Kindertagesheimstatistik: Geringe Quoten bei Kleinkindern und Mängel bei Öffnungszeiten.

Laut dem EU-weit vereinbarten Barcelona-Ziel sollte ein Drittel der Kinder Betreuungseinrichtungen besuchen. Von diesem Ziel, das bereits 2010 erreicht hätte werden sollen, ist Österreich allerdings weit entfernt.

 

Gemäß der aktuellen Kindertagesheimstatistik 2016/2017 beträgt die Betreuungsquote bei unter 3jährigen Kindern derzeit 25,4 %. Insgesamt besuchen in Österreich 65.057 Kinder Krippen und Kleinkindbetreuungseinrichtungen. Dabei bestehen krasse Unterschiede zwischen den Bundesländern. Führend sind Wien mit 44,3 % und Burgenland mit 30,3 %, während die Quote in Niederösterreich nur 22,9 % oder in Oberösterreich nur 15,4 % beträgt. Nach Einzeljahren betrachtet besucht die Hälfte der zweijährigen Kinder (bei denen die arbeitsrechtliche Karenz der Mütter bereits beendet ist) eine Krippe, der Prozentsatz bei Einjährigen beträgt 23,1 %.

 

Bei drei- bis fünfjährigen Kindern ist die Betreuungsquote - außer in Kärnten und der Steiermark - flächendeckend über 90 %. 233.882 Kinder besuchen Kindergärten, die österreichweite Quote beträgt 93,4 %. Betrachtet man die Alterskategorien, werden 85,5 % der Dreijährigen, 96,1 % der 4jährigen und 98,5 % der fünfjährigen Kinder institutionell betreut. Letztere unterliegen seit 2010/2011 einer bundesweiten Besuchspflicht, ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr ist in Planung, allerdings aufgrund der bevorstehenden Finanzausgleichsverhandlungen noch nicht gesichert.

 

Problematisch für berufstätige Eltern und Alleinerziehende sind vor allem die Öffnungs- und Sperrzeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen, und das vor allem in den ländlichen Regionen. Während in Wien Öffnungszeiten bis 20 Uhr angeboten werden und durchschnittlich nur 3,4 Schließtage vorliegen, betragen beispielsweise die Sperrzeiten in der Steiermark 25,2 und in Vorarlberg 39,4. In diesen Gegenden ist es schwierig für die Eltern, Beruf, Familie (und Urlaub) ohne Hilfe der eigenen Verwandten oder teurer Ferienlager zu organisieren. Der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen in infrastruktureller und zeitlicher Hinsicht muss daher für die Politik eine besondere Präferenz darstellen. Vor allem auch unter der schlüssigen Experten-Prämisse, dass das Vorhandensein von adäquaten Kindergartenplätzen die Abwanderung von Familien aus dünner besiedelten Regionen Richtung Ballungsgebiete verhindert.