Vienna im Sport-Fever

Stadt der Ballkultur, des Historismus, des morbiden Lebensgefühls, der bunten Regenbogenflagge,.... – man kann das schöne Wien, zuletzt von Businessleuten zur "lebenswertesten Stadt der Welt" gekürt, in viele Kategorien einordnen. Letztes Wochenende war Vienna auf jeden Fall im Sport-Fever.

 

Bereits um 9 Uhr früh wurde auf der Reichsbrücke angepfiffen zum 32. Vienna City Marathon, der größten Sportveranstaltung Österreichs: 42.742 Teilnehmer aus 129 Nationen waren am Start, Hobbyläufer vor allem beim Halbmarathon und im Weltrekordfeld des Staffelmarathons, dazu ca. 400.000 Zaungäste entlang der Strecke.  Diese führte durch halb Wien, umfasste Praterallee, Ringstraße, Linke Wienzeile, Schönbrunn, Mariahilferstraße und endete für alle Sparten am ehrenwürdigen Heldenplatz.

 

Die Marathonsieger hießen dieses Jahr Sisay Lemma aus Äthiopien (2:07:31) und die überraschende Schweizerin Maja Neuenschwander (2:30:09), getreu dem Motto "Dabeisein ist alles" gehörte aber jeder zu den Gewinnern, der bei warmem, windigem Wetter die Ziellinie überquerte. Jubeln darf aber auch die Stadt Wien: 80.000 Übernachtungen, 60 Millionen direkte Einnahmen und eine prognostizierte Wertschöpfung von 150 Millionen Euro. Und das bei einem Budget von 4 Millionen Euro.

 

Während die Läufer schweißüberströmt um jeden Meter kämpfen, liefern sich die Freestyle Mountainbiker haarsträubende Sprünge auf dem Rathausplatz. Die Radlobby Argus veranstaltet dort jährlich ein zweitägiges Bike Festival, wo seit 10 Jahren die Vienna Air King Competition stattfindet. Dazu wurden ein 8 m hoher Startturm direkt unter dem Rathaus und ein Sandareal mit 4 Jumps errichtet.

 

Tausende Handy- und Kamera-Paparazzis und heiße Hip Hop- und Dubstepbeats aus den Boxen sorgten für tollkühne Bike-Stunts, die manchmal auch im Sande landeten. Zum Glück nahezu unverletzt. Mit dabei war zum ersten Mal auch eine Frau, die Spanierin Gemma Corbera, der zweimalige Competition-Winner kam mit dem Amerikaner Nicholi Rogatkin aber aus der Männerriege.

 

Auch das sonstige Programm des Bike Festivals konnte sich sehen lassen: Mehr als 100 Jahre alte Fahrräder, exklusive Bambusräder, E-Bikes, die neuen Fatbikes für Sand-, Eis- und Schneeparcours, ein Fahrrad-Flohmarkt und ausführliche Infos aller Art für Fahrrad-Freaks. Die in Österreich nicht wenig sind, wurden doch 2014 400.000 Fahrräder, davon 1/3 Mountainbikes, verkauft.

 

Für viele Wiener allerdings existiert eine andere Religion, und die heißt Rapid. Im legendären Ernst Happel-Stadion, der Ausweichstätte für das derzeit entstehende neue Allianz-Stadion in Hütteldorf, trafen dort vor mehr als 26.000 Zuschauern die beiden erstplatzierten Teams von Rapid und Red Bull Salzburg aufeinander. Nach 30 Minuten stand es 3:0 für die Salzburger, die Rapid-Fans feuerten ihre Truppe aber weiterhin enthusiastisch an und wurden dafür belohnt. In der 2. Hälfte setzten die Grün-Weißen, mit einem Mann mehr, alles auf eine Karte und erreichten nach Treffern von Beric und Schobesberger durch "Joker" Prosenik in der Nachspielzeit noch ein verdientes 3:3-Remis. Werbung für den Fußball, Euphorie bei Wiens Kult-Club, auch sich wenn dieses Jahr der Meistertitel – bei weiterhin 6 Punkten Rückstand und schlechterem Torverhältnis - voraussichtlich nicht ausgehen wird.

 

Laufen, Biken, Fußball – die Stadt Wien ist im Sport-Fever. Hoffentlich nicht nur passiv, sondern auch aktiv. Laut einer Gesundheitsbefragung betreiben 32 % der Männer und 23 % der Frauen dreimal pro Woche Sport, die Quoten beim Rauchen sind mit 38 % und 27 % um einiges höher. Bei einer Trendumkehr wäre (fast) jedem geholfen...

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