Krems 2011 – Oliver´s schonungsloser Polit-, Kultur-, News- und Eventrückblick...

Nach oben gibt es keine Grenzen“ – ein Zitat, das man auf die Kremser Finanzpolitik haargenau anwenden kann. Im Jahr 2011 beträgt der Schuldenstand der schmucken Donaumetropole gigantische 155 Millionen Euro, eine Summe, die sich innerhalb der letzten 15 Jahren unter „Führung“ schwarzer ÖVP-Fraktionen mehr als verdoppelt hat. Und das trotz einer skandalösen Abkassiererpolitik des Magistrats.

 

Höhepunkt dieser Agitationen ist die Einführung einer blauen und grünen Parkzone, bei der seit März 2011 wohl alles schief geht, was schiefgehen kann. 12 verschiedene Parkscheine, Touristen suchen verzweifelt nach nicht vorhandenen Parkautomaten, ohnehin karg verdienende Mitarbeiter der Innenstadtbetriebe müssen zwischen 50 und 60 Euro von ihrem Monatslohn abziehen, Anrainer erhalten kostenpflichtige Bewohnerparkkarten, je nach Lage unterschiedlich teuer, die Mitterau und Weinzierl bleiben (vorerst) noch parkgebührenfrei. Der Vorsitzende der Kremser Kaufmannschaft, Karl Heinz Hagmann, behauptet allen Ernstes, die Grüne Zone sei ein Segen für die Innenstadt. Tatsächlich geht die Frequenz um bis zu 40 % zurück, renommierte Krenneis-Betriebe und beliebte Street Cafes müssen schließen. Damit die Konkursquote der Kremser Innenstadtbetriebe in Zeiten der Wirtschaftskrise weiter erhöht wird, dafür sorgt der Gemeinderat mit einer Erhöhung diverser Abgaben. Die Gebrauchsabgaben werden verneunfacht, die Schanigartenabgabe wird um das 20fache erhöht. Formel 1-Star Sebastian Vettel wird bald um 6 Uhr abends durch die Kremser Landstraße brausen, auf Hindernisse wird er dort wohl kaum treffen.

 

Einen Millionenskandal deckt der Rechnungshof auf – die Stadt Krems hat noch unter dem Bürgermeister Hölzl ein 121.000 m2-Grundstück im Gewerbepark um den enormen Preis von 4 Millionen Euro gekauft, tatsächlich wert ist es aufgrund einer falschen Umwidmungskategorie nur 85.000 Euro, also „nur“ um das 47fache weniger. Konsequenzen (außer der rechtlichen Verfolgung eines untergeordneten Beamten): keine. Im Gegenteil – man zelebriert die eigene Unfähigkeit noch in primitivst-peinlicher Weise bei der Faschingsdienstag-Party mit dem rustikalen Kuhstall-DJ Marco, wenn Rinke, Hagmann, Hallbauer & Co. dem „niederen Volk“ mit breitem Grinsen zujubeln und zuprosten.

 

Zu feiern hatte auch die Kunstmeile 2011: Abgesehen davon, dass sie aufgrund einer ungerechtfertigten Privilegierung keine Lustbarkeitsabgabe zu zahlen hat, präsentierte Ironimus Gustav Peichl seine besten „Kreisky“-Karikaturen im Karikaturmuseum, das im Oktober 2011 – ohne den erkrankten Manfred Deix – sein 10-Jahres-Jubiläum beging. Die Top-Exhibition des Jahres war aber „Lucas Bosch Gelatin“ in der Kunsthalle Krems. Die seltsam-bizarre Ausstellung, die einen Konnex zwischen den apokalyptischen Werken vom spätmittelalterlichen Künstler Hieronymus Bosch, der Brit Art-Ikone Sarah Lucas und dem Kremser Kollektiv Gelatin herstellt, erreichte Platz 1 im Falter-Ausstellungsranking. Der riesige bewegliche Unterarm von Damien Hirst dürfte hier ein Machtwort gesprochen haben. „Nodes, Roots, Shoots“ hieß das Motto des Donaufestivals 2011. Neben morbiden, vernachlässigbaren Acts konnte sich das (eigentlich nicht beabsichtigte) Star-Aufgebot sehen lassen: Dubstep-Protagonist James Blake, Remixer Diplo, die französische Electro-Punk-Formation Kap Bambino oder die kühl-minimalistischen Ladytron begeisterten das vorwiegend aus Wien kommende Publikum. Im Banne der Kritik DJ Smallcocks „Vinyl Ralley“, bei der durch ein über Schallplatten fahrendes Rennbahnauto Töne erzeugt wurden – Vinylscheiben (mögen sie noch so schlecht sein) seien künstlerische Werke und kein Abfallprodukt.

 

Infrastrukturell neu in Krems sind das 26 Millionen Euro teure Schulzentrum nahe dem Bahnhof mit dem „genialen“ Schachzug, 3 Schulen mit 3 Konferenzzimmern und 3 Küchen auszustatten, und das von den Wiener Architekten Najjar & Najjar konzipierte 3 Mio Euro teure Schifffahrts- und Welterbezentrum Wachau mit dem inkludierten gastronomischen Betrieb „Wellenspiel“. Hier haben sich zumindest die Wünsche jener nicht erfüllt, die eine coole Ibiza-Open-Air-Bar (a la Bora Bora Beach) einer Etepetete-Atmosphäre vorgezogen hätten. Noch ohne Wellenspiel-Design zeigte sich die Wachau in schönster Pracht im deutschen Krimizweiteiler „Vermisst“, bei der eine scheinbar brave Musterschülerin „Laura Palmer-mäßig“ in das dunkle Nachtleben abgleitet und nach einer Birthday Party als verschollen gilt. 250.000 Euro wurden vom Land NÖ dem Film-Gesamtbudget von 4 Millionen Euro beigefügt.

 

Für Aufsehen sorgte der Einsatz der Cobra in Egelsee, bei dem eine internationale Dealerbande mit 4,3 kg Heroin und 730 g Kokain dingfest gemacht wurde. 35 Abnehmer wurden angezeigt, darunter ein 50jähriger Kremser Professor, der angeblich unentgeltlich Kokain an Studierende weitergegeben hat. Ein bislang unbescholtener Kremser Geschäftsmann wurde wegen eines 2-Millionen-Betruges in Zusammenhang mit geleasten Kopierern zu 4,5 Jahren unbedingter Haft verurteilt. Als endgültig rechtswidrig klassifiziert wurden die tödlichen Schüsse im Merkur-Markt, bei der ein 14jähriger Einbrecher getötet wurde. Der Polizist und Todesschütze wurde übrigens zu 8 Monaten bedingter Haft verurteilt.

 

In der Innenstadt-Szene sorgt ein gastronomie- und jugendfeindlicher Kurs des Magistrats Krems für Aufregung unter den Betrieben. Anstatt eine Polizeiwachstube auf dem Pfarrplatz zu installieren, ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen per Verordnung zu beschließen und die Polizeipatrouillen an den Wochenenden zu verstärken, fordert die Rinke-ÖVP eine Vorverlegung der Sperrstunde auf 2 Uhr. Ein vom Hagmann-Sohn initiierter „Fragebogen Sicheres Krems“ verleitet frustrierte Wutbürger und Anrainer zu spitzelartigen Denunzierungen im Stile dunkler Stasi-Vergangenheit. Wegen Sicherheitsbedenken und Anrainerbeschwerden soll das bereits seit 19 Jahren stattfindende Steiner Beislfest im Jahr 2012 nicht mehr stattfinden, dagegen formieren sich Facebook-Initiativen wie „Save the Party – Rettet das 20. Beislfest 2012“ und „Occupy Krems“.

 

Clubbing Hot-Spot der Stadt war auch 2011 die Und Lounge, in der nicht nur die Weekend-Resident-DJ´s Stephano B. und Margo jun. bzw. arrivierte nationale Guest-DJ´s wie Theo Beck, Dominique Jardin, Ronaldo, Solandro, Martina Kaiser oder Pacha Rio-Resident Michael Kutalek für volle Dancefloors im Kloster Und-Untergewölbe sorgten, sondern in der auch die IMC-Erasmus-Party People bei den donnerstäglichen Student´s Clubs zu den heißen House-, Disco- und R&B-Tracks von DJ Oliver die Nacht zum Tag machten.

 

Unterhaltsame Themen-Parties im Nightlife der Stadt bietet auch weiterhin der Kremser Event-Veranstalter Martin Neger. Die Highlights: „Die großen 10“-Legende Udo Huber als Moderator der 80er- und 90er-Spotlight-Parties, der Ex-„Fabrik“ und „Dorian Gray“-DJ Stevie B. (bei einem „Spotlight“-Special im Spitzer Cherie), die Apres Ski- und Ballermann-Parties im Mauterner Heurigen Schwaighofer, der Live-Bodypainting-Auftritt von Ex-Playboy Cybergirl Andrea Wagner in der Carribean Nights Bar beim ansonsten programmtechnisch gesehen farblosen Kremser Volksfest, Ibiza-Tiare Bar-Resident DJ Mettylectro (inkl. einer Präsentation des „Fros´n“-Alkoholeises) und Brooklyn-Resident Djane Riva Elegance, die derzeit mit ihrer neuen Single „When the Night is young“ auf Hit-Kurs ist. Den well-dressed Look zu den heißen Parties kann man sich jederzeit im City-Fashion-Shop „Soulsista“ von Alex & Betti Lengauer zulegen, die mit schicken Fashion-Shows und kongenialen Promotion-Aktionen wie dem „1000 Euro“-Shopping auf sich aufmerksam machten.

 

Ein seltsames Deja Vu feiert das „Millennium“ im antiquierten Kremser Stadtsaal, der normalerweise als Location-Plattform für nationale Stand-Up-Comedians gilt. Unter dem Hintergrund des Konkurses aller Betriebe und eines 6 Millionen-Euro Prozesses gegen eine Versicherung, die wegen sonderbarer Obliegenheitsverletzungen den „Schatzi“-Brandverlust nicht begleichen will, werden dort derzeit Schlager-, Menstrip- und Großraumdisco-Parties in einer jeder Hinsicht heiklen rechtlichen Grauzone gefeiert, die vermutlich 2012 noch für Zündstoff in der Gastro-Szene sorgen werden.

 

Spannung bietet auch die Kremser Gemeinderatswahl am 7. Oktober 2012. Aufgrund eklatanter Fehler in der Gemeindepolitik und des Auftretens von teils politisch schwer einschätzbaren Bürgerinitiativen erscheinen alle Ergebnisse möglich. Time will tell.....

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