„Jugend in Krems – Im Stich gelassen“

Das einzige, wovor Jugendliche geschützt werden müssen, sind die Erwachsenen“, fabulierte einst Heinrich Böll. In der Realität leider nicht möglich, und so werden die jungen Leute heftig konfrontiert mit den Fehlern der „Alten“, Wirtschaftskrisen, Umweltkatastrophen, Mehrklassengesellschaften, Arbeitslosigkeit oder klaffenden Budgetlöchern. Die Politik ist daher gefordert, auf allen Ebenen, auch die Jugend in ihre Strategien einzubeziehen. Das Zauberwort heißt hier Mitbestimmung in Form direkter Demokratie. Die FPÖ setzt sich auch auf kommunaler Ebene für verbindliche Bürgerbefragungen beispielsweise bei öffentlichen Verkehrs- und Bauprojekten (wie einem Hotelbau an der Donau oder einem Jugendzentrum) ein und propagiert dabei auch das „E-Voting“-System, bei dem die technikaffine Jugend nicht in das biedere Wahlstübchen traben muss, sondern auch zu Hause ihre Meinung abgeben kann.

 

Die Jugendarbeitslosigkeit ist zwar in Österreich noch nicht so hoch wie in Spanien oder Griechenland, der „Aufruhr der Ausgebildeten“ (so ein Buch von Wolfgang Kraushaar) ist aber auch hierzulande nicht auszuschließen. Abseits sinnloser AMS-Kurse muss hier die Stadt Krems selbst tätig werden, einen vernetzten, elektronischen Informationsdienst mit allen offenen Stellen und Praktika anbieten und in einem neueinzurichtenden „Youth Corner“ im Magistrat Teens und Twens beraten, sowohl in Sachen Jobs und Ausbildung als auch in rechtlichen Belangen. Jungunternehmer sollen dort unbürokratisch über Förderungen und steuer- und sozialversicherungsrechtliche Fallen aufgeklärt werden. 866 Euro pro Jahr berappen Eltern für Nachhilfekosten ihrer Kinder, die FPÖ Krems setzt sich hier für Gratis-Nachhilfe lernschwacher Kinder in den Ferien ein.

 

Das allergrößte Problem für Jungfamilien und Singles stellen die immer höher werdenden Wohnkosten dar. Eine Eigentumswohnung kostet im teuren Krems bereits um die 2.300 Euro/m2, die – wenn überhaupt – nur mit jahrzehntelangen Krediten finanziert werden kann. Tendenz steigend. Ebenso Mietwohnungen, die mit 6-10 Euro pro m2 die Löhne und Gehälter schwer belasten. Die FPÖ setzt sich für sozialen Wohnbau ein und kritisiert heftig die Luxusbauten der GEDESAG. Wohnungen müssen baulich und größenmäßig so ausgestaltet sein, dass diese sich auch der einfache Bürger leisten kann und nicht nur der reiche Großindustrielle.

 

Während in Wien die Jugendlichen sogar nachts per U-Bahn durch die Stadt schwärmen können, herrscht in Krems diesbezüglich ein großes Mobilitätsproblem. Stadtbusse sind außerhalb des Zentrums – vor allem an den Wochenenden – rar, Taxis sind zu teuer, das System des Anrufsammeltaxis wurde bis dato viel zu wenig beworben. Kleinste Ortschaften im Waldviertel organisieren Disco- und Nachtbusse für die Jugendlichen, in der 28.000-Einwohnerstadt Krems ist man für deren Organisation zu inkompetent oder hat kein Interesse daran. Dasselbe gilt für einen Nachtzug von Wien nach Krems. Während Tullner Jugendliche bis 23 Uhr in Wien wegbleiben (und damit Konzerte, Theater oder Fußballspiele in der Bundeshauptstadt besuchen können), fährt der letzte Zug Richtung Krems bereits um 21.51 Uhr. Zu dieser Zeit laufen meist noch alle Abendveranstaltungen.

 

"In anderen Städten gibt es Konzerte, Plätze, Parks, usw..., in denen die jungen Erwachsenen Raum bekommen. Für meine Generation (18-30) gibt es in Krems jedoch keinerlei Angebote und Aktivitäten." – Ein trauriges Zitat aus einem NÖN-Leserbrief, das die Freizeit- und Unterhaltungsangebote des UNESCO-Weltkulturerbes Krems widerspiegelt. Und Fakt ist: Es gibt in Krems kein Jugendzentrum mit Auftrittsmöglichkeiten für junge Bands, DJ´s und Künstler, Street Art und Internetcafe, von einer Veranstaltungshalle (ähnlich dem VAZ in St. Pölten) gar nicht zu reden. Top-Clubbings wie der Star Night Club oder elitäre Schulbälle finden notgedrungen in der von der Stadt Krems teuer vermieteten, aber längst antiquierten Österreich-Halle statt.

 

Das seit 1992 stattfindende Beislfest in Stein wurde im 20. Jahr seines Bestehens abgesagt, weil der von der Rinke-ÖVP-geführte Magistrat die Veranstalter mit nicht finanzierbaren Auflagen und Sicherheitsmaßnahmen schikanierte. Auch die ausländischen IMC-Studenten müssen auf Club-Atmosphäre verzichten, weil die Und Lounge als einziger echter Dance Club der Stadt nach 4 Jahren Öffnung plötzlich eine neue Betriebsanlagengenehmigung beantragen muss. Die Beislwirte der Innenstadt dagegen müssen „Habt Acht“ bei der Bürgermeisterin stehen, zwecks Erarbeitung eines wirkungslosen „Gastronomieleitbildes“. Weil die ÖVP weiterhin die Einrichtung eines von der FPÖ geforderten Polizeiwachzimmers auf dem Pfarrplatz verhindert, der einzigen „Waffe“ gegen Vandalismus, Lärm und Straftaten in der Altstadt.

 

Auch sportlich herrscht Sauregurkenzeit. Die Badearena bedarf einer schnellen Renovierung und vertreibt die Jugendlichen mit ihren horrenden Badetarifen Richtung Dürnstein, Herzogenburg oder an die gratis benützbare Donau. Der Bundessportplatz und der mehr als desolate Ausportplatz (trotz seiner Mängel skandalöserweise auch Trainingsplatz für den ehemaligen Fußball-Cupsieger KSC) dürfen nur in Ausnahmefällen von Privaten genutzt werden. Jugend- und Sportcamps wie früher in den 80ern finden so gut wie nicht statt.

 

Die Stadt Krems baut teure Schulzentren, selbstgefällige Wohnungskomplexe und Luxusrestaurants, um die Anliegen der Jugendlichen kümmert sie sich nicht. Der Jugend gehört die Zukunft. Wer so mit unserer Zukunft umgeht, der hat in der Politik keine Berechtigung mehr...

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