Aktuell 4 Einträge: Party-Insel Ibiza seit 1999 UNESCO-Weltkulturerbe.

Die spanische Baleareninsel Ibiza trägt viele Etiketten: Die Insel der Reichen und Schönen, der Hippies, der 24 Hour-Party People oder der ecstasy-aufgeputschten Techno Generation. Diese rein oberflächliche Betrachtungsweise auf den immer schon existierenden Hedonismus-Zeitgeist lässt vergessen, dass die Insel seit über 2500 Jahren zu den Hochkulturen Europas zählt. Die erste Siedlung wurde von den phönizischen Karthagern im Jahr 654 v. Chr. an der Ostseite der Hafenbucht von Ibiza gegründet. „Ibes“ wurde zu einem wichtigen Handelshafen, vor allem die Salzvorkommen und die Bleiminen machten die Phönizier reich. 123 v. Chr. eroberten die Römer „Ebesus“, 711 fiel „Yabisa“ in die Hand der Mauren. Erst 1235 wurden die Muslime im Rahmen der Reconquista von den christlichen Katalanen besiegt.

 

Ein sichtbares Beispiel der oftmaligen Herrschaftsveränderungen stellt die Kathedrale in der Altstadt von Ibiza dar. Diese war zuerst ein Römertempel, dann eine arabische Moschee. Im 13. Jahrhundert wurde – nach der Re-Christianisierung – mit dem Bau der Catedral Santa Maria de La Nieves, der „Maria Schnee-Kathedrale“, begonnen. Der Name bezieht sich dabei auf das der Eroberung nächstdatierte Marienfest am 5. August. Die Kathedrale mit der blau-weißen Turmuhr wurde 1592 fertiggestellt und zählt heute zu den schönsten Sehenswürdigkeiten von Dalt Vila. Die obere Altstadt der Insel-Hauptstadt Eivissa ist seit 1999 Trägerin des UNESCO-Weltkulturerbe. 

 

Anlass für die Würdigung waren insbesondere die Befestigungsanlagen, die für die UNESCO ein herausragendes Beispiel der Militärarchitektur der Renaissance darstellen. Die sieben von Giovanni Battista Calvi 1556 konzipierten baluardes wurden von König Karl I. und König Philipp II. von Spanien in Auftrag gegeben und hatten das Ziel, die Angriffe der Franzosen und des Osmanischen Reiches abzuwehren. Die Kanonen innerhalb der Stadtmauern sind allerdings heute nur mehr ein tolles Foto-Motiv für strapazfähige Touristen, die unter der brütenden Sommerhitze eine Bollwerk-Wanderung durch die Vergangenheit Dalt Vilas unternehmen.

 

Der Haupteingang erfolgt über das Portal des Ses Taules, das von zwei römischen Statuen (der Göttin Juno und einem Legionär jeweils ohne Köpfe) flankiert wird. Unmittelbar links neben dem Tor führt eine Straße zum MACE, zum Museum für Zeitgenössische Kunst Ibizas. Eine Bronze-Skulptur von Isodoro Macabich (1883-1973) in der Carrer de Sa Carrossa erinnert an den anerkannten Priester, Historiker und Autor des Geschichtswerks „Historia de Ibiza“. Den besten Ausblick auf Eivissa und den Hafen genießt man vom Baluard de Santa Llucia. Hippie-Feeling mit bunten Kissen und Sonnenschirmen bietet die auf Stufen platzierte S´Escalinata Bar in der Carrer des Portal Nou 10. Auf dem Place d´Espanya befindet sich nicht nur das Rathaus Ibizas, sondern auch der Eingang zu einem Tunnel Richtung Kathedrale. Der französische Kult-Regisseur Barbet Schroeder nutzte diese mysteriöse Kulisse für seinen Hippie-Drogen-Film „More“, untermalt durch die psychedelischen Klänge von Pink Floyd.

 

Dalt Vila ist allerdings nicht die einzige UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte Ibizas. Insgesamt kann sich die Baleareninsel derzeit mit vier Auszeichnungen schmücken. Es zählen dazu weiters die Ausgrabungen einer phönizischen Siedlung auf Sa Caleta (ca. 10 km entfernt von Ibiza-Stadt), die Nekropole am Hang des Puig des Molins mit rund 3000 Gräbern und einem Archäologischen Museum und die Meerespflanze Posidonia Oceanica. 

 

Die Posidonia-Gräser gehören zu den ältesten lebenden Organismen der Welt, laut einer wissenschaftlichen Untersuchung sind jene vor Formentera zwischen 80.000 und 100.000 Jahren alt. Die Pflanzen versorgen das Wasser mit Sauerstoff, bieten Nahrung und Unterschlupf für Fische und Seepferdchen und gelten als wirksamer Kohlenstoff-Speicher. Trotzdem ist der Bestand der Posidonia-Wiesen immens gefährdet, durch die Erwärmung der Meere, die Verschmutzung des Wassers und die Zerstörung infolge ankernder Boote. 

 

Ob eines Tages auch der Sound of Ibiza, der Balearic Beat, zum immateriellen Kulturerbe zählen wird, wird sich weisen. Der Berliner Techno hat es vorgemacht und ist seit 13. März 2024 Bestandteil der ehrenwerten UNESCO-Liste. Vielleicht sind die ibizenkischen Bewerbungsformulare ja schon in Vorbereitung…