„Imperial Bedrooms“ – Bret Easton Ellis´ neuer Bestseller über die „Less than Zero“-Generation.

Das Buch war ungeschönt und hatte etwas Ehrliches, während der Film bloß eine schöne Lüge war“. Welcher Autor hat schon die geniale Möglichkeit, in einem Buch die Kinofassung eines früheren Werkes zu beurteilen ? Bret Easton Ellis, der 1964 geborene Californian Boy, hat dies. 1985 erschien sein erster Roman „Less than Zero“ (Unter Null), zufällig entstanden als Creative Writing-Produkt auf seinem College und unter den Einflüssen von Speed. So lesen sich auch die Sex-, Drugs- und High Life-Exzesse einer sinnentleerten, oberflächlichen und hedonistischen Jugend, die nur eines nicht hat, nämlich etwas zu verlieren.

 

1987 erfolgte (nicht ganz originalgetreu) die Verfilmung des Bestsellers – mit den „Brat Pack“-Stars Andrew Mc Carthy, Robert Downey jr, James Spader und Jami Gertz, die Bangles trällerten den coolen Titelsong „Hazy Shade of Winter“. Weitere Romane von Ellis folgten, „The Rules of Attraction“ (verfilmt als „Regeln des Spiels“), die Kurzgeschichtensammlung „Die Informanten“ und vor allem „American Psycho“. Die brutale Geschichte über den Yuppie Patrick Bateman, der am Tag Geld und Anerkennung scheffelt und in der Nacht zum sadistischen Massenmörder wird. In Deutschland war der Roman von 1995 bis 2001 auf der Indexliste, der kongeniale Film dazu machte Christian Bale zum Charakterdarsteller.

 

In meinen Büchern drücke ich aus, was ich empfinde, diesen Schmerz. Jetzt ist er vorüber – wie ein Exorzismus“ – so der offen homosexuell lebende Starautor und „Mad Men“-Fan nach der Fertigstellung seines neuen 7. Romans. „Imperial Bedrooms“ ist die Fortsetzung seines ersten Romans „Less than Zero“ und erzählt in oberflächlicher, schonungsloser Sprache die Lebenssituation der Lost Generation, 25 Jahre danach. Clay (das „Alter Ego“ des Schriftstellers) ist nun gefeierter Drehbuchautor und kehrt für diverse Filmcastings nach Los Angeles zurück, mit dabei eine mysteriöse Blondine namens Rain Turner, die für eine Rolle in einem Hollywood-Blockbuster wohl alles tut. Seine große Teenagerliebe Blair ist mit seinem Jugendfreund Trent verheiratet (den damals nicht einmal Snuff-Videos und Kindervergewaltigungen schockten). Ex-Stricher und Drogenjunkie Julian betreibt einen High Class-Escort Service und hat seine Finanzen weiterhin nicht unter Kontrolle. Ex-Dealer Rip ist durch unzählige Schönheitsoperationen entstellt bis zur Unkenntlichkeit. „Die alte Traurigkeit – sie ist überall“ – und noch schockierender als vor einem Vierteljahrhundert. Ein unaufgeklärter Mord an einem Filmproduzenten sorgt für Unruhe in Hollywood, Clay selbst wird von einem blauen Jeep verfolgt, bekommt seltsame SMS und fühlt sich 24 Stunden lang beobachtet, sogar in den „imperial bedrooms“. Eine gefährliche Kettenreaktion nimmt seinen Lauf, und langsam ahnt Clay, dass diese mit seinen ehemaligen Freunden von früher zu tun hat und er sich diesesmal nicht so leicht aus der Affäre ziehen kann.

 

Kritiker bezeichnen den neuen Bestseller von Ellis als Mixtur aus „James Ellroy-Crime Time und Melrose Place“ und liegen da – im positiven Sinne - nicht so falsch. Eine Verfilmung a la „Black Dahlia“ wäre ein hochspannender Kassenschlager in spe (mit überraschendem, ambivalentem Schluss), noch dazu mit den Originaldarstellern von damals und einigen sexy Jung-Actors (was Ellis selbst hofft). Dazu gibt es nur ein Problem: „Julian“ (Robert Downey jr.) stirbt in der Kinofassung von „Less than Zero“, in der Buchversion ist er (noch) quicklebendig. Aber ist das überhaupt Leben, wenn dessen Quintessenz lautet „Ich habe nie jemanden gemocht, und ich habe Angst vor allen.“ ? (so der Schluss-Satz von „Imperial Bedrooms“).

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