Streetfestival vs. Free Parade 2009 @ Vienna

Die Bundeshauptstadt Wien zählt um die 1,7 Millionen Einwohner und rühmt sich auch gerne als Party- und Szenehauptstadt der Alpenrepublik. Gesehen hat man davon letzten Samstag Nachmittag wenig davon. Im Rahmen des Street Festivals 2009, einer leider missglückten Reinkarnation diverser Free Parties der 90er und Love Parades 2001 und 2002, präsentierten sich bunt geschmückte 15 Party-Trucks renommierter Clubs und Events zwischen Oper und Universität - darunter Beat Patrol vs. Vienna Calling (mit Tom Snow und DJ Ronaldo), Delicious strictly in White (aber nur mit Boys), Volksgarten, Empire Club (der am 14. August die Trance-Ikone Paul Oakenfold nach Wien bringt), Chateau Boum Boum, die Passage, das U 4 und die Underground-Institution Flex, das praktisch ohne menschliche Rückendeckung die Ringstraße entlang rollte. Ausgerechnet die Innenstadtlokale Kaktus und Gnadenlos aus dem imagemäßig geringgeschätzten Bermudadreieck konnten bezüglich Sound und Sexappeal die beste Stimmung erzeugen. Dem schlechten Wetter und dem teils einsetzenden leichten Regen die Schuld an der geringen Teilnehmeranzahl von ca. 10.000 Party People (statt erhofften 200.000 !) zu geben, wäre zu einfach. Fakt ist: Wien hat derartige langweilige Couch-Potatoes nicht verdient und muss sich Sorgen machen um die Party-Zukunft.

 

"Wer sich nicht bewegt, bewegt nichts", "Fladenbrot statt Tanzverbot" oder "Stoppt die Überwachung - I dreh mein eigenen Film" - so einige Slogans auf den Trucks der Gegenveranstaltung, der politisch angehauchten "Free Parade", die sich auf einer Route zwischen Mariahilferstraße und Schwarzenbergplatz für ein Bleiberecht und gegen Homophobie und den Polizeistaat aussprach. Statt House und Electro dröhnten ohrenbetäubender Hardcore Acid, Freetekk und Drum&Bass aus den Boxen. Gemäß dem Motto "Keep Doing Shit" konnte wohl kein sündteures Parfüm einer schnöseligen Passage-Tussi den betörenden Hush-Hush-Düften der "linken Schickeria" Konkurrenz bieten. Hauptsache "Aufklären statt einsperren", wie es die Drogenberatungsstelle Check-it (www.checkyourdrugs.at) nicht zu Unrecht propagiert. Einige tanzten ekstatisch auf den Straßenbahn-Wartestationen und den Telefonzellen, manche erlebten nach einer Überdosierung den Sonnenuntergang nicht mehr bei hellem Verstand. Zumindest die Stimmung passte unter den ca. 1.000 Teilnehmern, und das ist ja das Wichtigste. Denn: Life is too short for boring parties.

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