In Metropolen wie London, Berlin oder Barcelona finden jedes Wochenende Festivals aller Art statt. Wien lebt da leider ein stiefmütterliches Dasein. Im November sollte sich dies allerdings ändern. Wobei: Die Location der beiden November-Techno-Nights liegt eigentlich gar nicht in Wien, sondern in Niederösterreich: Die bereits früher von diversen Veranstaltern genutzte 42 Meter hohe Pyramide Vösendorf. Organisation, Idee und Konzept stammen allerdings vom renommierten Wiener O-Klub, der im September erstmals unter dem neuen Brand „Signal“ Ibiza-Legende Carl Cox in den coolen Club unter der Staatsoper lockte. Motto: „A New era of electronic music. Driven by sound, guided by the light.“ Anna Tur, Lilly Palmer, Hannah Laing oder Fatboy Slim, nur einige der hochkarätigen DJ-Superstars, die den Freitag im O zum Treffpunkt der internationalen House- und Technoszene machten.
Die Expansion ließ nicht lange auf sich warten, the Pyramid Takeover (witzigerweise namensgleich mit einer Techno-Underground-Party im Amnesia Ibiza) could start. Gebucht wurden als Headliner Korolova und Mrak bzw. Charlotte de Witte und Reinier Zonneveld. Die Anfahrt erinnerte zumindest etwas an die Rave Nights der 90er, als sich Party People verschiedenster Nationen an neuralgischen Orten trafen, um dann gemeinsam den Weg zum Warehouse-Tempel auszuspähen. Im Jahr 2025 ist das allerdings einfacher: Die Badner-Bahn fährt jetzt sogar nachts durch und transportiert die Techno-Community Richtung SCS Vösendorf, von dort sind es nur ein paar Meter zum überfüllten, aber top-organisierten Eingangsbereich der Pyramide.
Ein besonderes Highlight des Signal-Festivals war der fast ausverkaufte Auftritt von Charlotte de Witte am letzten Novemberfreitag. Die 33jährige belgische Techno Queen, die beim Tomorrowland 2022 auf der Hauptbühne sowohl den Opening- als auch den Final-Act vor 200.000 Besuchern absolvierte, enterte 2025 mit Platz 9 zum ersten Mal die Top Ten des DJ Mag-Rankings, seit 2019 (!) ist sie die Nr. 1 unter den Techno-DJ´s. Und das, obwohl die aus Gent stammende Künstlerin eigentlich zuerst mit Electro-Sound die Dancefloors füllte.
Nach dem treibenden Support der beiden Wiener DJ´s Albin Brezlan und Mark Michael lässt Charlotte de Witte allerdings keine soundtechnischen Fragen offen. „Techno Code“ heißt der Opening-Track, eine Kooperation mit dem italienischen Techno-DJ Enrico Sangiuliano. Dieser ist seit 2022 ihr Ehemann und lebt mit ihr auf einem Landgut in der Nähe von Lissabon. Ein Rückzugsort zu den schweißüberströmten Techno-Nights, die aber Witte keineswegs missen möchte. „Techno ist für mich eine Form des Friedens und der Entspannung. Ich mag es pur, roh, loopig und repetitiv. Musik, die einen in Trance versetzt, anstatt die Sinne zu überreizen“, so de Witte in einem aktuellen „Vogue“-Interview.
„Overdrive“ (mit den hypnotischen Lyrics „Feel the ecstasy, I feel you close to me. Increase the energy. Living wild and free“) oder der mit indischen Mantras unterlegte neue Track „Vidmahe“ zählen zu dieser Kategorie und stehen auch auf der Setlist der Pyramiden-Show. Ebenso wie „No Division“ und der mit dem Drum & Bass-Artist Comma Dee produzierte Track „The Heads that know“, die aus ihrem – nach dem Release von 25 (!) EP´s – im November veröffentlichten Debüt-Album „Charlotte de Witte“ stammen. „Eine Hommage an die Clubmusik und all die Clubs, die mein Leben verändert haben“, so Witte, die ihren Auftritt in der randvollen Pyramide lässig tanzend und lächelnd an den Turntables genießt.
Wer ihren brillanten Gig fahrlässigerweise versäumt hat, der sollte mal ihre Instagram-Seite (mit über 4,3 Millionen Followern) besuchen oder diverse You Tube-Festival-Clips checken. Analog geht es in der Pyramide Vösendorf am 13. März 2026 weiter, Signal Festival Part Two mit Sara Landry und Nico Moreno…














