"Das Fenster zur Welt" – 60 Jahre Fernsehen im Karikaturmuseum Krems

"Ein Krieg gegen die Freiheit, nicht gegen die Karikaturen", so bewertete Gustav Peichl alias Ironimus die grausamen Terroranschläge in Paris im Rahmen der Vernissage zur neuen Ausstellung "Das Fenster zur Welt" im Karikaturmuseum Krems.

 

Im Mittelpunkt stehen 49 Karikaturen verschiedenster Zeichner zum Thema Fernsehen, das im Jahr 2015 seinen 60. Geburtstag feiert und vor einer unsicheren Zukunft steht. Oliver Schopf thematisiert dies in seinem Werk "Digitus", die Menschen befinden sich – ausgehend von einem "Finger" - in einem digitalen Kommunikationsexzess, obwohl keiner mehr persönlich miteinander in Interaktion tritt. Vor 25 Jahren war dies noch entspannter, als Gerhard Haderers "Fernsehfamilie" gemütlich auf der Couch in die Röhre guckte.

 

Faszination übte das Fernsehen aber schon 1969 aus, als 600 Millionen Menschen weltweit die Mondlandung ins Wohnzimmer geliefert bekamen. Die mediale Gier nach Sensationen und Katastrophen, die blieb trotz bzw. auch aufgrund der technologischen Revolution unverändert. Der Terroranschlag auf die Twin Towers (bleistiftgerecht neu aufbereitet – anlässlich des "Charlie Hebdo"-Attentates - von Ruben Oppenheimer), der Irak-Krieg, der Red Bull-Weltraumsprung Felix Baumgartners oder der Fritzl-Missbrauchsskandal in Amstetten.

 

Die Medien-Klaviatur gekonnt spielten auch einige Politiker wie Bruno Kreisky, Sieger zahlreicher "TV-Duelle", und Jörg Haider, der mit "Privilegien"-Taferln einst Franz Vranitzky entzauberte. Als negative "Fernsteuerung der Medien" gilt nach wie vor – trotz veränderter politischer Lage – der "rot-schwarze Proporz", dargestellt durch eine "Tanten"-Karikatur von Erich Sokol.

 

Kritik kommt dazu im Rahmen der Podiumsdiskussion auch von einem, der dies selbst jahrzehntelang hautnah miterlebt hat: Teddy Podgorski, ZIB-Reporter, Sportchef, "Seitenblicke"-Erfinder und zwischen 1986 und 1990 selbst Generalintendant. "Es gibt keine Unabhängigkeit in den Medien. Gefällt ein Artikel oder eine Sendung den Eigentümern nicht, dann wird er nicht gedruckt bzw. nicht gesendet."

 

Missgefallen findet Podgorski auch an der Medientendenz in Zusammenhang mit der Russland-Krise. Berichtet wird seiner Ansicht nach nur aus Sicht der Amerikaner und der westlichen Welt, sämtliche Korrespondenten seien mit wenigen Ausnahmen in vorauseilendem Gehorsam gleichgeschaltet. Und das ohne Einflussnahme von Conchita Wurst, die auf der genialen Karikatur von Michael Jesenko Putin die Ohren lang zieht :-)

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