1500 Euro Mindestlohn !

Leistung muss sich lohnen, und zwar für alle. In Österreich existiert seit Jahrzehnten das System der Kollektivverträge, die zwischen den Wirtschaftskammern und den Gewerkschaften abgeschlossen werden. Damit sind allerdings nicht alle Arbeitnehmer umfasst, und es gibt zusätzlich Berufsgruppen, wo trotz Kollektivverträgen die Höhe der Entlohnung nicht für die Bestreitung des Lebensunterhalts reicht.

 

In 21 von 28 EU-Staaten sind derzeit Mindestlöhne fixiert, Deutschland will ab 2017 einen Mindestlohn von 8,50 Euro brutto pro Stunde (= 1472 Euro monatlich) einführen. Ein Richtwert, der auch von Österreich angestrebt werden sollte. Fast die Hälfte aller Kollektivverträge haben aktuell Einstiegsgehälter unter 1500 Euro brutto, Friseurinnen beispielsweise nur ca. 1200 Euro, vollzeitbeschäftigte Handelsangestellte 1.391 Euro. Durch Einführung eines Mindestlohnes wird auch das Gehalt von Branchen erfasst, die keinem Kollektivvertrag unterliegen (wie Teile der Printmedien, der Landwirtschaft, die privaten Dienstleister oder die freien Berufe). Außerdem sollte der Mindestlohn auch auf freie Dienstnehmer erstreckt werden, die bisher nur einen geringen arbeitsrechtlichen Schutz genießen.

 

Scharfe Kontrollen sollen dafür sorgen, dass die Arbeitgeber nicht mit Verrechnungstricks, unbezahlten Überstunden oder dem Abdrängen in die Scheinselbständigkeit den Arbeitnehmer finanziell benachteiligen. In Großbritannien, wo ein Mindestlohn 1997 (erfolgreich) eingeführt wurde, wurden eigene Whistleblower-Hotlines installiert. Als oberstes Gremium wurde dort eine Low Pay Commission eingerichtet, die die Mindestlöhne regelmäßig prüft und anpasst.

 

In einer modernen, sozialen Gesellschaft soll jeder fleißige Arbeitnehmer ein bestimmtes Mindesteinkommen erhalten. Das stärkt auch die Kaufkraft, die Arbeitsplatzsituation und natürlich auch das soziale Klima in einem Land...

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