Austro-Politiker im Halli Galli-Rausch: 74 Tage Sommerurlaub für Nationalrat, 89 (!) für niederösterreichischen Landtag.

„Summertime, and the Living is easy“ – sic est, der Sommer ist die schönste Zeit des Jahres. Flanieren in den Ramblas der Städte, ein paar coole Cocktails in den Street Cafes, Sonnenbaden an Stränden und Seen, Trinken, Tanzen, Flirten und die Nacht zum Tag machen bei diversen Sommerfestivals und Clubbings und als Bonmot und Alltagsausgleich ein Auslandstrip in den lebenslustigen Süden oder in die Karibik. Leider ist der sommerliche Urlaubsanspruch für die meisten unselbständig tätigen Bürger auf vielleicht 2-3 Wochen begrenzt, und auch die Freiberufler und Selbständigen können nicht unbegrenzt ihre Tätigkeiten unterbrechen, wenn sie nicht vor dem Konkursrichter stehen wollen.

 

Alle Tiere sind gleich“, heißt es in Orwells „Animal Farm“, doch „manche Tiere sind gleicher“. Und so gibt es neben den Lehrern (die einen 61tägigen Sommerurlaub genießen dürfen) noch eine Bevölkerungsgruppe, die im wunderschönen Sommer überhaupt nicht arbeiten muss, und das bei unbegrenzten Bezügen: Die Nationalrats- und Landtagsabgeordneten Österreichs.

 

Der Nationalrat macht dieses Jahr (gesetzlichen, also vom Nationalrat selbst beschlossenen) Sommerurlaub von 15. Juli bis 15. September, in Wirklichkeit dauert er noch länger, und zwar von 9. Juli bis 21. September, das sind ganze 74 Tage, an dem der Großteil der Nationalratsabgeordneten keinen Finger rühren muss, um pro Monat und das 14mal im Jahr 8.160 Euro brutto zu kassieren. Und das natürlich noch im voraus. Doch haben sie das nicht verdient, die kompetenten Gesetzesbeschließer im Hohen Haus ? Immerhin 2 Plenarsitzungen plus 6 Ausschuss-Sitzungen müssen sie durchschnittlich pro Monat über sich ergehen lassen, um neben ihren (großteils pragmatisierten) Nebeneinkünften diese Gage zu erhalten. Mit einer Verantwortung, die sich sehen lassen kann: „Jeder Abgeordnete ist verpflichtet, an den Sitzungen des Nationalrates und der Ausschüsse, in die er gewählt ist, TEILZUNEHMEN.“ Man könnte in den mittleren und hinteren Reihen des Nationalrates also auch Gummipuppen, Avatare und Roboter reinsetzen, die dann unter der maschinellen Leitung der Klubobleute die Hände rechtzeitig heben, wenn wieder einmal das verfassungsrechtliche Prinzip des freien Mandates gebrochen wird.

 

Jetzt kommt aber die mich entlarvende Replik der Abgeordneten: „Wir arbeiten doch auch im Sommer, in den Wahlkreisen“. Wir dinieren im „Wellenspiel“, stehen mit unseren Dienstautos ungestraft im Parkverbot, laufen beim Wachaumarathon mit, besuchen die Kunsthalle zum Nulltarif, werden gratis zu Sommertheatern, Bällen und Festivals eingeladen, champagnisieren in Nobellokalen, feiern exzessiv beim Kremser Volksfest und beweihräuchern den Dionysos bei rauschigen Kellergassenfestln. Das ist eben Kontakt mit dem Wähler, dieser muss fürstlich bezahlt werden, wo kämen wir denn sonst hin ?

 

Mir kommen die Tränen, und ich muss meinen Irrtum über die faulen Halli-Galli-Nationalräte eingestehen, denn jeder hat ja die Politiker, die er verdient. Vor allem der Niederösterreicher. Im niederösterreichischen Landtag (der gewöhnlich über solch heikle Materien wie Fischerei-, Jagd- und Feuerwehrrecht stammtischartige Plenardiskussionen führt), macht man Sommerurlaub von 7. Juli bis 6. Oktober, also 89 Tage, fast 3 Monate. Und das zu einem 14mal ausbezahlten Monatsbezug von ca. 6.700 Euro. Da kann der Landtag ja sich direkt einen langen Flug in die Wüste leisten. Aber bitte mit One Way-Ticket. Eine Vermisstenanzeige gibt sicher keiner auf.....

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