OVER THE RAINBOW - Regenbogenparade Vienna 2009 !

"Over the Rainbow" wurde 1939 für den Film "Der Zauberer von Oz" geschrieben und bekam 1940 den Oscar als Bester Film-Song. Interpretiert wurde der Song von der blutjungen Judy Garland, bereits zu Lebzeiten eine Ikone der Gay Community. Die Nacht nach ihrer Beerdigung am 27. Juni 1969 gilt als Gründungstag der Lesben- und Schwulenbewegung, als sich in der New Yorker Gay-Kneipe Stonewall Inn in der Christopher Street die Homosexuellen erstmals gegen die schikanösen, diskriminierenden Polizeirazzien wehrten und tagelange Straßenkämpfe ausgelöst wurden.

 

Der Regenbogen gilt seit damals als international anerkanntes Erkennungszeichen für die Pink Community. In Österreich gibt das Rainbow-Symbol der seit 1996 stattfindenden Wiener Regenbogenparade den Namen, deren Route wieder vom Stadtpark über den Ring "andersrum" bis zur Abschlusskundgebung am Schwarzenbergplatz führte. Angeführt wurde die politische Demonstration traditionell von den Dykes on Bikes und 2 homosexuellen Body Painting-Paaren in Regenbogenfarben. 53 Gruppierungen beschallten mit Musik und Parolen bei heißem Sommerwetter die Wiener Innenstadt und plädierten für eine Gleichstellung Homosexueller und die Einführung einer Lebenspartnerschaft, 120.000 Zuschauer (in Köln beim Christopher Street Day waren es sogar 700.000) gaben dem schrill und bunt kostümierten Aufmarsch alle Ehre.

 

Vertreten die Creme de la Creme der Schwulenszene: die Homosexuelle Initiative (Hosi) Wien, die 2009 ihr 30jähriges Bestehen feiert, mit einem schrägen Schlager-Truck, das U 4 als "4 im Jeep"-Epigonen,  die Sadomasochismus Initiative Libertine mit den schon legendären zweibeinigen "Zugtieren", der Club Kreativ, die Rosa Lila Villa der Linken Wienzeile, die Kult-Gay-Disco Why not mit coolen Tech-House-Beats, die Internet-Plattforum erotikforum.at oder der Club Delicious Strictly in White. Politische Prominenz fand sich auf den Fahrzeugen der SPÖ und der Grünen: Ex-"Made in Austria"-Quizmaster Günther Tolar, in den 60ern wegen verbotener Männerküsse in der "Alten Lampe" verhaftet (wo man sich gerne "Fliege", "Blume" oder "Täubchen" nannte, damit man seinen schwulen Lover nicht bei der Polizei verpfeifen konnte) und eine Nacht in der Zelle eingesperrt, und die bekennende Lesbin und EU-Parlamentsabgeordnete Ulrike Lunacek, die am "Grünen Andersrum"-Truck mit den Gesinnungsgenossen ausgelassen mitravte. Von Schwarz, Blau oder Orange war bei der Regenbogenparade nichts zu hören und zu sehen, man hat anscheinend Berührungsängste mit der liberalen, freizügigen, polyamoren LGBT-Community. Zumindest einige Zitate auf den Schildern der als "Burschensaft Clitoria" und "Vaginalia" auftretenden Demonstranten - wie "Lesbenbanden statt Männerbünde", "Menstruieren statt Mensurieren", "Morgenlatte statt Abendlande" oder "Zungenkuss statt Hitlergruß" - erinnerten an den heftig umstrittenen EU-Wahlkampf der FPÖ und deren Burschenschafter-Cliquen.

 

Laut aktueller Schätzungen sind ca. 10 % der Menschen homosexuell, trotzdem haben 3/4 der Bevölkerung keinerlei Kontakt zur Queer Community. Das glauben sie zumindest. Manche Provinzler glauben auch, dass tanzende oder modisch gestylte Männer schwul und Frauen mit kurzen Haaren ohne Lebenspartner lesbisch sind. Die Bandbreite der Vorurteile ist unermesslich, nicht nur im Iran. Sogar der Schwulenaktivist Alfons Haider - angeblich wegen sexueller Neigungen erpresst - meinte nach seinem unfreiwilligen Outing, er könne dies niemandem empfehlen. Diese Probleme hatte die Rainbow-Ikone Judy Garland nicht. Die Filmschauspielerin und Sängerin war allerdings schwer drogensüchtig und fünfmal verheiratet, eine ihrer Töchter ist der Hollywood-Star Liza Minelli. Bald im Kino zu sehen - in der Biografie "Get happy - The Life of Judy Garland". Mit der bezaubernden Anne Hathaway ("Rachel´s Hochzeit") in der Hauptrolle. Es leuchten meine Augen, und zwar mindestens so farbenprächtig wie ein Regenbogen während eines romantischen Sommerregens.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0