Kremser Kaufkraftanalyse: Eigenbindung sinkt auf (hohe) 90 %, Chancen der Innenstadt liegen bei der Zielgruppe der Studenten.

Krems hat als Bildungs- Kultur- und Tourismusstadt wohl die besten Voraussetzungen, auch hohe Einzelhandels- und Gastronomieumsätze zu machen. Und tatsächlich sorgt laut einer IMC-Studie vor allem der Studentenboom in der Wachau-metropole für klingende Kassen. Ein Studierender gibt hier jährlich 2525,28 Euro aus, ein in Krems wohnhafter sogar 3.752,89 Euro. Kritisiert wird von den Studenten neben der Parksituation und den Öffnungszeiten die Angebotsvielfalt bei Geschäften und das Fehlen passender Treffpunkte für die Abendgestaltung, was die Studenten allerdings nicht daran hindert, im Monat 122.806 Euro in die Kremser Gastronomie zu pumpen. Dass trotzdem nicht alles rosig ist, zeigt eine brandneue Kaufkraftanalyse der CIMA Beratungs- und Management GmbH, die sich vor allem mit der Kremser Innenstadt beschäftigt hat.

 

Positive Faktoren sind die Bevölkerungszahl (24.014, + 2,8 % gegenüber 2002) und die Nächtigungszahlen (216.099, + 28 %). Die Kaufkraft der Kremser Bevölkerung betrug 2013 134,5 Millionen Euro, davon wurden 120,4 Millionen direkt in Krems ausgegeben. Die Kaufkraft-Eigenbindung beträgt also trotz eines Rückgangs von 2,1 % gegenüber 2006 (hohe) 90 %. Auffällig sind die unterdurchschnittlichen Werte bei der Bekleidung (81 %) und bei Büchern, Schreib- und Bürowaren (66 %). Untersucht man die Kaufkraftabflüsse näher, dann zeigt sich, dass vor allem der E-Commerce bei der Bekleidung (8 %) und bei Büchern (29 %) den Umsatz der einheimischen Unternehmer dezimiert.

 

Untersucht wurde in Krems auch die Angebotsstruktur im Einzelhandel. So existierten zum Stichtag 353 Betriebe mit einer Verkaufsfläche von 124.611 m2, davon in der Innenstadt 18.643 m2. 80 % der Betriebe sind Fachgeschäfte. Auffällig ist der hohe Anstieg des Filialisierungsgrades von 40 % auf nunmehr 51 %, im Ortszentrum sogar von 26 auf 42 %.

 

Abschließend wurde von den Gutachtern der CIMA ein City-Check vorgenommen, und zwar am 22. April 2013 noch VOR den Schließungen von Niedermeyer, Dayli und Kaltenböck, wodurch das nunmehr vorliegende Ergebnis besser ist als erwartet.

 

Besonders die Obere Landstraße bekommt von den Stadtmarketingexperten mit ihren Gebäuden, Ambiente, Branchenmix und der Gastronomie gute Werte. Verbesserungsbedarf besteht bei der Sauberkeit und bei der Vielzahl von Werbestehern und Verkaufsschildern im Fuzo-Bereich. Die Untere Landstraße erhält schlechtere Werte bezüglich der Belebung, der Sauberkeit und der Möblierung, jetzt 11 Monate nach der Bewertung wirkt sie im unteren Bereich fast verwaist. Im niederösterreichischen Städtevergleich liegt Krems allerdings weiterhin im oberen Drittel, und zwar mit einer Gesamtnote von 2,1 auf Platz 5 hinter Tulln, Mödling, Baden und St. Pölten.

 

Die Zeichen für die Innenstadt stehen allerdings auf Sturm, wird doch am 4. April das neue Einkaufszentrum "Mariandl" mit 550 Gratisparkplätzen direkt neben dem Bühlcenter eröffnet. Die Flinte sollte man aber nicht ins Korn werfen, durch die Schüler und Studenten gibt es ein enorm hohes Kaufkraftpotential in Krems, man muss aber dafür auch die richtigen Schlüsse im Sortiment, Branchenmix und in der Werbung treffen.

 

Ein McDonalds in der Innenstadt – zum Beispiel im ehemaligen Kaltenböck - wäre ein Top-Multiplikator, dazu ein urbanes Multifunktionscafe mit Vernissagen, Polit-Talks, Präsentationen, Autogrammstunden und Sportübertragungen. Auch die Generation Internet sollte sich in der Altstadt Krems wohlfühlen, Dienstleistungsbetriebe auf dem IT-Sektor sollten abends ihre Serviceleistungen anbieten. Radfahren in der Fußgängerzone sollte ab 18 Uhr und an den Wochenenden rechtlich zulässig sein. Firmen sollten ihre Produkte – ähnlich Soulsista mit ihren Fashion-Shows – auf dem Campus präsentieren. Organisierte Shuttle-Dienste könnten gekaufte Produkte bequem und kostenlos direkt zu den Parkhäusern transportieren.

 

Und anstatt sich über neue Tiefgaragen beim Südtirolerplatz den Kopf zu zerbrechen, sollte man sich Gedanken machen über ein modernes Veranstaltungszentrum. Eine junge Stadt wie Krems lebt auch von Events, Konzerten, Clubbings, Bällen und Festivals. In angemessener Atmosphäre. Wer die vom Kremser Magistrat vermieteten Österreich-Hallen jemals als Besucher bei gleißendem Morgenlicht gesehen hat, kann nur mehr den Kopf schütteln. Die Clubbing- und Maturaballveranstalter haben sich damit schon abgefunden. Zumindest nach außen hin...

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