wurde mit 20.715 (106.732 Zuzüge minus 86.017 Wegzüge) ausgewiesen.
Das Durchschnittsalter in Wien beträgt derzeit 41 Jahre. 63,6 % sind Österreicher, der Rest teilt sich auf 181 (!) verschiedene Staatsangehörigkeiten auf. 14,9 % der in Wien lebenden Personen stammen aus der EU. Bei den Staatsangehörigkeiten führt Serbien (3,7 %) vor Syrien (3,1 %), Deutschland (3,1 %), Türkei (2,3 %) und Polen (2,2 %).
Wohnen
Wien hat eine durchschnittliche Bevölkerungsdichte von 4.889 Personen pro km2. Die Bandbreite reicht von 1.488 (Hietzing) bis 27.133 Personen in Margareten. 24 % der Wiener wohnen im Gemeindebau, 18 % im Eigentum, 17 % in einer gemeinnützigen Wohnung und 35 % in einer meist teueren frei finanzierten Mietwohnung. Insgesamt gab es 2023 in Wien rund 178.000 Gebäude. Wie viele davon leerstehen, ist unbekannt. Eine Leerstandsabgabe als Mittel gegen Spekulation und zur Schaffung zusätzlichen Wohnraums wird bis dato von der rot-pinken Landesregierung abgelehnt.
Fläche
Die Gesamtfläche Wiens beträgt 414,9 km2. 53 % davon sind Grünland und Gewässer, 20 % Verkehrsflächen, 16 % verbaute Flächen und 11 % Landwirtschaft. Die Josefstadt ist flächenmäßig der kleinste Bezirk, die Donaustadt der größte. Seit dem Jahresbeginn 2024 ist die Donaustadt auch der bevölkerungsreichste Bezirk, vor dem bisherigen Leader Favoriten und Floridsdorf.
Bildung
97.641 Kinder besuchten 2023/24 einen Wiener Kindergarten, 90 Prozent davon sind ganztägig geöffnet und mit der Vollzeitbeschäftigung der Eltern vereinbar. 259.056 Kinder und Jugendliche wurden in den verschiedensten Schulformen – von Pflichtschulen, AHS, BHS bis hin zu den Berufsschulen – ausgebildet. Die 1356 gegründete Universität Wien ist die älteste Universität im deutschen Sprachraum. 197.874 Studierende waren 2024/25 an den 24 Hochschulen Wiens inskribiert, zu denen neben den öffentlichen Universitäten (156.875) die Fachhochschulen (23.112), die Privatuniversitäten (10.299) und die Pädagogischen Hochschulen (7.588) zählen. Bis 1897 waren in Österreich keine Frauen für ein Studium zugelassen, heute studieren mit 55,3 % mehrheitlich Frauen an den Hochschulen. Auch bei den Absolventenzahlen haben die Frauen – im Gegensatz zur Bezahlung (Stichwort: Gender Gap) – den Männern bereits den Rang abgelaufen. Im Jahr 2023 betrug der Akademikeranteil bei den Frauen 34 %, bei den Männern nur 28 %.
Verkehr
Jährlich wird in Wien der sogenannte „Modal Split“ ermittelt, der das gesamte Verkehrsaufkommen auf die einzelnen Verkehrsmittel zuteilt. Das Ergebnis ist für Wien insofern erfreulich, als drei Viertel der Wege umwelt- und klimafreundlich absolviert werden. 2024 wurden 34 % der Wege per Öffis zurückgelegt, 30 % zu Fuß und 11 % mit dem Rad (plus 4 % gegenüber 2019). Das eigene Auto wurde nur mehr für 25 Prozent der Wege verwendet. Kein Wunder: Wien hat die geringste PKW-Dichte aller Bundesländer. Nur 284 von 1000 Einwohnern besitzt ein eigenes Auto, der österreichweite Wert beträgt 484. Problematisch ist allerdings der Pendlerverkehr: 77 Prozent der Pendler verwenden den privaten PKW, nur 23 % benützen die öffentlichen Verkehrsmittel.
Die Wiener Linien zählten 2024 872,8 Millionen Fahrgäste. 1.054.000 Personen besaßen 2024 eine Jahreskarte (inkl. Klimatickets, Top-/Jugendtickets und Semesterkarten). Ob diese Zahl durch die immense Gebührenerhöhung reduziert wird, bleibt abzuwarten. Erhöht wird auf jeden Fall das Angebot durch das „U2xU5-Projekt“ mit 12 neuen U-Bahn-Stationen und elf Kilometern zusätzlicher Strecke. Aufgrund des hohen Budgetdefizits wird die neue U5 zwischen Karlsplatz und Frankhplatz erst 2030 starten.
Museen
Zu den Touristenhighlights in Wien zählen die vielen Museen und Galerien der Bundeshauptstadt. Das erstplatzierte Schloss Schönbrunn wurde 2023 von 3.271.000 Personen besucht. Dahinter folgen das Belvedere, das Kunsthistorische Museum, die Albertina (die 2026 ihr 250. Jubiläum feiert) und das Naturhistorische Museum.
Tourismus
Apropos Tourismus. Da gibt es bereits die neuesten Zahlen. Erstmals hat Wien im Jahr 2025 die 20 Millionen-Grenze bei den Nächtigungen überschritten. 20,07 Millionen Übernachtungen wurden im Vorjahr registriert, bei den Herkunftsländern führt Deutschland vor Österreich und den USA. Vor allem die Vorweihnachtszeit boomt. Der Dezember ist der einzige Monat mit über 2 Millionen Nächtigungen. Ein paar internationale Musik-, Kultur- und Clubfestivals so wie in den urbanen Metropolen Barcelona, London oder Berlin, dann befindet sich vielleicht bald der Sommer auf der Überholspur. Die lokale Wiener Party-Community hätte da sicher auch nichts dagegen.






