World Press Photo Awards 2010 – Siegespreis für afghanischen Reality-Horror-Shot !

Seit 1955 werden in Amsterdam die World Press Photo Awards für die besten Pressefotografien vergeben. Das Siegesfoto 2010 der südafrikanischen Fotografin Jodi Bieber, ausgewählt aus mehr als 108.000 Fotos, wird vielen noch lange in Erinnerung bleiben. Gezeigt wird ein Porträt der 18jährigen Afghanin Bibi Aisha, einer bildhübschen Frau, allerdings mit einem horriblen „Schönheitsmanko“: Statt einer Nase befindet sich in der Mitte ein Loch in ihrem Gesicht, die brutalen Taliban haben Aisha Nasen und Ohren abgeschnitten.

 

Der schreckliche Hintergrund dieser Gewalttat: Die afghanische Frau wurde als „Blutschuld“ für einen Clan-Mord während ihrer Teenagerjahre an einen Taliban-Kämpfer verkauft, der sie bei den Tieren schlafen ließ und sie als Sklavin hielt. Nach einer verzweifelten Flucht wurde sie von der Polizei aufgespürt und wieder ihrem Ehemann übergeben. Ein lokaler Taliban-Richter fällte ein schreckliches Urteil – aufgrund der Entehrung sollten der Frau Nase und Ohren abgeschnitten werden. Vollzogen wurde das Urteil durch den Ehemann in den Bergen, zufällig wurde die dort zurückgelassene Frau allerdings von US-Entwicklungshelfern gefunden und in ein Frauenhaus nach Kabul gebracht.

 

Bekannt wurde das Bild des verstümmelten Mädchens durch ein Cover auf dem Magazin „Time“ mit der ambivalenten, kriegsprogressiven Botschaft „Was passiert, wenn wir Afghanistan verlassen ?“.

 

Insgesamt wurden bei den diesjährigen World Press Photo Awards 56 Preise verliehen. Das Aisha-Foto war nicht der einzige Reality-Schocker unter den Preisträgern. Auch der Selbstmord eines Ungarn (1. Platz, „Spot News“), abgelichtet von Peter Lakatos, oder die Durchbohrung des Unterkiefers eines spanischen Matadors durch einen Stier („Sport“, 2. Preis) gehen an die Grenzen der fotografischen Ethik. Awards gab es aber indirekt auch für die innovative Medienszene der Gegenwart und Zukunft, und zwar für ein Selbstporträt für Facebook (Wolfram Hahn) und ein schickes Foto von „Wikileaks“-Gründer Julian Assange in London, der dort noch immer unter gerichtlicher Verwahrung steht.

 

Für Aisha hatte der Publicity Hype rund um ihr Foto ein gutes Ende – sie wurde in Los Angeles durch ein Team des renommierten Grossman Burn Centers kostenlos operiert.....

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Neal (Sonntag, 22 Juli 2012 16:07)

    My spouse and I stumbled over here coming from a different web page and thought I may as well check things out. I like what I see so now i�m following you. Look forward to looking at your web page for a second time.