30 Jahre U 4 – Kult-Shots von der Doorman-Legende Conny.

Punk-Endzeitvisionen, New Wave-Impressionen, Gothic-Drohnen, New-Romantics-Epigonen – die hippen Großstädte der Welt wie London oder New York befanden sich Anfang der 80er im schrill-schrägen-avantgardistischen Schmelztiegel neuer Musik-, Mode- und Kunstströmungen. Die morbide Austro-Metropole Wien befand sich zu dieser Zeit noch im tiefen Szene-Winterschlaf. Das sollte sich bald ändern, als am 8. Mai 1980 die Wiener Diskothek U 4 direkt neben der U-Bahnstation eröffnete.

 

Gründer Ossi Schellmann inspirierten britische Trendscouts – er ließ die Wände des dort vorher befindlichen Plüsch-Lokals Copacabana schwarz streichen – die Kult-Disco der Bundeshauptstadt war geboren. Und bald tummelten sich dort Künstler, Kreative, Paradiesvögel, New Romantics und die Protagonisten der Austro-NDW a la Minisex, Hansi Lang oder Blümchen Blau. Falco ließ im U 4 die Goldfisch geigen, sein „Ganz Wien“ wurde zur Hymne des Lokals und einer Generation, deren Lebensphilosophie sich im legendären „Wer sich an die 80er erinnern kann, der hat sie nicht erlebt“-Zitat hochprozentig widerspiegelt.

 

Einer, der von Anfang an mit dabei war, war Constantin Marquis de Rouxville dictet de Beauclair – alias „Conny“. Der aus einem deutschen Adelsgeschlecht stammende Münchner zog der Liebe wegen nach Wien und wurde dort zufällig Türsteher in Schellmanns Lokalen (zu denen damals auch das mondäne „Montevideo“ gehörte). Conny, selbst strikter Antialkoholiker, wurde – mit nur kleinen Unterbrechungen – 30 Jahre lang Zeuge wilder Party-Exzesse und bannte diese auch auf Linse: Grace Jones, Prince bei einem seiner exklusiven After Hour-Konzerte, Kurt Cobain pizzaessend, Courtney Love in eindeutiger Stellung, Sade, Boy George, Divine, Jean Paul Gaultier, David Bowie inkognito ohne Bodyguards, Hollywood-Hero Johnny Depp (der im U 4 – nach einem abgebrochenen 1,5 Millionen-Schilling-Auftritt in den Sofiensälen - ein Gratiskonzert spielte) und viele andere Lichtgestalten der High Class-Promi-Society.

 

Auf über 300 Seiten gibt es seine besten Schnappschüsse nun zu sehen: „30 Jahre U 4“ nennt sich die mit vielen Gastautoren-Stories angereicherte Kompilation, mysterisch-elegant verhüllt in schwarzem Umschlag. Ein Epos auf den vielleicht schon verlorengegangen Wiener Zeitgeist der Vergangenheit ? Das ist Ansichtssache. Conny selbst ist heute noch immer Headsecurity des renovierten U 4 und bekam sogar das Silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien. Hat viel erlebt, hat viele überlebt (trotz zweier Attentate mit einer Pump Gun und einer Harke) und ist heute großteils prominenter als die Ex-Szene-Community der Golden Days. Unverhofft kommt oft.

 

http://www.conny.at/

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