Stefan Petzner: "Haiders Schatten" präsentiert Buch in Wiener Traditionscafe.

Vom Publizistik-Studenten zum Pressesprecher, BZÖ-Wahlkampfleiter und persönlichen Freund von Jörg Haiders: Stefan Petzner. Dieser Tage präsentierte der 34jährige nunmehrige Polit-Berater im Wiener Cafe Griensteidl sein erstes Buch "Haiders Schatten", 7 Jahre nach dem tragischen Unfall-Tod des neben Bruno Kreisky schillerndsten österreichischen Politikers der Nachkriegszeit. 

 

Und er spart weder beim Interview noch beim Lesen dezitierter Passagen aus dem Buch mit spannenden Details aus seiner politischen Ära. So unterschied sich laut Petzner der Mensch Haider von seiner Außenwirkung. Innerlich war der Kärntner Landeshauptmann "sensibel, unsicher und leicht schwermütig", während er vor dem Volk sich als Verwandlungskünstler und Rollenspieler inszenierte. Er suchte allerdings auch ständig nach Bestätigung und Applaus und wollte dauernd im Gespräch sein. 

 

Der Tod Haiders war für Petzner, der 5 Jahre lang als "Berater, Psychotherapeut und Stratege" fungierte, ein Schock, seiner Tränen bei der Pressekonferenz schämt er sich (zu Recht) nicht. Den Begriff "Lebensmensch", 2008 zum Wort des Jahres erklärt, möchte Petzner allerdings am liebsten aus seinem Gedächtnis bannen. Am Beispiel eines zufälligen Zitats einer 74jährigen Pensionistin ("An besseren kriegen wir nimma") räumt Petzner auch auf mit dem Gerücht, dass Parteien wochenlang an Wahlkampfslogans in dunklen Zimmern feilen. 

 

Und was überraschend ist: Petzner, der jahrelang mit einem der erfolgreichsten Rechtspopulisten Europas unterwegs war, übt heftige Kritik an dieser Politiker-Kaste. Sie seien zwar "Seismographen der Gesellschaft", bis zu einem Ausmaß von 10-15 % der Wählerstimmen auch sinnvoll, aber "nicht regierungsfähig". Es sei auch leicht möglich, Rechtspopulisten zu entzaubern. Deren bewusste Provokationen durch Emotionen und Tabubrüche müsse man so lange mit Ignoranz begegnen, bis diese eine gewisse Geschmacksgrenze überschreiten. Angreifen müsse man rechte Politiker nicht auf der Gefühlsebene, sondern mittels Sach- und Fachkompetenz.

 

Ob diese Einschätzungen Petzners auch auf die FPÖ bei einem derzeitigen Umfragewert von über 30 % zutreffen, wird die Zukunft weisen. Eine Frage, die leider von niemandem beantwortet werden kann, ist allerdings jene: Was wäre – ohne Todesfahrt - die politische Rolle von Jörg Haider im Jahre 2015 gewesen ? 

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