Voices for Refugees – Ein sympathisches Solidaritätskonzert für Flüchtlinge mit naiv-parteipolitischen Schönheitsfehlern.

60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, vor Kriegen, Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen, Folter, aber eben auch zum Aufbau einer neuen wirtschaftlichen Existenz. Dies sei auch jedem vorbehalten. Österreich als Rechtsstaat ist allerdings nur verpflichtet, Menschen aus in der Genfer Flüchtlingskonvention normierten Gründen aufzunehmen, Wirtschaftsflüchtlinge fallen da nicht darunter. 

 

„Refugees Welcome“, der Schlachtruf der Solidaritäts-Community, dürfte hier allerdings keine Differenzierungen vornehmen. Dies auch im Einklang mit einem der Stargäste des „Voices for Refugees“-Konzerts, Konstantin Wecker: „Ich hab einen Traum, wir öffnen die Grenzen und lassen alle herein,  alle die fliehen vor Hunger und Mord,  und wir lassen keinen allein.“  Naive Träumerei eines sympathischen Künstlers, faktisch kann dies kein Land der Welt erfüllen, vor allem in Zeiten nationaler Wirtschaftskrisen, Rekordarbeitslosigkeit und von Integrationsproblemen.

 

Italiens Pop-Barde Zucchero, um 21 Uhr auf der Heldenplatz-Bühne im Einsatz mit dem wunderschönen „I need your Loving“ und einem Nabucco-singenden Kinder-.Chor, sieht dies schon etwas pragmatischer. In Zeiten von Jobkrisen seien Zuwanderungen mit Problemen verbunden, Politiker sollten sich zusammensetzen und über eine Aufteilung der Flüchtlinge in Europa diskutieren. Auch die USA, verantwortlich für Dutzende Kriege in deren Herkunftsstaaten, müsse mehr tun.

 

Auf europäische Solidarität in der Flüchtlingsfrage setzt auch Campino, der Frontmann der Toten Hosen, die – nach dem funkigen Auftritt von Österreichs New Wave-Helden Bilderbuch – ein rockig-nachdenkliches 30 Minuten-Konzert auf die Beine stellten. Auf der Set-List u.a. „Wünsch dir was“, Willkommen Deutschland“, der tief anklagende Bootsflüchtlings-Song „Europa“ mit der traurigen Schlusszeile „Und wenn sie nicht gestorben sind, sterben sie noch heute“, der Fußball-Punk-Classic „You´ll never walk alone“ und der Anti-Nazi-Song der damaligen Erzrivalen der Ärzte, „Schrei nach Liebe“ aus den 90ern.

 

Vor dem Klassiker „An Tagen wie diesen“ allerdings steigt Campino in den Untergrund des roten Landtagswahlkampfs hinab und lästert vor der Audienz des vollen Heldenplatzes: „Wien. Ihr seid so eine tolle Stadt. Lasst euch diese Stadt nicht wegnehmen von diesem Karl Heinz (!) Strache. Würde unter ihm so ein Abend möglich sein?" Noch unter dem Einfluss von Demo-Hassparolen wie „Flüchtlinge rein, FPÖ raus“, hat man dann das bittere Gefühl, dass zumindest einige Unterstützer dieses Konzerts nicht so sehr die Flüchtlingsschicksale bewegen. Sondern viel eher der präpotente Macht- und Postenerhalt der SPÖ in Wien.

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