Thalia-Buchpräsentation: „Wien – Eine Stadt verändert sich“

„Baustellen vergehen. Fortschritt bleibt.“ -  Ein Werbeslogan der ÖBB, der Wiener Linien und der Asfinag im Juni 2025. Auch wenn nicht jedes fertiggestellte Bauwerk objektiv oder/und subjektiv diesem Prinzip entspricht, wäre dieser Spruch auch ein grandioser Titel für das neue Buch von Edgar Schütz und Matthias Marschik gewesen. Stattdessen heißt es „Wien – Eine Stadt verändert sich: Die Donaumetropole und ihre Baustellen“. Präsentiert wurde es kürzlich im Thalia Wien-Mitte von Schütz himself und dem Architekten Michael Hoche.

 

„In Wien wird seit 2000 Jahren gebaut“, so einst der ehemalige Wiener Bürgermeister Michael Häupl. Die beiden Autoren des Buches beschäftigen sich mit der Zeit von 1860 (ab der Entwicklung der Fotografie) bis zur Gegenwart. Früher war man noch stolz auf die Baustellen, heute gebe es nur wenige Dokumentationen über den Baufortschritt, so Schütz. Was sich rigoros geändert hat: Alkohol ist heute auf Baustellen verpönt, früher gehörte die Kiste Bier zum Standard-Repertoire, witzig dokumentiert im Abschnitt „Arbeiter, Bauherrn, Architekten“.

 

Quellen der Fotos (die jeweils mit einem Subtext erklärt werden) sind u.a. das Archiv des Wien Museums, die Nationalbibliothek, die APA (bei der der hauptberufliche Journalist Schütz als Leiter des Außenpolitik-Ressorts tätig ist) und diverse Topotheken. Die Baustellen stehen dabei als Metapher für Veränderung, Umbruch, Aufbruch und Emotionen, die vor allem bei „mutigen Projekten“ ins Negative driften können. Durch die chronologische Anordnung der Fotos ist das querformatige Buch gleichzeitig ein spannender Überblick über die Wiener Geschichte.

 

Als Vorgeschmack für das Buch präsentierten Schütz und Hoche per Power Point einen Teil der Fotos, beginnend mit der Gründerzeit und dem Bau der Ringstraße bis hin zur 1873 erbauten und 1937 abgebrannten Rotunde im Prater und dem komplett als Gerüstbau dargestellten Burgtheater. Nicht fehlen dürfen die von Otto Wagner entworfenen Stadtbahn-Haltestellen vor dem Karlsplatz und die Franz Josephs Brücke Richtung Floridsdorf. Im Mittelpunkt des „Roten Wien“ stehen naturgemäß die Gemeindebauten des Rabenhofs und des Karl Marx Hofs, aber auch das schicke Amalienbad im Arbeiter-Bezirk Favoriten, das die „einfachen Leute“ für den Sport und die „Körperkultur“ begeistern sollte. Ebenfalls in dieser Zeit, 1931, wurde das Praterstadion eröffnet, das heute als Fußball-Arena nicht mehr den modernsten Standards entspricht, laut Schütz aber nicht nur wegen des Denkmalschutzes weiterhin für diverse Events genützt werden sollte. 

 

Mitte der 30er Jahre wurde die Höhenstraße auf den Kahlenberg eröffnet, einerseits Arbeitsbeschaffung, andererseits ein Synonym für den (motorisierten) Zeitgeist. Spannende Motive aus der Nachkriegszeit: Das Helden-Denkmal der Roten Armee auf dem Schwarzenbergplatz, die Wiener Stadthalle von Architekt Roland Rainer (1953-1958), die Umgestaltung des Pratersterns, die Opern-Passage (gleichzeitig Cover-Shot) und natürlich der auf einer ehemaligen Mülldeponie (!) anlässlich der Wiener Gartenausstellung erbaute Donauturm (1962-1964). Die ersten Probebohrungen fanden bereits 1939 am Praterstern statt, die tatsächlichen U-Bahn-Arbeiten wurden dann 1969 gestartet. Das kongeniale Motiv der Buch-Autoren, die legendäre Tunnelbohrmaschine Wiens, der „Maulwurf“. 

 

Das Wien des 21. Jahrhunderts wird repräsentiert durch die Seestadt mit ihren „tanzenden Kränen“. Ein Areal, das – baulich nicht unumstritten – ebenso wie die gesamte Bundeshauptstadt einer ständigen Veränderung unterliegt. „In den 90ern verstorbene Wiener würden die Stadt nicht mehr wiedererkennen“, ein treffendes Zitat des Autors Edgar Schütz.