Bilanz mit Frisur: Florian Scheubas eiskalt-satirische Abrechnung mit dem Polit-System.

"7,67 von 8,5 Millionen Österreicher haben weder Erwin Pröll noch Michael Häupl gewählt." – Ein Faktum, welches nicht politaffine Einheimische wohl gar nicht glauben können, misst man dazu im Gegensatz deren (scheinbare) Bedeutung für die österreichische Politik. Jener Mann, der derartige Sätze in den randvollen Wiener Stadtsaal schleudert, heißt nicht Armin Wolf, Florian Klenk oder Michael Fleischhacker, sondern Florian Scheuba. Einer, der während der Gymnasialzeit die Kabarett-Truppe "Die Hektiker" gegründet hat, mit Pop-Star-Attitüden und Ex-Falco Produzent Ponger 1991 als Comedy-Quartett Platz 1 der Alben-Charts belegte und später mit diversen Projekten wie "Dorfer´s Donnerstalk" (als Autor), "Die Vier da" oder den "Staatskünstlern" (mit Thomas Maurer und Robert Palfrader) auch im ORF-Staatsfunk reüssierte.

 

"Bilanz mit Frisur", Scheubas erstes Soloprogramm, durchforstet – "zwischen den Stühlen" – die Tiefen österreichischer Polit-Un-Kultur. Und eigentlich hat es Scheuba einfach, diverse "Pointen" muss er nicht erfinden, sie entsprechen der traurig gelebten Realität. Eine Ex-Richterin Bandion-Ortner, bei der man nach ihrem Eklat als Generalsekretärin des Abdullah-Zentrums Angst haben muss, sie als zurückgekehrte Richterin zugeteilt zu bekommen, ein Ex-Vizekanzler Spindelegger als Direktor einer Modernisierungsagentur für die Ukraine oder ein Bundeskanzler Faymann, der während seines erfolglosen Jus-Studiums gerademal den Lift des Wiener Juridicums kennengelernt hat.

 

Zwischendurch bekommt auch einer der ORF-"Intellektuellen", Armin Assinger, sein Fett weg, als anspruchsvoller Moderator des Kulturmontags. Und auch die ambivalente Wiener Seele wird per Doppel-Acting thematisiert.

 

Im Brennpunkt der Bilanz Scheubas steht aber die Politik und der ignorante Umgang der Bevölkerung mit dieser. Kritik äußert der fast 50jährige Vater dreier Kinder vor allem an den Nichtwählern, die diese korrupten Zustände in Österreich erst möglich gemacht haben ("Denen sind alle gleich recht"). Auch die, durch seinen Kollegen Roland Düringer mitentfachte, Wutbürger-Bewegung hält er für politisch nicht relevant und existent.

 

Politiker mit Charakter hätten laut Scheuba auch 2015 die Möglichkeit, für Reformen zu sorgen. Stichwort: Hypo-Chaos, Spekulationsskandale, weit überschießende Landeshaftungen, Geldverschwendung in den Ländern. Der Finanzminister hat gemäß § 16/1 Finanzverfassungsgesetz das Recht, einheitliche Budgetrichtlinien für Länder und Gemeinden zu erlassen. Faktisch (!) verhindert wird dies durch die "Heiligenbluter Vereinbarung" 1974, wonach dieser Paragraph nur angewendet werden soll, wenn die Bundesländer es wollen.

 

Man darf gespannt sein, ob dieses großartige Programm auch im ORF gesendet werden wird. Oder nur dann, wenn die Bundesländer es wollen. Dies ist nach den genannten Enthüllungen wohl eher ausgeschlossen...

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