"Aloha Lost !" - Ein Nachruf !

121 Episoden, aufgeteilt auf 6 Staffeln: „Lost“, dessen erste Episode am 22. September 2004 auf ABC ausgestrahlt wurde, schrieb Fernsehgeschichte im New Millennium und fand – im Gegensatz zu vielen anderen Serien (wie „FlashForward“, „Heroes“ und „Twin Peaks“) ein (ambivalentes) finales Ende. Das hier nur oberflächlich thematisiert wird, da die deutsch-synchronisierte Version (die auf Premiere Fox jeden Mittwoch zu sehen ist) seltsamerweise Wochen hinterhinkt. Seltsamerweise deshalb, weil die bombastische 110 Minuten-Finalepisode „The End“ innerhalb von 48 Stunden nach der US-Erstausstrahlung in 59 Ländern zu sehen war.

 

Begonnen hat die „Lost“-Expedition mit einem Auftrag an den „Alias“-Produzenten J.J. Abrams, eine Serie im Stile von William Goldings „Herr der Fliegen“ zu kreieren. Dieser war von der Idee begeistert, bestand aber darauf, auch mystische Elemente in die Serie einzubauen. Vorerst aber stand der Flugzeugabsturz im Mittelpunkt (dessen Produktion auf einer Insel in Hawaii sich als die teuerste der ABC-Geschichte herauskristallisierte), bei dem 48 Personen wie durch ein Wunder überlebten. Deren Charaktere standen in den ersten Folgen im Zenit des Interesses: Jack, der Arzt (gespielt von Matthew Fox), mit demselben Vornamen wie der „Lord of the Flies“-Anführer, Kate, die Mörderin (Evangeline Lilly), der Lottogewinner Hurley (Jorge Garcia), der listige Kleinkriminelle Sawyer (Josh Holloway, der seinen ersten Auftritt im Aerosmith-Video „Crying“ hatte) und natürlich der querschnittgelähmte John Locke (Emmy-Preisträger Terry o´Quinn), der nach dem Absturz plötzlich wieder gehen kann.

 

Das erste Wunder in einer Kette von seltsamen Ereignissen auf der Insel: Rauchmonster, elektromagnetische Strahlen, mysteriöse Zahlenkombinationen, eine Gruppe von „Einheimischen“, die sich als „Die Anderen“ bezeichnen, ein gewisser Jacob, der die Insel beschützt, und sein Gegenspieler, der die Gestalt von „untoten“ Personen annehmen kann und die Insel verlassen will, Zeitsprünge zurück in die 70er, als eine Kolonie von Wissenschaftlern (die Dharma-Initiative) die geheimnisvollen Kräfte der Insel erforschen will und mit einem unerklärlichen Kindessterben konfrontiert wird. Wer auf die Lösung all dieser Rätsel eine wissenschaftlich fundierte Antwort in den letzten Folgen erwartet, der wird (leider oder vielleicht sogar gottseidank) enttäuscht. Manchmal sind Interpretationsspielräume und der eigene beflügelte Geist wertvoller und spannender als empirische Endlösungen.

 

Die finale Episode 6 arbeitet auf jeden Fall mit sogenannten „Flash-Sideways“ – nach der Explosion der Wasserstoffbombe am Ende der 5. Staffel betrachtet der Zuschauer nicht nur das Geschehen auf der Insel, sondern dazu alternativ eine Handlungskette, die so eingetreten wäre, wenn der Flugzeugabsturz nicht (!) passiert wäre. Jack, der geschiedene Familienvater und Arzt des wieder im Rollstuhl sitzenden John Locke, der sich einer Operation unterzieht, Sawyer, der Undercover-Polizist, Hurley, der erfolgreiche Unternehmer, das von Auftragskillern verfolgte koreanische Liebespaar Sun und Kin, die schwangere Claire, die wie auf der Insel im Beisein von Kate ihr Kind bekommt,.... – der erste Flash-Back, der auf einen Zusammenhang zwischen den Inselereignissen und der alternativen Handlungslinie hindeutet.

 

Was ist real, was ist Fiktion ? It´s time to leave – remember and move on“ – ein Standardsatz aus der letzten Episode. Oder “Whatever happened, happened”. Dazu weißes Licht und eine Person, die in ihrem letztem Atemzug die Augen schließt. Und die Insel verlässt. Wer diese Bereitschaft dazu noch nicht hat, die englische „Lost-Box Collection“ erscheint am 24. August 2010 mit einem Special-Epilog von 10 Minuten, die deutsche Version läuft aktuell auf Fox Premiere und ist natürlich auch in den Tauschbörsen erhältlich.

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