Krems 2014 (4): Armutszeugnis Öffentlicher Verkehr / Mieten- und Gebührenwucher / Null Ambitionen im Innenstadtmarketing.

Diskutiert wird in Krems jahrelang über das Parkplatzproblem, das in Wirklichkeit gar keines ist. (Kostenpflichtige) Parkplätze sind genug vorhanden, man könnte eventuell eine Gratis Stunde Parken in der Innenstadt einführen, um zumindest einige Kunden von den peripheren Einkaufszentren in die Innenstadt zu locken. Ein echtes Armutszeugnis dagegen ist der Öffentliche Verkehr in Krems.

 

Es existieren 4 Stadtbus-Linien, deren erhöhtes (!!!) Jahresticket mit 377 Euro mehr kostet als die Wiener Jahreskarte, bestehend aus U-Bahn, Straßenbahn und Bus (365 Euro). Samstag Nachmittag, sonntags und an Feiertagen existiert gar kein öffentlicher Verkehr, die eigentlich budgetierte Linie 5 in den Gewerbepark wurde trotz Versprechens der rot-schwarzen Stadtregierung noch immer nicht revitalisiert. An Disco- bzw. Kinobusse für die Jugend denkt auch keiner der abgehobenen Stadtpolitiker.

 

Katastrophal auch die Zug-Verbindungen am Abend bzw. in der Nacht. Der letzte Zug Richtung Krems verlässt bereits um 21.50 Uhr die Wiener Bundeshauptstadt, Theater-, Sport- und Konzertveranstaltungen sind für Kremser – im Gegensatz zu Bewohnern anderer Großstädte Niederösterreichs – mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar.

 

Nicht thematisiert wird in der Wachaumetropole auch die immer größer werdende soziale Kluft zwischen den Bewohnern. Während die Zahl der Arbeitslosen (1014), der Mindestsicherungsbezieher (320) und Armutsgefährdeten steigt, siedeln sich immer mehr begüterte Personen aus dem Uni- und Studentenmilieu an. Nicht nur dieMieten steigen, sondern auch die Gebühren und die Preise in einschlägigen Restaurants und Cafes. Gentrifizierung pur, die allerdings von den Politikern nicht wahrgenommen bzw. verdrängt wird. Der „normale“ Einkommensbezieher kann sich bald die Luxusmetropole Krems nicht mehr leisten, wo beispielsweise Studenten von Privatuniversitäten bis zu 26.000 Euro Studiengebühren jährlich bezahlen.

 

Bei der aktuellen Kaufkraftanalyse schneidet Krems noch relativ gut ab. 90 Prozent der Kaufkraft bleiben in Krems, ein Rückgang von 2,1 Prozent gegenüber 2006. Vor allem der E-Commerce – bei Bekleidung und Büchern – dezimiert die regionalen Umsätze. Problematisch in Krems ist der Verfall der Unteren Landstraße, wo viele Geschäfte, darunter auch das ehemalige Kaufhaus Kaltenböck, leer stehen und die Frequenz deutlich geringer ist.

 

Ideen für eine Belebung gäbe es genug: Ein McDonalds in der Innenstadt, ein Multifunktions-Cafe, die Ansiedlung studentenspezifischer Unternehmen (IT- und Serviceshops), mehr (gastro)-belebte Freiflächen oder auch Shuttle-Dienste von der City zu den Parkgaragen. Von der Stadtführung gibt es trotz eines neuen, finanziell hochdotierten Postens – Stichwort „Wirtschaftservicestelle“ – dazu keine Ambitionen. Hauptsache, man war bei der Eröffnung des 40 Millionen Euro teuren Konkurrenz-Centers „Mariandl“ dabei und kassiert die dortige Kommunalsteuer.

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