Kremser Donaufestival 2010 - A Failed Revolution ?

Failed Revolutions“ – oder ist das Betäubungsmittel einfach zu stark, um die Verdammten dieser Erde aufwecken zu können. So der Teaser zum 6. Donaufestival, das – verteilt auf 2 Wochenenden und 7 Festivaltagen – wieder unter der Leitung von Irokesenmann Tomas Zierhofer-Kin in der gewohnt wenig kulturaffinen Donaumetropole Krems stattfand, waren doch auch dieses Jahr nur spärlich Party People aus der Kremser Szene in den Österreichhallen vertreten. Man steht in unseren Breiten mehr auf frauenarzt-verseuchte Wigwam-Parties und weinselige Heurigenabende. Bei diversen Acts, die mehr oder weniger mit der hintergründigen Message des Festivals („Jeder revolutionäre Gedanke verkommt bereits im Keim zur modischen Applikation“) kann man dies den Leuten dies aber gar nicht verdenken.

 

Beim Final Day am Samstag, an dem die in Berlin lebende Electroclash-Ikone Peaches auch als Kuratorin tätig war, konnte außer der extravaganten Künstlerin selbst gerademal ein Act begeistern: Und zwar die als Vorgruppe der Yeah Yeah Yeahs gehypten Ssion aus Kansas, die nicht nur mit einer Mixtur aus Glam, Prince-Rick James-Beats und Electro-Punk punkten konnten, sondern auch mit einer schnittigen Animations-Show auf den Screenwalls. Danach Schockzustand pur in Form der alternden Ex-Stripperin Sandy Kane, die als „naked cowgirl“ wohl eher in die Dschungelshow oder in die Lugner-City passen würde. Die Erwartungen an das weibliche Berliner Electro-Duo Cobra Killer waren hoch, wenn man sich das Programmheft durchblätterte (High Heels, sexy Dresses & Rotweinduschen) – die Technik machte dem Sample-Fun einen gewaltigen Strich durch die Rechnung, so frei nach dem Motto „Stuck on Replay“. Auch die Lichtanlage auf der Bühne dürfte den Geist aufgegeben haben – und plötzlich waren auch die Ladies verschwunden. Der äußerlich an Patrick Wolf erinnernde Hunx mit seinen Punx kam gar nicht – die Aschenwolke verhinderte in Barcelona den Start seines Flugzeuges.

 

Main-Act Peaches konnte den fast zweistündigen Totalausfall durch ihren 1,5 Stunden dauernden Auftritt etwas wettmachen – Stagediving in den ersten Publikumsreihen, Blinklicht zwischen den Beinen, ein mitreißendes Set (inkl. „Talk to me“, „Fuck the Pain away“ und „Lose you“) und der Aufruf an die ganz Mutigen, sich das T-Shirt vom Leib zu reißen. Wenn sie auf männliche Hendlbrust steht, warum nicht ? Stark verbesserungswürdig also das Programm – bei einem Budget von 2,1 Millionen Euro (wobei das Land 1,7 Mio und die Stadt Krems so um die 250.000 Euro zuschießt) darf man sich weniger abstruse Performer und mehr Soundcatcher wünschen. Vielleicht auch die Straffung an einem Wochenende, und dann mit Ting Tings, Yeah Yeah Yeahs, The Drums oder den Dandy Warhols. Dass die Soundqualität unter jeder Kritik war, braucht wohl nicht extra erwähnt zu werden. Und das Pfandsystem (2 Euro) mit Becher-Relikten aus vergangenen Donaufestivals dürfte vermutlich nicht einmal mehr in Nordkorea state of art sein.

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