Doors Experience in der Szene Wien

Jim Morrison, skandalumwitterter Sänger der Doors, starb am 3. Juli 1971 in Paris im Alter von nur 27 Jahren. Offizielle Todesursache: Herzversagen. Eine Obduktion wurde nie vorgenommen. Seitdem gilt der Friedhof Pere Lachaise in Paris als Pilgerstätte von Doors-Fans aus aller Welt. Auch der zeitlose, poetische Psychedelic Rock der 1965 am Strand von Venice Beach gegründeten Band blieb unvergessen.

 

Seit dem Jahre 2001 zollt auch eine Kremser Band dem Erbe von Jim Morrison & The Doors Tribut: "The Doors Experience". Im Rahmen ihrer Europa-Tour 2009, die sie auch nach Stuttgart, Zagreb oder Zürich führt, gastierten sie auch in der österreichischen Bundeshauptstadt, in der Szene Wien. Im Mittelpunkt der Show stand natürlich Sänger und Frontmann Jason "Jim" Boiler, die perfekte Reinkarnation des "Lizard Kings". Dies nicht nur äußerlich mit schwarzer Lederhose und Lockenkopf, sondern auch in Gestik, Mimik und Stimme. Mit seinen (Indianer)-Tanzparaden, dem für Jim Morrison charakteristischen Niederkauern bei Instrumental-Parts oder seinen statisch-verführerischen Blicken ins Publikum zog er bei dem fast dreistündigen Set auch Girls und Boys in seinen Bann, deren Eltern zur Hochblüte der Doors noch Kleinkinder oder noch nicht mal geboren waren. Die musikalisch ausgezeichnete Band stand ihm da an nichts nach, allen voran Klaus Bergmaier (aka Ray Manzarek) an Orgel und Keyboards in ekstatischer Spiel-Laune, Christoph Zauchinger (aka John Densmore) an den Drums und die Bassisten Rene Galik (aka Robby Krieger) und Jürgen Schaupp.

 

Mit dem späten "L.A. Woman" (in den 90ern gecovert von Billy Idol) begann der psychedelische Hit-Reigen, es folgten u.a. die aus dem Jahre 1927 (!) stammende Bertolt Brecht-Produktion "Alabama Song" (Whiskey Bar), die 1. Single "Break on through", "People are strange", "Love Street", das Van Morrison-Cover "Gloria" (aus alten "Whiskey Go Go"-Zeiten), "Touch me" oder die US-Nr. 1 "Hello I love you". Als Highlight klarerweise "The End", das über 10 Minuten lange Opus, das durch seine auf die griechische Sagengestalt Ödipus anspielenden Textzeilen "Father, I want to kill you, Mother I want to fuck you" im prüden Amerika für einen Skandal sorgte und später im Francis Ford Coppola-Film "Apokalypse now" als Intro-Song verwendet wurde. Im Zugabeteil "Riders on the Storm" (das die Original-Doors nur einmal live spielten) und das brillante "Light my Fire", der 1. Welt-Hit der Band, in gewohnter Extended Version.

 

Ein Hauch von Sixties-Revolution und Free Love & Drugs, als während des Konzerts schon mal Haschisch-Dämpfe die Fans der Doors Experience euphorisierten. Ansonsten aber blieb es brav-harmlos in der Audience der Szene Wien - kein Stagediving, kein Widerstand gegen die Staatsgewalt nach Entblößung des Geschlechtsorgans, keine Alkohol- und Drogenexzesse auf der Bühne, und auch das Hemd von Frontmann Jason Boiler blieb an. Dem Original-Jim Morrison hätte das Konzert gefallen, wurde doch der Ex-Filmstudent oft nur auf seinen ausschweifenden Lifestyle und seine skandalösen Auftritte fixiert. Und nicht auf sein geniales Lebenswerk.

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