Donaufestival-Organisator: "In Krems wird man ignoriert !"

"Anfangs dachte ich, dass es die Kremser zumindest irritieren wird, wenn 20 Schwarzafrikaner durch die Landstraße spazieren. Aber jetzt muss ich schon sagen - ich glaube, man kann in Krems machen, was man will, man wird ignoriert." Keine Worte eines nigeranischen Schlepperunternehmers, sondern von Donaufestival-Organisator  Tomas Zierhofer-Kin in der aktuellen Ausgabe der Kremser Jugendzeitung "Das Helmut". Und leider trifft er damit den Nagel auf den Kopf. Denn beim alljährlich in der Donaumetropole stattfindenden Donaufestival veirren sich neben den dort arbeitenden Bar-Ladies (des peinlich eingerichteten  "Österreichhallen"-Festival-Cafes) nur wenige Kremser, meistens jene, die "schon längst in Wien wohnen, weil sie die Gesellschaft hier nicht ausgehalten haben".

 

Zugegeben, das Programm ist teils gewöhnungsbedürftig, teils skurril, teils einfach nur Lärmbelästigung unter dem Deckmantel der Kunst. Aber dieses Feststellung des Festivalintendanten trifft leider nahezu auf alle nicht dem traditionellen Mainstream untergeordneten Events und Aktivitäten zu. Ein Wunder, dass Martin Negers Spotlight-Clubbings und Alex Lengauers Star Night-Club-Parties in einer Stadt funktionieren, wo der typische Kremser sich auf die proletarischen Zelt-, Feuerwehr- und Kellergassenfestln freut, das Kunsthallenareal nur betritt, um sich bei der nahegelegenen Tankstelle ein Dosenbier zu holen oder bei Einbruch der Dunkelheit zur zappenden, anspruchslosen Couchpotatoe von Millionenshows, Schlagerstadln und Bullen von Tölz-Endloswiederholungen wird.

 

Film-Events im Kesselhaus, Sport-Turniere, Kunsthallen-Vernissagen, Fashion-Shows, Club-Events, Lokal-Opening-Parties, Ausstellungseröffnungen junger  Kreativer allen Genres oder eben auch das Donaufestival. Man muss neuen Sachen gegenüber aufgeschlossen sein und soll sich nicht in seinem persönlich gebauten Elfenbeinturm einsperren. Gilt auch für das Internet: Mehr Kreativität und Personality (durch Blogs, Foto-Shows und Homepages) statt anonymem Surf-Konsum und Facebook-Stalking. Traditionen sind dazu da, um gebrochen zu werden. In einem Bundesland, wo eine Partei trotz Ersatzkaisertum, Freunderlwirtschaft und Spekulationsskandalen noch immer die absolute Mehrheit hat, ein schwieriges Unterfangen. Aber machbar. Think pink !

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